Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology

Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology
Dove Press
Originaler Forschungsartikel
Hautschützende Wirkung von Zinkoxid- funktionalisierten Textilien und ihre Bedeutung für die
atopische Dermatitis
Cornelia Wiegand1
Uta-Christina Hipler1
Sebastian Boldt2
Joachim Strehle2
Uwe Wollina2
Abteilung für Dermatologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Jena, Deutschland; Abteilung für Dermatologie und
Allergologie, Akademisches Lehrkrankenhaus Dresden-Friedrichstadt, Dresden, Deutschland
Zusammenfassung:
Die atopische Dermatitis (AD) ist eine chronische Entzündungskrankheit, die durch eine eingeschränkte
Barrierefunktion der Haut, erhöhten oxidativen Stress auf die Zellen und eine veränderte bakterielle
Oberflächenbesiedlung gekennzeichnet ist. Folglich zielen medizinische Therapien der AD darauf ab, das
Infektionsgeschehen zu kontrollieren, die Entzündung zu reduzieren und die Barrierefunktion der Haut
wiederherzustellen, und zwar unter Anwendung von lokalen und systemischen antibakteriellen
Wirkstoffen, lokalen Corticosteroiden, lokal wirkenden Calcineurin-Inhibitoren und Feuchtigkeitscremes.
Den längsten und intensivsten Kontakt mit der menschlichen Haut haben jedoch Textilien, und
funktionelle Textilien mit intrinsischen Eigenschaften, z.B. mit antioxidativer und antibakterieller
Wirkung, gewinnen mehr und mehr Bedeutung im Bereich medizinischer Anwendungen. Speziell
hergestellte Textilien können sich unterstützend auf die AD-Behandlung auswirken und die
Lebensqualität von Patienten mit AD verbessern. Diesbezüglich haben wir die Rolle von ZnOfunktionalisierten Textilfasern auf die Kontrolle von oxidativem Stress bei AD sowohl in vitro als auch in
vivo untersucht. Des Weiteren wurden die antibakterielle Wirkung und die biologische Verträglichkeit
des Zn-Textils unter in vitro Bedingen ausgewertet. Wir stellten eine schnell eintretende Verbesserung
hinsichtlich des Schweregrads der Krankheit, des Juckreizes, und der subjektiven Schlafqualität fest,
wenn AD-Patienten die Zn-Bekleidung an drei aufeinanderfolgenden Tagen über Nacht trugen. Dies
resultiert vermutlich aus der starken antioxidativen sowie aus der starken antibakteriellen Wirkung der
ZnO-Textilien. Zudem konnte gezeigt werden, dass die ZnO-Textilien eine sehr gute Biokompatibilität
aufweisen und von den AD-Patienten gut toleriert wurden.
Schlüsselwörter: Atopische Dermatitis, antibakterielle Wirkung, Biokompatibilität, funktionalisierte
Textilien, oxidativer Stress
Einleitung
Die Haut stellt die äußere Barriere des menschlichen Körpers dar. Sie ist das vielseitigste Organ des
Menschen, ihr kommt eine Schlüsselrolle beim Schutz des Körpers gegen Umwelteinflüsse zu, ferner ist
sie an der Regulation der Homöostasis, an Stoffwechselprozessen und immunologischen Reaktionen
beteiligt. Die Exposition gegen ultraviolettes Licht führt zur Entstehung von freien Radikalen in den
Zellen, darunter reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und reaktive Stickstoffspezies (RNS). Ein erhöhter
oxidativer Stress wurde in der Haut von Betroffenen, die an atopischer Dermatitis (AD)1-4 leiden,
nachgewiesen und scheint an der Entzündung, der Beeinträchtigung der Hautbarriere und dem Juckreiz
beteiligt zu sein. Überdies zeigten Messungen des transepidermalen Wasserverlusts und der
Corneometrie eine negative Korrelation zum Schweregrad der AD.5 Außerdem zeigen Patienten mit AD
eine erhöhte Anfälligkeit für bakterielle, fungale und virale Hautinfektionen.6,7 Die mikrobielle Flora der
atopischen Haut weist auffällige Unterschiede zur normalen Haut auf, zum Beispiel sind über 90% der
AD-Patienten mit Staphylococcus aureus besiedelt, wohingegen dieser Keim bei weniger als 10% der
gesunden Personen vorkommt.8 Die Rate der Träger von S. aureus unter AD-Patienten lag bei >90% im
Falle von entzündlichen Verletzungen und bei zirka 76% bei unverletzter Haut.9 Zudem konnte die
Quantität von S. aureus in Bezug zum Schweregrad der AD gesetzt werden.9,10 Folglich zielt die
medizinische Behandlung von AD darauf ab, unter Anwendung von lokalen und systemischen
antibakteriellen Wirkstoffen11, lokalen Corticosteroiden, lokal wirkenden Calcineurin-Inhibitoren und
Feuchtigkeitscremes12-14 das Infektionsgeschehen zu kontrollieren, Entzündungen zu reduzieren und die
Barrierefunktion der Haut wiederherzustellen. Textilien haben den längsten Kontakt mit der
menschlichen Haut und üben einen wesentlichen Einfluss auf deren Mikroumgebung aus. Folglich
können speziell konzipierte Textilien die medizinische Behandlung unterstützen und die Lebensqualität
der AD-Patienten verbessern.15
Hier untersuchen wir die Bedeutung von ZnO-funktionalisierten Textilfasern auf die Kontrolle von
oxidativem Stress bei AD in vitro und in vivo. Ferner wird die antibakterielle Wirkung und die biologische
Verträglichkeit des Zn-Textils in vitro beurteilt.
