Herrn Andreas Glarner SVP-Gemeinderat

⌃ Stefan Caamano
Moderation. Künstlervermittlung. Öffentlichkeitsarbeit.
Stefan Caamano, Rümlangstr. 1, CH-8052 Zürich
Herrn
Andreas Glarner
SVP-Gemeinderat
Bremgartenstrasse 21
8966 Oberwil-Lieli
Zürich, 23. September 2015
Ihre menschenverachtenden Äusserungen im NDR-Morgenmagazin »moma«
Geschätzter Herr Glarner,
auf diesem Wege nehme ich meine Verantwortung als ein in der Schweiz wohnhafter
Weltbürger wahr und nehme auf Ihre menschenverachtenden Äusserungen im Rahmen des
NDR-Morgenmagazins »moma« Bezug.
Die Flüchtlingslage auf dieser Welt ist derzeit prekär und schrecklich. Und die Lösung steht
wahrscheinlich auch Morgen nicht vor der Türe, da zu viele politische und finanzielle
Interessen im Spiel sind, die um Macht buhlen.
Leider kann ich ihrer Argumentation, die mich tief besorgt, nicht folgen. Weshalb verstecken
Sie sich – ihre Parteigenossen tun dies auch – hinter der Debatte, die behauptet, bei den
Flüchtlingen handle es sich primär um Wirtschaftsflüchtlinge und nicht um politisch
Verfolgte. Lassen wir doch die politischen Interessen aussen vor und begeben uns doch auf
das menschliche Terrain. Denn ob Wirtschafts-/Kriegsflüchtlinge oder politisch Verfolgte,
fernab von diesen Schubladen-Kategorien haben sie alle etwas gemeinsam: Es handelt sich
um Menschen, die in Not sind und sich gezwungen sehen, zu flüchten. Es handelt sich um
eine Familienmutter, die ihre 7-jährige Tochter bei einem Bombenanschlag verloren hat und
zusammen mit ihrer nun einzigen, 12-jährigen Tochter und ihrem Ehemann flüchtet. Das ist
leider lediglich eines von tausenden tragischen und schrecklichen Schicksalsschlägen.
Sie, Herr Glarner, haben als Mensch eine Verantwortung zu übernehmen.
Wir Menschen haben die Verantwortung und die Pflicht wahrzunehmen, Mitgefühl für unsere
Mitmenschen zu zeigen.
Als vermögender, geschäftstüchtiger Unternehmer, der günstige Rollatoren aus Fernost
importiert, können Sie das aktuelle Flüchtlingsdrama nicht isoliert betrachten. Denn die
prekäre Flüchtlingssituation betrifft die gesamte Welt – auch die Schweiz.
Stefan Caamano
Rümlangstrasse 1
8052 Zürich
+41 78 709 33 66
[email protected]
www.stefancaamano.ch
facebook.com/unterhalterstefan
⌃ Stefan Caamano
Moderation. Künstlervermittlung. Öffentlichkeitsarbeit.
Auf die Frage des NDR-Reportes, was Sie einer Flüchtlingsfamilie an der Grenze mitteilen
würden, gaben Sie zur Antwort: »Sie sollen umkehren». Später in der Reportage betonten
sie, dass seien Analphabeten, die in die Schweiz flüchten. Zudem entnehme ich ihrer
Website www.andreas-glarner.ch den Satz: »...hinter dem knallharten Politiker steckt mehr –
erfahren Sie es hier».
Woher stammt dieser Drang, sich als gnadenlosen, knallharten Politiker zu profilieren?
Woher auch immer dieser seinen Ursprung haben mag, empfinden Sie es nicht als pervers,
sich auf Kosten von grauenvollen menschlichen Schicksalsschlägen zu profilieren? Sind ihre
innersten Empfindungen tatsächlich so dunkel und knallhart?
Ich empfinde es als eine Anmassung, über menschliche Schicksale zu urteilen. Woher
nehmen Sie sich denn dieses Recht? Wer gibt Ihnen das Recht, über das Leben ihrer
Mitmenschen zu urteilen? Wer spricht Ihnen das Recht zu, darüber zu urteilen, dass es sich
bei Flüchtlingen um Analphabeten handelt?
Meinen Zeilen entnehmen Sie, dass ihre Äusserungen in mir viele Fragen geweckt haben.
Und ein tiefes Gefühl von Scham. Sollten Ihre menschenverachtenden Äusserungen
sinnbildlich für die »(Miss-)Entwicklung» unserer Gesellschaft sein, so möchte ich nicht teil
davon sein. Ich bitte Sie demnach als Bürger der Schweiz sowie als Bürger dieser Welt
ausdrücklich, weitere menschenverachtende Äusserungen zu unterlassen. Denn sie schüren
damit ein gehässiges, menschen- und fremdenfeindliches Klima in unserer Gesellschaft.
Und leider gibt es innerhalb dieses Klimas ausschliesslich Leidtragende.
Nachdem Sie dem NDR-Reporter geduldig die vielen positiven Zuschriften gezeigt haben,
die Sie aufgrund ihrer Äusserungen erhalten haben, hoffe ich, dass Sie mit ebensolcher
Geduld auf meine Zeilen und vor allen Dingen auf meine Fragen eingehen. Ich erwarte gerne
ihre Antwort. Meine entsprechenden Koordinaten entnehmen Sie der Fusszeile dieses
Schreibens.
Möge Sie in der Zwischenzeit viel Mitgefühl begleiten.
Ein auf Ihre Rückmeldung gespannter,
Stefan Caamano
Moderator, Künstlervermittler
PS. Geschätzter Herr Glarner, vergessen Sie bitte nicht, dass das menschliche Dasein mit
Pflichten einhergeht. Eine wesentliche Pflicht von uns allen besteht darin, unseren
Mitmenschen mit Mitgefühl zu begegnen.
Stefan Caamano
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