Was soll ich nur studieren?

März 2016 | 40. Jahrgang | Heft 1
Ausbildung
Erfahrungen sammeln
im Ausland
Arbeitsmarkt
Spezialisten für die AppÖkonomie gesucht
Berufsbild
Was macht ein Stadt- und
Freiraumplaner?
go
abi.de
Schritt für Schritt zum Ziel:
Was soll ich nur studieren?
abi.de
ausbildung
IM FOKUS
Als Azubi die Welt entdecken
Was soll ich nur studieren?
Ein Auslandsaufenthalt bereichert Leben und
Lebenslauf. Immer mehr Auszubildende entscheiden
sich dafür. ���������������������������������������������������������������� 6
go
abi.de
Die Studienwahl will gut durchdacht sein. abi>>
begleitet Studierwillige Schritt für Schritt, liefert
Informationen und Tipps. ������������������������������������10
editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
s
alami, Schinken und Champignons, Spinat, Rucola oder Thunfisch:
Manche Entscheidungen sind so einfach wie Pizza bestellen. Man
verlässt sich auf sein Bauchgefühl, mit der Gewissheit, dass einen
die falsche Wahl höchstens einen gelungenen Abend im italienischen Restaurant kostet. Andere Entscheidungen hingegen lassen
sich nicht so schnell und leicht treffen, zum Beispiel die für den richtigen Studiengang. Anglistik, Philosophie, Betriebswirtschaft, Jura, Chemie, Maschinenbau, Informatik: Das Angebot ist ähnlich verlockend wie die Speisekarte beim Lieblingsitaliener
– nur hat die Studienwahl Auswirkungen auf mehrere Jahre, ganz zu schweigen vom
späteren Berufsleben.
Diese Ausgabe des abi>> Magazins unterstützt dich bei diesem Prozess Schritt
für Schritt. In mehreren Stationen führt dich der Berufswahlfahrplan durch Themen
wie Selbsterkundung, Studiengangrecherche, Praxis-Check und Berufschancen. Du
erhältst Anregungen, wie du deine persönlichen Interessen und Talente aufspürst
und dazu passende Studiengänge findest. Es gibt Hinweise zu dualen Studiengängen
sowie Übersichten zu Selbstinformationsangeboten. Darüber hinaus erfährst du,
inwiefern du von Praktika und Orientierungsangeboten der Hochschulen profitierst
und welche Rolle Arbeitsmarktprognosen spielen.
Sich rechtzeitig informieren und alles Nötige in die Wege leiten sollten aber nicht
nur diejenigen, die nach einem passenden Studiengang suchen, sondern auch, wer
während der Ausbildung ins Ausland möchte. Mehr dazu findest du in dieser Ausgabe,
außerdem: Einblicke in die junge Branche der App-Ökonomie und in den Berufsalltag
eines Stadt- und Freiraumplaners.
Viel Spaß beim Lesen wünscht die abi>> Redaktion
2
abi>> 1 | 2016
i n h a lt
I ausbildung I studium I beruf I arbeitswelt I fun & facts
abi.de
a r b e i t sm a r k t
W A S M A C HT EIN … ?
Mit einem Wisch in die Zukunft
Stadt- und Freiraumplaner
Die App-Ökonomie ist eine junge, aber schnell
wachsende Branche. Gefragt sind IT-Fachkräfte,
aber auch Spezialisten aus anderen Bereichen. �� 22
Ausbildung
Christoph Hülsebusch (29) ist an der Planung der
Stadt Köln beteiligt. Dabei hat er Aspekte wie Umweltund Ressourcenschutz im Blick. ������������������������������26
Wo es dir gefällt
Deutschlands Studienorte kennenlernen
mit dem abi>> Hochschulpanorama ����15
Als Azubi die Welt entdecken
Kulturelle Kompetenzen erwerben: Immer
mehr Auszubildende legen einen beruf„Erst orientieren, dann studieren“
lichen Auslandsaufenthalt ein. ��������������6 Wie Orientierungssemester bei der Wahl
des richtigen Studienfachs unterstützen
„Fachliche und persönliche
können �����������������������������������������������16
Bereicherung“
Im Interview erklärt Expertin Ulrike
Auf naturwissenschaftlichem
Schnupperkurs
Schröder, wie Interessierte über das
Programm Erasmus+ ins Ausland
Dank Studium naturale fand Julia Mrtva
gehen können. ��������������������������������������8 (20) zu ihrem Studiengang Molekulare
Biotechnologie. ����������������������������������� 17
Auslandspraktikum in Südengland
Der angehende Groß- und Außenhandels- Oder doch eine Ausbildung?
kaufmann Johann Rottmann (21) absolHinweise und Tipps für alle, die eine
vierte ein Praktikum in Südengland. �����9 Ausbildung in Erwägung ziehen �����������18
Im Fokus
Studienwahl – Schritt für Schritt
abi>> gibt Tipps, wie Abiturienten bei
ihrer Studienwahl vorgehen können. ���10
Wie gut kennst du dich?
Die eigenen Neigungen und Fähigkeiten
erkunden – mit Checkliste ������������������12
Was passt zu deinen Interessen?
Passende Studiengänge finden und
Tipps für die Hochschulrecherche �������14
Passt deine Wahl?
Vorstellungen einem Realitätstest
unterziehen, etwa durch Praktika �����19
Zukünftige Berufschancen
Inwieweit Arbeitsmarktprognosen eine
Rolle bei der Studien- und Berufswahl
spielen sollten ������������������������������������20
Und wenn du keinen Studienplatz
bekommst?
Alternativen gibt es immer. abi>>
zeigt die nächsten Schritte auf. ����������� 21
abi>> 1 | 2016
Arbeitsmarkt
Mit einem Wisch in die Zukunft
Ob auf Smartphone oder Tablet: Apps
sind heute allgegenwärtig. Die noch
junge App-Branche wächst schnell
und sucht ständig Spezialisten. ����������22
Wegweiserin ins Digitale
Die Marketing- und Produktmanagerin
Michèle Czarnecki (30) macht Unternehmen für die Digitalisierung fit. �������24
Was macht ein …?
Stadt- und Freiraumplaner
Als Beamter im höheren bau­
technischen Verwaltungsdienst
gestaltet Christoph Hülsebusch (29)
die Metropole Köln mit. ����������������������26
weitere rubriken
Editorial������������������������������������������������� 2
News������������������������������������������������������ 4
abi>> Schülerzeitungswettbewerb/
Impressum������������������������������������������ 27
Vorschau/Leseraktion��������������������� 28
3
news
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1. Juni
2016:
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22. Jun
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BAföG -Reform
Förderung steigt
Die Studierendenzahl wächst –
jetzt zieht die Ausbildungsförderung BAföG nach. Zum Wintersemester 2016/17 steigt das
Fördergeld. Auch Wohngeld- und
Kinderbetreuungszuschlag sowie
Freibeträge werden angehoben.
Ab August 2016 wächst der monatliche
Förderhöchstsatz für Studierende, die
nicht bei ihren Eltern wohnen: von
670 Euro auf bis zu 735 Euro. BAföGEmpfänger können zudem einen
Minijob mit einem Verdienst von bis
zu 450 Euro im Monat ausüben, ohne
dass dies auf ihre BAföG-Leistungen
angerechnet wird. Der Freibetrag für
eigenes Vermögen wird auf 7.500 Euro
angehoben. Durch das 25. BAföGÄnderungsgesetz steigt außerdem der
Kinderbetreuungszuschlag auf 130 Euro
für jedes Kind, der Wohngeldzuschlag
auf 250 Euro.
Der Kreis der BAföG-Empfänger
wird nach Angaben des BMBF um
110.000 Studierende und Schüler erweitert. Seit 2015 übernimmt der Bund die
volle Finanzierung der Geldleistungen
nach dem BAföG, wodurch die Länder
jährlich 1,17 Milliarden Euro zusätzlich
zur Verfügung haben, um Hochschulen
und Schulen finanzieren zu können.
A u s b i l d u n g s m a r k t 2 015
Mehr Stellen,
mehr Bewerber
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und die Bundesagentur für Arbeit (BA) ziehen
ein Fazit für das Ausbildungsjahr
2015: Die Zahl der Stellen und
Bewerber nahm zu, jedoch wird
es zunehmend schwieriger, beide
zusammenzuführen.
563.100 Ausbildungsplätze zählten BIBB
und BA im vergangenen Jahr. Das ist
ein leichter Zuwachs von 0,7 Prozent im
Vergleich zu 2014. Obwohl bundesweit die
Schülerzahlen stetig sinken, blieb die Zahl
der Bewerber stabil: 2015 gab es 603.000
ausbildungswillige Jugendliche und damit
nur 400 weniger als im Vorjahr.
Trotz dieser guten Ausgangslage wird
es immer schwieriger, Bewerber und
Ausbildungsplätze zusammenzuführen.
So blieben im vergangenen Jahr 41.000
Stellen unbesetzt und damit 10,4 Prozent
mehr als 2014. Demgegenüber standen
2015 wie auch 2014 rund 81.000 potenzielle Azubis, die keine geeignete Stelle
gefunden hatten. Über ein Viertel davon
hat Fachhochschulreife oder Abitur.
Der hohe Anteil kommt auch dadurch
zustande, dass sich diese Gruppe an nur
wenigen Berufszweigen interessiert zeigt:
dem kaufmännischen Bereich, der IT und
den Medien.
>>Mehr Infos:
Bundesinstitut für Berufsbildung
www.bibb.de/de/
pressemitteilung_37418.php
>>Mehr Infos:
Bundesregierung
www.bundesregierung.de/
Content/DE/Artikel/2014/07/
2014-07-21-bafoeg-reform.html
4
Do - Camp -ing
Zelten auf dem
Campus
Eine Woche auf dem
Dortmunder Campus zelten,
an einem spannenden Projekt
mitwirken und dabei die
Studiengänge und Berufsfelder
der Ingenieurwissenschaften
kennenlernen? Genau das bietet
die Technische Universität
Dortmund Schülerinnen und
Schülern der Oberstufe
vom 10. bis 15. Juli 2016.
In der Erlebniswoche „Do-Camp-ing“
können die Teilnehmer an einem ingenieurwissenschaftlichen Projekt ihrer
Wahl aus den Bereichen Elektro- und
Informationstechnik, Informatik oder
Maschinenbau mitwirken und lernen
so die Studiengänge und -inhalte sowie
Berufsfelder kennen. Die Ergebnisse der
Projekte werden am Ende der Woche
präsentiert.
Unterstützung erhalten die Projektteams von Studierenden, Universitäts­
mitarbeitern und berufstätigen Ingenieuren, die zudem Fragen rund um
Studium und Beruf beantworten. Ein
abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Exkursionen und sportlichen
Aktivitäten rundet die Veranstaltung ab.
Die Gebühr für die Erlebniswoche
beträgt inklusive Verpflegung und Übernachtung 100 Euro pro Person. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Bewerbung ist bis zum 15. Mai 2016 über die
Website der Hochschule möglich.
>>Mehr Infos:
Technische Hochschule Dortmund
www.do-camp-ing.de
abi>> 1 | 2016
Illustrationen:
Daria Schreiber
news
V o m 15 . b i s 2 9. A p r i l 2 016 ,
Heidelberg/Mannheim
A m 15 . u n d 16 . A p r i l
2 016 , K o b l e n z
Messe für
Ausbildung
und Studium
Orientierungstage
Rhein-Neckar
Azubi- und
Studientage
Die Orientierungstage Rhein-Neckar
starten am 15. April 2016 in Mannheim.