Material und Methoden
In-vivo Pilotversuch
Wir untersuchten die Auswirkungen einer speziellen Textilie, Benevit Zink+ (Benevit Van Clewe, Dingden,
Deutschland), die zu 74% aus Lyocell Fasern, zu 19% aus SmartCell-sensitiv Fasern und zu 7% aus
Spandex besteht, unter in-vivo Bedingungen. In diesem unkontrollierten Pilotversuch wurden Patienten
mit einer moderaten bis schweren AD nach Aufklärungsgesprächen rekrutiert. Drei Tage nach individuell
verabreichter Lokalbehandlung mit Corticosteroiden, Calcineurin-Inhibitoren oder Steinkohleteer,
wurden die ZnO-Textilien als Unterwäsche, bestehend aus Hosen und langärmeligen Hemden (siehe
Abbildung 1), an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils über Nacht von den Probanden getragen. Die
AD-Diagnose wurde nach den von Hanifin und Rajka definierten klinischen Kriterien gestellt.16 Der
Schweregrad wurde unter Anwendung des Three Item Severity Score Index (TIS) vor und nach der
Verwendung der Zn-Textilien berechnet.17 Der Schweregrad des Juckreizes wurde nach 5-D Itch Scale18
beziffert. Die subjektive Schlafqualität wurde anhand eines Fragebogens bezüglich modifizierter
Schlafgewohnheiten beurteilt.19
In-Vitro Studie
Messung der antioxidativen Kapazität
Die antioxidative Kapazität (AOC) der ZnO-Textilien gegen ROS wurde unter Verwendung des Abel
Antioxidationstestkits mit Pholasin auf Superoxid und andere freie Radikale (Knight Scientific, Plymouth,
UK) getestet, RNS-Scavenging wurde mit Hilfe des Abel Antioxidationstestkits zum Nachweis des
Peroxynitritanions bestimmt (Knight Scientific). Die Bestimmungen wurden durchgeführt wie zuvor
beschrieben.20 Kurz gefasst: Zu jeder ZnO-Textilprobe (0,25 cm² und 0,5 cm²) wurden Versuchslösungen
gegeben. Nach Einspritzung der Lösung, wobei freie Radikale erzeugt wurden, wurde die Intensität der
Lumineszenz mit Hilfe des Novostar Galaxy Plattenauswerter (BMG Labtech, Ortenberg, Deutschland)
gemessen. Eine Kontrolle ohne Probe wurde in jedem Testtyp mitgemessen. Die antioxidative
Eigenschaft verhindert die Ausbildung eines Lumineszenzpeaks (Peroxynitrit-Test) und vermindert
dessen Lichtintensität (Peroxynitrit-Nachweis und Superoxide-Nachweis). Die AOC einer Probe wurde als
prozentuale Reduktion maximaler Lumineszenz berechnet, gemäß Gleichung (1). Alle Versuche wurden
doppelt mit dreifachen Probenansätzen durchgeführt. Ergebnisse werden als Mittelwerte ±
Standardabweichung angegeben. Zur statistischen Absicherung wurde der T-Test nach Student
durchgeführt, die statistische Signifikanz wurde als P<0,05 definiert. Statistisch signifikante Ergebnisse
werden mit Asterisksymbolen versehen: ***P≤0,001, **P≤0,01 und *P≤0,05.
