Mtwara, Tansania - Missions-Benediktinerinnen von Tutzing

Sr. RaphaelaHändler OSB
Missionary Benedictine Sisters
P. O. Box 202, Mtwara/ Tanzania
Cell: +255 788550680
E-mail: [email protected]
Advent 2015
Meine
lieben
Freunde in aller Welt!
Gemeinsam mit diesen Kindern möchte ich Dank sagen für die große Hilfe unseres Freundeskreises in der
Heimat. Hier vor Ort tun wir, was wir können, aber ohne finanzielle Hilfe aus Deutschland wäre vieles nicht
möglich gewesen! Und so geht mein Dank auch in diesem Jahr an all unsere Freunde.
Ich möchte von Fackson erzählen, den wir vor einigen Monaten vor einer Lehmhütte ohne Fenster, ohne Toilette,
ohne Wasser und Strom im Sand sitzend vorfanden. Der 21jährige bewegte sich auf allen dreien. Warum? Ein
Bein ist am Oberschenkel amputiert, das andere dick und entstellt von Tumoren. Wie dünn er eigentlich war, sah
man nur an seinen Fingern und Handgelenken, denn auch sein Hals war aufgetrieben vom Tumor. Fackson hat
AIDS, er wurde von seiner Mutter angesteckt bei der Geburt, auch wenn sie ihren Sohn beschuldigt, er habe sie
angesteckt!! So vermisst er in seinem Elend auch noch schmerzlich die mütterliche Liebe. Der Vater hat die
Familie verlassen, als das Bein amputiert wurde. „Was mir am meisten zu schaffen macht, ist der Hunger. Wir
essen oft nur einmal am Tag, und dann auch nicht zum Sattwerden.“ Und er klagte, dass keiner ihn besucht. „Den
ganzen Tag sitze ich hier allein und warte. Manchmal singe ich.“ Sein Bruder Raphael sagt: “Er singt folgendes:
Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“
Inzwischen zeigt Fackson trotz seiner Krankheit oft ein Lächeln, denn unser AIDS Projekt
UZIMA hat sein Leben verbessert. Die karge Hütte hat nun ein Fenster, einen
Zementfußboden und draußen gibt es eine Latrine. Für das Bett hat er Matratze
bekommen, und er hat jetzt mehr zu essen! Wir brachten ihm auch Bücher und eine
Solarlampe. Das Lesen geht zwar mühsam, aber er versucht es, denn immerhin hat er die
Grundschule absolviert. Sein Lieblingsbuch ist das Gebetbuch und darin besonders die
Lieder. Beeindruckt von so viel Liebe möchte er zur katholischen Kirche zurückkehren,
denn die Pfingstkirche konnte ihn weder gesund beten, noch halfen sie ihm.
HIV/AIDS ist immer noch die häufigste Todesursache in Tansania, obwohl vieles besser
geworden ist und die Medikamente gegen AIDS kostenlos sind. Unser UZIMA Projekt
kümmert sich um Kranke und Waise und organisiert Aufklärungsprogramme für Jugendliche. In allen Schulen im
Einzugsgebiet gibt es Health Clubs. Hinzugekommen ist in diesem Jahr die Palliative Care, die sehr gut
angenommen wird. So viel Dank für alle Spenden, die dies ermöglichen.
Die staatliche Gesundheitsversorgung hat sich in diesem Jahr nicht verbessert. Deswegen ist das St. Walburg’s
Hospital in Nyangao so wichtig. Das Vertrauen der Menschen, Christen wie Moslems, ist ungebrochen in die
kirchlichen Häuser, auch wenn es dort ebenfalls an vielem mangelt. Jeden Monat ringen wir darum, wie wir die
Gehälter auszahlen können. Und wenn es dann noch Extraausgaben gibt, wie soll das gehen?
Dann springen wir regelmäßig mit den Spenden von unserem Freundeskreis ein. Der neue
Chefarzt Dr. Kasoga ist tüchtig, motiviert und identifiziert sich mit dem Spital. Die
Krankenpflegeschule wird 2016 die ersten Schlussexamina haben.
Die Kindersterblichkeit in Tansania konnte deutlich gesenkt werden. Derzeit sterben von
1000 Lebendgeborenen 54 unter Fünfjährige, (1990 waren es noch 161); davon 60%
aufgrund falscher Ernährung und 40% durch Infektionskrankheiten. 73% der HIV+
Schwangeren erhalten antiretrovirale Medikamente, aber nur 30% der HIV-infizierten Kinder
und 70% der erwachsenen Patienten. Wir danken auch für die Hilfe für Lepra Patienten in
Ndanda. Unsere Piorin Sr Terese hat persönlich diese Sorge übernommen.
Weiterhin arbeiten wir unermüdlich an unserem Traum
Bildung zu vermitteln. Fangen wir bei den ganz Kleinen an.
