PDF - Kindergarten und Schule in Südtirol

2015
Mai/Juni
10 Rechtenthaler Gespräche
12 G
renzüber-
schreitend lernen
21 Auslandssemester
26 Schüleraustausch
42 Sprachsensibler
Fachunterricht
4
Im Überblick
2
Mai/Juni 2015
12
Thema
Schule entwickelt sich
4
Grenzüberschreitend lernen
12
Editorial
5
kurz notiert
6
Schulpartnerschaften, Austausch
und Fortbildungen in Europa
13
Grenzenlos lernen:
neue Lern- und Lebensräume
14
Das Beispiel der Europaregion Tirol
16
8. Rechtenthaler Gespräche
zur Schulentwicklung
10
Abteilungsdirektor Arthur Pernstich
im Ruhestand 11
Nur wer seinen Standort wechselt,
kann seinen Horizont erweitern.
18
40
Lernwelten
Service
Offen für die Welt
18
Das beste EU-Schulprojekt 2014
Kindergartenbesuch in Nepal
19
Schul- und stufenübergreifender
Chemieunterricht Europatage an der Fachoberschule
„Marie Curie“ in Meran
20
Ein Auslandsemester in Costa Rica
21
29. Gesamttiroler
Fremdsprachenwettbewerb
Ein Auslandsjahr in Kanada
22
Schulpartnerschaftsprojekt Erasmus+
23
Zweitsprachjahr/Un anno in L2
24
Lehreraustausch an zwei
Meraner Oberschulen
30
Amt für Lehrlingswesen
und Meisterausbildung
41
31
Seiten der Wissenschaft:
Sprachsensibler Fachunterricht
42
32
Deutsche Sprachinseln in Italien
44
12. Südtiroler Jugendredewettbewerb
34
Aus der Pädagogischen Fachbibliothek
46
20. Mathematik-Modellierungswoche
35
Deutsches Bildungsressort
Rundschreiben und Mitteilungen
47
Südtiroler Landesregierung
Beschlüsse
47
Die Wirkung der eigenen Körpersprache 36
LEGO WeDo im Unterricht
37
25
Olympiade der italienischen Sprache
38
Schüleraustausch zwischen
Laimburg und Giarre
26
Konstruktiver Umgang mit Konflikten:
WIR-Projekt
39
Berufsbildung: Tablet learning
28
Landesbeirat der Schüler/innen
trifft Wiener Landesschülervertretung
29
Mai/Juni 2015
3
Im Überblick
Schule entwickelt sich
4
Mai/Juni 2015
Editorial
Lernen ohne Grenzen
Manchmal ist es notwendig, physische Grenzen zu überschreiten, um neue Lernprozesse in Bewegung zu setzen, sich mit neuen
Thematiken auseinanderzusetzen, sich im
Austausch mit Personen anderer Kulturkreise weiterzuentwickeln. Manchmal genügt es aber auch schon, die Grenzen im eigenen Kopf hinter sich zu lassen, um neue
Territorien zu erschließen.
Beim Lernen im grenzüberschreitenden
Kontext geht es häufig um das Erlernen verschiedener Sprachen. Die Sprache ist aber
nur das Mittel zum Zweck – wie sagte doch
schon Johann Amos Comenius im 17. Jahrhundert: „Die Kenntnis einer Sprache macht
noch keinen Weisen, sie dient lediglich dazu,
uns mit den anderen Bewohnern der Erdoberfläche, lebenden und toten, zu verständigen; und darum ist auch derjenige, welcher viele Sprachen spricht, noch kein Gelehrter, wenn er nicht zugleich auch andere
nützlich Dinge erlernt.“
In diesen Bereichen sind die verschiedenen
Beiträge in dieser INFO-Ausgabe angesiedelt: ein Zweitsprachjahr in der italienischsprachigen Schule in Südtirol, ein Auslandsjahr in Costa Rica und in Kanada, Fahrten zu
den EU-Institutionen nach Brüssel, Europatage an Schulen, europäische Schulpartnerschaften und internationale Projekte …
Reale Grenzen werden passiert, um in neue
Lern- und Lebensräume vorzudringen. Aber
auch die imaginären Grenzen in den Köpfen
der Lernenden werden abgebaut. Lernen
passiert nicht nur in der Schule, es geht
auch darum, die Grenzen zwischen formalem, nicht formalem und informellem Lernen aufzuweichen und außerhalb der Schule
erworbene Kompetenzen anzuerkennen und
wertzuschätzen. In Zukunft muss es der Institution Schule gelingen, Lernen nicht nur
aus einer utilitaristischen Warte zu betrachten und einen grenzlosen „Lebensraum
auf(zu)bauen, in dem Menschen mit ihrer eigenen Intelligenz in ein libidinöses Verhältnis treten“ (Peter Sloterdijk). Schon in der
Antike war man der Auffassung, dass man
nicht für das Leben lernen muss. Das Leben
ist sein eigener Lehrmeister. In der Schule
muss auch Platz für die Muße sein, für das
Lernen um des Lernens willen.
Ferdinand Patscheider
Inspektor für den sprachlich-expressiven Bereich
Mai/Juni 2015
5
kurz notiert
Köpfe der Pädagogik
LESAMOL 2015
Johann Amos
Comenius (1592–1670)
Der in Mähren geborene Theologe Johann
Amos Comenius kann als der große Pädagoge des 17. Jahrhunderts angesehen
werden. Er gab der Pädagogik eine neue
Richtung und war der Erste, der die Pädagogik vom Kind her entwarf. Er sah zwar
die Kindheit noch nicht als eigenständige
Phase. Dennoch richtete Comenius als
einer der ersten die Pädagogik methodisch, didaktisch und inhaltlich nach
den unterschiedlichen Kindheitsphasen
aus. Er forderte eine grundlegende, das
Wesentliche umfassende Allgemeinbildung für alle Kinder, bildungspolitische
Chancengleichheit für Mädchen, sozial
Schwache und geistig Zurückgebliebene,
die Prinzipien der Anschauung und der
Selbstständigkeit, der Erziehung zum Gebrauch der eigenen Vernunft. Seine Vorstellung einer lebensnahen freundlichen
Schule und einer gewaltfreien Erziehung
sind bis heute gültig geblieben.
In seinem Werk „Didactica magna” forderte Comenius bereits 1638: „Alles soll
wo immer möglich den Sinnen vorgeführt
werden, was sichtbar dem Gesicht, was
hörbar dem Gehör, was riechbar dem
Geruch, was fühlbar dem Tastsinn. Und
wenn etwas durch verschiedene Sinne gleichzeitig aufgenommen werden
kann, soll es den verschiedenen zugleich
vorgesetzt werden. Und weil die Sinne
die treusten Sachverwalter des Gedächtnisses sind, so wird diese Veranschaulichung der Dinge bewirken, dass jeder
das, was er weiß, auch behält.“
Das Comenius-Programm ist ein 1997 eingerichtetes Programm der Europäischen
Union mit dem Ziel, die Zusammenarbeit
von Schulen aller Schulstufen und Schulformen innerhalb der Europäischen Union
sowie die Mobilität von Schülerinnen und
Schülern sowie Lehrpersonen zu fördern.
Es ist seit 2005 Teil des EU-Programms
für lebenslanges Lernen. (ht)
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Mai/Juni 2015
Junge Leute lesen und gewinnen!
lesamol – junge Leute lesen und gewinnen! ist eine Leseaktion, bei der es darum geht, junge Leute zu animieren, in
der Ferienzeit Bücher zu lesen und online zu bewerten. lesamol 2014 war ein
toller Erfolg: 720 junge Leute haben mitgemacht und 1.700 Buchbewertungen
abgegeben! lesamol 2015 beginnt Anfang
Mai und läuft bis Ende Oktober dieses
Jahres. Alle jungen Leute im Alter von
11 bis 16 Jahren können mitmachen. Die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer lesen
mindestens ein Buch aus der Liste der
30 lesamol-Bücher (auszuleihen in den
Schulbibliotheken und öffentlichen Bibliotheken sowie im Buchhandel erhältlich) und geben dann auf der Webseite
www.lesamol.com eine Bewertung ab.
Mit dieser Bewertung nehmen sie an der
Verlosung von tollen Sachpreisen teil.
Zusätzlich zu den Sachpreisen gibt es für
einfallsreiche junge Leserinnen und Leser einen Kreativpreis, ein iPad mini zu
gewinnen.
lesamol ist eine Aktion der Abteilung
deutsche Kultur – Amt für Bibliotheken
und Lesen – in Zusammenarbeit mit den
öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken des Landes. Informationen sowie die Liste der 30 lesamol-Bücher –
15 Bücher für 11–13-Jährige, drei Bücher
in Fremdsprachen und zwölf Bücher
für die 14–16-Jährigen – gibt es unter
www.lesamol.com
ERFINDERINNEN
UND ERFINDER
Unterrichtsmaterialien für die
4./5. Klassen der Grundschulen
Ausgehend
vom Erfindungszollstock erforschen Kinder
das Leben
von Frauen
und Männern,
die hervorragende Leistungen in den
Bereichen
Mathematik, Informationstechnologie,
Naturwissenschaften und Technik vollbracht haben. Auf dieser Lernreise setzen sich die Kinder nicht nur mit verschiedenen Erfinderinnen und Erfindern
auseinander, sondern vergleichen auch
gesellschaftliche Lebensweisen mit
der heutigen Zeit, forschen auf ihrem
Interessengebiet, üben verschiedene
Lerntechniken ein, reflektieren ihren
Lernweg und präsentieren ihre Arbeitsergebnisse. Hierbei werden Sachfachunterricht und Sprache eng miteinander
verknüpft.
Zu den verschiedenen Erfinderinnen
und Erfindern stehen Texte mit Bildern
in zwei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zur Verfügung. Zudem gibt
es Karteikarten mit Arbeitsaufträgen in
drei Schwierigkeitsstufen und ein Methodenbüchlein für die Erarbeitung verschiedener Lerntechniken. Die Unterrichtsmaterialien stehen als Download
unter www.blikk.it/mint/erfinderinnenund-erfinder zur Verfügung und können
individuell im Unterricht eingesetzt
werden. Ab Herbst 2015 stehen auch
Video-Clips zur Verfügung, in denen
beispielhaft der Einsatz dieser didaktischen Materialen zu sehen ist.
TECHNOLOGIE UND UMWELT
Aktionstage Politische Bildung
Alljährlich erinnern die Aktionstage
Politische Bildung an den Wert der
Politischen Bildung für eine lebendige Demokratie. 2015 stehen die
Aktionstage unter dem Leitthema
„Technologie und Umwelt“. Folgende Aktionen werden für die Schulen
angeboten:
•Q
uiz zur Politischen Bildung 2015:
Schülerinnen und Schüler testen
gerne ihr Allgemeinwissen. Ein
kniffliges Quiz zur Politischen Bildung steht den Schulen ab sofort
zur Verfügung:
www.bildung.suedtirol.it/
unterricht/politik-und-soziales/
• Kinobesuch im Filmclub Bozen: Der Kinofilm „Disconnect“
(USA 2012) wird am 24./28./29./30. April 2015 für Oberschul-
klassen vorgeführt. Der Film erzählt in drei Episoden vom
Einfluss moderner Kommunikationstechnologien auf das
Leben. Vormerkung für Schulklassen unter Tel. 0471 974295.
• Before I die: An mehreren Orten in Südtirol werden Tafeln
mit dem Satz „Bevor ich sterbe, möchte ich …“ aufgestellt.
Mit Kreide können Schülerinnen und Schüler, Bürgerinnen
und Bürger Gedanken dazu auf die Tafel schreiben und teilen.
Die Standortliste zu dieser Aktion findet sich auf
www.provinz.bz.it/politische-bildung
• Du hast die Wahl: Ein Planspiel zu den Gemeinderatswahlen
2015 lässt die Schülerinnen und Schüler in die Rollen der Akteurinnen und Akteure der Gemeinderatswahl schlüpfen. Die
Spielanleitung und die Kopiervorlagen dazu finden sich auf
www.wahllokal.it
• Aktuelle Medienliste zum Thema „Technologie und Umwelt“:
Genetisch veränderte Nutzpflanzen, Designerbabies, ökologischer Fußabdruck, Globalisierung, Klimawandel, Cyber­
mobbing … Sämtliche Dokumentarfilme können beim Amt
für AV-Medien bestellt werden: [email protected]
PLATON JUGENDFORUM 2015
Anmelden bis 27. Mai 2015!
Im Rahmen der Initiativen zur Begabungs- und Begabtenförderung
organisiert die Universität Salzburg das Platon Jugendforum
2015, eine internationale Begegnungswoche für fünfzig besonders
begabte und vielseitig interessierte Jugendliche aus ganz Europa.
Das Deutsche Schulamt unterstützt die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern aus Südtirol: Maximal acht Jugendliche
der zweiten bis fünften Klassen der Oberschule können am
Forum teilnehmen. Das Ziel der Veranstaltung ist die internationale Begegnung von Jugendlichen, die an einer vertieften
Auseinandersetzung mit Themen von europäischer Dimension interessiert sind.
Das Platon Jugendform 2015 findet vom 26. Juli bis 1. August
2015 in Obertrum bei Salzburg statt. Unter dem Motto „Miteinander reden will gelernt sein – besonders in Europa, wo je-
des Land eine andere Sprache spricht“, diskutieren die Jugendlichen in deutscher und englischer Sprache in Kleingruppen und versuchen Lösungsansätze zu folgenden
Themenbereichen aufzuzeigen:
• Shopping für eine bessere Welt?
• Euro in der Krise
• Ausländerfeindlichkeit und Integration
• The daily occupation of your life
Für die Teilnehmenden aus Südtirol, die über das Deutsche
Schulamt zur Veranstaltung zugelassen werden,
ist pro Person ein Kostenbeitrag von 70 Euro für Unterkunft,
Verpflegung, Material und anderes vorgesehen; die Restkosten trägt das Deutsche Schulamt. In der entsprechenden Mitteilung des Schulamtes unter www.provinz.bz.it/schulamt
sind alle Details zur Anmeldung zu finden. Stichtag ist der
27. Mai 2015. Auskünfte erteilt Siglinde Doblander, Siglinde.
[email protected], Tel. 0471 417666.
Mai/Juni 2015
7
kurz notiert
„MATURA“ FÜR
ERWACHSENE
AUFGELESEN
Die Mehrheit der bundesdeutschen
Schülerinnen und Schüler kann
nicht mehr flüssig mit der Hand
schreiben.
Die Hälfte der bundesdeutschen Schüler und ein Drittel der bundesdeutschen Schülerinnen haben Probleme,
mit der Hand zu schreiben – das ergab
eine Onlineumfrage unter 2.000 Lehrpersonen, die der Deutsche Lehrerverband gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut Heroldsberg durchgeführt
hat. Besonders Grundschullehrerinnen
und -lehrer wünschen sich mehr Fortbildungen und mehr Zeit, um den Kindern zu zeigen, wie sie müheloser die
Buchstaben schreiben und verbinden
können.
• w ww.zeit.de/gesellschaft/schule/2015-04/handschrift-schreibschrift-schule
Bayern – Ansturm auf das Projekt
„Mittelstufe Plus“
An über 40 staatlichen Gymnasien soll
bayernweit ab kommendem Schuljahr
die „Mittelstufe Plus“ als Pilotprojekt
eingeführt werden. Das Projekt sieht
ein zusätzliches Schuljahr in der gymnasialen Mittelstufe vor. Dadurch haben
die Schülerinnen und Schüler mehr Zeit
fürs Lernen.
• w ww.sueddeutsche.de/bayern/mittelstufe-plus-ansturm-auf-dasneunstufige-gymnasium-1.2445130
Österreich: Diskussion um die
Lehrerarbeitszeit
Der Wiener Bürgermeister Michael
Häupl sagte in einer Anspielung auf
die Lehrerarbeitszeit, dass er, würde
er wöchentlich 22 Stunden arbeiten,
bereits am Dienstagnachmittag mit
seiner Arbeit fertig sei. Damit hat er
eine Welle des Protests ausgelöst.
Hannes Androsch, Initiator eines
Bildungsvolksbegehrens, hält diese
Debatte für eine Ablenkung von den
wirklichen Problemen, die Österreich
habe: zum Beispiel zu wenig Ganztagsschulen oder eine relativ alte
Lehrerschaft.
• Salzburger Nachrichten vom
17. April 2015, S. 1
8
Mai/Juni 2015
INTERESSE AM SÜD­
TIROLER SCHULSYSTEM
Informationsveranstaltungen
Auch im kommenden Schuljahr haben ErDelegation aus München zu Besuch
wachsene wieder
die Möglichkeit,
sich im Zweiten
Bildungsweg auf
die staatliche Abschlussprüfung
(Matura) vorzubereiten.
2015/2016 werden die Klassen der Wirtschaftsfachoberschule WFO (ehemalige
Handelsoberschule), der Technologischen
Fachoberschule TFO (ehemalige Gewerbeoberschule) und des SozialwissenEine Delegation des Referats für Bildung
schaftlichen Gymnasiums angeboten.
und Sport München informierte sich am 16.
Die Abendkurse dauern drei Jahre, wobei
und 17. April 2015 am Deutschen Schulamt
das erste Kursjahr auf die Eignungsprüin Bozen über das Südtiroler Kindergartenfung der ersten und zweiten Klasse und
und Schulsystem, die Struktur und Aufgabenbereiche des Bildungsressorts, über
das zweite Kursjahr auf die Eignungsprüfung der dritten und vierten Klasse vorbeSprachenunterricht und Integration. Schulreitet. Das dritte Kursjahr bereitet die Priamtsleiter und Ressortdirektor Peter Höllvatistinnen und Privatisten auf die staatlirigl, der Direktor des Bereichs Innovation
che Abschlussprüfung (Matura) vor. Der
und Beratung Rudolf Meraner, Kindergarteninspektorin Christa Messner und deren
Unterricht findet von Mitte September bis
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gaben Aus- Mitte Juni statt – von Montag bis Freitag
kunft über Aufbau und Arbeitsschwerpunkte von 18 bis 22 Uhr. Die Kurse werden bei genügend Anmeldungen vom Amt für Schulder Südtiroler Bildungsorganisationen.
verwaltung des Deutschen Schulamtes in
Nach einer Einführung in das Bildungssystem des Landes am ersten Tag ihres SüdtiBozen, Meran, Brixen und Bruneck durchgeführt. Anmeldetermin ist der 31. Juli
rol-Aufenthalts konnten sich die Besucherinnen und Besucher vor Ort an der Grund2015 (bei freibleibenden Plätzen ist auch
schule „Pestalozzi“ in Bozen einen Überblick noch eine spätere Anmeldung möglich).
über Struktur und Organisation des SchulInformationsveranstaltungen:
sprengels Bozen/Europa verschaffen. Sie in- Wirtschaftsfachoberschule
formierten sich über Projekte und Initiativen • Bruneck, 3. Juni 2015, 19 Uhr, TFO
zur Sprachförderung von Migrantenkindern, • Brixen, 4. Juni 2015, 19 Uhr, WFO
besuchten den Kindergarten „Kunterbunt“
• Meran, 4. Juni 2015, 19.30 Uhr, WFO
und die Landesberufsschule für Handwerk
• Bozen, 3. Juni 2015, 18 Uhr, TFO
Technologische Fachoberschule
und Industrie in Bozen. »Von einem Gedankenaustausch und einer Zusammenarbeit
• Bruneck, 3. Juni 2015, 19 Uhr, TFO
können auch wir nur profitieren«, so Schul• Bozen, 3. Juni 2015, 18 Uhr, TFO
Sozialwissenschaftliches Gymnasium
amtsleiter Höllrigl zum Abschluss des Besuchs. Auch die Gäste konnten viel von ihrer • Meran, 4. Juni 2015, 19.30 Uhr, WFO
Bildungsreise mitnehmen und werden die
• Bozen, 3. Juni 2015, 18 Uhr, TFO
eine oder andere Anpassung vornehmen,
Weitere Informationen: Deutsches Schulamt, Elisabeth Laimer, Tel. 0471 417569,
wie Mathias Marschall vom Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt Mün- [email protected], www.provinz.bz.it/schulamt
chen betonte.
