Application Note # AN129 FT-IR Analyse von Klebstoffen in der Qualitätskontrolle und Entwicklung FT-IR Analyse von Klebstoffen Klebstoffe sind in der heutigen Zeit unverzichtbar geworden und werden für die verschiedensten Anwendungen genutzt. In der Automobilindustrie werden neben Frontkonsolen, Scheiben und Sitzelementen auch Karosserieteile mit speziellen Automobil-Klebstoffen geklebt was zu deutlichen Gewichtsersparnissen geführt hat. In der Medizin wird das vom Sekundenkleber bekannte Cyanacrylat zum schnellen Verkleben von Wunden genutzt. Mittlerweile stehen für die verschiedensten Anwendungen Klebstoffe mit maßgeschneiderten Eigenschaften hinsichtlich Aushärtezeit oder Festigkeit zur Verfügung. Moderne Klebstoffe sind oft komplexe Mischungen welche z.B. verschiedene Lösungsmittel, Harze, Füllstoffe und Zusätze enthalten. Um eine gleichbleibende Produktqualität sicherzustellen ist es nötig, sowohl die Rohstoffe als auch das fertige Produkt zu überprüfen und deren chemischen und physikalischen Eigenschaften zu testen. Die FT-IR Spektroskopie ist eine wertvolle Analysentechnik für verschiedenste Fragestellungen bei der Qualitätsprüfung, Produktion und auch in der Entwicklung von Klebstoffen. Die Prüfung von Identität und Qualität der eingehenden Rohstoffe kann ebenso mittels FT-IR erfolgen, wie die Prüfung und Quantifizierung des fertigen Produkts. In der Produktentwicklung kann die Aushärtung eines Stichworte Instrumente und Software Klebstoffe LUMOS FT-IR Mikroskop Qualitätskontrolle ALPHA FT-IR Spektrometer Schadensanalyse OPUS Spektroskopie Software Reaktionsverfolgung Wettbewerbsanalyse Klebers spektroskopisch verfolgt werden und anhand von IR-Spektren lässt sich die Zusammensetzung von Wettbewerbsprodukten ermitteln. Die IR-Mikroskopie ist eine leistungsfähige Methode zur Schadensanalytik, da auch kleinste Produktdefekte im Mikrometerbereich analysiert und visualisiert werden können. Bruker bietet mit dem ALPHA FT-IR Spektrometer das passende Instrument für die Wareneingangs- und Qualitätskontrolle sowie für die Produktentwicklung an. Das Spektrum einer Substanz kann innerhalb von Sekunden gemessen werden und erlaubt z.B. die Qualitätsprüfung eines eingehenden Rohstoffes oder die Analyse eines Konkurrenzproduktes. Dabei werden keinerlei Verbrauchsmaterialien oder Reagenzien benötigt, auch eine Probenvorbereitung entfällt im Normalfall. Mit Hilfe des FT-IR Mikroskops LUMOS können auch mikroskopisch kleine Proben wie Defekte, Partikel, und Einschlüsse analysiert werden, wobei auch hier in der Regel keine Probenvorbereitung erforderlich ist. Die ortsaufgelöste Untersuchung von Klebstoffen ist vor allem bei der Analyse von Produktfehlern sehr hilfreich, da hier häufig punktuelle Inhomogenitäten, Einschlüsse oder Verunreinigungen die Ursache sind. Schneller Spektrenvergleich Abbildung 2: Wareneingangsprüfung: das Ergebnis des Spektrenvergleichs eines Amin-Härters (blau) mit einem Referenzspektrum (rot) bestätigt die korrekte Identität des Materials Abbildung 1: LUMOS FT-IR-Microskop und ALPHA FT-IR-Spektrometer (Detail). Wareneingangskontrolle mit dem FT-IR Spektrometer ALPHA Das ALPHA (siehe Abbildung 1) ist ein sehr kompaktes Spektrometer welches über auswechselbare Messmodule an die verschiedensten Anforderungen angepasst werden kann. Die am häufigsten genutzte Messtechnik ist die so genannte abgeschwächte Totalreflexion (ATR). Die ATRTechnik ist aufgrund der entfallenden Probenpräparation eine sehr komfortable und schnelle Messmethode. Zur Aufnahme des IR-Spektrums muss die Probe lediglich in Kontakt mit dem ATR-Kristall gebracht werden. Zur Identitätsprüfung eines Rohstoffs wird sein IR-Spektrum nach der Messung über einen von der Analysensoftware OPUS automatisch durchgeführten Spektrenvergleich mit einer oder mehreren Referenzproben verglichen. Unser Beispiel zeigt die Qualitätskontrolle eines