hier als pdf - Soterio... was?

Soteriologie
,Erlösung’ zur Sprache bringen
Ein Arbeitsheft für Pfarrer und Gemeinden
Vor drei Jahren bewilligte die Jährliche Konferenz das Soteriologieprojet, Ende 2013 startete ein L3-Team mit der intensiven Arbeit. Wie findet die Evangelisch-methodistischen Kirche
der deutschen Schweiz eine Sprache zur Erlösung in Jesus
Christus? Ziel: heutige Menschen erkennen im Evangelium
tatsächlich die Frohe Botschaft, die es eigentlich ist.
Dieses Heft fasst nicht etwa die Ergebnisse dieses Prozesses
zusammen, sondern leitet zur konkreten Umsetzung und
damit zum Finden einer Sprache an.
Inhaltsverzeichnis:
§ Einführung
Seite 3
§ Sprache ist Dialog
Seite 5
§ Schalom
Seite 9
§ Versöhnung (Stefan Moll)
Seite X
§ Heiligung (Marietjie Odendaal)
Seite X
§ Auf die Rückmeldung kommt es an!
Seite X
Die drei Aufsätze zu den Themenfeldern von Stefan Zürcher,
Marietjie Odendaal und Stefan Moll sind ganz unterschiedlich
gestaltet. Sie wurden hier bewusst nicht harmonisiert, weil sie
lebendige Momentaufnahmen sind. In ihnen wird Vieles, - aber
längst nicht alles gesagt.
Seite 2
Drei Themenfelder haben nach Ansicht des L3-Teams Soteriologie eine besondere Kraft, in der heutigen Zeit die Erlösung
zur Sprache zu bringen: Schalom, Versöhnung und Heiligung. Allerdings wird die Sprache nicht wirkungsvoller, wenn
mehr Predigten gehalten werden. Darum geht das Team von
zwei wesentlichen Voraussetzungen aus:
§
Sprache ist Dialog: Wer
einen neuen Trick zur Evangelisation sucht, hat schon verloren.
Es ist Missbrauch, wenn ich mich
nur für andre interessiere, weil
ich will, dass sie meinen Glauben
übernehmen. Wir haben gelernt:
Im Zuhören, im echten Gespräch
und
in
echten
Begegnungen
wächst unser eigener Glaube an
Jesus Christus und es entsteht
ein vertrauensvoller Austausch. Plötzlich ist eine Sprache
zwischen uns, in der auch das Evangelium seinen Platz hat.
§
§ Erfahrungsräume betreten: Predigten
zu den genannten Begriffen erreichen nur
ein sehr ausgewähltes Publikum. Wir laden darum ein, Erfahrungen mit den
Themen zu sammeln. Dazu verbinden wir
sie
mit
je
einem
‚handlungsleitenden
Bildwort’, mit einer Metapher. So schlagen wir vor, Schalom in Tischgemeinschaft zu erfahren, Versöhnung durch
Begegnungen mit Kampfsport und Heiligung in Verbindung zu Bäumen.
Seite 3
§
Mut
zu
Neuem:
Das L3-Team Soteriologie
hat nicht die Sprache, die
heute
verstanden
wird.
Diese haben wir nur im
Miteinander,
im
Dialog
mit anderen. Darum laden wir ein, die oben aufgeführten
Bilderworte
und Themen auf ungewohnte Weise zu erleben und uns von den guten und auch
den schwierigen Erfahrungen zu berichten.
Für diese Sprach- und Glaubensreise wünschen wir Gottes Segen:
Claudia Haslebacher, Gere Luder, Stefan Moll
Seite 4
Die Sprache, wie sie oft in EMKKreisen verwendet wird, widerspiegelt eine Haltung. Da ist die Rede
von: den Anderen, Aussenstehenden, Kirchendistanzierten, Ungläubigen, Suchenden, Nichts-am-Hutmit-dem-Glauben-Menschen.
Ähn-
lich tönt es, wenn wir vom Auftrag
der Kirche sprechen. Noch immer
scheint das wichtigste Ziel zu sein, ‚nach aussen zu wirken’.
Damit schafft man aber ein starkes Gegenüber, eine Opposition zwischen drinnen und draussen, richtig und falsch, gerettet
und verloren, wir und ihr. Man kann eigentlich gut verstehen,
dass jene anderen, die scheinbar auf dem falschen Weg sind,
sich nicht besonders ernst genommen fühlen, wenn jemand
versucht, sie zu
den Unseren zu
machen. In der
ganzen
Begriff-
lichkeiten
zeigt
sich eine offene
oder
versteckte
Abwertung.
Wie wäre es, stattdessen von Freunden zu sprechen? Oder unabhängig von der Beziehung zu Jesus Christus – von
Schwestern und Brüdern? Die Liebe Gottes ist so weit, dass
es kein Draussen gibt.
Seite 5
Sprache entsteht, wenn wir Lerngemeinschaften bilden. Ein
Lernprozess lebt vom Hinhören. So hat das L3-Team bewusst die Nähe zu Personen gesucht, die zumindest von ihren
Kenntnissen her wenig bis nichts über christliche Theologie
wussten. Mit diesen Personen zusammen entstanden Predigten und wir führten Glaubensgespräche. Das Ergebnis war
verblüffend und bewegend zugleich.