SCHÜLER/INNEN EVALUIEREN LEHRPERSONEN
Projekt „Eduval“ vorgestellt
OPTION UND ERINNERUNG
Optionszug: Vergangenheit,
Gegenwart, Zukunft
Der Landesbeirat der Schüler und Schülerinnen hat gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landesbeirates der Eltern das
Projekt „Eduval“ vorgestellt. Anhand eines Fragebogens sollen Unterricht und
Unterrichtsweise der Lehrpersonen erhoben werden und zwar auf freiwilliger Basis und durch die Schülerinnen und Schüler. „Eduval” steht für “Education-Evaluation”. Das Projekt, ausgearbeitet von einer
Arbeitsgruppe und auf Initiative des Landesbeirates der Schüler und Schülerinnen
stellt die Frage „Wie wirke ich und mein
Unterricht auf die Schülerinnen und Schüler” in den Mittelpunkt.
Matthias von Wenzl, Vorsitzender des
Landesbeirates, erklärte bei der Vorstellung des Projektes: „Die Evaluation bezieht sich auf den Unterricht und die Unterrichtsweise, sie soll kein Instrument
zur Bewertung oder Benotung sein“.
„Eduval“ ist ein frei zugänglicher Fragebogen, mit dem sich Lehrpersonen auf
freiwilliger Basis evaluieren lassen können. Der Fragebogen ist im Internet abrufbar unter www.provinz.bz.it/mitbestimmung/zum-herunterladen.asp und
steht zum Download zur Verfügung. Er ist
in vier Bereiche unterteilt: Fachkompetenz, Sozialkompetenz, Organisation und
Pädagogische Kompetenz. Die erhobenen
Daten bleiben im Besitze der Lehrpersonen, die sie selbst interpretieren können.
„Eduval“ ist für alle Lehrpersonen konzipiert, denen die Meinungen und Ansichten
der Schülerinnen und Schüler wichtig sind
und die versuchen, den Interessen, Wünschen und Anregungen der Klasse entgegenzukommen. „Eduval“ richtet sich an
alle Schülerinnen und Schüler und fordert
sie auf, durch ihre Mitwirkung einen Beitrag zur positiven Weiterentwicklung der
Schule zu leisten.
TECHNOLOGIE UND ALLTAG
Vor- und Nachteile
Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums des
Optionsabkommens arbeitete die Universität Innsbruck unter der Leitung von Eva
Pflanzelter an einem Projekt zur Erinnerungskultur an die Option. Dazu suchte sie
die Zusammenarbeit mit Schulen und
wurde vom Bereich Innovation und Beratung unterstützt. Zwei Oberschulklassen
machten sich Gedanken darüber, wie die
Erinnerung an die Option im öffentlichen
Raum thematisiert werden könnte und
präsentierten ihre Vorschläge in der Bildungswissenschaftlichen Fakultät in
Brixen.
Das Realgymnasium Brixen (Lehrperson:
Tobias Lechthaler) stellte die Frage, was
geschehen würde, wenn sich die politische Lage in Italien dramatisch verschlechtern würde und es erneut zu einer
Option käme? Das Ergebnis dieser düsteren Zukunftsvision hielten die Schülerinnen und Schüler in Form von selbst inszenierten und gedrehten Video-Zeitzeugeninterviews fest, die in einer noch fernen
Zukunft aufgenommen, auf das „Optionsjahr 2015“ zurückblicken.
Das „Gymme“ Meran (Lehrperson:
Johannes Kofler) entwarf ein Modell
von drei Optionszügen, wovon einer die
Vergangenheit, einer die Gegenwart und
einer die Zukunft darstellt. Der Vergangenheitszug enthält Erinnerungsstücke an
die Option, die in den Video-Zeitzeugeninterviews vorkommen: eine Puppe, ein Heimatlied … Der Gegenwartszug nimmt
Bezug auf die gegenwärtige Situation mit
Migrationsströmen aus aller Welt. Der
Zukunftszug stellt Fragen im Hinblick
auf künftige Entwicklungen.
Was macht die Technik mit uns?
Schülerinnen und Schüler recherchieren.
Unser Leben ist von der modernen Technologie geprägt. Welche Vor- und welche
Nachteile das technisierte Leben mit sich
bringt und welchen Preis wir dafür bereit
sind, zu bezahlen, beschäftigte im Februar
2015 im Rahmen einer Klassenpartnerschaft Schülerinnen und Schüler der
Wirtschaftsfachoberschulen in Meran und
St. Ulrich sowie der Technologischen
Fachoberschule in Meran. Die Jugendlichen führten auf einem zweitägigen
Workshop eine angeleitete Recherche zu
verschiedenen Themen durch und präsentierten in einem Gruppenpuzzle ihre Ergebnisse. Ergänzt wurden diese Aktivitäten durch Reflexionen der Schülerinnen
und Schüler zum Thema „Technologie und
Gesellschaft“, eingeleitet durch ein Impulsreferat von Harald Angerer sowie einer Aktion des Forums Prävention zum
Thema „Internet und Sicherheit“.
Arbeitsblätter zur angeleiteten Recherche
der Jugendlichen wurden von den beteiligten Lehrpersonen zu folgenden Themen
erstellt: Technologie und Freundschaft –
Technologie und Sport – Bionik – Blutige
Handys – Smart Cities – Technologie und
Ernährung. Diese sind im Historypool abrufbar und können im Unterricht eingesetzt werden: www.blikk.it/historypool
Mai/Juni 2015
9
Im Überblick
8. Rechtenthaler Gespräche zur Schulentwicklung
… zwischen Vorgabe
und Gestaltungsfreiheit
Die Fortbildungsakademie Schloss Rechtenthal in Tramin war am 20. und 21. April 2015 wieder Schauplatz der
Rechtenthaler Gespräche zur Schulentwicklung. Sie haben sich als länderübergreifende Diskussionsplattform etabliert.
Im regen Austausch loteten bei den Gesprächen die Teilnehmenden aus Österreich,
Deutschland und Südtirol das Spannungs-
brechen und nicht das Ankommen Lernende ben alte Vorstellungen prägend, so zum
weiterbringt. Dezidiert sprach sie sich gegen Beispiel Normen für Klassengrößen.
Ziffernnoten aus, denn diese würden das
Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgen nicht nur die Diskussion am Podium,
sie tragen auch angeregt zur Meinungsvielfalt bei.
Lernen nicht fördern.
Marlies Krainz-Dürr, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Kärnten, zeigte System­
brüche auf, indem sie sich auf Kants Frage
Systemwidersprüchen begegnen „Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem
Professorin Marianne Gronemeyer stellte
Zwange?“ stützte. Beide Referentinnen lenkten den Blick auf die vielen Doppelbindunihren Vortrag unter den Titel „Muss die
Schule entwickelt oder unschädlich gemacht gen, die dem Schulsystem immanent sind:
Traditionen wahren und dennoch innovativ
werden?“ Kritisch stellte sie Fragen zu Unterricht und Schulentwicklung und stellte
sein, bei Schülerinnen und Schülern individuelle Lernwege fördern und diese aber bezwei Forderungen in den Raum: „Im Tempo
des Langsamsten zu gehen“, denn die Lang- werten, Menschen bilden, obwohl jeder
samen halten durch Fragen das Thema leMensch sich nur selber bilden kann. Die Anbendig, sie haben Zeit, behilflich zu sein. Die forderung, Schulenwicklung zu betreiben,
Schnellen können sich auf Irrwegen verren- beinhaltet einen Kulturbruch und verlangt
nen. Entschleunigung ist deshalb angesagt. nach anderen mentalen Modellen des LehUnd „Fragend gehen wir voran“, da das Auf- rerinnen- und Lehrerdaseins. Jedoch bleifeld zwischen Vorgabe und Gestaltungsmöglichkeiten in der Schulentwicklung aus. Drei
Referate lieferten die Impulse dazu.
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Mai/Juni 2015
Institutionelles
Gleichgewicht schaffen
Rudolf Meraner, Direktor des Bereichs Innovation und Beratung, zeigte die Entwicklung
der Autonomie der Schulen in Südtirol auf
und zog nach 15 Jahren Schulautonomie Bilanz. An manchen Schulen seien dadurch
Entwicklungen ermöglicht worden, doch ob
eine Schule die Initiative ergriffen und effizient umgesetzt habe, sei vorwiegend von der
Ausstrahlungskraft der Führungskraft, dem
Engagement einer Gruppe von Lehrpersonen oder den Anregungen aus dem Unterstützungssystem abhängig gewesen. Das
Resümee: Es braucht ein institutionelles
Gleichgewicht zwischen Schulautonomie
und Rahmenvorgaben.
In einer Podiumsdiskussion sowie in Länder- und Berufsgruppen wurden die Aussagen zum Ausstieg aus dem derzeitigen
Schulsystem beleuchtet. Zum anderen wurde der Frage nachgegangen, wie man der
Komplexität durch Gestaltungsfreiräume
begegnen und individuelle Lernwege stärken kann.
Schulamtsleiter und Ressortdirektor Peter
Höllrigl brachte am Schluss der Tagung die
Diskussion auf den Punkt: „Wir alle an der
Schule Beteiligten arbeiten im Spannungsfeld von Gestaltungsfreiräumen und vorgegebenen Rahmen. Um unsere Arbeit gut im
Sinne der Lernenden zu verrichten, braucht
es den offenen Dialog.“
Organisiert wurde die Tagung vom Bereich
Innovation und Beratung in Kooperation mit
der Pädagogischen Hochschule Tirol. Die
nächste Tagung zur Schulentwicklung findet
am 18. und 19. April 2016 in Innsbruck statt.
Elisabeth Mairhofer, INFO Redaktion
Abteilungsdirektor Arthur Pernstich im Ruhestand
Verwalter mit Charme
Der langjährige Abteilungsdirektor des Deutschen Schulamtes, Arthur Pernstich,
ist seit 1. April 2015 im Ruhestand. Fast vier Jahrzehnte lang stand er im Dienst
von Kindergarten und Schule in Südtirol.
Das Deutsche Schulamt war fast von Beginn
an sein beruflicher Lebensmittelpunkt:
Am 1. September 1975 eingerichtet, begann
Arthur Pernstich kurz danach, am 2. August
1977, seine Karriere in diesem Hause als
Amts­rat im Amt für Mittelschulen. 1984 wechselte er in das Amt für Oberschulen und über-
rektion im Deutschen Schulamt übernahm.
In dieser Funktion wurde er zu einem meiner
engsten Mitarbeiter und auch mein Stell­
vertreter.
Ich lernte seine Fähigkeit zu schätzen, Entwicklungen, die sich anbahnten, rasch zu er-
Schulamtsleiter Peter Höllrigl, der scheidende Abteilungsdirektor Arthur Pernstich und
sein Nachfolger Stephan Tschigg bei der Abschiedsfeier im Deutschen Schulamt.
nahm den Bereich Pensionen und Abfertigungen. 1988 wurde Arthur Pernstich zum Direktor des Amtes für Oberschulen ernannt, bis
er schließlich im Jahre 2004 die Abteilungsdi-
kennen und deren Auswirkungen einzuschätzen. Ohne Zweifel halfen ihm dabei seine
langjährige und vielfältige Erfahrung im
Schulamt und in der Bildungswelt überhaupt,
aber auch eine gewisse Gelassenheit. Bei der
Umsetzung der verschiedenen Reformen ließ
er niemals pädagogisch-didaktische Ansätze
außer Acht. Unermüdlich plante und organisierte er, damit die Abläufe im Schulamt reibungslos funktionierten. Nicht nur ich, sondern viele andere Menschen suchten und fanden bei Arthur Pernstich Rat und
Unterstützung bei verschiedenen Anliegen.
Unvergessen freilich bleiben sein Sinn für das
Gesellige, sein Humor und sein Witz, mit denen er sich bei verschiedenen Gelegenheiten
einbrachte und die Sympathie der Anwesenden gewann.
Bei verschiedenen Anlässen und Veranstaltungen in den vergangenen Wochen konnte
ich miterleben, welch große Wertschätzung,
Anerkennung und Dankbarkeit die Menschen
aus der Schulwelt Arthur Pernstich entgegenbrachten. Minutenlange „standing ovations“ waren keine Seltenheit! Ich kann mich
den vielen Personen nur anschließen und
freue mich, dass Arthur Pernstich nun mehr
Zeit für seine Hobbys und seine Familie hat.
Die Nachfolge als Abteilungsdirektor des
Deutschen Schulamtes hat geschäftsführend
Stephan Tschigg angetreten. Dessen Platz im
Amt für Aufnahme und Laufbahn des Lehrpersonals hat Sabine Lamprecht als geschäftsführende Amtsdirektorin übernommen. Ich wünsche beiden viel Glück bei ihrer
neuen Aufgabe.
Peter Höllrigl
Schulamtsleiter und Ressortdirektor
Mai/Juni 2015
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Thema
Grenzüberschreitend
lernen
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Mai/Juni 2015
Schulpartnerschaften, Austausch und Fortbildungen in Europa
Die Chance nützen
Ein Seminar in Island besuchen? Einer Kollegin in Schweden über die Schulter schauen?
In Portugal unterrichten oder mit Schulen aus Malta, Belgien oder Polen zusammenarbeiten?
Erasmus+ macht‘s möglich. Das europäische Bildungsprogramm für Bildung, Jugend und Sport
bietet Schulen eine Vielfalt von Möglichkeiten. Zugegebenermaßen führt der Weg zur Förderung über
den steinigen Weg einer seitenlangen und detaillierten Antragstellung. Doch die Anstrengung lohnt sich.
Das Hauptziel des Bildungsprogramms
Erasmus+ liegt in der Förderung der Mobilität und der Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen in ganz Europa. Lehrende und
Lernende an Universitäten und schulischen
Einrichtungen, inklusive Kindergarten,
Lehrlinge und junge Arbeitende sollen eine
Zeit im Ausland verbringen, Einrichtungen
sollen voneinander lernen und bewährte
Praktiken austauschen. Für die Programmlaufzeit von 2014 bis 2020 stehen dafür nicht
weniger als 14,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Budgetmittel für den Schulbereich
werden im kommenden Antragsjahr 2016 voraussichtlich um 40 Prozent erhöht, weshalb
es sich lohnt, einen Antrag um Finanzierung
der Vorhaben zu stellen.
Für Schulen und Kindergärten sind hauptsächlich zwei Leitaktionen (KA – Key Actions) interessant:
ren möchte. Die gesammelten Erfahrungen
sollen in der Schule deutlich spürbar sein,
deshalb genügt es nicht, dass einige wenige
oder gar nur eine Einzelperson pro Schule
oder Schulsprengel den Blick über den Tellerrand wagen. Eine Ausnahme sind Mobilitätsprojekte, die vom Bildungsressort als
Konsortiumsträger eingereicht werden.
Hierbei stellt das Ressort einen landesweiten
Bedarf fest, zum Beispiel Erhöhung der
Sprachkompetenz von CLIL-Lehrpersonen,
und kann auch nur eine Lehrperson pro
Schule einladen, teilzunehmen.
KA2: Strategische
Partnerschaften
Unter dieser Leitaktion werden unter anderem die bisherigen Comenius-Schulpartnerschaften fortgeführt. Mindestens zwei Schulen aus zwei verschiedenen Ländern oder
mit Beteiligung von Schulbehörden und auch
KA1: Lernmobilitäten
anderen, schulfremden Einrichtungen
für Einzelpersonen
schließen sich zusammen, um zwei oder drei
Unter dieser Leitaktion fördert die EU in
Jahre lang gemeinsam an einem Thema zu
Schule und Kindergarten die Fortbildung von arbeiten. Im Rahmen dieser Partnerschaften können Schülerinnen und Schüler die
Lehrkräften, Direktorinnen und Direktoren,
Partnereinrichtungen besuchen und bis zu
sowie pädagogischem Fach- und Verwaltungspersonal. Die Maßnahmen, wie zum
zwölf Monate dort verbringen. Dasselbe gilt
Beispiel Unterrichten an einer Partnereinfür Lehrpersonen, die an einer Partnerschurichtung, Teilnahme an europäischen Fortbil- le von zwei Monaten bis zu einem Jahr undungskursen und Konferenzen, Hospitationen terrichten oder andere Lehrkräfte ausbilden
und Job-Shadowing (siehe S. 15) müssen in
können. Diese Tätigkeiten müssen immer im
einem Programmstaat stattfinden und könZusammenhang mit der laufenden Partnernen von zwei Tagen bis zu zwei Monaten dau- schaft stehen, das heißt, die Aktivitäten
ern. Für die Planung ist eine strategische Ori- müssen in direktem Zusammenhang mit der
entierung gefragt: die Leitung einer Schule,
Projektthematik sein.
eines Kindergartens muss sich damit beDie Einreichtermine um Förderung der Vorschäftigen, wie und warum – also mit welhaben mit Beginn im Sommer 2016 werden
chen bildungspolitisch relevanten Zielen – sie voraussichtlich wieder im März/April 2016
oben genannte Maßnahmen in einem Zeitliegen. Die Vorbereitungen des Antrages
raum von einem oder zwei Jahren durchfüh- müssen jedoch schon frühzeitig, am besten
am Beginn des neuen Schuljahres, in Angriff
genommen werden.
Im Deutschen Bildungsressort wird die EUServicestelle des Bereichs Innovation und
Beratung laufend Information und Unterstützung bieten. Lehrpersonen, Eltern,
Schülerinnen und Schüler können sich individuell beraten lassen. Für interessierte
Schulen werden Informationsveranstaltungen für das Lehrerkollegium oder für Gruppen von Lehrpersonen angeboten.
Ulrike Huber
EU-Servicestelle
Auskünfte und Informationen
zum Bildungsprogramm
Erasmus +
• EU-Servicestelle am Deutschen
Bildungsressort,
[email protected],
Tel. 0471 417639
• www.bildung.suedtirol.it/uber-uns/
eu-service-stelle/erasmus/
• www.erasmusplus.it
Mai/Juni 2015
13
Thema
Grenzenlos lernen: neue Lern- und Lebensräume
Mobile Schule
„Viele Menschen wissen gar nicht, wo ihre Grenzen liegen. Sie haben sie einfach noch nicht gesucht” (Ernst Ferstl).
Ferdinand Patscheider, Inspektor für den sprachlich-expressiven Bereich am Deutschen Schulamt, setzt sich
in diesem Beitrag mit den Herausforderungen und Chancen des grenzenlosen Lernens auseinander.
Die eigentliche Schüler- und Schülerinnenmobilität beginnt zwar systematisch erst an
der Universität – Erasmus ist das Zauberwort –, aber die Südtiroler Schülerinnen und
Schüler suchen die Grenzen schon viel früher, und sie finden sie auch. Dabei geht es
hier nicht nur um die kollektive Mobilität im
Rahmen der Intensivsprachwochen, Klassenpartnerschaften, Projektwochen im Inund Ausland oder um Lehrfahrten in den
Klassen der Oberschule, sondern vielmehr
um individuell gezeichnete Lernwege, die
Mobilität auf eine andere Art und Weise implizieren.
Lernen hat keine zeitlichen Grenzen, im
Zeitalter des Lebenslangen Lernens tangiert
es auch die lehrenden Akteurinnen und Akteure im Bildungswesen. Auch Lehrpersonen und Schulführungskräfte nutzen die
grenzüberschreitenden formalen und nicht
formalen Angebote, um ihr Kompetenzportfolio zu erweitern.
Individuelle Lernbiografien
Die Schule muss sich den gesellschaftlichen
Veränderungen anpassen und individuelle
Lernbiografien zulassen. Der lineare Schulbesuch von der Grundschule bis zur Abschlussprüfung ist mittlerweile doch bei einer großen Anzahl von Schülerinnen und
Schülern nicht mehr gegeben. Während es
bei der kollektiven Mobilität im Rahmen von
Comenius-Projekten mit Schülerbeteiligung
(ab jetzt Erasmus+ Projekte) für die Schulen
noch einfach war und ist, hierbei erworbene
Kompetenzen anzuerkennen, tun sie sich bei
den individuellen Lernwegen schon etwas
schwerer. Die Wiedereingliederung der
14
Mai/Juni 2015
gabe der Institution Schule, solche Lernräume anzubieten. Dies muss allerdings ein
gesamtgesellschaftliches Anliegen sein, in
welchem auch die Akteure aus Politik und
Wirtschaft zusammenarbeiten. Zäune zu
Nachbars Garten sollten eigentlich nicht
nötig sein, auch keine sprachlichen, wenn
die „Tücken der Nähe“ (Siegfried Baur)
nicht zum Tragen kommen sollen.
