Inhalt - Theater und Orchester Heidelberg

Inhalt
Seite 6
Preise und Jury
Seite 10 Eröffnung: These little town blues are melting away
Deutschsprachiger Autorenwettbewerb
Seite 12 Lesungen: 1. Tag
Seite 15 Lesungen: 2. Tag
Deutschsprachige Gastspiele
Seite 20 Das Tierreich
Seite 22 Die lächerliche Finsternis
Seite 24 zu jung zu alt zu deutsch
Seite 26 Waffenschweine
Seite 28 100 m
Seite 30 Schatten (Eurydike sagt)
Seite 32 Weltenbrand
Seite 34 Edelweisspiraten. Banden bilden gegen Hitler
Seite 36 Callcenter Übermorgen
Seite 38 Das permanente Wanken und Schwanken
von eigentlich allem
Seite 40 Die Prinzessin und der Pjär
Seite 42 Kongoland
Seite 44 Container Paris
Seite 46 Voiceck
Seite 48 Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier
Gastland Mexiko
Seite 54 Internationaler Autorenwettbewerb
Seite 58 Se rompen las Olas
Seite 60 Amarillo
Seite 62 Demasiado cortas las piernas | Von den Beinen zu kurz
Seite 64Mendoza
Seite 66 Rahmenprogramm
Grussworte
Liebes Publikum,
auch in diesem Frühling widmet sich der Heidelberger Stückemarkt wieder neuen
Theaterstücken und ihren Autorinnen und Autoren. Zehn Tage lang sind auf den verschiedenen Bühnen des Theaters Heidelberg aktuelle Inszenierungen hochkarätiger
deutschsprachiger Theater zu sehen, Beiträge der Gegenwartsdramatik zu hören und
wegweisende ästhetische Ansätze zu erleben. Künstlergespräche, Diskussionen, Partys und die Preisverleihung ergänzen das Gastspielprogramm. Unter der Intendanz
von Holger Schultze erfreut sich auch das Jugendtheater großer Aufmerksamkeit.
Seit dem Jahr 2001 gibt es die Tradition, auf dem Heidelberger Stückemarkt die
aktuelle Theaterszene eines Gastlandes zu präsentieren. Mit Mexiko wird in diesem
Jahr zum ersten Mal ein Land des amerikanischen Kontinents im Fokus stehen. Ich
bin neugierig auf die aktuellen mexikanischen Inszenierungen und auf die Lesungen neuer mexikanischer Stücke, die spannende Einblicke in ein krisengeschütteltes Land versprechen.
Das Land Baden-Württemberg stiftet den mit 5.000 Euro dotierten Internationalen
AutorenPreis. Wie bereichernd, wie fruchtbar die länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Kunstschaffenden sein kann, das führt uns dieser Autorenpreis
vor Augen.
Allen Mitwirkenden auf und hinter der Bühne wünsche ich toi, toi, toi – und dem
Publikum viele inspirierende Theatererlebnisse!
Theresia Bauer MdL
Ministerin für Wissenschaft, Forschung
und Kunst des Landes Baden-Württemberg
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Liebe Besucherinnen und Besucher
des Heidelberger Stückemarkts,
der Heidelberger Stückemarkt ist nicht nur eines der renommiertesten Festivals
für zeitgenössisches Theater in Deutschland, sondern auch eines der traditionsreichsten: er findet 2015 bereits zum 32. Mal statt. Wieder gibt es ein geballtes Programm mit Uraufführungen, Erstaufführungen und Nachspielen. Und wieder stehen
dafür nicht weniger als fünf Spielstätten im Heidelberger Theater zur Verfügung:
Zwinger 1, Zwinger 3, Alter Saal, Marguerre-Saal und die Tanzprobebühne Friedrich 5.
Gerade der neue Marguerre-Saal ermöglicht seit drei Jahren die Einladung auch großer Produktionen von großen Häusern wie etwa dem Burgtheater Wien oder dem
Schauspiel Frankfurt. Hier zeigt sich wieder deutlich, dass sich die Investition in
die Sanierung und Erweiterung des Hauses und das überwältigende bürgerschaftliche Engagement dafür sehr gelohnt haben.
Besonders freut es mich, dass beim Stückemarkt verstärkt politische Themen aufgegriffen werden. Denn ich halte das Theater für einen wichtigen Ort des Austauschs
gerade auch über aktuelle Probleme unserer Gegenwart. Dazu passt die Wahl Mexikos als Gastland beim Heidelberger Stückemarkt 2015, ein Land, das von gesellschaftlichem Aufruhr geprägt ist. Ein herzliches Willkommen an die mexikanischen
Theatergruppen und Autoren!
Mein Dank gilt auch in diesem Jahr den Sponsoren, die das Festival weiterhin finanziell unterstützen. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wünsche ich viel Erfolg
und interessante Begegnungen.
Ihr
Dr. Eckart Würzner
Oberbürgermeister
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Herzlich willkommen!
Der Heidelberger Stückemarkt findet dieses Jahr schon zum 32. Mal statt und ist
doch immer radikal gegenwärtig. Was wir in diesem Festival zeigen, sind die Theaterautoren von morgen und künstlerische Handschriften, die das zeitgenössische
Theater prägen. Mit dem Programm des Heidelberger Stückemarkts möchten wir
die aktuellen Entwicklungen der Theaterlandschaft auf dem Feld der neuen Dramatik abbilden. Neben den Gastspielen von Stadt- und Staatstheatern sowie von freien
Theatergruppen freuen wir uns auf unsere mexikanischen Gäste. Wir bieten Ihnen
dieses Jahr die besondere Gelegenheit, aktuelle Inszenierungen und neue Stücke
aus Mexiko zu erleben, die zum ersten Mal in Deutschland gezeigt werden! Gerade
in einer Zeit des gesellschaftlichen Aufruhrs in Mexiko sind die künstlerischen
Auseinandersetzungen mit politischen Themen im mexikanischen Theater hochinteressant. So möchte der 32. Heidelberger Stückemarkt auch eine Plattform
bieten für den Austausch über die Beziehung von Kunst und Politik auf der Folie
der europäischen und mexikanischen Verhältnisse, denn auch in der deutschsprachigen Theaterszene zeichnet sich eine verstärkte Hinwendung zu der Verhandlung
politischer Themen auf dem Theater ab. Kann das Theater ein Ort des Aufbegehrens gegen herrschende Verhältnisse sein?
Diskutieren Sie mit, besuchen Sie die Vorstellungen, die Lesungen der Stücke im
Autorenwettbewerb und seien Sie bei Künstlergesprächen, Publikumsdiskussionen und Festivalpartys dabei!
Holger Schultze, Intendant
Jürgen Popig, künstlerische Leitung
Katja Herlemann, Produktionsleitung und künstlerische Mitarbeit
Ilona Goyeneche, Mexiko-Scout
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Schauspiel
Tanz
Musiktheater
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Preise und Jury
AutorenPreis
Aus 117 Einsendungen hat die Dramaturgie des Theaters und Orchesters Heidelberg
sechs Theaterautorinnen und -autoren ausgewählt. Ihre noch nicht uraufgeführten Stücke werden am 25. und 26. April in Lesungen präsentiert. Daraufhin vergibt
die Stückemarkt-Jury den AutorenPreis des Heidelberger Stückemarkts. Dieser
wird gestiftet durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung und ist mit 10.000 Euro
dotiert. Außerdem wird die Premiere eines der nominierten Stücke das Festival im
kommenden Jahr eröffnen.
Internationaler AutorenPreis
Der Internationale AutorenPreis, gestiftet durch das Land Baden-Württemberg, ist
dotiert mit 5.000 Euro und wird von der Stückemarkt-Jury an einen der drei nominierten Theaterautoren des Gastlands Mexiko vergeben, deren Stücke am 02. Mai
zu hören sind.
JugendStückePreis
Entsprechend dem KinderStückePreis der Mülheimer Theatertage NRW vergibt der
Heidelberger Stückemarkt den JugendStückePreis an eines der drei eingeladenen Jugendgastspiele. Den Preisträger ermittelt die Stückemarkt-Jury gemeinsam
mit einer Expertenschar von theaterinteressierten Jugendlichen ab 15 Jahren aus
Heidelberg. Der Autor des Siegerstücks erhält den mit 6.000 Euro dotierten Preis,
gestiftet durch die Volksbank Kurpfalz H & G Bank, außerdem wird die Produktion
im Rahmenprogramm der Mülheimer Theatertage NRW 2016 gezeigt.
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Stückemarkt-Jury
Vasco Boenisch
arbeitet seit 2005 freiberuflich als Theaterkritiker für verschiedene Fachzeitschriften
und Zeitungen. Er war außerdem als Juror unter anderem für den Mülheimer Dramatikerpreis oder das Berliner Theatertreffen tätig und war Referent für Kultur und Wissenschaft beim WDR Fernsehen. 2015 bis 2017 ist er Dramaturg der Ruhrtriennale.
Jürgen Popig
war als Dramaturg in Singen, Freiburg, Stuttgart und Osnabrück engagiert. Seit der
Spielzeit 2011|12 ist er Leitender Schauspieldramaturg am Theater und Orchester Heidelberg und daneben als Autor und Übersetzer von Theaterstücken tätig.
Gesine Schmidt
arbeitete als Dramaturgin am Schauspiel Frankfurt, am Berliner Ensemble, am Maxim
Gorki Theater Berlin und am Deutschen Theater Berlin. Sie gilt als eine der profiliertesten Autorinnen des aktuellen dokumentarischen Theaters.
Erich Sidler
studierte Regie in Zürich und inszenierte unter anderem in Stuttgart, Hannover, Mannheim und am Maxim Gorki Theater Berlin. Von 2007 bis 2012 war er Leiter des Schauspiels Bern. Seit 2014 ist Erich Sidler Intendant des Deutschen Theaters Göttingen.
Bernhard Studlar
studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin und ist seit 2003
als freischaffender Dramatiker tätig. Seine Stücke sind unter anderem am Burgtheater
Wien, Schauspielhaus Hamburg und am Theater und Orchester Heidelberg zu sehen.
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NachSpielPreis
Als ehrenamtlicher Kurator hat der Theaterkritiker Jürgen Berger drei Inszenierungen ausgewählt, die im Rahmen der Reihe Nachgespielt im Festival zu sehen sind.
Der von der Kulturjournalistin Barbara Behrendt vergebene Preis ist mit einer Gastspieleinladung im Rahmenprogramm der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin verbunden.
Kuratorium und Jury
Jürgen Berger (Kurator)
ist freier Theater- und Literaturkritiker und schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, Theater heute und die taz. Er war Juror für das Berliner Theatertreffen und ist zurzeit im Auswahlgremium des Mülheimer Dramatikerpreises.
