I. Literatur - J. A. Stargardt

I. LITERATUR
I. LITERATUR
„das ‘Genialische’ im Manne“
1
ALTENBERG, Peter, 1859 – 1919. E. Br. m. U. (Wien) 27.IX.1917. 2 S. gr.-4o. Defekte
teilweise mit (durchfettendem) Klebefilm repariert.
(400.—)
Begeisterter Brief an den Schauspieler Edgar Klitsch, den er in einer Aufführung von Gerhart
Hauptmanns Stück „Gabriel Schillings Flucht“ gesehen hatte.
„... ich habe Sie zum erstenmale ... erlebt! Ja, ich wußte bis dahin nicht einmal, daß Sie überhaupt
existiren, also gänzlichst unbeeinflußt, ... ich weiß bis heute ... nicht, wie Sie im realen Dasein aussehen,
habe niemals ein Bild von Ihnen gesehen.
Ich halte Sie für einen der allerwertvollsten, innerlichst männlichen, nüchtern-gediegensten,
selbstverständlichsten, aus natürlichen, überschüssigen, geistig-unbewußten Kräften heraus
funktionirenden Künstler, der mehr, viel mehr kann als er will; also das ‘Genialische’ im Manne ...
‘Egmont’ ist Ihre Rolle; aber auch ‘Wallenstein’. Ich spüre in Ihnen den ewig in der Erinnerung
fortlebenden Eichen-starken ‘Ludwig Gabillon’! Überlassen Sie doch die sogenannten ‘Liebhaber’ den
‘Lieb-habern’!!! ...“
2
ALVERDES, Paul, 1897 – 1979. Eigenh. Manuskript. 10.X.1937. 25 S. folio. Bütten.
(250.—)
„Ve r g e b l i c h e r F i s c h z u g “. – Vollständiges Manuskript der autobiographischen Erzählung, beginnt:
„So oft ich von Angeln und Fischefangen höre, muss ich an meinen Vater denken. Mein Vater ist Zeit
seines Lebens ein leidenschaftlicher Angler gewesen; und er hat diese Leidenschaft auf mich den Sohn
vererbt ...“ – Mit einigen Streichungen und Korrekturen.
Beiliegend 2 Briefe an William Matheson (e. Br. m. U., 1949), dem er das Manuskript sendet.
3
ANDERSCH, Alfred, 1914 – 1980. 30 Autographen: 6 e. Br. m. U., 20 Br. m. U., 3 e.
(Ansichts-)Postkarten m. U. und 1 gedrucktes Gedicht m. U. Meist Berzona 23.VI.1973 bis
25.XI.1979. 35 S. folio und gr.-8o sowie die Karten. Überwiegend mit gedrucktem Briefkopf.
Vereinzelt etwas fleckig bzw. mit kleinen Randeinrissen. Mit 4 Umschlägen.
(1.600.—)
Vielfach inhaltsreiche Briefe an Wolfram Schütte, Feuilletonredakteur der „Frankfurter Rundschau“.
Berzona 23.VI.1973. Nach dem Abdruck seiner „Amriswiler Rede“ („FR“ vom 16.VI.1973), in der er
Ernst Jünger als Widerstandskämpfer charakterisiert hatte. – „... Sicherlich haben Sie ein paar ganz
bitterböse Reaktionen darauf bekommen ... Eigentlich möchte ich meine Jünger-Akte damit für lange
Zeit schließen ...“
18.XII.1973. Über Peter Schneiders Erzählung „Lenz“. „... Ich finde das Buch ... so gut, dass ich
eigentlich nur die eine Angst habe, der Autor würde es dabei bewenden lassen ... Ich könnte mir nämlich
denken, dass er in einer Umwelt lebt, die dauernd versucht, ihm dergleichen auszureden, das Offene
von Literatur als Verrat bezeichnet ... es genügt schon, wenn Freunde, die in der Sprache bestimmter
Bewussteins-Modelle denken, einfach unfähig sind, sich auf das Originale eines originalen literarischen
Sprechens einzustellen ...“
4.VIII.1974. „... habe gestern den ganzen Tag damit zugebracht, etwas zu A m e r y s Volksfront-Aufruf
zustandezubringen, musste jedoch aufgeben. Das Vertrackte daran ist, dass man nur nicken und
zustimmen kann ...“
8
I. LITERATUR
9.X.1975. Zu Schüttes Rezension von Arno S c h m i d t s „Abend mit Goldrand“. „... Es geht einfach
nicht, dass man sich siebzehn Jahre in ein Heidehaus einschliesst und danach nicht in einem sicheren
Sinne ausgeschrieben ist. Sein grosser Abgott Joyce hat das Seine als ständig Umhergetriebener geleistet
– nur so war es wahrscheinlich möglich ... Falls Arno Ihre Kritik überhaupt liest, wird er sich im tiefsten
Winkel seiner hochmütigen Seele sagen, dass Sie recht haben ... Aber dass er noch einmal aus Bargfeld
herauskommt, glaube ich nicht. Nun ja, er hat ja auch genug getan ...“
8.I.1976. Nach Erscheinen seines Gedichtes „Artikel 3 (3)“. „... Zwerenz schrieb mir – er meint, Sie
würden ... Schwierigkeiten bekommen. Das wäre sehr schlimm. Tatsächlich ist Ihr Mut in diesem Fall
mehr zu bewundern als der meine ...“ – Anderschs in Gedichtform gebrachte Kritik am Radikalenerlass
löste in der Tat eine heftige Kontroverse aus.
18.X.1976. „... Ich bin noch immer nicht an einer neuen grösseren Prosa-Arbeit ... Etwas ziemlich
Grosskalibriges habe ich aber und füge es bei. ‘Öffentlicher Brief an einen sowjetischen Schriftsteller’.
Zunächst bitte ich Sie, es unter Verschluss zu halten, es noch auf keinen Fall in der Redaktion kursieren
zu lassen ... Im Grunde ist das viel stärkerer Tobak als das Gedicht ‘Artikel 3 (3)’ ...“ – Der Brief
erschien nicht in der „FR“, sondern in Heft 322 des „Merkur“; der Typoskript-Durchschlag mit einer e.
Korrektur liegt bei (15 S.).
Erwähnt ferner u. a. Wolf Biermann, Nicolas Born, Peter Handke, Wolfgang Koeppen („Tragisch, das
anhaltende Nicht-fertig-werden Koeppens“), Pier Paolo Pasolini, Marcel Reich-Ranicki (mehrfach),
Martin Walser und Peter Weiss.
Mit zahlreichen Beilagen, darunter ein Sonderdruck mit e. Widmung u. U., 5 weitere Typoskripte (u. a.
„Reise in die Revolution“, 1974, nach einem Besuch Portugals, 13 S., und „Artikel 3 (3) oder was habe
ich gesagt? Antwort an Günther Rühle“, 5 S.), Durchschläge von Briefen, u. a. an Jean Améry (die
„Amriswiler Rede“ betr.), und ein e. Br. m. U. seiner Frau Gisela geb. Dichgans.
4
ARNDT, Ernst Moritz, 1769 – 1860. E. Schriftstück m. U. „EMArndt“. Berlin 16.III.
1815. 2⁄3 S. kl.-4o.(200.—)
Q u i t t u n g : „Daß mir auf Order der B.G. Fleischerschen Buchhandlung in Leipzig von Herrn Georg
R e i m e r hieselbst die Summe von 300 (dreihundert) Reichsthalern Preußisch Courant unter heutigem
Datum ausbezahlt worden bescheinige ich hiemit ...“
5
— E. Albumblatt m. U. „Ernst Moritz Arndt aus Rügen“. Bonn, „Weinmond’s Mitte
1856“. 1 S. quer-8o. Schwach gebräunt.
(250.—)
„Die Freiheit ist der Seelen Staal
Und ritterliche Wehr der Braven,
Die Freien trägt der Sternen Baal,
Der Teufel herrschet über Sklaven ...“
6
— E. Br. m. U. (eigenständige Nachschrift zu einem vorausgegangenen Brief). O. O. u. D.
1 S. gr.-8o. Mit Oblatensiegel und Adresse. Kleiner Ausriss an der Siegelstelle.
(200.—)
An „Oberst Ritter von Siebold“.
„P. S. / Wegen Unwohlseins und bösen Zahnwehs bedaure ich nebst Frau den schönen uns zugedachten
Abend der Ehre und Freude mit Ihnen und Ihrer Gemalin nicht theilen zu können ...“
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7
ARNIM, Ludwig Achim von, 1781 – 1831. E. Br. m. U. „Ludwig Achim v Arnim“. Berlin
30.IV.1824. 2⁄3 S. 4o. Mit Siegel (gebrochen) und Adresse. Minimal fleckig.
(350.—)
An den Buchhändler Richter in Leipzig mit der Bitte, „den Honorarbetrag für mich an Herrn
Buchhändler Dümmler aus Berlin zu übergeben, welchen ich damit für empfangene Bücher bezahle. /
Ich wünsche eine gute Messe und empfehle mich ...“
8
AUERBACH, Berthold, 1812 – 1882. E. Br. m. U. Untertürkheim bei Cannstatt 16.VIII.
(150.—)
1852. 1 S. gr.-8o. Verso Montagespuren.
An eine „verehrte Freundin“ wegen eines Treffens.
„Ich weiß, ... daß es Ihnen eben so viel Freude macht, Briefe von mir zu bekommen, als ich mit Freuden
an Sie schreibe. Und dieser Brief hat sogar noch den erhöhten Zweck, daß ich Sie u. Ihren Mann ... bald
sehen kann. Ich habe nämlich etwas mit Ihnen zu besprechen, das uns beiderseits gleich sehr am Herzen
liegt. Ich kann mich jetzt nicht bestimmter darüber auslassen ...“
9
BACHMANN, Ingeborg, 1926 – 1973. Signiertes Exemplar: „die gestundete zeit“. München: Piper 1959. 8o. Orig.-Pappband mit (leicht beschädigtem) Schutzumschlag. (300.—)
Auf dem Vorsatz von Ingeborg Bachmann signiert und datiert „14-3-61“. – Ihre erste Gedichtsammlung
war zuerst 1953 erschienen.
10 BAMM, Peter, Pseudonym für Curt Emmrich, 1897 – 1975. Eigenh. Manuskript mit
Namen auf dem Titel. 1947. Titel, Widmungsblatt und 90 S. meist folio. In Halbleinen gebunden.(800.—)
„D i e M u s c h e l d e r K a l y p s o “. – Vollständiges Manuskript des 1950 vom Südwestfunk produzierten
Hörspiels, mit Widmung „Für Antoinette Hallberg / Der alte Steppenwolf / 13.12.1947“.
Mit zahlreichen Korrekturen, Streichungen und Einschüben; auf den Rückseiten von 7 eingeschossenen
Quartblättern durchstrichene Vorarbeiten. Angebunden 2 Typoskript-Fassungen, die erste, korrigierte,
mit einigen teils ganzseitigen Ergänzungen. – Offenbar u n g e d r u c k t.
Beiliegend ein weiteres e. Manuskript (1960): „Die erste Seite des neuen Manuskripts ‘An den Küsten des
Lichts’“; sechs Entwürfe, überschrieben „Morgendämmerung“ und „Moses vor Troja“, 6 1/2 S. folio.
Dazu das eigenh. überarbeitete Typoskript der ersten Seite des Werkes.
Ferner beiliegend 8 weitere Autographen Bamms: 3 e. Br. m. U. (u. a. 1940 aus dem Feld an Georg
Förster – „... vermelde ich ..., dass ich wieder Soldat geworden bin. Ich finde das angenehmer als ein
Konzentrationslager in Indien ...“), 2 e. Ansichtskarten m. U., 2 signierte Portraits (1 Druck) und 1 e.
Widmungsblatt m. U.
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11* — 2 e. Br. m. U. und 1 e. Ansichtskarte m. U. Königssee, Baden-Baden und (London)
18.I.1949 bis (12.II.1967). 7 S. folio und die Karte. Zum Teil leichte Randläsuren und etwas
gebräunt.(250.—)
An den Kunsthistoriker und Kunsthändler Eduard Plietzsch (1886 – 1961) und dessen Frau.
Königssee 18.I.1949. „... ‘Ex Ovo’ ist erschienen. Mit einer herrlichen Umschlagzeichnung des alten
Meisters Olaf Gulbransson. Das 1. bis 20. Tausend ist vergriffen ...“
Baden-Baden 16.II.1963, nach Plietzschs Tod, mit Dank für ein zurückgesandtes Manuskript. „... Ich bin
sehr froh, dass ich es wieder habe. Der Ede war doch so ein ungeheuer zuverlässiger Mann. Da hab’ ich
ihm damals das letzte Exemplar geschickt. Das kommt doch dann später mal in die Biographie. Dafür
hatte ich einmal den schönen Titel ‘Der grosse Wicht’ und Ede war es, der mich mit seiner sächsischen
Skepsis darauf aufmerksam machte, dass das doch einen verzweifelten Doppelsinn habe. Nun suche ich
noch nach einem anderen Titel.
Der Ede ... fehlt mir sehr. Ich habe ja ein Gedächtnis von der Art der Elefanten. Ich werde nie vergessen,
dass es der Ede war, der als allererster Mensch ... mich als eine literarische Figur betrachtet hat ...“
12
BEAUMARCHAIS, Pierre Auguste Caron de, 1732 – 1799. E. Br. m. U. O. O. 21. Messidor an 4 (9.VII.1796). 1 S. 8o. Mit Siegelspur und Adresse. Leicht fleckig, kleinere Randläsuren.(800.—)
Nach seiner Rückkehr aus dem Hamburger Exil an seinen Freund Chalumeau in Beaulieu.
„Bon et digne homme qui êtes resté mon ami, je suis chéz moi depuis 42 heures. tous mes grands
devoirs sont remplis. Je suis infiniment touché de la considération honorable que tous les chefs de notre
gouvernement m’ont témoignée. Mais, pour que je me trouve heureux, il faut que l’amitié ait son tour!
... Le Jour où nous nous rejoindrons ... sera, mon cher ami, compté parmi ceux qui me sont les plus
précieux ...“
Der durch die Revolution aus Paris vertriebene, erst unter dem Direktorium rehabilitierte Dichter des
„Barbiers von Sevilla“ und von „Figaros Hochzeit“ hatte zuletzt in Hamburg in größter Dürftigkeit
gelebt.
Sehr selten.
13* BENJAMIN, Walter, 1892 – 1940. „Ursprung des deutschen Trauerspiels“. Berlin: Rowohlt 1928. Gr.-8o. Orig.-Leinenband mit goldgeprägtem Deckel- und Rückentitel. Kapitale
leicht berieben. Mit (defektem) Schutzumschlag. – Erste Ausgabe. (1.600.—)
Auf dem fliegenden Vorsatz die e. Widmung m. U. seines Freundes Gershom S c h o l e m an Kitty
Steinschneider: „Kitty zur Erinnerung an den 11/12 Oktober 1932 / Gerhard“.
Auf Scholems Drängen hatte die junge Philologin Kitty Steinschneider, später verh. Marx (1905–2002),
Benjamin kurz vor dessen Emigration im März 1933 in Berlin aufgesucht. Rasch wurde sie zu einer
Mittlerin zwischen den beiden Freunden, die sich im Philosophischen auseinander entwickelten.
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BENN, Gottfried, 1886 – 1956. Widmungsexemplar: „D a s U n a u f h ö r l i c h e / Oratorium. Text von Gottfried Benn / Musik von Paul Hindemith“. Mainz: B. Schott’s Söhne 1931.
Orig.-Umschlag (Klammerheftung leicht defekt). – W/G2 18.(800.—)
Auf der Rückseite des Titelblattes die eigenhändige Widmung an seine Freundin, die Zeichnerin,
Puppenkünstlerin und Schriftstellerin E r n a P i n n e r ; mit einem Zitat aus der Einleitung zu dieser
Dichtung:
„Für Erna Pinner in Frankfurt
– ‘wenn es in Blüte steht,
wenn Salz das Meer
und Wein der Hügel giebt,
ist nicht die Stunde’ in Freundschaft vom Textdichter
8.8.31.
Gottfried Benn.“
Das in enger Zusammenarbeit zwischen Benn und Hindemith entstandene weltliche Oratorium wurde am
21.XI.1931 in der Berliner Philharmonie unter Otto Klemperer uraufgeführt.
„Quelle perte!“
15* BENRATH, Henry, Pseudonym für Albert Henry Rausch, 1882 – 1949. E. Postkarte
m. U. „Albert H. Rausch“. (Basel) 4.XII.1933. Leicht gebräunt.
(120.—)
An Maurice Delamain (1883 – 1974), den Mitinhaber der Editions Stock in Paris, über den Tod von Stefan
George.
„... Stefan George vient de mourir à Locarno. Nouvelle affreusement affligeante.. Quelle perte! Quelle
perte pour mon pays justement. Maintenant!! Quelle triste actualité avec notre livre! ...“
Bei Stock erschien 1936 Benraths „Stefan George. Évocation d’un poète par un poète“.
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BERGENGRUEN, Werner, 1892 – 1964. 7 Autographen: 2 e. Br. m. U., 2 Br. m. U., 1 e.
Postkarte m. U. und 2 Drucke mit e. Zusätzen u. U. Münsingen, Köln und Zürich 20.VI.1946
bis 8.XII.1957. 6 S. folio und 8o sowie die Karte und die Drucke.
(400.—)
An den Verleger William M a t h e s o n in Olten, vor allem über seine beim Verein Oltener Bücherfreunde
erschienene Erzählung „Hubertusnacht“ sowie wegen Zusammenkünften.
„... Die Ausstattung bezeugt wieder die gewohnte Meisterschaft. Eine sehr hübsche Überraschung ist
mir das Einbandpapier mit den St. Hubertus-Insignien, deren grüne Jägerfarbe beim Halbfranzband so
schön mit dem Buchrücken korrespondiert ...“ (6.VI.1957).
Beiliegend 4 Br. m. U. (1962) an den Buchhändler Norbert Windfelder in Mainz, wegen einer Lesung;
ferner beiliegend eine Portraitphotographie mit e. Widmung u. U. auf der Rückseite.
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BERNHARD, Thomas, 1931 – 1989. Signiertes Exemplar seiner ersten Buchveröffentlichung „Auf der Erde und in der Hölle“. Salzburg: Otto Müller (1957). 8o. Orig. flexibler
Kunststoffeinband. – Erste Ausgabe (W/G² 1).
(600.—)
Auf dem fliegenden Vorsatz signiert und datiert „Thomas Bernhard / Juli 86 / Frankfurt“.
18
— Signiertes Exemplar seiner Gedichtsammlung „Unter dem Eisen des Mondes“. Köln:
Kiepenheuer & Witsch (1958). 8o. Orig.-Pappband mit Schutzumschlag (winzige Einrisse, am
Rücken schwach lichtrandig). – Erste Ausgabe (W/G² 2).
(400.—)
Auf dem vorderen Vorsatz signiert und datiert „Juli 86“.
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— Signiertes Exemplar seiner Gedichtsammlung „In hora mortis“. Salzburg: Otto Müller (1958). 8o. Orig. englische Broschur. Schwache Knickspur. – Erste Ausgabe (W/G² 3).
(400.—)
Auf dem Vortitel von Bernhard signiert und datiert „im Juli 86“.
Kant, „dieser Knöcherne“
20* BINDING, Rudolf Georg, 1867 – 1938. 5 e. Br. m. U. „Dein Freund“. Badenweiler und
Buchschlag 14.VI.1911 bis 19.IX.1919. 22 S. gr.-8o. Einige kleine Faltenrisse.
(300.—)
An Eva Connstein geb. Annecke (1877 – 1942), die „Freundin seines Lebens“.
Badenweiler 14.VI.1911. „... Gestern Abend tanzten hier die beiden übrig gebliebenen Wiesenthals ... Da
ich sie noch nicht gesehen hatte, ging ich hin – und da ich sie nun gesehen habe, würde ich auch wieder
hingehen. Denn ich hätte nicht gedacht, dass so etwas so schön sein könne; so durchdacht und doch so
spontané. Es ist wirklich köstlich, wie sie alle Empfindungen in die Glieder legen können ... Ich glaube,
Nietzsche oder Goethe oder Aeschylos wären entzückt von ihnen gewesen ...“
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(R. G. Binding)
Buchschlag 2.I.1912. „... Wenn Du, Liebste, sagst, Äußerungen von Freunden oder Freundinnen wie
jene, die ich Dir neulich anführte, beeinflussten unwillkürlich und Du habest mich lieber unbeeinflusst,
so ist dieses letztere, das Unbeeinflusst-Bleiben zwischen uns doch wohl selbstverständlich ... Und
zwischen uns selbst? Findest Du, daß Du mich, daß ich Dich irgendwie beeinflussen will oder auch nur
unbewusst beeinflusse? Fühlst Du nicht ebenso, warum ich jenen ganz unbeeinflussbaren Zustand auf
eine Zeit zwischen uns aufrichten möchte, in der wir uns, wie ich vorschlug, weder sehen noch schreiben
würden ...“
Buchschlag 19.IX.1919. „... Auf Spürwegen gelangte ich neulich zufällig fast an Kants Allgemeine
Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Ich bin begeistert. Dass dieser Knöcherne eine derartige
Dichtung hervorbringen konnte! Aber er hat ja wohl für nichts gelebt als nur diesem grossen Gegensatz:
das Ich in mir und die Sterne über mir. Dieser wunderbaren Vision der geordneten Unendlichkeit vermag
man nicht zu widerstehen, so naiv, kindlich und überholt so manches ist, was er vorbringt ...“ – Am
Schluß das Gedicht: „Ist es Traum denn, wenn du nahest? / wenn du lächelnd mich umfassest, / bin ich
dann auf Erden noch? / Ja, es ist das heitre Leben, / Sonne, Liebe, Früchte, Reben, / und wir sind es
beide doch.“
Beiliegend 3 weitere e. Br. m. U.: 1927 an eine Graphologin, 1929 an N.N. Osterroth wegen der Vertonung
seines Gedichtes „Junges Deutschland“ und 1933 an einen Freund wegen eines „Artikels in der Köln.
Ztg“.
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(BRAUN, Lily, geb. Amalie von Kretschmann, in zweiter Ehe mit dem Sozialpolitiker
Heinrich Braun verheiratet, 1865 – 1916.) 28 an sie (vereinzelt an Heinrich Braun) gerichtete
Briefe und Karten aus den Jahren 1892 bis 1917 (und o. J.).
(600.—)
Darunter die Schriftstellerinnen und Frauenrechtlerinnen Eufemia v. Adlersfeld-Ballestrem, Gisela
Bogenhardt (dazu ein Gedicht), Hedwig Dohm (4), Marie v. Ebner-Eschenbach, Irene Forbes-Mosse
(Schlussblatt), Ilse Frapan-Alkunian (2), Ellen Key, Isolde Kurz, Helene Lange, Franziska Mann
(2), Karin Michaëlis, Helene v. Mombart (Ps. Hans v. Kahlenberg), Louise Otto-Peters, Violet Paget,
Charlotte Perkins Gilman, Gabriele Reuter, Marie Stritt, Bertha v. Suttner, Emma Vely (Ps. E. Simon),
Clara Viebig (2) und Helene Voigt Diederichs. – Beiliegend Lily Brauns Schrift „Die Frauen und die
Politik“ (Berlin 1903; Umschlag repariert).
22
BRECHT, Bertolt, 1898 – 1956. Typoskript (Durchschlag) mit einigen e. Zusätzen und
Korrekturen (Bleistift). 1⁄2 S. folio. Durchschlagpapier. Leicht gebräunt. Kleine Randläsuren.
Oberrand, Mittelfalte und kleiner Randschaden mit Klebefilm hinterlegt. (800.—)
Szene aus der „D r e i g r o s c h e n o p e r “: Peachums Rede zu den fünf Grundtypen des Elends, 1. Akt
(Eigenhändiges im Zitat unterstrichen).
„Ausstattung A / Opfer des Verkehrs: der muntere Lahme, verschärft durch einen Armstumpf.
B Opfer der Kriegskunst: der lästige Zitterer. belästigt. Ekelwirkung
C Opfer elterlicher Ausschweifung / BZ. Trunksucht: Idiot
D Opfer der Betriebsunsicherheit: der bejammernswerte Blinde / oder die hohe Schule der Bettelkunst
Er hat Mitleid! Sie werden in Ihrem Leben kein Bettler Sowas taugt höchstens zum Passanten. Empfindet
Mitleid. Arm.
Das ist das einfachste: halbwüchsiger Idiot. Bleiben Sie dabei.“
Berliner und Frankfurter Ausgabe Band 2, S. 236, mit starken Abweichungen.
14
I. LITERATUR
Nr. 23
Nr. 22
Nr. 26
Nr. 28
Bertolt Brecht
15
I. LITERATUR
(Bertolt Brecht)
23
— Eigenh. Manuskript. 2⁄3 S. folio. Tinte. Durchschlagpapier. Leicht gebräunt. Kleine
Knickspuren und Randläsuren.
(800.—)
Szene aus dem „J a s a g e r “ (2. Aufzug), seiner 1930 unter der Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann
und Kurt Weill entstandenen Schuloper. – Als Vorlage diente das japanische Stück Taniko aus dem 15.
Jahrhundert.
„die 3 studenten:
vorher schien er nur müde vom steigen. Aber jetzt sieht er ganz seltsam aus. Er hat sich auch gesetzt.
Wir müssen versuchen, ihn über den Grat zu tragen.
(sie versuchen umsonst vermittels einer strickleiter usw. den Knaben über den Grat u bringen.)
die 3 studenten:
es geht nicht. wir können ihn nicht hinunterbringen.“
A. a. O. Band 3, S. 57, mit starken Abweichungen.
24
— E. Br. m. U. „Bert Brecht“ und einem ganzseitigen G e d i c h t . „Tegernsee, im September 17“. 4 S. gr.-8o. Schwach fleckig.
(4.000.—)
Brief des 19-jährigen an seinen im Feld stehenden Freund Caspar N e h e r. – Brecht, der im März das
Notabitur abgelegt hatte, war mit Hilfe seines Vaters vom Frontdienst befreit worden. Er war zu dieser
Zeit als Hauslehrer des vierzehnjährigen Sohnes des Arztes Conrad Knopp in dessen Landhaus in
Tegernsee beschäftigt.
Seite 1: „Lieber Cas! / Ich habe weniger Zeit als der liebe Gott und in meiner Lage könnte auch er nicht
öfter schreiben. Er hat viele tausend Jahre gebraucht um sein einziges Buch zu schreiben und darum
gehts ganz anders hinaus als der Leser und der liebe Gott am Anfang gemeint haben. Während des
Schreibens war Gott alt und müde geworden. Fleiß ist nicht göttlich.
Aber Deine Karikaturen, Du großer Zyniker mit dem Kindskopf, sind über die Maßen gut. Tatsächlich.
Es scheint, Du willst daraus hinaus, Seelen zu karikieren, nachdem die andern immer nur Mienen oder
Verständer oder Körper karikiert haben. Du mußt soviel als möglich zeichnen und alles mir schenken.
Das ist ein wesentlicher Punkt. Bitte, schreib mir noch einmal extra, daß ich sie behalten darf. Sonst
müßte ich beten, daß Du bald stirbst. Ich werde sie wenn ich nach Argentinien gehe in meinen Futterbeutel
oder in die Leibbinde wickeln. Ich werde sie behalten zu diesem Zweck.
Hast Du meinen vorigen Brief bekommen? / Auch diesmal wieder ein par Verse als Dank. Wenn Du
wüßtest, wie qualvoll das ist: Verse abschreiben, dann würdest Du mir viele Zeichnungen schicken. Und
dadurch viel lernen .....“
Seite 2 (das Gedicht):
„Sagte mir einst eine Frau beim Beginne:
Was sie beim Künstler so wenig verschmerzen
sei daß er immer die Frau über seiner Liebe vergesse.
Weihrauch bringt ihr uns. Weihrauch und – Kerzen.
Und wir erregen statt eure Sinne –
nur Interesse.
Sage ich: Leute ohne Karakter ....
Unterbricht sie: Sind wie im Bett ein Nackter.
Auf der Straße will man ihn freilich bekleidet.
Sag ich: Bei euch schwingen die Gäule die Peitsche über den der sie reitet.
Sagt sie: Eine Peitsche fällt guten Reitern zur Last.
Kurz: So lang du noch einen Karakter hast
bist du noch nicht genügend verliebt
daß du verdienst, daß sie sich dir gibt!“
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I. LITERATUR
Nr. 24 Bertolt Brecht
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(Bertolt Brecht)
Seite 3: „An Cas Neher! / Ekles Gezücht, diese Künstler. Sie leben von Kränkung und Unrat. / Bieten
dem Bürger zum Tausch um Kleingeld den herrlichen Schmerz an – / Mordlustig beschissen die Geier den
Baum, ihn in Dreck zu ersticken. / Hämisch nahm ers als Dung – blühte nur herrlicher auf.“
Seite 4: „damit viele Küsse, oh Du wundervolle Rosa Maria“ (gemeint ist Marie Rose Aman, die zum Kreis
der von Brecht heiß umworbenen jungen Damen in Augsburg gehörte), „und Dir viele Grüße, lieber Cas
Par / Von Deinem / lieben / Bert Brecht ...“
A. a. O. Band 28 Nr. 16.
25 — Widmungsexemplar: „Bertolt Brechts Taschenpostille“. Potsdam: Gustav Kiepenheuer (Privatdruck) 1926. Kl.-8o. Schwarzer Lederband mit Rotschnitt und Lesebändchen.
Dünndruck in Schwarz und Rot; die ersten Seiten ein wenig knittrig und mit kleinen Randeinrissen. – Erste Ausgabe (W/G² 5).
(3.000.—)
Auf dem Vortitel die eigenhändige Widmung „m e i n e m v a t e r / b / 1926“.
Äußerst seltener Druck. – Nach Unstimmigkeiten mit dem Verleger Kiepenheuer ließ Brecht die
„Taschenpostille“ als Privatdruck in einer Kleinstauflage von 25 Exemplaren erscheinen und verteilte
sie im engsten Kreis. Die regelmäßigen Zuwendungen des Vaters dürften zur Finanzierung beigetragen
haben.
26
— Gedichttyposkript mit 2 handschriftlichen Korrekturen (Kugelschreiber). 1 S. folio
(Durchschlagpapier). Überschrift mit rotem Farbband. Kleine Randläsuren.
(600.—)
„g e d e n k e n a n g r o s s e z e i t e n
wieviel besser fuhren wir
in der räuberzeit
auch fürs kleinere getier
gibt es feste, wenn der stier
um europan freit.
freilich gab es widerstand
aber schwäche auch
und das sträuben, das sich fand
über gings dann kurzerhand
in den wonnehauch.
war drum vieles nur zum schein
oder übermalt
konnte man doch ruhig sein:
einer stellt sich immer ein
der die zeche zahlt.“
Brecht hängt in der ersten Strophe an „kleinere“ ein „s“ an und trennt in der zweiten Strophe „übergings“
mit einem Schrägstrich in „über gings“.
A. a. O. Band 14, S. 259 (mit einer weiteren Strophe).
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— Br. m. U. „herzlich Ihr alter / b“ sowie mit eigenh. Einfügungen und 4-zeiliger e.
Nachschrift. O. O. u. D. (nach 1949). 1 S. folio (Durchschlagpapier). Der typographierte
Text in schwarzen und roten Schrifttypen; die eigenh. Briefanteile in blauem Kugelschreiber.
Schwach gebräunt. Kleine Randläsuren.
(800.—)
An den Komponisten Paul D e s s a u „wegen der Musik zu D i e A u s n a h m e u n d d i e R e g e l “,
einer Neubearbeitung des 1929/30 entstandenen „Lehrstücks“ für das Berliner Ensemble in den frühen
Fünfziger Jahren.
„Lieber Dessau, / wegen der Musik ... :
1 Wettlauf in der Wüste: eine kleine musik für die pantomimische darstellung des wettlaufs.
2 die strofe des Kaufmanns ‘dass ich nicht schlief ...’ gehört zu dem Lied des Kaufmanns (mit strofen
auch in III und VI)
3 das lied Kuli in IV (ein wander- und schlepplied)
4 das lied des Kuli in V
5 die vier verszeilen des Kaufmanns in V sind extra.
6 das Lied von den Gerichten in VII c: gesungen von mehreren, aber wohl nicht zusammen, dass es
verständlich bleibt.
7* in VIII das duett zwischen Richter und Führer.
Sie haben an instrumenten: Schlagzeug, Gambale, Basson (und Kleine Trompete.) (das letztere nur,
wenn unbedingt nötig) / der gesang kann grell, sollte aber schön klingen (im melodischen).
herzlich Ihr alter / b
* 8: eine kleine musik, die in V (oder ‘so überwindet der mensch’) eine pantomimische darstellung der
flussüberquerung begleitet.“
Eigenhändig fügt Brecht an: „ich glaube, musik zu dem kleinen stück zu machen, könnte Sie locken. / sie
kann etwas fremdes haben, bei aller Naivität. / (der kaufmann kann eine hysterische härte zeigen, der
kuli und der führer zeigen mehr weichheit und mehr kraft.)“.
Ende der Vierziger Jahre hatten Brecht und Dessau ihre Zusammenarbeit, die wenige Jahre zuvor im
gemeinsamen Exil in Kalifornien begonnen hatte, in Berlin wieder aufgenommen. Dessau richtete in der
Folgezeit viele Brecht-Stücke für das neu gegründete Berliner Ensemble musikalisch ein.
28
— E. Br. m. U. O. O. 8.VII.1951. 3⁄4 S. folio. Etwas gebräunt. Kleiner Wasserfleck am
Oberrand. Gelocht.
(1.200.—)
An Peter S u h r k a m p, den er um Zustimmung zur Veröffentlichung des „Courage-M o d e l l b u c h s “
im Dresdener Verlag bittet.
„... der Aufbauverlag ist bereit, ihm 3000 Exemplare des Texts (aus den Versuchen) abzulassen. Dazu
braucht aber der Aufbauverlag Ihre Zustimmung.“ – Elisabeth H a u p t m a n n , Brechts wichtigste
Mitarbeiterin, hatte bereits 1949 mit Suhrkamp einen Vertrag über die Herausgabe von Brechts Werken
geschlossen. – „Bitte, geben sie ihm die doch gleich. Der Dresdener Verlag ... fragt Sie an, ob Sie für
Westdeutschland das Modellbuch nehmen wollen, prinzipiell. Eben jetzt druckt er Proben, die ich Ihnen
dann schicke.
Ich muss das Modellbuch herausbringen! ...“
Während der Arbeiten zur Aufführung der „Mutter Courage“ 1949 am Deutschen Theater in Berlin
hatten Ruth Berlau und Hainer Hill zahlreiche Fotos gemacht, die zusammen mit den Regienotaten die
Grundlage des Modellbuchs bildeten, das allerdings erst postum 1958 in einer überarbeiteten Fassung
erschien.
A. a. O. Band 30 Nr. 1580.
19
I. LITERATUR
(Bertolt Brecht)
29* — Schriftstück m. U. Berlin 19.VI.1953. 1 S. quer-gr.-8o. Mit gedrucktem Briefkopf des
„Berliner Ensemble“. Zwei kleine Faltenrisse. Gelocht. (400.—)
Typoskript: „Hiermit bestätigen wir, dass unser Mitglied Joseph N o e r d e n von uns die Erlaubnis hat,
bis zum 23. Juni 1953 am Schiller-Theater in Berlin-Charlottenburg zu gastieren. / Berliner Ensemble
/ – Helene Weigel –“.
Brecht unterschreibt eigenhändig: „Bertolt Brecht / Nationalpreisträger / und Mitglied der / Akademie
der Künste“ (Kugelschreiber). – Der luxemburgische Schauspieler J. Noerden (1927 – 1991) wurde noch
in diesem Jahr Ensemblemitglied des Schiller-Theaters.
Beiliegend ein Br. m. U. von Helene We i g e l (Berlin 14.XI.1952, auf dem gleichen Briefpapier);
ebenfalls an Joseph Noerden: „... Haben Sie vielen Dank für Ihre große Arbeit, der Ruprecht“ (aus dem
„Zerbrochenen Krug“) „wird eine wunderschöne Figur. Seien Sie mir nicht böse, daß ich heute nicht in
der Vorstellung sein kann, weil ein Arzt heute abend zu mir in die Wohnung kommt; sonst hätte ich alle
Spucke für Sie – / und ich erlaube Ihnen hinterher sogar ein Glas Bier!!“
Helene Weigel war seit 1949 Intendantin des Theaters am Schiffbauerdamm, in einem Text von ihr
(siehe Nr. 638) heißt es dazu: „Brecht hat mir die Theaterleitung angehängt, weil er diese Arbeit nicht
machen wollte und weil er die vielen Jahre, die wir zusammengelebt hatten, gesehen hatte, daß ich ein
Organisationstalent habe“.
30 BROCH, Hermann, 1886 – 1951. Widmungsexemplar seiner Roman-Trilogie „Die
Schlafwandler“. 3 Bände. München-Zürich: Rhein-Verlag 1931 – 1932. 8o. Orig.-Leinen mit
Goldprägung und Kopffarbschnitt. Geringfügig berieben und bestoßen. – Erste Ausgabe
(W/G2 3).
(300.—)
Auf dem Vortitel des dritten Bandes die eigenhändige Widmung: „Für Hans R e i s i g e r / Zur Erinnerung
an den Sonnen- und Arbeitswinter 1935/36 in Mösern-Seefeld – in Herzlichkeit / H- Broch.“
Brochs Erstlingswerk, mit dem er „international seinen Ruf als Zugehöriger der literarischen
europäischen Avantgarde begründet“ (P. M. Lützeler).
31 — 4 eigenhändige Zeilen m. U. „H“ in dem gebundenen (unvollständigen) Umbruch
zur ersten Ausgabe seines Buches „Die Schuldlosen“, München: Weismann 1950 (W/G2 11),
8o, privater Halblederband mit goldgeprägtem Rückentitel; papierbedingte leichte Bräunung.
(400.—)
Auf dem Vortitel Brochs eigenhändiger Eintrag „Unkorrigiertes, unkomplettes Fehlexemplar: 50 %
Umbruch, doch 100% gute Reisewünsche in Herzlichkeit / H“.
Das Exemplar umfasst 240 (von 400) Seiten; auf S. 33 Brochs eigenh. Vermerk „fehlen drei Seiten“ in
Rotstift.
20
I. LITERATUR
„Treuloser und nicht schreibender Barbar“
32
BROD, Max, 1884 – 1968. 2 e. Postkarten m. U. Prag 18.XI.1907 und 2.V.1908. Leicht
gebräunt.(350.—)
An den Lyriker Max Fleischer, dem er einen neuen Gedichtband ankündigt und um Abgabe eines
Aufsatzes bittet.
18.XI.1907. „... Treuloser und nicht schreibender Barbar, ich zeige Ihnen an, daß Sie demnächst mein
neues Versbuch ‘Der Weg des Verliebten’ erhalten, über das schon jetzt alle Welt schimpft. Schimpfen
Sie mit!? ...“
2.V.1908. „... nur müßte aber, wenn Sie das Ms. nicht bald abliefern, der Aufsatz erst spät im Herbst
erscheinen ... Mit aufrichtiger Kondolenz für Ihren langen Brief (mir steht nämlich auch so was bevor) ...“
S e l t e n so früh.
33
— 1 e. Br. m. U. und 1 e. Postkarte m. U. Tel-Aviv 29.XII.1956 und 8.V.1960. 1 S. gr.-8o
und die Karte. (250.—)
An Dr. Horovic in Tel-Aviv.
29.XII.1956. „... Seit langem vermisse ich Ihren lieben Besuch im Café! ... Meine K a f k a -Biographie
liegt für Sie vorbereitet auf meinem Schreibtisch ...“
8.V.1960. Bei Übersendung einer Einladung in den literarischen Salon seiner Schwägerin Nadja Taussig.
„... Ich ‘residiere’ früh manchmal jetzt im Café Roma (gegenüber dem früheren Café) – und manchmal
da wo bisher.“ – Die Einladung zu einer Lesung Brods liegt bei.
34
— E. Br. m. U. O. O. u.J. 22⁄3 S. gr.-8o. Bläuliches Papier. Kleine Randläsuren. (200.—)
An Emil F a k t o r, Chefredakteur des „Berliner Börsen-Couriers“, dem er einen Artikel „über den
sensationellen Erfolg der neuen Oper von Janacek“ in Brünn sendet und den er bittet, auf die Berliner
Aufführung seines Einakters „Die Höhe des Gefühls“ aufmerksam zu machen.
„... Sonntag Mittag. Vorher werden Gedichte aus meinem ‘Buch der Liebe’ gelesen ... Ich kann mir nicht
vorstellen, daß eine so eigenartige Veranstaltung ein halbwegs besetztes Haus findet. Wer geht denn
Sonntag Vormittag ins Theater? ... Es ist meine überhaupt erste Aufführung in Berlin ...“
35* BRUCKNER, Ferdinand, Pseudonym für Theodor Tagger, 1891 – 1958. E. Ansichtskarte m. U. „Th. Tagger“. Poststempel: 13(?).IX.1931. Knickspur.
(200.—)
An Konrad Maril, Cheflektor bei S. Fischer in Berlin, mit der Bitte, ihn zur Generalprobe einer Londoner
Aufführung (wohl seines Stücks „Elisabeth von England“) zu begleiten.
„... Eigentlich brauchte ich Sie schon hier sehr dringend. Könnten Sie über Paris nach London? ... Wir
könnten dann zusammen im Auto bis Calais ... Ich fahre keck und zuverlässig wie ein geborenes Pariser
Taxi ...“
Erwähnt den armenisch-französischen Schauspieler und Theaterleiter Georges Pitoëff und bittet, „auch
Herrn Fischer u. Dr. Bermann“ Grüße auszurichten.
21
I. LITERATUR
36
BÜRGER, Gottfried August, 1747 – 1794. Br. m. U.u.E. Wöllmershausen 31.I.1775. 2 S.
folio. Mit zerteiltem Trauersiegel und Adresse. Winzige Wurmspur.
(400.—)
Als Gerichtshalter der Freiherren v. Uslar zu Altengleichen an seinen Kollegen am „Hochfreyherrl. Görtz
Wrisbergischen Gericht in Rittmarshausen“ wegen der Überführung des Leichnams des Obristen Adam
Heinrich v. Uslar „nach Bremeke in das Adel. Erbbegräbniß“.
„... Da ... ein Theil des Weges durch die Gränzen des dasigen Hochfreyherrl. Gerichts führet: So habe
ich solches Euer Wohlgebohren als Gerichts Obrigkeit hierdurch zu notificiren ...“
Bürgers Ernennung zum uslarischen Amtmann (1772) hatte sich der verstorbene Senior der Familie lange
widersetzt. – Nicht bei Strodtmann.
„durch meine Gutherzigkeit“
37
— E. Br. m. U. Wöllmarshausen 24.VII.1775. 2 S. 4o. Fraßspuren an Unterrand
(800.—)
An den Hofgerichtsauditor Ferdinand Kirchmann (in Hannover) wegen des Konkurses des Hofrats
Ernst Ferdinand Listn, Bürgers Amtsvorgängers als Uslarscher Gerichtshalter, für dessen Folgen er
unverschuldet haften solle.
„... Weil ich glaube, daß Ew Wohlgebohren eben derjenige Herr Kirchmann seid, welcher vor einigen
Jahren in Göttingen zu kennen, ich das Vergnügen gehabt habe, so schreibe ich dieses mit mehrern
Zutrauen. Ew Wohlgebohren haben bey K[öniglich]r JustizCanzley einige Rescripte um Einschickung
der von mir aufgenommenen Listnschen Gelder ausgewirket. Wie ich jedoch meinen wahrhaften Bericht
quare non bereits eingesendet, ... so seze ich das gewisse Vertrauen, daß dieselben den ohnehin schon
großen Verlust, welchen ich durch meine Gutherzigkeit an dem Hofrath Listn leicht erleiden dürfte,
durch einen Proceß, worin ich mich doch mit allen Kräfften wehren müste, nicht ohne Noth vergrößern
werden. Es soll dieses jedoch keinesweges eine niederträchtige Captatio benevolentiae seyn, welche zur
Absicht hätte, Dieselben Ihrer Einsicht und Pflichten uneingedenk zu machen ...“
Listn hatte 1772 Bürgers Bewerbung um die Gerichtshalter-Stelle gefördert und ihn in sein Haus in
Gelliehausen aufgenommen, wo Bürger in der – auch von seinem Freund Boie verehrten – Hofrätin Anne
Juliane Listn eine Muse fand.
Nicht bei Strodtmann.
38
— E. Br. m. U. „Dein unsterblicher Autor / Verleger Geissel“. Wöllmarshausen
10.IV.1778. 31⁄2 S. gr.-folio. Etwas stockfleckig, kleine Einrisse.
(1.600.—)
An seinen Freund und Verleger Johann Christian D i e t e r i c h in Göttingen, der auf weiteres Manuskript
zu der in diesem Jahr erscheinenden ersten Sammlung seiner „Gedichte“ wartete.
„O Du verwegenster und frevelhaftester Salva venia unter der Sonnen! Harre! Harre! Ich bin recht
aufgelegt heüte, Dich zu kuranzen. Meine Galle ist noch in voller Bewegung. Denn so eben habe ich Mann
und Frau ins Hundeloch stecken lassen, wo sie sich wieder vertragen sollen. – Kom mir nur heraus! Du
solst auch hinein und die Lästerungen gegen Deinen erhabnen Autor bei Wasser und Brod büssen. Was?
Wir beschissen die Welt mit Dem, was schon tausendmal gelesen wäre? Sieh, Du unwissender Verleger,
wie schlecht Du in Deinen eignen VerlagsArtikuln belesen bist. In den bisherigen Bogen sind schon über
zehn nagelneüe Stücke, die sich gewaschen haben; und die Alten an vielen Orten mit frischen glänzenden
Firnis überzogen worden. Und wie despectirlich sprichst Du das Wortlein Tausend aus! Meinst Du daß
22
I. LITERATUR
Nr. 38 Gottfried August Bürger
23
I. LITERATUR
(G. A. Bürger)
die Welt genug haben werde, wenn meine Herrlichkeiten auch millionenmal gelesen worden sind? Nach
zehntausend Jahren werden meine Werke noch zehntausend Verleger an Kutschen und Pferde verhelfen.
Was, Du verwegener Spötter, ich hätte auf jedes Dörfchen Collecteürs gesezt? Einen alten Scheisdreck!
Der Ruhm Deines Autors blühet dergestalt in allen Landen und auf allen Meeren, selbst oben in dem
Monde, daß von selbst sich alles Schaarenweise, meiner Anmut und Weisheit zu zu hören, um mich her
dränget. Der Mann im Monde, wird gewis unaufgefodert auch noch eine Liste senden.
Was, Du alter Hosentrompeter, Du hättest den Kupfereinfall, worauf Du so dick und breit thust, zuerst
gehabt? – Ich sage Dir aber, daß ich schon im Mutterleibe ... den Einfal gehabt habe. Deine Vermessenheit,
Du tolkühner Verleger, steigt vollends aufs höchste und verdient ganz gelinde mit der ewigen Verdamnis
bestraft zu werden, wenn Du meinst, daß Du das Auge und Herz allein kizelst ... Versuch es doch einmal
aus Deinen AllmanachsArchiv den schönen Scheisdreck auf schönes weißes Schreibpapier, mit schönen
Druck, mit Kupfern von Chodowiecky geziert, auf das herlichste herauszugeben und sieh zu, wie viel
Herzen und Augen Du kizeln wirst ...
M[anu]s[kri]pt kan ich heüte noch nicht mitschicken. Ich bin gestern Abend erst späth zu Hause
gekommen und heüt hab’ ich Gerichtstag. Ist doch noch zu dem J. und K Bogen“ (die Seiten 129 bis 160
mit der „Prinzessin Europa“, dem „Raubgraf“ und dem Anfang der „Weiber von Weinsberg“) „Vorrath
da. Zeit genug, wenn Morgen was komt. Nur nicht drüber räsonirt! Nicht gemuckst! Sondern dem Autor
hübsch den Fus geküst! Ich wil Dich Mores lehren, Du Tausendsasa! ...“
Joost Nr. 12; „Nach Ebstein, Bürger und Dieterich, S. 29 ... – verschollen“.
39
— E. Br. m. U. „GAB“. A(ppenrode) 24.V.1783. 11⁄3 S. gr.-folio. Mit Blindsiegel und
Adresse. Etwas fleckig.
(1.200.—)
An denselben, der ihn eingeladen hatte.
„Ehegestern, liebes Männchen, da deine Citation einlief, war ich in AmtsVerrichtungen aus. Gestern
hatte ich Gerichtstag und muste mich fast bis um 4 Uhr mit allerlei liederlichen Gesindel herumplacken.
Da gab es HundelochsSchauspiele mit Musik von Ach und Weh und Cetermordio. Heüte habe ich mit
d[em] H[errn] GerichtsSch[ulzen] Compe zwischen Obernjesa und Sieboldshausen eine Feld- und
Gränzbesichtigung. Solte ich früh genug fertig werden, so kann es seyn, daß ich noch zum Mittagsessen zu
dir komme. Doch hast du weder auf mich warten, noch deine Kochegeister sich mit den sonst schuldigen
Delicatessen sich bemühen zu lassen. Nachmittag komme ich aber nach aller Wahrscheinlichkeit. Ich
kann aber nicht länger, als höchstens bis Morgen nach Tische bleiben. Sollte mich je ein unversehener
Vorfall dennoch an dem heütigen kommen hindern, so werde ich mich doch Morgen wenigstens um 4 Uhr
schon auf die Beine machen und dich aus dem Bette hohlen. Ubrigens wird auf Morgen Mittag hiermit
eine extrafeine KrebsSuppe, samt Spargel ganz ausdrücklich und ohne allen Mangel beordert. Die
übrigen Delicatessen werden zwar deiner Wahl überlassen, allein sie müssen demohngeachtet alle von der
Beschaffenheit seyn, daß sie dermalen in Göttingen und Viermeilen auf die Runde nicht besser zu haben
sind. Wornach du dich also zu richten und vor großer Ungelegenheit zu hüten hast.
Wenn du keine Paquete von besserm Inhalte, als das lezte, zum M [ u s e n ] A [ l m a n a c h ] zu schiken
hast, so siehts immer noch sehr übel aus. Das meiste bisherige ist nicht nur Stroh, ohne alles Korn,
sondern noch dazu mulstriges Stroh, welches zu nichts weiter, als ins DüngerMagazin dienet ...“
Joost Nr. 72.
24
I. LITERATUR
40
— BÜRGER, Elise, geb. Hahn, seine dritte Ehefrau, das „Schwabenmädel“, 1769 – 1833.
E. Gedicht m. U. „Ph ... B ...“. 1 S. 4o. Leicht gebräunt.
(300.—)
„Der Mezger Sohn / bei seines Vaters Begräbniß.