Eine beträchtliche Zahl von Schülerinnen
und Schülern nutzt die Möglichkeit, das vierte Schuljahr im Rahmen eines Zweitsprachjahres an der jeweils anderssprachigen
Schule in Südtirol zu absolvieren. Eine nicht
unerhebliche Anzahl absolviert zudem dieses Zweitsprachjahr an verschiedenen
Schulen über das gesamte Staatsgebiet verstreut. Diese Initiative gilt es weiterhin zu
Sprachübergreifend Lernen
unterstützten und auszubauen.
Im Kontext der Schule in Südtirol spielt die Seit dem Sommer 2014 ermöglicht der Beschluss der Landesregierung vom 8. Juli
imaginäre Grenze zwischen den Sprachgruppen und zwischen den Landesspra2013, Nr. 1034, eine ganze Reihe schulischer
chen Deutsch und Italienisch eine besonAktivitäten, um die Grenzen zwischen den
dere Rolle. Manchmal genügt es, gemeinbeiden Landessprachen abzubauen, ohne
same Lern- und Lebensräume zu schaffen. dabei den Artikel 19 des Autonomiestatus in
Automatismen des gemeinsamen, grenzen- Frage zu stellen. Der Schutz und die Pflege
losen Lernens stellen sich dabei aber nicht der Muttersprache bleibt unangetastetes
ein. Die dreisprachige Freie Universität
Prinzip der deutschsprachigen Schule in
Bozen versucht, einen solchen LebensSüdtirol. Der Beschluss ermöglicht unter
raum zu schaffen. Muss es da nicht auch
anderem den Einsatz der CLIL-Methodik
schon einen entsprechenden Unterbau
(Content and Language Integrated Learning),
dazu geben?
bei welcher es um das Lernen von SachinDie Kolipsi-Studie der Europäischen Akade- halten in italienischer oder englischer Spramie aus dem Jahr 2009 hat deutlich geche geht. CLIL ist sicherlich kein Allheilmitmacht, dass es zum Erlernen der Zweiten
tel, kann aber bei professioneller Umsetzung neue Wege des Lernens aufzeigen und
Landessprache den Kontakt zwischen den
die Grenzen zwischen Sach- und SprachverSprecherinnen und Sprechern der beiden
mittlung aufbrechen.
Landessprachen braucht. Es ist auch Auf-
Schülerinnen und Schüler nach einem Auslandsjahr, in den allermeisten Fällen geht es
dabei um das vierte Schuljahr, ist ein gutes
Beispiel dafür. Schülerinnen und Schüler,
die ein Schuljahr in Australien, China, Irland,
Frankreich, den USA, Russland oder sonstwo verbringen, erwerben Kompetenzen, die
unserem Schulkanon oft nicht entsprechen.
Mit dem Beschluss der Landesregierung
vom 3. Juni 2014, Nr. 658, wird dem Rechnung getragen. Die Schülerinnen und Schüler müssen nur mehr jene Kompetenzbereiche nachholen, die absolut unerlässlich für
das Weiterkommen in der Abschlussklasse
sind. Dem war leider nicht immer so. Im Fokus muss das im Ausland Gelernte stehen,
nicht das Nichtgelernte.
Internationale Begegnungen
Sprache spielt im Rahmen des grenzüberschreitenden Lernens eine wichtige Rolle.
Sprache ist aber im Grunde auch nur ein
Mittel zum Zweck. Es braucht sie, um von internationalen Begegnungen profitieren zu
können. Die oben erwähnte Schiene der
Schülerinnen- und Schülermobilität über
das Erasmus+ Programm ist eine Möglichkeit, aber nicht die einzige.
Ohne physische Grenzen zu überschreiten
besteht über die von der EU-Kommission
geförderte etwinning-Plattform die Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, gemeinsam an den verschiedensten Themen zu arbeiten und sich darüber auszutauschen, teilweise synchron über die neuen Medien,
teilweise aber auch asynchron. Die auf der
Plattform angebotenen Projektvorschläge
sind mannigfaltig und bieten gemeinsame
Lernmöglichkeiten für alle Jahrgangsstufen.
Auch außerhalb des Cyberspace treffen sich
Jugendliche aus ganz Europa, um gemeinsam an den verschiedensten Themen zu arbeiten und sich darüber auszutauschen. Ein
Beispiel ist das Projekt „Schulbrücke Europa“. Jugendliche aus ganz Europa treffen
sich seit 2006 jährlich an abwechselnden Orten in Deutschland und arbeiten gemeinsam
an verschiedenen politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder literarischen
Themen. Südtiroler Schülerinnen und Schüler sind seit vielen Jahren mit dabei.
Wettbewerbe fordern heraus
Zum Lernen gehört auch, sich mit anderen
zu messen. Das geschieht innerhalb der
Klassen- und Schulgemeinschaft, aber auch
über die Grenzen der Schule sowie über die
Landesgrenzen hinaus. Jedes Jahr fahren
Schülerinnen und Schüler zu den verschiedensten Wettbewerben Richtung Süden oder
aber auch ins Ausland und messen sich mit
anderen europäischen Gleichaltrigen, in
Ausnahmefällen wie bei der Chemieolympiade manchmal auch gar über die europäischen Grenzen hinaus. Für die Teilnehmenden sind diese Erfahrungen des internationalen Austausches und Vergleichs immer
ein Gewinn. Die Südtiroler Schülerinnen und
Schüler behaupten sich im internationalen
Kontext wahrlich gut. Die Ergebnisse bei den
Fremdsprachenwettbewerben, der Philosophieolympiade, dem Redewettbewerb, beim
Wettbewerb Politische Bildung oder der
Chemieolympiade, um nur einige zu erwähnen, sprechen für sich.
und reflektieren die Unterrichtserfahrungen gemeinsam. Der Mehrwert liegt bei
dieser Erfahrung auf beiden Seiten, sowohl
beim Beobachter und der Beobachterin als
auch bei den Beobachteten. Das Programm
bietet weitere Möglichkeiten des Austausches für Lehrpersonen und auch für
Schulführungskräfte.
Grenzen zwischen Schule
und Umfeld
Der Erziehungswissenschaftler Hartmut von
Hentig plädiert in seinem Buch „Die Schule
neu denken“ unter anderem dafür, das Leben in all seinen Facetten in der Schule zuzulassen, mit Unterschieden zu leben, den
ganzen Menschen ins Blickfeld zu nehmen
und Grenzen abzubauen sowie eine Brücke
Lebenslanges Lernen
zwischen der „kleinen und der großen Welt“
Das neue Erasmus+ Programm bietet auch
zu bauen. Die Schule muss den Lebensraum
den Lehrpersonen Grenzüberschreitungen – unserer Kinder und Jugendlichen berücksichtigen, dabei aber trotzdem ein geschützreal und imaginär. Im Rahmen verschiedenster Mobilitätsprojekte können sich
ter Raum bleiben.
Lehrpersonen mit ausländischen KolleginDer Philosoph Peter Sloterdijk kommt in
nen und Kollegen über die vielfältigsten The- seinem Aufsatz „Lernen ist Vorfreude auf
men austauschen und vor Ort daran arbeisich selbst“ zu einem ähnlichen Schluss.
ten. Ein sicherlich gewinnbringender Aspekt Wie bereits im Editorial angeführt, vertritt
dabei ist, dass es sich nicht mehr um indivi- er die These, dass Lernen keiner Kostenduelle Mobilitätsprojekte handelt, und dass
Nutzen-Rechnung bedarf – und dass die
der Austausch an ein längerfristiges schuli- Muße im Vordergrund stehen muss. Seine
sches Konzept gebunden ist, auch um einen Grenzziehung zwischen der Schule und
bestimmten Grad an Nachhaltigkeit zu gedem Umfeld ist eindeutig: „Wir müssen die
währleisten.
Schultüren vor Wirtschaft, Mode und sonsDas Programm bietet auch auf individueller tigen Nervensägen schließen und wieder
einen Lebensraum aufbauen, in dem (...)
Ebene so manche Möglichkeiten, wie etwa
das Job-Shadowing Programm. Lehrperso- die Rettung der kognitiven Libido das Kernnen aus verschiedenen Ländern schauen
projekt der Schule wird.“
sich dabei für eine bestimmte Zeit über die
Schultern, erlauben eine „Deprivatisierung“ Ferdinand Patscheider
des eignen Unterrichts (Hans-Günter Rolff) Inspektor für den sprachlich-expressiven Bereich
Mai/Juni 2015
15
Thema
Das Beispiel der Europaregion Tirol
Grenzen überschreiten
Die Europaregion Tirol setzt sich seit ihrer Gründung zum Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und den Austausch
zwischen den einzelnen Regionen spürbarer und erlebbarer zu gestalten. Dies gilt ganz besonders für die Bereiche Jugend
und Bildung. Ein Beitrag von Matthias Fink, Generalsekretär des EVTZ*.
14. Juni 2011: Der Wettergott hat es gut gemeint mit der Europaregion, als die drei
Landeshauptleute Günther Platter (Tirol),
Luis Durnwalder (Südtirol) und Lorenzo Dellai (Trentino) auf Castel Thun im Trentiner
Nonstal die Gründungsverträge zum gemeinsamen Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) unterzeichnet haben. Bei strahlendem Sonnenschein
wurde der erste EVTZ mit österreichischer
und der zweite mit italienischer Beteiligung
besiegelt, der mit der Eintragung im Register des italienischen Ministerratspräsidiums
am 13. September 2011 als europaweit 21.
EVTZ seine Rechtspersönlichkeit erwarb.
Nach rund zwanzig Jahren hat damit das politische Projekt „Europaregion Tirol – Südtirol –Trentino“ dank eines neuen europäischen Rechtsinstruments die notwendige juristische Basis erlangt. Diese hebt die
praktische Kooperation auch inhaltlich auf
eine neue Stufe. Die ersten Jahre haben gezeigt, dass die Länder der Europaregion den
EVTZ nutzen wollen, um ihre grenzübergreifenden Projekte qualitativ und quantitativ
auszubauen. Dies gilt vor allem für den Bereich Jugend und Bildung.
ten kennen deutlich mehr als zwei Drittel
der Südtirolerinnen und Südtiroler die Europaregion Tirol – Südtirol –Trentino. Bei den
unter 25-Jährigen sind es mit 41,5 Prozent
signifikant weniger. Damit liegt die Europaregion in Südtirol beim Bekanntheitsgrad
deutlich höher als im Bundesland Tirol mit
52,3 Prozent der Gesamtbevölkerung und
knapp 23 Prozent bei den unter 25-Jährigen.
Von den Befragten sind allerdings länderübergreifend 88 Prozent überzeugt, dass die
Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern
verstärkt werden soll. Kooperation wird vor
allem in den Bereichen gefordert, die den eigenen Lebensbereich betreffen: Verkehr,
Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung. Die Zustimmung der Bevölkerung ist vorhanden,
die Kenntnis ist deutlich ausbaubar, spürbare Fortschritte werden erwartet. In diesem
Spannungsbogen bewegt sich die Arbeit der
Europaregion Tirol – Südtirol –Trentino.
Europaregion im Alltag der
Bevölkerung spürbar machen
Angesichts dieser Ausgangslage verwundert
es nicht, dass der Tiroler Landeshauptmann
Günther Platter am 13. Oktober 2013 die Präsidentschaft in der Europaregion Tirol – SüdZusammenarbeit zwischen
tirol –Trentino mit der Zielsetzung übernomden drei Ländern verstärken
men hat, die Europaregion für die BevölkeDie Europaregion Tirol – Südtirol –- Trentino rung spürbarer zu machen. Dies gilt ganz
ist ohne Zweifel ein politisches Projekt.
besonders im Bereich der Jugend und der
Umso wichtiger ist es, die Bevölkerung dabei Bildung. Jahr für Jahr werden neue Angebote
nicht aus dem Auge zu verlieren. Die jüngsentwickelt, werden neue Zielgruppen angeten Ergebnisse der Universität Innsbruck
sprochen: das Euregio Summer Camp und
(Pallaver, Günther, Traweger, Christian,
das Euregio Sport Camp für 11- bis 14-Jähri2014: Kommunikation, Kooperation, Integra- ge, das Euregio-Jugendfestival für 15- bis19tion in der Europaregion Tirol – Südtirol –
Jährige, die Euregio-Aktionswoche Tiroler
Trentino: Die Meinung der Bevölkerung.
Schulen für 14- bis 19-Jährige sowie die Euregio-Akademie für 18- bis 35-Jährige. Das
Innsbruck: Studia Universitätsverlag) zur
Meinung der Bevölkerung ergeben ein zwie- verbindende Element ist stets das Anliegen,
spältiges Bild: Mit 71,9 Prozent der Befrageinen Begegnungsraum zu bilden; einen Rah16
Mai/Juni 2015
men, der zum Austausch anregt, das Voneinander-Lernen fördert und zur Bildung neuer
Kontakte und Freundschaften führt.
Einen altersgerechten Begegnungsraums zu
schaffen, ist eine Herausforderung. Dies gilt
vor allem für das gemeinsame Büro der Europaregion, das im Jahr 2009 als Koordinierungsstelle für gemeinsame Projekte der
drei Länder Tirol, Südtirol und Trentino eingerichtet wurde. Wie bei allen anderen Projekten auch, von erneuerbaren Energien bis
hin zum Gesamttiroler Museumstag, arbeitet
das Euregio-Büro stets im Verbund mit den
Fachabteilungen der drei Länder. Die Projekte werden im Rahmen von Euregio-Arbeitsgruppen gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und evaluiert. Dadurch ist bei Jugendund Schulprojekten die altersgerechte
didaktische Ausrichtung gewährleistet.
Das Euregio-Jugendfestival
Bereits im ersten Arbeitsjahr des gemeinsamen Europäischen Verbunds für territoriale
Zusammenarbeit wurde das Euregio-Jugendfestival verankert. Dieses ging aus der Initiative eines Trentiner Schülervertreters hervor
und wurde von den drei Landeshauptleuten
aufgegriffen. Das Euregio-Jugendfestival
richtet sich nicht an Klassenverbände, sondern an einzelne Schülerinnen und Schüler,
insbesondere an Schülervertreterinnen und
Schülervertreter. Um die Europaregion in ihrer Vielfalt erfahrbar zu machen, findet das
Euregio-Jugendfestival stets an drei Orten
der Europaregion statt. Innsbruck-Bozen-Trient, Rovereto-Brixen-Hall, Lienz-BruneckTrient und Riva-Meran-Stams waren die bisherigen Stationen, wo die Schülerinnen und
Schüler gleichermaßen thematische Impulse
erhalten, in Kleingruppen arbeiten, ein spannendes Kulturprogramm erfahren und neue
Freundschaften knüpfen.
Gemeinsames Gruppenfoto vor der eindrucksvollen Kulisse des Reschensees
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal des Euregio-Jugendfestivals, das mit den Schulämtern der drei Länder gemeinsam veranstaltet wird, ist die ständige Qualitätsverbesserung. Die von den Teilnehmerinnen und
Teilnehmern ausgefüllten Evaluierungsbögen werden ausgewertet und gemeinsam
analysiert, Verbesserungsvorschläge werden konsequent eingearbeitet. Seit Anbeginn
des Projekts übernehmen Jugendliche Verantwortung für die Moderation der Kleingruppen, seit zwei Jahren werden die Themenvorschläge für das nächste Euregio-Jugendfestival im Rahmen einer
Online-Umfrage unter den bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhoben und
seit heuer sind es auch die Jugendlichen, die
den Eröffnungs- und Abschlussabend inhaltlich gestalten sowie das Online-Tagebuch
verfassen. Fachvorträge wurden sukzessive
durch Gruppenarbeiten ersetzt. Im Februar
2014 wurde das Euregio-Jugendfestival in
Brüssel mit dem zweiten Platz beim erstmals vergebenen EVTZ-Preis der Europäischen Union „Building Europa Across Boarders“ ausgezeichnet.
Die Jugend- und Bildungsprojekte der Europaregion liefern wertvolle Erkenntnisse, die
gemeinsam mit den zuständigen Fachabteilungen der Landesverwaltungen vertieft und
ausgewertet werden. Gerne werden die Erfahrungen allen Schulen und Trägern der Zivilgesellschaft zur Verfügung gestellt, die
selbst Projekte zur Europaregion Tirol –
Südtirol –Trentino umsetzen möchten.
* Matthias Fink ist der Vertreter des Landes Tirol im
gemeinsamen Büro der Europaregion in Bozen und damit
von Oktober 2013 bis Oktober 2015 auch Generalsekretär
des EVTZ „Europaregion Tirol – Südtirol –Trentino“. Der
Beitrag gibt die persönliche Auffassung des Autors wieder, die nicht mit der Position des Landes Tirol, des EVTZ
Hintergrundinformationen,
Videos und Onlinetagebücher
• Euregio-Jugendfestival:
www.europaregion.info/festival
• Euregio-Akademie:
www.europaregion.info/academy
• Euregio-Summer-Camp:
www.europaregion.info/summercamp
• Euregio-Sport-Camp:
www.europaregion.info/sportcamp
• Euregio-Aktionswoche Tiroler Schulen:
www.europaregion.info/edu
• Euregio-Zug nach Galizien (100 Jahre
Erster Weltkrieg):
www.europaregion.info/galizien
• Kontakt: EVTZ Europaregion Tirol –
Südtirol –Trentino, Drususallee 1,
39100 Bozen, Tel. 0471 402026,
www.europaregion.info
„Tirol – Südtirol –Trentino“ oder der Autonomen Provinzen
Bozen – Südtirol und Trient übereinstimmen muss.
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Lernwelten
Offen für die Welt
18
Mai/Juni 2015
Kindergarten Bolde in Nepal:
Händewaschen und Zähneputzen gehören nun zum Tagesablauf.
Kindergartenbesuch in Nepal
Ich war in Bolde
„Kinder im Vinschgau bauen einen Kindergarten auf dem Dach der Welt“ – unter diesem Motto sammelten Kinder der
Kindergärten bei der Weihnachtsaktion 2012 Spenden. Helga und Helmut Spiess aus Taufers im Münstertal organisierten
den Bau eines Kindergartengebäudes und die Einstellung einer Kindergärtnerin im Bergdorf Bolde in Nepal.
Brigitte Alber* machte sich vor ein paar Monaten ein Bild davon.
Bolde zählt zehntausend Einwohner und liegt
auf tausend Meter Meereshöhe. Die schmale
Straße von der Hauptstadt Kathmandu hierher ist holprig und hat einige ausgesetzte
Stellen. An den steilen Berghängen kleben
verstreute Häuser mit kleinen Gemüsefeldern. Die Familien leben einfach und bescheiden – in Häusern mit Fenstern ohne Glas. Die
Frauen kochen auf dem offenen Feuer Reis,
Linsen und Gemüse. Zum Schlafen rollen die
Menschen die Reismatten auf dem Boden
auseinander. Ich sehe keinen Ball, keine Puppe, kein Buch ... Wenn die Väter als Trekkingbegleiter längere Zeit abwesend sind und die
Mütter der Arbeit im Haus und auf dem Feld
nachkommen, streunen die Kinder auf sich
allein gestellt herum.
Ein sicherer Ort
Die Menschen in Bolde sind stolz auf ihren
neuen Kindergarten: ein Raum mit einem
Tisch und vierzehn Stühlchen, eine Küche,
ein Nebenraum, ein betonierter Platz vor
dem Haus und ein rotes Toilettenhäuschen.
Eine Kindergärtnerin hat den Auftrag, die
dreizehn Kinder zu beaufsichtigen und beim
Lernen zu begleiten. Die Kinder sitzen am
Tisch und warten darauf, dass ihnen die Kindergärtnerin vorspricht. Geduldig wiederholen sie alles unzählige Male. In seltenen Momenten dürfen die Kinder von der Rutschbahn herunterrutschen. Ich bin verunsichert
und kann die Situation erst nach einigen Tagen erfassen. Als ich die mitgebrachten
Puzzles auf den Tisch lege, sehen mich große Kinderaugen an. Sie haben noch nie ein
Puzzle gesehen, auch die Kindergärtnerin
nicht. Ich mache einfache Fingerspiele, singe Lieder in Englisch, führe Materialien ein:
Puzzle, Memory, rosa Turm ... Nach einigen
Tagen erkläre ich der Kindergärtnerin, dass
die Kinder selbst aktiv sein müssen, rege
eine freie Spielzeit an und zeige das Händewaschen nach Maria Montessori. Einmal
kommt der Arzt von der Krankenstation mit.
