„Ein reines Archivierungssystem reicht im Labor nicht aus

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„Ein reines Archivierungssystem reicht im Labor nicht
aus“
Mess- und Prozessdaten im Gesundheitsbereich müssen häufig noch nach Jahrzehnten zur
Auswertung verfügbar sein, was mit hohem Aufwand verbunden ist. Große Unternehmen lösen
das mit intensivem IT-Einsatz, der für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) zumeist nicht
möglich ist. Im geförderten Projekt ‘eArchiving‘ haben Hochschulen und Unternehmen
gemeinsam mit den Netzwerken BioLAGO und bwcon Lösungsansätze für eine sichere,
ressourcensparende und GxP-konforme elektronische Langzeitarchivierung von Daten für KMU
im Bereich Lebenswissenschaften erarbeitet. Im Austausch mit Anwendern wurde deutlich,
dass insbesondere eine intelligente Verknüpfung von Daten gefragt ist.
Life-Science-Unternehmen produzieren und verwalten immer größere Datenmengen, die oft
auch nach der direkten Nutzung noch jahrelang archiviert werden müssen. Wie eine solche
Langzeitarchivierung erreicht werden kann, war Inhalt des Projekts „eArchiving", das ein Jahr
lang durch das Programm „smart businessIT" des Landes Baden-Württemberg gefördert
wurde. Im Zentrum stand der interdisziplinäre Austausch zwischen Vertretern aus der IT und
den Lebenswissenschaften als Anwendern von Archivierungslösungen. Ein erster wichtiger
Schritt im Projekt war daher eine Analyse der Anforderungen bei den Anwendern. „Wir haben
zunächst durch eine Umfrage und zwei Workshops mit deutschen und Schweizer Unternehmen
aus dem BioLAGO geklärt, was sich Anwender von einem elektronischen Archiv wünschen, wie
es sich in Geschäftsprozesse integrieren lässt und welche speziellen regulatorischen
Anforderungen einzelne Branchenfelder wie Diagnostik, Biotechnologie oder Medizintechnik
haben", erklärt Projektleiter Dr. Thomas Ragg von quantiom bioinformatics.
In den Gesprächen wurden schnell unterschiedliche Anforderungen deutlich. Diese waren
abhängig von der Branche der Anwender und der Größe des Unternehmens. „Die Bandbreite
zwischen einem Labor mit einem Dutzend Mitarbeitern und einem Pharmaunternehmen mit
einigen tausend Mitarbeitern ist hier sehr groß", schildert Ragg. „Während
Medizinproduktehersteller eine enge Integration in ihre Geschäftsprozesse benötigen, um auch
in 30 Jahren noch zuverlässige Nachweise zu jedem Produktdetail liefern zu können, sind für
Gentechniklabore skalierbare Software-Lösungen entscheidend, weil bereits einzelne Analysen
Daten im Gigabyte-Bereich erzeugen", ergänzt Dr.-Ing. Henning Groenda, Abteilungsleiter im
Bereich Software Engineering beim Forschungszentrum Informatik (FZI).
Individuelle Tools statt flächendeckender Standardlösungen
Gemeinsam haben die Partner des Projekts „eArchiving“ an neuen Lösungen für die elektronische
Langzeitarchivierung gearbeitet: (v. links): Marco Pietschmann (GATC Biotech AG), Dr. Thomas Ragg (quantiom
bioinformatics GmbH & Co. KG), Michael Köppl (Hit Discovery Constance GmbH), Prof. Dr. Thomas Fuchß (Hochschule
Karlsruhe), Andreas Baur (BioLAGO e.V.), Dr. Henning Groenda (FZI Karlsruhe), Mike Forner (COMback GmbH) und Dr.
Sami Rabieh (bwcon) © BioLAGO
Diese genaue Formulierung der eigenen Anforderungen war eine Aufgabe des Konstanzer
Sequenzierdienstleisters GATC Biotech AG. „Ein Aspekt hierbei war die Durchführung von Tests
mit einer Basistechnologie, um die Anforderungen und Integrationsmöglichkeiten zu klären",
schildert Marco Pietschmann, IT-Leiter bei GATC Biotech. Im Rahmen des Projekts konnte die
GATC Biotech aus seiner Sicht als potenzieller Anwender bereits die kundenspezifische
Anforderungsdokumentation stärker strukturieren, um später die Archivierung besser steuern
zu können.
„Wir bereiten uns damit gezielt auf den Einsatz flexibler Archivierungen in Orientierung am
Kundenbedarf vor. Eine Standardlösung für jedermann war damit schnell vom Tisch", erklärt
Pietschmann. Erarbeitet und getestet wurden zudem erste Lösungen, wie ein sicherer,
webbasierter Zugang zum Archiv sichergestellt werden kann. „Dabei ging es um das
Management von Nutzungsberechtigungen, beispielsweise für das Ablegen und Einsehen
vertraulicher Daten – sowohl vom Dienstleister als auch dessen Kunden", erklärt Thomas Ragg.