Wir
hatten
Ahnung,
keine
wie
viel
Ahnung diese Freunde
hatten.
Im
Ge-
spräch über Bibeltexte
zeigte sich, dass sie
gerade aus einer gewissen
Unkenntnis
heraus sehr wohl etwas
mit
Bibeltexten
anzufangen wissen. Die so entstandenen Predigten und Gespräche haben wir als ausserordentlich wertvoll erlebt
Zunächst haben sie unseren eigenen Glauben inspiriert. In
solchen Begegnungen entstand für uns – die wir Fachleute
sind – eine neue Sicht auf Bibeltexte oder auf unser Vertrauen
auf Jesus Christus. Die ersten, die von diesen Begegnungen
bewegt waren, sind wir selber gewesen. Wir haben diese Auseinandersetzung für uns als sehr wichtig und lehrreich empfunden.
.
Seite 6
Unsere Brüder und Schwestern aber, die sich trauten, aus ihrer Unkenntnis heraus über Glaubensfragen zu sprechen, fühlten sich ebenfalls beflügelt und ernst genommen. Zumindest
wurde ihnen bewusst, dass ihr Erfahrungshorizont durchaus
mit dem Evangelium zu tun hat. Was sie erleben findet – ohne
dass es ihnen bewusst war, viele Anknüpfungspunkte im
Evangelium
Wir empfehlen darum, aus einem echten Interesse heraus mit
Menschen über den Glauben an Jesus Christus zu sprechen,
die sich selber nicht als glaubend empfinden. Wie gesagt: das
ist nicht die neuste Methode, andere doch noch reinzubekommen. In diesen Gesprächen entsteht Sprache, die uns selber
hilft, in der Liebe zu Gott und zu den Menschen zu wachsen.
Diese Erfahrung lässt sich in zwei Thesen zusammenfassen:
1. Die Sprache, in der wir in heutiger Zeit über Erlösung
sprechen können, entsteht in echten Begegnungen
2. Solche
Begegnungen
verändern
unseren
eigenen
Glauben an Jesus Christus.
All das erinnert an Apostelgeschichte 10 (Petrus und der
Hauptmann Kornelius/Petrus in Jerusalem). Dieser Text zeigt
auch, wie anspruchsvoll und durchaus auch konfliktreich
Grenzüberschreitungen sein können. Paulus macht ähnliche
Erfahrungen, indem er sich auf die Kultur in Antiochien einlässt.
Seite 7
Die Bereiche der Erlösung und die mit ihnen verbundenen
handlungsleitenden Bilder halten wir für besonders geeignet,
Erfahrungen zu sammeln. Wir laden darum dazu ein, sich vor
der Jährliche Konferenz 2016 auf solche Begegnungen einzulassen:
§ In einer Tischgemeinschaft erfahren wir Gottes Schalom.
Ein besonderes Setting hat Stephan Johanus entwickelt.
Er schlägt vor, dass beim Essen und aufeinander hören und
diskutieren Thesen zur Reformationsfeier gefunden werden.
(Information bei [email protected])
§ In der Auseinandersetzung mit Kampfsport und Kampfkunst entdecken wir wesentliche Aussagen über Versöhnung.
§ Im Baum, in seinen Wurzeln, im Wachsen des Stammes
und der Krone und in seinen Früchten finden wir Zugang zu
Heiligung.
In
diesem
Sinn
laden wir ein, mit
diesen Metaphern
zu
experimentie-
ren und dabei jene
sündhaften,
aber so fest gefügten
Grenzen
zwischen und uns
jenen, von denen wir sagen sie seien ‚draussen’, mit fröhlichem Herzen zu ignorieren. Gott hat mehr für uns bereit als
das, was wir innerhalb des eigenen Horizontes finden.
Seite 8
Schalom
Von Stefan Zürcher
1. Zum Begriff
„Schalom“
ist
Zentralbegriff
ein
des
Alten Testaments.
Er
ist
nur
einfach
griff
selten
Gegenbezu
„Krieg“.
„Der atl. Friedensbegriff ist im allgemeinen viel umfassender und bezeichnet einen Zustand (in) der Welt, der als vorbehaltlos positiv bezeichnet werden kann; er kann sich neben dem politischmilitärischen Bereich auch auf die Bereiche des Rechts, des
Kultes, der Sozialordnung und sogar der Fruchtbarkeit beziehen. Nur da, wo innerhalb dieser Einzelbereiche, und dann
aber auch zwischen diesen verschiedenen Bereichen, eine lebensermöglichende Geordnetheit besteht, kann von schalom,
„Frieden“ die Rede sein.“1
Eine
unfriedliche
Welt
ist
chaotische Un-Welt. Welt im
eigentlichen Sinn ist sie nur,
wenn „Frieden“ herrscht. Nur
weil sie auf „Frieden“ hin geschaffen ist, macht es Sinn,
sich für Frieden einzusetzen.
1
Schmid, H. H., Art. Frieden II. Altes Testament, in: TRE 11, 605.
