CBRE_AT_im_Trend_251116

TREND
WIRTSCHAFT
VON ULRIKE MOSER
IMMOBILIEN
Der Wiener Markt
profitiert
Der weltweit führende Immobiliendienstleister CBRE hat sich in den
letzten 25 Jahren dank spektakulärer Deals, exakter Marktbeobachtung
und Komplettangeboten zum heimischen Marktführer gemausert.
E
SPEKTAKULÄR. Der Wiener IZD Tower
wechselte um 280 Millionen Euro den
Besitzer.
Wir profitieren vom Brexit, und vor allem Asiaten sind bereit zu investieren ,
fasst Ridder die Marktsituation zusammen. Diese zeigen vor allem verstärkt
Interesse an Bürotürmen. The bigger
the better lautet die Devise. Investiert
werden wie auch beim IZD Tower
stets mehr als 200 Millionen Euro. Auch
für den Millennium Tower gibt es bereits
asiatische Interessenten.
Dafür muss allerdings auch das Produkt stimmen, müssen Infrastruktur
und Facility-Management auf dem letzten Stand und die entsprechenden Büroflächen annähernd voll vermietetsein.
Mit nur sechs Prozent Leerstand ist der
Wiener Markt für Investoren dementsprechend attraktiv. Auch weil immer
mehr heimische Unternehmen ihre alten,
schwer zu adaptierenden Bürostandorte
aufgeben und statt auf repräsentative
Gründerzeitbauten auf e ziente und
flexibel nutzbare Flächen setzen.
Derzeit ist die Auswahl allerdings beschränkt, war doch die Flächenproduktion im heurigen Jahr so gering ist wie
schon seit Jahren nicht. Das wirkt sich
auch auf die Preise aus. Die Spitzenmieten bewegen sich bei 26 Euro pro
Quadratmeter im internationalen Vergleich freilich immer noch eine Mezzie.
Dennoch dürfen Mieter gern mehr erwarten. Die Menschen sollen wieder
gern ins Büro gehen, da braucht es alternative holistische Lösungsansätze , so
Julian Schramek, Head of Workplace
Consultancy bei CBRE.
Diese Leistung wird vor allem von
Unternehmen mit einem Flächenbedarf
ab 1.200 Quadratmeter in Anspruch genommen.
Dabei stellen wir nicht mehr
die Frage, wie viel der Kunde braucht,
sondern was , so Schramek. Der Markt
verändert sich also tatsächlich.
EXPA/ICTURDSK.OM
iner der größten heimischen Immobiliendeals
des Jahres war zweifellos
der Verkauf des Wiener
IZD Towers. Ein deutscher Fonds der österreichischen SignaGruppe trennte sich von dem Turm, den
CBRE Global Investors für einen koreanischen Separate-Account-Kunden um
280 Millionen Euro erwarb. Begleitet
wurde der Verkauf nun schon zum zweiten Mal von CBRE
ebenso wie jener
des Bürogebäudes space2move in der
Wiener Muthgasse um 160 Millionen
Euro, jener des Gebäudes Schottenring
19 oder eine großvolumige Anmietung
für PWC.
Seit 25 Jahren ist das Unternehmen
am heimischen Markt vertreten und in
Immobilienvermittlung und -verkauf
ebenso tätig wie in Immobilien-, Facility- und Projektmanagement, strategischer Beratung, Investmentstrategien
und Consulting. Die Entwicklung des österreichischen Immobilienmarktes spiegeln umfangreiche Marktberichte von
CBRE wider. Dass der Markt brummt,
wundert Geschäftsführer Andreas Ridder
wenig. Besonders die Immobilieninvestments gewinnen derzeit an Fahrt. Österreich war für internationale Investoren bei geringer Rendite relativ teuer,
aber mit geringem Risiko. In den vergangenen zwei Jahren hat sich das sehr verändert. Deutsche Städte, Paris und London haben sich massiv verteuert. Für Investoren auf der ganzen Welt wird Wien
plötzlich interessant, da man hier nun
vergleichsweise günstig kaufen kann.
(3),
BWEIIGLSSTOLN,
JERMY
FOTS:
Schöner shoppen
GROSSER
DEAL. Erst kürz-
lich vermittelte
CBRE den
Verkaufder ehemaligen k. u. k.
