Das Hohelied 4 Der innere Garten Dr. Johannes Hartl ____________________________________________________________ ! Das Hohelied beginnt mit einer geistlichen Krise. Es ist wichtig, eine „Spiritualität für die Krise“ zu haben, denn die Entwicklung eines normalen geistlichen Lebens enthält Krisenzeiten, die immer Wachstumschancen bergen. Die hier beschrieben Krise beschreibt das vielleicht gravierendste Problem der Kirche heute weltweit. !Hld 1,6 Schaut mich nicht so an, weil ich gebräunt bin. Die Sonne hat mich verbrannt. Meiner Mutter Söhne waren mir böse, ließen mich Weinberge hüten; den eigenen Weinberg konnte ich nicht hüten. !! Vorbemerkung: Die Bibel ist voll mit der Unterscheidung Innen-Außen. Für das „Innen mit Gott“ wählt die Bibel häufig das Bildergeflecht von Garten/Weinberg/Weinstock/Wachstum. Wir gehen diesem Bildergeflecht hier nach. !! 1. Der innere Garten - unverzweckt (kein Acker!) Schönheit (nicht nur Funktion) Ort der Begegnung (zwischen Gott und Mensch) Quelle (hier entspringt Fruchtbarkeit und Leben: Gen 2,10; Ps 1,3; Joh 15,5) muss kultiviert werden (Gen 2,15) !! 2. Die Gefahr des Außen Der Satz „meiner Mutter Söhne waren mir böse“ kann auf die negativen Gefühle der älteren Geschwister im Glauben hinweisen, die sich durch die Entschiedenheit des jungen Gläubigen provoziert und überführt vorkommen. Die hier benannte Gefahr ist ein „Leben im Außen“: - Ansprüche anderer (Joh 12,8) - Götzendienst Menschendienst: nicht aufhören können - nicht nur Sünde (auch gute Aktivitäten können das innere Leben abwürgen) - Dornen wachsen von allein (Lk 8,14): Sorgen, Geld, Luxus - Leben im Außen wird hohl und leer (der Lohn „ist dahin“: Mt 6) !! 3. Den Garten kultivieren - aktiv und passiv (auf Regen warten und bewässern) zweckfreie Verschwendung (eine Zeit, die sich „nicht rentiert“) darf schön sein (geistliches Leben darf Spaß machen) stetig und einfach (die unvorstellbare Kraft vieler beständiger Akte) der Ort der Wahrheit (nackt im Garten) Zeit und Raum (nur wenn das geistliche Leben seine Struktur und seinen Platz findet, findet es wirklich statt) !! !Hld 1,7 Du, den meine Seele liebt, sag mir: Wo weidest du die Herde? Wo lagerst du am Mittag? Wozu soll ich erst umherirren bei den Herden deiner Gefährten? !>> Der Schrei der Braut bedeutet: ich möchte Dir nicht nur aus der Ferne dienen, sondern Dich persönlich und nahe kennen und lieben! !! !
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