Porsche Berichte [ pdf / 544 KB ]

PLANUNG & TECHNIK
ANWENDUNG
KÄLTETECHNIK UND TOP-DESIGN
Kältetechnik und Top-Design
Durch die beeindruckende Architektur und außergewöhnliche Gestaltung des neuen
Porsche Museum in Stuttgart-Zuffenhausen werden die Autos fast zur Nebensache.
Doch die für die historischen Fahrzeuge notwendige Klimatisierung musste in das
gestalterische Konzept interniert werden. Ferner galt es die Lebensmittelkühlung
eines in die Ausstellung eingegliederten exklusiven Restaurants unter den gleichen
Gesichtspunkten zu gewährleisten. Wie sich Top-Design und Kältetechnik vereinen
lassen, zeigt der folgende Anwendungsbericht. Gaetano Martino, Stuttgart
Besucht man dieser Tage das neu eröffnete
Porsche Museum in Stuttgart-Zuffenhausen,
fallen einem bereits vor Betreten die spektakuläre Architektur und das außergewöhnliche Design des monolithisch geformten,
auf nur drei Stützen ruhenden, dadurch fast
schwebenden Ausstellungskörpers ins Auge.
Auch im Inneren setzt sich dieser Eindruck
fort. Das ganz in Weiß gehaltene Museum
umfasst eine Gesamtfläche von 24 000 Quadratmetern, die Ausstellungsräume sind
5 600 Quadratmeter groß. Es wurde vom
Wiener Architekturbüro Delugan Meissl
Associated Architects entworfen und soll die
Dynamik der Marke Porsche in Architektur
übertragen.
Autos und Lebensmittel stellen
unterschiedliche Anforderungen
Die historischen Fahrzeuge in der Sammlung bedürfen einer präzisen Klimatisierung. Diese darf jedoch von den Museumsbesuchern nicht als störend oder zugig empfunden werden. In die Ausstellung integriert
ist das Exklusiv-Restaurant „Christophorus“
auf der dritten Etage. Auch hier galt es, ähnlich wie bei den Sportwagen, anspruchsvolles Design und modernste Technik mit-
Gaetano Martino,
Technischer Verkauf,
Frigotechnik-Niederlassung
Stuttgart/Gerlingen
28
Außenansicht Porsche Museum
einander zu verbinden. Dabei stellen Lagerung und Kühlung der Lebensmittel für
das Bistro im Eingang und das Restaurant
ganz spezielle Ansprüche. Deshalb war es
nötig, Fachleute sowohl für die Klimatisierung als auch für die Kältetechnik zu engagieren. Beide Aufgaben wurden unabhängig
voneinander durch Spezialisten ausgeführt.
Hier wurden höchste Anforderungen an
Qualität und Verarbeitung gestellt. Die Kühlung der gesamten Gastronomie übernahm
die Doster GmbH aus Nürtingen, die das
Projekt mit dem Klima- und Kältetechnikgroßhändler Frigotechnik Handels-GmbH
realisierte.
Die Porsche AG, die Architekten sowie
das ausführende Ingenieurbüro Geisel ließen nur wenig Spielraum für die Kältebauer
von Doster. Während die Kühlräume im
Keller auf herkömmliche Art bestückt wurden, durfte die exklusive Ausstattung und
das Ambiente des Museums und Restaurants keinesfalls durch Kältemittelleitungen
optisch gestört werden. Die Herausforderung für die Firma Doster war, unsichtbare Installationen zu verlegen. Zudem
galt es, einen Höhenunterschied von rund
150 Metern zwischen dem Maschinenraum
im ersten Untergeschoss bis zu den beiden gläsernen Weinkühlräumen im ResDIE KÄLTE + Klimatechnik 9 | 2009
PLANUNG & TECHNIK
ANWENDUNG
Kälteanlage
(1. Untergeschoss) –
Verbundsystem
mit 40 kW
Hersfeld nach Maß gefertigt. Alles in allem
kamen mehr als 1 100 Meter Kupferrohr als
Kältemittelleitung zum Einsatz.
Gemüsekühlraum (Erdgeschoss)
taurant „Christophorus“ durch die Ausstellungsetagen zu überwinden. Die Kälteanlage ist ein Verbundsystem mit einer Leistung von 40 kW. Die Verdampfer mit zusätzlichen Befeuchtungselementen wurden in
der Frigotechnik-Produktionsstätte in Bad
Fleischreiferaum (1. Untergeschoss)
30
Unsichtbare Kühlung
Insgesamt gibt es im Zuffenhausener Neubau vierzehn Kühl- und zwei Tiefkühlräume.
