1
Das sucht sich keiner aus!
Pädophilie –
Prävention im Hell- und Dunkelfeld
Monika Egli-Alge, lic. phil. I
Fachpsychologin Psychotherapie und Rechtspsychologie FSP/SGRP
Forensisches Institut Ostschweiz
forio.ch
2
Hintergrund
n 
n 
n 
n 
n 
Begriffe
Wissenschaftliche Basis
Pädophilie-DunkelfeldPräventionsprojekt
Charité Berlin
Behandlungskonzept
forio
Prävention
3
Warum eigentlich?
n 
n 
n 
n 
n 
WHO 2013: 9.6% aller Kinder und Jugendlichen werden
Opfer von sexuellem Missbrauch
13.4% aller Mädchen, 9.6% der Jungen
18 Mio Kinder und Jugendliche
Retrospektive Befragung Deutschland (Wetzels 1997):
Sexuelle Übergriffe: 18% der Frauen, 7.3% der Männer
Befragung von Kindern und Jugendlichen nach sexueller
Viktimisierung (Finkelhor 2005): 1 von 12 Kindern (8.3%);
signifikant häufiger Mädchen
4
Darum!
5
„Pädophilie-Initiative“
n 
n 
n 
Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:
Art. 123c (neu) Massnahme nach Sexualdelikten
an Kindern oder an zum Widerstand unfähigen
oder urteilsunfähigen Personen
Personen, die verurteilt werden, weil sie die
sexuelle Unversehrtheit eines Kindes oder einer
abhängigen Person beeinträchtigt haben,
verlieren endgültig das Recht, eine berufliche
oder ehrenamtliche Tätigkeit mit Minderjährigen
oder Abhängigen auszuüben.
6
Sicherheit?
n 
Wahrscheinlichkeit eines erneuten sexuellen
Kindesmissbrauchs bei bereits verurteilten
Sexualstraftätern
n 
Pädophile: 50% - 80%
Nicht-Pädophile: 10% - 30%
7
Bagatellisieren – dramatisieren
8
figures and facts – Übersicht
n 
n 
n 
n 
Pädophilie definiert Beier als "eine medizinische
Diagnose für Menschen, die eine sexuelle
Ansprechbarkeit für den kindlichen Körper
aufweisen“
Beier weist nach, dass 40 bis 50 Prozent der Täter
bei Fällen sexuellen Missbrauchs pädophil sind
Seto et al, 2009: 50% aller Täter bei sexuellem
Kindsmissbrauch waren pädophil
Mokros, Osterheider et al, 2011: 25-40% aller Fälle
bei sexuellem Missbrauch wurden von pädophilen
Tätern begangen
9
Definition
Quelle: Prof. Beier, Präventionsprojekt Dunkelfeld
n 
n 
Menschen
unterscheiden sich
voneinander
hinsichtlich ihrer
sexuellen Wünschen
und Vorlieben
Wissenschaftlich
werden diese
Vorlieben als sexuelle
Präferenz bezeichnet
10
Sexuelle Präferenz – 3 Achsen
n 
Sexuelle Orientierung
auf ein Geschlecht orientiert
n 
Sexuelle Ausrichtung
auf ein Körperschema/körperliches Entwicklungsalter
(ausschliesslich/nicht ausschliesslich)
n 
Sexuelle Neigung
Art und Weise der Interaktion (Situationen,
Beziehungsgestaltung)
Typen/Merkmale von Sexualpartnern/-Objekten
(Aussehen, Charakter, Geruch, Geschmack)
11
Sexualität – 3 Ebenen
n 
Sexuelle Fantasie
sexuelle Fantasien und Tagträume, Begleitfantasien bei
der Selbstbefriedigung
typische orgasmusauslösende Fantasien
n 
Sexuelles Verhalten
Sämtliche sozio-sexuelle Kontakte, Selbstbefriedigung,
Pornographie-Nutzung
typische orgasmusauslösende Handlung
n 
Sexuelles Selbstkonzept
Selbstbeschreibung als sexuell handelnde und
partnerschaftlich gestaltende Person
12
Modelle der Entwicklung sexueller Präferenz
aus Sicht der Patienten
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
Pornokonsum, Internet
Mangelnder sexueller und/oder partnerschaftlicher Erfolg
