meine diplomarbeit - bei Daniela Horvath Hundepsychologie

Diplomarbeit
Diplomarbeit
Daniela Horvath
Hundepsychologie
März 2015
Diplomarbeit Daniela Horvath 2015 Seite
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Vo r w o r t
Vorwort
Hunde haben mich immer schon fasziniert. Schon als kleines Mädchen konnte
mich niemand aufhalten, wenn ich einen
Hund streicheln wollte. Das war oft eine
Herausforderung für meine Familie, diese
Situationen unter Kontrolle zu haben.
Aber ich ließ mich von niemandem abhalten. Auch die „bösesten“ Hunde zu streicheln.
Ich hatte das Glück, dass meine Familie, schon immer Hunde hatte und wurde schon
als Kind angewiesen, wie man sich bei einer Hundebegegnung verhält. Und eine Portion
Glück war auch dabei.
War es wirklich Glück, oder spürte ich einfach, wenn ein Hund meine Nähe nicht wollte? Habe ich es in seinem Gesicht gelesen und in seiner Körperhaltung? Kann ein Hund
sprechen? Ja er kann. Wir müssen nur lernen seine Sprache zu verstehen.
Der Hund stammt vom Wolf ab er ist eine Unterart mit einem speziellen Lebensraum.
Dem Lebensraum, den wir Menschen ihm geben. Wir sind verantwortlich, dass er gut
sozialisiert wird, um ein stabiler, selbstbewusster und glücklicher Partner zu werden.
Also warum wird ein Hund „böse“? Hat der Mensch versagt? Ja, ein Hund wird nicht
„böse“ geboren. Wir müssen ihm die Sicherheit geben, sich in unserer Welt zurechtzufinden. Unsere Aufgabe besteht darin, ihm Leiden, Schmerzen, Einsamkeit und vor allem
Stress zu ersparen.
Am Ausdrucksverhalten des Hundes sollte der Mensch erkennen, wie es seinem
Sozialpartner Hund geht. Der Hund hat unsere Sprache während der langen Zeit der
Domestizierung gelernt. Er kann an unserer Mimik, Körpersprache und Stimmlage die
jeweilige Gefühlslage, in der wir uns befinden, einschätzen. Es ist wichtig, seine Sprache
zu lernen, um mit ihm besser zu kommunizieren.
Unsere Gesellschaft neigt leider dazu, den Hund zu vermenschlichen. Er wird zum
Partner- oder Kinderersatz. Seine Bedürfnisse, die nicht unsere sind, werden dabei vergessen, was die Lebensqualität des Hundes sehr verschlechtert.
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Vo r w o r t
„Artübergreifende Kommunikation
erfordert das Lernen beider Seiten.“
Nach meiner 30-jährigen Tätigkeit als Gesundheits- und Krankenschwester in den
Fachbereichen Anästhesie und Intensivmedizin habe ich mich entschlossen, meinen
Traumberuf als Hundepsychologin auszuüben. An dieser Stelle möchte ich mich bei
meinem Mann herzlichst bedanken, der mich bei meiner Entscheidungsfindung tatkräftigst unterstützt hat.
Ein Dankeschön auch an meine beiden Ausbildnerinnen Kathrin Schar und Elisabeth
Mannsberger, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite standen.
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Zum Schluss noch ein Statement von Elisabeth Mannsberger.
„Alles, was Du brauchst, ist Mut!“
Daniela Horvath, März 2015
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Diplomhund Vicky
Diplomhund Vicky
Erstgespräch am 8.11.2014
Name:
Alter:
Rasse:
Geschlecht:
Besitzer:
Bezugsperson:
Wohnsituation:
Ersthund:
Herkunft:
Vicky
1 ½ Jahre
Mischling (möglicherweise Staffmix)
Hündin
Junges Pärchen Julia und Wolfgang
Julia
Wohnung
Für sie der dritte, für ihn der erste Hund (der zweite Hund von Julia
war ein Staffordshire)
Tötungsstation Ungarn. Die Welpen wurden von einer Österreichischen
Tierärztin gerettet und weitervermittelt. Die Hündin ist gechippt.
Da ich mit Julia befreundet bin kenne ich ihre Lebenssituation gut. Sie hat seit ca. einem
Jahr Beziehungsprobleme und trennt sich immer wieder von Wolfgang. Die Situation zu
Hause ist immer wieder sehr angespannt. Viele Streitereien bestimmen den Alltag. Das
Ein und wieder Ausziehen von Wolfgang bringt viel Stress für alle. Die Wohnung ist auch
sehr klein und keiner kann dem anderen ausweichen.
Die Begrüßung an der Türe ist sehr stürmisch. Vicky lässt sich aber schnell beruhigen.
Als wir uns dann niedersetzten beginnt sie aufdringlich zu werden. Sie springt unaufgefordert auf die Sitzgarnitur, durchwühlt meine Handtasche, drängt mich ab und springt
dann auf uns herum. Wir lachen alle. Sie wäre ja so süß. Mir wird das dann zu viel und
ich schicke sie von der Couch worauf sie sich hinsetzt und den Kopf auf den Couchtisch
legt. Dann geht sie zu ihrer Futterschüssel winselt und holt ein Stück Trockenfutter um
das dann auf ihrem Platz zu fressen. Das wiederholt sie dreimal.
Auf dem Weg zu ihrer Futterschüssel muss sie an dem großen silbernen Futtersack
vorbei, um den sie einen großen Bogen macht. Sie reagiert auch schreckhaft auf Sonnenlicht oder plötzlichen Schatten. Ebenso ist sie geräuschempfindlich. Vicky kann sich
kaum entspannen, jagt ihren Schwanz, kratzt sich oft, und knabbert an ihren Pfoten. Sie
beruhigt sich erst nach 20 Minuten und wird dann richtig müde.
Die Hündin ist ohne Probleme bis zu sechs Stunden pro Tag alleine. Sie hat einen eigenen Platz, darf aber auch aufs Sofa und ins Bett. Sie hat einen Kong, Stofftiere und
Tennisbälle. Draußen macht Julia mit Vicky hauptsächlich Ballspiele. Die Verträglichkeit
mit anderen Hunden ist laut Julia sehr gut. Sie geht mit ihr auch in die Hundezone. Zu
heftige Rangeleien versucht Vicky zu schlichten. Laut Hundebesitzer funktionieren die
Basiskommandos wie Sitz, Platz und Bleib auch mit Handzeichen. ►Film Handzeichen◄
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Diplomhund Vicky
Ich frage die Besitzer ob sie genau wissen, dass Vicky ein Staffordshire-Mix ist. Da
Julias vorheriger Hund ein Staffmix war, hat sie sich mit der Rasse auseinandergesetzt
und auch den Hundeführschein absolviert. Ich frage Wolfgang ob er Ahnung über die
Rasse hat. Er sagt er hat sich damit nicht auseinandergesetzt, also erzähle ich ihnen
etwas über diese Hunderasse: Staffs oder sogenannte Staffordshire Bullterrier nannte
man früher auch Nanny-Dogs. Ihren Mut, ihre Tapferkeit sowie die Nähe und Verbundenheit zu ihren Menschen (speziell Kindern) nutzten die Farmer früher zum Schutz der
Kinder, währenddessen sie am Feld arbeiten mussten, bewachten diese Hunde die Kinder zum Beispiel unter Baumgruppen. Auch die Verwendung bei Schaukämpfen beruht
auf den Mut, der Tapferkeit sowie der Kraft, Ausdauer und Beharrlichkeit dieser Hunderasse. (Wird leider immer noch von manchen Besitzern schamlos ausgenutzt.) Genau
diese Eigenschaften sind es aber auch, die einen Staff unglücklich mit seinem Umfeld
machen können. Denn wenn man diese Hunde unnötig unter Stress setzt oder sogar
bedroht, kann die Reaktion mitunter sehr heftig ausfallen (Allergien, unerwünschtes Verhalten, Hang zur Selbstzerstörung).
Die Hündin kam mit zwei Monaten zu Julia und Wolfgang. Mit einem Jahr wurde die
Hündin auf anraten der Tierärztin kastriert, d.h. vollständiges Ausräumen der Geschlechtsorgane mit Kaiserschnitt, da die Hündin mit drei Monaten scheinträchtig war. In der
Tierklinik entwickelt Vicky eine Allergie an der Einstichstelle für die Infusion, es schwoll
an war gerötet und nach ein paar Tagen verlor sie die Haare, die jetzt erst wieder langsam
nachwachsen. Womit die Allergie behandelt wurde weiß ich nicht. Besuch der Welpenschule Dogtalking-Dogland im Kreuttal, die 10 Einheiten hat sie abgeschlossen. Dann
hat sie mit Vicky alleine weitergeübt.
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Vicky ist ein gestresster Hund der viele Übersprungshandlungen zeigt.
Die Hundehalter haben keine Kenntnisse über die Hundesprache.
Sie finden alles lustig und erkennen die schwierige Situation
in der Vicky steckt nicht“.
Tagesablauf:
• Zwischen 8 und halb 9 Uhr erste Gassirunde die dauert ca. 10–15 Minuten.
• Erste Fütterung mit Trockenfutter Wolfsblut. Dann ist Vicky ohne Probleme sechs
Stunden alleine.
• Um 16 Uhr zweite Gassirunde die ca. zwei Stunden dauert. Die zweite Runde findet
am Feldweg oder in der Hundezone Leitzersdorf statt.
• Um 20 Uhr dritte Gassirunde die ungefähr 15–20 Minuten dauert. Anschließend
zweite Fütterung mit Trockenfutter.
• Ab 21 Uhr Ruhephase.
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Diplomhund Vicky
Probleme:
• Manchmal Angst vor Geräuschen zB: der eigene silberne Futtersack der raschelt.
• Springt gerne Radfahrer, vorbeifahrende Autos und Menschen an um sie zu begrüßen, aber nur wenn sie an der Leine ist.
• Schlechte Leinenführigkeit zerrt und zieht schon im Stiegenhaus.
• Hat Angst über das Gitter beim Ausgang zu gehen. Sie springt darüber.
Wir beginnen nach dem Erstgespräch Vicky an den Futtersack heranzuführen. Ich lasse sie in größerer Distanz absitzen und belohne sie. Dann gehe ich in Richtung Futtersack
und locke sie zu mir, lasse sie absitzen und belohne wieder.
So mach ich das bis kurz vor dem Futtersack, immer mit positiver Verstärkung und
lobenden Worten. Vicky ist aufmerksam und nicht nervös. Deshalb lege ich die Leckerlis auf den Futtersack, die sie anstandslos von dem Futtersack runterfrisst.
