Der Glaube daran, dass viel mehr möglich ist, als wir zunächst

Der Glaube daran, dass viel mehr
möglich ist, als wir zunächst
meinen, ist im Laufe der Begleitung vieler Menschen für Aus-ZeitCoach Dr. Sabine Bläsing zur
Wahrheit geworden.
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Endlich Zeit
für Aus-Zeit
Kennen Sie diese Sehnsucht? Den Wunsch,
einmal auszubrechen und dem Alltagsstress
zu entkommen? Dann sind Sie nicht allein.
»E
ines Tages werde ich…wenn ich Zeit
habe… irgendwann einmal…« Wer
hat sich nicht schon einmal selbst mit
einem dieser Sätze getröstet? Besonders
dann, wenn uns das Heute wieder einmal
überrollt, wir raus wollen aus dem Alltag,
dem Stress, dem ständigen Funktionieren.
Und doch ignorieren wir den Schrei des
Körpers und der Seele nach Entspannung
und Veränderung und machen einfach
weiter – nicht selten bis die totale
Erschöpfung kurz bevorsteht. Spätestens
jetzt müssen wir es: Still werden, ruhig
sein, innehalten, einfach mal weniger
machen. Eine Auszeit nehmen.
Doch was heißt das? Geht es um das Verwirklichen der ganz großen Lebensträume
wie Weltreisen oder um verrückte Erfahrungen, die so ganz anders sind als der routinierte Alltag? Nach einem Bedürfnis
nach mehr Freiheit, einem Leben jenseits
von Pflicht, Uhr und Terminkalender?
»Nicht immer«, weiß Dr. Sabine Bläsing,
»nicht jeder hat die Möglichkeit, eine
Auszeit in dieser Form umzusetzen.«
Die Herausforderung in der heutigen Zeit
lautet also: Sich das Nichtstun erlauben,
mal wieder ein Buch lesen, einfach in der
Hängematte liegen und in die Wolken blicken, einen Spaziergang machen und sich
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über die blühenden Wiesen freuen – das
ist bereits als tägliche, kleine Auszeit möglich und kann uns rechtzeitig aus der
Erschöpfung wieder zu mehr Vitalität
führen.
Visionärin, Trend-Erspürerin
und Pionierin
Der englische Begriff für Auszeit,
»Timeout«, kommt ursprünglich aus dem
Sport und bedeutet eine Unterbrechung
eines Spiels durch eine Mannschaft, um in
etwa die Taktik an neue Gegebenheiten
anzupassen. Die dafür bekannte Geste, ein
mit Händen oder Fingern geformtes »T«
ist weitläufig bekannt und wird ebenso wie
der Begriff mittlerweile in allen Lebensbereichen verwendet. Hier stellt sich die
Frage, warum wir uns selbst so selten das
»T« für eine Unterbrechung, eine Pause,
zeigen. Sich die Auszeiten rechtzeitig und
freiwillig zu gönnen, bevor es aufgrund
einer physischen oder psychischen Erkrankung unfreiwillig erforderlich wird, lässt
viel mehr Gestaltungsspielraum zu. Das ist
der Ansatz von Sabine Bläsing.
Als Coach für Vitalität hat sie sich auf AusZeit-Coaching spezialisiert. Ich besuche
Sabine in ihrem kleinen Refugium in
Erden, entschleunigen, ankommen.
Natur tut gut – diese Erkenntnis ist nicht neu.
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Als optimale Kombination dienen
die Elemente Stille und Bewegung:
Dazu gehören u.a. leichtes Yoga,
Atem-Techniken und Meditieren.
Oberstdorf, »meinem persönlichen
Himalaya«, wie sie es schmunzelnd nennt.
