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Gottes Wesen: Mehr als Gerechtigkeit
10. April 2016
Vorbemerkung: Die Folgenden Verse lassen sich leichter verstehen, wenn wir uns
daran erinnern, dass Jesus wenige Sekunden vorher gesagt hat:
Mt 5:20 Wenn euer Leben der Gerechtigkeit Gottes nicht besser entspricht als
das der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr mit Sicherheit nicht ins
Himmelreich kommen.«
Es geht also immer noch um ein neues Gerechtigkeitsempfinden, das sich nicht an
den Massstäben des Gesetzes orientiert, sondern am Herzen Gottes! Wir fahren nun
dort weiter, wo Jesus wenig später sagt:
21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber
töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch, dass
jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu
seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt:
Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird.
Das ist das neue Thema, welches er nur ultrakurz aufgreift: Umgang mit Zorn, Hass,
Ärger und allen Arten von negativen Gefühlen! Später wird er mit seinen Jüngern
noch viele Male ausführlich darüber reden. Die Bergpredigt ist wie schon gesagt eine
sehr zugespitztes „Regierungsprogramm“, eine Art geistliche Verfassung, die Jesus 3
Jahre detailliert auslegt. Am Kreuz hat er den letzten Beweis zu geliefert, dass es
wirklich so gemeint ist, wie er hier sagt!
dass zu den Alten gesagt ist: „die Alten“ ist eine ehrenvolle Bezeichnung. Jesus ist hier
sehr respektvoll. Er meint nicht, dass es altmodisch sei, so zu denken. Wer hat es den
Vorfahren gesagt?
Gott!! Wann und wo? In den 10 Geboten! Voila: 2Mo 20:13 oder auch 5Mo 5:17 Du
sollst nicht töten.
→ Der Zusatz: „Wer aber einen Mord begeht, muss vor ein Gericht» ist kein Zitat,
sondern eine Zusammenführung verschiedener Bibelstellen (2 Mo 21:12; 4 Mo 16ff; 5
Mo 17:8ff)
 Diese Folgerung der Vorfahren war sehr wertvoll, denn es führte in Israel bereits
vor vielen Tausend Jahren das Verbot von Blutrache ein! Das war ein unglaublicher
Fortschritt in einem gesellschaftlichen Umfeld, wo das heute noch gelebt wird!
Erinnert ihr euch? Vor noch nicht mal 2 Jahren: Mord in St. Galler Moschee
Da war Israel bereits viel weiter. Auch in Europa waren Ehrenmorde solange
verbreitet, bis sich das Christentum durchsetze. Vor allem in Zentraleuropa.
Trotzdem ist bemerkenswert was Jesus nun sagt! Doch Ich sage euch!!!
Nun kommt etwas, was weit über das Verbot von Mord, und seine Sühnung durch ein
ordentliches Gericht hinausgeht! Wieder schaut Jesus hinter die Kulisse der Tat (Wie
beim Thema Ehebruch, der als konkrete Tat, oder in Gedanken geschehen kann)
Warum mordet ein Mensch, warum halten wir Gericht?
Bis es zu einem Mord kommt, ist bereits sehr vieles schiefgelaufen. Konflikte wurden
nicht gelöst, Ungerechtigkeiten nicht überwunden, aus dem Ruder laufende
Emotionen nicht gestoppt!
Die willentliche Tötung eines Menschen ist immer die Folge von negativen Emotionen
wie Zorn, Wut, Enttäuschung, Das Gefühl betrogen zu sein, zu kurz zu kommen, ein
Recht zu haben auf Etwas, und sei es einfach verletze Ehre zu sühnen. Sie ist das
Endprodukt einer negativ Spirale, die meistens bereits viel früher eingesetzt hat.
Jahre, manchmal Jahrzente!
Dabei sind Emotionen wir Ärger, Wut oder Zorn normal. Manchmal sogar hilfreich!
Aber sie haben ein Potential, das gelenkt werden muss, sonst kann es sehr
zerstörerisch wirken.
Gott selber zürnt ja auch:
2Mo 413 Er aber erwiderte: Ach, Herr! Sende doch, durch wen du senden
willst! 14 Da entbrannte der Zorn des HERRN gegen Mose, und er sprach: Ist
nicht dein Bruder Aaron da, der Levit? Ich weiß, dass er reden kann. Und
siehe, er geht auch schon aus, dir entgegen. Und wenn er dich sieht, wird er
sich freuen in seinem Herzen. 15 Dann sollst du zu ihm reden und die Worte in
seinen Mund legen, und ich will mit deinem Mund und mit seinem Mund sein
und will euch unterweisen, was ihr tun sollt.
Aber was macht Gott? Sendet er einen Blitz, der Moses in den Hintern brennt, um
ihm Beine zu machen? Nein, er selber schlägt Aaron vor, der an der Stelle von Moses
reden soll. Moses jedoch wird nicht aus der Verantwortung entlassen.