Der St. Michael Kindergarten, in dem bereits englisch
gesprochen wird, ist mit 140 Kindern voll belegt. Die
Kindergärten der Pfarreien Ndanda, Nyangao und Kabuhima
werden weiterhin unterstützt. Somit kommen die
Spendengelder mehr als 1000 Kindern zu Gute. Die Aquinas
Schule hat nun rund 450 Schüler/innen. Im nationalen
Ranking verbesserte sie sich erneut und nimmt unter 3500 Schulen mit mittlerer Reife
beim Leistungsniveau den 104. Platz ein. Mit unserem zweiten Abiturdurchgang bei
den Schulen mit weniger als 30 Abiturienten liegen wir sogar auf Platz 4. Aber Bildung für das Leben und den
Beruf besteht aus sehr viel mehr als aus dem Bestehen von Examina. Aber das sehen hier nur wenige ein. So
heißt es in einer Studie, dass nach Abschluss der Universität nur 61% fit sind für den Stellenmarkt. Ein Traum ist
nun Realität: die Mehrzweckhalle im Gymnasium wurde eingeweiht am 14.11.15.
Ein weiterer Traum ist der Verwirklichung näher gekommen: Am 6. August legten wir den Grundstein für den
Bau der Grundschule St Michael in Mtwara, mit Englisch als Unterrichtssprache, eine Tagesschule für Jungen
und Mädchen jeglicher Religion. Es wird ein dreistöckiger Bau mit Klassenräumen und Verwaltung. Dazu
kommt ein Gebäude mit Küche und Kantine. Hier im Land können wir für solch ein Projekt keinen Pfennig
mobilisieren, obwohl das Interesse an der Schule groß ist. Und was wurde aus dem Traum eines Internats für
Jungen? Nun, wir haben ein geeignetes Grundstück gekauft, und die Baupläne sind fertig. Aber bislang haben
wir nicht genug Gelder zum Start. So bitte ich weiterhin um Hilfe für diese beiden Traumprojekte. Danke!
Die Politische Situation des Landes. Tansania hat am 25.10.15 einen neuen Präsidenten gewählt. Kikwete
konnte gemäß den Konstitutionen des Landes nicht wieder antreten. Allein schon die Tatsache, dass eine
Änderung der Konstitutionen nie erwogen wurde, ist für den afrikanischen Kontinent positiv zu bewerten. Wir
waren sehr erleichtert, als die Regierungspartei ihren Kandidaten Makufuli bekannt gab, den bisherigen
Arbeitsminister, bekannt für seine verlässliche Arbeit. Bei ihm gibt es keine Anschuldigungen von Korruption,
dem großen Übel des Landes. Makufuli ist Christ und hat fünf Kinder. Am Tag, als sein Wahlsieg mit 58% der
Stimmen bekannt gegeben wurde, ist er 59 Jahre alt geworden. Monate vor der Wahl kam der internationale
Handel zum Stillstand, da ausländische Firmen ihr Kapital in Sicherheit brachten. Militär und Polizei waren
lange im Ausnahmezustand. Wir danken Gott, dass alles ruhig und unblutig verlief. In Sansibar ist das anders.
Immer noch ist nicht entschieden, ob die Wahl wiederholt wird. Dort wird ein anderer Präsident gewählt. Nun
sieht man schon wieder das eine oder andere Schiff in den Hafen von Mtwara einlaufen. Aber es heißt, es dauere
noch einige Monate, bis internationale Firmen zurückkehren. Alle Einnahmen für den Staat gingen stark zurück.
Makufuli suchte schon wenige Tage nach seiner Vereidigung unangemeldet Ministerien auf sowie das große
Universitätskrankenhaus in Daressalaam, begleitet von Medienvertretern, die bezeugen konnten, dass viele
Patienten auf dem Boden lagen und klagten. Tagelang mussten sie im Krankenhaus warten, ohne untersucht oder
gar behandelt zu werden. Der neue Präsident fand scharfe Worte für die Hospital-Leitung und enthob mehrere
Verantwortliche umgehend von ihren Positionen. Hoffen wir, dass wirklich Besserung eintritt.
Persönliches: Im März wurde ich nach Mtwara in den Scholastica Convent
versetzt, unmittelbar am Indischen Ozean gelegen. Inzwischen ist unsere
dortige Gemeinschaft von 4 auf 10 Schwestern angewachsen, allesamt junge
Tansanierinnen, vier davon im Studium. Täglich singen wir das Lob Gottes
viermal am Tag und beten für alle unsere Freunde und die Anliegen der
ganzen Welt. Der Bau der Grundschule liegt ganz in der Nähe. Aber auch der
wunderbare Ozean sieht mich fast täglich kurz zum Schwimmen.
Ob Maria den kleinen Jesus auch so lieb angeschaut hat wie die Mutter auf
dem Foto? Die Stoffe waren damals noch handgewebt, aber das Mutterglück
war dasselbe, und für uns der Anfang des Heiles. Eine große Freude wünsche
ich uns allen an Weihnachten trotz all der erschütternden Nachrichten. Und
dass wir so im Vertrauen auf Gott ein Neues Jahr beginnen, obwohl so viel
dunkel ist. Dafür beten wir hier im Scholastica Convent für alle unsere
Freunde. Gesegnete Weihnacht!
Von ganzem Herzen dankbar grüßt
Sr. Raphaela Händler OSB
Missions-Prokura Tutzing / Für Sr. Raphaela
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