Quelle der Freude Neh 7,73-9,3 Pastor Walter Bösch (Predigtserie) / Wien, 2016-06-19 E Jerusalem war viele Jahre ein Schutthaufen, aus dem heraus „Esra“ den Tempel neu baute, jedoch ohne die die Mauer zu reparieren – so stand der Tempel schutzlos da, der Gottesdienst konnte zwar gefeiert werden, aber das geistliche Leben wurde durch die fehlende Schutzmauer (vor den Feinden) stark gemindert (Man könnte diesen Zustand vergleichen mit einem Menschen, der Christ wird, aber immer noch in den alten Lebensmustern stecken) – Dann kam Nehemia ca. 440 v.Chr. und baute die Mauern in knapp zwei Monaten auf. Jetzt erst, wo die Feinde draußen bleiben mussten konnte im Herzen Jerusalems Gottesdienst gefeiert werden. Eindrückliche Szenen werden im heutigen Text beschrieben, als Esra die Buchrollen des MoseGesetzes öffnete und daraus vorlas. Das Volk bat den Schriftgelehrten Esra zuvor, ihnen dieses Gesetz vorzulesen, was er von einem Podium aus tagelang tat. Die Wirkung war sehr gewaltig, hoch emotional mit Hochs und Tiefs, Buße und Freude, Schreien und Lachen, alles war zu finden. - Was damals für die Menschen das Gesetz darstellte, das ist für uns heute die ganze Bibel mit dem Schwerpunkt auf das Neue Testament, in dessen Zentrum Jesus Christus steht. Sehnsucht nach Gottes Reden - Der Hunger nach dem Wort Gottes (Gesetz) war derart groß, dass die Leute tagelang an den Lippen des Vorlesenden hingen: „Sie baten den Schriftgelehrten Esra, das Buch mit dem Gesetz zu holen… man las aus dem Buch des Gesetzes Gottes Tag für Tag vor… kamen die Sippenoberhäupter… um das Gesetz noch besser zu verstehen… Stunden lang hörten sie im Stehen zu…“ (8.1,13,18; 9,3) - Diese Sehnsucht nach Gottes Reden spiegelt sich auch in den Psalmen nieder: „Glücklich ist, wer Freude hat am Gesetz des Herrn und darüber nachdenkt – Tag und Nacht. Er ist wie ein Baum, der nah am Wasser steht… Glücklich sind alle, die sich an seine Weisungen halten… Deine Gebote verliere ich nicht aus meinen Augen… tief präge ich mir dein Wort ein… zeige mir, was deine Ordnungen für uns bedeuten… wer dich achtet, und nach deinen Maßstäben lebt, ist mein Freund… wie sehr liebe ich dein Gesetz… dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht… jedes Wort das du sagst, ist wahr. Was du, gerechter Gott, entschieden hast, gilt für immer und ewig“ (Ps 1.2-3; 119.2,6,11,33,63,97,105,160) Eine froh machende Botschaft - Das nachdenkende Hören des Gesetzes bewirkte bei den Menschen ein starkes Bewusstsein ihres sündhaften Zustandes, so dass sie alle zum Weinen begannen. Es scheint daher beim Lesen des Berichtes fast paradox, dass die Leiter die Weinenden zur Freude aufriefen: „Seid nicht traurig und weint nicht! Heute ist ein Festtag; er gehört dem Herrn, eurem Gott... Lasst den Mut nicht sinken, denn die Freude am Herrn gibt euch Kraft!“ (8,9-10) ! Tatsächlich gehört beides zu einer Gesundung des Menschen, denn echte Freude kommt dann hoch, wenn die Sünde bewusst und Vergebung erlebt wird. Gottes Wort und sein Geist zeigen zwar Sünde auf, doch noch wichtiger ist, dass es den Weg für das6 Vertrauen des Menschen in Gottes Vergebung/Beziehung öffnet: „…wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, ´das wir begangen haben`.“ (1Joh 1,9 NGÜ) Das Wort Gottes zeigt Schuld schonungslos auf, legt aber sofort auch Hoffnung und Perspektive vor: „So spricht der Herr… der euch wegführen ließ… Ich, der Herr, werde euch Frieden schenken und euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung“ (Jer 29,4-11) Buße und Freude gehören zusammen - Nehemia und Esra ließen nicht zu, dass das Volk in ihrer Sündenerkenntnis stecken blieb, ohne die aktuelle Gnade zu betrachten und erleben. Es liegt in der Natur der Sache, dass Gottes Heiligkeit unsere Sünde herausfordert – und es ist genauso Gottes Natur, uns seine Liebe und Gnade anzubieten: „Dieser Tag ist dem Herrn, eurem Gott, heilig! Seid nicht traurig und weint nicht!“ (8,9 EÜ) - Schöpfe täglich aus dieser Quelle Das Volk und ihre Leiter entdeckten im gelesenen Wort auch das schon vergessene „Laubhüttenfest“, das gerade zum aktuellen Zeitpunkt zu feiern gewesen wäre. Dieses Fest beinhaltete viele Bedeutungen und Symbole (Dankopfer für die Ernte, Dank für die Versorgung in der Wüste, Zeremonie des Wassers/Weines und des Lichtes, Laubhütten, usw.). Dabei wurde täglich aus dem Wort Gottes ‚geschöpft‘. Der Priester holte am letzten Tag des Festes in einer Prozession Wasser vom der Quelle, beim Wassertor, und goss es beim Altar aus – symbolisch für das sehnsüchtige Erwarten nach dem ‚frischem Wasser Gottes‘, dem Heiligen Geist! 400 Jahre später sagt Jesus am letzten Tag des Laubhüttenfestes: „Wer an mich glaubt, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt; Wie ein Strom wird lebenschaffendes Wasser von ihm ausgehen“ (Joh 7,38) Das bedeutet, dass jeder, der sich seiner Schuld vor Gott bewusst ist und um Vergebung bittet, die befreiende Kraft der Gnade und der Reinigung erlebt: Jesus: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es im Überfluss haben“ (Joh 10,10) Dazu sagt Paulus ergänzend: „Freut euch, dass ihr zu Jesus Christus gehört. Und noch einmal will ich es sagen: Freut euch“ (Phil 4,4) und „Ihr habt das Wort Gottes mit solcher Freude aufgenommen, wie sie nur der Heilige Geist schenken kann“ (1Th 1,6) und „Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit. Wir alle schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht“ (2Kor 3,17-18) „die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Neh 8,10) Vorschläge für Fragen in der Kleingruppe ? Hast du auch schon einfach weinen müssen, wenn Jesus durch die Predigt oder das Bibellesen zu dir sprach ? Glaubst du auch, dass Vergebung und Freude in direkten Zusammenhang stehen. Erkläre es an einem pers. Beispiel ? Wenn „die Freude m Herrn eure Stärke ist“, wie wirkt sich diesbezügliche Freude bei dir aus Freie Christengemeinde, Halbgasse 17, A-1070 Wien. +43 1 523 63 78, www.fcg-wien.at
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