Letzte Steigerung, ich raschle mit dem Sack und belohne sie für ihre Ruhe. Julia wiederholt die Übung mit Erfolg.
Nachbesprechung:
Ich bitte Julia diese Übung sehr langsam und ruhig durchzuführen. Sie soll Vicky genau
beobachten. Wenn sie merkt , dass Vicky unruhig wird, die Distanz sofort wieder vergrößern bis Vicky wieder ruhig ist und mit der Situation umgehen kann.
Übungen:
• Langsames Heranführen an den Futtersack mit positiver Verstärkung.
• Immer wieder absitzen lassen und langsame Distanzverringerung.
• Die Trainingseinheiten sollen nicht länger als 5 Minuten dauern.
Zweites Training am 14.11.2014
Vorbesprechung:
Die Übung mit dem Futtersack funktioniert recht gut. Julia führt sie mir ganz stolz vor.
Ein weiteres Problem ist dazugekommen: Vicky steigt seit neuestem ungern in den Kofferraum. Es stellt sich im weiteren Gespräch heraus, dass Julia sie ziemlich lange in den
Kofferraum gehoben hat. Heute will Julia auch die Problematik des Ziehen und Zerrens
im Stiegenhaus üben.
Wir beginnen mit dem Stiegenhaus. Das Anleinen von Vicky ist nicht so leicht, sie dreht
sich dauernd im Kreis und sie hat ein relativ dünnes Halsband. Ich lasse mir zeigen wie
Vicky sich im Stiegenhaus verhält. Schon die ersten Stufen sind schrecklich. Ich nehme
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Diplomhund Vicky
Julia die Leine ab und versuche ein wenig Ruhe in die Situation zu bringen. Julia meint
dass Vicky auf das Wort „Schau“ gut reagiert. Also beginne ich mit der Konditionierung
darauf. Wenn ich „Schau“ sage schaut sie mich an und wird sofort belohnt. Bei dieser
Übung ist das Timing des Leckerli-Gebens sehr wichtig. Ich gehe mit ihr die ersten Treppen und jedesmal wenn Zug auf die Leine kommt, bleibe ich kommentarlos stehen
warte bis sie den Kopf wendet. Dann sage ich das Signalwort „Schau“ und belohne das
Zuwenden des Kopfes und das Herkommen sofort.
Nach zwei Minuten hat Vicky ihr Verhalten positiv verändert. Julia übernimmt, ist aber
mit der schnellen Leckerligabe überfordert. Wir üben das fünf Minuten, dann hat es auch
Julia geschafft. ►Filme Stiegenhaus 1, 2, 3◄
Dann gehen wir zum Training Kofferraum Aus- und Einsteigen über. Ich gehe mit ihr
einen Bogen und lasse sie mit Leckerli in den Kofferraum springen und gleich wieder
aussteigen. Wenn sie verweigert gehe ich gleich wieder vom Auto weg, einen Bogen
und nochmal zum Auto. Nach ein paar Übungseinheiten macht sie das sehr gut und ich
kann sie im Kofferraum Absitzen lassen. Bei Julia verweigert sie die ersten zweimal, aber
dann schafft es Julia und die Trainingseinheit kann positiv abgeschlossen werden.
►Filme Kofferraum Dani 1, 2, 3◄
Nachbesprechung:
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Julia sagt mir dass nur sie mit Vicky trainiert. Wolfgang nimmt keine Leckerlis mit beim
Spazierengehen. Und er reißt auch stark an der Leine wenn sie zieht. Wir vereinbaren
einen Termin mit beiden.
Statement von Wolfgang:
„Meine Jackentasche wird schmutzig und meine Hände klebrig“.
Mein Tipp: Trockene Leckerlis und ein Leckerlitascherl.
Übungen:
• Konditionierung auf das Signalwort „Schau“.
• Timing bei der Leckerligabe beachten.
• Wenn sie vor dem Kofferraum verweigert, weggehen, nicht stehenbleiben
und wieder versuchen.
• Im Kofferraum nicht bedrängen und auch gleich wieder aussteigen lassen.
Drittes Training am 16.11.2014
Vorbesprechung:
Beide hatten wenig Zeit zu trainieren. Mit dem Futtersack wurde ein wenig geübt langsames Heranführen mit positiver Verstärkung. Man kann sogar damit schon rascheln
und die Leckerlis drauflegen. Heute wollen die beiden den Spaziergang üben.
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Diplomhund Vicky
Wolfgang reißt gerne an der Leine und Vicky hat noch ein Halsband. Wolfgang führt
den Hund an der kurzen Leine. Vicky zerrt an der Leine. Ich mache beide aufmerksam,
dass Vicky, wenn sie sich zu Wolfgang umdreht, über den Fang schleckt und das ist ein
eindeutiges Beschwichtigungssignal. Wir machen eine Leinenverlängerung, damit Vicky
einen größeren Radius hat. Beide haben kaum geübt. Vicky fixiert schnell Personen, die
entgegenkommen und hängt sich dann voll in die Leine. Wolfgang ist zu langsam mit
dem Signalwort „Schau“ und dem Leckerli. Er hat aber nicht an der Leine gerissen. Hat
sich wohl nicht getraut. Nach ca. 5 Minuten leichte Verbesserung. Nach 10 Minuten
stimmt das Timing und Vicky geht an der lockeren Leine.
Mein Tipp: wenn Personen entgegenkommen oder auch Hunde, Bogen gehen
oder weggehen, und wenn gar nichts mehr geht, absitzen lassen und Aufmerksamkeit auf sich lenken mit „Schau“ und Leckerlis.
Nachbesprechung: Ich darf Vicky für ein Brustgeschirr abmessen. Toller Erfolg!!! Vicky
ist immer noch nervös und gestresst. Laut Julia muss sie während eines Spaziergangs
mehrmals auf die große Seite, aber kein Durchfall, nur wirklich viel. Ich schlage einen
Futterwechsel vor zu Allergikerfutter , denn sie kratzt sich so viel. Weitere Maßnahmen
keine Ballspiele, denn sie wird zum Junky. Mein Vorschlag sind Such- und Versteckspiele mit den Besitzern oder Leckerlis. Mit Leckerlisuchspielen ist es problematisch, denn
sie frisst auch Steine und alles was sie findet. Die Besitzer haben Angst weil auch immer
wieder Giftköder ausgelegt werden.
Sie bekommen von mir auch noch eine kleine Einschulung über die wichtigsten Beschwichtigungssignale und die Zeichen für Stress. Der Hund zeigt uns, wenn ihm etwas
zu viel ist und diese Anzeichen sollte man erkennen können. So kommunizieren sie mit
uns.
Beschwichtigungssignale:
• über den Fang lecken
• Gähnen
• Augen geschlossener halten und blinzeln
Stresssignale:
• Schütteln
• Pfoten knabbern
• vermehrtes Kratzen
• an den Genitalien lecken
• Schwanzjagen
Julia sagt sie hat darüber schon gelesen, aber Wolfgang weiß gar nichts darüber.
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Diplomhund Vicky
Übungen:
• Aufmerksamkeit beim Spazierengehen einfordern.
• Leine verlängern, damit Vicky genug Radius hat.
• Timing bei der Leckerligabe verbessern.
• Kurze Trainingseinheiten beim Spaziergang.(sonst hat der Hund zu viel Stress und wird
schnell frustriert).
• Auf Stress und Beschwichtigungssignale achten.
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„Die Aufmerksamkeit eines Hundes ist ein Geschenk“.
Viertes Training am 5.12.2014
Vorbesprechung:
Das vierte Training ist erst am 5.12.2014 weil beide keine Zeit hatten. Heute zeigt Vicky
ihre eigenartige Fressgewohnheit. Sie holt sich immer wieder winselnd ein Stück vom
Trockenfutter aus der Futterschüssel um damit wegzugehen und dann erst zu fressen.
Julia und Wolfgang haben nicht mit Vicky trainiert.
Julia hat viele Probleme mit Wolfgang und ihrer Ausbildung. Sie hat viele Prüfungen
und ist sehr nervös. Auch Vicky ist sehr unruhig heute. Sie jagt mehrmals ihren Schwanz,
leckt ihre Genitalien knabbert an den Pfoten und geht winselnd in der Wohnung herum
und kommt nicht zur Ruhe.
Mein Tipp: das Futter nicht stehen lassen sondern fixe Futterzeiten
einführen.
Wir gehen heute auf den Hundeplatz ohne Wolfgang. Bei der Eingangstüre immer starkes Zerren, auch beim Einsteigen in den Kofferraum gibts noch Probleme.
Am Hundeplatz sind keine Hunde und Julia zeigt mir wie brav Vicky ohne Leine bei Fuß
geht. Kommando „Bleib“ funktioniert noch nicht so gut und muss noch geübt werden.
Mit Leine geht das bei Fuß gehen gar nicht gut. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die
Umgebung und nicht auf Julia. Das Leckerli und Signalwort „Schau“ kann nicht angewendet werden.
Ich habe bemerkt, dass Vicky auf Spielzeug fixiert ist, am Hundeplatz ist es eine Plastikflasche. Also bitte ich Julia das bei Fuß gehen an der Leine mit der Plastikflasche in
der Hand zu probieren. Das ist dann wirklich eindrucksvoll wie sie sich auf Julia konzentriert. Sie trägt das Spielzeug eine ganze Weile im Maul spazieren und kontrolliert nicht
mehr so die Umgebung.
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Diplomhund Vicky
Auch das Einsteigen in den Kofferraum ist mit dem Angebot des Spielzeugs viel besser.
Großes Erfolgserlebnis für uns alle.
Mein Tipp: Julia hat Beziehungsprobleme und Vicky zeigt Stressverhalten mit
mehrmals täglich Schwanzjagen. Ruhe in die Situation bringen, Vicky aus
dem Schwanzjagen herrausholen und beruhigende Streicheleinheiten geben.
Nachbesprechung:
Ich erkläre Julia, dass Streicheleinheiten und beruhigende Massagen, zu einer Ausschüttung des Hormones Oxytocin führt. Dieses Hormon nennt sich auch „Kuschelhormon“ der Hund wird ruhiger und kann seinen Stress schneller abbauen. Mehr Ruhe in
den Tagesablauf bringen. Auch beim Spazierengehen die Aufmerksamkeit von Vicky
einfordern. Spielzeug und Leckerlis mitnehmen und damit ablenken. Wir besprechen
auch ihre Lebenssituation und werden uns einig, dass sie etwas verändern muss.
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„Vicky ist das Spiegelbild von Julia und ihren Lebensumständen,
es muss sich was ändern“.
Übungen:
• Beim Spaziergang ein Spielzeug mitnehmen und Vicky damit ablenken,
wenn sie etwas fixiert. Am besten ein Tau.