Mangelnde emotionale Zuwendung der Eltern
Frühgeburt, körperliche Erkrankungen in der Kindheit
Langeweile, Frust, Arbeitslosigkeit, Stress
Mangelndes Selbstbewusstsein, fehlende soziale
Kompetenz
Soziale Isolation
Frühe sexuelle Erfahrungen/Missbrauch als Kind
Traumatische/nicht gelebte Kindheit (Vernachlässigung)
13
Modelle der Entwicklung sexueller Präferenz
aus wissenschaftlicher Sicht
n 
n 
n 
Lerntheorie
Prägungsvorgänge
Psychoanalyse
radikale Betonung von sexuellen Wünschen, verfehlte
Verarbeitung normaler Entwicklungskonflikte. „Perverse
Plombe“ als Reparaturmechanismus einer brüchigen
Identität
Biomedizin
Hirnmorphologische Veränderungen, Störungen der
Hormone und Neurotransmitter
èUrsachen sind unklar
14
n 
Angelegte sexuelle
Skripte werden in
der Pubertät
sexualisiert und
nehmen Gestalt an
15
Sexuelle Präferenz – Fazit
n 
n 
n 
welches Geschlecht (männlich, weiblich oder
männlich und weiblich) ein begehrter
Sexualpartner haben soll,
welches körperliche Entwicklungsstadium
(kindlich, jugendlich, erwachsen) der begehrte
Sexualpartner haben soll und
wie mit dem begehrten Sexualpartner
idealerweise Sexualität gelebt werden soll, das
heisst welche sexuellen Praktiken als besonders
erregend erlebt werden.
16
Geschichte
n 
n 
n 
Krafft-Ebbing,
1840-1902
Beier, Bosinski, Berner
Seto, Ahlers, Neutze,
Osterheider, Mokros
17
Richard von Krafft Ebing, 1840-1902
18
The 3 big B!
n 
n 
n 
Professor Wolfgang Berner, Hamburg:
Perversion, 2011
Professor Hartmut A.G. Bosinski, Kiel:
Geschlechtsidentitätsstörungen, 2009
Professor Klaus M. Beier, Berlin:
Sexuelle Gesundheit und partnerschaftliche
Zufriedenheit, 2004
19
Pädophilie und Hebephilie
n 
n 
n 
n 
Pädophilie
ICD-10: F65.4
DSM V: 302.2
sexuelle Ansprechbarkeit
durch ein vorpubertäres
Körperschema
n 
n 
n 
Hebephilie
ICD-10: F65.4
DSM V: 302.9 NOS
sexuelle Ansprechbarkeit
durch ein frühpubertäres
Körperschema
20
Kriterien DSM IV-TR
A. Über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende
intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte
Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die sexuelle Handlungen mit
einem präpubertären Kind oder Kindern (in der Regel 13 Jahre oder
jünger) beinhalten.
B. Die Phantasien, sexuell dranghaften Bedürfnisse oder
Verhaltensweisen verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden
oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen
wichtigen Funktionsbereichen.
C. Die Person ist mindestens 16 Jahre alt und mindestens 5 Jahre
älter als das Kind oder die Kinder nach Kriterium A.
21
Fassen wir zusammen!
n 
n 
n 
n 
Manifestiert sich als ausschliesslicher oder nichtausschliesslicher Typ im Jugendalter und ist
anschliessend kategorial stabil
Geht einher mit wiederholt auftretenden sexuellen
Fantasien, Wünschen und Verhaltensimpulsen, bezogen
auf den gewünschten Sexualpartner und die gewünschte
Sexualpraktik
ICD-10: für die Diagnose massgeblich sind
ausschliesslich sexuelle Fantasien und Impulse
DSM V: Diagnosemerkmale sowohl präferenz- als auch
verhaltensorientiert
22
Aber:
n 
Sexuelle Präferenz ist Schicksal, nicht Wahl!
n 
Präferenzstörung ≠ Verhaltensstörung!