% Hemmung = [(Peak der Kontrolle — (Peak der Probe)] x 100
_________________________________
(Peak der Kontrolle)
(1)
Bestimmung der antibakteriellen Aktivität
nach JIS L I902
Die antibakterielle Aktivität wurde nach japanischen Industriestandards L 1902:2002 getestet, wie zuvor
veröffentlicht.21 Staphylococcus aureus (American Type Culture Collection 6538) und Klebsiella
pneumoniae wurden von der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen
(Braunschweig, Deutschland) bezogen. Zur Anzucht der Bakterien wurden spezielle Peptone- und LabLemco-Pulver zur Herstellung einer Casein-Bouillon und eines Bakterienagars von Thermo Fisher
Scientific (Waltham, MA, USA) erworben. Columbia-Agarplatten mit 5% Schafsblut wurden von
BioMerieux (Marcy l'Etoile, Frankreich) und 0,9% NaCl-Lösung von Fresenius Kabi (Bad Homburg,
Deutschland) bezogen. Die Testbakterien wurden in Casein-Bouillon über 24 Stunden bei 37°C unter
aeroben Bedingungen angereichert. In den Versuchen wurden 400 mg ZnO-Textilproben mit 200 µl der
bakteriellen Testlösung inokuliert und 24 Stunden bei 37°C unter aeroben Bedingungen inkubiert.
Polyestermaterial (IST Textilhandels, Rutzenham, Österreich) wurde zur Wachstumskontrolle verwendet.
Zur Keimzahlbestimmung wurden die inkubierten Proben in 0,9%iger NaCl-Lösung extrahiert,
angereichert mit 0,2% Tween 20. Serielle Verdünnungen wurden auf die Columbia-Agarplatten
ausplattiert und für 24 Stunden bei 37°C inkubiert. Anschließend wurden die Kolonien ausgezählt, die
koloniebildenden Einheiten (KBE) bestimmt und die Wachstumshemmung nach Gleichung (2) berechnet.
Eine logarithmische Wachstumsreduktion von weniger als 0,5 bedeutet, dass keine antibakterielle
Aktivität festzustellen ist. Werte zwischen 0,5 und 1 wurden als gering, Werte größer als 1 oder kleiner
als oder gleich 3 als signifikant und eine logarithmische Reduktion größer als 3 als starke antibakterielle
Aktivität bewertet.
Logarithmische Wachstumshemmung (24 Stunden)
= log KBE (Negativkontrolle) – log KBE (Probe) (24 Stunden)
(2)
Bewertung der biologischen Verträglichkeit nach DIN EN ISO 10993-5
Zur Bewertung der biologischen Verträglichkeit (Zytotoxizität) wurden Extrakte von ZnO-Textilien gemäß
des Standards zur Bewertung der Zytotoxizität von Textilien (DIN EN ISO 10993-12) hergestellt.
Zusammengefasst: 1 g wurde in 50 ml Dulbeccos modifiziertem Eagle-Medium (DMEM) in
Erlenmeyerkolben (Greiner, Frickenhausen, Deutschland) bei 37°C über 24 Stunden auf dem Schüttler
(ThermoBath, GFL, Großburgwedel, Deutschland) inkubiert. Die Proben wurden stets unter sterilen
Bedingungen gehalten und besondere Vorsicht galt der Vermeidung von Kreuzkontaminationen.
Anschließend wurden die Extrakte bei 1000 Upm durch eine Gaze zentrifugiert, um unlösliche Stoffreste
abzutrennen. Die resultierenden Filtrate wurden danach auf einen 0,2µm-Filter gegeben, sterilfiltriert
und als Originalextrakt klassifiziert (100%).