Ein dicker Mezgermeister, der in seinem Hause
Vollkommen Herr, und etwas krittlich war,
Starb, und sein Sohn schaut während’m Todtenschmause
Zum Fenster breit herab, beschaut die grose Bahre,
Und im Gefühl, daß er der Herr nun werde,
Spricht er mit ganz gelassener Geberde:
‘Der arme Vater liegt nun stumm und still.
‘Jezt schlacht’ ich meine Ochsen wie ich will!’ ...“
Darunter der e. Vermerk: „In die wöchentliche Unterhaltung“.
Nach der kurzen unglücklichen Ehe mit Bürger (1790 – 1792) betätigte sich Elise erfolgreich als
Schauspielerin, Declamatrice und Schriftstellerin, die regelmässig in Zeitschriften veröffentlichte.
41 BUSCH, Wilhelm, 1832 – 1908. E. Albumblatt m. U. „Wilh. Busch.“ Mechtshausen
„Juni 1904“. 1 S. quer-kl.-4o (Briefkarte).
(1.200.—)
„Nenne Keinen dumm und säumig,
Der das nächste nur bedenkt.
Ach die Welt ist so geräumig,
Und der Kopf ist so beschränkt ...“
42
— E. Br. m. U. Mechtshausen 27.XII.1906. 1 S. quer-kl.-8o (Briefkarte).
(800.—)
An Fräulein Hase.
„... Ihren Wunsch, den Ihr liebenswürdiger Brief ausspricht, kann ich leider nicht erfülle n. Ein
Exemplar vom Warnecker ExLibris besitze ich nicht mehr, und ein eigenes Bücherzeichen hab ich niemals
besessen ...“
Busch hatte das Exlibris 1899 für seinen Freund, den Heraldiker Friedrich Warnecke geschaffen.
25
I. LITERATUR
(Wilhelm Busch)
„das beste Bild von ihm“
43
(—) 2 Portraitphotographien. (Wohl Mechtshausen, kurz vor 1908). 17,1 × 12 cm. Auf
schwarzen Karton montiert (21,8 × 15 cm). Aufnahme: Hans Müller-Brauel (von diesem auf
dem Untersatzkarton signiert). – Dazu ein Begleitbrief von Müller-Brauel (1909).
(600.—)
Zwei Brustbilder (Dreiviertel-Portraits), mit und ohne Hut.
Hans Müller-Brauel (1867 – 1940) war Photograph und Heimatkundler, der die Aufnahmen im
Auftrag der Zeitschrift „Heidjer“ angefertigt hatte; in seinem Begleitschreiben schildert er „die
Entstehungsgeschichte“ der Aufnahmen: „... es werden wohl die letzten Aufnahmen nach dem Leben
sein, die von diesem grossen Humoristen existiren ... Natürlich wollte ich diesen wundervollen Kopf
haben, als ich aber dies zu Pastor Nöldecke“ (Buschs Neffe Otto N., bei dem er in Mechtshausen lebte)
„äusserte, riet dieser sehr ab, ich sollte es nehmen, wie Busch sich gebe, ohne weiter zu wünschen, er
könne masslos ungezogen sein ...
Also, ich typte erst mit Hut, dann hielt ich inne und wartete so scheinbar und als B. dann fragend aufsah
und fragte, sagte ich, ich hätte liebend gern eine Aufnahme ohne Hut. B. sah mich schweigend an, nahm
schweigend seinen Hut runter und ich typte ein zweimal ... Er hat mir sagen lassen, ‘es sei das beste Bild
von ihm’ ...“
44 BYRON, George Gordon Noel Lord, 1788 – 1824. Briefumschlag, eigenhändig datiert
„London Septr thirtieth“ (1814), adressiert und signiert „Byron“. Quer-8o. Mit Blindsiegel und
Poststempeln. Links beschnitten, Ausriss an der nicht beschrifteten hinteren Lasche.
(300.—)
An seinen Freund und Verleger John Murray und dessen Schwager (Cornelius?) Elliot in Edinburgh.
„To / Mr Murray / Mr Elliot / Northumberland St / Edinburgh“.
Sehr selten.
26
I. LITERATUR
45
CAMUS, Albert, 1913 – 1960. E. Br. m. U. „Albert Camus“. (Paris) 21.III.1955. 1⁄2 S.
gr.-8o. Auf einem Briefbogen der „Nouvelle Revue Française“. Mit Umschlag.
(600.—)
An die Schriftstellerin Noëlle Hervé.
„... Je suis désolé que Rome n’ait pas marché. En y pensant, je me suis souvenu que Mme Caetani avait
déjà refusé plusieurs ‘extraits’. Et il semble bien, vraiment, qu’elle ait mis là ses principes. Tant pis ...“
In der von Camus herausgegebenen Reihe „Collection Espoir“ bei Gallimard erschien im Juni 1955 Hervés
Werk „L’enfant du vieux monde“. Marguerite Caetani war Herausgeberin der zwischen 1949 und 1960
halbjährlich erscheinenden literarischen Zeitschrift „Botteghe oscure“, in der Camus veröffentlichte.
46
CANETTI, Elias, 1905 – 1994. Signiertes Exemplar seines Buches „Masse und Macht“.
Hamburg: Claassen 1960. 8o. Orig.-Broschur; etwas angestaubt, leicht bestoßen. – Erste Ausgabe (W/G2 7).
(300.—)
Auf dem Titel signiert und datiert „Elias Canetti / 30. März 1968“.
47* CARLYLE, Thomas, 1795 – 1881. E. Br. m. U. London 10.III.1838. 1 S. 8o. Mit Siegel
und Adresse.
(150.—)
An den ihm befreundeten Berliner Kriminaldirektor, Verleger und Schriftsteller Eduard H i t z i g , dem
er „F. Woodhouse, an English Stranger“ empfiehlt.
„... He is travelling Southward and Eastward as far as Vienna; and would fain know what is worthiest
among German products, especially among German men, the noblest sort of product. Prey, for my sake
and for his own, forward him as you can …“
Beiliegend eine Portraitphotographie (Aufnahme: Elliott & Fry).
48
CARMEN SYLVA, Pseudonym der Königin Elisabeth von Rumänien, geb. Prinzessin zu
Wied, 1843 – 1916. E. Br. m. U. „Elisabeth“. Sinaia 9.VIII.1883. 4 S. quer-8o. Graues Briefpapier mit faksimiliertem Namenszug „Elisabeth“. Mit Umschlag.
(350.—)
An die Malerin D o r a H i t z in Paris, die für den Musiksaal von Schloss Pelesch Wandfresken nach
dichterischen Motiven der Königin geschaffen hatte.
„Hitzerich! Sie haben den Vogel abgeschossen! Der König, ohne jemals die Märchen gelesen zu haben,
findet die Bilder sehr schön. Ich finde das Leiden weit, weit schöner als die erste Anlage; es erinnert mich,
in seiner einfachen Tragik an Gabriel Max! Der verdorrende Baum, die Herbstzeitlosen, die geahnte
Ruine, Alles, Alles, das liebe Gewand – die schwarzen Haare!! ...“
Beiliegend 2 weitere e. Br. m. U., Schloss Segenhaus 1904, an Freunde in Amerika, die sie um Unterstützung
für die Musikerin Annie von Meibom und ihren Bräutigam bittet (7 S. quer-gr.-4o; Defekte), und (Schloss
Pelesch 7.X.1911), an den Hofbuchhändler Wilhelm Wunderling in Regensburg, bei dem sie hundert
Exemplare der „Märchensammlung von Frau Lina Sommer ... zu Weihnachten“ bestellt.
27
I. LITERATUR
49
CAROSSA, Hans, 1878 – 1956. E. Br. m. U. Rittsteig, „Ostersonntag“ (25.III.) 1951. 2 S.
gr.-8o. (250.—)
An Peter S u h r k a m p mit Glückwünschen zum 60. Geburtstag.
„... Bewegten Herzens lasse ich wieder einmal die Jahre, die wir gemeinsam überstanden haben, an dem
geistigen Auge vorübergehen und vergegenwärtige mir, wie leicht es hätte geschehen können, daß wir zur
Feier dieses denkwürdigen Tages erst in der Stadt hinter dem Strom wären eingeladen worden. Aber wir
leben noch und wollen uns der hellen und der dunklen Tage freuen, die uns noch gegönnt sind ... Wie klar
und schön, wie ungetrübt steht heute Ihr Name und Ihr Verlag mitten in der verworrenen Gegenwart!
‘Wohlwollen unsrer Zeitgenossen, / Das bleibt zuletzt erprobtes Glück’
Die Wahrheit des tröstlichen Goethewortes möge Sie an Ihrem Geburtstag erfreuen und in Ihrer Arbeit
bestärken! ...“
Im Vorjahr hatte sich Suhrkamp vom S. Fischer Verlag getrennt seinen eigenen Verlag gegründet.
50*
— E. Gedicht m. U. 2⁄3 S. gr.-8o. Kleiner Faltenriss, verso Montagespuren.
(150.—)
„Der Sturm legt Wälder um / und bringt Schiffe zum Sinken; aber / die zartgrüne Rankenspirale, an /
der sich die Weinrebe festhält, / die vermag er nicht abzureißen.“
Dazu ein e. adressierter Briefumschlag an K. Gallussen in Zürich (Rittsteig 1951).
51 CELAN, Paul, Pseudonym für Paul Anczel, 1920 – 1970. Buch: „Der Sand aus den
Urnen“. Mit 2 Orig.-Lithographien von Edgar Jené. Wien: A. Sexl 1948. 8o. Orig.-Halbleinen.
Geringfügig berieben, Vorderdeckel mit kleiner Reparaturstelle. – Erste Ausgabe (W/G2 6:
„Aufl. v. P.C. fast ganz vernichtet“); Nr. 20 von 500 Exemplaren. (8.000.—)
Auf dem vorderen Vorsatz eine eigenhändige Widmung des Illustrators und Celans geistigen Weggefährten
Edgar J e n é :
„O der Verstand, der unglückselige Verstand. / Kleist
für Hans Muschik in Freundschaft / Edgar Jené / September 1948“.
S e h r s e l t e n ; wegen zahlreicher Druckfehler hatte Celan alle noch greifbaren Exemplare einstampfen
lassen.
28
I. LITERATUR
52
CHAMISSO, Adelbert von, 1781 – 1838. E. Schriftstück. 1⁄2 S. gr.-8o(untere Blatthälfte
alt abgeschnitten). Seidenpapier. An den oberen Ecken auf Karton montiert.
(350.—)
Skizze über ein Treffen mit dem ihm befreundeten Schriftsteller Ernst R a u p a c h . – Raupach feierte
seinerzeit mit seinen Stücken große Erfolge und galt Teilen der Kritik als legitimer Nachfolger Schillers.
„Raupach hat Freude bezeigt ... und uns eingeladen bei der Rückreise abermals bei ihm anzusprechen.
Wir haben viel und über vieles zusammen gesprochen, oft gleicher Meinung manchmal verschiedener, und
immer mit einer erfreuligen und fast lächerlichen Freimüthigkeit wo wir von uns und unseren Sachen zu
sprechen kamen. Seine Frauen sagten sie hätten [ihn] noch sonst mit niemandem so gesprächig gesehen.
Jetzt nimmt ihn noch sein neuer Stand ganz in Anspruch und er kann schon deshalb nicht arbeiten, weil
seine Fenster auf den Hof sich öffnen, wo jeder Thon der sich regt seine Aufmerksamkeit ablenkt und
feßelt. – Er läßt sich im Garten sein Sommer- Arbeit und Tobe Haus [errichten] in dessen abgestecktem
Umkreise es keinem ‘Haasen’ sich blicken zu lassen gestattet sein wird.“
Am Oberrand der e. Vermerk: „Gruß an Hitzig“. – Chamisso war mit Antonie Piaste verheiratet,
der Pflegetochter des Berliner Buchhändlers Julius Eduard Hitzig, des Gründers der „Berliner
Mittwochsgesellschaft“, der u. a. auch Raupach und Chamisso angehörten.
„dans l’exil“
53* CHATEAUBRIAND, François René Vicomte de, 1768 – 1848. E. Br. m. U. Genf 27.IX.
1832. 3 S. gr.-4o. Mit papiergedecktem Siegel und Adresse. Tinte leicht durchschlagend, kleine
Läsuren; blaue Siegelspur auf der dritten Seite.
(600.—)
Aus dem Schweizer Exil an M. Mandaroux Vertauny in Chappes, einen Vertrauten, der ihn mit
Nachrichten aus Frankreich versorgte, u. a. über die Verhaftung der Herzogin von Berry.
„... J’ignore si je reverrai jamais la France; je ne le pense pas et je me suis déjà arrangé pour achever
mes jours où je les ai commencé, dans l’exil. Toutefois si Mde la Dsse de Berry étoit arrêtée, je rentrerois à
l’instant pour m’offrir pour l’un de ses défenseurs ...“
Herzogin Marie Caroline von Berry geb. Prinzessin von Bourbon-Sizilien (1798 – 1870) war nach der
Julirevolution 1830 König Karl ins Exil gefolgt, aber im April 1832 nach Frankreich zurückgekehrt, um
den Thron für ihren von den Legitimisten zum König ausgerufenen 11-jährigen Sohn Heinrich von Artois
zu sichern.
54* CHESTERFIELD, Philip Dormer Stanhope, 4. Earl of, englischer Staatsmann und
Schriftsteller, Freund von Pope, Swift und Voltaire, 1694 – 1773. E. Br. m. U. London 6.II.1761.
21⁄2 S. 4o. Leicht fleckig, Montagespuren auf der (leeren) vierten Seite.
(1.600.—)
Herrlicher Brief an den alternden Dandy B e a u N a s h (1674 – 1771) in Bath, den zwar inoffiziellen,
aber über Jahrzehnte unangefochtenen Zeremonienmeister der Badestadt („The King of Bath“), der sich
über eine gegen ihn angezettelte Intrige beklagt hatte. Chesterfield rät Nash, seine Feinde lächerlich zu
machen; so könne er das Komitee der Verschwörer – in Anlehnung an den parlamentarischen Ausschuß
im englischen Bürgerkrieg – als „Committee of Safety“ verhöhnen, solle jedoch bedenken, welchen
Ausgang die Sache damals für den König genommen hatte.
29
I. LITERATUR
(Chesterfield)
„... When I left the Bath, I though[t] that I left your Throne as solidly established as any Throne in
Europe. You ruled with lenity, and your Subjects obeyed with cheerfullness. But such is the uncertainty of
human affairs that it seems a Conspiracy has broke out, to distreß and even to subvert your goverment.
I do not see what I can do at this distance to assist you, knowing no body at Bath but my Brother & Lord
Ancram who are both as I am informd much in your interest. There is a Committee, you say, formed
against you, form a Counter Committee, of your most Considerable Friends, not forgetting two or three
of our tough countrymen who are Mana quam Consiglio promptiores. Among gentler, but perhaps not
less effectuall measures you may call ridicule in to your assistence and give their Committee the name
of the Committee of Safety, which was manifestly formed to destroy the then established Goverment and
(avert the Omen) did so. They begin with the reformation of your musick the Round heads did so with
the organs, but the latter mean’t more, and so do the former. The profit is the real Cause of discord,
and therefore I am affraid that some man of quality and fortune should avail him self of these Civil
dissentions, and come and swallow the Oyster and leave you and your antagonist only the shells. For my
own part, I say o King live for ever ...“
Chesterfield unterzeichnet als Nashs „Loyall Subject“.
Sehr selten.
55
CLAUDEL, Paul, 1868 – 1955. E. Br. m. U. Château de Branges, 10.VI.1936. 23⁄4 S. kl.4o. Mit frankiertem Umschlag.
(200.—)
An den Dichter Alexis Léger (Saint-John Perse), Generalsekretär des Pariser Außenministeriums, mit der
Bitte, seinem Sohn Pierre zu einer Anstellung bei der „Ligue des Nations“ zu verhelfen.
„... Mon fils Pierre vient d’échouer pour la troisième fois au concours des Affaires Etrangères ... La
carrière lui est désormais fermée, comme elle l’est à tous les candidats qui n’ont pas le bonheur d’être
universitaires ou fils d’universitaires ...“
56
— E. Gedicht. 1 S. 4o. Blaues Papier.
„ N a t i v i t é “ . Neun vierzeilige Strophen, die erste lautet:
„Il n’a pas choisi
Le palais des rois
Mais ce coin étroit,
Sordide et moisi.“
Mit zahlreichen Korrekturen.
30
(200.—)
I. LITERATUR
Nr. 54 Philip Dormer Stanhope, Earl of Chesterfield
31
I. LITERATUR
„Gevatter Hamann“
57
CLAUDIUS, Matthias, 1740 – 1815. E. Br. m. U. Wandsbek 25.I.1781. 1 S.gr.-8o.
(1.200.—)
Wohl an einen befreundeten Buchhändler, der anläßlich einer Reise (nach Königsberg) hoffte, den
Philosophen Johann Georg Hamann zu treffen.
„ich habe nichts zu bestellen als glückliche Reise! und grüßen Sie mir meinen alten Freund und Gevatter
Hamann vielmahl, und bringen ihn mit zurük; das würde seinem alten krankhaften Körper vermuthlich
sehr wohl thun.
Wenn unser Freund krank wäre, das thäte mir sehr leid, sonderlich um seinetwillen; und dann auch um
meinetwillen; denn, die Wahrheit zu sagen, ich habe zum anfangs Februar zu bezahlenden Kaufschilling
auf die 100 rth halbjährige Pension gerechnet.
Seyn Sie doch so gut, für mich auf die Choräle von Sebastian B a c h zu ... subscribiren ... und decretiren
mirs gelegentlich wieder. / Nun noch einmahl glückliche Reise ...“
58
COCTEAU, Jean, 1889 – 1963. E. Br. m. U. „Jean *“. O. O. u. D. 2 S. 8o. Mit Briefkopf
„Grand Hotel / Toulon“.
(250.—)
An einen Freund („Mon cher Richard“) mit der Bitte, ihm bei der Herausgabe der englischen Ausgabe
seines Buches „Le Livre Blanc“ behilflich zu sein.
„... voulez vous voir avec Roche pour les conditions du ‘Livre Blanc’ – Je serais heureux d’être représenté
par Roche dans ‘l’affaire’ Putnam – car il ne faudrait pas que l’edition anglaise nuise à la coté de
l’edition Française illustrée ...“
Die erste französische Ausgabe erschien 1928.
59* — E. Br. m. U. „Jean *“. O. O. u. D. 1 S. gr.-4o. Dreifach gelocht, kleine Randschäden,
etwas unfrisch.
(150.—)
An „Chère Mikà“.
„... Je pense que cette oeuvre vous interessera et que seule vous pouvez porter une aide efficace aux
artists – par 4 ou 5 coup de télephone – ce n’est pas pour vous raser – mais l’oeuvre est importante.“
60
CONRAD, Joseph, ursprünglich Józef Teodor Konrad Korzeniowski, 1857 – 1924. E.
Postkarte m. U. Orlestone 27.V.1911. Auf einer Briefkarte mit gedrucktem Kopf. Leicht gebräunt.(600.—)
An seinen Agenten James B. Pinker in London.
„... Thanks very much for your letter with enclosure received this morning ...“
32
I. LITERATUR
Nr. 57 Matthias Claudius
33
I. LITERATUR
61
CORVINUS, Gottlieb Siegmund, 1677 – 1746. E. Albumblatt m. U. (Leipzig um 1730.)
1 S. quer-8o. Leicht fleckig.
(150.—)
„Ein herlicher Verstand, der in der Stirne sitzt, / Ein auffgeweckter Geist, der aus den Augen blitzt, /
Ein Mund, woraus man gleich die Höfflichkeit kan lesen, / Der Minen Gravität, der Züge holdes Wesen /
... Dieß ist, beliebter Freund, dein eignes Conterfey ...“
Verso eine Eintragung von fremder Hand (Leizig 1731).
„quelques pages inédites“
62* DAUDET, Alphonse, 1840 – 1897. Eigenh. Manuskript mit Namenszug am Schluss. 6 S.
4o, paginiert. – Dazu 3 e. Br.(m. U.) Paris 12.IV.1893 und o. D. 5 S. 8o. – Zusammen in einem
roten Halbfranzband mit Rückentitel, 4o. Etwas berieben und bestoßen.
(1.200.—)
„S o u v e n i r s d e J e u n e s s e / Le Grand caricaturiste André Gill“; beginnt:
„J’ai rencontré André Gill au bon moment, à l’heure fraiche des amitiés de jeunesse, quand la terre
encore molle s’ouvre à toute semence, pour des moissons de tendresse et d’admiration. J’avais vingttrois ans, lui guère davantage. J’étais campagnard à l’époque, campagnard de banlieue, hirsute, velu,
chevelu, botté comme un tzigane, coiffé comme un tyrolien, logeant entre Clamart et Meudon, à la porte
du bois. Nous vivions là quatre ou cinq dans des payotes, Charles Bataille, Jean Duboys, Paul Arène,
qui encore? On s’était réuni pour travailler, et l’on travaillait surtout à courir les routes forestières,
cherchant des rimes fraiches et des champignons à gros pied ...“
Wie aus seinen beigefügten Briefen an den Philologen Alphonse Naus van Daell in Boston hervorgeht,
waren diese „pages inédites“ für einen von van Daell geplanten Band ausgewählter Werke bestimmt.
Beigebunden ist ein Briefentwurf van Daells an Daudet, in dem er dessen ursprünglichen Vorschlag einer
amerikanischen Ausgabe seiner „contes patriotiques“ ablehnt, sowie ein weiterer, den Auswahlband
betreffender Brief des amerikanischen Schriftstellers Frank W. Freeborn.
63*
DEHMEL, Richard, 1863 – 1920. E. Gedicht. 1 S. gr.-8o. Kariertes Papier.
„Die befohlene Linie.
‘Die befohlene Linie ist erreicht’ –
wir warten auf weitern Befehl.
Wo solch ein Generalswort steigt,
spürt jede Soldatenseel:
ich tat meine Pflicht, das genügt.“
Es folgen zwei weitere Strophen.
34
(250.—)
I. LITERATUR
64
DICHTER und Schriftsteller. – Über 100 Autographen, vielfach e. Br. m. U. Meist Ende
19., Anfang 20. Jahrhundert. Vereinzelt montiert. (1.600.—)
Darunter Willibald Alexis („Häring“), Ludwig Anzengruber (Briefschluß), Berthold Auerbach (Widmung
für „Meinen Freund / Eduard Mörike“), Ferdinand Avenarius, Björnsterne Björnson (2), Georg Brandes
(Portraitpostkarte m. Widmung u. U.), Moritz Busch (Briefschluß), Felix Dahn (2), Alphonse Daudet
(gedr. Visitenkarte mit e. Zusatz), Richard Dehmel (2), Albert Dulk (Briefschluß), Georg Ebers, Marie
von Ebner-Eschenbach, Ottomar Enking (6), Otto Ernst (e. Albumblatt m. U.), Gustav Falke (3),
Ludwig Finckh, Ferdinand Freiligrath (Zeichnung), Gustav Freytag (2), Emanuel Geibel (Widmung
für „Herrn Dr Eduard Mörike“), Karl von Gerok, Claire von Glümer, Rudolf von Gottschall, Martin
Greif (2), Franz Grillparzer (e. Schriftstück mit Namen im Text), Karl Gutzkow (3), Robert Hamerling,
Maximilian Harden, Gerhart Hauptmann (2: „Autographenkarte“, Weltausstellung Karlsruhe 1905, und
e. adressierter Briefumschlag), Friedrich Hebbel (Briefschluß, verso e. Adresse), Wilhelm von Hertz,
Paul Heyse (3), Henrik Ibsen (gedr. Visitenkarte mit e. Zusatz), Karl Immermann, Justinus Kerner
(Briefschluß, verso e. Adresse), Gottfried Keller (ganzseitiger Briefschluß), Ludwig Knaus, Heinrich
Laube, Detlev von Liliencron (3), Hermann Lingg, Otto Ludwig, Conrad Ferdinand Meyer (e. Billett, mit
Erwähnung „des Péscara“), Frédéric Mistral (sign. Portraitpostkarte), Rudolf Presber, Gustav Raeder
(sign. Portraitphotographie), Ludwig Rellstab, Peter Rosegger (3), Ferdinand von Saar, Joseph Victor
von Scheffel (gedr. Visitenkarte mit e. Zusatz), Friedrich Spielhagen, Carl Spitteler (3), Karl Stauffer
(e. Gedicht), Adolf Stern (2 e. Gedichte), Theodor Storm (e. Postkarte m. U.), Johannes Trojan, Ludwig
Uhland (Briefschluß, mit schönem Siegel: Kopf im Profil), Émile Verhaeren, Friedrich Theodor Vischer
(6; davon 2 e. Gedichte) und Wilhelm Weigand (e. Gedicht).
Beiliegend ein e. Br. m. U. des Theologen und Schriftstellers Johann Tobias Beck (Mergentheim 1834);
wohl an einen befreundeten Schriftsteller u. a. ausführlich über Eduard M ö r i k e : „... Als lyrischer
Dichter, glaube ich, wird Mörike sich den Besten anreihen: da sollte er hauptsächlich auftreten, zuvor
aber noch den Musenquell am Zion tüchtig kosten nicht zum dichterischen Zweck sondern als homo
religiosus ...“
Ferner beiliegend ein Br. m. U. des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar (Eisenach 1791), ein
Brieffragment von Johann Friedrich von Cotta sowie ein e. Br. m. U. von Gerlach Adolf Frhrn. von
Münchhausen (1755) u. a.
65
— 90 Autographen, meist Briefe. 20. Jahrhundert.
(1.200.—)
Darunter Ilse Aichinger (4, u. a. 2 e. Br. m. U.), Josef Martin Bauer, Walter Bauer, Horst Bienek,
Heinrich Böll, Felix Braun (12; 9 e. Br. m. U. und 3 e. Postkarten m. U., meist an William Matheson),
Max Brod (2), Tankred Dorst (2; Manuskriptblatt und Begleitbrief), Ingeborg Drewitz (2; e. Albumblatt
und Br. m. U.), Günter Eich, Robert Faesi, Albrecht Goes (4, u. a. ein Albumblatt und eine sign.
Portraitphotographie), Peter Härtling (2 Albumblätter), Manfred Hausmann (4 e. Postkarten m. U.),
Mascha Kaléko (3 Br. m. U.), Marie Luise Kaschnitz (e. Ansichtskarte m. U.), Sarah Kirsch (6; je 3
e. Br. m. U. und e. Bildkarten m. U.), Karl Krolow (Albumblatt), Günter Kunert (3 e. Manuskripte, „Die
letzte Reise“, „Traum“ und „Was ist ein Gedicht“, zus. 5 S. folio), Reiner Kunze (Albumblatt), Gertrud
von Le Fort (2 e. Br. m. U., der eine defekt; dazu sign. Portrait), Siegfried Lenz, Eugen Roth (5), Peter
Rühmkorf (Albumblatt mit Selbstkarikatur), Max Rychner, Wilhelm Schäfer, Edzard Schaper, Reinhold
Schneider (4), R.A. Schröder, Frank Thiess (9, u. a. Manuskriptfragmente aus seinem Caruso-Vortrag,
1943) und Carl Zuckmayer.
35
I. LITERATUR
(Dichter und Schriftsteller)
66
–– Ca. 60 Autographen, meist e. Br. m. U. 19. Jahrhundert.
(600.—)
Darunter Hermann Allmers (2), Oskar Blumenthal (3), Edwin Bormann, Georg Büchmann, Heinrich
Bulthaupt, Felix Dahn, Georg Ebers, Ernst Eckstein, Karl Frenzel, Gustav Freytag, Rudolf v. Gottschall,
Julius Grosse, Klaus Groth (Postkarte), F.W. Hackländer, Robert Hamerling (Postkarte), Bret Harte,
K.A.v. Heigel (2), Wilhelm Jensen, Max Kretzer, Emil Kuh (3), Rudolf Lindau, W.H. Riehl, Leopold
v. Sacher-Masoch, Ernst Scherenberg (2), Friedrich Spielhagen, Julius Stettenheim (2), Karl Stieler,
Hermann Sudermann, Eduard Tempeltey, Richard Voß, Josef Weil v. Weilen, Ernst v. Wildenbruch (2),
Julius Wolff und Eugen Zabel.
67
— Über 50 Autographen, meist eigenh. Briefe und Karten an Friedrich S c h n a c k und
dessen Frau Edmée. (600.—)
Darunter Hermann Bahr (e. Postkarte m. U.), Alexander v. Bernus (2; 1 Gedicht sowie 1 e. Br. m. U., mit
Nachschrift v. Erika Mitterer), Otto Julius Bierbaum (das Gedicht „Sonnenuntergang / Nach einem Bilde
von Hans Thoma“), Friedrich (Fritz Walter) Bischoff (4; 1 Gedicht sowie 3 e. Br. m. U.), Victor Blüthgen,
Emanuel v. Bodman (2 Gedichte), Hans Carossa (4; darunter 1 Gedicht und 2 e. Br. m. U., 1939 – 1951),
Theodor Däubler (dazu 1 Portraitphotographie), Otto Flake (7; 5 e. Br. m. U., 2 e. Postkarten m. U.),
Karl Foerster, Ricarda Huch (e. Br. m. U., 1935), Klabund (Postkarte m. U.), Ernst Kreuder, Hermann
Lingg, (Gedicht), Ernst Lissauer (2; 1 e. Br. m. U., 1 e. Postkarte m. U.), Walter Lobenstein, Max
Mell, Walter v. Molo, Börries v. Münchhausen, Jacob Picard, Peter Rosegger (e. Postkarte m. U.),
Wilhelm Schäfer (dazu Portraitphotographie), René Schickele (e. Postkarte m. U.), Anton Schnack
(2 Gedichte), Friedrich Schnack (2; 1 Gedicht sowie 1 e. Postkarte m. U.), Wilhelm v. Scholz (sign.
Portraitphotographie), Werner v.d. Schulenburg (e. Postkarte m. U.), Emil Strauss, Otto Taube und
Georg v.d. Vring (Widmungsexemplar „Südergast“, Eos-Presse 1925).
68
— 40 Autographen. 20. Jahrhundert.
(300.—)
Darunter Walter Bauer, Walter Bloem, Max Brod (Albumblatt, 1923), Hermann Burte, E. E. Dwinger,
Herbert Eulenberg, K. A. Findeisen, Hans Franck (2), Gustav Frenssen, Ludwig Ganghofer (2 e. Br. m. U.,
1910 und o. D.), Alfred Grünewald, Paul Gurk, Max Halbe, Manfred Hausmann, C. O. Jatho, Hans Leip,
Agnes Miegel, Walter v. Molo, Alfred Mombert, Wilhelm Schäfer, Albrecht Schaeffer, Ruth Schaumann,
Friedrich Schnack, Wilhelm v. Scholz, Hermann Stehr, Will Vesper, K. H. Waggerl, Herwarth Walden,
Josef Winckler, Ernst Zahn und Heinrich Zerkaulen.
69
— 30 Autographen, vielfach e. Br. m. U. 19. Jahrhundert. Teilweise mit kleinen Erhaltungsmängeln.
(400.—)
Hermann Allmers (Albumblatt), Berthold Auerbach (ebenso), Felix Dahn (2 Albumblätter*), Johann
Georg Fischer, Emanuel Geibel, Rudolf v. Gottschall, Klaus Groth (2 Albumblätter*), Karl Gutzkow
(Albumblatt, 1859: „Neue Zeiten, neue Musen!“), E.v. Hesse-Wartegg (2), Paul Heyse (Albumblatt), Paul
Lindau (Aphorismen, 1874), Adam Oehlenschläger (Albumblatt), Julius Rodenberg, Heinrich Roller*,
J.W.v. Scheffel, Christian Friedrich Scherenberg (Albumblatt), Julius Stettenheim*, Julius Stinde
(2*), André Theuriet, Johannes Trojan (2 Albumblätter*), Richard Voss (2) und Ernst v. Wildenbruch
(3 Postkarten, dazu e. Widmung m. U. auf seiner Portraitphotographie, 1883). – Mit * markierte
Autographen sind in Sammlungsmappen des späten 19. Jahrhunderts montiert.
36
I. LITERATUR
70
— 29 eigenh. G e d i c h t e , meist m. U. oder Namenszug auf dem Titelblatt.
(800.—)
Ilse Aichinger (2; „In einem“ und „Nachruf“), Horst Bienek („Wörter / meine Fallschirme ...“), R. G.
Binding („Herbstritt“, 1910, 4 S. gr.-folio), Ingeborg Drewitz („Wenn der Tod seinen Pranken ...“),
Albrecht Goes („Wohl: den Abgrund gilts zu wissen ...“; mit e. Begleitbrief an Hanns Arens, 1961),
Hermann Kasack (2; „Jenseits“, 1 S. gr.-folio, dazu e. Begleitbrief, Potsdam 1924, und „Stille“, 1953),
Sarah Kirsch (2; „März“ und „Die hochaufgebauten fliegenden Wolken ...“), Rudolf Krämer-Badoni
(„Wer versehrt, / Wenn er spaßt ...“, 1958), Karl Krolow („Worte“), Günter Kunert (2; „Ersatz“ und
„Daß die Welt / die wir nicht verstehen ...“), Reiner Kunze („Die silhouette von Lübeck“), R. A. Schröder
(„Gedenkvers“ und „Ein anderer“, auf einem Blatt; o.U.), Siegfried v. Vegesack (e. Gedichtmanuskript
mit Namen auf dem Titelblatt „Geliebte Erde / ausgewählte Gedichte“, enthält „Weisse Nächte“,
„Die Lindenlaube“, „Der Wald“, „Die Kiefernstämme“, „See im Walde“, „Der Himmelsbaum“, „Das
Hochmoor“, „Livländischer Strand“, „Sommerabend“, „Rio de Janeiro“ und „Schnepfenzug“, zus.
15 S. folio; dazu 3 e. Br. m. U. an der Verleger William Matheson, 1953, den Druck der Gedichte betr.),
Gabriele Wohmann („Mondfahrt“) und Julius Wolff („Willkommen den Gästen“, 1900).
71
— 19 Autographen, meist eigenh. Briefe und Postkarten.
(300.—)
R.G. Binding (1929), Hans Carossa (2; 1925 und 1951), Marie v. Ebner-Eschenbach (1882), Ludwig
Fulda (1890), Ernst Kosak (e. Manuskript „Zur Schädellehre“, 5 S. kl.-8o, und 2 e. Br. m. U., 1854 und
1859), Ludwig Marcuse (Postkarte m. U., Sanary-sur-Mer 1935, an Erich Gottgetreu in Jerusalem),
Fritz Mauthner (1887), Max Mell (1934), Max Mohr (2; 1929, an den Psychologen Heinz Arthur Strauss),
Christian Morgenstern (1900, an Juncker), Peter Rosegger (1896), Julius Sturm (e. Gedicht „Gambetta“),
Richard Voss (o. D., erw. Paul Heyse), Jakob Wassermann (1907) und Stefan Zweig (Br. m. U.u.e. Zusatz,
London 1934).
72*
— 17 Autographen.
(300.—)
Hans Carossa (e. Postkarte m. U., 1942), Hermann Claudius (e. Br. m. U., Fuhlsbüttel 1920, mit
Zeichnung), Felix Dahn (e. Billett m. U. auf Visitenkarte, 1887), Anton Dörfler (e. Gedicht m. U., 1 S.
folio), Ludwig Fulda (e. Postkarte m. U., Heidelberg 1883), Maximilian Harden (ebenso, Grunewald
1921), Hans Hoffmann (7; 4 e. Gedichtmanuskripte, 1 e. Br. m. U., 1 e. Postkarte m. U. und 1 e.
Schriftstück, Berlin 1884 und Potsdam 1892), Adolf Müllner (e. Br. m. U., Weißenfels 1826), Peter
Rosegger (e. Br. m. U., Graz 1889), Ina Seidel (e. Br. m. U., Eberswalde 1919) und Ernst Wiechert
(Postkarte m. U., Hof Gagert 1944). – Beiliegend eine Gruppenphotographie anläßlich der Lippoldsberger
Dichtertage 1937, auf der Rückseite signiert von Paul Alverdes, R. G. Binding, Hans Carossa, Hermann
Claudius, Hans Grimm, R. A. Schröder, August Winnig u. a.
73
— 15 Autographen, meist Briefe und Karten.
(200.—)
Darunter Ludmilla Assing (Florenz 1872), Marie Baum (Billett), Ricarda Huch (Heidelberg 1934), Isolde
Kurz, Adolph L’Arronge (Albumblatt, gr.-4o), W.H. Riehl (dito), Julius Rosenberg (dito), Clara Viebig,
Richard v. Volkmann-Leander (2; 1 Gedicht) und Marianne Weber (2; 1 Albumblatt).
37
I. LITERATUR
74
DROSTE-HÜLSHOFF, Annette Freiin von, 1797 – 1848. E. Brieffragment. O. O. u. D.
(Sommer 1815). 1⁄3 S. gr.-8o (untere Blatthälfte alt abgeschnitten). Minimal fleckig. Verso Texte
von fremder Hand.
(1.600.—)
Fragment eines Briefes an ein Mitglied der Familie v. Haxthausen (Anne?), der Familie ihrer Mutter,
u. a. mit der Bitte um Nachrichten von Mitgliedern der Familie Heeremann von Zuydtwyck auf Burg
Herstelle. – Der Text beginnt:
„Doch das dreht sich wieder um die gewöhnlichen Entschuldigungspole, Zeitmangel, und Trägheit, du
mußt mir also aus angestammter Guthmüthigkeit vergeben, wenn du diese nicht willst gelten laßen.
Schreibe mir doch recht ausführlich, wie es euch allen in Cölln geht, hat der arme Joseph auch noch
ferner seine fatalen nächtlichen Zufälle gehabt?, und was macht die liebe Tante?, und ... Malchen, mein
Herzensmädelchen[.] Sage mir doch auch, ob ihr denn“
Verso ein Brieftext von fremder Hand: „es ist hier noch ein paar Safian Schuh von dir stehen geblieben
liebe Anne, mir scheint es ist nicht der Mühe werth, sie dir nachzusenden, ich will sie wohl behalten, und
bitte die liebe Dine, dir ein paar andre machen zu lassen, und das Geld dafür zurückzubehalten“, sowie
eine Echtheitsbestätigung von Annette von Droste-Hülshoffs Nichte Hildegard von Laßberg (siehe den
beiliegenden Brief): „Annette Drostes Handschrift, (im Sommer 1815) das ‘Herzensmädelchen’ ist ihre
kl. Cousine Malchen Heeremann-Zuydtwick ...“
Beiliegend ein e. Br. m. U. ihrer Nichte Hildegard von Laßberg, die das Brieffragment 1913 einer jungen
Sammlerin übersendet: „... ich ... habe hier etwas für Sie; wäre es doch größer, es ist ein Stück eines
Briefes, von dem sie nur einen Theil schrieb, der größere Theil ist von einer Verwandten, die in der Mitte
schreibt: hier fängt Nette’s Brief an. So mußte ich es in 3 Stücke schneiden, – zwei sind schon weg nach
Münster u. Göttingen aber es ist wenigstens deutlich leserlich geschrieben, was oft so ganz anders ist ...“
75
— E. Gedicht. (Frühjahr 1845.) 1 S. kl.-4o (Abschnitt eines größeren Blattes). Alt montiert, kleinere Randeinrisse. (6.000.—)
„ A n E l i s e “ . – Das verschollene Arbeitsmanuskript des Geburtstagsgedichts für ihre Freundin Elise
Rüdiger geb. von Hohenhausen zum 7. März 1845, mit Korrekturen und Varianten.
„Das war gewiß ein andrer März,
Ein Mond den Blüthenkränz umhegten
Als Engel dich, geliebtes Herz,
In deine erste Wiege legten,
Das war gewiß ein Tag so frey
So frisch vom Sonnen (Lenzes) Stral umglommen!
Doch auch im Wintermantel sey
Er, wie der schönste, mir willkomen.
Mir ward ein andrer (schlimrer) Mond zu Theil
Um den kein Vogel je gesungen
Nur Eiseszapfen, blank und steil,
Das kalte Diadem geschlungen
Ach anders wirken Schnee und Eis
Und (ein) Andres wohl der Sonnen Güte
ich steh’ ein düstres Tannenreis
Du eine zarte lichte Blüthe
(Und du wie eine zarte) lichte) Blüthe.
38
I. LITERATUR
Nr. 75 Annette von Droste-Hülshoff
39
I. LITERATUR
(Annette von Droste-Hülshoff)
Doch fest zusammen, fest im Raum,
Geschloßen in des Lebens Winters Stürmen
Du schmücke mich zum Weihnachtsbaum
Und ich will deine Blüte schirmen
Dann muß uns, willig oder nicht,
Das Schicksal (Leben) reiche Gaben zählen
Und nimmer wird das Gnadenlicht, Festes Licht
Der Poesie Beleuchtung, fehlen.“
Auf der Rückseite ein Fragment einer an Levin Schücking adressierten Honorarabrechnung des
Cottaschen Morgenblatts für Juli und September 1841.
Ein Autograph des Gedichts war bisher unbekannt; gedruckt ist es nach einer auf die verschollene
Reinschrift zurückgehende Abschrift Elise Rüdigers unter Heranziehung anderer zeitgenössischer
Abschriften.
Historisch-kritische Ausgabe der Werke Band II.1 S. 205.
76
EICHENDORFF, Joseph Freiherr von, 1788 – 1857. Eigenh. Manuskript. 2 S. gr.-8o.
(3.000.—)
Plan zu seinem Stück „D a s I n c o g n i t o . Ein Puppenspiel“.
„Zum Puppenspiel:
Dem Gantzen (die zum Theil sehr schönen fertigen Szenen beschauend u. event. weiter ausführend)
nur mehr Inhalt, Kern u. Idee geben. (Zum Theil auch Gespräche in Prosa. –) Nemlich = Die gantze
Erbärmlichkeit, Gemeinheit u. Zerfahrenheit der jetzigen Zeit in allen ihren närrischen Richtungen
als: Hegelianismus, Irreligion u. Piestisten mit ihren Traktätlein, Ultraroyalisten mit ihrem Marschall
Rückwärts, die Alles mit Gewalt ins Mittelalter zurückdrängen wollen (falsche Romantiker p.), während
die Ultraliberalen unter ihrem Marschall Ego vorwärts aus der Haut fahren wollen p. Weltschmertz,
H e i n e e t C o n s o r t e n , neumodisch-hausbaken-realistische Poeten p. Alles eitel, egoistisch. –
Nemlich: da die Beamten den Narren für den wirklichen König halten, bringen sie all ihr Narrenthum
vor ihm zu Tage, während sie den Incognito-König als Narren verfolgen p. – Die von S c h l e g e l p.
erschlagenen Aufklärer u. Jesuiten-Riecher (Nicolai, Biester, die blaue Monatsschrift p.) hören über
ihren Glauben das Feldgeschrei u. den heillosen Spektakel der jetzigen neue[n] Zeit, u. arbeiten sich
mühsam wieder aus ihren Gräbern heraus ...
Vielleicht ist das Gantze eine Belagerung (des Philisterkriegs zweiter Theil). Nemlich die Aristokraten,
Mittelaltrichen p. mit ihrem Marschall Rückwärts verschantzen sich in ihre Veste gegen die neue Zeit.
Wie sie Alles rings ängstlich abstecken p. die Zeit zurückdrängen p. Alte dickgewordne Romantiker
schmücken die Veste romantisch aus, machen verzweifelte Ausfälle p. Draußen liegen u. hausen die
Belagerer, nemlich die Kinder der neuesten Zeit, bilden sich ein, es sei alles neu bei ihnen, während es
nur die altmodische, abgetragene Aufklärung ist p. Der emanzipirte Rothschild u. eine emanzipirte Frau
kommandirt draußen das Belagerungskorps. Die in der Veste werden (moralisch) ausgehungert. Ein
König, aus Langeweile auf seiner Bildungsreise, mischt sich incognito mit darein. Sein Narr dagegen
spielt des Königs Rolle p.p.p. –“
Von dem Stück schrieb Eichendorff zwischen 1839 und 1843 drei verschiedene Fassungen, siehe Hist.krit. Ausgabe Band VII/1, S. 425 ff.; der vorliegende Plan ist dort n i c h t g e d r u c k t .
40
I. LITERATUR
77
— Eigenh. Gedichtmanuskript mit Namen am Kopf. 41⁄2 S. gr.-8o. Paginiert „1.“, „2.“,
und „3.“ Minimal fleckig.
(4.000.—)
„Gedichte / von / Joseph Freiherrn v. Eichendorff.“
Das Manuskript enthält die 5 Gedichte „Im Walde“, „Nachhall“, „Der Schiffer“, „Frühmorgens“ und
„Frischauf“.
1) „Im Walde.
Es zog eine Hochzeit den Berg entlang,
Ich hörte die Vögel schlagen,
Da blitzten viel‘ Reiter, das Waldhorn klang,
Das war ein lustiges Jagen!
Und eh‘ ichs gedacht, war alles verhallt,
Die Nacht bedecket die Runde,
Nur von den Bergen noch rauschet der Wald
Und mich schauert im Herzensgrunde.“
2) „Nachhall.
Schon kehren die Vögel wieder ein,
Es schallen die alten Lieder,
Ach, die fröhliche Jugend mein
Kommt sie wohl auch noch wieder? –
Ich weiß nicht was ich so thöricht bin!
Wolken im Herbstwind jagen,
Die Vögel ziehn über die Wälder hin,
Das klang wie in Frühlingstagen.
Dort auf dem Berge da steht ein Baum,
Drin jubeln die Wander Gäste,
Er aber, müde, rührt wie im Traum
Noch einmal Wipfel u. Aeste.“
3) „Der Schiffer.
Die Lüfte linde fächeln,
Aus stillen Meeres Schaum
Syrenen tauchend lächeln,
Der Schiffer liegt im Traum.
Da faßt der Sturm die Wellen,
Durchwühlt die Einsamkeit:
Wacht auf, ihr Taumgesellen,
Nun ist’s nicht Schlafens Zeit! –
In jenen stillen Tagen
Wie war ich stoltz u. klug,
In sichern Glück‘s behagen
Mir selber gut genug ...“ – Insgesamt 7 Strophen.
41
I. LITERATUR
(J. v. Eichendorff)
4) „Frühmorgens.
Die Nacht war kaum verblühet,
Nur eine Lerche sang
Die stille Luft entlang,
Wen grüßt sie schon so frühe?
Und draußen in dem Garten
Die Bäume über’s Haus
Sahn weit in’s Land hinaus,
Als ob sie wen erwarten …“ – Es folgen drei weitere Strophen.
5) „Frischauf!
Ich saß am Schreibtisch bleich u. krumm,
Es war mir in meinem Kopf gantz dumm
Vor Dichten, wie ich alle die Sachen
Sollte auf‘s allerbeste machen.
Da guckt am Fenster im Morgenlicht
Durch’s Weinlaub ein wunderschönes Gesicht
Guckt u. lacht, kommt gantz herein
Und kramt mir unter den Blättern mein...“ – Es folgen 32 weitere Zeilen.
A. a. O. Band I/1 gedruckt.
78
ELIOT, Thomas Stearns, 1888 – 1965. E. Br. m. U. Ocho Rios, Jamaica 4.II.1961. 1 S.
gr.-4o. Luftpostpapier (Briefkopf des „Jamaica Inn“). Mit Umschlag.
(300.—)
An Helene Ritzerfeld im Suhrkamp Verlag in Frankfurt a. M. mit einer Druckerlaubnis.
„... I have no objection to your publishing Peter Suhrkamp’s letter to me of the 14th February 1958:
indeed I am pleased and honored that a letter to me should be included in this memorial collection ...“
Peter Suhrkamp war im März 1959 gestorben.
79
FLAUBERT, Gustave, 1821 – 1880. E. Br. m. U. O. O. u.J. 1 S. gr.-8o. Auf blauem Papier.(800.—)
An einen Freund, bei dem er sich entschuldigt, einer Einladung nicht Folge leisten zu können, da er
abreise.
„... Vous êtes bien aimable, mais lundi prochain je ne serai plus à Paris, puis que j’en partirai ... je
regrette beaucoup de ne pouvoir me rendre à votre invitation ...“
42
I. LITERATUR
Nr. 77 Joseph von Eichendorff
43
I. LITERATUR
80 FONTANE, Theodor, 1819 – 1898. Eigenh. Manuskript mit Abschlußklammer anstelle der Unterschrift. Berlin 3.V.1846. 52⁄3 S. gr.-4o. Schwach fleckig, kleine Faltenrisse.
(8.000.—)
Protokoll der „ Tu n n e l “ - S i t z u n g vom 3.V.1846, am Kopf bezeichnet „XIX. [Jahrgang] 21. [Tunnel]“.
Mit einer Plauderei führt Fontane (Tunnelname: Lafontaine) das im lockeren Tunnel-Jargon gehaltene
Sitzungsprotokoll ein:
„Ich habe Ahnungen. Das Glück ist mir selten unangemeldet vom Dache gefallen; und wär’ es eine Heerde
Schafe oder ein lächerlicher Trauerzug gewesen, irgend ein Umstand wurde mir zur Prophezeiung. Jede
Regel hat ihre Ausnahme. Als ich um 4 Uhr im Thiergarten schlenderte und lange zweifelhaft zwischen
den Reizen eines Sommertunnel’s und einer Tasse Kaffe in Albrechtshof hin und her wog, ahnte meine
Seele noch nicht, daß ich eine halbe Stunde später die Aemter eines Späne-Exekutors“ („Späne“ war die
Tunnel-Bezeichnung für literarische Beiträge), „Protokollführers und Schlüsselbewahrers gleichzeitig
bekleiden würde. Der Augenblick meines Eintritts in die Versammlung war auch der meiner Ernennung;
es war ein Privatgeschäft wobei keine Zustimmung erbeten und keine Opposition geduldet wurde. Man
überreichte mir die Schlüssel ohne weiteres Ceremoniell, was mich kränkte und wies mir meinen Platz
an. Ich folgte, und wenn es gestattet ist, einen Platenschen Vers zu verunstalten, fühl’ ich mich zu dem
Ausruf gedrungen:
Bei diesem Zeichen von des Tunnels Neigung
Thät’ eine bange Wonne mich erfassen,
Wie einen Fürsten bei der Thronbesteigung.
Die Sitzung begann. Cocceji“ (d. i. Heinrich v. Mühler) „las das Protokoll; Cook“ (d. i. Christian
Friedrich Scherenberg) „der um gegen jeden Angriff gesichert zu sein, mit zwei Mann Bedeckung
erschienen war, ward zuerst in’s Feuer geführt. Die Sommertunnel sind ihrer Sterilität halber in Verruf;
wenn’s draußen blüht und reift ist’s Winter bei uns, und bis auf Bürger“ (d. i. Heinrich Smidt), „diese
immergrüne Tanne, strecken unsre besten Bäume nur kahle Zweige aus. Die Sommermonate sind unsre
Wüste, aber sie haben ihre Oasen, und die letzte Sitzung war nahe daran, ein Land Darfur zu werden.
