Kiesgrubenporträt - Stiftung Landschaft und Kies

Kiesgruben im Kanton Bern
Kiesgrube Niederbipp
Koordinaten: 620.800 / 233.800
Iff AG Kies- und Betonwerk
Aarwangenstr. 4 / 4704 Niederbipp
Tel: 032 633 68 68
Fax: 032 633 68 60
E-mail: [email protected]
Internet: www.iffag.ch
Allgemeines
Lage
Grube und Anlagen befinden sich auf Gemeindegebiet Niederbipp, ca. 1 km
südöstlich des Autobahnanschlusses Niederbipp an der Strasse Richtung Aarwangen.
Alter
Abbau seit 1956, Ausstoss ca. 250’000m3/Jahr, Kiesreserven für Jahrzehnte.
Firmen
Besonderes
Die Iff AG mit ihren 15 Mitarbeitern ist eine Tochter der JURA-Holding AG. Im
Areal angesiedelt ist ferner die ARGE Mischgutanlage AG.
Die Iff AG ist von der Stiftung Natur und Wirtschaft mit einem Zertifikat für die
Anlegung und Pflege eines Naturparks ausgezeichnet worden.
Ökonomie
Abbau
Der Kies wird mittels Bulldozer und Pneulader abgebaut und mit einer Reihe von
Förderbändern, deren Leistung 100 bis 150 m3/h beträgt, über ein Zwischendepot
oben auf die geschlossene Aufbereitungsanlage geführt.
Aufbereitung
Hier wird das Material gewaschen, gesiebt und gebrochen. Vorerst wird das
Rundmaterial aufbereitet, d.h. der Wandkies wird nur gewaschen und in mehrere
Korngrössen (auch Komponenten genannt) ausgesiebt und in den mit Lastwagen
unterfahrbaren Silos im unteren Teil des Gebäudes gelagert. Die grossen Steine
und allfällige Überschusskomponenten werden in die Brecherei geführt, dort
zerkleinert, in Brechsand und verschiedene Splittgrössen aufgeteilt und in separaten Silos gelagert.
Durch alle diese Silos führt ein Kanal mit einem Förderband, welches die einzelnen Korngrössen direkt zur Asphaltmischanlage (ARGE) führt oder auf einer
ebenerdigen, offenen Siloanlage deponiert. Unter dieser Silobatterie ist eine
Dosieranlage angeordnet, die das rasche Beschicken von Lastwagen mit Einzelkorngrössen oder Mischungen erlaubt und zur direkten Beschickung der beiden
Betonzentralen (Produktion 100 + 130 m3/h) mit Einzelkomponenten dient.
Verwendung
Im Durchschnitt: 20% in die ARGE Mischgutanlage AG, 20% in die eigene
Betonzentrale und 60% zu den rund 600 Kunden auf den Achsen Solothurn –
Oensingen und Langenthal – Breitenbach.
Recycling
Betonabbruch und Dachziegel: periodische Aufbereitung als Wandkiesersatz und
Planiekies bzw. zu Flachdachgranulat. Die Annahme von Mischabbruch ist ebenfalls im Angebot. Das Wasser wird aus dem Grundwasser bezogen. Das gebrauchte Waschwasser fliesst via Weiher wieder ins Grundwasser zurück.
Stand, 2006
Kiesgruben im Kanton Bern
Ökologie
Geologie
Mit der Materialentnahme wird die weite Ebene aufgeschlossen. Der Hauptabbaukörper besteht aus geschichteten, nach oben leicht grobkörnigeren Schottern
mit relativ wenig Feinanteil. Unter den aufgeschlossenen Schottern sind aufgrund
von Bohrungen stark verwitterte „Juraschotter“ vorhanden. Grosse Findlinge im
untersten Teil der Schotter weisen auf noch ältere Gletscherablagerungen hin. Im
westlichen und südwestlichen Teil der Grube überlagert eine Grundmoräne des
Rhonegletschers die Schotter des Rohstoffkörpers. Findlinge und Geschiebe in
der Grundmoräne beweisen die geologische Herkunft aus dem Wallis.
Das Alter der hier abgebauten Schotter ist insofern unklar, als die Verwitterung
auf den Ablagerungen (die verwitterte Deckschicht) mächtig sind und demzufolge Schotter und Moräne möglicherweise älter sind als der jüngste Gletschervorstoss. Neue Altersbestimmungen sind im Gange.