Auf der Messe für Ausbildung und
Bei der Auftaktveranstal­tung „StartStudium in Dresden dreht sich am
schuss Orientierung“ in der Agentur
16. April alles um die berufliche
für Arbeit Mannheim stellen rund
Zukunft. Von 10 bis 15 Uhr können
20 regionale Hochschulen ihre Studiensich junge Menschen bei Vertretern
angebote von 16 bis 20 Uhr an Informaregionaler Unternehmen und Hochtionsständen vor. Die Besucher können
schulen über das Ausbildungs- und
sich darüber hinaus in Vorträgen zu
Studienangebot erkundigen. Diese
verschiedenen Studien­themen inforgeben den Besuchern an den Messe- mieren oder auch die Studien- und
ständen und in Form von FachvorBerufsberatung in Anspruch nehmen.
trägen Informationen zu freien AusbilIm Folgeprogramm finden vom 18. bis
dungsstellen und Studiengängen.
29. April Veranstaltungen an den UniversiDaneben gibt es unter anderem
täten Heidelberg und Mannheim statt. InteVorträge zu den Themen Bewerbung, ressierte können dabei einen persönlichen
Zulassungsverfahren und Auslands­
Eindruck von den Studienmöglichkeiten an
studium. Auch Ausbildungsexperten
den beiden Hochschulen gewinnen. Zudem
der Agentur für Arbeit Dresden, des
geben Experten der Hochschulen und der
regionalen Jobcenters, der Industrie- Agenturen für Arbeit Heidelberg, Ludwigsund Handels- sowie der Handwerkshafen und Mannheim einen Überblick
kammer sind auf der Messe vertreten. über Studienbedingungen und berufliche
Die Veranstaltung findet im Stadion Perspektiven. Das komplette VeranstalDresden statt. Der Eintritt ist frei, eine tungsprogramm kann auf der Web­seite der
Voranmeldung nicht erforderlich.
Orientierungstage eingesehen werden.
Die Orientierungstage Rhein-Neckar
>>Mehr Infos:
werden von den Arbeitsagenturen Heiwww.arbeitsagentur.de/web/
delberg, Ludwigshafen und Mannheim
content/DE/dienststellen/rds/
sowie den Universitäten Heidelberg und
dresden/Agentur/
Mannheim durchgeführt.
VeranstaltungenvorOrt/Detail/
index.htm?dfContentId=L6019022D
>>Mehr Infos:
STBAI647661
www.orientierungstage-rhein-neckar.de
abi>> 1 | 2016
Am 15. und 16. April 2016 können
sich Schülerinnen und Schüler der
Jahrgangsstufen 8 bis 13 bei den
Azubi- und Studientagen in Koblenz
über Ausbildungen, Studiengänge
und Möglichkeiten des Berufseinstiegs informieren. Zahlreiche Unternehmen, Hochschulen, Berufsfachschulen, Bildungseinrichtungen
und Anbieter von Sprachreisen
werden vor Ort vertreten sein –
darunter die EMDE Industrie-Technik
GmbH, die MKB Mittelrheinische
Bank GmbH und die Debeka
Versicherungsgruppe.
Zusätzlich können die Teilnehmer
durchgehend Vorträge besuchen,
beispielsweise dazu, wie man im Vorstellungsgespräch überzeugen kann
und welche dualen Studiengänge es
in der Region gibt. Weitere Informationen sowie eine vollständige
Ausstellerliste gibt es auf der Website
des Veranstalters.
Die Azubi- und Studientage in
Koblenz finden am Freitag von 9 bis
15 Uhr und am Samstag von 10 bis
16 Uhr statt. Veranstaltungsort ist die
Conlog Arena. Der Eintritt zur Messe
ist frei.
>>Mehr Infos:
https://kabijo.de/koblenz
V e ra n s t a l t u n g e n
A m 16 . A p r i l 2 016 ,
Dresden
5
Foto: privat
ausbildung
Sechs Wochen verbrachte die angehende Mechatronikerin Christine Martin in China. Ein Ausflug führte zur Chinesischen Mauer.
In der Ausbildung ins Ausland
Als Azubi die Welt entdecken
Den Alltag in einem fremden Land erleben, kulturelle Besonderheiten kennenlernen
und sowohl fachliche als auch soziale Kompetenzen erwerben –
was im Studium als selbstverständlich betrachtet wird, erfreut sich auch
n
bei Auszubildenden immer größerer Beliebtheit.
icht nur den Auszubildenden selbst bietet ein
beruflicher Auslandsaufenthalt viele Vorteile,
auch Unternehmen profitieren von den
positiven Effekten. Gerade große Konzerne
setzen auf Mobilität, Internationalität und
Weltoffenheit. So war es auch bei Christine Martin, die als
Mechatronikerin bei Bosch in Bamberg tätig ist. In ihrem
zweiten Lehrjahr ging es für sie sechs Wochen nach China:
6
„Ich habe in unserem Bosch-Werk in Nanjing im Bereich Technische Funktionen gearbeitet und dort unter anderem Wartungspläne für die Maschinen erstellt“, erzählt die 21-Jährige, die
nach dem Abitur auf jeden Fall im Ausland arbeiten wollte.
Die Verständigung mit den chinesischen Kollegen lief sehr
gut: In den Büros sprachen sie Englisch, der Werkleiter und
der Leiter Technische Funktionen waren Deutsche. „In der
Fertigung sprachen die Mitarbeiter häufig nur Chinesisch.
abi>> 1 | 2016
Foto: Manuela Meier
ausbildung
Bis zu einem
Viertel ihrer
Ausbildungszeit
können Auszubildende im Ausland
verbringen und
sich anrechnen
lassen.
Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt, oder ein
chinesischer Kollege ist eingesprungen und hat übersetzt“,
berichtet Christine Martin. Ein besonderes Erlebnis war das
tägliche Kantinenessen: „Oft wussten wir nicht, was genau wir
gegessen haben – aber es war immer lecker.“
Aufgefallen ist Christine Martin der besonders leidenschaftliche Arbeitseinsatz der chinesischen Kollegen: „Am Abend
oder am Wochenende zu arbeiten ist für sie ganz normal.“
Da die Maschinen ähnlich funktionierten wie die, die sie von
zu Hause kannte, war die Arbeit für die Auszubildende kein
Problem. Dazugelernt hat die junge Frau dennoch viel: „Ich
bin weltoffener geworden und gehe schneller auf fremde
Menschen zu – anders hätte es in China nicht geklappt.“ Weil
sie den ganzen Tag Englisch geredet hat, hat ihr der Auslandsaufenthalt auch sprachlich viel gebracht.
Internationale Kontakte knüpfen
Claudia Klaßen, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit
Rheine, hält Auslandsaufenthalte für Auszubildende grundsätzlich für sehr sinnvoll: „Die jungen Leute erwerben neue
Fähigkeiten und Kenntnisse und gewinnen an Selbstbewusstsein.“ Sie verbessern ihre Sprachkenntnisse mitsamt den im
Beruf notwendigen Fachbegriffen, sie arbeiten mit Menschen
aus anderen Ländern und Kulturen zusammen und knüpfen
internationale Kontakte. „Im Zeitalter der Globalisierung sind
das auch wertvolle Erfahrungen für das spätere Berufsleben“,
ist sich Claudia Klaßen sicher. Im Europass können sich die
Auszubildenden ihre Fähigkeiten, Qualifikationen und Kompetenzen, die sie während des Auslandsaufenthaltes erworben
haben, offiziell bestätigen lassen.
Derzeit nutzen etwas mehr als vier Prozent eines Ausbildungsjahres die Chance, berufliche Auslandserfahrung zu
sammeln. Wege, einen Teil oder sogar die komplette Ausbildung im Ausland zu verbringen, gibt es viele: Austauschprogramme, Gemeinschaftsprojekte, Stipendienprogramme
oder auch Doppelabschlüsse wie die Kombination aus dem
deutschen IHK-Abschluss Industriekaufmann/-frau und
dem französischen Brevet de Technicien Supérier (BTS)
Comptabilité/Gestion. Interessierte können sich auch gezielt
für einen Ausbildungsberuf entscheiden, bei dem ein Auslandsaufenthalt als Ausbildungsbestandteil vorgesehen ist. Dies
gilt etwa für Eurokaufleute oder kaufmännische Wirtschaftsassistenten im Bereich Fremdsprachen.
„Man kann sich auch gezielt ein Ausbildungsunternehmen
mit Niederlassungen im Ausland suchen“, so der Tipp der
Berufsberaterin. Informationen dazu erhalten die Auszubildenden zum Beispiel bei den Industrie- und Handelskammern
(IHK) beziehungsweise den Handwerkskammern (HWK). Auch
die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit ist eine gute Anlaufstelle.
Laut Berufsbildungsgesetz können Auszubildende bis zu
einem Viertel der Ausbildungszeit in einem anderen Land
verbringen und sich in Deutschland anrechnen lassen.
Auslandshandelskammern bieten aber auch einige Ausbildungsgänge in kaufmännischen und gastronomischen Berufen
an, die komplett im Ausland, beispielsweise in Portugal oder
Hongkong, absolviert werden können.
Es muss nicht immer Amerika sein
Wer plant, während seiner Ausbildung ins Ausland zu gehen, sollte
rechtzeitig mit der Organisation beginnen. Mindestens ein Jahr
Vorlaufzeit empfiehlt Claudia Klaßen. „Außerdem ist es besser,
nach der Zwischenprüfung zu gehen und volljährig zu sein –
das macht vieles im Ausland leichter. Natürlich muss der Arbeitgeber über die Pläne informiert werden. Die Ausbildungsvergütung wird in der Regel weiter gezahlt.“ Wichtig ist es auch, mit
der Berufsschule zu klären, ob man für die Dauer des Auslandsaufenthaltes freigestellt werden kann, und bei der Berufsgenossenschaft Infos über die Absicherung im Ausland einzuholen.
Vor allem, wer seinen Auslandsaufenthalt selbst organisiert,
sollte unbedingt sicherstellen, dass er über einen ausreichenden
Versicherungsschutz verfügt. In jedem Fall ist eine zusätzliche
Auslandskrankenversicherung ratsam. Besonders wichtig findet
die Berufsberaterin übrigens Flexibilität: „Es muss nicht immer
Amerika oder Australien sein. Auch europäische Länder können
unvergessliche Auslandsaufenthalte bieten.“ <<
abi>> 1 | 2016
7
ausbildung
Foto: privat
>>interview
„Fachliche und
persönliche
Bereicherung“
abi>> sprach mit Ulrike Schröder, wissenschaftliche Mitarbeiterin
bei der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für
Berufsbildung. Die Einrichtung koordiniert unter anderem das Programm
Erasmus+, das 2015 schon über 22.000 Auszubildenden zu einem
Auslandsaufenthalt verholfen hat.
abi>> Frau Schröder, warum lohnt es sich, als Auszubildender ins Ausland zu gehen?
Ulrike Schröder: Im Ausland in einem Unternehmen zu
arbeiten ist eine ganz andere Erfahrung, als dort nur ­Urlaub
zu machen. Je länger ein Auslandsaufenthalt dauert, umso
­größer ist die fachliche Bereicherung: Man lernt neue beruf­
liche Techniken und wird souveräner bei den Aufgaben.
Bei kürzeren Aufenthalten hingegen entwickelt man sich
hauptsächlich persönlich weiter. Nach ihrer Rückkehr sind
die ­jungen Leute meist gut vernetzt, motiviert und selbst­
bewusster.
abi>> Wie funktioniert das Programm Erasmus+?