Jedenfalls war sie geeignet 9 poesiedurstige Wanderer vollauf zu erquicken.
Cook las unter der Ueberschrift ‘Der verlorne Sohn’ ein treffliches Gedicht; es war eine tropische
Pflanze, aus heißem Hirn und Herzen hervorgegangen; uns war es ein markiger, breitblättriger
Palmbaum, in dessen Schatten wir zuerst uns labten: Cook hatte, wenn schon in etwas andrer Gestalt,
bereits vor anderthalb Jahren diese Dichtung vorgetragen, doch bewies das allgemein wieder erwachte
Interesse daran die Wahrheit des Ausspruchs: ‘Die ewge Schönheit ist das ewig Neue.’ ...“ – Es folgt eine
Zusammenfassung des Gedicht-Inhalts („Ich habe beim Bericht über ein solches Gedicht ein ähnliches
Gefühl wie beim Auflegen oder bei der botanischen Untersuchung einer Rose. Die Uebertragung in Prosa
entspricht dem Trockenlegen, das Kritisieren und Tadelnwollen dem Zerpflücken der Pflanze“) und
die Wiedergabe der auf den Vortrag folgenden Diskussion; im Anschluß sind die Diskussionen weiterer
„Späne“ von Scherenberg, v. Mühler, Smidt und dem Gast Arend (Bewertung: „ziemlich“) protokolliert.
Mit einigen Einfügungen und Streichungen Fontanes sowie Randnotizen von fremder Hand, die in dieser
Sitzung vorgetragenen „Späne“ betreffend.
Mit leichten Abweichungen vom Druck in Theodor Fontane, Autobiographische Schriften III/1, S.
182 – 188. – Das Autograph befand sich im Nachlass von Fontanes Freund Friedrich Witte und wurde von
O. Pniower und P. Schlenther als frühester Brief Fontanes an Witte in ihre Ausgabe der „Briefe Theodor
Fontanes. Zweite Sammlung“ (Berlin 1910) aufgenommen; diesem Irrtum folgt das Briefverzeichnis, in
dem das Manuskript als Brief 46/1 geführt wird.
44
I. LITERATUR
Nr. 80 Theodor Fontane
45
I. LITERATUR
(Theodor Fontane)
„Mein Poeten-Beruf, meine schöpferische Kraft“
81
— E. Br. m. U. „Ihr Th.F.“ Berlin 3.II.1851. 10 S. gr.-8o. Hellblaues Papier. Schwach
fleckig.(5.000.—)
Großer Brief an seinen Freund Friedrich Witte, damals in Aachen. Zum Jahresende 1850 hatte Fontane
mit der Schließung des von der preußischen Regierung betriebenen „Literarischen Cabinetts“ seine zwar
kargen, aber einzigen festen Einkünfte verloren, da die neue Regierung unter Manteuffel den als politisch
unzuverlässig geltenden Dichter nicht in die nachfolgende „Centralstelle für Preßangelegenheiten“
übernommen hatte. Der Brief berührt zunächst Fontanes Versuche, sich als Korrespondent für
auswärtige Zeitungen Einnahmen zu verschaffen, wendet sich aber bald literarischen Dingen zu, den
Reaktionen auf seine eben erschienene erste Gedichtsammlung, dem poetischen Sinn der Frauen und der
Frage nach einem künftigen deutschen Nationalepos.
„... Die herzliche Theilnahme, die aus Ihren letzten Zeilen sprach, hat mir in der Seele wohl gethan.
Sie werden im weiteren Verlauf dieses meines Briefes zu Ihrer Freude gewahr werden, daß sich alles
zum Guten mit mir zu wenden scheint; die nächste Zukunft wenigstens ist gesichert, – Gott wird weiter
helfen ...
Nun zu den Recensionen. Sie ereifern sich gegen die Nationale und Constitutionelle. Was Sie über jene
sagen ist sehr gut; Zabel“ (Redakteur der „National-Zeitung“) „in seiner Propheten-Beharrlichkeit ist
wirklich zum Todtlachen. Die Paar Zeilen des Kossack“ (Redakteur der „Constitutionellen Zeitung“)
„(der überhaupt ein Mensch von vielem Talent ist), möcht ich nicht so ganz verwerfen. Ich laborire
allerdings an einer gewissen Einseitigkeit ... Erwägen Sie wie viele Felder hat die Poesie und wie wenige
bebau ich? Sprech’ ich vom Formellen, so finden Sie keine Hexameter, keine Oden- und Hymnen-Strophe,
keine Sonette, Terzinen und Ottaven, keine spanischen Trochäen, keine Ghaselen, keine Makamen
u. hundert anderer Spielereien (Ritornell, Triolett, Malaisches u.s.w.) zu geschweigen. Das Fehlen
dieser Formen ist weder was Zufälliges noch was Gleichgültiges – mit diesen Formen fehlen gleichzeitig
bestimmte Dichtungsarten, denen jene Formen eben zugehören, gleichsam angewachsen sind. Sie finden
in meinen Sachen keine Idylle, keine Fabel, keine Legende, kein still beschreibendes, kein Lehrgedicht; es
fehlt die Dithyrambe, es fehlt das Naive und Drollige, und vor allen, es fehlen – die Lieder, das Lyrische
überhaupt ... Dies zu halbweger Rechtfertigung Kossack’s ...
Die anerkennenden Worte Franz Dingelstedts hatt’ ich auch gelesen; so was ist recht hübsch, aber ich bin
doch nicht eitel genug, um an solchem Lobes-Brocken mich zu erquicken. Wenn er mein Gedicht über den
Amaranth“ (von Oskar v. Redwitz) „erhebt, so läßt sich da Einiges pro, noch mehr aber contra sagen.
Ich glaube, daß die Rosamunde klarer, einfacher, reifer und mehr aus einem Gusse ist; in Anlage aber u.
zumal in stellenweiser Ausführung dürfte Amaranth bedeutender und talentvoller sein ...
Die Kritiken in den Brockhaus: literar: Blättern würd’ ich gern lesen, aber sie liegen hier selten aus ...
Ganz im Gegensatz zu früheren Zeiten geh ich jetzt nur in Conditoreien, um ein Stück Kuchen zu essen;
das Zeitungslesen hab’ ich seit dem lit: Cabinet herzlich satt ...
Was Sie über den aesthetisch feinen Riecher der Frauen sagen ist richtig, ebenso richtig aber ist auch
der Zusatz: ‘bis auf einen gewissen Grad’; vieles Schöne ist u. bleibt ihnen geradezu unzugänglich. Auch
das beste politische Gedicht (z. B. Sachen von Daniel Schubart ...) wird von ihnen wenig oder gar nicht
gewürdigt; dasselbe gilt von den poetischen Hervorbringungen eines philosophischen Geistes. Ich glaube
nicht, daß die hieher gehörigen Schillerschen Gedichte viel Anklang unter den Frauen gefunden haben.
Auch das Heroische spricht wenig an. Ich habe noch von keiner ehrlichen Dame gehört, daß ihr das
Nibelungen-Lied gefallen hätte. Kurz gesagt: ohne Liebe halten’s die Frauen nicht lange aus; der Kampf
der Schwerdter ermüdet sie bald, nur Herzenskämpfe haben ein ewiges Interesse ...
– Im Folgenden über Paul Heyses Tragödie „Francesca von Rimini“.
Briefverzeichnis Nr. 51/6; unter Auslassung von ca. 10 Zeilen (u. a. die „Hemmingstedt“-Ballade betr.)
gedruckt in: Briefe Theodor Fontanes. Zweite Sammlung, hrsg. v. O. Pniower und P. Schlenther, Berlin
1910, Band I, S. 19 – 25.
46
I. LITERATUR
Nr. 82 Theodor Fontane
47
I. LITERATUR
(Theodor Fontane)
„alles ist faul“
82
— E. Br. m. U. „Ihr Th. Fontane“. Berlin 1.V.1851. 8 S. gr.-8o. Hellblaues Papier.
Schwach fleckig.
(5.000.—)
Ebenfalls an Friedrich Witte, über die verkommenen politischen Zustände in Preußen nach dem Sieg der
Reaktion; eingangs über Wittes Absicht, im Herbst nach Berlin zu kommen und Logis bei den Fontanes zu
nehmen – vor Kurzem hatte das Ehepaar zwei Schüler als Pensionisten in seinen Haushalt aufgenommen,
um der angespannten finanziellen Lage abzuhelfen. Am Schluss über seine literarischen Pläne.
„... In der Hoffnung daß Sie der Aachener Sündfluth nicht als Opfer gefallen sind, sprech’ ich hiemit
zunächst die Erwartung aus, daß Sie Anfang Oktober bei uns einspringen ... Emilie und ich freuen uns
beide aufrichtig auf jene Zeit, da wir ein Stück Familie und nicht einen Chambre-garnisten von ächtem
Schrot und Korn in Ihnen vermuthen. Den Pensionär-Kram geben wir bis dahin wahrscheinlich wieder
auf: der Vortheil ist gering und der Aerger unerträglich. Wer die Sache nicht lediglich als Geschäft
betreibt und wie wir den kindischen Wunsch hat: all den Rüpeln und Flegeln wirklich genügen zu wollen;
– der ist verloren. Meine Frau will von diesen ‘Männern der Zukunft’ nichts mehr wissen ...
Sie sprechen in Ihren Briefen so außerordentlich wenig über Ihre augenblicklichen Verhältnisse; nur
Unbehagen schimmert immer hindurch. Raisonniren Sie sich doch mal in einem Briefe tüchtig aus; Sie
sollen sehn, es wird Einem wohler danach ...“
Im Folgenden auf Nachrichten über seinen nach Amerika ausgewanderten Onkel August, bei dem
der junge Fontane in seiner Schul- und Gehilfenzeit immer wieder untergekommen war. „... Ihre
Mittheilungen über August waren uns nicht mehr neu ... Mir schickte er eine Menge amerikanischer
Zeitungen und kleine Gedichtbüchelchen voll amerikanischer Gassenhauer. Wenn das die Poesie der
herrlichen United States ist, so müssen sie noch viel Fortschritte machen, eh’ sie den Beobachter an der
Spree erreichen. – Was August angeht, so befind’ ich mich ihm gegenüber in einer schlimmen Lage. Er
erweist mir allerhand kleine Aufmerksamkeiten, für die ich die Pflicht hätte ihm zu danken. Im Uebrigen
aber ist er ein so vollendeter Bummler, ein so überreifer Yankee, daß ich blitzwenig Lust habe mit ihm
zu verkehren und dadurch gewissermaßen seine Schwindeleien gutzuheißen, mindestens zu toleriren.
Ich bin nur leider nicht der Mann dazu, weil es mir selber an der ächten Würdigkeit zum Richteramt
gebricht, aber meine aufrichtige Meinung ist es: Strenge thut uns noth. Es darf nicht blos immer
entschuldigt oder gar jede Verworfenheit philosophisch belächelt werden; – wir brauchen ein Stück
Barbarei. Diese Toleranz wurzelt in der allgemeinen Angefressenheit, alles ist faul, und der schlimmste
Giftstoff muß fort, oder unser Untergang ist vor der Thür. Die Reactionaire sehen das ein, aber (selber
faul und nur politisch klug statt sittlich groß) ihre Zuflucht zu Aeußerlichkeiten oder dem verbrauchten
Mittel: ‘Muckerei’ nehmend, werden sie’s nicht erreichen; Puritaner brauchen wir; werden sie kommen?
ich entdecke auf religiösem Gebiet nicht einmal die Keime dazu; unsre Opposition ist blos Negation, und
für einen Nichtglauben stirbt Keiner den Schlachten- oder Feuertod. Es fehlt das bestimmte Bekenntniß.
Und hätten wir politische Puritaner?! Hier hoff’ ich mehr. Was bis jetzt hervorgetreten, war nur der
Schaum der Gährung; drunter sitzt, so hoff’ ich, das wahre, ächte Feuer. Die Ehrgeizigen haben
das Begnadigungs-Blei im Leibe, die anderweiten Jammerkerle sind entlarvt; lassen Sie uns da ich,
trauernden Herzens, alles Fiducit zu unsren Fürsten verloren habe, auf einen Washington hoffen oder
auf Oranier statt der Stuarts ...
Am 6ten April war Abstimmung“ (im „Tunnel“) „über die Conkurrenz-Balladen. ‘Der Tag von
Hemmingstedt’ erhielt mit 16 Stimmen gegen 7 den Preis; die ‘Dänenbrüder’ (Lepel) und das Thal des
Espingo (Paul Heyse) das Accessit. Seitdem prangt ein großer und hübscher Glas-Pokal auf Emiliens
Etagere. Kugler, Paul Heyse, Eggers und noch zwei Andre der Kugler’schen Parthei ... stimmten gegen
mich ... Dies hat mich ein wenig verdrossen ...
Durch einen hiesigen Buchhändler aufgefordert, geb’ ich jetzt eine ziemlich umfangreiche Anthologie“
(„Deutsches Dichter-Album“) „heraus ... Ich erhalte 150 r. Honorar.
48
I. LITERATUR
Noch etwas ist im Werke. Ich soll ein Volksbuch ‘Gustav Adolph’ schreiben und bin seit 2 Tagen mit mir
einig darüber, daß es geschieht ... Auch Gedichtstoffe schwirren mir wieder durch den Kopf; ich werde
noch eine 5te Maria Stuart Ballade schreiben, von der ich mir sehr viel verspreche. – Zum Drama komm
ich nicht eher, als bis ich Ruhe habe; unter Nahrungssorgen läßt sich so was nicht machen, wenigstens
ich kann es nicht. Zudem fehlen mir Menschen, mit denen ich meine Stoffe (zumal die dramatischen)
vorher durchplaudern könnte. Dem Tunnel bin ich total entfremdet. Die jüngern Mitglieder stehn mir
fern; Lepel hat kein Urtheil, Kugler u. Eggers sind gebildete Leute aber Schablonen-Poeten, Paul Heyse
ist zu jung und findet alles schlecht, was nicht von Goethe oder – ihm selber herstammt. Mit den Andern
ist vollends nichts los ...“
Am Rand der ersten Seite eine Nachschrift seiner Frau Emilie. „... werden Sie an einem Zimmer Genüge
haben? Da wir jetzt anfangen Wohnungen zu suchen so müssen wir Ihren Wunsch wissen ...“
Briefverzeichnis 51/16; gedruckt A. a. O., S. 31 – 36, unter Weglassung zweier Absätze (26 Zeilen; u. a.
über seine Vertretungstätigkeit im Krankenhaus Bethanien) und der Nachschrift.
Siehe die Abbildung auf Seite 47.
83
— E. Br. m. U. Berlin 5.III.1886. 2 S. gr.-8o. Etwas gebräunt, kleine Rand- und Faltenschäden.(2.000.—)
An „Hochgeehrter Herr Doktor“, dem er rät, seine Dichtung zur Rezension „direkt“ an die Vossische
Zeitung zu senden.
„... Empfangen Sie meinen ergebensten Dank für Ihre freundlichen Zeilen. Alles darin hat mich lebhaft
interessirt und ich werde mich freuen, Sie zu sehen, wenn Ihr Weg Sie gelegentlich nach Berlin W. führt.
Aber schon heut, vor Eintreffen Ihrer Dichtung, muß ich Ihnen mittheilen, daß ich alle Bücher- und
Dichtung-Besprechung seit Jahren aufgegeben habe. Meine journalistischen Beziehungen sind Null und
beschränken sich auf Besprechungen der K. Schauspiele für die Vossin. In erheblich zurückliegender
Zeit habe ich für eben diese Zeitung auch dann und wann einmal ein Buch besprochen; aber mit dem
Wachsen der ‘Vossin’ hat das aufgehört, alles Freischärlerthum ist gestrichen, und auch die Buchkritik
wird durche eine reguläre Truppe besorgt, die speziell zu diesem Zweck da ist ...“
Im Briefverzeichnis nicht registriert.
Beiliegend ein e. Br. m. U. seiner Witwe Emilie geb. Rouanet-Kummer (Berlin 17.I.1901, 2 S. quer-kl.8o) an eine Dame mit Neujahrswünschen: „... Das verflossene Jahr war für Sie ... ein recht unruhiges
... Mir wird viel in den Weg gelegt u. zu dem Beginn einer Gesammt-Ausgabe, werde ich kaum noch
kommen; kein Mensch, kein Freund hat Zeit. Oft erscheint es mir unmöglich, daß ich schon im vierten
Jahr – allein bin ...“
84
— E. Albumblatt m. U. Berlin 28.XI.1895. 1 S. quer-gr.-8o. Fleckchen am Oberrand.
Mit e. adressiertem Umschlag.
(800.—)
„Lebe zu lernen, lerne zu leben. / Th. Fontane“. – Der Umschlag ist adressiert an Paul Prüsener in
Hamburg.
85
— E. Br. m. U. Berlin 7.XII.1896. 1 S. gr.-8o. Schwach fleckig.
(400.—)
An einen Herrn wegen einer Zusammenkunft.
„... Montag d. 14. Dezember / Norddeutscher Hof / Mohrenstraße 20 / 8 Uhr ...“
49
I. LITERATUR
86
FREILIGRATH, Ferdinand, 1810 – 1876. E. Br. m. U. „FFth“. London, „66, Cheapside“ 24.VII.1851. 21⁄2 S. 8o. Mit Adresse. An der Siegelstelle ohne Textberührung leicht beschädigt.(800.—)
Ein Vierteljahr nach seiner Flucht aus Deutschland an den Bankier Isidor Gerstenberg (1821 – 1876)
in London, einen Unterstützer der deutschen Emigranten, über das Begräbnis des demokratischen
Publizisten Gustav Julius, der im Alter von 41 Jahren im Londoner Exil gestorben war.
„... Ich wollte, Sie hätten es über Julius’ Schwestern vermocht, dem Begräbnis nicht beizuwohnen. Es
war zu erschütternd für sie. Schnitt ihr Weinen doch selbst mir u. anderen harten Herzen wie ein Messer
durch die Seelen. Dieses hündische Sterben! ...
Was das Mscpt über Peel angeht, so ist M a r x bereit, daselbe in die Hand zu nehmen. Er sagt mir, daß
Julius in der letzten Zeit durchaus auf unserm Standpunkte gestanden habe, u. so würde die Arbeit
allerdings in keine besseren Hände kommen können, als in die von Marx ...“
Ferner wegen einer Unterstützung für den eben in London angekommenen Marx-Freund Wilhelm Wolff.
Beiliegend ein aus einem Buch herausgetrenntes Widmungsblatt Freiligraths für die Dichterin Adelheid
von Stolterfoth (St. Goar 27.VIII.1842; stockfleckig).
87
— E. Br. m. U. Stuttgart 29.X.1869. 1 S. gr.-8o. (600.—)
An einen Herrn, dem er einen Autographentausch vorschlägt.
„... Der Brief von Fr. Hufeland (wahrscheinlich einen Bruder oder sonst einen Verwandten des Verfassers
der ‘Makrobiotik’) an meinen verstorbenen Schwiegervater“ – der Pädagoge Johann Gottfried Melos –
„war mir sehr interessant. Wären Sie vielleicht geneigt, mir denselben gegen eine andere Handschrift,
(wäre ich unverschämt, würde ich sagen: etwa die des vorliegenden Billets) abzutreten? ...“
Beiliegend ein kleines e. Schriftstück mit Paraphe (o. O. u. D.)
88
FRISCH, Max, 1911 – 1991. Widmungsexemplar: „Nun singen sie wieder / Versuch eines
Requiems“. Klosterberg, Basel: Benno Schwabe & Co. (1946). 8o. Orig.-Pappband mit (leicht
fleckigem, minimal lädiertem) Schutzumschlag. Stellenweise etwas sporfleckig. – Erste Ausgabe
(W/G2 7).
(250.—)
Auf dem vorderen Vorsatz die eigenhändige Widmung „Unserem lieben Alfred Feldmann zum Geburtstag
/ Zürich, Februar 1946 / Toni und Max“.
„Die tiefe, ergreifende Kriegsdichtung eines jungen Schweizer Dichters“ (Verlagswerbung auf dem
Schutzumschlag).
89
— Eigenh. Korrekturen auf den gebundenen Aushängebögen zur ersten Ausgabe seines
Buches „Andorra. Stück in elf [korr.: zwölf] Bildern“. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1961. 8o.
Privater Halblederband. – (W/G2 27).
(800.—)
„Autor-Korrektur 1.XI.61 / M. Frisch“. – Durchgängig stark überarbeiter Druck (meist mit rotem
Kugelschreiber), mit Textergänzungen auf vier eingehängten Typoskript-Blättern, darunter der Text
des eingefügten neuen fünften Bildes. – Das Stück wurde einen Tag später am Schauspielhaus Zürich
uraufgeführt.
50
I. LITERATUR
90
(—) 28 e. Namenszüge von Schriftstellern in dem Buch „Begegnungen. Eine Festschrift
für Max Frisch zum siebzigsten Geburtstag“. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981. 8o. Orig.-Maroquinband mit goldgeprägtem Rückentitel. In Schuber. Tadellose Erhaltung. – Erste Ausgabe.
(400.—)
Auf dem vorderen Vorsatz haben sich – mit Ausnahme von Friederike Mayröcker – sämtliche Beiträger
mit ihren Namenszügen eingetragen:
Jürgen Becker, Jurek Becker, Peter Bichsel, Silvio Blatter, Elisabeth Borchers, Tankred Dorst, Günter
Grass (der eine Portrait-Zeichnung beisteuerte), Peter Härtling, Wolfgang Hildesheimer, Walter Höllerer,
Uwe Johnson, Wolfgang Koeppen, Karl Krolow, Jürg Laederach, Hermann Lenz, Siegfried Lenz, Hans
Mayer, E.Y. Meyer, Adolf Muschg, Paul Nizon, Erica Pedretti, Jörg Steiner, Karin Struck, Martin
Walser, Otto F. Walter, Peter Weiss und Christa Wolf sowie der Verleger Siegfried Unseld, der das
Geleitwort verfasste.
„von aussen aufgezwungen“
91
GANGHOFER, Ludwig, 1855 – 1920. Br. m. U. und e. Zusätzen. München 20.XI.1914.
8 S. gr.-4o. Klammerspur, etwas unfrisch.
(250.—)
Ausführlicher Brief an Helmer Key, Chefredakteur von „Svenska Dagbladet“ in Stockholm, der ihn nach
seiner Ansicht über die Folgen des Weltkrieges für das kulturelle Leben befragt hatte.
„... Niemand in Deutschland, kein philosophischer Kopf und kein Einfältiger, hielt diesen Krieg für
einen solchen, durch den der Welt deutsche Kultur mit dem Schwerte aufgezwungen werden sollte.
Das politische Denken der Deutschen, seit Entwicklung ihrer Kultur, war getränkt mit dem Geiste des
von Goethe ausgesprochenen Wortes: ‘Leben und leben lassen.’ Die Achtung nachbarlicher Rechte liegt
in der Redlichkeit des deutschen Wesens, im Charakter der deutschen Natur begründet. Niemand in
Deutschland wollte diesen Krieg, der uns von aussen aufgezwungen wurde. Wir erkannten wohl seit
Jahren, dass dieser Krieg kommen würde und unausbleiblich wäre. Drum rüsteten wir uns für die
Stunde der Gefahr. Die efahr war verursacht durch die geographische Lage unseres Landes und unseres
wachsenden Volkes, das sich eingekeilt sah zwischen den ruhelosen Revanchegedanken Frankreichs,
zwischen den aufquellenden Slavismus und Englands zunehmender Eifersucht auf unseren blühenden
Wohlstand und Handel ...“
92
GELLERT, Christian Fürchtegott, 1715 – 1769. E. Br. m. U. Leipzig 23.XI.1769. 1 S. kl.folio. Etwas gebräunt und leicht fleckig. Rand- und Faltenrisse teilweise hinterlegt. (600.—)
An einen Erzieher („Reichel“), der ihm von seiner neuen – wohl von Gellert verschafften – Stelle berichtet
hatte.
„... wie glücklich preise ich Sie ..., daß Sie in ein so vortreffliches Haus, zu einem so verdienstvollen
Herrn, der ein Freund der Religion und der Wissenschaften ist, und zu einem so hoffnungsvollen Kinde,
als Ihr kleiner Graf ist, gekommen sind. Wenden Sie denn allen Ihren Fleiß u. Eifer an, die Hoffnung, zu
erfüllen, die sich der Herr General von Ihnen macht, und bilden Sie das Herz und den Verstand seines
kleinen Enkels ... nach aller Ihrer Einsicht und Ihrem Gewissen ...“
Gellert starb im darauffolgenden Monat, am 13. Dezember.
51
I. LITERATUR
93
GLASSBRENNER, Adolf, 1810 – 1876. E. Albumblatt m. U. Hamburg 19.II.1852. 1⁄3 S.
4o. Blaugrünes Papier.
(200.—)
„Hr. Schuberth fordert mich auf, hier, in seinem Gewölbe und in seinem Album, einen guten Witz zu
geben. Da uns aber die Buchhandlungen unsern Geist ausziehen! so bin ich selbstverständlich nicht im
Stande, seinem Wunsche nachzukommen.“
94* GLEIM, Johann Wilhelm Ludwig, 1719 – 1803. E. Br. m. U. Halberstadt 15.I.1800. 1 S.
8o.(250.—)
An eine Dame.
„Ihr Besuch, meine liebe gnaedige Frau, war eine Erscheinung, ihr Schreiben ist Brief und Siegel ihres
sanft fühlenden edlen Herzens!
Wer mögte der treuste Freund, und aufrichtigste Verehrer von Ihnen zu seyn, nicht wünschen. Ich
wünsch’ es, und darf ichs seyn, so bin ichs von ganzem Herzen ...“
95
GOETHE, Johann Wolfgang von, 1749 – 1832. Br. m. U. Weimar 4.VI.1782. 1 S. folio.
Mit papiergedecktem Siegel und Adresse. Gebräunt und lichtrandig. Ein größerer Randeinriß
und 3 Korrosionslöcher in der Bugfalte. Kleine Montagereste.
(2.500.—)
Als Leiter der Kriegs- und Wegebaukommission an den Rat der Stadt Weimar, in den Vermögens­
angelegenheiten des aus „Königl. Preußi[schen] Kriegs-Diensten desertirte[n] Johann Adam Höhne“
aus Weimar.
Dieser habe „um Ueberlaßung seines Vermögens geziemend gebeten und dabey versichert ..., daß er sich
in hiesigen Fürstl. Landen niederlaßen und als ein treuer Unterthan hinkünftig beweisen wolle: So ist von
Seiten Fürstl. Kriegs-Commission, an sein Vermögen keinen Anspruch zu machen, resolvirt worden ...“
96
— Br. m. U. „Goethe“. Weimar 9.I.1809. 1 S. 4o.(3.000.—)
An den mit ihm befreundeten Göttinger Historiker und Staatsmann Georg Sartorius, mit dem er seit 1801
in regelmäßigem Briefwechsel stand.
„... vielen Dank für die literarischen Nachrichten, die Sie mir ertheilt; sie sind mir für den Augenblick
hinreichend. Sollte ich tiefer in die Sache zu gehen veranlaßt werden; so erbitte ich mir Ihren gütigen
Beystand.
Heute nur soviel zur Nachricht, daß die versprochenen grünen Armleuchter für die kleine Frau in diesen
Tagen abgehen werden. Beym Auspacken bitte ich sorgfältig zu verfahren. Wenn der Deckel eröffnet ist,
so werden die verschiedenen Theile der Leuchter gleich in die Augen fallen. Zuerst werden außen an den
langen Seiten des Kastens ein paar Schrauben aufgesucht und ausgeschraubt da denn die blechenen
Arme heraus genommen werden können. Sodann verfährt man gleichermaßen mit den Schrauben auf
der schmalen Seite, da denn die Füße mit den Stäben sich loslösen. Sollte kein Schraubzieher im Hause
seyn, so bitte zu der Operation einen Schlösser zu berufen ...“ – Brieftext von Riemers Hand.
Goethes „Dank für die literarischen Nachrichten“ bezieht sich auf die Erfüllung der in einem Brief
vom 7.XI.1808 an Sartorius’ Gattin ausgesprochenen Bitte um „Nachricht von den englischen und
irländischen Klosterstudien“, die Sartorius am 30.XII.1808 versandt hatte. Im Tagebuch vermerkt
Goethe: „An Hofrath Sartorius nach Göttingen wegen abgeschickter Leuchter“.
Sophien-Ausgabe Band 51 Nr. 5675a.
52
I. LITERATUR
Nr. 97 Johann Wolfgang von Goethe
53
I. LITERATUR
(J. W. v. Goethe)
97
— Einblattdruck mit eigenh. Widmung, Datierung und Unterschrift: „Carlsbad d. 15
Sept 1819 / Goethe“ (lateinische Schrift). 1 S. gr.-8o. Etwas braunfleckig. (3.000.—)
Der Erstdruck des Dankgedichts zur Feier seines 70. Geburtstages: „Die Feier des achtundzwanzigsten
Augusts dankbar zu erwiedern“ („Sah gemalt, in Gold und Rahmen, / Grauen Barts, den Ritter reiten ...“).
Empfänger des Blattes war Goethes früherer Zögling Fritz von S t e i n (1772 – 1844), damals
Generallandesrepräsentant in Breslau: „Herren Friedr. v. Stein“.
Siehe die Abbildung auf Seite 53.
„Schmelzungsexperimente“
98
— Br. m. U.u.E „ergebenst / Goethe“. Jena 9.VII.1820. 1 S. gr.-8o. Mit Siegelspur und
Adresse. Gebräunt, kleine Randläsuren. Am Kopf gestempelt „Deutsches Haus Brünn“.
(3.500.—)
An den Chemiker und Pharmazeuten Johann Wolfgang D ö b e r e i n e r in Jena, an dessen Untersuchungen
und Erfindungen Goethe lebhaften Anteil nahm.
„Wenn es Ew. Wohlgeb. noch gefällig wäre nach Zwätzen zu fahren, würd ich um 3 Uhr meinen Wagen
schicken und Sie ersuchen, was Sie zu den Schmelzungsexperimenten zubereitet haben, mitzubringen.
Von meiner Seite sind die Gebirgsarten zu eben dem Zwecke in Bereitschaft ...“ – Brieftext von Johns
Hand.
Sophien-Ausgabe Band 33 Nr. 77. – Aus der Sammlung Künzel.
99* — Einblattdruck: „Die Feier des siebenten Novembers 1825 dankbar zu erwiedern.“
1 S. gr.-8o. Mit gestochenem Schmuckrähmchen. Gebräunt, sonst sehr gut erhalten. (400.—)
„Sah gemalt, in Gold und Rahmen, / Grauen Barts, den Ritter reiten ...“ – Am 7. November 1825 hatte
Goethe sein 50jähriges Amtsjubiläum gefeiert.
100 — E. Br. m. U. „JWvGoethe“. Weimar 2.IV.1827. 1 S. gr.-4o. Kleine Randläsuren.
(12.000.—)
An Henriette von Pogwisch geb. Gräfin Henckel von Donnersmarck, Hofdame der Großherzogin.
„... Mögen Sie bey Ihro Königlichen Hoheit der Frau Großherzoginn mich geziemend entschuldigen
wenn ich Morgen nicht aufwarte und können Sie deshalb mir gnädigste Verzeihung erlangen. Die erste
Lieferung meiner Wercke, welche zur Messe fertig werden soll, macht mir am Schluß, bey Entfernung
des Druckorts, mehr als billig zu schaffen. Ich wünsche von Herzen daß die fünf Bände von Gönnern
und Freunden geneigt aufgenommen werden, damit ich so manche, darauf verwendete mühsame Stunde
belohnt und vergütet sehe ...“
Henriette von Pogwisch, Mutter Ottilie von Goethes, war Begründerin einer französischen und einer
deutschen Lesegesellschaft. In ihren literarischen Zirkeln war auch Goethe zu Gast.
Goethe erwartete damals die zur Leipziger Messe geplante Auslieferung der ersten fünf Bände der
„Vollständigen Ausgabe letzter Hand“; am 19.V.1827 vermerkt er die „Ankunft des Packets meiner
Werke“ in seinem Tagebuch, von denen im Oktavformat zunächst 3000 Exemplare auf Druckpapier, 100
auf Schweizerpapier und 200 auf Velin gedruckt wurden.
Sophien-Ausgabe Band 42 Nr. 99.
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I. LITERATUR
Nr. 100 Johann Wolfgang von Goethe
55
I. LITERATUR
(J. W. v. Goethe)
101 — E. Schriftstück m. U. „G“. W(eimar) 3.X.1827. 5 × 13,8 cm (Konzeptpapier; fachgerecht eingesetzt in ein zeitgenössisches Blatt, 15,5 × 20,8 cm). Orts- und Datumsangabe von
fremder Hand.
(1.600.—)
L e i h z e t t e l : „Seldenus (de Diis Syr[is]“. – Der englische Universalgelehrte John Selden (Johannes
Seldenus, 1584 – 1654) hatte das von Goethe erbetene Werk über die Mythologie des Orients 1617
veröffentlicht.
Goethe arbeitete zu dieser Zeit an mehreren Artikeln für „Kunst und Althertum“, vgl. dazu seine
Tagebuchaufzeichnungen vom 2. Oktober des Jahres.
102 — Eigenh. Widmung mit Abschlussklammer auf der Rückseite seiner gestochenen Visitenkarte. (Weimar 11.X.1828.) 1 S. quer – 16o. Bleistift. Leicht gebräunt und fleckig. – Dazu
die von Antoine Bovy (1795 – 1877) geschaffene Goethe-Medaille in Bronze, 1824. Zusammen
unter Holzpassepartout gerahmt.
(2.500.—)
Widmungsblatt für „Frau / Dr Wiggers“. – Beigegeben ist die Goethe-Medaille von Antoine Bovy (Avers:
Goethes Profil nach rechts, am Rand links der Namenszug „GOETHE“, unterhalb des Halsabschnitts
der Schriftzug „A. Bovy F. 1824.“; Revers: emporsteigender Adler, einen Lorbeerkranz in den Fängen).
Am 11. Oktober 1828 empfing Goethe die Familie des Rostocker Philologen und Theologen Gustav Adam
Friedrich Wiggers (1777 – 1860) auf deren Reise nach Schulpforta. Zur Erinnerung schenkte Goethe Frau
Wilhelmine Wiggers die Medaille mit dem Widmungsblatt. – In seinem Tagebuch vermerkte Goethe unter
diesem Datum: „Consistorialrath und Dr. Wiggers aus Rostock mit Frau und 2 Söhnen, deren ältester
nach Schulpforte bestimmt ist“.
„eine persönliche Vorliebe“
103* — Br. m. U.u.E. „Ew Wohlgeb. ganz ergebenster Diener JWvGoethe“. Weimar
11.V.1829. 2 S. gr.-4o. Mit Trauerrand. Etwas gebräunt, Tinte durchschlagend; kleinere Faltenrisse.(3.000.—)
An den Mineralogen Johann Jakob Nöggerath in Bonn, dem er für die Übersendung einer BronzeMiniatur des „ I g e l e r M o n u m e n t s “ dankt. – Goethe hatte das römische Pfeilerdenkmal in Igel an
der Mosel 1792 während der „Campagne in Frankreich“ zweimal besichtigt.
„... Sobald ich einen ruhigen Augenblick ersehe, schicke an die werthen Künstler sogleich einen
brieflichen Aufsatz wie sie ihn zu erwarten scheinen; denn es muß mir freilich höchst erwünscht seyn,
einen Gegenstand, dem ich, bey seiner eignen Merkwürdigkeit, noch durch besondere Umstände
angeregt, eine persönliche Vorliebe gewidmet, auf eine so vollständige Weise schauen, und hoffen zu
können, daß sowohl Darstellungen und Inschriften sich immer mehr aufklären werden.
Einen vortrefflichen Philologen in unsrer Nähe, mit dem ich gemeinsam zu arbeiten das Glück habe,
finde schon dafür interessirt. Die zu erwartenden Zeichnungen und Erläuterungen werden demjenigen
was darüber gedacht und gearbeitet ward neue Förderniß geben ...“ - Brieftext von Schuchardts Hand.
Schon am Vortag hatte Goethe mit Vorarbeiten zu seinem Aufsatz „Das Igeler Monument“ begonnen. – Mit
dem „vortrefflichen Philologen“ ist Karl Wilhelm Göttling (1793 – 1869) gemeint, der ihm auch bei der
Revision der Ausgabe letzter Hand seiner Werke half.
Trauerrand wegen der Hoftrauer um Großherzog Carl August, der am 14.VI.1828 gestorben war. –
Sophien-Ausgabe Band 45 Nr. 225.
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I. LITERATUR
104 — E. Schriftstück m. U. „G“. Weimar 8.III.1832. 1 S. quer-8o (unregelmäßig beschnitten).(3.000.—)
Bücherbestellung: „Critique des Historiens d’Alexandre. / G“. – Kräuter ergänzt den Titel und fügt Autor
und Datum hinzu.
Zwei Tage zuvor hatte Goethe eine Sendung von Zeichnungen von Wilhelm Z a h n aus Pompeji erhalten,
die u. a. eine Abbildung der „Alexanderschlacht“, des berühmten Mosaiks aus der von Zahn freigelegten
„Casa di Goethe“, enthalten hatte. Der tiefe Eindruck, den diese Zeichnung auf Goethe machte, mag die
Bestellung des genannten archäologischen Standardwerkes („Examen Critique des anciens Historiens
d’Alexandre“ von G. E. J. Guilhem de Clermont-Lodève, Baron de St. Croix) veranlasst haben.
Z w e i Wo c h e n vor seinem Tod geschrieben.
105 GOETHEKREIS. – CARL AUGUST, Großherzog von Sachsen-Weimar, preußischer
General; Freund Goethes, 1757 – 1826. Urkunde m. U. Weimar 31.V.1809. 1 S. folio. Mit papiergedecktem Siegel. Leicht gebräunt. Faltenrisse (teilweise hinterlegt).
(200.—)
Ernennung des evangelischen Theologen und Orientalisten Johann Christian Wilhelm A u g u s t i zum
„Consistorial-Rath ... wegen seiner in theologischen Schriften und Vorlesungen zur Ehre und Vortheil
der Akademie dargelegten Bemühungen ...“
106* — — E. Br. m. U. (Weimar 18.II.1819.) 1 S. gr.-4o. Gebräunt, Faltenbrüche. (300.—)
An einen Vertrauten (Friedrich August v. Beulwitz?), wohl das Fortkommen seines jünsten Sohnes Prinz
Bernhard betreffend. – Der Prinz hatte in der sächsischen Armee gekämpft und war nach dem Wiener
Kongreß in niederländische Dienste getreten.
„Was giebts gutes neues bey Ihnen? ist alles wohl? haben sich die Indischen projekte wieder verlohren?
ich hofte daß bernhardts neuer geschäfts Creyß auch seine Einnahme vermehren solte, aber es scheint
daß dorten zu lande die avancements bloß Finanz Speculationen für das beste des Gebers sind ...“
Carl August an Goethe?
107 — — E. Billett m. U. (Paraphe). (Weimar, wohl 1825.) 1 S. quer-kl.-8o. Mit gedruckter
Bordüre.(600.—)
„Der plaz an der treppe des th[eater]hauses ist freylich nun schon ganz fertig, u. es fehlt nichts mehr
als die wieder arbeitung der Chaussé an der schon stark hand gelegt ist; indeßen will ich mir gleich die
riße bey steinerten holen laßen.“
Darunter ein Vermerk des Philologen Wilhelm Ihne (1821 – 1902): „Carl August Grand Duke of Saxe
Weimar to Göthe / W. Ihne / 19 July 1852“.
Das in der Nacht des 21./22. März 1825 niedergebrannte Theater wurde in nur sechsmonatiger Bauzeit
nach Plänen des Weimarer Hofbaumeister Karl Friedrich Christian Steiner wiedererrichtet.
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I. LITERATUR
(Goethekreis)
108* — FRITSCH, Karl Wilhelm Freiherr von, weimarischer Staatsminister, 1769 – 1851.
E. Br. m. U. Weimar 5.XII.1841. 2 S. gr.-4o. Geringer Tintenfraß, kleine Randläsuren.
(200.—)
An den Meister einer Freimaurerloge, der ihm für eine Schrift über die Freimaurerei gedankt hatte.
„... Wenn sich mir in dem Laufe eines vielbewegten GeschäftsLebens einmal die Gelegenheit darbot,
die Ansichten über den Zweck des Fr. M. Bundes zu berichtigen, so erfüllte ich nur eine Pflicht solche
zu ergreifen u. den Vorurtheilen zu begegnen, welche zum Theil die frühere Geschichte des Ordens
hervorgerufen hatte ...“
Fritsch war Meister vom Stuhl der Loge Anna Amalia zu den drei Rosen.
109* — KESTNER, Johann Christian, Jurist, Ehemann von Charlotte Kestner, geb. Buff,
der „Albert“ in „Werthers Leiden“, 1741 – 1800. E. Br. m. U. (Hannover) 21.XII.1785. 21⁄2 S.
8o. Minimal fleckig und gebräunt.
(250.—)
Wohl in einer amtlichen Angelegenheit.
„Ich weiß nicht, ob mein Brief ... noch fertig wird. daher mache ich dieses einstweilen zu; und bitte nur die
Sache in statu quo zu lassen, bis Donnerstags Abends ein Brief ankömmt, welcher auf freundschaftliche
Auseinandersetzung abzielet ...“
In der Nachschrift heißt es: „Meine Substitution geht nur auf Vollziehung des schon abgewendeten
Vergleichs; und bitte ich dem Directorio zu bezeugen, daß ich noch selbst kommen würde, sobald ich
reisen dürfte.“
Sehr selten.
110* — KNEBEL, Karl Ludwig von, Goethes „Urfreund“, 1744 – 1834. E. Br. m. U. Jena
12.II.(1806?). 2 S. 8o.(800.—)
Wohl an einen Freund in Weimar, mit der Bitte um eine Gefälligkeit.
„... Dem Silhouetten-macher, H[err]n Klung, gab ich lezthin die beiden Silhouetten von Uz und Göz“ (die
ihm befreundeten Dichter Johann Peter Uz, 1720 – 1796, und Johann Nikolaus Götz, 1721 – 1781), „mit
dem Versprechen, sie mir baldig wieder zurück zu schicken, nebst ein paar Exemplaren seiner Arbeit.
Da ich nun seitdem nichts erhalten, so bitte ich Sie, ihm die obigen beiden Silhouetten abfodern zu lassen,
damit sie mir nicht aus der Hand kommen.
Das Gedicht Hildegarde hat mir Gries“ (der Übersetzer Johann Diederich G.) „erst vor ein paar Tagen
wiedergeschickt; wenn Sie es brauchen, melden Sie mir’s.
Die Frau Geh. Räthin ist mit Karlinchen vor ein paar Tagen hier gewesen, und hat uns nicht ein Wort
wissen lassen: das nehmen wir sehr übel, sagen Sie ihr es nur.
Wir schwimmen hier in Fluten und unter Eisinseln; doch thut mir der Hauch des nahen Frühlings sehr
wohl. Er hat mir diesen Morgen etliche Zeilen abgelockt, die ich dem Geh. Rath zu überreichen bitte ...“
58
I. LITERATUR
111* — LERSÉ, Franz Christian, Erzieher und Schriftsteller, Freund Goethes in Straßburg,
1749 – 1800. E. Br. m. U. Colmar 27.IX.1780. 3 S. 4o. (300.—)
An eine Gräfin von Wartensleben mit einem detaillierten Zeugnis für ihren Sohn, einen Zögling der von
Gottlieb Konrad Pfeffel mit Unterstützung Lersés geleiteten „École militaire“ in Colmar.
„... Il se fie trop à ses talens qui sont superieurs à ceux de tous nos Elèves actuels ... Une chose à la quelle
nous renonçons absolument, c’est l’espoir de lui inspirer de l’ordre dans ses affaires & une certaine
attention pour sa parure ...“
Von Pfeffel mitunterzeichnet. – S e h r s e l t e n .
112* — LUISE, Großherzogin von Sachsen-Weimar, Gemahlin Carl Augusts, geb. Landgräfin
von Hessen-Darmstadt, 1757 – 1830. E. Br. m. U. Homburg 29.V.1774. 23⁄4 S. 8o. Mit Trauerrand.(300.—)
Brief der jungen Prinzessin wohl an ihre Schwester Friederike, die Kronprinzessin von Preußen.
Nachdem ihre Mutter am 30. März gestorben war, hatte sich Luise zu ihrer Schwester Karoline, der
Landgräfin von Hessen-Homburg, begeben.
Zunächst über die Amtseinsetzung eines jungen Priesters: „... cette Ceremonie etoit touchante, J’etois
attendrie de meme que tous le monde, auplus fort de mon attendrissement. Le Ministre ... fit son
Compliment au nouveau ministre; J’etois sur le point d’eclater de rire, tant il a prononcé ridiculement
le francois.“
Ferner über einen Brand in Frankfurt am Main: „Il brule depuis trois heure du matin ..., on voit la fumée
d’ici, 20 maisons sont deja Encendré, c’est dans la rue des Juif, et le feu continue touiour, les pauvres
gens que Je les plains ...
J’ai trouvée mon Beaufrere en bonne Santé, de meme que sa femme, & ses enfants, qui sont tous a fait
aimables & Jolis: On n’entend rien de mon pere. J’en suis Inquiète ...“
In den folgenden Monaten warb Carl August um die Hand der Prinzessin; am 19. Dezember fand die
Verlobung statt.
113* — MARIA PAULOWNA, Großherzogin von Sachsen-Weimar, Schwiegertochter Carl
Augusts, geb. Großfürstin von Rußland, 1786 – 1859. E. Br. mit Abschlußklammer. O. O. u. D.
1
⁄2 S. 8o. Mit Adresse (Siegel ausgeschnitten). Kleine Papierschäden; Montagereste auf der Adreß­
seite.(250.—)
„Pour Sa Majesté l’Impératrice“.
„L’Impératrice est trop bonne de penser à nous informer ma soeur et moi du changement apporté à
la Diète que nous attendions de la part de son frère, lequel sera toujours le très bienvenu de toutes les
manières, et que nous suivrons en idée dans son absence de même que celui qu’il accompagne ...“
Bei der Adressatin handelt es sich vermutlich um eine ihrer Schwägerinnen: Kaiserin Elisabeth
Alexejewna geb. Prinzessin Louise von Baden, die Gemahlin ihres Bruders Kaiser Alexander I. von
Russland (1777 – 1825) oder Kaiserin Alexandra Fjodorowna, geb. Prinzessin Charlotte von Preußen,
die Gemahlin Kaiser Nikolaus’ I. (1796 – 1855).
59
I. LITERATUR
(Goethekreis)
114* — OESER, Friederike, Tochter des Malers Adam Friedrich Oe., Vertraute Goethes,
1748 – 1829. E. Br. m. U. „Deine stets zärtliche Schwester Fr. Oeser“. Dölitz 26.VI.1774. 4 S.
4o. Etwas gebräunt und leicht fleckig.
(250.—)
An ihren jüngsten Bruder Karl (in Dresden), dem sie über die Familie berichtet sowie gute Ratschläge
und Ermahnungen gibt.
„Unsere beste Schwester, ist sehr krank gewesen mein lieber Carl, und dieß ist die Ursache meiner
zögernden Antwort auf Deinen Brief. Sie ist nun mehr ... außer Gefahr, und scheint sich täglich beßer zu
erholen ... Ich bin in dieser ganzen Zeit, nur zween Tage in der Stadt gewesen ... Wann unser gütiger ...
Vater wieder komt, sollst Du weiß seidne Strümpfe bekommen ...
Ich freue mich daß Du mir versprichst fleißig zu seyn. Keine Tugend führt ihre Belohnung so sicher, u
reichlich mit sich, als der Fleiß. Ein fleißiger Mann ist Schöpfer seines Glücks. Dieß wirst Du aus eigner
schöner Erfahrung empfinden, wenn Du Deinem Vorsaze getreu bleibst ...
Hier in unsern lieben Döliz denken wir sehr oft an Dich ... Spiele Deine Rolle gut damit Du bald weiter
kommen kanst! ...“
115* — (POGWISCH, Wilhelm Julius von, preußischer Major, Vater von Ottilie von Goethe,
1760 – 1836.) Für ihn ausgestellter Passierschein. Hauptquartier Pitzkendorf 25.V.1807. 1⁄3 S.
schmal-folio. Einriß, etwas gebräunt.
(120.—)
Vom „adjud[an]t com[man]d[an]t“ und „chef d’etat major“ für den Major von Pogwisch ausgestellter
Passierschein: „Les postes français et alliés laisseront librement passer, Monsieur le major de pogwisch
le rendant à Dantzig ...“
Vom Ende des vierten Koalitionskrieges. – Am Vortag hatte Danzig nach dreimonatiger Belagerung vor
den französischen Truppen kapituliert.
116 — RIEMER, Friedrich Wilhelm, Philologe; Hausgenosse und Sekretär Goethes, 1774 – 1845. E. Br. m. U. Weimar 4.II.1809. 1 S. 4o. Leicht gebräunt.
(600.—)
I m A u f t r a g G o e t h e s an einen Herrn, dem er einen Bericht über die „gestrige sehr brillante
Redoute“ sendet.
„Mit den besten Grüßen vom Herrn Geh. Rath übersende ich Ihnen ... vorläufig einiges auf unsre gestrige
sehr brillante Redoute Sich beziehendes. Zu einer umständlichen, detaillirten Beschreibung fehlt es
mir jedoch in diesem Augenblicke an Zeit u Sammlung. Indess werden die beyliegenden gedruckten
poetischen u prosaischen Beschreibungen hinreichend seyn, eine Idee vom Ganzen, wenigstens von dem
Ganzen, was eine geschlossene Gesellschaft vorstellte, zu geben. Da die Zeit zu kurz war, musste ich mich
begnügen, die Namen der maskirten Personen, auf den Rand nur mit Bleystift anzumerken: Sie sind so
gütig dieses zu entschuldigen. Baldige Auskunft wird auch Prof. O k e n geben können.
Nach meinem Vorschlag würden Sie also zuerst das elegante Zeitungsblatt, sodann den Maskenzug, u
zuletzt das Lied der heiligen 3 Könige lesen, und so sich nach u nach alles vor Ihrer Einbildungskraft
aufbauen ... In Betreff der Gedichte u des Zeitungsblattes merke ich an, daß letzteres so wie der
Maskenzug von Falk herrühren, bis auf 2 oder 3; Das Lied im Gusto der Niebelungen ist von Werner,
die 4 Sonette von mir ...“
Der Naturforscher Lorenz Oken war durch Goethes Fürsprache 1807 an die Universität Jena berufen
worden. Beim Weimarer Karneval im Februar 1809 hatte Goethe ihn als „Morgenstern“ in seinen
Maskenzug aufgenommen.