Amin-Härters für einen Zweikomponenten-Epoxidharzkleber mit Hilfe des schnellen Spektrenvergleichs. Die eingehende Ware (blaues Spektrum) wird gegen eine Referenzprobe (rotes Spektrum) verglichen (siehe Abbildung 2). Der erhaltene Korrelationswert von über 99 % zeigt dass das Probenspektrum mit dem Referenzspektrum sehr gut übereinstimmt. Die Korrelation von Referenz und Probespektrum liegt über dem vordefinierten Schwellenwert von 98 %, folglich wird die Probe mit einem „OK“ bewertet. Neben dem gezeigten Vergleich gegen ein einzelnes Referenzspektrum ist es auch möglich gegen ein Mittelwertsspektrum aus vielen Referenzproben einer Substanz zu vergleichen um Produkttoleranzen besser abzubilden. Zudem ist auch ein Vergleich gegen mehrere verschiedene Substanzen möglich. Messung der Aushärtezeit eines Klebstoffes mit dem ALPHA-Spektrometer Dieses Beispiel veranschaulicht die Reaktionsverfolgung eines Klebstoffes mittels des ALPHA FT-IR Spektrometers. Dabei kann mit Hilfe der Reaktionsverfolgungsfunktion in OPUS der gesamte Aushärteprozess mit einer zeitlichen Auflösung von bis zu ca. einer Sekunde verfolgt werden. Im Folgenden wird die Reaktionsverfolgung des Aushärtevorgangs eines Kunststoffklebers gezeigt. Der Klebstoff besteht im Wesentlichen aus Butylacetat, Aceton und Polymethylmethacrylat (PMMA). Zur Messung wurde ein kleiner Tropfen auf dem Diamantkristall der ATR-Einheit platziert und dann automatisiert Spektren in einem Abstand von 30 Sekunden gemessen. Abbildung 3 zeigt die zeitliche Reaktionsverfolgung Abbildung 3: Bildschirmausschnitt einer Reaktionsverfolgung in der OPUS Software: Analyse der Aushärtung eines Kunststoffklebers. Links: 3D Plot der Spektren gegen die Zeit. Rechts: Relative Konzentrationsveränderungen. Rot: Butylacetat, blau: PMMA. Entwicklung der Komponenten Butylacetat und PMMA. Die Auswertung erfolgte durch Integration substanzspezifischer spektraler Banden bei 1144 cm -1 (PMMA) und 1040 cm -1 (Butylacetat). Der Anteil von PMMA (blaue Kurve) steigt erwartungsgemäß durch das Verdunsten der Lösungsmittel an, während die Kurve des Butylacetates (rot) vor einer kontinuierlichen Abnahme zunächst einen Anstieg zeigt. Dieser Anstieg erfolgt aufgrund des sehr schnellen Verdunstens des Acetons in den ersten Minuten. Dadurch steigt die Konzentration des nur sehr langsam verdunstenden Butylacetates zunächst an, bis sie schließlich nach dem vollständigen Verdunsten des Acetons ebenfalls abnimmt. Die 3D-Darstellung in Abbildung 3 links zeigt den zeitlichen Verlauf der Butylacetat-Bande um 1040 cm -1. Wettbewerbsanalyse eines Klebstoffes mit dem ALPHA-Spektrometer Die Analyse von Wettbewerbsprodukten kann Impulse für die Entwicklung eigener Produkte bringen und ggf. helfen Patentverletzungen zu identifizieren. Zur Identifikation unbekannter Materialien wird die Spektrensuche in Referenzbibliotheken angewandt. Die in der OPUSSpektroskopiesoftware enthaltene Mischungsanalyse ermöglicht zudem Einzelkomponenten komplexer Gemische zu bestimmen. Unser Beispiel zeigt die Analyse eines Vielzweckklebers unbekannter Zusammensetzung. Zunächst wurde ein Tropfen des Klebers auf dem Diamantkristall der ATREinheit platziert und vermessen. Im Anschluss erfolgte eine Bibliothekssuche des Spektrums unter Anwendung des Mischungsalgorithmus. Abbildung 4 zeigt das Resultat der Mischungsanalyse (rot). Das Differenzspektrum (grün) aus Anfrage- und Kompositspektrum zeigt folglich nur geringe Abweichungen an. Der Klebstoff besteht folglich aus Wasser und auf Polyacrylat basierenden Harzen. Schadensanalyse mit dem FT-IR Mikroskop LUMOS. Das FT-IR Mikroskop LUMOS (Abbildung 1) ist ein leistungsfähiges Werkzeug bei der Schadensanalyse: Es erlaubt überall auf der Probe ein IR-Spektrum mit hoher örtlicher Auflösung zu messen und dadurch die chemische Zusammensetzung einer Defektstelle in der Probe zu ermitteln. Aufgrund der