Barbara Behrendt (Jurorin)
lebt als freie Kulturjournalistin in Berlin und schreibt für Theater heute, taz, Die
deutsche Bühne und für die Online-Plattform des Goethe-Instituts. Sie war unter
anderem Redaktionsleiterin des Theatertreffen-Blogs und leitet seit 2011 das Blog
der Mülheimer Theatertage.
PublikumsPreis
Alle Stücke des internationalen wie deutschsprachigen Autorenwettbewerbs stehen zur Wahl für den PublikumsPreis. Durch schriftliche Abstimmung nach jeder
Stücklesung hat das Publikum die Möglichkeit, einen Sieger zu ermitteln. Dieser
erhält mit der Ehrung ein Preisgeld von 2.500 Euro, gestiftet durch den Freundeskreis des Theaters und Orchesters Heidelberg.
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Theater lesen
Digital
Der neue Online-Auftritt von Theater der Zeit präsentiert ausgewählte Textbeiträge in voller Länge
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Eröffnung des Heidelberger Stückemarkts
Deutschsprachige Erstaufführung
These little town blues are melting away
Lieder vom Ufer des grauen Meeres
von Pipsa Lonka
Aus dem Finnischen von Katja von der Ropp
Regie und Kostüme Cilla Back | Bühne Csörsz Khell | Dramaturgie Lene Grösch |
Mit Elisabeth Auer, Josepha Grünberg, Karin Nennemann, Elena Nyffeler, Karin
Schroeder, Andreas Seifert, Pedro Stirner, Olaf Weißenberg, Martin Wißner
Ein kleiner Küstenort: weite Landschaft, gewöhnliche Leute in ihren Hütten, vom
Leben gezeichnet. Wir lernen sie kennen: ihre täglichen Gewohnheiten, ihre bescheidenen Träume, ihre einfachen Freuden – und ebenso ihre ganz und gar heutigen
Probleme von Ausgrenzung bis Burnout. Der Text folgt den Spuren einiger dieser Sonderlinge liebevoll und sensibel. Doch dann erreicht die Klimakatastrophe
jenen hintersten Winkel der Ostsee und lässt den Wasserpegel gefährlich steigen.
Was macht ein Dutzend finnischer Eigenbrötler, wenn es ans Eingemachte geht?
Für die Inszenierung konnte das Theater Heidelberg die finnische Regisseurin Cilla
Back gewinnen, die in Mailand Theaterregie studierte und seit etlichen Jahren in
Italien, Finnland, Schweden, Russland, Deutschland und der Schweiz inszeniert.
Internationaler AutorenPreis des Heidelberger Stückemarkts 2014
Pipsa Lonka
schreibt in ihrem Heimatland Finnland nicht nur für das Theater, sondern ebenso
gerne auch fürs Fernsehen. These little town blues are melting away gewann
die New Baltic Drama Competition 2011 und den Finnischen Theaterpreis 2014.
24. April 2015, 18.30 Uhr
V Zwinger 1
10
Deutschsprachiger
Autorenwettbewerb
11
Hose Fahrrad Frau
von Stefan Wipplinger
Es lesen Massoud Baygan, Lisa Förster, Felicity Grist, Benjamin Nowitzky, Dominik
Lindhorst, Stefan Reck, Hendrik Richter, Christina Rubruck und Martin Schnippa
Materieller Besitz, in der Regel weit weniger als das, was
durchschnittlich so in den Wohnungen schlummert, Zeit
und Zwischenmenschlichkeit – verschiedene Faktoren gehören dazu, damit der Mensch sein kleines Glück finden kann.
In Hose Fahrrad Frau begibt sich Stefan Wipplinger auf
die Spur nach eben diesem kleinen Glück. Ganz verschiedene Großstadtgestalten lässt er aufeinander treffen, lässt
sie Mitmenschen, Träume und Dinge verlieren, suchen und
finden. Dabei wechseln nicht nur eine Hose oder ein Rad ihre
Besitzer, sondern auch eine Frau wechselt ihre Familie: Das
Tauschgeschäft kennt keinerlei physikalische oder emotionale Grenzen.
Kann man mit Geld alles kaufen? Lässt sich der flüchtige Moment nicht doch irgendwie
festhalten? Oder die Zeit zurückdrehen? Innerhalb skurriler Begegnungen und feiner
Dialoge bricht Wipplinger die Illusionen der Protagonisten und beschert das sichere
Gefühl, das Glück dann doch noch auf andere Weisen finden zu können.
Stefan Wipplinger
geboren 1986 in Oberösterreich, studierte zunächst »Experimentelle Gestaltung«
und arbeitete als Regieassistent in Linz. In Berlin begann er ein Studium der Theaterwissenschaft, das er kurz darauf gegen Szenisches Schreiben an der Universität
der Künste tauschte. Hose Fahrrad Frau ist sein erstes abendfüllendes Theaterstück,
welches bereits im Februar in einer Werkstattinszenierung in Potsdam zu sehen war.
25. April 2015, 13 Uhr
V Alter Saal
12
paradies fluten
von Thomas Köck
Es lesen Nicole Averkamp, Massoud Baygan, Felicity Grist, Peter Lindhorst und
Christina Rubruck
»ein erschöpftes tanzensemble«, »ein ertrinkendes symphonieorchester«, »familienaufstellung der 90er jahre
als schreckgespenster«, um nur einige des ungewöhnlichen Personals zu nennen, das Thomas Köck in seiner
»verirrten sinfonie« auftreten lässt. Sein wortgewaltiger
Bilderbogen mischt die Beschreibung eines fantastischen
Bühnengeschehens mit den Dialogen seiner Figuren, lässt
alles anschwellen zu einer Bilderflut, die uns überrollt wie
die menschengemachten Klimakatastrophen viele Länder
dieser Erde. Er schlägt den Bogen von den Goldenen Jahren der 90er, wo alles möglich scheint, das Geld fließt, über ferne Länder, wo auf
Kautschukplantagen der weiße Kolonialismus und Raubbaukapitalismus ihren
Tribut fordern, bis in die Gegenwart. Köcks überbordendes Porträt von Gegenwart
und Geschichte schleudert dem Publikum eine poetisch verfremdete Wirklichkeit
entgegen, wie es sie nur auf dem Theater geben kann.
Thomas Köck
Emilia
studiertPöyhönen
seit 2012 Thomas
Szenisches
Köck
Schreiben an der Universität der Künste in Berlin. Sein
Text jenseits von fukuyama gewann den Osnabrücker Dramatikerpreis und gelangte
dort zur Uraufführung, im Herbst 2015 wird das Theater Osnabrück paradies fluten auf die Bühne bringen.
25. April 2015, 14 Uhr
V Alter Saal
13
Der Mann aus Oklahoma
von Lukas Linder
Es lesen Julia Apfelthaler, Nicole Averkamp, Steffen Gangloff, Peter Lindhorst und
Fabian Oehl
»Sucht. Nicht. Nach. Mir.« – So lauten die letzten, hastig
dahin gekritzelten Worte, die Freds Vater seiner Familie auf
dem Küchentisch hinterlässt, bevor er sich aus dem Staub
macht. Traumatisch, könnte man meinen, und für den Jungen ist es das auch – doch nicht für die Mutter, die schnell
Trost gefunden hat bei Herrn Ehrlicher, einem fitten Sportler
und bekennenden Erotomanen. Fred dagegen macht sich auf
die Suche nach dem verlorenen Vater. Und als er ihn eines
Tages ganz zufällig und buchstäblich im Vorbeigehen hinter einem Fenster der pompösen Villa seines Altersgenossen
Chris zu erkennen glaubt – doch nur kurz, denn schon ist er wieder verschwunden –,
nehmen die Ereignisse an Fahrt auf. Dabei kommt Fred nicht nur seiner Klassenkameradin Astrid näher und gewinnt einen echten Freund hinzu, nein: Am Ende findet er
sogar das Geheimnis vom Mann aus Oklahoma heraus. Eine klassische Vater-Sohn-Erzählung, angereichert durch groteske, archetypisch-märchenhafte Überzeichnungen
und Räuberpistolen, aus denen Raymond Chandler grüßt.
Lukas Linder
geboren 1984 in Uhwiesen in der Schweiz, studierte Germanistik und Philosophie in
Basel und realisierte Theaterprojekte in der freien Szene. Er nahm am Autorenlabor
des Schauspielhauses Düsseldorf teil und war Hausautor am Theater Biel Solothurn.
2015 erhielt er den Kleist-Förderpreis für Der Mann aus Oklahoma.
25. April 2015, 15.30 Uhr
V Alter Saal
14
Wunderungen durch die Mark Uckermark
von Lisa Engel
Es lesen Julia Apfelthaler, Lisa Förster, Stefan Reck und Hendrik Richter
In Lisa Engels Stück wird nicht durch die Mark Brandenburg gewandert, wie es Theodor Fontane einst tat und in
seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg berichtet, sondern »Wunderungen« aus der Mark Uckermark
werden zum Thema eines tragikomischen Bühnenstücks.
Anne und Felicitas suchen einen Ort der Ruhe, des Friedens
und der Verbundenheit mit der Natur. Stellvertretend für
eine Gemeinschaft der Ruhesuchenden unter der Leitung
der mysteriösen Viola Miranda besichtigen sie einen VierSeiten-Hof in der Mark Uckermark, in der Hoffnung, dort
ihren Ort zu finden. Erster Zusammenprall mit der uckermärkischen Wirklichkeit
ist das Gespräch mit Makler Bär. Und außerdem fehlt dem Hof eine Wand. Vorbesitzer Angel-Ulli hat daraus ein Grab für seine verstorbene Hündin gemauert. Der
Text besticht durch seinen Blick auf die liebenswert skurrilen Figuren aus Großstadt und Provinz, überraschende Wendungen in der Geschichte und einen humorvollen Blick auf die Suche nach Zugehörigkeit und Zusammenhalt.
Lisa Engel
ist ein Pseudonym, über die Autorin ist nichts bekannt. Bereits 1996 wurde ihr
Stück Mütternacht beim Heidelberger Stückemarkt und bei den Hannoveraner
Autorentheatertagen vorgestellt.
26. April 2015, 13 Uhr
V Alter Saal
15
Alles trennt
von Rebecca C. Schnyder
Es lesen Christina Dom, Martin Schnippa und Anouk Wagener
»Zwei für ein Ganzes«: Seit Renata von ihrem Mann verlassen wurde, zählen für sie nur noch der Alkohol und die Beziehung zu ihrem Kind. Um ihre Tochter Lina immer mehr an
sich zu binden, zwingt Renata ihr deshalb ein rigides Ordnungssystem auf. Und so beschränkt sich Linas Leben auf
den wöchentlichen Einkauf und auf das Sortieren der zahlreichen Pfandflaschen. Allein ihre Fantasie – angeregt durch
Werbespots aller Art – verschafft kleine Ausflüchte aus der
Struktur. Als eines Tages der Jurastudent Leo auftaucht, um
eine Räumungsklage vorbeizubringen, droht die strikte Ordnung zwischen Mutter und Tochter jedoch zu bröckeln. Lina verliebt sich und fasst
den endgültigen Entschluss, gemeinsam mit Leo dem »Wohnst du noch oder lebst du
schon«-Albtraum zu entfliehen. In kurzen, zarten Episoden entwickelt die Autorin eine
berührende Geschichte, in der die Sehnsucht nach individueller Entfaltung Überhand
gewinnt, bis der Bruch im »Ganzen« nicht mehr zu kitten ist.
