Steckbrief der Einrichtung Hinweise zum Ausfüllen des

MANNHEIMER BILDUNGSPREIS
Bewerbungsunterlagen 2015
Steckbrief der Einrichtung
Name der Einrichtung
Kinderhaus Sickinger
Ansprechpartner*in für die Bewerbung
Brigitte Crawford
Adresse der Einrichtung
R7,48
68161 Mannheim
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Telefon
0621/2933398
Fax
E-Mail
[email protected] Internet
0621/16759736
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Mit dem Einreichen Ihrer Bewerbung erklären Sie sich ausdrücklich einverstanden, dass Ihr
geschilderter Arbeitsansatz zu Dokumentationszwecken veröffentlicht werden kann.
Den Bewerbungsunterlagen dürfen max. drei Anlagen in gängigen Dateiformaten (insg. max.
3 MB) zur Verdeutlichung des Ansatzes beigelegt werden. Bitte stellen Sie sicher, dass für alle
eingereichten Fotos und Filmmaterialien die Nutzungsrechte vorliegen.
Hinweise zum Ausfüllen des Dokuments

Zum Ausfüllen des jeweiligen Formularfeldes klicken Sie bitte auf die grau hinterlegte
Fläche.

Bitte speichern Sie Ihre Bewerbungsunterlagen separat auf Ihrem PC ab und senden sie
als Word-Dokument an die angegebene E-Mail-Adresse.
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A - Fragen zum Angebot
1. Regelhaftes Angebot zur praktischen Unterstützung der Ziele
Bildungsgerechtigkeit, Talentförderung und Integration
Welche entwicklungsfördernden Angebote bietet Ihre Einrichtung mit den vorhandenen
Mitteln regelmäßig an? Bitte beschreiben Sie außerdem in Stichpunkten, wie Sie Ihr
Regelangebot nachhaltig sichern.
Das Kinderhaus Sickinger befindet sich in der Innenstadt Mannheims in der östlichen
Unterstadt. Der Träger des Kinderhauses ist die Stadt Mannheim. Aufgrund der
bautechnischen Mängel wurde das ehemalige Kinderhaus T4/5, erbaut 1963, in die
nahegelegenen, ehemaligen Büroräume des Spar-und Bauvereins nach R 7/48 am
Lameygarten verlagert. Diese Räumlichkeiten wurden uns von der Stadt Mannheim zur
Verfügung gestellt und bestmöglichst ausgestattet. Auf dem ehemaligen Gelände sollen
Wohneinheiten und ein neues Kinderhaus entstehen.
Die östliche Unterstadt ist von einer sehr hohen Wohndichte gekennzeichnet. Dort leben auf
nur 0,4 km² 7979 Menschen, davon allein 738 Kinder und Jugendliche. Das sind 5,6mal so
viele Kinder wie im gesamtstädtischen Vergleich (Stand 12/2012).
Der Anteil an Migranten ist in der östlichen Unterstadt mit ca. 50% überdurchschnittlich
hoch. Dies spiegelt sich auch im Kinderhaus Sickinger wider. Zur Zeit besuchen 43 Kinder
unsere Einrichtung. 99% davon haben einen Migrationshintergrund aus 13 verschiedenen
Nationen.
Die Nationalitäten im Kinderhaus Sickinger
1. Türkisch
2. Italienisch
3. Arabisch
4. Pakistanisch
5. Bulgarisch
6. Kubanisch
7. Polinisch
8. Russisch
9. Deutsch
10. Vietnamesisch
11. Griechisch
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Diese kulturelle Vielfalt sehen wir als Herausforderung und besondere Bereicherung unseres
Hauses, welche uns in unserer täglichen Arbeit beeinflusst und prägt.
Die Größe unserer Einrichtung ermöglicht einen intensiven Kontakt zu den Eltern.
Die Einrichtungen der Stadt Mannheim arbeiten nach dem offenem Konzept. Offene Arbeit
beruht auf einer Haltung, die neue Ideen zulässt und sich mit Kindern, Eltern und dem
gesamten Team im Prozess weiterentwickelt.
Dahinter steckt die Überzeugung, dass Bildungsprozesse eines Kindes immer
Selbstbildungsprozesse sind. Das Kind ist dabei Akteur seiner/ihrer Entwicklung. Wir haben
Räume geöffnet und zu Bildungsinseln umgewandelt. Die Ausgestaltung dieser
Bildungsinseln zeigt, dass einer unserer Schwerpunkte in der interkulturellen Arbeit liegt.
Wir werden täglich mit Themen der Kinder konfrontiert und kommen mit den Kindern und
Eltern darüber ins Gespräch, z.B. besucht ein Kind unsere Einrichtung, das auf Grund ihrer
Religion ihren Geburtstag nicht feiern soll und auch keine Einladung von anderen Kindern
annehmen darf. Nach intensivem Ausstausch mit den Eltern gelang es uns, dass das Kind
hier an Kindergeburtstagen teilnehmen darf. Stellvertretend für ihren Geburtstag kann das
Kind einmal im Jahr ein Fest im Kindergarten feiern.
Das Bistro/Spielzimmer befindet sich im Erdgeschoss und ist zentraler Treffpunkt für die
Kinder und Eltern. Hier können die Kinder täglich selbstbestimmt am gesunden Buffet
frühstücken, welches zusammen mit den Kindern jeden Morgen frisch gerichtet wird.
Die Kinder finden eine große Auswahl an Nahrungsmitteln verschiedener Kulturen, die durch
die Kooperation von mehreren Lebensmittelhändlern zusammengestellt wird.
Das Kinderhaus wird wöchentlich frisch beliefert. Dabei wird stets auf Saisonware und auf die
individuellen Wünsche der Kinder geachtet. Des Weiteren werden innerhalb von
Themenwochen unterschiedliche Rituale und Essgewohnheiten der Kinder unseres Hauses
aufgegriffen, z.B. Essen mit den Händen, mit Stäbchen oder auf dem Teppich.
Aus diesem Grund sind vielfältige Sprachanlässe gegeben.
Gleichzeitig bietet der Raum viele Möglichkeiten der individuellen Förderung von
Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder durch altersgerechte Spielmaterialien, z. B. Brettund Tischspiele, Geschicklichkeits- und Gesellschaftsspiele, verschiedene Bücher (auch
zweisprachige Bücher), eine Bauecke mit vielen Materialien, u.a. Bausteine aus „1001 Nacht.“
Im Atelier haben die Kinder die Möglichkeit ihre Kreativität auszuleben und sich frei zu
entfalten.
