Leseprobe - Christiani

Instandhaltung
Einleitung
Einleitung
Definition von Fachbegriffen
Bei der Vermittlung von Ausbildungsinhalten aus dem Bereich der Instandhaltung kommt es u. a. auch darauf
an, die zeitgemäße Betrachtungsweise dieses an Bedeutung stetig zunehmenden Unternehmenbsbereichs zu
berücksichtigen. Dies ist besonders wichtig bei der Ausbildung von Industriemechaniker/innen, denn Facharbeiter/innen der Fachrichtung Betriebstrechnik gelten bevorzugt als potentielle „Instandhalter“. Ihre spätere Weiterqualifizierung wird durch ein fundiertes Grundwissen in dem Bereich der Instandhaltung wesentlich gefördert. Zu
diesem Grundwissen gehört auch die Kenntnis über die inhaltliche Bedeutung von elementaren Fachbegriffen
und ihre Anwendung in der Kommunikation. Das bedeutet, der Ausbilder muss sich stets dieser Fachbegriffe
bedienen und möglichst veraltete oder umgangssprachliche Begriffe vermeiden.
Im Rahmen der Vereinheitlichung der Normen in der europäischen Union (EU-Richtlinien) unterliegen auch die
bestehenden DIN-Normen zum Bereich der Instandhaltung einer erheblichen Veränderung.
Das Verständnis von Instandhaltung wird zum Teil neu und weiter gefasst. Dazu kommt die Verwendung neuer
Fachbegriffe bzw. eine wesentlich genauere und trennschärfere Interpretation bisheriger Begriffe. Um dieser
Entwicklung Rechnung zu tragen finden Sie nachstehend Anmerkungen zur Verwendung bzw. zur Interpretation
einiger Fachbegriffe.
Instandhaltung
Funktionsfähigkeit
Unter Instandhaltung versteht man das praktische
Umsetzen von Maßnahmen, die zur Bewahrung, Feststellung und Wiederherstellung des Sollzustandes einer Maschine oder sonstigen Anlage erforderlich sind.
Die Instandhaltung umfaßt die Wartung, Inspektion
und die Instandsetzung.
Die Wartung besteht grundsätzlich aus Reinigen,
Schmieren, Nachstellen. Die Inspektion aus Messen,
Lehren, Diagnostizieren. Die Instandsetzung beinhaltet
Ausbessern, Reparieren, Austauschen.
Die Funktionsfähigkeit einer Maschine oder Anlage
ist dann gegeben, wenn diese eine ihr im eigentlichen
Sinne zugedachte Funktion erfüllt.
Wenn dieses nicht der Fall ist, zum Beispiel durch Auftreten einer technischen Problematik, so liegt dann ein
„Ausfall“ vor.
Wenn allerdings die Maschine oder die Anlage aufgrund von - z.B. Mitarbeiterstreik, Fehlen von dem zu
bearbeitenden Material o.ä. nicht mehr am Arbeitsprozess teilnimmt, spricht man von „Störung“.
Abnutzung
„Instandsetzung“
Hierunter versteht man die Wertminderung oder die
qualitative Minderung einer Sache/Gegenstand die
durch ihren Gebrauch herbeigeführt wird.
In der Norm DIN 31051 vom Januar 1985 ist Instandsetzung definiert als Maßnahme zur Wiederherstellung des SOLL-Zustands von technischen Mitteln eines Systems.
Aus heutiger Sicht ist der Begriff „Wiederherstellung“
in diesem Zusammenhang nicht umfassend genug definiert. Es kommt nicht unbedingt darauf an, nach dem
Ausfall einer Maschine oder Anlage ihren alten Zustand
wie vor dem Ausfall wieder herzustellen, sondern es
kann erforderlich sein, einen Zustand herstellen zu
müssen, der den zukünftigen Nutzungsanforderungen
an den technischen Zustand der Maschine oder Anlage genügt.
Das bedeutet, die Instandsetzungsmaßnahme dient
dem Zweck, den verbrauchten Abnutzungsvorrat für
die weitere Nutzung neu herstellen zu müssen, wenn
sich die Nutzungsanforderungen an die Maschine oder
Anlage nicht geändert haben.
