Saarstahl AG halbiert Produktion im Dezember

Schrottmarktinfo
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Nr. 035 von B. Guschall-Jaik, 22. Februar 2016
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Schrottmarktbericht Februar
Katerstimmung
Redaktionsschluss 22.02.2016
Zum Monatsbeginn signalisierten die deutschen Verbraucher einen eher geringen Zukaufbedarf und begründeten damit gleichzeitig ihre Preisabschläge. Nach schwierigen Verhandlungen reduzierten sie letztendlich je
nach Werk und Sorte die Einkaufspreise gegenüber dem Vormonat um durchschnittlich € 10 bis 15 pro Tonne. Während Neuschrott ausreichend zur Verfügung stand, war die Versorgung mit Altschrott nicht überall im
gewünschten Umfang möglich. Der Markt wurde zum Monatsende hin in den betroffenen Regionen etwas
fester. Zudem war die Auslastung der Werke unterschiedlich und deren Bedarf entsprechend angepasst, wobei der Schrotthandel von einer eingeschränkten Nachfrage im Westen und Norden der Republik berichtete,
während er sich mit dem Schrottbedarf im Osten und Südwesten zufrieden zeigte. Ein Schrottverbraucher
versuchte ein neues kreatives Schrotteinkaufskonzept aggressiv im Markt zu etablieren, mit Abschlägen über
dem aktuellen Marktniveau und geänderten Abschlussterminen. Nicht jeder Lieferant konnte sich damit anfreunden und entschied sich für eine Belieferung mit Kontaktmengen. In der Folge freuten sich andere Werke,
die die Mengen aufnehmen konnten. Um seinen Bedarf sichern zu können, musste besagter Verbraucher
letztendlich zu Marktpreisen einkaufen. Ob dies im gewünschten Umfang möglich war, wird sich im kommenden Monat zeigen. Die Klagen des Handels über den mangelnden Altschrotteingang sind unüberhörbar; außerdem gab es wie oben bereits erwähnt Berichte, dass einige Verbraucher gerne mehr gekauft hätten als
ihnen angeboten werden konnte. Im Februar beeinflusste darüber hinaus eine erfreulich hohe Nachfrage türkischer Verbraucher das Mengengefüge, was in den kommenden Monat hinein spürbar sein dürfte.
Nachbarländer
Die Preisabschläge der italienischen Verbraucher lagen im Berichtsmonat mit € 5 bis 20 pro Tonne weit
auseinander und richteten sich nach der Auslastung der nachfragenden Werke, die insgesamt bei durchschnittlich 60 Prozent liegen soll. Lediglich ein Werk hat größere Schrottmengen zugekauft und dafür die geringste Preissenkung vorgenommen. Noch warten die italienischen Hersteller auf die Erteilung von Lieferlizenzen für Betonstahl durch ihren wichtigsten Abnehmer Algerien, die eigentlich bereits für die KW 6 angekündigt gewesen sind. In Erwartung eines dadurch wieder steigenden Absatzes haben die italienischen Hersteller die Betonstahlpreise bereits um € 5 bis 10 pro Tonne erhöht und in der KW 7 den inländischen Schrottlieferanten nur noch € 5 pro Tonne weniger gezahlt als im Vormonat. Während Algerien seinen Markt kurzer
Hand seit Jahresbeginn abgeschottet hat, versuchen die Hersteller aus Spanien und Italien ihre Produktion
derweil zu günstigen Konditionen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden abzusetzen, was dort den
Druck auf die Preise erhöht. Die Werke in der Schweiz bezahlten für Importschrotte aus Deutschland € 10 bis
15 pro Tonne weniger als im Vormonat. Trotzdem war der Zulauf zufriedenstellend. Kurzfristige sind die Werke gut ausgelastet, die langfristige Auslastung ist jedoch wie bei vielen Produzenten in Europa ungewiss. Der
Verbraucher in Luxemburg senkte letztendlich bei gutem Bedarf seine Zukaufpreise um durchschnittlich € 10
pro Tonne. In Frankreich und Belgien reduzierten die Verbraucher bei gegenüber dem Vormonat vermindertem Bedarf je nach Werk, die Preise um € 15 bis 20 pro Tonne, während in den Niederlanden die Inlandspreise um € 5 bis 10 pro Tonne gefallen sind. Aus dem Nachbarland kamen Nachrichten über weitere Insolvenzen sowie über Händler, die ihre Betriebe schließen, weil eine Fortführung nicht mehr lohnend ist oder in
Folge von fehlenden Nachfolgern Konsequenzen gezogen werden. Ähnliches wird ebenfalls aus Deutschland
berichtet. Die Preisabschläge Richtung Polen und Tschechien entsprachen dem deutschen Niveau, wobei
die Altschrottbeschaffung aus Tschechien schwierig war.