Sie bekommen Raum und Zeit, das Gesehene und Erlebte in Bildern zu verarbeiten.
Dabei dürfen die Kinder frei entscheiden, ob sie ihre Kunstwerke in ihr Portfolio heften oder
diese mit nach Hause nehmen.
Ein besonderes Merkmal ist die Auswahl an Stiften, wie z.B. Stifte in 12 unterschiedlichen
Hauttönen. (siehe Anhang)
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Im 1. Obergeschoss befindet sich das Rollenspielzimmer. Dieser Raum liegt besonders im
Fokus, da dort morgens der tägliche Gesprächskreis für die Kinder stattfindet.
Die Kinder treffen sich auf dem „Teppich der kulturellen Vielfalt“ und werden in ihrer
Erstsprache begrüßt.
Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern verfügt das Kinderhaus über ein großes
Repertoire an internationalen Liedern, welche hier gesungen werden (arabische, türkische,
italienische Musik, Schlager, Klassik u.ä.).
Im Rollenspielraum können die Kinder in verschiedene Rollen schlüpfen, sich verkleiden und
ihr Erlebtes nachspielen.
Die Puppen, verschiedener Ausführung und Herkunft (dunkelhäutige, asiatische Puppen),
haben einen hohen Aufforderungscharakter und ermöglichen den Kindern ihre Rollenspiele
(Mutter-Vater-Kind Spiel) zu differenzieren.
Tische und Stühle, sowie Geschirr und Besteck vertiefen das Verständins für Rituale und
Sitten verschiedener Kulturen.
Somit bietet das Rollenspielzimmer optimale Voraussetzungen ganzheitlich zu lernen und
fördert das Denken in komplexen Zusammenhängen und setzt bewusst vorurteilsfreie
Erziehung in den Mittelpunkt.
In der Lernwerkstatt treffen sich mehrmals die Woche die Vorschulkinder.
In Begleitung von altersspezifischen Materialien und Medien lernen sie das Zählen,
Schreiben, Experimentieren et cetera.
In Kleingruppen findet hier durch eine besonders qualifizierte Fachkraft die regelmäßige
Sprachförderung statt, als Teil eines vom Land BaWü finanzierten Projektes.
In der Lernwerkstatt sind unter anderem Materialien vorhanden, die den Kindern
Identifikationsmöglichkeiten bieten, wie z. B. Globus, Atlanten, Ländermemory, et cetera, aus
denen die Kinder mehr über die Menschen dieser Welt und ihre eigenen kulturellen Wurzeln
erfahren können. Beispielsweise beim Zählen am Abakus werden die Kinder ermutigt in
deutsch oder in ihrer Erstsprache zu zählen.
Des Weiteren bieten wir den Kindern einen Bewegungsraum mit internationaler Musik und
einen Entspannungsraum, mit einem mehrsprachigen Angebot an Kinderliteratur.
Das Regelangebot wird nachhaltig gesichert durch:
-
Aushänge
-
Fotogalerie
-
Digitaler Fotorahmen zur Veröffentlichung von Bildungsgeschichten
-
Kunstwerke der Kinder
-
Dokumentation in Portfolio (des Kindes / der Erzieher)
-
Beobachtung nach Infans
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-
Dokumentation anhand des BISS-Projekts – „Bildung durch Sprache und Schrift“
-
Kooperation mit anderen Institutionen (Schule, Therapeuten, etc.)
2. Entwicklungshistorie
Beschreiben Sie in Stichworten die aus Ihrer Sicht wichtigsten Punkte in der Entwicklung Ihrer
Einrichtung in der jüngsten Vergangenheit in Bezug auf den hier dargestellten Ansatz (siehe
Frage 1).
„Dass ein kompetentes Aufgreifen von Vielfalt tatsächlich bildungsrelevant ist, beansprucht
für die frühen Jahre das Ergebnis der Längsschnittuntersuchung zu „exzellenten“
Kindertageseinrichtungen in Großbritannien. Die Forscherinnen fanden heraus, dass die
kognitive Entwicklung von Kindern deutlich korreliert mit dem Qualitätsmerkmal
„Diversity“……..Bemerkenswert an diesem Ergebnis ist, dass die Berücksichtigung von Vielfalt
allen Kindern beim Lernen nützt“ ( aus „Handbuch Kinderwelten“ von Petra Wagner)
Unser Stadtteil ist geprägt von einer Vielzahl der unterschiedlichsten Kulturen und
Ethnien. In der Vergangenheit war der Stadtteil eher durch türkische Mitbewohner geprägt,
so ist in den letzten Jahren ein Wandel zu erkennen, der Stadtteil zeigt eine deutlich
multikuturelle Prägung. Angeregt dadurch haben wir uns gezielt mit der kulturellen Vielfalt
auseinandergesetzt und die Notwendigkeit der gelebten Integration erkannt.
„In der Entwicklungslogik ist es widersinnig, Kinder in ihrer wichtigsten
Sozialisationsphase voneinander zu isolieren und später von ihnen als Jugendliche oder
Erwachsene zu verlangen, dass sie sich gegenseitig in ihrer Besonderheit achten und
akzeptieren.“ (Kron 2008)
Umsetzungsschritte waren:
-
Umgestaltung der Gruppenräume in Funktionsräume
-
Weiterentwicklung durch Umgestaltung der Funktionsräum zu Bildungsinseln
-
Ressourcen nutzen (Mehrsprachigkeit von Mitarbeiter und Eltern)
-
Größeres Angebot an Sprachförderung
-
Teamweiterentwicklung
-
Verstärkte Zusammenarbeit zwischen Kooperationspartnern und Institutionen
-
Evaluation der Portfolioausführung
-
Trennung der Portfolio in Kinderordner und Arbeitsordner
-
Kindzentrierte Fortführung der Portfolioarbeit (durch Selbstbestimmung)
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3. Transfer / Übertragbarkeit
Was kann für einen Transfer des Ansatzes (siehe Frage 1) von Ihrer Einrichtung geleistet
werden?
1. Um unsere gemachten Beobachtungen zu reflektieren, stehen wir im Dialog mit
verschiedenen Einrichtungen aus unterschiedlichen Sozialraumtypen.
