Geflüchtete willkommen heißen

KOMMENTAR
Heinz Meel
Arbeitseinsatz
der BUND-Ortsgruppe Reichenau
mit Asylsuchenden aus Eritrea.
Asylpolitik
Geflüchtete willkommen heißen
W
arum sollten sich BUND und BUNDjugend für
eine gerechte Asylpolitik einsetzen? Welchen
besonderen Zugang haben wir als Umweltverband zur
Krise der Asylpolitik? Was können wir zur Integration
von Menschen beitragen, die zu uns geflüchtet sind?
Viele Menschen suchen derzeit bei uns Schutz. Besonders sichtbar sind die Fluchtbewegungen aus den
Kriegsgebieten im Nahen Osten. Weniger Beachtung
erhalten Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten,
weil Umweltveränderungen ihre Existenz bedrohten.
Bis zum Jahr 2050 werden mindestens 200 Millionen
Menschen ihre Lebensgrundlage aufgrund des Klimawandels verlieren – so sagt es der Weltklimarat voraus.
Noch scheinen die in Europa bisher sichtbaren Flüchtlingsbewegungen nicht klimatisch bedingt zu sein. Wohl
aber spielt das extreme Wohlstandsgefälle eine Rolle.
Hier stehen wir in der Verantwortung. Als industrialisierter Norden tragen wir durch die Art, wie wir leben
und konsumieren, stark zur Ausbeutung des Südens bei.
Der Begriff des »Wirtschaftsflüchtlings« spricht den
Not leidenden Menschen ihre Schutzbedürftigkeit ab.
Und er leugnet unsere Verantwortung bei der Entstehung der Fluchtgründe.
BUND und BUNDjugend bekämpfen seit Langem
die Faktoren, deretwegen die Existenzgrundlage von
Menschen im globalen Süden in Schieflage gerät:
Landraub durch Industrieländer und Konzerne, Biopiraterie, unfaire Handelsabkommen, Überfischung
und vieles Weitere. Es liegt also nahe, dass sich ein
Umweltverband wie der unsere zu den aktuellen Ereignissen äußert und Menschen in Not willkommen heißt.
Eine Vielzahl gesellschaftlicher Gruppen hat bereits
Stellung bezogen und sich für eine menschenwürdige,
weltoffene Gesellschaft ausgesprochen. Auch die Bundesdelegierten des BUND haben jüngst – auf Antrag
der BUNDjugend – ihre Solidarität mit geflüchteten
Menschen bekundet. Der BUND steht Schutzsuchen-
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BUNDmagazin [1-16]
den und ihren UnterstützerInnen bei. Wir wenden uns
gegen die vielfältige Gewalt, der sie ausgesetzt sind.
Und wir fordern, den Rechtsstatus von Umwelt- und
Klimaflüchtlingen international anzuerkennen.
Ganz praktisch bieten viele BUND-Gruppen bereits
ihre Hilfe an: Sie organisieren Exkursionen, damit Kinder ihre neue Umgebung kennenlernen. Sie integrieren
Asylsuchende bei der Umweltbildung, geben ihnen die
Chance, sich sinnvoll zu betätigen und erste Kontakte
zu knüpfen – und erweitern so ihren eigenen Horizont.
Auch die BUNDjugend hat Geflüchtete gezielt eingebunden, hat mit ihnen gekocht und gegärtnert.
Nur gemeinsam retten wir die Welt
Zudem nimmt der BUND an dem Sonderprogramm
»Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug« teil.
Wer sich ehrenamtlich für Geflüchtete engagiert oder –
selbst geflüchtet – seit wenigstens drei Monaten in
Deutschland aufhält, kann sich über unsere Zentralstelle für einen der 10000 zusätzlichen Plätze bewerben.
(Kontakt: [email protected])
BUND und BUNDjugend beteiligen sich am gesellschaftlichen Diskurs. So wehren wir uns dagegen, die
Suche nach Unterkünften und den sozialen Wohnungsbau gegen Anliegen des Naturschutzes auszuspielen.
Die langjährigen Versäumnisse bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums dürfen jetzt nicht auf dem
Rücken der Asylsuchenden ausgetragen werden. Nur
gemeinsam können wir die Erde retten, jeder mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Je besser wir die
Geflüchteten in unser Gemeinwesen integrieren, um
so besser sind wir alle für die Zukunft gerüstet.
Lou Böhm, Sprecherin im Bundesvorstand der BUNDjugend, und Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND