Imagination, poetisches Bild und Subjekt

s u b \ u r b a n . zeitschrift für kritische stadtforschung
Debatte
2015, Band 3, Heft 2
Seiten 125-140
zeitschrift-suburban.de
Gaston Bachelard
‚Poetik des Raumes‘
Imagination, poetisches Bild
und Subjekt
Eine Replik zur Debatte um Gaston Bachelards Poetik des Raumes
Kommentare von:
Stephan Günzel
Thomas Dörfler
Jan Hutta
Replik von:
Julia Weber
Julia Weber
„[A] new idea is extremely difficult to think of.
It takes a fantastic imagination.“
Richard Feynman
1.
Gaston Bachelards Poetik des Raumes heute zu lesen ist ein besonderes und
eigentümliches Erlebnis. Das kleine Büchlein, das der französische Philosoph
und Epistemologe 1957 unter dem Titel La Poétique de l’espace veröffentlicht
hat – zu einer Zeit als von einem spatial turn noch keine Rede war –, ist zwar
keineswegs unverständlich formuliert, erweist sich aber dennoch als höchst
kompliziert. Dies liegt vor allem daran, dass Bachelard in diesem späten, phänomenologisch argumentierenden Werk versucht, mit den „philosophischen
For­schungs­gepflogenheiten“ des „aktiven Rationalismus“ (Bachelard 1987: 7)
zu brechen, um sich der Bedeutung dichterischer Einbildungskraft unvoreingenommen anzunähern. Bachelard zielt in der Poetik des Raumes darauf ab,
der „direkten Ontologie“ (1987: 8) des dichterischen Bildes nachzugehen und
scheut sich dabei weder vor großen metaphysischen Bezügen noch vor einer
emphatischen – in der deutschen Übersetzung oftmals heideggerianisch
anmutenden – Sprache, die man von einem als Wissenschaftshistoriker
bekannt gewordenen Autor so nicht erwarten würde.
Bachelards besonderer Fokus auf die räumlichen Bezüge, die er in den
Ausdrucksformen der poetischen Imagination ausmacht, hat dazu geführt,
dass seine Poetik im Zuge der raumtheoretischen Wenden der letzten Jahr­
zehn­te nicht nur von Literaturwissenschaftler_innen und Philosoph_innen,
son­dern auch von einem breiteren sozial- und kulturwissenschaftlichen
Publi­kum (wieder)gelesen wurde. Die Rezeption des Werkes spaltet sich seit
jeher in zwei Lager. Während die Poetik vor allem in den USA begeistert aufgenommen wurde,[1] stieß sie in anderen Ländern aufgrund ihrer universalisierenden Tendenzen und ihrer unsystematisch-assoziativen Argumentation
oftmals auf Ablehnung oder wurde schlichtweg ignoriert.[2] Gerade im
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deutsch­sprachigen Raum hat man die Poetik bisher nur selten genaueren
Ana­lysen unterzogen.[3] Im Rahmen der hier geführten Debatte, die den
‚Klas­siker‘ der Raumtheorie einer kritischen Neulektüre unterzieht, möchte
ich daher zunächst die wesentlichen Argumentationszusammenhänge von
Bachelards raumanthropologischen Überlegungen genauer bestimmen und
sie im Kontext der zeitgenössischen Diskussionen der 1950er Jahre verorten.
Daran anschließend geht es mir darum, unter Einbeziehung der Beiträge von
Jan S. Hutta, Thomas Dörfler und Stephan Günzel die Schwierigkeiten seiner
Imaginationsphilosophie kritisch zu beleuchten und mögliche An­knüp­fungs­
punkte für aktuelle Diskussionen aufzuzeigen.
2.
Gaston Bachelard (1884-1962), der in der Philosophie vor allem für seine
zahlreichen wissenschaftstheoretischen und wissensgeschichtlichen Arbei­
ten bekannt ist, hat sich seit den 1940er Jahren zunehmend mit Fragen
der Imagination beschäftigt. Den Auftakt hierzu bildete La Psychanalyse
du feu (1938), der mit L’Eau et les rêves. Essai sur l’imagination de la ma­
tière (1942), L’Air et les songes. Essai sur l’imagination du mouvemenent
(1943), La Terre et les rêveries de la volonté. Essai sur l’imagination des
forces (1948) und La Terre et les rêveries du repos. Essai sur les images de
l’intimité (1948) weitere Analysen zur Bedeutung der vier Elemente für die
menschliche Imagination folgten. Auch wenn Bachelard in der Poetik 1957
schließlich den Raum ins Zentrum seiner Analyse gerückt und damit den
engen Fokus auf die vier Elemente hinter sich gelassen hat, tut man gut daran, das Werk im Rahmen dieser langfristig angelegten Auseinandersetzung
mit Imaginationsprozessen zu betrachten. Denn auch in der Poetik geht es
zentral um die „dichterische […] Einbildungskraft“ (1987: 7), die Bachelard
als eines der wichtigsten menschlichen Vermögen begreift und die er, wie
ich zeigen möchte, in den Dienst nimmt, um einen Zugang zu einem neuen
– nicht-euklidischen – Raumverständnis zu eröffnen.
