Integration von Flüchtlingen ins Wiener

Integration von
Flüchtlingen in das Wiener
Schulwesen
Integratives Rahmenprogramm
„Gemeinsam lernen in Wien“
Aufstockung des psychosozialen Unterstützungspersonals für Schulen
Beschulung:
Pflichtschulen, AHS,
BMHS, Berufschule
Integration von Flüchtlingen in
das Wiener Schulwesen
Der Wiener Stadtregierung ist es ein Anliegen, dass Kinder von Beginn an in das Schulsystem einsteigen.
Wo andere Bundesländer bis zu sechs Monate warten, bis sie Flüchtlingskinder beschulen, organisieren
wir für schulpflichtige Kinder so rasch wie möglich einen Platz im Schulwesen. 1.961 Kinder werden mit
Stand Jänner 2016 in Pflichtschulen und der AHS Unterstufe unterrichtet, 328 in allen Formen der Oberstufe.
Daraus ergeben sich zahlreiche Herausforderungen für das Wiener Schulsystem. Dem vorliegenden Papier ist ein Projekt aller involvierten Stellen vorangegangen, beteiligt waren der Wiener Stadtschulrat, die
MA 56 Wiener Schulen, MA 17 Integration und Diversität und die MA 13 Bildung und außerschulische
Jugendbetreuung in Abstimmung mit der Flüchtlingskoordination. Ziel war die umfassende Integration
von Kindern und Jugendlichen in Bildungs- und Freizeiteinrichtungen.
Zitat Bildungsstadträtin Sandra Frauenberger: „Ein schneller Schuleintritt trägt positiv zur Integration von
Kindern und Jugendlichen bei. Die seit dem Sommer nach Wien gekommenen Flüchtlingskinder gut
zu integrieren ist eine große Herausforderung, die Wien anpackt. Um den Regelunterricht nicht zu beeinträchtigen, brauchen wir zusätzliche LehrerInnen und neue Beschulungsformen. Denn in Wien sind
wir der Überzeugung, dass alle Kinder die Chance auf einen guten Start in ihre neue Zukunft fern von
Kriegswirren verdienen.“
Zitat Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky: „Unser Job ist es, jedem Kind in Wien so schnell wie
möglich einen Schulplatz zur Verfügung zu stellen. Das ist eine große Herausforderung, aber auch eine
Riesenchance, dass Integration rasch gelingt!“
1. Formen der Beschulung:
Pflichtschulen:
Neu in Wien-Kurse:
Diese Sprachförderkurse im Rahmen des Regelunterrichts gibt es bereits seit mehreren Jahren für SeiteneinsteigerInnen. Die Kinder besuchen eine Regelklasse und erhalten parallel individuell abgestimmten
Deutschunterricht. Diese Kurse werden für VolksschülerInnen am Schulstandort und für SchülerInnen
der NMS in der Region angeboten. Derzeit gibt es insgesamt 98 Neu in Wien-Kurse sowie 13 Alphabetisierungskurse.
Neu in Wien-Klassen:
Nachdem es das Ziel ist, dass Kinder möglichst rasch eine Beschulung erhalten, werden seit Dezember
2015 eigene Neu in Wien-Klassen eröffnet, wenn keine Plätze mehr in den Regelklassen frei sind. Derzeit
gibt es insgesamt 10 Neu in Wien-Klassen (1 VS und 9 NMS), die als Mehrstufen- oder als Jahrgangsklassen geführt werden.
Vor-Ort-Beschulung:
Mit dem neuen Schulsemester wird der Stadtschulrat für Wien die Beschulung der Kinder direkt in den
Unterbringungen des Fonds Soziales Wien ermöglichen. Für eine möglichst nachhaltige Integration sollten Kinder an ihrem dauerhaften Wohnort eine Schule besuchen. Bei temporären Unterbringungen wäre
das nicht gegeben und die Kinder würden binnen kürzester Zeit aus dem Klassenverband gerissen werden, sobald ihre Familie eine dauerhafte Unterkunft gefunden hat. Um keine Zeit zu verlieren, in der die
Kinder lernen können, wird nicht der Zeitpunkt des fixen Wohnsitzes abgewartet, sondern in Gruppen vor
Ort unterrichtet.
Inhaltlicher Fokus aller „Neu in Wien“-Kurse:
» E
ruieren der Bildungsbiografie des Kindes und Abstimmen der Unterrichtsplanung
» Erstalphabetisierung bzw. Alphabetisierung
» Bildung durch Beziehung zur Lehrkraft: Vertrauen/Sicherheit als Motor für einen gelingenden
Start auf dem Weg zur Bildungssprache Deutsch
» Lebens-und Erfahrungsbereiche: Kennenlernen des neuen Lebensumfeldes, Ankommen in neuer Gesellschaft, Kooperation mit öffentlichen Einrichtungen der Stadt Wien
Zur besseren Einbindung der Kinder und Jugendlichen wurde darüber hinaus das „Integrative Rahmenprogramm“ entwickelt (siehe Punkt 4).