Es kann aber auch sein, dass sich die Anforderungen
für die weitere Nutzung geändert haben, weil z. B. die
Fertigung anderer Produkte auf der Maschine oder
Anlage vorgesehen ist. In diesem Fall ist es Ziel der
Instandsetzungsmaßnahme einen Zustand herzustellen, der den dann vorliegenden Nutzungsanforderun-
Verschleiß
Ist die unerwünschte Veränderung der Oberfläche oder
sonstigen Materialstrukturen von Gebrauchsgegenständen durch z.B. Lostrennen kleiner Teilchen infolge
diverser Einwirkungen
Störung
Bezeichnet man als das unvorhergesehene - spürbare
Einwirken auf einen geplanten oder festgelegten Verlauf eines Ereignisses oder Geschehens (siehe Funktionsfähigkeit).
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Instandhaltung
Übungsbeispiel 1
Keilriementrieb
Lösungen zu den Aufgaben
Hinweise zum Arbeitsauftrag 5
Hier setzt der Auszubildende einen Keilriementrieb instand. Es reicht aber nicht aus, nur den Fehler zu beseitigen. Es muss auch nach der Ursache gefragt werden. Deshalb soll der Auszubildende lernen und sich
daran gewöhnen, stets die Ursachen für einen Fehler
zu ergründen. Selbstverständlich kann für diesen Arbeitsauftrag auch eine andere Unregelmäßigkeit als
die hier angenommene simuliert werden.
Lösungen zu den Aufgaben
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Instandhaltung
Übungsbeispiel 3
Zahnradgetriebe
Hinweise zum Arbeitsauftrag 1
Mit diesem Arbeitsauftrag soll der Auszubildende lernen, ein ihm unbekanntes Zahnradgetriebe selbstständig zu erkunden.
Die Leitfragen in den Arbeitsblättern sollen ihn dabei in
seinen Bemühungen unterstützen.
Auch entsprechende schriftliche Unterlagen sollten bereitgestellt sein, z. B. Firmenkataloge und Betriebsanleitungen.
Hinweise zum Arbeitsauftrag 2
Hier soll der Auszubildende die durchzuführenden
Schritte eines Schmierstoffwechsels planen und in der
richtigen Reihenfolge notieren.
Es ist darauf zu achten, dass auch notwendige Sicherheitsmaßnahmen genannt werden. Fehler müssen vor
der Durchführung der Wartungsarbeiten verbessert
werden.
Achten Sie darauf, dass der Auszubildende während
der Wartung auch den Schmierstoffstand und die Betriebstemperatur kontrolliert, obwohl beide Tätigkeiten
nicht im Wartungsplan genannt sind.
Hinweise zum Arbeitsauftrag 5
Der Auszubildende hat sich über die wesentlichen
Punkte der Inspektion eines Zahnradgetriebes zu informieren. Er soll nun diese Vorgehensweise bei der
Durchführung der Inspektionsarbeiten in Form von folgerichtig angeordneten Arbeitsschritten planen.
Bei der Kontrolle dieser Arbeitsschritte ist darauf zu
achten, dass auch für die Inspektion die Sicherung des
Antriebaggregats vor unbeabsichtigtem Einschalten
berücksichtigt wurde.
Wie bei der Wartung soll der Auszubildende auch bei
der Inspektion den Schmierstoffstand und die Betriebstemperatur kontrollieren, obwohl beide Tätigkeiten
nicht im Inspektionsplan genannt sind.
Hinweise zum Arbeitsauftrag 3
Hinweise zum Arbeitsauftrag 6
Hier soll der Auszubildende anhand der Betriebsanleitung oder des Leistungsschilds am Zahnradgetriebe
die benötigte Schmierstoffsorte und -menge ermitteln.
Um alternative Schmierstoffe nennen zu können, werden Vergleichslisten der Schmierstoffhersteller oder
der Zahnradgetriebehersteller benötigt.
Hinweise zum Arbeitsauftrag 4
Bei der Wartung ist nur der Schmierstoffwechsel (Ölwechsel) durchzuführen.
Achten sie darauf, dass dabei ausreichend Ölbindemittel bereitgestellt ist (Arbeitsschutz/Umweltschutz).
Wird der Schmierstoffwechsel am Simulationsmodell
durchgeführt, kann der Schmierstoff mehrmals benutzt
werden, da er ja nicht verbraucht ist.
Beim Warten des Zahnradgetriebes ist es möglich, erschwerte Arbeitsbedingungen zu simulieren, die auch
in der Praxis vorkommen.
Beispielsweise kann das Zanradgetriebe 0,5 m über
dem Fußboden aufgebaut werden. In diesem Fall
muss sich der Auszubildende zum Schmierstoffwechsel mit dem Rücken auf einem Rollbrett liegend unter
das Getriebe begeben, um die Ablassschraube lösen
zu können. Hierbei sind dann zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu beachten (Sicherung der hervorragenden Körperteile vor Überrollen durch Transportfahrzeuge usw.)