Rebecca C. Schnyder
1986 in Zürich geboren, lebt und arbeitet als freie Autorin in St. Gallen. Für ihre Arbeiten erhielt sie mehrere Auszeichnungen, unter anderem den »Preis für das Schreiben
von Theaterstücken« der Schweizerischen Autorengesellschaft. 2013|14 war Rebecca
C. Schnyder Teilnehmerin am Dramenprozessor im Theater Winkelwiese in Zürich, in
dessen Rahmen ihr neustes Stück Alles trennt entstanden ist.
26. April 2015, 14 Uhr
V Alter Saal
16
Szenen der Freiheit
von Jan Friedrich
Es lesen Felicity Grist, Dominik Lindhorst, Benjamin Nowitzky, Martin Schnippa und
Anouk Wagener
»Jeder lebt auf seine Weise«: Bastian ist verzweifelt in Anni
verliebt, seine Liebe für sie reicht bis zur Selbstzerstörung.
Annis Helfersyndrom reicht aber nicht mehr aus, um sich
um Bastian zu kümmern. Josch ist chronisch überarbeitet
und stimmt aus Angst, seinen Freund Pascal zu verlieren,
zu, keine traditionelle Zweierbeziehung mehr zu führen.
Pascal ist auf der Suche nach sexueller Erfüllung – und
probiert dabei alles aus, auch Sex mit einem Hund. Und
Lore will das Gefühl der unbeschwerten Jugend zurück.
Fünf Mittzwanziger, denen alles offen steht. Viele Wege
wollen genutzt und ausprobiert werden. Sich und den Kontakt zu anderen in diesem Meer von Möglichkeiten nicht zu verlieren, fällt schwer, genauso wie das Festlegen auf einen Lebensweg. Jan Friedrich zeichnet in Szenen der Freiheit sehr
genau das Gefühl einer Generation, die in den vielen Möglichkeiten verloren geht.
Jan Friedrich
geboren 1992 in der Lutherstadt Eisleben, war Stipendiat des Literarischen Colloquiums Berlin und studiert zurzeit Zeitgenössische Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin. Sein erstes dramatisches Werk
im Verlag der Autoren Deals wird im April 2015 am Schauspiel Hannover uraufgeführt. Szenen der Freiheit ist sein zweites Stück und kommt im Juni 2015 im
Rahmen der Berliner Autorentheatertage am Deutschen Theater zur Uraufführung.
26. April 2015, 15.30 Uhr
V Alter Saal
17
Zum deutschsprachigen Gastspielprogramm
Der 32. Heidelberger Stückemarkt präsentiert einen Querschnitt durch die
deutschsprachige Theaterlandschaft – freie Theater und Gruppen sowie Stadt- und
Staatstheater, etablierte Regisseure und junge Talente zeigen ihre Arbeiten. Dieses
Jahr liegt das Hauptaugenmerk auf der großen Themenvielfalt zeitgenössischer Dramatik, nachdem die letzte Festivalausgabe sich auf verschiedene Formen von Autorschaft konzentrierte. Es zeichnet sich eine verstärkte Hinwendung zu politischen
Themen ab, zu der Verhandlung von Wirklichkeit auf dem Theater, zu Bestandsaufnahmen der Welt, in der wir heute leben, zu Versuchen, sich zu diesen Realitäten
mit den Mitteln des Theaters konstruktiv zu verhalten. Deutschsprachige Autorinnen und Autoren stellen sich die Frage, wie man aus der Perspektive eines Westeuropäers überhaupt erzählen kann von den Anderen in der Welt, von Post- und
Neokolonialismus, von den Krisen und Kriegen, von denen die Bilder durch unser
maximales Vernetztsein allgegenwärtig sind (Die lächerliche Finsternis, Kongoland). Wie verortet man sich als Einzelner in Systemen globaler Marktwirtschaft
und in einer Gesellschaft, die permanente Selbstoptimierung fordert (Container
Paris, Seymour oder ich bin nur aus Versehen hier, 100 m)? Wie gehen wir mit
der Erkenntnis um, dass es kein richtiges Leben im falschen geben kann? In den
Inszenierungen, die wir dieses Jahr zeigen, geht es auch um spezifisch deutsche
Sujets, um Burschenschaften (Waffenschweine), um die Verantwortung für zwei
Weltkriege und um eine Gesellschaft, in der ausgrenzende Ideologien fortleben –
hochaktuelle Themen in Zeiten von Pegida (Weltenbrand, Edelweisspiraten,
zu jung zu alt zu deutsch). Nicht zuletzt gibt es aber auch theatrale Versuche
über Poesie als elementarer Bestandteil von Lebensentwürfen und die ganz individuelle Ermächtigung über Gestaltung von Welt (Callcenter übermorgen, Das
Tierreich, Das permanente Wanken und Schwanken von eigentlich allem).
18
Deutschsprachige
Gastspiele
19
20
Das Tierreich
Uraufführung
von Nolte Decar
Schauspiel Leipzig
Regie Gordon Kämmerer | Bühne Jana Wassong | Kostüme Josa David Marx | Dramaturgie Julia Figdor | Licht Jörg Langkabel | Video Stini Röhrs | Mit Pina Bergemann,
Julia Berke, Andreas Herrmann, Anna Keil, Dirk Lange, Michael Pempelforth
Es ist der erste Tag der Sommerferien und der Beginn eines aberwitzigen Reigens
durch die Lebenswelt fast Erwachsener. Im kleinen Bad Mersdorf vermisst Regine
Hummel ihren Chinchilla, versucht sich Heiner Liliencron in Annäherungsversuchen an Babet Müller, probt die Theatergruppe Kleists Prinz Friedrich von Homburg,
will die Schulumbenennungs-AG demokratisch einen neuen Namen finden, ist Niko
Antonopoulos schon lange in Nicole Schneider verliebt, bis … ein Leopard II Kampfpanzer vom Himmel herab auf die Schule fällt. War dieser Teil einer Waffenlieferung
an eine saudi-arabische Kleinstadt oder eine illegale UFO-Lieferung? Sei’s drum, denn
Jasper Hauff-Samel und Lilli Meier – die sich in der Abneigung gegenüber Reclamheften und Kindergeschichten einig sind – haben einen Autounfall, bei dem Lilli ein
Bein verliert. Klaus Nöhler bemerkt, dass er gar keine Mädchen küssen möchte, sondern Steffen Thalbrück, dies und noch viel mehr, bis … der letzte Tag der Ferien naht.
Der Schauspieler, Koch und Regisseur Gordon Kämmerer inszenierte die Uraufführung des Stücks, das 2014 für den Heidelberger Stückemarkt nominiert war.
Ausgezeichnet mit dem Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin 2013
25. April 2015, 18.30 Uhr
V Zwinger 1
21
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Die lächerliche Finsternis
Uraufführung
von Wolfram Lotz
Burgtheater im Akademietheater Wien
Regie und Bühne Dušan David Pařízek | Kostüme Kamila Polívková | Licht Felix
Dreyer | Dramaturgie Klaus Missbach | Mit Frida-Lovisa Hamann, Dorothee
Hartinger, Stefanie Reinsperger, Catrin Striebeck
Ein somalischer Pirat bittet vor dem Hamburger Landgericht um Verständnis für seinen Überfall auf das Frachtschiff MS Taipan und beklagt den Verlust seines Freundes
Tofdau. Hauptfeldwebel Pellner und der Gefreite Dorsch fahren mit einem Patrouillenboot hinein in die Regenwälder Afghanistans. Ihr Auftrag: Liquidierung eines durchgedrehten Oberstleutnants. Die Reise führt immer tiefer in eine wirr wuchernde Welt,
in der koloniale Geschichte und neokolonialistische Realitäten untrennbar miteinander verbunden sind. Immer weiter entfernen sie sich von der sogenannten Zivilisation, hinein in die Wildnis und Dunkelheit. Skurril und filigran, ironisch und
zugleich unendlich traurig beschreibt Wolfram Lotz in seinem Text unsere Unfähigkeit, das Fremde wirklich verstehen zu können: das Grauen eines weit entfernten
Kriegs, eine andere Kultur, einen anderen Menschen und zuletzt sogar sich selbst.
Der Autor Wolfram Lotz war mit Der grosse Marsch bereits 2012 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. Der tschechische Regisseur Dušan David Pařízek hat
sich auf Uraufführungen spezialisiert, ist mittlerweile aber auch ein gefragter Klassiker-Interpret.
Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2015
25. April 2015, 20.30 Uhr
V Marguerre-Saal
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zu jung zu alt zu deutsch
von Dirk Laucke
Staatstheater Hannover
nominierung
NachSpielPreis
Regie Nick Hartnagel | Bühne und Kostüme Mareike Hantschel | Dramaturgie Johannes Kirsten | Mit Susana Fernandes Genebra, Philippe Goos, Karolina Horster, Sina
Martens, Sandro Tajouri
Roy, Jens, Lydia – drei Menschen in Deutschland, heute. Zu jung, um an Verbrechen
der NS-Zeit teilgenommen haben zu können, zu alt, um davon unbeschwert losgekommen zu sein, zu deutsch, um sich nicht ständig dazu ins Verhältnis setzen zu müssen. Sie geraten aneinander ob ihrer eigenen Vergangenheit und der ihres Landes.
Und dann sind da noch die junge Ukrainerin Sascha, die mit vielen Illusionen nach
Deutschland kam, und Gitte, die nur weg aus diesem Land will. Über die Vergangenheit sind die Geschichten der fünf Menschen miteinander verwoben. Sie alle träumen
von einem Neuanfang, versuchen im Heute zu leben und kommen doch immer wieder
ins Gestern. Dirk Laucke hat Geschichten geschrieben, die sich queren und quälen
und zeigen, wie viel braunes Dunkeldeutschland auch nach dem bunten Weltgastgeber-Sommermärchen in uns steckt. Denn die Vergangenheit vergeht nicht, sie vergärt.
Der junge Regisseur Nick Hartnagel, der bereits beim Heidelberger Stückemarkt
2014 mit Die Kunden werden unruhig vertreten war, übersetzt das handlungsreiche Stück in konsequentes Erzähltheater.