Emotionen, auch starke Emotionen, sind manchmal nötwendig, damit wir den
benötigten Energiekick bekommen, etwas zu ändern! Sie wirken unserer natürlichen
Trägheit entgegen. Menschen ohne die Fähigkeit, starke Gefühle zu entwickeln, sind
im Grunde genommen krank. Sie sind nicht gesellschaftsfähig, und auch nicht
überlebensfähig.
Eine andere Sache aber ist es, wenn wir mit den starken Gefühlen nicht umgehen
können. Davon spricht hier Jesus! Und er gibt uns einen Einblick in das Wesen Gottes!
22 Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht
verfallen sein wird;
→ Er spricht nicht von Verurteilung, sondern von einer gerichtlichen Untersuchung!!!
Warum? Manchmal operieren auch Christen mit dem Begriff: „der heilige Zorn Gottes
überkam mich!“ Ich warne euch dringend davor, dies so auszusprechen, denn wie wir
gehört haben: Es wird untersucht werden, ob es heilig war, also von Gott gekommen
ist, oder bloss Ausdruck der eigenen Verletzung!!! Sage lieber: „Ich wurde zornig“
Damit stellst du dich nicht selber auf die Seite der Gerechtigkeit, wirst nicht selber
zum Richter.
Auch Paulus hat hier von Jesus gelernt, dass nicht der Zorn an sich sündig ist, aber
das, was daraus erwachsen könnte:
haben, sondern das Recht! Wir alle haben dieses Gen in uns. Das ist die sogenannte
Erbsünde. Wir meinen Gut und Böse unterscheiden zu können. Vor allem beim
Nächsten fällt es uns nicht so schwer, das Haar in der Suppe zu finden.
Schon Jesaja hat im Namen Gottes davor gewarnt, und den Menschen erklärt,
wonach sich Gott wirklich sehnt!
Jes 58:9 Dann wirst du rufen, und der HERR wird antworten. Du wirst um Hilfe
schreien, und er wird sagen: Hier bin ich! Wenn du aus deiner Mitte
fortschaffst das Joch, das Fingerausstrecken und böses Reden.
Jesus weiss genau, dass wir immerzu bereit sind, irgendwelche Ausreden zu finden,
wenn es darum geht, unsere negativen Emotionen zu bagatellisieren oder zu
rechtfertigen. Darum setzt er jetzt noch einen drauf.
Ich glaube, dass es Jesus sehr schmerzt, wenn er uns in der Rolle von Verleumdern
oder Anklägern sieht. Wie oft haben gerade wir uns der übrigen Welt als solche
präsentiert, die sich für besser halten, moralisch überlegen und von Gott geadelt
aufgrund ihres Verhaltens. Berufen der Welt ihre Sünden vor Augen zu halten. Dabei
ist unsere Berufung, den Menschen von der Güte und Liebe Gottes zu erzählen, die
auch den Sündern gilt!
wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird;
Nun gibt Jesus zwei praktische Anwendungen:
„Raka“ ist eine milde Beleidigung. Etwas wie Esel, oder Dummkopf. Das Hohe Rat
war der Sanhedrin, der später Jesus zum Tode verurteilen würde. Macht Jesus hier
eine Andeutung, dass er sogar für unsere unbedacht ausgesprochenen Worte würde
sterben müssen?
23 Wenn du eine Opfergabe zum Altar bringst und dir fällt plötzlich ein, dass
dein Bruder dir etwas vorzuwerfen hat, 24 dann lass dein Opfer am Altar
zurück, geh zu deinem Bruder und versöhne dich mit ihm. Erst danach bring
Gott dein Opfer dar.
wer aber sagt: Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird.
Die Opfergaben waren ja für einen gottesfürchtigen Juden vorgeschrieben. Aber was
ist einfacher? Einem Opfertier die eigene Schuld aufzuladen, und es dann zu
schlachten, oder zu einem Mitmenschen gehen, und gestehen, dass ich falsch
gehandelt habe? Also zu meiner Schuld auch vor dem Menschen zu stehen?
Eph 4:26 Wenn ihr zornig seid, dann versündigt euch nicht. Legt euren Zorn
ab, bevor die Sonne untergeht.
Nun magst du einwenden, dass dies schon etwas übertrieben sei. Ja, mag sein, aber
wir sollten nicht vergessen, dass der Mensch selber gewählt hat, Herr über Recht und
Unrecht zu sein. Adam und Eva hatten mehr Interesse daran, von der Frucht der
Erkenntnis über Gut und Böse zu essen, als vom Baum des Lebens! Wenn man aber
Richter sein will über Gut und Böse, muss man selber frei sein von Schuld. Wer aber
ist frei von Schuld, wenn er dem anderen nur schon Dummkopf sagt? Wer kann
sicher sein, dass er da nicht überheblich ist? Inder Bibel werden Torheit und
Gottlosigkeit oft gleichgesetzt. Narr könnte in diesem Zusammenhang auch als
„Gottloser“ übersetzt werden. Was sind die Folgen, wenn jemand einen anderen als
Gottlos bezeichnet? Sieht er in das Herz Gottes? Weiss er, dass sich Gott vom
Anderen total entfernt hat, sich ihm niemals mehr zuwenden wird? Die Religionen
und auch Kirchen haben sich immer das Recht genommen, die Gottlosen zu töten! Bis
heute!  Das ist wirklich keine Bagatelle!