Gießereien
Verbraucher von Gießereischrott, deren Einkaufspreise an keinen Index gebunden sind, senkten im Februar
die Einkaufspreise gegenüber Januar je nach Sorte und Region um € 5 bis 10 pro Tonne. Während Gießereien, die für die Automobil- oder Windkraftindustrie produzieren gut ausgelastet sind und einen hohen Bedarf
haben, leiden diejenigen, die für den Maschinenbau produzieren immer noch unter einer schwachen Auslastung. Zum Teil hatte der Handel sogar das Problem auf Abrufe für bestimmte Sorten rechtzeitig reagieren zu
können. Die Roheisenhersteller bemühen sich nach wie vor ihre Preise zu erhöhen. Ob ihnen das gelingen
wird, zeigt sich wahrscheinlich im kommenden Monat. Der sinkende Eurokurs gegenüber dem US-Dollar verteuert die Beschaffung der deutschen Verbraucher.
Alle Zahlen ohne Gewähr.
Schrottmarktinfo
Drittlandexport wirkt preisstabilisierend
Die türkischen Verbraucher kauften im Februar nach Auswertung der internationalen Fachpresse rund
900.000 Tonnen Schrott im Tiefseemarkt. Dabei erwarben sie 8 Ladungen von Exporteuren vom europäischen Festland gegenüber 12 Ladungen im Vormonat. Wegen des ansteigenden Bedarfs gelang es den türkischen Abnehmern nicht, weitere Preissenkungen durchzusetzen. Stattdessen mussten sie im Laufe des
Monats leichte Erhöhungen von US-$ 3 bis 5 pro Tonne bei schwächer werdendem Euro akzeptieren. Günstige Frachtraten von € 9 bis 14 pro Tonne unterstützten den Materialfluss in die Türkei. Da außerdem Indien
und Pakistan kontinuierlich Containermengen nachfragen, haben die dort zu erzielenden Preise ebenfalls
einen stabilisierenden Einfluss sowohl auf das türkische als auch das europäische Preisniveau.
Schlussbemerkungen
Mit der von der europäischen Stahlindustrie organisierten Demonstration in Brüssel am 15.02.2016 ist deutlich geworden, dass die Lage auf dem Stahlmarkt sehr ernst ist. Die europäische Stahlindustrie fürchtet um
ihren Bestand. Die Schrottwirtschaft verbindet mit der gezeigten Einigkeit die Hoffnung, dass auch ihre identischen Sorgen die entsprechende Aufmerksamkeit vor allen Dingen bei der einen oder anderen Entfallstelle
findet. Sinkende Preise, schwindende Margen, wegbrechende Mengen bei einer hohen Kostenbelastung
nicht zuletzt durch hohe Umweltanforderungen und ein enormer Druck bei der Schrottbeschaffung sorgen für
eine Katerstimmung in der Branche. Das bvse-Fachvorstandsmitglied, Sebastian Will, hat bereits im vorigen
Monat seine Einschätzung dazu in der Fachpresse abgegeben. „Die Illusion vieler Schrottbetriebe, sich in
einer fairen Partnerschaft mit Entfallstellen, Verbrauchern und Behörden zu befinden und die fast krankhafte
Aversion der Schrottbranche eine Entfallstelle und damit Tonnage an einen Konkurrenten abzugeben, haben
ein ruinöses Marktumfeld geschafften. Dadurch sind die Betriebe sehenden Auges an den großen und unverhältnismäßig viel zu teuer bezahlten Mengenströmen der Entfallstellen ausgeblutet.“ Als Reaktion darauf
muss die Schrottwirtschaft konsequent alle möglichen Kostensenkungspotenziale nutzen, wozu die Trennung
von Arbeitskräften genauso zählt wie die Schließung von Plätzen. Dennoch ist die Beschaffungsproblematik
beim Neuschrott die eine Seite der Medaille auf der anderen spürt der Lagerhandel jeder Größe immer deutlicher die fehlenden eingehenden Altschrottmengen, die normalerweise vom Kleinhandel beschafft werden.
Letzterer kann unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht im Markt bestehen und muss die Sammlungen
einstellen. Das knappe Altschrottangebot ist zum großen Teil eine Folge dieser Entwicklung, die durch die
Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes noch verstärkt wurden.
Für den kommenden Monat geht der befragte Handel von eher stabilen Preisen aus. Das Preissenkungspotenzial insbesondere beim Altschrott sieht er trotz eines möglicherweise nochmals verringerten Bedarfs ausgeschöpft. Beim Neuschrott könnte der Markt jedoch weicher sein.
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Alle Zahlen ohne Gewähr.