Der Poetik geht eine Publikation Bachelards zu physikalischen Raum­kon­
zep­ten voraus, die bis heute nur wenigen bekannt und aktuell vergriffen ist:
Bereits 1937 hatte sich der Philosoph in einem Text mit dem Titel L’Expérience
de l’espace dans la physique contemporaine mit verschiedenen zeitgenössischen wissenschaftlichen Raumtheorien aus dem Feld der Quantenmechanik
auseinandergesetzt. Im Zentrum dieser konzisen und von mathematischen
Gleichungen durchzogenen Schrift steht die Auseinandersetzung mit der
Heisenberg’schen Unschärferelation von 1927. Darüber hinaus bezieht sich
Bachelard hier auf Raumüberlegungen, die sich bei Aristoteles, Descar­tes
und Kant finden, sowie auf die zeitgenössischen quantenmech­anisch­en
Theo­rien von Erwin Schrödinger, Niels Bohr, Max Planck, Wolfgang Pauli,
Bernhard Riemann, Louis de Broglie und Jean-Louis Destouches. Diese abs­
trakten Theorien diskutiert Bachelard in L’Expérience de l’espace mit Blick
auf das ‚Realismusproblem‘, also mit Blick auf die Tatsache, dass den neuen
Einsichten zum physikalischen Raum keinerlei empirische Raumerfahrung
korres­pon­diert. In der Einleitung erklärt er, sein Ziel sei es, den Realismus so
weit wie möglich zu verabschieden, der sich mit dem Argument, die Dinge seien im Raum eindeutig lokalisierbar, den neuen physikalischen Erkenntnissen
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ver­sperre: „Wenn man ihn [den Realismus, J. W.] schon nicht aufgeben kann,
so müsste man ihn zumindest von Grund auf verändern. Dann könnte man
ihm aber auch gleich einen anderen Namen geben.“ (Bachelard 1937: 13)[4]
Das Problem besteht Bachelard zufolge darin, dass die neuen Hypothesen
der Mikrophysik tiefgreifende Umbrüche in den Naturwissenschaften markieren, die auch die seit Euklid vorherrschende Vorstellung eines dreidimensionalen Raumes betreffen. Dieser neue, jenseits des jahrhundertealten
‚Geometrismus‘ angesiedelte Raum lasse sich philosophisch jedoch kaum
fassen, denn die philosophischen Begriffe selbst seien aus der gewohnten
dreidimensional-räumlichen Erfahrung heraus entstanden und würden die
alte geometrische Raumvorstellung daher unweigerlich reproduzieren. Folgt
man der These, die Sandra Pravica in ihrer Dissertation zu Bachelards ten­
tativer Wissenschaftsphilosophie vertritt (die Arbeit wird im Herbst 2015 im
Passagen Verlag publiziert), so hat es sich Bachelard in seinen späteren philosophischen Texten zur Aufgabe gemacht, ein Vokabular zu finden, das „die
irreduzible Andersheit der neuen physikalischen Wirk­lich­keit präsentiert und
bestätigende Referenzen auf eine vorgängige Realität und ein Subjekt unterlässt“ (Pravica 2015: 248 im Manuskript). Im Schlusskapitel zu L’Expérience
de l’espace jedoch ist Bachelard von dieser programmatischen Neuausrichtung
noch weit entfernt, wenn die erörterten Neukonzeptualisierungen des Raumes
auch bereits einen tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen haben. Er stellt sie lediglich in einen größeren historischen Kontext und vertritt die These, die neuen quantenmechanischen Entdeckungen bezüglich der Struktur des Raumes
würden langfristig auch die Struktur des menschlichen Geistes affizieren:
„Denn eine Neuentdeckung bezüglich der Struktur des Raumes oder
der Zeit hat immer eine Wirkung auf die Struktur unseres Geistes. […]
Solche Umbrüche waren früher so selten, dass man mit gutem Recht
von einem unveränderlichen Bewusstsein sprechen konnte. Kant, der
nach zweitausend Jahren eines monotonen, einzig und allein in der
Richtung des euklidischen Denkens vorangetriebenen Fortschritts
schrieb, konnte sich einigermaßen berechtigt fühlen, das geometrische Paradigma für eine apriorische Anschauungsform zu hal­ten.
Die Unbegrenztheit des euklidischen Raumes, seine Isotropie, seine Gleichförmigkeit, seine Indifferenz […] trugen zur Legitimierung
der monotonen Anwendung desselben Rahmens bei. Ein Raum, eine
Erfah­rung, ein Bewusstsein. Aber nun multiplizieren sich die ‚Räume‘
und mit ihnen spaltet sich die Erfahrung auf: Die Arten zu verstehen
müssen sich vervielfachen, das Bewusstsein muss sich weiterentwickeln. Im Besonderen muss eine ‚kopernikanische Revolution‘ der
Abstraktion gewagt werden. Da der Geist das Abstrakte nicht mehr
vom Konkreten ableitet, da der Geist, im Gegenteil, nun in der Lage ist,
das Abstrakte direkt zu bilden, liegt es nahe, der Erfahrung dieses rationale Abstrakte zu unterbreiten; der Geist muss mit einem Wort dazu
gebracht werden, die Erfahrung aus neuen, abstrakten Darstellungen
zu produzieren. Diese Produktion übertrifft in ihrer Tragweite die
mehr oder weniger erweiternde Induktion auf einzigartige Weise, ja
sie führt zu einer Umkehrung der Achse der empirischen Erkenntnis.“
(Bachelard 1937: 138-140)[5]
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Es fällt auf, dass Bachelard in seinen Formulierungen schwankt: Während er
zunächst davon auszugehen scheint, dass die neuen Raumkonzeptionen der
Quantenmechanik auf längere Sicht unweigerlich auch den menschlichen
Geist neu ,konfigurieren‘ würden, haben die nachfolgenden Formulierungen
einen eher kämpferischen Unterton – wenn er beispielsweise fordert, der
Geist müsse sich entwickeln und „eine ‚kopernikanische Revolution‘ der
Abstrak­tion gewagt werden“.[6] Nachdem die euklidische Geometrie als Er­
kennt­nis­modell über Jahrtausende scheinbar zeitlose Gültigkeit hatte – ihre
Sätze, die jedem Laien anschaulich vor Augen geführt werden konnten, galten
als absolut evident –, würde die von Bachelard geforderte „kopernikanische Revolution“ einen epochalen Umbruch in der Geschichte des Wissens
mar­kieren. Denn die neuen Raumkonzeptionen, die bislang nur wenigen
Mathe­ma­tiker_innen und Physiker_innen vorbehalten waren, würden in
Zukunft auch die Denkgewohnheiten und Ausdrucksformen in den anderen
Wissenschaften von Grund auf verändern. Die Tatsache jedoch, dass nur
wenige Mathematiker_innen und Physiker_innen in der Lage sind, nichteuklidische Raumkonzeptionen theoretisch zu verstehen, hat zur Folge, dass
die neuen Einsichten sich nicht, beziehungsweise viel zu langsam, in den anderen Wissenschaften durchsetzen. Hinzu kommt, dass die Darstellungen und
Vergleiche zur Veranschaulichung der mathematischen und physikalischen
Thesen oftmals Gefahr laufen, die alte Kontinuitätstheorie (des Raumes) zu
reproduzieren. Die Frage lautet also: Wie lassen sich Raumvorstellungen generieren, die mit den höchst abstrakten Einsichten zur Relativität des Raumes
in der Mikrophysik korrespondieren und dennoch vermittelbar sind? Welche
Möglichkeiten gibt es, den menschlichen Geist daran zu gewöhnen, sich nichteuklidische, gekrümmte oder mehrdimensionale Räume vorzustellen?
3.
Ich möchte argumentieren, dass Bachelard in seiner zwanzig Jahre später
erschienenen Poetik des Raumes auf diese Problematik zurückkommt und
ihr auf neue Weise zu begegnen versucht. Im Gegensatz zu seiner natur­wis­
sen­schaft­lichen Auseinandersetzung mit abstrakten mathematischen Theo­
re­men fokus­siert er diesmal auf konkrete künstlerische Raumdarstellungen.
Ähn­lich wie Maurice Merleau-Ponty (2003), der die Malerei von Paul Cézanne
als künst­le­risch­en Versuch interpretiert, einem nicht-euklidischen Raum ein
Bild zu geben, meint Bachelard in der Lyrik des neunzehnten Jahrhunderts
(allen voran bei Rilke und Baudelaire) und in den surrealistischen Texten
des frühen zwanzigsten Jahrhunderts (unter anderem bei Michaux, Tardieu
und Breton) alternative, nicht-euklidische Raumdarstellungen zu erkennen. Sein Anliegen ist es, so meine These, die Fähigkeit seiner Leser_innen,
nicht-euklidische Räume wahrzunehmen, durch den Fokus auf poetische
Raumproduktionen zu fördern.