• Ruhe in Stresssituationen bringen mit Streicheleinheiten und dem Signalwort „Brav“.
Fünftes Training am 15.12.2015
Vorbesprechung:
Julia hat nicht geübt. Die Kofferraumübungen konnte sie nicht machen, weil das Auto
in der Werkstatt war. Sie hat beim Gassigehen am Feld ein Tau mit Ball verwendet und
dadurch keine Ruhe in den Spaziergang gebracht.
Die Beziehung mit Wolfgang ist am Zerbrechen. Heute will sie die Leinenführigkeit üben.
Vicky hat sie in den letzten Tagen nur herumgezerrt und nimmt auch keine Leckerlis an.
Fixe Futterzeiten gibt es auch noch nicht. Aber ein Futterwechsel wurde vorgenommen.
Der Tierarzt hat ihr Dog Sana Allergikerfutter empfohlen. Seit Vicky das frisst hat sie viel
weniger Stuhlgang und kratzt sich nicht mehr so viel.
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Diplomhund Vicky
Vicky trägt das Brustgeschirr. Mir fällt auf, dass Julia die Leine wieder zu kurz hat und
verlängere sie wieder, denn an der kurzen Leine kann sie ja nicht schnuppern. Julia sagt
sie hat Angst die Leine so lang zu haben, weil sie dann weniger Kontrolle hat. Ich entgegne ihr: „Dann musst Du Deinen Hund besser beobachten und schneller reagieren“.
Mein Tipp: Die längere Leine vergrößert den Radius von Vicky, die Leine ist
dann nicht dauernd auf Zug.
Wir gehen eine kleine Runde und machen Aufmerksamkeitstraining. Sie schnuppert
kaum sondern kontrolliert ausschließlich die Umgebung. Bei entgegenkommenden Menschen fixiert sie und hängt sich in die Leine. Ebenso bei Hundebegegnungen. Vicky
schenkt uns keine Aufmerksamkeit. Sie nimmt kaum Leckerlis an und lässt sich auch
nicht mit dem Spielzeug (Tau) ablenken. Die Ohren sind angelegt und sie wirkt unsicher
aber kontrollierend. ►Film Spaziergang mit Tau◄
Ich lasse beide stehenbleiben und wenn Vicky Julia anschaut kommt das Signalwort
„Schau“, das sofort mit Leckerli belohnt wird. Als uns eine Frau entgegenkam, beginnt
Vicky sie sofort zu fixieren. Auf mein Anraten lenkt Julia mit viel Stimme und dem Tau
Vicky ab und wir weichen in großem Bogen aus. Das klappt gut.
Nachbesprechung:
Fixe Futterzeiten einführen. Vicky braucht viel Ruhe in der Wohnung und draußen. Aus
unruhigen Situationen herrausholen und mit Streicheleinheiten und dem Signalwort „Brav“
beruhigen. Keine Ballspiele. Lange Leinenführung und viel schnuppern lassen. Dann
kommt Wolfgang heim und Vicky verändert ihr Verhalten sofort. Sie winselt, geht dauernd
zur Eingangstüre, jagt ihren Schwanz. Sie zeigt eindeutig, dass sie sich nicht wohl fühlt.
Übungen:
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• Aufmerksamkeit einfordern ablenken mit viel Stimme und Tau. Bei Hunde
oder Menschenbegegnungen Bogen gehen.
• Längere Leinenführung und viel schnuppern lassen.
• Ruhe in den Alltag bringen mit Streicheleinheiten und und dem Signalwort „Brav“.
„Hunde die schnuppern sind glücklicher“.
Nach 5 Tagen kommt die telefonische Rückmeldung, dass Vicky mehr schnuppert und
einen sehr glücklichen und zufriedenen Eindruck macht. Das hat mich sehr glücklich
gemacht.
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Diplomhund Vicky
Sechstes Training am 28.12.2014
Vorbesprechung:
Julia erzählt mir, dass Vicky sie beim Spaziergang umgeschmissen hat. Sie zog so
heftig und ruckartig an der Leine, dass Julia stürzte und sich das Kreuz verriss. Die Spaziergänge sind eine Katastrophe, obwohl Vicky die Leckerlis besser annimmt. Ich erkläre ihr, dass das am Wechsel vom Halsband zum Brustgeschirr liegen könnte. Sie fühlt
sich freier ohne Halsband, weil der Schmerz in der Halswirbelsäule nachgelassen hat.
Vicky ist heute sehr unruhig und bespringt mich dauernd. Das Aufreiten ist eine Übersprungshandlung die ein Hund zeigt wenn er massiv gestresst ist. Ich ignoriere sie und
schiebe sie immer wieder kommentarlos von mir runter.
Mein Tipp: Unerwünschtes Verhalten wie raufspringen oder aufreiten ignorieren und kommentarlos unterbinden.
Wir gehen heute wieder eine kleine Runde spazieren und beginnen das Aufmerksamkeitstraining im Stiegenhaus. Julia hat die Leine wieder zu kurz. Leine wird verlängert
und wir gehen ohne Tau, dann funktioniert es gleich besser.
Bei der Ausgangstüre springt Vicky über das Schuhabstreifgitter. Das üben wir gleich
in dem wir Vicky langsam und mit positiver Verstärkung darüberführen. Sie steigt mit den
Vorderpfoten gut drauf, aber die Hinterhand wird immer länger. Nach drei Versuchen geht
Vicky noch etwas unsicher aber doch über das Gitter. ►Filme „Gitter“ Dani 1, 2, 3◄
Leinenführigkeit hat sich nicht verbessert. Julia wirkt traurig und frustriert, deshalb
übernehme ich die Leine. Vicky beruhigt sich etwas. Jedesmal wenn sie zieht, bleibe ich
kommentarlos stehen und lockere sofort die Leine. Die Belohnung folgt sofort in dieser
Reihenfolge: Kopfwenden, „Schau“, Leckerli. Hier muss das Timing absolut stimmen.
►Film Schau 1, 2◄ Auch steigere ich das Schritttempo, dadurch habe ich nicht so viel
Zug auf der Leine. Das geht ganz gut.
Eine kleine Unaufmerksamkeit meinerseits und Vicky zerrt mich wirklich heftig zu einer
Baumgruppe um dort massiv zu schnuppern. Ich lasse sie auch eine Weile. Doch da ich
keine Aufmerksamkeit von ihr bekomme, muss ich sie mit Leckerli abholen.
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Am Heimweg nimmt Julia die Leine und es geht ein wenig besser. Julia vergisst aber
leider öfter das Signalwort „Schau“. ►Film Spaziergang 3◄
„Den Hund für das gewünschte Verhalten zu belohnen
und dabei das richtige Timing zu haben,
ist das Wichtigste bei der Arbeit mit positiver Verstärkung“
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Diplomhund Vicky
Nachbesprechung:
Ich versuche Julia klarzumachen, dass sie in ihrem Leben etwas verändern muß. Der
Dauerstress den sie mit Wolfgang, aber auch mit ihren Prüfungen hat überträgt sich auf
Vicky. Da Julia keine Zeit mehr hat verschieben wir das Indoortraining.
Übungen:
•Einsteigerübung aus dem Tellington-Touch-Bereich
(Pfoten oder Ohren ausstreichen).
• Langsames über das Schuhabstreifgitter führen mit positiver Verstärkung.
• Aufmerksamkeitstraining bei den Spaziergängen.
• Leinenführigkeit verbessern, bei Zug auf der Leine kommentarlos stehenbleiben
und sofort den Zug von der Leine nehmen.
• Belohnungstechnik verbessern. Richtiges Timing: Schon wenn der Hund
den Kopf wendet das Signalwort „Schau“ einsetzen und sofort Leckerli geben.
Siebtes Training am 5.1.2015
Vorbesprechung:
Julia hat sich endlich von Wolfgang getrennt. Er ist ausgezogen. Schon beim Eintreten
in die Wohnung fällt mir die Wesensveränderung von Vicky auf. Sie ist deutlich ruhiger
geworden. Sie reitet mir auch nicht mehr auf. Fixe Fütterungszeit wurde eingeführt, daher nimmt Vicky die Leckerlis besser an.
Kein Raufspringen, kein Winseln, Schwanzjagen oder Pfotenknabbern. Sie setzt sich
ruhig neben uns und legt den Kopf auf den Couchtisch. Julia stört das nicht, aber mich.
Und so schiebe ich den Kopf sanft aber bestimmt vom Tisch ohne Worte. Der Blick von
Vicky ist fassungslos. Sie legt erneut den Kopf auf den Tisch und ich wiederhole das
Ganze. Das spielten wir noch 3 mal so. Dann gibt sie auf und legt sich mit einem großen
Seufzer neben den Tisch.
Julia ist begeistert scheinbar störte sie das Verhalten von Vicky auch, was sie nachher
zugibt. Sie sagt sie hat nicht gewusst, dass man Verhalten verhindern kann auch ohne
Worte. Ich erkläre ihr, dass der Hund viele Worte verstehen kann aber keinen Wortschwall.
Manchmal aber ist es besser, mit ruhiger bestimmter Art ungewünschtes Verhalten zu
verhindern.
Auch Julia ist viel ruhiger und entspannt. Sie sagt sie hat nicht mit Vicky geübt, außer
sie mit Streicheleinheiten und dem Signalwort „Brav“ aus stressigen Situationen rauszuholen. Das hat offentsichtlich gut gewirkt, denn Vicky ist wie ausgewechselt. Diese
Ruhe möchte ich ausnutzen um eine Indoorübung zu machen. Julia erzählt mir, dass
Vicky beim Spaziergang Steine frisst.
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Diplomhund Vicky
Heute üben wir Indoor. Um das Steinefressen von Vicky zu unterbinden versuchen wir
die Übung „gutes Leckerli, schlechteres Leckerli“. Da Vicky sowieso nicht so aufmerksam
ist, entscheide ich mich für die schärfere Methode Leckerlis nicht vom Boden aufzunehmen.