Die Uraufführung von zu jung zu alt zu deutsch war 2009 am Theater Osnabrück.
26. April 2015, 18.30 Uhr
V Zwinger 1
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Waffenschweine
Uraufführung
Ein Theaterprojekt über schlagende Verbindungen
von Nicola Bramkamp und Volker Lösch
Nach dem Stück Bier, Blut und Bundesbrüder von Gesine Schmidt
Theater Bonn
Regie Volker Lösch | Bühne und Kostüme Cary Gayler | Licht Helmut Bolik | Musik
Johannes Winde | Dramaturgie Nicola Bramkamp | Mit Sophie Basse, Benjamin
Berger, Samuel Braun, Daniel Breitfelder, Glenn Goltz, Benjamin Grüter, Robert
Höller, Jonas Minthe, Hajo Tuschy
Füchse, Burschen, Alte Herren, Bundes-, Farben-, Waffenbrüder. Es gibt viele Geschichten und Mythen über die Mensur, den Schmiss, den Zipfeltausch oder die Couleurdamen. Mannerbünde, für viele eine fremde Welt. »Ehre, Freiheit, Vaterland«
lautete der Wahlspruch der Urburschenschaft von 1815 als Resultat der Befreiungskriege gegen die französische Hegemonie in Europa. Für die Burschenschaften gilt
diese Devise noch heute. »Mein Eintritt in die Burschenschaft war ein bewusster
Schritt – und ich habe ihn niemals bereut. Letztlich konzentriert sich die Kritik an
den Korporationen immer auf die eine Frage: Passt das noch in unsere Zeit? Meine
Antwort lautet stets: Offensichtlich! Sonst würden sich ja nicht so viele Studenten
dafür entscheiden. « So äußerte sich Günter Kießling (1925 – 2009), Bundeswehrgeneral und Bonner Burschenschafter. Worin liegt heute die Anziehungskraft studentischer Verbindungen? Wo liegen die Anbindungen zur gegenwärtigen Gesellschaft?
Volker Lösch, einer der profiliertesten Regisseure des politischen Gegenwartstheaters, inszeniert das brisante Thema auf der Basis einer dokumentarischen Stückvorlage von Gesine Schmidt.
26. April 2015, 20.30 Uhr
V Marguerre-Saal
27
28
12+
100 m
Uraufführung
von Ralf N. Höhfeld
JES Junges Ensemble Stuttgart
nominierung
JugendStückePreis
Regie Christian Müller | Bühne und Kostüme Jeannine Simon | Theaterpädagogik
Peter Galka | Dramaturgie Franziska Finke | Mit Nils Beckmann, Franziska Schmitz
9,58 Sekunden beträgt die Weltrekordzeit auf 100 Metern. Es sind nur 9,58 Sekunden, in denen sich der Junge und das Mädchen im Stadion begegnen. Er findet ihre
Nase vom ersten Augenblick an umwerfend und verliebt sich Hals über Kopf in das
Mädchen im Kapuzenpulli. Wer ist der Junge? Ist er derjenige, mit dem sie nicht
gerechnet hat, der sie aus der Bahn werfen und aus dem Konzept bringen kann?
Die beiden Athleten stehen in den Startlöchern, gleich beginnt das Rennen. Der
Junge sieht das Mädchen nicht an. Was denkt sie jetzt? Ihr Blick richtet sich auf
die Zielgerade. Was denkt er jetzt? Können wir jemanden für uns gewinnen, wenn
wir nur lange genug dafür trainieren? Was passiert, wenn Liebe zum Wettkampf
wird und wir uns schließlich nichts mehr wünschen als den anderen zu überholen? Und warum schaffen wir es auch in Bestform manchmal nicht, das wirklich
Wichtige in 9,58 Sekunden zu sagen?
Ralf N. Höhfeld schreibt gleichermaßen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Er erhielt für seine Arbeit mehrere Auszeichnungen, unter anderem den GrabbePreis 1997.
Ausgezeichnet mit dem Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg 2014
27. April 2015, 11 Uhr
V Zwinger 3
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Schatten (Eurydike sagt)
von Elfriede Jelinek
Badisches Staatstheater Karlsruhe
Deutsche Erstaufführung
nominierung
NachSpielPreis
Regie Jan Philipp Gloger | Bühne und Kostüme Marie Roth | Musik Kostia Rapoport | Video Christoph Otto | Dramaturgie Brigitte A. Ostermann, Jens Peters | Mit
Veronika Bachfischer, Ute Baggeröhr, Annette Büschelberger, Florentine Krafft,
Lisa Schlegel
Eurydike erzählt: Wie sie nach dem Biss der Schlange sterbend in das Totenreich der
Schatten einzieht. Eurydike erinnert sich: Wie sie zu Lebzeiten als Autorin im Schatten
des Sängeridols Orpheus stand. Eurydike erkennt: Wie unvermutet wohl sie sich jetzt
als Schatten ohne Frau zu fühlen beginnt, verwandelt vom Objekt der Sehnsucht zum
Nicht-Subjekt, aufgehend im Unbewussten und befreit von aller Fremdbestimmung.
Nicht ihrem Körper, höchstens den Hüllen ihrer schönen Kleider trauert sie ein wenig
nach. Doch dann rumort es oben in der Welt, die neugewonnene, noch ungewohnte
Ruhe wird gestört: Unter großer öffentlicher Anteilnahme steigt Orpheus zu Eurydike
hinab, um sie in das Leben – sein Leben – zurückzuholen, und Eurydike ist fassungslos. Sie will nicht mehr Orpheus’ Objekt der Begierde sein, entsagt der Leidenschaft.
Der Mythos von Orpheus und Eurydike – erstmals erzählt aus der Sicht der Frau.
Der Regisseur Jan Philipp Gloger war 2012 mit Das Ding zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen und hat bereits mehrere Texte der Nobelpreisträgerin Elfriede
Jelinek inszeniert.
Die Uraufführung von Schatten (Eurydike sagt) war 2013 am Burgtheater Wien.
27. April 2015, 20.30 Uhr
V Marguerre-Saal
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15+
Weltenbrand
Uraufführung
von Tobias Ginsburg und Daphne Ebner
SchauBurg Theater der Jugend München
nominierung
JugendStückePreis
Regie Tobias Ginsburg | Dramaturgie Daphne Ebner | Bühne und Video Jonas von
Ostrowski, Dennis Zyche | Kostüme Pascale Martin | Mit Dan Glazer, Taizon Heiß,
Thorsten Krohn, Regina Speiseder, Peter Wolter, Lucca Züchner
100 Jahre Erster Weltkrieg – ein Jubiläum, das man feiern sollte. Aber der Jubilar
taucht nicht auf. Was ist passiert? Wo ist der Krieg hin? Sind wir im Zeitalter des
andauernden Friedens angekommen oder ist der Krieg nur unsichtbar geworden?
Mit dem Theaterstück Weltenbrand begeben wir uns auf die Suche nach ihm. Ausgangspunkt ist der 22. April 1915, der Tag, an dem die Deutschen mit dem Einsatz
von Giftgas die erste Massenvernichtungswaffe in die Welt setzen. Den Krieg gewinnen die Deutschen damit zwar nicht, aber sie verändern für immer sein Antlitz. Vom
Ersten Weltkrieg aus folgen wir dem Krieg und seinem Waffenarsenal, folgen dem
Giftgas auf seiner unheilvollen Reise rund um den Globus: Es trifft auf deutsche
Genies und marokkanische Rebellen, selbstmörderische Hausfrauen und afrikanische Kaiser. Es legt sich sogar mit echten Westernhelden an. Und es hört nicht auf
zu reisen. Von den Schützengräben zu den vergessenen Kolonial- und Vernichtungskriegen der 20er- und 30er-Jahre bis zu den jüngsten Verbrechen in Syrien: Deutschland bleibt Exportweltmeister.
Das Autorenduo Ginsburg/Ebner von der Münchner Gruppe Fake[to]Pretend zeigt
in Weltenbrand, warum die Vergangenheit nicht vergangen ist, sondern bis in die
Gegenwart mitspielt.
28. April 2015, 11 Uhr
V Zwinger 1
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13+
Edelweisspiraten Uraufführung
Banden bilden gegen Hitler
von Christopher Haninger
nach dem Buch von Dirk Reinhardt
nominierung
JugendStückePreis
COMEDIA Theater Köln
Regie Christopher Haninger | Bühne und Kostüme Brigit Kofmel | Dramaturgie
Hannah Biedermann | Musik Adrian Ils | Mit Thomas Fehlen, Adrian Ils, Klaus
Prangenberg, Klaus Schweizer, Klaus Wildermuth
Geschichte wird zu einer kollektiven Erzählung auf der Bühne des COMEDIA Theaters.
Eine Widerstandsgeschichte, erzählt von fünf gestandenen Männern. Sie sind weder
so jung wie die Jugendlichen damals, noch sind sie Zeitzeugen. Sie sind die Generation dazwischen, die aus einer gleichzeitigen Nähe und Distanz die Geschichte für das
Heute präsentieren. Eine Geschichte von jungen Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ein anderes Leben wollten, als das, was die Norm ihnen vorschrieb.
Sie wollten ihre eigene Musik hören, modische Klamotten tragen und ihr Tun und
Lassen selbst bestimmen. Es ist die Geschichte über den Kampf um die persönliche
Freiheit, der nach und nach zum politischen Akt wird. Es ist eine Widerstandsgeschichte. »Schauen Sie sich die Fragen an, vor denen die Edelweißpiraten standen«,
schreibt Dirk Reinhardt im Interview, »Was will ich tun mit meinem Leben? Welchen
Weg will ich gehen – mich anpassen oder meiner Überzeugung folgen? Bin ich bereit,
für meine Freiheit und für meine Ideale sogar das Leben zu riskieren? Diese Fragen
stellten sich damals auf besondere existenzielle Weise, aber irgendwann muss jeder
Jugendliche sie für sich beantworten, egal wann und wo er lebt.«
29. April 2015, 11 Uhr
V Zwinger 3
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Callcenter Übermorgen Uraufführung
Eine Telefonreise in dein ungelebtes Leben
von Interrobang
Eine Koproduktion von Interrobang mit SOPHIENSÆLE und FFT Düsseldorf
Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds
Von und mit Nina Tecklenburg, Till Müller-Klug, Lajos Talamonti | Konzeptuelle
Mitarbeit Andreas Liebmann, Martin Schick | Dramaturgie Kaja Jakstat | Telefoninstallation Georg Werner | Musik und Sound Friedrich Greiling | Bühne und
Kostüm Sandra Fox | Licht Dirk Lutz
Suchmaschinen und Auswahlmenüs prägen unseren Alltag. Mehr denn je stellt sich
die Frage: Wie könnte mein Leben aussehen, wenn ich mich anders entschieden
hätte? Wann schlägt meine Wahlfreiheit in Unfreiheit um? Callcenter Übermorgen ist ein Entscheidungstrainingscenter der Zukunft für verpasste Lebenschancen
und neue Lebensentwürfe. Im Callcenter Übermorgen sitzen die Teilnehmer in
separaten Kabinen, das Telefon klingelt, und es beginnt eine Achterbahnfahrt durch
Sprachmenüs und Entscheidungslabyrinthe. Wer oder was sagt mir, was ich wählen
soll? Wer zieht die Fäden? Erlebt meine Nachbarin den besseren Trip? Ein Abend
über Selbst- und Fremdverantwortung, Wahlfreiheit und gelenkte Menü-Demokratie. Eine suggestive Telefonreise in die hypertextuelle Matrix der Möglichkeiten,
vorbei an den schwindelerregenden Höhen, unheimlichen Schräglagen und depressiven Tiefen eines unter Optimierungsdruck geratenen Lebens im 21. Jahrhundert.