Liest man Bachelards Poetik vor dem Hintergrund seiner Aus­ein­an­der­
set­zung mit den neuen Raumkonzeptionen der Quantenphysik, so offenba­
ren sich unterschwellige Verbindungslinien zwischen der Beschäftigung des
Autors mit naturwissenschaftlichen Studien und seinem späteren Interesse
an der menschlichen Imaginationsfähigkeit. Gegenläufig zu der oftmals
erfolgten Gegenüberstellung und mitunter behaupteten In­kom­pa­tibilität
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von Naturwissenschaften und Literatur setzt er die beiden For­schungs­
be­reiche in der Poetik „in einen aktiven Austauschprozess“, bei dem die
„Lite­ra­tur als Ideengeber der Naturwissenschaften“ fungiert „und die Natur­
wis­senschaften als Antrieb der Literatur“ (Günzel 2006: 122). Seine Unter­
such­ungen beschränkt er von vornherein auf den fest umrissenen und auch
für Nicht-Physiker_innen nachvollziehbaren Gegenstand der positiven
Raumerfahrungen, die Bachelard zufolge eine Art anthropologische Grund­
kon­stan­te des menschlichen Daseins darstellen:
„Im vorliegenden Buch hat unser Forschungsfeld den Vorzug, genau
begrenzt zu sein. Wir wollen nämlich sehr einfache Bilder untersuchen, die Bilder des glücklichen Raumes. Dieser Einstellung gemäß
verdienten unsere Forschungen den Namen Topophilie. Sie gehen da­
rauf aus, den menschlichen Wert der Besitzräume zu bestimmen, der
gegen feindliche Kräfte verteidigten Räume, der geliebten Räume. Aus
Gründen, die oft sehr verschieden sind, und mit den Unterschieden
der dichterischen Nuance, sind es gepriesene Räume. Zu ihrem ursprünglichen Schutzwert, der durchaus real sein kann, kommen noch
imaginierte Werte hinzu, und diese Werte sind bald die dominierenden
Werte. Der von der Einbildungskraft erfaßte Raum kann nicht der
indifferente Raum bleiben, der den Messungen und Überlegungen
des Geometers unterworfen ist. Er wird erlebt. Und er wird nicht nur
in seinem realen Dasein erlebt, sondern mit allen Parteinahmen der
Einbildungskraft. Im besonderen [sic] ist er fast immer anziehend. Er
konzentriert das Sein im Innern der Grenzen, die es beschützen. […]
Diesen Reichtum imaginierten Seins wollen wir erforschen.“ (Bache­
lard 1987: 25)
Im Gegensatz zu Martin Heidegger, der das Wohnen in seinem 1951 gehal­te­
n­en Vortrag „Bauen Wohnen Denken“ als eine allgemeine und bis zu einem
gewissen Grad abstrakte metaphysische Kategorie in den Blick genommen
hat, versucht sich Bachelard an der ganz konkreten Analyse des Hauses. Er
ver­steht das Haus als einen geschützten Raum, der ontogenetisch in der Kind­
heit jedes Menschen, zu einer Zeit, in der dieser sein (Selbst-)Bewusstsein
gerade erst ausbildet, von zentraler Bedeutung ist. Dieser Bezugspunkt ermöglicht es ihm, die positiven Werte des Raumes herauszustellen, der den
Menschen umgibt. Der Mensch werde, so Bachelards programmatische (und
durchaus fragliche) Ausgangsthese, in einen behüteten Raum hineingeboren: „Das Leben beginnt gut, es beginnt umschlossen, umhegt, ganz warm
im Schoße des Hauses“ (Bachelard 1987: 33), erklärt er und widerspricht
mit dieser Formulierung ganz explizit Heideggers Diktum des ‚in-die-Weltgeworfen-Seins‘. Bachelards Analyse der unterschiedlichen Räume frühkindlicher Erfahrung vom Keller bis zum Dachboden, von Nischen, Schränken,
Truhen und Schubladen, zielt darauf ab, die jeweiligen Funktionen dieser
Räume für die Genese des menschlichen Geistes so konkret wie möglich zu
untersuchen. Er versucht in der Poetik, die in L’Expérience de l’espace nur
abstrakt formulierte Relation zwischen dem Raum (l’espace), der Erfahrung
(l’expérience) und dem Bewusstsein (la raison) genauer zu bestimmen.
Dabei kommt eine Reihe impliziter Vorannahmen ins Spiel, die sich den
Leser_innen aufgrund der unsystematischen Darstellungsweise der Poetik
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oftmals nur zwischen den Zeilen erschließen. Einige Zusammenhänge, mit
denen sich Bachelard auf die in den 1950er Jahren in Paris rege geführten
psychoanalytischen Diskussionen bezieht, hat er bereits in seinen vorangehenden Schriften zur Imagination entwickelt und erwähnt sie in der Poetik
daher eher beiläufig. Sie betreffen vor allem (1) den Status des dichterischen Bildes als autonomes Gebilde, (2) die Rolle der Imagination für die
Subjektkonstitution und (3) die anthropologischen Grundbestimmungen
zur Relation zwischen dem Subjekt und der es umgebenden Räumlichkeit.
(1) Den Ausgangspunkt für die Poetik bildet Bachelards Faszination für
den „wahrhaft unerwarteten Charakter des [dichterischen] Bildes“ (1987: 8)
und dessen Wirkungsmacht: „In seiner Neuheit, in seiner Aktivität, besitzt
das dichterische Bild ein eigenes Wesen, eine eigene Dynamik. Es beruht auf
einer direkten Ontologie. An dieser Ontologie wollen wir arbeiten“ (1987: 8),
proklamiert er gleich zu Beginn seiner Studie.
Bachelard geht in der Poetik von einer absoluten Autonomie des Bild­
lich­en aus. Im Gegensatz zu einer philosophischen Idee lasse sich ein poetisches Bild nicht kausal erklären und besitze insofern keine Vergangenheit,
„zumindest keine nahe Vergangenheit, in deren Verlauf seine Vorbereitung
und seine Heraufkunft verfolgt werden könnte“ (1987: 7-8). Das Bild sei
weder subjektiv noch objektiv, es bilde nichts ab, sondern eröffne vielmehr
in seinem „plötzliche[n] Hervortreten“ (1987: 7) eine neue Perspektive auf
eine mögliche Zukunft.
In seiner Konzeption des poetischen Bildes beruft sich Bachelard auf die
Theorie des „Widerhalls“ (le retentissement), die der russisch-französische
Psychiater und Phänomenologe Eugène Minkowski in seiner 1936 erschienenen Studie Vers une cosmologie entwickelt hat.[7] Minkowski versteht
unter dem Widerhall ein vorrangig (aber nicht ausschließlich) akustisches
Phänomen, bei dem sich das Subjekt derart von seiner Umwelt erfüllen lässt,
dass es gewissermaßen zu ihrem Resonanzkörper wird:
„Der Widerhall ist also viel ursprünglicher als die Gegenüberstellung
von Ich und Welt, wie sie die Psychologie üblicherweise vornimmt. Er
ist beiden Seiten eigen, und da wo man von einer solchen Gegen­über­
stel­lung ausgeht, vereint er sie in ein und derselben Be­we­gung. Wir
erleben, wie sich eine Melodie, eine Symphonie, ja wie sich ein einzelner Ton – vor allem wenn er erhaben und tief ist – in uns ausdehnt,
wie er bis in die Tiefe unseres Seins vordringt, mit uns mit­schwingt
und tatsächlich, gleich einer Welle der Zuneigung, in uns wider­hallt.“
(Minkowski 1936: 106)[8]
Minkowski zufolge ermöglicht der „Widerhall“ einen ‚ursprünglichen‘ Zu­gang
zum menschlichen Dasein, den es zu intensivieren beziehungsweise zu reaktivieren gilt, um eine alternative Heilungsmöglichkeit für schizophren erkrankte
Patient_innen zu erforschen, denen mit den sprachlich basierten Ansätzen der
Psychoanalyse meist nicht zu helfen ist. Wenn sich diese auf das Phänomen des
Widerhalls einließen, so Minkowski, könnten sie ursprüngliche, harmonische
Formen eines Weltzugangs diesseits von sprachlichen Zuschreibungen und
Vorstellungen erproben und von ihren Störungen geheilt werden.