2. Gemeinsam mit den Eltern arbeitet das Kinderhaus vertrauensvoll mit verschiedenen
Institutionen zusammen, die sich um eine gelingende Entwicklung der Kinder
kümmern, z.B. Schulen für Sozialpädagogik, Grundschulen, Therapeuten,
Stadtbibliothek, Gesundheitsamt, etc.
3. Die Einrichtung bietet Möglichkeiten für Mitarbeiter und Eltern in verschiedenen
Institutionen zu hospitieren und die Erziehungsberechtigten in Beratung und
Förderung zu unterstützen.
4. Die pädagogischen Fachkräfte haben die Möglichkeit an Fortbildungen teilzunehmen
und sich dort thematisch auszutauschen.
Die Konzeption der Einrichtung wird regelmäßig evaluiert und durch Pressemitteilung für die
Öffentlichkeit sichtbar gemacht.
Vor kurzem veröffentlichte Artikel:
- Sommertagsumzug
- Lichterfest im U5 Garten
- Kitas unter der Lupe (Mannheimer Morgen)
- Adventswettbewerb von D&S
- Faschingsumzug an Faschingsdienstag
- Teilnahme am Mannheimer Stadtfest am Gesangswettbewerb zur Talentförderung
- Anlegen eines Gemüsegarten mit Unterstützung des Umweltforums
- Teilnahme am Fotowettbewerb des Quartiermanagments „Meine Stadt“ ( 1.Platz)
- Gemeinwesenorientiertes Arbeiten in Projekten ( 1.Mannheimer Kindergipfel )
4. Messbarkeit
Wie stellen Sie sicher, dass das was Sie erreichen wollen auch eintritt?
Das Kinderhaus Sickinger versteht sich als aktiver Begleiter der Kinder. Die kulturelle Vielfalt
ist ein fester Bestandteil der pädagogischen Praxis. Um die Entwicklung der Kinder
ganzheitlich und nachhaltig zu fördern, wird die Vielfalt als Bereicherung für die
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pädagogische Praxis und als Potential für alle Beteiligten verstanden und vermittelt.
Die Einrichtung setzt bewusst auf die Auseinandersetzung mit Unterschieden und
Gemeinsamkeiten und vertritt klar die Haltung gegen Vorurteile, Einseitigkeit und
Diskriminierung. Die Zusammenarbeit mit den Eltern gelingt, sie ist messbar durch aktive
Teilhabe.
Durch regelmäßige Beobachtungen der Kinder werden die Themen, Interessen und
Bedürfnisse herausgearbeitet.
Dafür werden die Instrumente, wie z.B. Grenzsteine von Infans, Sismik und Seldak
angewandt.
Der Austausch und die Reflexion mit den Kooperationslehrern der Grundschulen ist
Voraussetzung für die Feststellung der Schulfähigkeit.
Über den Entwicklungsstand der Kinder werden die Eltern stets informiert. Diese Inhalte
basieren auf regelmäßiger Reflexion und gemeinsamen Austausch mit dem gesamten Team.
Dabei werden Ursachen für mögliche Schwachstellen analysiert und als Möglichkeit zur
Verbesserung genutzt. Vereinbarungen über Methoden zur Verbesserung werden in den
Teambesprechungen erarbeitet.
Die Verwirklichung der Ziele wird in Arbeitsprozessen im Rahmen von Planungstagen
erschlossen und dokumentiert. Die Dokumentationen stehen den pädagogischen
Fachkräften jeder Zeit zur Verfügung.
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B - Zu Ihrer Einrichtung allgemein
5. Beziehungsqualität
Wie gestalten und gewährleisten Sie in Ihrer Einrichtung eine hohe Beziehungsqualität in der
Interaktion zwischen Fachkräften und Kindern?
„Heimat ist, wo man mich erwartet.“ (Max Frisch)
Dieses Zitat spiegelt sehr gut unsere Grundhaltung wider. Wir erwarten die Kinder, sind gut
vorbereitet auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder. Dazu gehört eine individuell mit dem
Elternhaus gelebte Eingewöhnungszeit. Die Bezugserzieherin bietet dem Kind Beziehung an.
Somit gewinnen die Kinder ein hohes Maß an Vertrauen und es fällt ihnen leichter, eine
Bindung/Beziehung aufzubauen.
Wichtige Voraussetzung für eine hohe Beziehungsqualität zwischen Fachkraft und Kindern
ist in erster Linie ein vertrauensvoller Umgang der Mitarbeiter/innen untereinander,
Vorbildwirkung und eine gute Atmosphäre im Haus. Dazu ist es wichtig, ein entspanntes
Klima zu schaffen, in dem sich Kinder wohlfühlen, willkommen sind und sich anerkannt
fühlen, unter Berücksichtigung des kulturellen Hintergrundes.
Die Kinder können sich in ihrer Rolle, ob als Mädchen oder Junge, als individuelle Person
angenommen fühlen.
Die Erzieher/innen gehen in täglichen Alltagssituationen, aber auch im gezielten 1:1 Dialog
auf die Lebensumstände , Fragen und Probleme der Kinder ein.
Die Angebote in den einzelnen Funktionsräumen werden nach Interessen, Fragen und
Themen der Kinder geplant, durchgeführt und dokumentiert.
Dabei werden die Kinder in ihrem Bildungs- und Entwicklungsprozess unterstützt und
herausgefordert. In diesem Prozess werden wir unterstützt von Eltern, Großeltern und
externen Fachkräften, die dazu beitragen, individuelle sowie gemeinsame Lernprozesse zu
gestalten.
Das Thema jedes einzelnen Kindes steht dabei im Fokus, somit werden die Lernprozesse der
Kinder selbst gesteuert und gelebt. Die pädagogische Fachkraft hat die Rolle der aktiven
Begleitung. Anhand der Dokumentation werden neue Methoden überdacht, die Kinder
immer wieder neu zu ermutigen, sie herauzufordern und ihnen Neues zuzutrauen. Dabei
legen wir Wert auf Ko-konstruktive Elemente, die Kinder erleben, wenn sie gemeinsam
forschen.
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6. Elternpartizipation
Wie beziehen Sie Eltern in Ihren Einrichtungsalltag aktiv ein?
Die Zusammenarbeit mit den Eltern hat einen großen Stellenwert im Kinderhaus Sickigner.