Ulrike Schröder: Erasmus+ wendet sich an Auszu­bildende
aller Branchen. Die Aufenthalte dauern zwischen zwei
Wochen und zwölf Monaten und können auf verschiedene
Phasen während der Ausbildung verteilt werden. Neu ist,
dass junge Leute nun auch nach der Ausbildung und in der
gesetzlich geregelten Weiterbildung Zuschüsse für einen
Auslandsaufenthalt bekommen können. Das ist zum Beispiel
für diejenigen interessant, die nicht von ihrer Ausbildungsfirma übernommen werden oder vor ihrem Wechsel in eine
feste Stelle noch mal ins Ausland gehen wollen.
abi>> Welche Voraussetzungen muss man erfüllen?
Ulrike Schröder: Die einzige formale Voraussetzung ist,
eine duale oder vollzeitschulische Ausbildung zu absolvieren
oder gerade abgeschlossen zu haben. Auch wer parallel zur
Berufsausbildung studiert, kann von Erasmus+ profitieren.
Alle weiteren Anforderungen legen die jeweiligen Bildungs­
einrichtungen und Organisationen fest.
8
abi>> Wie läuft ein Auslandsaufenthalt ab?
Ulrike Schröder: Vor der Abreise werden die Teilnehmer
von den entsendenden Organisationen auf ihren Aufenthalt
vorbereitet. Es werden zum Beispiel Themen wie Heimweh,
Krankheit oder Verhaltensregeln im Ausland besprochen. Wer
länger als einen Monat im Ausland bleibt, kann zudem das
Sprach-Lern-Tool der Europäischen Kommission nutzen, denn
sprachliche Vorbereitung gehört dazu. Manchmal bekommen
die jungen Leute auch im Ausland noch Sprachunterricht,
bevor sie ihr betriebliches Praktikum oder den Schulbesuch
beginnen. Was die Auszubildenden im Ausland erlernen,
stimmen sie mit ihrem Arbeitgeber und dem Unternehmen im
Ausland ab und halten es in einer Lernvereinbarung fest. Da
Erasmus+ ein Teil der Ausbildung ist, muss man dafür keinen
Urlaub nehmen, und die Ausbildungsvergütung wird weiterbezahlt. Dazu kommt dann noch der Erasmus+-Zuschuss für
Anreise und Unterkunft.
abi>> Man kann sich seinen Auslandsaufenthalt im
­Europass dokumentieren lassen. Worum handelt
es sich dabei?
Ulrike Schröder: Der Europass besteht aus fünf Dokumenten: Lebenslauf, Sprachenpass, Zeugniserläuterungen,
dem Europass Mobilität, in dem die Auslandsaufenthalte
dokumentiert werden, und dem Diploma Supplement für den
Hochschulbereich. Im Europass Mobilität schreibt das Unternehmen im Ausland auf, was der Azubi während des Aufenthalts gelernt hat und bestätigt dies ganz offiziell mit Stempel
und Unterschrift. Manche Träger stellen sogar Zertifikate aus,
die man, ebenso wie den Europass, für eine spätere Bewerbung nutzen kann. <<
abi>> 1 | 2016
ausbildung
Erfahrungsbericht
Auslandspraktikum in Südengland
Während der Ausbildung Auslandsluft schnuppern – diesen Wunsch hat sich
Johann Rottmann (21) erfüllt: Über Erasmus+ organisierte sich der angehende Groß- und
Außenhandelskaufmann, der bei der Kurt Pietsch GmbH in Ahaus arbeitet, ein Praktikum
Foto: privat
n
in Südengland. Für abi>> berichtet er von seinen Erlebnissen.
ach dem Abitur entschied ich
mich für eine dreijährige Ausbildung bei dem Großhändler für
Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Im ersten Ausbildungsjahr als Groß- und Außenhandelskaufmann mit
der Fachrichtung Großhandel erfuhr ich von der
Möglichkeit, als Auszubildender ins Ausland zu
gehen. Ein Kollege hatte mir von seinen Erfahrungen mit Erasmus+ erzählt. Daraufhin wandte
ich mich zunächst an meine Berufsschule, die
Auslandsaufenthalte im Rahmen von Erasmus+
anbietet. Auch mein Ausbildungsbetrieb war mit
meinem Vorhaben einverstanden.
Sprachkenntnisse
von Tag zu Tag besser
Gegen Ende meines zweiten Ausbildungsjahres
war es so weit: Im April 2015 trat ich zusammen
mit vier weiteren Auszubildenden die Reise
nach Plymouth im Südwesten Englands an. Das
Auslandsziel stand aufgrund der Organisation, mit
der unser Unternehmen zusammenarbeitet, fest.
Bei den aufnehmenden Unternehmen konnten
wir aber frei auswählen, was unseren Interessen
am nächsten kam. Ich habe mich für die PR-Beratung entschieden, weil ich diesen Bereich sehr
spannend finde. Er hat zwar fachlich nicht viel
mit meinem Beruf zu tun, aber die Herangehensweisen und neuen Perspektiven kann ich übergreifend einsetzen.
Vor Ort durfte ich meinen Chef zu Kundenterminen begleiten, Interviews führen und Artikel
für die lokale Presse schreiben. Mit meinem
Schulenglisch konnte ich mich gut verständigen.
Meine Sprachfähigkeiten wurden dennoch von
Tag zu Tag besser, weil ich ständig nur Englisch
geredet habe. Einmal in der Woche besuchte ich
außerdem eine Sprachschule.
Land und Leute kennenlernen
Während der vier Wochen in Plymouth lebte ich bei
einem älteren Ehepaar, das regelmäßig mehrere
Johann Rottmann wechselte vom Schreibtisch in
Ahaus an die Küste Südenglands.
Praktikanten aus dem Ausland bei sich aufnimmt.
Entsprechend international waren auch meine
Mitbewohner. Bei der Arbeit im PR-Büro fiel mir
schon bald auf, dass die Engländer im Geschäftsleben offenbar lockerer miteinander umgehen als
in Deutschland: Wir haben uns mit Kunden schon
mal in einem Café getroffen statt immer nur im
Büro. Außerdem hatte ich das Glück, dass mein
Chef mich nach den Außenterminen immer mal
wieder auf Ausflüge mitnahm und mir die Umgebung zeigte.
Durch meinen Auslandsaufenthalt bin ich auf
jeden Fall offener geworden. Ich konnte mich in
verschiedenen Situationen beweisen, auch wenn
ich nicht immer auf Anhieb alles verstanden
habe. Nun bin ich im dritten Ausbildungsjahr und
stelle immer wieder fest, dass mir das Erlebte
auch hier in Deutschland zugutekommt. Mein
Tipp für andere Azubis: Wer die Gelegenheit hat,
ins Ausland zu gehen, sollte sie auf jeden Fall
nutzen. Die Erfahrungen, die ich dort gemacht
habe, sind sehr wertvoll – sowohl beruflich als
auch persönlich. <<
abi>> 1 | 2016
>>mehr info
www.abi.de
Gib Folgendes
in die Suche
ein: CodeAWE
9
im fokus
Was s o ll i c h nu r s tu d i e r e n?
Studienwahl - Schritt für Schritt
Endlich das Abi in der Tasche – jetzt kann das Studium kommen!
Eine tolle Chance, die aber auch verunsichern kann. Denn viele Studienmöglichkeiten
stehen offen, doch welches Fach ist das richtige? Wie du bei der Suche am
besten vorgehen und deinen persönlichen Weg finden kannst, erfährst
„Das richtige
Studium zu finden ist
ein Prozess, den man
Schritt für Schritt
machen sollte.“
Jörg-Michael Wenzler
>>mehr info
www.abi.de
Gib Folgendes
in die Suche
ein: CodeBWP
10
f
ast 8.000 Bachelorstudiengänge
listet das Portal studienwahl.de.
Zusätzlich gibt es noch mehr als
jeweils 200 Staatsexamens- und
Diplomstudiengänge. Bei einer
derart großen Auswahl kann die Entscheidung
schwerfallen, und viele Abiturienten fragen sich:
Was soll ich nur studieren? Wer sich erst gegen
Ende der Schulzeit mit dieser Frage auseinandersetzt, läuft Gefahr, vorschnelle Entscheidungen zu treffen oder unreflektiert den üblichen
„Trampelpfaden“ zu folgen. Und weil im Abi-Jahr
besonders viel zu tun ist, solltest du dich rechtzeitig informieren, am besten schon im vorletzten
Schuljahr.
„Das richtige Studium zu finden ist ein Prozess, den man Schritt für Schritt machen sollte. Es lohnt sich, sich immer wieder damit zu
beschäftigen“, weiß Jörg-Michael Wenzler, Studien- und Berufsberater bei der Agentur für
Arbeit Esslingen. Auch Nadine Nottbeck von der
Zentralen Studienberatung Osnabrück empfiehlt,
früh genug anzufangen: „Pläne können sich ändern. Zum Beispiel wenn man merkt, dass man
falsche Vorstellungen von einem Studiengang
hatte. Dann bleibt immer noch genug Zeit, sich
neu zu orientieren.“
abi>> 1 | 2016
Alles beginnt mit deinen Interessen
Bei der Studienwahl spielen sogenannte innere und äußere Kriterien eine Rolle, angefangen bei persönlichen Interessen bis hin zu den
Zulassungsvoraussetzungen der einzelnen HochFoto: Martin Rehm
Foto: privat
du auf den folgenden Seiten.
Bei der Studienwahl spielen innere und äußere
Kriterien eine Rolle.
im fokus
schulen. Dabei stellt
Jörg-Michael Wenzler
in seinen Beratungsgesprächen immer wieder fest:
„Manche meinen, ihre Interessen und Fähigkeiten
seien gar nicht so wichtig, und schauen zuerst darauf, wie gut die Chancen am Arbeitsmarkt oder
die Verdienstmöglichkeiten sind.“
Dass solche Bedingungen anscheinend häufig eine größere Rolle spielen als die eigenen
Wünsche und Bedürfnisse, bestätigt auch
­N adine Nottbeck: „Oft prüfen die Schüler
zuerst die Fakten. Ist dann zum Beispiel die
Zulassungshürde zum Wunschstudiengang
sehr hoch, sind viele verunsichert und wählen
etwas anderes.“ Stattdessen empfehlen beide
Berater, zuerst bei sich anzufangen und anschließend die wichtigsten Informationen zum
Wunschstudium zusammenzutragen. Denn bei der Suche planvoll vorzugehen, wichtige Inforhäufig tut sich auf diese Weise noch ein alter- mationen zu sammeln und sich Fristen zu setzen,
nativer Weg zum Ziel auf.
um sich nicht zu verzetteln.
Eine gute Orientierung, was du wann erledigen
solltest, bietet der abi>> Berufswahlfahrplan im
Gut geplant, ist (fast) gewonnen
abi>> Portal (siehe QR-Code rechts). Ergänzend
Du hast noch keine klaren Vorstellungen von erläutern die Beiträge auf den folgenden Seiten,
deiner beruflichen Zukunft? Dann geht es dir wie wie du Schritt für Schritt bei deiner Studienwahl
vielen anderen auch. In jedem Fall ist es hilfreich, vorgehen kannst. <<
abi>> 1 | 2016
Foto: Elena Scholz
Damit man sich
bei der Wahl des
Studienfaches
nicht verzettelt,
sollte man mit
­Bedacht vorgehen.
Auf den folgenden
Seiten findest du
einen Leitfaden –
Schritt für Schritt.