Ich möchte behaupten, dass Bachelard an Minkowskis (quasi-metaphy­
sisch­es) Sympathiekonzept anschließt, um anhand des dichterischen Bildes
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ähnliche Formen eines alternativen affektiven Weltverhältnisses zu erkunden.
Denn im dichterischen Bild, wie Bachelard es versteht, kommt ein ähnlich
‚ursprüngliches‘ räumliches Verhältnis zum Ausdruck wie es in Mo­men­
ten des „Widerhalls“ erlebt wird. „In diesem Widerhall“, so erklärt Bache­
lard in Anlehnung an Minkowskis Theorie, „bekommt das dichterische Bild
eine Klangfülle des Seins. Der Dichter spricht an der Schwelle des Seins.“
(1987: 8) Bachelard zufolge entsteht das dichterische Bild im Moment der
rêverie, der „kreativen Träumerei“. Die Einzigartigkeit und Neuheit, die in
solchen Momenten zum Ausdruck kommt, könne eine Intensität entfalten,
so Bachelard, die die Subjekt-Objekt-Relation, welche unser Denken sonst
bestimmt, außer Kraft zu setzen vermag: „Auf der Ebene des dichterischen
Bildes wird die Dualität von Subjekt und Objekt in schillernden Spiegelungen
gebroch­en und unaufhörlich in ihren Umkehrungen wirksam.“ (1987: 10)
Gelingt es den Leser_innen, sich beim Lesen eines poetischen Textes (wie
der Dichter während des Schaffensprozesses) in den Zustand der kreativen
Träume­rei zu versetzen, so wird es ihnen möglich, diesen anderen Zugang zur
Welt zu erfahren, sich von den „zweckgebundenen geometrischen Systemen
[zu] befreien“ (Bachelard 1987: 72) und damit auch den ersehnten neuen
Zugang zum Raum zu gewinnen. In der ekstatischen Hingabe an das dichterische Bild kann der schöpferische Zugang zum Sein von den Leser_innen
nachempfunden werden – vorausgesetzt, diese sind in der Lage, sich völlig unvoreingenommen auf die besondere Ontologie des Bildes einzulassen. „[…] die
Phänomenologie der Einbildungskraft verlangt, daß man die Bilder erlebt“,
schreibt Bachelard, „daß man die Bilder als jähe, unvermittelte Ereignisse des
Lebens nimmt. Wenn das Bild neu ist, dann ist die Welt auch neu.“ (1987: 68)
Bachelards Herleitung des poetischen Bildes aus der kreativen Träumerei
erinnert an Ludwig Binswangers Schrift Traum und Existenz von 1930, die
1954, drei Jahre vor Erscheinen von Bachelards Poetik des Raumes, mit
einer ausführlichen „Einführung“ von Michel Foucault in Frankreich veröffentlicht worden war.[9] Foucault spricht hier von der „anthropologische[n]
Bedeutung des Traumes“ (2001: 144), den er im Rekurs auf philosophische
Konzeptionen von Spinoza bis Wittgenstein als eine „absolut besondere
Erfahrungsform“ (2001: 125) und eine „konkrete Form der Offenbarung“
(2001: 128) bezeichnet:
„Es ist nicht möglich, auf den Traum die klassischen Dichotomien der
Immanenz und der Transzendenz, der Subjektivität und der Objek­
ti­vität anzuwenden; die Transzendenz der Traumwelt [...] lässt sich
nicht in der Begrifflichkeit einer Objektivität definieren, und vergeblich
würde man sie im Namen ihrer ,Subjektivität‘ auf eine mystifizierte
Form von Immanenz zurückführen wollen. [...] Die Kosmogonie des
Traumes ist der Ursprung der Existenz selbst.“ (Foucault 2001: 137)
Vor dem Hintergrund von Minkowskis und Foucaults Überlegungen wird
verständlich, warum Bachelard immer wieder von einer „direkten Ontologie“
(1987: 8) des dichterischen Bildes spricht. Beide Autoren interessieren sich
für „ursprüngliche […] Formen des Denkens“ (Foucault 2001: 107). Während
Minkowski für den ursprünglichen Zugang zur Existenz die affektive Ebene
stark macht, betont Foucault die Bedeutung imaginativer Prozesse für das
Verständnis existenzieller Strukturen des menschlichen Daseins. In seiner
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„Einführung“ erwähnt der junge Foucault auch die Rolle der Dichtkunst: Die
„,Dichtkunst‘ […] lehrt, wie man die Faszination der Bilder zerbricht, um der
Imagination wieder einen freien Weg hin zu dem Traum zu eröffnen, der ihr
als absolute Wahrheit ihren ,unzerbrechlichen nächtlichen Kern‘ darbietet“
(2001: 172). Drei Jahre später wird Bachelard das poetische Bild aus der
kreativen Träumerei hervorgehen lassen, die mit den „Träumen der Nacht“
(1987: 36) korrespondiert.[10] Zugleich wird er (mit Minkowski) die affektive
Wirkung des poetischen Bildes hervorheben.
Doch wie verhalten sich poetische Bilder im Allgemeinen zu den poetischen Bildern des Hauses, die im Zentrum der Poetik stehen? Bachelard
gesteht ein, dass die Wahl dieses Gegenstandes irritieren mag:
„Im ganzen [sic] ist die Diskussion unserer Thesen auf einen Boden
gestellt, der uns ungünstig ist. Das Haus ist allerdings zunächst einmal
ein Objekt für die Geometrie. Man ist versucht, es rational zu analysieren. Seine erste Wirklichkeit ist sichtbar und greifbar. Es ist aus genau
zugeschnittenen festen Körpern gemacht, aus sorgfältig zusammengesetzten Balken. Die gerade Linie ist vorherrschend. Das Bleilot hat
ihm das Merkmal seiner Weisheit, seines Gleichgewichts gegeben.