AHS:
Die Integration der Kinder findet in Klassen statt, in Summe werden drei Sprachförderkurse für die Unterstufe und Übergangsstufe angeboten.
BMHS:
Die Integration der Jugendlichen findet in den Klassen statt. Außerdem gibt es zwei Klassen mit Flüchtlingen als Übergangsstufe an der HAK-Polgarstraße und der HTL-Spengergasse.
Berufsschule:
Die Integration der Flüchtlinge findet im praktischen Unterricht bestehender Fachklassen statt, außerdem
werden zusätzliche Fördermaßnahmen angeboten.
2. Aufstockung des psychosozialen Unterstützungspersonals für
Schulen
Schulen brauchen vermehrt Unterstützung für die Bereiche Lernbegleitung, Gewaltprävention oder Traumata-Bewältigung. SchulsozialarbeiterInnen, PsychologInnen, MediatorInnen, etc. leisten hier einen
wichtigen Beitrag. Die Stadt Wien wird daher das psychosoziale Unterstützungspersonal für Schulen
ausbauen. Der Stadtschulrat wird dazu eine Bedarfsanalyse erstellen, um die benötigten Personen anstellen zu können. Das Bundesministerium stellt insgesamt 24 Mio Euro für Integrationsmaßnahmen in
ganz Österreich zur Verfügung.
3. Integratives Rahmenprogramm „Gemeinsam lernen in Wien“
Um das Lernen nicht auf den Klassenraum zu beschränken, wird das Integrative Rahmenprogramm „Gemeinsam lernen in Wien“ für Flüchtlingskinder unter Einbeziehung zahlreicher Einrichtungen der Stadt
gestaltet. LehrerInnen von „Neu in Wien-Klassen“ und „Vor-Ort-Beschulung“ erhalten die Informationen
über das Angebot und Kontakte für die Anmeldung ihrer SchülerInnen.
Sommer-Sprachkurse
Vor allem für jene Kinder, die gerade erst am Beginn sind Deutsch zu lernen, bedeuten zwei
Monate Sommerferien eine große Zäsur im Spracherwerb. Deswegen werden bestehende Angebote,
wie „Sowie-so Mehr! Dein Sommer. Dein Wien. Deutsch lernen mit Spiel, Sport und Spaß (MA 17)“
ausgeweitet, um möglichst vielen Kindern Sprachförderung im Sommer zu ermöglichen. Für den
Sommer 2016 werden wir die Sommersprachkursplätze erweitern, damit mindestens 500 Kinder mehr
davon profitieren können. Bereits 2015 waren Flüchtlingskinder eine wichtige Zielgruppe: 41 Prozent
der TeilnehmerInnen waren AsylwerberInnen, -berechtigte oder subsidiär Schutzberechtigte.
Insgesamt wird das Angebot 2016 zumindest um 50% auf insgesamt 1500 Plätze aufgestockt.
Kooperation mit Jugendzentren
Der Verein Wiener Jugendzentren koordiniert bereits jetzt in Kooperation mit den Österreichischen Kinderfreunden und unter Mithilfe zahlreicher regionaler Organisationen sinnvolle und kurzfristig durchführbare Angebote für Flüchtlinge im Projekt connect.erdberg. In Zukunft werden die Jugendzentren auch mit
anderen Einrichtungen für Flüchtlinge eng zusammenarbeiten und vor allem für die „Vor-Ort-Beschulung“
ein Vormittags- sowie Freizeit-Angebot gestalten.
Veranstaltungsreihe „Wien.Wissen“ für PädagogInnen
„Wien.Wissen“ ist eine Vortragsreihe der MA 17, mit der ab diesem Sommersemester speziell PädagogInnen über die Situation von Flüchtlingen in Wien sowie zu den Themen Integration, Diversität und
Communities informiert werden. Die PädagogInnen profitieren von einem besseren Verständnis für die
Situation der Flüchtlingskinder und profundem Wissen für den Unterricht.
Kulturelle Räume zur Integration
Die Vermittlung von Kunst und Kultur kann einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten. Bestehende
Angebote der Stadt, wie die Musikschulen, Büchereien und Museen werden daher nicht nur für Sprachförderung genutzt, sondern auch um den SchülerInnen der „Neu in Wien-Klassen“ und der „Neu in Wien
vor Ort-Klassen“ Ausflüge in die Welt der Künste zu ermöglichen.
Jugend College
Auch für die nicht mehr schulpflichtigen Kinder entwickelt Wien ein eigenes Angebot. In einem Jugend
College werden bis zu 1000 Jugendliche in einem modularen System die notwendigen Abschlüsse für
einen weiterführenden Bildungsweg absolvieren können. Dieses Projekt soll durch Europäische Mittel kofinanziert werden. Ende Februar wird das Projekt ausgeschrieben, woraufhin sich Trägerorganisationen
für die Durchführung bewerben können.