2012/13

Erasmus Erfahrungsbericht Saint-Etienne (Akademisches Jahr 12/13)
Saint-Etienne war die Stadt meiner Wahl für meinen Erasmusaufenthalt in Frankeich.
Sie ist die kleinste Stadt mit einer unserer Partneruniversitäten und deshalb hoffte ich,
mehr Studentenleben als in Berlin zu haben und wurde auch nicht enttäuscht.
Vorbereitung
Um mich sprachlich auf den Aufenthalt vorzubereiten, habe ich das Jahr vorher
Französisch-Sprachkurse an der HU und TU-Sprachbörse gemacht, da nach vier Jahren
Schulfranzösisch eigentlich nichts mehr hängen geblieben ist. Mir haben die
Sprachkurse an der HU besser gefallen, weil der Unterricht geordneter war, obwohl die
Gruppen doppelt so groß waren. Die Wintersemesterferien eingeschlossen, bin ich auf
das geforderte B2 Niveau gekommen. Sprachlich war es zu Anfang trotz allem noch
schwierig, außer bei dem Gespräch mit den Patienten und natürlich unter den
Erasmusstudenten (denn auch hier haben wir nur französisch gesprochen).
Anreise
Die Anfahrt aus Berlin mit dem Zug, ist leider ziemlich lang (zwölf Stunden) und wenn
man dann noch ein Fahrrad mitnehmen möchte (24 Stunden) einfach ewig. Im
Gegensatz dazu, ist die Anbindung per Flugzeug sehr entspannt. Lufthansa und Easyjet
fliegen beiden nach Lyon von wo aus man per Rhône-Express zum Bahnhof (Part-Dieu)
in Lyon kommt. Dort fahren je nach Uhrzeit bis zu viermal stündlich Züge nach SaintEtienne. Achtung: wenn man den späten Easyjetflug z.B. am Freitag nimmt, ist der letzte
Zug nach Saint-Etienne nahezu nicht erreichbar und man muss die Nacht in Lyon
verbringen!
Ankommen
Die ersten Nächte habe ich noch in Lyon in einem Hostel verbracht, um dann in SaintEtienne einen Couchsurfer zu finden. Von dort aus konnte ich entspannt eine WG
suchen. Die Couchsurfingszene in Saint-Etienne ist sehr aktiv und es lohnt sich auf jeden
Fall dort anzufragen. Ich habe letztendlich eine relativ zentrale WG mit einer Französin
und einem Franzosen gefunden.
Ansonsten gibt es auch noch einige Wohnheime. Vor allem im Littré wohnten viele
andere Erasmus-Studenten. Wobei die Wohnheime, im Vergleich zu den relativ
günstigen Mietpreisen, teurer sind.
In Saint-Etienne gibt es drei Tram-Linien, die von Norden nach Süden und zum Bahnhof
durch die Stadt führen. Mit diesen ist man schnell im Hôpital-Nord wo die meisten aller
Stages (die Praktika der Franzosen im Krankenhaus) stattfinden.
Die ersten beiden Wochen wird von der Universität Jean-Monnet eine „Stage
d’integration“ angeboten, eine Einführungsveranstaltung für alle Erasmus- und
Austauschstudenten. Dort gibt es vormittags Sprachkurse und nachmittags
verschiedenste Aktivitäten um Saint-Etienne und die Umgebung zu erkunden.
Außerdem kann man dort schnell andere Erasmusstudenten kennenlernen.
Jeden Mittwoch gibt es einen Barabend, der von der Organisation SAVA (Sainté Ville
d’Acceuil) organisiert wird. Diese finden jedes mal in einer anderen Bar von SaintEtienne statt und sind ein guter Weg um Erasmusstudenten, aber auf einer ganze Menge
Franzosen, zu begegnen. Außerdem ist das Bier in dieser Bar für den Abend günstiger
(was bei den recht teuren französischen Preisen schon etwas ausmacht).
Die Universität Jean-Monnet hat ein sehr gutes Sportprogramm, was man für einmalig
25€ für ein Jahr komplett nutzen kann. Insbesondere das Klettern lohnt sich sehr, weil
es einerseits normalerweise recht teuer ist und andererseits es sehr viele nette
Studenten dort gibt!
Uni
Grundsätzlich ist es schwierig französische Medizinstudenten kennenzulernen. Das liegt
daran, das die Studenten im Krankenhaus meist im vierten Jahr oder höher sind und es
am Ende des Studiums einen sehr wichtiges Examen gibt und die sie deshalb viel lernen,
meist schon ab dem vierten Jahr.
Es gibt sehr viele (fast wöchentlich) von den medizinischen „Associations“ organisierte
Partys und Events auf denen man sehr gut Kommilitonen kennen lernen kann.