Das Team des Kinderhauses beschäftigt sich nicht nur mit den Eltern, sondern auch mit dem
gesamten familiären Umfeld des Kindes. Sie streben mit vereinten Kräften nach der
bestmöglichen Förderung der Kinder. Die Eltern werden als fester Bestandteil des Konzeptes
der Einrichtung verstanden.Wichtig für unsere Arbeit mit den Eltern und Kindern ist es,
herauszufinden, welche Wünsche und Bedürfnisse unsere Eltern haben. Eltern wünschen sich
konkrete Handlungshilfen bei Konflikten, Wissen und Informationen über die Entwicklung
ihrer Kinder, Kenntnis über neue Entwicklungsschritte ihres Kindes und vor allem der
Austausch mit anderen Eltern.
Wie setzen wir diesen Anspruch um?
Die pädagogischen Fachkräfte verstehen sich als Experten hinsichtlich des pädagogischen
Fachwissens und Erfahrungen. Die Eltern werden als Experten hinsichtlich der familiären
Hintergründe verstanden. Dies ermöglicht eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Die Interaktion der Experten dient der ganzheitlichen Förderung des Kindes.
Die Bereitschaft zu kooperieren ist von beiden Seiten, das heißt sowohl bei den
pädagogischen Fachkräften als auch bei den Eltern, vorhanden. Wichtig dabei ist die
gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung.
Im Kinderhaus Sickinger findet eine partnerschaftliche Zusammenarbeit statt. Die
pädagogischen Fachkräfte reflektieren sich gegenseitig, um unvoreingenommen auf alle
Eltern zu zugehen.
Das Konzept der vorurteilsbewussten Erziehung wird auch in der Erziehungspartnerschaft
mit den Eltern angewandt.
Die Kooperationsbereitschaft, sowohl von den pädagogischen Fachkräften, als auch von den
Eltern, zeigt sich durch regelmäßige und ausführliche Eingewöhnungs- und
Entwicklungsgespräche.
Die Mehrsprachigkeit der pädagogischen Fachkräfte erweist sich als hilfreiche
Schlüsselkompetenz in der Zusammenarbeit mit den Eltern, bei Elterngesprächen oder auch
Behördengängen.
Eltern sind ebenso vielfältig wie die Kinder im Kinderhaus, die unsere pädagogische Arbeit
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zu schätzen wissen. Die Aufgabe als pädagogische Fachkraft ist es, Herausforderungen
wahrzunehmen und die Eltern vorurteilsbewusst als festen Bestandteil der pädagogischen
Arbeit zu sehen.
Im Kinderhaus Sickinger haben die langjährigen Erfahrungen mit den Kindern und den Eltern
dazu beigetragen, dass die Einrichtung die komplette Grundhaltung der pädagogischen
Fachkräfte und die Konzeption reflektiert haben. Eltern werden als Quelle der Vielfalt
verstanden. Sie unterstützen die pädagogischen Fachkräfte durch aktive Beteiligung und
zeigen Interesse. Diese Zusammenarbeit wird als Bereicherung für alle Beteiligten
verstanden.
Die Vielfalt verleiht dem Kinderhaus Sickinger einen ganz besonderen Charakter. Sie wird
besonders sichtbar durch gemeinsame Aktivitäten, wie z. B. Elterncafé, Elternabende,
kulturelle Feste, Sprachfördertreffen, Elternfrühstück oder Elternbeiratstreffen.
Die Vielfältigkeit inspiriert die Erzieherinnen und Erzieher und regt zur Erweiterung der
Erziehungspartnerschaft an. Um die Kinder ganzheitlich fördern zu können ist die
Zusammenarbeit mit den Eltern unverzichtbar.
7. Allgemeine Einrichtungskultur
Was tun Sie in Ihrer Einrichtung gezielt für die Qualitätsentwicklung?
Die Qualitätsentwicklung haben wir in vier Bereiche unterteilt:
1. Personalentwicklung
Um eine qualitativ gute Personalentwicklung zu erreichen, legen wir Wert auf eine gute
Kommunikation und Entwicklungsmöglichkeit der einzelnen Kollegen.
In der Kommunikation steht das Bewusstsein im Vordergrund, den Kindern ein
angemessenes Verhaltensmodell zu bieten.
Eine entspannte Athmosphäre sorgt dafür, dass sich jedes Kind angenommen fühlt mit
seiner ganzen Individualität und sich dadurch frei entfalten kann.
Desweiteren wird mit Hilfe der regelmäßigen Mitarbeitergespräche der Personaleinsatz und
Fortbildungen nach den individuellen Stärken des Mitarbeiters geplant.
Dem Team stehen zwei ganze und zwei halbe Planungstage im Jahr zur Verfügung.
An denen werden verschiedene Fachthemen ausführlich bearbeitet und dokumentiert
(z.B. vorurteilsbewusste Erziehung, kulturelle Vielfalt).
Jede/r MitarbeiterIn verfügt über fachliche Kompetenzen, die jeder einzelne in seinem
Funktionsbereich/Bildungsinsel umsetzen kann.
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Sprachförderarbeit ist Schwerpunkt im Kinderhaus. Die Vorbildfunktion aller Mitarbeiter und
die Interaktion mit den Kindern werden regelmäßig reflektiert. Wichtiger Baustein unserer
Arbeit ist die Kooperation mit anderen Institutionen wie Grundschulen, Frühförderstellen,
Therapeuten, Fachberatungen et cetera.
Durch Hospitationen finden regelmäßig Austausch und Reflektionen statt.
Externe Fachkräfte bieten den Kindern unterschiedliche Angebote an, wie z. B.
Experementieren, Tanzen, musikalische Früherziehung, Theater, vietnamnesische Kampfkunst
Viet Vo Dao, Capoeira.
Desweiteren gehen wir mit einer Kindergruppe regelmäßig ins nahegelegene Herschelbad
zum Wassergewöhnungskurs.
Unser Haus bildet aus. Wir kooperieren mit zahlreichen Fachschulen und Schulen aus dem
Umland.
2. Pädagogische Qualität sichern
Die Orientierung an den Interessen und Themen der Kinder in Verbindung mit einer
anspruchsvollen pädagogischen Zielsetzung bieten die Grundlagen für ein höchstmögliches
Niveau frühpädagogischen Handelns.