Wir setzen uns auf den Boden und lassen Vicky absitzen. Ich lege gut sichtbar ein nicht
so gutes Leckerli auf den Boden und Julia hat sehr gute Leckerlis in der Hand. Julia verwendet das Kommando „Aus“, wenn Vicky etwas nicht fressen soll. Vicky soll nun das
Leckerli aufnehmen und Julia soll ihr kurz davor mit bestimmter und lauter Stimme das
Kommando „Aus“ geben und sie sofort belohnen, wenn sie den Kopf zu ihr dreht. Wir
scheitern beim ersten Versuch, weil das Timing nicht passt. ►Film Leckerli 1◄ Die beiden
weiteren Übungen werden positiv abgeschlossen. ►Filme Leckerli 2,3◄
Um die Ruhe von Vicky weiter auszunützen bleiben wir am Boden. Jetzt machen wir
die Bein drunter und drüber Steigübung. Ich nehme mir ein paar Leckerlis und hebe ein
Bein in die Höhe und das andere lass ich abgewinkelt am Boden stehen. Nun führe ich
Vicky mit einem Leckerli in der Hand einmal unter das Bein und dann darüber. Da ich
ihre Aufmerksamkeit habe macht sie das sehr gut. Nun versucht es Julia und die Übung
kann positiv abgeschlossen werden. ►Film drunter drüber◄
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Mein Tipp: Indoorübungen immer ruhig und langsam ausführen. Der Hund
soll sich konzentrieren.
„Ruhe und positive Energie bringen dich zum Erfolg“.
Nachbesprechung:
Ich lobe Julia und Vicky für ihre Ruhe und bestärke sie, diese Richtung beizubehalten.
Vicky hat sich heute so gut verhalten. Ich freue mich. Wir besprechen, dass wir noch
verstärkt an Vickys Aufmerksamkeit arbeiten müssen. Normalerweise lobt Julia auch viel
mit Stimme. Heute muss ich sie daran erinnern. Wahrscheinlich, weil ich die Couchtischübung ohne Worte gemacht habe.
Übungen:
• Gegen das Steinefressen die Übung indoor. Gutes Leckerli in der Hand,
schlechteres Leckerlie auslegen. Die Aufnahme mit Lauter und bestimmter Stimme
und dem Kommando „Aus“ verhindern.
• Leckerliübung steigern, indem man zwei gleichgute Leckerlis auslegt
und die Aufnahme mit dem starken Kommano „Aus“ verhindert.
• Die Bein drunter und drüber Steigübung ruhig und langsam durchführen.
Viel mit Stimme loben.
• Ungewünschtes Verhalten situationsangepasst ohne Worte verhindern.
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Diplomhund Vicky
Achtes Training am 15.1.2015
Vorbesprechung:
Julia und Vicky wirken immer noch entspannt. Sie hat mit Vicky geübt: Spaziergang,
Kofferraum, keine Steine fressen mit Kommando „Aus“, und die Steigübung. Heute
möchte Julia am Platz schicken üben, weil Vicky die Besucher nicht in Ruhe lässt. Sie
springt allen hinauf bei der Begrüßung und wenn alle sitzen, springt sie aufs Sofa und
steigt über alle drüber. Ich frage sie, wie sie das verhindert. Sie sagt mit Schimpfen und
die Besucher hätten nur gelacht.
Die Spaziergänge sind immer noch schlecht und die Kofferraumübung auch. Laut Julia, können Freunde Vicky besser an der Leine führen und bei denen springt sie auch in
den Kofferraum. Wir müssen verstärkt an der Beziehung zwischen Julia und Vicky arbeiten. Julia gibt zu, bei den Spaziergängen nervös und ängstlich zu sein, sie würde die
Umgebung schon genauso kontrollieren wie Vicky.
Ich denke, ich alleine kann ihr nicht die Selbstsicherheit geben, deshalb empfehle ich
ihr ein paar Stunden in der Hundeschule zu machen, wo ich auch dabei sein werde. Sie
nimmt den Vorschlag dankend an.
Da das heute eine lange Vorbesprechung war und ich auch schon unsicher bei den
Spaziergängen bin, machen wir wieder Indoor weiter.
Also kümmern wir uns um das Problem Vicky auf den Platz zu schicken. Ich lasse Vicky
in kurzer Distanz zu ihrem Platz absitzen. Dafür bekommt sie aber noch kein Leckerli.
Dann lass ich sie aufstehen und führe sie mit dem Leckerli in der Hand und dem Kommando „Platz“ auf ihren Platz. Das funktioniert dreimal hintereinander gut. Ich hebe das
am Platz bleiben immer nach einer kurzen Weile auf. Dann vergrößere ich die Distanz ein
wenig und versuche Vicky mit Handzeichen und dem Kommando „Platz“ auf ihren Platz
zu schicken und was macht sie, sie legt sich vor mir hin.
Ich denke ich habe die ganze Übung falsch gemacht. Ich hab nicht positiv verstärkt,
wenn sie liegen geblieben ist und ich hab auch nicht gefragt ob das Kommando „Platz“
doppelt besetzt ist. Ist es natürlich. Also beginnen wir die Übung von vorne. Ich schlage
vor, auf das Signalwort „Decke“ zu konditionieren. ►Filme „Decke“ 1,2,3◄
Ich rufe Vicky zu mir in kurzer Distanz zu ihrem Platz und führe sie mit Leckerli in der
Hand auf ihren Platz mit dem Kommando „Decke“ und verstärke sofort positiv. Dann
lass ich sie mit dem Kommando „Bleib“ kurz liegen und belohne sie dafür während sie
liegt. Anschließend hebe ich das Liegenbleiben auf. Nach drei gelungenen Trainings
vergrößere ich die Distanz. Jetzt nehme ich das Handzeichen mit dazu d.h. mit einer
schwungvollen Bewegung meines Armes nach vor und ausgestrecktem Zeigefinger
schicke ich sie mit dem Kommando „Decke“ auf ihren Platz. Vicky hat eine kurze Nach-
Diplomarbeit Daniela Horvath 2015 Seite
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Diplomhund Vicky
denkphase, macht das aber dann anstandslos und wird sofort belohnt. Hier sind es auch
drei Versuche, die immer mit einer kurzen Nachdenkphase Vickys positiv verlaufen. Es
wird auch immer das kurze Bleiben auf der „Decke“ belohnt und wieder aufgehoben.
Wenn dieses Training gut funktioniert kann die Distanz immer wieder vergrößert werden.
Nun versucht es Julia. Auch sie scheitert beim ersten Versuch, denn sie verwendet das
Kommando „Platz“ und Vicky legt sich natürlich brav nieder. Vicky ist ein sehr folgsamer
Hund. Aber nach mehreren Versuchen und kleiner Distanzvergrößerung gelingt es Julia
auch.
Mein Tipp: Lass Vicky ruhig ein wenig nachdenken, wenn du ihr eine Aufgabe stellst.
Nachdem Vicky so brav war machen wir noch eine leichte Konzentrationsübung. Julia
lässt Vicky absitzen, damit sie genau beobachten kann was sie macht.
Sie nimmt ein Frotteehandtuch und rollt es zusammen, wobei sie nach jeder Rolle ein
Leckerli versteckt. Vicky soll nun die Leckerlis, indem sie mit ihrer Schnauze vorsichtig das
Handtuch aufrollt finden. Im ersten Augenblick weiß sie nicht so recht was sie tun soll. Sie
schaut Julia und dann das Handtuch an. Julia führt sie mit ihrem Finger zum Beginn der
Handtuchrolle, damit sie die Leckerlis riecht. Dann fällt der Groschen. Man kann das richtig an ihrer Mimik sehen. Vorsichtig rollt sie das Handtuch auf und holt sich ihre Belohnungen. Gut gemacht Vicky! Dann ist Schluss mit Training. ►Filme „Handtuch“ 1, 2◄
,,
Vicky blinzelt mit ihren Augen, schleckt sich über ihren Fang und gähnt. Sie zeigt uns
ihre schönsten Beschwichtigungssignale und wir lassen sie in Ruhe. Sie legt sich auf
ihre Decke und schläft mit einem großen Seufzer ein.
„Verhaltensweisen die von uns verlangt werden, selbstständig
durchzuführen macht den Hund glücklich und selbstbewusst“.
Nachbesprechung:
Ich versuche Julia klarzumachen wie wichtig Konzentrationsspiele sind. Sie machen
den Hund ruhiger, aufmerksamer und sehr müde. Julia sagt sie hat die Beschwichtigungssignale erkannt und bemüht sich die Hundesprache zu verstehen. Hunde sollen
die Möglichkeit bekommen über ein Kommando nachdenken zu dürfen, damit erarbeiten
sie sich diese Übung selbstständig. Man nennt das „Freies Formen“. Die erwünschte
Verhaltensweise wird vom Hund selbstständig und mit Freude ausgeführt.
Wenn du deinem Hund die Zeit gibst über eine Aufgabenstellung nachzudenken wird
er vielleicht versuchen alles andere zu zeigen als du von ihm willst. Er wird zuerst „Sitz“
ausprobieren oder und „Platz“, sich im Kreis drehen- eben all die Dinge die er schon
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Diplomhund Vicky
gelernt hat nur um an sein Leckerli zu kommen und um dir zu gefallen. Hol ihn aus der
jeweiligen Stellung wieder herraus und gib das gewünschte Kommando nocheinmal.
Dann warte eine kleine Weile, damit er sich selbstständig entscheiden kann. Wenn er die
geforderte Aufgabenstellung erfüllt, wird er sofort belohnt.
Übungen:
• Vicky mit dem Kommando „Decke“ und Handzeichen auf ihren Platz schicken und
belohnen. Für eine Weile am Platz bleiben belohnen. Nicht vergessen: die Übung
wird von dir beendet.
• Die Konzentrationsübung mit dem Frotteehandtuch wichtig dabei ist, dass Vicky
ruhig zuschauen muss wie du die Leckerlis einrollst.
Neuntes Training am 30.1.2015
Vorbesprechung:
In dieser Vorbesprechung erzählt mir Julia, dass Wolfgang, als sie noch zusammen
waren, Vicky bei einem Spaziergang so heftig an der Leine zog, dass Vicky durch die
Luft flog. In der Wohnung ging er knurrend auf Vicky los, wenn sie am Sofa saß, und
freute sich dann, wenn sie sich vor ihm wegduckte.
Dieser Hund ist massiv verunsichert. Ich erkläre Julia, wenn in der Mixhündin wirklich
ein Staff drinnen ist, ruhige und konsequente aber vor allem liebevolle Erziehung Voraussetzung ist, um Erfolg zu haben. Gerade der Staffordshire braucht die Ruhe und
Gelassenheit seines menschlichen Partners. Jede kleine Unsicherheit und Stress seines
Besitzers spiegelt sich in dem Hund wider. Es sind wirklich sehr gefühlsbetonte und
sensible Hunde mit einer großen Portion Mut.
Heute versuchen wir wieder einen Spaziergang. Julia hat leider nicht geübt, denn es
gibt andauernd Giftköderwarnungen in Korneuburg. Vicky muss den Maulkorb tragen,
doch das ist aber so einer, wo man kaum ein Leckerli durchbringt. Sie akzeptiert den
Maulkorb laut Julia. Diesen Spaziergang machen wir aber ohne Maulkorb, weil wir zu
zweit sind und somit besser aufpassen können.