Stages
Urologie (6 Wochen)
Urologie war meine erste Stage in Frankreich und dementsprechend schwierig war die
Kommunikation. Die Ärzte, Internes (Assistenzärzte) und Externes (Studenten) waren
aber sehr nett und versucht einem etwas zu erklären. Auf Station gab es immer eine
„Visite“ zu Tisch, bei der die Internes die Patienten vorstellten, die sie vorher schon
gesehen hatten. Das heißt aber auch, dass wir als Studenten nicht bei der richtigen Visite
dabei waren. Auf Station waren nur selten Ärzte zugegen und wir Studenten haben die
Aufnahmen gemacht und die Akten sortiert. Außerdem waren immer einige Studenten
im OP. Dort wurden vor allem endoskopische Operation der Prostata und Blase
durchgeführt, außerdem gab es ab und zu auch größere offene Operationen.
Chirurgie générale (4 Wochen)
Auf Grund der häufig wechselnden Patienten konnten wir als Studenten hier sehr viele
Aufnahmen machen. Die Visite war wie auf allen chirurgischen Stationen sehr schnell
und wenn man als Student ins Zimmer kam häufig schon vorbei. Im OP gab es viel zu
sehen und als Erasmusstudent hatte man fast immer die Wahl was man machen wollte.
In der chirurgischen Sprechstunde konnte man die OP Planung und Auswahl der
Patienten miterleben.
Médecine interne (6 Wochen)
Auf der médecine interne, die nicht ganz der allgemeinen Inneren in Deutschland
entspricht, gab esz u viele Studenten. Wenn man Glück hatte konnte man bei den
Sprechstunde der Ärzte dabei sein, die sehr interessant waren. Viel Zeit hat man aber
auf Stationen verbracht um den Ärzten bei der Visite hinterher zulaufen, ohne das sie
etwas erklärt hätten. Eigentlich sollte es hier zweimal die Woche Kurse für die
Studenten geben, diese fielen aber leider häufig aus. Wenn sie dann stattfanden waren
sie aber sehr gut.
Anatomie et cytologie pathologiques (4 Wochen)
Wenn man gerne mikroskopiert und die Pathologie mag, eine sehr gute Stage. Alle Ärzte
dort sind unglaublich freundlich und erklären sehr viel. Ansonsten besteht der
Vormittag dort aus dem Schneiden der frischen Präparate und gelegentlichen
Schnellschnitten. Nachmittags wird mehr mikroskopiert, gelegentlich machen die Ärzte
aber auch kleine Kurse in denen wir Studenten selber mikroskopieren konnten.
Aneasthesie (2 Wochen)
Eine sehr gute Stage, weil es im OP wesentlich weniger Studenten als sonst gibt und die
Ärzte einem sehr viel erklären und machen lassen. Ich durfte dort alles von
Blasenkathetern, Zugängen, Maskenbeatmung, Intubationen bis zur Vorbereitung
augenheilkundlicher OPs machen.
Gynecologié-Obstétrique (4 Wochen)
Auf der Gynäkologie/Geburtshilfe konnte ich in meinem Monat auf Station die vier
verschiedenen Stationen besuchen:
Kinderchirurgie, dort war ich nur im OP, der aber sehr interessant war.
Geburtshilfe: Nach der morgendlichen Visite verschwanden die Ärzte und es gab nichts
zu tun außer Akten zu sortieren.
Kreissaal, wenn man höflich war, gab es sehr nette Hebammen, als Mann war es
trotzdem nicht einfach bei Geburten oder Geburtsvorbereitungen dabei zu sein.
Außerdem konnte man dort viele Kaiserschnitte sehen.
Sprechstunde: Hier konnte man bei den verschiedensten Sprechstunden dabei sein:
„normale“ gynäkologische, künstliche Befruchtung, Ultraschall.
Pédiatrie (4 Wochen)
Auf der Pädiatrie gab es viele verschiedene Stationen für Kinder unterschiedlichsten
Alters. Ich war bei den ½ bis 6 Jährigen mit einer Gruppe sehr hilfsbereiter Externes.
Auch hier machten wir die Aufnahmen für deren Befunde sich die Ärzte auch wirklich
interessierten!
Médecine générale (4 Wochen)
Nicht in Saint-Etienne machen! Es gibt keine Plätze und erst mit ganz ganz viel Aufwand
war es mir möglich, dennoch noch eine Stage zu machen.
HNO/ORL (oto-rhino-laryngologie) (4 Wochen)
Auch hier gibt es Station, Ambulanz und OP, wobei es sehr viele unterschiedliche
Spezialsprechstunden gibt die sehr interessant sind und wo die Ärzte auch bereit sind
einem viel zu erklären. Im OP kann man bei einigen Operationen selber mitmachen und
die Ärzte sehr freundlich und hilfsbereit.
Resümee
Ich bin sehr glücklich diesen Erasmus Aufenthalt in Saint-Etienne gemacht zu haben! Ich
konnte viel Praktisches im Krankenhaus lernen und ein anderes medizinisches
(Ausbildungs-) System kennenlernen. Sprachlich bin ich sehr viel weitergekommen und
auch kulturell habe ich viel erfahren. Außerdem habe ich sehr viele nette Menschen
kennengelernt und Freunde gefunden!