Unser Ziel ist es, dass die Kinder in der Lage sind, über sich selbst und ihre Umwelt
selbstbestimmt Meinungen zu bilden und daraus Handlungen abzuleiten.
Das Kinderhaus Sickinger versteht sich als aktiver Begleiter der Entwicklung der Kinder.
Sie sind Konstrukteure ihrer eigenen Entwicklung, ihres Wissens und Könnens. In den
verschiedenen Funktionsbereichen/Bildungsinseln wecken wir in den Kindern Neugierde,
Aktivität, Selbsttätigkeit und Kreativität.
Die Einrichtung orientiert sich seit einigen Jahren nach dem Infans-Konzept.
(Institut für angewandte Sozialisationsforschung/ Frühe Kindheit e.V)
Ziel des Infans-Konzeptes ist es, Mädchen und Jungen in ihren frühen
Bildungsprozessen zu ermöglichen, alle Talente, alle Kräfte und alle Ressourcen, die
sie mitbringen, auf einem höchstmöglichen Niveau entfalten zu können.
Die Inhalte des Konzeptes wurden der individuellen Situation des Kinderhauses abgestimmt.
Grundlagen, die ihre Anwendung in der pädagogischen Praxis finden, sind:
1. Eingewöhnung, wir arbeiten nach dem Eingewöhnungskonzept ,,Das Berliner Modell‘‘
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und wenden es dauerhaft an.
2. Die Ist-Analyse wurde und wird regelmäßig durchgeführt, reflektiert und bei Bedarf
aktualisiert.
3. Erziehungs-/Handlungsziele wurden erarbeitet, verfasst und aktualisiert.
4. Es werden regelmäßig Beobachtungen anhand der Beobachtungsinstrumente von
Infans durchgeführt.
5. Dokumentation: Für alle Kinder gibt es ein Portfolio, welches sie in ihrer Entwicklung
begleitet, dabei dürfen die Kinder selbst entscheiden was in ,,ihren Ordner‘‘
hineingehört. Parallel führt jede Bezugserzieherin einen Arbeitsordner für jedes
Bezugskind, der die Entwicklung des Kindes dokumentiert.
3. Zusammenarbeit mit Eltern
Die Zusammenarbeit hat einen großen Stellenwert. Das Team des Kinderhaus Sickinger
beschäftigt sich nicht nur mit den Eltern, sondern auch mit dem gesamten familiären Umfeld
des Kindes.
Die Eltern werden als fester Bestandteil des Konzeptes der Einrichtung verstanden.
Die pädagogischen Fachkräfte verstehen sich als Experten hinsichtlich des pädagogischen
Fachwissens und Erfahrungen.
Die Eltern werden als Experten hinsichtlich der familiären Hintergründe verstanden.
Essenziell dabei ist ein entspanntes Klima, bei dem sich jedes Kind willkommen fühlt. Dabei
zeigen die Mitarbeiter Interesse an den kulturellen und sprachlichen Fähigkeiten sowie
informellen Kompetenzen der Eltern.
4. Weiterentwicklung des offenen Konzeptes und der Raumgestaltung
Unsere Räume entsprechen ihren Bedürfnissen, regen die Fantasien der Kinder an, die sie
teilweise nach eigenen Vorstellungen mitgestalten können. Die Kinder finden Orientierung,
Geborgenheit und Gemeinschaft aber auch Rückzugsmöglichkeiten. Um qualitativ wertvolle
Gespräche mit Eltern,Kooperationspartnern oder Mitarbeitern/ Kollegen führen zu können,
bieten wir einen Rückzugsbereich mit gemütlicher Sitzecke.
Die räumlichen Rahmenbedingungen tragen wesentlich dazu bei, ob und in welchem
Ausmaß Kinder zum Ausprobieren, zum Verändern und zum Miteinander-ErfahrungenMachen eingeladen werden. Und so das Kinderhaus als einen ihren Bedürfnissen
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entsprechenden Lebensraum begreifen können.
Die Funktionsräume sind so konzipiert, daß die Elemente flexibel gestaltbar sind, so daß die
Mitarbeiter immer die Möglichkeit haben, auf die Anreize und Themen der Kinder zu
reagieren.
8. Verwendung des Preisgeldes
Wie wird das Preisgeld in Ihrer Einrichtung eingesetzt werden?
Unser Augenmerk liegt auf langfristigen, nachhaltig und alltagsintegrierten Angeboten und
Projekten im Kinderhaus Sickinger.
Ideen, wie wir das Preisgeld einsetzen würden:
-
Gemeinsame Aktivitäten mit Kindern und Eltern (Besuch von Moscheen, Synagogen,
Kirchen und weitere Einrichtungen auch in anderen Städten)
-
Kurse der Abendakademie Mannheim mit Eltern ( Kochkurs)
-
Schwimmkurs für muslimische Mädchen und Mütter
-
Erstellen von Skulpturen für das neue Kinderhaus mit Künstlern
-
Weiterbildung der Mitarbeiter/innen
-
Einladung von Fachreferenten/innen, Künstlern, Musikern und anderen Experten
-
Kauf von Videokamera und Fotokamera zur Dokumentation
-
Musikanlage
-
Fortbildungen für die pädagogischen Fachkräfte auf der Grundlage von
Diversitätsbewusstem Denken und Handeln
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Anhang:
-
Das Teppich der Kulturellen Vielfalt
-
Die Begrüßung in verschiedenen Sprachen
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-
Die Weltkarte gemalt von den Kindern
-
Die Lernwerkstatt ( Globus)
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-
Die Kinderküche im Rollenspielzimmer mit verschiedenen Kulturellen Materialien
-
Memory der verschiedenen Kulturen
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-
Literatur in verschiedenen Sprachen
-
Die Landkarte
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-
Die Bausteine aus 1001 Nacht in der Bauecke
-
Die Wand der Inspiration
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-
Bauwerke nach der Besichtigung der Yavuz Sultan Selim Moschee in Mannheim
-
Bücherauswahl aus verschiedenen Ländern
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-
Musikauswahl
-
Puppen verschiedener Kulturen
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-
Besondere Stifte zur Gestaltung von Selbstportraits ( 12 verschiedene Hautfarben)
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19.02. – 20.02.2015
Wir feiern das Neujahrsfest – Das Jahr der Ziege
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Zeitungsartikel über das Kinderhaus Sickinger:
Artikel 1
Serie „Grün in der Stadt“ (Teil 4): Auf dem Grünstreifen vor dem Kinderhaus
Sickinger wächst Obst und Gemüse prächtig
Zucchini und Salbei gedeihen in der City
Von unserer Mitarbeiterin Bettina Henkelmann
Freude
an
gedeihlichen
Entwicklungen vor dem
Kinderhaus
in
R 7:
Ringelblume und Rhabarber
gehören zum Anbau.