Seite 9
Schalom „bezeichnet grundsätzlich das Stadium der Unversehrtheit der Welt, einen Zustand ohne unerfüllte Wünsche,
der nicht nur die Menschenwelt, sondern die gesamte Schöpfung umfasst.“2
§ Schalom wird einerseits für die Zukunft erwartet. Damit
verknüpft ist die Erwartung der Messiasherrschaft und der
Heraufführung eines universalen Friedensreichs, das Heil für
Israel und die Völker zur Folge hat. Schalom ist Kennzeichen der Gottesherrschaft.
§
Andererseits zielt Gottes
Heilshandeln auf gegenwärtigen
irdischen
„Dieser
Schalom.
umfasst
Freiheit,
3
politische
wirtschaftliches
Wohlergehen,
soziale
Ge-
rechtigkeit und irdische Got4
tesbeziehung.“
kann
Frieden,
Wohlergehen
Schalom
Gesundheit,
und
Ganzheit
meinen. Schalom hat mit einer intakten Beziehung zu Gott
und als sozialer Verhältnisbegriff auch mit intakten zwischenmenschlichen Beziehungen und Lebensfülle zu tun.
„Schalom ist dort, wo Recht und Gerechtigkeit herrschen
und die Menschen in versöhnten Beziehungen miteinander
leben.“5
2
Hampel, V., Die Passion des Menschensohns, in: Hampel, V., /Weth, R. (Hg.), Für uns gestorben. Sühne –
Opfer – Stellvertretung, Neukirchen-Vluyn 2010, 73.
3
Das „Heilshandeln Gottes, das Schalom zur Folge hat, nennt die Bibel ‚Erlösung‘.“ A.a.O., 74.
4
IGW, 12 Thesen zur missionalen Soteriologie, These 2.
5
Hardmeier, R., Kirche ist Mission. Auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Missionsverständnis, Schwarzenfeld
2009, 310.
Seite 10
Vom AT ist vor allem zu lernen, wie mit der Spannung von
Frieden und Unfrieden, d. h. von Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit (in) der Welt umzugehen ist und wie unter dieser
Spannung zwischen Sein und Sollen wahres Leben überhaupt
möglich ist.
Gott als Schöpfer ordnet –
in
mythologischer
Spra-
che – das Chaos. Damit
ist er der letzte Garant
des Schalom (Ps 147,14).
Aus
weisheitlicher
Sicht
geht es darum, nach den
heilvollen
Grundordnun-
gen der Welt zu fragen
und zu lernen, ihnen zu
entsprechen (Ps 34,13.15). Denn wer auf der Seite des Friedens steht, hat Frieden und wahres Leben. Im kultischen Kontext hat Frieden seinen Ort im Segen. Im Segen wird er den
Glaubenden von Gott her zugesprochen und zugeeignet (Num
6,24ff). Das politische Friedensverständnis sieht v. a. den König für „Frieden“ zuständig (Ps 72). „‚Friede‘ ist von Gott gesetzte und garantierte, aber immer wieder auch ausstehende
heilvolle Eigentlichkeit (in) der Welt. Hymnische Vergewisserung,
kultisch-rituelle
Vergegenwärtigung
und
königlich-
weisheitliches Handeln tragen gemeinsam zur immer neu nötigen Realisierung von Frieden bei.“6
6
Schmid, H. H., Frieden, 607.
Seite 11
Die vorexilische Theologie bringt dann Schuld und Unfrieden
zusammen: Unfriede hängt mit menschlicher Schuld zusammen und wird durch diese verursacht. Sie führt zum Verlust
des Paradieses (Gen 3,5), d. h. verhindert den umfassenden
Frieden in der Geschichte. Exilisch-nachexilisch wird „Friede“ Zentralbegriff der Gotteserwartung, der eschatologischen
Friedenshoffnung einer auf eine neue Zukunft gerichteten Welt.
Gott wird Frieden schaffen und eine qualitativ neue Weltzeit
heraufführen, die die ganze Schöpfung umfasst. Dies durch
einen messianischen Friedenskönig. Dieser Glaube befähigt die
Menschen, auf dem Weg des Friedens zu bleiben, auch wenn
sein Einsatz für den Frieden fragmentarisch bleibt oder gar ins
Scheitern führt. Der Friede ist das eschatologische Ziel der
Welt, das dem Menschen Grundlage und Massstab für sein
Verhältnis zur Welt und seines Handelns in der Welt ist.
