SoSe 2014

Erfahrungsbericht
Vorbereitung
Im klassischen Jura-Studium ist ein Auslandsaufenthalt eigentlich nicht vorgesehen. Da ich
aber sehr sprachinteressiert bin und noch einmal die Erfahrung machen wollte, im Ausland
zu leben, habe ich mich für ein Auslandssemester entschieden.
Im 5. Semester werden im Prinzip die letzten Klausuren und Hausarbeiten für die "großen
Scheine" geschrieben, und so habe ich mich dazu entschlossen, im 6. Semester ins Ausland
zu gehen. Klang erst nach einer guten Idee, da sich im Ausland die Semesterzeiten jedoch
komplett von den deutschen unterscheiden, lief es dann doch nicht wie geplant. Diejenigen,
die bereits im 5. Semester ins Ausland gegangen waren, kamen schon vor Weihnachten
oder Mitte Januar wieder, und konnten so die Prüfungen aus dem 5. Semester im Februar
mitschreiben. Da das nächste Semester aber bereits Mitte/Ende Januar beginnt, konnte ich
an den Prüfungen im Februar nicht wie geplant teilnehmen.
Die Wahl der Uni war nun die nächste Hürde. Österreich oder die Schweiz waren mir nicht
"ausländisch" genug. An den meisten übrigen Partnerunis wird leider in der jeweiligen
Landessprache unterrichtet und ich wollte nicht schnell noch ein halbes Jahr
Spanisch/Portugiesisch etc lernen. Somit war die Auswahl schonmal sehr viel kleiner
geworden. Am Ende entschied ich mich für Riga, da ich schon viel Gutes von der Stadt
gehört hatte und sowieso sehr gerne mal ins Baltikum fahren wollte.
Ich habe mich gegen die University of Latvija entschieden und für die RGSL Law School,
weil ich erwartete, dass ich dort wahrscheinlich mehr Möglichkeiten hätte, was die Kurswahl
betrifft haben, da ich dort noch einen Grundlagenschein erwerben wollte.
Ein Nachteil war daran, dass die RGSL keine Wohnheime besitzt und ich mich somit selbst
um eine Wohnung kümmern musste, was sehr schwierig war, und wobei ich auch große
Probleme hatte. So wurde mir mein Zimmer, das ich mit Mühe und Not doch noch gefunden
hatte, keine 24 Stunden vor Abflug wieder abgesagt und ich musste mich schnell um etwas
anderes kümmern.
Ich hatte mich auch für einen EILC- Sprachkurs beworben um vorab schon ein wenig die
Sprache und Kultur kennen zu lernen und erste Kontakte zu knüpfen. Hier war die Frist am
25.10. und ich hatte die Unterlagen bereits 3 Wochen vorher losgeschickt um ja keine Frist
zu versäumen. Als ich Ende November immer noch keine Rückmeldung bekommen hatte,
habe ich mich noch einmal erkundigt, wann denn die Zu- und Absagen kommen würden und
man sagte mir, dass meine Bewerbung nie eingegangen sei und nun auch nicht mehr
berücksichtigt werden könne. Nunja, wieder Pech gehabt.
An der RGSL werden außerdem keine Lettisch-Sprachkurse angeboten und zu den
Sprachkursen an der LU konnte ich nicht gehen, da sich diese zu häufig mit den Kursen an
der RGSL überschnitten.
Erste Kontakte und Kurswahl
Ich hatte von der zuständigen Dame an der RGSL sehr schnell eine Mail bekommen und
hatte einigen Kontakt mit ihr. Durch einige Missverständnisse hatte ich dann im Dezember
die Anmeldefrist an der RGSL versäumt, aber dies war völlig unproblematisch.
An der RGSL gibt es keine Semester. Die Kurse werden in 6-Wochen-Modulen angeboten,
anschließend finden die Prüfungen statt. Ich musste also fast alle Kurse neu wählen, wobei
es schwierig ist, sie ohne Überschneidungen zu wählen, wenn man aus den verschiedenen
Jahren wählen möchte. Allerdings konnte ich nicht nur aus einem Jahr wählen, da hier zu
wenig Auswahlmöglichkeiten bestanden, was die Jura- Kurse betrifft. Es werden an der Uni
zwei Bachelor-Studiengänge angeboten. Zum einen Law and Business und zum anderen
Law and Diplomacy. Dementsprechend sind auch die Studierenden weniger an den
Rechtskursen sondern mehr an den jeweiligen anderen Kursen interessiert.
Wichtig war für mich nun auch die Kurswahl. Ich hatte mir einige Kurse rausgesucht und im
Learning Agreement festgehalten. Als ich jedoch in Riga ankam, wurde schnell klar, dass ich
an fast keinem der gewählten Kurse würde teilnehmen können, da diese bereits vorbei
waren. (Das 6-Wochen-System wurde mir erst vorort offenbart.)
Auch ist es nicht möglich im Voraus Kurse zu wählen, da man sich, um den Kursplan
einsehen zu können, im Internetportal anmelden muss, wofür man wiederum seine
Registrierungsnummer und sein Passwort braucht, dass man aber erst nach Ankuft
bekommt - ein unmögliches Unterfangen.
Da die Prüfungen ungefähr alle sechs Wochen stattfinden und man erst zu Beginn des
Moduls die Prüfungstermine bekommt, ist es auch fast unmöglich Ausflüge etc. im Voraus zu
planen.