23
24
25
Prävalenz der Pädo-/Hebephilie
n 
n 
n 
n 
Bisher wissenschaftlich angenommen: 1 - 5%
Populationsbasierte Erhebungen:
Ahlers et al 2005 (N=367):
Sexuelle Fantasien: 9.5%
Masturbationsfantasien: 5.9%
Sexuelle Kontakte: 3.8%
Dombert et al 2015 (N=8718):
Sexuelle Fantasien: 4.1%
Sexuelle Kontakte: 1.5%
26
Komorbide Störungen
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
Dysthymie (schwere Depression)
Alkoholabusus
Unipolare Störung
Phobien
Bipolare Störung
ADHS
Sexuelle Dysfunktionen
PTBS
Psychosen
27
28
Georg S.
n 
n 
n 
43 Jahre alt, alleinstehend, langjährig in
angenehmer Partnerschaft mit gleichaltriger
Frau. Guter Bildungsstand und gehobene
berufliche Position, EFH-Besitzer, Götti und
Onkel
Weiss (retrospektiv) seit 15.-tem Lebensjahr,
dass er „pädophil“ ist
Präferenz: Knaben zwischen 8 und 11
Jahren
29
n 
n 
n 
n 
Trennt sich von Partnerin, weil er die Lügen
nicht mehr aushält (phantasiert orgasmusauslösend beim Geschlechtsverkehr mit der
Partnerin Bilder von nackten Jungen im
Präferenzalter)
Dünnt Kontakt zur Familie des Bruders aus,
als sein Neffe und Patenkind ins
Präferenzalter kommt
Bilder aus Modekatalogen sind seine einzige
Quelle
Keine sexuellen Handlungen mit Kindern
30
n 
n 
n 
n 
n 
n 
Meldet sich nach einem Artikel über das
Angebot in den lokalen Medien über die
Hotline und lässt sich erst anonym
telefonisch beraten
Vereinbart einen ersten Beratungstermin
Outet sich und nimmt das Angebot in
Anspruch
Diagnosephase
Homopädophilie (8-11), ausschliesslicher
Typus
Leichte rezidivierende Depression
31
n 
n 
n 
n 
n 
Behandlungsplanung: Fokussierte
Einzelpsychotherapie (auf ausdrücklichen
Wunsch von Herrn S.), SSRI
Bearbeitung aller Behandlungsthemen in
regelmässigem Verlauf während 2 Jahren
Exazerbierung der Depression mit
zunehmenden Suizidgedanken
Hospitalisierung in einer Psychiatrischen
Klinik zur Behandlung der inzwischen
schweren Depression
Klinikaustritt: ambulante einzeltherapeutische
Weiterbehandlung im forio
32
n 
n 
n 
n 
n 
n 
Hospitalisierung aufgrund
Bandscheibenvorfalls
Aufsetzen einer Patientenverfügung mit dem
Wunsch nach Unterlassung von
lebenserhaltenden Massnahmen
Auseinandersetzung mit Outing,
insbesondere gegenüber der Mutter
Eintritt in eine Behandlungsgruppe für die
Dauer von 1 ½ Jahren
Behandlungsabschluss
Weitmaschige Nachsorge
33
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
Lebenssituation bei Abschluss und aktuell:
Herr S. lebt alleine, pflegt einen kleinen
Freundeskreis
Beruflich weiterhin etabliert
Keine Suizidgedanken
Behandlung mit SSRI wird unter
hausärztlicher Kontrolle fortgesetzt
Intensivierung der Kontakte zur Familie des
Bruders und seinem Patenkind, nachdem
dieses das Präferenzalter überschritten hat
Sexuelle Aktivitäten mittels Masturbation
34
Häusliche Gewalt
35
Angehörige
n 
n 
n 
Angehörige erfahren meist eher „zufällig" von den
sexuellen Aktivitäten ihrer Partner oder anderer
Familienmitglieder.
Oft stossen sie auf Bildmaterial im Computer oder
finden Bildersammlungen an anderen Orten.
