Projekt „Sammlungen schauen“

Hintergrundinformationen Probebühne 7
Projekt „Sammlungen schauen“
Eine Slide-Show in Worten und 56 Bildern
Öffentlich zugängliche Schau- und Studiensammlungen nehmen in der Ausstellungsplanung für das
Humboldt-Forum einen vergleichsweise prominenten Platz ein. Insbesondere das Ethnologische
Museum, aber auch das Museum für Asiatische Kunst sehen mehrere sogenannte Schaumagazine vor:
hohe und dicht gefüllte Vitrinen, in denen die Bedeutung des einzelnen Objekts hinter die des jeweiligen
Sammlungsbestands zurücktritt.
Doch was bringt solche Dichte und Fülle dem Publikum? Was soll gerade hier gezeigt und vermittelt
werden? Welche besonderen Möglichkeiten der Präsentation und der Erzählung bieten sich dazu an?
Was können Schaumagazine und was können sie nicht?
Für die Probebühne 7 entwickelten die beiden Kuratorinnen Nicola Lepp und Nina Wiedemeyer eine
Slide-Show, in der sie die musealen und medialen Herausforderungen verdichteter Präsentationen
ausbreiten. So steht eine thematische Argumentation der Logik eines Schaudepots vermutlich entgegen.
Für eine inhaltlich präzise, ästhetisch hochwertige und für den Besucher nachvollziehbare Ordnung der
Schaudepotflächen im Humboldt-Forum erscheint die deutliche Grenzziehung zwischen den
Schaudepoteinheiten und den Präsentationsweisen der eigentlichen Ausstellung als zentrale
Voraussetzung. Während letztere in ihrer kulturgeografisch-thematischen Organisation der Objekte
einem narrativen Zugang verpflichtet ist, setzen die Schaumagazine auf die Fülle der Sammlungen.
Die „Fülle der Sammlungen“ und deren verdichtete Präsentation in den Schaumagazinen geht nicht
vorrangig von abstrakten Themen, sondern von den konkreten Objekten aus. Doch reicht dies wohl
nicht aus. Denn die geplanten Vitrinenareale im Humboldt-Forum sind höchst umfangreich, teilweise
bis zu 30 Meter lang. „Sammlungen schauen“ schlägt einen konzeptuellen Ansatz vor, in dem die
Präsentation der Fülle immer wieder unterbrochen wird: und zwar durch Fragen, die sich konsequent
von den Gegenständen selbst ableiten. Solche Unterbrechungen, Einschübe, Kommentare, Korrekturen
und Widerlager durchziehen – so die Idee – die Sammlungspräsentation und konterkarieren, bestärken
oder unterwandern deren Prächtigkeit und Monumentalität genauso wie ihre Serialität und
Gleichförmigkeit.
06.09.15, 15 Uhr: Kuratorinnenführung „Sammlungen schauen“
Nicola Lepp ist Kulturwissenschaftlerin und Ausstellungsmacherin und seit 2015 Professorin für
Kulturvermittlung an der FH Potsdam; sie kuratiert seit 2001 thematische Ausstellungen in
verschiedenen Konstellationen. Die wichtigsten sind neben der „GRIMMWELT Kassel“, 2015;
„Museum der Gefäße“, Humboldt Lab Dahlem, Berlin 2013; „Arbeit. Sinn und Sorge“, Dresden 2009;
„PSYCHOanalyse. Sigmund Freud zum 150. Geburtstag“, 2006; „Der Neue Mensch. Obsessionen des
20. Jahrhunderts“, 1999; Forschungsschwerpunkte sind u.a. Theorien und Praxen der Dinge sowie eine
kritische Bildungs- und Vermittlungstheorie des Museums.
Nina Wiedemeyer ist Kunst- und Medienwissenschaftlerin und seit 2015 wissenschaftliche
Koordinatorin der Laborgruppe Kulturtechniken an der Universität Erfurt. Zusammen mit Felix Sattler
kuratierte sie die Ausstellung „Mehr von Weniger. Die Sehnsucht nach Einfachheit und die Lust am
Überfluss“, Vögele Kultur Zentrum Pfäffikon SZ (2015), zusammen mit Nicola Lepp „Museum der
Gefäße“, Humboldt Lab Dahlem, Berlin (2013).
Zuletzt erschienen Texte zum Medium Buch, über Handwerk und zum Ausstellen. An der Universität
der Künste Berlin konzipierte sie 2013 die Online-Zeitschrift „Wissen der Künste“.