Ein weiterer Nachteil war, dass es an der RGSL im Gegensatz zur LU, keine Osterferien
gab. (Stattdessen haben wir vor und nach Ostern eifrig Klausuren geschrieben.)
Die Partnerhochschule RGSL
Die Uni selbst ist sehr klein. Dort studieren etwa 250 Studenten, fast ausschließlich Letten.
Mit mir zusammen waren noch vier andere Erasmus- Studenten dort, aus Kroatien,
Schweden und der Türkei. Daher gibt es auch kaum Angebote für die Erasmusstudenten. An
der LU hingegen ist ESN sehr präsent und plant (mehrmals) wöchentlich diverse Events.
Am ersten Tag hatte ich um 10 einen Termin bei Ulla, mit der ich vorher schon Email-Kontakt
hatte. Sie hat mir die Uni gezeigt und mir die ersten Fragen beantwortet.
Jedem ausländischen Studenten wird zudem ein Study Buddy zur Seite gestellt. Meiner
hatte mich bereits vor Ankunft kontaktiert und auch die anderen Studenten vor allem von der
Student Association waren sehr nett und hilfsbereit.
Die Mensa ist sehr klein, aber das Essen ist relativ günstig. Mich persönlich hat nur der
Kümmel, der hier Nationalgewürz ist und in jedem Gericht üppig verwendet wird, gestört.
Die Bibliothek befindet sich im 7. Stock, von wo aus man eine nette Aussicht hat. Dort stehen
auch einige Computer und Drucker, für die man ganz am Anfang einen Ausweis bekommt,
den man dann mit Geld aufladen kann. Hat man den einmal vergessen, ist es auch kein
Problem, man bekommt einfach einen Gästeausweis.
Sonstige Informationen
Lettland ist ein sehr kleines Land mit nur ca. zwei Millionen Einwohnern, von denen etwas
die Hälfte in Riga und Umgebung wohnt.
Riga ist eine sehr schöne Stadt. Zu meinem Glück wurde sie auch gerade zur
Kulturhauptstadt Europas gewählt und so gab es sehr viele kulturelle Veranstaltungen und
die Stadt wurde richtig „auf Vordermann gebracht“. Überall wurden Häuser renoviert und im
Mai/Juni die Parks hergerichtet.
Sehr zu empfehlen ist das neu eröffnete KGB Museum, das sich im alten KGB-Gebäude
befindet. Die Führung geht durch die ehemaligen Zellen, den Verhörraum und viele andere
Zimmer und ist sehr eindrucksvoll (und zudem sehr günstig - 2 €). Ebenfalls sehr günstig und
zu empfehlen ist ein Besuch in der Nationaloper. Die günstigsten Tickets gibt es hier schon
ab 4 €, wobei man hier ruhig etwas mehr (7-10 €) investieren sollte, um nicht hinter einer
Säule zu sitzen.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist fast alles gut zu erreichen. Ein one way ticket kostet 60 ct,
es gibt auch 10er-Karten etc, die etwas günstiger sind. (Zu kaufen sind alle Tickets in den
Narvesen-Kiosks, die an fast jeder Ecke sind.) Die Fahrpläne sind an den jeweiligen
Haltestellen zu finden, sowie auf rigassatiksme.lv. Taxifahrten sind ebenfalls sehr günstig,
am günstigsten sind die Panda-Taxen. Hier muss man jedoch aufpassen, da „Touristen“
manchmal von den Taxifahrern übers Ohr gehauen werden.
Ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen kann ich nicht empfehlen. Hier bekommt man für relativ
viel Geld sehr wenig geboten. Auch sind die rigaer Autofahrer nicht so sehr an Radfahrer
gewöhnt und übersehen sie gerne, weshalb die Radfahrer hauptsächlich auf dem Gehweg
fahren, wo sie das Recht des Stärkeren in Anspruch nehmen.
Ich habe mir in Riga außerdem eine lettische Handykarte zugelegt. Hier hat man die Wahl
zwischen bite und tele2. Für 4 € im Monat bekommt man alles was man braucht. Wer mehr
viel im Internet ist, kann hier auch noch günstig mehr dazu buchen. Allerdings gibt es in
jedem Café freies Wlan.
Mit Überlandbussen sind außerdem Tallinn und Vilnius schnell und günstig zu erreichen, die
beide einen Besuch wert sind. (Hier z.B. Ecolines, Simpleexpress etc.)
Auch sehr schön ist der Nationalpark bei Sigulda und Cesis. (Hier sollte man jedoch nur in
den warmen Monaten hinfahren.)
Anerkennung von Studienleistungen
Zur Anerkennung von Studienleistungen kann ich nicht viel sagen, da es immer noch nicht
klar ist, ob überhaupt etwas anerkannt wird.
Fazit
Mir hat das Auslandssemester insgesamt gut gefallen. Allerdings ist es doch extrem viel
Aufwand und Organisation, die man in seine Überlegungen mit einbeziehen sollte.
Ich denke, in anderen Studiengängen ist ein Auslandsaufenthalt um ein vielfaches einfacher.
Als Jurastudent sollte man sich jedoch von vornherein darauf einstellen, viele Probleme zu
bekommen von Anerkennung der Studienleistungen bis zur Wahl der Kurse etc.
Als Stadt ist Riga wirklich toll. Lettland ist ein sehr kleines Land mit wenigen Einwohnern und
so kann man schnell Ausflüge in die Umgebung und in andere Länder, wie Estland, Litauen
oder Russland machen.