BDP-Pressemitteilung Schritte aus der Gewalt

PRESSESTELLE
BUNDESGESCHÄFTSSTELLE
Alenka Tschischka
BDP · Am Köllnischen Park 2 · 10179 Berlin
BDP-Pressemitteilung
Anschrift Berufsverband
Deutscher
Psychologinnen
und Psychologen
Am Köllnischen Park 2
vom 26.7.2016 (at)
10179 Berlin
Telefon + 49 30 - 209 166 - 620
Telefax + 49 30 - 209 166 - 680
E-Mail [email protected]
Schritte aus der Gewalt
BDP fordert Politik und Medien auf, Wege aus der Gewaltspirale zu suchen
Angesichts der gehäuften Gewalttaten in den vergangenen Tagen mahnt der Berufsverband
Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) an, dass wir nicht hilflos zuschauen
sollen: „Wir als Gesellschaft, Politiker und Medien und auch als Psychologen können uns
entscheiden, wie wir auf diese Ereignisse individuell und als Gruppe(n) reagieren“, erklärt
BDP-Präsident Prof. Dr. Michael Krämer und stellt Folgendes zur Diskussion:
1. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Jeder Einzelne muss einen Weg finden, mit der
aktuellen Bedrohungslage umzugehen. Ängste sind Schutzmechanismen und insofern
berechtigt. Angst muss jedoch nicht zur Panik führen, sondern kann auch in überlegtes
Handeln münden. Sich vorsichtig zu verhalten und sich um seine Angehörigen zu sorgen, ist
richtig und wichtig. Dies bedeutet aber nicht, dass wir uns verkriechen.
2. Die intensive Darstellung von Gewalt bewirkt ein Abstumpfen gegenüber Gewalt. Die
ständige Beschäftigung mit Gewalt kann eine Senkung der Hemmschwellen bewirken, bei
denen, die Gewalt ausüben, oder auch bei denen, die Gewaltdarstellungen sehen. Machen
wir uns diesen Zusammenhang bewusst, können wir uns fragen, ob wir in einer Welt voller
Gewalt leben wollen, oder dem ein anderes Verhalten entgegensetzen.
3. Es gibt mehr Nachahmungseffekte, wenn der Abbildung von Gewalt in den Medien sehr viel
Platz eingeräumt wird. Die besondere ethische Verantwortung liegt hier bei den Medien wie
auch den politischen Akteuren. Gewalttaten können Anlass sein, sie für andere Zwecke zu
instrumentalisieren.
4. Eine eng an den Fakten orientierte Diskussion kann einer überzogenen Emotionalisierung
der öffentlichen Diskussionen entgegenwirken. Schwarz-Weiß-Malerei darf nicht das Bild
bestimmen.
5. Der Staat hat das Gewaltmonopol, und die vorhandenen Gesetze sind ausreichend und zu
beachten, um der Bedrohung entgegenzutreten.
6. Welche Folgen es hat, wenn Gewalt mit Gewalt vergolten wird, wenn demokratische
Rechte weitgehend außer Kraft gesetzt werden und wenn Andersdenkende massiv
unterdrückt werden, ist in anderen Teilen der Welt beobachtbar.
7. Prävention von Gewalt muss einen höheren Stellenwert als bisher bekommen.
Psychologische Unterstützung in Schulen, für Eltern, die einen Rückzug und eine
Radikalisierung ihrer Kinder erleben, in Flüchtlingsunterkünften kann wirksam
Verzweiflungstaten verhindern. Es ist wichtig, dass wir frühzeitig die Ursachen erkennen, die
Einzelne zu einer Gefahr für sich selbst oder andere werden lassen könnten. Nur dann kann
man gegensteuern. Daneben kann jeder in seinem Umfeld dazu beitragen, dass Konflikte
ohne Gewalt lösbar sind, und damit zeigen, dass wir trotz der Bedrohung handlungsfähig
bleiben.
Ansprechpartner für die Presse:
Alenka Tschischka, BDP-Pressereferentin, [email protected]
Besuchen Sie den BDP im Internet: www.bdp-verband.de
Über den BDP: Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) vertritt die beruflichen und
politischen Interessen der niedergelassenen, selbstständigen, angestellten und beamteten Psychologen und Psychologinnen aus
allen Tätigkeitsbereichen. Diese sind unter anderem: Gesundheitspsychologie, Klinische Psychologie, Psychotherapie,
Schulpsychologie, Rechtspsychologie, Verkehrspsychologie, Wirtschaftspsychologie, Umweltpsychologie und Politische
Psychologie. Der BDP wurde 1946 gegründet und ist Ansprechpartner und Informant für Politik, Medien und Öffentlichkeit. Rund
11.500 Mitglieder sind im BDP organisiert.