60
I. LITERATUR
117* — RÖHR, Johann Friedrich, Theologe; Generalsuperintendent in Weimar, hielt Goethes Grabrede, 1777 – 1848. E. Br. m. U. Weimar 11.VIII.1798. 1 S. gr.-8o. Mit Siegelmarke und
Adresse. Etwas gebräunt, kleiner Faltenriß hinterlegt, verso Montagerest.
(150.—)
An Ferdinand Freiherrn von Biedenfeld in Weimar.
„... erlaube ich mir mit der Frage lästig zu fallen: ob Sie mir von dem Abbé Terson, dessen Schrift Sie
verdeutscht haben, irgend etwas Näheres anzugeben wissen, da mich der Mann eben dieser Schrift
halber nicht wenig interessirt? ...“ - Beiliegend sein Stahlstich-Portrait (leicht fleckig).
118* — SCHÖNEMANN, Anna Elisabeth, verehel. von Türckheim, Goethes „Lili“, 1758 – 1817. E. Br. m. U. „Elise“. Krautergersheim 30.VIII.(1805). 1 S. 4o. Mit Siegelspur und Adresse
(Poststempel).(500.—)
An ihren Bruder Johann Friedrich Schönemann in Frankfurt a. M. mit Familiennachrichten.
„... Lili“ (ihre Tochter) „m’a donné des inquiétudes qui Dieu merci sont dissipées, et Sophie qui nous a fait
l’amitié de venir passer q[uel]ques semaines avec nous, a pris un mal de gorge si violent et si oppiniatre
que jai passes plusieures semaines dans une agitation continuelle ...
Mes deux voyageurs“ (ihr Mann und ihr Sohn) „... sont arrivées ... à Paris. C’est un moment décisif pour
Guillaume, et qui determinera le bonheur de sa vie. puisse-til rester toujours fermement attaché à son
devoir, et ne jamais devier de la route de la vertu et de l’honneur! ...“
Sehr selten.
119 — STEIN, Charlotte von, geb. von Schardt, Goethes geliebte Freundin, 1742 – 1827. E.
Billett m. U. O. O. 25.VI.1778. 1 S. quer-schmal-8o. Kleiner Fleck am Oberrand. (1.600.—)
An Carl Ludwig von K n e b e l , Goethes „Urfreund“, der zu ihren wenigen Freunden zählte.
„Hier haben Sie das corpus delicti von Untreue gegen Ihre Gaben; wen mich mein Genius betrügt,
macht’s Ihrer doch tausend mahl ärger drum muß ich mich Ihrer annehmen. Von Stein ...“
S e h r s e l t e n so früh. – Geschrieben in der Zeit des innigsten Verhältnisses Charlotte von Steins zu
Goethe.
61
I. LITERATUR
120 GOTTHELF, Jeremias, Pseudonym für Albert Bitzius, 1797 – 1854. E. Br. m. U. „Alb.
Bitzius“. Lützelflüh 12.I. 1841 (1851?). 1 S. gr.-8o. Linker Rand unregelmäßg abgetrennt.
(1.600.—)
An einen Freund („Lieber Berni“) anläßlich von Neujahrsgrüßen, in einer Berlin betreffenden
Angelegenheit.
„... Anbei sende Dir samt den Beilagen die ich nicht brauche (die v. Huber fand ich nicht, aber das Geld
habe ich eingeschikt), die Rechnung mit herzlichem Dank zu.
Es wäre schon früher geschehen, wenn ich nicht mit Bestimmtheit etwas von Berlin erwartet hätte. Das
Stillschweigen von dorther ist mir unbegreiflich.
Ich hoffe Du habest das Neujahr gut paßirt. Durch eigene Schuld wirst Du Dich jedenfalls nicht verderbt
haben. Ich that es auch nicht, war sehr fleißig und gedenke morgen ein Buch oder vielleicht ein Büchlein
fertig zu machen ...“
121* GOTTSCHED, Johann Christoph, 1700 – 1766. E. Albumblatt m. U. Leipzig 14.VIII.
1738. 1 S. quer-8o. Dreiseitiger Goldschnitt.
(350.—)
Zitat aus Augustinus’ „Gottesstaat“: „Non alia Homini philosophandi caussa est, nisi ut beatus sit.“
Gottsched unterzeichnet als o. Prof. der Philosophie, ao. Prof. der Poesie, Mitglied der kgl. preußischen
Akademie und Dekan der Philosophischen Fakultät.
Aus der Sammlung Rötger (mit dessen Beschriftung in rötlicher Tinte).
122* GRABBE, Christian Dietrich, 1801 – 1836. Zur Hälfte eigenh. Br. m. U. „Grabbe“. Düsseldorf 11.III.1836. 4 S. gr.-4o, halbspaltig beschrieben. Etwas gebräunt, kleine Schäden, leicht
tintenfleckig.(4.000.—)
An den Verleger Heinrich Brockhaus, dem er zunächst eine Novelle, wohl „Grupello“ von Edwin
Hartenfels, dann sein Drama „Die Hermannsschlacht“ zum Verlag anbietet. – Die erste Hälfte des
Brieftextes stammt von Hartenfels’ Hand.
„... Sie haben mich im Conversations-Lexikon nicht vergessen, deswegen vergeß’ ich Sie auch nicht.
Beiliegende Novelle ist mit Hülfe des Hr. Hartenfels von mir geschrieben. Sie ist lokal, doch für jeden
Leser originell und bietet dem flachen Geschwätz Trotz, welches sich seit längerer Zeit unter Tiecks
Aegide, wie ich sub rosa sage, in die Romanenwelt schleicht. Nehmen Sie dieses Kind der Laune in
irgend eine Ihrer Zeitschriften, oder in eines von Ihren Taschenbüchern auf, oder drucken Sie dieselbe
apart ... Ich könnte Ihnen nächstens Besseres liefern (wenn Sie es wollen) auf billige Bedingung auch
mein fast vollendetes Drama: ‘ D i e H e r m a n n s s c h l a c h t ’ , das beste und kühnste, was ich in der Art
geschrieben darunter.
Von nun an schreib’ ich selbst, was Sie mir verzeihen, indem ich wegen Kränklichkeit schlechte
Buchstaben mache, indeß Ihnen doch meine Hochachtung bezeugen wollte. Ihr Vater rettete mich einmal
mit einer Kleinigkeit aus Verlegenheit. Freilich auf Ti e c k s Anweisung. Indeß er that’s.
Nehmen Sie die Novelle, so bitte ich dann auch für einen tüchtigen Corrector zu sorgen. Sie ist abscheulich
calligraphirt, vielleicht doch wohl so gut, daß Blumenherzen ... Neues draus lernen ...
Ihr / gehorsamster, leider jetzt auch bettlägeriger, und zu kranker / Grabbe, / welcher gern besser und
schöner seine Briefe schriebe und mehr sagte.“
„Die Hermannsschlacht“ wurde am 12. September des Jahres, seinem Todestag, am Stadttheater
Düsseldorf uraufgeführt. Im Druck erschien sie 1838 bei Schreiner in Düsseldorf. – Zu „Grupello“
(Düsseldorf 1840) hatte Grabbe das Vorwort geschrieben.
Historisch-kritische Gesamtausgabe, Band 6 Nr. 702.
62
I. LITERATUR
Nr. 122 Christian Dietrich Grabbe
63
I. LITERATUR
123 GRAFF, Sigmund, 1898 – 1979. 68 Autographen: 1 e. Br. m. U., 40 Br. m. U., 1 e. Postkarte m. U. und 26 Postkarten m. U. Erlangen 10.VI.1947 bis 29.XII.1949. 69 S. folio bis quergr.-8o und die Karten. Leicht gebräunt, teilweise mit kleinen Randläsuren; gelocht. (500.—)
Inhaltsreiche Briefe an den Bühnenverlag Felix Bloch Erben; 1947/48 vor allem über sein langwieriges
Spruchkammerverfahren („meine sogen. Entnazifizierung“); hierzu etliche Beilagen (darunter
Abschriften Eidesstattlicher Erklärungen von „Kulturschaffenden“ zu seinen Gunsten).
Aus dem ersten Brief: „... Infolge der völligen Ahnungslosigkeit und Unsicherheit meiner fränkischen
Landsleute in Kunst- und Theaterdingen, muß ich hier nämlich sozusagen alles beweisen. Dazu kommt
die für alle Umwälzungszeiten und Zwischen- oder Übergangsperioden typische Verantwortungsscheu.
Es genügt den Leuten nicht, daß ich ihnen z. B. ein Exemplar ‘Endlose Straße’ zum Lesen gegeben habe,
sie wollen auch noch von jemand anders als von mir selbst hören, daß dieses Werk bestimmt auch ein
Werk mit friedlicher Tendenz gewesen ist ...
So verbringt man in einem 10 qm-Hofzimmerchen ... die ersten Jahre der Freiheit ... und wird aus einem
falschen Nazi mit der Zeit ein echtes O.d.F., nämlich Opfer des Formalismus.
Nun, es wird jetzt aber nicht mehr lange dauern. Meine Akten nähern sich der Grenze, an der auch
feindselige Bürokraten kapitulieren würden. Meine sind aber gar nicht feindselig. Sie wollen nur den
Fall S. G .... recht, recht genau und gewissenhaft erledigen ... Und so hoffe ich denn, endlich zu meinem
gottverdammten und unter Herrn Hitler wahrhaftig sauer genug verdienten Recht zu kommen: wenn
ich freilich auch leider versäumt habe, 1933 für das Ermächtigungsgesetz zu stimmen wie der entlastete
Ministerpräsident von Baden ... und auch nicht, wie Werner Krauß, die Vierlingshauptrolle in einem vor
Millionen Deutschen zur Darstellung gelangenden antisemitischen Hetzfilm spielen konnte ...“
Nach seiner „Entlastung“ im Oktober 1948 schreibt Graff vor allem über Neubearbeitungen und
Aufführungen seiner Stücke („Die Heimkehr des Matthias Bruck“, „Hirschgraben und Kohlmarkt“ u. a.)
– „Bei mir ist der nervus dramaticus neu erwacht“ (13.IX.1949).
Ferner beiliegend 15 Telegramme Graffs, Durchschläge von Briefen des Verlags an Graff (ca. 60 Bll.,
dabei 2 Eidesstattliche Erklärungen und weitere Materialien).
124 GRASS, Günter, 1927-2015. Eigenh. Sentenz m. U. in: „Die Vernichtung der Menschheit
hat begonnen. Rede anläßlich der Verleihung des Feltrinelli-Preises am 25. Nov. 1982“. Hauzenberg: Edition Toni Pongraz 1983. Orig.-Umschlag. – W/G2 54.
(200.—)
Auf dem Titel ein Zitat aus dieser Rede: „‘Unsere Gegenwart macht Zukunft fraglich.’ / Günter
Grass“.
125
— Br. m. U.u.E. Lübeck 29.VI.2011. 3⁄4 S. folio.
(200.—)
An den Politologen Iring F e t s c h e r, dem er „mit sträflicher Verspätung“ zum 89. Geburtstag (am 4.
März) gratuliert und seine Lithographie „Wie der Butt über uns kam“ sendet.
„... Zwar bin ich mehrere Jahre jünger, doch bin ich, wie gewiß auch Sie, dankbar für jedes weitere
Jahr, das mich tätig sein läßt. Zur Zeit arbeite ich an Kaltnadel- und Ätzradierungen zu einem Buch,
das ich vor fünfzig Jahren geschrieben habe, ‘ H u n d e j a h r e ’ , und versuche dabei, den zur Zeit der
Niederschrift dieses ziemlich dicken Schmökers noch relativ jungen Autor zu entdecken ...“
64
I. LITERATUR
126 GREEN, Julien, 1900 – 1998. E. Br. m. U. Ascona 12.VII.1948. 1 S. folio. Briefpapier
mit aufgedruckten Photos und Briefkopf des „Casa Tamaro“, Ascona. Mit Umschlag (Vorderseite).(250.—)
An den Verleger Richard Heyd in Neuchâtel.
„... Un mot en hâte pour vous remercier de votre gentillesse. J’ai trouvé votre lettre à Lugano où elle
m’avais suivi de Berne (où nous ne nous somme pas arrêtés). Dans quelques minutes je pars pour Milan
après un séjour agréable à Ascona (j’ai vu les Lambert hier après-midi – et le délicieux Nicolas) ...“
127* GRILLPARZER, Franz, 1791 – 1872. E. Br. m. U. (Wien) 16.II.1866. 1⁄2 S. gr.-folio. Mit
Siegel („FG“) und Adresse. Oben und unten leicht beschnitten, Rand- und Faltenschäden ausgebessert.(300.—)
Grillparzers „Einkommenssteuer Bekenntniß“ für 1865, gerichtet an die „Löbliche k. k. Steuer-Admini­
stration“.
„Der Unterzeichnete genießt eine Pension von jährl[ich] 2520 f.
Für literarische Arbeiten hat er im J[ahre] 1865 nichts eingenommen als die Tantiemen des Hofburg­
theaters. Diese betrugen im J[ahr] 1865 zusammen 980 f 81 xr wovon er ihm die Erwerbsteuer zu
bemessen bittet.“
Grillparzer unterzeichnet als „k k Hofrath“. – Mit Vermerken der Steuerbehörde.
128 GROTH, Klaus, 1819 – 1899. E. Br. m. U. Kiel, Juli 1858 „Kiel – Juli [18]58“. 1 S. 8o.
Blaues, liniiertes Papier (Unterrand leicht verfärbt).
(250.—)
Wohl an den Drucker („Herr Kirchhoff“) seiner im selben Jahr in Leipzig erscheinenden „Kinderreime“,
zu denen Ludwig R i c h t e r die Illustrationen angefertigt hatte.
„... Ich habe das M[anu]scr[ipt] so gut es mir irgend möglich war, auch ohne die fehlenden Bilder,
geordnet, habe es noch aufs genauste durchgesehen, einige Lücken gefüllt, einige Änderungen getroffen,
und jetzt denk ich können Sie getrost los druken, sobald Sie Papier haben. Der Satz muß aber nach
dem Mscr. geschehen, welches Richter besitzt. Darauf findet sich die Correctur und die Übertragung ins
Hochdeutsche ...“
129 GRÜN, Anastasius, Pseudonym für Anton Graf von Auersperg, 1806 – 1876. E. Br. m. U.
„Ant Auersperg“. Dornau 24.V.1869. 1 S. gr.-8o. (250.—)
Wohl an einen Buchhändler mit der Bitte um Besorgungen.
„... Da der Schluß des Monats und somit der gewöhnliche Termin zur Absendung des MonatsPacketes
heranrückt, so zeige ich Ihnen hiemit meinen gegenwärtigen Aufenthaltsort ... an ... / Zugleich füge ich
die Bitte bei, die beiden auf beifolgenden Annonce Ausschnitten“ (am Unterrand in den Brieftext mit
Siegellack einmontiert) „verzeichneten Werke von Fessler und Mazade bei den Antiquaren Altmann und
Bermann für mich abzunehmen ...“
65
I. LITERATUR
130* GUTZKOW, Karl, 1811 – 1878. E. Br. m. U. Kesselstadt bei Hanau 20.I.1869. 2⁄3 S. gr.-4o.
Kleiner Einriß ausgebessert.
(200.—)
An einen Theaterdirektor, dem er eine „dramatische Arbeit“ - wohl „Der westfälische Friede“ - anbietet.
„... Der Unterzeichnete giebt sich die Ehre, Ew. Hochwohlgeboren eine dramatische Arbeit zu
überreichen, die vielleicht durch die ausgezeichneten Kräfte Ihres Schauspiels zu einiger Geltung
gelangen könnte. Mannheim u[nd] Prag werden die ersten Bühnen sein, die damit hervortreten. Weimar
hat die erste Vorstellung auf den 23 März angesetzt ...“
Das Stück fiel in diesem Jahr bei der Premiere in Mannheim durch.
131* HAMERLING, Robert, 1830 – 1889. E. Gedicht m. U. 1 S. 8o. Leicht fleckig. (150.—)
„O glückliche Zeit ...
O glückliche Zeit, da Äuglein mich / Und Busen und Locken und Wänglein / und reizende Beine bethörten
– / Gleichgültig wem sie gehörten!“
Es folgen vier weitere Strophen.
132 HANDKE, Peter, geb. 1942. Werk-Typoskript, eigenh. stark überarbeitet (Bleistift).
(1980.) 1 S. folio.
(800.—)
„L u d w i g H o h l : wie die Erschütterung, wie es dem Bedürfnis entspricht, weitergeben“ (ma­­schi­nen­
schriftliche Fassung).
L a u d a t i o auf Ludwig Hohl anläßlich der Verleihung des Petrarca-Preises 1980 an den schweizerischen
Schriftsteller. – Das ursprüngliche Typoskript wird durch Handkes zahlreiche, zum Teil sehr umfangreiche
eigenhändige Einfügungen im Umfang fast verdoppelt und gewinnt so erst seinen eigentlichen Gehalt.
Zwei Beispiele für die Veränderung des Textes, vor und nach den Einfügungen:
1) „... Nein, es handelt sich um keinen Eigenbrötler ‘in einem Kellerloch’ (das stimmt alles nicht),
sondern um einen zuständigen Geist, dem ich hier und da widerspreche, aber dessen Schrift ich immer
aufs Wort glauben kann (bei wem ist das sonst der Fall?) und den ich dafür verehre ...“
„... Nein, es handelt sich um keinen misanthropischen Eigenbrötler ‘in einem Kellerloch’ und dergleichen
Formeln (das stimmt alles nicht), sondern um einen heiteren, auch verschmitzten jedenfalls leitenden
Geist, auf der höchsten, hellsten Etage, der für uns zuständig ist, dem ich hier und da widerspreche (wem
kann ich sonst widersprechen), aber dessen Schrift ich immer Wort für Wort glauben kann (bei wem ist
das sonst der Fall?) ...“
2) „... Ich sage nur ... lest Ludwig Hohl. Es steht geschrieben. (Und es führt zur Freude hin und ist also,
was der Philosoph unter ‘gut’ versteht.) – Der Gruß geht von hier nach Genf ...“
„... Doch Ludwig Hohls Arbeit muß nicht entdeckt, empfohlen oder durch Interpretation nahe gebracht
werden: sie steht frei zum Lesen, wie sonst nur die Natur – und sie öffnet wie diese, zur Freude hin und
ist demgemäß das, was der Philosoph Spinoza unter ‘gut’ versteht. Der Gruß, der Gedanke oder das
Denken als Grüßen, geht von hier nach Genf, an den ruhigen, menschenfreundlichen Geist L. H .... Und
der Gruß sei verbunden mit einem Versprechen: der Bemühung um jenen größeren Bogen, den er in einer
seiner einsamen Notizen einst von den Nachgeborenen erwartet hat ...“
Die endgültige Fassung liegt als Typoskript bei.
66
I. LITERATUR
„Der junge deutsche Vers“
133
HARDT, Ernst, 1876 – 1947. E. Br. m. U. Weimar 14.XII.1908. 4 S. gr.-4o. Auf Bütten.
(250.—)
An den Schriftsteller Ernst Hutschenreiter, auf dessen Kritik an seinem Drama „Tantris der Narr“.
„... Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass es für mich ‘Nachlässigkeit’ nicht giebt. Dass das, woran Sie
den Finger legen, höchste Absicht, und wie ich glaube, glücklicher Gewinn ist. Haben Sie einmal über
den Unterschied der ‘dramatischen Rede’ und der ‘lyrischen Rede’ nachgedacht? Alle deutschen Dramen
enthalten aussschließlich die zweite, Lessing allein hat Ansätze zur ersten. Wenn man ein ‘Drama’ will,
dh. nicht die ruhige schwebende fast gesangshafte Art Goethes und seines antiken Vorbildes, sondern
gewissermassen eine Synthese dieser und der shakespearischen Art, so muss die frühere Behandlung des
Dramenverses gewandelt, entwickelt werden ...“
134 HAUPTMANN, Gerhart, 1862 – 1946. Br. m. U.u.E. Sestri Levante 21.I.1931. 1⁄2 S. gr.4o.(150.—)
An einen Herrn, der ihn zum „Concordia-Ball“ eingeladen hatte.
„... Es tut mir unendlich leid, dem sechzigsten Concordia-Ball nicht beiwohnen zu können, da ich mir
die Reise von hier in den nördlichen Winter leider nicht zumuten kann und außerdem bald nach Sizilien
zu gehen vorhabe. Bleibt mir also nichts übrig, als Ihnen vielmals für die freundliche Einladung zu
danken! ...“
135 — Br. m. U. „immer Ihr Gerhart Hauptmann“. Rapallo 9.I.1933. 3⁄4 S. gr.-4o. Leicht
braunfleckig.(150.—)
An die Fotografin Aura Hertwig-Brendel mit Dank für „Ihr unvergleichliches Photographienwerk“.
„... Diese Mappe bleibt ein klassischer Teil unseres Agnetendorfer Asyls und Archivs und wird durch
ihren Eigenwert in weite Zukunft wachsen. Und wie Sie mir damit das Wiedererleben meines Lebens
ermöglichen, Vergangenheit in Gegenwart umzaubern, auch durch die reizvollen Bildchen meiner Frau,
das entzieht sich den Möglichkeiten der Dankbarkeit: was heißt dagegen Dank sagen?! ...“
„Vielleicht ist mir was gelungen! – aber, wer weiß!?“
136 — E. Br. m. U. „GHptm.“ O. O. u. D. 1 S. gr.-8o. Bleistift. Verso Anmerkungen von fremder Hand.
(250.—)
An seinen Schwager Moritz H e i m a n n , Lektor beim S. Fischer Verlag.
„... kannst Du mir ein Buch über Barbarossa hierher schicken: das Kürzeste und Beste – ?
Wir bleiben noch einige Zeit hier, und ich revidire und beschliesse die erste Niederschrift vom armen
Heinrich, worüber ich Dich Stillschweigen zu bewahren bitte ...
Vielleicht ist mir was gelungen! – aber, wer weiß!? ...“ – Erwähnt den Schriftsteller Hermann Stehr, mit
dem ihn seit 1898 eine Freundschaft verband.
Hauptmann arbeitete ab 1897 am Drama „Der arme Heinrich“, die Uraufführung fand am 29. November
1902 am Wiener Burgtheater statt.
67
I. LITERATUR
137* HEBBEL, Friedrich, 1813 – 1863. E. Albumblatt m. U. O. O. u. D. 2⁄3 S. quer-gr.-8o.
Braunes Papier. Knickfalten.
(400.—)
„Wer langes Leben wünscht im irdischen Gewimmel,
Der weiß nicht, was er thut: er kürzt sich ja den Himmel.“
Darunter der eigenh. Vermerk: „Gesammt-Ausgabe der Gedichte von 1851, bei Cotta“.
138 — HEBBEL, Christine, geb. Enghaus, seine Frau; Schauspielerin, 1817 – 1910. Portraitphotographie mit eigenh. Bezeichnung (montiert) auf der Bildseite und eigenh. Widmung
u. U. (montiert) auf der Rückseite. Wien, Mai 1897. Kabinettformat.
(150.—)
Brustbild nach halbrechts, bezeichnet „Christine Hebbel im achtzigsten Jahr“. – Auf der Rückseite die
Widmung „Meiner lieben verehrten Minna Hoegel zum Andenken / Christine Hebbel“.
139 HEBEL, Johann Peter, 1760 – 1826. E. Schriftstück m. U. „Hebel“. Karlsruhe 17.X.
1818. 1⁄3 S. quer-4o. Konzeptpapier. (1.600.—)
Q u i t t u n g : „Meister J. Jacob Örtlin in Hausen hat an Unterzeichneten zum erstenmal den Zins bezahlt
mit Dreißig und Neun Gulden wofür quittirt ... Hebel“
Hebels Mutter Ursula, geborene Oertlin, stammte aus Hausen im Wiesenthal.
Aus der Sammlung Künzel. – S e h r s e l t e n .
140a HEINE, Heinrich, 1797 – 1856. E. adressierter Briefumschlag. 1 S. gr.-4o. Zwei Siegelreste (blaues und rotes Oblatensiegel). Einige Rand- und Faltenrisse.
(1.200.—)
„Monsieur / Mr. Maximilien Heine, Docteur en Medeçine, / à / Saint-Petersbourg“.
Verso ein Vermerk von Maximilian von Heine, dem jüngsten Bruder Heinrich Heines: „Daß die auf der
Rückseite befindliche Adresse an mich die eigenhandige Handschrift meines Bruders Heinrich Heine ist,
bestatigt hiermit: Maximilian Heine / St. Petersburg, den 1. November 1865.“
Maximilian von Heine (1806/07 – 1879), der gleich nach dem Studium in die russische Armee eingetreten
war, hatte am russisch-türkischen Krieg teilgenommen – vornehmlich, um die im europäischen Teil der
Türkei ausgebrochene Pest zu erforschen – und lebte anschließend als Militärarzt und Hofrat in St.
Petersburg.
68
I. LITERATUR
Nr. 140b Heinrich Heine
69
I. LITERATUR
„das Glück macht mich traurig!“
140b HEINE, Heinrich, 1797 – 1856. E. Br. m. U. „Dein getreuer Bruder H. Heine“. Paris
28.XI.1842. 2 S. gr.-4o. Mit Siegelspur und Adresse (Poststempel und -vermerke). Ausriß an
der Siegelstelle sorgfältig restauriert.
(16.000.—)
Sehr schöner Brief an seine Schwester Charlotte Embden in Hamburg, der er zur Verlobung ihrer Tochter
Marie mit dem Kaufmann Honoré de Vos gratuliert.
„Liebste Schwester!
Obleich mein Kopf wie betäubt ist von starkem Arbeiten, eile ich doch Dir meinen Glückwunsch zu
senden. Wie soll ich die Freude aussprechen, die mich beim Empfang Deines lieben Briefes fast bestürzt
machte; ich und meine liebe Frau, die den innigsten Antheil an Euch nimmt, wir haben eine sehr vergnügte Stunde genossen. Sie läßt sich Euch allen dringendst empfehlen und für das Portrait, das wir erhielten
noch besonders danken; sie war außer sich vor Freude als sie es empfing und es paradirt seitdem in
unserem Salon, wo es jedem gezeigt und oft bewundert wird. Du bist noch äußerlich und geistig so sehr
jung und verheurathest schon eine Tochter und wirst also bald Großmutter werden! Und die alte Gluck“
(die Mutter Betty Heine) „wird Urgroßmutter – aya! Hätte ich nur einen Augenblick mein arm Vaterchen;
wie würde der sich gefreut haben! Das ist beständig mein Gedanke und das Glück macht mich traurig!
Ich lasse mich der Braut sehr ergebenst empfehlen so wie auch dem Bräutigam. Meinem Schwager danke
ich herzlichst daß er mir gleich geschrieben hat und ich gratulire ihm mit großer Freude. – Könnt ich
nur auf einige Tage bey Euch seyn! Welch ein Kummer! Es ist aber jetzt nicht möglich. Die Hoffnung daß
Marie nach Paris kommen wird, entzückt mich bis in tiefster Seele. Sie wird sich überzeugen, daß sie
keinen gewöhnlichen Onkel hat und daß ihre Tante hübsch u. gut ist. – Meine Mutter grüße ich und ich
umarme Euch beide; werde dieser Tage an Mutter schreiben. Bin, wie gesagt, vom vielen Arbeiten sehr
angegriffen. Hab in diesem Augenblick viel um die Ohren. Ich habe bis Ende Februar vollauf zu thun,
die wichtigsten Geschäften, und leider ist mein Kopf krank und manchmal muß ich wider Willen feyern.
Ich komme aber durch, und dann will ich für mein Kopfübel etwas anhaltendes thun ...“
Heine arbeitete damals am „Atta Troll“.
Säkularausgabe Nr. 918. – Siehe die Abbildung auf Seite 69.
141* HENCKELL, Karl, 1864 – 1929. E. Gedicht m. U. 1 S. gr.-4o. (120.—)
„Verschwistert darf ich mich dem Adler glauben, / Der liebend sich dem Gott der Luft erschließt, / Er
schwebt für sich – wer kann die Lust ihm rauben, / Wenn Wind und Aether staubrein ihn umfließt ...“
Beiliegend ein Begleitbrief (e. Br. m. U., München 29.VIII.1920) auf der Rückseite einer Portrait­photo­
graphie (Knickspur).
142 HERDER, Johann Gottfried von, 1744 – 1803. Eigenh. Manuskript mit Abschlussklammer. 2 S. 4o (alt beschnitten). 2 S. 4o. Konzeptpapier (schwach gebräunt, Ränder leicht
fleckig).(2.500.—)
Die Parabeln „ S a l o m o “ und „ A l l e s z u m G u t e n “ ; jeweils auf einer Seite des Bogens geschrieben.
„Salomo.
Zu seinem jungen Lieblinge sprach ein gütiger König: Bitte von mir, was du willst; es soll dir werden.
‚Warum soll ich bitten, sprach der kluge Jüngling bei sich selbst. Um Ehre? ich habe sie schon. Um Gold
u. Silber? Das ungetreueste Geschenk der Erde. Um des Königs Tochter will ich bitten: denn ich weiß,
sie liebet mich, wie ich sie liebe, u. mit ihr empfange ich alles andre. Nicht nur Gold u. Ehre; sondern
auch das Herz meines gütigen Wohlthäters: denn er wird durch diese Bitte mein Vater. Der Liebling u.
die Bitte ward ihm glücklich gewähret ...“
70
I. LITERATUR
Nr. 142 Johann Gottfried von Herder
71
I. LITERATUR
(J. G. v. Herder)
„Alles zum Guten.
Immer gewöhne sich der Mensch zu sagen: was Gott schickt, ist gut; es dünke mir gut oder böse.
Rabbi Akiba kam vor eine Stadt, deren Thore geschloßen waren u. niemand wollte sie öffnen: hungrig
u. müde mußte er unter freiem Himmel übernachten. Er sprach: was Gott schickt, ist gut u. legte sich
ruhig schlafen.
Neben ihm stand sein Esel u. zu seiner Seite eine brennende Laterne, um des Schreckens willen in der
Nacht u. um der Unsicherheit willen in derselben Gegend. Ein Sturm entstand u. löschte sein Licht aus;
ein Löwe kam u. verschlang seinen Esel. Er erwachte, rettete sich u. sprach: was Gott schickt, ist gut u.
wartete ruhig der Morgenröthe, um in die Stadt zu gehen ...“ Es folgen sieben weitere Zeilen.
Mit einigen Abweichungen 1821 in den „Sämmtlichen Werken“ („Dichtungen aus der morgenländischen
Sage“) gedruckt; das erste unter dem Titel „Der Jüngling Salomo“.
Am Kopf jeweils der zeitgenössische Zusatz von fremder Hand „(schon gedruckt)“.
143* — E. Br. m. U. (Entwurf). Bückeburg 4.I.1775. 1 S. folio. Etwas gebräunt und fleckig,
eine Ecke ohne Textberührung beschädigt.
(1.200.—)
Als schaumburg-lippischer Konsistorialrat an einen Pfarrer in einer Eheschließungsangelegenheit.
„... In neulich vorgelegter Sache antwortet das Consistorium, daß ohne Eheverschreibung u. Amtsschein
der Landesverordnung gemäß keine Copulation vor sich gehen könne, auch keine Proclamation
hätte geschehen sollen. Die Letzte wird also hiemit inhibirt und in Ansehung der Erstern müßen E.
HochEhrwürden drauf ankommen laßen, ob ein Preuß[ischer] Prediger copulire: und so dann, fernerer
Folgen wegen ad Consistorium berichten. Vielleicht sucht copulandus die Eheverschreibung, wenn er
sieht, daß aus der proclamation nichts wird; vielleicht aber steckt auch mehr dahinter ...“
Briefe Band 9 Nr. 124c (unvollständig).
Beiliegend die Abschrift eines amtlichen Schreibens Herders vom 25.I.1776 („Vom H[errn]
Sup[erintendenten] Herder“), 4 S. folio, Bückeburger Schul- und Pfarrangelegenheiten betreffend;
ferner beiliegend ein Br. m. U. des Grafen Albrecht Wolfgang zu Schaumburg-Lippe, 3.X.1729, 4 S.
folio; über das „Armen Reglement“ und Maßnahmen gegen fremde Bettler und Landstreicher, durch die
„unsern hiesigen Armen der allmosen geschmälert“ werde.
144 — E. Billett m. U. O. O. u. D. (nach Angaben eines Vorbesitzers 1796). 1 S. 8o. Etwas
fleckig.(400.—)
Wohl an seinen Drucker.
„Hier ist der Rest der Schrift. Titel u. Vorrede machen nur 2. Oct[av] Blätter aus u. folgen nächstens.
Der Druck nach dem M[anu]scr[ipt] ist, wie angegeben. / Und noch bitte ich aufs Beste um Förderung
des Drucks. Vale Vale. / Herder.“
1796 erschien u. a. sein Werk „Vom Erlöser der Menschen“ bei Hartknoch in Riga.
72
I. LITERATUR
„das Requiem von Mozart“
145* — E. Br. m. U. (Weimar 16.VI.1801.) 1 S. quer-4o. Mit Siegel und Adresse. Kleiner Eck­
abriß durch Öffnen des Siegels, winzige Randeinrisse.
(1.200.—)
An die Dichterin Amalia Johanna Isabella Reichsgräfin zu Münster-Meinhövel (1767 – 1813), die Weimar
besuchte.
„Der gestrige Tag war mir mit so überladnen Geschäften besetzt, daß ich der Ehre entbehren mußte,
E. Gnaden aufzuwarten. Am heutigen ist Consistorialsession, die spät dauert; gegen Abend wird das
Requiem von Mozart gegeben, nach welchem ich längst schon sehnlich geschmachtet habe.
Also morgen; und Sie bestimmen, gn. Gräfin, die Stunde, da ich Ihnen entweder aufwarte oder da Sie
bei uns sind ...“
Briefe Band 9 Nr. 232a.
146* — HERDER, Carolina, geb. Flachsland, seine Frau; die „Psyche“ im Darmstädter
Kreis der Em­p­find­samen, 1750 – 1809. E. Br. m. U. Weimar 18.I.1804. 31⁄2 S. 8o. (350.—)
An Herders und Goethes Freund (Johann Isaak von G e r n i n g in Frankfurt a. M.), den sie, einen Monat
nach Herders Tod, um eine Abschrift von dessen dramatischem Gedicht „Admetus“ bittet.
„... Ihre schöne Handschrift, die ich schon lange kannte, fiel mir lebhaft in die Augen, gerade jetzt, da
ich eine solche aufsuche. Unser guter Wilhelm“ (ihr dritter Sohn) „schreibt zwar auch eine regelmäßig
hübsche Hand, sie ist aber zu kaufmännisch ...
... ich kenne Ihre Achtung u. Liebe zu unserm Seligen – ich lege sein letztes poetisches Stück, das er in
Schneeberg aufgesetzt hat – ein Heiligthum – die Prophezeihung meines schmerzvollen Schicksals ‘ein
häuslich Glück zerstörte, unerbittlich’ – aber auch zugleich das Denkmal meines Glücks des ganzen
Lebens in Ihre Hand ...“
147* — HERDER, Wilhelm Gottfried von, Arzt; der älteste Sohn des Dichters, 1774 – 1806.
E. Br. m. U. „D. Herder“. Weimar 1.X.1801. 4 S. 4o.(150.—)
An den Verleger (Hartknoch in Leipzig).
„... Ein praktischer Arzt ist ein geplagtes Thier. Da hatte ich nun meinen ganzen Zuschnitt gemacht ein
paar Tage Euer Gaunerleben beim Vogelschießen mitzuführen – aber Tugend und Resignation – oder
vielmehr einige hartnäckige Patienten u. die Abwesenheit meiner Eltern verhinderten meinen Entschluß
und raubten mir dabei das Glück Sie in meine Arme zu schließen. Ich hatte wirklich schöne Dinge mit
Ihnen zu reden. Sie sollen u. müßen mich ins große Weltmeer der Schriftstellerei hinauswerfen, d. h. mich
treiben daß ich ein ordentliches medicinisches Werkchen herausgebe, das uns beiden Freude macht ...“
Herders Werk „Zur Erweiterung der Geburtshülfe“ erschien 1803 bei Hartknoch in Leipzig.
73
I. LITERATUR
148* — HERDER, Siegmund August Wolfgang Freiherr von, Geologe; sächsischer Oberberg­
haupt­mann, zweiter Sohn des Dichters, 1776 – 1838. E. Br. m. U. „S. Aug. Wolfg. Herder /
Studios.“ Wittenberg 25.I.1801. 1 S. 4o. Etwas gebräunt, kleines Loch.
(120.—)
An einen Herrn wegen der Beförderung einer „Kiste Mineralien“.
„Ew Wohlgebohren verzeihen, wenn ich wegen der Kiste Mineralien, von welcher ich schon früher Ihnen
zu schreiben so frey gewesen bin, mich zum zweitenmahle an Sie wende, und Sie ergebenst bitte diese
Kiste ... baldigst durch den Wittenberger Fuhrmann mir zu übersenden ...“
Herder erwarb sich große Verdienste um die Modernisierung des sächsischen Bergbaus; u. a. führte er
Steinkohle an Stelle der Holzkohle in das sächsische Hüttenwesen ein.
Achim und Bettina v. Arnim, Brentano, Heine, Sophie von La Roche u. a.
149 (HERTLING, Georg Graf von, Reichskanzler, 1843 – 1919.) Sein AUTOGRAPHENALBUM mit ca. 80 montierten Briefen bzw. Brieffragmenten, Manuskripten, Albumblättern,
Billetts, ausgeschnittenen Namenszügen und Adressen. 37 S. 4o (über 140 S. vakat). Halblederband (bestoßen und berieben).
(2.000.—)
Hertlings Autographen-Album, von ihm auf der Rückseite des Vorsatzblattes eigenh. bezeichnet:
„Anmerkung. Sämmtliche Handschriften sind, wenn nichts dazu bemerkt, verbürgt ächt. / vHertling.“ –
Am Unterrand: „Begonnen am 31 August 1858.“ - Mehrere Beiträge stammen aus dem Kreis der Familie
seiner Mutter Antonie geb. von G u a i t a .
Vertreten sind u. a. die Könige Ludwig I. (Br. m. U., München 1851, an Emilie Brentano) und Ludwig II.
von Bayern (Adresse, 1859), Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt (Namenszug) und Königin
Elisabeth von Preußen (Adresse),
die Dichter und Schriftsteller Ludwig Achim von Arnim („Für Antonie v Guaita“), Bettina von Arnim (e.
Brieffragment, an „Liebe Toni“), Johann Baptist Berger (Albumblatt), Clemens Brentano (Adresse, an
„Meline Guaita“), Georg Friedrich Daumer (Briefschluß), Joseph Görres (Albumblatt, Frankfurt a. M.
1816), Ida Gfn. Hahn-Hahn (e. Billett m. U.), Heinrich H e i n e (Briefschluß, „Mit ganzer Seele / Ihr
Freund / H. Heine“), Luise Hensel, Sophie von La Roche (Offenbach 1806, an Meline von Guaita), Johann
Ladislaus Pyrker (Erlau 1838), Oscar von Redwitz (e. Br. m. U.) und Beda Weber (e. Manuskript),
die Gelehrten August von Bethmann-Hollweg (Berlin 1819), Ignaz von Döllinger (Adresse), Jacob Grimm
(Adresse, „Herrn Professor Dr. Hermann Müller / Würzburg“), Wilhelm Grimm (Namenszug), Johann
Heinrich P e s t a l o z z i und seine Frau Anna geb. Schulthess (Albumblätter, Yverdon 1810), Leopold von
Ranke (Namenszug), Johann Nepomuk von Ringseis (Namenszug), Carl Ritter (Frankfurt a. M. 1810) und
Friedrich Karl von Savigny (e. Brieffragment, an „Toni“),
der Maler Edward von Steinle (Albumblatt, Frankfurt a. M. 1859), der Musiker Joseph Joachim (Brief­
schluß) und die Sängerin Henriette Sontag (Namenszug „Henriette Rossi“),
die Kurfürst-Erzbischöfe Karl Theodor Frhr. von Dalberg (Namenszug) und Friedrich Karl Frhr. von
Erthal (Briefschluß, Aschaffenburg 1794), die Kardinäle John Henry Newman (Birmingham 1859) und
Nicholas Wiseman, der Erzbischof Gregor von Scherr (Albumblatt, München 1859) und der Bischof
Michael Sailer (Briefschluß), die Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1849 Carl
Heinrich Jürgens, Joseph Maria von Radowitz und August Reichensperger sowie der General Eduard
Gf. von Oriola (Berlin 1859).
74
I. LITERATUR
Nr. 150 Hermann Hesse
75
I. LITERATUR
150 HESSE, Hermann, 1877 – 1962. Eigenh. Manuskript (Tinte; Korrekturen und Ergänzungen in Blei- und Kopierstift), nachträglich betitelt, datiert „Fertig 29/VII.1914“ und
signiert „H. Hesse“ (Blei). 34 pag. S. gr.-4o (liniiertes Papier, einseitig beschrieben) und 2 S.
quer-8o auf eingeschossenen Blättern. Wohlerhalten. Pappband der Zeit (etwas berieben und
bestoßen, Rücken leicht defekt) mit Exlibris „Ida Felsmann“ auf dem vorderen Spiegel.
(16.000.—)
„ K n u l p s E n d e “ . – Das vollständige Arbeitsmanuskript zu seiner dritten und letzten Erzählung über
den Landstreicher Knulp, mit etlichen Abweichungen vom Druck. – Beginnt:
„Es war ein heller Tag im Oktober; die leichte, durchsonnte Luft wurde von launigen kurzen Windzügen
bewegt, aus Feldern u. Gärten zog in dünnen, zögernden Bändern der hellblaue Rauch von Herbstfeuern
u. erfüllte die lichte Landschaft mit einem scharfen Geruch von verbranntem Kraut u. Grünholz. In
den Dorfgärten blühten sattfarbige Buschastern, späte bläßliche Rosen u. Georginen, u. an den Zäunen
brannte noch hier u. dort eine feurige Kapuzinerblüte aus dem schon matt u. weißlich schimmerden
Gekräut ...“
Im Druck erschien die Erzählung 1915 als Schluss-Stück seiner „Knulp“-Erzählungen, dort unter dem
Titel „Das Ende“. – Das Manuskript einer älteren, von Hesse verworfenen und Fragment gebliebenen
Fassung befindet sich in der Carl Seelig-Sammlung der Zentralbibliothek Zürich.
Ida Maria Felsmann (1884 – 1975) war die Tochter eines Bahndirektors in Frankfurt a. M., sie heiratete
später den Frankfurter Industriellen Harry Fuld, einen Vetter von Anna Seghers.
Vollständige Arbeitsmanuskripte Hesses sind im Handel s e h r s e l t e n .
Siehe die Abbildung auf Seite 75.
151 — 14 A q u a r e l l e , teilweise über Feder, meist eigenh. bezeichnet. Maße in der Höhe
5,6 – 12,5, in der Breite 8,2 – 13,5 cm. 4o, auf Bütten-Blättern. Leicht, teilweise auch etwas
stärker fleckig; mit Markierungen für die Reproduktion.
(16.000.—)
Die vollständigen Vorlagen für die Illustrationen zu seinem 1920 bei S. Fischer erschienenen Buch „Wa n d e r u n g . Aufzeichnungen von Hermann Hesse / Mit farbigen Bildern vom Verfasser“.
Das erste Aquarell mit dem eigenhändigem Arbeitstitel „Wanderung / Ein Bilderbuch von Hermann
Hesse / mit farbigen Zeichnungen vom Verfasser“, den Hesse später mit anderer Tinte in den endgültigen
Buchtitel ändert. – Die weiteren Aquarelle: Bauernhaus, „Pass“, ein Dorf, „Die Brücke“, „Pfarrhaus“,
„Gehöft“, „Bäume“, „Regenwetter“, „Kapelle“, „Mittagsrast“, „See, Baum, Berg“, „Bewölkter Himmel“ und „Rotes Haus“.
Beiliegend ein Widmungsexemplar der 1949 bei Suhrkamp erschienenen Ausgabe des Buches, 4o, Orig.Leinen mit (leicht eingerissenem) Schutzumschlag; dem Titel gegenüber Hesses eigenhändige Widmung
„In grosser Dankbarkeit von Ihrem HHesse“.
Die Reproduktionen im Buch geben die zarten Farben der Originale höchst unzulänglich wieder.
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I. LITERATUR
Nr. 151 Hermann Hesse
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I. LITERATUR
(Hermann Hesse)
152 — Eigenh. Gedichtmanuskript mit Namenszug im Titel. Titelblatt (Umschlag) und 24 S.
4o (zusammen auf 13 Doppelblättern). Mit 13 aquarellierten F e d e r z e i c h n u n g e n . Bütten.
Kleiner Randeinriss im Titelblatt. Ein Gedicht mit schwachen Flecken am Unterrand.
(20.000.—)
„ Z w ö l f G e d i c h t e von Hermann Hesse“. – Auf der ersten Seite der Doppelblätter jeweils ein
A q u a r e l l und der Titel (in sieben Fällen auch die erste Strophe), auf der dritten Seite das Gedicht.
Die Handschrift enthält die Gedichte „Frühling in Locarno“ („Wipfel glühn in dunklem Feuer, / Im
vertrauensvollen Blau ...“), „Nächtliches Spiel mit Versen“ („O dass es Farben gibt: / Blau, Gelb, Weiss,
Rot und Grün! ...“), „Schicksal“ („Wir sind in Zorn und Unverstand, / Wie Kinder tun, geschieden ...“),
„Flötenspiel“ („Ein Haus bei Nacht durch Strauch und Baum / Ein Fenster leise schimmern liess ...“),
„Bei der Nachricht vom Tod eines Freundes“ („Schnell welkt das Vergängliche. / Schnell stieben die
verdorrten Jahre davon ...“), „Der Blütenzweig“ („Immer hin und wider / Strebt der Blütenzweig
im Winde ...“), „Häuser am Abend“ („Im späten schrägen Goldlicht steht / Das Volk der Häuser still
durchglüht ...“), „Frühlingstag“ („Wind im Gesträuch und Vogelpfiff / Und hoch im höchsten süssen
Blau ...“), „Kleiner Knabe“ („Hat man mich gestraft, / Halt ich meinen Mund ...“), „Karfreitag“
(„Verhangener Tag, im Wald noch Schnee, / Im kahlen Holz die Amsel singt ...“), „Einsamer Abend“ („In
der leeren Flasche und im Glas / Wankt der Kerze Schimmer ...“) und „Irgendwo“ („Durch des Lebens
Wüste irr’ ich glühend / Und erstöhne unter meiner Last ...“).
153 — Eigenh. Manuskript m. U. „H H“. Wohl 1933. 1 S. gr.-8o. Bleistift. Auf der Rückseite
einer Drucksache der Schweizerischen Kreditanstalt vom Juli 1933. Mittelfalte leicht eingerissen. (1.600.—)
Über R o b e r t Wa l s e r, anlässlich der Neuausgabe der „Geschwister Tanner“.
„Robert Walser ist der liebenswerteste Schweizer Dichter meiner Generation, u. die G. T. eins seiner
schönsten Werke: Eine echte Dichtung, keiner Schule zugehörig, frei von Programmen, frei von Ehrgeiz,
in sich begnügt u. vollkommen. Sein Vaterland wird diesen Dichter u. dies Werk erst noch entdecken
müssen.“ – Korrigierter Entwurf.
78
I. LITERATUR
Nr. 152 Hermann Hesse
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I. LITERATUR
(Hermann Hesse)
157 — E. Gedicht mit aquarellierter F e d e r z e i c h n u n g (winterliche Berglandschaft, ca.
5,4 × 9,4 cm) auf dem Titel und einem e. Br. m. U. St. Moritz (wohl Anfang 1932). Zusammen 4
S. 4o. Auf Briefbogen des Hotels „Chantarella“ bei St. Moritz. In Pergamentband der Zeit mit
Einbandtitel von fremder Hand.
(2.500.—)
„S y l v e s t e r / Geschrieben nach dem Empfang einer Todes-Nachricht
Schnell welkt das Vergängliche.
Immer rascher stieben
Die verdorrten Jahre davon.
Spöttisch blicken die scheinbar ewigen Sterne.
In uns innen der Geist allein
Mag unbewegt schauen das Spiel,
Ohne Schmerz, ohne Spott.
Ihm sind ‘unvergänglich’ und ‘ewig’
Gleich viel, gleich wenig ....
Aber das Herz
Wehrt sich, glüht auf in Liebe,
Und ergibt sich, welkende Blume,
Dem unendlichen Todesruf,
Dem unendlichen Liebesruf.“
Vorgebunden Hesses Begleitbrief an Ida Maria Fuld geb. Felsmann, der er Jahre zuvor das Manuskript
zu „Knulps Ende“ geschenkt hatte (siehe Nr. 150).
„... Wenn ich Ihnen auch den verlorenen ‘Knulp’ nicht ersetzen kann, möchte ich doch wenigstens einen
ganz kleinen Ersatz versuchen, u. sende Ihnen hier die Handschrift eines Gedichtes mit Bildchen ...“
Auf Einladung seines Freundes Joseph Englert war Hesse mit Ehefrau Ninon Anfang 1932 zu einem
Skiurlaub im Hotel „Chantarella“ bei St. Moritz, wo es auch zu einer Begegnung mit Thomas Mann kam.
80
I. LITERATUR
158 — Widmungsexemplar: „Kleine Betrachtungen. Sechs Aufsätze von Hermann Hesse“,
mit Illustrationen von Heiner und Isa Hesse sowie einem Faksimile. Zürich: Büchergilde Gutenberg (1942). Gr.-8o. Orig.-Pappband (etwas fleckig).
(1.600.—)
Auf dem vorderen Spiegel ein A q u a r e l l Hesses: Tessiner Dorf (ca. 6,2 × 6,5 cm), auf dem fliegenden
Vorsatz seine eigenh. Widmung „Herrn Dr. Walter Meier mit Grüssen von H Hesse / II. 43“, auf dem
hinteren Spiegel ist eine Portraitphotographie montiert.
Beiliegend eine e. Kunstpostkarte m. U. (Zürich 1945), an denselben. „... falls in Ihrem Plan auch ein
Band von Jean Paul steht, so wissen Sie doch, dass der beste Kenner Jean Pauls, E. Berend, seit Jahren
als Emigrant in Genf lebt ...“ – Bildseite: Reproduktion einer Zeichnung von Alfred Kubin.
159 — E. Br. m. U. und einer aquarellierten F e d e r z e i c h n u n g (Tessiner Seenlandschaft)
am Kopf. O. O. Neujahr 1957 (Empfangsvermerk am Kopf). 1 S. gr.-8o. Zwei kleine Wasser­
flecken und zwei kleine Randeinrisse.
(1.200.—)
An Peter S u h r k a m p mit Neujahrswünschen.
„Mein lieber Peter / O, ich war froh über Deinen Brief, habe Dank! Wir haben Weihnacht mit meiner
Frankfurter Base gefeiert, die sich bei uns erholt. Ich bin leidlich heiter, aber totmüde, u. alle Tische u.