„Pläne können
sich ändern, zum
Beispiel wenn man
merkt, dass man
falsche Vorstellungen hatte.“
Nadine Nottbeck
>>mehr info
www.abi.de
11
im fokus
Selbsterkundung
Wie gut kennst du dich?
Studium und Berufsleben sollen Freude machen und keine
Quälerei sein. Denn wenn du etwas gerne tust, wirst
du damit auch erfolgreich sein. Um deinen persönlichen Weg ins Berufsleben zu finden, solltest du dir
zunächst deine Interessen und Fähigkeiten vergegenwärtigen.
Foto: André Braun
Diese Anhaltspunkte können dir bei
der Selbsterkundung helfen:
Lieblingsfächer in der Schule
Aus den Fächern, die dir am meisten Spaß machen, lassen
sich passende Studiengänge oder Ausbildungsberufe ableiten.
Vielleicht kannst du sogar bereits spezielle Themengebiete
benennen, etwa Meteorologie im Erdkundeunterricht oder
Übersetzen im Fach Englisch.
>>Weitere Infos auf abi.de:
Orientieren > Ich will was machen mit … > Schulfächer
Hobbys und Freizeit
Du bist im Sportverein aktiv, machst Musik, programmierst
Software, schreibst Geschichten oder engagierst dich ehrenamtlich? Eventuell ergibt sich hier ein Anknüpfungspunkt für
ein bestimmtes Studienfach oder eine Ausbildung.
Gespräche mit anderen
Frage deine Freunde, Eltern, Verwandten oder Lehrer, wo sie
deine Stärken und Fähigkeiten sehen. Denn oft nehmen wir
selbst nicht bewusst wahr, was wir gut können.
Praxiserfahrungen
Was trauen andere mir zu? Um das herauszufinden, lohnen
Gespräche mit Freunden, Eltern oder Lehrern.
Studienfeldbezogener Beratungstest (SFBT)
Mit diesem Test der Bundesagentur für Arbeit kannst du dich
über typische Anforderungen deines Wunschstudienfachs
­informieren. Es gibt ihn für Wirtschafts-, Rechts-, Natur- und
Ingenieurwissenschaften sowie für Informatik/Mathematik
und philologische Studiengänge. Die Anmeldung erfolgt über
die Berufsberatung deiner örtlichen Agentur für Arbeit.
>>Weitere Infos: www.arbeitsagentur.de
Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit
Praktika ermöglichen dir einen guten Einblick in den späteren
Berufsalltag. Du kannst aber auch während eines Ferienjobs
in eine Branche schnuppern oder dir ein Unternehmen am Tag
der offenen Tür genauer anschauen.
>>Weitere Infos auf abi.de:
Orientieren > Auszeit nach dem Abi > Praktikum
Vereinbare einen Termin zur Berufsberatung bei deiner Agentur
für Arbeit vor Ort. Dort gibt es Teams für akademische Berufe,
die sich speziell um die Anliegen von jungen Menschen mit
Hochschulreife kümmern.
>>Weitere Infos auf abi.de: Orientieren > Berufsberatung
Selbsterkundungs- und Eignungstests
Berufsinformationszentrum (BiZ)
Solche Tests werden häufig online angeboten, zum Teil kostenpflichtig. Informiere dich am besten vorher über die Preise und
was ein Test dir bietet, wie zum Beispiel eine Auswertung mit
konkreten Empfehlungen.
>>Weitere Infos auf abi.de:
Orientieren > Was soll ich werden? > Testverfahren
Auch die Berufsinformationszentren der örtlichen Agenturen
für Arbeit stehen dir offen. Hier kannst du dich ohne Terminvereinbarung über Studiengänge, Ausbildungsberufe und
Berufswege informieren, etwa mit Hilfe der abi>> Infomappen
für Studienberufe.
>>Weitere Infos: www.biz-medien.de/abi
12
abi>> 1 | 2016
im fokus
Checkliste
Den Stärken auf die Spur kommen
Die Fragen „Was interessiert mich?“ und „Was kann ich eigentlich gut?“ werden
spätestens dann relevant, wenn die Entscheidung ansteht, wohin der berufliche Weg künftig
führen soll. Wer seine Interessen und Stärken einschätzen kann, dem fällt es leichter,
Schritt für Schritt die richtige Berufswahl zu treffen. Folgende Checkliste gibt dir Anregungen,
wie du am besten herausfindest, wo deine Neigungen und Talente liegen.
1
6
Meine Lieblingsfächer sind:
Deutsch
Fremdsprachen
Mathematik
Naturwissenschaften
Kunst
Musik
Sport
Ausdauer und Geduld
Kreativität und Fantasie
Organisationstalent
technisches Verständnis
handwerkliches Geschick
soziales Engagement
Sprachtalent
Weitere:
2
3
Weitere:
7
amit beschäftige ich mich gerne
D
in meiner Freizeit:
Ich bin Mitglied in folgenden Vereinen
oder übe folgende ehrenamtliche
­Tätigkeiten aus:
4
F olgende Praxiserfahrungen wie
Praktika, Ferienjobs etc. habe ich
bereits gemacht:
5
iese Eigenschaften oder Stärken
D
schreiben andere mir zu:
Ich besitze folgende persönliche Stärken:
In diesen Bereichen könnte ich mir
vorstellen zu arbeiten:
kaufmännischer Bereich
Dienstleistungsbereich
kreativer Bereich
technischer Bereich
sozialer Bereich
Weitere:
8
Darum sollte ich mich auf dem Weg zu
meiner Berufsentscheidung unbedingt
(noch) kümmern:
Gespräche führen mit Freunden, Eltern, Lehrern
und Berufsvorbildern
einen Selbsterkundungs-/Eignungstest machen
mich im Berufsinformationszentrum (BiZ) über
für mich interessante Berufe informieren
einen Termin mit der Berufsberatung bei meiner
örtlichen Agentur für Arbeit vereinbaren
mich zum Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT)
bei meiner örtlichen Agentur für Arbeit anmelden
Praxiserfahrungen sammeln, zum Beispiel durch
Praktika
abi>> 1 | 2016
13
im fokus
Informieren über Studienmöglichkeiten
Was passt zu deinen
Interessen?
Du weißt, was dich interessiert, und willst passende Studiengänge oder
Foto: Julien Fertl
Berufe finden? Jetzt geht es an die Recherche.
Im Internet gibt's tolle Selbstinformationsmedien rund ums Studium, mit denen du bequem via Rechner, Tablet oder
Smartphone recherchieren kannst.
g
ut informiert sein ist das A und O. Du kannst
dich im Internet, bei der Berufsberatung oder
im Berufsinformationszentrum (BiZ) deiner
örtlichen Agentur für Arbeit schlaumachen.
Sind deine Vorstellungen noch eher allgemein, dann starte eine Online-Recherche über Berufs- und
Studienfelder und schaue dir anschließend die Tätigkeitsbeschreibungen für einzelne Berufe genauer an. Falls du schon
einen konkreten Berufswunsch hast, wie etwa Journalist oder
Polizist, dann solltest du als Erstes herausfinden, welches
Studium oder welche Ausbildung vorausgesetzt wird. Vielleicht
sind noch andere Vorbedingungen wichtig, wie zum Beispiel
körperliche Fitness oder Fremdsprachenkenntnisse. Gerade
bei einem Studium gibt es Zulassungsvoraussetzungen, die du
vorher abklären kannst.
Starre Zuschreibungen im Sinne von „typisch Mann, typisch
Frau“ spielen übrigens auch bei der Berufswahl keine Rolle.
Jede/r sollte das machen, was sie oder ihn interessiert!
Deshalb lohnt sich der Blick über den Tellerrand. So sind etwa
Männer in Sozial- oder Pflegeberufen genauso gefragt wie
Frauen in technischen Studiengängen.
Ein Plan B für alle Fälle
Wenn du deine Entscheidung getroffen hast, wirf einen Blick
auf Alternativen. Denn nicht immer ist eine Studienbewerbung erfolgreich oder klappt der Einstieg in den Wunschberuf.
14
Das bestätigt Jörg-Michael Wenzler, Studien- und Berufsberater bei der Arbeitsagentur Esslingen: „Wer sich zum Beispiel
bei der Polizei bewirbt und beim Einstellungstest schlecht
abschneidet oder gar durchfällt, braucht rechtzeitig einen
Plan B, um nicht mit leeren Händen dazustehen.“ Berufs- und
Studienfeldübersichten, wie etwa im BERUFENET oder auf
studienwahl.de, können dir bei der Recherche nach Alternativen helfen, zum Beispiel dann, wenn dein Abischnitt für den
Wunschstudiengang nicht ausreicht.
Nutze beim Recherchieren fachlich anerkannte Internetportale und Datenbanken. Anders als bei der freien Suche über
Google & Co kannst du bei diesen offiziellen Quellen sichergehen, korrekte und aktuelle Informationen zu bekommen. <<
Link-Tipps:
abi>> Portal: www.studium.abi.de
abi>> Infomappen Studienberufe:
www.biz-medien.de/abi
Studien- & Berufswahl: www.studienwahl.de
Hochschulkompass: www.hochschulkompass.de
BERUFE.TV: www.berufe.tv
BERUFENET: www.berufenet.arbeitsagentur.de
Stiftung für Hochschulzulassung: www.hochschulstart.de
abi>> 1 | 2016
im fokus
abi>> Hochschulpanorama
Wo es dir gefällt
Die Wahl des Studienortes und der Hochschule hängt nicht
hochschul
panorama
immer nur vom Studienfach ab. Wer mehrere Jahre an einem
Ort fernab der Heimat verbringt, möchte sich auch dort ein bisschen zu Hause
und vor allem wohl fühlen. Doch wie trifft man die Entscheidung zwischen
Aachen, Leipzig oder Tübingen? Im abi>> Hochschulpanorama erfahren
­Interessierte mehr über Städte und Hochschulen.
Die deutsche
Hochschullandschaft im Blick –
dank interaktiver
Deutschlandkarte
erfährst du mit
wenigen Klicks
mehr über Städte
und Hochschulen.
d
as abi>> Hochschulpanorama
bietet dir einen Überblick über
derzeit rund 140 Hochschul­
standorte in ganz Deutschland –
intuitiv navigierbar über eine
interaktive Deutschlandkarte. Jede Hochschulstadt wird in einem eigenen Porträt mit Daten und
Fakten zur Geschichte, Besonderheiten der Stadt
sowie Kultur- und Freizeit­angeboten vor­gestellt.
Darüber hinaus gibt's Infos zum Wohnungsmarkt
und zu möglichen Nebenjobs.
Für alle staatlichen Hochschulen und Universitäten gibt es Hochschulsteckbriefe, die die wichtigsten Daten und Fakten nennen, zum Beispiel
die Zahl der angebotenen Studiengänge, die
Anzahl der Lehrenden, internationale Hochschulkooperationen sowie die verschiedenen Fakultäten, Fachbereiche oder Schwerpunkte. Von den
Steckbriefen aus führen Links dich dann direkt
weiter zu den Websites der Hochschulen. Und
natürlich liefern Bilder dir erste Eindrücke deiner
potenziellen neuen Heimat. Klick rein! <<
abi>> 1 | 2016
>>mehr info
www.abi.de/
panorama
15
im fokus
Foto: privat
>>interview
„Erst orientieren,
dann studieren“
Ist ein Studium was für dich? Welches Fach passt zu dir?
Antworten können Studieninteressierte zum Beispiel im Rahmen eines Orientierungssemesters erhalten. abi>> hat mit Sören Isleib vom Deutschen Zentrum für Hochschulund Wissenschaftsforschung (DZHW) über diese speziellen Angebote gesprochen.
abi>> Herr Isleib, vor welchem Hintergrund wurden vor
einigen Jahren an diversen Hochschulen Orientierungssemester eingeführt?