Er untersucht die Kinder und erklärt ihnen
mit mir zusammen das Zähneputzen.
Mit strahlendem Lachen
Im November 2014 reise ich zum zweiten
Mal nach Bolde. Ich freue mich, die Kinder
in dem netten Gebäude und die Kindergärtnerin wiederzusehen. Ich lebe wieder einige
Tage den Kindergartenalltag mit und beobachte, dass die Kinder nun einige Materialien selbstständig nutzen. Sie spielen Puzzle
und stellen Memorykarten zusammen.
Ich habe Perlenmaterial mitgebracht.
Es ist eine Freude zu sehen, wie die Kinder
eine Kette nach der anderen einfädeln. Ich
habe auch Bilderbücher mitgebracht. Eines
stelle ich den Kindern vor. Dann blättern
diese selbstständig darin und schauen sich
die Bilder an.
Ich putze mit den Kindern die Zähne. Jedes
Kind erhält eine Zahnbürste und eine Zahnpaste. Als ich am Nachmittag an einer Hausreihe vorbeikomme, rennt mir ein Kind aus
dem Kindergarten entgegen. Das Mädchen
verschwindet im Haus und eilt freudestrahlend mit dem Zahnputzset in der Hand heraus. Händewaschen und Zähneputzen gehören nun auch in Bolde zum Tagesablauf. Zu
Mittag gibt es ein warmes Mittagessen, das
die Kindergärtnerin zubereitet.
Als es wiederum Zeit wird, Abschied zu nehmen, bin ich tief berührt von den Menschen
und ihrem Leben und vom strahlenden Lachen der Kinder: Wie selbstständig sie durch
die Landschaft streichen und sich über jeden
Kontakt freuen, wie aufnahmefähig und
wissbegierig sie sind. Am letzten Tag verab-
Shika und Baggya testen das Stethoskop aus
dem Arztkoffer.
schiedet mich die Kindergärtnerin Danmaya,
legt mir ein Tuch um den Hals und gibt mir
damit Glück und Segen für die Reise mit. Ich
bin froh darüber, denn die Rückfahrt mit
dem rostigen, engen und überfüllten Bus auf
der holprigen, einspurigen Straße wird mehr
als abenteuerlich.
* Brigitte Alber ist Kindergärtnerin
in Taufers im Münstertal.
Erdbeben in Nepal – Nachtrag
Das Erdbeben von Ende April hat auch in
Bolde Schäden angerichtet. Etliche Häuser
sind eingestürzt, das Kindergartengebäude
steht noch. Es gibt glücklicherweise keine
Menschenleben zu beklagen, die Lage ist
dennoch desolat. Wie viele Menschen in
Südtirol hoffe ich, dass sich die Lage bald
stabilisiert und Normalität einkehrt.
Brigitte Alber
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19
Lernwelten
Schul- und stufenübergreifender Chemieunterricht
Monsterschleim
und Kanonenpulver
„Die Zauberfabrik“ ist ein Unterrichtsprojekt im chemischen Laborunterricht, bei welchem
Oberschülerinnen und Oberschüler gemeinsam mit Grundschülerkindern Experimente durchführen.
„Wir haben eine Monsteressenz erschaffen
– und das geht einfach! Wir brauchen Wasser, flüssige Lebensmittelfarbe, Borax
(aus der Apotheke) und Guarkernmehl
(im Bioladen). Ihr müsst alles zusammenmischen und kräftig rühren. Ihr könnt den
Schleim in die Hände nehmen – er hinter-
Im Chemielabor der FOS Meran: Kartoffeln
bringen kleine Lämpchen zum Leuchten.
lässt keinen Dreck. Ihr braucht auch keine
Angst zu haben!“ Das sagen Sophie und
Salome aus der Grundschulklasse 3C der
Zollschule Lana.
Solche und ähnliche Aussagen machten
Grundschülerinnen und -schüler, nachdem
sie mit den Schülerinnen und Schülern der
4BT1 der Fachoberschule für Tourismus und
Biotechnologie mit Landesschwerpunkt Ernährung (FOS) Meran einen Tag lang verschiedene Experimente in der „Zauberfabrik“ durchgeführt hatten.
20
Mai/Juni 2015
Kartoffeln leuchten und
Deckel knallen
Dafür wurden verschiedene chemische Versuche von den Oberschülerinnen und -schülern ausgearbeitet und in einem Experimentierheft gesammelt. Sie recherchierten,
überlegten und skizzierten. Anschließend
wurden die Ideen ausprobiert und so aufgearbeitet, dass die Grundschülerinnen und
-schüler den naturwissenschaftlichen Hintergrund erkennen und verstehen konnten.
Das Resultat ist eine tolle Broschüre mit
insgesamt 23 Versuchen, die einfach und mit
Materialien, die in jedem Haushalt zu finden
sind, durchgeführt werden können.
Mit weißen Labormänteln empfingen die
Oberschülerinnen und Oberschüler ihre
Schützlinge im Chemielabor der FOS Meran
und führten gemeinsam mit ihnen Versuche
durch: Sie brachten ein kleines Lämpchen
nur mit Kartoffeln zum Leuchten, stellten einen Monsterschleim her, ließen Deckel knallen und staunten über die Wunderwindel.
Jedes Kind erhielt ein Experimentierheft. In
Form von Lückentexten und offenen Fragen
und Skizzen zum Ausmalen konnten die
„Kleinen“ dann ihre Beobachtungen festhalten. Dabei standen ihnen die „Großen“ mit
Rat und Tat zur Seite und halfen ihnen dabei,
die naturwissenschaftlichen Hintergründe
zu verstehen.
Die Rückmeldungen aller haben bestätigt,
dass das Projekt eine wertvolle Arbeit für
beide Seiten war. Stefan und Alexandra von
der 4BT1 sind sich einig: „Es war toll zu sehen, dass die Kinder so begeistert waren!
Sie wollten alles ganz genau wissen! Anfangs war es schwer, etwas zu erklären,
doch mit jedem neuen Schüler ging es immer leichter und besser! Das Projekt hat
sehr viel Spaß gemacht!“
Lernen durch Lehren
Der Chemielehrer Stefan Pilser bediente sich
der didaktischen Methode „Lernen durch
Lehren“ (LdL), welche in ähnlicher Weise von
Jean-Pol Martin Mitte der 1980er-Jahre für
den Fremdsprachenunterricht entwickelt
wurde. Dabei lernen die Oberschülerinnen
und -schüler durch das intensive Erarbeiten
und Erklären, die chemischen Hintergründe
der Versuche besser zu verstehen und können ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und
Kenntnisse vertiefen und festigen. Bei den
Grundschülerinnen und -schülern sollten die
Motivation und das Interesse am naturwissenschaftlichen Experimentieren geweckt
werden. Deshalb wurden die Versuche anschaulich und spannend erklärt. Der Spaß
kam dabei für beide Seiten nicht zu kurz.
Margarethe Baur
Ehemalige Lehrerin am Grundschulsprengel Lana
Informationen zum Projekt
Die Broschüre „Die Zauberfabrik“ ist auf
der Homepage der FOS Meran veröffentlicht,
wird ständig überarbeitet und kann als
PDF-Version unter www.fos-me.it
heruntergeladen werden. Das Projekt
wurde und wird mit interessierten
Grundschulen fortgesetzt. Weitere
Informationen erteilt der Koordinator
des Projektes, Stefan Pilser, FOS Meran.
Ein Auslandsemester in Costa Rica
„Und ich bin gestartet!“
Im August 2014 trat Sabine Tamanini, Schülerin am Realgymnasium Bozen, ein Auslandssemester an, das sie nach Costa Rica
führte. Welche Gefühle sie dabei begleiteten und was sie erlebte, darüber berichtet sie hier.
Als sechszehnjährige „Wisslyzerin“ bin ich
für ein Semester nach Costa Rica gestartet.
Vor dem Start herrschte absolutes Gefühlschaos: Auf der einen Seite die Angst vor dem
Unbekannten, davor, so lange von Freunden
und Familie getrennt zu sein, in einem fremden Land alleine zu bleiben. Auf der anderen
Seite die Wanderlust, die Neugierde und die
Entdeckerfreude, die in mir aufblühten.
Konversation auf Englisch
und Spanisch
Angekommen gab es Probleme mit der Einschreibung in meine neue Schule. Ich musste eineinhalb Wochen auf meinen ersten
Schultag warten. Schlussendlich kam ich in
das Colegio „Manuel Benavides Rodriguez“,
eine öffentliche Schule. Die Schulausbildung
in Costa Rica ist in drei Stufen unterteilt: Begonnen wird mit einem Jahr Kindergarten;
es folgen sechs Jahre Grund- und fünf Jahre
Oberschule. Costa Rica verfügt über kein
Militär, weshalb mehr Gelder in die Bildung
investiert werden als in den meisten anderen Ländern Zentralamerikas. Trotzdem gibt
es eine deutlich merkbare Kluft zwischen
öffentlichen und privaten Oberschulen. Private Schulen sind meist zweisprachig, weshalb die Schülerinnen und Schüler ausgezeichnetes Englisch sprechen. Das Englisch
an öffentliche Schulen ist hingegen spärlich.
Fast von Beginn an habe ich Spanisch verstanden und bin irgendwie verstanden worden. Nach einem Monat waren bereits einfache Konversationen möglich. Und darauf
folgten erste Freundschaften. Eine besonders enge Freundschaft ist mit meiner späteren Gastschwester entstanden. Als nach
einem Monat Probleme in meiner ersten
Gastfamilie auftauchten, hatte sie nicht nur
ein offenes Ohr, sondern auch eine offene
Tür für mich. Nachdem die bürokratischen
Angelegenheiten geklärt waren, zog ich in
ihre liebevolle Familie mit zwei Schwestern
und deren Großmutter. Meine „ältere
Angst vor dem Unbekannten, Wanderlust, Neugierde und Entdeckerfreude ...
Schwester“ besuchte die Abschlussklasse
und bereitete sich für ihre „Bachilerato“-Arbeit vor, die unserer „Matura“ entspricht.
Meine „jüngere Schwester“ und ich besuchten beide die vierte Stufe. Wir haben unzählige Abende zusammen auf die Prüfungswochen gelernt. Das Schuljahr ist in Trimester
unterteilt und pro Trimester werden zwei
Mal je eine Woche lang Prüfungen abgehalten. Dabei schreiben die Klassen derselben
Schulstufe zu exakt derselben Zeit die exakt
selbe Prüfung. Zu erreichen sind mögliche
100 Punkte, wobei die Prüfung mit 70 Punkten als bestanden gilt. Gibt es keine positive
Endbewertung, werden wie bei uns Nachprüfungen abgehalten.
Frühstücken mit Affen
und Zöpfchenflechten
Mit den letzten Novembertagen ging auch
das Schuljahr zu Ende und die Sommerferien begannen! Das hieß für mich: Sehen, was
das Land zu bieten hat. Kreuz und quer
durch das kleine Flecklein Erde brachten
mich die vielen Busse: Von der Karibikküste
über sämtliche Nationalparks bis zum Pazifik und sogar ins Ausland, nach Nicaragua,
hat es mich verschlagen. Vom Frühstück mit
Affen im Urwald über Zöpfchenflechten am
karibischen Strand bis zum Mondscheinspaziergang am Pazifik war alles dabei. Nicht
nur die vielen unglaublichen Orte, die ich besucht habe, sondern auch die stundenlangen
Busfahrten haben meine Erfahrung geprägt.
Eine Schüleraustausch-Erfahrung ist vor allem eines: Sie ist sehr intensiv. Und zwar die
ganze Zeit über. Kein Tag gleicht dem anderen, denn jeden Tag entdeckt und lernt man
Neues. Nicht in der und für die Schule, sondern im und für das Leben.
Ich habe gelernt, mit den komischsten und
unangenehmsten Situationen umzugehen.
Von der Kultur nehme ich viel mit, nicht nur
die Sprache, sondern auch den Lebensstil.
Der alltägliche Gruß „Pura Vida“ sagt bereits
alles aus. Die Einwohner Costa Ricas, „Ticos“ und „Ticas“, wie sie sich selbst nennen,
leben ihren eigenen Rhythmus. Die Zeit verläuft dort langsamer und alles wirkt so unbeschwert. Ein wenig von dieser einzigartigen Lebenseinstellung hoffe ich für immer
beibehalten zu können. In diesem Sinne:
„Pura Vida!“
Sabine Tamanini
Schülerin am Realgymnasium Bozen
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21
Lernwelten
Ein Auslandsjahr in Kanada
Den Schritt wagen
Hannah Peer besucht in diesem Schuljahr den „grade 11“ der High School Barrie in Kanada. Ihre Begeisterung für das
Hockeyspiel lässt sie für ein Jahr kanadische High-School-Atmosphäre schnuppern. Ein Erfahrungsbericht aus Kanada.
mester besuche ich jetzt AnthropologiePsychologie-Soziologie, Menschliche Dynamiken, Mathematik und Geschichte. Zu
Beginn hatte ich einige Schwierigkeiten mit
der englischen Unterrichtssprache. Ich
konnte mich jedoch schnell daran gewöhnen und dank Lehrpersonen und Mitschülerinnen und Mitschülern die Sprachbarrieren überwinden.
Ein Schultag in Kanada
Mein Tagesablauf in Kanada sieht
folgendermaßen aus:
Hockeyspielerin Hannah Peer spielt in der Saison 2014/2015 im kanadischen Barrie.
Mein Name ist Hannah Peer, ich bin 16 Jahre
alt und komme aus Sand in Taufers. Seit
meinem zwölften Lebensjahr spiele ich Eishockey. Im April 2014 wurde ich in das U18Nationalteam einberufen und habe bei der
Weltmeisterschaft in Polen mitgespielt. Dort
sprach mich ein russischer Trainer an, der in
Kanada eine Eishockeyschule betreibt. Er
wollte, dass ich die Saison 2014/2015 für
sein Team spiele.
Das bedeutete für mich natürlich, auch die
Oberschule in Kanada zu besuchen. Bis zu
diesem Zeitpunkt besuchte ich das Oberschulzentrum Sand in Taufers. Nach vielen
Gesprächen mit meinen Eltern, Lehrpersonen und der Schulführung stand mein Entschluss fest: Ich wollte das Schuljahr
2014/2015 in Kanada absolvieren.
22
Mai/Juni 2015
Kolleginnen aus der ganzen Welt
Nach Erledigung der Einreiseformalitäten
und der Einschreibung an der High School
brach ich Ende August nach Kanada auf.
Dort wohne ich seitdem mit meinen Mannschaftskolleginnen aus der ganzen Welt im
zur Schule gehörenden Heim. Die Schule
und das Heim befinden sich außerhalb der
Stadt Barrie, 45 Autominuten nördlich von
Toronto. Ich absolviere „grade 11“, der dem
dritten Oberschuljahr in Italien entspricht.
Das Schulsystem in Kanada unterscheidet
sich sehr von unserem. Ich musste zu Beginn des Schuljahres verschiedene Kurse
wählen, die ich im Laufe des Schuljahres
besuche. Im ersten Semester besuchte ich
vier Kurse: Biologie, Englisch, Gesundheitswesen und Eishockey. Im zweiten Se-
7 Uhr: Aufstehen
7.15–8.15 Uhr: Trockentraining
8.30–8.55 Uhr: Frühstück
9–11.45 Uhr: Schule (zwei Kurse)
11.45–12.45 Uhr: Mittagspause
12.45–15.25 Uhr: Schule (zwei Kurse)
16–17.20 Uhr: Eistraining
18–18.30 Uhr: Abendessen
18.30–23 Uhr: Hausaufgaben und Freizeit
23 Uhr: Bettruhe
An den Wochenenden und manchmal auch
an Schultagen bestreiten wir Turniere und
Spiele in Kanada und den Vereinigten Staaten. So kann ich auch viel von Land und Leuten kennenlernen. Natürlich gibt es auch
spielfreie Wochenenden, an denen wir Ausflüge machen oder in der Schule Versäumtes
nachholen.
Auch wenn so ein Jahr nicht immer leicht ist,
würde ich es jedem empfehlen, diesen
Schritt zu wagen. Von den Erlebnissen,
Erfahrungen und Freundschaften kann ich
sicher ein Leben lang profitieren.
Hannah Peer
Oberschulzentrum Sand in Taufers,
zurzeit High School Barrie, Kanada
Schulpartnerschaftsprojekt Erasmus+
Unsere Chancen in Europa
Die Technologische Fachoberschule (TFO) Bruneck hat eine langjährige Tradition bei internationalen Kooperationen.
Mit dem Schuljahr 2014/2015 ist sie in ein neues europäisches Schulpartnerschaftsprojekt gestartet.
Partnerschulen für das neue Projekt sind
die Malvik videregående skole (MVGS) in
Malvik in Norwegen, die auch die Projektkoordination innehat, die Vaiguvos Vlado
Šimkaus vidurinė mokykla in Kelme in Litauen, die Realschule am Goldberg (RSG) in
Sindelfingen in Deutschland sowie die Moraitis School in Athen.
Das Projekt dauert insgesamt drei Schuljahre (2014/2015–2016/2017). Koordinator der
Arbeitsgruppe an der TFO Bruneck ist Nikolaus Spitaler. Als inhaltlicher Schwerpunkt
wurde der Vergleich der Ausbildungs- und
Beschäftigungsmöglichkeiten in den Partnerländern vereinbart. Vorgesehen sind folgende Aktivitäten: Projekttreffen mit Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern,
Besichtigung von Betrieben, Ausbildungsund Forschungseinrichtungen, gemeinsame
Erarbeitung einer zweisprachigen Projektbroschüre „Bewerbungsleitfaden“ sowie
Hospitationen in den Partnerschulen. Zielgruppe für die Projektarbeiten sind Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 17
Jahren. Das Projekt ist prinzipiell zweisprachig angelegt, das heißt, die Kommunikation
bei den verschiedenen Projektaktivitäten
und Projekttreffen erfolgt in Deutsch und
Englisch. Auch alle schriftlichen Dokumente
werden zweisprachig verfasst. Für die
Durchführung der Projektaktivitäten stehen
eigene Geldmittel der Europäischen Union
zur Verfügung.
Betriebsbesichtigung bei der GKN Driveline in Bruneck
tionen in den verschiedenen Klassen.
Zur Moraitis School gehört neben der
Grundschule und dem Gymnasium auch ein
Kindergarten. Einen besonderen Schwerpunkt im Unterrichtsprogramm bilden die
Fremdsprachen, etwa Englisch oder
Deutsch. Im Jänner 2014 wurde an dieser
Schule das neue ÖSD-Prüfungszentrum
(ÖSD = Österreichisches Sprachdiplom) für
Athen und Griechenland eingerichtet. Die
Deutschlehrenden haben sich als ÖSD-Prüferinnen ausbilden lassen, sodass die Schülerinnen und Schüler direkt an der Moraitis
School ÖSD-Zertifikate erwerben können.
worden waren, näher kennenzulernen. Weitere Schwerpunkte des Besucherprogramms
waren ein Empfang im Rathaus von Bruneck,
eine Schulführung sowie Schülerpräsentationen und Unterrichtsbesuche an der TFO
Bruneck, ein Vortrag an der Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften, Studienzweig
Tourismusmanagement, der Freien Universität Bozen in Bruneck sowie eine Betriebsführung durch den Industriebetrieb GKN (Guest,
Keen and Nettlefolds) Driveline. Die Besichtigung von kulturellen Sehenswürdigkeiten sowie geselliges Beisammensein standen bei
der Führung durch die Altstadt von Bruneck
und Bozen, beim Besuch eines EishockeyZweites Projekttreffen in Bruneck spiels in Bruneck sowie bei einer Wanderung
Erstes Projekttreffen in Athen
Im März 2015 war die TFO Bruneck Gastgebe- zur Talschlusshütte in Sexten mit anschlieDas erste Projekttreffen fand im Herbst 2014 rin des zweiten Projekttreffens. 40 Schülerin- ßendem Abendessen auf der Tagesordnung.
nen und Schüler sowie elf Lehrpersonen aus Untergebracht waren die Gäste großteils in
in der Privatschule Moraitis School in Athen
den verschiedenen Partnerländern waren mit der Jugendherberge von Toblach.
statt. 15 Lehrpersonen der einzelnen Partnerschulen erarbeiteten einen Leitfaden für
dabei. Am ersten Tag trafen sich alle Gäste
Das nächste Projekttreffen findet im Herbst
die kommenden Projektjahre. Einblick in die
und die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Eras2015 in der norwegischen Stadt Malvik statt.