Humane HaCaT-Keratinozyten wurden uns freundlicherweise von NE Fusenig vom Deutschen
Krebsforschungsinstitut in Heidelberg, Deutschland, überlassen. Die Zellen wurden routinemäßig in
DMEM, das mit 1%iger Antibiotikum-Antimykotikum-Lösung (10.000 U/ml Penicillin, 10.000 µg/ml
Streptomycin, 25 µg/ml Amphotericin; PromoCell Heidelberg, Deutschland) und 10% fötalem
Kälberserum ergänzt wurde, über einen Zeitraum von sieben Tagen in 75cm²-Zellkulturflaschen (Greiner)
bei 37°C in angefeuchteter Atmosphäre mit 5% CO2 kultiviert. Für die Biokompatibilitätsversuche wurden
die Zellen durch Behandlung mit Trypsin-Ethylendiamintetraessigsäure (PromoCell) geerntet, in einer
Dichte von 40.000 Zellen/cm² in 96-Well Mikrotiterplatten (Greiner) ausgesät und für 48 Stunden
stehengelassen. Anschließend wurde das Kulturmedium entweder gegen frisches Medium
(Negativkontrolle) oder Zn-Textilextrakte (Originalextrakt 100%, Extraktionsrate 1 g : 50 ml) und serielle
Verdünnungen des Originalextrakts (75% bei 0,75 g : 50 ml, 50% bei 0,5 g : 50 ml, 25% bei 0,25 : 50 ml
und 10% bei 0,1 g : 50 ml) ausgetauscht. Triton-X 100 (Merck Darmstadt, Deutschland) diente als positive
Kontrolle der Zytotoxizität. Die HaCaT-Zellen wurden anschließend über 1, 24 und 48 Stunden inkubiert,
gefolgt von einer Bestimmung der Lebensfähigkeit und Vermehrungsfähigkeit der Zellen, welche auf der
Basis eines Lumineszenz-Adenosintriphosphate (ATP)-Tests durchgeführt wurde (ATPLite M Assay;
PerkinElmer, Waltham, MA, USA), wie zuvor beschrieben.22 Zusammengefasst: Die Lyselösung wurde
jedem Well der Mikrotiterplatte hinzugefügt, gefolgt von der Substratlösung (Luziferase/D-Luziferin).
Nach der Inkubation wurde die Lumineszenz mit Hilfe des Lumistar Galaxy Mikroplatten-Luminometers
(BMG Labtech) gemessen. Der zelluläre ATP-Gehalt wurde anhand einer Eichkurve berechnet. Aus
Gründen der Veranschaulichung wurde die Zahl lebensfähiger Zellen als Prozentsatz der Kontrollzellen zu
jedem entsprechenden Zeitpunkt ausgedrückt. Die zytotoxischen Effekte wurden unter Zuhilfenahme
eines Zytotoxizität-Detektionskits (Roche, Basel, Schweiz) analysiert. Der Test wurde gemäß Anleitung
des Herstellers durchgeführt. Die optische Dichte wurde bei 490 nm bestimmt, mit einer
Referenzmessung bei 620 nm (Fluostar; BMG, Labtech). Anschließend wurde die Zytotoxizität anhand
der Berechnung der relativen optischen Dichte von behandelten Zellen zu unbehandelten Zellen
bestimmt.
Ergebnisse
Ergebnisse aus In-Vivo Versuchen
Die Ergebnisse des In-vivo-Pilotversuchs sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Zwölf erwachsene ADPatienten wurden einbezogen (fünf Frauen, sieben Männer), in einem Altersdurchschnitt von 60,6 ± 15,1
Jahren (Spanne: 28-78 Jahre). Vor Anwendung der Zn-Textilien betrug die durchschnittliche Dauer des
Pruritus 6-24 Stunden täglich. Nur vier Patienten berichteten von einem Pruritus, der weniger als sechs
Stunden betrug. Nach Ablauf von drei Nächten mit der Zn-Textilie berichteten bereits zehn Patienten von
einem Pruritus von weniger als sechs Stunden. Kein Patient hatte Pruritus über einen ganzen Tag. Die
Intensität des Pruritus ging von 3,5 ± 1,2 auf 2,4 ± 1,1 zurück. Die Einschränkung durch Pruritus wurde als
3,7 ± 0,7 eingestuft und fiel auf 2,1 ± 1,1.
Die Beeinträchtigung des Nachtschlafs verbesserte sich von 1,7 ± 1,4 auf 1,4 ± 0,7. Beeinträchtigungen
bei der Berufsausübung verbesserten sich von 1,4 ± 1,5 auf 0,7 ± 1,2. Beeinträchtigungen in der Freizeit
verringerten sich von 1,4 ± 1,6 auf 0,7 ± 1,2 und bei der Hausarbeit von 1,4 ± 1,5 auf 1,0 ± 1,3.
Insgesamt schien die Schlafqualität nach Anwendung der Zn-Textilien besser zu sein. Die Zahl der
Patienten, die an Wachzuständen litten, verringerte sich von fünf auf zwei. Sechs Patienten berichteten
über Einschlafstörungen vor dem Tragen der Zn-Textilien. Ihre Zahl verringerte auf vier nachdem die ZnTextilien über Nacht getragen worden waren. Wachphasen wurden bei neun Patienten vor und bei sechs
Patienten nach der Testperiode registriert. Die Schlafdauer blieb unverändert.