Frucht- und
Mehlbörse am
Schottenring 19
um einen
zweistelligen
Millionenbetrag
an den o enen
Immobilienfonds
Real Invest
Austria der
BankAustria
Real Invest
Immobilien KAG.
MARKTENTWICKLUNG. Der derzeitige Mangel an neuen
Büroflächen sorgt
für gestiegene
Mieten. In Spitzenlagen werden bis zu
26 Euro pro Quadratmeterverlangt.
In den kommenden
zwei Jahren
entspannt sich der
Markt durch eine
höhere Flächenproduktion.
Entwicklung der Spitzenmieten
30 Euro/m²/Monat
Flächenproduktionpro Jahr
250.000 m2
25
200.000
20
Spitzenmiete
Gute Lagen
DurchschnittlicheLagen
15
10
07 08 09 10 11 12 13 14 15 16e
2Q3016
RCESBARCEH,
QUEL :
150.000
2Q3016
100.000
RCESBARCEH,
50.000
0
12 13 14 15 16e 17e 18e
ZEITGEMÄSSES
ARBEITEN. Das
Pharmaunternehmen AbbVie
setzte für seinen
Bürostandort auf
Building Consultancy von CBRE.
Wohlfühlatmosphäre und optimierteGrundrisse sorgen
für motivierte
Mitarbeiter.
QUEL :
SHOPPINGCENTER-MANAGEMENT. Neue Shoppingcenter
entstehen hierzulande kaum noch,
dafür werden zunehmend in die Jahre
gekommene Retail-Immobilien saniert.
Gelungenes Shoppingcenter-Management macht Malls auch in Zeiten des
boomenden Onlinehandels interessant. Refurbishment, also das
Aufmöbeln der Shoppincenter und
gleichzeitiger Relaunch und Neupositionierung, sorgt dafür, dass
Einkaufszentren wieder als attraktiv
wahrgenommen werden. Shoppingcenter stehen unter großem
Veränderungsdruck: Gastronomie
und Unterhaltungwerden immer
wichtiger, einige Marken laufen nicht
mehr so gut, dafür sollen neue und
erfolgreiche Marken kommen und
untergebracht werden. Hier begleiten
wir die Eigentümer bei der Neupositionierung ihrer Center von Verwaltung,
Planung über die internationale
Mietersuche bis hin zu Projektmanagement und Marketing , sagt
CBRE-Chef Andreas Ridder. Seit
Anfang des Jahres betreut das
Unternehmen die ShoppingCity
Seiersberg bei Graz und die Shoppingcity Wels, um deren Verwaltung sich
bisher deren Eigentümerkümmerten.
Ein Paradebeispiel für einen gelungenen Relaunch ist laut Ridder die SCS:
Um sowohl Menschen als auch neue
Marken anzuziehen, brauchen
Einkaufszentren einen USP. Dafür
sorgt das Centermanagement.
VERWALTUNG UND ENTWICKLUNG.
Das Centermanagementdes Shoppingcenters Graz-Seiersberg (oben) liegt
ebenso wie jenes für die Shoppingcity Wels
in den Händen von CBRE.
TREND
WIRTSCHAFT
IMMOBILIEN
DER IMMOBILIENMARKT
ISTÄUSSERST STABIL
Andreas Ridder, Geschäftsführer des heimischen
und internationalen Marktführers CBRE,
über sich nur langsam verändernde Preise und
gestiegene Ansprüche.
TREND: Sie haben vor 25 Jahren
CBRE nach Österreich geholt. Seitdem
bei der Bewertung der damals großen
Immobiliengesellschaft
Residenz, die
hat sichder Immobilienmarktdeutlich dann auch bald wieder vom Markt
gewandelt. Was hat sichrückblickend verschwunden ist.
getan?
Preise stark verändert. Aber Österreich
war und ist im Vergleich zu London,
Paris oder Moskau ein äußerst stabiler Markt, in dem die unterschiedlichen
Zyklen bei Weitem nicht so extrem
ausfallen wie anderswo. Vor allem verändert hat sich aber die Branche selbst.