Schule der griechischen Gastgeber erhielten mus+“ der TFO Bruneck in der Nordic Arena
die Lehrpersonen im Rahmen einer Führung in Toblach, um sich bei sportlichen AktivitäGünther Walder
Lehrer an der Technologischen Fachoberschule Bruneck
durch das Schulzentrum und bei den Hospita- ten, die von der Firma „Kreaktiv“ organisiert
Mai/Juni 2015
23
Lernwelten
Zweitsprachjahr/Un anno in L2
Un anno nella scuola del vicino
Ungefähr 700 Schülerinnen und Schüler haben sich bisher für ein Zweitsprachjahr entschieden. Einige haben für ein
Semester, die meisten aber für das gesamte Schuljahr die vierte Klasse in der Schule des Nachbarn besucht, um die zweite
Sprache im Sinne einer mehrsprachigen Erziehung zu erlernen. Wieder andere haben gar entschieden, auch das fünfte Jahr
in der anderen Schule zu absolvieren und sich mutig der Abschlussprüfung in der zweiten Sprache gestellt.
In linea con le principali finalità del Consiglio
d’Europa, che promuove e sviluppa azioni e
strumenti utili per apprendere le lingue
nell’ottica di un’educazione plurilingue, le
nostre scuole offrono, oltre all’insegnamento curriculare, diverse opportunità finalizzate a potenziare e approfondire la conoscenza
della seconda lingua L2 e delle lingue straniere: gemellaggi tra classi di madrelingua
diversa, sezioni trilingui, progetti di potenziamento dell’insegnamento della L2, soggiorni all’estero, insegnamento CLIL.
sione e di accompagnamento dell’iniziativa
mit der anderen Sprachgruppe Kontakt
aufnehmen kann.“
di scambio, allo scopo di informare le famiglie e le scuole di questa ulteriore opportunità di miglioramento della conoscenza della Entrare in un‘altra realtà
e conoscere un altro mondo
lingua e della cultura “del vicino” e di supportare le scuole coinvolte nell’iniziativa.
Al fine di monitorare l’esperienza, ma soprattutto per riflettere sulle motivazioni,
Affrontare questa avventura
sulle convinzioni e sugli atteggiamenti ricon curiosità
spetto alla lingua e al contesto culturale del
Gli studenti che hanno partecipato a questa
vicino, sono state svolte, con la consulenza
iniziativa raccontano che la scelta di parteci- di esperti in linguistica e sociolinguistica
pare all’iniziativa non è cosa facile e che
dell’Università di Bolzano, dell’Università di
all’inizio ci vuole molto impegno, poi il conKlagenfurt e dell’Università Milano Bicocca,
Migliorare la competenza
tatto quotidiano con la lingua dello studio e
alcune ricerche qualitative e quantitative.
linguistica
la relazione con altri giovani di madrelingua Grazie a interviste narrative, focus group e
Dall’anno scolastico 2003/2004 è stato così
produce dei risultati decisamente positivi.
questionari, sono emersi aspetti e valutazioni estremamente interessanti: dopo un priavviato il progetto “Un anno in L2-Zweitspra- Consigliano inoltre di affrontare questa avchjahr”, che offre alle studentesse e agli
ventura con curiosità, “con la voglia di cono- mo impatto faticoso, vero e proprio Kulturschock, il contatto con il gruppo dei pari ha
studenti delle scuole superiori della provin- scere una nuova lingua e un nuovo mondo”
cia di Bolzano la possibilità di frequentare il per “fare esperienza di ciò che potrebbe uni- permesso di entrare in un‘altra realtà e di
4° anno presso istituti di un altro gruppo lin- re di più italiani e tedeschi di qui”.
conoscere un altro mondo (“Es ist einfach
guistico all’interno della provincia, con l’oAltri aspetti del progetto da sottolineare
wie in eine andere Welt hineinzuschauen”,
biettivo di migliorare la competenza linguisono le caratteristiche dei partecipanti all’i- commenta un’alunna) e questo ha sicurastica in L2, di favorire l’interazione tra giova- niziativa: una competenza linguistica in L2
mente promosso un miglioramento della
ni di madrelingua diversa e l’ampliamento
sufficiente, ma soprattutto, come ha dichia- competenza linguistica in L2. Ma non solo,
rato uno studente: „Ein wichtiger Punkt ist
delle loro reti sociali, di promuovere la covisto che gli studenti intervistati dicono: “Ich
noscenza approfondita degli aspetti linguidie Risikobereitschaft. Man kann nach eihabe mein Italienisch verbessert und noch
stici e culturali degli altri gruppi e di costrui- nem Monat nicht einfach wieder zurück,
dazu habe ich neue Freunde kennengelernt”
re relazioni positive tra le scuole dei due
sondern man muss da jetzt durch. Weiter
e, “magari siamo riusciti ad avvicinare le due
gruppi linguistici.
braucht man Ausdauer und eine Portion
scuole”.
L’importanza di questo progetto è stata sot- Mut. Grundkenntnisse der anderen Sprache
tolineata dalla Giunta Provinciale con la deli- sind mindestens erforderlich, damit eine
Marcella Perisutti
berazione Nr. 4250 del 17.11.2008, con cui
Bereich Innovation und Beratung
Teilnahme am Unterricht stattfinden kann.
Claudia Provenzano
sono stati approvati i criteri organizzativi e
Man darf sich der anderen Sprachgruppe
Area Pedagogica Dipartimento Istruzione
didattici. Le Aree pedagogiche e le Intenden- auch nicht verschließen. Es braucht auch
ze scolastiche hanno avviato azioni di diffue Formazione italiana
einfach die richtige Einstellung, damit man
24
Mai/Juni 2015
Lehreraustausch an zwei Meraner Oberschulen
Lust auf Zweisprachigkeit
Am Realgymnasium „Albert Einstein“ und am Istituto di Istruzione secondaria di II grado „Gandhi“ in Meran
findet seit zwei Jahren im ersten Biennium ein Lehreraustausch in den Fächern Geschichte und Geografie statt.
Zwei beteiligte Lehrerinnen berichten.
Im Schuljahr 2013/2014 startete das Projekt
„Lehreraustausch“ mit den Schülerinnen
und Schülern zweier erster Klassen am Realgymnasium mit deutscher und dem Istituto
„Gandhi“ in italienischer Unterrichtssprache. Im Fokus stand im ersten Jahr die Auseinandersetzung mit geschichtlichen Quellen, die sich auf den Lehrstoff der ersten
Klassen bezogen.
Geschichte und Geografie
mit der Lehrperson aus der
Schule von nebenan
Klasse an jeder Schule fortgeführt. In den
zweiten Klassen wurde am Thema „Europäische Union“ gearbeitet, wobei das Thema im
September gemeinsam mit den Klassen gewählt wurde. Die Schülerinnen und Schüler
erarbeiteten in zweisprachigen Gruppen
wichtige Themenbereiche dazu und präsentierten die Ergebnisse ihren Mitschülerinnen
und Mitschülern. Darüber hinaus stand die
Entwicklung des Christentums im Zentrum
des Unterrichts, sowohl auf der Grundlage
von Lehrervorträgen, wie auch durch die
Auseinandersetzung mit geschichtlichen
Quellen. Im Bereich Geografie setzten sich
die Schülerinnen und Schüler anhand von
kurzen Arbeitsaufträgen, Informations- und
Lückentexten mit zentralen Grund- und
Fachbegriffen auseinander. Darüber hinaus
erarbeiteten sie in zweisprachigen Gruppen
den Themenbereich „Kontinente“.
Deshalb ist eine gezielte Vorbereitung und
Zusammenarbeit zwischen den beteiligten
Lehrpersonen unabdingbar. Das Eingehen
auf die Interessen der Schülerinnen und
Schüler, eine offene Kommunikation, Flexibilität vonseiten der Lehrpersonen und eine
Abstimmung der Lernmethoden können darüber hinaus eventuelle Zweifel ausräumen
und Interesse wecken.
Die beteiligten Schülerinnen und Schüler haben den Lehreraustausch trotz anfänglicher
Berührungsängste positiv wahrgenommen.
Die Bedeutung der Zweisprachigkeit wurde
vorwiegend im Kontext Studium und Berufsleben gesehen. Ein Schüler der zweiten Klasse äußerte sich dahingehend, dass der Lehreraustausch eine gute Möglichkeit sei, um
die italienische Sprache besser kennenzulernen und mit ihr so umzugehen, dass aus einem Dialog oder einem Vortrag wesentliche
Informationen entnommen werden können.
Die Auswahl der Themen erstreckte sich von
der Vorgeschichte über die Frühgeschichte
bis zur Antike. Am Beginn wurden den Schülerinnen und Schülern wichtige Analyseaspekte und zentrale Fachbegriffe erklärt, um
eine bessere Erarbeitung des Stoffes zu ermöglichen. Die Beschäftigung mit den geschichtlichen Quellen erfolgte in den jeweiligen Klassen anhand ausgewählter Fragen in Unsicherheiten abbauen,
Interesse wecken
schriftlicher Form und mündlicher BespreJulia Maria Prieth
chung. Als Ergänzung zu den UnterrichtsEin solches Austauschprojekt kann in der
Realgymnasium „Albert Einstein“ Meran
einheiten schauten beide Klassen gemeinLaura Speranza
Anfangsphase bei den Schülerinnen und
sam Filme in beiden Sprachen an. Diese
Schülern einige Unsicherheiten hervorrufen. Istituto di Istruzione secondaria di II grado „Gandhi“ Merano
wurden dann analysiert und besprochen. Um
den Austausch zwischen den Klassen auch
darüber hinaus zu fördern, wurde eine zweisprachige Schatzsuche durchgeführt. Beim
Feedback am Ende des Schuljahres äußerten sich beide Klassen vorwiegend positiv
über das Projekt, vor allem im Hinblick auf
den Spracherwerb, das Sammeln neuer Erfahrungen und das Schließen neuer Freundschaften. Häufig wurde der Wunsch angebracht, mehr mit der anderen Klasse zusammenzuarbeiten und einen gemeinsamen
Ausflug durchzuführen.
Das Projekt wird fortgesetzt
Im laufenden Schuljahr 2014/2015 wurde
das Projekt mit einer ersten und zweiten
Im Austauschprojekt bietet die Schulbibliothek Schülerinnen und Schüler den idealen
Lernort zur inhaltlichen und sprachlichen Recherche.
Mai/Juni 2015
25
Lernwelten
Schüleraustausch zwischen Laimburg und Giarre
Reif für die Insel
Spätestens seit Goethe gilt das Land, wo die Zitronen blüh’n, für viele Mitteleuropäerinnen und Mitteleuropäer als Inbegriff
mediterraner Schönheit, der Sehnsucht und des Fernwehs. Kein Wunder also, dass sich die Schülerinnen und Schüler der
Fachschule für Obst-, Wein- und Gartenbau Laimburg jedes Jahr auf eine Reise nach Sizilien begeben, um die Vegetation und
vor allem die Menschen in dieser südlichsten Region Italiens kennenzulernen.
26
„Es war ein wunderschönes Erlebnis, das
die Klassengemeinschaft gestärkt und beide
Klassen mehr zusammengeführt hat“, erinnert sich Evi Tschager und fügt hinzu: „Am
meisten beeindruckt hat mich die Landschaft Siziliens: das klare Meer und der
Ätna, den wir ein Stück weit besteigen durften.“ Evi besuchte ebenso wie Lukas Andergassen im Schuljahr 2013/2014 eine der beiden zweiten Klassen des Vollzeitbienniums
für Gartenbau und Floristik an der Fachschule für Obst-, Wein- und Gartenbau
Laimburg.
Wie jedes Jahr im Frühling machten sich die
zwei Klassen Anfang April gemeinsam auf
den Weg, um eine Woche an der Partnerschule – dem Istituto Professionale di Stato
per l‘Agricoltura e l‘Ambiente „Alfredo Maria
Mazzei“ – in Giarre bei Catania zu verbringen. Zu dieser Jahreszeit versetzt hierzulande das unberechenbare Aprilwetter der Vorfreude auf den Sommer oft noch einen kühlen Dämpfer, während sich die mediterrane
Landschaft an den fruchtbaren Hängen des
Ätna in all ihrer Üppigkeit und Pracht präsentiert.
Die Stadt Giarre in der Provinz Catania zählt
knapp 30.000 Einwohner und Einwohnerinnen und liegt direkt zu Füßen des Ätna, nur
einen Steinwurf vom Ionischen Meer entfernt. „Mich haben das Klima und die Landschaft in Sizilien am meisten beeindruckt,
eine wunderschöne mediterrane Hügellandschaft“, schwärmt Lukas, der die Parallelklasse von Evi besuchte.
Evi Tschager aus Brixen
Lukas Andergassen aus Eppan
Mai/Juni 2015
Anziehungskraft der Extreme
Die geografischen, kulturellen und sprachlichen Unterschiede zwischen Südtirol und
der Provinz Catania sind beträchtlich. „In Sizilien werden großteils Orangen und Zitronen angebaut, bei uns hingegen Äpfel und
Wein“, erklärt Evi, und fügt hinzu: „In Südtirol wird jede Fläche intensiv genutzt, in Sizilien sahen wir viel unkultiviertes Land.“
Auch die beiden Schulen könnten in vielerlei
Hinsicht kaum unterschiedlicher sein – die
Fachschule Laimburg befindet sich hoch
im Norden, die Landwirtschaftsschule aus
Giarre dagegen ist die südlichst gelegene
italie­nische Schule dieser Art. Gerade diese
Unterschiede sind es aber, die den besonde-
ren Reiz – und wohl auch den tieferen Sinn
und Zweck – dieses Austauschprogramms
ausmachen. Auf diese Weise fördert der
Schüleraustausch vernetztes Denken auf
fachlicher wie auf menschlicher Ebene und
schärft durch neue Erfahrungen das Bewusstsein für die eigenen Stärken und
Schwächen.
Auch Marco Sivo, der seit 15 Jahren an der
Fachschule Laimburg Italienisch unterrichtet
und das Projekt tatkräftig organisatorisch
unterstützt, ist überzeugt, dass eben diese
Gegensätze einen besonderen Eindruck erwecken: „Gli alunni e gli insegnanti sono
sempre colpiti dalla visita del vulcano Etna,
che si può vedere anche dalla scuola, dalle
città come Catania, Siracusa, Taormina e dalle produzioni agricole come agrumi, capperi e
pistacchi assenti nella nostra zona”.
Kennenlernen neuer Dimensionen
Beeindruckt waren die Südtiroler Schülerinnen und Schüler nicht zuletzt von den landwirtschaftlichen und Gartenbaubetrieben,
die sie in Sizilien besichtigen konnten. „Wir
sahen mehrere interessante Betriebe, unter
Marco Sivo, Italienischlehrer
Das Element Erde – für den Gartenbau ebenso wie für die Landwirtschaft der wichtigste Grundstoff überhaupt –
ist an den Hängen des Ätna besonders fruchtbar.
anderem Faro, die größte Gärtnerei beim
Anbau mediterraner Pflanzen“, berichtet Evi
und betont, dass sie in Giarre nicht nur viel
Spaß hatte, sondern auch wichtige Erfahrungen für ihren Beruf sammeln konnte.
Die Größenordnung einiger Betriebe in Sizilien ist für Südtiroler Verhältnisse nur
schwer vorstellbar. Die erwähnte Baumschule beispielsweise ist ein 500 Hektar
großer Betrieb mit zirka 500 einheimischen
Arbeitskräften, der vor allem den arabischen Raum mit mediterranen Pflanzen beliefert. Die bewirtschafteten Flächen liegen
nahe am Meer, daher schwanken die Temperaturen im Jahresverlauf nur zwischen etwa
+5° und +30° C, was sich sehr vorteilhaft auf
die Pflanzenzüchtung auswirkt. Das Unternehmen gehört zu den weltweit größten dieser Art und versetzte die Besucherinnen und
Besucher aus dem Norden durch seine Innovation, Vielfalt und Architektur in Staunen.
Die Perspektive bestimmt
die Wahrnehmung
„Wir erkundeten die Umgebung und lernten
die Kultur der Sizilianer kennen, auch kulinarisch“, erzählt Lukas. Dabei sind ihm
durchaus auch ein paar negative Aspekte
aufgefallen. Das Schulgebäude in Giarre beispielsweise kam ihm ziemlich verwahrlost
vor. „Es gab keine Klobrillen, viele Möbel
waren beschädigt, und ich hatte den Eindruck, dass bei allem ein wenig gespart
wurde“, verrät Lukas. Auch glaubt er, dass
viele der alten Maschinen, die in Giarre benutzt werden, in Südtirol wahrscheinlich
nicht mehr in Gebrauch wären.
Einen bleibenden Eindruck haben natürlich
auch und vor allem die persönlichen Begegnungen hinterlassen. Lukas ist der Meinung,
dass die Schülerinnen und Schüler in Sizilien
„ein wenig lockerer“ sind, und Evi ist aufgefallen, dass es die Schülerinnen und Schüler
aus Sizilien mit der Heimordnung oft nicht
ganz so ernst nehmen.
Dem Italienischlehrer an der Fachschule
Laimburg sind gewisse Unterschiede freilich
ebenfalls nicht entgangen: „I ragazzi siciliani
sono forse più espansivi e un po’ più vivaci
dei nostri alunni, hanno un abbigliamento
più appariscente e seguono di più la moda.”
Vor allem freut er sich aber darüber, dass
die Schülerinnen und Schüler aus der Laimburg in dieser kurzen Zeit immer wieder ein
paar neue Ausdrücke und Wörter auf Italienisch aufschnappen. „Alla fine del gemel-
laggio molti alunni tengono a farmi sapere
quali espressioni hanno imparato, sia in italiano, standard o gergale, che in dialetto catanese!“, bestätigt Marco.
Gemeinsamkeiten
unter der Oberfläche
Gemeinsam ist beiden Schulen – und auch
den Schülerinnen und Schülern selbst – vor
allem die enge Verwurzelung mit den ursprünglichen lokalen Anbautraditionen und
Arbeitsabläufen. Zusammen mit der Offenheit für Neues und der Bereitschaft, unkonventionelle Wege zu beschreiten, sind dies
die besten Voraussetzungen, um von- und
miteinander zu lernen.
Seit dem Start des Austauschprogramms
vor mittlerweile zwölf Jahren hatten über
500 Schülerinnen und Schüler der Fachschule Laimburg die Gelegenheit, didaktisch
wertvolle Erfahrungen und persönlich bereichernde Eindrücke in Sizilien zu sammeln. Und fast ebenso viele „giarresi“ traten
vor Ende des jeweiligen Schuljahres den Gegenbesuch an der Laimburg an.
Martin Ebert, Mitarbeiter der Abteilung Land-,
forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung
Mai/Juni 2015
27
Lernwelten
Changing paradigm: tablet learning im europäischen Unterricht
Freizügigkeit, Europäischer Arbeitsmarkt,
Eigenverantwortlichkeit und Medienkompetenz - dies sind einige der Herausforderungen der beruichen Ausbildung, auf die
die Berufsschule reagieren muss.
Zu einen der wichtigen Aufgaben modernen Berufsschulunterrichts gehört es, die Schülerinnen
und Schüler auf die neuen Herausforderungen der Arbeitswelt bestmöglich vorzubereiten. Deshalb
müssen Schulprole und Unterrichtskonzepte zukunftsorientiert überdacht und entwickelt werden:
kompetenzorientierter sowie selbstorganisierter Unterricht, Schülerverantwortlichkeit und
medienunterstützter Unterricht sowie ECVET (http://ec.europa.eu/education/policy/vocationalpolicy/ecvet_de.htm) sind mögliche Antworten für die Zukunft und gleichzeitig Herausforderungen
für die Entwicklung moderner pädagogischer, didaktischer und methodischer Konzepte.
Gemeinsam auf europäischer Ebene arbeiten vier Schulen und ein Sozialforschungsinstitut an der
Entwicklung von innovativem und europaweitem (bilingualen) Unterricht:
Berufsbildung: Tablet learning
Changing paradigm
Freizügigkeit, Europäischer Arbeitsmarkt, Eigenverantwortlichkeit und Medienkompetenz – dies sind
einige der Herausforderungen der beruflichen Ausbildung, auf die die Berufsschule reagieren muss.