Ein solches geometrisches Objekt sollte eigentlich den Metaphern
widerstreben, die den menschlichen Körper, die menschliche Seele
aufnehmen.“ (1987: 68)
Die besondere Bedeutung des Hauses liegt für Bachelard in der Tatsache begründet, dass das menschliche Dasein fundamental auf die frühkind­liche Er­
fahrung einer behütenden Räumlichkeit angewiesen ist, um die Vor­stel­lung
einer „beschützte[n] Innerlichkeit“ (1987: 30) zu entwickeln. Das Haus stellt für
ihn einen „Raum des Trostes und der Intimität“ (1987: 68) dar und wirkt als „eine der großen Integrationsmächte“ (1987: 33) für die Gedanken, Erinnerungen
und Träume des Menschen. Anders – aber nicht minder metaphorisch – ausgedrückt: Das Haus gibt der „weiche[n] Materie der Innerlichkeit“ eine „Form“
(1987: 69), ohne die der Mensch „ein verstreutes Wesen“ (1987: 33) wäre. An
dieser Stelle kommt die Rolle der Imagination ins Spiel.
(2) Bachelard betont in seiner Studie mehrfach, der Raum werde „nicht
nur in seinem realen Dasein“ erlebt, „sondern mit allen Parteinahmen der
Einbildungskraft“ (1987: 25) wahrgenommen. Diese Aussage kann mit zeitgenössischen psychoanalytischen Diskussionen der 1950er Jahre über die
Imagination als zentrale Komponente bei allen Akten der Subjektkonsti­tu­
tion in Verbindung gebracht werden, die vor allem an Jacques Lacans berühmten, bereits 1936 gehaltenen Vortrag „Das Spiegelstadium als Bildner
der Ichfunktion“ anknüpften.[11] Da das Ich, das sich im Spiegelstadium
konstituiert, letztlich auf einem Bild basiert, ist für Lacan die ganze Sphäre
des Bildhaften – die er mit dem Begriff des Imaginären bezeichnet – für die
Subjektbildung zentral. Ähnlich wie Lacan weist auch Bachelard den imaginativen Kräften eine besondere Bedeutung für die Subjektkonstitution zu.
Während Lacan in seiner Spiegeltheorie auf die imaginäre Erfahrung der
Ganzheit des Individuums und die mit ihr zusammenhängende Trennung
von der zuvor als verbunden empfundenen Außenwelt abhebt, fokussiert
Bachelard in der Poetik auf den anthropologischen Zusammenhang zwischen
dem schützenden Raum des Hauses und den imaginativen Fähigkeiten des
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Kindes. Die bildgebenden Eigenschaften des Hauses (wie auch anderer Ge­
bor­gen­heits­räume) führen Bachelard zufolge dazu, dass das Kind im Zuge
seiner frühkindlichen Selbstkonstitution positive Gefühle von Geborgenheit
imaginiert und als eine Art psychische Disposition ausbildet. Bachelards
grundlegende Prämisse besagt, dass der Mensch die räumliche Erfahrung des
Hauses im positiven Sinne in seine Selbstkonstitution integriert und mithilfe
der Einbildungskraft – gewissermaßen in Analogie zu den als schützend
erfahrenen Grenzen des Hauses – die Vorstellung von sich selbst als einem
abgegrenzten und behüteten Ich mit einer räumlich verstandenen Inner­lich­
keit entwickelt: „Überall im Laufe unseres Werkes werden wir sehen, wie
die Einbildungskraft in diesem Sinne arbeitet, wenn das Sein die geringste
Zuflucht gefunden hat“, heißt es in der Poetik, „wir werden sehen, wie die
Einbildungskraft ,Mauern‘ aus ungreifbaren Schatten baut, wie sie sich mit
Illusionen von Umhegtsein stärkt“ (1987: 32).
(3) Die Rolle, die dem das Subjekt umgebenden Raum bei der Ausbildung
von Innerlichkeit im Zuge der Selbstkonstitution des Ichs zukommt, lässt
sich Bachelard zufolge besonders gut anhand poetischer Texte untersuchen, die sich dem Haus und anderen räumlichen Behältnissen wie Nestern,
Muscheln, Schubladen, Truhen und Schränken widmen. Da das dichterische Bild des Hauses der „reinen Einbildungskraft“ (Bachelard 1987: 15)
entspringt, die wie die frühkindliche Selbstkonstitution und wie das von
Minkowski beschriebene Phänomen des Widerhalls vorbegrifflich operiert,
können im Bild des Hauses Formen einer unmittelbaren, nicht diskursivierten Wechselbeziehung zwischen Subjekt und Raum zum Ausdruck kommen.
Sie werden denjenigen Leser_innen, die sich von der Intensität des poetischen Bildes affizieren lassen, (wieder) erfahrbar. Im affektiven Erlebnis der
dichterischen (Raum-)Bilder soll letztlich – und das ist gewissermaßen der
Fluchtpunkt der Poetik – ein Raumerlebnis in Gang gesetzt werden, das den
Erkenntnissen der neueren Mikrophysik über nicht-euklidische Räume gerecht wird. Bachelard versucht, mit dem raumanthropologischen Ansatz der
Poetik die Leerstelle aus L’Expérience de l’espace von 1937 neu und anders
zu füllen und entwickelt ein Verfahren, das auf das Ziel der „kopernikanischen Revolution“ hin ausgerichtet bleibt. Doch anders als zwanzig Jahre
zuvor schlägt er diesmal den umgekehrten Weg ein: In der Poetik beruft sich
Bachelard nicht mehr auf mathematische und physikalische Abstraktion, um
neue Raumerfahrungen anzuregen, sondern auf künstlerische Konkretion.
Unklar bleibt freilich, auf welche Weise der vorsprachliche Prozess, bei
dem das Subjekt anhand des ihn umgebenden Raumes erste Vorstel­lun­
gen von Innerlichkeit entwickelt, mit der Sprachlichkeit des dichterischen
Bildes zusammengedacht werden kann. Möglicherweise hat Bachelard (mit
Roman Jakobson) schlichtweg vorausgesetzt, dass die Poetizität des dichterischen Bildes die Regeln normaler Alltagssprache zu überwinden vermag und nicht mit ihr in eins gesetzt werden kann – er äußert sich hierzu
jedoch nicht explizit. Mit seiner Theorie, die Bachelard in Anlehnung an
Minkowski eine „Anthropo-Kosmologie“ (1987: 68) nennt, zielt er auf die
großen Zusammenhänge, die bereits 1937 in der zuvor zitierten kryptischen
For­mu­lie­rung „Ein Raum, eine Erfahrung, ein Bewusstsein“ aus L’Expérience
de l’espace anklangen. Dass die theoretischen Feineinstellungen bei seiner
Ana­lyse der grundsätzlichen Auswirkungen der Raumerfahrung auf den
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menschlichen Geist mitunter ins Hintertreffen geraten, nimmt er in Kauf.
Denn letztlich geht es Bachelard um eine allgemeine raumanthropologische
Grundbestimmung des menschlichen Daseins. Er hat nichts Geringeres zum
Ziel, als „darüber Rechenschaft ab[zulegen], daß der Kosmos den Menschen
formt“ und „daß das Haus den Menschen verwandelt“ (Bachelard 1987: 68).
4.
Inwiefern lassen sich nun die raumanthropologischen Überlegungen Bache­
lards für zeitgenössische Diskussionen fruchtbar machen? Welche Aspekte
eignen sich, um an sie anzuknüpfen und sie kritisch weiterzuentwickeln?