Schränke u. Borde liegen voll von ungelesenen Briefen ...“
Hesse hatte Suhrkamp 1950 maßgeblich bei der Loslösung von Gottfried Bermann Fischer und bei der
Gründung des eigenen Verlags unterstützt. Er hatte er den Kontakt zur Familie Reinhart in der Schweiz
hergestellt, den Geldgebern des neuen Verlags.
160 — 2 e. Br. m. U. und 1 Br. m. U. u. E. (Montagnola) o. D. 3 S. 4o und 8o. Ein Brief auf der
Rückseite einer Photographie seines Grundstücks in Montagnola, ein zweiter auf Notizpapier
(kleiner Randeinriss).
(750.—)
An den Schriftsteller Friedrich Schnack.
1) Dank für die Übersendung eines Gedichtbandes. „... Nachdenklich stimmt mich das Gedicht ‘Franken’
mit dem tröstlichen Schluss ‘Und lobte Gott und trank den Weinkrug aus’. Aber jener Friedrich Schnack,
der neulich bei uns zu Mittag ass, war kaum zu einem winzigen Schluck Wein zu bewegen.
Sehr gern habe ich ‘Der Knabe, der ich war’ und viele andre ...“ (Br. m. U.u.E.)
2) „... meine Frau u. ich sind beide leidend u. mit allem in Rückstand geraten ... Sobald wir ein wenig
mehr Ruhe haben werden, möchte ich Sie einmal zum Thee bitten ...“
3) „... Wollen Sie morgen ... um halb fünf zum Thee kommen? ...“
Beiliegend ein signierter Typoskript-Durchschlag seines Gedichts „Kleiner Gesang“ (Mai 1962) mit
Nachschrift u. U. aus seinen letzten Lebenswochen – „... Mir geht es seit sechs Monaten widerlich,
keine Lebensgefahr aber grosse Blutarmut, grosse Schwäche, lästige Beschwerden. Morgen wieder eine
Bluttransfusion, es ist ennuyant ...“
Ferner beiliegend die Privat- bzw. Sonderdrucke „Doktor Knölge’s Ende“ (November 1954; W/G2 427),
„Rundbrief aus Sils-Maria“ (1954; W/G2 435b), „Ein paar Erinnerungen an Ärzte“ (1960; nicht bei W/G2)
und „Zen“ (1961; W/G2 526); sämtlich mit e. Grußworten u. U.
81
I. LITERATUR
161 HEYSE, Paul, 1830 – 1914. 7 e. Br. m. U. München 6.VII.1873 bis 20.VI.1888. 14 S. gr.8o bis kl.-8o. Ein Brief mit reparierter Lochung.
(400.—)
An verschiedene Empfänger, u. a. einen Redakteur auf die Bitte um Beiträge.
7.XII.1874. „... Beifolgendes Blatt geb’ ich nur sehr widerstrebend heraus, da es ganz aus der Situation
herausquellen muß, um irgend einen Werth zu haben und eine Stimmung zu erzeugen ... Die Verse
gehören in einen neuen Roman, der im Januar ... erscheinen wird, und sind einem Künstler auf den
Leib gedichtet, der ein eifriger Hölderlinianer ist ...“ – Gemeint ist sein zweiter Roman „Im Paradiese“.
11.XI.1879. „... Seit jenem Winter in Italien habe ich in peinlichen Nervenzuständen unfruchtbar
hingelebt und weiß auch heute noch nicht, ob der letzte Sommer mit seiner gründlichen Wasserkur irgend
welche Früchte tragen wird. Sie dürfen ... daher nicht einem bösen Willen Schuld geben, wenn ich Ihnen
Nichts zu bieten habe. Ich bin kein chronischer Lyriker, sondern habe in langen Pausen acute Anfälle.
Wenn ein solcher ausgetobt hat, ist es völlig damit vorbei ...“
2.I.1882. An Schottländer, dem er „für die beiden gebundenen Exemplare unseres ‘Rasenden’“ dankt.
„... In der That bin ich jetzt, je mehr ich das Werk nun als Ganzes betrachte, mehr u. mehr zu der
Überzeugung gekommen, daß wir ... etwas zu Stande gebracht haben, was deutscher Art und Kunst
in jedem Sinne Ehre macht ...“ – Gemeint ist seine Ausgabe von Ariosts „Rasendem Roland“ in der
Übersetzung von H. Kurz.
20.VI.1888. An den Schriftsteller Carl Heine über dessen Buch „Der unglückliche Todesfall Caroli XII.“
„... Ich bin überzeugt, daß Ihr Vorschlag, hinfort solche Stücke ‘biographische Dramen’ zu nennen,
allgemeine Zustimmung finden wird ...“
162 HOFFMANN, Ernst Theodor Amadeus, 1776 – 1822. E. Br. m. U. (Berlin) 3.X.1815.
2
⁄3 S. quer-8o. Mit papiergedecktem Siegel (Anker) und Adresse. Schmaler Montagerest auf der
Adressseite.(2.000.—)
An den Buchhändler Fink in Berlin, mit der Bitte „um gütige Zusendung der dramaturgischen Blätter,
die seit dem 10. Stück erschienen“ sind.
Gemeint ist das „Dramaturgische Wochenblatt in nächster Beziehung auf die Königlichen Schauspiele zu
Berlin“, das von 1815 – 1817 erschien.
Im Briefwechsel, hrsg. von H. v. Müller und F. Schnapp, Band 2 Nr. 604, mit Inhaltsangabe registriert.
163 HOFFMANN, Heinrich, Nervenarzt; Verfasser des „Struwwelpeter“, 1809 – 1894. E. Br. m. U. Frankfurt a. M. 14.XI.1877. 11⁄2 S. 8o.(250.—)
An Generalkonsul Baron von Mengden, in dessen Haus die Konsultation eines Fürsten stattfinden sollte.
„... Nun hat mich gestern mein alter tükischer Feind, der Brustkatahrr, so gewaltsam überfallen, daß
ich nahezu zu gar nichts mehr tauge. Ich muß zu Bett oder im Zimmer bleiben, damit aus dem akuten
Jammer kein chronischer wird ...“
82
I. LITERATUR
164
— E. Postkarte m. U. „HHoffmann“. Badenweiler 30.VIII.(1884). (120.—)
Von einer Reise an seine Tochter Lina (Caroline), verwitwete Hessenberg, mit der Bitte um eine Besor­
gung.
„... So eben habe ich meine Taschenuhr zerbrochen. / Gebe eine gutgehende Taschenuhr mit Uhrschlüssel
dem guten Eduard“ (sein Sohn, der spätere Präsident des Oberprisengerichts in Berlin) „für mich mit.
– Ich sende ... dann die meine nebst Brief zu, daß du dieselbe an Herrn DuBois, Zeil Hirschapotheke
I. Stock, abgeben magst, daß er sie sobald als möglich wiederherstellen lasse. – Sonst geht es uns
vortrefflich, und alles verlief nach Wunsch. Mama grüßt Euch herzlich. Dein sehr vergnüglicher, wenn
auch momentan ärgerlicher Papa ...“
165 HOFFMANN VON FALLERSLEBEN, August Heinrich, 1798 – 1874. E. Gedicht m. U.
Köln 16.IX.1839. 1 S. 8o. Leicht fleckig.
(600.—)
„Heimkehr aus Frankreich / 1839.
Deutsche Worte hör’ ich wieder –
Sei gegrüßt mit Herz und Hand!
Land der Freude, Land der Lieder,
Schönes heitres Vaterland!
Fröhlich kehr’ ich nun zurück,
Deutschland, du mein Trost, mein Glück!
O wie sehnt’ ich mich so lange
Doch nach dir, du meine Braut,
Und wie ward mir freudebange,
Als ich wieder dich erschaut!
Weg mit welschem Lug und Tand –
Deutschland ist mein Vaterland!
Alles Guten, alles Schönen
Reiche sel’ge Heimath du!
Fluch den Fremden die dich höhnen!
Fluch den Feinden deiner Ruh!
Sei gegrüßt mit Herz und Hand,
Deutschland, du mein Vaterland!“
Darunter: „Zur Erinnerung an die frohen Tage im Vaterlande vor 20 Jahren sendet Dir, lieber Hesse,
dies Blättchen Dein Hoffmann von Fallersleben.“
166* — E. Gedicht m. U. „HvF“. Brüssel 22.V.1856. 11⁄2 S. 8o. Mit umlaufendem Goldschnitt.
Schwach fingerfleckig.
(250.—)
„Einem jungen Dichter ins Stammbuch.“ – Beginnt und schließt:
„Wer in allen Sachen nach Maß sucht,
Wer allem Lachen und Spaß flucht,
Sich an keinem Witz freut,
Sich vor jedem Blitz scheut,
...
83
I. LITERATUR
(Hoffmann von Fallersleben)
Will der sich des Dichtens unterwinden,
So soll man ihn auf den Pegasus binden,
Und hinter ihm blasen Hüons Horn,
Daß er lustig werde von hinten und vorn,
Bis er merkt auf seinem Pegasus,
Wie einem Dichter zu Muth sein muß“
Im Ganzen 28 Zeilen. – In Brüssel forschte Hoffmann nach Handschriften für die Neuausgabe seiner
„Horae Belgicae“.
167 — 2 e. Br. m. U. „HvF“. Krefeld 9.XI.1862 und Schloß Corvey 9.I.1864. Zusammen 3 S.
gr.-8o. Ein Brief mit etwas durchschlagender Tinte.
(350.—)
Nach Angaben eines Vorbesitzers an den Schriftsteller und Philosophen Julius D u b o c , einen Mitstreiter
in der Deutschen Frage.
1862. Über ein erstes persönliches Treffen. „... Meine Rundreise durch Deutschland ist vollendet.
Ich fahre jetzt wieder nach Corvey zurück. Es wäre mir sehr angenehm, wenn ich Ihre persönliche
Bekanntschaft machen könnte u. Sie also die Güte haben wollten, mich in Dortmund auf dem Bahnhofe
zu empfangen.
Ich reise übermorgen von hier über Oberhausen u. treffe Mittags 12 Uhr 7 Min. in Dortmund ein ... Sie
werden mich an meiner grauen Juppe oder dem braunen Mantel schon herausfinden ...“
1864. Über Dubocs Schrift: „Sch[leswig]-Hostein muß deutsch bleiben! Allerdings, aber vor allen Dingen
müssen auch wir übrigen auch recht deutsch sein wollen. In Preußen sieht es damit nicht sonderlich aus.
In unserm Osten, sogar in Berlin ist die Theilnahme flau u. im Westen scheint es auch nicht glänzend
damit zu stehen. Hier bei unseren Höxterschen Hinterwäldlern ist keine Spur von Begeisterung
vorhanden. In dieser bewegten Zeit hört man nur jammern, daß die Gartenlaube verboten ist.
Von meinen schlesw.-holst. Liedern ließ ich Ihnen von Cassel aus ein Exemplar zukommen ... Der
Nationalverein mag von dergleichen poetischen Bestrebungen nichts wissen u. doch wird durch nichts
mehr die gute Stimmung lebendig erhalten, ... als durch Lieder.
Unsere Actien stehen schlecht: B i s m a r c k ist groß u. die Kreuzzeitung sein privat. Das wird sich wieder
übermorgen entscheiden. Unsere Abgeordneten werden dann schon wissen wo der Zimmermann das Loch
gelassen hat ...“
Beiliegend ein e. adressierter Briefumschlag an „Herrn Professor Dr. Karl Weigand“.
168 HOLTEI, Karl von, 1798 – 1880. E. Br. m. U. Wohl Hannover, Frühjahr 1847. 3 S. gr.4o. Bläuliches Papier. Kleine Randeinrisse, winzige Löcher.
(200.—)
An den hannoverschen Stadtdirektor (Karl Friedrich Wilhelm Evers) wegen seiner angekündigten
„Vorlesung für die Armen“, an der sich nun auch der Vortragskünstler Stanislas David aus Paris
beteiligen wolle.
„... Ich kann ... seinem Wunsche nicht anders als förderlich seyn; bin auch überzeugt, daß uns sein
Auftritt einige Aristokratie, die sonst weg geblieben wäre, herbeiziehen dürfte ...“
Er bitte daher, das Programm auf dem Anschlagzettel zu ergänzen: „... Herr Professor David hat sich
gütigst erboten, den heutigen Abend ... durch seine Mitwirkung zu zieren u. wird vor der Tragödie:
pour les pauvres, par V. H u g o / nach derselben aber: la Marseillaise de la paix, par A. de Lamartine
vortragen.“
Beiliegend 2 e. Gedichte m. U. („Gefunden!“ und „Trinklied“), geschrieben für die Alben von Marie und
Johanna Evers; zus. 3 S. quer-4o.
84
I. LITERATUR
169 HOLZ, Arno, 1863 – 1929. Diverse Autographen: 1 e. Manuskript, 2 e. Gedichte m. U.
(davon 1 mit e. Widmung), 3 e. Br. m. U. und 3 e. Postkarten m. U. Berlin und Dresden 1.VIII.
1894 bis 25.IV.1922. 6 S. folio, 4 S. 4o und die Karten. Mit 2 Umschlägen. (500.—)
Das Manuskript: Ausschnitt aus seiner Tragödie „ I g n o r a b i m u s “ , beginnt: „Georg: (der seine Worte
kaum hört; letzte, verbissen-grimmigste Steigerung) Aus! Ey! ... Futschikato! ... Hin zum übrigen! (in
diesem Augenblick, nebenan, die Stimme Dufroys; etwas unwillig: ‘Wenn du absolut darauf bestehst?’
Stimme Mariannes: ‘Ich befinde mich vollständig wohl und munter!’ Wieder, wie vorhin, die Stimme
Dufroys: ‘Gut! Frag ihn! Frage Georg selbst! Er wird dir nur bestätigen ...’
Die Gedichte: „ I n f e r n o “ (ohne Titel, 1 S. folio, 35 Zeilen; mit e. Widmung u. U. auf der 3. S. eines
Foliobogens, Bütten) und „ R o t e R o s e n “ (1 S. folio, liniiert). – Das erst später „Inferno“ betitelte
Gedicht stammt aus Holz’ Hauptwerk „Phantasus“.
Die Briefe: 30.I.1913. An seinen Verleger über ein zu gestaltendes „Titelblatt“. „... Papier, wenn möglich,
irgend ein ‘ernst’-farbenes Bütten, das mit dem jetzt ja leider etwas zu dünn geratenem Textpapier in
nicht allzu großem Widerspruch steht ...“
22.XII.1913. An eine Verehrerin. „... ‘Phantasus II’ ... leider total vergriffen. Die neue Ausgabe, 5 große
Hefte – zu 2/3 in diesem letzten Jahr erst entstanden – wird vermutlich um Ostern rum erscheinen ...“
10.II.1915. An einen Verehrer mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. „... Sie verfügen vielleicht über
Verbindungen, und für einen Andern zu bitten, ist oft nicht schwer. Irre ich mich in dieser Voraussetzung?
Mein ‘Phantasus’, um das circa 20fache seines ursprünglichen Bestandes vermehrt, hatte in einer
großen, siebenheftigen Folioausgabe zu Weihnachten im Insel-Verlag erscheinen sollen. Die ersten
Korrekturbogen befanden sich bereits in meinen Händen, als die Mobilmachung erfolgte. Kurz darauf
wurde mir mitgeteilt, daß der Termin der Herausgabe auf unbestimmte Zeit verschoben werden müsse ...“
Beiliegend weitere Autographen, den Druck des „Ignorabimus“ betreffend, darunter eigenh. korrigierte
Druckfahnen (16 S.), 2 e. Schreiben mit Hinweisen für den Drucker sowie ein e. Entwurf des Rückentitels.
170 HUGO, Victor, 1802 – 1885. E. Br. m. U. (Paris) 23.IX.1842. 21⁄2 S. gr.-8o. Blaugrünes
Papier.(600.—)
An Horace Meyer und Adolphe Lemoine-Montigny, die Direktoren des Théâtre de la Gaîté in Paris, bei
denen er gegen die kontraktwidrige Absetzung seiner Dramen „Lucrèce Borgia“ und „Marie Tudor“
protestiert.
„... je devrai considérer les conventions stipulées entre nous comme annullées de votre fait, et par conséquence, rentrant dans la plénitude de mes droits et la libre disposition de mes ouvrages, vous faire
défense de représenter à l’avenir, soit Lucrèce Borgia, soit Marie Tudor.
J’espère, Messieurs, qu’il ne me sera faire necéssaire d’en venir là, que vous comprendrez que les engagements pris par vous envers moi dominent et détruisent toutes conventions postérieures ...“
171 — E. Br. m. U. „Victor Hg“. O. O. 21.III.(1848). 1 S. gr.-8o. Leicht gebräunt, minimaler
Randeinriß.(600.—)
Aus den Märztagen des Revolutionsjahres an Alphonse de L a m a r t i n e .
„o homme de peu de foi! Attendez, et vous verrez que aime le peuple. / Commencerez par calme la fièvre,
ensuite nous guérirons les plaies. / Songez que je ne vis ici bas que pour la satisfaction de ma conscience.
je vous envois ce bon pour ce que vous manque, et je vous serre la main, mon cher poète ...“
85
I. LITERATUR
172* IMMERMANN, Karl Leberecht, 1796 – 1840. E. Br. m. U. Düsseldorf 31.I.1838. 4 S.
gr.-4o. Faltenrisse, etwas gebräunt.
(400.—)
An F. A. Brockhaus wegen seiner „Dramaturgischen Erinnerungen“.
„... Sie werden 2 Bände, jeden von mindestens 300 Seiten füllen. Den ungefähren Inhalt belieben Sie
aus dem anliegenden Schema“ (auf Seite 4 des Briefes) „zu ersehen, zu welchem ich nur bemerke, daß es
in dem Buche nicht auf Werken Theaternotizen oder Niemand interessirende Nachrichten über Schauspieler und Schauspielerinnen hinauslaufen, sondern daß darin ein selbstständiges dramaturgisches
Kunstbild, in welches sich hin und wieder seltsame Lebensabentheuer verflechten, erscheinen wird. Die
Düsseldorfer Bühne, welche drei Jahre unter meiner Leitung stand, hat so Manches von den übrigen
Bühnen ganz Verschiedene geleistet. Ich glaube daher, daß die Schrift Interesse erregen kann ...“ – Das
Werk erschien in diesem Jahr im „Taschenbuch dramatischer Originalien“ bei Brockhaus.
Ferner über F r e i l i g r a t h : „Ich setze voraus, daß sein wunderschön aufkeimendes Talent Ihre Aufmerksamkeit und Achtung erregt hat. Nun aber sitzt der arme Mensch in öder Abgeschiedenheit in
einem Barmer Comtoir und ich fürchte für seine Entwicklung ... Können Sie auch dem Bereiche Ihrer
weitverzweigten Unternehmungen ihm eine dortige Hülfe bieten ...? ...“
Beiliegend sein Portrait („C. F. Lessing gez. Düsseldorf / Fr. Stöber gest. Wien“).
173 JOHNSON, Uwe, 1934 – 1984. Korrekturexemplar: „Jahrestage 4. Aus dem Leben von
Gesine Cresspahl“. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1983. 8o. Orig.-Leinen mit Schutzumschlag.
Etwas schiefgelesen. – Erste Ausgabe (W/G² 23).
(600.—)
Auf dem vorderen Vorsatz Johnsons eigenhändiger Eintrag: „Please return to: / Bitte, zurückgeben an:
Uwe Johnson / 26 Marine Parade / Sheerness, Kent / ME12 2BB / England / 44 795 662931“;
mit einem nach der Titelei eingeklebten hektographierten und eigenh. ergänzten Errata-Blatt, einem lose
eingelegten Korrekturzettel sowie einigen eigenh. Korrekturen im Text.
86
I. LITERATUR
174* JOYCE, James, 1882 – 1941. E. Br. m. U. Paris 9.II.1927. 1 S. gr.-4o. Mit gedrucktem
Briefkopf („2, Square Robiac / 182, rue de Grenelle“). Mit e. adressiertem Umschlag (Einriß
repariert).(8.000.—)
An den jungen amerikanischen Musiker Arthur Laubenstein in Nizza, den ehemaligen Tutor seines Sohnes Giorgio an der Schola Cantorum in Paris, dem er für Glückwünsche zu seinem 45. Geburtstag (am
2. Februar) dankt.
„... Many thanks for your kind telegram on my birthday. It was very good of you to remember me ...
Have you settled down altogether in Nice or is there any likelihood of your passing through Paris at any
time: We might go south but my wife does not like Nice though I found it quite pleasant. We spent the
summer at Ostende. Giorgio has taken up singing again. It is now fixed that he certainly has not a bass
but a baritone or robust tenor. Lucia“ (seine Tochter) „has danced in public here and in Brussels and
is starting to teach. Tuohy was here for about two months (it seemed two years) to finish my face which
will adorn the May salon. Thank goodness he left today. We still go to the Trianon where the female dog
Cascade continues to proliferate. My eyesight seems to be getting better lentissimamente. Did you set any
of those verses? I enclose copy of a protest issued on my birthday to the French, English and American
press ...“
Der – nicht mehr beiliegende – von 160 Unterzeichnern getragene Protest richtete sich gegen den amerikanischen Verleger Samuel Roth, der in seiner Zeitschrift „Two Worlds“ eine nicht autorisierte kastrierte
Fassung des „Ulysses“ als Fortsetzungsroman druckte. – Der irische Maler Patrick Tuohy (1894 – 1930)
hatte nicht nur Joyce, sondern in dessen Auftrag auch seinen Vater und andere Familienmitglieder portraitiert. – In diesem Jahr erschien Joyces kleine Gedichtsammlung „Pomes Penyeach“ (bei Shakespeare
and Co.) und auch die erste deutsche Übersetzung des „Ulysses“.
Offenbar u n v e r ö f f e n t l i c h t . – Siehe die Abbildung auf Seite 89.
175* JÜNGER, Ernst, 1895 – 1998. 1 e. Postkarte m. U. und 1 Postkarte m. U. (Wilflingen)
10.I.1952 und 7.VII.1959. Montagereste auf den Adreßseiten.
(150.—)
An den Verlag Glock und Lutz.
1952. „... Ihre Ankündigung des Przywara“ (des Buches „Humanitas. Der Mensch gestern und morgen“
von Erich Erich Przywara) „hat mich neugierig gemacht und ebenso würde ich gern die Übersetzung des
‘Mendiant Ingrat’ einmal durchsehen, des Buches, das vielen als das Kernstück der Bloy’schen Prosa
gilt ...“ – Der französische Schriftsteller Leon Bloy hatte die Rückkehr zum Urchristentum gefordert, der
erste Teil seiner Tagebücher war 1898 unter dem Titel „Mendiant Ingrat“ erschienen.
Die zweite Karte mit einer Buchbestellung („das Buch von Herrn Adolph“).
176 JÜNGER, Friedrich Georg, 1898 – 1977. E. Gedicht mit Widmung u. U. Überlingen 14.II.
1948. 2 S. gr.-8o. Einfaches Nachkriegspapier, an den Rändern leicht gebräunt.
(350.—)
„Winterliche Blumen schlagen / Geisterzart sich auf die Scheiben. / Heute möchte ich der Feen / Schlitten
durch das Schneeland treiben ...“ – Es folgen vier weitere Strophen, am Schluß eine Widmung an Edmée
Schnack, die Frau des Schriftstellers.
Aus dem im Vorjahr erschienenen Gedichtband „Das Weinberghaus“.
Beiliegend 3 e. Bildpostkarten m. U., 1953 – 1962, die erste mit Nachschrift seines Bruders Ernst, ein
e. Br. m. U. der Schriftstellerin Sophie Dorothee von Podewils mit Nachschrift von F. G. Jünger (auf
einer Ansichtskarte) sowie 3 Autographen von Ernst Jünger, darunter eine e. Postkarte m. U.; sämtlich
an Friedrich und Edmée Schnack.
87
I. LITERATUR
177 JUNG-STILLING, Johann Heinrich, 1740 – 1817. E. Br. m. U. Karlsruhe 7.I.1807. 1 S.
4o. Mit Siegelspur und Adresse. Ausriß an der Siegelstelle alt hinterlegt. In den Faltungen leicht
fleckig.(300.—)
An den „Instrumenten Macher“ Käferle in Heidelberg, bei dessen Frau er, nach ausführlicher Gratulation zu ihrem neuen Status „Gevatterin“, ein Paar Hosen bestellt.
„... Also ist das Couvert auch eine Zugabe zum Pantalon, nun ich danke herzlich. Gott weiß wie es
mir am Herzen liegt, Ihnen das Alles zu vergelten, und ich sehe einen Weg dazu. Wenn mir mein lieber
Freund und Bruder, Käferle, der meinem Herzen so innig werth ist, sehend wird, dann kann ich mich
doch wenigstens einiger Masen beruhigen. Herr sende uns dies Glück, doch nicht mein, sondern Dein
Wille geschehe! Machen Sie doch das lezthin bestellte pantalon recht bald für den Herrn geheimen
Hofrath Langsdorf in Heydelberg, in allem genau so wie das Meinige, sie werden mehr Bestellung nach
Heydelberg bekommen.
Meine Frau leydet noch immer sehr in Heydelberg, doch hoffe ich, sie werde in wenigen Wochen hieher
kommen können ...“
Aus der Sammlung Künzel.
178* KALB, Carl Alexander von, weimarischer Kammerpräsident, Schwiegervater von Schillers Freundin Charlotte von Kalb, 1712 – 1792. E. Br. m. U. Weimar 21.V.1770. 2 S. kl.-folio.
Etwas gebräunt, Tintenfraß mit Klebestreifen ausgebessert.
(150.—)
An einen Herrn, dem er für die „übersendeten Früchte dero glückl. Muße“ dankt.
„... bin vor die gütigste Fortsetzung dero mir so schätzbahren Freundschaft, von welcher ich durch die
erhaltene Zuschrift versichert worden und zu der ich mich auf das gehorsamste auch in Zukunft empfehle, gantz Besonders verbunden. Ich werde dieselbe jederZeit aufrichtigst erwiedern und es würde mir
eine ungemeine Freude seyn wenn ich durch überlaßung des verlangten Anlehns davon einen thätigen
Beweiß geben könte. Da aber diese Ostern alles was zum Ausleyhen vorräthig, bereits ausgeliehen worden, … So sehe ich gegenwärtig die Zeit nicht ab, wenn wieder etwas auszuleyhen seyn möchte ...“
„ausgezeichnet talentvoll, aber ganz württembergisch“
179 KERNER, Justinus, 1786 – 1862. E. Br. m. U. Weinsberg 25.I.1855. 4 S. gr.-8o. Etwas
fleckig.(350.—)
An eine „Herzliebe Freundin“, der er einen Brief der Dichterin Ottilie W i l d e r m u t h sendet.
„… Es ist eine ausgezeichnet talentvolle, aber ganz württembergische Frau. Wenn sie nur nicht in das zu
viele Schreiben hineingeräth und das scheint mir diesem Briefe nach. Ich werde ihr, wie Dir oft, meine
grobe Meinung sagen. Lasset euch nur noch von mir packen, es wird nicht lange mehr dauren.
Ich bin in allen Theilen meines Körpers krank und bald wie mein Garten jezt, – doch der wacht mit
dem Frühling wieder auf, – ich nicht mehr.“ – Im Anschluß ein 16-zeiliges G e d i c h t , beginnend „Fort,
fort sind meine Rosen! / Fort ist mein schöner Traum! / Die wildesten Stürme tosen / In meines Gartens
Raum ...
Es fällt mir Denken u. Schreiben schwer und immer komme ich mehr aus der Natur hinaus.
Ich habe den Brief der Wildermuth an die Theobaldin überschrieben. Hast Du ihn gelesen so sende ihn
ihr ...“ – Ferner über die Krankheit seines Schwiegersohnes Friedrich Gsell – „Es ist ein entsezlicher
Jammer für mich in meinem Jammer ...“
88
I. LITERATUR
Nr. 174 James Joyce
89
I. LITERATUR
180* KERR, Alfred, 1867 – 1948. E. Br. m. U. Berlin o. D. 1 S. gr.-4o. Auf Hotelbriefbogen.
Kleine Einrisse. Linker Rand beschnitten.
(200.—)
An (die Sängerin Marya Freund).
„... ich bedaure zweierlei: daß ich Sie jetzt verfehlt habe; und daß am Freitag verschiedne Premièren
sind. Ich kenne Sie: aus Ahnungen meiner schlesischen Kindheit; aus Erzählungen von Georg Henschel“
(der deutsch-englische Dirigent und Komponist Sir George H.), „in Aviemore; und aus Ihrem prachtvollen Ruf. Endlich aus einem Zusammensein mit Ihrem reizenden Sohn ...
Erlauben Sie mir, entfernte Cousine, Ihre Hand zu küssen. (Jetzt, nach dem Theater) ...“
181 KLOPSTOCK, Friedrich Gottlieb, 1724 – 1803. Eigenh. Manuskript. Um 1794. 1⁄2 S.
(800.—)
gr.-4o. „Auch bei diser Bestimmung finden Zusammenzihungen stat, doch nur
in der Abzwekkung, als:
Zu einem
dafür
Zum
Zu einer
Zur
Zum Geschenke, Zur Schande“
Darunter eine Echtheitsbestätigung des Juristen Friedrich Johann Lorenz M e y e r, Klopstocks langjährigen Freundes: „Daß dises Bruckstück aus Klopstocks Werk: ‘ g r a m m a t i s c h e G e s p r ä c h e ‘
– des Unsterblichen eigne Handschrift ist, – das bezeugt hirdurch / FJL Meyer Dr / Domherr / Hamburg
4. Januar 1836“.
Die „Grammatischen Gespräche“ waren 1794 bei Kaven in Altona erschienen.
182 — E. Albumblatt m. U. Hamburg 30.XI.1795. 1 S. quer-schmal-8o. Dreiseitiger Goldschnitt. Kleine Montageschäden.
(1.200.—)
„Horaz
Es beherscht sich selbst,
Ist froh, wer, heute hab‘ ich gelebt, sich sagt;
Schwarzwölkend walt‘ am Himmel morgen
Jupiter, oder bey heller Sonne. / Klopstock“
90
I. LITERATUR
183 KOEPPEN, Wolfgang, 1906 – 1996. Typoskript mit vereinzelten e. Korrekturen. 8 S.
folio. Titel und Namenszug am Kopf von fremder Hand. Dazu: e. Billett m. U. (leichter Lichtrand auf der ersten Seite des Typoskripts durch alte Befestigung mit Büroklammer). (300.—)
Vollständiges Typoskript seiner Erzählung „Zum ersten Mal in Rotterdam“; beginnt:
„Calderon, der gegen Mittag in Rotterdam, das ihm vertraut war, obwohl er es nicht kannte, angekommen war, wandte sich, nachdem er die Centraal Station verlassen hatte, sofort und entschieden nach
links, zum Hafen, zur See. Ohne sich um die Taxis, die hier auf die Reisenden warteten, die Autobusse
und Strassenbahnen zu kümmern und ohne einen der groß und mächtig wie in den schönen Filmen auf
dem Platz stehenden, den Londonern Constablern mit ihren Schutzengelhelmen gleichenden Polizisten
nach dem rechten Weg zu fragen, folgte Calderon allein seiner Erinnerung an einen Plan der Stadt, den
er, bunt und anziehend genug, mit vielen himmelblau getuschten Wasserläufen im immer überheizten
Kontor des Kohlenhändlers an der torfmoorigen, rußverschmierten Wand hatte hängen sehen ...“ – Der
Titel auf dem Typoskript lautet: „Als ich das erste Mal in Rotterdam war“.
Das Billett: „Mit herzlichem Gruss / Wolfgang Koeppen“
184 — Signiertes Exemplar seines Romans „Tauben im Gras“. Stuttgart und Hamburg:
Scherz & Goverts (1951). 8o. Orig.-Leinen. Ohne Schutzumschlag. – Erste Ausgabe (W/G² 5).
(200.—)
Auf dem Vortitel von Koeppen signiert.
185 KÖRNER, Theodor, 1791 – 1813. Eigenh. Manuskript mit Namenszug auf dem Titel. Juli
1809. Titelblatt und 21⁄3 S. 4o. Linker Rand angebrannt. Leichter Wasserrand.
(350.—)
„Tagebuch auf geognostischen Wanderungen. 2tes Heft. 1809.“ – Beginnt:
„Ich ging auf der Bautzner Straße von Dresden aus bis zu dem Priesnitz Bach, der ohnweit dem Linckischen Bade in die Elbe fällt, und wandte mich am linken Ufer das Thal hinauf, wo ich häufig Bruch­
stücke von Granit von verschiedener Größe des Korns fand. Meistens glich er ja doch dem, den man
ohnweit des weißen Hirsches zum Chausseebau bricht. Daß der Bach selbst keine andere Gesteinsart
führte, bewies die Verbreitung des Granits in dem ganzen Revier der Priesnitz ...“
Beiliegend eine e. Notiz, eine Quittung vom 13.VII.1818 betreffend.
186 — Eigenh. Manuskript (4-zeiliges Fragment). 1 S. quer-schmal-8o. Leicht gebräunt,
montiert.(150.—)
„Die Nacht vor der Hochzeit. Der Kuß auf die Lippe. Wie in die ... Frühlingsluft, und den Winden schallt
es in die Ohren ...“
Auf dem Untersatzblatt eine Echtheitsbestätigung mit Stempel des Körner-Museums Dresden; verso e.
Bestätigungsvermerk m. U. des Direktor Emil Peschel.
91
I. LITERATUR
187 KOTZEBUE, August von, 1761 – 1819. E. Br. m. U. (Weimar) o. J. 1 S. quer-kl.-4o.
Leicht fleckig, kleine Randläsuren.
(250.—)
An einen Übersetzer.
„Mit Vergnügen sende ich Ihnen das bezeichnete Stück zurück, und freue mich schon im voraus auf Ihre
Übersetzung.
Ich war heute bereits auf dem halben Wege nach Belvedere, aber der kalte Wind jagte mich zurück.
Wegen eines kleinen impromtu in Einem Act wünschte ich Sie je eher je lieber zu sprechen, nur nicht
Morgen da ich nach Jena fahre ...“
„die Feder muß einen Liebesbrief schreiben“
188
KRAUS, Karl, 1874 – 1936. E. Br. m. U. Wien 10.II.1898. 2 S. 8o.(1.600.—)
Begeisterter Brief an Maximilian H a r d e n , nach dessen Besuch in Wien.
„... Meine Feder ist leider zu positiven Ausdrücken nicht geeignet. Wie soll ein Blick, der schielend immer
nur der komischen Seite eines Dinges auflauerte, sich verzückt nach oben wenden? Und doch muß er es
diesmal, und die Feder muß einen Liebesbrief schreiben. Was für Veränderungen haben Sie doch in uns
traurigen Leuten bewirkt! Warum mußten Sie mit Ihrem frischen, einzigen Geist in unsere Dürre und
Armseligkeit fahren?! Jetzt sind Sie wieder zuhause ... und haben in uns eine Leere zurückgelassen, die
ich nur mit dem mißbrauchten Wort ‘unsäglich’ bezeichnen kann.
Warum sind Sie gekommen? Jetzt kann man ja hier mit noch weniger Leuten reden als früher. Sie ahnen
nicht, wie dumm mir alle hier nach Ihrer Abreise vorkommen, noch viel dümmer denn je. Es ist zum aus
der Haut und nach Berlin fahren!
So desolate Stimmungen haben Sie, mein guter und lieber Herr Harden, nach dreitägigem Rausch in mir,
und ich darf wohl sagen: in uns allen, zurückgelassen ...
Jedes Wort, das ich hier geschrieben, ist buchstäblich Wahrheit – bei keinem habe ich die Mundwinkel
verzogen. Hier sitze ich, ich armer Thor, – ich kann nicht anders – Gott helfe mir – Amen! ...“ – Im
nächsten Jahr gründete Kraus „Die Fackel“; seine Bewunderung für Harden schlug später in offene
Feindschaft um.
S e h r s e l t e n so früh.
189 KÜRNBERGER, Ferdinand, 1821 – 1879. E. Br. m. U. Graz 19.III.1872. 21⁄3 S. gr.-8o; in
kleiner Schrift eng beschrieben. (300.—)
An einen Redakteur, der unflätige Ausdrücke in einem seiner Feuilletons moniert hatte.
„... Die Varianten sind ... mit einem Federstrich u. mit zwei Zeilen festzustellen. Ehe ich es aber thue,
erlauben Sie mir noch – die Faßung Ihrer Worte bringt es mit sich – nicht mehr meine schriftstellerischen
Lesarten, wohl aber meine persönliche Wohlanständigkeit zu vertheidigen.
Sie sagen nämlich, Ausdrücke wie Hans Arsch würden Sie niemals selbst in Gesellschaft sehr frei denkender Damen gebrauchen; sodaß Sie anzudeuten scheinen, als wäre derjenige, der sie schriftstellerisch
gebraucht hat, fähig, sie auch in Damengesellschaft zu gebrauchen. Ein starker error conclusionis! Ich
hoffe, ich spreche mit Damen so anständig wie Jederman. Wie? ... wird G o e t h e Damen seinen Vers aus
Pater Brey vorgelesen haben: malt an jede Wand ... sein Gesicht oder seinen ‘Steiß’? Heines Romanzero
ist längst in allen Damenhänden, aber die ‘Vorhaut’ u. den ‘Weltarschpaucker’ hat H e i n e schwerlich
vor Damen ausgesprochen. Die Schrift ist etwas abstraktes unkörperliches, unpersönliches u. hat aber
ganz andere Gesetze als die Damenconversation ... Aber wohin käme die Schriftsprache, wenn ihre
Grenze die der Damenconversation wäre? ...“
92
I. LITERATUR
190 KURZ, Isolde, 1853 – 1944. E. Br. m. U. München 1.I.1914. 3 S. gr.-8o. Mit Umschlag.
(200.—)
An Rudolf Frank, Regisseur und Schriftsteller in Mainz, dem sie für dessen Festschrift zu ihrem
60. Geburtstag (am 21. Dezember 1913) dankt und von der Feier anläßlich des 100. Geburtstages ihres
Vaters Hermann Kurz berichtet.
„... Von der Hermann Kurz Feier im Schwabenland will ich ... nur kurz sagen, daß es ein wirkliches
Auferstehungsfest gewesen ist und zugleich durch Warmherzigkeit und Einmütigkeit eine Art großer
Familienfeier. Die gleiche Herzlichkeit vom König angefangen durch alle Schichten der Bevölkerung.
Man hält den Schwaben viele Sünden zu gut, wenn man diese Wärme und Innerlichkeit, diese Liebes- und
Begeisterungsfähigkeit hat erfahren dürfen ...“
„eine Geschichte aus der Wirklichkeit“
191 LAGERLÖF, Selma, 1858 – 1940. E. Br. m. U. Mårbacka 3.II.1935. 3 S. kl.-4o. Minimaler Faltenriß. Mit Umschlag.
(250.—)
An Felicitas Kolrep-Paysen in Oberstdorf über ihren 1911 veröffentlichten Roman „Liljecronas Heimat“.
„... Das Buch … gründet sich auf eine wahre Geschichte von einer Frau, die in ihren alten Tagen mit
dem Vater meiner Großmutter verheiratet wurde, und die meine Großmutter auf die Weise behandelte,
die im Buche beschrieben steht.
Als ich es schrieb, sammelte ich ganz einfach alle die Kleingeschichten zusammen, die ich als Kind von
den Leiden meiner Großmutter gehört hatte. Es ist also eine wahre Geschichte, aber ganz gewiß war diese
Stiefmutter höchst unnormal und für ihre Grausamkeiten kaum zurechnungsfähig ...
Nehmen Sie mein Buch für was es ist: eine Geschichte aus der Wirklichkeit, aber ohne jede Tendenz! ...“
192 — E. Albumblatt m. U. O. O. u. D. 1 S. 12o (auf der rechten Seite einer Klappkarte).
(200.—)
„Wie ein dunkles Rätsel laste[t] noch immer die Frage auf der Welt wie ein Men[s]ch gut und frö[h]lich
zugleich sein könne. (Gösta Berling) / Selma Lagerlöf.“
Lagerlöfs Erstlingswerk „Gösta Berling“ war 1891 erschienen.
193 LA ROCHE, Sophie von, geb. Gutermann, Freundin Wielands, Mutter von Goethes
„Maxe“, Großmutter der Geschwister Brentano, 1731 – 1807. 2 e. Br. m. U. „votre vielle la
Roche“ und „Sophie de la Roche“. O. O. u. D. 2 S. 8o. Ein Brief mit Siegel und Adresse (leicht
knittrig).(400.—)
Wohl beide Briefe an „Madame de Botzheim“, in freundschaftlichen Angelegenheiten.
1) „vous partes demain Digne estimable Madame ... / le Dieu tout puissant vous conserve et soigne et
benisse come mon Coeur le lui demande pour vous – / je ne pouvais trouver un instant à moi puisque mon
beaufils“ (Peter Anton Brentano, der Vater von Bettina und Clemens Brentano, der sich nach Maximilianes Tod – La Roches Tochter war 1783 gestorben – um acht unmündige Kinder kümmerte) „et sa famille
venait m’accabler au pied de la lettre ...
93
I. LITERATUR
(Sophie von La Roche)
je porterais mes voeux et les expressions de ce sentiment quelque fois à la Dame qui est si digne d’etre La
Soeur de Caroline de Keller ...“
2) „L’evenement, le plus singulier, m’offre l’ocasion de vous renouveller les homages de mon coeur, et les
voeux pour votre bonheur ... / Dieu veuille tourner le tout au bien dans le monde politique, come dans
celui des sentiments.
que Mademoiselle de Botzheim ressemble à Madame Sa mere, on n’auras rien à desirer pour elle – moi
j’ose vous adresser la priere de vouloir m’envoyer la Copie du titre d’un livre que j’avais L’honneur de
vous procurer – Etudes de la Nature en questions et reponse – il me faudroit le nom du libraire et tout
sans cela on m’envoye les Etudes de Bernardin de St Pierre ...“ – Die „Etudes de la Nature“ von JacquesHenri Bernardin de St.-Pierre waren 1784 erschienen.
„ich werde gewiß nie mehr gesund“
194 LASKER-SCHÜLER, Else, 1869 – 1945. E. Br. m. U. Berlin-Halensee (1912/13). 2 S. 8o.
Am linken Rand leicht beschädigt.
(1.200.—)
An eine Dame in Cudowa, Mutter eines Mitschülers ihres Sohnes Paul an der Odenwaldschule.
„... Ich schrieb schon einmal an Sie, aber der Brief kam wieder zurück. Nun schrieb ich hoffentlich an
das richtige Cudowa. Großartig geht es Ihrem Söhnchen Reinhold, rote, dicke Backen hat er bekommen
und Alle namentlich Frl. Lilienthal seine Tante sind sehr besorgt um Reinhold und er spielt am aller
Lustigsten. Ich weiß, Sie freuen sich darüber, gnädige Frau.
Mein Päulchen ist nämlich sein Schlafkamerad, er ist auch bei Fräulein Lilienthal, die großartig mit
den Kindern ist. Ihr Kleiner scheint ihr Liebling zu sein, ich bin fast eifersüchtig. Ich mußte meinen
Jungen ein zwei Jahr fortgeben, ich bin schrecklich leidend, ich werde gewiß nie mehr gesund, – (Herz
und Magen) ...“
Unter ihre Unterschrift setzte Lasker-Schüler den Namen ihres Ehemannes Walden in Klammern und
notierte die Anschrift Katharinenstraße 5 in Halensee, wo sie zwischen 1909 und 1913 wohnte. Ihr Sohn
Paul besuchte die Odenwaldschule ab Sommer 1912 bis 1913; ihn ereilte das gleiche Schicksal wie LaskerSchülers Bruder, er starb 1927 achtundzwanzigjährig an Tuberkulose.
195 — Widmungsexemplar: „Arthur Anonymus. Die Geschichte meines Vaters“. Berlin:
Rowohlt 1932. 8o. Illustrierter Orig.-Leinenband mit (geringfügig lädiertem) Schutzumschlag.
– Erste Ausgabe (W/G2 19). (600.—)
Auf dem vorderen Vorsatz die eigenhändige Widmung an den Schauspieler Edgar Pauly:
„Dem lieben verehrten Edgar Pauly / von Arthur Anonymus seinem Kind: Else Lasker-Schüler.
7. Dez 36 Zürich paar Tage vor der Vorstellung ihres Schauspiels: Arthur Anonymus und seine Väter.“
Das 1931 für das Theater am Schiffbauerdamm geschriebene, in Deutschland aber nicht mehr aufführbare Stück wurde am 19.XII.1936 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt.
94
I. LITERATUR
196 LAVATER, Johann Caspar, 1741 – 1801. E. Br. m. U. Lavater Zürich 15.I.1788. 1⁄2 S. 4o.
Mit zerteiltem Ringsiegel. Kleiner Ausschnitt am Unterrand.
(400.—)
An Herrn Spach bei seinem Kupferstecher Christian von Mechel in Basel.
„... Der Probstich gut. Er wird allso ehestens hergeschikt – nämlich die Tafel.
Raffael müssen wir denk’ ich nun in diesem unheilbar fatalen Styl gutseynlaßen. Sie senden die Tafel
her ...
aber dann gehen nicht nur die Glasmahlereien wenigstens, sondern auch noch irgend ein Handriß, oder
einige gute Kupferstiche mit ein ...“
Erwähnt seine 1787/88 erschienenen „Vermischten unphysiognomischen Regeln zur Menschen- und
Selbsterkenntniss“.
197 — E. Sinnspruch m. U. „Lavater“. O. O. 30.IV.1793. 1 S. quer-kl.-8o. Mit gestochener
Schmuckbordüre. Leicht fleckig.
(400.—)
Für Magdalena Wydler-Maus.
„Leis und unmerklich beginnt den Gang zu unendlichem Zweck Gott.
Umweg, Abweg, Irrweg – Erschreckt des geleiteten Herz nie!
Ihrer Zwecke verfehlt die allüberschauende Huld nie –
Auch ihr weitester Weg ist von allen kurzen der kürzeste.
unnennbare Leiden, Verirrungen, Zweifel und Trübsinn
wegnahm‘ einziger Freund, Erstorbenheit, Gebet an Allem –
wäre was Schlimmeres noch – Gott führt durch Alles zum Ziel doch.
und sein Ziel, was ists – als unendlicher Leben in Liebe ...“
198 — E. Sinnspruch m. U. „L“. O. O. 13.XI.1794. 1 S. quer-kl.-8o. Mit getuschter Schmuck­
bordüre (schwarz, hellgelb und hellblau). Auf Karton gezogen; kleine Fehlstellen in der Bordüre
schwarz ergänzt. Linkes Eckchen fehlt.
(400.—)
„An einen Freünd nach meinem Tode.
Andacht findet kein Ziel – Je höher sie
fliegt – ist sie immer
Ferner von der Gränse der immer ihr
näheren Gottheit –
Andacht zeigt wie nichts uns des Menschen
Kleinheit und Grösse ...“
95
I. LITERATUR
„I’ll never write another novel“
199* LAWRENCE, David Herbert, 1885 – 1930. E. Br. m. U. „D.H.L.“ Scandicci (bei Florenz), „Villa Mirenda“ 18.X.1926. 2 S. gr.-4o. Auf Bütten. Schwach fleckig.
(1.600.—)
An seine Schwägerin, die Schriftstellerin Else Jaffé-Richthofen, über die gespannten Beziehungen zu
seinem deutschen Verleger Anton K i p p e n b e r g .
„... Kippenberg behaves as if he were the Great Cham of Tartary: whereas he’s only a tiresome old buffer.
I’ve told him once that, personally, I don’t care for Franzius’ pompous & heavy translations: I’ll tell him
again, & to hell with him. Pity we can’t change over to the People who did Jack im Buschland. They are
more up-to-date & go-ahead.
But anyhow Kip. has no right over magazine productions: so if you could get the Wo m a n W h o R o d e
into a Monatsheft, you couldn’t be interfered with, by him at least. – I get awfully bored, between publishers & agents & one set & another.
So now you’ll be off to Vienna! Everybody seems to have been to Vienna, or to be going. Glad I needn’t
go, anyhow just now ...
Sunny autumn here, still & nice: but an epidemic of typhoid in the neighbourhood: must look out.
I feel I’ll never write another novel: that damned old Franzius turning the P l u m e d S e r p e n t into a
ponderous boa-constrictor! Oh Germania! It really is time you bobbed your philosophic hair! ...“
200 LEIP, Hans, 1893 – 1983. E. Gedicht m. U. Berlin, „Gardefüsilierkaserne“ 1915. 1 S. 8o,
grünlicher Karton.
(350.—)
Die erste Strophe von „ L i l i M a r l e e n “ :
„Vor der Kaserne,
vor dem großen Tor
stand eine Laterne,
und steht sie noch davor,
so wollen wir uns da wiedersehn,
bei der Laterne wolln wir stehn
wie einst, Lili Marleen.“
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges war Leip zum Militär einberufen worden und wurde zum Gardefüsilier in der „Maikäferkaserne“ in Berlin ausgebildet. – Das in diesem Jahr entstandene Gedicht
nahm Leip in seine (erste) Lyriksammlung „Die kleine Hafenorgel“ auf, die 1937 bei Wegner in Hamburg
erschien.
201* LENAU, Nikolaus Niembsch, Edler von Strehlenau, genannt, 1802 – 1850. E. Br. m. U.
„Niembsch“. Hallstatt 28.VIII.1839. 3⁄4 S. 8o. Mit Ringsiegel und Adresse.
(400.—)
An seine Freundin Sophie Löwenthal geb. von Kleyle in Ischl.
„... In Eile einige Zeilen durch D. Brenner. Caroline“ (die Sängerin Karoline Unger, in die er sich verliebt
hatte) „hat mich zu einem Ausfluge im Salzkammergut eingeladen u wir sind jetzt in Hallstatt vom Regen
festgehalten. Morgen, wenn es etwas erträglich ist gehn wir weiter. Krummnußbaum werd ich nicht
besuchen; vielleicht später allein. Den 2.n oder 3.en bin ich wieder in Ischl ...“
Castle Band I Nr. 71.
96
I. LITERATUR
202* LERSCH, Heinrich, 1889 – 1936. E. Br. m. U. „Hein Lersch“. Anacapri 18.IX.1928. 1 S.
gr.-4o. Rechter Rand ohne Textberührung schadhaft, Klammerspur.
(200.—)
An den Journalisten Walter Zadek, Redakteur des „Berliner Tageblatts“.
„... Daß Sie mit dem Stift an die Geschichte gegangen sind, kann ich verstehn, und trotzdem ich mich
gleich hinsetzte und eine Umfassung vornahm, war es mir keine Enttäuschung: wenn Sie mir einen Beleg
schicken, bin ich auf Ihre Streichungen gespannt. – Weil ich nun so ein alter Stock bin und nur schwer
etwas dazu lerne, ist es mir grade Recht, von einem unbefangenen Stil-Kenner einen Rippenstoß zu
bekommen ...