Und das ist es wahrhaftig: Der Blick aus
dem Fenster zeigt einen herrlichen Blick
auf die Allgäuer Alpen, verliert sich in
weißen Gipfeln, blauem Himmel und einer
unglaublichen Weite. Wir sitzen auf einem
weichen Teppich, zwischen uns eine Kanne
Tee. Dass sie sich hier wohlfühlt, ist offensichtlich. Lässig gekleidet, in Jeans und
Bluse, das blonde, lange Haar fällt ihr über
die Schultern, wirkt sie wie eine junge
Studentin. Beim Erzählen schweift ihr
Blick in die Berge.
In Gedanken bin ich bei Sabine, den
Visionssuchen in den Bergen, dem zum
Teil stürmischen Fluss ihres Lebens und bei
den Menschen, denen sie durch manches
tiefe Tal half. Sabine vermittelt sofort das
Gefühl von Geborgenheit, Angenommen
sein und Vertrautheit.
»Ressource Mensch«
Wie Sie gleich jetzt ein Stückchen Aus-Zeit leben können
Fragen Sie sich einmal in aller Ruhe: Was ist wirklich wichtig? Was haben
Sie lange nicht mehr gelebt? Was nährt Ihren Körper und Ihre Seele?
Wenn alles möglich wäre, was würden Sie dann tun? Wie würden Ihr
Beruf und Ihre Freizeit aussehen? Schreiben Sie ruhig alles einmal auf.
Und dann fangen Sie an, etwas davon zu tun. Denn sonst wird es nicht
besser – nur später! Also, jetzt ist Zeit für Aus-Zeit. Eine erste kleine
Übung: Einen Tag ohne Uhr leben, um so wieder ein Gefühl für den
inneren Rhythmus und auch ein Stück mehr Freiheit zu bekommen.
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»Ich mach mir die Welt, widdewidde
wie sie mir gefällt.« Das Motto von Pippi
Langstrumpf hat die 46-Jährige schon früh
ernst genommen. »Doch das war nicht
immer einfach«, berichtet sie, »manchmal
habe ich sogar die Kühe auf der Weide
beneidet, weil sie einfach nur fressen,
scheißen und schlafen müssen, ohne groß
über den Sinn des Lebens nachzudenken.
Doch wenn ich anders hätte sein sollen, als
ich bin, wäre mein Leben anders verlaufen.«
Schon immer interessiert sich Sabine für
die »Ressource Mensch«, sieht im Einzelnen den Rohdiamanten und fördert
dieses Potenzial. Sie ist Visionärin, TrendErspürerin und Pionierin und sie setzt ihre
Ideen in die Tat um. Sie heiratet jung –
merkt aber nach einigen Jahren, dass sie
mehr Freiraum braucht. »Ich lernte schon
früh, wie ich vermeintlich ausweglose
Situationen zum Guten wenden kann, ich
coachte mich quasi immer selber aus der
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»Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
im nächsten Leben würde ich versuchen,
mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr entspannen.
Ich wäre ein bisschen verrückter,
als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.
Ich würde mehr riskieren,
würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten,
mehr Bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen,
nur mehr gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weißt,
aus diesen besteht nämlich das Leben;
nur aus Augenblicken;
vergiss nicht den jetzigen.
Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an
bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen Sie … ich bin 85 Jahre alt
Und weiß, dass ich bald sterben werde.«
(Jorge Luis Borges)
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Sackgasse«, sagt sie nachdenklich.
Sie stellt sich ihren Herausforderungen,
nimmt sich selbst immer wieder ihre größeren und kleineren Auszeiten, auch für
die Entwicklung neuer Projekte. Vor einem
Jahr spürte sie, dass sie wieder an einem
Wendepunkt angekommen war, dass sie
etwas verändern wollte. Daraus entstand
ihr neues Projekt.
»40 Tage Auszeit«
Was als Vision begann, nimmt nun Gestalt
an und eröffnet völlig neue Perspektiven.
»Am liebsten würde ich dies in den Allgäuer Bergen verwirklichen, denn hier sind
die Elemente so kraftvoll und präsent wie
nirgends anders auf der Welt – hier gibt es
so viele Tankstellen in der Natur«, sagt
Sabine.