Sören Isleib: Studienanfänger werden tendenziell jünger,
was dazu führt, dass die Entscheidungen für ein Studium
und ein bestimmtes Fach nicht immer gut fundiert sind. Das
heißt, dass sie häufig auf äußeren Faktoren basieren, sprich
der Aussicht auf einen Beruf mit einem höheren Einkommen,
und weniger aus einer inneren Motivation heraus kommen,
wie dem wissenschaftlichen Interesse. Daraus resultieren
Schwierigkeiten beim Ankommen im Studium, und die
Wahrscheinlichkeit für einen Studienabbruch steigt. Natürlich
stehen alle Studienanfänger auch vor der Herausforderung,
sich von heute auf morgen im Studienalltag zurechtzufinden,
sich selbstständig zu organisieren und mit dem Leistungsdruck klarzukommen.
pern, sich mit wissenschaftlichem Arbeiten vertraut machen
und das Leben an der Hochschule kennenlernen können. Zwar
werden Orientierungssemester noch nicht flächendeckend
angeboten, ich bin mir aber sicher, dass viele Hochschulen in
den kommenden Jahren nachziehen werden.
abi>> Sollten alle Studieninteressierten ein solches
Angebot wahrnehmen?
Sören Isleib: Das muss jeder für sich entscheiden. Nicht
jeder braucht eine Orientierungs- oder Entscheidungshilfe.
Aus meiner Sicht sollte es verstärkt darum gehen, nicht
möglichst viele Leute mit dem Angebot zu erreichen, sondern
die richtigen. Das heißt jene Gruppe, die sich zum Beispiel
ihres Potenzials, ein Studium aufzunehmen, nicht bewusst
ist oder zum Beispiel aufgrund des Alters oder der sozialen
Herkunft von vornherein als risikoreich einzuschätzen ist.
Dies erfordert ein aktiveres und frühzeitiges „Rekrutieren“ an
Schulen. Die Möglichkeit, ohne Druck auf Probe zu studieren,
ist gerade für sie eine sinnvolle Option. <<
Foto: André Braun
abi>> Auffällig viele Orientierungssemester sind speziell
auf den MINT-Bereich ausgerichtet.
Sören Isleib: Das stimmt, da hier die Abbruchrate besonders
hoch ist und die Hochschulen dem entgegenwirken wollen. Es
gibt allerdings auch überfachliche Angebote, im Rahmen derer
Studieninteressierte in ganz verschiedene Fächer reinschnup-
Orientierungssemester helfen, Enttäuschungen vorzubeugen.
16
Was ist ein
Orientierungssemester?
Abiturienten können zwischen Schule und regulärem Studium ein Orientierungsstudium absolvieren. Das bedeutet,
sie schnuppern ein oder zwei Semester in verschiedene
Fachgebiete, um sich auszuprobieren und ihren Weg zu
finden. Diese Orientierungsangebote sind meist interdisziplinär ausgerichtet und ermöglichen es den Teilnehmern,
ihren Horizont zu erweitern und sich im wissenschaftlichen
Arbeiten zu erproben. Es gibt sowohl Orientierungssemester,
die an einer Hochschule angesiedelt sind und in das Studium
einbezogen werden, als auch Angebote anderer Träger.
abi>> 1 | 2016
im fokus
Studium naturale
Auf naturwissenschaftlichem
Schnupperkurs
Biologie, Chemie, Physik oder doch Mathematik? Wer sich noch nicht festlegen kann,
für den bietet die Technische Universität München eine spezielle Entscheidungshilfe
an: das Studium naturale. Julia Mrtva (20) hat am Orientierungsjahr teilgenommen und
d
ie Fächer Biologie und
Mathematik machten
Julia Mrtva in der Schule
besonders viel Spaß.
Aber ist ein Studium in
dieser Richtung wirklich das Richtige? Und
wenn ja, für welches Fach sollte sie sich entscheiden? Mit diesen Fragen im Kopf durchstöberte die 20-Jährige einst das Studienangebot der
nahe ihrem Heimatort gelegenen Technischen
Universität München (TUM) und entdeckte dabei
das Studium naturale, das am Wissenschaftszentrum Weihenstephan in Freising stattfindet. „Die
Idee, mich erst mal in Ruhe zu orientieren, sprach
mich direkt an“, erinnert sich Julia Mrtva, die das
einjährige Orientierungsstudium im Juli 2015
abgeschlossen hat und inzwischen Molekulare
Biotechnologie an der TUM studiert.
Zwei Semester, sechs Module
Das Studium naturale beginnt zum Wintersemester und erstreckt sich über zwei
Semester. Es besteht aus sechs Modulen, die
parallel studiert werden: Grundlagenmodule in
Mathematik, Physik sowie Chemie/Biologie, das
Modul „Interdisziplinäres Seminar“, das Modul
„Überfachliche Grundlagen“ und das Orientierungsmodul „Sigma“.
Das Modul „Überfachliche Grundlagen“ beispielsweise umfasst verschiedene Kurse wie
etwa eine Einführung in die Wissenschaftstheorie und Methodik sowie Fremdsprachenkurse.
Innerhalb des „Sigma“ Moduls können die Teilnehmer Lehrveranstaltungen aus dem gesamten
Studienangebot der TUM auswählen und haben
Foto: privat
berichtet von ihren Erfahrungen.
so die Gelegenheit, über den
Tellerrand zu blicken. Nicht nur
das gefiel Julia Mrtva: „Das Studium
naturale besteht nicht nur aus Theorie.
So habe ich zum Beispiel im Rahmen
eines Energie-Praktikums gemeinsam
mit Kommilitonen einen Generator gebaut,
der wiederum das Windrad einer anderen Projektgruppe angetrieben hat. Das praktische
Arbeiten hat viel Spaß gemacht“, berichtet sie.
„Bei meiner Studien­
entscheidung hat
Entscheidungshilfe bei der
mir das Studium
Studienwahl
naturale geholfen.“
Wer sich für einen der insgesamt 106 Plätze des Julia Mrtva
Studiums naturale an der TUM bewerben will,
benötigt einen Abischnitt von 2,5 oder besser.
Gibt es mehr Bewerber als Plätze, entscheidet
das Losverfahren. Die Teilnehmer sind immatrikuliert, haben dieselben Rechte wie die anderen
Studierenden, zahlen dafür aber auch Semesterbeiträge in Höhe von 114,50 Euro; das Ticket
für die öffentlichen Verkehrsmittel ist darin
enthalten. Eine Förderung des Orientierungsstudiums nach dem BAföG ist möglich.
Julia Mrtva, die finanziell von ihren Eltern
>>mehr info
www.abi.de
unterstützt wird, zieht eine positive Bilanz: „Bei
meiner Entscheidung hat mir das Studium natu- Gib Folgendes
in die Suche
rale durchaus geholfen. Nur auf diese Weise
hatte ich Gelegenheit, eine konkrete Vorstel- ein: CodeSTP
lung davon zu bekommen, was mich in den einzelnen Studiengängen erwartet.“ Auch gut zu
wissen: Einige der erbrachten Leistungen aus
dem Studium naturale – wie die Vorlesungen in
den Grundfächern – konnte sie für ihr Bachelorstudium anerkennen lassen. <<
abi>> 1 | 2016
17
im fokus
Alternative Ausbildung
Oder doch eine Ausbildung?
Du findest keinen passenden Studiengang oder spielst mit dem Gedanken,
lieber gleich praktisch zu arbeiten? Ob Ausbildung oder Studium – für
beide Wege gibt es gute Gründe. Welche Option für dich die richtige ist,
hängt auch davon ab, welcher Lern- und Arbeitstyp du bist.
r
ein ins Berufsleben oder wieder an den
Schreibtisch? Gleich oder später eigenes
Geld verdienen? Klar definierte Aufgaben oder
selbstständig lernen, praxisorientiert oder
eher theoretisch? Wenn du dir diese Fragen
beantworten kannst, bist du schon ein ganzes Stück weiter.
Interessant zu wissen: Anstatt an der Uni zu pauken, haben
sich im Jahr 2013 knapp 132.000 Schulabgänger mit Hochschulreife für eine duale Berufsausbildung entschieden – das
sind 25 Prozent aller Auszubildenden. Beliebt sind bei Abiturienten derzeit vor allem diese Berufe: Kaufmann/-frau für
Büromanagement, Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel, Industrie- oder Bankkaufmann/-frau ebenso wie
Fachinformatiker/-in.
Eigenverantwortung und Eigeninitiative gefragt. Hier werden
Themen theoretisch durchleuchtet, und man lernt, Wissen
selbstständig zu erschließen.
Für diesen Weg entscheiden sich die meisten Abiturienten: Im
Wintersemester 2015/16 gab es 428.931 Studienanfänger. Ein
Studium ermöglicht dir eine größere Bandbreite an beruflichen
Perspektiven und häufig ein höheres Gehalt als eine Ausbildung,
dafür dauert der Weg ins Berufsleben länger, wenn du zum
Beispiel nach dem Bachelor noch ein Masterstudium aufnimmst.
Praxis plus Studium
Wem die Entscheidung schwerfällt, der kann mit einem
dualen Studium die Vorteile aus beiden Welten miteinander
verbinden, also praktisch arbeiten und trotzdem studieren.
Es gibt verschiedene Modelle: Bei einem ausbildungsDuale oder schulische Ausbildung?
integrierten Studium kannst du an einer Hochschule
Bei einer dualen Ausbildung erlernst du die praktischen studieren und gleichzeitig einen Ausbildungsvertrag
Inhalte direkt im Betrieb, den theoretischen Teil übernimmt mit einem Unternehmen abschließen. Bei den sogedie Berufsschule. Du kannst aber auch eine schulische nannten praxisintegrierten Studiengängen verbringst
Ausbildung wählen, die es vor allem im Bereich der Gesund- du parallel zum Studium längere Praxisphasen in
heits- und Pflegeberufe gibt. Hier lernst du Vollzeit an einer einem Unternehmen oder einer sozialen Einrichtung, erwirbst
aber keinen zweiten Abschluss. <<
Berufsfachschule mit ergänzenden Praxisphasen in einer
Ausbildungseinrichtung. Für diesen Weg entschieden sich
im Schuljahr 2014/15 rund 40.400 junge Menschen
mit Hochschulreife, die an Berufsfachschulen
und Schulen des Gesundheitswesens eine
Ausbildung begonnen haben.
Klar ist: Du musst dich nicht für dein
gesamtes Berufsleben festlegen. Das bestätigt auch Jörg-Michael Wenzler, Studien- und
Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Esslingen: „Wer sich
für eine Ausbildung entschieden hat, kann danach immer noch
abi>>: www.ausbildung.abi.de
studieren. Es ist ein erster Schritt in die berufliche Zukunft,
muss aber keine endgültige Entscheidung sein.“
BERUFE.TV: www.berufe.tv
BERUFENET: www.berufenet.arbeitsagentur.de
KURSNET: www.kursnet.arbeitsagentur.de
Studieren heißt mehr Eigenverantwortung
planet-beruf.de Infomappen:
Für manche Berufe stellt sich die Frage nach Ausbildung oder
www.biz-medien.de/planet-beruf
Studium gar nicht: Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer oder IngeniAusbildungPlus: www.ausbildungplus.de
eure beispielsweise benötigen einen Studienabschluss, damit
sie ihren Beruf ausüben können. An der Hochschule sind viel
Link-Tipps:
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abi>> 1 | 2016
Foto: Martin Rehm
im fokus
Um den richtigen Studiengang zu finden, solltest du Angebote wie Hochschulinformationstage in Anspruch nehmen.