Nicht nur, wer jemanden tötet, masst sich göttliche Autorität an, sondern jede Art
von Verurteilung, von Herabwürdigung ist wider Gottes Geist gerichtet. Wir stehen
dann vollständig in der Tradition von Adam und Eva, die nicht das Leben gewählt
Das war nicht wirklich neu, denn schon der Prophet hat darauf aufmerksam gemacht:
Hosea 6:6 Denn an Güte habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, und an
der Erkenntnis Gottes mehr als an Brandopfern.
Frag nicht danach, wer zuerst ein böses Wort ausgesprochen hat, oder das
Schlimmere böse Wort. Untersuche nicht zuerst, wer mehr Öl ins Feuer geworfen
hat, sondern gehe hin, und suche die Versöhnung. Stehe zu deinem Anteil. Mach den
ersten Schritt, egal wie der andere reagiert. Mach es immer wieder, habe keine
Angst, dass du zu kurz kommst. Mache Jesus zu deinem Schutz!!!
25 Setz alles daran, dich noch auf dem Weg zum Gericht mit deinem Gegner
zu einigen. Sonst wird der Richter dich verurteilen, und der Gerichtsdiener wird
dich ins Gefängnis stecken. 26 Und ich sage dir: Von dort wirst du nicht eher
wieder herauskommen, bis du auch den letzten Rest deiner Schuld bezahlt
hast."
→ Setze nicht auf dein Gefühl, dass du doch recht hast, und der Richter es schon
einsehen wird. Und so dein Gegner gedemütigt wird, und endlich nachgeben muss!
Wie viele Gerichtsverhandlungen haben schon anders geendet, als die Kläger es
erwartet haben. Das kommt daher, dass wir nicht fähig sind, im Konflikt objektiv zu
sein. Wir tendieren dazu, unsere eigene Rolle im Konflikt zu beschönigen! Wie viele
haben bereits ihren Ehepartner vor einen Eheberater gezogen und dabei gehofft,
dass nun dem anderen mal endlich gezeigt wird, wie daneben er ist. Und waren dann
sehr enttäuscht von dieser Ehetherapie. Denn sie bekamen genau gleich viele
Hausaufgaben, wie der erwählte Sündenbock!
Wer mit glühenden Kohlen nach anderen wirft, verbrennt nur sich selber die Hand!
Adam und Eva haben gewählt! Sie wollten Gut und Böse unterscheiden können, und
haben sich dadurch Gericht und strafe eingehandelt. Wir müssen die Suppe
auslöffeln, seit vielen tausend Jahren!!!
Dabei waren sie so nahe beim Herzen Gottes, dass so viel mehr kennt, als Recht und
Unrecht. Es ist erfüllt von Barmherzigkeit, Liebe, Ermutigung, Wiederherstellung.
Jesus ist gekommen, um uns das Herz Gottes neu zu offenbaren! Und er hat uns
gesagt, dass wir auf den Heiligen Geist warten sollen, den nur durch ihn können wir
ein Leben führen, dass von der Erkenntnis Gottes erfüllt ist, und von seiner Liebe und
Güte.
Die Bergpredigt macht in aller Kürze den Unterschied deutlich vom Leben im Fleisch,
dass nicht mehr will als Gut und Böse zu unterscheiden, das aber niemals wirklich
vermag, und den Leben im Geist. Denn nur wenn die Liebe Gottes durch den Geist
ausgegossen ist in unsere Leben, können wir auch die Früchte des Geistes
hervorbringen.
Paulus war nach seinem Studium des Gesetzes ein Fanatiker, der die Christen
verfolgte. Er wollte Gott gefallen mit seinem Eifer, aber Jesus sagte zu ihm: «Saulus,
warum verfolgst du mich?» Wie viele Christen wurden bereits von eifrigen
Verfechtern des Gesetzes «verfolgt», und damit auch Jesus?
Später sagt Paulus den Galatern aus eigener Erfahrung: (Kp 5)
«14 Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: "Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst." … 16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, und
ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.»
Ich glaube, er hat sehr gut zusammengefasst, was Jesus in der Bergpredigt ankündigt.
Es kommt etwas Besseres, ein neuer Bund! Es kommt ein Leben aus dem Herzen
Gottes, ein Leben aus dem Heiligen Geist!