Überdies gab es eine deutliche Verbesserung bei den klinischen Hautsymptomen. Erythemen
verringerten sich von 2,2 ± 0,8 auf 1,0 ± 0,8, Ödeme und Pusteln gingen von 1,9 ± 0,8 auf 0,8 ± 0,6
zurück. Exkoriationen verringerten sich von 1,7 ± 1,1 auf 0,6 ± 0,5 (Abbildungen 2 und 3).
In-Vitro Effekte
Unter in-vitro Bedingungen verursachten die Zn-Textilien einen signifikanten antioxidativen Effekt gegen
ROS sowie RNS (Abbildung 4). Wie in den Abbildungen zu sehen ist, riefen sie dosisabhängige Wirkungen
hervor. Zugleich wird deutlich, dass sie gleichermaßen gegen ROS und RNS wirksam sind.
Zudem wurde eine starke antibakterielle Wirkung gegen Staphylococcus aureus und Klebsiella
pneumoniae beobachtet, wobei logarithmische Reduktionen >3 erzielt wurden (Abbildung 5). Das
bakterielle Wachstum war nach einer 24-stündigen Inkubation völlig inhibiert.
Abbildung 6 gibt die Ergebnisse der nach DIN EN ISO 10993-5 durchgeführten Biokompatibilitätsstudie
wieder. Dieses Verfahren wurde zur Feststellung von eventuellen zytotoxischen Wirkungen der Textilien
angewandt. Die Behandlung von menschlichen HaCaT-Keratinozyten mit einem Zn-Textilextrakt übte
keinen negativen Einfluss auf die Überlebensfähigkeit der Zellen oder deren Vermehrung aus (Abbildung
6A). Folglich wurde kein zytotoxisches Potential, welches Zelltod durch Nekrose verursacht, beobachtet
(Abbildung 6B).
Diskussion
AD ist eine chronische Entzündungskrankheit, gekennzeichnet durch eine eingeschränkte
Barrierefunktion der Haut, erhöhten oxidativen Stress auf die Zellen und eine veränderte bakterielle
Oberflächenbesiedlung. Die Entwicklung von neuen Textilien mit intrinsischen Eigenschaften wie
antioxidativen und antibakteriellen Wirkungen stellt einen vielversprechenden Ansatz in Behandlung und
Management der AD dar. In der vorliegenden Studie beobachteten wir eine rasche Verbesserung des ADSchweregrads, des Pruritus und der subjektiven Schlafqualität, wenn Patienten Benevit Zink+ Wäsche
über Nacht trugen. Diese Textilie besteht aus einer spezifisch überzogenen ZnO-Faser mit einer hohen
antioxidativen Kapazität gegen ROS und RNS, ferner verfügt sie über eine antibakterielle Wirkung.
Naturfasern wie Seide oder Baumwolle sind für Menschen mit sensitiver Haut oder AD generell zu
bevorzugen.23 Diese Fasertypen können durch den Einbau von Silber oder Chitosan funktionalisiert
werden, so dass die Besiedlung von AD-Haut durch Staphylokokken reduziert und somit eine
Verminderung des Schweregrads der Krankheit erreicht werden kann.24-26 Es sind allerdings negative
Wirkungen von sowohl Silberionen21,27 als auch Chitosan-Formulierungen22, 28, 29 in vitro beobachtet
worden. Überdies wurde die Verwendung von Silberverbindungen mit dem Risiko der Induktion
bakterieller Anpassungen in Verbindung gebracht.30-32 Folglich besteht ein Bedarf an alternativen
Wirkstoffen. ZnO könnte eine interessante Option darstellen, da es vor Sonnenlicht schützt33 und
nachweislich hypertrophisches Narbengewebe verbessert.34 ZnO hilft bei der Wiederherstellung der
gestörten Barrierefunktion der Haut bei ekzematösen Krankheiten35 und fördert die Wundheilung.37, 38
ZnO gilt zudem als sicher in der Anwendung, da es die Haut nicht durchdringt, selbst dann nicht, wenn
deren Barrierefunktion gestört ist.37, 38 Die hohe Biokompatibilität von Benevit Zink+ wurde in dieser
Studie in vitro nachgewiesen. Außerdem konnten wir zeigen, dass eine kurzzeitige Anwendung der ZnOTextilien eine Verbesserung von Nachtschlaf, Pruritus und des AD-Schweregrads herbeiführen kann,
wenn sie unterstützend zur medizinischen Behandlung getragen werden. Eine Verbesserung der
Lebensqualität von AD-Patienten kann auf diesem Wege erreicht werden.
