19 Panelvorschlag_Flüchtlingsheime, kommunale Integrationspolitik

Flüchtlingsheime, kommunale Integrationspolitik und migrantische Lebensverhältnisse
Fluchtmigration als ein globales Phänomen wird auf verschiedenen politischen Ebenen definiert und reguliert. Die Ausgestaltung obliegt in Deutschland den einzelnen Ländern bzw. Kommunen. Das bedeutet,
dass konkrete integrationspolitische Maßnahmen sowie insbesondere die Bereitstellung von Infrastrukturen und Wohnräumen selbst innerhalb Deutschlands völlig unterschiedlich gehandhabt werden. Folglich
entstehen verschiedene Voraussetzungen für Zugewanderte – abhängig davon, wer für die Umsetzung der
Gesetzgebung zuständig ist. Städte und Kommunen werden somit nicht nur zum Austragungsort von
Fluchtmigration (mit allen logistischen Herausforderungen), sondern befinden sich auch im Spannungsfeld zwischen nationaler und lokaler Integrationspolitik.
Migrant/-innen werden in Deutschland während des oftmals mehrere Jahre andauernden Asylverfahrens
meist in sog. Aufnahme- und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Aufgrund von restriktiven Asylgesetzgebungen, die den Zugang zum Arbeits-, Bildungs- und Wohnungsmarkt größtenteils einschränken,
sowie unterschiedlichen lokalen Interessen, etablieren sich diese temporär angelegten Unterkünfte zur
Dauerlösung. Sie werden während des Asylverfahrens – und häufig sogar darüber hinaus – zum Zentrum
des Lebensalltags von Geflüchteten. Gleichsam entstehen momentan alternative Formen der Unterbringung, getragen von zivilgesellschaftlichen und städtischen Akteur/-innen, die auf eine dezentrale
Wohnversorgung zielen.
Im Rahmen des Panels werden aktuelle Forschungsergebnisse zur Ankunft, Unterbringung, Versorgung
sowie zur alltäglichen Lebensbewältigung von Geflüchteten im städtischen Raum diskutiert, mit dem Ziel
den sozialräumlichen Integrationsprozess und (Interessens-)Konflikte in der Wohnversorgung von Geflüchteten aufzuzeigen.
Im Detail setzt sich das Panel mit folgenden Spannungsfeldern auseinander:
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Welche unterschiedlichen staatlichen Wohnformen haben sich für Geflüchtete – auch im Kontext
des aktuellen Anstiegs der Zahl der Asylsuchenden – herausgebildet? Wie wirkt sich die nationale
Gesetzgebung und Flüchtlingspolitik auf die lokale Wohnversorgung der Geflüchteten aus?
Wie beeinflussen Ankunft, Unterbringung und Versorgung der Geflüchteten die Integration in
Kommunen und Städten? Inwiefern fördern oder behindern bestimmte Formen der Unterbringung den Arbeits- und Bildungsmarktzugang?
Inwiefern und in welchen Handlungsrahmen entstehen spezifisch städtische Unterbringungsstrategien bzw. urbane Asylregime, die die Ziele nationaler Flüchtlingspolitik lokal perfektionieren
bzw. ihnen auch entgegenstehen?
Welche Rolle spielt die Stadt bzw. der Stadtraum in der Integration der Geflüchteten? Welche
Unterschiede gibt es zwischen ländlichem und städtischem Raum?
Welche gesellschaftspolitischen und institutionellen Funktionen und Aufgaben übernehmen Unterbringungsstrategien und -formen? Inwiefern spiegeln diese Arrival Infrastructures grundlegende
urbane, politische und gesellschaftliche Machtverhältnisse wider?
Die Organisator/-innen begrüßen Einreichungen interdisziplinärer Forschungsarbeiten zu folgenden
Schwerpunkten: Analysen zum Zusammenhang zwischen supranationalen und nationalen Gesetzgebungen und lokalen Unterbringungspolitiken, sozialräumliche Erhebungen zur Herausbildung spezifisch urbaner Unterbringungsstrategien, deren Funktionen und Einfluss auf die Integration und Mobilität von
Geflüchteten und auf den Zugang zu Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten sowie theoretische Arbeiten zur
Einbettung von Fluchtmigration und Wohnversorgung mit Hilfe von Sozial- und Raumtheorien. Weiterhin bilden Formen alternativer Unterbringungen einen zentralen Bestandteil.
Wir bitten um Beitragsvorschläge mit einer Zusammenfassung von etwa 400 Wörtern sowie Namen, Anbindungen und Kontaktdaten der vortragenden Person(en) bis zum 31. März 2016 an die unten angegeben E-Mail-Adressen.
René Kreichauf, MA Urban Studies
Doktorand
Freie Universität Berlin
Graduate School of North American Studies (GSNAS)
John-F.-Kennedy Institute for North American Studies
Lansstraße 5-9
DE- Berlin 14195
+49 (0)157 5246 3284
[email protected]
Dipl.-Geogr. Sylvana Jahre
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Humboldt-Universität zu Berlin
Geographisches Institut
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Sitz: Rudower Chaussee 16
+49(0)30 2093 6887
[email protected]