Der Beitrag von Jan S. Hutta leistet in meinen Augen eine kritisch-produktive Auseinandersetzung mit Bachelard, wie sie im deutschsprachigen
Raum bisher kaum stattgefunden hat. Hutta beschäftigt sich in seinem aktuellen Forschungsprojekt mit Formen „subjekt-räumlicher Relationalität“
und sucht nach Erklärungsansätzen, denen es gelingt, das ihm zufolge in
sozialwissenschaftlichen Ansätzen bis heute weitgehend unterbelichtete
komplizierte Wechselverhältnis zwischen Raum- und Subjektkonstitution
zu erhellen. Um Bachelards Überlegungen für sich fruchtbar zu machen,
unterzieht er die Poetik zunächst einer „grundlegenden Demontage“ und
versucht abzustreifen, was er die „humanistisch-essentialisierenden Züge“
Bachelards nennt. Daran anschließend überführt er die Impulse, die ihn an
Bachelards ,Theorie‘ interessieren, in seine Auseinandersetzung mit dem
Begriff der „Geborgenheit“.
Hutta interessiert sich vor allem für die erfahrungsgenerierende Kraft
des poetischen Bildes bei Bachelard und betrachtet dieses als Produkt einer
generativen Phase, in der die wechselseitige Hervorbringung von Raum und
Subjektivität – oder, in Huttas Worten, die „Konstitution von Subjektivitätim-Raum“ – beobachtbar wird. In seiner affekttheoretischen Deutung Bache­
lards korreliert Hutta dessen Überlegungen zum poetischen Bild mit neueren
nicht-repräsentationalen Ansätzen von Deleuze und Massumi. So kann er
das poetische Bild als eine „verdichtete Form räumlicher Intensitäten“ begreifen, die ereignishafte, erfahrungsgenerierende affektive Momente von
besonderer Intensität entfalten kann. Mit seiner abschließenden Analyse
der Werke der australischen Künstlerin Patricia Piccinini rückt Hutta die
affektiven Dimensionen von Kunst in den Mittelpunkt seiner Untersuchung.
Er deutet die paradoxen Wirkungen von Piccininis Skulpturen in Anlehnung
an Bachelard als affektive Intensivierungen von gegenläufigen Prozessen im
Betrachter, die zu einer verstörenden „Subjektivität-im-Raum“ führen.
Hutta begreift das poetische Bild bei Bachelard als einen künstlerischen
Zugang zur Welt, der ebenso wie in der Literatur auch in den bildenden Küns­ten
zum Ausdruck gebracht und den jeweiligen Rezipient_innen eröffnet werden
kann. Die besondere Sprachlichkeit des poetischen Bildes spielt für ihn dabei
eben­so wenig eine Rolle wie Bachelards Bezugnahme auf die Entdeckung und
Er­for­schung nicht-euklidischer Räume in der modernen Physik. Zwar stimmt
Hutta mit Bachelard darin überein, dass wir die Erfahrung des poetischen
Bildes nicht auf soziale oder subjektive Determinierungsmechanismen reduzieren sollten, andererseits jedoch fordert er von Bachelards Überlegungen
eine stärkere gesellschaftlich-historische Verankerung. Diese ließe sich im
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Anschluss an Benjamins dialektische Bilder entwickeln, so gibt Hutta zu
verstehen – eine interessante Idee, die er leider nicht weiter ausführt. Denn
in der Tat ließen sich Benjamins Miniaturen über die Berliner Kindheit um
Neunzehnhundert, die historisch konkret zu verorten sind und die eigene
historische Situiertheit kontinuierlich reflektieren, für eine differenzierte historisierende Betrachtung produktiv machen, schließlich behandeln sie eben
die frühkindliche Raumwahrnehmung, die Bachelard so interessiert.[12]
Im Beitrag von Thomas Dörfler gerät die konkrete Lektüre von Bachelards
Poetik angesichts eines Rundumschlags gegen den Poststrukturalismus, die
Postmoderne und den Konstruktivismus etwas in den Hintergrund. Obgleich
Dörflers Plädoyer für eine stärkere Berücksichtigung des Leiblichen zuzustimmen ist, scheint mir, dass er mit seiner allzu pauschalen Kritik an den
genannten evil theories über das Ziel hinausschießt und letztlich nicht deutlich machen kann, ob und – wenn ja – weshalb er die Auseinandersetzung
mit der Poetik empfiehlt. Anders als Dörfler bin ich der Meinung, dass es
sinnvoll ist, Bachelard vor dem Hintergrund der poststrukturalistischen
und konstruktionistischen Einsichten der letzten vier oder fünf Dekaden neu
zu lesen. Denn interessant wird die Relektüre der Poetik in meinen Augen
erst dann, wenn man Bachelards Überlegungen, die auf radikale Weise von
einer subjektiven Perspektive ausgehen, mit den eher subjektvergessenen
poststrukturalistischen Theorien korreliert – und zwar mit dem Ziel, alternative Beschreibungen jenseits altbekannter Grabenkämpfe zu ermöglichen.
Ein solcher Ausweg deutet sich im Beitrag von Stephan Günzel an.
Denn das Besondere an Bachelard liegt Günzel zufolge darin, dass er die im
Anschluss an Descartes in der Philosophie oftmals unhinterfragt übernom­
mene Unterscheidung zwischen einer im Inneren des Subjekts angesiedelten
res cogitans und der außerhalb des Subjekts befindlichen res extensa zu
unterlaufen versucht. Günzel betont, dass sich die von Bachelard untersuchten literarischen Raumbilder primär aus der ‚Erfahrung‘ ableiten und daher
jenseits der philosophischen Leitdifferenz zwischen Innen und Außen zu
verorten sind. Zwar bezweifle ich, dass sich der Begriff der ‚Erfahrung‘ eignet,
um ein Weltverhältnis jenseits der traditionellen Innen/Außen-Dichotomie
zu begründen, doch würde auch ich Bachelards Poetik als Versuch deuten, Descartes’ folgenreiche philosophische Unterscheidung zu überwinden.[13] Ich glaube aber, dass Bachelard hierfür im Anschluss an Foucaults
Binswanger-Diskussion bewusst sein Konzept der ‚kreativen Träumerei‘
entwickelt hat, das in seinen komplexen Anleihen auf den philosophisch
traditionsreichen Begriff des ‚Traumes‘ für die Begründung eines solchen
alternativen Weltverhältnisses einstehen sollte. Geht man mit Pravica davon aus, dass Bachelard im Rahmen seiner wissenschaftstheoretischen
Überlegungen einen neuen tentativen Zugang zur Welt erproben möchte,
so lässt sich seine Auseinandersetzung mit der Literatur zugleich als Versuch
deuten, sich für die Entwicklung dieses neuen Zugangs deren experimentelle
Beschreibungsformen zu eigen zu machen. Da die kontraintuitiven nichteuklidischen Geometrien kaum zu veranschaulichen sind und sich dem
Vorstellungsvermögen weitgehend entziehen, bedarf es einer besonderen
Form der Vermittlung, um diese Raumstrukturen denkbar werden zu lassen.
Es verwundert nicht, dass Bachelard in der Poetik vor allem auf Lyrik zurückgreift, die die Zeit-Raum-Relationen auf besondere Weise zu verdichten weiß.