Im Stiegenhaus geht es so halbwegs. Aber auf der Straße geht das Gezerre los. Vicky
legt die Ohren beim Spazierengehen immer an, aber heute ist es schlimmer. ►Film Spa­
ziergang 2◄
Wir versuchen Ruhe in den Spaziergang zu bringen. Bleiben immer wieder kommentarlos stehen, warten bis sie schaut und belohnen dann, aber es ist zwecklos. Vicky ist
ausschließlich auf ihre Umgebung fixiert. Sie springt fahrende Autos an, vor anderen
Diplomarbeit Daniela Horvath 2015 Seite
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Diplomhund Vicky
vorbeifahrenden Autos, die lauter sind, duckt sie sich weg. Sie springt in die Leine, wenn
sie Kinder, Hunde oder Menschen sieht. Und wenn sie auf die andere Straßenseite will
zieht sie auch. Wir bekommen keine Aufmerksamkeit. Und sie schnuppert kaum. Julia
belohnt einmal ohne Signalwort „Schau“ und einmal mit, aber zum falschen Zeitpunkt.
Mein Eindruck dabei ist, dass sie nicht agressiv, doch manchmal unsicher ist. Vicky
will mit allem und jedem spielen. Sie bringt ihr Temperament nicht unter Kontrolle. Und
leider wir auch nicht. Wir lassen sie zu den Hunden, die sie kennt und sie will mit ihnen
spielen. Sie ist dabei wild aber nicht respektlos. ►Film Hundebegegnung◄
Wir entschließen uns abzubrechen. Am Rückweg beruhigt sich die Lage etwas. Kurze
Strecken geht sie sogar an der lockeren Leine.
Nachbesprechung:
In der Wohnung beruhigt sich Vicky schnell. Sie sitzt bei mir am Sofa und lehnt sich an
mich. Ich gebe ihr Streicheleinheiten mit dem Signalwort „Brav“. Dann legt sie sich neben
mich. Ich bespreche mit Julia, unbedingt ein paar Einzelstunden im Hundekompetenzzentrum Mannsberger zu absolvieren sowie ein paar Einzelstunden mit der Hundepsychologin Kathrin Schar. Ich hab noch nicht so viel Erfahrung und möchte nichts falsch
machen. Julia willigt ein. Wir beenden für heute das Training.
,,
„Habe keine Scheu manche Dinge an andere Menschen
mit mehr Erfahrung abzugeben“.
Übungen:
• Ruhe in die Spaziergänge bringen.
• Aufmerksamkeit einfordern.
• Das Signalwort „Schau“ zum richtigen Zeitpunkt verwenden.
Kopfwenden, „Schau“ Leckerli.
Ein kleines Resümee über Vicky und ihre Besitzer.
Vicky hat mich gelehrt immer ruhig und positiv zu sein, dann stellt sich sofort Erfolg
ein. Bist du das nicht kann ein Training echt hart und mühsam werden. Wenn man spürt,
dass nichts weitergeht, sollte man kurz innehalten, durchatmen und vielleicht sogar mit
einer anderen Übung weitermachen. Das gilt für den Hund aber genauso für seine
­Besitzer. Dieser Hund war und ist eine Herrausforderung und an manchen Trainings bin
ich gescheitert. Doch ich werde nicht aufgeben.
Danke liebe Julia und danke liebe Vicky, ich werde diese ersten Stunden als Hunde­
psychologin nie vergessen.
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Diplomhund Vicky
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Diplomhund Hannes
Diplomhund Hannes
Erstgespräch am 6.12.2014
Name:
Alter:
Rasse:
Besitzer:
Bezugsperson:
Wohnsituation:
Ersthund:
Herkunft:
Hannes
7 ½ Monate
Mischling (ev. Glatthaar-Foxterrier)
Ehepaar Franz und Ingrid
Beide
Haus mit kleinem Garten
Beide hatten immer schon Hunde, doch gemeinsam ist es
der zweite Hund
ein Tierheim in der Steiermark (Anzeige Tierasyl Kronenzeitung)
Die Mutter wurde vor dem Tierheim ausgesetzt. Das Tierheim ist eigentlich ein Bauernhof. Hannes ist mit sechs weiteren Welpen dort geboren. Er wuchs mit dem Rudel in
einem großen Zwinger auf. Mit acht Wochen wurde Hannes von Franz und Ingrid, nachdem sie ihn davor zwei mal besucht hatten, abgeholt. Laut Franz und Ingrid hatten die
Welpen wenig Kontakt mit Menschen und wurden nicht sozialisiert.
Nach den Impfungen gegen Zwingerhusten, Leptospirose, Hepatitis und Staupe reagierte Hannes allergisch. Er musste akut in die Tierklinik, weil sein Hals zuschwoll. Eine
Injektion mit Antihistaminikum half und alle drei blieben über Nacht in der Klinik. Das war
nicht leicht für die Besitzer, denn in dieser Klinik wurde fünf Monate davor ihre vorige
Hündin mit 13 Jahren an Nierenversagen eingeschläfert. Sie haben alles noch einmal
durchlebt und große Angst um den kleinen Hannes.
Franz besuchte mit Hannes die Hundeschule Korneuburg. Dort absolvierten sie zehn
Trainingseinheiten mit bis zu 15 Teilnehmern. Franz waren es zu viele Teilnehmer und er
beendete die Hundeschule.
Beim Anläuten höre ich wie Hannes mich schon anmeldet. Die Begrüßung ist stürmisch,
er springt mir hinauf und will mich abschlecken. Ich drehe mich weg und beachte ihn
gar nicht. Die Besitzer schimpfen: „Hannes nein, Hannes aus“. Ich bitte sie, mich das
machen zu lassen. Dann zeige ich ihm mit der flachen Hand, dass er unten bleiben soll
und er folgt mir. Die Besitzer sind ganz erstaunt. Ich frage ob Hannes alle Menschen so
begrüßt und sie bestätigen das.
Mein Tipp: Alle Besucher einweisen wie sie sich verhalten sollen. Und nicht
so herumschreien.
In der Wohnküche setzen wir uns, und Hannes beruhigt sich gleich und legt sich hin.
Ich frage die Besitzer ob sie wissen welche Rassen in Hannes stecken. Franz sagt er
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Diplomhund Hannes
würde gerne diesen Bluttest machen lassen, er ist aber noch nicht dazugekommen. Ich
nehme an, dass ein Foxterrier in Hannes steckt und erzähle ihnen etwas über diese
Rasse. Der Foxterrier wurde für die Jagd gezüchtet. Er ist intelligent, mutig, lebhaft und
verspielt.
Er wurde zum selbstständigen Denken gezüchtet um bei der Fuchsjagd mitdenken zu
können. Er kann auch ein richtiger Sturschädel sein. Eine liebevolle, aber konsequente
Erziehung, machen ihn zum perfekten Familienhund. Der Foxterrier braucht viel Auslauf
um ausgeglichen sein zu können.
Hannes hat zwei Plätze. Einen in der Wohnküche, das heißt die Decke liegt auf dem
Weg von der Küche zur Eingangstüre. Er kann den ganzen unteren Wohnbereich überschauen.
Am Abend beim Fernsehen darf er auch auf die Couch, wo er ein Platzerl mit Decke
hat. Die Besitzer Ingrid und Franz schlafen oben, und Hannes unten im Eingangsbereich
mit ca. zwei Quadratmetern Größe und einem richtig kuscheligen Bett. Wenn die Nachtruhe beginnt, wird dann die Türe zur Wohnküche geschlossen. Es ist dann so ähnlich
wie in einer Höhle. Als er noch klein war hat Ingrid unten geschlafen. Das ist jetzt nicht
mehr notwendig. Jetzt verlangt er sogar so um 22 Uhr in diese Höhle zu gehen, dann
will er offensichtlich seine Ruhe haben.
Hannes hat genug Spielzeug, Bälle, Tau, Stofftiere und einen Kong. Während dem
Erstgespräch schläft Hannes ruhig und entspannt. Ingrid und Franz erzählen mir, dass
Ingrid für die kurzen Gassirunden und spielen im Garten sowie Futtergabe zuständig ist.
Franz geht die langen Spaziergänge und spielt mit Hannes während des Spaziergangs.
Die Basis Kommandos „Sitz“, „Platz“, und „Bleib“ funktionieren bei Franz außerhalb des
Gartens sehr gut. Ingrid kann die Kommandos im Gartenbereich abrufen, jedoch draußen
geht die Übung „Platz“ und „Bleib“ nicht so gut.
,,
Im Gespräch stellt sich heraus das Franz nie Leckerlis bei sich hat
und Ingrid meistens.Meiner Ansicht nach ist Hannes ein sehr liebevoller,
selbstbewusster Hund, der ganz genau weiß was er will, mit ein wenig
zu viel Demut gegenüber Franz.
Tagesablauf:
•Erste Gassirunde um 6.30 Uhr ca. 15 bis 20 Minuten.
•Anschließend erste Fütterung mit Trockenfutter Real Nature.
•Zweite Gassirunde um ca 9.30 Uhr wieder 15 bis 20 Minuten.
•Um 11 Uhr 30 die zweite Fütterung mit Real nature und Terra Canis Feuchtfutter gemischt.
• Dritte Gassirunde um 13.30 Uhr ca. zwei Stunden. Um 18.30 Uhr die dritte Fütterung.
•Vierte Gassirunde um 19.00 Uhr ca. 20 Minuten.
•Um 21.00 Uhr Ruhephase
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Diplomhund Hannes
Probleme:
•Zu wenig Aufmerksamkeit beim Gassigehen, Hannes lässt sich schlecht abrufen.
•Am Platz schicken und dort bleiben.
•Ingrid will draußen mit Hannes „Platz“ und „Bleib“ üben.
•Anspringen wenn Besuch kommt.
•Auf Distanz absitzen lassen.
Wir gehen in den Vorraum und leinen Hannes an. Hannes hat ein Halsband und lässt
sich problemlos anleinen. Ich kenne Ingrid und Franz schon lange, denn es sind unsere
Nachbarn. Auch Hannes hab ich als Welpen schon gekannt. Ich kann auch ihre Spaziergänge beobachten und sie arbeiten nicht mit Leinenruck Hannes geht gut an der lockeren Leine. Auch bei Fuß gehen ist kein Problem. Deshalb stört mich das Halsband nicht
so sehr.
