Etwas wie Normalität nach der Flucht

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LAND A LEIT
Dienstag,
22. März 2016
Joyeux anniversaire, Madame
GEBURTSTAG Großherzogin Maria Teresa wird 60
Heute feiert Großherzogin Maria Teresa ihren 60. Geburtstag. Ihr Geschenk vom Tageblatt erhielt die Großherzogin bereits vor einer Woche, als sie
einen Tag lang die Rolle der Chefredakteurin übernehmen durfte. Gestern dann wurden die Großherzogin und ihre Familie von Papst Franziskus im
Vatikan empfangen. Weitere Fotos sowohl von diesem Event als auch die vom Hof zur Verfügung gestellten Geburtstagsbilder von Großherzogin
Maria Teresa gibt es auf http://tgb.lu/mariateresa.
(Foto: Sylvie Lancrenon)
Etwas wie Normalität nach der Flucht
HÉLIAR-ZENTRUM 61 Kinder gehen zur Schule
Armand Hoffmann
Zurzeit leben rund 120
Flüchtlinge im Héliar-Zentrum
in Weilerbach. Immer wieder
machen Gerüchte die Runde,
dass das Zentrum ein
rechtsfreier Raum sei und die
Flüchtlinge sich untereinander
die Köpfe einschlagen
würden. Integrationsministerin Corinne Cahen
lud gestern Pressevertreter
zum Mittagessen ins
Flüchtlingsheim ein.
WEILERBACH Kurz nach Mittag wird es laut im Flüchtlingsheim. Unzählige Kinder strömen
aus den vier Klassenräumen in
den Eingangsbereich des Foyers,
wo ihre Mütter schon auf sie warten. Jedes der Kinder grüßt höflich die anwesenden Erwachsenen. Es sind sogar einige Wortfetzen Luxemburgisch zu hören. 61
Kinder besuchen die Schule. Auf
dem Stundenplan stehen die glei-
chen Fächer wie bei ihren luxemburgischen Kameraden. Auch die
luxemburgische Sprache steht
auf dem Programm. „Die Familien sollen höchstens ein Jahr in
Weilerbach bleiben. Aus diesem
Grund besuchen die Kinder keine öffentlichen Schulen. Die Jugendlichen besuchen öffentliche
Gymnasien in der Hauptstadt“,
erklärt Cahen. Bei der Essensausgabe in einem hellem Raum ist es
auffallend still. Das Esszimmer
erinnert an eine Kantine.
Man muss sich das Essen mit einem Tablett abholen. Gestern
gab es Fisch mit Couscous und
Gemüse sowie eine vegetarische
Quiche. Laut eigenen Aussagen
schmeckt den Menschen das Essen. Nach dem Essen räumen die
Flüchtlinge die Teller und das Besteck weg. Einige Frauen reinigen
vor dem Verlassen des Saales
noch die Tische mit einem nassen
Lappen.
„Niemand muss sich ab- oder
anmelden. Jeder kann frei ent-
Rekord-Besucherzahl bei
Uni-„Porte ouverte“
S. 47
scheiden, wo er essen möchte“
sagt die Integrationsministerin.
In dem Flüchtlingsheim gibt es
allerdings einige Regeln, um das
Zusammenleben aller zu vereinfachen. Die Flüchtlinge dürfen
nicht auf ihren Zimmern essen
oder Drogen zu sich nehmen.
Nach 22 Uhr darf kein Besuch
mehr empfangen werden. „Die
meisten halten sich an diese Regeln. Nur in ganz seltenen Fällen
kommt es zu Auseinandersetzungen, doch das ist normal, wenn
Renovierung
Routine für die Polizei
Wie der Pressesprecher der Polizei gegenüber dem Tageblatt
bestätigte, wurden die Beamten
schon ein paar Mal ins „Foyer
Héliar“ gerufen.
„Wir werden bei Notfällen vom
Sicherheitspersonal alarmiert.
In den meisten Fällen ging es
um Familienstreitigkeiten, die
sich schnell regeln ließen. Prozentual kommt es jedoch nicht
zu mehr Einsätzen als in anderen Gegenden des Landes“, so
der Pressesprecher. „Wenn die
Polizei gerufen wird, dann werden wir uns vor Ort ein Bild
machen und wenn nötig auch
ein Protokoll aufnehmen“, versicherte der Pressesprecher der
Polizei.
Jeder Mensch hat das Recht,
Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Illegale Drogen seien
bei den Flüchtlingen in Weilerbach aber noch nicht gefunden
worden.
Neu im „Escher Déierepark“
Didaktischer Bauernhof seiner Bestimmung übergeben / S. 46
so viele Menschen auf engstem
Raum zusammenleben“, glaubt
eine Mitarbeiterin des „Office luxembourgeois de l’accueil et de
l’intégration“ (OLAI).
In nächster Zukunft soll das
„Foyer Héliar“ renoviert werden. Ein genaues Datum gibt
es noch nicht. „Die logistischen Fragen sind noch nicht
geklärt. Die Bewohner müssen in Alternativunterkünfte
ziehen. Für die Kinder müssen neue Schulplätze gefunden werden. Aus diesem
Grund könnten wir uns vorstellen, in den Ferien mit den
Bauarbeiten zu beginnen“,
erklärte eine Mitarbeiterin
des OLAI.
Ein kleines „Manhattan“
für die Hauptstadt
S. 50
Persönlich erstellt für: asbl asti
Tageblatt