herausragenden ATR-Messperformanz ist das LUMOS in der Lage die meisten Proben ohne Vorbereitung zu analysieren. Durch seine vollständige Automatisierung und eine intuitive Nutzerführung durch die Analysenschritte ist die Bedienung des LUMOS sehr einfach. Die Beispielprobe ist ein ausgehärtetes Stück Klebstoff welches auf einer PET-Folie aufgebracht ist und mikroskopisch kleine weiße nadelförmige Kristalle zeigt. Zur Analyse wurde die Probe in den Probenhalter des Mikroskops geklemmt und mittels eines Skalpells ein glatter Probenquerschnitt erzeugt. Da der Defekt im unpolarisierten Licht kaum zu sehen war, wurden bei der Aufnahme des visuellen Bildes die motorisierten Polarisatoren des LUMOS zur Kontrastverstärkung genutzt. Im Anschluss wurde ein Probenareal von 375 x 250 µm über eine automatisierte Rastermessung analysiert, wobei 15 x 10 Messpunkte mit einer Blendengröße von 25 x 25 µm gemessen wurden. Diese Spektren lassen sich über mathematische Methoden (Bandenintegration, Clusteranalyse, Faktorisierung) in so genannte chemische Bilder überführen, welche Aussagen über die lokale chemische Zusammensetzung der Probe erlauben. Abbildung 5 zeigt repräsentative Spektren des reinen Klebstoffes in Blau und der kristallinen Abweichung in Rot. Die vergrößerte DarSpektrenvergleich Abbildung 4: Resultat der Mischungsanalyse eines unbekannten Klebstoffs. Das Kompositspektrum (blau) zeigt eine hohe Übereinstimmung mit dem Anfragespektrum (rot), Differenzspektrum in grün. Spektrensuche: Das von dem Mischungsalgorithmus aus den gefundenen Einzelkomponenten berechnete Kompositspektrum (blau) deckt sich sehr gut mit dem gemessenen Anfragespektrum Wellenzahl cm -1 Abbildung 5: Die Spektren des ausgehärteten Kunststoffs (blau) und der Kristalle (rot). stellung verdeutlicht die spektralen Unterschiede und zeigt zugleich die Bande bei 1680 cm -1 welche zur Visualisierung im chemischen Bild in Abbildung 6 integriert wurde. Anhand der zusätzlichen Bande bei 3267 cm -1 kann geschlossen werden, dass es sich bei der Verunreinigung wahrscheinlich um eine stickstoffhaltige Verbindung (z.B. ein Amid) handelt. Das Spektrum der kristallinen Substanz wurde mit dem Spektrum einer Referenzsubstanz verglichen, die im Verdacht stand, den Defekt zu verursacht zu haben (Abbildung 7). Da die spezifischen spektralen Charakteristika der Kristalle im Refrenzspektrum fehlen, kann die Referenzsubstanz als Verursacher des Problems ausgeschlossen werden. Spektrenvergleich Visuelle Bildgebung Wellenzahl cm -1 Abbildung 7: Vergleich des Spektrums der Kristalle (rot) mit einer Referenzprobe (schwarz). Abbildung 6: Dem visuellen Bild überlagertes chemisches Bild einer Klebeschicht. Das chemische Bild wurde durch Integration einer Bande bei 1680 cm -1 erzeugt, die charakteristisch ist für Kristalle innerhalbe der Klebeschicht. Zusammenfassung Das FT-IR Spektrometer ALPHA bietet eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten bei der Analyse von Klebstoffen. Neben der Wareneingangskontrolle und der Qualitätssicherung des Produktes erlaubt die FT-IR Spektroskopie auch die Verfolgung der Aushärtung von Klebstoffen sowie die Analyse von Wettbewerbsprodukten. Das LUMOS FT-IR Mikroskop erlaubt es gezielt Defekte und Einschlüsse in Klebestellen zu analysieren, die erreichbare Auflösung liegt dabei im Bereich von wenigen Mikrometern. Bruker Optics Inc. Bruker Optik GmbH Bruker Hong Kong Ltd. Billerica, MA · USA Phone +1 (978) 439-9899 Fax +1 (978) 663-9177 [email protected] Ettlingen · Deutschland Phone +49 (7243) 504-2000 Fax +49 (7243) 504-2050 [email protected] Hong Kong Phone +852 2796-6100 Fax +852 2796-6109 [email protected] www.bruker.com/optics Bruker Optics is continually improving its products and reserves the right to change specifications without notice. © 2014 Bruker Optics BOPT-4000804-01
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