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Es handelt sich bei Bachelards Herangehensweise keineswegs um einen
Rückfall in eine neue Form des Essentialismus, wie es Huttas Anschuldigung
nahelegt, Bachelard mache von einem „essentialistisch getönten Raumbegriff“
Ge­brauch. Wenn Bachelard jedes dichterische Bild als singulär begreift, so
be­deu­tet dies, dass das dichterische Bild nicht essentialistisch, sondern, ganz
im Gegenteil, differenztheoretisch gedacht werden muss. Die Pointe – und
zugleich die Hauptschwierigkeit – seiner Konzeption besteht in meinen
Augen vielmehr darin, dass er einem derart flüchtigen und kaum zu fassenden Phänomen wie dem poetischen Bild dennoch eine Art ,ontischen Status‘
zuzusprechen versucht.
Viele der anderen Kritikpunkte, die Hutta an Bachelards „ontologischem
Okular“ anführt, sind natürlich gerechtfertigt. Bachelard argumentiert in
der Poetik nicht historisch, sondern universalistisch. Er liest, wie Hutta
bemängelt, in der Tat nur weiße männliche Autoren und erweist sich insofern vielleicht nicht als besonders progressiver Theoretiker (diese Kritik
würde jedoch ebenso auf Lacan, Foucault oder Deleuze zutreffen). Auch
fällt es schwer, darüber hinwegzusehen, dass der Prototyp des ‚Hauses‘,
das Bachelard in der Poetik vor Augen steht, das Landhaus einer gutsituierten bürgerlichen französischen Familie zu sein scheint – ein Haus, das
Erinnerungen ermöglicht, welche bei weitem nicht jedermann zur Verfügung
stehen. Die Beschränkung auf das Haus erweist sich ohnehin als problematisch: Landschafts- und Stadträume, denen bei der Ausbildung positiver
Gefühle im Zuge der Selbstkonstitution ebenfalls eine wichtige Rolle zukommen kann, werden von Bachelard nicht berücksichtigt. Und auch wenn
man wie Anthony Vidler die von Bachelard angeführten Hausbeispiele als
Sehnsuchtsbilder begreift – als nostalgische Reaktion auf die Erfah­rung einer
um sich greifenden „unhomeliness“ (Vidler 1992: 64) in der Moderne –, so
schleicht sich doch in manchen Formulierungen der Eindruck einer nos­tal­
gischen Rückwärtsgewandtheit ein.
Liest man Bachelard hingegen mit Blick auf sein Anliegen, die mit der
euklidischen Geometrie verbundenen repräsentationalen Begrifflichkeiten
zu unterlaufen, so offenbart sich hinter dem Hang der Poetik zum HeimeligNostalgischen ein ungleich radikalerer theoretischer Zug zum Offenen und
Gewagten. Bachelards Auseinandersetzung mit poetischen Bildern will uns
bewusst machen, wie stark wir in unserer Raumwahrnehmung von der euklidischen Geometrie und von Kontinuitätstheoremen beeinflusst sind und wie
schwer es uns fällt, diese zu überwinden. Ist man bereit, die ,geometrische
Brille‘ bei der Lektüre der Poetik zumindest versuchsweise abzustreifen, so
lassen sich Leseerfahrungen machen, die das Vorstellungsvermögen von
nicht-euklidischen Räumen durchaus befördern können. Hierfür jedoch
muss man sich als Leser_in, ähnlich wie es Minkowski in Vers une cosmo­
logie beschrieben hat, in einen ‚mitschwingenden‘ Lesemodus begeben und
die eigene begrifflich operierende analytische Beobachterposition bis zu einem gewissen Grad suspendieren. Es ist nicht zuletzt der Problematik dieses
Unternehmens geschuldet, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung
mit der Poetik bis heute so große Schwierigkeiten bereitet.
Als Literaturwissenschaftlerin kann ich Bachelards Herangehensweise einiges abgewinnen. In zahlreichen literarischen Werken besonders des späten
neunzehnten und des frühen zwanzigsten Jahrhunderts lassen sich Versuche
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ausmachen, die Beschränkungen der menschlichen Wahrnehmung aufzuheben und mit neuen Raumlogiken zu experimentieren. In Texten von Robert
Musil, Franz Kafka oder Virginia Woolf beispielsweise werden mithilfe von
neuen Erzählperspektiven, syntaktischen Konstruktionen und Metaphern
verschiedene neue Erzählformen erprobt, die einer dreidimensionalen Raum­
logik zuwiderlaufen. Produktiv an Bachelard anzuschließen hieße für mich,
diese und andere literarische Texte genauen Analysen zu unterziehen, um die
jeweiligen poetischen Verfahren zur Generierung neuer Raumlogiken möglichst genau zu bestimmen. Auf diese Weise wird es möglich, dem komplexen
Zusammenhang zwischen der Hervorbringung von Raummodellen und der
Ver­wen­dung bestimmter Erzählperspektiven, Narrative und Metaphern
nach­zuspüren. Eine solche Analyse kommt problemlos ohne den Bezug auf
eine ‚direkte Ontologie‘ aus. Ihr Ziel bestünde darin, die Bedeutung von metaphorischen Ausdrucksformen und von perspektivischen Einstellungen für
unsere Raumproduktion zu betonen – und auf die besondere Rolle hinzuweisen, die der Literatur in diesem Prozess zukommt.
Endnoten
[1] Dies mag auch daran liegen, dass Étienne Gilson die Poetik in der Einführung zur
englisch­en Erstübersetzung als “one of the major modern contributions to the philosophy of art” (1964: xiv) bezeichnet und sie in den höchsten Tönen gepriesen hat. In der
Folge wurde Bachelard in den 60er und 70er Jahren besonders von (amerikanischen)
Architekturtheoretiker_innen enthusiastisch rezipiert, vgl. Norberg-Schulz 1971. In
aktuelleren Diskussionen zeichnet sich auch in der amerikanischen Rezeption ein ambivalenteres Bild ab: Andrew Thacker bezeichnet die Poetik als “a quirky yet stimulating blend
of phenomenology and psychoanalysis” (2003: 15) und Joan Ockman erklärt in ihrer
Review für das Harvard Design Magazine, Bachelards “well-known vision of the oneiric
house, with its rather nostalgic and essentialist world view, comes across as historically
dated” (1998: o. P.).
[2] Obwohl der Text als Klassiker der Raumtheorie gilt, wird er in zahlreichen einschlägigen Literatur- und Philosophielexika nicht angeführt. Eine Ausnahme stellt die von
Jörg Dünne und Stephan Günzel herausgegebene Anthologie zur Raumtheorie dar, vgl.
Dünne/Günzel 2006: 166-179.
[3] Die bis dato einzige deutschsprachige Monographie zur Poetik stammt von Klaus Jäger
(2009).
[4] Im Original: „Il faudrait, sinon l’abandonner [le réalisme, J. W.], du moins le modifier de
fond en comble. Autant vaudrait alors lui trouver un autre nom.“ Mein herzlicher Dank
geht an Rina Schmeller, die die Zitate aus L’Expérience de l’espace von Bachelard und aus
Vers une cosmologie von Minkowski übersetzt und den vorliegenden Beitrag lektoriert
hat.
