Was wir in Sachen Interkulturelle Kompetenz vom Fußball lernen können Teil 3 – der letzte Teil für diese WM - : Halbfinale Deutschland / Spanien Oktopus Paul hat Recht gehabt … Wir sind nicht nur von der Gluthitze, sondern vor allem wegen des geplatzten Traumes, wie gelähmt. Wir hatten einen anderen Plan, einen anderen Wunsch, ein anderes Ziel … das haben wir nicht mehr. Wie flüssig und leichtfertig ich tippe, wenn ich beschwingt und beflügelt bin … wie zäh die Gedanken ohne wirklichen output im Kopf herumkreisen, wenn dieses Gefühl weg ist. Eigentlich habe ich gar keine Lust … aber das haben Löw’s Jungs nicht verdient. Also versuche ich gebührend, zum letzten Mal, anzusetzen … Für la Mannschaft (wie die Franzosen sagen) – hat es nicht gereicht. Der gelobte Zusammenhalt, die mentale Stärke, der Wille waren nicht genug, um die bessere Mannschaft, die Spanier, zu bezwingen. Die größte spanische Tageszeitung El País titelt am Donnerstag, den 08.07.2010: „La mejor Espana, a la final“ (Das beste Spanien im Endspiel) – und die interviewten Passanten auf der Straße sind sich sicher, dass nun Spanien Weltmeister wird. Eine ältere Dame sagt: „wir haben gerade so ein schwaches Selbstbewusstsein, und jetzt richtet uns unsere Nationalmannschaft wieder auf!“ Dieses Gefühl können wir nachempfinden, aber hätten wir gedacht, dass es den Spaniern ebenso geht? Unser südafrikanischer Friseur, dessen Salon wie ein „WM 2010-Schrein“ dekoriert ist, wünschte uns vorgestern noch viel Glück für das Endspiel – seine Wünsche und unsere Hoffnungen wurden nicht erhört. Joachim Löw sprach nach dem Spiel im Interview von „Respekt“ gegenüber den Spaniern. Er sprach ebenso von „Überzeugung“ … Respekt ist gut, aber nicht genügend Überzeugung kann schnell zu Selbstzweifeln führen. Nur ein Quäntchen Selbstzweifel führt gegen eine Mannschaft wie die spanische zum Verlieren. Die Mannschaft ist jung, was am Mittwochabend des 07.07.2010 passiert ist, gepaart mit der Gesamterfahrung des Turniers, macht die Jungs stark, und gibt Hoffnung, in der Zukunft die beste Mannschaft der Welt zu werden. Durchhaltevermögen sagt man uns nach - das ist jetzt gefragt. Aufstehen können, und das Positive aus solch einer schmerzlichen Erfahrung zu ziehen, das ist jetzt auch gefragt, jetzt werden wir sehen, wie stark die deutsche 11 – und wir selbst – wirklich sind. Können wir alle gemeinsam etwas von dem positiven „wir sind Deutschland“- Gefühl ins wahre Leben herüberretten, oder dauert es jetzt wieder bis zur nächsten EM oder dem nächsten Grand Prix D’Eurovision? Ich glaube an die junge Mannschaft, die in so kurzer Zeit so viele Erfahrungen sammeln konnte, und ich appelliere an uns alle an dem positiveren und weniger „gestörten“ Nationalbewusstsein festzuhalten. Raphael Honigstein1, ein Fußball-Korrespondent des Guardian, fasst am Vorabend des Halbfinales treffend zusammen: die Entwicklung im Umgang mit dem deutschen Nationalbewusstsein geht von „being feared“ nach dem 2. Weltkrieg, zu „being respected“ zu „being liked“ – und er sagt treffend, dass durch die ‚performance’ der deutschen Nationalelf während der WM 2010 die Deutschen das Gefühl erahnen können, wie es wäre „gemocht“ („being liked“) zu sein. Auf gesellschaftlicher Ebene verhält es sich nicht anders, als auf persönlicher Ebene, sich selbst zu mögen ist die Grundvoraussetzung dafür auch von anderen gemocht zu werden! In diesem Sinne sollten wir weitermachen uns zu mögen! Nina Frauenfeld ist Gründerin von SUCCESS ACROSS www.successacross.com. Die Beratungs-Mannschaft von success across entwickelt interkulturelle Strategien für internationale Unternehmen und trainiert Führungskräfte sowie Studenten, die interkulturell kompetent, und damit erfolgreicher in der Geschäftswelt werden möchten. 1 Die Betrachtungen von Raphael Honigstein sehen Sie hier: http://www.guardian.co.uk/football/video/2010/jul/07/world-cup-2010-germany-celebrating
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