Ein europäischer Projektbericht von der Landesberufsschule für das Gastgewerbe „Savoy“ in Meran.
Kooperativ wollen die vier Partnerschule im Rahmen einer EU Strategischen Partnerschaft
(Erasmus+) (EU-Projektnummer: 2014-1-DE02-KA202-001545) folgende Fragen für europaweiten
Unterricht lösen:
Zu einer der wichtigsten Aufgaben modernen Berufsschulunterrichts gehört es, die
Schülerinnen und Schüler auf die neuen Herausforderungen der Arbeitswelt bestmöglich vorzubereiten. Deshalb müssen Schulprofile und Unterrichtskonzepte zukunftsorientiert überdacht und entwickelt werden:
Kompetenzorientierter sowie selbstorganisierter Unterricht, Schülerverantwortlichkeit und medienunterstützter Unterricht so- Verschiedene Erfahrungen und Perspektiwie das Europäische Leistungspunktesysven der vier Partnerschulen werden zusamtem für die Berufsbildung ECVET (http://
mengebracht, um grenzübergreifend den
ec.europa.eu/education/policy/vocationalpo- europäischen Berufsschulunterricht zu versind
mögliche Antworten bessern und innovativ zu bereichern:
Changinglicy/ecvet_de.htm)
paradigm: tablet learning im
europäischen Unterricht
für die Zukunft und gleichzeitig
Herausfor• L andesberufsschule Hartberg (ÖsterFreizügigkeit,
Europäischer Arbeitsmarkt,
Eigenverantwortlichkeit und Medienkompederungen für die Entwicklung
moderner
päreich): kompetenz- und handlungsorientenz - dies sind einige der Herausforderungen der beruichen Ausbildung, auf die
dagogischer, didaktischer
und methodischer
tierter Unterricht
die Berufsschule
reagieren muss.
Konzepte.
• Max-Weber-Berufskolleg, Düsseldorf
Zu einen der wichtigen Aufgaben modernen Berufsschulunterrichts gehört es, die Schülerinnen
Gemeinsam
arbeiten der
vier
Schulen
und vorzubereiten.
ein
(Deutschland): Einsatz von Tablets und
und Schüler auf
die neuen Herausforderungen
Arbeitswelt
bestmöglich
Deshalb
müssen Schulprole und Unterrichtskonzepte zukunftsorientiert überdacht und entwickelt werden:
kompetenzorientierter
sowie selbstorganisierter Unterricht,
SchülerverantwortlichkeitSmartphones
und
Sozialforschungsinstitut
auf europäischer
im handlungsorientierten
medienunterstützter Unterricht sowie ECVET (http://ec.europa.eu/education/policy/vocationalpolicy/ecvet_de.htm)
Antworten für die Zukunft
und gleichzeitig Herausforderungen
Ebenesindanmögliche
der Entwicklung
von innovativem
Unterricht
für die Entwicklung moderner pädagogischer, didaktischer und methodischer Konzepte.
und europaweitem (bilingualem) Unterricht: • Oulu vocational college, Oulu (Finnland):
Gemeinsam auf europäischer Ebene arbeiten vier Schulen und ein Sozialforschungsinstitut an der
Entwicklung von innovativem und europaweitem (bilingualen) Unterricht:
Einsatz von ECVET zur Beurteilung von
Schülerleistungen
• L andesberufsschule für das Gastgewerbe
„Savoy“, Meran (Italien/Südtirol): interkultureller Projektunterricht
Forschungsstudien
Unterstützt und ergänzt wird die Arbeit der
vier Partnerschulen durch das SozialforKooperativ wollen die vier Partnerschule im Rahmen einer EU Strategischen Partnerschaft
(Erasmus+) (EU-Projektnummer:
2014-1-DE02-KA202-001545)
folgende Fragen für europaweiten
schungsinstitut „Academic Data GmbH“, inKooperativ wollen
die vier Partnerschulen
Unterricht lösen:
im Rahmen einer EU-strategischen Partner- dem zwei Forschungsstudien gemeinsam
schaft (Erasmus+ – EU-Projektnummer:
mit Auszubildenden zur und zum Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung kon2014-1-DE02-KA202-001545) folgende Fragen für europaweiten Unterricht lösen:
zipiert, durchgeführt, ausgewertet und auf28
Mai/Juni 2015
bereitet werden: eine Studie zur Unterrichtsbeobachtung und eine Online-Studie
bei Ausbildungsbetrieben zur Kompetenzerwartung bei potenziellen Auszubildenden.
Alle erarbeiteten Konzepte und Ergebnisse
(unter anderen bilinguale Lernarrangements) sind frei zugänglich und können europaweit eingesetzt werden. Projektblog:
www.changingparadigm.de/blog/
Informationen zum Tablet learning und
Tablet teaching gibt es auf
www.changingparadigm.de
Beatrix Kerschbaumer Sigmund
Direktorin der Landesberufsschule für das Gastgewerbe
„Savoy“ in Meran
Who is who? (von links): Peter Enz (LBS
Savoy), Sascha Meyer (Berufskolleg Düsseldorf), Christine Laimer (LBS Savoy), Harald
Pöltl (LBS Hartberg), Beatrix Kerschbaumer
(Direktorin „Savoy“), Rudi Kröll (Direktor
Hartberg), Antti Rovamo (Direktor Oulu), Barbara Stieldorf (Berufskolleg Düsseldorf), Eeva
Vehmas (LBS Oulu), Perttu Hietala (LBS Oulu)
Landesbeirat der Schüler/innen trifft Wiener Landesschülervertretung
Diskussion über heiße Eisen
In Zeiten, wo sich die europafeindlichen Stimmen nördlich wie südlich des Brenners häufen, kommt dem kulturellen
Austausch eine wichtige Rolle zu. Es sind die jungen Generationen, die Schülerinnen und Schüler, die dem Projekt „Europa“
zum Erfolg verhelfen können. Einen Schritt in diese Richtung unternahm der Landesbeirat der Schülerinnen und Schüler mit
seiner Wienreise Ende Februar 2015.
Grenzübergreifende Zusammenarbeit stand
im Zentrum einer mehrtägigen Bildungsreise des Landesbeirates der Schülerinnen und
Schüler der deutschsprachigen Schule (LBS)
nach Wien vom 24. bis 28. Februar 2015. Insgesamt 16 Mitglieder des LBS sind der Einladung der Wiener Landesschülervertretung
(LSV) gefolgt und haben – neben einem intensiven Kulturprogramm – gemeinsam mit
den österreichischen Kolleginnen und Kollegen ein Seminar gestaltet.
Schulsysteme im Vergleich
Es ging hauptsächlich darum, das österreichische Schülervertretungssystem und das
Schulsystem im Allgemeinen kennenzulernen. Auf der Tagesordnung des gemeinsamen Seminars stand zunächst das gegenseitige Kennenlernen und Vorstellen. Dabei
stellte sich heraus, dass in Österreich politische Schülervereine den Schulalltag der Republik maßgeblich mitprägen – mehr als es
in Südtirol der Fall ist. Sie wirken in der
Schülervertretung mit, deren Aufgaben klar
umschrieben sind, und gelten teilweise als
Vorfeldorganisationen der beiden großen
politischen Parteien Österreichs. Im Rahmen des Treffens nutzten die Mitglieder des
Landesbeirates der Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, sich mit ihren österreichischen Kollegen und Kolleginnen über
„heiße Eisen“ in Bildungs- und Schulpolitik
auszutauschen, unter anderem über die
„Zentralmatura“, Fragen der politische Bildung und Stundenkürzung.
Dem grenzüberschreitenden Austausch ging
eine interne Vorstufe auf Landesebene voraus, nämlich in einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den Landesbeiräten der
deutschen, italienischen und ladinischen
Schulen. Diese drückt sich durch gemeinsame Projekte oder die gegenseitige Einladung
zu Sitzungen aus. Jacopo Dezulian, der Vor-
Vor dem UNO-Gebäude in Wien: Der Landesbeirat der Schüler/innen der deutschsprachigen
Schule mit dem Vorsitzenden des italienischen Landesbeirates Jacopo Dezulian und den
Begleiterinnen Brigitte Regele und Verena Hilber vom Deutschen Bildungsressort.
sitzende der „Consulta Provinciale degli Studenti“, ist mit nach Wien gereist, ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Kooperation
zwischen den drei Schülervertretungen Südtirols ein Anliegen aller ist. „Ich habe gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen eine Menge über das österreichische
Schul- und Schülervertretungssystem erfahren. Außerdem hat so ein gemeinsamer Ausflug von Vertreterinnen und Vertretern der
Landesbeiräte beider Sprachgruppen auch
einen wichtigen symbolischen Wert für die
Zusammenarbeit zwischen den Sprachgruppen“, sagte Dezulian, der während des Seminars in Wien auf die Situation der italienischen Sprachgruppe und der italienischen
Schule in Südtirol einging. Die Südtiroler
Schüler-Delegation in Wien nahm so eine
Rolle als Botschafterin für die Mehrsprachigkeit des Landes wahr. Mehrsprachigkeit
und kulturelle Vielfalt stießen bei den Wiener
Schülervertretenden auf reges Interesse.
Besuch bei der UNO
Die kulturelle Allgemeinbildung kam während der Reise ebenfalls nicht zu kurz: Die
Teilnehmer und Teilnehmerinnen lernten die
Bundeshauptstadt bei einer ausführlichen
Stadtbesichtigung kennen. Zudem standen
die Besichtigung des UNO-Sitzes – zweifelsohne ein Höhepunkt der Reise – sowie des
österreichische Parlaments an.
Die Bildungsfahrt nach Wien stand nicht nur
im Zeichen der historischen Verbundenheit
mit Wien als ehemaliger Hauptstadt, sondern auch im Zeichen eines gelebten, geeinten Europas. Voraussetzung dafür kann nur
ein Austausch sein, der Grenzen überwindet,
geografische wie mentale.
Julian Nikolaus Rensi, Vorstandsmitglied des Landesbeirates der Schüler/innen der deutschsprachigen Schule
Mai/Juni 2015
29
Lernwelten
Das beste EU-Schulprojekt 2014
Auf dem Weg nach Europa
Im Rahmen der Aktion des Landes Südtirol „Gemeinsam auf dem Weg nach Europa“ besuchten verschiedene Schulklassen die
Europahauptstadt Brüssel und das Europaparlament. Ein europäischer Erfahrungsbericht.
Am Europa-Projekt hat im letzten Schuljahr
2013/2014 auch unsere Klasse 5A der Wirtschaftsfachoberschule WFO Innichen zusammen mit der Klasse 5A der Wirtschaftsfachoberschule WFO Stern teilgenommen.
Im Mai 2014 führte uns dieses Projekt auf
eine interessante fünftägige Reise nach
Brüssel.
große Auftaktveranstaltung. Dazu eingeladen hatten wir auch Landesrätin Martha
Stocker, die Vizepräsidentin der Förderalistischen Union Europäischer Volksgruppen, die
uns einen interessanten Vortrag über andere Minderheiten in Europa gehalten hat.
Im Laufe des Schuljahres haben wir fächerübergreifend im Rahmen von Deutsch, Geschichte, Englisch, Italienisch, Rechts- und
Minderheiten in der
Wirtschaftskunde sowie WirtschaftsgeograEuropäischen Union
phie am Projekt gearbeitet. Jedes Fach
Nachdem wir uns um die Teilnahme bei der
nahm sich einen Blickwinkel vor. Bei Antritt
EU-Servicestelle des Deutschen Schulamtes der Reise hatten die Schülerinnen und Schüler viele Kenntnisse über die geschichtliche,
beworben und eine positive Zusage bekommen hatten, waren wir nach den Sommerfe- wirtschaftliche und politische Entwicklung
rien 2013 voller Tatendrang. Als Projektidee der EU erlangt.
stellten wir die Frage „Wie erfolgt die Integration von Minderheiten in der Europäischen Europäische Union
Union?“ in den Mittelpunkt. Am Beispiel der hautnah erleben
Im Mai 2014 traten wir dann die Reise an.
deutschen und ladinischen Minderheit in
Paolo Barbiero vom Amt für europäische
Südtirol wollten wir das Thema bearbeiten.
Angelegenheiten hatte mit seinen MitarbeiIm Laufe des Schuljahres haben wir uns intensiv mit vielen verschiedenen Minderheitern alles für uns geplant und wohl vorbereiten in Europa auseinandergesetzt. Bei unse- tet. Unterkunft, Verpflegung und Reisekosrem ersten Treffen mit unserer Partnerten wurden vom Amt übernommen. 15 Stunschule aus Stern organisierten wir eine
den dauerte die Busfahrt von Innichen nach
Brüssel – wir hatten viel Zeit, um uns noch
besser kennenzulernen. Unser Hotel lag in
Zentrumsnähe, was uns für die Freizeittätigkeit am Abend ganz gelegen kam. Die Tage
waren ausgefüllt mit Terminen im Europäischen Parlament und in den verschiedensten Ausschüssen, die sich mit den Minderheitsfragen beschäftigen. Auch das Besucherzentrum ‚Parlamentarium‘ war sehr
beeindruckend für uns.
Besonders herzlich willkommen geheißen
wurden wir im Südtiroler Außenamt. Die Leiterin Vesna Caminades stand uns während
unseres Brüsselaufenthaltes täglich mit Rat
und Tat zur Seite. Die Schülerinnen und
Schüler wurden über Studien- und Berufsmöglichkeiten in der EU informiert. Am letzten Tag gab es eine Stadtführung, wo wir die
schönen Orte und Plätze von Brüssel kennenlernen konnten. Auch den kulinarischen
Köstlichkeiten Belgiens konnten wir nicht
widerstehen. So reisten wir am fünften Tag
mit einem großen Koffer voller Erlebnisse
wieder nach Hause ab. Fasziniert waren wir
vor allem von der Mehrsprachigkeit der
Menschen, die schnell von einer Sprache in
die andere wechseln.
Große Freude
Im November 2014 präsentierten wir unser
Projekt gemeinsam mit vielen anderen Klassen, die auch an diesem EU-Projekt teilgenommen hatten, in der Europäischen Akadamie in Bozen. Zu unserer großen Freude
konnten wir den ersten Preis für das „beste
EU-Schulprojekt 2014“ entgegennehmen. Die
Möglichkeit, die Europäische Union so hautnah zu erleben, können wir wirklich allen
empfehlen. Das Projekt ist eine tolle Sache
und wir möchten uns noch mal bei allen Landesstellen für diese Möglichkeit bedanken.
Veronika Schönegger und Johanna Trojer
Schülerinnen und Schüler der WFO Innichen und Stern auf Besuch im Europaparlament in Brüssel.
30
Mai/Juni 2015
Lehrpersonen an der Wirtschaftsfachoberschule Innichen
Europatage an der Fachoberschule „Marie Curie“ in Meran
Ist Südtirol Europa?
Diskussionsrunden zu aktuellen politischen Themen, Informationsveranstaltungen vor Wahlen,
die Teilnahme am Jugendparlament der Alpenregion – das bietet die Fachoberschule für Tourismus
und Biotechnologie „Marie Curie“ in Meran ihren Schülerinnen und Schülern schon seit Jahren an.
Im Februar 2015 fand eine Podiumsdiskussion mit EU-Expertinnen und -Experten statt.
Ist ein Europa der Regionen in Brüssel überhaupt denkbar? Wird es jemals ein europäisches Heer geben? Welche Einschätzung
gibt es zum Transatlantischen Handels- und
Investitionspartnerschaftsabkommen
(TTIP)? Diese und andere Fragen stellten die
Schülerinnen und Schüler der vierten und
fünften Klassen der Fachoberschule „Marie
Curie“ (FOS) den hochkarätigen Experten
und der Expertin für europäische Belange.
Das Vereinigte Europa
als Friedensprojekt
Landesrat Philipp Achammer hob die Bedeutung der Bildung in einem vereinten Europa hervor. Eine Identifikation mit Europa
schließe eine eher lokal geprägte Identität
nicht aus. „Man verliert selbst nichts, wenn
man anderen Menschen offen begegnet“, so
Achammer. Der Flüchtlingsstrom, mit dem
Europa konfrontiert ist, erfordere besondere
Solidarität und ein europäisches Vorgehen.
Der Europaabgeordnete Herbert Dorfmann
betonte die Notwendigkeit, die Zahl der
Wirtschaftsflüchtlinge zu kontingentieren.
Er ist überzeugt, dass der europäische Einigungsprozess trotz einiger Schwierigkeiten
positiv und notwendig sei. Ein großes Friedensprojekt, das TTIP, sieht er durchaus positiv. Professor Peter Hilpold von der Universität Innsbruck rief dazu auf, die Flüchtlingsproblematik differenziert zu sehen, da diese
zum Teil durch das organisierte Verbrechen
gefördert werde. Trotz der vielen Herausforderungen sei das „Integrationsprojekt in Europa aber bemerkenswert“. Hilpold zeigte
sich überzeugt, dass Europa gemeinsame
militärische Strukturen brauche. Ein Europa
der Regionen sei denkbar, eine Erweiterung
durchaus möglich, aber nicht unbedingt
sinnvoll.
Jugendliche zeigen großes Interesse an europäischen Themen.
Andere Sprachen lernen
und Kulturen kennenlernen
Vesna Caminades vom Euregio-Außenamtsbüro in Brüssel hob die Wichtigkeit der Europaregion Tirol hervor und schilderte anschaulich ihre drei wesentlichen Arbeitbereiche: Lobbyarbeit, Informations- und
Netzwerktätigkeit. Die Bedeutung der Sprachenkenntnisse steige ständig. Sie forderte
die Jugendlichen auf, sich möglichst viel mit
anderen Sprachen und Kulturen zu befassen. Paul Rösch, Direktor des Touriseums in
Meran, zeigte sich davon überzeugt, dass
der Tourismus eine tragende Wirtschaftskraft sei, doch es brauche ein neues Denken:
Nachhaltigkeit und Entschleunigung seien
Stichworte dafür.
Akzentsetzung der Europatage
Neben der Podiumsdiskussion mit den
Europaexperten wurden Workshops zu
Europathemen angeboten: Wie ist Europa
überhaupt entstanden? Was macht eine
mögliche Europäische Identität aus? oder
Wie funktioniert politische Mitbestimmung
in Europa? Außerdem befassten sich
die Schülerinnen und Schüler mit dem
Unesco-Welterbe in Europa sowie mit
dem Euro. Alle an der Schule angebotenen
Sprachen – Deutsch, Italienisch, Englisch,
Französisch und Russisch sowie
Chinesisch als Wahlfach – wurden am
„Tag der Sprachen und der Kulturen“
in die Arbeiten der Schülerinnen und
Schüler eingebaut. Es gab Modeschauen,
Gedichtvorträge, Tanzaufführungen, Lieder
und Kulinarisches.
Elisabeth Mairhofer, INFO Redaktion
Mai/Juni 2015
31
Lernwelten
29. Gesamttiroler Fremdsprachenwettbewerb
Sprachen öffnen Türen
Philipp Seyr ist der beste „Grieche“, Alexa Castlunger die beste „Russin“, Sabine Thaler die beste „Engänderin“ und Lisa
Veronese und Theresia Morandell sind die besten „Spanierinnen“ Tirols. Südtirols Oberschülerinnen und Oberschüler waren
beim 29. Gesamttiroler Fremdsprachenwettbewerb am 5. März 2015 in Innsbruck sehr erfolgreich.
207 sprachbegeisterte Oberschülerinnen
und Oberschüler aus Nord-, Ost- und Südtirol haben beim 29. Gesamttiroler Fremdsprachenwettbewerb im „Haus der Begegnung“ in Innsbruck alle Rekorde gebrochen.
So viele Teilnehmende wie nie zuvor stellten
sich der vom Landesschulrat für Tirol und
vom Deutschen Bildungsressort in Südtirol
gemeinsam organisierten Sprachenolympiade. Südtirols Schülerinnen und Schüler
konnten sich vor allem in Griechisch, Russisch, Spanisch und Englisch behaupten.
Wettbewerb der Rekorde
Philipp Seyr vom „Vinzentinum“ Brixen wurde nach seinem Sieg im Jahr 2014 erneut
zum besten „Griechen“ Tirols gekürt und
freute sich über die Glückwünsche der zuständigen Schulinspektoren Ferdinand Patscheider aus Südtirol und Thomas Plankensteiner aus Nordtirol. Auch die Plätze zwei
und drei in Griechisch gingen nach Südtirol.