Der Ursprung der Idee liegt schon in dem
von ihr angebotenen »Visions-Coaching
Allgäu«: In den Bergen und Tälern von
Oberstdorf verbringen die Teilnehmer vier
Tage im Wechsel von Stille und Wandern.
Vier Tage, die als Aus-Zeit für einen Blick
zurück und nach vorn dienen. »Über die
moderate Bewegung gelangen die Teilnehmer zu neuer Kraft, Mut und Klarheit.
Dabei unterstützt die pure Natur mit ihrer
gewaltigen Kraft der Berge, Flüsse und
Seen.« Am Ende steht ein intensives,
unvergessliches Erlebnis und neues Vertrauen in die nächsten Schritte. Warum die
neue Aus-Zeit gerade 40 Tage lang sein
soll, möchte ich von Sabine wissen. »40
Tage sind kulturhistorisch betrachtet der
ideale Zeitraum zur Selbst- und Sinnfindung – von jeher. 40 Tage sind länger als
ein Urlaub, aber kürzer als ein Sabbatjahr,
also ideal für eine Auszeit. 40 Tage sind so
lang, wie eine Kur für eine Reha dauern
würde. In dieser Zeit findet eine Verdichtung statt und doch verliert sich der Einzelne durch die Struktur nicht.«
Und so hat sie ein Konzept entwickelt,
bei dem die 40-tägige Aus-Zeit sich im
Spannungsbogen zwischen Aktivität und
Passivität, zwischen Erleben und Stille,
zwischen Machen und Sein, zwischen
Anspannung und Entspannung gestaltet.
Runterschalten und Innehalten
»Mir ist vor allem wichtig«, erklärt
Sabine, »dass die körperliche, emotionale,
mentale und spirituelle Ebene gleichermaßen berührt wird.« In den verschiedenen Bausteinen geht es um Runterschalten und Innehalten, Entschlackung
des Körpers, Bewegung und Entspannung,
Kontemplation und Schweigen, um das
Nur wer voll in seiner Kraft steht und
in seiner Mitte ruht, kann das Leben
in vollen Zügen genießen.
Spüren ungelebter Sehnsüchte und
die Vorbereitung auf den Alltag.
Als optimale Kombination dienen
Elemente wie Leichtes Yoga, Atem-Techniken, Meditieren, Wandern und gesunde
Ernährung. Je nach individuellem Typ,
Konstitution und den eigenen Bedürfnissen stellen die Klienten mit Sabine ihr
»Menü« zusammen. »Spaß soll es
machen und nicht anstrengend sein –
denn das ist für viele bereits der Alltag.«
Hier, in den Allgäuer Bergen, hat Sabine
ein Stück Heimat gefunden. So, wie sie
einst als Reisebegleiterin in Europa unterwegs war, ist sie auch heute noch eine
Reisebegleiterin: Für innere Reisen mit
Menschen. »Der Glaube daran, dass viel
mehr möglich ist, als wir zunächst meinen,
ist im Laufe der Begleitung vieler Menschen für mich zur Wahrheit geworden.«
Und diese Wahrheit kann jeder bei einer
größeren oder kleinen Auszeit entdecken,
jeden Tag ein wenig leben.
Text: Susanne Reitberger, Dr. Sabine M. Bläsing;
Fotos: Susanne Reitberger (4), Dr. Sylvia Kernke (1);
Illustration: photos.com
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Für die Verwirklichung der 40tägigen Aus-Zeiten im Allgäu
braucht es noch tatkräftige Unterstützung, besonders in Form passender Unterkünfte, in denen die
Aus-Zeitler zu moderaten Preisen
ihre Auszeit umsetzen können.
Anfragen über Frau Sabine Bläsing,
Tel.: 05 61 ⁄ 2 21 44 oder per Mail
an [email protected].
Tipp