Gedanken zu „Von der Idee zum Werk“

30. Sept. 2015
Hildegund Rißler
Gedanken zu „Von der Idee zum Werk“
Was bewegt die Menschen, Kreatives zu tun, ganz gleich, zu welcher Sparte sie sich
zurechnen und wie sie sich ausdrücken wollen.
In jedem Fall ist es der Wunsch, den Dingen auf den Grund zu gehen, die Schöpfung etwas
besser zu begreifen und durch eigenes Tun bewusst einen Teil dazu beizutragen. Je nach
Talent und Interesse zieht es die Menschen in bestimmte Richtungen. Die Möglichkeiten sind
heute nahezu unbegrenzt, besonders bei uns in einem freien Land.
Kunst! Was ist Kunst? Herr Goll, der Galerist, hat uns ja mit seinem Vortrag bei Inner Wheel
verschiedene Kriterien genannt, was man unter Kunst versteht.
Heute vertrete ich nur die bildende Kunst und zwar ausschließlich aus meiner Sicht.
In der Gegenwart ist der Begriff „Kunst“ außerordentlich locker und weit zu deuten. Das war
nicht immer so. Denken wir an die Zeit, in der sich jede künstlerische Tätigkeit nach dem
jeweiligen Auftraggeber aus Kirche oder weltlicher Herrschaft zu richten hatte.
Kunst ist jetzt in ihren Ausdrucksformen frei oder zumindest freier, denn auch heute noch
bestimmen Auftraggeber die Richtung und den Grad des Freiraums.
Wir unterscheiden zwischen freiem und beauftragtem Tun. Manchmal ist ein Auftrag leichter
zu bewältigen als den freien Geist zu zügeln und in Form zu bringen.
Alle Kunstschaffenden entwickeln im Laufe ihres Lebens ihren eigenen Fragenkatalog, ihre
Formensprache, abhängig von Herkommen und von Einflüssen aus dem jeweiligen Umfeld.
Diese werden geprägt durch Krieg und Frieden, durch politische und soziale Bedingungen
und mehr. So entsteht beispielsweise durch Kriege oder durch Revolutionen eine völlig
andere Sicht auf das Leben. Diese hat stets das Denken und Handeln der Kunstschaffenden
geprägt. So haben die deutschen Künstler, die den ersten Weltkrieg überlebt hatten, ganz
andere Themen aufgegriffen und andere Formensprachen entwickelt als um die
Jahrhundertwende.
Zu bedenken: Künstler schöpfen immer aus der Kenntnis und dem Wissen über Kunst aus der
Vergangenheit und aus der Auseinandersetzung mit Werken anderer Künstler.
Ich werde immer wieder gefragt, woher ich meine Ideen nehme. Für mich liegen sie
sozusagen „auf der Straße“. Das heißt, durch Beobachtungen meines Lebensraumes nehme
ich viele Eindrücke auf, die mich zu Fragen anregen, z.B. nach dem Sinn des Lebens, nach
Werden und Vergehen, nach Höhen und Tiefen und so weiter und so weiter. Es gibt aber auch
Situationen, die mich zu Protest oder sogar zu einer gewissen Wut herausfordern.
Oder aber, ich lasse mich berühren von der Schönheit der Natur. Dies schließt auch den
Menschen ein, den ich als Teil der Natur empfinde.
Befindlichkeiten, wie Freude, Trauer, Hilflosigkeit oder die Vergänglichkeit an und für sich
bieten genügend Stoff, Ideen zu entwickeln.
Es gibt aber auch ganz einfach Situationen, dass man herrliche Farben oder Formen sieht und
man aus purer Lust am Malen oder plastischem Arbeiten in das Atelier eilt.
Zum Unterschied zwischen freien und Auftragsarbeiten: Ideen zum freien Arbeiten sprießen
meist spontan. Auftragsarbeiten entstehen anders. Man muss den Auftraggeber
berücksichtigen, dessen Erwartungen, das gewünschte Material und die gewünschte Technik.
Für welchen Zweck und für welchen Ort soll gearbeitet werden. Gibt es ein finanzielles
Limit? Der Rahmen, in dem man sich bewegen kann, ist abgesteckt, was aber nicht generell
die Lust an der Arbeit blockieren muss.
Immer aber ist die Umsetzung von der Idee zum Werk, von der Frage zur Antwort, der
interessanteste, manchmal auch der schwierigste Teil.
Mühe, Zweifel, alle Höhen und Tiefen nimmt ein Künstler in Kauf, um mit seinem Tun ein
einigermaßen zufriedenstellendes Ergebnis zu erlangen. Um es gleich vorweg zu nehmen:
Zufrieden ist der Künstler selber nie, denn jede Arbeit gebiert neue Fragen und fordert einen
neuen Anfang.
Dass zum gelungenen Ergebnis die solide Kenntnis und Beherrschung der Techniken
unverzichtbar ist, versteht sich für mich von selbst.
Um den bekannten Satz von Karl Valentin zu strapazieren, dass Kunst schön ist, aber viel
Arbeit macht, kann ich das Sprichwort hinzufügen: Ohne Fleiß kein Preis!
Hildegund Rißler, IWC Essen-Nord