Es hat mich gefreut, daß Sie mir Gelegenheit gaben, über meine alten Freunde etwas auszusagen. Die
ersten zwölf Jahre, die ich bewußt lebte, war ich immer mit ‘Kesselschmieden’ zusammen, der berüchtigte
Ein- und Ausbrecher Vogelpoth hat auch bei meinem Vater gearbeitet: bis vor drei Jahren waren immer
die ‘Kerle’ meine besten Freunde. Ich wählte sie nicht ...“
203* LESSING, Gotthold Ephraim, 1729 – 1781. E. Stammbuchblatt m. U. O. O. u. D. 1⁄4 S.
quer-gr.-8o. Dreiseitiger Rotschnitt. Leicht fleckig, kleiner Randeinriss repariert. (1.600.—)
Zitat nach Horaz.
„Horat.
Omnis Aristippum decuit color et status et res.
m[anu] s[ua] sc[ripsit]
Gotthold Ephraim Lessing.“
Aus der Sammlung Wolbe (abgebildet auf S. 119 von Wolbes „Spaziergängen im Reiche des Autographen“).
Sehr selten.
204* LEWALD, Fanny, verehelichte Stahr, 1811 – 1889. E. Br. m. U. Ragaz 27.VIII.1883. 1 S.
quer-4o, Oberrand zu einer Umschlag-Lasche beschnitten. Mit Siegelspur und Adresse.
(300.—)
Aus der Sommerfrische an die Frau des Verlegers Daniel Collin (Verlag Immanuel Guttentag) in Berlin,
die ihr eine gemeinsame Reise nach Rom vorgeschlagen hatte; in diesem Zusammenhang über ihren
jüngsten Roman „ S t e l l a “ .
„... Im Ganzen ist’s mir gut gegangen ... Aber an Rom-Reisen, so sehr mein Herz mich dorthin zieht,
u. so beruhigend u. erfreulich Ihre Gesellschaft mir wäre, erlaube ich mir doch nur in sehr herzhaften
Momenten zu denken ... Indeß daß in dem Roman Stella das alte Rom von 45, 46 seinen fast photographisch sichern Ausdruck hat, das können Sie glauben; u. wenn Ihnen Jemand sagt, ich hätte den
Katholizismus zu sehr verherrlicht, so sagen Sie ihm: ‘er kenne ihn nicht! sonst würde er ihn beurtheilen
wie ich und wie – Macaulay! ... Fragen Sie die Größen der Staatswissenschaft, den Fürsten B i s m a r c k
an der Spitze, was die ‘Kirche’ ist! – u. der Letztere wird Ihnen vielleicht auch mit dem Wahlspruch der
eisernen Krone antworten: Guai! a che la tocca!! ...
Ich habe noch mein letztes Wort darüber nicht gesagt, u. kann es schwer sagen, da ich selbst nicht
kirchlich bin. Aber – verstehen ist überall schwerer u. mühsamer als große Institutionen mit landläufiger
Unkenntniß abzuurtheilen ...“ – Auf der Adreßseite erläutert sie die ungewöhnliche Form des Briefes:
„... Ich wollte nur 2 Zeilen schreiben – dann kam die Schreiblust ...“
97
I. LITERATUR
205 LICHTENBERG, Georg Christoph, 1742 – 1799. E. Billett mit Paraphe „CGL.“ O. O. u. D. 1 S. quer-8o. Leicht gebräunt und fleckig. Etwas knittrig.
(1.600.—)
An einen Professor, wohl eine Ausleihe aus dessen Bibliothek betreffend.
„... Hier ist die kleine endlich. Haben Sie doch die Gütigkeit und geben ihr, wenn sie sie nicht mehr
brauchen, anders nicht [als] die Kupferstiche zu C o o k s R e i s e [.] Sie können sie wieder haben. In
Eile / CGL.“
„die kleine“: gemeint ist wohl Maria Dorothea S t e c h a r d t , die „kleine Stechardin“ (1765 – 1782), die
Lichtenberg 1777 kennengelernt hatte und die 1780 seine Lebensgefährtin wurde.
1773, 1780 und 1784 erschienen von John Hawkesworth illustrierte Bände zu den drei Reisen James
Cooks.
206 LUDWIG, Emil, 1881 – 1948. E. Br. m. U. „Émile“. Moscia bei Ascona 14.IV.(1948). 2 S.
4o. Blaues Papier mit blau gedrucktem Briefkopf.
(300.—)
An Claude Farrère, Schriftsteller und Mitglied der Académie française, über den Verlust von Freunden
und die Bedeutung der französischen Sprache in seinem Leben.
„... Les rencontres romantiques à cheveux blancs sont tellement rares, – et j’ai perdu – pas seulement par
la mort! – dans les dernières 10 années plus d’amis que gagné. Gagné? Vous et un Canadien Français!
Depuis j’avais 25, ma femme m’a appelé Ludwig (ce qui est un prénom allemand), parce que Emil ne
sent pas, et même ma bonne mère s’est adapté à L. La seule forme que je supporte est la forme française
(pas pour Rousseau), mais c’est la prononciation, et je serais heureux de me lire Émile, écrit de votre
belle main!
Ce que je regrette, – c’est mon style français, parce que la politesse du cœur se monte seulement dans les
finesses de la propre langue qu’on connai comme ma femme ...“
Ferner über ein neues Romanprojekt sowie über Pablo C a s a l s als Freiheitskämpfer. – Fünf Monate
später, am 17. September, starb Ludwig in Moscia nahe Ascona, wo er seit seiner Rückkehr aus Amerika
nach Kriegsende lebte.
„Der Weg von der Freiheit zur Macht“
207 MANN, Heinrich, 1871 – 1950. Eigenh. Manuskript. (1917.) 158 S. gr.-8o. Blei- und Kopierstift. Auf leeren Rückseiten von Brief-Teilen bzw. des Typoskripts zu seinem Drama „Die
Armen“ (1916 – 1918) geschrieben. Zum Teil leicht verwischt.
(16.000.—)
Der erste Entwurf zu seinem Napoleon-Drama „ D e r We g z u r M a c h t “ , das im Oktober 1918 in
München uraufgeführt wurde und 1919 im Kurt Wolff-Verlag in Leipzig erschien. Mit Szenenentwürfen
und Handlungsbeschreibungen; hier einige Zitate aus dem III. Akt:
„Bonap[arte] muss die Enthaftung Bourienne’s bewilligen. Josefine bekommt ihren Brief zurück. Sie
gewährt ihm ihre Hand, sie hat Vertrauen in seine Zukunft. Sie weiss, was sogleich eintritt: Tallien
ernennt Bonaparte zum Oberbefehlshaber der Armée d’Italie. Der Weg von der Freiheit zur Macht.
Bon[aparte] Der Weg zur Macht ist besudelt, unsere Füsse werden nie mehr rein. Aber gehen wir Guten
ihn nicht, die Schlechten rutschen sogar auf den Knien hin.
Tallien (zu Bonaparte) Sie haben Bourienne entlassen? Welche Verantwortung gegen die Republik
Bon[aparte]: Der arme Narr. Seine Frau führt ihn aufs Land.
Tall[ien]: Sie haben damit ein Geständniss gemacht.
98
I. LITERATUR
Nr. 207 Heinrich Mann
99
I. LITERATUR
(Heinrich Mann)
Bon[aparte]: Nutzen Sie es aus, wenn Sie können! Ich bin zu stark in diesem Augenblick, Sie brauchen
mich. Die Republik glaubt mich zu brauchen. Ich bilde es mir nicht ein. Ich bin kein Salicetti, kein Foucault (macht ihm Angst vor den Jakobinern). Wie stark müsste ein General sein. Sie würden sich sehr
wundern, wenn ich Schlachten gewänne.
Tall[ien] Allerdings. Sie haben Weiber im Kopf.
Bon[aparte] Schicken Sie mich nach Italien ...“
„Handlung III
1) Er entlarvt Tallien. Jagt ihn hinaus.
2) Demüthigt Barras mit der Tallien, für die Barras stiehlt, ... die Tallien stiehlt, u. die sie Beide mit
Collot betrügen.
3) Nimmt Barras die thatsächliche Macht, macht ihn abhängig durch seine Mitwisserschaft.
Barras will fort, Bonap[arte] verhaften lassen. Das Haus ist umstellt, Junot erscheint u. erwartet den
Befehl, Barras zu verhaften.
4) Er besiegt Joséphine, er weiss alles über sie, Collot, Tallien, ihre Vergangenheit. – Joséphine, zuerst
sanft u. schüchtern, will ihn als Werkzeug gebrauchen, entlarvt ... darauf seine Gewaltthätigkeit u.
List. ‘Les attraper!’
5) Heldenhafte Güte gegen Mme Bourrienne / Grosse Worte; mit Barras, mit Joséphine: ‘Je suis appelé
de changer la face du monde ... Où sont vos moyens d’attaque? Votre armée contre moi? .. Tout vous
manque, je vous néantirai!’ ...“ – Mit zahlreichen Streichungen und Zusätzen.
Das von Mann benutzte Schreibpapier hat seinerseits Quellenwert; vielfach handelt es sich um in der
Mitte zerteilte Briefbögen mit an ihn gerichteten Schreiben von Verlagen wie Albert Langen, Gustav Kiepenheuer, Kurt Wolff (auch K.W. persönlich an H. M.), Bruckmann und Georg Müller. Sie geben u. a.
Einblick in Heinrich Manns schlechte finanzielle Lage in dieser wenig bekannten Epoche seines Lebens;
auch die Rückseiten von eigenen Briefentwürfen nutzte er als Manuskriptpapier.
Manuskripte Heinrich Manns sind s e h r s e l t e n im Handel.
Doktor Faustus: „Bekenntnis und Lebensopfer durch und durch“
208 MANN, Thomas, 1875 – 1955. 26 Autographen: 22 e. Br. m. U., 1 Br. m. U. und 3 e.
Ansichtskarten m. U. Forte dei Marmi, Sankt Moritz, München, Pacific Palisades, VulperaTarasp, Zürich, Kandersteg, Salzburg, Sils-Maria, Kilchberg und Arosa 31.VIII.1926 bis
21.II.1932 und (meist) 16.IX.1946 bis 13.IV.1955. 69 S. verschiedener Formate (meist gr.-8o)
und die Karten. Mit Ausnahme eines Briefes mit Tinte geschrieben. Vielfach auf seinem persönlichen Briefpapier, ein Brief mit Briefkopf „The Library of Congress Washington / The
consultant in germanic literature“. Teilweise mit kleineren Rand- und Faltenschäden (ein Brief
etwas stärker eingerissen), vereinzelt leicht fleckig.
(30.000.—)
Bedeutende Brieffolge, mit gewichtigen Äußerungen zu seinem späten Romanwerk und über sein Verhältnis zu Deutschland, an den Schriftsteller und Übersetzer Hans R e i s i g e r, mit dem ihn über Jahrzehnte
hin eine vertraute, wenn auch schwierige Freundschaft verband. Belastet wurde die Freundschaft durch
Reisigers Weigerung, Mann ins amerikanische Exil zu folgen, als dieser ihm 1938 die Möglichkeit dazu
verschafft hatte (Brief vom 16.IX.1946), und später durch die Figur des Rüdiger Schildknapp im „Doktor
Faustus“, für die Reisiger Modell gestanden hatte (Brief vom 17.VIII.1948).
Forte dei Marmi 31.VIII.1926. Auf die Bitte um einen Beitrag zu seinem „Erzählerkunst-Almanach auf
das Jahr 1927“. „... Mit dem Nachwort zu den ‘Wahlverwandtschaften’ dabei sein zu dürfen, soll mir
eine Freude sein.
... Mit einer Conrad-Einleitung für Fischer bin ich hier schlecht und recht fertig geworden, aber Plackereien wird es wohl bis zum Schlusse geben ... Ob ich wohl noch einmal etwas Ordentliches schreibe? ...“
100
I. LITERATUR
Nr. 208 Thomas Mann
101
I. LITERATUR
(Thomas Mann)
Sankt Moritz 21.II.1932. Mit Bleistift geschriebener entspannter und launiger Brief aus dem Winterurlaub der Familie, den er erschöpft angetreten hatte; „nicht in Deutschland zu sein ist allein eine
Erholung“, hatte er 10 Tage zuvor auf einer Ansichtskarte geschrieben. „... Ich kritzele dies auf meinem
Balkon, wo ich, unter dem unverwüstlichen Himmelsblau in der Sonne ausgestreckt den größten Teil des
Vormittags verbringe und von Zeit zu Zeit die Augen von meiner Beschäftigung zu der umkränzenden
weißen Pracht der Engadin-Landschaft erhebe, recht dankbar für meinen Zustand ... Auf diese Weise
habe ich einen kleinen Aufsatz über ein religionsgeschichtliches Buch geschrieben“ (Alfred Jeremias’
„Handbuch der altorientalischen Geisteskultur“, eine Hauptquelle für den Joseph-Roman) „... und
außerdem den zweiten Goethe-Vortrag so ziemlich unter Dach gebracht, so weit, daß ich ihn in München, denke ich, meiner Frau ohne große Schwierigkeiten werde diktieren können. Er heißt ‘ G o e t h e s
L a u f b a h n a l s S c h r i f t s t e l l e r ’ und hat, glaube ich, wieder den Reiz eines gewissen Realismus ...
... Morgen kommt Alf. A. K n o p f aus New York, auf seinem Europe-trip ... Wir wollen ihn mit H e s s e
bekannt machen, damit er ‘Siddharta’ und ‘Goldmund’ für Amerika übernimmt. Mit Hesse und seiner
Frau sitzen wir nach dem Diner in einem öffentlichen, aber von anderen diskret gemiedenen Salon
zusammen. Liebe, gute Leute, aber die Zukunft der Ehe scheint mir wenig gesichert, denn H. ist ein
schwierigster Gatte, und sie lernt beim besten Willen das Ski-fahren nicht, das er leidenschaftlich liebt.
Lieber, sagt sie, springe sie vom fünften Stock ... Ich kann das mit Ruhe und selbst Zustimmung hören,
aber die Gemeinschaft wird, fürchte ich, an solchen Gesinnungen scheitern ...“ – Wenige Wochen zuvor
hatte Hesse seine dritte Frau Ninon geheiratet.
„Mit dem alten F i s c h e r stehe ich zur Zeit recht gespannt – wegen Lizenz-Angelegenheiten – und habe
ihm neulich in einem Brief so ziemlich die letzten Dinge gesagt. Sein Greisenstarrsinn und seine geistige
Harthörigkeit sind nachgerade schwer erträglich. Aber wir werden uns schon wieder vertragen ...“
Pacific Palisades 16.IX.1946. Der erste Brief nach Kriegsende; zuvor hatte Reisiger die Korrespondenz
wieder aufgenommen und seine Entscheidung, in Hitler-Deutschland zu bleiben, gerechtfertigt. 1938
nämlich hatte Mann in Berkeley eine Professur für Reisiger erwirkt und sich persönlich im Stich gelassen
gefühlt, als dieser die Chance zur Emigration nicht ergriff. „Lieber, guter, armer Reisi! ... Es kann und
konnte nie die Rede sein von Zürnen. Wie Gott Sie gemacht hat, und wie die Dinge standen und gingen,
musste es wohl alles so sein. Manches freilich bleibt ewig schade. Sofort, blindlings, ohne Zögern, mit
einem Rucksack, mit einer Zahnbürste, hätten Sie nach der Rede dieses schaurigen Seyss-Inquart“
(dessen Begrüßung Hitlers in Linz am 13.III.1938) „über die Grenze gehen müssen, in die Schweiz. Sie
wussten, dass wir Sie nicht Hungers sterben lassen würden. Unbedingt aber, da dies schon versäumt
war, hätten Sie später der Universität den versprochenen Brief ... schreiben und die ‘difficulties’ bei
Namen nennen müssen. Diese wären, unter der Roosevelt-Regierung und bei meinem Verhältnis zu Berkeley, sicher zu überwinden gewesen. Ich hatte, mit Hilfe Erika’s, da ich nicht genug englisch sprach,
den Vice-President überzeugt, dass man Sie unbedingt heraus-, herüberziehen müsse, hatte Ihnen ein
improvisiertes Lehramt erwirkt, das nicht gleich verfügbare Gehalt sicher gestellt. Alles lag so günstig.
Ihre Perfektheit im Englischen und dass Sie Whitman in Deutschland gross gemacht, sprach für Sie
.... Ausserdem hätten Sie durch Ihre Person die nicht-jüdische, die politische und eindrucksvolle Emigration verstärkt – mir war das wichtig. Und was mich persönlich betrifft, – die Meinen gönnten mir
Ihr Mitkommen, Ihre Nähe, Ihre Gesellschaft ... In Küsnacht pflegte Medi, nun Mme Borgese, mit einem
gewissen Staunen zu sagen: ‘Mit Reisi ist Herrpapale immer so heiter.’ Das ist es, wir hätten zusammen
gelacht und uns zusammen gegrämt, hätten den unvermeidlichen Ablauf dieser Geschichte gemeinsam,
unter derselben Perspektive erlebt, statt dass Sie nun Ihre besten Jahre ... in der verkommenen Atmosphäre, dem Muff und Blutgeruch dieses Deutschland verbringen mussten. Mussten? Nein, es war nicht
nötig. Es war das Ergebnis der Bequemlichkeit, der Entschlussunfähigkeit und einer gewissen Schwäche
des moralischen Urteils ... Ich habe nichts vom Gott dankenden Pharisäer: Aber so anmassend bin ich
allerdings, zu finden, dass Sie nicht glauben durften, sich ‘ins deutsche Schicksal hineindrehen’ lassen
zu müssen, wo ich mich nicht hatte hineindrehen lassen. Offen gestanden höre ich überhaupt nicht gern
vom deutschen Schicksal reden ... Das deutsche Schicksal ist gar kein Schicksal und keine Tragödie,
sondern der ehrlose Bankerott verbrecherischer Dummheit.
102
I. LITERATUR
Verzeihen Sie, ich werde noch immer ein bisschen lebhaft, wenn ich an diese Dinge denke ... Ueberhaupt
bin ich sicher, dass zwischen uns sofort alles wie in alten Tagen wäre, wenn wir wieder zusammenkämen. Wir kennen unsere beiderseitigen Schwächen, haben aber, einschliesslich der Augenfarbe, vieles
gemein, besonders den Sinn für Komik, der mir immer eine Labe an Ihnen war. Ich glaube, dass ich Sie
in dem deutschen Roman“ („Doktor Faustus“), „der mich schon seit Abschluß des J o s e p h beschäftigt
... richtig beschrieben habe. Sie heissen da Rüdiger Schildknapp und sind nie zu haben, wenn man Sie
braucht, sonst aber reizend ...“
Zürich 19.VI.1947. „... nach D[eutschland] komme ich nicht, diesmal jedenfalls noch nicht. Zu vieles
spricht dagegen im Lande und in meinem immer wieder stark verbitterten Herzen. Die FurtwänglerDemonstration allein schon, frech und unmusikalisch wie sie war, würde mich abhalten. Hätte man
statt dessen Adolf Busch eingeladen und ihm 15 Minuten lang applaudiert, das wäre ermutigender.
Auch wäre solch ein Besuch eine künstliche, ängstliche Sache, und die Amerikaner sähen ihn gar nicht
sehr gern ...“ – Nach seiner „Entnazifizierung“ war Furtwängler am 25. Mai zu einem Konzert mit den
Berliner Philharmonikern eingeladen worden.
Pacific Palisades 28.III.1948. Über seine ersten „Versuche“ an einem neuen Roman, dem „ E r w ä h l t e n “ , sowie die Absage seiner Teilnahme an der Hundertjahrfeier der Paulskirche. „... Ich bin der
Frischeste nicht, leide an einer gewissen Reaktion nach den Erregungen des ‚ F a u s t u s ‘ und an dem
melancholischen Bewusstsein, dass, was nun noch kommt, nur Zeitvertreib und Nachspiel sein kann ...
Ich lese Mittelhochdeutsch mit dem Wörterbuch, Hartmann von Aue, ‘Gregorius auf dem Steine’, möchte
wohl die oft erzählte sünden- und gnadenvolle Legende auf heutig noch einmal erzählen, bin aber über
zweifelhafte Versuche noch nicht hinausgekommen.
… Ich sollte nach Frankfurt kommen, habe aber ... abgesagt. Historische Fehlschläge festlich zu begehen, ist doch eigentlich sonderbar. Die Demokratie liegt sowieso im Sterben, und die Paulskirchenfeier
steht in der Zeit ungefähr wie die Goethe-Feiern von 1932. Finden Sie das zu bitter? ...“
Pacific Palisades 17.VIII.1948. Reisiger hatte gekränkt auf sein Portrait im „Doktor Faustus“ reagiert.
„… die nur zu berechtigten Vorhaltungen Ihres Briefes stellen wirklich das Minimum dessen dar, was ich
an Empfindlichkeit von Ihnen zu gewärtigen hatte. Sehen Sie dieses: Die menschliche Sträflichkeit des
Portraits, dessen Lebendigkeit sich von der des Modells so sehr unterscheidet, soviel überspitzt, so viel
auslässt, konnte mir damals garnicht zum Bewusstsein kommen. Dazu war Europa, war Deutschland
und was dort lebte – oder vielleicht nicht mehr lebte – zu tief und weit abgetrennt, versunken und verloren … auch die Freundesgestalt, die ich da in genau scheinenden Strichen auferstehen liess. Dazu stand
ich zu sehr unter der Faszination eines Werkes, das, Bekenntnis und Lebensopfer durch und durch, keine
Rücksicht kennt und, indem es als gebundenste Kunst sich darstellt, zugleich aus der Kunst tritt und
Wirklichkeit ist …“ – Reisigers noble Haltung in der Kränkung werde er würdigen „in dem autobiographischen Fragment, an dem ich gerade schreibe, und das heissen soll: ‚Die Entstehung des ‚Dr. Faustus.
Roman eines Romans’. Ein Roman war sie ja wirklich, die Entstehungsgeschichte des Buches im Trubel
der Geschehnisse von 1943 bis 46, mit dem Zwischenspiel meiner Krankheit …“
Pacific Palisades 19.III.1949. Über seine Absicht, bei der Münchener Goethe-Feier eine Rede „in einem
solennen Staatsakt“ zu halten. „… Ich sollte es wohl nicht so schwer nehmen, aber ich kann nicht umhin,
das Wiedersehen nach diesen 16 Jahren der Entfremdung als ein gespenstisches Abenteuer und als eine
rechte Prüfung zu empfinden. Allzu lange war ‘nach Deutschland gebracht zu werden’, ‘in die Hände
der Deutschen zu fallen’ ein Alptraum! ... Die Perspektive, die Art des Erlebens war so verschieden.
Meine Geburtstagsfreude über die Landung in Frankreich etwa, und wie brennend ich den Untergang
jener Höllenbrut wünschte, mein Hass überhaupt, der einzige wirkliche tötliche Hass, den ich im Leben
gekannt habe, und den man in Deutschland nicht gekannt hat, sonst hätte der Unfug nicht dauern können, – es ist doch über das alles die Verständigung schwer. Muss ja aber auch nicht davon die Rede sein,
sondern besser nur von der (sehr zweifelhaften) Zukunft und von o l d G o e t h e ...“
103
I. LITERATUR
(Thomas Mann)
209 — Br. m. U. Pacific Palisades 30.X.1948. 1 S. gr.-4o. Zwei kleine Schadstellen. (1.200.—)
An Martin Sterl, einen Bewunderer in Dresden Martin Sterl, der sich nach den deutschen Nachkriegserscheinungen Thomas Manns erkundigt hatte.
„... It seems a curious request indeed that I write you an English letter, but strange as it seems to correspond with an inhabitant of Dresden in this language, I want to comply with your wish.
Above all, let me say that I was glad to meet in you a believer in the idea of peace. For truly, peace today
is the highest commandment given to humanity, and every thinking man is aware of the fact that another
war would be the greatest crime humanity could commit against itself ...
It is to be hoped that my books, which seem to have your sympathy, will soon make their way into Germany more readily than has been the case during the last several years. The publishing house of Peter
Suhrkamp in Berlin has already started an inner-German edition of my works, the first volume to be
put on the market being ‘Lotte in Weimar’, the Goethe-novel which you may not yet know. Also my latest
work, ‘Doktor Faustus’, is going to be published in Germany soon ...“
Erst bei seiner zweiten Europareise Mitte 1949 besuchte Thomas Mann wieder Deutschland.
„Regesten und Register“ Nr. 48/581.
210* — E. Br. m. U. Erlenbach-Zürich 24.VI.1953. 2 S. gr.-8o. Rechter Rand etwas beschädigt (Klebefilm-Spur).
(1.600.—)
An einen Herrn („Rosenheim“), der ihm ein Gedicht übersandt hatte.
„... Ihr Poem gäbe ich Ihnen am liebsten stillschweigend zurück. Es mag sein, dass ich zuviel zu lesen
habe, und dass meine Receptionsfähigkeit darunter leidet. Aber ich habe an dem Vorgelegten nicht viel
Freude gehabt. Die Zeit-Kritik darin ist vollauf berechtigt. Aber sie ist sehr oft geübt worden und wird
hier nicht mit besonderer Kunst geübt. Gerade las ich einen guten Aufsatz von Anni Carlsson: ‘Der
Schlußstrich, den die Lyriker und Kritiker unserer Epoche heute unter die Verskunst eines Jahrtausends
ziehen zu können glauben mit der Begründung, dass der Poet nunmehr die veraltete Zwangsjacke des
Reimes abgeworfen habe, um in freien Vers- und reimlosen Rhytmen unerforschte Wege zu beschreiben,
läuft praktisch auf ein Armutszeugnis hinaus. Denn mit Vers, Reim, Strophe, ihrer Melodik und ihren
subtilen Bewegungsgesetzen erhält das Gedicht nun einmal eine Dimension mehr, ein Plus an geprägter
Form, an Klang, an Kunst. Keine Umwertung vonseiten derer, die diese Kunst nicht mehr beherrschen,
kann an der Tatsache etwas ändern.’ – Das ist mir ganz aus dem Herzen gesprochen.
Sachlich sympathisch war mir die Zusammenstellung Russlands und Amerikas, die in der Tat viel mehr
Gemeinsamkeiten haben, als sie selber wissen ...“
Nicht in „Regesten und Register“.
211* MANZONI, Alessandro, 1785 – 1873. E. Br. m. U. Mailand 22.XII.1841. 13⁄4 S. 4o. Mit
Trauersiegel und Adresse. Leicht gebräunt, kleine Rand- und Faltenrisse.
(3.000.—)
An seinen „pregiatissimo amico“, den Diplomaten Graf Luigi Litta-Modignani (1803 – 1855) an der
österreichischen Botschaft in Rom mit der Bitte, zwei Buchhändler in seinem Namen wegen überfälliger
Abrechung bzw. Bezahlung zu mahnen. Vermutlich handelt es sich um den ersten Band von „I promesso
sposi“, der 1840 in endgültiger Fassung erschienen war.
104
I. LITERATUR
„... Vedendo i miei riveriti caratteri, Lei dice di certo: fan noie. E non s’inganna; ma questo La servira
di regola a non esser troppo buono con gl’indiscreti.
Il libraio Sigr Gallavicini non ha accettata una tratta ... per i 50 esemplari che riceve della nota edizione
– Offre invece di scontarne 30; perché, scrive, non ha che tanti associati, e i 20 esemplari di più, li tiene
per venderli a opera compita. Poiché lo scrive, sarà; ma non essendo stipulata una tal restrizione, la
regolarità e la ragione richiedono ch’egli renda conto di tutti gli esemplari che ha ricevuti ... Vorebbe
Lei aver la bontà di metterlo sulla strada giusta, di stimolarlo, insomma di fare ciò che le circostanze
indicheranno essere il meglio?
C’è anche l’altro libraio Sigr Scalabrini, che riceve 24 esemplari, e non ha finora pagato nulla. Sarebbe
troppa indiscrezione il pregarla di stendere anche sopra questo la sua gentile ed efficace mano?
Finisco come ho cominciato, con dirle che il mio troppo coraggio viene dalla sua troppa bontà ...“
Für die Neuausgabe des zuerst 1825-27 erschienenen – auch von Goethe enthusiastisch begrüßten –
Romans hatte Manzoni die zahlreichen Lombardismen durch die in der toskanischen Hochsprache üblichen Wendungen ersetzt; finanziell war diese Ausgabe für ihn desaströs.
Sehr selten.
212 MARINETTI, Filippo Tommaso, Begründer des Futurismus, 1876 – 1944. E. Br. m. U.
„T M“. O. O. u. D. 1 S. gr.-4o. Auf einem in Rot gedruckten Propaganda-Briefbogen des „Movimento Futurista“ mit dem großen Holzschnitt von Giacomo Balla nach der Zeichnung „Il
Pugno“ von Umberto Boccioni. Leicht fleckig, Lochung und kleine Randläsuren teilweise unterlegt.(300.—)
An den Maler Cleo Chitoccapac, den er zu einer Arbeit beglückwünscht.
„Caro Chitoccapac, ho recevuto. Bravo! Bravooo! / Con affetto ...“
213 MARK TWAIN, Pseudonym für Samuel Langhorne Clemens, 1835 – 1910. E. Br. m. U.
„S L Clemens“. Hartford, Conn. 3.VI.1886. 1 S. gr.-8o. Am Oberrand gelocht.
(600.—)
An einen Verleger oder Redakteur, der ihn um eine Abdruckgenehmigung gebeten hatte.
„... I am obliged to refer you to my London publishers, Messrs. Chatto & Windus ... as only they possess
authority to convey the right which you desire. You will find them prompt & corteous ...
Herewith please find the cheque re-enclosed.“
105
I. LITERATUR
214 MAY, Karl, 1842 – 1912. Portraitphotographie mit e. Namenszug „Dr. Karl May“ auf der
Rückseite. (1896.) 17×11,4 cm. Auf Karton des Photoateliers Franz Nunwarz, Urfahr-Linz.
Leichte Kratzer auf der Bildseite.
(400.—)
Brustbild von vorn, im Kostüm von „ K a r a b e n N e m s i “ .
Der Linzer Amateurphotograph Alois Schießer hatte im April 1896 in Radebeul zahlreiche Kostümbilder
Karl Mays angefertigt, deren Vertrieb u. a. das Photoatelier Nunwarz in Linz übernommen hatte.
215 — Portraitphotographie mit e. Namenszug „Dr. Karl May“ auf der Rückseite. Nach
1897. 16,6 × 11,7 cm. Aufnahme: M. Welte, Dresden.
(500.—)
Brustbild von vorn, im Kostüm von „ O l d S h a t t e r h a n d “ .
Nachdem sich Karl May mit dem Linzer Photoatelier Nunwarz zerstritten hatte, war er im April 1897
vom Dresdener Photographen Max Welte in verschiedenen Kostümen und in Zivil abgelichtet worden.
216
— Photopostkarte mit e. Zusatz auf der Textseite. Nach 1899.
(300.—)
„Die Familie meines arabischen Dieners Sejjid Omar“ (verso).
Karl May hatte während seiner ersten Orientreise 1899/1900 als alleinigen Begleiter einen arabischen
Diener namens Sejd Hassan engagiert, dem er hier den Namen einer der Hauptpersonen seines nächsten
Romans „Und Friede auf Erden“ gibt.
217
— E. Br. m. U. Hamburg 9.VIII.1902. 1 S. gr.-8o.(1.200.—)
An einen Bewunderer.
„... Herzlichen Dank für Ihren Brief, dessen Beantwortung ich während einer Reise hier von Hamburg
absende.
Soeben erscheint ‚Im Reiche des silbernen Löwen‘ Bd. III. In Zeitungen werde ich die gegen mich gerichteten Angriffe niemals beantworten. Für gehässige Thorheiten habe ich keine Zeit ...“
May, der sich gern öffentlich mit seinen Romanhelden identifizierte, war beständig harscher Kritik der
Presse ausgesetzt.
106
I. LITERATUR
Nr. 214
Nr. 215
Karl May
107
I. LITERATUR
218 MÉRIMÉE, Prosper, 1803 – 1870. E. Br. m. U. Paris, „52 rue de Lille“ 24.IX. o. J. 11⁄2 S.
gr.-8o. Etwas fleckig.
(200.—)
An Lord (Howden) über Aussprache und Orthographie französischer Eigennamen.
„... A l’Académie Fr. nous pronoçons Montagne comme s’il n’y avait pas d’I. Montaigné est une vieille
orthographe, qui ... n’avait pas d’influence sur la prononciation ...
S’il n’y a pas de lois qui punissent les gens qui prononcent Montègne et Régnard, je crois que Lord
Howden sait trop bien le vieux et le moderne français pour dire autrement que Montagne et Renard ...“
219* MERKEL, Garlieb, 1769 – 1850. E. Br. m. U. Depkinshof bei Riga 23.X.1809. 3 S. 4o.
Kleine Heftschäden.
(800.—)
An den Konsistorialrat Johann Heinrich von B u s s e , Direktor der St. Petersburger Akademie der
Wissenschaften, der seine Mitarbeit an einem zur Verbreitung in Rußland bestimmten literarischen
Repertorium zugesagt hatte.
„... Es versteht sich, daß ich Ihre Bedingungen ohne Ausnahme unterschreibe: Sie werden die Literatur
quaest. so lange allein besorgen, bis Sie Sich Selbst einen Gehülfen wählen. Ich weiß, daß dies Fach des
Repertoriums in Ihren Händen vortrefflich werden wird ... Ihr Name, so gern ich ein wenig mit ihm
pralte, bleibt verschwiegen, wie Sie es bestimmen ...
Was den Preis des Blattes betrift: ja, er ist hoch, aber man zahlt hier ohne Bedenken für so manches
ausländische Blatt viel mehr Thaler, als ich Rubel fordre ... Wie ich die Sache sehe, zweifl’ ich nicht an
einem guten Erfolge, – wenn nicht außerliterärische Dinge in den Weg treten ...“
S e l t e n . – Aus der Sammlung Rötger; mit dessen Beschriftung in roter Tinte am Kopf.
220* MEYER, Conrad Ferdinand, 1825 – 1898. Widmungsexemplar: „Gedichte“. Leipzig: H.
Haessel 1882. 8o. Orig.-Leinen mit Deckel- und Rückentitel in Gold sowie reicher dekorativer
Gold- und Schwarzprägung auf Vorderdeckel und Rücken. Goldschnitt. Hie und da geringfügig
stockfleckig, Einband minimal bestoßen. W/G2 13; Borst 3537. – Erste Ausgabe.
(600.—)
Auf dem vorderen Vorsatz die eigenhändige Widmung für den Züricher Theologen Alexander Schweizer
(1808 – 1888): „Herrn Prof. Dr. Alexander / der Verfasser.“
„Den ersten Plan zur Anlage eines Bändchens ‘Gesammelte Gedichte’ fasste Meyer schon 1873. Aufschiebende Wirkung ... hatten vor allem die Bedenken des Verlegers Haessel ... Er enttäuschte den Dichter
mit demütigenden Honorarvorschlägen und zeigte sich gleichzeitig verärgert darüber, dass Meyer seine
Gedichte in allerhand mehr oder weniger obskuren Zeitschriften veröffentlichte“ (Fehr, C. F. Meyer,
1971, S. 71).
221* — Widmungsexemplar: „Zwei Novellen“. Leipzig: H. Haessel 1889. 8o. Orig.-Leinen mit
reicher Deckel- und Rückenvergoldung, Kopfgoldschnitt. Stellenweise leicht stockfleckig, die
Vorsätze etwas stärker. Einband leicht bestoßen.
(500.—)
Die Novellen „Plautus im Nonnenkloster“ und „Gustav Adolf’s Page“; auf dem vorderen Spiegel die
eigenhändige Widmung „freundlichst / der Verfasser / Weihnachten 1889“. 108
I. LITERATUR
„Hedda Gabler ... Interessant!“
222 — E. Br. m. U. O. O. 16.I.1891. 2 S. quer-kl.-8o (Briefkarte mit breitem Trauerrand).
Kleines Eckchen fehlt.
(600.—)
An eine norddeutsche Schriftstellerin, die er auf eine Veröffentlichung in der „Deutschen Dichtung“
aufmerksam macht.
„... erschrecken Sie nicht vor dem Schwarz, ich u. die Meinigen befinden uns wohl (‘besser, Freund, als
ich verdiene.’ Calderons standh. Prinz), aber wir haben unsern Schwager Kirchenrat Burkhard Ziegler,
einen noch nicht alten u. sehr vorzügl. Mann verloren.
Ihr Schutzbefohlener hat sich bis zur Stunde noch nicht gemeldet, ich will ihm aber gerne Ihretwegen
etwas in sein Blatt geben. In Deutsche Dicht[un]g 1 Jan. steht etwas von Ihnen[,] Fr. von Ebner u. auch
von Andern. Und jetzt etwas Grausames: ich lächle ein bischen, daß sie so barbarisch frieren. Ja dieses
Norddeutschland! Es lebe der Frühling!
Eben habe ich Ibsens Hedda Gabler gelesen. Interessant! ...“
„Siegesglanz und Ewigkeitslust“
223 MEYSENBUG, Malwida von, 1816 – 1903. E. Br. m. U. „Malwida“. Hamburg 3.XII.
(1852; von fremder Hand fälschlicherweise 1851 datiert). 8 S. gr.-8o. Teilweise leichte Verfärbungen in den Faltungen. (500.—)
An einen Bewunderer (eine Bewundererin). Philosophischer Brief über den Tod und das geistige Weiterleben des Theologen und Schriftstellers Theodor A l t h a u s , ihres ehemaligen Geliebten, der im April
1852 im Alter von 29 Jahren gestorben war.
„... Wohl ist es hart, so wie Theodor Althaus, mit dem Reichthum des Gedankens, mit der ganzen Energie
des Willens und der Sehnsucht nach That und Leben, aufhören zu müssen, da wir nichts Anderes haben
als dieses Leben, da hier die einzige Entwicklung ist, die für uns gegenwärtige Menschen Bedeutung hat
... So, glauben Sie mir, wird auch Th. Althaus den vollen Schmerz seines frühen Scheidens durchkosten,
aber er würde ihn nicht hingeben um die Gewißheit eines Himmels, denn dieser Schmerz bezeugt es was
es heißt: ein Mensch zu sein und wenn er noch vieles hätte leisten können mit seinem Geist, mit seiner
edlen Kraft, so hat er doch auch auf den Höhen gestanden wo alles Siegesglanz und Ewigkeitslust ist,
wo man weiß daß das Leben über den Tod triumphirt und daß jede Erscheinung des Geistes, jeder edle
zum Leben erwachte Mensch ein Triumph des unsterblichen Lebens ist, denn dieser Mensch, ob er gleich
irdisch verschwindet, lebt fort in tausend Keimen die er in andre Herzen legte ...“
Malwida von Meysenbug hatte Theodor Althaus 1851 angeregt, sich um eine Lehrerstelle an der Schule
der Freien Gemeinde in Hamburg zu bewerben, nachdem er zuvor, nach einem einjährigen Gefängnisaufenthalt wegen „Staatsverats“, begnadigt worden war. Bald darauf war er während eines Kuraufenthaltes
in Gotha gestorben.
224
MONTHERLANT, Henry de, 1896 – 1972. E. Br. m. U. O. O. u. D. (1924). 1 S. gr.-8o.
(200.—)
An „Mon cher Patin“ mit der Bitte, seine „Histoire de la Petite 19“ (Paris: Bernard Grasset 1924) im
„Figaro“ ankündigen zu lassen.
„... Ces jours-ci paraît de moi une petite histoire d’amour, intitulé Histoire de la Petite 19, en tirage limité
– 400 exemplaires – chez Grasset, avec un bois de Gasperini d’après mon portrait par Blanche. Auriez
vous la gentillesse d’annoncer cela ou de le faire annoncer dans le Figaro? ... ...“
109
I. LITERATUR
225 MOORE, Thomas, 1779 – 1852. E. Br. m. U. „T. Moore“. O. O. 13.XI.1828. 1 S. 4o. Mit
Siegel und Adresse.
(250.—)
An den Verleger James Power in London, den er, wohl anläßlich einer bevorstehenden London-Reise,
bittet, ihm bei der Aufklärung eines Mißverständnisses behilflich zu sein.
„... As I find Miss Fielding is to arrive either to day or tomorrow, pray, let me have, by tomorrow’s first,
the words of Hero & Leander that I may get her to make a new attempt at the subject. Her mistake was
by fault, as she never saw or heard the words, and merely followed her own general idea of the story ...
I forgot to thank you for the nice fish, which is even a better thing, salted than fresh ...“
226 — Eigenh. Gedichtmanuskript m. U. Paris 10.VIII.1842. 2 S. folio. Stellenweise leicht
gebräunt. Faltenriß.
(300.—)
„The Star!“; sieben vierzeilige Strophen, mit Widmung „To Helen“.
„You say the Star in yonder sky,
Which shines so brightly on us now,
I should believe an augury,
A fav’ring smile on fortune’s brow!
...
Ah no! – tho’ soft, tho’ beautiful,
It breaths of happiness afar! –
‘Tis bright – for some – tho’ me ‘tis dull,
For that alas! is not my Star! –
...“
227
— E. Br. m. U. O. O. u. D. 1 S. 8o. (150.—)
An einen jungen Verehrer.
„How sweet it is to a poet to impart the tender effusions of his muse to the soul of a man of warm and
generous feelings.
You will therefore my young friend excuse, I trust the pride of a poet in presenting to you the most successful production of his mind and heart, and in your leisure hours think of / Thomas Moore“.
228 MORGENSTERN, Christian, 1871 – 1914. E. Br. m. U. Berlin 8.III.1904. 1 S. gr.-4o.
Auf Briefbogen des Verlags Bruno Cassirer. Einriß in der Mittelfalte, am Kopf zwei Flecken
(durchschlagende Klebstoffreste). Mit Umschlag.
(250.—)
Als Lektor im Verlag Bruno Cassirer an den Kunsthistoriker und Dichter Hermann Ubell in Linz.
„... Es ist sehr Unrecht von Ihnen und Ihrer Frau, dass Sie mich so ganz zu vergessen scheinen und das
in einer Zeit, da unsere schönen Campagna-Fahrten sich jähren. Haben Sie um Weihnachten nichts von
Geschriebenem und Gedrucktem erhalten? Oder sind Sie schon wieder auf Reisen? ...“
Morgenstern hatte Ubell während seines Aufenthaltes in Rom im Winter 1902/03 kennengelernt.
110
I. LITERATUR
229* — 2 e. Postkarten m. U. Poststempel: Berlin 21.VI.1904 und Zürich 13.VII.1907.
1 Karte mit Kopf: „Bruno Cassirer, Verlag“ (kleines Eckchen fehlt), 1 Karte in Bleistift.
(150.—)
An den Berliner Schriftsteller und Theaterkritiker Julius B a b, Verabredungen und Essays betreffend.
1904. „... Über Ihr Stück kann ich Ihnen noch nichts mitteilen. Für ein Zusammentreffen halten wir vielleicht vorläufig Folgendes fest. Haben Sie Lust mich nächsten Sonnabend zum Mittagessen abzuholen?
... Wir würden dann nach dem Restaurant von Hans Regenspurger, Potsdamerstr. gehen und dann noch
einen Café zusammen trinken ...“
1907. „... Ihr Aufsatz über Calé“ (der Student Walter C. hatte sich 1904 nach einigen Veröffentlichungen
umgebracht) „ist ganz vortrefflich; ich empfand ihn als Dichter ganz abgeleitet, interessant dagegen als
Aphoristiker. Ihr Kayssler-Essai lasse ich mir nochmals kommen und schreibe Ihnen dann ausführlich
darüber ...“
230 — E. Albumblatt mit Widmung u. U. O. O. „Weihnachten 1912“. 1 S. folio. Grünliches
Bütten (schwacher Lichtrand).
(200.—)
Zitat aus der Offenbarung des Johannes:
„‘Im Anfang war das Wort, und das Wort
war bei Gott, und Gott war das Wort.
Dasselbige war im Anfang bei Gott.
Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht,
und ohne dasselbige ist nichts gemacht,
was gemacht ist.’“
Mit einer Widmung für „Herrn und Fräulein Hahn / zur Erinnerung“.
231 MOSEN, Julius, 1803 – 1867. E. Br. m. U. Leipzig 16.XII.1827. 1 S. gr.-4o. Leicht fleckig,
kleine Einrisse in der Bugfalte; das leere Respektblatt mit Montagespuren.
(300.—)
An (Ludwig T i e c k ), den er, „wirklich von Noth gedrängt“, um eine Empfehlung für sein schon im Sommer übersandtes Gedicht „Das Lied vom Ritter Wahn“ bittet.
„... Wenn ich nicht irre, habe ich Ihnen schon erzählt, daß ich so leichtsinnig war, den Rest meines
kleinen Vermögens darauf zu verwenden, ruhig und ungestört das Gedicht zu vollenden, das Sie in den
Händen haben. Während ich es gänzlich ausarbeitete, täuschte ich mich mit der Hoffnung, wenigstens
die Hälfte des darauf Verwendeten wieder zu erlangen, um vermittelst desselben mir für die Zukunft
einen festen Standpunkt zu erringen ...“
In den „Briefen an Ludwig Tieck“, hrsg. v. K.v. Holtei (1864) n i c h t g e d r u c k t ; gedruckt ist dort
Mosens Brief vom 2.VII.1827 bei Übersendung des Manuskripts. – Das Gedicht erschien erst 1831 bei
Barth in Leipzig.
111
I. LITERATUR
232* MÜNCHHAUSEN, Börries Freiherr von, 1874 – 1945. E. Br. m. U. (Windischleuba)
15.V.1907. 2 S. quer-gr.-8o (Briefkarte). Mit bekrönter Wappenprägung am Kopf. (180.—)
An einen Herrn, dem er seine 1906 erschienenen „Balladen“ übersendet.
„... da ist mein Buch, in dessen Inhaltsverzeichnis ich ein paar Gedichte angestrichen und einige Jugendballaden eingeklammert habe. Möchte Ihnen der Band, der wohl, wenn Sie das grosse Wort gelten lassen, mein Lebenswerk ist, eine frohe Stunde machen. Es liegen 15 Jahre, viel Glück und viel viel Arbeit
zwischen seinen Blättern ...“
Beiliegend eine e. Postkarte m. U. (Köhren 1907); an Gustav Falke in Gross-Borstel, einen Vortragsabend
in Hamburg betreffend.
233* NAUBERT, Benedicte, geb. Hebenstreit, 1756 – 1819. E. Br. m. U. (Naumburg) o. D. 3 S.
4o. Mit Siegel und Adresse. Ausriss an der Siegelstelle (Buchstabenverluste).
(300.—)
An die Schriftstellerin Johanne Friederike Lohmann geb. Ritter in Leipzig.
„... Innig wünsche ich Ihnen ... die Ruhe, die friedenvolle Muse zurück, die Ihnen so nöthig ist, der Welt
auch in Zukunft zu nützen, ihr durch eine Feder zu nützen, welche noch nicht ruhen darf.
Die meinige ruht jetzt ganz. Nie schrieb ich ohne aufgefordert zu seyn, die jetzigen Zeiten machen ähnliche Aufforderung fast unmöglich. Die einzige Aufforderung ... wurde durch einen viel unverbrüchlichern
Contrakt als jedes Versprechen, durch den Tod aufgehoben. Auch trieb mich die Phantasie just nur
solche Sachen zu schreiben die grade in diese Tage nicht paßen ...“
Aus der Sammlung Rötger, mit dessen Beschriftung in roter Tinte am Kopf.
234* NEUMANN, Alfred, 1895 – 1952. E. Br. m. U. Juan-les-Pins 21.IX.1938. 2 S. kl.-4o. Mit
geprägtem Briefkopf „Les Ambassadeurs“. Leicht gebräunt; Umschlag angeklammert.
(180.—)
An „Monsieur Delamain“ in „Le Petit Rocher … par Jarnac“ mit dem Dank für „si prompte et si efficace
secours“.
„... je vous remercie infiniment de votre si prompte et si efficace secours. Les autorités m’ont reçu d’un
façon tout ce qu’il y a des plus aimables. Votre mot a contribué en grande mesure de me faciliter toutes
des demarches. On m’a fermement promis de permis de séjour.
Quant à M. Herz, je comprends parfaitement votre attitude ...“
235 NIENDORF, Emma, Pseudonym für Emma von Suckow geb. Eder, 1807 – 1876. E. Gedicht m. U., nachträglich datiert Maxen 15.IX.1851. 3⁄4 S. 8o. Alt montiert.
(150.—)
„ E i n s a m k e i t “ ; die erste von vier vierzeiligen Strophen lautet:
„Zwei Vögel, die sich wiegen
In leichter Azurfluth:
Zu Zweien fliegen, fliegen
In selgem Übermuth!“
112
I. LITERATUR
236* O’CASEY, Sean, Pseudonym für John Cassidy, 1880 – 1964. E. Br. m. U. Totnes 17.VII.
1950. 1 S. gr.-4o. Mit gedrucktem Briefkopf.
(250.—)
An einen Herrn vom „Liberty Book Club“ in New York, dem er zum zweijährigen Bestehen gratuliert.
„... there is the book of the day, the book of the week, the book of the month; but the book of value is the
one that can remain with its Reader for a lifetime. There are the important books: the books that bring
us into friendship with the great men ... Books are the universities of the workers, & great books nourish
the world of thought ...“
237 OLIVEN, Fritz, Pseudonym Rideamus, 1874 – 1956. 10 e. Br. m. U. Porto Alegre 1.VII.
1948 bis 26.IX.1949. 16 S. meist gr.-4o. Gelocht; etwas unfrisch, vereinzelte Defekte.(600.—)
Aus dem brasilianischen Exil an den Bühnenverlag Felix Bloch Erben in Berlin, dem er ein Operettenlibretto nach Paul v. Schönthans Komödie „Der Raub der Sabinerinnen“ vorschlägt.
1.VII.1948. „... Wie Ihnen bekannt ist, habe ich s.Z. eine Reihe Ihrer Verlagswerke in erfolgreiche Operettentexte ungewandelt – ‘Wenn Liebe erwacht’ ... ’Verliebte Leute’ ... (von anderen Verlagen ‘Vetter
aus Dingsda’, ‘3 alte Schachteln’, ‘Frauen haben das gern’ etc.). Ich bin also gewissermassen Specialist
für die Brüder v. Schönthan ...“
18.XI.1948. „... Was ... die Komponistenfrage betrifft, so scheint es damit z. Z. in Deutschland nicht
sehr gut bestellt zu sein. Ich habe augenblicklich bei einem andern grossen Berliner Verlage ein fertiges
Libretto zu liegen, ... für das er sich seit geraumer Zeit eifrigst bemüht, einen geeigneten Komponisten
zu finden – bisher ohne Erfolg. Da das eine sehr ungewöhnliche Erscheinung ist, so habe ich ... die
­Vermutung, dass die deutschen Komponisten entweder nicht beabsichtigen oder sich nicht trauen, mit
einem jüdischen Librettisten zusammenzuarbeiten ...“
17.III.1949. „... Ich stimme vollkommen mit Ihnen überein, dass aus dem Buch in der vorliegenden
Form ... eine Operette nicht zu machen ist. Es ist, wie alle Stücke der Schönthans auf vielen kleinen,
feinen, sorgsam gestrichelten und umständlich unterbauten Einzelzügen und Scherzen aufgebaut ...,
die für Musik weder Platz lassen noch Wirkung versprechen. Es ist mir aber ... eine Lösung eingefallen,
die alle diese Mängel beseitigt, und das alte grosse Erfolgsstück auch musikalisch auswertbar machen
würde ...“ – Im folgenden Brief stellt Oliven diese Idee näher vor.