Im Neuen Testament zeigt sich die zukünftige Dimension in
der Erwartung der „Befreiung der ganzen Schöpfung zum
Leben in Fülle (spirituell, politisch, wirtschaftlich, sozial und
ökologisch) mit dem Ziel einer umfassenden Erneuerung
der Welt. Dieses Geschehen
ist
im
Kommen Jesu angebrochen und vollendet
sich
in
der
kommenden Gottesherrschaft.“
Seite 12
§ Im NT gehen Friede und Heil oft Hand in Hand: Friede ist
Teilhabe am in Jesus Christus gegebenen Gottesheil. Friede,
dessen Geber Gott und Christus selbst sind (Friede wird
auch als Frucht des Geistes bezeichnet), ist Aufhebung des
Feindseins und Versöhnung mit Gott. Wiederhergestellte
Gemeinschaft mit Gott führt zu einem Leben in Frieden, zu
einem neuen, eschatologischen Dasein in Ganzheit. Gottes Friede hebt
aber auch die Trennung zwischen
Menschen,
insbesondere
zwischen
Juden und Heiden auf. Ein Leben in
Frieden schliesst also die soziale Dimension ein (diesen Aspekt umfasst
auch der ntl. Begriff soteria).7
§
Im Friedenstiftersein im zwi-
schenmenschlichen Bereich wird das
Jüngersein / der Glaube / die Teilhabe am Frieden/Heil Gottes aktualisiert. Gottes Gabe wirkt das rechte Tun, erneuert
den Menschen (Heilung/Heiligung). Darum fordert das NT
zum entsprechenden Verhalten und Handeln auf. Gewährter
Friede ist zu bewährender Friede im Miteinander – zuerst
innerhalb der Gemeinde, dann aber auch gegenüber allen
Menschen.
§
Zusammenfassend: Schalom umfasst einerseits eine zukünftige und eine gegenwärtige Dimension, andererseits eine persönliche, soziale und kosmische. Schalom / Erlösung muss in
dieser Ganzheitlichkeit verstanden werden, sonst wird das
ganze Heil, das Gott schafft, verdunkelt.
7
Hardmeier, R., Kirche ist Mission, 311.
Seite 13
2. Schalom und Tischgemeinschaft
Im Folgenden versuche ich den Schalom mit der Metapher der
Tischgemeinschaft begreifbar zu machen. Sie umfasst alle fünf
oben genannten Dimensionen. Könnten das Abendmahl und
Tischgemeinschaft überhaupt die Sprache für Erlösung sein,
die mehr Menschen verstehen?
§ Im Abendmahl gibt Christus
seinen Schalom. Dabei verbindet er die Menschen mit
dem dreieinen Gott und untereinander.
Die
neue
Schöpfung, deren Kennzeichen Schalom ist, ist gelebte
liebevolle Beziehung Gottes
zu uns, zwischen uns und
Gott und zwischen uns und unseren Mitmenschen.
§ Die das Abendmahl feiernde Gemeinde ist schon Raum des
Friedens und Vorgeschmack der neuen Schöpfung, die noch
nicht offenbar ist. Sie kann mit dem eschatologischen Mahl
umschrieben werden (Lk 13,29).
§ Christus bittet alle Menschen an seinen Gabentisch und lädt
sie ein, seine Gaben zu empfangen. An seinem Tisch sind
alle
Empfangende.
keine
Es
gibt
Rangunterschiede.
Gleichzeitig lädt er zur TischNachfolge, d. h. zu einem
dem Schalom entsprechenden
Leben ein. An seinem Tisch
sind
alle
Teilende
(1Kor
11,17ff). Neben der geistli-
Seite 14
chen Komponente spielt beim Abendmahl (und bei all unseren Mahlzeiten) auch die ökonomische eine Rolle. Am Tisch
in der Nachfolge Jesu heisst es zu empfangen und fair zu
teilen.
§ Brot und Traubensaft
beim Abendmahl und
die
weiteren
Nah-
rungsmittel bei den
übrigen
Mahlzeiten
sind alles den Leib
sattmachende Gaben
der
nichtmenschli-
chen Schöpfung Gottes. Sie erinnern uns
an
die
kosmische
Dimension des Schaloms und unsere Verantwortung.
§ Jesus lädt aber nicht nur ein, sondern geht auch hin zu den
Menschen und lässt sich einladen – Lk enthält neun Berichte
von Mahlzeiten, die Jesus mit andern feierte (Lk 5,27-39;
7,36-50; 9; 10-17; 10,38-42; 11,37-53; 14,1-24; 19,1-27;
22;1-38; 24,13-35). Als Tisch-Nachfolger Jesu sind wir an
seinen Tisch Eingeladene und gleichzeitig im Namen des
dreieinen Gottes an den Tisch mit den anderen Menschen
Gesandte (Gastfreundschaft8; Mt 25,31ff). So nehmen wir
an der missio dei in der Welt, Gottes Schalom zu aktualisieren, Teil.
8
Vgl. den instruktiven Aufsatz von Pieterse, Hendrik R., Die Gastfreundschaft Gottes leben, in: Nausner, M.
(Hg.), Kirchliches Leben in methodistischer Tradition. Perspektiven aus drei Kontinenten, Reutlinger Theologische Studien Band 6, Göttingen, 2010, 147-173.
Seite 15
Versöhnung
Von Stefan Moll
Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;
das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das
alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch
Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.
2. Korinther 5, 17 – 18
Es ist unmenschlich, Versöhnung einzufordern. Wie sollte es
gelingen, auf Befehl hin versöhnt zu sein? Dabei verfolgen uns
solche Imperative: Als Erwartung an uns selber, als christliche
Tugend, durch Ratgeber – und nur zu oft schwingt der Wunsch
mit, es jetzt gut sein zu lassen. Menschen, die Opfer des
Schicksals oder von Boshaftigkeit geworden sind, sollen
schweigen. – „Ihr müsst versöhnt sein!“ – Das ist grausam.