[5] Im Original: „C’est qu’une découverte nouvelle faite sur la structure de l’espace ou du
temps entraîne toujours une réaction sur la structure de notre esprit. [...] De tels bouleversements étaient jadis si rares qu’on pouvait bien parler de raison invariable. Kant,
écrivant après deux mille ans de progrès monotones poussés dans la voie unique de la
pensée euclidienne, pouvait bien, d’une manière assez légitime, prendre le cadre géométrique comme la forme a priori de la sensibilité externe. Le caractère indéfini de l’espace
euclidien, son isotropie, son uniformité, son indifférence [...], tout contribuait à légitimer
l’emploi monotone d’un même cadre. Un espace, une expérience, une raison. Mais voici
que les ‚espaces‘ se multiplient et que l’expérience se divise: les façons de comprendre
doivent se multiplier, la raison doit évoluer. En particulier une ‚révolution copernicienne‘
de l’abstraction doit être tentée. Comme l’esprit ne tire plus l’abstrait du concret, comme
l’esprit est, au contraire, habilité à former directement l’abstrait, il est tout naturellement
amené à proposer cet abstrait rationnel à l’expérience, bref, à produire l’expérience sur
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des thèmes abstraits nouveaux. Cette production dépasse singulièrement en portée
l’induction plus ou moins amplifiante. Elle renverse vraiment l’axe de la connaissance
empirique.“
[6] Zum Begriff der „Induktion“, den Bachelard hier im Sinne einer ‚Einwicklung‘ verwendet
und mit dem er sich unter anderem in seinem Essai sur la connaissance approchée
(1927), in La Valeur inductive de la relativité (1929) und in Le Rationalisme appliqué
(1949) auseinandergesetzt hat, um der neueren experimentellen Physik und der von ihr
erzeugten erkenntnistheoretischen Problematik Rechnung zu tragen, vgl. das Kapitel
„Von der Induktion zur Einwicklung“ in Pravica 2015: 82-141 im Manuskript.
[7] Bachelard verweist in der Poetik an zwei Stellen explizit auf Minkowskis Vers une cosmo­
logie, vgl. Bachelard 1987: 8, 40.
[8] Im Original: „Ce retentissement est ainsi bien plus primitif que l’opposition entre le moi
et le monde, telle que la conçoit habituellement la psychologie. Il est commun aux deux
et, là où pareille opposition est faite, les unit toujours dans le même mouvement. Une
mélodie, une symphonie, voire même un seul son, surtout quand il est grave et profond,
se prolongent en nous, pénètrent jusqu’au fond de notre être, résonnent, retentissent
réellement en nous, comme le fait également un mouvement de sympathie.“
[9] Zwar erwähnt Bachelard Foucault und Binswanger in seiner Poetik an keiner Stelle, es ist
jedoch davon auszugehen, dass er diese für seine Überlegungen offensichtlich zentrale
Publikation kannte.
[10] Traum, Bild und Dichtkunst stehen bei Foucault in einem anderen Zusammenhang als
bei Bachelard, dessen kreative Träumerei (rêverie) auf einer anderen Ebene anzusiedeln
ist als der Traum bei Binswanger und Foucault. Eine genauere Analyse der Unterschiede
zwischen den beiden Konzeptionen würde hier zu weit führen.
[11] Bezüge zwischen der Imagination und der Subjektkonstitution wurden bereits in den
Theorien von Freud und Jung hergestellt, im Anschluss an Lacan wird die Frage nach dem
Status der Einbildungskraft jedoch besonders virulent und unter anderem von Winnicott
und Bion diskutiert, vgl. Iser 1998.
[12] Ob Bachelard Benjamins Miniaturen kannte, ist ungewiss; wahrscheinlich jedoch hätte er
sie in diesem Fall aufgegriffen und in seine Poetik integriert. Benjamins Berliner Kindheit
um Neunzehnhundert wurde im Deutschen erstmals 1950 postum von Theodor W.
Adorno veröffentlicht. Fünf der Miniaturen hat Benjamin in Zusammenarbeit mit Jean
Selz in den Jahren 1933/1934 selbst ins Französische übersetzt, publiziert wurden diese
Texte 1954 in der Zeitschrift Les Lettres nouvelles, vgl. Rexroth 1972: 968-970, 979-986.
Das vollständige Konvolut der Berliner Kindheit erschien in Frankreich erst 1978 in der
Übersetzung von Jean Lacoste.
[13] Zur Geschichte und Bedeutung der Innen/Außen-Dichotomie sowie den Versuchen ihrer
Überwindung vgl. Campe/Weber 2014.
Autor_innen
Julia Weber ist Literaturwissenschaflerin mit Schwerpunkten in der Allgemeinen und Ver­
gleich­enden Literaturwissenschaft.
[email protected]
Literatur
Bachelard, Gaston (1937): L’Expérience de l’espace dans la physique contemporaine. Paris:
Alcan.
Bachelard, Gaston (1987): Poetik des Raumes. Aus dem Frz. von Kurt Leonhard. Frankfurt
am Main: Fischer.
Campe, Rüdiger / Weber, Julia (Hg.) (2014): Rethinking Emotion. Interiority and Exteriority in Premodern, Modern, and Contemporary Thought. Berlin / Boston: De Gruyter.
Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
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Foucault, Dits et écrits. Schriften in vier Bänden. Bd. 1: 1954–1969. Hg. von Daniel Defert
und François Ewald. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 107-174.
Gilson, Étienne (1994): Foreword to the 1964 Edition. In: Gaston Bachelard, The Poetics of
Space. Aus dem Frz. von Maria Jolas. Boston: Beacon Press, xii-xiv.
Günzel, Stephan (2006): Phänomenologie der Räumlichkeit. Einleitung. In: Jörg Dünne /
Stephan Günzel (Hg.), Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 105-128.
Iser, Wolfgang (1998): Imagination. In: Michael Kelly (Hg.), Encyclopedia of Aesthetics.
New York u. a.: Oxford University Press, Bd. 2, 468-471.
Jäger, Klaus (2009): Die Phänomenologie der poetischen Imagination bei Gaston Bachelard.
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Merleau-Ponty, Maurice (2003): Der Zweifel Cézannes. In: Maurice Merleau-Ponty, Das
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3-27.
Minkowski, Eugène (1936): Vers une cosmologie. Fragments philosophiques. Paris: Aubier.
Norberg-Schulz, Christian (1971): Existence, Space and Architecture. London: Studio Vista.
Ockman, Joan (1998): The Poetics of Space by Gaston Bachelard. In: Harvard Design
Ma­ga­zine 6, o. P., http://www.harvarddesignmagazine.org/issues/6/the-poetics-ofspace-by-gaston-bachelard (letzter Zugriff am 4. Juli 2015).
Pravica, Sandra (2015): Bachelards tentative Wissenschaftsphilosophie. Wien: Passagen
Verlag (im Erscheinen).
Rexroth, Tillman (1972): Anmerkungen zu Benjamins Berliner Kindheit um Neunzehn­
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Rexroth. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 964-986.
Thacker, Andrew (2003): Moving through Modernity: Space and Geography in Modernism.
Manchester: Manchester University Press.
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