Die möglichen Reaktionen auf diese Entdeckungen
sind verständlich
36
Themen
n 
n 
n 
n 
Angst vor den Folgen der Entdeckung für Familie
und Partnerschaft
Furcht vor polizeilichen Ermittlungen, den
Reaktionen der Bekannten und Nachbarn oder vor
finanziellen Ruin
Sorge um die Sicherheit der eigenen Kinder
sich verraten und betrogen fühlen, weil der geliebte
Mensch noch ein „anderes Leben" geführt hat
37
n 
n 
n 
n 
Ekel und Abscheu vor den Bedürfnissen und
Fantasien des Anderen
Wut auf den Partner, der „egoistisch" seine
Interessen auf Kosten anderer verfolgt
Scham und Schuld, weil man meint, man hätte es
früher merken müssen oder fürchtet,
mitverantwortlich zu sein
Hin- und Hergerissen sein, weil man nicht weiss, ob
man sich an die Polizei wenden soll oder muss
38
39
Silvano M.
n 
n 
n 
n 
n 
Herr M.‘s Partner entdeckt „per Zufall“
kinderpornographische Bilder auf dem
gemeinsamen PC
Ohne dies offenzulegen, wendet er sich ans
forio und sucht Beratung
Nach Erstberatung motiviert er Herrn M. zu
einer gemeinsamen Beratung
Herr M. steigt in die Diagnostikphase ein
Behandlungsplanung mit Partner
40
„Du bist nicht schuld an Deinen sexuellen
Gefühlen, aber Du bist verantwortlich für
Dein sexuelles Verhalten! Es gibt Hilfe!
Werde kein Täter!".
41
Und jetzt?
Pädophilie/Hebephilie: sexuelle Präferenz als unveränderbarer Zustand
Fantasieebene
pädophile/hebephilie
Impulse
Handlungsimpuls
Verhaltensebene
Sexueller Missbrauch
Nutzung von
Missbrauchsabbildungen
Erhöhung der Verhaltenskontrolle (tatsächliche Kontrolle als primärer Endpunkt)
Medikamentöse
Dämpfung sexueller
Impulse
Modifikation weiterer
Risikofaktoren
(Motivation, Einstellung,
Opferempathie,
Risikowahrnehmung)
Einbezug naher
Bezugspersonen/
Angehörige
42
43
44
n 
n 
n 
Das Projekt startete im Jahre 2005 in Berlin.
Mittlerweile gibt es Standorte in Gießen, Kiel,
Hamburg, Hannover, Leipzig, Regensburg und
Stralsund. Weitere Anlaufstellen sind geplant.
Alle Standorte haben sich zu einem
Präventionsnetzwerk mit gemeinsamen
Qualitätsstandards zusammengeschlossen. Ziel
ist es, ein bundesweites, flächendeckendes
therapeutisches Angebot zu etablieren
Seit 2006: Kooperation mit forio
45
Zielgruppe
n 
n 
n 
Personen, die bislang keine Straftaten (sexuelle
Übergriffe, Konsum von Missbrauchsabbildungen)
begangen haben, aber befürchten, diese in der
Zukunft zu begehen,
Personen, die bereits Straftaten begangen haben,
aber den Strafverfolgungsbehörden nicht bekannt
sind,
Personen, die bereits Straftaten begangen haben
und dafür angezeigt und/oderrechtskräftig verurteilt
wurden, ihre Strafe vollständig verbüßt haben und
erneut befürchten straffällig zu werden
46
Nicht eingeschlossen sind...
n 
... Personen, gegen die aktuell wegen
möglicher Straftaten ermittelt wird, die ihre
Strafe nicht vollständig verbüsst haben und/
oder deren Urteil Auflagen beziehungsweise
Bewährung beinhaltet.
47
Primäre Prävention
n 
therapeutische
Prävention, wenn
Betroffene befürchten,
einen sexuellen
Übergriff gegenüber
Kinder/Jugendlichen
zu begehen
beziehungsweise sich
zu Kinderpornografie
hingezogen fühlen
48
Sekundäre Prävention
n 
therapeutische
Interventionen bei
bereits begangenen
sexuellen Übergriffen
beziehungsweise
bestehender Nutzung
von Missbrauchsabbildungen
49
Voraussetzungen
n 
Wer die Therapie an
einem der Standorte in
Anspruch nehmen will,
muss bezüglich seiner
auf Kinder gerichteten
sexuellen Impulse über
ein Problembewusstsein
verfügen und von sich
aus therapeutische Hilfe
in Anspruch nehmen
wollen.