Das Performancekollektiv Interrobang versteht sich als interdisziplinäres Theater
jenseits der Trennung zwischen dramatischem und postdramatischem Theater. Es
entwickelt neue performative Formate zur spielerischen Auseinandersetzung mit
aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, Phänomenen und Fragestellungen.
29. April 2015, 18.30 und 20.30 Uhr
V Zwinger 1
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Das permanente Wanken und Uraufführung
Schwanken von eigentlich allem
Stück nach den Wassererzählungen
von John von Düffel
Hans Otto Theater Potsdam
Regie Tobias Wellemeyer | Bühne Alexander Wolf | Kostüme Ines Burisch | Dramaturgie Remsi Al Khalisi | Mit Patrizia Carlucci, Christiane Hagedorn, Jon-Kaare
Koppe, Marianna Linden
Im Besucherraum eines Aquariums kreuzen sich die Wege und Geschichten verschiedener Menschen: eines Vaters auf der Suche nach seiner kleinen Tochter, der seiner
Ex-Frau per Telefon unentwegt Rechenschaft ablegen muss; einer Schwimmerin,
die ihre jüngere Freundin für ein dubioses Vorschwimmen gewinnen will; und der
Personalchefin eines größeren Unternehmens, die zwischen Beruf und Familie und
ihrem Liebhaber hin- und hergerissen ist. Diese Menschen kennen einander nicht
und wissen nichts vom Alltag der jeweils anderen. Doch in der geheimnisvollen
Unterwasserwelt des Aquariums berühren sich ihre Biografien mehr und mehr an
ihren Bruchstellen und in ihren Verlustmomenten. »›Wir kehren immer zum Wasser
zurück‹ ist der erste Satz, den ich in Prosa geschrieben habe«, sagt der in Potsdam
lebende Autor John von Düffel. Wie schon in seinem preisgekrönten Erfolgsroman
Vom Wasser wendet er sich mit dem viel beachteten Prosaband Wassererzählungen
seinem Lieblingselement zu. Er erzählt von Entfremdungen und Gewissheiten, von
Schönheit und Stille, von Paaren und Passanten, von fließenden Übergängen und
besänftigender See. John von Düffel, dessen Theaterarbeiten in mehreren Inszenierungen in Potsdam zu sehen waren und sind, ließ sich auf Anregung des Hans
Otto Theaters zu dieser Bühnenfassung inspirieren.
29. April 2015, 20.30 Uhr
V Alter Saal
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Die Prinzessin und der Pjär
von Milena Baisch
GRIPS Theater Berlin
Uraufführung
Kooperationsgastspiel
Regie Grete Pagan | Bühne und Kostüme Lena Hinz | Musik David Pagan | Dramaturgie Kirstin Hess | Theaterpädagogik Laura Klatt | Mit Alessa Kordeck, Roland Wolf
Lisasophie und Pierre gehen in dieselbe Klasse. Lisa spielt Geige und ist auf den
ersten Blick ein Musterkind. Pierre hat die entscheidende Mathearbeit vergeigt.
Heute. Und dann werden sie auch noch versehentlich eingeschlossen. In der Schultoilette, genauer, dem Mädchenklo. Obwohl sie sich doch gar nicht mögen! Doch
in der Begegnung entdecken sie, dass sie beide unter dem Druck leiden, den Wünschen von Schule und Eltern gerecht zu werden.
Die Autorin Milena Baisch erhielt für ihren Roman Anton taucht ab den Deutschen
Jugendliteraturpreis, für ihre Hörspielfassung des Romans wurde sie mit dem Deutschen Kinderhörspielpreis ausgezeichnet. Mit dem GRIPS Theater hat sie nun ihr
erstes Theaterstück entwickelt.
Die Regisseurin Grete Pagan begann am Jungen Ensemble Stuttgart, studierte Schauspielregie in Hamburg und London und inszeniert seitdem konsequent für ein junges Publikum.
Mülheimer KinderStückePreis 2014
30. April 2015, 11 Uhr
V Zwinger 3
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Kongoland
Uraufführung
von Nina Gühlstorff, Laurenz Leky, Thomas Rustemeyer
Eine Koproduktion von Theater Rampe Stuttgart und Nyx e.V.
Regie Nina Gühlstorff | Bühne und Kostüm Thomas Rustemeyer | Dramaturgie
Martina Grohmann | Mit Laurenz Leky
Zeit für Geschenke. Für diejenigen, die das Leben nicht so bedacht hat, unterhält
die Zivilgesellschaft ein strahlendes Netz der Charity-Kultur. »Und es mag am
deutschen Wesen, einmal noch die Welt genesen.« Auf der Bühne steht der deutsche Brunnenbauer in Afrika. Er ist auch Expat, NGO-Mitarbeiter, Entsendeorganisation, Aussteiger und Kulturbotschafter. Er betreibt Technologie-, Wissens- oder
Bildungsexport, sammelt Hilfsgüter und Spenden und kennt die Transportwege
in Richtung Global South. Er hat aus seinen Vorstellungen und in seinen Warenlagern ein Land entwickelt, von dem er hier als Kongoland berichten wird. Er versucht eine Dokumentation dieses fiktiven Kongolands, bevor es vielleicht schon
bald verschwunden sein wird: »Die Welt wird schwarz«, prophezeit der Philosoph
Achille Mbembe und entwickelt ein neues Weltbild.
Aus Gesprächen mit deutschen Expats und Entwicklungszusammenarbeitern montiert Nina Gühlstorff den Text zu dieser Theaterstudie. Als Regisseurin hat sie sich
auf Recherchearbeiten spezialisiert, in denen sie soziale und politische Schieflagen unserer Gesellschaft befragt.
30. April 2015, 18.30 Uhr
V Zwinger 1
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Container Paris
Uraufführung
von David Gieselmann
Schauspiel Frankfurt
Regie Christian Brey | Bühne und Kostüme Anette Hachmann, Elisa Limberg | Musik
Matthias Klein | Dramaturgie Claudia Lowin | Mit Katharina Bach, Verena Bukal,
Picco von Groote, Nico Holonics, Thomas Huber, Torben Kessler, Sascha Nathan
Alles ist wahr. Es könnte aber auch alles gelogen sein. Ein Container ist verschwunden. Hans-Peter Grothe bekommt von seiner Firma den Auftrag, nach Paris zu reisen, um die wichtige Fracht aufzutreiben. Dort gibt es zwar keinen Container, dafür
trifft er das von Schlafstörungen heimgesuchte Supermodel Lynn. Grothe aber
sucht weiter, reist nach Oslo, wo sich mittlerweile seine Frau, sein Chef und – wie
es der Zufall so will – auch Lynn aufhalten, aber der Container ist nicht zu finden.
Dafür schlägt der Wirtschaftswissenschaftler Rottkamp Grothe vor, das große Interesse für dieses Nichts doch zu vermarkten: eine Firma zu gründen, Aktien dafür
auszugeben. Und eine unglaubliche Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf … In seiner neuen Komödie über die Untiefen des Alltags widmet sich David Gieselmann
der Freiheit des Marktes: Aus Nichts wird alles, denn die Nachfrage bestimmt den
(Kurs-) Wert – auch wenn es gar nichts gibt.
Der Autor David Gieselmann gewann 2013 den JugendStückePreis beim Heidelberger Stückemarkt mit Über Jungs. Der Regisseur Christian Brey inszenierte
2014 bei den Heidelberger Schlossfestspielen Molières Komödie Der Geizige.
30. April 2015, 20.30 Uhr
V Marguerre-Saal
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Voiceck
Uraufführung
nach Motiven aus Georg Büchners Woyzeck von der Gruppe Laokoon
Eine Kooperation mit dem Theaterdiscounter Berlin
und der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«
Mit Unterstützung durch DAAD, Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur
Regie und Performance Moritz Riesewieck | Performance Luis Alberto Rodriguez |
Dramaturgie Tina Ebert | Bühne und Kostüme Teresa Grosser | Video Roman Kuskowski | Licht Christian Maith | Sound Felipe Sanches Luna
Woyzeck und Mexiko. Ein Kriminalfall. Ein mexikanischer Schauspieler und ein deutscher Jungregisseur ermitteln gemeinsam und mit dem Publikum in einem internationalen Fall. Es geht um Mord. Aber wer kann vor Gericht als mündig zur Verantwortung
gezogen werden? Weil da doch diese Stimmen waren. Kinderstimmen. Als Moritz
Riesewieck und Tina Ebert in Mexiko Stadt 2014 über das Goethe-Institut Büchners
Klassiker Woyzeck inszenierten, bemerkten sie eher zufällig die fast beängstigende
Allgegenwart von Kinderstimmen in der Megametropole. Auf den Straßen Kinderstimmen als Werbeträger, im Fernsehen der berühmteste Showmaster, ein achtzigjähriger
Tyrann mit Kinderstimme, und in Gedanken vieler die Stimmen zahlloser geraubter
Kinder. Ein mexikanischer Ermittler, ein deutscher Moderator: Gemeinsam folgen
sie dem Büchnertext nach Mexiko. Experten kommen zu Wort, Täterprofile werden
erstellt und Diagnosen diskutiert. Die Zuschauer werden Teil der Ermittlungen und
erhalten Einblicke in das in Mexiko eingesammelte Originalmaterial. Aktenzeichen
Woyzeck? Ungelöst!
Die Gruppe Laokoon wurde 2012 von Moritz Riesewieck und Tina Ebert gegründet.
Sie versucht, das Unmögliche im Theater möglich zu machen und sucht nach dem
»Moment des Handelns; genau dann, wenn es unmöglich scheint«.