Wir bewaffnen uns mit Leckerlis und gehen auf die Wiese hinter dem Haus um dort das
Abrufen zu üben. Auf dem Weg zur Wiese führt Franz Hannes an der kurzen Leine und
lässt ihn nicht schnuppern. Abgeleint wird in der Reihenfolge: Kommando „Sitz“, Ableinen und Kommando „Lauf“. Das machen beide sehr gut. ►Film Ableinen◄
Hannes läuft weiter weg und ich bitte Franz ihn abzurufen. Mit energischer Stimme ruft
Franz „Hier“ Hannes dreht sich um leckt sich über den Fang und schnuppert dann weiter. Ingrid hat dieselbe Art Hannes abzurufen, zwar nicht so energisch, aber auch nicht
freundlich. Ich bitte Franz um noch einen Versuch mit freundlicherer Stimme oder mit
einem Pfiff. Auf Kommando „Hier“ zeigt Hannes dieselben Beschwichtigungssignale wie
vorher. Also pfeift Franz und Hannes kommt sofort zu ihm. Die Belohnung kommt leider
erst nachdem er Hannes absitzen lässt. So hat er es in der Hundeschule gelernt.
Ich bitte auch Ingrid um noch einen Versuch und das „Hier“ in einer höheren Stimmlage auszusprechen. Kein Erfolg. Er beschwichtigt bei Ingrid nicht, aber abrufen lässt er
sich auch nicht. Nun bespaße ich Hannes mit hoher Stimme und Hände klatschen und
er kommt sofort und wird auch gleich belohnt.
Mein Tipp: Wenn man den Hund abruft ,Stimme erhöhen, freundlich, neutral
oder Pfeifen.
Wir machen noch drei Versuche. Franz pfeift nur mehr auf mein Anraten und Hannes
kommt freudig auf ihn zugelaufen. Die positive Verstärkung kommt fast zum richtigen
Zeitpunkt und zwei von drei Versuchen konnten positiv abgeschlossen werden. Weitere
zwei Versuche von Ingrid mit höherer Stimme und Hände klatschen gelangen auch. Aber
auch hier passt das Timing des Belohnens nicht.
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Diplomhund Hannes
Nachbesprechung:
Beide verstehen nicht warum Hannes nicht sofort kommt, wenn man ihn ruft. Hunde
spüren die Energie eines Menschen sofort und natürlich auch die Frustration, die in der
Stimme zu hören ist, wenn er nach mehrmaligem Rufen nicht kommt. Wenn dich deine
Mutter so streng gerufen hat, bist du dann gerne zu ihr gegangen? Das ist die richtige
Frage, denn Franz verneint sofort. Beide glauben Hannes macht das absichtlich um sie
zu ärgern. Er versteht auch nicht warum er den Hund nicht absitzen lassen soll, wenn
Hannes kommt.
Die Belohnung gibt man für das gewünschte Verhalten. Also will ich das Hannes kommt,
belohne ich ihn für das Kommen und nicht für das Absitzen. Der Hund verknüpft die
Belohnung mit der vorangegangenen Tat.
„Sitz“ und „Hier“ sind zwei unterschiedliche Kommandos. Solange die gewünschte
Verhaltensweise nicht gut funktioniert, muss ich diese und keine andere belohnen. Ich
bitte beide immer Leckerlis dabei zu haben um das Training mit positiver Verstärkung
durchzuführen.
,,
Von einer Vermenschlichung des Hundes ist auf jeden Fall abzusehen. Ein Hund tut
niemals etwas um uns zu ärgern. Der Hund reagiert nur auf falsches Verhalten unsererseits.
„Der Ton macht die Musik. Schlechte Energie in der Stimme
verunsichert den Hund.“
Übungen:
•Hannes mit Pfiff oder höherer Stimme abrufen (bespaßen).
•Nur für das gewünschte Verhalten belohnen.
•Timing des Belohnens verbessern.
•Verhalten des Hundes nicht persönlich nehmen.
Zweites Training am 13. 12. 2014
Vorbesprechung:
Hannes begrüßt mich zwar immer noch sehr stürmisch, lässt sich aber beim Raufspringen mit Handzeichen gleich davon abhalten. Ingrid und Franz haben das Abrufen geübt.
Hannes ist Franz im Wald davongelaufen. Er war nicht zu stoppen und kam erst nach
einer halben Stunde wieder und Franz war sehr zornig und hat ihn am Nacken geschüttelt. Er erklärt mir, dass das doch die Hundemütter auch so mit ihren Jungen machen.
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Diplomhund Hannes
Als ich ihn aufkläre, dass das der Todesbiss bei den Wölfen wie bei den Hunden ist,
erschrecken beide sehr. Das Nackenschütteln als Bestrafung, wurde weder beim Wolf
noch beim Hund glaubhaft nachgewiesen. Wenn ein Wolf einen Welpen am Nacken
schüttelt, ist der Welpe nicht aus seinem Wurf und er will ihn töten, zum Beispiel wenn
Nahrungsknappheit besteht. Die eigenen Welpen sind immer die Wichtigsten. Es gibt
weder beim Hund noch beim Wolf einen generellen Welpenschutz.
In Hannes steckt möglicherweise ein Foxterrier und die haben ein starkes Jagdverhalten, deshalb müssen wir das Abrufen konsequent, aber geduldig üben. Heute wollen
beide das Abrufen wiederholen. Wir gehen wieder auf unsere Wiese. Ich schlage die
Ping-Pongübung vor. Sie sollen sich in ca. 10 Metern Entfernung gegenüber aufstellen
und einmal ruft Ingrid den Hund und einmal Franz. Ich schlage Ingrid vor das Kommando „Hier“ auf „Bei mir“ umzuändern, durch dieses Kommando wird die Stimme automatisch etwas höher.
Nach dreimal hin und herrufen verweilt Hannes nicht mehr bei Ingrid, die ihn gerufen hat,
sondern schnappt das Gutti und läuft sofort zu Franz. Bevor ich noch etwas sagen kann
wird er von Franz belohnt. Wir wiederholen die Übung und Hannes muss warten bis ihn
der andere ruft. Das geht gut mit dem Kommando „Bleib“. Man kann ihn aber auch absitzen lassen. Dieses Training wird positiv abgeschlossen ►Filme Ping Pong 1, 2, 3◄
Mein Tipp: Immer nur das gewünschte Verhalten belohnen.
Am Nachhauseweg hält Franz die Leine zu kurz und lässt Hannes nicht schnuppern.
Auf meine Frage hin warum sagt mir Franz: „Der Hund muss bei Fuß gehen und ich lass
ihn nicht schnuppern“. Aber gerade an den verschiedensten Hausecken gibt es die
besten Gerüche. Bei Ingrid darf Hannes viel schnuppern, dafür aber nicht immer frei
laufen. Deshalb sage ich nichts dagegen. Ich bitte Franz nur, die Leine nicht zu straff zu
halten. Er lockert sie und Hannes geht brav bei Fuß. ►Film Bei Fuß Franz◄
,,
Hannes kann sehr deutlich unterscheiden mit wem er Gassi geht.
„Hunde kennen die Eigenschaften und Wünsche
ihrer Besitzer genau“.
Zu Hause angekommen machen wir noch eine kleine Indoorübung. Hannes soll über
die Beine von Ingrid einmal darübersteigen und einmal darunter durchgehen. Ich zeige
ihnen die Übung vor, und Hannes macht das sehr brav.
Ingrid will es versuchen. Auch bei ihr kann die Übung positiv abgeschlossen werden.
Hannes lernt sehr schnell und ist sehr aufmerksam. ►Film drunter drüber◄
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Diplomhund Hannes
Nachbesprechung:
Ingrid und Franz wollen wissen wofür diese Steigübung gut sein soll. Ich erkläre ihnen,
dass diese Übung die hintere Muskulatur stärkt, die Beweglichkeit der Wirbelsäule fördert, aber auch die Aufmerksamkeit.
Da Franz ein dominantes Verhalten gegenüber Hannes zeigt, habe ich ihm drei Bücher
mitgebracht:
•„Dominanz“ von Barry Eaton
•„Da muss er durch“ von Thomas Riepe
•„Beschwichtigungssignale“ von Turid Rugaas
Übungen:
•Abrufen mit der Ping-Pong-Übung.
•Immer nur das richtige Verhalten belohnen.
•Die Bücher lesen.
Drittes Training am 20.12.2014
Vorbesprechung:
Die Ping-Pong-Übungen haben sie gemacht und es hat gut funktioniert. Hannes lässt
sich wenn er intensiv schnuppert nicht abrufen. Franz sagt das macht ihn so zornig.
Nicht einmal mit der guten Leberstreichwurst in der Tube, die Franz jetzt immer bei sich
hat, lässt Hannes sich locken. Ich erkläre ihm je zorniger er wird, desto weniger wird
Hannes kommen.
Hannes ist voll pubertär, er reitet zur Zeit gerne auf. Er versucht es auch bei mir aber
ich lasse es nicht zu. Ich ignoriere ihn und schiebe ihn kommentarlos hinunter und wende mich von ihm ab. Ingrid beschwert sich auch, dass Hannes zur zeit sehr intensiv
schnuppert und von diesen Stellen kaum wegzubringen ist. Die Pubertät ist auch für den
Hund eine sehr schwierige Phase. Die Hormone spielen verrückt und die Konzentration
leidet darunter.
Mein Tipp: Nicht zornig oder frustriert sein. Hannes einfach von diesen Stellen abholen. Natürlich mit positiver Verstärkung.
Ingrid sagt sie hat Angst, weil Hannes alles was er findet frisst. Auch hier in Leobendorf
werden leider immer wieder Giftköder ausgelegt.
Ich entscheide mich für die Übung schlechtes Leckerli auslegen und mit besserem
Leckerli belohnen. Da Hannes sehr schnell lernt gehen wir gleich auf den Feldweg. Beide benützen dasselbe Kommando „Aus“, wenn sie wollen dass Hannes etwas wieder
ausspucken soll.
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Diplomhund Hannes
Ich lege schlechtere Leckerlis aus. Franz soll dann vorbeigehen, und wenn Hannes das
Leckerli riecht und nehmen will, mit Kommando „Aus“ die Aufnahme verhindern. Natürlich wird sofort mit dem besseren Leckerli belohnt.
,,
Der erste Versuch scheitert. Franz hat zu langsam reagiert. Doch beim zweiten Versuch
gelingt die Übung. Diese Übung geht natürlich zu zweit leichter. Einer legt aus, der andere geht mit dem Hund daran vorbei. Diese Übung kann man steigern, indem man gleich
gute Leckerlis auslegt. ►Filme Leckerli 1, 2◄
„Hormonschübe sind nicht nur für uns Menschen anstrengend,
sondern auch für den Hund“.