Bei der Durchführung der Inspektionsarbeit soll der
Auszubildende den Umgang mit einem Thermometer,
einem Stethoskop und einem Endoskop lernen. Diese
Geräte sind typisch für die Instandhaltung.
Zur Beurteilung der Zahnflanken ist es günstig, wenn
neben der Norm DIN 3979 auch Vergleichszahnräder
mit einwandfreien und mit abgenutzten Zahnflanken
zur Verfügunge stehen.
Hinweise zum Arbeitstauftrag 7
Beim Ausbau eines Zahnradgetriebes sind aufgrund
des Gewichts gegebenenfalls entsprechende Hebezeuge und Transporthilfen notwendig. Der Auszubildende soll sich vor Beginn der Arbeiten gedanken machen, wo Gefahrenquellen vorliegen können.
Die entsprechenden Unfallverhütungsvorschriften
(UVV) und sonstige diesbezügliche Schriften sind bereitzuhalten. (Sicherheitslehrbrief für Instandhalter, für
Transportarbeiter und für Handwerker).
Ferner kann das Zahnradgetriebe in einem dunklen
Raum aufgebaut werden. In diesem Fall ist das Arbeiten mit Zusatzbeleuchtung erforderlich. Beides sind
erschwerte Bedingungen, welche durchaus in der Instandhaltungspraxis vorkommen können.
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Instandhaltung
Übungsbeispiel 5
Werkzeugmaschine
Hinweise zum Arbeitsauftrag 8
Hier reicht ein formloser Bericht aus. Manchmal gibt
es hierfür von den Firmen auch entsprechende Vordrucke. Ein Beispiel finden Sie nach diesen Hinweisen
(Bild 1).
Hinweise zum Arbeitsauftrag 9
Hier soll ein Telefonat mit dem Kundendienst der Hersteller-Firma simuliert werden. Der Berater am Telefon
muss von einer Person „gespielt“ werden, der die instandzusetzende Werkzeugmaschine genau kennt.
Auch müssen dieser Person die technischen Unterlagen vorliegen.
Grundlagen zur Pflege der Kühlschmierstoffe
1. Die Notwendigkeit der Kühlshmierstoffpflege
2. Aufgaben des Kühlschmierstoffs
Werkzeugmaschinen sind meist mit kunststoff-beschichteten Gleitführungen ausgestattet. Der Kunststoff garantiert im Normalfall ein ruckfreies Gleiten
auch bei kleinsten Zustellschritten. Probleme können
jedoch bei nassspanenden Werkzeugmaschinen auftreten, wie z. B. Klemmen oder Blockieren der Gleitführungen.
Diese Unregelmäßigkeiten beruhen auf unerwünschte Reaktionen zwischen dem Kühlschmierstoff und
dem Bettbahnöl. Dabei können Feststoffe ausgefällt
werden, die zu Verschmutzungen, Verklebungen und
Ablagerungen führen. Das das Führungsspiel an Werkzeugmaschinen teilweise nur 5 bis 20 mm beträgt,
können solche Ablagerungen schnell dieses Spiel aufheben. Bei diesen Vorgängen spielen z. B. die Härte
des Wassers, das Verhalten von Antischaumzusätzen
und mikrobielle Belastungen eine bedeutsame Rolle
(Mikroben mindern z. B. durch Zersetzen des Nitrats
aus dem Kühlschmierstoff den Korrosionsschutz).
Durch fachgerechte Pflege des Kühlschmierstoffs, u.
a. zur Sicherung der richtigen Konzentration und Kontrolle des Säuregehalts, kann dem Auftreten von solchen Ausfällen vorgebeugt werden.
2.1 Kühlung
Wärmeabfuhr aus dem Werkzeug
• Erhöhung der Schnittgeschwindigkeit
• Verlängerung der Werkzeugstandzeit
• höhere Maßgenauigkeit
• kürzere Fertigungszeiten
• geringere Fertigungskosten
Wärmeabfuhr aus dem Werkstück
• Verbesserung der Oberflächengüte
• Verbesserung der Maßhaltigkeit
2.2 Spülung
Abtransport der Späne
• problemloses Schneiden des Bohrers bei tiefen
Bohrungen
• Verhindern von Spannfehlern
• Wegspülen des Schleifabriebs an Schleifscheiben
2.3 Schmierung
• Reibungsminderung zwischen Span und Werkzeugschneide
• Reibungsminderung zwischen Werkstück und
Werkzeugschneide
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