In den unteren Etagen, fernab der Augen der
Museumsbesucher, werden Milchprodukte,
Gemüse, Fleisch, Fisch, Wein und sonstige Lebensmittel gelagert und tiefgekühlt.
Aber auch hier galt es, Herausforderungen
zu meistern. Vor allem der Fleischreiferaum
hatte ganz besondere Anforderungen. Der
Raum zur Lagerung und Reifung von Rindfleisch benötigt neben Kühlung auch eine
adäquate Be- beziehungsweise Entfeuchtung. Neben der richtigen Temperatur ist
eine konstante Luftfeuchtigkeit von großer
Wichtigkeit. Nur so reift das Fleisch, wird
mürbe und trocknet dabei weder aus noch
verliert es seinen Eigengeschmack.
Andererseits ist Kälte im sichtbaren
Bereich des Museums notwendig. Im Restaurant „Christopherus“ in der dritten Etage,
von der Ausstellung einsehbar, befinden
sich zwei gläserne Kühlräume, je einer für
Rot- beziehungsweise Weißwein. Der hoch-
Gläserne Weinkühlräume (rot & weiß)
Humidor im Restaurant „Christophorus“
im Restaurant „Christophorus“ (3. Obergeschoss)
(3. Obergeschoss)
DIE KÄLTE + Klimatechnik 9 | 2009
V. l. Luca Doster (Enkelsohn von Werner Doster), Thomas Heilemann (Küchenleiter „Christophorus“),
Gaetano Martino (Technischer Verkauf, Frigotechnik-Niederlassung Stuttgart/Gerlingen),
Werner Doster (Technischer Leiter Doster GmbH) in der Bar des Restaurant „Christophorus“ (3. Obergeschoß)
wertige Vorrat von rund 1 800 Flaschen der
besten Weine wird den Besuchern präsentiert und trägt zur Exklusivität des Restaurants bei. Die hohe Qualität der edlen Tropfen erfordert eine professionelle Lagerung
innerhalb enger Temperaturgrenzen. Dabei
durften die Kühlgeräte die Optik der Displays nicht beeinträchtigen.
Ebenfalls im Restaurantbereich und
somit unter den Augen der Besucher befindet sich ein begehbarer Humidor mit einer
Größe von 20 Quadratmetern. Dies ist ein
hölzerner Raum, in dem Zigarren unter
günstigen klimatischen Bedingungen gelagert werden. Wichtigste Voraussetzung ist
eine konstante relative Luftfeuchtigkeit von
68 bis 75 Prozent bei einer Temperatur von
18 bis 22 Grad Celsius. Die Luftfeuchtigkeit ist dabei von primärer Bedeutung. Ist
diese zu hoch, kann sich leicht Schimmel am
Befeuchtungssystem und an den Zigarren
bilden. Ist sie zu niedrig, trocknen die wertvollen Tabake aus und werden ungenießbar. Das Kühl- und Befeuchtungsaggregat
musste an einer möglichst wenig sichtbaren
Stelle im Raum angebracht werden, sollte
aber trotzdem für eine konstante, gleichmäßige Verbreitung der Luft sorgen. Der
Humidor im „Christopherus“ gewährleistet
eine optimale Lagerung auch über Jahre hinweg und die 500 Zigarren behalten ihr volles
Aroma.
Zentrale Steuerung
Die mitunter langen Laufwege zwischen
den Kühlräumen und der Küche des Restaurants sind unter den gegebenen Anforderungen nicht vermeidbar. Um jedoch
die Abläufe zu optimieren, haben die Kühlexperten der Firma Doster eine zentrale,
intranetbasierte Systemüberwachung direkt
im Büro des Küchenleiters Thomas Heilemann installiert. Durch die Fernüberwachung aus seinem Büro spart er sich den
zusätzlichen, zeitaufwändigen, täglichen
Kontrollrundgang durch jeden Kühlraum.
„Ich kann bequem vom Schreibtisch aus
überprüfen, ob die Weine und Lebensmittel
bei optimaler Temperatur und Luftfeuchte
gelagert werden. Im Notfall greife ich von
hier aus sofort und schnell regulierend ein“,
so Heilemann.
Die Doster GmbH aus Nürtingen ist
Spezialist für die Lebensmittelkühlung.
Gemeinsam mit der Frigotechnik Handels-GmbH können sie auf verschiedene
erfolgreiche Projekte wie die Lebensmittelkühlung im Stuttgarter Porsche Museum
zurückblicken. Werner Doster, technischer
Leiter des Unternehmens: „Moderne Kälte
kann sowohl den Anforderungen professioneller Lagerung und Kühlung von Lebensmitteln, den Abläufen in einer Restaurantküche sowie modernem Design gerecht
werden.“
Sekomp
sw
DIE KÄLTE + Klimatechnik 9 | 2009
31