Nachbesprechung:
Beide beschweren sich noch einmal über Hannes „Sturheit“ beim Abrufen. Sie hätten
immer wieder das Gefühl, dass er das absichtlich macht. Ich erkläre ihnen, dass Hannes
sicher in einer pubertären Krise steckt, und sicher viele läufige Mädels unterwegs sind.
Sollte er darunter leiden, oder rauflustiger gegenüber anderen Rüden werden, ist in der
Zukunft an eine Kastration zu denken. Das Aufreiten kommentarlos abstellen und Hannes
von diesen so interessanten Schnupperstellen abholen. Das Leckerli vor die Nase halten
und Hannes damit aus dieser Situation herausholen und seine Aufmerksamkeit wieder
einfordern.
Übungen:
•Schlechtere Leckerlis auslegen, mit Kommando „Aus“ die Aufnahme verhindern.
•Steigerung: gleich gute Leckerlis auslegen.
•Hannes durch Abholen von den interessanten Stellen wegholen.
•Aufreiten kommentarlos unterbinden (auch Besucher einweisen).
Viertes Training am 13.1.2015
Vorbesprechung:
Heute wollen Franz und Ingrid zeigen wie gut sie das Abrufen, sowie „Bleib“ und dann
abrufen geübt haben. Hannes setzt sich sogar nach dem Abrufen auf die richtige Seite.
Das muss ich mir anschauen. Heute hab ich meine Kamera mit um alles aufzunehmen.
Wieder gehen wir auf unsere Wiese. Beide haben ihre Leckerlis mit. Ich muss sie nicht
daran erinnern. Ich führe Hannes weiter weg und Ingrid ruft ihn mit dem Kommando „Bei
mir“ zu sich. Das funktioniert großartig. ►Film abrufen Ingrid, Film abrufen Franz 1, 2◄
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Diplomhund Hannes
Dann geht sie mit ihm „Bei Fuß“ ohne Leine, lässt Hannes absitzen gibt ihm das Kommando „Bleib“ und geht ca. 30 Meter von ihm weg um ihn dann abzurufen. Auch das
klappt wirklich gut. Sie haben geübt „Yeeeeeaaahhhh!“ ►Film bei Fuß und abrufen◄
Beide belohnen Hannes erst, wenn er an der richtigen Seite sitzt. Da ich weiß, dass
Franz von militärisch abgerichteten Hunden begeistert ist und Hannes das Abrufen so
souverän meistert ist das für mich auch in Ordnung. Ist halt schon „Hohe Schule“.
Ich möchte eine Ganganalyse machen und lasse Franz mit Hannes in Schritt, Trab, und
Galopp an mir vorbeilaufen. Plötzlich läuft Hannes weg. Wir waren alle drei zu langsam
um zu reagieren. Auf dem folgenden Film erkennt man genau, wann Hannes nicht mehr
konzentriert ist und den anderen Hund wittert. ►Film Hannes weglaufen◄
Hannes läuft zu einem Mann mit einem Rehpinscher und Franz versucht Hannes abzurufen. Leider schließe ich meine Kamera um Franz zu zeigen wie man richtig abruft,
denn Franz wird zornig und das möchte ich verhindern. Deshalb konnte ich diese interessante Situation nicht mehr aufnehmen. Ich gehe in die Knie und rufe Hannes, mit
lauter, fröhlicher Stimme, klatsche in die Hände und Hannes kommt.
Der Mann mit dem Rehpinscher stellt sich zu uns mit seinem Hund am Arm. Hannes
will natürlich hin, aber der Pinscher verbellt ihn und Hannes geht weg. Franz möchte,
dass Hannes zu ihm kommt doch Hannes beschwichtigt, indem er Franz den Rücken
zudreht und sich gleichzeitig über den Fang schleckt. Das Rückenzudrehen ist ein sehr
starkes Beschwichtigungssignal. Das ärgert Franz natürlich und deshalb zeige ich ihm
wie man Hannes richtig herruft. Ich rufe freundlich Hannes „Bei mir“ und Hannes kommt
und lässt sich sogar Absitzen.
Die Ganganalyse können wir ohne Zwischenfälle beenden. ►Filme Gangbild Schritt im
Pass, Trab, langsamer Galopp, Galopp und Standbild Galopp◄
,,
Für Franz ist es wirklich ein großes Problem, Hannes – wenn er nicht auf Pfiff reagiert
– mit freundlicher Stimme abzurufen. Er wird ungeduldig und zornig. Ich bitte ihn das
Abrufen mit freundlicher Stimme zu wiederholen. Und siehe da es klappt. Wenn wirklich
ein Foxterrier in Hannes steckt, müssen wir das Abrufen sehr konsequent üben.
„Sei schneller als dein Hund, und wenn nicht,
bleib immer freundlich“.
Franz zeigt mir auch noch wie gut Hannes auf Kommando „Sitz“, „Platz“ und „Steh“
reagiert. Ich lobe beide und Franz ist sehr stolz. ►Film Sitz Platz Steh Franz◄
Wir gehen in Richtung Heimat. Noch einmal kommen wir in die Situation Hannes abrufen zu müssen. In 50 Metern Entfernung sehen wir einen Rottweiler mit Besitzer. Franz
kennt die beiden, aber die Hunde verstehen sich nicht gut.
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Diplomhund Hannes
Franz reagiert dieses mal schneller, leint Hannes aber nicht an und Hannes läuft Richtung Rottweiler. Franz ist frustriert, Hannes reagiert weder auf Pfeifen noch auf rufen. Ich
klatsche in die Hände und rufe mit hoher Stimme, so wie man Pferde treibt (wie die Lisi
am Hundeplatz). Hannes dreht sich zu mir um, ich gehe in die Hocke und rufe weiter so
und er kommt auf mich zugelaufen.
Hannes wird angeleint und wir gehen Heim an der lockeren Leine. Darauf hab ich geachtet, weil Franz so enttäuscht ist. Ich erkläre beiden, dass der Hund auf den Tonfall
in unserer Stimme reagiert. Er weiß also ganz genau in welchem Gemütszustand wir uns
befinden.
Mein Tipp: Hände klatschen, pfeifen, auf die Schenkel klopfen, mit hoher
Stimme rufen und wenn du die Aufmerksamkeit deines Hundes hast, in die
Hocke gehen und weiter freundlich rufen. Bei Ankunft des Hundes sofort
überschwänglich loben und belohnen.
Nachbesprechung:
Ich versuche Franz zu erklären, dass Hannes nicht absichtlich nicht zurückkommt. Er
ist ein junger pubertierender Hund, der alles spannend findet besonders andere Hunde.
Franz ist aber schwer zu überzeugen. Er ist fasziniert von diesen toll abgerichteten Hunden die sich auch in großer Entfernung absitzen lassen. Aber auch die waren einmal jung.
Und die Abrichtemethoden sind nicht immer in Ordnung.
Über spielerisches Lernen merkt sich dein Hund die gelernten Dinge besser. Wenn er
nun auf das Pfeifen nicht hört – weil du vielleicht selbst den richtigen Augenblick verpasst
hast – wird dein Hund dann gerne zurückkommen, wenn du mit negativer, strenger Stimme seinen Namen rufst?
Wie uns Hannes bewiesen hat natürlich nicht. Er wird sich genau überlegen ob er kommen soll, und die ganze Sache durch Schnuppern, Abwenden, im Bogen gehen, verzögern. Und ist er endlich hergekommen schimpft man ihn mit vielen Worten die er gar
nicht versteht oder fügt ihm vielleicht sogar Schmerzen zu. Was wird er sich merken die
angsteinflößende Stimme und ganz sicher den Schmerz. Also: Ruhe bewahren, freundlich abrufen und belohnen für das Zurückkommen. Was wird er sich wohl schneller und
vor allen Dingen lieber merken?
Ich gebe eine kleine Einschulung über die wichtigsten Beschwichtigungssignale. Hannes zeigt uns das über den Fang schlecken und Demutshaltungen wie angelegte Ohren
und Kopfsenken. Aber die stärkste Geste ist das Abwenden, wenn Franz ihn zu sich ruft.
Bitte lieber Franz rufe ihn freundlicher und loben, loben, loben.
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Diplomhund Hannes
Übungen:
•Konsequentes freundliches und mehrmaliges Abrufen während eines Spazierganges
(auch auf der Wiese).
•An der eigenen Stimmlage arbeiten.
•Sofort und überschwänglich belohnen, wenn Hannes zurückkommt.
Fünftes Training am 25.1.2015
Vorbesprechung:
Franz und Ingrid haben das Abrufen ausgiebig geübt. Hannes folgt zwar wenn er abgelenkt ist noch immer nicht so gut, aber sie sind zuversichtlich und entspannt. Die
Bücher hat Franz gelesen, Ingrid noch nicht. Heute wollen beide Indoor üben. Sie wollen
Hannes am Platz schicken können und er soll auch dort bleiben.
Für Hannes ist das Kommando „Platz“ doppelt besetzt. „Platz“ für Niederlegen und für
auf den „Platz“ gehen. Weil aber das Handzeichen für „Platz“ (niederlegen) so gut sitzt,
entscheide ich mich es so zu belassen.
Da Hannes so ein aufmerksamer und kluger Hund ist, beginne ich die Übung gleich
mit dem Handzeichen in Richtung Platz. Hannes schaut mich kurz an, um dann langsam
und besonnen – wie wenn er die Übung schon immer gemacht hätte – auf seinen Platz
zu gehen. Ingrid und Franz sind begeistert, aber ich auch.
Nach drei Trainingseinheiten mit Ingrid und Franz funktioniert es ausgezeichnet. Also
gehen wir zu der nächsten Übung „Platz“ und „Bleib“ über. ►Film Platz schicken, Film
Platz schicken Ingrid, Film Platz schicken Franz 1, 2◄
Ich schicke Hannes auf seinen Platz, gib ihm das Handzeichen zum Niederlegen und
werfe ihm mit dem Kommando „Bleib“ Leckerlis zu. Nach einer nicht allzulangen Zeit
hebe ich das Kommando „Bleib“ auf, rufe Hannes zu mir und lobe ihn mit Stimme und
Streicheln. Wichtig bei dieser Übung ist, dass man nur für das gewünschte Verhalten
belohnt.
Ingrid will diese Übung machen. Nach anfänglichen kleinen Schwierigkeiten gelingt es
ihr sehr gut. ►Film Platz und Bleib 1◄
Die Versuche von Franz sind ganz gut. Er könnte Hannes etwas länger im „Bleib“ verweilen lassen. ►Film Platz und Bleib Franz◄ Beim zweiten Anlauf gelingt es besser und beim
dritten Versuch vergisst Franz, Hannes im „Bleib“ zu belohnen. ►Film Platz und Bleib Franz 1,
Platz Bleib ohne Belohnung◄ Ich erkläre beiden, dass sie noch mehr mit ihrer Stimme arbeiten sollen wenn der Hund im „Bleib“ ist. Diese Übung kann man dann steigern, indem
man den Hund von jeder Stelle im Haus auf seinen Platz und ins „Bleib“ schickt.