Wie könnte es auf Druck oder
Befehl gelingen, versöhnt zu
leben? Wer sich mit Nachbarn
überworfen hat, soll plötzlich
auf gut Freund mit ihnen sein?
Entfremdung in unter Paaren
und in Familien kann niemals
wegbefohlen werden. Wer von
Verbrechen betroffen ist, kann
sich nicht einfach zusammenreissen. Wer mit Gott hadert wegen Leid und Ungerechtigkeit, hat vielleicht sogar recht
Seite 16
Oder wie sollen wir auf Befehl mit uns selber versöhnt sein?
Mit unserem Körper, mit den alten Geschichten, mit der Geschlechtlichkeit, dem Versagen, den inneren Konflikten, dem
Altern, der Vergänglichkeit.
Und doch ist versöhntes
Leben ein hohes Gut. Wer
wünscht es sich nicht?
Versöhnt zu sein mit Gott
und der Welt, mit Freunden und Feinden, mit sich
selber? Oder mehr noch:
Versöhnung
Völkern
und
zwischen
Stämmen,
zwischen Menschheit, Tieren und Natur?
Befehlen lässt es sich nicht. Versöhnung
muss wachsen und reifen. In Religionen
öffnen sich Türen zu jenen himmlischen
Gärten, in denen die Frucht zur Versöhnung gepflückt werden kann. Besonders im
christlichen Glauben hat sie einen herausragenden Stellenwert. Nur dass sie da
nicht
(nur)
als
Paradiesapfel
gepflückt
werden kann. Jesus Christus trägt sie in
die Welt und verkörpert Versöhnung. In
ihm wird zur Möglichkeit, was nicht befohlen werden kann. Wir glauben, dass die
tiefste Versöhnung aus dem Vertrauen zu
Jesus Christus erwächst.
Dazu drei Aspekte:
Seite 17
1. Entmachtung von Gewalt
Gewalt und gewaltgeladene Strukturen sind der Versuch, das
Unversöhntes durch einen totalen Sieg in Griff zu bekommen.
Menschen sind versucht, sich so aus Unversöhntem zu retten.
Gewalt ist aber Einwegkommunikation. Sie beginnt, wo
eine Partei aus der Beziehung
austritt. Eisiges Schweigen ist
genau so Gewalt wie Schläge,
Kriege oder Gleichgültigkeit.
Gewalt in diesem weiten Sinn
ist Alltag. Jesus, den sie Messias nennen, kommt in diesen
Alltag hinein. Aber er bleibt in Beziehung: zu Gott, der er Vater nennt. Zu Petrus und den Donnersöhnen. Zu Aussätzigen.
Zum Mann aus dem Geldadel. Zur Hure. Zu Judas, der ihn
verraten hat. Jesus bleibt. Auch dann, wenn sie ihn aufhängen.
Denn er tritt niemals aus der Beziehung aus.
So ist der Mann am Kreuz zum
Sinnbild geworden für einen,
der auf Gewalt pfeift und die
Achtung der Anderen niemals
aufgibt. Wohlverstanden: SinnBild; nicht Vorbild. Wäre er
bloss Vorbild, bliebe von ihm
nur der unmenschliche Imperativ zur Versöhnung. Als Sinn-Bild aber können wir ihm nahe
sein.
Seite 18
Sein
Weg
war
kein
Erfolg.
Aber er ist voll Sinn. Wer Jesus Christus vertraut, überlässt sich so dem Sinn, welchen
der
Sterbende
vom
Kreuz ihm zuspricht. Er macht
Sinn. Wo wir unversöhnt sind.
Er lässt uns im Leiden, in Einsamkeit, als Opfer und Täter von Gewalt, Sinn zukommen. Er
setzt den Sinn vom Kreuz an die Stelle der Gewalt. Die Gewalt
zerbricht an diesem einen Gewaltlosen. Es gibt ihn, den anderen Weg.
2. Aggressionsmanagement
Demgegenüber gilt: Glücklich,
ja erlöst ist der Mensch, der
zu seiner Aggression gefunden hat. Denn anders als
Gewalt bleibt die Aggression
in Beziehung; intensiv sogar,
laut und deutlich. Ehrlich und
lebendig. Wer sich der Versöhnung öffnet, soll Aggression als Schritt aus der Gewalt schätzen. Aggressionsmanagement heisst darum nicht weniger davon. Sondern mehr!
Aggression ist geballte Information über sich selber: „So geht
es mir mit dir/mit Euch“. Sie kommuniziert Enttäuschung, Wut,
Scham, den Trotz, den Schmerz. Sie lässt gerade nicht aus,
was auf den Tisch muss. Sie bleibt intensive Beziehung und ist
darum ein Weg aus der Gewalt.
Seite 19
Gesunde Aggression kann misslingen. Sie scheitert manchmal,
sei es an unserer Angst und Scham, sei es an den Möglichkeiten der anderen. Wer aggressiv ist, setzt sich erheblichen Risiken aus. Er oder sie geben etwas Intimes von sich preis. Das
macht Angst. Schwierig ist es auch für die durch Aggression
Angesprochenen. Sie werden provoziert, sich der aktuellen Situation zu stellen. Damit kommt zur Sprache, was viele durch
Abwarten,
Schweigen
oder mit einer Gehässigkeit
aus
der
Welt
schaffen würden. Viele
verzichten
darauf,
in
Beziehung zu treten. Es
bleiben dann Einsamkeit
und mit ihr die Formen
von Gewalt.
