Reportagen, die bewegen – die Gewinner des DGPPN

Pressemitteilung
Nr. 45
Berlin, 20.11.2015
DGPPN Kongress I 25. bis 28. November I CityCube Berlin
Reportagen, die bewegen – die Gewinner des
DGPPN-Preises für Wissenschaftsjournalismus 2015
Psychische Störungen wirken sich nicht nur auf das Leben der Betroffenen aus. Sie fordern
auch Angehörige und Gesellschaft. Wie weit diese Implikationen reichen, zeigen die Preisträger des DGPPN-Medienpreises für Wissenschaftsjournalismus 2015 mit ihren ausgezeichneten Reportagen. Die Preisverleihung findet im Rahmen des DGPPN Kongresses statt, der am
Mittwoch in Berlin seine Tore öffnet.
Hintergründig, präzise, kritisch und gleichzeitig aufklärend, spannend und bewegend: Die Preisträger des DGPPN-Preis für Wissenschaftsjournalismus 2015 haben die elfköpfige Jury aus Fachärzten
und Journalisten auf allen Ebenen überzeugt. „Wir sind beeindruckt, wie es den Journalistinnen und
Journalisten gelungen ist, die enorme Bandbreite des Fachgebietes Psychiatrie und Psychotherapie
abzubilden. Psychische Störungen wirken sich auf alle Bereiche des Lebens aus und sie können Folgen haben, welche die Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen. Umso wichtiger ist es,
dass in den Medien engagierte Beiträge Platz finden, die sachlich informieren und aufklären“, sagt
Jurymitglied Dr. Iris Hauth, Präsidentin der DGPPN. Insgesamt gingen 60 Bewerbungen ein. Der mit
15.000 Euro dotierte Preis geht an zwei Printbeiträge, ein Hörfunkfeature und eine TV-Dokumentation.
Print
Andreas Wenderoth: „Ein halber Held“
„An einem schneelosen Sonnabend im November 2013 verliert mein Vater sich selbst“, schreibt
Andreas Wenderoth zu Beginn seiner berührenden Geschichte über die Demenzerkrankung seines
Vaters. Sie zeigt ohne Beschönigung, was passiert, wenn Demenz in eine Familie einbricht. Es ist
eine Geschichte von Schmerz und dem Alter, der Liebe und der Hoffnung und der Schönheit von
Momenten. Sie beschreibt Lebensphasen, neue Rollenverteilungen, das Loslassen und Abschiednehmen. Wenderoths Porträt ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich, weil es das Leiden weder poetisch
überhöht noch beschönigt – und weil es dem Betroffenen höchsten Respekt zollt. Der Artikel erschien im GEO-Magazin (11/2014).
Carsten Holm: „Ein Leben ohne Elfen“
Immer wieder gerät der Maßregelvollzug in Deutschland ins Gerede. Doch was dort tatsächlich geschieht, ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Carsten Holm beschreibt in seiner Reportage die
Wirklichkeit des Maßregelvollzugs in ihrer Komplexität – sachlich, fundiert und anschaulich. Kritisch beleuchtet er den dringenden Reformbedarf und erläutert, wie der Umbruch im Gesundheitswesen mit den steigenden Fallzahlen und längeren Verweildauern in den forensisch-psychiatrischen
Kliniken zusammenhängt. Holm wird dabei nie plakativ, sondern analysiert die Situation mit großem Sachverstand. Der Artikel erschien im SPIEGEL (52/2014).
Hörfunk
Volkart Wildermuth: „Angst vor der Tat – Pädophile im Hirnscan“
Volkart Wildermuth wagt sich an ein Thema, das erst einmal große Abwehr auslöst: Kindesmissbrauch. Seine eindrückliche Reportage geht der Frage nach, was Pädophilie eigentlich ist, wie sie
entsteht und wie es Betroffenen gelingen kann, sie durch Stärkung der Impulskontrolle zu beherrschen. Wildermuth gelingt es, die komplexen Erkenntnisse aus der Forschung für seine Zuhörer zu
übersetzen. Er lässt Opfer und Täter zu Wort kommen und zeigt, dass vielfältige Strategien notwendig sind, um den Missbrauch von Kindern zu verhindern. Dabei findet er immer den richtigen
Ton und nähert sich dem Thema mit dem richtigen Einfühlungsvermögen. Der Beitrag wurde im
Deutschlandfunk ausgestrahlt (06.04.2015).
TV
Antje Schmidt: „Ausbruch in die Kunst – Die Zelle des Julius Klingebiel“
Sie gilt als außergewöhnliches Raumkunstwerk: die Zelle des Psychiatriepatienten Julius Klingebiel.
Kunstexperten sind sich einig, dass er mit seiner Wandmalerei eines der herausragenden Beispiele
der sogenannten Outsider Art geschaffen hat. Antje Schmidt hat die Geschichte von Julius Klingebiel in einer packenden Dokumentation verfilmt. Sie erzählt dessen Leben und künstlerisches
Schaffen mithilfe von Zeitzeugen, historischen Dokumenten und Fotos. Gedreht wurde im Studio
und auch am Originalschauplatz. Die Bilder aus der Zelle sind vorher so noch nie zu sehen gewesen.
Die Reportage wurde im NDR gesendet (14.06.2015).
Die Preisverleihungen finden im Rahmen des diesjährigen DGPPN Kongresses im CityCube Berlin
statt. Mit dem Leitmotto „Der Mensch im Mittelpunkt: Versorgung neu denken“ steht ein hochaktuelles Thema im Zentrum. Rund 9000 Teilnehmer werden erwartet. Damit ist der DGPPN Kongress
Europas größte Fachtagung auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen. Als Journalistin und
Journalist können Sie sich direkt vor Ort für den Kongress akkreditieren und Interviews mit Experten vereinbaren. Weitere Informationen finden Sie auf: www.dgppn.de/kongress.
Hintergrund
Mit dem Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus würdigt die DGPPN hervorragende Leistungen
in der Berichterstattung über psychische Erkrankungen in unterschiedlichen Kontexten. Es werden
Beiträge in den Kategorien Print- und Onlinemedien, TV und Hörfunk ausgezeichnet. Der Preis ist mit
insgesamt 15.000 Euro dotiert. Er wird von der DGPPN in Verbindung mit der Stiftung für Seelische
Gesundheit verliehen. Über die Vergabe entscheidet eine Jury aus Fachärzten für Psychiatrie und
Psychotherapie sowie Journalisten: Dr. med. I. Hauth (Präsidentin DGPPN, Berlin), Prof. Dr. med. A.
Deister (President Elect DGPPN, Itzehoe), Prof. Dr. med. P. Falkai (komm. Past President DGPPN, München), Prof. Dr. med. Dr. rer. soc. F. Schneider (Aachen), Prof. Dr. J. Fritze (Pulheim), Prof. Dr. med. A.
Finzen (Berlin), U. Eichin (ZDF, Mainz), J. Niehaus (Focus, München), V. Weinl (Bild am Sonntag, Berlin), C. Weber (Süddeutsche Zeitung, München), N. Siegmund (RBB Berlin).