Realitätscheck und
Zugangsvoraussetzungen
Passt deine Wahl?
Du hast schon eine Idee, weißt aber noch
nicht, ob ein bestimmtes Tätigkeitsfeld oder ein
bestimmter Studiengang wirklich zu dir
passt? Ob deine Vorstellungen der Realität
entsprechen, lässt sich herausfinden. Hier
erfährst du, wie du dir ein realistisches Bild
n
machen kannst.
Studieren auf Probe
Auch deinen Wunschstudiengang kannst du einem Realitätscheck unterziehen. Viele Hochschulen bieten Informationstage an oder ein Schnupperstudium, bei dem du als Schüler
während des Semesters an regulären Veranstaltungen teilnehmen kannst. Mit einem Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) der Bundesagentur für Arbeit kannst du dich über
typische Anforderungen einzelner Studienfelder informieren
und Beispielaufgaben bearbeiten. Den Test gibt es für Wirtschafts-, Rechts-, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie
für Informatik/Mathematik und philologische Studiengänge.
Über die verschiedenen Möglichkeiten für den Praxis-Check
hinaus solltest du unbedingt die Zulassungsvoraussetzungen für deinen Wunschstudiengang abklären, etwa ob ein
bestimmter Abischnitt, ein Vorpraktikum oder Fremdsprachenkenntnisse gefordert sind.
Rechtzeitig umdenken
un gilt es, deine beruflichen Wünsche mit
der Praxis abzugleichen. Da ein Studiengang in der Regel nicht nur auf ein einziges
Tätigkeitsfeld vorbereitet, sondern die
beruflichen Optionen vielgestaltig sind,
solltest du dich zunächst informieren, welche Möglichkeiten
dein Wunschstudiengang eröffnet. So arbeiten zum Beispiel
Absolventen der Ernährungswissenschaften nicht nur als
Ernährungsberater, sondern auch als Fachjournalisten oder
als Qualitätsmanager bei Lebensmittelherstellern. Hilfreich
bei der Recherche sind zum Beispiel das BERUFENET, die
akademischen Berufsberatungen der Arbeitsagenturen,
die Studienfachberatungen der Hochschulen und natürlich
Gespräche mit Menschen, die diesen Studiengang absolviert
haben.
Weißt du, welche Tätigkeitsfelder dich besonders interessieren, hast du die Möglichkeit, im Rahmen von Praktika erste
Eindrücke zu gewinnen. Denn je genauer du über ein Berufsbild Bescheid weißt, umso gezielter kannst du suchen.
Wer später im Studium merkt, dass er sich dennoch „falsch“
entschieden hat, braucht nicht den Kopf in den Sand zu
stecken. Das Fach oder die Hochschule zu wechseln ist keine
Seltenheit, sollte aber gut überlegt und vorbereitet werden.
Um sich über die nächsten Schritte klar zu werden, kann ein
Gespräch bei der Zentralen Studienberatung oder der psychologischen Beratungsstelle deiner Hochschule helfen.
Professionelle Unterstützung kannst du dir außerdem bei der
Berufsberatung deiner örtlichen Agentur für Arbeit holen. „Wir
überlegen dann gemeinsam, wo die Probleme liegen. Passt es
überhaupt nicht oder geht es nur um einige Themengebiete,
die eventuell im Hauptstudium gar nicht mehr vorkommen“,
erläutert Jörg-Michael Wenzler beispielhaft. Sein Tipp: „Nicht
zu lange mit der Entscheidung warten und den zweiten Anlauf
gründlich vorbereiten.“ Fest steht: Seine Pläne zu ändern hat
nichts mit persönlichem Scheitern zu tun, sondern bietet vielmehr die Chance auf einen baldigen Neustart.
In der Rubrik „Studienabbruch“ im abi>> Portal findest du
Erfahrungsberichte, Tipps und Informationen. <<
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Foto: Ria Kipfmüller
im fokus
Studieninteressierte beziehen auch spätere Arbeitsmarktchancen in ihre Studienwahl mit ein. Hier ist jedoch Vorsicht geboten.
Chancen am Arbeitsmarkt
Zukünftige Berufschancen
Informatiker, Wirtschaftsjuristen, Sozialarbeiter – welche Berufe zukünftig vielversprechende Perspektiven bieten, beeinflusst oft die Studienwahl. Doch inwieweit sollte
w
man Arbeitsmarktprognosen als Entscheidungsgrundlage einbeziehen?
er sich für ein Studienfach entscheidet,
sei es Humanmedizin oder Ernährungswissenschaften, möchte natürlich sichergehen, dass ihn nach Abschluss des
Studiums auch ein Arbeitsplatz erwartet.
Viele Studieninteressierte fragen deshalb zuerst nach ihren
Berufschancen und stellen ihre persönlichen Interessen und
Neigungen erst mal hinten an, wie auch Jörg-Michael Wenzler
weiß. Der Studien- und Berufsberater bei der Esslinger Arbeitsagentur rät hingegen: „Arbeitsmarktprognosen sollten nur eines
von mehreren Kriterien bei der Entscheidungsfindung sein.
Denn nur wenn einem der Beruf entspricht, wird man zufrieden
und erfolgreich sein.“
Nicht zuletzt sind Vorhersagen zu den Berufsaussichten
durchaus kritisch zu hinterfragen. Da gibt es zum Beispiel das
Phänomen des sogenannten Schweinezyklus: Werden die Perspektiven in einem Berufsfeld (Beispiel: Ingenieure) als besonders positiv gepriesen, animiert das viele Studienanfänger, die
später gemeinsam auf den Markt drängen. Das wiederum führt
zu einem Überangebot („Ingenieurschwemme“) und hält dann
andere von einem Studium in diesem Bereich ab. Es kommt
erneut zum Mangel und der Zyklus beginnt von vorne.
die zunehmende Digitalisierung haben Auswirkungen auf die
Arbeitswelt und Berufsbiografien. So geht der Trend verstärkt
dahin, sich ständig neues Wissen anzueignen, projektbezogen
in verschiedenen (virtuellen) Teams zu arbeiten – und das
häufig auch außerhalb des Büros. Darüber hinaus entstehen
immer neue Arbeitsfelder, wie etwa die Informationswirtschaft,
bei der Internetdaten analysiert, ausgewertet und für neue
Zwecke nutzbar gemacht werden.
Und sehr wahrscheinlich wird der erste Arbeitsplatz oder
Arbeitgeber nach dem Studium nicht der letzte sein. Gute
Berufsaussichten zu haben bedeutet deshalb vor allem, sich
schnell auf neue Anforderungen einstellen zu können.
Seriöser Blick in die Zukunft
Vorhersagen zu den beruflichen Chancen können hilfreich,
sollten aber nicht allein ausschlaggebend für die Studienentscheidung sein. Seriöse Prognosen liefert die Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Auf der
Website www.statistik.arbeitsagentur.de findest du im Menüpunkt „Arbeitsmarktberichte“ viele Informationen und (retrospektive) Einschätzungen zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt.
Wie sich verschiedene Berufsfelder bis zum Jahr 2030
entwickeln, erfährst du auf den Internetseiten des Instituts
Dynamische Arbeitswelt
für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unter dem MenüNicht zuletzt können Prognosen ebenso durch unvorher- punkt „Publikationen“ (www.iab.de). Im abi>> Portal gibt
gesehene Ereignisse beeinflusst werden, wie etwa die Medien- es eine eigene Rubrik „Arbeitsmarkt“ mit Branchenreports,
oder Finanzkrise. Auch der technologische Fortschritt und Arbeitsmarktberichten und Unternehmensporträts. <<
20
abi>> 1 | 2016
im fokus
Alternativen finden
Und wenn du keinen
Studienplatz bekommst?
Wer keine Zusage für das Wunschstudium erhalten hat, muss nicht verzweifeln.
Nun heißt es: tief durchatmen, Ruhe bewahren und die nächsten Schritte
überlegen. Alternativen gibt es immer!
f
lattert der Ablehnungsbescheid
in den Briefkasten oder ins
E-Mail-Postfach, kann das
erst mal ein Schock sein. Das
kommt jedoch häufiger vor, als
du vielleicht denkst. Hier ein Wegweiser, wie
es nun weitergehen kann:
Beispiel Medienproduktion studieren möchte, für den eignet
sich etwa eine Ausbildung zum Mediengestalter Digital und
Print. Im Sommer allerdings sind bereits viele Ausbildungsplätze besetzt oder Bewerbungsfristen abgelaufen. Trotzdem
spricht nichts dagegen, seinem Wunschunternehmen eine
Bewerbung zu schicken.
>>Weitere Infos auf abi.de:
Ausbildung > Ausbildungspraxis & Finanzen
Studienplatzbörse
Über die Börse der Stiftung für Hochschulzulassung kannst
du bundesweit an allen Hochschulen nach Studienplätzen
suchen, für die es wenige Wochen vor Semesterbeginn noch
freie Plätze gibt. Die Börse öffnet rechtzeitig vor dem Start ins
neue Semester.
>>Weitere Infos: www.hochschulstart.de
Verwandte Studiengänge, verschiedene
Hochschulen
Nach einer Absage solltest du in Erfahrung bringen, ob ein
Start in dein Wunschstudium an deiner Wunschhochschule
nicht auch schon wieder zum nächsten Semester möglich
ist. Und vielleicht kommen für dich noch andere Hochschulen
infrage, was deine Chancen erhöht.
Ratsam ist es jedoch, sich gleich zu Beginn Alternativen
zurechtzulegen und sich parallel für mehrere Studiengänge
an unterschiedlichen Hochschulen zu bewerben – auch für
solche ohne Zulassungsbeschränkung. Nach zulassungsfreien
Angeboten kannst du im Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz recherchieren.
>>Weitere Infos: www.hochschulkompass.de
Praktikum
Für manche Studiengänge wie Luft- und Raumfahrttechnik, Soziale Arbeit oder Lebensmitteltechnologie wird ein Berufspraktikum
verlangt, das man (zum Teil) schon vor dem
Studium absolvieren sollte. Du kannst also
auch auf diesem Weg etwas für dein Studium
tun. Bei sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlichen Fächern, die nicht für bestimmte
Berufe ausbilden, kannst du durch ein Praktikum
in spätere Arbeitsfelder schnuppern.
>>Weitere Infos auf abi.de:
Orientieren > Auszeit nach dem Abi > Praktikum
Auslandserfahrung
Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Erfahrungen
sind nicht nur ein Plus im Lebenslauf, sondern wirken sich
auch positiv auf deine Persönlichkeit aus. Ein gut überlegter
Auslandsaufenthalt kann dich bei deiner beruflichen Orientierung weiterbringen und natürlich die Zeit bis zum nächsten
Semester überbrücken. Je nachdem, welche Ziele du verfolgst,
gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.
Als Au-pair verbringst du viel Zeit mit einer Familie und lernst
Ausbildung
schnell die Sprache des jeweiligen Landes. Fachliche KompeEin Studium nach dem Abitur ist kein Muss. Viele entscheiden tenzen eignest du dir durch ein Praktikum bei einem auslänsich auch für eine Berufsausbildung. Das hat den Vorteil, erst dischen Unternehmen an. Freiwilligendienste bieten eine gute
realistische Einblicke in ein Arbeitsfeld zu bekommen, um Möglichkeit, sich sozial zu engagieren und Land und Leute
danach gezielter studieren zu können. Sinnvoll ist es also, besser kennenzulernen.
sich eine Ausbildung im gleichen Bereich zu suchen. Wer zum >>Weitere Infos auf abi.de: Orientieren > Auszeit nach dem Abi
abi>> 1 | 2016
21
Foto: Martin Rehm
arbeitsmarkt
Ihren Anfang nahm die App-Ökonomie 2007 mit der Einführung von Smartphones. Die ersten Tablets folgten bald darauf.
