Y Integrationsagentur – Integriertes Management in den Kommunen

René Ruschmeier
Bereichsleiter, Kienbaum Management Consultants GmbH
Y Integrationsagentur – Integriertes Management
in den Kommunen
Lösungsvorschlag für gelingende Einwanderung
„Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.“
(H.v. Förster)
Die starke Zuwanderung nach Deutschland in den zurückliegenden Monaten hat die Prozesse und Systeme in den Kommunen und allen anderen behördlichen Ebenen stark in Frage
gestellt. Die Kernfrage der mittelfristigen Zukunft lautet:
„Haben Kommunen, Landkreise sowie Bundes- und Landesbehörden lediglich Herausforderungen aufgrund der Menge
der Menschen zu lösen, deren Integration in die deutsche Gesellschaft zu leisten ist, oder offenbart der Zuzug der Einwanderer darüber hinaus auch eine qualitative Herausforderung
für Prozesse und Strukturen zu erfolgreichen Gestaltung von
Integration?“
Kienbaum Management Consultants analysierte in der Studie
„Organisatorische Herausforderungen durch den Flüchtlingsstrom in Deutschland“ den aktuellen Stand der Flüchtlingsmanagements aus der Perspektive der Kommunen und Landkreise
in Deutschland.
In der Studie beurteilten die Befragten besonders die Planbarkeit von Maßnahmen, die Personalakquise und die Abstimmung
mit übergeordneten Verwaltungsebenen als schwierig. Mehr
als die Hälfte der Kommunen setzen bei der Steuerung der
Flüchtlingshilfe auf die Regelstruktur der Verwaltung, häufig
ergänzt um koordinierende Gremien wie (Krisen-)Stäbe oder
Lenkungsgremien. Mehr als 40 Prozent erachten eine Modifizierung der derzeitigen Aufbauorganisation für eine souveräne Bewältigung des Flüchtlingsstroms für notwendig. Die
etablierten Geschäftsprozesse in einigen essentiellen Aufgaben des Integrationsmanagements werden als nicht hilfreich
oder eher nicht hilfreich bewertet: allen voran „Steuerung und
Controlling“ (23 Prozent nicht hilfreich, 32 Prozent eher nicht
hilfreich), das „Profiling von Potenzialen und Bedarfen“ (19 Pro-
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zent nicht hilfreich, 38 Prozent eher nicht hilfreich) sowie die
„Koordination“ (14 Prozent nicht hilfreich, 34 Prozent eher nicht
hilfreich) und die „Bedarfsplanung“ (17 Prozent nicht hilfreich;
37 Prozent eher nicht hilfreich) von Integrationsangeboten.
Zusammenfassend zeigen Studie und Praxis ein hohes Engagement aller Akteure und gute konzeptionelle Ansätze im Detail.
Potenziale für die aktive Gestaltung liegen vielfach vor allem
>>in dem Verständnis von Integrationsmanagement als langfristigen Geschäftsprozess entlang eines Lebensphasenmodells,
>>in der Vernetzung von isolierten Zuständigkeiten über Fachbereichs- und Behördengrenzen,
>>in der Harmonisierung von Konzeptionen unterschiedlich
zuständiger Behörden und Bereiche,
>>in der Entwicklung einer integrierenden Leitidee zur Gestaltung von Einwanderung und
>>in der konstruktiven Einbindung der Bürgerinnen und Bürger
in diesen Prozess.
Das Konzept der Integrationsagenturen bietet hier eine Lösung.
Dieses Konzept ist weniger als Blaupause für den Verwaltungsaufbau zu verstehen, sondern mehr als ein Modell zur Reflektion über gelingende Strukturen in den Regionen vor Ort und
für die Zusammenarbeit über Fachbereichs- und Behördengrenzen hinaus. Die Bausteine sind:
Integrationsagenturen können die Verbindung der losen
Netzwerke des Einwanderungsmanagements zu einer Einheit
außerhalb der Verwaltung unter einer gemeinsamen Leitidee
gestalten, eine gemeinsame Identität Beteiligter schaffen und
mit gemeinsamen Konzepten Wirkungen verstärken.
Kernaufgabe einer solchen Agentur sollte die konzeptionelle
Gestaltung des Einwanderungs- und Integrationsmanagements entlang eines Lebensphasen- und Bedarfslagen-Modells
der einwandernden Menschen sein:
>>Entwicklung eines flexiblen Unterbringungskonzeptes, das
konzeptionell den Bildungserwerb und die Arbeitsmarktintegration systematisch unterstützt – von der spontan zuschaltbaren Unterkunft bis zur langfristigen städtebaulichen
Entwicklung;
>>Konzeption eines kontinuierlichen bedarfsorientierten Lückenschlusses in der Bildungsplanung – von Alphabetisierung
bis zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse;
>>Koordinierung des Übergangs in existenzsichernde Erwerbstätigkeit – von der passgenauen Vermittlung bis zur Gewinnung von einwandernden Menschen für Vorteile einer langfristigen Qualifizierung;
>>Gestaltung der Einbindung der Stakeholder in ein Steuerungssystem in konzentrischen Kreisen – von der Koordina-
tion spontaner ehrenamtlicher Hilfe über die Einbeziehung
der Trägerlandschaft bis zur Kooperation mit Unternehmen
und Unternehmensverbänden;
>>Gestaltung gesellschaftlicher Integration – vom Kennenlernen europäischer Grundwerte bis zur Öffnung der Bevölkerung für Neues;
>>Verzahnung aller genannten Konzeptionen zu einem einheitlichen Steuerungssystem – von der Vision einer integrierten
Stadtgesellschaft bis zum Management des Systems in geschlossenen Kreisläufen.
Mit dem Gestaltungswillen der Entscheider_innen vor Ort
wächst die Summe der Möglichkeiten. Integrierte Konzeption
unter dem gemeinsamen Dach einer Integrationsagentur kann
optimale Prozesse schaffen. Kienbaum freut sich auf den Dialog
mit klugen Gestalterinnen und Gestaltern zu den Möglichkeiten in Ihrer Region vor Ort.
Kienbaum Management
Consultants GmbH
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