50
Therapieziele 1
n 
n 
n 
die angemessene Wahrnehmung und
Bewertung ihrer sexuellen Wünsche und
Bedürfnisse,
die Identifizierung und Bewältigung
gefährlicher Entwicklungen,
Strategien zur Verhinderung von sexuellen
Übergriffen.
51
Therapieziele 2
n 
n 
Kenntnis und Akzeptanz der eigenen Sexualität
ermöglichen das Erkennen und Bewerten
eigener Gefühle und Verhaltensweisen, die zu
Risikosituationen führen können
Verbesserte individuelle Bewältigungsstrategien
für partnerschaftliche, soziale und/oder
berufliche Anforderungen senken das Risiko
dafür, sexuelle Übergriffe an Kindern zu
begehen sowie Kinderpornografie zu nutzen.
52
Therapieziele 3
n 
n 
Die Stärkung der Fähigkeit zur
Perspektivübernahme des Kindes sowie die
Aufklärung über Fehlannahmen bezüglich
Kinderpornografie, Sexualität und sexueller Reife
von Kindern, senken die Bereitschaft von
Übergriffen und den weiteren Konsum von
Kinderpornografie.
Spezielle Medikamente bei entsprechender
Indikation helfen sexuelle Impulse auszuleben sowie
zu dämpfen, um so mehr Raum für
Verhaltensänderungen zu erhalten.
53
Therapieziele 4
n 
Die Therapieinhalte werden abschliessend in einem
"Präventions- und Zukunftsplan" zusammengeführt
und festgehalten. Die Wirksamkeit der Therapie wird
zu verschiedenen Messzeitpunkten evaluiert.
54
Therapieziele 5
n 
n 
Der Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit liegt
auf der Gruppentherapie; in begründeten
Einzelfällen können auch Einzeltherapien
durchgeführt werden
Paargespräche: Um den besonderen Belastungen
der Beziehung gerecht werden zu können, besteht
im Rahmen des Präventionsprojekts auch die
Möglichkeit, Paargespräche zu vereinbaren
55
Inanspruchnahme Juni 2005 - Februar 2010
n 
n 
n 
Kontaktaufnahme:
1134
Klinische
Diagnostik: 499
Therapieangebot:
255
56
Wer meldete sich im Projekt in Berlin?
n 
n 
n 
n 
n 
n 
Durchschnittlich 38 Jahre alt
50,2% besuchten mindestens 11 Jahre
Bildungseinrichtungen
72,3% zum Zeitpunkt der Beratung erwerbstätig
Erstes Problembewusstsein mit durchschnittlich
22 Jahren
49,2% haben ihre sexuellen Neigungen bereits
einem Therapeuten oder Arzt offenbart
47,3% hatten innerhalb der letzten 6 Monate
Kontakt zu einem Therapeuten/Arzt
57
Angebot für Angehörige
n 
Im Rahmen des Projektes wird Angehörigen die
Möglichkeit geboten, sich bei einer der Ambulanzen
Unterstützung im Umgang mit dem neu erworbenen
Wissen und den daraus entstehenden Konflikten zu
holen
58
Ergebnisse
n 
n 
Die Erfahrungen des Projektes der Charité zeigen,
dass Menschen, die durch Kinder und/oder
Jugendliche sexuell erregbar sind, motiviert werden
können, therapeutische Unterstützung in Anspruch
zu nehmen, um keine sexuellen Übergriffe gegen
Kinder und/oder Jugendliche zu begehen.
Im Laufe der Therapie wurde bei einem Grossteil
der Projektteilnehmer eine Abnahme
problematischer Einstellungen sowie eine Zunahme
der Fähigkeit, sich in ein potenzielles Opfer
einzufühlen und dessen Perspektive einzunehmen,
erreicht.