Religion bietet der ungelebten Aggression oft einen Ort, sei es
in der Ekstase, dem Opfer, dem Gebet, im Mythos vom Sündenbock. Die Bibel bietet die Feindespsalmen an. Diese Gebete geben der Enttäuschung, der Wut, dem Hass, der Auflehnung oder der Traurigkeit Raum. Aggression wird gen Himmel
geworfen.
Jesus Christus geht einen entscheidenden Schritt weiter. Er
selber erscheint in der alltäglichen Aggression. Mitten unter
uns Menschen. Er erträgt sie. Er lässt sie. Weil er nie aus der
Beziehung austritt. Gott bleibt immer ein Du, ein Gegenüber.
Jesus Christus verkörpert diese Beziehung. Darum wird an ihm
auch ganz akut und dramatisch sichtbar, wo es an Beziehung
mangelt.
Seite 20
Es wird offenbar, wo Menschen sich aus der Bezogenheit zu
Gott, zu einander oder gar zu sich selber herausstehlen. An
ihm wird die Not der unterbrochenen Beziehung offengelegt.
Dagegen
steht
Jesus
Christus an, der in Beziehung bleibt. Vor ihm
gilt
darum
Vertrauen.
Alles andere nennt die
religiöse Sprache ‚Sünde’.
3. Dämonen bannen
Haben wir aus der Gewalt zur Aggression gefunden, hat Erlösung schon begonnen. Aber vollendet ist sie noch nicht. Denn
die Gewalt gibt einen nicht einfach frei. Ihr Denken, ihr System, ihre Prägungen, bleiben. Solche Bindungen sind mächtig.
Sie machen Menschen glauben, es gäbe nichts mehr ausserhalb der Gewalt. Wir glauben zwar nicht, dass es Dämonen
‚gibt’. Aber dämonische Kräfte kennen wir. Immer, wenn sich
Menschen auf gewaltgeladene Systeme einlassen und überzeugt sind, dass es aus ihnen keinen Ausweg gibt oder dass
sie sogar heilvoll seien, da sind dämonische Kräfte am Werk.
Aggression ist ein Schritt aus der Gewalt, aber sie ist noch
nicht der Frieden, und nicht die Versöhnung. Gewaltgewöhnten fehlt die Vorstellung von einem versöhnten Leben jenseits
der Angst. Das sind die dämonischen Kräfte!
Seite 21
Religionen öffnen diesen Horizont. Etwa mit der Verheissung
eines Paradieses. Oder durch bemerkenswerte Listen von Tugenden. Aber Paradies wie Tugenden erweisen sich oft als unerreichbar.
Jesus
Christus
trägt
die
Vorstellung und Möglichkeit
zu
versöhntem
Leben
in
den Alltag der Menschen
hinein. Um sie zu empfangen, müssen die Dämonen
der Gewaltstruktur gebannt
sein.
In der Frohbotschaft gelingt das in zwei Schritten:
Zuerst braucht es jene, die das Dämonische erkennen. Das
sind Leute, welche Angehörige zu Jesu bringen mit den Worten: „Er hat einen Dämon“. Es braucht auch heute jene vom
Himmel berührten Frauen, Männer und Kinder, welche die
Dämonen benennen können. Menschen also, welche den anderen Weg von Gott her für die Menschen erkennen. Die das
Undenkbare denken. Welche aus dem Muster jeder Gewalt
aussteigen können. Martin Luther King – der von der Gemeinschaft von Schwarz und Weiss träumte. Malala, welche von
Schuldbildung für Mädchen kämpft. Franz von Assisis, der
auch in Armut leben konnte und unter den Elenden seiner Zeit
Freude und Freunde fand... Solche Leute bringen die Besessenen zu Jesus. Sie sind aber oft enttäuscht, dass sie sie nicht
befreien könne. .
Seite 22
Zweitens: Von Jesus Christus geht eine Kraft aus, welche
Dämonen bannt. Das kommt daher, dass Jesus so unvermittelt Anteil am Leben hat.
Das haben sonst höchsten
noch Kinder. Jesus begegnet
Besetzten
Men-
schen in dieser Lebendigkeit – Dämonen weichen
vor dieser Macht.
Was ist Versöhnung? Sie
ist die Unmittelbare Nähe
und Beziehung mit Gott. Sie ist eine Neu-Schöpfung in einer
gewaltgeladenen Welt
Sie ist der Christus unter uns. Niemand hat das schöner gesagt als Hilde Domin:
Ecce Homo
Weniger als die Hoffnung auf ihn
das ist der Mensch
einarmig
immer
Nur der gekreuzigte
beide Arme
weit offen
der Hier-Bin-Ich
Seite 23
Heiligung
Von Marietjie Odendaal
Da wir nun diese Verheissungen haben, meine Geliebten, wollen wir uns reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und
des Geistes und auf unsere vollkommene Heiligkeit hinwirken
in der Furcht Gottes. (2. Korinther 7,1)
Ich erkenne in der Bibel zwei grundsätzliche Aussagen zur
Heiligung, zum Leben aus der Versöhnung heraus.
