Größere Verantwortung, mehr Verlässlichkeit Sportpolitisches

Größere Verantwortung, mehr Verlässlichkeit
Sportpolitisches Forum des FK in Ludwigsburg – Großvereine und Kommunen definieren Zusammenspiel neu
Von Hans-Peter Seubert
Partnerschaft auf Augenhöhe. Das Sportpolitische Forum zum Auftakt des FK-Herbstseminars am
zweiten Oktober-Wochenende in Ludwigsburg bewegte das Reizthema „Neue Verteilung der Verantwortung zwischen Kommune und Sportverein“. Passwörter für die 169 Vereine des Freiburger
Kreises (FK), der Arbeitsgemeinschaft größerer deutscher Sportvereine, waren neue Rollenverteilung zwischen Kommune/Verwaltung und Vereinen, größere Verantwortung, Verlässlichkeit, unterschiedliche Interessenslagen und Konkurrenzkampf.
Michel Scharf, Vorsitzender des Stadtsportbundes Bonn, plauderte aus dem Nähkästchen: „Der
Stellenwert des Sports in Bonn war nicht der Richtige.“ Deshalb machte die Basis mobil. Die Bürgerinitiative „Pro Sportstadt Bonn“ nahm sich die Oberbürgermeister-Kandidaten zur Brust, präsentierte selbstbewusst einen Forderungskatalog und die Vision Bonn 2030. Sie hat bessere Sportförderung, Sportstätten-Management unter der Regie der Vereine (drei bis vier Übernahmen von
städtischen Anlagen/Fußball-Plätze, Bäder, Hallen) zum Ziel. Dazu angemessene Sportförderung:
statt 200 000 nun 1,3 Millionen Euro auf zwei Jahre ausgelegt.
Notwendigkeit der Umsetzung und Selbstbewusstsein sind groß. Scharf: „Es ist ein unendlich zäher und mühsamer Weg.“ Das gilt besonders bei den Zuständigkeiten in der Stadt (Sportamt/Gebäudemanagement). Generell weiß Scharf: „In Nordrhein-Westfalen sind Städte nicht mehr
in der Lage, ihre Sportstätten zu unterhalten.“ Schließung oder andere Betreiber sind die Folge.
„Der Leidensdruck ist viel größer.“ Es bedarf einer politischen Entscheidung, das Ganze zu machen. In Bonn lotet ein Gesprächskreis von Sportvereinen und Sportverwaltung die Spielräume
und Projekte aus. „Der Sport fand in der Vergangenheit nur im Sportamt statt.“ Oft inkompetent
besetzt. „Ich glaube, dass wir als Sport politisch sein und das Thema öffentlich aufsetzen müssen.“
Intelligente Lösungen und Netzwerk-Arbeit gemeinsam hinzukriegen, darin liegt für ihn der Schlüssel.
Norbert Brugger, Dezernent beim Städtetag in Baden-Württemberg, auf der Bundesebene zuständig für Sport, unterstrich: „Die Verlässlichkeit beider Seiten ist wichtig. Meines Erachtens können
eigentlich nur Großvereine und Großkommunen diese Aufgaben dauerhaft übernehmen.“ Intensive
Verzahnung und die Beseitigung von Informationsdefiziten sind für ihn Voraussetzung für das Zusammenspiel auf Augenhöhe.
Thomas Jäggele, Sportamtsleiter der Stadt Sindelfingen, möchte das Verhältnis Sportvereine Kommunen neu definieren, Schnittmengen gemeinsam anpacken und mehr Verantwortung einfordern auf beiden Seiten (Zielvereinbarungen). „Auch die Sportvereine müssen sich bewegen, müssen neu definieren, was sind unsere Aufgaben.“
Mehr Eigenverantwortlichkeit, Erfahrungsaustausch, die Abgabe von Kompetenzen und Entschei-
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Freiburger Kreis
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deutscher Sportvereine e.V.
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dungshoheit im Bereich Sportstätten, da könnte man in den Vereinen mehr machen. Beim Sportstättenbedarf und -bau sei eine Grundausstattung der Kommune denkbar. Darüber hinaus ist der
Betreiber in der Pflicht.
Modellbeispiel Köln: Dort hat der SV Lövenich-Widdersdorf (1500 Mitglieder) im gutbürgerlichen,
wachstumsstarken Stadtteil mit vielen jungen Familien sportlich und im sozialen Bereich Verantwortung übernommen. Er beschäftigt einen von zwölf Sozialraumkoordinatoren, wie sie in Nordrhein-Westfalen in 31 Quartieren vorrangig in sozialen Brennpunkten eingesetzt werden. Professor
Georg Anders (Köln), Moderator der Diskussionsrunde: „Der Einstieg von Sportvereinen ins Quartiersmanagement.“ Damit muss sich der organisierte Sport als Sozialpartner mit anderen Partnern
eng vernetzen. Er leistet Integrationsarbeit in der Stadtgesellschaft. Dafür erhält er 30 000 Euro
von der Kommune, für den SV Lövenich-Widdersdorf die Chance, ehrenamtliche Strukturen mit
einer Teilzeitkraft zu professionalisieren.
Norbert Brugger betonte: „Es gibt Konkurrenz unter den Beteiligten.“ (Volkshochschule, Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden). Und Veränderungen, die auch den Sportverein verändern.
Scharf: „Die Sportvereine müssen sich dem Wettbewerb einfach stellen.“ Thomas Jäggele; „Im
Sport haben wir schon eine Dreiklassengesellschaft unter den Sportvereinen. Kleine Vereine bleiben auf der Strecke.“ Sie sind der Dienstleister-Rolle, sowie Bildungs- und Sozialarbeit nicht gewachsen. Er warnte auch den Sport vor der Bürde des Alleskönners. Die Aufblähung der Aufgaben
sei nicht zielführend und schüre die Konkurrenz zu anderen Bewerbern, die sich auf dem sozialen
Feld tummeln. Von den Verbänden verlangt er klare Stützpunkt- und Kommunalkonzepte bei der
Verteilung von Anlagen.
Die Sportverwaltung begreift Jäggele als Sportdienstleister, die kommunale Interessen und rechtliche Rahmenbedingungen beim Bau und bei den Finanzen pflegt. Besitzstandsdenken und wahrung müssten bei der neuen Rollenverteilung projektorientierter, effizienter Sportförderung
weichen.
Brugger möchte bei der stärkeren Förderung der Eigenverantwortung den Sportverein als zivilgesellschaftlichen Akteur ernst genommen und nicht vor vollendete Tatsachen (Hallensperrungen)
gestellt sehen. Wie aktuell bei der Flüchtlingsflut. Hier können selbst Kommunen „nur noch reagieren und nicht mehr agieren. Niemand kann momentan eine verlässliche Aussage machen.“