Leseprobe1

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s c hwi m m enten
Schwimmenten, Gattung Anas
Während sich die Handschwingen bei den verschiedenen Arten der Schwimmenten kaum an
der Färbung, allenfalls an der Größe unterscheiden lassen, findet man Artunterschiede vor allem
in den Armschwingen, den Großen Oberen Armdecken sowie den Schirm- und Schulterfedern.
Man achte also bei Funden vor allem auf solche Federn.
Schnatterente Anas strepera
Federmerkmale: Die Handschwingen wirken im Vergleich zur Stockente zierlich. Sie sind
matt sepiafarben mit schwacher Aufhellung an
der Basis der Innenfahne und Verdunkelung
an der Spitze. Wie üblich ist H9 an der Außenfahne und H10 an der Innenfahne verengt. Die
längste Handschwinge misst 18 bis 21 cm, im
Mittel 19 cm. Der weiße Flügelspiegel ist nur
am inneren Ende des Armflügels entwickelt, bei
jungen Weibchen beschränkt er sich auf die Außenfahne der 9. Armschwinge oder fehlt ganz.
Bei alten Männchen ist er größer und enthält
mehrere weiß leuchtende Armschwingen. In jedem Fall wird er nach außen und nach vorn hin
im Arm schwarz begrenzt: Die Großen Oberen
Armdecken sind am Ende schwarz gesäumt.
Die Schirmfedern sind beim Männchen einfarbig sepia getönt, tragen aber auf der Außenfahne einen schwachen frostigen Schimmer. Beim
Weibchen sind sie dunkel mit heller Marmorierung auf der Außenfahne und hellem umlaufendem Saum. Die mittlere Steuerfeder ist ähnlich
wie eine Schirmfeder, aber symmetrisch gemustert. Nach außen hin werden die Schwanzfedern
heller, St7 ist beinahe weiß. Die längsten Steuerfedern messen 8,5 bis 11,8 cm (Mittel 9,9 cm).
Ober- und Unterschwanzdecken sind beim
Männchen im Prachtkleid schwarz, beim Weibchen aber heller und marmoriert oder (unten)
mit mehr oder weniger breitem Schaftstrich.
Vorkommen und Mauser: Die Schnatterente
tritt als spärlicher Brutvogel auf vegetationsreichen Gewässern an Küsten, in Flussauen und
im Binnenland auf und zieht zum Überwintern
nach Westeuropa. In Deutschland rechnet man
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Der Erpel bewacht die Partnerin beim Gründeln.
jetzt mit 6500 bis 8500 Brutpaaren, die meisten
in Schleswig-Holstein. Die Mauser beginnt mit
dem Kleingefieder, bei den Männchen schon im
Mai, bei den Weibchen später. Danach folgt der
Ersatz der synchron ausfallenden Schwingen,
wobei die Männchen meist im Juli/August für
etwa vier Wochen flugunfähig sind; die Weibchen folgen verzögert. In beiden Geschlechtern
schließt sich die neuerliche Mauser des Kleingefieders sehr bald an die Erneuerung der Schwingen an, sodass die Vögel frühzeitig im Herbst
wieder das Prachtkleid tragen.
Ähnliche Arten: Während die Armschwingen der etwas größeren Stockente einen blauen
Schimmer tragen, ist der Spiegel bei Krickente,
Knäkente, Löffelente leuchtend grün, bei der
Schnatterente jedoch klein und randlich weiß.
Bei der Pfeifente ist er mattgrün oder schwarz
mit weißem Innenfeld.
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s c hnatterente , p feifente , s to c k ente
Pfeifente Anas penelope
Federmerkmale: Die Handschwingen sind
durchweg dunkel graubraun, mit einer schwachen Aufhellung an der Basis der Innenfahne,
die Spitzen sind dunkel. H9 ist mit 17 bis 21 cm
(Mittel 19,5 cm) am längsten, H8 und 10 sind
nur wenig kürzer. H9 trägt eine Außenfahnenverengung an der Spitze, H10 eine Verengung
der Innenfahne. Bei den Armschwingen des
Männchens stellt sich ein tiefdunkler, grün
schillernder Spiegel auf der basalen Hälfte der
Außenfahne dar. Bei den Weibchen ist der Spiegel schwarz. An der Spitze der Armschwingen
fällt ein 2 bis 4 mm breiter heller Saum auf. Bei
A10 oder 11 ist die Außenfahne teilweise weiß.