59
60
61
Die Behandlungsprogramme
n 
deliktorientiert
n 
kognitiv-verhaltenstherapeutisch
n 
gruppenpsychotherapeutisch
n 
SBA – Strengths Based Approach
62
Zentrale Bausteine aller Gruppen
n 
Ich – meine Delikte – meine Ziele
n 
Die Folgen für mich
n 
Mein Weg zum Missbrauch
n 
Empathie – die Sicht des Opfers
n 
Meine Denk- und Verhaltensmuster
n 
Mein Risikomanagement
n 
Nachsorge
63
Wirksamkeit und Evaluation
n 
Hanson et al 2002/2004/2006:
Metaanalyse über 43 outcome-Studien zur Wirksamkeit
der Behandlung von Sexualdelinquenten
n=9454
n 
Die Rückfallrate war über alle Studien hinweg bei den
behandelten Tätern kleiner (12.3%) als bei der
Vergleichsgruppe (16.8%)
n 
Neuere Behandlungsansätze (kognitivverhaltenstherapeutisch) zeigen die bessere Wirkung als
ältere (vor 1980)
64
Wirkung und Evaluation
Hanson et al
n 
Aktuelle Behandlungsprogramme zeigten Effekte in
Bezug auf Rückfallrate Sexualdelikte (17.4% - 9.9%)
und generell (51% - 32%)
n 
Neuere Behandlungsansätze (kognitivverhaltenstherapeutisch) zeigen die bessere
Wirkung als ältere (vor 1980)
65
Risk-Need-Responsivity
Andrews, Bonta 2006
n 
n 
n 
n 
Identifizieren, analysieren und managen von
individuellen Risiken
Entwicklung protektiver Faktoren und
Mechanismen
Durch gezielte Interventionen, die Männer
und ihr Umfeld gemäss individueller
Notwendigkeit mit einbeziehen.
Aufeinander abgestimmte Massnahmen
66
Good-lives Model
Tony Ward 2006
n 
n 
n 
n 
n 
n 
Coping mit Schwächen und Risiken
Definieren und Entwickeln von Ressourcen
und Stärken
Entwickeln von mittel- und langfristigen
Perspektiven
Aufbau von Selbstwert und Selbstbild
Aufbau und Entwickeln von
Beziehungsfähigkeit
Sexualität im grünen Bereich
67
Menschliche Grundbedürfnisse
nach Ward und Steward
n 
n 
Freundschaften, erfüllende Tätigkeit (Arbeit),
Liebesbeziehungen, Streben nach Kreativität,
sexuelle Befriedigung, positives Selbstbild und
intellektuell anregende Umgebung
Gemäss GLM sollen diese primären Ziele in der
Behandlung/Rehabilitation von Straftätern
leitend sein, was in der Folge die kriminogenen
Bedürfnisse reduziert
68
Setting und Rahmen
70
Setting 1
71
Setting 2
72
73
Settingkonstanten
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
2 Therapeuten,
Mann und Frau
14-täglich
90 Minuten
6 Teilnehmer
Pädophile
Hell-/Dunkelfeld
Kinderporno-User
40-80 Sitzungen
74
Nachhaltigkeit
n 
n 
n 
Eingeschliffene Muster
verlangen nach
einschleifenden
Massnahmen
Es gibt für schwieriges,
delinquentes oder
deviantes Verhalten
keine schnellen
Lösungen
Nachhaltigkeit braucht
Zeit
Finanzierung
n 
n 
n 
n 
Idee und Konzeptentwicklung: forio
Gerichtlich Zugewiesene: Justiz
Freiwillige ohne Diagnose: Selbstzahler
Freiwillige mit Diagnose: Krankenkasse
76
Therapeutische Basis
n 
n 
n 
n 
Evidenzbasierte Verfahren im Rahmen der
Leitlinien der Fachgesellschaften
RNR, GLM, SBA
Gruppenpsychotherapeutische Techniken
Kognitiv-verhaltenstherapeutische, schematherapeutische, psychoedukative,
gesprächspsychotherapeutische
schulenübergreifende Methodik und Zugänge
78
Stufen nach Finkelhor
n 
Widerstand des Opfers überwinden
n 
Überwinden externer Hemmungen
n 
Überwinden interner Hemmungen
n 
Gedanken und Phantasien über sexuellen
Missbrauch
79
80
Risikomanagement DORM
81
Der Kontrollplan
n 
Risikomanagement:
to avoid – vermeiden!
to escape – aussteigen!
to cope – bewältigen!
n 
Und: Unterstützung!