App - Ökonomie
Mit einem Wisch in die Zukunft
Spielen, Nachrichten lesen oder Geld überweisen – Apps für Smartphones und Tablets
haben innerhalb weniger Jahre unseren Alltag erobert. Die noch junge App-Branche wächst
schnell und sucht ständig Entwickler und andere IT-Spezialisten.
a
Foto: privat
ls Senior Developer leitet
Huy Dang App-Entwicklungsprojekte bei der GIMIK
Systeme GmbH in Koblenz.
„Ich war bereits in der Schule
von neuen Technologien begeistert, besonders
vom Programmieren“, erzählt er. Deshalb hat er
in Vietnam Computer Science an der Technischen
Universität in Hanoi studiert, danach Computer­
visualistik auf Bachelor an der Universität KoblenzLandau. Seit 2011 arbeitet Huy Dang bei GIMIK.
„Ich habe dort als Werkstudent angefangen“,
berichtet er. „Heute leite ich ein achtköpfiges
App-Entwickler-Team.“ Er bereitet Projekte vor,
kalkuliert sie und legt fest, wer im Team welche
Aufgaben bekommt. Manchmal bespricht er sich
„Schon als Schüler auch direkt vor Ort mit Kunden. „Wir haben zum
war ich von neuen Beispiel eine App für einen Messeveranstalter
Technologien begeis- entwickelt, die über das Programm und die
tert, besonders vom Aussteller informiert. Ein anderes Projekt war eine
Programmieren.“ App, mit der man Wohnungen bewerten kann“,
Huy Dang sagt der 34-Jährige.
22
abi>> 1 | 2016
In seinem Beruf müsse man über das eigene Fach
hinausdenken, mathematisches Talent besitzen
und immer die Lösung eines Problems im Blick
behalten. Dazu kommen ein hohes Maß an Flexibilität und eine schnelle Auffassungsgabe – denn
die Aufgaben können sich rasch verändern. „Es
braucht außerdem eine gute Portion Beharrlichkeit,
um anspruchsvolle Projekte zu meistern“, sagt er.
Arbeit in einer Boombranche
Huy Dang arbeitet in einer Boombranche. Die
Umsätze mit mobilen Anwendungen für Smartphones und Tablets haben in den letzten drei
Jahren rasant zugenommen, die Zahl der Beschäftigten in der App-Ökonomie steigt stetig. Nach
einer Studie des Londoner Marktforschungsinstituts Vision Mobile arbeiteten Anfang 2015
in Deutschland 279.000 Beschäftigte in der
App-Ökonomie – davon mehr als 40 Prozent
Entwickler in Vollzeit. Daneben bietet die Branche
unter anderem Berufschancen in den Bereichen
Foto: Julien Fertl
Foto: Tobias Krahl, HellwigStudios
arbeitsmarkt
Foto: Julia Hendrysiak
Der Schwerpunkt liegt in der Entwicklung von Software.
Die App-Welle dringt in neue Bereiche vor, etwa ins Auto.
Marketing, Produktmanagement oder Design.
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom)
erwartet für 2015 einen Umsatz der deutschen
App-Branche in Höhe von 1,3 Milliarden Euro –
41 Prozent mehr als im Vorjahr.
„Wenn man die allgemeinen Arbeitsmarkttrends für IT-Fachleute auf die App-Ökonomie
überträgt, können wir derzeit von einer positiven
Entwicklung ausgehen“, sagt Ralf Beckmann,
Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für
Arbeit (BA). Der Schwerpunkt liegt in der Software-Entwicklung: 659.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der IT-Branche zählte die
BA 2014. „Davon hatte jeder Vierte mit SoftwareEntwicklung zu tun“, erläutert der BA-Experte.
sagt Melina Ex, Vize-Präsidentin des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW). „In kurzer
Zeit hat sich ein rasant wachsender Markt und
schließlich ein eigenständiger Wirtschaftszweig
entwickelt.“ Nach einer „gewissen Orientierungsphase in den ersten Jahren“ beobachtet sie
heute einen Trend zu „professionellen, geschäftsrelevanten Apps“, die zum Beispiel nur innerhalb
eines Unternehmens zum Einsatz kommen.
Weil sich die mobilen Endgeräte – nicht nur
Smartphones und Tablets, sondern auch sogenannte „Wearables“ wie Smartwatches – ständig
weiterentwickeln, ist auch die App-Branche
dauernd in Bewegung. Erfolg haben laut Melina
Ex vor allem Unternehmen, die sich schnell an
Marktveränderungen anpassen können. Die Rolle
der Software-Entwicklung werde dabei in Zukunft
noch wichtiger, erwartet die Expertin. Die DigitalRasante Entwicklung seit 2007
wirtschaft werde in neue Bereiche vorstoßen –
Ihren Anfang nahm die App-Ökonomie 2007 mit etwa in die Automobilbranche, die ihre Fahrzeuge
der breiten Markteinführung von Smartphones. und Bauteile unter dem Stichwort „Connected
„Seitdem werden mobile Apps immer beliebter“, Cars“ immer stärker vernetzt. <<
abi>> 1 | 2016
Foto: Raimar von Wienskowski, www.rvw-photography.com
279.000 Beschäftigte arbeiteten 2015 in der App-Ökonomie.
„In kurzer Zeit hat
sich ein eigenständiger Wirtschaftszweig entwickelt.“
Melina Ex
23
arbeitsmarkt
Marketing- und Produktmanagerin
Wegweiserin ins Digitale
Unternehmen für die Digitalisierung fit machen – das ist
die Aufgabe von Michèle Czarnecki (30). Als Marketing- und Produktmanagerin
bei der appcom interactive GmbH in Düsseldorf berät sie zum Beispiel Banken
Foto: Thomas Lohnes
und Versicherungen, die eigene Apps anbieten wollen.
Die Digitalisierung erfasst alle Branchen, auch die Banken und Versicherungen. Institute, die sich für eigene Apps interessieren,
klopfen nicht selten bei externen Beratern und Entwicklern an.
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abi>> 1 | 2016
Foto: Jörg Moritz
Foto: Axel Jusseit
arbeitsmarkt
j
eden Morgen treffen sich die
Mitarbeiter von appcom interactive als Erstes zu einem sogenannten Stand-up -Meeting,
einer kurzen Besprechung im
Stehen. „So ist jeder über die Projektfortschritte
auf dem Laufenden“, sagt Michèle Czarnecki.
Dann beginnt ihr eigentlicher Arbeitstag: Sie
erstellt Marketing-Konzepte und setzt sie um,
beantwortet E-Mails, recherchiert Marktdaten
und Statistiken, bespricht sich mit Kollegen und
arbeitet Designs für digitale Medien und Apps
aus.
„Dabei bilden wir Teams, die je nach Projekt
anders aussehen. Ich arbeite beispielsweise
eng mit Software-Entwicklern und Designern
zusammen“, erklärt sie. „Neben meiner Arbeit
am Schreibtisch bin ich ab und zu auch bei
Kunden im Einsatz.“ Ihren Arbeitsplatz kann sie
flexibel gestalten: „Jeder kann dort arbeiten, wo
er möchte: am Schreib- oder Hochtisch oder
in unserem Ruhebereich“ – oder sie nimmt ihr
Tablet mit in eines der Cafés in der Nähe.
Marketing- und Produktmanager sind auch vor Ort bei den Kunden.
ein Masterstudium an der ebenfalls privaten
Mediadesign Hochschule in Düsseldorf an.
„Zu appcom interactive kam ich durch meine
Masterarbeit“, erzählt sie. „Direkt danach bin ich
dort 2011 als Marketing- und Salesmanagerin
eingestiegen.“ Später wechselte sie ins Marketing- und Produktmanagement, heute leitet sie
ein dreiköpfiges Team. „Es ist mir wichtig, dass
ich selbstständig arbeiten und Verantwortung
übernehmen kann“, sagt sie. „Gleichzeitig möchte
ich meine Ideen einbringen und Prozesse vorantreiben. Bei einem jungen Unternehmen wie „Kreativität und
appcom interactive geht das.“
ein ausgeprägtes
Ihre Kunden auf ihrem Weg in die Digitalisie- Gespür für Trends
rung zu unterstützen – so beschreibt Michèle gehören unbedingt
Czarnecki ihre Aufgabe. „Die Unternehmen dazu.“
stehen vor der Herausforderung, ihre Geschäfts- Michèle Czarnecki
modelle und Prozesse neu auszurichten“, erklärt
sie und meint damit vor allem die mobile Digitalisierung. „Wir beraten sie dabei und bieten ihnen
app-gestützte Lösungen an.“
Gespür für Trends
ihrem Job muss sie analytisch und strategisch
Unterstützung beim digitalen Wandel In
denken, über alle Projekte den Überblick behalten
„Marketing hat mich schon in der Schulzeit
interessiert“, sagt Michèle Czarnecki. Deshalb
studierte sie zunächst Internationales Marketing
an der privaten Fontys Internationale Hogeschool
im niederländischen Venlo. „Mir gefiel der intensive Praxisbezug“, erzählt die 30-Jährige. Zum
Studiengang gehörten zwei Praxissemester und
viele Gruppenarbeiten. In einem dieser Projekte
mussten die Studierenden zum Beispiel die Gründung eines Mini-Unternehmens simulieren. Ihre
Bachelorarbeit schrieb Michèle Czarnecki bei
einem Spielwarenhersteller und beschäftigte sich
darin mit dem Thema Online-Marketing, „obwohl
das damals noch nicht in aller Munde war“, sagt
sie. Nach ihrem Abschluss 2009 schloss sie noch
und strukturiert arbeiten. Und sie muss sich auf
jeden Kunden neu einstellen können. „Kreativität
und ein ausgeprägtes Gespür für Trends gehören
unbedingt dazu“, sagt Michèle Czarnecki.
Ihr gefällt besonders, dass sie Verantwortung
trägt, „und dass ich jeden Tag etwas Neues lerne.
Ich kann mich hier mit aktuellen Themen – sprich
Apps – beschäftigen.“ Darum nimmt sie auch
gern an Fortbildungen teil, denn dort kann sie sich
mit Fachleuten beispielsweise über die jüngsten
Trends im mobilen Marketing austauschen. Die
Fortbildungen betrachtet sie auch als Investition
in ihre Zukunft: „Neben meiner persönlichen
Weiterentwicklung möchte ich meine Abteilung
weiter ausbauen“, sagt sie. <<
abi>> 1 | 2016
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ein: CodeKAB
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Foto: privat
Michèle Czarnecki designt neue Apps.
was macht ein ...?
Foto: Andreas Franke
Stadt- und Freiraumplaner
Kreativ,
technikbegeistert,
selbstbewusst
Stadt- und Freiraumplaner Christoph Hülsebusch gestaltet
Köln mit. Der 29-Jährige arbeitet im Stadtplanungsamt im
Foto: Nadine Carstens
höheren bau­technischen Verwaltungsdienst.