Ferner über sein Libretto „Wenn Du mich betrügst“ nach Labiche; erwähnt Oscar Straus. – Beiliegend
die Durchschläge von 11 Antwortbriefen.
238 PENZOLDT, Ernst, 1892 – 1955. E. Gedicht m. U. „E“. 3.X.1941. 1 S. folio. Gebräunt
und leicht fleckig; Randläsuren.
(250.—)
„Eros Diabolos
Ach wie du züchtiglich
Reizend – erbarmungslos
sanftmütig scheinst,
zärtlich – verschlagen:
wenn du mir wehe tust,
Eros Diabolos!
anmutsvoll – inniglich,
stürmisch von oben her
wenn du verneinst! ...“
fuhrst du herab auf mich
mein Herz zu plagen.
Es folgen 14 weitere Zeilen. – Beiliegend ein e. Billett m. U. (o. O. 1954, gelocht) an Peter Suhrkamp:
„... ganz langsam geht es etwas besser, die Stauung der Lunge ist noch eine Gefahr aber mit meinem
Husten kann ich Dir nicht imponieren. / Hab’ Dank für Deine Liebe das hilft am Besten ...“
113
I. LITERATUR
239* PRÄTZEL, Karl Gottlieb, 1785 – 1861. Eigenh. Gedichtmanuskript. 4 S. 4o. Schwach
gebräunt, kleine Faltenrisse.
(180.—)
Drei frühe Gedichte: „Das Traubenkörbchen“ („Trauben las die spröde Philippine ...“; 122 Zeilen),
„Sehnsucht“ („Leise spielt des Westes Flügel ...“; sieben neunzeilige Strophen) und „Edle Rache“
(„Friedlich nach durchlaufner Bahn ...“; 88 Zeilen). – Am Schluß von fremder Hand bezeichnet „der
Dichter Prätzel“; aus der Sammlung Rötger, mit dessen Signatur in roter Tinte am Kopf.
Prätzel nahm die Gedichte in seine 1820 bei Hinrichs erschienene Gedichtsammlung auf.
240
8o.
PROUST, Marcel, 1871 – 1922. E. Br. m. U. „Marcel Proust“. (Paris 1.II. 1903.) 1 S.
(1.600.—)
An einen Freund, den er zur Hochzeit seines Bruders Robert einlädt.
„... Je vous dit ce dernier moment que beaucoup de vos lettres ne sont pas arrivées. J‘espère
que vous avez eu la votre partie il y a 8 jours. En tous cas à demain lundi St. Augustin Midi,
j‘espère, et avenue de Messine, 6, après ...“
Prousts jüngerer Bruder, der Mediziner Robert P., heiratete am 2. Februar 1903 Marthe Dubois-Arnoit
in der Kirche St. Augustin mit einem anschließenden Empfang in der Avenue de Messine, dem Elternhaus
der Braut. Proust war Trauzeuge seines Bruders; aus Angst vor einer Erkältung erschien er in einem grotesken „Kokon aus schwarzer Wolle“ (so eine Verwandte) – und war anschließend für Wochen bettlägrig.
Siehe die Abbildung auf Seite 149.
241 RAABE, Wilhelm, 1831 – 1910. 4 e. Br. m. U. Stuttgart und Braunschweig 17.VIII.1868
bis 11.VII.1904. 5 S. gr.-8o. Ein Brief etwas unfrisch.
(350.—)
An verschiedene Adressaten.
22.I.1869. Kondolenzschreiben an seinen Freund Karl (Schönhardt?). „... Trösten kann man Euch nicht;
denn alle Trostgründe sind in solchen Fällen eben so nichtig wie das Leben selbst, und das will wahrhaftig
viel sagen. / ‘Und laß dir rathen, habe / die Sonne nicht zu lieb und nicht die Sterne!’ / sagt Goethe einmal
und faßt alle Wahrheit in dieser Warnung zusammen ...“
14.IV.1871. Wohl an seinen Verleger Jahnke in Berlin, mit der Anfrage, „ob Sie noch ... Willens sind, den
‘ H u n g e r p a s t o r ’ ... für einige Zeit in Ihrem Verlage zu behalten? Da ich im Laufe dieses Monats ein
neues Werk vollende“ („Der Dräumling“), „und auch eine frühre Arbeit in neuer Bearbeitung herausgeben will ... Das Eigenthumsrecht der Meisten meiner Schriften befindet sich nämlich schon jetzt wieder
in meinen Händen, und es ist mir von nun an wünschenswerth, fernere Verträge derartig einzurichten,
daß sie mir nicht in vielleicht 3 – 4 Jahren in irgend einer Weise hinderlich werden können ...“
11.VI.1904. An eine junge Dame. „... In der Voraussetzung, daß Ihr Bruder sich nicht bloß eine Autographensammlung zulegt, hierdurch ein freundlicher Gruß zu seinem Geburtstag.“
Erwähnt seinen Roman „Abu Telfan“ und den Erzählband „Regenbogen“ (Stuttgart 27.VIII.1868).
114
I. LITERATUR
242* RAIMUND, Ferdinand, 1790 – 1836. E. Schriftstück. (Berlin 13.IV.1832.) 1 S. querschmal-8o. Gebräunt, kleine Einrisse hinterlegt.
(400.—)
„Als Bauer weiß ich gut, auf einen Hieb fällt nie ein Baum.
Man springt nicht auf den Gipfel, man erklettert ihn / so kann ich auch die Eiche Ihrer Gunst nur nach
und nach erklimmen / nur früher wird es mir gelingen, wenn sich die Zweige so wie heute, freundlich zu
mir niederbeugen“.
Nach der Angabe in den „Sämtlichen Werken“ (Brukner und Castle, Band V./II. S. 590) sprach Raimund
diese Worte nach einer Aufführung seines Märchenspiels „Das Mädchen aus der Feenwelt, oder: Der
Bauer als Millionär“ in Berlin am 13. April 1832 zum Publikum.
Sehr selten.
243
REINHARD, Karl, 1769 – 1840. E. Gedicht m. U. Göttingen 26.IV.1792. 1 S. 8o.
(180.—)
„A n S e i d e n s t i c k e r “; die erste von drei vierzeiligen Strophen lautet:
„Einzig und einsam wär’ ich in den Welten
Ohne dich, mein erwählter Freund, gewesen;
Hätte nie mich selbst in der Seele eines
Andern bestaunet!“
Bei dem Freund handelt es sich vermutlich um den Göttinger Juristen Johann Anton Ludwig Seiden­
sticker (1760 – 1817).
244 RICHTER, Jean Paul Friedrich, 1763 – 1825. E. Br. m. U. „Dr. Jean Paul F. Richter“.
Bayreuth 23.I.1818. 1 S. 8o. Leicht fleckig. Kleine Randläsuren. (400.—)
An die Geschäftsleitung des Cottaschen Morgenblatts, in dem 1817 seine „ S a t u r n a l i e n “ erschienen
waren.
„1) Hier send’ ich die Druckfehler-Anzeige der Saturnalien mit der Bitte einer baldigen Einrückung
2) Auch ersuch’ ich, mir das Freiexemplar der Saturnalien mit der fahrenden Post zu senden –
3) Deßgleichen die im Michaelis Meßkatalog von 1817 angekündigte neueste Lieferung von H e r d e r s
Werk, –
4) Auch hab’ ich für Rechnung des H. v. C o t t a 10 fl. 48 Xr von der Frau von Geiger für 8 Exemplare
der Robertschen Gedichte, erhalten ...“
Nicht bei Berend.
115
I. LITERATUR
(Richter)
245 (—) In seinem Namen ge- und unterschriebener Brief (Abschrift?). Bayreuth 6.IX.1820.
3 2⁄3 S. gr.-8o. Minimal fleckig, Nadelspuren.
(200.—)
Langer poetischer Brief an (Herzogin Dorothea von Kurland) mit Reminiszenzen an seinen Aufenthalt auf
Schloß Löbichau im Sommer 1819 und an den vorangegangenen Besuch der Herzogin in Bayreuth – „daß
wir als Milchgeschwister zu betrachten sind, da wir beyde von dem herrlichen Bier gekostet haben“.
Jean Paul hatte eben die Schilderung des Löbichauer Sommers für den Damenkalender auf das Jahr 1821
beendet. – Nicht bei Berend.
Beiliegend ein weiterer in seinem Namen ge- und unterschriebener Brief von anderer Hand, Bayreuth
29.IX.1821, an Elisa von der Recke; Kondolenz zum Tod der Schwester, die am 20. August gestorben
war. – Berend Band 8 Nr. 212.
246
— E. Br. m. U. O. O. u. D. 1 S. quer-gr.-8o. Leicht gebräunt und fleckig. (400.—)
Wohl an den Gymnasialprofessor Lorenz Heinrich Wagner in Bayreuth, einen Lehrer seines Sohnes Max,
bei dem er eine „seelen-erhebende Stunde“ Schul-Unterricht erlebt hatte.
„... Ihre Primaner waren ihres Lehrers werth; keiner darunter war gemein u. Cloeter u. einige andere,
mir anonyme, ragten vor. Auch gestern waren die Sekundaner nach Verhältniß des Gegenstandes u.
Alters brav ...“ In der Nachschrift heißt es: „... Sie nannten heute Tiedemann“ (der Philosoph Dietrich
T. 1748 – 1803); „haben Sie den vierten Theil über die scholastischen Philosophen zu Hause ...“
Beiliegend ein Briefschluß m. U. (o. O. u. D.), wohl an denselben: „... Ich wünsche dem Lehrer Glück zu
den Schülern; und den Schülern Glück zu dem Lehrer. Man wünschte freilich, man wäre um 25 Jahre
jünger ...“
Nicht bei Berend.
247 RILKE, Rainer Maria, 1875 – 1926. Widmungsexemplar seiner Gedichtsammlung „ L a r e n o p f e r “ . Prag: Dominicus 1896. Kl.-8o. Orig.-Umschlag. Rücken defekt, die letzte Lage
locker. – Erste Ausgabe (W/G2 3, Ritzer E 27).
(1.600.—)
Auf dem Titel Rilkes eigenhändige Widmung „Dem feinsinnigen Dichter, Herrn Ottokar Stauf von der
March, als Zeichen meiner großen Wertschätzung / RenéMaria Rilke“.
248
— E. Br. m. U. O. O. (München), „Hotel Continental“ 27.XII.1907. 11⁄4 S. kl.-4o.
(2.000.—)
An Karl Wo l f s k e h l , dem er einen Besuch von dessen berühmtem Jour fixe absagt.
„... es war meine Absicht, heute zu Ihnen zu kommen, an Ihrem Donnerstag; nun muß ich aber jemanden
Durchreisenden um fünf Uhr sehen, es wird zu spät werden, dann noch in die Römerstraße zu fahren.
Gestern Abend erhielt ich beifolgenden Brief“ (liegt nicht bei). „Sie wissen immer Rath, ich denke mir,
auch in diesem Fall wird Ihnen irgend eine gute Wirkung durch dortige Freunde möglich sein. Die Nachrichten sind traurig und beunruhigend.
Es ist nur ein kleiner Aufschub, den ich noch nehmen muß, Sie wiederzusehen; ich suche sehr bald Gelegenheit dazu ...“
116
I. LITERATUR
249 — Widmungsexemplar: „Die Liebe der Magdalena“. Leipzig: Insel 1912. 8o. Unbeschnitten. Pappband unter Verwendung des Orig.-Umschlags. Stellenweise schwach fleckig. – Erste
Ausgabe (W/G2 30, Ritzer E 64).
(1.200.—)
Auf dem Vortitel die eigenhändige Widmung (Bleistift) für den Maler Leo von K ö n i g und dessen erste
Ehefrau Mathilde, im Monat des Erscheinens geschrieben:
„Leo und Mathilde v. König / in herzlichster Erinnerung: RMRilke / (Schloß D u i n o bei Triest, im März
1912)“.
250 — Widmungsexemplar: „Duineser Elegien“ (Titel eigenh. ergänzt: „1912 – 1922“).
Leipzig: Insel 1923. 8o. Auf Bütten gedruckt. Orig.-Pappband mit Kopffarbschnitt. Leicht
staubfleckig, das vordere Gelenk leicht angeplatzt. – Erste Ausgabe (W/G2 40, Ritzer E 9). (1.200.—)
Auf dem Vortitel Rilkes eigenhändige Widmung an den Lyriker und Übersetzer Ferdinand Hardekopf:
„An / Ferdinand Hardekopf / in herzlicher Erinnerung und Zuwendung: / RMRilke / (Muzot, im Januar
1924)“.
251 RINGELNATZ, Joachim, Pseudonym für Hans Bötticher, 1883 – 1934. 3 eigenhändige
Eintragungen, davon 2 mit Z e i c h n u n g e n , in dem Gästebuch des Leipziger Internisten und
Medizinhistorikers Erich E b s t e i n (1880 – 1931) und seiner Ehefrau Carola geb. Weber,
geführt von 1917 bis 1957. 26 beschriebene Seiten kl.-4o. Lederband (leicht beschabt) mit rotseidenen Vorsätzen, Innenkantenvergoldung und marmoriertem Grünschnitt.
(300.—)
1) 27.XI.1921. „Kuttel Daddeldu kam zu spät u. mußte leider viel zu früh fort. Joachim Ringelnatz.“
2) 12.XI.1922. Bleistiftzeichnung: Ringelnatz, mit Tennisschläger einen „äpfelnden“ Elefanten abwehrend (5,5 × 11,5 cm), Text: „Wir lassen uns nicht beäpfeln. J. Ringelnatz“.
3) 4.XI.1927. E. Namenszug und blattgroße Federzeichnung „Fette Ziege!“, eine Anspielung auf den zum
Abendessen gereichten Ziegenkäse.
Zu erwähnen sind ferner Eintragungen des Sexualforschers Iwan Bloch (23.III.1919: „... zum Tee“), des
Schriftstellers Erich Mühsam (12.VIII.1928 und 6.II.1930: „... alles Nötige in meinen Büchern nachzulesen“), der Puppenkünstlerin Lotte Pritzel (2 Bleistiftzeichnungen, sign. „Puma“, 1929 und 30.III.1930)
und des Verlegers Ernst Rowohlt (25.VI.1918: „... hat wie so oft in besseren Zeiten das Abendbrot mit
Erich Ebstein geteilt“).
117
I. LITERATUR
(Ringelnatz)
252
— Br. m. U. München 20.XII.1927. 1 S. gr.-4o. Mit (defektem) Umschlag.
(200.—)
An die Fabrikantengattin Ida Maria („Fella“) Fuld (1884 – 1975), die in Frankfurt a. M. ein großes Haus
führte und enge Beziehungen zu Künstlern unterhielt.
Dank für eine „liebe und süsse Ueberraschung“. „... Immer hatten wir gehofft, Dich nach dem so überplötzlichen Wiedersehen im Simpl noch einmal bei uns zu begrüssen ... Ich bin selbst allerdings auch viel
auf Reisen gewesen. Aber Muschelkalk triffst Du zumindest immer an. Vom guten Stett“ (ein Frankfurter
Rechtsanwalt) „kriege ich von Zeit zu Zeit lustige und liebe Karten, in denen er immer beteuert, dass er
nun bald sterben würde ...“
Von seiner Ehefrau Leonarda („Muschelkalk“) ebenfalls unterschrieben.
253* ROCHLITZ, Friedrich, 1769 – 1842. E. Br. m. U. „Rochlitz“. Leipzig 23.VIII.1809. 2⁄3 S.
quer-kl.-4o. Mit Siegelrest und Adresse. Etwas fleckig, kleiner Randschaden durch Siegelöffnung.(250.—)
An den Verleger Georg Joachim Göschen in Hohnstädt bei Grimma wegen einer Ansicht von Wien nach
der Schlacht bei Wagram für den „Kriegs-Kalender für gebildete Leser aller Stände“.
„Freundschaftsbriefe, scheint es, beantworten Sie gar nicht mehr; so will ich mich denn an das Geschäft
halten.
Hofr[rat] Böttiger schreibt mir wörtlich: Sagen Sie doch G., er soll unverzüglich an den Major von
Rühle nach Weimar schreiben u. ihn um ein Tableau von Wien nach der Riesenschlacht bey Wagram
bitten, unter Zusage eines guten Honorars, für seinen Kriegskalender. Rühle war hier und G. darf sich
nur auf mich berufen.
Ich wünsche, daß Sie sich so wohl befinden, wie Sie sich neulich bey Ehrhardt zu befinden schienen ...“
„Rühle“: August Rühle von Lilienstern (1780 – 1847), seit 1807 Gouverneur von Herzog Bernhard von
Sachsen-Weimar, den er im Feldzug von 1809 mit dem sächsischen Armeekorps gegen Österreich begleitet
hatte.
Aus der Sammlung Künzel.
254* ROLLAND, Romain, 1866 – 1944. E. Br. m. U. Paris 4.XII.1921. 12⁄3 S. gr.-8o. Mit Umschlag.(250.—)
An Laura Talmage, eine Verehrerin, in New York.
„... Il m’est réconfortant de sentir que mon C l é r a m b a u l t a trouvé le chemin d’autres âmes. Au reste,
j’étais convaincu ... qu’il éveillerait des échos en quelques âmes d’Amérique: car je savais la pureté de
lumière religieuse qui est une élite morale (et, spécialement, féminine) anglo-saxonne. – Ici, malheureusement, la religion se confound trop avec les rites d’un culte officiel, et n’est pas l’élan profond et spontané
de l’âme libre.
Je vous remercie de la bonté que vous avez eue de m’écrire. J’éspère pouvoir, par des oeuvres nouvelles,
compléter le ‘message’ de Clerambault ...“
255 ROSEGGER, Peter, 1843 – 1918. Eigenh. Manuskript mit Namen im Text. (26.II.1895.)
1 S. gr.-8o. Leicht fleckig, kleine Randeinrisse; Falzreste.
(200.—)
„Nachtrag“ zu autobiographischen Angaben, wohl für einen Redakteur bestimmt.
118
I. LITERATUR
„Roseggers Werke umfassen heute im Ganzen 37 Bände. Gegenwärtig arbeitet er an einem grossen
Roman: ‘Das ewige Licht’ ...
Er hat 5 Kinder, 3 Mädchen u. 2 Knaben, wovon der ältere Mediziner Stud. ist, der jüngere sich dem Militär widmen will. ‘So will wenigstens der Eine die Wunden heilen, die der Andere zu schlagen gedenkt’,
sagt der Vater.“ – Am Kopf ein Vermerk des Empfängers.
256* — E. Gedicht m. U. „Rosegger“. 1 S. gr.-8o, kariertes Papier. Kleine Einrisse. (150.—)
„Pflug und Schwert.
Der Pflug und das Schwert sind feindliche Brüder. / Die Wag’ ihrer Siege geht auf und nieder. / Der
hungert nach Brot, der dürstet nach Ruhm. / So jagen sie sich im Kreis herum. / Was ist doch des
Feldes Ehrenzeichen? / Sinds goldige Garben? Sinds blutige Leichen? / O möchte die Menschheit sich
wählen ganz / Zum Ehrenkranz – den Ährenkranz!“
Beiliegend ein eigenh. Vierzeiler m. U. Roseggers (1⁄2 S. 8o, stärker gebräunt, kleine Faltenrisse): „Der
ewigen Frage, / Wer gibt ihr Klarheit: / Ist Narrheit Wahrheit, / Oder ist Wahrheit Narrheit?“
257 ROTH, Eugen, 1895 – 1976. Eigenh. Manuskript mit Namen im Titel. 1923. Titelblatt
und 74 S. folio. In Halbpergament gebunden. (800.—)
„D e r D o m . / Ein Schauspiel in drei Teilen: Tiefe. Tempel. Turm.“ Personen: „Der Meister / Seine
Mutter / Seine Braut / Seine Freunde / Erscheinung des alten Meisters / Bischof / Bürgermeister / Der
Bauführer, der böse Geist / Arbeiter, Bürger, Volk, Kirchendiener, Geisterchöre.“
Vollständiges Manuskript aus früher Zeit, datiert „Sommer 1923“. – Saubere Reinschrift mit wenigen
Korrekturen.
258 RÜCKERT, Friedrich, 1788 – 1866. E. Br. m. U. „Ihr / Rückert“. Neuses 24.X. (1845?).
1 S. quer-8o. Etwas fleckig. Montiert.
(600.—)
An einen befreundeten Verleger, der ihm ein Buch des Schweizer Historikers Johann Heinrich Gelzer
geliehen hatte.
„... Hier der Gelzer, den ich mit viel Vergnügen gelesen habe. Ihn selbst zu überbringen bin ich leider
verhindert durch eine schon bei Ihrem Hirseyn im Keim ... vorhandene, seitdem gewachsene u. noch
nicht gehobne Kränklichkeit, deretwegen ich auf ärztliches Gutachten von Berlin Urlaub ersucht habe,
länger hier zu bleiben. Wie lange? Darüber schreibe ich Ihnen weiter. Gearbeitet hab’ ich unter solchen
Umständen nichts. Senden Sie mir hieher mein Manucr[ipt] zurük, u., wenn Sie mögen, auch den ersten Theil der H a m a s a , der, wie ich glaube, doch nichts für Sie ist ... Meine Frau grüßt mit mir; wir
sprechen viel von Ihnen, was Ihnen nicht zur Schande gereicht …“ – Rückerts arabische Liedsammlung
„Hamasa“ erschien 1846 bei Liesching in Stuttgart.
Beiliegend ein e. Gedicht: „Wenn nur ein Ausflug ist durch griechische Berge die Reise, / Frisch von der
Jugendkraft Leibes und Geistes beschwingt, / Kann nicht freilich begreifen, wie selbst ein kleiner Spazierweg / Eine beschwerliche Fahrt ist dem bedenklichen Greise ...“ – Es folgen zwei weitere Strophen.
Ferner beiliegend eine Quittung m.U (Erlangen 1839); Rückert bestätigt den Erhalt von „Achthundert
Gulden rheinisch als Honorar für die fünfte Auflage des ersten Bandes der gesammelten Gedichte“.
119
I. LITERATUR
„neue sittliche Grundlagen“
259* SACHER-MASOCH, Leopold von, 1836 – 1895. 25 Autographen: 22 e. Br. m. U., 2
Br. m. U. (u. E.) und 1 e. Postkarte m. U. Graz, Salzburg, Bruck, Ecsed, Budapest, Leipzig und
Lindheim 14.I.1866 bis 25.VII.1889. 47 S. meist gr.-8o und die Karte. Einige auf Briefbögen
seiner Zeitschriften. Teilweise etwas unfrisch und mit kleinen Läsuren.
(1.600.—)
An den Verlag F. A. Brockhaus, meist Besprechungen seiner Bücher sowie Artikel und Novellen für die
Zeitschriften des Verlags betreffend.
Graz 14.I.1866. Nach einer „ungerechten“ Kritik seines Romans „Kaunitz“ in den „Blättern für literarische Unterhaltung“. „... Ein geistreicher Kritiker wie Hieronymus Lorm, ein Mann der gerade durch
seine strengen Anforderungen an den Roman bekannt ist und der sehr geachtete und auch nicht mit
Sammet gepolsterte Redacteur der Europa haben ... gerade die durchaus künstlerische Richtung und
die feine Arbeit an demselben hervorgehoben.
Wenn Sie also den Roman eben unter jene Fabriksarbeiten werfen als deren Gegensatz er anerkannt wird
so erlauben Sie mir zu zweifeln daß Sie mehr als den Titel gelesen haben ...“
20.VIII.1867. „... Mit wahrhafter Freude nehme ich Ihren Vorschlag für ‘Unsere Zeit’ einen größeren
Aufsatz über die Ruthenen in Galizien zu schreiben an und werde in demselben ... auch die wenig
bekannte kleinrussische Literatur berühren, eine geschichtliche Skizze verbinden sowie ein entsprechendes statistisches Material, kurz alle Verhältnisse dieses interessanten Volkes objektiv in volksthümlicher
Form beleuchten ...“
Salzburg 19.VI.1870. Bei Übersendung des ersten Teils seines „Novellen Cyclus ‘ D a s Ve r m ä c h t n i ß
K a i n s ‘ “ zur Besprechung. „... Der Titel wird durch den Prolog näher motivirt in welchem zugleich
jene Probleme betont werden deren Lösung in meinem Werke versucht wird; es sind dies eben soviele
Facetten des Menschendaseins ... als das Testament Kains (des Ersten welcher im Kampfe um das
Dasein Blut vergoß) bezeichnet ... In dem Theile über die Liebe schildert ‘Don Juan von Kolomea’ die
gewöhnliche Ehe auf rein sinnlicher Basis, der ‘Capitulant’ die Gemüthsliebe, ‘Mondnacht’ die poetischphantastische, ‘Die Liebe des Plato’ die geistige Liebe, ‘Venus im Pelz’ die Wollust in ihrer vollen Dämonie, die Schlußnovelle ‘Marzella’ giebt neue sittliche Grundlagen für die Ehe in einem Bilde idealen
Eheglückes ...“
Bruck 20.X.1875. Bei Übersendung seines Romans „Die Ideale unserer Zeit“. „... ich ... verkenne
durchaus nicht, daß derselbe mit der politischen Richtung unserer Tage in mannigfachem Widerspruch
steht. Ich habe aber niemals der Mode gehuldigt, sondern unbekümmert um die Anschauungen der Masse
meine ästhetischen und sittlichen Ueberzeugungen verfochten, wie ich diesmal ausschließlich meinem
politischen Gewissen folge ...“
Leipzig 27.III.1885. „... Ich nehme mir die Freiheit der Novelle meines Freundes Baron S e y d l i t z einige
empfehlende Worte beizufügen und Sie zu bitten dieselbe einer Durchsicht zu würdigen ...“
Beiliegend ein eigenh. Manuskript mit Namen am Kopf, 51⁄4 S. gr.-8o; autobiographischer Artikel für das
Brockhaussche Konversationslexikon.
120
I. LITERATUR
Nr. 259 Leopold von Sacher-Masoch
121
I. LITERATUR
(L. v. Sacher-Masoch)
260 — E. Br. m. U. Leipzig 13.IX.1881. 2 S. quer-8o (rosa-farbene Briefkarte). Mit gedrucktem Briefkopf: „Auf der Höhe“. Ein kleiner Fleck.
(200.—)
Als Herausgeber der in diesem Jahr von ihm gegründeten Zeitschrift „Auf der Höhe“ an einen Herrn,
der einen Beitrag angeboten hatte.
„... Vergeben Sie die Rücksendung da wir Gedichte nur ausnahmsweise bringen, wie das von Lingg als
Prolog und aus dem Talmud des kulturhistorischen Momentes wegen … Alle Mitarbeiter erhalten Freiexemplare.“
1883 wurde Sacher-Masoch für die Schulden seines Mitherausgebers haftbar gemacht und war wirtschaftlich ruiniert.
„ma non emigration“
261 SADE, Donatien Alphonse François Marquis de, 1740 – 1814. E. Br. m. U. „ de Sade“.
St.-Ouen, „maison de la Citoyenne quesnet“ 10. Brumaire an 7 (?) (31.X.1798?). 3 S. 4o.
(2.000.—)
Wohl an den Notar Jean Baptiste Quinquin in Avignon, der entschieden gegen die Beschlagnahme seiner Besitztümer vorgehen und ihm Geld verschaffen möge. Der Vorwurf, er sei nach der Revolution
emigriert, der den Vorwand für die Beschlagnahme gegeben hatte, beruhe auf einer Intrige („Ceci n’est
qu’une mechancete dont je suis bien sur qu’in petto vous nommer ... les auteurs“), wofür die Beweise dem
Polizeiminister F o u c h é ) vorlägen.
„... Tous les papiers prouvant la certitude de ma non emigration sont bien exactement dans mes mains,
mais comme ils sont maintenant déposés aux mains du ministre de la police, il seroit impossible que je
pusse vous les envoyer ... J’en enverrai le duplicate à Gauffridi“ (sein Freund und Advokat), „et le prierai de vous en donner avis sur le champ ...
Je vis le Cit. Vesque l’autre jour ... Vous savés que je lui dois mil ecus, et je ne sais comment lui payer,
tachez je vous en conjure de faire reussir a M a z a n une petite vente de 5 ou 6 mils Francs. Vous ne
sauriés ... a quel point vous m’obligeriés ...“
Seit Langem bemühte sich de Sade um den Verkauf des Schlosses Mazan, wo er sein berühmtes Theater
eingerichtet hatte. – Die Schauspielerin Constance Quesnet geb. Renelle war seit 1790 seine Lebensgefährtin.
262 SAND, George, Pseudonym für Aurore Dupin, Baronin Dudevant, 1804 – 1876. E. Br. m. U. (Nohant) 19.II.1857. 1 S. gr.-8o. Mit gesiegeltem und frankiertem Umschlag. (400.—)
An ihren Neffen Oscar Cazamajou, „Négociant à Châtellerault“, dem sie für die Übersendung eines
Kragens dankt.
„Je reçois le col qui est aussi joli que les manches, c’est à dire charmant, de bien bon goût et très bien
brodé. Merci donc à la bonne Herminie“ (dessen Ehefrau) „que j’embrasse de coeur, ainsi que toi, mon
cher enfant. Amitiés de Manceau ...“ – Der Graveur Alexandre Manceau (1817 – 1865) war ihr letzter
Lebensgefährte.
In einer Nachschrift erwähnt sie ihre Kinder. „Maurice et Solange sont à Paris. Y serai-je en Mars? J’en
doute. J’ai tant à travailler ici!“
122
I. LITERATUR
Nr. 261 Marquis de Sade
123
I. LITERATUR
263 SCHILLER, Friedrich, 1759 – 1805. Eigenh. Manuskriptfragment. (1805.) 2 S. quer-4o
(ca. 18,5 × 20,5 cm; alt beschnitten). Graues Konzeptpapier. Leicht fleckig.
(12.000.—)
Abschnitt aus der korrigierten Fassung seiner Übersetzung von Jean Baptiste Racines Trauerspiel
„ P h ä d r a “ , erster Aufzug, dritter Auftritt.
Vorderseite:
(Oenone)
„Das heißt den Göttern trotzen, ist Verrath
Am Gatten, dem du Treue schwurst, Verrath
An deinen Kindern, den unschuldgen Seelen,
Die du in harte Knechtschaft stürzen willst.
Der Tag, der ihre Mutter ihnen raubt,
Bedenk es Königin, er giebt dem Sohn
Der Amazone seine Hofnung wieder,
Dem stolzen Feinde deines Blutes, ihm,
Dem Fremdling, diesem Hippolyt –
Phädra
Ihr Götter!
Oenone
Ergreift die Wahrheit dieses Vorwurfs dich?
Phädra
Unglückliche! Wen hast du jezt genannt?“
Rückseite:
„Phädra
Schon allzulang nährt‘ ich ein schuldvoll Daseyn
Oenone
So klagt dein Herz geheimer Schuld dich an?
Ists ein Verbrechen, das dich also ängstigt?
Du hast doch nicht unschuldig Blut versprüzt?
Phädra
Die Hand ist rein. Wär‘ es mein Herz wie sie!
Oenone
Und welches ungeheure sann dein Herz
Sich aus, das solchen Schauder dir erregt?“
Am 17. Dezember 1804 hatte Schiller auf Wunsch von Herzog Carl August mit der Übersetzung und
Bühnenbearbeitung der „Phädra“ begonnen; abgeschlossen hat er die Arbeit am 14. Januar 1805. Zum
Geburtstag von Carl Augusts Gemahlin, Herzogin Luise, am 30. Januar 1805 fand die Uraufführung am
Weimarer Hoftheater in Schillers Anwesenheit statt.
Mit Abweichungen vom Druck (Nationalausgabe Band 15). – Das Manuskript der „Phädra“ wurde von
den Hinterbliebenen des Dichters in Bruchstücken an Verehrer verschenkt.
124
I. LITERATUR
Nr. 263 Friedrich Schiller
125
I. LITERATUR
(Schiller)
264 — E. Br. m. U. „Schiller“. Dresden 4.IV.1786. 1⁄2 S. 4o; die untere Blatthälfte ist – unterhalb der Unterschrift – abgeschnitten und von alter Hand ergänzt. Fast nur im ergänzten Teil
etwas stockfleckig.
(12.000.—)
An seinen Verleger Georg Joachim G ö s c h e n in Leipzig, bei dem die von ihm herausgegebene Zeitschrift
„Thalia“ mit einem Vorabdruck aus dem erst im nächsten Jahr vollendeten Drama „ D o n C a r l o s “
erschien.
„Guten Morgen lieber Goeschen,
Meinen lezten Transport denke ich werden Sie erhalten haben. Damit beschließe ich das Heft. Sie werden
also den Titel dazu aufsezen. Schiken Sie mir die 2 lezten Bogen vom Karlos sobald sie fertig sind zu.
Ich muß sie nach Mannheim absenden. Einige wichtige Drukfehler machen in diesem Hefte einen Artikel
Errata nothwendig, den ich schiken will sobald ich die noch übrigen Bogen vom Karlos habe. Da Körners
u: Huber auf den nächsten Sontag in Leipzig eintreffen so will ich das übrige biß dahin versparen ...“
Der „lezte Transport“ war eine Ende März abgegangene Manuskriptsendung mit dem Schluß des 2. Aktes,
der im 3. Heft der „Thalia“ erschien. – Seit Herbst 1785, während seines Aufenthaltes bei seinem Freund
Christian Gottfried Körner in Loschwitz, arbeitete Schiller am „Don Carlos“.
Die untere, schon in alter Zeit (1. Hälfte 19. Jh.) abgeschnittene und durch zeitgenössisches Schreibpapier ersetzte Blatthälfte trug eine nicht überlieferte Nachschrift Schillers, von der noch das „NB“ am
linken Rand erhalten ist. – Aus der Sammlung Künzel.
Nationalausgabe Band 24 Nr. 27. – S e h r s e l t e n aus so früher Zeit.
265 — E. Br. m. U. „Dein Sch.“ Weimar 20.II.1804. 2 S. 8o. Leicht gebräunt, winzige Faltenrisse.(12.000.—)
An seinen Freund Christian Gottfried K ö r n e r in Dresden, dem er Nachricht vom Abschluß seines
„Wilhelm Tell“ (am 18. Februar) gibt. Seit dem Mai 1803 hatte Schiller an dem Drama gearbeitet und
zuletzt darüber geklagt, daß die gesellschaftlichen Verpflichtungen, die ihm der ausgedehnte Aufenthalt
der M a d a m e d e S t a ë l („die französische Dame“) in Weimar aufbürdeten, den zügigen Fortgang der
Arbeit behinderten.
„Meine Schwägerin ist angekommen und hat uns mit den Nachrichten von euch große Freude gemacht.
Unsre Zusammenkunft in diesem Jahr (der Ort würde mir keine Differenz machen) wird von einigen
despotischen Umständen abhängen, worunter aber das Geld nicht ist. Erst in einiger Zeit kann ich etwas
darüber entscheiden.
Den Tell bin ich nun los, ihr müßt euch aber noch einige Wochen gedulden, denn ich habe nur Einen
Abschreiber, dem ich das Mscrpt vertrauen darf, und sowohl hier als in Berlin werde ich bis aufs Blut
um eine Abschrift gemahnt, weil es für die Theater Cassen eine sehr große Differenz macht ob man es
vor oder nach Ostern giebt.
Ich will hoffen, daß das Werk gut gerathen ist, aber die französische Dame, die mir hier in der besten
Zeit meines Arbeitens auf dem Halse saß, habe ich tausendmal verwünscht. Die Störung war ganz unerträglich.
Auch ist meine Gesundheit etwas angegriffen, woran auch das Wetter schuld seyn mag ...“
Schillers Schwägerin Caroline v. Wolzogen war von einem mehrmonatigem Aufenthalt in Dresden nach
Weimar zurückgekehrt. – Mit den „despotischen Umständen“ ist die Schwangerschaft seiner Frau Charlotte gemeint, die am 25. Juli mit ihrer jüngsten Tocher Emilie niederkam. Zu der für den Sommer 1804
verabredeten Zusammenkunft mit Körner in Bad Schandau kam es nicht; die Freunde sahen einander
nicht mehr.
Nationalausgabe Band 32 Nr. 133 (mit kleinen Abweichungen nach älteren Drucken; Verbleib des Autographs unbekannt).
126
I. LITERATUR
Nr. 265 Friedrich Schiller
127
I. LITERATUR
(Schiller)
266* — WOLZOGEN, Karoline Freifrau von, geb. von Lengefeld, Schriftstellerin; seine
Schwägerin, 1763 – 1847. E. Br. m. U. „CWolzogen“. Jena 28.VIII.o. J. 1 S. 8o. Mit Siegelrest
und Adresse. Etwas gebräunt. An der Siegelstelle leicht defekt.
(250.—)
An „Doctor Brück / aus Osnabrück / gegenwärtig / in Weimar / im Elephanten“.
„... Ich sende Ihnen hier den Brief an Herders Schwester, u. hoffe Sie sind wohl u. zufrieden von Rudolstadt angekommen. / Den Meinen in Osnabrück sagen Sie die herzlichsten Grüße, u. ich würde nächstens
Schreiben. Allen Seegen zu Ihren ferneren Plänen ...“
267* SCHLEGEL, August Wilhelm von, 1767 – 1845. E. Br. m. U. Braunschweig 12.II.1796.
3 S. 8o. (400.—)
An den Leipziger Verleger von W. G. Beckers Zeitschrift „Erholungen“, dem er eine Übersetzung von
Mary Wollstonecrafts Skandinavischen Briefen anbietet.
„... Man schreibt mir aus England von den eben erschienenen Reisen der Mrs. Mary Woolstoncraft durch
Schweden, Norwegen und Dänemark, als von einem lehrreichen und unterhaltenden Buche. Sie ist in
Deutschland als Verfasserin mehrerer interessanter Werke, worunter die Rechte der Frauen gehören,
bekannt ... Ich habe also geglaubt, ein Übersetzer würde seine Mühe, und ein Verleger seine Kosten nicht
dabey verlieren ...“
Im Falle der Annahme sei er zu allem bereit, „was von einer Übersetzung gefordert werden kann; auch
Abkürzungen im Fall sich weniger anziehende Gegenstände oder Raisonnements eingeschlichen haben
sollten ...“
In Beckers neuer Zeitschrift erschienen damals Teile von Schlegels Dante-Übersetzung. – In Braunschweig verlobte sich Schlegel um diese Zeit mit Karoline Böhmer geb. Michaelis, die hier bei ihrer Mutter
lebte; nach der Heirat Anfang Juli zog das Paar nach Jena.
S e h r s e l t e n so früh. – Beiliegend sein Portrait in Kupferstich (G. Zumpe sc.).
„über geistliche Poesie und christliche Dichtkunst“
268* SCHLEGEL, Friedrich von, 1772 – 1829. Eigenh. Manuskript. 4 S. 4o. Leichte Lichtränder, etwas braunfleckig.
(800.—)
Die erste Hälfte seiner „Vorrede“ zu Johann Peter Silberts „Dom heiliger Sänger, oder fromme Gesänge
der Vorzeit“ (Wien und Prag, Haas 1820). Beginnt:
„Nachdem die früheren dichterischen Arbeiten und Uebersetzungen des Verfassers schon so vielen werth
und lieb geworden sind, darf sich gewiß die gegenwärtige reiche Sammlung um so mehr eine günstige
Aufnahme und viele Freunde versprechen.
Mit der mannichfaltigsten Auswahl sind zu diesem Chor des geistlichen Gesanges die Stimmen aller Jahrhunderte und der verschiedensten Nationen der christlichen Zeit vereinigt; von den Kirchenvätern, d.
heil. Ambrosius u Gregorius von Nazianz, und den großen geistlichen Lehrern des Mittelalters, dem seel.
Petrus Damianus, heil. Bonaventura, Thomas a Kempes, der heil. Gertrudis, bis zu den als Gelehrten
berühmten Bolde, Vida, Erasmus und Sarbievius, und den von heiliger Liebe begeisterten Gesängen
des Johannes a Cruce, und seel. Liguori, sind hier die Stücke, aus dem Griechischen, Lateinischen,
Italienischen, Spanischen, Altfranzösischen, übersetzt und in einer angemessenen Stufenreihe von fünf
Büchern, wie ein herrliches Monument liebevoller Begeisterung und geistlicher Dichtkunst zusammengestellt. Indem ich es aber dem Leser ... überlassen muß, bey so großer Mannichfaltigkeit in das Einzelne
128
I. LITERATUR
einzugehen; finde ich es ... an der Zeit, über geistliche Poesie und christliche Dichtkunst überhaupt
Einiges zu sagen ...
Wenn wir ... mit ganzem Ernste nach dem erhabenen Ziele der christlichen Vollkommenheit streben,
... so müssen alle natürlichen Anlagen und wesentlichen Eigenschaften, die im Menschen liegen, auf
dieses Eine Ziel gerichtet ... werden ... Gehören aber nicht unstreitig auch Gefühl u Fantasie, welche
eben die aesthetische Seite des Menschen bilden, mit zu den wesentlichen Eigenschaften ... der menschlichen Natur? Auch sie müssen, und zwar nach christlichen Grundsätzen u Begriffen, zur christlichen
Vollkommenheit gebildet werden ...“ – Mit Streichungen und Zusätzen.
Der vorliegende Text entspricht im Großen dem Druck der Originalausgabe bis Seite VIII Zeile 22 (aber
z. B. „gewöhnlich“ statt „gottähnlich“).
Silbert (1777 – 1844) machte sich als Verfasser von asketischen und erbaulichen Schriften sowie als Übersetzer einen Namen.
269 — E. Schriftstück, mit dreimaligem e. Namenszug „Hrn. v. Schlegel“ im Text. Wien
17.XI.1815. 1 S. quer-4o. (300.—)
Wohl für Johann Gottlieb Heubner, Inhaber des Verlags Camesina in Wien, vorbereitete Erklärung.
„Ich bescheinige hiedurch, daß ich Hrn. v. Schlegel in Betreff unsrer Abrechnung über das Deutsche
Museum vom Jahre 1813 noch über 344 fl. Conventionsgeld Rechnung abzulegen schuldig bin, welche
Rechnung ich nebst meiner GegenRechnung aus dem Ueberschuß von der Abrechnung des Jahres 1812,
und an seitdem gehabten Auslagen an Porto u.s.w. wie auch an gelieferten Büchern, baldmöglichst ausfertigen und Hrn. v. Schlegel übersenden werde. Was Hrn. v. Schlegel etwa an obbenannter Summe nach
Abzug meiner Gegenrechnung noch zu Gute kommen sollte, verspreche ich spätestens bis zur kommenden
Leipziger Jubilate Messe 1816 zu berichtigen ...“
Die von Schlegel herausgegebene Zeitschrift „Deutsches Museum“ war 1812/1813 in vier Bänden bei
Camesina erschienen.
270 SCHNITZLER, Arthur, 1862 – 1931. Widmungsexemplar seiner ersten Buchveröffentlichung: „Anatol“. Berlin: Verlag des Bibliographischen Bureaus 1893. 8o. Blauer Maroquinband mit goldgeprägtem Deckel- und Rückentitel, Blauschnitt und Lesebändchen; Orig.Interimsumschlag eingebunden. Stellenweise leicht stockfleckig, so auch das Titelblatt. – Erste
Ausgabe (W/G2 1).
(600.—)
Auf dem Titel Schnitzlers eigenhändige Widmung „Herrn Otto Julius B i e r b a u m / in herzlicher Verehrung / ArthurSchn“.
Dem Schauspiel ist eine Einleitung von „Loris“ (d. i. Hugo von Hofmannsthal) vorangestellt. – Die erste
Szene, „Die Frage an das Schicksal“, trug Schnitzler den ehrenden Titel „Psychologischer Tiefenforscher“ durch Sigmund Freud ein. 271 — Widmungsexemplar seiner Novelle „Fräulein Else“. Berlin, Wien, Leipzig: Paul
Zsolnay 1924. 8o. Orig.-Pappband mit (leicht lädiertem) Schutzumschlag. – 12.– 25. Tsd., im
Jahr der ersten Ausgabe.
(250.—)
Auf dem Vortitel Schnitzlers eigenhändige Widmung an „Frau Annie ... mit herzlichsten Neujahrswünschen u. -grüßen 1925 / immer der alte, / Arthur Schnitzler“.
129
I. LITERATUR
272 SCHÜTZ, Wilhelm von, 1776 – 1847. E. Br. m. U. Tübingen 2.I.1819. 2 S. 8o. Leicht
gebräunt.(150.—)
An seinen Verleger bei der Übersendung von Korrektur.
„... Gleichzeitig mit Ihrem Briefe fand ich einen von A d a m M ü l l e r nebst einem neuen Heft der Staatsanzeigen, die 6 Monat geruhet hatten, vor, und in diesem die Abhandlung abgedrukt deren ich gegen Sie
Erwähnung gethan ...“
Aus der Sammlung Künzel. – Beiliegend ein weiterer e. Br. m. U., 1808, in amtlichen Angelegenheiten,
sowie ein e. Brieffragment m. U., 1833.
273 SCHWAB, Gustav, 1792 – 1850. E. Br. m. U. St(uttgart) 7.IV.1842. 1 S. gr.-8o. Rosafarbenes Briefpapier (minimal fleckig).
(200.—)
An einen Freund, dem er „Mittheilung, Brief und Buch“ dankt.
Der Dank „soll, so Gott will, mit eintretendem Frühling von mir mündlich bei dir wiederholt werden, wo
ich mich freue, dich in den Blüthen deines Gartens zu besuchen und deiner lieben Frau meine Verehrung
zu bringen. Deine verehrte Frau Schwiegermutter hat meiner Frau die Ehre und Freude Ihres Besuches
gegönnt ...“
274* SCOTT, Sir Walter, 1771 – 1832. E. Br. m. U. Poststempel: Abbotsford 23.X.1825(?) 2⁄3 S.
4o. Mit Siegel und Adresse. Minimal fleckig.
(150.—)
An den schottischen Balladensammler Peter Buchan, der ihm ein Werk widmen wollte.
„... I am sorry I must decline the honour of dedication which you propose for me for having declined
something of the same kind lately. I cannot with civility to others accept your offer. I will willingly be a
subscriber for two copies of that work ...“
275* SHAW, George Bernard, 1856 – 1950. Grußkarte mit eigenh. Zusatz, Unterschrift
„GBS“ und Datum „Ayot St. Lawrence. Welwyn. Herts. 22/6/25“. 1 S. quer-32o. Aufgezogen.
(250.—)
(An seine Nichte, Miss Ethel Shaw in London,) die ihn um ein Geldgeschenk für eine Frankreich-Reise
gebeten hatte. Statt des Geldes kam dieser „gute Rat“: „Why not stay there and marry a Frenchman?“
Beiliegend ein e. Adreßblatt an dieselbe, ebenfalls aufgezogen, sowie mehrere Photographien Shaws.
276 SHERIDAN, Richard Brinsley, 1751 – 1816. E. Br. m. U. O. O. 30.IX. o. J. (wohl nach
1780). 1 S. gr.-8o. Leicht gebräunt und fleckig. Etwas knittrig. Kleine Rand- und Faltenschäden.(300.—)
An einen Mr. Knight, wohl aus seinem Wahlkreis Stafford, den er seiner Unterstützung versichert. – 1780
zog Sheridan erstmals für die Whigs ins Parlament ein, während seiner anschließenden Karriere bekleidete er u. a. das Amt des Finanz- und des Marineministers.
130
I. LITERATUR
„... I this day find a third communication to me from the commander in chief’s office, and that it appears
to me that you have one perservering enemy[.] I have yet no doubt of succeeding, or that you will at least
obtain an honourable equivalent – for there never was a case of clearer justice [.] I will bring the paper
with me ... I shall be at Stafford to Dinner on Friday“.
„ich melde Konkurs an“
277 SILBERGLEIT, Arthur, 1881 – 1943 (in Auschwitz ermordet). 4 e. Br. m. U. Berlin 6.VI.
(1.200.—)
1935 bis 17.X.1936. 11 S. gr.-8o. 2 Briefe gebräunt, kleine Randläsuren.
An Fritz Segall über seine materielle Not; zunächst wegen der Veröffentlichung seines Gedichtbandes
„ D e r e w i g e Ta g “ , der, unterstützt von der Künstlerhilfe der jüdischen Gemeinde, 1935 im Verlag
Berthold Levy erschien.
17.VIII.1935. „... Am 21. Juni erfreuten Sie mich sehr durch Ihre grundsätzliche Zusage, das Büchlein
zu veröffentlichen ... Trotz meiner außerordentlichen Bedrängnisse, aus denen ich durch eigene Arbeit,
nicht durch überdies schwer eintreibbare Almosen ... die Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde zu
entlasten hoffte, erlaubte ich mir nach sechs Wochen eine Anfrage bei der Künstlerhilfe nach dem Stand
des Projektes ... Ich weiß sehr wohl, daß Sie an behördliche Vorschriften gebunden sind, glaubte aber
diese bereits überwunden, zumal da ich kaum als Lyriker, der eine Blume oder den Himmel besingt, eine
thematische Anfechtung erfahren dürfte ...“
27.XII.1935. „... Es ist mir leider ein schmerzliches Bewußtsein, daß ich noch immer ein Sorgenkind der
Künstlerhilfe bleiben muß, aber Sie wissen ja alles genau und vielleicht auch einen neuen Ausweg aus
alter Not. Vielleicht wird er das Versbändchen? Eben weil ich Ihr Allerheiligstes erst betrete, wenn ich
gerufen werde, bitte ich Sie diesen Herzensanruf (machtvoller als mein falsch geblasenes Schofarhorn
im Gedicht ‘Versöhnungsfest’) nicht zu überhören ...“
17.X.1936. „... Sie werden verstehen, daß ich mit einer Gesamtunterstützung von 50 Mk nicht einmal
meine Miete ... decke. Dazu leiste ich mir den Luxus eines ganz prosaischen Magens, keines poetischen
Astralleibes, der mit Lobgesängen nicht zu sättigen ist. Man soll mich nicht zu Tode loben, man soll lieber
auf mich schimpfen und mich in bescheidensten Formen leben lassen.
