Landtag von Baden-Württemberg Kleine Anfrage Antwort

Landtag von Baden-Württemberg
Drucksache 15 / 7478
15. Wahlperiode
06. 10. 2015
Kleine Anfrage
des Abg. Dr. Friedrich Bullinger FDP/DVP
und
Antwort
des Ministeriums für Ländlichen Raum
und Verbraucherschutz
Forschungsauftrag des Ministeriums für Ländlichen Raum
und Verbraucherschutz
Kleine Anfrage
Ich frage die Landesregierung:
1. Trifft es zu, dass das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
Auftraggeber des Forschungsprojektes „Do people like nudges?“ ist, das derzeit gemeinsam vom Forschungszentrum Verbraucher, Markt und Politik (Zeppelin Universität) und der Copenhagen Business School durchgeführt wird?
2. Wenn ja, wann und in welchem Umfang wurden die genannten wissenschaftlichen Einrichtungen mit dem Projekt „Do people like nudges?“ beauftragt
(Forschungsinhalte und -ziele, Projektdauer, Fördermittel und entsprechende
Haushaltstitel)?
3. Ist ihr die gleichnamige Veröffentlichung des amerikanischen Verfassers Cass
Robert Sunstein vom 29. Juli 2015 bekannt?
4. Wenn ja, welche – über dessen fünf Schlussfolgerungen hinausgehenden – Erkenntnisse erhofft sie sich noch vom oben genannten Forschungsprojekt?
5. Inwieweit plant sie, auf Grundlage des oben genannten Forschungsprojektes
künftig im Verbraucherschutz verhaltenswissenschaftliche Interventionen anzuwenden (siehe dazu „Verbraucherpolitische Strategie 2014 bis 2020“ der
Landesregierung, Seiten 42/43)?
01. 10. 2015
Dr. Bullinger FDP/DVP
1
Eingegangen: 06. 10. 2015 / Ausgegeben: 09. 11. 2015
Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet
abrufbar unter: www.landtag-bw.de/Dokumente
Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeichnet mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.
Landtag von Baden-Württemberg
Drucksache 15 / 7478
Antwort
Mit Schreiben vom 28. Oktober 2015 Nr. Z(37)0141.5/582F beantwortet das
Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz die Kleine Anfrage wie
folgt:
Ich frage die Landesregierung:
1. Trifft es zu, dass das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
Auftraggeber des Forschungsprojektes „Do people like nudges?“ ist, das derzeit gemeinsam vom Forschungszentrum Verbraucher, Markt und Politik (Zeppelin Universität) und der Copenhagen Business School durchgeführt wird?
Zu 1.:
Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ist an der Forschungsstudie „Einstellungen zum Nudging – ein internationaler Vergleich“, die
vom Forschungszentrum Verbraucher, Markt und Politik und der Copenhagen
Business School durchgeführt wird, beteiligt.
2. Wenn ja, wann und in welchem Umfang wurden die genannten wissenschaftlichen Einrichtungen mit dem Projekt „Do people like nudges?“ beauftragt
(Forschungsinhalte und -ziele, Projektdauer, Fördermittel und entsprechende
Haushaltstitel)?
Zu 2.:
Die empirische Studie „Einstellungen zum Nudging – ein internationaler Vergleich“ untersucht die Akzeptanz des politischen Instruments Nudging. Ziel ist es,
die Einstellung der Bevölkerung gegenüber verschiedenen Nudges in ausgewählten europäischen Ländern, in Deutschland, und speziell in Baden-Württemberg zu
ermitteln. Geplant ist, die Ergebnisse mit der Studie „Do people like nudges?“ aus
den USA zu vergleichen.
Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz bewilligte dem
Forschungszentrum Verbraucher, Markt und Politik für die Durchführung des
Forschungsvorhabens „Einstellungen zum Nudging – ein internationaler Vergleich“ am 27. August 2015 eine Zuwendung in Höhe von maximal 20.000 Euro
aus Kapitel 0802, Titelgruppe 686 74 für die Projektdauer von 1. September bis
31. Dezember 2015.
3. Ist ihr die gleichnamige Veröffentlichung des amerikanischen Verfassers Cass
Robert Sunstein vom 29. Juli 2015 bekannt?
Zu 3.:
Ja, die Veröffentlichung „Do people like nudges?“ von Cass Sunstein vom 29. Juli
2015 ist bekannt.
4. Wenn ja, welche – über dessen fünf Schlussfolgerungen hinausgehenden – Erkenntnisse erhofft sie sich noch vom oben genannten Forschungsprojekt?
Zu 4.:
Von der Studie „Einstellungen zum Nudging – ein internationaler Vergleich“ erhofft sich das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Erkenntnisse darüber, welche Einstellungen Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber verhaltensbasierter Regulierung verschiedene Konsumbereiche haben. Diese
Frage wird für Deutschland und Baden-Württemberg beantwortet. Durch die Kooperation mit der Copenhagen Business School in Dänemark und der Harvard
University in USA ist zudem ein Vergleich mit unterschiedlichen Ländern Europas sowie den USA möglich.
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Landtag von Baden-Württemberg
Drucksache 15 / 7478
Verhaltensbasierte Regulierung wird weltweit in unterschiedlicher Form und in
unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Im verbraucher- wie im ernährungswissenschaftlichen Kontext ist Nudging inzwischen eine oft geführte Debatte. In der
Verbraucherpolitik könnten Nudges als informierende Hilfestellung eingesetzt
werden, die den Verbraucherinnen und Verbrauchern ein höheres Maß an Freiheit
in ihrer Entscheidung ermöglicht und Verbote und Gebote minimiert. Das vorliegende Wissen muss deshalb erweitert werden, um Möglichkeiten und Grenzen
aus Sicht des Verbraucherschutzes zu erörtern. Insofern ist sie grundsätzlich ein
relevantes neues Politikinstrument, insbesondere für die Verbraucherpolitik, über
dessen Chancen und Grenzen der Anwendung jedoch noch wenig Wissen vorliegt.
5. Inwieweit plant sie, auf Grundlage des oben genannten Forschungsprojektes
künftig im Verbraucherschutz verhaltenswissenschaftliche Interventionen anzuwenden (siehe dazu „Verbraucherpolitische Strategie 2014 bis 2020“ der
Landesregierung, Seiten 42/43)?
Zu 5.:
Zur Beantwortung wird auf die Kleine Anfrage des Abg. Dr. Friedrich Bullinger
FDP/DVP „Verhaltenswissenschaftliche Interventionen“ im Verbraucherschutz,
Drucksache 15/6514 vom 19. März 2015 verwiesen.
In Vertretung
Reimer
Ministerialdirektor
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