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Diplomhund Hannes
Mein Tipp: ganz wichtig bei dieser Übung ist, sie wieder aufzuheben sonst
verliert der Hund die Geduld liegen zu bleiben.
Übungen:
•Hannes mit dem Handzeichen für „Platz“ auf den Platz schicken und mit dem
richtigen Handzeichen niederlegen lassen.
•Kommando „Bleib“ und Leckerlis zuschmeißen.
•Nach einer Weile die Übung aufheben.
•Nur das gewünschte Verhalten belohnen.
Nachbesprechung:
Beide sind heute sehr zufrieden. Hannes hat alles schnell begriffen und liegt entspannt
und müde neben Franz.
Ich erkläre ihnen, dass man das „Bleib“ zeitmäßig immer mehr ausdehnen kann. Diese
Übung muss, wenn man sie mit Handzeichen macht, ganz korrekt ausgeführt werden.
Sonst kommt es zu Missverständnissen zwischen Mensch und Hund. Dabei muss man
den Hund immer gut beobachten wie lange er noch liegenbleiben kann oder ob er schon
leicht zuckt, weil er wieder aufstehen will. Also: beobachten und gut kommunizieren
bringen uns zum Erfolg.
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„Lerne deinen Hund zu beobachten, um so schneller kannst du
auf seine Zeichen reagieren“.
Sechstes Training am 4.2.2015
Vorbesprechung:
Ingrid und Franz erzählen mir, dass sie fleißig abrufen üben. Sie wollen es mir aber noch
nicht zeigen. Es soll eine Überraschung werden. Heute würde Franz so gerne wissen wie
man „Sitz“ auf Distanz üben kann.
Da ich das schon wusste hab ich mich eingelesen. Bei dieser Übung muss man dem
Hund auf Anfangs kürzere Distanz Leckerlis zuwerfen und wenn er dich anschaut, Handzeichen und Kommando „Sitz“ geben. Dann aufheben und belohnen. Ich versuche das
gleich mal und es klappt. Hannes ist fantastisch. Mit seiner ausgeglichenen Art gibt er
mir die Möglichkeit alle Übungen sofort positiv abzuschließen. Ich liebe diesen Hund.
Nun ist Ingrid dran. Beim ersten Versuch legt sich Hannes nieder, anstatt zu sitzen.
Beim zweiten Versuch schafft es Ingrid.
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Diplomhund Hannes
Franz versucht sich auch und scheitert leider. Hannes ist so aufmerksam, dass er auf
den Platz geht, weil Franz die Hand zu weit unten hält. Wir wiederholen die Übungen
und letztendlich schaffen es Franz und Ingrid. ►Film Sitz auf Distanz 1, 2, 3 und Film
Falsches Handzeichen◄
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Mein Tipp: Da Hannes so aufmerksam ist muss man jede Übung korrekt ausführen. Sonst bekommt man ein anderes Verhalten zu sehen oder gar keines.
„Ein ausgeglichener Hund kann uns viel lernen.
Nämlich selbst die Ruhe zu bewahren."
Übungen:
•Leckerlis zuwerfen auf zuerst kürzere Distanz mit Handzeichen und Kommando
„Sitz“ Hannes absitzen lassen.
•Korrekte Handzeichen sonst kommt es zu Missverständnissen.
•Wenn die Übung auf kürzere Distanz funktioniert, Distanz vergrößern.
Nachbesprechung:
Korrekte Handzeichen sind bei so einem aufmerksamen Hund äußerst wichtig. Hunde
beobachten uns ganz genau. Sie hören jede kleine Veränderung in unserer Stimme. Auch
unsere Körperhaltung prägen sie sich ein. Wichtig ist, dass die Kommandos und Handzeichen immer eindeutig sind und vom Hund gut voneinander unterschieden werden
können.
Abschluss Hannes am 12.3.2015
Vorbesprechung:
Ingrid und Franz erzählen mir freudig, dass sie das Abrufen mit höherer Stimme geübt
haben. Heute wollen mich Ingrid und Franz mit dem perfekten Abrufen überraschen.
Wir gehen auf unsere Wiese und Franz beginnt. Er versucht seine freundlichste Stimme
einzusetzen, klatscht in die Hände, geht in die Hocke und Hannes läuft freudig zu ihm.
►Film Abrufen Franz◄
Auch Ingrid macht sich gut und Hannes sowieso. Für meinen Geschmack könnte das
Abrufen noch freudiger und lauter sein. Aber natürlich lobe ich beide, denn sie haben so
eine Freude. ►Filme Abrufen Ingrid schlecht, besser, gut◄
Ich zeige beiden nochmal wie ich mir das noch besser vorstellen könnte. ►Film Ab­
rufen Dani◄ Diesen Film muss man sich nicht fertig anschauen, denn Franz konnte die
Kamera nicht abschalten.
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Diplomhund Hannes
Mein Tipp: Schäme dich nicht einen Kasperl aus dir zu machen, wenn du
deinen Hund abrufst.
Übungen:
•Laut und fröhlich abrufen, Händeklatschen, herumspringen, Schenkelklopfen.
•Positiv bleiben und konsequent.
•Viel loben mit Stimme und Leckerlis.
Nachbesprechung:
Da Hannes heute schon sehr müde ist, beschließen wir kein Indoortraining zu machen.
Hannes legt sich auf seinen Platz und schläft sofort ein.
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Ich erkläre Ingrid und Franz, dass sie sich nicht schämen sollen, wenn sie so abrufen.
Mag sein, dass die Leute komisch schauen werden, aber Ingrid und Franz haben dann
einen gut abrufbaren Hund.
„Mach für deinen Hund alles und du wirst es
1000-fach zurückbekommen“.
Ein kleines Resümee über Hannes und seine Besitzer.
Ich bin begeistert von Hannes. Dieser Hund lehrt uns Ruhe und Gelassenheit. Er beweist
uns, dass nur wir die Fehler machen und der Hund sofort darauf reagiert aber auch verzeiht. Wir sind es die nicht schnell genug reagieren, uns nicht beherrschen können und
schlecht mit den Hunden kommunizieren. Franz und Ingrid haben Hannes sehr gut sozialisiert. Sie können stolz auf ihren Hannes sein und auch von ihm viel lernen.
Zum Abschluss noch zwei kleine Filme zum Schmunzeln. ►Film Hannes Socken, Bell­
verhalten◄
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Diplomhund Hannes
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Resümee
Resümee
Vicky und Hannes sind zwei völlig unterschiedliche Hunde. Beide werden von ihren
Besitzern geliebt und gewaltfrei erzogen.
Bei Vicky haben sich die vielen negativen Emotionen durch die schlechte Beziehung
von Julia mit Wolfgang negativ ausgewirkt. Wolfgang hat Vicky bedrängt und verstärkt
den Leinenruck eingesetzt, um bei Julia Druck zu machen. Vicky ist ein sensibler, aber
verunsicherter und gestresster Hund.
Julia kann diese Zeichen nicht immer gut interpretieren. Sie ist von Vickys Art zu oft
belustigt. Ich habe lange gebraucht, Julia auf diese Zeichen aufmerksam zu machen,
um dann richtig reagieren zu können. Am Verlauf der Trainings kann man die positiven
und negativen Momente erkennen. Durch meine eigene Unsicherheit und der noch fehlenden Erfahrung konnte ich beiden manchmal nicht weiterhelfen.
Die Leinenführigkeit konnte ich kaum verbessern. Alles hat Vicky abgelenkt und wir
bekamen kaum ihre Aufmerksamkeit. Bei Vicky und Julia habe ich mich entschieden die
Hilfe meiner Kolleginnen in Anspruch zu nehmen, damit Vicky ein selbstsicherer, stressfreierer Hund werden kann und die Lebensqualität in der Beziehung beider steigt.
Hannes ist ein ausgeglichener selbstsicherer und stressfreier Hund. Seine Sensibilität
und Aufmerksamkeit während der Trainings, war wirklich beeindruckend. Ich wusste
anfangs nicht was ich Hannes und seinen Besitzern, Ingrid und Franz noch beibringen
könnte. Dann stellte sich heraus, dass das Abrufen des Hundes problematisch ist.
Der Grund dafür war aber nicht der Ungehorsam des Hundes sondern die Qualität des
Abrufens der Besitzer. Ich musste beide überzeugen, dass eine freundliche, neutrale,
sogar etwas höher angesetzte Stimme den Hund stark motiviert zu seinen Besitzer zu
laufen. In meiner Arbeit wird das Abrufen deshalb häufig beschrieben. Hannes gab mir
durch seine Ruhe die Sicherheit die Übungen meist positiv abzuschließen. Bei den IndoorÜbungen habe ich mich viel wohler gefühlt. Da gibt es kaum Ablenkungen und die Hunde, sowie wir Menschen können konzentrierter arbeiten.
Die Dinge so anzusprechen, dass man die Besitzer nicht verletzt ist nicht einfach und
erfordert viel Einfühlungsvermögen und manchmal ist es auch besser zu schweigen.
Der Erfolg der Trainings ist von der Bereitwilligkeit der Besitzer, konsequent zu trainieren abhängig. Die eigene Unsicherheit spiegelt sich im Hund und den Besitzern wieder
und der Erfolg wird sich nicht einstellen. Das Vertrauen der Besitzer und des Hundes zu
erhalten ist schon der halbe Weg zum Ziel.
Diplomarbeit Daniela Horvath 2015 Seite
34
Resümee
Um ein guter Hundepsychologe zu sein darf man nie aufhören zu lernen. Jeder Mensch
jeder Hund und jede Situation verlangt eine eigene Strategie. Es gibt kein Schema F.
Diese Arbeit mit Mensch und Hund macht mich sehr glücklich und mit wachsender
Erfahrung hoffentlich auch zu einer guten Hundepsychologin.
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„Gut abgerichtet kann der Mensch
der beste Freund des Hundes sein“.
(Corey Ford)
Nach Abschluss dieser Diplomarbeit über zwei Diplomhunde Vicky und Hannes musste
ich feststellen, dass ich während des Schreibens die gesamte Theorie wiederholt habe.
Anfangs wusste ich gar nicht was ich überhaupt schreiben soll. Während des Schreibens
sind mir so viele Dinge eingefallen die ich da oder dort noch dazuschreiben könnte.
Diplomarbeit Daniela Horvath 2015 Seite
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