„Stadtplaner beschäftigen sich immer
mit der Frage: Wie
sieht unsere Stadt in
Zukunft aus?“
Christoph Hülsebusch
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ein: CodeFUP
26
Städtebau: erst im Modell, dann in der Realität.
s
chon als Kind war Christoph
Hülsebusch fasziniert von
städtebaulichen Entwicklungen. Der 29-Jährige wuchs im
Ruhrgebiet auf und erlebte den
Strukturwandel der Region mit. Wo früher der
Kohlebergbau und die Stahlindustrie das Revier
prägten, ist mittlerweile ein lebendiger Standort für Kultur, Bildung und Forschung entstanden, mit idyllischen Parklandschaften und Naher­holungsgebieten.
Heute wirkt er selbst bei der Gestaltung von
Ballungsräumen mit. Als Stadt- und Freiraumplaner arbeitet er für das Kölner Stadtplanungsamt
und fungiert als Schnittstelle zwischen Landschaftsplanung und Stadtentwicklung.
Lippe sowie der Universität Siegen ausgerichtet wird. „Es gab auch ein Modul über Stadtökologie, in dem wir lernten, wie Stadtplaner
zu einer Verbesserung der Umweltsituation in
Ballungsräumen beitragen und wie Städte und
Regionen sich dem Klimawandel anpassen
müssen.“
Über ein Referendariat in den
höheren Dienst
Nach dem Studium folgte ein zweijähriges
Referendariat in der Fachrichtung Städtebau
beim Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. „Zum Schluss legt man die
große Staatsprüfung ab und ist berechtigt, den
Titel Bauassessor zu führen“, erklärt Christoph
Wie sieht unsere Stadt
­Hülsebusch. Ein Referendariat qualifiziert für
in Zukunft aus?
den höheren bautechnischen Verwaltungs„Stadtplaner müssen sowohl ein künstlerisch- dienst. Die wenigen Plätze sind heiß begehrt.
gestalterisches Talent haben als auch ingenieur- Christoph Hülsebusch konnte sich bei rund
wissenschaftliche Kenntnisse besitzen“, schildert 80 Mitbewerbern durchsetzen. Jedoch sei ein
Christoph Hülsebusch. Wer den Beruf ausüben Referendariat nicht mit einer Übernahmegamöchte, sollte sich daher mit Ressourcenschutz, rantie verbunden. „Ich habe danach erst in verstädtebaulicher Planung, Architektur, Mobilitäts- schiedenen Planungsbüros gejobbt“, erzählt er.
themen und Baurecht auskennen. „Stadtplaner
Allerdings nicht lange: Seit 2014 arbeitet der
beschäftigen sich immer mit der Frage: Wie sieht Beamte im Stadtplanungsamt von Köln. Im
unsere Stadt in Zukunft aus?“ Auch Kommuni- Moment ist er beispielsweise daran beteiligt,
kation sei wichtig: „Man sollte sich früh mit den in einem Stadtteil 200 neue Wohneinheiten zu
politischen Gremien abstimmen und ein offenes bauen. „Dabei nehmen wir bestehende LandOhr für die Bürger haben.“
schaft in Anspruch – wir müssen also schauen,
Seine Ausbildung begann Christoph ­Hülsebusch wo wir Ausgleich schaffen und neue, ortsnahe
an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, wo er Freiräume entwickeln können“, sagt Christoph
Landschaftsarchitektur studierte. Anschließend ­Hülsebusch. „Außerdem müssen wir das Neuabsolvierte er das Masterprogramm „Städtebau baugebiet in die Umgebung eingliedern und an
NRW“, das gemeinsam von den Hochschulen zusätzliche Schulen und Kinder­tagesstätten
Köln, Bochum, Dortmund und Ostwestfalen-­ denken.“ <<
abi>> 1 | 2016
impressum
>>interview
abi>> Schülerzeitungswettbewerb
„Blickkontakt“
räumt ab
Beim abi>> Schülerzeitungswettbewerb
2015 konnte „Blickkontakt“, die Schüler-
Herausgeber
Bundesagentur für Arbeit
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in die Suche
ein: CodeBRR
zeitung des Von-Müller-Gymnasiums
Regensburg, die Jury voll überzeugen.
abi>> bat die Erstplatzierten zum Interview.
abi>> Wie groß ist eure Redaktion, wie
viele „Aktive“ arbeiten regelmäßig mit?
Blickkontakt: Insgesamt 40. Es gibt
eine Doppelspitze aus zwei Chef­redak­
teur(inn)en, die Ressort­leiter/-innen
und den Chef vom Dienst, die sich jede
Woche treffen. Der Rest, circa 20, sind
Redakteure, die Artikel schreiben und
Texte generieren. Auch unsere Kreativ­
abteilung ist gut besetzt und fotografiert
und layoutet fleißig.
Doch spätestens nach dem einen
oder anderen gewonnenen Preis wurden die Rückmeldungen dann positiv,
einige Texte wurden sogar in anderen
Zeitungen abgedruckt. Redaktions­
intern war das Thema nie schwer
durchzusetzen.
abi>> Ihr behandelt auf 120 Seiten noch viele weitere wich­tige
Themen, etwa Migration und
Flucht, Menschenrechte oder
eine psychiatrische Therapie.
Worauf achtet ihr bei eurer
Themen­auswahl?
Blickkontakt: An erster Stelle
steht bei uns immer das Titel­thema.
Bei der weiteren Beitragsauswahl
achten wir stark auf Aktualität und
dass Themen nicht „ausgelutscht“
sind. Und wo sich mal eine gute
Gelegenheit ergibt, wird über das
Schüler­interesse beraten und danach entschieden, ob der Artikel
noch Platz in der Zeitung findet.
Foto: Fidelia Schlegl
abi>> Ihr habt euch mit „Homo­
sexualität“ für ein mutiges Titel­
thema entschieden. Ist eure Schule
besonders „open minded“ oder habt
ihr das Thema gegen Widerstände
durchsetzen müssen?
Blickkontakt: Richtigen Widerstand gab
es nicht, aber die eine oder andere kritische Stimme wurde schon laut, sowohl
vor als auch nach der Ausgabe. Manche
Käufer wurden abgeschreckt, und zum
Teil gab es gemischte Rückmeldungen.
Die Redaktion von „Blickkontakt“.
abi>> Dürfen wir im nächsten Jahr
wieder mit einem tollen Heft von
euch rechnen?
Blickkontakt: Natürlich, seit zehn
Jahren erscheint unsere Zeitung,
mittlerweile zweimal im Jahr. Auch
2016 muss keiner vergeblich auf
uns warten. Für das neue Titelthema
„Grenzen“ waren unsere Redak­teure
unter anderem schon in einer JVA
für Jugendliche sowie in einem
Blindeninstitut. <<
abi>> 1 | 2016
Herausgeberbeirat
Wolfgang Biersack, Heike Hessenauer,
Niels Kämpfer, Ursula Kraus-Weber,
Nicole Künzel, Stefanie Langen,
Susanne Lindner, Sabine Peters,
Natascha Rediske, Katarina Stein
Redaktion/Verlag
abi>> dein weg in studium und beruf
Meramo Verlag GmbH
Gutenstetter Straße 8d, 90449 Nürnberg
Telefon: 0911 937739-0
Fax: 0911 937739-99
E-Mail: [email protected]
Geschäftsführer: Rainer Möller
Redaktion
Chefredakteur: Andreas Bund
Chefin vom Dienst: Larissa Taufer
Redaktion: Dr. Nina Benkert, ­Susanne
Böhm, Stephanie Knauer, Claudia Linn,
Teresa Nagengast, Alexander Reindl,
Eva Wagner
Redaktionsassistenz:
Patricia Drechsel, Manuela Meier
Autoren
Nadine Carstens, Nadine Effert, Susanne
Moser, Sabine Olschner, Grit Staroste
Gestaltung und Layout
Art Direktion: Monika Orend,
Viviane Schadde
Layout: Claudia Costanza, Lukas Krüger,
Guido Naujoks
Titelbild: André Braun
Druck
Westermann, Braunschweig
Copyright 2016 für alle Inhalte
© Bundesagentur für Arbeit
Alle Rechte vorbehalten. Der Nachdruck,
auch auszugsweise, sowie jede Nutzung
der Inhalte mit Ausnahme der H
­ erstellung
einzelner Vervielfältigungsstücke zum
Unter­richtsgebrauch in Schulen bedarf
der vorherigen Zustimmung des Verlags.
In jedem Fall ist eine genaue Quellen­
angabe erforderlich. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt
die Meinung der Redaktion und des
Herausgebers wieder. Keine ­Gewähr
für unverlangte E
­ insendungen und
­Besprechungsstücke.
Gesamtauflage: 275.000
Erscheinungsweise
6 Ausgaben im Jahr
Bestellungen
www.ba-bestellservice.de
Einzelexemplare sind im
Berufsinformations­zentrum (BiZ) der
Agenturen für Arbeit erhältlich.
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Fo
to:
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ar ti
n Re
go
abi.de
Vorschau
abi>> Portal
Das nächste Heft
IT-Branche
Spiderman, Wonder Woman und Co. sind die Helden vieler
Jungen und Mädchen. Was ist schließlich heldenhafter, als die
Menschheit vor der Apokalypse zu bewahren? Doch um die
Welt zu retten, muss man nicht zwangsläufig
ein Kostüm tragen oder sich über die
Dächer einer Großstadt schwingen:
Es gibt in fast allen Berufsbereichen
die Möglichkeit, ein Held zu sein –
als Dolmetscher in der Flüchtlingsarbeit, als Ingenieur der
erneuerbaren Energien oder als
Landwirt für nachhaltig angebaute Produkte. Der Fokus des
nächsten abi>> Magazins, das
am 4. Mai 2016 erscheint, dreht
sich deshalb rund um Berufe für
Heldinnen und Helden.
Unzählige Internetseiten, Millionen von Apps und
die Tatsache, dass für viele der Verlust des
Smartphones einem Weltuntergang gleichkommt, zeugen davon, wie wichtig die
Informations- und Telekommunika­
tionstechnologie geworden ist.
Dementsprechend gut sind auch
die Berufschancen. Egal ob als
Programmierer, Softwareentwickler oder Datenschutzbeauftragter – die Arbeitslosenquote ist
gering. Im abi>> Portal beleuchten
wir ab dem 21. März 2016 in einem
Thema der Woche, welche Berufe in
der IT-Branche gefragt sind, wie die
Arbeitsmarktchancen aussehen und welche
Voraussetzungen Bewerber erfüllen sollten.
hm
1
abi>>
abi.de
www.facebook.com/abiportal
Kreuzworträtsel
2
Beherrschst du das „Hochschul-ABC“?
Dann beweise es, indem du die richtigen
Begriffe einträgst! Die Buchstaben in den
farbig markierten Kästchen ergeben in der
richtigen Reihenfolge das Lösungswort.
Ein Buchstabe ist bereits vorgegeben.
Hinweis: Unter abi.de > Leseraktion findest
du heraus, ob du richtig gerätselt hast.
3
4
5
Hinweis: ä, ö, ü = ae, oe, ue
waagrecht
>>mehr info
Hochschul-ABC
auf
studienwahl.de
6
7
senkrecht
1. Hochschulgelände
2. Vorlesungsraum in einer
Universität
5. Bezeichnung für
Mitstudierende
7. Lehre von Arzneimitteln
8
9
Lösungswort:
Y
10
3.anderes Wort für
Studienhalbjahr
4.offizielle Anmeldung/Einschreibung an der Universität
6.finanzielle Unterstützung für
begabte oder besonders
engagierte Studierende
8.erster akademischer Grad
9.Studienfach angehender Ärzte
10.vom Studentenwerk betriebene
Kantine
Foto: Felix
Som
iesk
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