Biologie
Die Strasse auf dem Areal führt uns erst Richtung Kiesabbau und Deponie. Entlang einer Hecke mit Strauchrosen, Bruch- und Reifweiden gelangen wir an grossen Sanddepots vorbei zum eigentlichen Naturreservat der Iff AG. Wir blicken
auf das grosse Gewässer im Reservat, in dem sich Wasserfrösche, Grasfrösche
und die wohlklingende Geburtshelferkröten wohl fühlen. Zudem hat sich der
Fadenmolch angesiedelt. Rund um das Gewässer haben sich Schwarzerlen und
eine Vielzahl von Weiden ihren feuchten Platz gesichert. Rehspuren zeugen von
frühmorgendlichen Besuchern. An der Westseite des Tümpels wurde die Vegetation abgestossen und eine grosse Kiesfläche erstellt. Auf ihr wachsen spezialisierte Pflanzen wie die wilde Möhre und das als Heilpflanze bekannte Johanniskraut.
Schmetterlinge wie der Bläuling oder der Admiral finden hier Nahrungs- und
Überlebensraum. Die Raupe des Schwalbenschwanzes bevorzugt die wilde Möhre zur Nahrungsaufnahme. Auch die Zauneidechsen und die Mauereidechsen
haben hier ihren Lebensraum erhalten. Sie finden genügend Verstecke zwischen
den Steinen und lassen ihre Körper an der Sonne aufwärmen. Hier fühlt sich auch
die Ringelnatter sehr wohl. Die Wärme zwischen den Steinen und das nahe Gewässer zum Jagen ist ein idealer Lebensraum für sie.
Im Schilfgürtel finden wir auch den breitblätterigen Rohrkolben. Immer wieder
schwirren Libellen durch die Luft: Die Plattbauchlibelle und die Mosaikjungfer
entdecken wir unter den unzähligen Arten. Auf der Südseite wurden neue Gewässer erstellt. In ihnen können Pionierarten wie die Kreuzkröte und die Gelbbauchunke ihren Laich ablegen. In immer wieder austrocknenden und frischen Gewässern sind sie vor ihren Fressfeinden im Wasser geschützt. Die Kopfweiden entlang der Gewässer bieten vielen Käfern und Spinnen Verstecke. Am oberen Rand
des Halbrundes finden wir sogar den seltenen Flügelginster. Die Kieswand lässt
immer wieder Steine und Sand nachrutschen. Nur hoch Spezialisierte Pflanzen
und Tiere können sich hier ansiedeln. Die Laufkäferarten gehören zu ihnen.
Einer Aufforstung mit Erlen, Föhren und Birken entlang gehen wir Richtung
Abbau. Die grossen Besenginster ragen weit aus dem hohen Gras. Dem Böschungsfuss entlang befinden sich mehrere kleine Gewässer, einige trocknen
immer wieder aus, andere sind das ganze Jahr über mit Wasser gefüllt. Rückenschwimmer und Wasserläufer entdecken wir hier als Erstes. Aber auch mehrere
Amphibien leben hier, so auch die Erdkröte.
Wir gelangen zum Abbau und auf das Deponiegelände. Die enormen Kies- und
Sandflächen fallen als Erstes auf. Auch der grosse Schlammweiher, der wie ein
Mondkrater wirkt, entgeht niemandem.
An einigen Stellen wurden Hecken um das Areal angepflanzt. Sie dienen als
Wanderkorridore für Insekten, Reptilien aber auch für viele Säugetiere wie den
Feldhasen oder den Siebenschläfer. Dachs, Marder und Wiesel finden auf ihren
nächtlichen Streifzügen in diesen Hecken Zuflucht.
Der Kiesbedarf im Kanton Bern beträgt jährlich rund 4 Mio. m3 (4m3pro Einwohner). Die regionale Deckung dieses Bedarfs ist ein
vom Kanton angestrebtes Ziel. Der Kiesabbau erfolgt nach strengen Richtlinien und wird jährlich kontrolliert. Die Kiesunternehmer
im Kanton Bern haben den Wert von Kiesgruben für die Natur erkannt und fördern gezielt die durch die Abbautätigkeit entstehenden, selten gewordenen Pionierstandorte. Sie haben sich dafür in der Stiftung Landschaft und Kies zusammengeschlossen.