01. Mai 2015, 18.30 Uhr
V Zwinger 1
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Seymour oder Ich bin nur
aus Versehen hier
von Anne Lepper
nominierung
NachSpielPreis
Konzert Theater Bern
Regie Dominic Friedel | Bühne Olga Ventosa Quintana | Kostüme Senta Amacker |
Musik Michael Frei | Dramaturgie Sabrina Hofer | Mit Pascal Goffin, Benedikt Greiner, Mona Kloos, Stéphane Maeder, Andri Schenardi, Milva Stark
Leo, Heidi, Oskar, Robert und Max müssen abspecken. Ihre Eltern haben sie für viel
Geld in die Obhut von Dr. Bärfuss gegeben, der in den Bergen hoch über der Baumgrenze ein renommiertes Kurhaus betreibt. Tagsüber übt sich die adipöse Jugend
bei Liege- und Sonnenkuren streng in der vom Klinikchef vorgegebenen Disziplin, nachts kommt es zum – ebenfalls geplanten – Schokoladen- und Kuchenexzess. Als Vorbild und Motivation haben die fünf den dünnen Sebastian vor Augen,
der allerdings seltsam regungslos auf der Gemeinschaftscouch der Station liegt. In
der Abgeschiedenheit und Untätigkeit des Klinikalltags wünschen sich die jungen
Kurgäste bald zu ihren Familien ins Tal zurück, sehnen sich sogar nach der Schule.
Da aber die Patienten trotz aller Mühsal nicht an Gewicht verlieren und auch die
erlösende Generaluntersuchung durch Dr. Bärfuss auf sich warten lässt, ist an ein
Ende des Martyriums nicht zu denken. In Leos Kinderzimmer daheim wohnt ohnehin bereits – bis zu seiner Entlassung, so lautet die Abmachung – sein schlanker
Cousin Seymour aus England. Eine düster-groteske Parabel auf den postmodernen
Optimierungswahn des Menschen und die permanente Angst, nicht zu genügen.
Die Uraufführung von Seymour war 2012 am Staatstheater Hannover.
01. Mai 2015, 20.30 Uhr
V Marguerre-Saal
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nachtkritik.de
Bereits zum vierten Mal wird nachtkritik.de den Heidelberger Stückemarkt mit
einem eigenen Festivalportal begleiten. Dank zahlreicher Videos, Porträts und
Interviews können Sie auf www.heidelberger-stueckemarkt.nachtkritik.de bereits
im Vorfeld, ab dem 20. April, über das Festival flanieren, die Autorinnen und Autoren des Stückemarkts kennenlernen oder in die Theaterlandschaft des Gastlandes
Mexiko reisen. In Debattenbeiträgen blicken zudem verschiedene Protagonisten
des zeitgenössischen Theaters auf Umbrüche und Neuentwicklungen in der Gegenwartsdramatik. Besonderes Augenmerk liegt diesmal auf dem Begriff der »Werkeinheit«, der durch den Prozess um die Münchner Baal-Aufführung plötzliche Aktualität gewonnen hat. Spielt dieser Begriff für junge Autoren und Regisseure überhaupt eine Rolle?
Während des Stückemarkts erhalten Sie selbstverständlich wieder eine nachtkritische Rundumversorgung: Getreu dem Motto »Sie schlafen, wir schreiben« erscheinen Kurzkritiken zu allen Aufführungen bereits am Morgen danach. Ein Video-Blog
erschließt das Festival zudem filmisch. Und natürlich sind Sie eingeladen, bei dieser virtuellen Festival-Zeitung mitzudiskutieren: Stückemarkt 2.0!
Die Besucher des Heidelberger Stückemarkts haben in diesem Jahr wieder die
Gelegenheit, sich in den Foyers per Mouse-Klick zu informieren.
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Gastland
Mexiko
51
México lindo y herido
Schönes und verletztes Mexiko
»México lindo y querido«, schönes und geliebtes Mexiko, lautet der Refrain des
bekanntesten mexikanischen Volksliedes, das jetzt schon seit fast hundert Jahren
gesungen wird und heute immer noch allgegenwärtig ist. Die Mexikaner sind stolz
auf ihr Land, stolz auf ihr prehispanisches Erbe und die zurückeroberte Unabhängigkeit. Stolz auf ihre traditionelle Gastronomie, auf die Tänze, Trachten und Musik,
auf grenzenlose Landschaften und die großherzige Gastfreundschaft des Landes.
Die Mexikaner haben aber auch große Sehnsucht. Sehnsucht nach einem Land mit
weniger Gewalt, weniger Drogenkrieg, weniger Korruption. Sehnsucht nach mehr
Transparenz, Bürgerbeteiligung und Gerechtigkeit. Man ist versucht, den Refrain
des Volksliedes umzuwidmen in »Schönes und verletztes Mexiko«.
Das Land zu beschreiben ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, will man mehr verstehen als die Postkartenmotive und Schreckensszenarien, die vom Tourismusmarkt
und der internationalen Presse verbreitet werden. Beim Versuch, Mexiko tatsächlich
näher zu kommen, eröffnet sich eine überwältigende Vielschichtigkeit an Wirklichkeiten. Und genau das ist es auch, was dieses Land mit seinen 120 Millionen Einwohnern, 31 Staaten und mehr als 60 indigenen Sprachen so faszinierend macht.
So wie das Land ist die mexikanische Theaterszene. Auch sie bietet eine unerschöpfliche Vielfalt. Man kann das Theater aus der mexikanischen Geschichte
kaum wegdenken, angefangen von den Zeremonien der Azteken bis zu den heutigen Festen und Feiern oder der Lucha Libre, dem professionellen Wrestling mit
seinen Fantasiefiguren, seinen Masken und Trachten, wie man sie auf dem Plakat des Heidelberger Stückemarkts sehen kann. Aber auch in der Theaterszene
schwankt man zwischen Stolz und Sehnsucht. Stolz auf unzählige Theatersäle,
52
auf Festivals jeder Art, Stücke und Autoren aus dem ganzen Land und auf herausragende Theatermacher. Da ist aber auch die Sehnsucht nach besseren Produktionsbedingungen, nachhaltiger Kulturpolitik, mehr Budget und Publikum.
Die mexikanische Theaterlandschaft ist eine vitale Szene, die gerade von der jungen
Generation erobert wird. Es wird experimentiert, nach neuen Formaten gesucht, in
Garagen oder auf Dachterrassen inszeniert. Man schreibt, spielt und führt gleichzeitig Regie wie die junge Schauspielerin Mariana Villegas, die in ihrem Monolog Se
rompen las olas Dinge der Vergangenheit klärt und so die eigene Identität rekonstruiert. Andere recherchieren und dokumentieren Geschehnisse wie im Fall von
Amarillo: Die etablierte Theatergruppe Teatro Línea de Sombra setzt sich mit den
Tausenden von Migranten und der Grenze zwischen Mexiko und den USA auseinander. Klassiker werden umgeschrieben, um wie in Mendoza, einer Macbeth-Adaption
von Antonio Zúñiga und Juan Carrillo, Geschichte und Politik neu zu interpretieren.
Das Stück spielt in der mexikanischen Revolution und ist nach dem Fall der 43 verschwundenen Studenten von Ayozinapa von erschreckender Brisanz.
In Padre fragmentado dentro de una bolsa nähert sich der junge Theatermacher Ángel Hernández aus einem ganz anderen Blickwinkel dem durch Gewalt
und Drogen-Narcos dominierten mexikanischen Alltag. Er gehört zu denen, die
den öffentlichen Raum mit Theater zurückerobern wollen. Hugo Wirth dagegen
setzt sich in Precisiones para entender aquella tarde mit der kapitalistischen
Welt eines Büroangestellten auseinander, während die in Yucatán lebende Autorin Conchi León mit Santificarás las fiestas Menschen aus der Provinz unter die
Lupe nimmt. »Como México no hay dos« ist einer der bekanntesten populären Aussprüche: Mexiko gibt es keine zwei Mal. Je näher man diesem faszinierenden Land
kommt, umso besser versteht man, wie wahr so eine Binsenweisheit sein kann.
Ilona Goyeneche
Mexiko-Scout
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Internationaler Autorenwettbewerb
Precisiones para entender aquella tarde
von Hugo Wirth | Deutsch von Margit Schmohl
Es lesen Nicole Averkamp, Christina Dom und Hendrik Richter
Ein Erdbeben erschüttert die Stadt. Wir befinden uns in dem
luxuriösen Hochhaus eines erfolgreichen Unternehmens. Es
hat sich auf Schuldeneintreibung spezialisiert. Dieses Unternehmen bietet seinen Kunden aber gleichzeitig »Zahlungsalternativen« an. Als das Beben beginnt, wird das Gebäude
evakuiert. Nur drei Personen verbleiben darin. Eine junge
Telefonistin, die unbedingt noch ihr Tagespensum erreichen will. Der Leiter der Personalabteilung. Und die Frau,
die dem Personalchef gerade einen Blowjob verpasst. Die
Frau am Telefon hat keinen Erfolg, treibt aber mit ihren
Anrufen andere Personen ins Unglück. Der Frau mit dem Blowjob wird es irgendwann
zu viel, sie unterbricht ihren Job und verletzt den Mann lebensgefährlich. Die restlichen Mitarbeiter warten alle noch draußen, bis die Gefahr durch das Beben vorüber
ist. Die drei sind plötzlich miteinander in eine verhängnisvolle Geschichte verwickelt.
Hugo Wirth
geboren 1981 in Mexico City, arbeitet als Theaterautor, Regisseur und Herausgeber einer Kulturzeitschrift. 2010 gründete er sein eigenes Theaterkollektiv. Seine
Theaterarbeit wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, sein Stück Precisiones
para entender aquella tarde erhielt 2013 den Premio Nacional de Dramaturgia
Universidad Autónoma Metropolitana.
02. Mai 2015, 13 Uhr
V Alter Saal
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Santificarás las Fiestas
Du sollst den Feiertag heiligen
von Conchi León | Deutsch von Stefanie Gerhold
Es lesen Julia Apfelthaler, Christina Dom, Lisa Förster und Steffen Gangloff
Eine Neujahrsfeier im Familienkreis läuft gründlich aus
dem Ruder. Zwei sehr unterschiedliche Schwestern und
ihre Tante zerfleischen einander verbal und seelisch vor
den Augen des arglosen Sergio – je weiter der Abend voranschreitet, desto gründlicher und desto lustvoller. Vor
genau einem Jahr hat sich die Mutter der Schwestern
umgebracht. Die Tante redet nach wie vor mit ihr. Die eine
Schwester ist magersüchtig, die andere übergewichtig. Sergio ist aus seiner allzu konservativen Familie geflohen, um
jetzt hier zu landen. Aber hat er das wirklich gewollt? Mit
sarkastischem Witz demontiert die Tragikkomödie der profilierten Autorin Conchi
León den Familienkult und seine unreflektierte Tradition.