Die Schirmfedern sind besonders an der Außenfahne samtschwarz, nur der Schaft und ein
schmaler Saum der Außenfahne heben sich
hell ab. Die Großen Oberen Armdecken sind
bei den Erpeln grau, am Ende tragen sie eine
breite tiefschwarze Binde und der größte Teil
der Außenfahne ist weiß. Diese Federn bilden
das weiße Flügelfeld, das bei fliegenden alten
Erpeln gut sichtbar ist. Bei den Weibchen und
Jungvögeln ist dieses Muster nur angedeutet.
Die beiderseits meist sieben Steuerfedern sind
beim Erpel betont dunkelgrau mit hellen Spitzen, werden nach außen hin heller und sind vor
allem auf den Außenfahnen silbrig überflogen;
die mittleren Schwanzfedern sind am dunkelsten. Die längste Steuerfeder sitzt jeweils in der
Schwanzmitte und ist beim Männchen etwa
11,5 cm lang (Variationsweite für alle Kleider
8,5 bis 12,8 cm, Mittel 10,4 cm bei n = 325). Sie
überragt ihre Nachbarn im Prachtkleid um 11
bis 25 mm. Auch bei den Weibchen sind die
Steuerfedern spitz. Im Flugbild zeigt sich der
verlängerte, spitze Schwanz. Das ist aber beim
Weibchen schwächer ausgeprägt als beim Erpel.
Vorkommen und Mauser: Pfeifenten sind
Brutvögel Skandinaviens und Russlands, kommen jedoch außerhalb der Brutzeit in großen
Scharen bei uns an den Küsten und im Binnenland vor, vor allem von September bis April.
Hierzulande gibt es nur 40 bis 45 Brutpaare. Sie
sind als Wintergäste gesellige, häufig nachtaktive
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Nur alte Erpel haben das große weiße Flügelfeld.
Weidegänger wie Gänse und treten daher meist
in größeren Trupps auf. Die Mauser der Schwingen erfolgt im Sommer bis in den Herbst hinein.
Ähnliche Arten: Verlängerte, spitze Schwanzfedern findet man auch bei der Spießente. Während die Armschwingen der Stockente blauvioletten Glanz tragen, ist der Spiegel bei Krickente,
Knäkente und Löffelente leuchtend grün, bei
der Pfeifente mattgrün oder schwarz mit weißem Innenfeld.
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Stockente Anas platyrhynchos
Federmerkmale: Die Handschwingen sind
braun mit einem Stich ins Sepia. Die Schäfte
heben sich farblich kaum von den Fahnen ab.
Die längste Handschwinge misst 18,5 bis 22 cm,
im Mittel 20 cm. H10 hat eine Verengung an
der Spitze der Innenfahne, die vielleicht für
den pfeifenden Flugschall verantwortlich ist.
H9 hat eine Einbuchtung an der Außenfahne,
wodurch die Spitze von H10 freigestellt wird.
Diese Eigenschaften sind typisch für Entenflügel, aber bei den einzelnen Arten unterschiedlich ausgeprägt. Besonders bezeichnend sind die
Armschwingen, die mit ihren Außenfahnen einen auffälligen, blauviolett schillernden Spiegel
bilden. Dieser Spiegel wirkt durch abweichende Lichtbrechung grünlich, sobald die Federn
feucht sind. Die Innenfahnen sind graubraun,
die Federspitze hat ein leuchtend weißes Band.
Der Spiegel ist in beiden Geschlechtern gleich
ausgebildet. Die Großen Oberen Armdecken
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