Peru – Landwirtschaft im Zeichen des Klimawandels

Peru –
Landwirtschaft
im Zeichen des
Klimawandels
Frauen in der Provinz Paucartambo bei der Feldarbeit © Desmarowitz / Welthungerhilfe
Andenbauern sind in ihrer Existenz bedroht
Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs lebt nach wie vor über die Hälfte der rund
29 Mio. Einwohner Perus in Armut und ist nicht in der Lage, die wichtigsten Grundbedürfnisse ausreichend zu decken. Als extrem arm gelten die kleinbäuerlichen Familien
in den entlegenen ländlichen Gebieten des Andenhochlands. Der Ertrag ihrer kleinen
Felder, die sie in mühsamer Handarbeit bestellen, reicht kaum zum Leben. Mehr und
mehr bedrohen die Auswirkungen des Klimawandels ihre Existenz: Heftige Regengüsse
verursachen Überflutungen und schwemmen wertvollen Ackerboden fort, extreme Trockenperioden, Hagelschauer und frühe Fröste vernichten Ernten und ruinieren Weideflächen. Von staatlicher Seite gibt es bislang keine langfristigen Aktionspläne, um die
Katastrophenrisiken zu verringern.
In der hochandinen Region Cusco ist bereits ein deutlicher Rückgang des Wasserstandes in den Flussläufen zu verzeichnen und Wasserquellen trocknen aus. Die Vielfalt an
Nutzpflanzen und Tieren nimmt rapide ab. Starke, ungewohnte Klimaschwankungen
bringen neue Schädlinge mit sich.
Dies führt zur weiteren Verarmung der ländlichen Bevölkerung, die größtenteils der
Quechua-Ethnie angehört. Dabei ist das Leben hier ohnehin schon hart genug für die
Kleinbauernfamilien: Die Ackerflächen, meist
in steilen Hanglagen, sind knapp, die Böden
ausgelaugt und von Erosion bedroht. Aufgrund der kargen, einseitigen Ernährung leiden viele Menschen unter Mangelerscheinungen und Krankheiten. Die Wege zum nächsten Krankenhaus, zur Schule oder zum Markt
sind weit und beschwerlich, Straßen gibt es
nur wenige.
Strategien zur Anpassung entwickeln
Damit die hier lebenden Kleinbauern ihren
Lebensraum künftig besser schützen und
dabei ihre Ernährung sichern können, erarbeiten sie gemeinsam mit der Welthungerhilfe und ihren lokalen Partnerorganisationen
© Welthungerhilfe, 11/2011
Arariwa und Cadep Strategien zur Anpassung an den Klimawandel. Dabei bringen sie
ihr traditionelles Wissen und ihre eigenen Beobachtungen ein. Auch politische Akteure
sind in die Projektaktivitäten eingebunden. In den beiden Provinzen Paucartambo und
Chumbivilcas, im Hinterland von Cusco, profitieren somit die Einwohner in 34 Dorfgemeinschaften von umweltschonenden landwirtschaftlichen Methoden, Aufklärungskampagnen und Lobbyarbeit. Finanzielle Unterstützung erhält das vierjährige Projekt
anteilig von der Europäischen Union.
Umweltschutz und Armutsbekämpfung sind eng miteinander verknüpft
Der Erhalt der Umwelt dient langfristig auch der Armutsbekämpfung. Durch die Anlage
von Terrassen und Windschutzhecken, angepasstes Saatgut und eine wechselnde
Fruchtfolge können die Kleinbauern
die Hänge Boden schonend nutzen
und dämmen gleichzeitig die Erosion
ein. Welche Techniken hier besonders effektiv sind, erfahren ausgewählte Bauern in entsprechenden
Schulungen. Anschließend geben sie
ihr Wissen an Nachbarn weiter, damit möglichst viele Menschen von
den neuen Methoden profitieren.
Daneben legen sie in Gemeinschaftsarbeit Wasserrückhaltebecken
an und erlernen einfache Bewässe- Diese Familie hat ein Wasserauffangbecken für Bewässerungszwecke angelegt und befestigt den äußeren Erdwall mit Pflanrungstechniken, um weniger abhän- zen. © Desmarowtz/ Welthungerhilfe
gig von den Niederschlägen zu sein.
Seit sie selbst Kompost zur biologischen Düngung herstellen, gedeihen Kartoffeln,
Bohnen und Gerste besser. Für eine abwechslungsreichere Ernährung legen die Familien Gemüsegärten bei ihren Häusern an und halten Kleintiere. Die Welthungerhilfe
unterstützt sie dabei mit Saatgut und Material. Auch das Kochen am heimischen Herd
soll umweltfreundlicher werden: Durch den Einbau von besser isolierten Kochstellen
verbrauchen die Familien weniger Brennmaterial.
Ergänzt werden alle Aktivitäten durch Kampagnen zu Umweltthemen in den Gemeinden, Fortbildung von Gemeindevertretern und Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Akteuren. Damit wird innerhalb der Bevölkerung das Bewusstsein für die Bedeutung eines nachhaltigen Ressourcenmanagements in Zeiten des Klimawandels gestärkt.
Nicht nur die 9.350 Familien, die sich direkt an diesem Projekt beteiligen, blicken
hoffnungsfroh in die Zukunft. Wenn ihr erfolgreiches Beispiel Schule macht, werden
auch die umliegenden Gemeinden von ihren Erfahrungen profitieren.
15 Euro kosten 4 kg Saatgut zur Verbesserung von Weideflächen.
Für 48 Euro erhält eine Familie eine einfache Vorrichtung zur Tropfbewässerung ihrer
Felder
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