Conchi León
geboren 1973 in Mérida, Yucatán, studierte Journalismus und Szenisches Schreiben/Kindertheater. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ministeriums für
Kultur und Kunst von Yucatán und bezieht sich in ihren Werken auf den problematischen Alltag der Maya in diesem Bundesland, oft auf humorvolle, volksnahe
Weise. Ihr Theaterstück Mestiza Power von 2005 zählt zu den wichtigsten Gegenwartsstücken Mexikos.
02. Mai 2015, 14 Uhr
V Alter Saal
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Padre fragmentado dentro de una bolsa
Zerstückelter Vater im Plastiksack
von Ángel Hernández | Deutsch von Franziska Muche
Es lesen Nicole Averkamp, Josepha Grünberg, Elena Nyffeler, Fabian Oehl, Christina
Rubruck, Andreas Seifert, Olaf Weißenberg und Martin Wißner
Vor der Schule macht die junge Marianna einen grausigen
Fund. In einer Plastiktüte entdeckt sie die zerstückelte Leiche
ihres Vaters. Das kann nur bedeuten, dass ihr Vater in irgendeiner Form mit der organisierten Kriminalität der mexikanischen Drogenkartelle zu tun gehabt hat. Diese Tatsache wird
ihr in der Schule zum Verhängnis. Auch die Beziehung zu
ihrer Mutter ist zerrüttet. Bloß mit ihrem toten Vater kann sie
reden, wenn auch nur in ihrer Fantasie. Das Stück beschreibt
in fragmentarisch kurzen Szenen Mariannas Schwierigkeiten, mit Schmerz und Verlust umzugehen und diese Tragödie zu verarbeiten, aber auch die Schwierigkeiten der anderen, auf das traumatisierte
Mädchen zuzugehen.
Ángel Hernández
geboren 1987 in Tampico, Tamaulipas. Als künstlerischer Leiter der Festivals »Teatro para el Fin del Mundo« und »Festival de la Bestia« arbeitet er international und
interdisziplinär mit Migranten in Mexiko und setzt sich für die Wiedereroberung
von durch Gewalt geprägten öffentlichen Räumen ein. Seine Theaterprojekte führten ihn bereits in viele Länder der Erde, darunter Tschechien, Indien und Japan.
Für Padre fragmentado dentro de una bolsa erhielt Ángel Hernández 2013 die
Auszeichnung »Premio Nacional de Dramaturgia Victor Hugo Rascón Banda«.
02. Mai 2015, 15.30 Uhr
V Alter Saal
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12.-21.
Juni 2015
Karten ab sofort!
www.theatertage-bw.de
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Gastspiele aus Mexiko
Se rompen las Olas
Uraufführung
von Mariana Villegas
Lagartijas Tiradas al Sol
In spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Von und mit Mariana Villegas | Künstlerische Mitarbeit Luisa Pardo, Gabino
Rodríguez, César Ríos | Assistenz Carlos López Tavera | Bühne und Kostüm Francisco Barreiro | Video Carlos Gamboa | Licht Sergio López Vigueras
»Breaking the Waves«: Kurz nach dem gewaltigen Erdbeben, das 1985 Mexiko
erschütterte, wurde Mariana Villegas gezeugt. Jetzt rekapituliert sie ihr Leben. Sie
spielt es uns vor. Mit den Mitteln des dokumentarischen Theaters und weit darüber
hinausgreifend stellt Mariana Villegas die Biografie einer Frau in Mexiko dar, die
einen berührt und auf die Frage zurückwirft, wie unser eigenes Leben angesichts
bedrohlicher äußerer Einflüsse eigentlich verlaufen wäre. Eine Lebensgeschichte
als Erdbeben. Oder umgekehrt.
Se rompen las Olas ist ein eigenes Projekt von Mariana Villegas, das sie selbst entwickelt hat. Die Schauspielerin ist Mitglied der international renommierten mexikanischen Theatergruppe Lagatijas Tiradas al Sol, deren Stücke schon in Deutschland
zu sehen waren, zum Beispiel beim Festival »Theaterformen« oder an der Schaubühne Berlin.
02. Mai 2015, 18.30 Uhr
V Zwinger 1
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Amarillo
Uraufführung
von Gabriel Contreras
Teatro Línea de Sombra
In spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Von und mit Jesús Cuevas, Antígona González, Alicia Laguna, María Luna, Raúl
Mendoza, Vianey Salinas | Multimedia Kay Pérez | Bühne und Licht Jesús Hernández | Musik Jorge Verdín
Ein Mann begibt sich von Südamerika auf die gefährliche Reise nach Amarillo in
Texas, USA, und verschwindet spurlos, bevor er sein Ziel erreichen konnte. In der
Inszenierung der Gruppe Teatro Línea de Sombra geht es um die Tausende desillusionierter Migranten, die jedes Jahr in der Hoffnung auf ein besseres Leben
Lateinamerika durchqueren und auf abenteuerlichen Wegen einen illegalen Grenzübertritt von Mexiko in die USA versuchen. Es ist eine lateinamerikanische Erzählung mit globaler Relevanz, in einer Zeit, in der die Zahl der Flüchtlinge weltweit
den höchsten Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erreicht hat. Amarillo
nähert sich dem Thema über die beispielhafte Geschichte eines namenlosen Mannes und rekonstruiert seine Reise durch geografische und kulturelle Landschaften
mithilfe von Sand und Wasser auf der Bühne, multimedialen Bildern, zweisprachigen Monologen. Es geht um die komplexe Natur von individueller und nationaler
Identität in einer Zeit des Exodus.
Die Gruppe Teatro Línea de Sombra entwickelt ihre politischen Theaterabende in
einem kollektiven Prozess. Sie gehört zu den renommiertesten mexikanischen Theaterensembles, war bereits in vielen Ländern zu Gast und zeigt jetzt zum ersten
Mal ihre Arbeit in Deutschland.
02. Mai 2015, 20.30 Uhr
V Marguerre-Saal
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Mexikanische Erstaufführung
Demasiado cortas las piernas | Von den Beinen zu kurz
von Katja Brunner | Spanisch von Carla Imbrogno
Eine Koproduktion von Instituto Nacional de Bellas Artes,
la Coordinación Nacional de Teatro und dem Goethe-Institut Mexiko
In spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Regie David Gaitán | Bühne und Kostüme Mario Marín del Río | Licht und technische Direktion Sergio López Vigueiras | Video Daniel Primo | Choreografie Raúl
Castillo | Dramaturgie David Jiménez Sánchez | Mit Verónica Bravo, Myrna Moguel,
Harif Ovalle, Cecilia Ramírez Romo
Da ist eine Familie: ein Vater, eine Mutter, ein Kind. Namenlos. Bürgerlich. Austauschbar. Alles könnte gut sein und werden, doch etwas läuft schief, heillos schief,
denn der Vater verfällt der Tochter vom Tage ihrer Geburt an. Für die Tochter ist
die »grenzenlose« Liebe des Vaters vom ersten Atemzug an Teil ihrer Wirklichkeit,
sein maßloses Begehren Normalität. Die ausrangierte Mutter stempelt die Tochter
alsbald zur Konkurrentin, Diebin ihres Mannes. Stimmen von außen vergegenwärtigen mögliche Stationen dieser Tragödie. Kontrovers besprechen sie die schnellen
Wechsel im Verhalten, die Gefühlsregungen, das Macht- und Ohnmachtsgebaren
der beteiligten Personen. Das Einbrechen surrealer Situationen von extremer physischer und psychischer Gewalt weist jedoch weit nach draußen in die Gesellschaft.
Der junge mexikanische Regisseur David Gaitán konfrontiert in seiner Inszenierung das Publikum mit einem Wechselbad widersprüchlicher Gefühle. Die Schweizer Autorin Katja Brunner war 2013 beim Heidelberger Stückemarkt nominiert.
Die Uraufführung von Von den Beinen zu kurz war 2012 am Theater Winkelwiese
in Zürich.
03. Mai 2015, 16 Uhr
V Zwinger 1
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Mendoza
Uraufführung
von Antonio Zúñiga und Juan Carrillo
Los Colochos Teatro
In spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Regie Juan Carrillo | Kostüme Libertad Mardel | Masken Martín Becerra | Licht Mario
Eduardo D’León | Musik Lalo Laredo, Roam León | Mit Martín Becerra, Mónica del
Carmen, Erandeni Durán, Leonardo Zamudio, Marco Vidal, Germán Villarreal,
Ulises Martínez, Alfredo Monsivais, Yadira Pérez
Ein Tag während der mexikanischen Revolution. Der tapfere General José Mendoza
wird von den Prophezeiungen einer alten Hexe verführt. Von seiner ehrgeizigen
Frau angestachelt, wird er in eine Serie von Morden verwickelt, die immer weitere
Morde nach sich ziehen.
Als eine Überschreibung von Shakespeares Macbeth erzählt Mendoza mit den Mitteln des Volkstheaters in intensiven Bildern die Geschichte der Korrumpierung
eines Freiheitskämpfers. Eine Geschichte von Blut, Verrat und Macht als Kommentar auf Korruption und politische Stagnation. Im Kontext der skandalösen Vorfälle
der jüngsten Vergangenheit seit dem Mord an 43 Studenten im Herbst 2014 hat die
Inszenierung Aufmerksamkeit in Mexiko erregt.
Mendoza war eingeladen zur Muestra Nacional de Teatro 2014 in Monterrey.
03. Mai 2015, 18 Uhr
V Marguerre-Saal
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Rahmenprogramm
Lesezeit
Christina Rubruck liest aus Die gläserne Grenze von Carlos Fuentes
Die Grenze zwischen Mexiko und Texas ist schwer bewacht, doch trotzdem versuchen Tausende Menschen, sie illegal zu überqueren. Die gläserne Grenze erzählt
von den »Grenzgängern« und ihrer Suche nach einem besseren Leben.
23. April 2015, 16.30 Uhr V Stadtbücherei
You should be dancing, yeah
Der Bühnenboden wird zur Tanzfläche: Der Alte Saal ist Disko! An beiden Samstagabenden gibt es unvergessliche Partynächte. Zu Beginn ist pervarious mit Live-Electro zu Gast. Danach tanzen wir mit Atréju vom DJ-Kollektiv endlos. Zur zweiten Party
bitten wir zunächst Theatermacher aus Mexiko an die Plattenteller! Anschließend
wird die Nacht noch lang mit dem Frankfurter Duo The OhOhOhs und den DJs Los
Chocos Locos.
25. April, ab 22.30 Uhr Disko: Ein Stück vom Glück No. 1 V Alter Saal
02. Mai, ab 22 Uhr ¡Disko: Ein Stück vom Glück No. 2! V Alter Saal
Popcorn – Cola – Autorschaft
An diesem Abend versucht sich Nicolas Cage im Film Adaptation am Autorendasein.