Auf der einen Seite ist Gott selbst die Quelle der Heiligung. Gott, der heilig ist, der ganz anders ist als unsere Vorstellungen und Begriffe von Gott, heiligt alles, was er berührt
(Da wir nun diese Verheissungen haben; vgl. Levitikus 22,32b
– 33; Ezechiel 37,26 – 28). Die Drei-Einigkeit, Vater, Sohn
und Geist, geniesst und teilt spielend ihre Lebendigkeit. So ist
Gottes Heiligkeit die Liebe selbst.
Auf der anderen Seite
gilt
es
immer
wieder für Personen
und Gemeinschaften,
dass
sie
sich
auf
diese Heiligung einlassen und sie in ihrem
Leben
zulassen
(wollen wir uns reinigen... und auf unsere
vollkommene Heiligkeit
hinwirken...).
Seite 24
Heiligung bedeutet ein konsequentes Leben aus Gottes Gnade und das Einlassen auf Gottes Verheissungen (Lukas 1,74 – 75). Wir
bleiben im Fahrwasser und
auf das Ziel ausgerichtet.
Wir legen das Fahrwasser
nicht selber an und wir erreichen es nicht zuerst von uns aus. Gott ist es, der die Strömung fügt und uns in sie hinein fügt. Wir finden uns in diesem
Wasser und stimmen zu, mit dieser Strömung ans Ziel zu
kommen. (1. Petrus 1,14 – 15)
Im Vertrauen auf Gott lassen wir uns von Gott verwandeln zu
dem, was Gott in uns angelegt hat und ausarbeitet. (Römer
12, 1) Die Verwandlung macht uns Gott ähnlich, heilig, wie
Gott heilig ist, in Bezug zu
uns selbst, zu Gott, zu unseren Mitgeschöpfen und
unserem Umfeld. Die Verwandlung ist angelegt in
Christus, so nimmt unsere
Ähnlichkeit mit Christus zu.
Diese
Verwandlung
lässt
sich nicht in Regeln festhalten oder messen. Sie ist
eine grundlegende Verwandlung, die schon dargestellt ist (Kolosser 1,12-14) und noch hergestellt wird.
Seite 25
Wir
dürfen
Strömung
uns
der
überlassen,
um richtig geformt zu
werden. Denn das Vertrauen
rechnet
damit,
dass Gott das Nötige
beisteuert, auf dass die
notwendigen
Verände-
rungen in und an uns
stattfinden können.
Da das Wasser nicht immer ruhig bleibt, brauchen wir immer
wieder Kraft und Ermutigung, um durchzuhalten. Wenn wir
dann vorankommen, empfinden wir grosse Freude und spüren
unsere Lebendigkeit. Die Gemeinschaft, die wir in solchen Zeiten erleben, getragen vom Wasser, sicher und auf Kurs,
macht uns froh. (Kolosser 1,12 – 14; Johannes 10, 10)
Levitikus 22, 32b – 33
Ich bin der HERR, der euch heiligt, der euch herausgeführt hat
aus dem Land Ägypten, um euer Gott zu sein. Ich bin der
HERR.
Seite 26
Ezechiel 37, 26 – 28
(Und ich werde einen Friedensbund mit ihnen schliessen, es wird ein ewiger Bund
mit ihnen sein. Und dazu
mache ich sie: Ich mache sie
zahlreich.
Und
ich
setze
mein Heiligtum für immer in
ihre Mitte. Und meine Wohnung wird über ihnen sein,
und ich werde ihnen Gott
sein, und sie, sie werden mir Volk sein.) Und die Nationen
werden erkennen, dass ich es bin, der HERR, der Israel heilig
macht, wenn mein Heiligtum für immer in ihrer Mitte ist.
Lukas 1, 74 – 75
... dass wir, errettet aus der Hand der Feinde, ihm ohne
Furcht dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm all unsere Tage.
Römer 12, 1
Ich bitte euch nun, liebe Brüder und
Schwestern, bei der Barmherzigkeit
Gottes: Bringt euren Leib dar als lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer - dies sei euer vernünftiger Gottesdienst!
Seite 27
1. Petrus 1, 14 – 15
Als Kinder des Gehorsams lasst euch nicht von den Begierden
leiten, die euch früher, als ihr noch unwissend wart, beherrscht haben, sondern entsprecht dem Heiligen, der euch
berufen hat, und werdet selbst Heilige in eurem ganzen Lebenswandel
Kolosser 1, 12 – 14
Mit Freude sollt ihr ihm danken, weil er euch am Erbe derer
beteiligt, die im Licht leben und zu ihm gehören. Denn er hat
uns aus der Macht der Finsternis gerettet und in das Reich des
geliebten Sohnes versetzt. Gott hat unsere Freiheit mit seinem
Blut teuer erkauft und uns alle unsere Schuld vergeben.
Johannes 10, 10
Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle
zu schenken.
