hans ulrich obrist das wunder von dhaka

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Louis I. Kahns Parlamentsgebäude in Bangladeshs Hauptstadt, eine Ikone der Architektur und
ein Symbol der Freiheit.
DA S M AGA Z I N 09/2016 — BI L D: R AY MON D M E I E R
HANS ULR ICH OBR IST
DAS W UNDER VON DHAK A
Das Gebäude lässt sich nur unter grossen Schwierigkeiten besuchen. Man muss sich lange im Voraus anmelden, seinen Pass abgeben und in einer
geführten Gruppe gehen. Für mich war dieser Besuch ein lange gehegter Traum; für die Bewohner
von Bangladesh, für die dieser moderne Palast gebaut wurde, ist der Zutritt leider praktisch unmöglich. Jatiya Sangsad Bhaban, das Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Dhaka, errichtete der Architekt Louis I. Kahn in Marmor und Beton für den
noch jungen Staat, der, zuvor Ostpakistan genannt, 1971 seine Unabhängigkeit erlangte. Das
monumentale Gebilde gehört mit seinen viaduktartigen Brücken, den riesigen Öffnungen in seiner
burgartigen Schale und dem unglaublichen Lichtspiel, das die bengalische Sonne in seinem Inneren aufführt, zu den grossartigsten Bauwerken des
20. Jahrhunderts. Der Terrorismus aber und die
Angst vor Anschlägen haben nicht nur das Regierungsviertel, sondern die ganze Stadt in eine
Hochsicherheitszone verwandelt.
Dass in dieser Atmosphäre der Anspannung
überhaupt Gespräche über Kunst stattfinden können, ist schon für sich allein bemerkenswert. Zum
mittlerweile dritten Mal stemmten Nadia und Rajeeb Samdani, Sammler und Philanthropen aus
Bangladesh, den «Dhaka Art Summit», zu dem
Künstler und Kuratoren aus der ganzen Region
kamen, aus Pakistan und Indien. Auch Daniel
Baumann, Direktor der Kunsthalle Zürich, war
dabei und kuratierte einen Preis für junge Künstler. Ali Asgar aus Dhaka kreierte eine interaktive
Gender-freie Zone, um zu verdeutlichen, in welchen Stereotypen Männer und Frauen in seiner
Gesellschaft gesehen werden, die sich nur langsam von alten Rollenbildern zu lösen vermag.
Dieser Art Summit ist keine weitere Biennale,
von denen es inzwischen mehr als 150 auf der Welt
gibt, auch keine Messe, sondern ein Forum der
Aufklärung und des Lernens. Wie anders diese
Veranstaltung ist, sah man nicht zuletzt an dem
Bedürfnis ihrer Besucher, an ihr teilzunehmen.
140 000 waren es am Ende – viele von ihnen standen stundenlang an, um Diskussionen mitzuerleben und Kunstwerke zu sehen, in denen offen gesagt werden kann, was sonst unter Tabus, Angst
und Zensur verborgen bleibt.
Der Art Summit und Kahns Gebäude – sie waren eine Erinnerung daran, was wir in unseren liberalen Gesellschaften längst vergessen haben:
dass Kunst ein Ausdruck von Freiheit ist.
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H A N S U L R ICH OBR I ST ist Kurator und Co-Direktor der Serpentine Galleries in London.
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