Die Autoren des Stückemarkts schauen mit und erzählen, wie sich die Entwicklung
fiktiver Geschichten mit der eigenen Realität verschränkt. Eingeladen ist jeder, ob
filminteressiert oder theaterbegeistert!
28. April 2015, 20.30 Uhr V Sprechzimmer
Auf einen Absacker mit dem Ensemble
Ein Abend, ein Raum, eine Bühne, eine Bar: Well, that's that then.
Das Heidelberger Ensemble und Gäste stellen sich dar und bloß, hin und weg. Sie
improvisieren, sie musizieren, stagnieren und rekapitulieren. Kein Abend ist gleich,
wie eine Blume: schön, aber vergänglich. Auf in die letzte Runde, Prost!
29. April – 01. Mai 2015, jeweils um 23 Uhr V Sprechzimmer
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Werkstatt: Kinder- und Jugenddramatik in der Schule
Theatertexte für das Kinder- und Jugendtheater greifen Themen der Lebensrealität
junger Menschen auf. Die junge Dramatik ist somit ein attraktiver Unterrichtsgegenstand, der den Literaturunterricht bereichern kann. Das Werkstattgespräch mit
Henning Fangauf, stellvertretender Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums,
gibt Einblicke in die Möglichkeiten der Kinder- und Jugenddramatik für die Schule.
30. April 2015, 16 Uhr V Sprechzimmer
Theaterbrunch: Gespräch über die mexikanische
Theaterlandschaft
Wie funktioniert Theater in Mexiko? Wie wird ausgebildet und produziert, wie verortet sich das Theater in der Gesellschaft? Auf welche Traditionen beziehen sich
Theatermacher, welche Zukunft wünschen sie sich für ihr Theater? Beim Sonntagsbrunch trifft sich Ilona Goyeneche, Scout für das Gastlandprogramm, zum Gespräch
mit dem renommierten mexikanischen Theaterexperten Alberto Villareal und stellt
außerdem das Theater der Zeit Sonderheft zu Mexiko vor.
03. Mai 2015, 12 Uhr V Sprechzimmer
Theater und Protest: Mexikanisch-Deutsche
Podiumsdiskussion zum Verhältnis von Politik und Theater
Welches Theater für welche Welt? Angesichts weltweiter Krisenherde und den Herausforderungen einer globalisierten Welt stellt sich für das Theater die Frage, wie
es sich zu dieser Realität verhalten soll. Mexikanische und deutsche Theatermacher sprechen über das Verhältnis von Theater und Politik, von den Möglichkeiten
des Mediums Theater, sich konstruktiv auf die Wirklichkeit zu beziehen. Es diskutieren u. a. Jan Deck, Autor des Buches Politisch Theater machen, André Leiphold
vom Zentrum für Politische Schönheit, der Festivalmacher Ángel Hernández sowie
Jorge Vargas (Amarillo) und Juan Carrillo (Mendoza).
03. Mai 2015, 14 Uhr V Sprechzimmer
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Sprechzimmer
Der Ort für Begegnung und Gespräche
Ein Ort zum Zusammenkommen — das zur letzten Festivalausgabe entworfene
Sprechzimmer haben wir beibehalten und ausgebaut. Nach jeder Vorstellung im
großen Haus findet hier ein Nachgespräch statt, zu dem wir die Autoren und Künstler der Stücke und Inszenierungen bitten. Für Diskussionen, späte Drinks und
Events wird die Tanzprobebühne wieder umgewandelt in den Festivaltreffpunkt
nach Vorstellungsende.
Büchertisch
Im Foyer des Marguerre-Saals stellt die Bücherstube an der Tiefburg in Kooperation
mit Theater der Zeit ausgewählte Literatur rund um die Inszenierungen, Autoren
und natürlich das Gastland des Heidelberger Stückemarkts vor.
Festival-Café
Zur Entspannung vor oder nach dem Festivalbesuch gibt es Kaffee, Kaltgetränke,
Pizza, Kuchen, belegte Brötchen und W-Lan in der Emma Café-Bar. Alle Heidelberger Stückemarkt-Besucher bekommen während des Festivalzeitraums 10 %
Rabatt auf alles bei Vorlage einer Stückemarkt-Eintrittskarte.
Emma Café-Bar V Hauptstr. 129
Öffnungszeiten: Mo – Fr 7.30 – 1 Uhr, Sa 9 – 1 Uhr, So 9.30 – 23 Uhr
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Service
Eintrittspreise
Freier Eintritt zu allen Veranstaltungen im Rahmenprogramm.
Autorenticket
1 Autorentag, 3 Lesungen
14 €
7 € erm.
35 €
17,50 € erm.
Einlass zu Beginn jeder Lesung
3 Autorentage, 9 Lesungen
Einlass zu Beginn jeder Lesung
Festivalpass
Gastspiele im Alten und Marguerre-Saal 130 €
ab 17 €
65 € erm.
ab 8,50 € erm.
Gastspiele im Zwinger 1 und Zwinger 3
23 €
11,50 € erm.
Kinder- und Jugendtheater-Gastspiele
17 €
8,50 € erm.
Schülergruppen-Preise ab 10 Personen
ab 5 €
Ermässigung
Schüler, Auszubildende, Studierende, Schwerbehinderte, Bundesfreiwilligendienstleistende sowie Inhaber des Heidelberg-Passes+ erhalten gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises bereits im Vorverkauf 50 % Ermäßigung.
Theaterkasse
V Theaterstraße 10
69117 Heidelberg
Mo – Sa, 11 – 18 Uhr
✆ 06221 | 5820 000
Abendkasse 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn am Veranstaltungsort!
Service für Schulgruppen unter [email protected]
oder ✆ 06221 | 5835 780
Service für Besuchergruppen unter [email protected]
oder ✆ 06221 | 58 35 353
Anmeldung zur Werkstatt Kinder- und Jugenddramatik in der Schule
unter [email protected]
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Team
Künstlerische Leitung Holger Schultze, Jürgen Popig | Produktionsleitung und künstlerische Mitarbeit Katja Herlemann | Produktionsassistenz Andreas Weinmann | Mitarbeit
Stephanie Michels, Andrea Schmidt, Jessica Weißkirchen | Technische Direktion Peer
Rudolph | Technische Leitung Daniel Prinzing | Ausstattung Jennifer Sittler | Öffentlichkeitsarbeit und Presse Anna-Maria Losardo, Sonja Zirkler (Leitung) | Marketing Caroline Thiemann | Homepage Alicia Solzbacher | Nominierung Autorenwettbewerb Lene
Grösch, Katja Herlemann, Viktoria Klawitter, Stephanie Michels, Jürgen Popig, Sonja
Winkel | Einrichtung Lesungen Lene Grösch, Viktoria Klawitter, Stephanie Michels, Juri
Padel, Jürgen Popig, Jessica Weißkirchen, Sonja Winkel | Mexiko-Scout Ilona Goyeneche
Bildnachweise
Das Tierreich Rolf Arnold | Die lächerliche Finsternis Reinhard Werner/Burgtheater | zu jung zu alt zu deutsch Isabel Machado Rios | Waffenschweine Thilo Beu |
100 m Karolin Back | Schatten (Eurydike sagt) Falk von Traubenberg | Weltenbrand
Digipott | Edelweisspiraten MEIER ORIGINALS/Comedia Theater, Köln | Callcenter Übermorgen Michael Bennett | Das permanente Wanken und Schwanken von
eigentlich allem HL Böhme | Die Prinzessin und der Pjär David Baltzer www.bildbuehne.de | Kongoland Andreas Zauner | Container Paris Birgit Hupfeld | Voiceck
Moritz Riesewieck | Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier Annette Boutellier | Se rompen las olas Francisco Barreiro | Amarillo Ricardo Ramirez | Mendoza
Marianella Villa/La casa AmariYya
Porträtfotos
Stefan Wipplinger © privat | Thomas Köck © Elsa-Sophie Jach | Lukas Linder © Steffen
Siebenhüner | Rebecca C. Schnyder © Jolanda Spengler | Jan Friedrich © Jan Friedrich |
Hugo Wirth © Karla Sánchez | Conchi León © Mario Arnal
Bis Redaktionsschluss konnten wir leider nicht alle Fotografen ermitteln. Wir bitten um Nachsicht.
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Impressum
Theater und Orchester Heidelberg
Theaterstraße 10
69117 Heidelberg
[email protected]
www.theaterheidelberg.de | www.heidelberger-stueckemarkt.de
Intendant Holger Schultze | Verwaltungsleiterin Andrea Bopp | Redaktion Jürgen
Popig | Texte Ilona Goyeneche, Lene Grösch, Katja Herlemann, Viktoria Klawitter,
Stephanie Michels, Jürgen Popig, Sonja Winkel und die eingeladenen Theater sowie
Verlage | Konzept anschlaege.de | Gestaltung Jens Mogler | Druck abcdruck.de
Redaktionsschluss 02. März 2015 | Änderungen vorbehalten
Es besteht eine Medienpartnerschaft mit Theater der Zeit und Die deutsche Bühne
sowie eine Kooperation mit nachtkritik.de.
Wir bedanken uns bei allen Förderern, Unterstützern,
Kooperations- und Medienpartnern sowie Beratern.
Stücke
40. Mülheimer Theatertage NRW
16. Mai – 6. Juni
2015
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Fr, 24.04.15
18 Uhr V Zwinger 3
Eröffnung
Deutschsprachige Erstaufführung
18.30 Uhr V Zwinger ¹
These little town blues are melting away Theater und Orchester Heidelberg
Sa, 25.04.15
Deutschsprachiger Autorenwettbewerb: 1. Tag
13 Uhr Lesung V Alter Saal
Hose Fahrrad Frau von Stefan Wipplinger
14 Uhr Lesung V Alter Saal
paradies fluten von Thomas Köck
15.30 Uhr Lesung V Alter Saal
Der Mann aus Oklahoma von Lukas Linder
18.30 Uhr V Zwinger ¹
Das Tierreich Schauspiel Leipzig
20.30 Uhr V Marguerre-Saal
Die lächerliche Finsternis Burgtheater im Akademietheater Wien
Ab 22.30 Uhr Disko: Ein Stück vom Glück No. 1 V Alter Saal
So, 26.04.15
Deutschsprachiger Autorenwettbewerb: 2. Tag
13 Uhr Lesung V Alter Saal
Wunderungen durch die Mark Uckermark von Lisa Engel
14 Uhr Lesung V Alter Saal
Alles trennt von Rebecca C. Schnyder
15.30 Uhr Lesung V Alter Saal
Szenen der Freiheit von Jan Friedrich
18.30 Uhr V Zwinger ¹
zu jung zu alt zu deutsch Staatstheater Hannover
20.30 Uhr V Marguerre-Saal
Waffenschweine Theater Bonn
nominierung
NachSpielPreis