Seite 28
Leser dieses Heftes sehen vielleicht, wie sie heute über Erlösung sprechen können. „Wie aber geht Frau Oberholzer, die
im Kiosk Zeitschriften und Zigaretten verkauft, mit ihren Antworten um? Wird sie die Sprache ihrer methodistischen Kunden verstehen? Haben diese überhaupt Worte, um mit ihr über
Erlösung zu reden, und kann
Frau Oberholzer diese Worte mit
ihrem Leben verbinden?“ (Bericht an die Jährliche Konferenz
2012)
Heute verstehen wir: Frau Oberholzer ist die beste Expertin ihres Lebens, die wir uns vorstellen können. Und sie hat Wünsche, Sehnsüchte und Vorstellungen von Erlösung. Aber sie weiss nicht, dass die Methodisten in der nächsten Strasse jede Woche diese Themen feiern
und vertiefen. Und zugegeben: die Art und Weise, wie diese
Methodisten das tun, ist für Frau Oberholzer befremdend und
schwer nachvollziehbar.
„Wie können wir heute über Erlösung sprechen?“, haben wir
gefragt. Wir haben gemerkt, dass wir das nur zusammen mit
Frau Oberholzer, Herrn Sommerthaler, Achmed Farkendis oder
Frau Sharez tun können. Oder den Kindern zuhören – sie haben sehr klare Vorstellungen von Erlösung. Im Gespräch entsteht die Sprache. Im echten gegenseitigen Interesse entdecken wir, wie viel der Glaube an Jesus Christus mit andere zu
tun hat.
Seite 31
Ich rufe den Leiter einer Kampfsportschule an, um in als Referent den Gottesdienst einzuladen. Zunächst kann er nicht verstehen, welchen Beitrag er in einer Kirche leisten könne. Nein,
er gehöre zu keiner Kirche. Wir sprechen über seinen Sport,
über Selbstverteidigung und Versöhnung. Er kommt ins Erzählen. In seinem Verein ist er mit Herzblut dabei. Immer mehr
Verbindungen zur Versöhnung werden sichtbar. Der Mann
staunt: „Ich hätte nie geahnt, dass mein Sport so viel Gemeinsames mit dem Glauben hat.“ Er wusste gar nicht, dass
die Kirche ein Thema aufnimmt, in dem er vorkommt.
Er wäre gerne in diesen Gottesdienst gekommen für ein Gespräch über Selbstverteidigung und Versöhnung. Aber der
Verband hat es nicht zugelassen. Hier wurde die Erfahrung
gemacht, dass in einer öffentlichen Schule evangelikale Eltern
verhindern wollten, dass er mit den Schülern Selbstverteidigung übe. Das sei mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar.
Schade, dass es nicht klappte. Mir aber wird klar: es wird keine guten Begegnungen geben, wenn Christen besserwisserisch anderen diktieren, wie Glaube geht. Zum Glück kommt
ein anderer Verein. Ich werde von diesem viel lernen. Auch für
meinen Glauben
Stefan Moll
Seite 30
Wir laden ein, neue Erlebnisse und Erfahrungen zu machen,
um so eine geeignete Sprache zu entdecken:
§ Am Sonntag im Quartier einen Brunch machen
§ Mit Freunden beim Essen eine Predigt vorbereiten
§ Den Erntedank-Tisch auf dem Dorfplatz aufstellen, Brot und
Wein ins Zentrum setzen
§ Mit der Weinbruderschaft über ‚Wein’ ins Gespräch kommen
§ Den Karate-Club in den Gottesdienst einladen und gemeinsam zu fragen, wie wir uns in Konflikten verhalten können
§ Der Bezirksvorstand macht eine Schlacht mit gerollten Zeitungen und gibt sich endlich einmal richtig aufs Dach
§ Die Jungschar plant einen Fussballmatch gegen die Männer
vom Werkhof. Anschliessend gehen wir zusammen essen.
§ Mit dem Gärtnerverein einen Baum pflanzen
§ Eine Führung durch die Gärten über Bäume planen
§ Ein Zahnarzt und ein Baumexperte diskutieren im Gottesdienst das Thema Wurzelbehandlung
In solchen – und vielen anderen – Begegnungen wird Sprache. Wichtig ist aber,
dass wir darüber nachdenken, was wir
selber aus der Begegnung zur Erlösungslehre aus Jesus Christus gelernt
haben. Wie ist sie angeklungen? Was
nehmen wir mit? Und: konnten wir es
ausdrücken.
Seite 31
Rückmeldungen
Es ist uns sehr wichtig zu hören, wie es eine Gemeinde oder
einer Gruppe erlebt hat. Die Ergebnisse werden wir unter
www.soteriologie.ch zugänglich machen. Die Seite wird
noch in diesem Jahr aufgeschaltet. Wir werden fragen, wie wir
auf diese Weise Sprache zur Erlösungslehre entdeckt haben.
[email protected]
Evangelisch-methodistische Kirche
Badenerstrasse 69
Postfach 1366
8026 Zürich
Claudia Haslebacher
Moosgärtenweg 20, 3177 Laupen, 032 513 41 46,
[email protected]
Gere Luder
Thunstrasse 99, 3007 Bern, 031 352 11 52,
[email protected]
Stefan Moll
Seminarstrasse 21, 5400 Baden, 056 222 66 67,
[email protected]
Seite 32
Seite 26
Seite 27
Seite 28
Seite 29