strassenmusik - vom Wachtmeister bewilligt

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siker bei der Polizeivorspie
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fen. «Wir wollen keine
akustische Luftverschmutzung'>,sagt BielsPolizeidirektor ScheITer. In Sem und'
Kein Scherz: Wachtmeister
Willy Lützelschwab
(links) ist Siels musikalisches
Gewissen.
Thun lässtman den Künst
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strassenmusik - vom
Wachtmeister bewilligt
In Biel müssen Strassenmusiker
auf dem Polizeiposten vorspielen, wenn
sie eine Bewilligung wollen. Nicht-EU-Bürger
dürfen nicht mal das.
TEXT, DOMINIQUE STREBEl
E
I Condor Pasa» - der Klassiker der
Strassenmusik - wird in ßiels Gassen
nie von Original-Peruanern in die Panflöten geblasen werden. In den Vorschriften
für Strassenkünstler und Strassenmusikanten der Seeländer-Metropole steht, dass
eine Bewilligung nur erhält, wer EU-Bürger ist. Und was, wenn Bob Dylan Lust auf
einen Auftritt in Biels Strassen hätte? Kein
«Blowin' in the wind» vom Altmeister?
«Lächerlich will ich mich natürlich
nicht machem), sagt Rene Geiser, Kommissär der Bieler Gewerbepolizei. Für Dylan
würde man schon eine Lösung finden.
Aber auf dem Polizeiposten vorspielen
müsste er? «Nur falls er nicht sonst ein En-
gagement hier hälle, was ja wohl der Fall
wäre.» In der Praxis stelle sich das Problem
aber gar nicht, weil es schlicht keine Musiker aus Peru oder anderen.:staaten ausserhalb der EU gebe, die in Biel Strassenmusik
machen wollen.
Der Rumäne, der nichts kann
Biel ist denn auch sonst eine Pionierin im
Reglementieren von Strassenmusik. Gesuchsteller müssen ihr Können Wachtmeister Lützelschwab (erste Trompete Musikgesellschaft Lengnau) oder Kommissär
Geiser (Posaune und E-Bass in einer Unterhaltungsband ä la James Last) auf dem
Polizei posten vorführen, wenn sie eine Be-
willigung möchten. «Damit wollen wir verhindel1l, dass sich einer einfach mit einern
Spielzeug-Keyboard an die Ecke stellt und
bettelt», erklärt Geiser.
Auf dem Posten wird von Musikern
verlangt, dass sie zehn bis zwölf Stücke
kurz anspielen, jedes Bandmitglied einzeln.
«Da sieht man sofort, ob jemand sein Instrument beherrscht oder mühsam die Töne
zusammensuchen muss», meint der Kommissär. Dieses Jahr hat er bisher 40 Bewilligungen erteilt und zwei velweigert. Einem
Rumänen hat er den Auftritt untersagt,
weil er schlicht nichts konnte, und einem
Schweizer, weil er zu nervös wal~ um auf
der Gitarre die Saiten zu finden. Ihm habe
er geraten, später erneut vorbeizuschauen.
Lausanne und andere Gemeinden in der
Romandie haben das Vorspielen bei der
Polizei eingeführt. Nur in der Deutsch·
schweiz werde Biel noch belächelt.
Mit einer Kontrolle des erlaubten
Musikgeschmacks hat das Ganze gemäss
Geiser aber nichts zu tun. Es gehe bloss
darum, eine gewisse Qualität der Musik·
darbietungen zu sichern. Und: «Es dient ja
auch den Musikern: Wenn sie gut spielen,
verdienen sie mehr.» Die Polizei - dein
Freund und Helfer.
BEOBACHTER 15/2007