Fördert den Transfer und erhöht die Kontrolle
82
Risikosituation
Selbstkontrolle
Fremdkontrolle
83
www.keinmissbrauch.ch
84
Diagnostik
n 
n 
n 
n 
n 
n 
Persönlichkeitsdiagnostik
Leistungsdiagnostik
Anamnese: Persönliche, Paar- und Familie
Differenzierte Sexualanamnese
Gegebenenfalls: Sexualmedizin
Gegebenenfalls: Tatumstände, forensische
Tatbeurteilung
85
Sexualanamnese
n 
n 
n 
n 
Sexualmedizinische Allgemein-Anamnese
SAA
Strukturierte Sexualanamnese SSA
Halbstrukturiertes Interview zur Erfassung
von Verhalten und Einstellungen von
Sexualstraftätern HIEVE
Reale/phantasierte Sexualität
86
Ampelsystem
87
SPA – Sexualpädagogische Pädo-Ampel
nach Ahlers
SOZIAL
ROT
ORANGE
GRÜN
KÖRPERLICH
Wohnung,
Streicheln,
Keller,
küssen,
unbeobachtete schmusen
Orte
Park, Zoo,
Schwimmbad
SEXUELL
Kinder
Händchen
Teenager,
halten, auf den Jugendliche
Schoss
nehmen
Familie,
Hand geben,
Nachbarschaft, unterhacken
Vereine
Erwachsene
BILDER
Pornographie
Posing Bilder
Akt-,
Katalogbilder
88
Behandlungsplanung
n 
n 
n 
n 
n 
Ziele der Behandlung
Setting
Psychotherapie:
Einzel oder Gruppe
Flankierende
Massnahmen
Medikamente
89
Behandlungsziele 1
n 
n 
n 
n 
n 
Akzeptanz der Unveränderbarkeit der
Störung
Deliktfreiheit
Entwickeln von Bewältigungsstrategien
Trauerarbeit
Behandlung komorbider Störungen
90
Behandlungsziele 2
Zunahme an....
n  Opferempathie
n  Verhaltenskontrolle
n  Bewältigungsstrategien
n  Vertrauen in die eigene
Impulskontrolle
(Selbstwirksamkeit)
n  Lebensqualität
Abnahme von....
n  Kognitiven Verzerrungen
n  Maladaptiven
Bewältigungsstrategien
n  Depressionen
n  Suizidgedanken
n  Dissexuellem Verhalten
91
Rückfallvermeidung
n 
Identifikation risikoreicher Situationen:
Emotionsregulation, Verhaltenskontrolle
n 
Entwickeln von Verhatensalternativen
n 
„allerletztes Rettungsmittel“
92
Was sind das für Menschen?
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
55 abgeschlossene Behandlungen
> 25 aktuell in einem Behandlungssetting
80% melden sich freiwillig, 20% verurteilt
Alter: 18 bis 68
Dauer der Behandlung: 2 Sitzungen - 4 Jahre
Aus allen sozialen Schichten
Alleinstehend, verheiratet, geschieden
Heterosexuell, homosexuell, bisexuell
93
Täter werden
n 
n 
n 
beeinträchtigt die
Gesamtentwicklung
bedeutet oft
lebenslange Folgen
bedeutet erhebliche
Kosten
94
Florian Baumer, 28, pädophil
n 
„..... stellt euch mal nur für fünf Minuten vor,
ihr wärt selber betroffen.
Stellt euch vor, welche psychische Belastung
und welch gravierende Konsequenzen das
auf euer Leben hätte.
Wärt ihr glücklich damit?
Würdet ihr euch selbst an die Wand stellen?“
95
96
Ausblick
n 
n 
n 
n 
Wir brauchen ein flächendeckendes
Beratungsangebot für Männer mit einer
Präferenzstörung
Wir brauchen ausreichend Mittel, politische
und gesellschaftliche Anerkennung
Wir brauchen im Bereich der Sexualmedizin
und der forensischen Psychotherapie
ausreichend qualifizierte Weiterbildungen
Wir brauchen Forschung
97
Häusliche Gewalt
98
99
Vielen Dank
für Eure Aufmerksamkeit!
100
Bilder: Daniel Ammann und Luis Egli
101
102