Danksagung
Die Autoren möchten sich bedanken bei Dr. Michael Zieger, Doreen Winter, Peggy Gasch und Martina
Grebner für ihre exzellente technische Unterstützung.
Ofenlegung von Interessen
Diese Studie wurde uneingeschränkt von einer Förderung von Benevit Van Clewe, Dingden, Deutschland,
unterstützt. Die Autoren versichern, dass dieser Arbeit keine andersartigen Interessenskonflikte
zugrunde lagen.
Literatur
Abbildungen und Tabellen
Abbildung 1: Benevit Zink+ Bekleidung besteht zu 74% aus Lyocell Fasern, 19% aus SmartCell-sensitiv Fasern
(bestehend aus ZnO) und 7% aus Spandex.
Hinweis: Erwachsene Patienten mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis wurden in die Studie
aufgenommen, nachdem sie über die Risiken aufgeklärt wurden. Die ZnO-Textilien wurden von den Probanden als
Unterwäsche in Form von Hosen und langärmeligen Hemden jeweils über Nacht getragen.
Abbildung 2: Klinische Verbesserung der atopischen Dermatitis nummularis mit adjuvanten ZnO-Textilien über
Nacht (A) vor und (B) nach vier Tagen.
Abbildung 3: Klinische Verbesserung der disseminierten atopischen Dermatitis mit adjuvanten ZnO-Textilien über
Nacht (A) vor und (B) nach vier Tagen.
Abbildung 4: Eine hohe antioxidative Kapazität wurde für das ZnO-Textil nachgewiesen.
Hinweis: Es war gleichermaßen wirksam in der Hemmung der Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und
reaktiven Stickstoffspezies (RNS) in vitro. **P≤0 0,01; ***P≤0,001
Hemmung freier Radikale (%) / Kontrolle
Abbildung 5: Das ZnO-Textil hat eine starke antibakterielle Wirkung (logarithmische Reduktion > 3) sowohl gegen
Staphylococcus aureus als auch gegen Klebsiella pneumoniae.
Hinweis: Vollständige Inhibierung des bakteriellen Wachstums wurde erreicht.
Bakterielles Wachstum (%) / Starke antibakterielle Wirkung / Log-Reduktion > 7,0 / Kontrolle (Polyester)
Abbildung 6 (A): Bestimmung der Überlebensfähigkeit von HaCaT-Keratinozyten und Zellproliferation nach 1, 24,
48 Stunden Inkubation mit einem ZnO-Textilextrakt. Es wurde keine negative Wirkung auf die Zellen in vitro
festgestellt. Zu keinem Zeitpunkt und bei keiner der getesteten Extraktionsverdünnungen fiel die Zahl der Zellen
unter den 70% Grenzwert (rote gestrichelte Linie). (B) Eine signifikante Freisetzung von Lactatdehydrogenase
wurde nur im Falle der Positivkontrolle mit Triton X-100 festgestellt.
Hinweis: Keine der getesteten ZnO-Textilextraktverdünnungen zeigte ein zytotoxisches Potential. Folglich erreichte
die Zytotoxizität nicht den Grenzwert von 30% (rote gestrichelte Linie).
Zytotoxizität (%)
Negative Kontrolle (Triton X-100)
Positivkontrolle (Medium)
Extraktverdünnung
Tabelle 1
Zusammenfassung der Ergebnisse aus der In-Vivo-Pilotstudie
Intensität des Juckreizes
Erythem
Ödeme und Pusteln
Exkoriationen
Beeinträchtigung durch
Pruritus
Beeinträchtigung des
Nachtschlafs
Beeinträchtigungen im
Berufsleben
Beeinträchtigungen in der
Freizeit
Beeinträchtigungen bei
der Hausarbeit
Vor dem Versuch
3,5 ± 1,2
2,2 ± 0,8
1,9 ± 0,8
1,7 ± 1,1
3,7 ± 0,7
Nach dem Versuch
2,4 ± 1,1
1,0 ± 0,8
0,8 ± 0,6
0,6 ± 0,5
2,1 ± 1,1
1,7 ± 1,4
1,4 ± 0,7
1,4 ± 1,5
0,7 ± 1,2
1,4 ± 1,6
0,7 ± 1,2
1,4 ± 1,5
1,0 ± 1,3