Die drei Podestplätze in der neu eingeführten Wettbewerbssprache Russisch belegen
ebenfalls drei Schülerinnen aus Südtirol –
angeführt von Alexa Castlunger vom Realund Sprachengymnasium Bruneck auf Platz
eins. Auch den Englisch-Wettbewerb ge-
Russisch: erstmals mit im Wettbewerb
32
Mai/Juni 2015
wann nach Jahren wieder eine Südtirolerin:
Sabine Thaler vom Real- und Sprachengymnasium Brixen. Gleich zwei erste Plätze gab
es in Spanisch: Lisa Veronese und Theresia
Morandell vom Gymnasium „Walther von der
Vogelweide“ Bozen konnten die Jury mit ihren Sprachkenntnissen überzeugen und landeten punktegleich auf Platz eins. In Latein
gab es zwei zweite Plätze für Südtirol: für
Stefan Meloni vom „Vinzentinum“ Brixen in
Latein und für Dominik Schwienbacher vom
Realgymnasium Meran in Kurzlatein. In
Französisch belegte Elias Telser vom Realund Sprachengymnasium Schlanders als
bester Südtiroler ebenfalls Platz zwei.
Einsatz und Begeisterung
86 der 207 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
kamen von insgesamt zwölf Südtiroler
Oberschulen. Auf dem „Wettkampfprogramm“ standen neben Latein (51 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, davon 25 aus
Südtirol) und Griechisch (17, davon 11 aus
Südtirol) die modernen Sprachen Englisch
(58, davon 19 aus Südtirol), Französisch (29
mit 12 Südtiroler Teilnehmenden), Italienisch (21 Schülerinnen und Schüler aus
Nord- und Osttirol) sowie erstmals Spa-
Übersetzung und Textinterpretation sind in
Griechisch und Latein gefragt.
nisch (17, davon 6 aus Südtirol) und Russisch (14, davon 13 aus Südtirol).
Der Fremdsprachenwettbewerb ist mittlerweile fester Bestandteil der schulischen Begabtenförderung. Mit entsprechendem Einsatz und viel Begeisterung stellten die
207 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre
Kenntnisse in den modernen und klassischen Fremdsprachen unter Beweis. Besonders die „alten“ Sprachen Latein und Griechisch stießen mit 68 Teilnehmenden wieder
auf großes Interesse. Hier ging es um Übersetzung und Textinterpretation. Bei den modernen Sprachen übten die Schülerinnen
und Schüler am Vormittag Hör- und Leseverständnis und qualifizierten sich dadurch
für die Nachmittagsrunde, bei der das freie
Sprechen im Mittelpunkt stand. Die Leistungen wurden von einer Jury aus Universitätsdozenten, Lehrpersonen und „native speakers“, Personen, deren Muttersprache die
jeweilige Fremdsprache ist, bewertet.
Für die Siegerinnen und Sieger des
29. Fremdsprachenwettbewerbes gab es
Geld- und Sachpreise. Die Besten qualifizierten sich zudem für die Teilnahme am
österreichischen Bundesfremdsprachenwettbewerb 2015 in Wien und für die Bundesolympiade Latein/Griechisch.
Herbert Taschler, INFO Redaktion
Die Siegerinnen und Sieger 2015 mit den
Schulinspektoren Thomas Plankensteiner
(l.) und Ferdinand Patscheider (2.v.r.): Doris
Vindl (Italienisch), Sabine Thaler (Englisch),
Lisa Veronese und Theresia Morandell
(Spanisch), Alexa Castlunger (Russisch),
Philipp Seyr (Griechisch), Laura Kronenberg
(Französisch), Florian Klebelsberg (Latein)
und Domenic Barbist (Kurzlatein) – (v. l.)
Die Siegerinnen und Sieger
des 29. Gesamttiroler Fremdsprachenwettbewerbs 2015
Französisch
1. Laura Kronenberg
2. Elias Telser
3. Julia Dejakum
Englisch
1. Sabine Thaler
2. Viktoria Greif
3. Clara Dechant
Italienisch
1. Doris Vindl
2. Annalena Geisler
3. Theresa Sumper
Spanisch
1. Lisa Veronese
1. Theresia Morandell
3. Andrea Markl
Russisch
1. Alexa Castlunger
2. Sonja Stauder
3. Katharina Obrist
Griechisch
1. Philipp Seyr
2. Marlene Fadel
3. Lukas Gatterer
Latein
1. Florian Klebelsberg
2. Stefan Meloni
3. Barbara Hauser
Kurzlatein
1. Domenic Barbist
2. Dominik Schwienbacher
3. Matteo Lieber Akademisches Gymnasium Innsbruck
Real- und Sprachengymnasium Schlanders
Real- und Sprachengymnasium Brixen
Real- und Sprachengymnasium Brixen
BG/BORG St. Johann in Tirol
WRG Ursulinen Innsbruck
Meinhardinum Stams
Franziskanergymnasium Hall
Akademisches Gymnasium Innsbruck
Gymnasium „W. v. d. Vogelweide“ Bozen
Gymnasium „W. v. d. Vogelweide“ Bozen
BG/BORG St. Johann in Tirol
Sprachen- und Realgymnasium Bruneck
Gymnasium „W. v. d. Vogelweide“ Bozen
Real- und Sprachengymnasium Brixen
Klassisches Gymnasium „Vinzentinum“ Brixen
Klassisches Gymnasium der Franziskaner Bozen
Klassisches Gymnasium „Vinzentinum“ Brixen
Akademisches Gymnasium Innsbruck
Klassisches Gymnasium „Vinzentinum“ Brixen
BG/BORG St. Johann in Tirol
BG/BRG Reutte
Realgymnasium Meran
Meinhardinum Stams
Fremdsprachenwettbewerb
der berufsbildenden Schulen
Otto Trebo in Englisch unter den Besten
Der Gesamttiroler
Fremdsprachenwettbewerb der
berufsbildenden Schulen konnte
Otto Trebo von der Hotelfachschule
Bruneck beim Bewerb in Englisch
besonders beeindrucken. Unter den 24
Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus
Nord-, Süd- und Osttirol verpasste er
nur knapp den dritten Platz und wurde
großartiger Vierter.
Otto Trebo aus St. Vigil meisterte die
verschiedenen Bewerbe mit Bravour und
schaffte es bis ins
Finale. Dort hatte
er in 30 Minuten
einen Dialog mit
einer weiteren
Konkurrentin
vorzubereiten und
in 15 Minuten ein
Event der Jury
vorzustellen.
Mit exakten
Formulierungen und stichhaltigen
Argumenten konnte Otto Trebo die Jury von
seinem Können überzeugen und erreichte
den überraschenden vierten Platz. „Das
hervorragende Ergebnis zeigt, dass die
berufsbildenden Schulen in Südtirol
einen Sprachunterricht auf hohem Niveau
bieten“, freut sich Ressortdirektor Peter
Höllrigl mit dem Schüler und der gesamten
Schulgemeinschaft der Hotelfachschule
Bruneck. (TS)
Mai/Juni 2015
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Lernwelten
12. Südtiroler Jugendredewettbewerb
Starke Auftritte
Nadja Stecher, Peter Tirler sowie Hannes Ebner und Manuel Kremer sind die Sieger des diesjährigen zwölften Südtiroler
Jugendredewettbewerbs. Landesrat Achammer sprach den redegewandten Schülerinnen und Schülern, die zwischen den drei
Ausdrucksformen Klassische Rede, Spontanrede und Neues Sprachrohr wählen konnten, ein großes Kompliment für ihren
Mut zur Teilnahme am Wettbewerb aus.
Die Organisatoren des Jugendredewettbewerbes, das Deutsche Schulamt und das
Landesamt für Jugendarbeit, waren ebenso
wie Bildungslandesrat Philipp Achammer
begeistert von den Leistungen der Jugendlichen: „Ich wünsche euch, dass ihr noch viele
Gelegenheiten haben werdet, euer Redetalent unter Beweis zu stellen und das nicht
nur bei einem Wettbewerb, sondern im täglichen Leben, im Beruf, im Privaten und vielleicht gar im Zuge einer politischen Arbeit“,
so Achammer. Die Jury des zwölften Südtiroler Jugendredewettbewerbs sprach ebenfalls von einem sehr hohen Niveau und von
starken Auftritten sowie von interessanten
und äußerst berührenden Beiträgen.
Eine Änderung in der Ausrichtung des Südtiroler Jugendredewettbewerbs steht für 2016
an: Der bisher vom Deutschen Schulamt und
dem Landesamt für Jugendarbeit organisierte Wettbewerb wird mit dem RedewettSiegerbild mit Ehrengästen (v. l.): Landesbewerb der Südtiroler Bauernjugend zusam- rat Philipp Achammer, Christian Girardi
mengelegt.
(Südtiroler Volksbank), Peter Tirler, Nadja
Stecher, Manuel Kremer, Hannes Ebner und
Lidia Canins, Landespresseamt
Inspektor Ferdinand Patscheider
Landessieger nehmen am
Bundeswettbewerb in Wien teil
Gemeinsam mit Schulinspektor Ferdinand
Patscheider und Christian Girardi von der
Südtiroler Volksbank, dem Sponsor des
Wettbewerbes, nahm Landesrat Philipp
Achammer die Siegerehrung vor. Die Drittplatzierten erhielten jeweils einen Geldpreis
von 100 Euro, die Zweitplatzierten je 200
Euro und die Siegerinnen und Sieger jeweils
einen Preis von 300 Euro. Nadja Stecher vom
Sozialwissenschaftlichen Gymnasium und
Kunstgymnasium Bruneck überzeugte in der
Kategorie Klassische Rede, Peter Tirler vom
Realgymnasium und der Technologischen
Fachoberschule Meran mit seiner Spontanrede und Hannes Ebner und Manuel Kremer,
Schüler der Landeshotelfachschule „Kaiserhof“ in Meran, holten sich im Doppelpack
den Sieg in der Kategorie Neues Sprachrohr.
Die Siegerin sowie die Sieger des Redewettbewerbes vertreten Südtirol Anfang Juni
beim Finale des Österreichischen Bundeswettbewerbs in Wien.
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Mai/Juni 2015
Südtiroler Jugendredewettbewerb 2015
Die Siegerinnen und Sieger
Klassische Rede (17 Teilnehmer/innen)
1. Nadja Stecher
Sozialwissenschaftliches Gymnasium und Kunstgymnasium Bruneck
2. Maximilian Demetz Klassisches Gymnasium „Vinzentinum“ Brixen
3. Hannes Ebner
Landeshotelfachschule „Kaiserhof“ Meran
Spontanrede (11 Teilnehmer/innen)
1. Peter Tirler
Realgymnasium und Technologische Fachoberschule Meran
2. Patrick Baldauf
Klassisches Gymnasium „Vinzentinum“ Brixen
3. Manuel Kremer
Landeshotelfachschule „Kaiserhof“ Meran
Neues Sprachrohr (4 Teilnehmer/innen)
1. H
annes Ebner &
Manuel Kremer
Landeshotelfachschule „Kaiserhof“ Meran
2. Lea Hilfert
Realgymnasium und Technologische Fachoberschule Meran
2. Elisabeth Steiner Oberschulzentrum Schlanders
20. Mathematik-Modellierungswoche
„Rote Backe nach oben“
Das Themenrepertoire reichte von der Apfelverpackung über den Schwierigkeitsgrad bei Kletterrouten bis zu den
erneuerbaren Energien: Die Mathematik-Modellierungswoche feierte dieses Jahr Mitte März ihr zwanzigstes Jubiläum
– in gewohnter Manier mit Aufgabenstellungen, die viel Denkarbeit erforderten. Insgesamt 25 Schülerinnen und Schüler
knobelten auf Schloss Rechtenthal an mathematischen Lösungen und Antworten.
Um sich voll und ganz auf ihre mathematischen Aufgaben konzentrieren zu können,
zogen sich Mitte März insgesamt 25 Schülerinnen und Schüler auf Schloss Rechtenthal
bei Tramin zurück. Dort konnten sie ungestört und mit ganzer Kraft einiger ihrer
Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: dem
Algorithmisieren und der Modellbildung.
Es ging in erster Linie darum, sich intensiv
mit den Fragestellungen auseinanderzusetzen, sich Lösungsvorschläge auszudenken,
diese in die mathematische Sprache zu übersetzen – und das alles möglichst im Team.
Lösungen mit Köpfchen
Wie man Äpfel sortiert und auf ihre Verpackung vorbereitet, darüber machte sich die
Gruppe mit dem Arbeitstitel „Rote Backe
nach oben“ Gedanken. Dafür müssen die Äpfel alle gleich ausgerichtet, also in die gleiche Richtung gedreht werden, und zwar mit
dem Stängel nach oben. Momentan geschieht dieser Arbeitsschritt noch durch
Menschenhand: In Zukunft könnten diese
Aufgabe Maschinen übernehmen: „Zuerst
macht eine 3D-Kamera ein Foto des Apfels,
um dessen Ausrichtung zu bestimmen; danach nimmt ein Scanner die Farben auf.
Dort, wo das Rot des Apfels am dunkelsten
ist, sollte die obere Seite sein. Nachdem die
Kamera diese dunkelste Stelle erkannt hat,
bringt ein Greifarm mit Saugnapf den Apfel
in die richtige Position“, erklärte Katharina
die Lösungsvorschläge für diese Aufgabenstellung. „Das Problem, das momentan bei
diesen Robotern, die bereits auf dem Markt
sind, noch besteht, ist, dass sie eine zu hohe
Fehlerquote aufweisen, zu teuer und zu
langsam sind. Das gilt es zu verbessern“,
so die Schülerinnen und Schüler.
Mit dem Thema „Heizen in Südtirol ohne Gas
und Erdöl“ befasste sich eine andere Gruppe. Auf fossile Brennstoffe greife man immer noch häufig zurück, da sie leichter zugänglich seien als erneuerbare Energiequellen, so die Schülerinnen und Schüler. Es
gebe aber durchaus noch andere Möglichkeiten, Wärme zu speichern, zum Beispiel
durch Geothermie (Erdwärme) oder einfach
durch eine bessere Isolierung der Gebäude;
je besser Gebäude isoliert seien, desto mehr
spare man Heizkosten. Allerdings sei die
Isolierung der Gebäude sehr kostspielig, gaben die Schülerinnen und Schüler zu. Als
Um Spielstrategien bei Qwirkle ging es
Lösungsvorschlag untersuchten die Schüler bei der Aufgabenstellung, die diese Gruppe
bearbeitete.
unter anderem auch das Modell des Pumpspeicherkraftwerks genauer: „Damit kann
man günstig Strom speichern, allerdings
Mathematikbräuchten wir in Südtirol – nach unseren
Berechnungen – insgesamt 400 PumpspeiModellierungswoche
cherkraftwerke, die eine Wassermenge in
Organisiert wird die Veranstaltung
der Größenordnung des Kalterersees beinvom Bereich Innovation und Beratung
halten, um den Bedarf zu decken, und das ist
gemeinsam mit Inspektorin Marta Herbst
vom Deutschen Schulamt. Martin Bracke
unserer Meinung nach unrealistisch. Aber
vom Felix-Klein-Zentrum Kaiserslautern
zumindest einen Teil der Stromspeicherung
begleitete die diesjährige Veranstaltung
könnten in Zukunft diese Kraftwerke überzusammen mit Vertretern der Europäischen
nehmen “, sagte Tobias.
Akademie, der Universität Bozen und
Karin Höller vom Bereich Innovation und
dreier lokaler Unternehmen mit realen
Problemstellungen aus den Bereichen
Beratung, die zusammen mit Marta Herbst,
Umwelt, Verkehr, Sport, Bildbearbeitung
der Inspektorin des mathematisch-naturund Spiel. Engagierte Lehrpersonen
wissenschaftlichen Bereichs, das Projekt
verschiedener Oberschulen unterstützen
„Mathematik-Modellierungswoche“ mehrere
die Schülerinnen und Schüler während
dieser besonderen Woche. Die konkreten
Jahre koordinierte, freute sich über die ErAufgabenstellungen der diesjährigen
gebnisse: „Obwohl die Mathematik-ModelMathematik-Modellierungswoche sind
lierungswoche schon zum 20. Mal ausgetraeinsehbar unter:
gen wird, ist sie immer noch ein Projekt mit
www.bildung.suedtirol.it
Zukunft“, ist die Koordinatorin überzeugt.
/files/4414/2589/9012/
Verena Hilber
Problemstellungen_
T2015_02.pdf
INFORedaktion
Mai/Juni 2015
35
Lernwelten
Die Wirkung der eigenen Körpersprache
Gutes Auftreten gefragt
Körpersprache im Zusammenhang mit Präsentationstechniken ist seit Jahren fester Bestandteil im Praxisunterricht
Marketing der Landesberufsschule Handel und Grafik „J. Gutenberg“ in Bozen. Vor Kurzem trainierte die deutsche
Schauspielerin und Schauspieltrainerin Katja Lechthaler zwei Tage lang mit den Schülerinnen und Schülern der vierten
Klasse Multimediagestaltung, wie sie wirkungsvoller auftreten können.
wie eindeutig die Wirkung des Händedrucks
gedeutet wurde. Mindestens genauso beeindruckend war für die jungen Menschen die
Erkenntnis, dass eine für sie selbst bequeme Körperhaltung – etwa beim Sitzen – zu
großen Missverständnissen führen kann,
weil diese in gewissen Situationen nach außen unmotiviert und desinteressiert wirkt.
„Denk daran, du kannst das!“
Eine besondere Atemübung lehrte die Teilnehmenden, wie man kurz vor einer äußerst
aufregenden Situation wie Auftritt, Bewerbung oder Prüfung, eine deutliche Beruhigung und verstärkte Konzentration auf die
bevorstehende Aufgabe erreicht. Katja
Schauspieltrainerin Katja Lechthaler zeigt den Jugendlichen, wie sie ihre Wirkung nach
Lechthaler kehrte immer wieder zu der
außen verstärken können.
Kernaussage ihres Trainings zurück: „Ausgehend vom Körper kann man sein Fühlen,
Eigentlich hatten die Schüler und Schülerin- hen muss, um Fehler zu vermeiden und eiDenken und Handeln beeinflussen und deutnen ein Patentrezept für einen guten ersten
nen besonders guten ersten Eindruck zu
lich wirkungsvoller werden lassen.“
Eindruck erwartet, und waren überrascht,
machen.“ Dafür müsse sich der Mensch
Die Schauspieltrainerin verzichtete ganz bewusst auf gut gemeinte Ratschläge und psydass es größtenteils um ihren eigenen Körnicht verstellen, so Katja Lechthaler. „Ausper und ihre Atmung ging. Im Proberaum
reichend Selbstsicherheit steckt in jedem
chologisierende Gesprächsrunden. „In den
der Vereinigten Bühnen Bozen brachte Katja Menschen. Sie wird nur verdeckt von der ei- meisten Fällen weiß der Beratene gar nicht,
Lechthaler den jungen Menschen bei, in sich genen Unsicherheit.“ Wie man das eigene
wie er den guten Ratschlag umsetzen soll.
hineinzuspüren, zu hören, was ihr Körper ih- Charisma „entschält“, das war der Kern des Eine konkrete Körperübung kann er ganz
nen mitteilt und mit diesen Beobachtungen
zweitägigen Workshops.
leicht nachahmen. Er kann in sich hineinfühlen, ob sich sein innerlicher Zustand verbesumzugehen. Egal, ob man ein schüchterner,
sert, und prüfen, ob sich seine Wirkung nach
introvertierter oder extrovertierter Charak- Körperübungen
ter ist: Es ist wichtig, dass jeder so sein darf, statt schlauer Sprüche
außen optimiert.“
Mit gemeinschaftlichen, körperlichen Übun- Hat Katja Lechthaler damit nicht recht? Kurz
wie er ist, aber im entscheidenden Moment
gen veranschaulichte Katja Lechthaler den
weiß, wie er oder sie professionell handelt
vor einer wichtigen Aufgabe sagt uns jeund einen souveränen Eindruck hinterlässt. jungen Menschen, wie man auf andere wirkt. mand: „Denk daran, du kannst das!“ – hilft
Es wurde deutlich, dass jeder zwar auf seine das konkret, um sich in dieser Situation zu
Der Leitsatz, den Katja Lechthaler den jungen Mediengestaltern und MediengestalteArt wirkt, es aber bestimmte Körpersignale beruhigen, oder bringt die Atemübung, mit
rinnen mitgab, war deutlich: „Professionell
der der Körper sofort ruhiger wird, eine grögibt, die ähnlich interpretiert werden. Außerdem fiel auf, dass je nach Person mehr
ßere Wirkung in dieser Situation?
ist nicht, wer sich so sehr unter Kontrolle
oder weniger Anstrengung für einen guten
hat, dass er oder sie gar nicht mehr nervös
Eindruck aufgewendet werden muss.