Die Qualität hat sich extrem verbessert, es gibt kaum mehr schwarze
Schafe und die Unternehmen arbeiten
wesentlichprofessioneller.
Ihr Unternehmen ist weltweit in
über 65 Ländern tätig. Außer CBRE
gibt es in Österreich kein internatio-
Obwohldie Preiseam Büromarktin
den vergangenen Jahren gestiegen
sind und die Spitzenmieten nun bei
rund 26 Euro pro Quadratmeter liegen, ist der Wiener Markt iminternati-
onalenVergleichgünstig. Woran liegt
das? Wien ist tatsächlich ein sehr konstanter Markt, etwa im Vergleich zu
London. Hier gibt es viele unbefristete
Mietverträge, die Preiserhöhungen
denen 30.000
Quadratmeter aufge-
nalesImmobilienberatungsunternehmen; die Brancheist fest in den
Händen heimischer Player. Es heißt,
trieben werden müssen. Die Kurzfristigkeit sorgt dafür, dass Unternehmen
dann auch bereit sind, höhere Preise zu
Dienstleisternach Österreich gekom-
Große Gewerbeimmobilienverkäufe,
die Sie in der letzten Zeit begleitet
haben, zeigten, dass der Wiener Markt
dass der heimische Markt für internationale Immobiliendienstleister ein
äußerst schwieriger ist. Im Laufe der
Jahresind einige internationale
men und nach einigen
Jahren wieder gegangen.
Wir haben durchgehalten, im Gegensatz zu den
MitbewerbernSpezialisten eingesetzt, die den
Wiener Markt gut kannten, und sind heute
Marktführer. Wir haben
hier mit Immobilien-
bewertungenbegonnen,
uns rasch ein gutes Standing erarbeitetund waren immer sehr ehrlich
injede Richtung , wie
etwa in den 90er-Jahren
Das internationale Interesse ist enorm
kaum zulassen.Außerdemplanen
groß.
GroßmieterUmzüge drei bis vier Jahre
im Voraus. In London oder Paris beWelcheTrendssehenSie in deneinzelträgt die Vorlaufzeit für die Anmietung nen Bereichendes gewerblichenImneuer Flächen oft nur sechs Monate, in mobilienmarkts? Die Flächene zienz
zahlen.
auchfürinternationale
ZUR PERSON.
ANDREAS RIDDER
ist Geschäftsführer
von CBRE Österreich
und Chairman CEE. Der
frühere Investmentbanker holte das in über
65 Ländern agierende
Immobilienunternehmen
1991 nach Österreich und
beschäftigt mittlerweile
130 Mitarbeiter in Österreich und 1.400 in CEE.
Investoren immer
interessanter wird?
Durch den Brexit hat
sich das Interesse verlagert. Der deutscheMarkt
wurde daher attraktiver,
der österreichische
Markt profitiert daher
auch. Noch dazu sind
die Preise in Wien nun
günstiger als in Deutschland. Zurzeit sind beispielsweise der DC Tower
und der Millennium
Tower aufdem Markt.
ist stark in den Vordergrund gerückt.
Viele Unternehmen fassen ihre Standorte an einem Ort zusammen. Büroarchitektur muss dem Rechnung
tragen. Das bedeutet, dass einerseits
weniger Fläche zur Verfügung steht,
diese durch e zientere Nutzung aber
besser genutzt werden kann. Das sieht
man beispielsweise am Erste Campus
und wird auch mit dem Umzug der
Bank Austria auf den Austria Campus
im zweiten Bezirk der Fall sein.
Immer wichtiger wird dabei das OneStop-Shop-Prinzip, also nicht nur die
Vermittlung der passenden Immobilie,
sondern in weiterer Folge die Ent-
wicklung des Nutzungskonzepts,
Projektmanagement, Verkauf und
Verwaltung für den Kunden. Das gilt
aber nicht nur für den Büro-, sondern
auch für den Retail-Markt unddas
Shoppingcenter-Management.OneStop-Shop ist ein immer stärkerer
ELK/WIRTSCHAFBPUD.OM
RIDDER: Natürlich haben sich die
Trend, dem wir als einer der Ersten
auch Rechnung tragen.
MAYR
FOT :