Es ist ein Vorzeigeprojekt im wahrsten Sinn des Wortes: Ein schmaler Grünstreifen vor dem
Kinderhaus Sickinger in R 7 ist durch das Engagement von Kindern und Erzieherinnen sowie
des Umweltforums zu einem schmucken kleinen Bauerngarten geworden, der Klein und Groß
erfreut.
Gemüse kommt aus der Dose und Obst aus dem Supermarkt: Nein, die Sickinger-Kinder
wissen es jetzt besser, seit sie im Frühjahr begannen, die kleine Grünfläche vor der
Einrichtung zu bewirtschaften.
Tomaten, Zucchini und Feuerbohnen sind jetzt dort zu finden. Kräuter aller Art, wie Salbei,
Sauerampfer, Petersilie und Schnittlauch wachsen in Eintracht beieinander. Erdbeeren,
Himbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren laden zum Naschen ein, und Ringelblumen
sind Balsam für die Seele.
Quark mit eigenen Kräutern
Gerade haben einige Kinder eine kleine Zucchini geerntet. "Magst Du probieren?", fragt ein
kleiner Junge, der einen Teller mit einigen Stücken bringt. Dazu soll es noch einen Quark mit
frischen Kräutern geben.
Im Kinderhaus selbst sind die sechsjährige Vivian und die fünfjährige Ayda damit beschäftigt,
eine größere Zucchini für eine Suppe zu zerkleinern, die es dann zum Mittagessen geben
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wird. Die Idee, einen Gemüsegarten beim Kinderhaus anzulegen, stammt vom Umweltforum.
"Ich bin gefragt worden, ob ich Umweltpatin bei einem solchen Projekt sein möchte", erzählt
Mia Fritz. Sie habe nicht lange gezögert und als die Entscheidung feststand, bewusst einen
Kindergarten in der Innenstadt ausgesucht. "Denn die Kinder dort haben nur begrenzt
Möglichkeiten, Erfahrungen mit der Natur zu machen", begründet sie die Wahl.
In der Erzieherin Dominique Rüger fand Mia Fritz eine Verbündete, die das Projekt in der
Einrichtung zu ihrem Anliegen machte. "Das ist ein Glücksfall", freut sich Fritz.
Viele Pflanzen und Kräuter, wie die Kapuzinerkresse mit ihren gelben und orangefarbenen
essbaren Blüten, hat die passionierte Gärtnerin selber gezogen. Andere hat sie dazugekauft,
einige Gewächse wurden von den Eltern gestiftet. Letztere seien total begeistert, berichtet
Brigitte Crawford, Leiterin des Kinderhauses. "Die Kinder selbst haben eine Riesenfreude
daran und ganz nebenbei viel gelernt", fährt sie fort.
Das bestätigt auch Dominique Rüger: "Die Wahrnehmung und die Sinne werden durch die
Eindrücke geschult, und die Kinder erfahren zudem, was man essen kann und was nicht."
Die Veränderung einer Pflanze während des Wachstums zu beobachten, sich Wissen über
Säen und Ernten anzueignen und letztlich zu erleben, dass man selber etwas machen und
verändern könne, gehöre zu den wichtigsten Erfahrungen des Projektes, betonen die Akteure
unisono.
Bei der Gestaltung der Fläche habe es kein starres Konzept gegeben, erläutert Mia Fritz, die
meist einmal die Woche vor Ort ist, um nach dem Rechten zu sehen.
Neben den Gewächsen und Pflanzen gibt es auch ein Matschloch, es ist für die Kleinen quasi
das Sahnehäubchen des Gartenglücks und wird selbst bei schlechtem Wetter mit der
entsprechenden abwaschbaren "Matschhose" genutzt. Ein an Pflöcken befestigtes Seil
umgrenzt die Fläche. Zunächst gab es Bedenken, dass durch Vandalismus die eine oder
andere Pflanze zerstört werden könnte. Aber nichts dergleichen sei geschehen, ist Dominique
Rüger sichtlich zufrieden.
"Der Garten wird schon wertgeschätzt", unterstreicht Brigitte Crawford. Viele Passanten
blieben voll Bewunderung stehen. "Dabei erzählen sie von ihrer eigenen grünen Oase."
Ein Nachbar habe sich, so Crawford, sogar spontan bereiterklärt, sich während der Ferien um
die Pflanzungen zu kümmern, damit der Garten dann auch im Herbst zum Erntedank
wunderbare Früchte hervorbringt.
© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 10.09.2014
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Artikel 2
Schneefrau lockt mit Bikini und Strohhut
Von unserer Mitarbeiterin Bettina Henkelmann
Schöne Schneefrau lockt mit rosa Bikini und Strohhut: Kinder, Eltern und Erzieher aus der
Unterstadt hatten ihre helle Freude an dem Spektakel im Lameygarten.
© bh
Sie war eine wirkliche Schönheit, da waren sich alle einig: Mit einem pinkfarbenen Bikini
und ebensolchen Strohhut angetan, dazu ein Handtuch im Gepäck, führte die Schneefrau des
Kinderhauses Sickinger auf einem Bollerwagen thronend den Sommertagszug der östlichen
und westlichen Innenstadt an.
Rund 500 Kinder, Eltern, Erzieher und Erzieherinnen hatten sich zuvor im Hof der
Mozartschule in R 2 gesammelt und waren dann einem Lindwurm gleich aufgebrochen, dem
Winter, der eigentlich gar keiner war, den Garaus zu machen.
Mit bunten Bändern
Bei gefühlten 27 Grad schlängelte sich der Zug, begleitet von einer Eskorte der Polizei, durch
die Quadrate zwischen R 2 und S 2, S 1 und T 1 auf die Breite Straße Richtung Marktplatz.