Erst eine intelligente Datenverknüpfung bringt Mehrwert
Individuelle Anforderungen für die Archivierung wurden unter anderem in Form von in Konstanz stattfindenden
Workshops mit Life-Science-Unternehmen und IT-Experten erfasst. © BioLAGO
Neben der Entwicklung einer eigenen Archivierungslösung haben die Projektpartner auch die
Möglichkeiten zur Integration eines bestehenden Datenarchivierungssystems in die Systeme
der Anwendungspartner und in den eigenen Geschäftsprozess bewertet und durch
Schnittstellenänderungen verbessert. Henning Groenda betont: „Der große Mehrwert eines
zentralen Archivs ist die direkte Suche nach eingelagerten Daten. Das erfordert aber zusätzlich
zu den Nutzerdaten weitergehende Beschreibungen, beispielsweise zur intelligenten
Verknüpfung mit Dokumenten der Qualitätssicherung oder Kundennummern."
Im nächsten Schritt sollen die Erfahrungen der Projektpartner inklusive der technischen
Bewertung und Anforderungen für die Umsetzung eines konkreten Systems und als Grundlage
für zukunftsfähige eArchiving-Dienstleistungen in Baden-Württemberg genutzt werden. „Ein
entscheidendes Ergebnis des Projekts ist die Erkenntnis, dass ein reines Archiv im Labor wenig
attraktiv ist: Erst höherwertige Dienste, die das Suchen, Verknüpfen und Analysieren der Daten
nach vielfältigen Gesichtspunkten zulassen, machen das Archiv interessant", resümiert
Thomas Ragg.
Marco Pietschmann von GATC Biotech sieht auch die Integrationsfähigkeit und
Zugriffssicherheit als Anforderungen an eine zukunftsgerechte Lösung. „Wir sind zu der
Erkenntnis gekommen, dass man Schnittstellen bieten muss, die einen hohen
Automatisierungsgrad bei gleichzeitiger Flexibilität gewährleisten. Für die breite Nutzbarkeit
der Daten geht es nicht nur darum, den reinen Ablage- und Rekonstruktionsvorgang
sicherzustellen, sondern auch die wieder bereitgestellten Daten in einer nutzbaren Form zu
erhalten", so Pietschmann.
Fortführung des Projekts fest im Visier - Workshop im Mai
Nach Willen der Projektpartner soll die Initiative „eArchiving" fortgesetzt werden. „Derzeit sind
wir dabei weitere Fördermöglichkeiten zu prüfen und zu beantragen, die den Weg zu Lösungen
beschleunigen. Für die Entwicklung einer ausgereiften Software ist eine breitere Basis an
Rückmeldungen erforderlich. Im nächsten Schritt möchten wir den Dialog mit den Anwendern
aus Unternehmen, aber auch Kliniken und Ärzten intensivieren", so Ragg. Hierzu organisiert die
Arbeitsgruppe am 9. Mai 2015 einen Workshop beim eHealth Forum Freiburg. Unter dem
Motto „Elektronische Archivierung: Zwischen Papier und Over-Engineering?" wollen wir den
Nutzen aber auch die Hindernisse des digitalen Archivierens diskutieren und laden alle
Interessierten herzlich dazu ein", so Groenda.
Im Projekt 'eArchiving' haben sich Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammengetan,
um gemeinsam Lösungen für eine sichere, ressourcensparende und GxP-konforme
elektronische Langzeitarchivierung von Daten im Life-Science-Bereich zu entwickeln. Am Projekt
beteiligt sind die Netzwerke BioLAGO und Baden-Württemberg: Connected e. V. (bwcon), die
Hochschule Karlsruhe und das Forschungszentrum Informatik (FZI) sowie die Unternehmen
Agilent Technologies, COMback, GATC Biotech, HB Technologies, DocuProtection und quantiom
bioinformatics. Weitere Informationen zum Projekt 'eArchiving' erhalten Sie über über den Link
oben rechts.
Wissenswert: Am 09.05.2015 lädt die Arbeitsgruppe alle Interessierten zu einem Workshop zur
elektronischen Archivierung beim eHealth Forum in Freiburg ein.
Fachbeitrag
23.04.2015
Bettina Baumann / Uwe Gundrum
BioLAGO
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Weitere Informationen
Dr. Thomas Ragg
Geschäftsführer
quantiom bioinformatics GmbH & Co. KG
Ringstr. 61
D-76356 Weingarten
Tel.: (+49) (0)7244 5588-26
Fax: (+49) (0)7244 5588-31
E-Mail: thomas.ragg(at)quantiom.de
eArchiving - Elektronische Langzeitarchivierung für Life
Science
quantiom bioinformatics GmbH & Co.
KG
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