... Meine Lebensstrophe wird eine Katastrophe: am 1. Januar heißt es (höchstwahrscheinlich): raus
aus der ‘Künstler’-Kolonie. Noch haben wir keine neue Bude ... Kurz gesagt: ich melde Konkurs an. Als
Masse sind vorhanden 10 Papierkragen und 10.000 Gedichte ..“
Sehr selten.
278* STOLBERG, Christian Graf zu, 1748 – 1821. E. Stammbuchblatt m. U. Neuenburg
25.XI.1788. 2 S. quer – 16o. Umlaufender Goldschnitt. Nadelspuren am Kopf.
(600.—)
Gedicht auf den Tod seiner Schwägerin Agnes geb. v. Witzleben (am 15.XI.1788), für deren Schwester
Tina geschrieben.
„Heilige Bande fesseln uns ewig! Bande des tiefsten
Seelenschmerzes der nun, Tina, das Herz uns zermalmt,
Aber auch Bande schöner Wonne; bald wird uns die Schwester,
Sie der die Thräne nun fließt, jenseit der Gräber, auch uns,
Ihren Himmel im Engelauge, mit Armen der Liebe,
Ihrer Lieb’! o auch uns, segnend empfangen am Ziel!
Laß uns indess erheben die weinenden Blicke, laß Trost uns
Flehen, göttlichen Trost für den Verlassnen und uns!“
131
I. LITERATUR
„Allerliebst”
279 STORM, Theodor, 1817 – 1888. E. Br. m. U. Husum 4.XI.1877. 31⁄4 S. gr.-8o. Liniiertes
Papier. Die vierte Seite mit Montagespur.
(800.—)
Freundschaftlicher Brief an eine junge Dame, eine „würdige Schülerin“ des Scherenschnitt-Künstlers
Paul K o n e w k a , die ihm einige „Schatten“ zu seinen Werken übersandt hatte.
„... Ganz besonders anmuthig finde ich überall das Blumen- und Rankenwerk; der Veilchenstrauß auf
dem ‘die zierliche Kleine’ tanzt, ist ja an sich ein kleines Meisterwerk. Das Mädchen am Waldesrand ist
mir etwas zu hochschulterig, sonst gefällt sie mir wohl; das Harfenmädchen aus I m m e n s e e muß aber
nothwendig eine geschmeidige feine Gestalt sein; das ‘Sie war doch stets ein wildes Kind’ gefällt mir wohl,
nur das Profil! Ich glaube es liegt wesentlich an dem Kinn, das hier, wie bei der Harfnerin zu lang ist ...
Allerliebst ist der ‘ k l e i n e H ä v e l m a n n ’ , wenn er auch jetzt nicht eben allzusehr an sein Urbild, den
Hünen und Referendar Ernst Storm“ (sein zweiter Sohn) „erinnert ... Hübsch und lebendig ist auch
die schreitende Gestalt ‘Entfärben ließt Du Dein blondes Haar’ ... ‘Das Blatt aus sommerlichen Tagen’
scheint mir etwas gewagt; ich glaube kaum, daß es darstellbar ist, obgleich man so etwas freilich niemals
sagen sollte. Uebrigens hat gleichwohl Ihre schwere sinnende Männergestalt etwas Anziehendes ...“
Ferner mit der Erwähnung der Münchener Malerin Hermione („Hermine“) von Preuschen, seiner
„80jährigen, noch sehr frischen, Mutter“ sowie seiner Töchter Dodo und Lisbeth.
280
— E. Gedicht m. U. O. O. u. D. 2⁄3 S. quer-8o.(350.—)
„Dunkle Cypressen –
Die Welt ist gar zu lustig;
Es wird doch alles vergessen.
ThStorm“.
Das letzte seiner 1875 entstandenen „Frauen-Ritornelle“.
281* STRINDBERG, August, 1849 – 1912. E. Br. m. U. Stockholm 16.I.1901. 3 S. 8o. Falzrest
auf der vierten Seite. (1.200.—)
Wohl an Emil S c h e r i n g , seinen deutschen Übersetzer und Herausgeber der „Gesammelten Werke“, an
den er einen Brief des „Radaumannes“ Brausewetter weiterleitet.
„... Härmed ett bref från B r a u s e w e t t e r (Peder Sunnanväder) påminnande om Rabalderman. Jag
öfverlemnar åt Er att häftigt besvara det efter omständigheterna.
K a s p e r s F e t t i s d a g får icke tryckas; förtjenar det icke; icke heller spelas i Tyskland.
Jag ber Eder sända mig svenska manuskriftet af D ö d s d a n s e n I , när ni slutat övfersätta och I I
( Va m p y r e n ) när den är färdig.
Och så detta: Af skäl som äro för långa relatera ville jag lemna Sverge på en månad. Skulle vilja sitta
så incognito som möjligt i Charlottenburg, utan att ‚hänga mig på‘ Er. Frågas: stör min närvaro Er? …
Nu går C a r l X I I ! ...“
(„... Anbei ein Brief von B r a u s e w e t t e r (Peder Sunnanväder), an den Radaumann erinnernd. Ich
überlasse es Ihnen, ihn unter den gegebenen Umständen scharf zu beantworten.
K a s p e r s F a s t n a c h t darf nicht gedruckt werden; verdient es nicht; auch nicht in Deutschland gespielt
zu werden.
132
I. LITERATUR
Nr. 281 August Strindberg
133
I. LITERATUR
(Strindberg)
Ich bitte Sie, mir das schwedische Manuskript vom T o t e n t a n z I zu senden, wenn Sie die Übersetzung
beendet haben, und I I ( D e r Va m p i r ) wenn diese fertig ist.
Und dann dies: Aus Gründen, deren Zusammenhang zu schildern hier zu lange dauern würde, möchte
ich Schweden für einen Monat verlassen. Möchte so incognito wie möglich in Charlottenburg sitzen, ohne
‚mich an Sie zu hängen‘. Eine Frage: Stört Sie meine Anwesenheit? …
Jetzt geht Carl XII! ...“)
Ernst Brausewetter hatte einige Werke Strindbergs übersetzt, sich aber kritisch über dessen Frauenbild
und den „subjektiven“ Naturalismus geäußert, weshalb es bereits 1892 zum Bruch zwischen Autor und
Übersetzer gekommen war. Strindberg nennt ihn hier - wie auch in anderen Briefen - einen „Rabalderman“ und in Parenthese zweideutig „Peder Sunnanväder“. Letzteres ist eine Anspielung auf den Bischof
Peder Jakobson, der 1527 als Rebell gegen König Gustav Vasa hingerichtet worden war und in der „Peder
Svarts krönika“ abfällig Peder Sunnanväder genannt wird; Strindberg verarbeitete den Stoff in mehreren
seiner Werke, u. a. in „Mäster Olof“ und „Svenska folket II“.
In „August Strindbergs brev“ (Bonniers, 1858 – 1912) n i c h t g e d r u c k t .
282* — E. Briefentwurf (Fragment). 2⁄3 S. 8o. Mit 2 Korrekturen von fremder Hand. Etwas
gebräunt, minimal fleckig.
(250.—)
An das „Bibliographische Bureau, / Berlin“, das 1893 die deutsche Ausgabe seines Erinnerungsbandes
„Die Beichte eines Toren“ („En Dares Försvarstal“) verlegte.
„Die Vergangenheit eines Thoren giebt in drei Volumen die ganze Entwickelungsgeschichte der Seele,
welche wir in der Beichte getroffen haben. Mit schamloser“ (von fremder Hand geändert in „rücksichtsloser“) „Offenheit schildert der Verfasser seine Kindheit, seine bewegte Jugend und seine stürmische erste
Liebe“ (der Entwurf bricht hier ab; das letzte Wort stammt ebenfalls von fremder Hand).
283* SUDERMANN, Hermann, 1857 – 1928. E. Br. m. U. Nervi 14.II.1927. 31⁄2 S. 4o. Leicht
gebräunt. Lochung ausgerissen.
(180.—)
An Heinz Saltenburg, Intendant des Deutschen Künstlertheaters in Berlin, der eines seiner Stücke aufführen wollte.
„... Sie kennen die Entwicklung unseres Theaterlebens viel zu gut, als daß ich Ihnen auseinandersetzen müßte, in welcher kuriosen Zwangslage gerade ich mich befinde. Wenn ich wieder auf einer ersten
Berliner Bühne erscheine, dann muß es in bester Form und zu bester Zeit geschehen, oder ich bleibe ihr
fern wie bisher.
Für einen Festaufführungstermin mit We g e n e r können Sie leider ebensowenig eine Gewähr übernehmen wie vorher mit B a s s e r m a n n , mir aber widerstrebt es, über die Leiche eines hoffnungsvollen
jungen Kollegen hinweg die Bühne zu beschreiten ... Es liegt schon drei Jahre und ist nicht schimmlig
geworden, es kann auch noch länger liegen ...“ – Erwähnt sein Stück „Hasenfellhändler“.
134
I. LITERATUR
284* THOMA, Ludwig, 1867 – 1921. E. Br. m. U. Rottach 12.XI.1917. 4 S. gr.-8o. Kleinere
Läsuren.(150.—)
An einen Redakteur, dem er eine „Stelle über die Bauern in meiner Rede vom 10. des Monats“ mitteilt.
„... ‘Es wird immer so dargestellt, als sei es das unvergeßliche Verdienst Bethmann-Hollwegs, daß sich
die Sozialdemokratie an der Vertheidigung des Vaterlandes rückhaltlos beteiligt hat. / Das ist nicht wahr,
und das wissen wir anders. / Am 1. August 1914 hat der Arbeiter die Vermittlung des Kanzlers nicht
gebraucht, er hat Niemand gebraucht, der ihm das erst gesagt hätte, daß es ums Ganze gehe, und daß
seine Wohlfahrt, seine Ziele, seine gehobene Stellung mit dem Lande zu Grunde gehen müßten. Es ist das
unvergeßliche Verdienst der Arbeiter, daß sie keinen Augenblick an Partei und andere Dinge gedacht
haben ...“
Am 10. November hatte in der Münchener Tonhalle eine Kundgebung der am 2. September gegründeten
Deutschen Vaterlandspartei stattgefunden; Ludwig Thoma zählte zu deren maßgeblichen Unterstützern.
285 TIECK, Ludwig, 1773 – 1853. E. Br. m. U. O. O. u. D. 1⁄2 S. gr.-4o. Leicht gebräunt.
Schwach fleckig.
(200.—)
„Leider geehrter Freund muß ich Ihnen in disem Punkt meine völlige Unwissenheit eingestehn. Ich habe
die Sache praktisch, ohne Anweisung gelernt. / Es thut mir leid Ihnen nicht helfen zu können auch bin
ich über meine Unwissenheit leicht beschämt, u. werde mich nun selbst unterrichten. / – Verzeihen Sie
ausserdem meine große Eil ...“
286 — Eigenh. Manuskript. 2 S. 4o. Linker Rand beschnitten. Spuren alter Heftung. Leicht
fleckig.(300.—)
Aus dem ersten Teil seines 1804 erschienenen Lustspiels „ K a i s e r O c t a v i a n u s “ . – Beginnt:
„Mir deucht, ich sah noch nie solch lieblich Thal,
Das klare Wasser und der grüne Plan,
Die sanften Hügel und der blanke Himmel,
Der Bäume Flispern und die Einsamkeit,
Sie machen mir mein Herz so froh beklommen.
Wie schön ist Gottes Welt! - So hab‘ ich oft
Geträumt, mir in der Jugend oft gewünscht,
An solchem abgelegnen Platz im Wald
Zu sein, recht plözlich ohne Menschen, Freunde,
Zu fühlen recht, was Einsamkeit bedeutet ...“
Es folgen 38 weitere Zeilen.
287 TOLSTOI, Leo Graf, 1828 – 1910. E. Visitenkarte mit Namenszug und Datum. O. O.
1.III.1910. 6,4 × 10 cm. Verso am Oberrand kleiner Montagerest.
(300.—)
„Leo Tolstoy / 1 März 1910“.
135
I. LITERATUR
„weil der Mensch für sein Tun nicht zur Verantwortung gezogen werden kann“
288* TRAVEN, B. (Ret Marut), † 1969. Br. m. U. „M.“ München 27.VIII.1918. 13⁄4 S. gr.4o. Gedruckter Briefkopf „Ret Marut / Mitgl. d. Schutzverbandes deutscher Schriftsteller“.
Schwach fleckig, ein Eckchen abgeschnitten.
(5.000.—)
Essayhafter Brief an den Heilpädagogen Max K i r m s s e (1877 – 1946) in Idstein bei Übersendung seiner
Erzählung „ D i e K l o s t e r f r a u “ , deren eigentliches Thema die Vererbung von Geistesanlagen bilde.
„... das Thema natürlich ist so umfassend, dass es eigentlich das gesamte Geistesleben des Menschen
in sich schliesst. Alle Handlungen des Menschen haben im Geistigen ihren Ursprung. Dieser geistige
Ursprung ist jedoch häufig nicht leicht festzustellen. Wenn z. B. ein Mensch aus Hunger einen Mord
begeht, so ist in diesem Falle der Hunger wohl eine Triebkraft im augenscheinlichen Sinne, streng genommen aber doch nur eine Kraft, die verhindert hat, dass das Geistige vorherrschend bleiben kann. Im
Extrem betrachtet: Der Hunger hat das Geistige vorher erdrosselt ... Ob nun der Geist oder die Materie
stärker sind, hängt zum Teil ... von der Erziehung, von der Umgebung und von den Lebensverhältnissen
ab. Aber ob nicht überhaupt alles, was der Mensch denkt und handelt, letzten Endes seine Urtriebkraft
in der Vererbung findet, das wäre die Frage, die untersucht werden müsste, aber kaum jemals auch nur
annähernd beantwortet werden könnte ..., weil die Erbgüter tausend, ja dreitausend Jahre zurückliegen
können ... wenn ich nachweisen kann, dass eine Charakter-Eigenschaft (die gröbste geistige Eigenschaft) vom Grossvater auf den Enkel vererbt wurde ... so hindert mich nichts, anzunehmen, dass die
Vererbung auch vom Urururgrossvater möglich ist; denn woher hatte die Eigenschaft denn der Grossvater? Doch auch nur von einem früheren Vorfahren. Häufig, sehr häufig sogar, geht die geistige Vererbung
nicht in gerader Linie vor sich, sondern von Tante auf Neffen, von Onkel auf Nichte, weil die Erbgüter
ja nicht nur im einzelnen Gliede einer Familie sind, sondern in der ganzen Familie. Schon durch diese
Kreuzsprünge in der eigenen Familie, wie durch Kindesunterschiebungen, durch einseitigen oder beiderseitigen Ehebruch usw. kann man mit unsern heutigen wissenschaftlichen Mitteln die Vererbung nicht
sehr lange zurück führen. Es ist überhaupt jede Bestrafung eines Verbrechens oder Vergehens ein Irrtum,
denn die wirkliche Verantwortlichkeit des Individuums für seine Handlungen ist nicht nachweisbar. Sie
kann nicht nachweisbar sein, weil der Mensch für sein Tun nicht zur Verantwortung gezogen werden
kann. Wir reden uns das ein und Kirche, Gesetzgeber und Erzieher wollen uns davon überzeugen und
müssen uns wohl auch davon überzeugen, weil sonst das Zusammenleben der Menschen, so wie es heute
vor sich geht, nicht mehr möglich wäre. Ob die Form dieses Zusammenlebens nun überhaupt verdient,
gründlich zerstört zu werden, soll in diesem Zusammenhang nicht erörtert werden.
So stark, wie in der vorliegenden Arbeit, werden Vererbungs-Merkmale freilich nur sehr selten zu Tage
treten ... An diesem Beispiele sollte nur gezeigt werden, dass jede Handlung ihr erstes Motiv völlig
verborgen hält, dass aber jede Handlung erklärbar wäre, wenn wir die ganze Reihe der verschiedenen
Motive kennen würden. Denn es geschieht keine Handlung, die nur ein Motiv hätte ... Warum nicht jeder
bei gleichem äusseren Anlass ... die gleiche Handlung begeht, hat seine Ursache in den mehr oder weniger
stark entwickelten Hemmungswiderständen ... Warum aber nicht bei jedem Menschen die Hemmungswiderstände gleich entwickelt sind, diese Frage lassen Juristen und Kirche offen. Hier aber müsste die
Antwort erst anfangen. Dass wir nicht hier schon die Antwort beginnen lassen, ist ja eben unsere Ungerechtigkeit gegenüber unsern Mitmenschen, eine Ungerechtigkeit freilich, die teils aus Gedankenlosigkeit
entspringt, teils daher rührt, weil wir gezwungenermassen darauf eingestellt wurden, alles, wofür [wir]
nicht sofort eine billige Erklärung fanden, als göttliche Vorsehung zu betrachten ...“
Der Brief ist zusammen mit dem Erstdruck der Erzählung (Westermanns Monatshefte Band 123, Heft
738, 1918, S. 689-698) in einen vom Empfänger beschrifteten Umschlag geheftet; am Kopf der ersten Seite
dessen Vermerk „M. Kirmsse Geschenk des Verfassers. 1918“. Auf einem weiteren Blatt ist ein in demselben Heft (S. 720) erschienenes „Begleitwort“ Ret Maruts mit kommentierenden Zeilen von Kirmsses
Hand aufgeklebt.
Autographen Travens aus seiner Zeit als Ret Marut sind im Handel v o n g r ö ß t e r S e l t e n h e i t .
136
I. LITERATUR
Nr. 288 B. Traven
137
I. LITERATUR
289* VOLTAIRE, François-Marie Arouet, genannt, 1694 – 1778. Eigenh. Gedicht. 3⁄4 S. gr.-8o.
Leicht gebräunt und lichtrandig.
(2.500.—)
Frühes Gedicht an seinen Freund Nicolas Claude Thieriot.
„Le Dieu des bons vers m’a quitté
pour aller dans ta solitude
et pour comble d’inquietude.
Helas L’amour seul m’est resté.
Ce feu qu’en mon coeur il allume
me cause un plus cruel tourment
que la flame qui te consume
et que tu peins si noblement
Mais sans rien dire, je m’aprete
a me détacher de son char
je quitte ma maitresse; car
elle m’a trop tourné la tete.“
Am Kopf von zeitgenössischer Hand bezeichnet „a M. Thieriot“.
Eine vierstrophige, in der zweiten (bzw. dritten) Strophe stark abweichende Fassung des Gedichts bildet
den Anfang eines um 1720 geschriebenen Briefes von Voltaire an Thieriot (s. Besterman D 88).
Mit dem Schriftsteller Nicolas Claude Thieriot (1697 – 1772) war Voltaires ein Leben lang befreundet, seit
sie sich 1714 als Gehilfen des Advokaten Alain kennengelernt hatten; 1736 verschaffte er ihm bei dem
damaligen Kronprinzen Friedrich von Preußen das Amt eines literarischen Berichterstatters. VoltaireBiographen zeichnen von Thierot gewöhnlich das Bild eines charakterschwachen Menschen und bloßen
Faktotums, während Voltaire selbst ihn schätzte als „l’homme de Paris qui aime le plus sincèrement la
littérature et qui a le goût le plus épuré“ (Brief an E.N. Damilaville vom 19.XI.1760, Besterman D 9414).
Beiliegend sein gestochenes Portrait (P. G. Langlois nach De la Tour; Ränder fleckig).
290 WALSER, Robert, 1878 – 1956. Signiertes Exemplar: „Gedichte von Robert Walser / Mit
Radierungen von Karl Walser“. Berlin: Bruno Cassirer (1909). 4o. Orig. illustrierter Pappband
(leicht berieben, hinteres Gelenk geplatzt). Leicht stockfleckig. – Erste Ausgabe (W/G2 4). (800.—)
Von Robert und Karl Walser signiertes Exemplar Nr. 154 (von 300).
291 — Signiertes Exemplar: „Kleine Dichtungen“. Leipzig: Kurt Wolff 1914. 8o. Orig.Pappband mit vergoldetem Deckel- und Rückentitel. Kleine Fehlstelle am Rücken. Auf dem
vorderen Spiegel das von Carl Otto Czeschka geschaffene Exlibris Martha Hane. – Erste Ausgabe (W/G2 8); hergestellt für den Frauenbund zur Ehrung rheinländischer Dichter. (600.—)
Auf dem Vortitel von Walser signiert.
138
I. LITERATUR
Nr. 289 Voltaire
139
I. LITERATUR
(Robert Walser)
292 — Widmungsexemplar: „Poetenleben“. Frauenfeld und Leipzig: Huber & Co. 1918. 8o.
Orig. illustrierter Halbleinenband. Leicht berieben, Gelenke gelockert. – Erste Ausgabe (W/G2
12).(1.200.—)
Auf dem vorderen Vorsatz Walsers eigenhändige Widmung „Herrn H e r m a n n H e s s e mit freundlichem Gruß / Robert Walser“.
Beiliegend ein Zeitungsartikel Hesses über dieses Buch (Ausschnitt aus der NZZ vom November 1918).
„eine kleine bescheidene literarische Neuerdingsigkeit“
293* — E. Br. m. U. Bern, „Elfenauweg 41I“ (Ende 1925 / Frühjahr 1926). 1 S. gr.-8o. Gelocht; verso schwache Montagespuren.
(3.500.—)
„An die Simplizissimusredaktion in München“.
„... darf ich Ihnen hier eine kleine bescheidene literarische Neuerdingsigkeit zur Emporziehung an die
Veröffentlichtheit im schönen Glauben anbieten, daß die Drucklegung im Bereiche der Möglichkeit und
nicht auf dem Gebiete der Undenkbarkeit läge? ...“
Bei Schäfer/Mächler n i c h t g e d r u c k t .
294 WASSERMANN, Jakob, 1873 – 1934. E. Br. m. U. A s s u a n 5.I.1929. 1 S. 4o. Auf einem
Briefbogen des „Cataract Hotel“. Mit frankiertem Umschlag.
(250.—)
An den Schriftsteller Otto Weissel in Wien, dem er für den Hinweis auf eine „enigmatische Persönlichkeit“ als möglichen Romanstoff dankt.
„... Doch mein Weg führt mich vorläufig weit ab von solchen Stoffen und Motiven; derlei lässt sich ja
nicht wollen und commandieren, sondern es wird gelitten und beruht auf einem inneren Müssen. Leicht
möglich, dass mir eines Tages dieses Muss aus einer Vision heraus entsteht ...“
Beiliegend ein weiterer e. Br. m. U., Berlin o. J.
295 WEDEKIND, Frank, 1864 – 1918. Widmungsexemplar seines Schauspiels „König Nicolo
oder So ist das Leben“. München und Leipzig: Georg Müller 1911. 8o. Privater Pappband der
Zeit mit Kopfrotschnitt und goldgeprägtem Rückenschildchen. Minimal berieben und bestoßen. – Erste Ausgabe der Neubearbeitung (W/G2 42).(200.—)
Auf dem Vortitel die eigenhändige Widmung an die Schauspielerin C e n t a B r é : „An Centa Bré zur
freundlichen Erinnerung an Prinzessin Alma in Verehrung und Dankbarkeit / Frank Wedekind.“
Centa Bré spielte in mehreren Stücken Wedekinds die weibliche Hauptrolle. – „Und kennen Sie die Bré?
Sie war immer eine ‘Natur’ im Goethe’schen Sinne; nun, da sie eine Menge gelernt hat, kommt ihr außer
der Sorma keine mehr gleich“ (Thomas Mann an Richard Schaukal).
140
I. LITERATUR
Nr. 293 Robert Walser
141
I. LITERATUR
296* WEISSE, Christian Felix, Lustspieldichter und Jugendschriftsteller, Jugendfreund
Lessings, 1726 – 1804. E. Br. m. U. „Weiße“. Leipzig 3.VI.1784. 11⁄2 S. 8o. Leicht gebräunt und
beschnitten.(250.—)
An „verehrungswürdiger Herr u[nd] Freund“ vor dessen Abreise aus Leipzig.
„Ich war gestern eben ein wenig spatzieren geritten, als ich Abends bey meiner Zurückkunft in Stötteritz
Ihren gütigen Brief fand. Wenn mich nicht eine Cur abhielt würde ich noch in die Stadt kommen um mich
bey Ew. Hochwohlgeboren zu beurlauben. Indessen will ich Sie ... mit meinen besten Wünschen zu Ihrer
Reise begleiten. Empfehlen Sie mich unserm gemeinschaftl[ichen] Freunde, dem H[err]n Geh[eimen]
R[at] v[on] T h ü m m e l aufs beste ... Sein Sohn befindet sich wohl u[nd] ist itzt noch einige Tage mit
mir u[nd] meiner Familie auf dem Lande ...“
297 WERFEL, Franz, 1890 – 1945. E. Gedicht m. U. Baden 1935. 1 S. gr.-4o. Tinte; nachträglicher Titel und Korrektur in Blei. Kleiner Fleck am Unterrand.
(1.200.—)
„E s i s t n o t w e n d i g , a n Wu n d e r z u g l a u b e n
Überall Wunder!
Wir aber wissen es nicht.
Haucht nicht aus jeder Blume
Vorladender Auftrag
Tiefäugig uns an?
Ist nicht das Aug mancher Tiere
Die goldenbraune Monstranz
Übernatürlicher Botschaft?
Vielleicht wärs besser bestellt
Um die Erd’ und um uns,
Vielleicht erstarrte der Hass,
Dieser geschäftige Zwischenhändler,
Ahnten wir einmal,
Daß die heilige Grenze
Zwischen Diesseits und Jenseits
Mitten durch uns geht!“
298* WERNER, Zacharias, 1768 – 1823. E. Br. m. U. Warschau 13.X.1798. 1 S. 4o. Leicht
stockfleckig.(200.—)
Wohl an den Kriegsrat Ernst Friedrich Peguilhen in Bialystok, den späteren Bekannten Heinrich von
Kleists.
„… Ich überschicke Euch durch H. Schweder den schönen französischen Aufsatz retour. Ich habe ihn
bis jezt liegen lassen, um ihn wo möglich zu übersezzen, das ist aber, da ich von Morgen bis in die Nacht
in Dienstarbeiten schwizze, nicht möglich ...
Euren Brief, der mir ein theurer Beweis Eures redlichen Hertzens war, werde ich ... als ein Pfand Eurer
Freundschafft in meinem Innersten verschliessen. Auch werde ich Euch ein paar passable Gedichte
schicken ...“
Werner war seit 1796 Sekretär bei der preußischen Kammer in Warschau. – Nicht bei Floeck (Briefe,
1914).
142
I. LITERATUR
299* WIELAND, Christoph Martin, 1733 – 1813. E. adressierter Briefumschlag, mit weiteren
4 e. Zeilen m. U. auf der Vorderseite. (1792.) Quer-kl.-8o (8 × 11,5 cm). Mit Siegel (zerdrückt).
Leicht fleckig.
(600.—)
An die Malerin Angelica K a u f f m a n n in Rom. Der Umschlag zu Wielands Brief aus Weimar vom 6.IX.
1792:
„An / Madame Angelica Kauffmann-Zucchi / in Rom.
Dem Herrn Consul Haigelin zu gütiger Bestellung empfohlen von Seinem ewig zugeeigneten Verehrer
und Freund / W.“
Beiliegend eine zeitgenössische Abschrift des zugehörigen Briefes (4 S. 4o), in dem Wieland die „Mahlerin
der Grazien“ bittet, zwei Oberon-Illustrationen zu der geplanten Prachtausgabe seiner Werke beizusteuern. – Der Überbringer, der aus Stuttgart stammende und nach Neapel reisende Konsul Christian
Heigelin wird von Wieland im Brief als „unser liebenswürdiger Landesmann“ bezeichnet, der in Weimar
die Herzogin (Anna Amalia) besucht habe.
Beide Handschriften, Umschlag und Briefabschrift, stammen aus der Sammlung Künzel. Das Autograph
des Briefes scheint nicht überliefert zu sein.
Briefwechsel Band 11 Nr. 329.
300
— E. Schriftstück m. U. „CMWieland“. Weimar 1.X.1796. 1 S. quer-schmal-8o. (800.—)
Wechsel über 300 Taler zugunsten des Weimarer Bankiers Julius Jakob Elkan, gezogen auf seinen Verleger Georg Joachim Göschen.
„Sechs Wochen à Dato belieben Herr Georg Joachim Göschen, Buchhändler in Leipzig gegen diese meine
Anweisung an die Ordre Herrn Jacob Elkan zu bezahlen Reichsthaler Dreyhundert ... und mir den
Betrag auf Rechnung zu stellen laut Avis...“ – Auf der Rückseite Göschens Zahlungsvermerk, von Elkan
mit seinem Namenszug quittiert.
Es handelt sich um einen Bezahlung, die Wieland in einem Brief an Göschen vom 26. September ankündigt: „... Ich werde die 500 reichstaler Medio Novembris ordre Elkan gern acceptiren und auch noch
nachher bis im Decembri die gewohnlichen 300 reichstaler für den Merkur zahlen: ... Ich werde diese
300 reichstaler Ihnen so bald als mir möglich ist, übermachen ...“ (Briefwechsel Band 13.1 Nr. 353).
301 WILDER, Thornton, 1897 – 1975. E. Br. m. U. Hamden, Conn. 11.XII.1949. 4 S. kl.-4o.
Auf seinem Briefpapier. Gelocht (Buchstabenverlust). Schwache Klammerspur.
(300.—)
An Peter S u h r k a m p im S. Fischer Verlag, mit Dank für übersandte Bücher sowie über die Situation
der Nachkriegsliteratur in Deutschland.
„... Never, never feel that you must answer me in longhand. I realize how difficult it is for you, – do not
hesitate to call in a secretary. All your letters give me great pleasure, – be sure of that.
I am overwhelmed with gratitude and embarrassment at the large number of books you have sent me,
and have derived much profit from several of them: the Hesse, the autobiography and the tetralogy of
Hauptmann, the Novelle of von Hofmannsthal. But I am soon coming to Europe for several months
stay …
I was interested deeply in all you [sai]d of E l i o t and T h o m a s M a n n . Last week I had long talks
with Alexis L e g e r (the great poet St.-John Perse). He said that he wrote many poems but that he only
published those which expressed JOY. What do you think of that? I do not think that we all in these anxious times should limit ourselves to expressions of joy – but I wish Eliot and Mann would occasionally
experience and record some affirmation that human existence is such a privilege …”
143
I. LITERATUR
302 ZOLA, Émile, 1840 – 1902. E. Billett m. U. auf seiner gedruckten Visitenkarte. O. O.
u. D. (um 1885). 2 S. quer – 12o. Montagerest neben der Unterschrift.
(300.—)
Wohl an einen Journalisten.
„Mon cher confrère, voulez-vous m’attendre au Figaro lundi, de quatre à cinq, pour causer de, G e r m i n a l ’ ? Il faudrait que votre article parut mercredi matin. / Bien à vous / Emile Zola“.
Der Roman „Germinal“, das Hauptstück in Zolas 20bändigem Werk „Das Leben der Familie RougonMacquart“, erschien 1885.
303 ZSCHOKKE, Heinrich, 1771 – 1848. 2 e. Albumblätter m. U. Hannover 25.VII.1845. Je
1
⁄2 S. quer-4o. Schwach fingerfleckig, das eine leicht gebräunt.
(300.—)
1) „Jetzt fangt ihr an, mich unverschämt zu plagen: – –?
Und darnach muß ich Ihnen ehrlich sagen,
Wer zum Geschlecht und Stamm der Evers zählt,
Ist, selbst auch ungesehn, mir lieb und auserwählt ...“
Für das Album einer „lieben unbekannten Cousine“ (Evers) geschrieben.
2) „Was ich Ihnen Alles sagen mögte, darf ich nicht schreiben; was ich schreibe, ist nur Schatten des
Verheimlichten, und lautet etwa, thun Sie mir nicht weh, vergessen Sie mich ja nicht“.
Zschokke war ein Schwager des Pädagogen Ernst August Evers (1779 – 1823).
304 ZUCKMAYER, Carl, 1896 – 1977. 6 Autographen: 3 e. Br. m. U., 1 Br. m. U., 1 e. Schriftstück und 1 e. Ansichtskarte m. U. (Unterschrift meist „Zuck“). München, Saas-Fee und o. O.
2.II.1950 bis 13.XII.1961. 7 S. folio bis (quer-)8o. Zum Teil minimal fleckig, meist gelocht.
(800.—)
An seine Sekretärin und Vertraute Hella Jacobowski sowie ihren Mann Albert, ihre Tochter Evamaria
und deren späteren Mann Achim Mechler. Die Briefe an Hella Jacobowski betreffen überwiegend Verlagsangelegenheiten.
O. O. 2.II.1950, an Albert Jacobowski. „Lieber Albert, / (nur ein Briefkopf, gedruckt, kann mich glauben
machen, dass Du wirklich so heisst ...
Deinen ausführlichen Brief ... hebe ich mir tatsächlich für Sonntag auf, da von Arbeit ganz vertiert und
verblödet, werde ihn dann mit grösstem Interesse lesen ...“
O. O. 30.VIII.1952 (e. Ansichtskarte m. U.), an Evamaria Jacobowski. „Meine liebe Micky! Wir vermissen
Dich hier und grüssen Dich von Herzen! ...“
München 6.XII.1956 (e. Br. m. U.). „Liebe Hella, / bitte lasse vom Verlag mir auf alle Fälle für Dezember
... DM 5 000.– anweisen, und überweise sofort 2000.– auf mein Konto ...
Nach furchtbaren Kämpfen mit Mischa scheint jetzt endlich die KK“ („Katharina Knie“) „in einigermassen hoffnungsvolle Proben zu gehn – – – hat mich viel Zeit und mehr Nerven gekostet. / Sonst alles
bes-tens ... bin 13. nachmittags in Baden-Baden ...“
Saas-Fee 24.III.1959 (Br. m. U.), wegen seines Vertrags mit dem S. Fischer Verlag. „Liebe Hella, soeben
kam die ‘gelbe Vertragsmappe’ ... Nun moechte ich Dich bitten, die Verlagsabrechnungen der letzten
Jahre (die bei Dir sein muessen, da Du sie als Grundlage fuer die Steueraufstellung gebraucht hast)
durchzusehen, ... ob ueberhaupt bei Filmabrechnungen, die durch den Verlag gingen, z. B. Schinderhannes, Sommer in Oesterreich etc, immer 12 % in Abrechnung gebracht worden sind, was dann ein Irrtum
von seiten des Verlags waere und nachgezahlt werden muesste, oder entsprechend der Vertragssaetze
10%, und nur im Falle ‘Knie’ 12 % ...“
144
I. LITERATUR
Saas-Fee 13.XII.1961 (e. Br. m. U.) an Achim Mechler und dessen Frau Evamaria mit Glückwünschen zur
Geburt von deren Tochter. „Sehr herzliche Glückwünsche fürs neue ‘Julche’ und ihre lieben Eltern! ...“
O. O. u. D. (Auf der Rückseite einer Porträtfotografie). „Zum Trost für mein langes Schweigen einen
wohlgelungenen Schnapp-Zuck, aber leider nicht in einer Weinkneipe sondern beim Regieführen auf
der Bühne im Zürcher Schauspielhaus gemacht, – Weinflaschen sind gemeine Requisiten! Die ‘Kanne’
erst recht!“
Beilagen:
I) Autographen von Zuckmayer: 1) Br. (Durchschlag) m. U. „Dein Carl“ (Bleistift), Chardonne
22.II.1955, an „Liebe Almuth“: „... ich muss Dir heut am Jahrestag unsrer Begegnung einen sehr schweren Brief schreiben. Wir duerfen uns nicht mehr wiedersehen. Seit ich mein Stueck vollendet habe, stehe
ich in diesem bitteren Kampf, der sich dadurch ergab, dass nun zwischen meiner Frau und mir volle
Klarheit geschafft werden musste ...“; 2) Widmungsexemplar Zuckmayers für Hella Jacobowski und
deren Mann: „Des Teufels General / Drama in drei Akten“, Stockholm, Bermann-Fischer 1946, 167 S.
gr.-8o, papierbedingt leicht gebräunt, Orig.-Broschur (Defekte), E r s t a u s g a b e (W/G² 22); und 3) sign.
Portraitfotografie (1956).
II) Briefe an Zuckmayer: 1) 4 Br. m. U. von Hella Jacobowski, Berlin 1954 (12 S. folio), meist wegen einer
Erbschaftsangelegenheit Zuckmayers; 2) 2 Briefe der Deutschen Friedensgesellschaft, 1948, u. a. wegen
der Erstaufführung von „ Des Teufels General“ und 3) e. Br. m. U. von Evamaria Jacobowski, Zwei­
brücken 1954, Kondolenz zum Tode von Zuckmayers Mutter Amalie. – Ferner Photographien aus dem
Besitz von Hella Jacobowski.
305
— E. Br. m. U. „Carl Z.“ Woodstock, Vermont 13.I.1954. 5 S. gr.-4o. Gelocht.(600.—)
Inhaltsreicher Neujahrsbrief an Peter S u h r k a m p , dessen Verlagsarbeit, insbesondere nach der
Gründung des eigenen Verlags 1950, Zuckmayer aus der Ferne verfolgte und beurteilte. – Zunächst über
Zuckmayers Drama „Des Teufels General“, das 1946 in Zürich uraufgeführt worden war und nun in
London Premiere hatte.
„... Der ‘General’ in London war nicht nur ein Theatererfolg, mein erster auf einer fremdsprachigen
Bühne, der mir vielleicht mit diesem Stück oder anderen auch aufs hiesige Theater helfen wird, sondern
eine durchaus würdige Representation eines deutschen Autors und eines deutschen Gegenstands in einem
früheren Feindesland, und ich muss sagen, dies wurde vom wesentlichen Teil der Presse, viel mehr aber
noch vom Publikum, mit grösstem Respekt, grösstem Takt und so viel Verständnis wie irgend möglich
akzeptiert ...
Mein Lieber, ich verfolge aus Zeitungs- und Zeitschriftennachrichten den Weg Deines Verlagswerks, und
es scheint mir grossartig, in seinen weitgesteckten und labilen oder elastischen Grenzen, deren innere
Zielhaftigkeit oder Sinnhaftigkeit immer deutlicher zu Tag tritt. Dein Verlag ist heute der einzige in
Deutschland, der eine geistige und künstlerische Markierung zu schaffen weiss. Es gibt noch andere,
die durchaus anständig und sauber und sogar lebendig sind ... Fischer scheint mir so ungefähr das zu
werden, was früher Ullstein war. Das muss ja wohl auch sein, – aber man fühlt sich als Autor nicht so
ganz daheim in diesem Rennen. Für Dich war es vermutlich, (vom Geschäftlichen weiss ich nichts, – ich
meine es nur vom Geistigen und Geschmacklichen her), ein Glück, da herauszukommen und Deinen
eigenen Weg zu gehen. Für uns weniger. –
Leider krieg ich seit einiger Zeit keine Buchsendungen von Deinem Verlag mehr ..., ich will auch gern
dafür bezahlen ... Was mich anlangt, so hab ich eine Ebbezeit hinter mir und hoffe auf die Flut, – nichts
was ich in den letzten Jahren machte, dh. vollendete, hat mich wirklich befriedigt, die ‘ U l l a W i n b l a d ’ war mehr eine Zeitlückenfüllung, Aufnahme einer älteren Spielerei, – aber ich bin sehr im Zug,
– versuche mich mit der Prosa, dem Roman, wozu ich die langen unabgelenkten Zeiten hier brauche,
besonders den Winter, – und nähere mich allmählich wieder, vom Stoff her, dem Theater, das mir eine
Zeitlang merkwürdig fremd und kühl und fast gleichgültig geworden war ...“
145
I. LITERATUR
(Zuckmayer)
306 — Br. m. U. „Dein Zuck“ und mehrzeiliger e. Nachschrift. Saas-Fee 7.VI.1961. 4 S.
folio, eng beschrieben. Leicht fleckig, am Oberrand gelocht.
(400.—)
Anekdotenreicher Brief an seine Freundin und Mitarbeiterin Hella Jacobowski („die Du so lang und oft
unser Leben geteilt hast“), zunächst über seine und seiner Frau („Jobs“) Krankheiten und „Schreibereien“, dann über die Fertigstellung seines neuesten Stücks ( „ D i e U h r s c h l ä g t e i n s “ ) .
„... Nun hab ich also wieder mal was zu End geheizt, endlich wieder ein Stück ... ein richtiges Drama,
mit Fabel, Aufbau, durchgeführten Gestalten usw – alles was ‘man nicht mehr trägt’. (Aber man wirds
wieder tragen.) ... “
Die Uraufführung wolle er Heinz H i l p e r t anvertrauen – „warum sollen wir in der Erinnerung an
K ö p e n i c k und Te u f e l s g e n e r a l nicht noch einmal zusammen antreten ... ich hatte längst das
Stück dem Burgtheater versprochen, und zwar wegen der We s s e l y, die doch die Letzte aus dem Kreis
der wirklich grossen Schauspielerinnen ist (ausser der G o l d ...) ... Ich las das Stück bei der Grete
Wiesenthal vor ... es ist besser, viel besser, als das ‘ K a l t e L i c h t ’ . Es war ein kleiner Kreis, nur wir,
Heinz, die Wessely und Hörbiger, Häussermann, Stefani Hunzinger und Hirsch ... Die Wirkung war
ungeheuer ...“ – Im Folgenden ausführlich über die Besetzung.
Am Schluß die Schilderung einer dramatischen Autofahrt mit Stefani Hunzinger – „zwischen
Darmstadt und Mannheim war vor uns ein schwerer Unfall gewesen, unser Vorfahrer in einem
Mercedes bremste zu spät, ein Volkswagen streifte ihn, er stellte sich quer und wieder gerade
... und wir rasselten bumms in den Mercedes hinein, dass es nur so krachte, Gottseidank hatte
ich auf 80 KM bestanden! sonst wären wir aber Beefsteak Tartar gewesen“; beim Abschleppen
dann „fing doch dieser Wagen mit uns drin plötzlich zu brennen an – wir sassen im schwarzen
Qualm, konnten nicht hupen da Kurzschluss, unser Rufen hörten die vorne nicht und merkten
erst etwas, als ein Ueberholender ihnen verzweifelte Zeichen gab ...“
307 ZWEIG, Stefan, 1881 – 1942. 12 Autographen: 7 e. Br. m. U., 3 Br. m. U. und 2 e. Postkarten m. U. (Unterschriftsformen: „Stefan Zweig“, „S“, „Stefan“; Bleistift, Kopierstift und
Tinte). Wien, Paris, Gries-Bozen, Neapel, Zürich und Salzburg 3.VII.1901 bis 11.II.1927
(Daten teilweise auf den Umschlägen). 27 S. gr.-4o bis kl.-8o und die Karten. 2 Briefe auf seinem
Briefpapier (einer davon mit Faltenrissen). Eine Karte mit Bleistiftzeichnung auf der Textseite.
Mit 10 Umschlägen.
(3.000.—)
Biographisch interessante Briefe an die Brüder Max und Victor Fleischer, denen er seit seiner frühesten
Studienzeit in Wien freundschaftlich verbunden war.
Wien, 3.VII.1901. An den Juristen und Lyriker Max Fleischer über seine Übersetzungen einiger Gedichte
von B a u d e l a i r e . „... ich habe, da ich selbst unproduktiv war ca 20 Baudelaire Gedichte ins Deutsche
übertragen, es ist mir sogar recht gut gelungen. Philosophie betreibe ich nur insofern, dass ich mir eine
momentane u. bequeme Lebensphilosophie zurecht gelegt habe, nämlich mich absolut nicht anzustrengen. Ob man dafür aber einen Doktortitel bekommt bezweifle ich aufrichtig ...“ – Erwähnt Camill Hoffmann, mit der er an der Übersetzung der Baudelaire-Gedichte zusammenarbeitete; es war Zweigs erste
Übersetzungsarbeit und die zweite Buchveröffentlichung des 21-Jährigen (1902).
(Wien, 1.III. 1902.) An denselben über seine Arbeit. „... so habe ich jetzt einen großen Essay für das
‘Litterarische Echo’ über Johannes Schlaf zu schreiben, ... schrieb Essays über Baudelaire, Paul Adam,
Victor Hugo und Friedrich Nietzsches Nachlass und manches andere ... Im übrigen ist mir sehr ekel vor
Litteratur u. Co. ...“
(Paris, 23.VIII.1902.) An denselben, nach einem Aufenthalt in Belgien. „... seitdem ich von Berlin fort
bin, habe ich eigentlich mit niemandem ein Wort von mir gesprochen; hie und da vielleicht mit Brod, aber
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I. LITERATUR
Nr. 307 Stefan Zweig
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I. LITERATUR
(Stefan Zweig)
das betraf immer die mir täglich gleichgültiger werdende litterarische Persönlichkeit St. Z. Und ich hätte
viel zu sagen, denn alle die Kleinlichkeiten, von denen ich mich immer fühle, drängen sich zusammen je
mehr ich an meine Rückkehr nach Wien denke. Es fällt mir alles so schwer, ich weiss nicht recht, wie und
warum, aber gerade in jenen Augenblicken, wo ich mich hier am freiesten fühle und am meisten geniesse,
fällt mir alles dies ein. Ich habe so viel Schönes gesehen in diesen Tagen, ich war in Brügge bei den alten
Meistern flämischer Kunst, habe in Gent und Antwerpen viel Schönheit gesehen. Ich war drei Tage in
Brüssel, drei Tage, die ich nie vergessen werde durch den herzlichen Empfang bei Camille Lemonnier bei
Constantin Meunier und bei Charles von der Stappen, wo ich auch Emile Verhaeren kennen lernte ...“
(Wien, 30.III.1903.) Gratulationskarte zum 23. Geburtstag Max Fleischers. Neben Stefan Zweig haben
u. a. Victor Fleischer, Martin B u b e r, Camill Hoffmann und E. M. Lilien mitunterzeichnet; über den
Unterschriften die halbseitige Bleistiftzeichnung eines feierlich geschmückten Bücherregals.
(Gries-Bozen, 3.X.1903.) Wie die folgenden Briefe an den Verleger und Schriftsteller Victor Fleischer,
den jüngeren Bruder von Max. „... Heute las ich im Berliner Tageblatt den Artikel meines Leibsatirikers
Wittels gegen den Dichter Ast. Wenn er wüsste, wie sehr er mich amüsiert. Ich arbeite hier ein wenig /
freu mich unsäglich an der Landschaft, treibe böseste Geschlechtlichkeiten mit einem jungen Mädchen
aus bester Familie aus – – – – – Cassel und bade täglich kalt, habe schon Sonnenbräune und sehr viel
Gemütsruhe ...“
(Wien, 3.VII.1907.) Über seine Pläne für den Sommer. „... ich gehe nicht nach Dänemark, sondern bleibe
den Sommer, abgesehen von 12 Tagen, die ich mit meinem Papa in Gastein verbringen muss, ze Wiene in
der Stadt, steuere dafür im Herbst nach Italien. Ich schufte noch immer an der kleinen Novelle, die ich
total umgeändert habe und die mit den Entwürfen auch nicht eine Seite mehr gemeinsam hat ... Te r s i t e s ist im Correcturzustand, die Première im März ...“ – Drei Jahre später erschien der Band „Erstes
Erlebnis. Vier Novellen aus Kinderland“. Das Trauerspiel „Tersites“ ist Zweigs erstes Drama.
Neapel, 7.III.1908. Über den geplanten gemeinsamen Aufenthalt in Paris. „... Alles Literarische langweilt
mich übrigens ganz außerordentlich – ich freue mich auf ... Paris ... verständige mich rechtzeitig, damit
wir uns ja nicht verfehlen und freu Dich auf Paris. Eine Absage wird als Bruch unserer Freundschaft
betrachtet ...“
Wien, 10.VII.1914. „... Du hast wiederholt mir gesagt, wie sehr Du es wünschen würdest, eine Wohnung
mit Garten zu haben und ich möchte Dich auf eine Gelegenheit aufmerksam machen, die sich jetzt bietet.
Meine Sekretärin Frau Mandl zieht jetzt aus ... und ihre Wohnung wird frei, die folgende Eigenschaften
hat. Sie ist im Parterre des Hauses Döblinger Hauptstrasse 42 gelegen, enthält: Vorzimmer, Küche und
Kabinet auf die Pantzergasse, zwei Zimmer und eine grosse Veranda in den Garten, ein Badezimmerchen
und einen Gang, wo das Mädchen schläft ... Die Wohnung ist absolut garantiert trocken und rein, licht,
gut heizbar und freundlich ...“
Zürich, 7.I.1918. Über den Zürcher Theaterbetrieb und den Schriftsteller Robert Faesi, dessen Tragödie
„Odysseus und Nausikaa“ er nach Wien sende. „... Es ist dies ein sehr schönes Drama des begabtesten
jungen Schweizers, der in einigen Monaten in Wien einen Vortrag halten soll. Eine gleichzeitige Aufführung wäre in seinem und im weiteren Sinne auch in unserem Interesse ...
Wenn Du mir von meinen ‚Erinnerungen‘ 5 Exemplare schicken könntest, so wäre ich Dir sehr dankbar
... / ich bin sehr optimistisch und zweifle nicht, dass wir wieder alle bald in Frieden versammelt sein
werden ...“
Salzburg, 11.II.1927. Über Victor Fleischers neues Stück. „... Ich habe inzwischen den ‘Jean’ gelesen und
sehr viel bewunderndes Erstaunen für die Kraft des Dialogs und die wirklich dramatische Fügung der
Situationen und ich bin sicher, dass dieses Stück überall Glück hätte, wenn es nicht gleichzeitig diese eine
Peinlichkeit hätte der immer sexuell tätigen, jeden Augenblick zur gewissen Handlung munter bereiten
Frau und jener unvermeidlichen Lucke, die das rein äusserlich dramatische Zentrum der Szenen bildet
... Einmal verwendet, wäre diese Lucke schon nicht angenehm, aber als dauernde Camera obscura
würde sie beim Publikum derart unangenehm wirken und Du weisst, der Dir das sagt, ist leider sittlich
vollkommen ungehemmt ...“
Beiliegend 2 Briefe und 1 Postkarte von Friderike von Winternitz an Victor Fleischer.
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I. LITERATUR
308 — Br. m. U. London 23.X.1935. 3⁄4 S. gr.-4o. Mit gedrucktem Briefkopf. Winziger Eck­
abriss.(400.—)
An Cyril Lakin, Redakteur der „Sunday Times“, der ihn um eine Besprechung von F r e u d s A u t o b i o g r a p h i e („Selbstdarstellung“, 1925) gebeten hatte.
„... With great pleasure I will write about the autobiography of Freud (not too long as the book is not
quite new and it would not be fair, to give the readers the impression as if it were an outstanding novelty).
I had a very busy time – you cannot imagine how difficult it is for us too presumptuous continentals to
find a suitable flat – but I hope to have finished soon with this enervating business and to be free again
for my work and my friends ...“ – Zweig arbeitete damals an seiner Studie „Castellio gegen Calvin“.
Nr. 240 Marcel Proust
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