Mit einem Schlenker um den Marktplatzbrunnen ging es zwischen Q und R vorbei an der
Citykirche Konkordien hin zum Lameygarten. Angetan mit lustigen Kopfbedeckungen und
bunten Bändern im Haar und altbekannten Liedern wie "Pippi Langstrumpf", "Biene Maja",
"Immer wieder kommt ein neuer Frühling" und mehr auf den Lippen, zogen die Kinder durch
die Straßen. Musikalisch wurden sie dabei unterstützt vom 1. Feudenheimer Spielmannszug.
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Sorge um lebenswerte City
Wie auch schon im vergangenen Jahr, wurden beim Sommertagszug aktuelle Themen aus
dem Stadtteil aufgegriffen. War es lange der Baulärm, unter dem die kleinen und großen
Bewohner der östlichen Innenstadt zu leiden hatten, stand dieses Mal die Sorge um eine
lebens- und liebenswerte Innenstadt mit einem sauberen Lameygarten zum Spielen und
Erholen im Vordergrund. So stand auf einer selbstgebastelten Fahne das Motto "Es lebe der
Lameygarten!" zu lesen. Weitere kleine Fähnchen mahnten die Hundebesitzer an, doch die
Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Lieblinge nicht auf der Rasenfläche, der einzigen
Grünfläche im Quartier, liegen zu lassen.
Im Lameygarten selbst läuteten denn auch die beteiligten Einrichtungen (das Kinderhaus
Sickinger in R 7, das ElKIZ in K 2, die Kita St. Stebastian in R 7, die Mozartschule in R 2
sowie die Kita Arche Noah in T 6) mit Tanz und Gesang das Finale des Sommertagszuges,
das Verbrennen der Schneefrau ein. Während die Schöne mit den langen Wimpern unter den
wachsamen Augen der Mannheimer Jugendfeuerwehr bald ein Raub der Flammen wurde,
mussten Groß und Klein hinter die sicheren Absperrbänder weichen. Zum Abschluss bekam
jedes Kind, auch das ist guter Brauch, eine Brezel zur Stärkung mit auf den Nachhauseweg.
Für die Teilnehmer sowie die Veranstalter, das Quartiermanagements "Unterstadt" und die
Initiatorin Josi Roßteutscher, vom Arbeitskreis Kinder in der Stadt (KIDS) war die 14.
Auflage des Sommertageszuges wiederum ein voller Erfolg.
© Mannheimer Morgen, Freitag, 11.04.2014
Artikel 3
Was Mahnoor lernt
Von Anke Philipp über die Entwicklung der Unterstadt
Philipp
Anke Philipp
© Berno Nix
Wir bleiben im Stadtteil": Das erklärten Mitte 2011 Kinder und Jugendliche, die in der
Östlichen Innenstadt wohnen und damals den Hof der Sickinger-Schule nutzten, bei einer
Jugendversammlung auf dem Gelände. Mahnoor, das Mädchen aus der Unterstadt, gehörte
auch dazu. Von der Stadt forderten die Kinder, auch nach dem Verkauf des Geländes
Treffmöglichkeiten für sie vor Ort zu schaffen. Ein Fußballplatz stand ganz oben auf ihrer
Wunschliste. Politiker und Bezirksbeiräte aller Parteien sagten damals zu: "Die Möglichkeit,
dass hier weiter Fußball gespielt wird, wird es geben." Das war vor fünf Jahren. Auf einen
Fußballplatz und einen gescheiten Treff warten die Kinder noch immer. Ebenso kämpfen die
Bewohner seit Langem für eine bürgerschaftliche Einrichtung, die es ermöglicht, mit
entsprechenden Angeboten die Integration der verschiedenen Bewohnergruppen
voranzutreiben. Die Stadt dagegen wollte durch den Geländeverkauf schnell zehn Millionen
Euro erlösen, um den Haushalt zu stützen. Auch das klappte nicht.
Und nun, fünf Jahre und weitere Kinderversammlungen, Arbeitskreissitzungen und
Workshops später: Was lernen Mahnoor und all die anderen aus den Vorgängen?
Vermutlich: Dass Erwachsene zwar viel reden, zum Beispiel vom "neuen Wohnen" auf dem
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Gelände, zum Spielen und Toben aber immer noch kein Platz da ist. Und sie lernen sicher
auch: dass Politiker schnell mal etwas versprechen, hinterher das Geld aber dann doch
lieber für Anderes ausgeben.
Was nützen Kindergipfel, Spielleitpläne, Entwicklungskonzepte, wenn später von den
Vorschlägen nichts recht realisiert wird? Die Antwort ist klar. Wer also ehrlich mit BürgerInteressen umgehen will, der sollte dafür sorgen, dass Einiges davon auch Wirklichkeit wird.
Die Unterstadt und Mahnoor warten jedenfalls auf einen gescheiten Bolzplatz und einen
Bürger-Treff!
© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 25.02.2015
Artikel 4
Wir brauchen dringend geschützte Räume“
Von unserer Mitarbeiterin Bettina Henkelmann
Alle Bilder anzeigen
Mahnoor (re) erinnert an die Versprechen der Kinderversammlung.
© red
Saubere Spielplätze, keine Hundekot auf Grünflächen sowie geschützte öffentliche Räume:
Das sind die zentralen Forderungen der Kinder aus der östlichen und westlichen Unterstadt.
Ihre Bedarfe, die sie schon beim Kindergipfel 2014 Kommunalpolitiken präsentiert hatten,
waren jetzt auch Thema bei der Sitzung des Quartierforums Unterstadt, das unter der Leitung
von Quartiermanagerin Dr. Esther Baumgärtner in K 1 tagte.
Mahnoor wohnt in S 5. Schon bei der Kinder- und Jugendversammlung auf dem
Sickingerschulgelände im Mai 2011 war sie mit dabei und tat ihre Wünsche kund. Damals
war Mahnoor sieben, der Abriss der Schule war zwar beschlossen, die Gebäude standen aber
noch und der Hof wurde von den Kindern und Jugendlichen des Quartiers als Treffpunkt und
Spielgelände genutzt. Heute ist Mahnoor knapp elf Jahre alt. Wenig wurde in den letzten vier
Jahren für die Kinder in ihrem Umfeld getan. Einzig eine nichtöffentliche Spielfläche für die
kleineren Kinder der GBG-Häuser auf S 4/S 5 wurde geschaffen. Und, wenn alles gut geht,
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soll im Frühjahr der Hans-Böckler-Platz zu einer Kickfläche umgestaltet werden. Das war es
denn auch.
Doch Mahnoor gibt nicht auf. Immer wieder ist sie vor Ort, wenn es gilt, etwas für die
Altersgenossen in ihrem Umfeld zu tun. So wirkte sie auch an der Präsentation des
Kinderhauses Sickinger für den Kindergipfel mit. Auch bei der Sitzung des Quartierforums
war Mahnoor dabei, um mit den anderen 15 Kinder des Kinderhauses Sickinger, der
Mozartschule und der Begegnungsstätte Westliche Unterstadt (BWU) ihren Forderungen
Nachdruck zu verleihen.
"Unsere Eltern haben Angst um uns, weil es hier keine ungefährlichen Plätze gibt. Deshalb
brauchen wir dringend geschützte Räume", stand auf dem Plakat der "Sickinger-Kinder" zu
lesen. "Mehr Grünflächen und weniger Dreck auf Spielplätzen", hieß es bei den Viertklässlern
der Mozartschule. Sie hatten mit der Kamera dokumentiert, was ihnen missfällt und mithilfe
ihres Lehrers eine Foto-Show erstellt. Unrat aller Art, darunter Scherben und Spritzen finden
die "BWU-Kinder" täglich auf dem Spielplatz H 6/I 6 vor, wie sie an einem kleinen
nachgebauten Sandkasten darstellten. Außerdem machen ihnen Straßenunterführungen und Übergänge Angst. Seit einiger Zeit beschäftige sie sehr die Unsicherheit, mit der die Kinder
öffentliche Räume der Unterstadt wahrnähmen, unterstrich Esther Baumgärtner. So hatte sie
etwa im vergangenen Jahr Kinder der östlichen Unterstadt, die in der BWU an einem
Kreativangebot teilnehmen wollten, dorthin begleitet. Das sei ein neuer Beweis, meinte
Bezirksbeirat Detlef Möller (SPD), dass man in der östlichen Unterstadt einen
Mehrzweckraum für die Kinder- und Jugendlichen brauche: "Denn es gibt hier keine
Begegnungsstätte, es gibt keinen richtig großen Spielplatz."
Eine gute Nachricht hatte denn die Quartiermanagerin doch für die Kinder: Im April wird das
Spielmobil die Innenstadt anfahren und vier Wochen lang einmal in der Woche vor Ort sein.
Ein passender Stellplatz wird noch gesucht.
© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 25.02.2015
Artikel 5
Kitas unter der Lupe (Teil 36): Im Kinderhaus Sickinger in R 7,48 tummeln
sich 65 Kinder aus 14 Nationen
Vielfalt und Naturnähe
Von unserem Redaktionsmitglied Christine Maisch-Straub
Die Kinder, die das Kinderhaus Sickinger in den Quadraten besuchen, stammen aus 13
Nationen.
Rot leuchten die Tomaten neben duftenden Blumen und prallen Zucchini auf dem kleinen
Stück Erde neben dem Lameygarten. Und schon die Willkommensgrüße auf dem Plakat am
Eingang in R 7, 48 lassen vom polnischen "Serdecznie witamy!" über "Welcome!" bis zum
arabischen "Ahlan wa Sahlan!" erkennen, dass multikulturelle Vielfalt im städtischen
Kinderhaus Sickinger groß geschrieben ist. Aus 14 Nationen stammen die Eltern, der zum
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Teil in Mannheim geborenen 65 Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren.
"Und es ist immer noch beeindruckend für mich, dass hier trotz der großen kulturellen
Unterschiede solch ein tolles Miteinander möglich ist", versichert die Jugend- und
Heimerzieherin sowie Sickinger-Leiterin Brigitte Crawford, die in dem Kinderhaus seit über
20 Jahren arbeitet. Im Bistro gleich neben ihrem Büro schnippelt die Zehnjährige Mahnoor
zusammen mit ihrem kleinen Bruder Zain Pflaumen. "Wir kochen Marmelade", erklärt die
große Schwester. Da darf der Fünfjährige mit seinen Kumpels aus der Türkei, Polen und
Rumänien kräftig mithelfen, die süßen Früchtchen zu entsteinen.
Italienisch, portugiesisch, Bosnisch: Mit Blickkontakt und Zeichensprache verständigen sich
oft die Erzieherinnen mit ihren Schützlingen - und die Knirpse untereinander. Schließlich
spricht Deutsch als Muttersprache nur das Elternpaar eines einzigen Kindes.
Zum Thema
Inzwischen türmt sich vor Mahnoor schon ein ziemlich großer Berg Obststückchen auf.
Lachend schwärmt sie von der Hort-Freizeit: "Da haben uns die Jungs nachts mit
Wolfsgeheul erschrecken wollen, aber wir haben sie gleich erkannt."
Einen Stock höher, im Atelier, werkeln, basteln und nähen die etwas Größeren friedlich vor
sich hin, reichen auch mal einen Stift oder die Heißklebepistole von der Werkbank an einen
kleinen "Kollegen" weiter.
Im Bewegungsraum laden nicht nur Klettergerüst und Riesenbausteine zum Toben ein. Hier
können sich die Kleinen auch mal zurückziehen.
Einen Raum weiter stellen vier Knirpse Alltagsszenen nach und schlüpfen in andere Rollen.
"So können sie spielerisch zum Beispiel eine Einkaufssituation einüben und ausleben", erklärt
Brigitte Crawford. Das diene auch der Sprachförderung. Noch befindet sich das Kinderhaus
Sickinger in einem Ausweichquartier in R 7 mit hellen und freundlichen Zimmern. Wann die
Räume in T 4/T 5 fertiggestellt sind, steht noch nicht fest. Apropos ausleben: Im
Rollenspielraum darf man auch mal wie ein richtig großer Löwe brüllen. Und sich im
selbstgenähten gelben Plüschkostüm auch so stark fühlen wie der König der Tiere. Und das
tut jedem kleinen Menschen ab und zu einmal gut - gleichgültig, welche Sprache er spricht.
© Mannheimer Morgen, Dienstag, 11.11.2014
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Quellenangaben:
Petra Wagner, Handbuch Kinderwelten, Vielfalt als Chance –Grundlagen einer
vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung, Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2008
Jo Jerg, Werner Schuhmann, Stephan Thalheim,
Vielfalt gemeinsam gestalten- Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt IQUAnet,
Reutlingen, Diakonie Verlag 2014
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