Sabine Weissenegger
oder aufgeregt ist. Professionell ist viel
Landesberufsschule Handel und Grafik
Besonders beeindruckend war die Übung
mehr derjenige, der weiß, wie er mit seiner
„J. Gutenberg“, Bozen
mit dem Händedruck. Es war erstaunlich,
eigenen Aufregung oder Nervosität umge36
Mai/Juni 2015
Innovativer Zweitsprachunterricht
Geschichten bauen
Alle kennen das Konzept von LEGO. Die meisten Eltern von heute haben mit diesen bunten Klötzchen gespielt und gebaut,
ihrer Fantasie freien Lauf gelassen, fantastische Geschichten erfunden und sich Stunde um Stunde in dieser Beschäftigung
verloren. Als innovatives Element hat LEGO Einzug in den Zweitsprachunterricht gehalten. Ein Erfahrungsbericht.
Reinswald, Freitagvormittag nach der Pause: Die Kinder der vierten und fünften Klasse treffen sich im Raum, mit den Notebooks.
Sie sind müde, aber gut gelaunt. Sie wissen
nicht, was sie erwartet, sind etwas aufgeregt und neugierig. 16 Kinder und acht
Arbeitsplätze: Für jede Gruppe stehen ein
LEGO-Education-WeDo-Konstruktionsset
und ein Notebook bereit. Die Kinder schauen
sich überrascht an. Energie und Neugierde
füllen den Raum.
An der Grundschule Reinswald des Schulsprengels Sarntal wurde im Schuljahr
2014/2015 erstmals das Projekt LEGO Education WeDo – mit Unterstützung von Christian Laner vom Bereich Innovation und Beratung des Deutschen Bildungsressorts – umgesetzt. Das Projekt umfasste 15 Stunden
und wurde von mir als Italienischlehrperson
koordiniert. Beteiligt waren auch die Lehrpersonen für Muttersprache, Geschichte und
Naturwissenschaften. Kinder und Lehrpersonen hatten den Mut, sich auf dieses Projekt einzulassen und haben mit großer Begeisterung daran teilgenommen.
Geschichten gestalten
und ihnen Leben einhauchen
Als ich mich dazu entschlossen hatte, dieses
Projekt zu entwickeln, war genau das eines
meiner Ziele: Ich wollte ein entspanntes Klima schaffen, in welchem Muttersprache,
Zweitsprache (L2), Geschichte und Naturwissenschaften nicht Fächer sind, die anstrengend im Lernprozess sind, sondern Bereiche, in welchem Kinder mit LEGO spielen
und konstruieren und auf diese Weise in diese Fächer eintauchen können.
Das Konzept des Projektes „LEGO WeDo –
Wir bauen Geschichten auf“ ist einfach und
gleichzeitig innovativ: Es geht darum, anhand dieser Software Geschichten zu gestalten und ihnen Leben einzuhauchen. Das
Prinzip ist immer dasselbe: Die Kinder bau-
Um das konstruierte LEGO-Objekt entsteht eine Geschichte …
en Figuren, Tiere wie Krokodile oder Löwen
oder andere Dinge wie einen Kran. Um diese
Konstruktionen entwickeln die Kinder ihre
Geschichten. Der neue Ansatz bei LEGO
Education WeDo ist, dass sich die Objekte
bewegen lassen. Dies geschieht mit einer
ganz einfachen Software, mit deren Hilfe neben Tönen auch Abläufe der mechanischen
Konstruktionen programmiert werden.
Konstruieren und Programmieren
Nach einer kurzen Einführung in den Gebrauch der Software arbeiten die Kinder zu
zweit und dürfen erste Objekte bauen und
programmieren. Sie bauen verschiedene Figuren, Tiere, Personen, Transportmittel und
anderes. Bei der Programmierung experimentieren die Kinder damit, wie ihre Objekte
Töne erzeugen oder sich bewegen können.
Nach dem ersten intensiven Kennenlernen
der Möglichkeiten wählen die Kinder, immer
in Kleingruppen, eine oder mehrere Figuren.
Um diese Figur entsteht dann die Geschichte,
die sie in ihrer Muttersprache aufschreiben.
Anschließend schreiben die Kinder, unter-
stützt von der Italienischlehrperson, in
Italie­nisch kurze Dialoge, in denen diese
Figuren mit ihren programmierten Bewegungen die Hauptrolle spielen, und überlegen sich, wie sie die ausgedachten Geschichten umsetzen können. Sie können zum Beispiel einen kurzen Monolog erfinden, ein
Video dazu drehen oder eine kleines Theaterstück erarbeiten.
Zum Abschluss des Projektes stellen wir die
Ergebnisse der Öffentlichkeit vor und laden
Eltern und Geschwister ein. Die Kinder zeigen, was sie konstruiert und programmiert
haben, stellen ihre Geschichten vor und zeigen die Videos. Dies geschieht alles in der
Zweiten Sprache.
Beim gesamten Projekt arbeiten die Kinder
fächerübergreifend miteinander: beim Erproben verschiedener physikalischer Prinzipien,
bei der Auseinandersetzung mit den digitalen
Medien und beim „Übersetzen“ ihrer Erfahrungen in Geschichten und damit in Sprache.
Elena Maria Leida
Zweitsprachlehrerin (L2)
Mai/Juni 2015
37
Lernwelten
Olympiade der italienischen Sprache
Sintesi di impegno e merito
Auch dieses Jahr fand in Südtirol wie im Rest Italiens die Olympiade der italienischen Sprache statt. Fast 25.000 Schülerinnen
und Schüler in Italien und im Ausland hatten sich an den schulinternen Wettbewerben im Februar beteiligt – 84 von ihnen
haben die Hürde der Regionalausscheidung gemeistert, davon zwei aus Südtirol. Sie nahmen am Finale in Florenz teil, das
vom 9. bis 11. April 2015 im geschichtsträchtigen Palazzo Vecchio in Florenz über die Bühne ging.
che si sono sfidati a Bressanone il 5 marzo
sono stati 61.
Vincitore della sezione biennio è risultato
Matteo Polito del Liceo scientifico di Bolzano
mentre Valeria Corso, dell’Istituto tecnico
per economia, grafica e comunicazione
“Durst” di Bressanone ha vinto la sezione
triennio. A Firenze i due finalisti altoatesini
hanno svolto quattro complesse prove di
scrittura. Una difficile sfida che però alla
fine ha dimostrato che i nostri studenti delle
scuole di lingua tedesca sanno essere all’altezza: 24º posto per Matteo Polito e 28º posto per Valeria Corso, posizioni di tutto rispetto considerato l’alto livello anche degli
altri studenti, eccellenze delle scuole in lingua italiana di tutto il paese.
La delegazione delle scuole sudtirolesi dinanzi alla sede dell’Accademia della Crusca a
Firenze (da sinistra): Cinzia Guardigli, Monica Caldaro, Marco Mariani, Valeria Corso,
Matteo Polito, Franca Santoro, Cristina Corbetta, Markus Liensberger e Paola Rizzi
Come per la scorsa edizione, le scuole di lingua tedesca e quelle delle località ladine
sono arrivate alla finale fiorentina partecipando alla gara a loro dedicata e organizzata
dalle docenti Corbetta, Guardigli, Rizzi e
Santoro dell’Istituto “Durst” di Bressanone,
sostenute quest’anno, oltre che dal dirigente
dell’istituto brissinese, Markus Liensberger,
e dall’Ispettore della lingua italiana, Marco
Mariani, anche ufficialmente dall’Intendenza
scolastica della scuola di lingua tedesca,
che apprezzando l’impegno, la serietà e la
competenza del gruppo, così come i risultati
della passata edizione, ha voluto farsi sponsor e portavoce della competizione.
Tra fine settembre e inizio ottobre il comitato ha organizzato due incontri informativi ai
quali hanno partecipato gli insegnanti inte38
Mai/Juni 2015
ressati al progetto e durante i quali sono
state presentate la gara, le modalità di partecipazione e le novità. Tra queste da sottolineare un test consigliato per una selezione più oggettiva dei partecipanti e le tre
classifiche distinte per licei, istituti tecnici e
scuole professionali, oltre che una classifica assoluta, sia per il biennio che per il
triennio.
Matteo Polito e Valeria Corso
ottengono ottimi risultati
Alla competizione provinciale hanno partecipato 33 scuole, 15 licei, 13 istituti tecnici e 5
scuole professionali. Il totale degli alunni
iscritti è stato di 953, gli alunni che hanno
effettivamente preso parte alla gara d’istituto del 4 febbraio sono stati 814, e i finalisti
Il bilinguismo “esportato”
a Firenze
Alla fine della competizione i due vincitori
sudtirolesi hanno ricevuto un riconoscimento personalmente dal Direttore Generale del
Ministero dell’Istruzione, dell’Università e
della Ricerca, Carmela Palumbo. L’Ispettore
Mariani ha avuto in questa occasione l’opportunità di spiegare brevemente agli studenti e agli insegnanti presenti nella meravigliosa sala del Cinquecento di Palazzo Vecchio, il perché delle Olimpiadi di Italiano
Lingua Due (L2) per l’Alto Adige. La lingua
italiana, attraverso questa competizione, è
stata protagonista per qualche giorno nelle
nostre scuole di lingua tedesca e la realtà
del bilinguismo dell’Alto Adige è stata
‘esportata’ e spiegata in occasione della finale nazionale a chi ancora non la conosce.
Cristina Corbetta
Insegnante di Italiano Lingua Seconda e referente
provinciale del progetto Olimpiadi di Italiano L2
Konstruktiver Umgang mit Konflikten: WIR-Projekt
Affe, Adler, Elefant
Auf den drei Säulen Werte, Integration und Resilienz basiert das WIR-Projekt, das zu einem konstruktiven Umgang mit
Konflikten anleiten will. Michaela Schlomm* erklärt die Grundlagen des Projekts und wie Kinder, Lehrpersonen und Eltern
daraus Nutzen ziehen können.
Werte verstehen wir als gemeinsame Orientierung unserer Gesellschaft, für die wir uns
einsetzen. Integration sehen wir als eigen
bleiben dürfen in der Gemeinschaft, bewusst
verschieden sein dürfen, und mit diesem Ansatz beugen wir dem Ausschluss aus der
(Klassen-) Gemeinschaft vor. Resilienz ist
das Wissen darum, dass wir schon viel können und wissen, um auch mit schwierigen
Situationen zurechtzukommen. Dieses Können und Wissen aktivieren wir im WIR-Projekt, damit wir es bewusst nutzen können.
Die theoretische Grundlage des Projekts ist
der ATCC-Ansatz. ATCC (l´Approche et
transformation constructives des conflits)
kommt aus dem Französischen und bedeutet, Konflikte wahrzunehmen und konstruktiv zu bearbeiten. Konflikte sind demnach
Zeichen dafür, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Im WIR-Projekt lernen
Kinder zu erkennen, worum es den am Streit
Beteiligten wirklich geht, und sie lernen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
her­unterschauen. Mit ihm lernen die Kinder
in der zweiten Einheit des Projekts den
scharfen Blick, sie lernen, dass in Konflikt­
situationen meist bei allen Beteiligten Grenzen verletzt werden. Können wir diese Verletzungen anerkennen, führt uns dies zur Überlegung, was die Streitenden brauchen, um
in der Schule wieder gut lernen zu können.
Lehrpersonen und Eltern sind wichtige Partner für das Gelingen des Projekts und werden selbstverständlich miteinbezogen. Die
Lehrpersonen werden durch ein Coaching
begleitet, in dem sie mithilfe des Außenblickes der Trainerin bestimmte Aspekte ihrer
Arbeit betrachten können. Die Eltern bekommen bei einem Elternabend Einblick in
das WIR-Projekt.
* Michaela Schlomm ist Mitarbeiterin am Kompetenz­
Gefühlswelten und Adlerblick
Elefantenrunde:
Raum für Konflikte
Grundlegend dafür ist zunächst, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden. Dies geschieht beim WIR-Projekt mithilfe des Affen
Cäsar. Er ist der Spezialist für Gefühle und
zeigt, wie wichtig es ist, die eigenen Gefühle
zu kennen und sie auch mitzuteilen. Im Projekt stellen die Kinder ein Gefühlsrad her,
mit dessen Hilfe das Mitteilen von Gefühlen
zu einem täglichen Ritual wird, in das auch
die Lehrpersonen einbezogen sind.
Als nächster Schritt folgt die Auseinandersetzung mit dem Thema Grenze. Hier hilft
der Adler Arno, denn er hat scharfe Augen
und kann von ganz weit oben auf die Konflikte
Die Elefantenkuh Slonny ist Expertin für die
Gemeinschaft und begleitet die Kinder in der
dritten Einheit des Projekts. Sie führt die
Kinder in die Elefantenrunde ein, eine Art
der Konfliktbearbeitung, die direkt in der
Klasse unter Beteiligung der Lehrperson
und aller Schülerinnen und Schüler stattfindet. Konflikte bekommen so einen Raum, sie
dürfen da sein und die Kinder lernen, dass
sie selbst sie bewältigen können. Die zentrale Frage dabei bleibt: „Was brauchst du, damit du wieder gut lernen kannst?“ Eine auch
für uns Erwachsene oft nicht leicht zu beantwortende Frage.
zentrum für die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Koordinatorin
des WIR-Projekts.
WIR – Ausbildung
zur Trainerin/zum Trainer
Die Einführungsveranstaltung zur
Ausbildung zur WIR-Trainerin oder
zum WIR-Trainer (Kursfolge 12.wp im
Landesplan der Fortbildung 2015/2016)
findet am 14. Mai um 17.00 Uhr in der
Cusanus-Akademie in Brixen statt.
Mai/Juni 2015
39
Service
Wer eine Lehrstelle sucht oder es zum Meister respektive zur Meisterin bringen will, wendet sich
an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Lehrlingswesen und Meisterausbildung (v. l.):
Roland Walter, Martina Rassler, Melanie Tratter, Michela Caobelli, Olga Celva, Bettina Schweigl,
Gertraud Aschbacher (stellvertretende Amtsdirektorin), Cäcilia Baumgartner (Amtsdirektorin),
Josefine Spitaler, Rosa Vulkan, Manfred Agostini, Christine Kofler, Marion Blaas und Brunhilde Maier.
40
Mai/Juni 2015
DEUTSCHES BILDUNGSRESSORT
Deutsches Bildungsressort:
Wer macht was?
Landesrat für Bildung
INSPEKTOR(INN)EN FÜR GRUNDUND SEKUNDARSCHULEN
DEUTSCHES
SCHULAMT
DEUTSCHES
BILDUNGSRESSORT
Schulamtsleiter und Ressortdirektor
Organigramm
des Deutschen Bildungsressorts
KINDERGARTENINSPEKTORAT
ABTEILUNG 16
DEUTSCHES SCHULAMT
FACHSTELLE FÜR
INKLUSION UND
GESUNDHEITSFÖRDERUNG
Kindergarteninspektor/in
Abteilungsdirektor/in
Inspektor/in
BEREICH
BERUFSBILDUNG
ABTEILUNG 22
LAND-, FORST- UND
HAUSWIRTSCHAFTLICHE BERUFSBILDUNG
BEREICH DEUTSCHE
UND LADINISCHE
MUSIKSCHULEN
BEREICH INNOVATION
UND BERATUNG
Bereichsleiter/in
Abteilungsdirektor/in
Landesmusikschuldirekor/in
Bereichsleiter/in
Leiter/in
6 Fachreferate
6 Evaluator(inn)en
5 Ämter
2 Ämter
Referat Volksmusik
2 Koordinationsstellen
EVALUATIONSSTELLE
FÜR DIE DEUTSCHE
SCHULE
Pädagogische
Beratungszentren
Kindergärten
Grund-, Mittel- und
Oberschulen
Berufs- und
Fachschulen
Fachschulen
Musikschulen
Amt für Lehrlingswesen und Meisterausbildung
Vom Lehrling zum Meister
Der Name ist zugleich Programm: Wenn es um die Themen Lehrlingswesen und Meisterausbildung geht, sind die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Lehrlingswesen und Meisterausbildung die zentrale Anlaufstelle.
Ihr oberstes Ziel ist es, die Qualität der Ausbildung zu sichern. Wie sie dies erreichen und wie umfassend ihre Aufgaben sind,
beschreibt Gertraud Aschbacher*.
Bei der Lehre kann durch Lernen in Berufsschule und Betrieb ein Berufsabschluss erworben werden, und zwar in 107 Lehrberufen des Handwerks, Gastgewerbes und Handels. Der Meisterbrief hingegen ist die
höchste Qualifikation in diesen Berufen. Dies
verdeutlicht, wie vielfältig der Arbeitsbereich
des Amtes für Lehrlingswesen und Meisterausbildung ist.
dung, von der Lehrlingsordnung bis zu den
Ausbildungsrahmenplänen für die einzelnen
Lehrberufe, das heißt die „Lehrpläne“ für
den Betrieb. Wir versuchen kontinuierlich,
die Rahmenbedingungen für die Lehre zu
verbessern. Aktuell arbeiten wir gemeinsam
mit den Sozialpartnern an einem Pakt, um
die traditionelle Lehre zu fördern.
Rund um Lehrling und Betrieb
Nach Ende der Grundausbildung gibt es in
Südtirol viele Möglichkeiten der Fortbildung.
Besonders anspruchsvoll ist die Meisterprüfung: Ein Anwärter auf die Meisterprüfung
absolviert zwischen 600 und 1.700 Kursstunden. Im Durchschnitt vergehen drei Jahre
und zehn Monate zwischen der ersten Einschreibung einer Kandidatin und ihrem
Meistertitel. Und dennoch besuchen alljährlich rund 430 Personen die Kurse und legen
die Prüfungen ab. Der Großteil der Absolventen und Absolventinnen erwirbt den
Meistertitel in einem Handwerksberuf; weniger bekannt ist, dass auch Köche und Köchinnen, Servierfachkräfte und Fachkräfte
im Handel zu diesem Abschluss kommen
können. Unser „Meisterteam“ kümmert sich
um alle Belange rund um die Meisterausbildung und die Prüfungen: vom ersten Kontakt
über die Ausarbeitung des Prüfungspro-
Ein Teil unseres Teams beschäftigt sich mit
allen Fragen und Anliegen rund um die
Lehrlingsausbildung. „Ich möchte einen
Lehrling einstellen, was muss ich dabei beachten?“ oder „Mein Sohn/meine Tochter
möchte einen praktischen Beruf erlernen:
Wie finde ich eine Lehrstelle?“ sind nur zwei
von vielen Fragen, die wir täglich telefonisch
oder in persönlichen Gesprächen beantworten. Die Beratung von Lehrbetrieben, Arbeitsrechtsberatern und -beraterinnen,
Lehrlingen, Eltern und Schulen ist nur eines
unserer Tätigkeitsfelder. Zu den Kernaufgaben gehört es, die Voraussetzungen jener
Betriebe zu überprüfen, die Lehrlinge ausbilden möchten, und die Lehrlinge an den
Berufsschulen im In- und Ausland einzuschreiben. Weiters kümmern wir uns um
alle Normen rund um die Lehrlingsausbil-
Der Weg zum Meisterbrief
gramms und die Kursorganisation bis hin zu
den Prüfungen und Abschlussgesprächen.
Besonderes Augenmerk richten wir dabei
auf die Qualität der Ausbildung: Immer wieder überarbeiten wir gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Berufsschule die Kursinhalte und versuchen,
die Meisterausbildung zum Beispiel durch
Projektarbeiten möglichst handlungsorientiert zu gestalten. Den Höhepunkt der Meisterausbildung bildet die Verleihung der
Meisterbriefe: Jedes Jahr im Spätherbst
veranstalten wir eine Feier, bei der die neuen Meisterinnen und Meister im Beisein von
Familie, Freunden und Ehrengästen ihr
Diplom erhalten.
* G ertraud Aschbacher ist stellvertretende
Direktorin des Amtes für Lehrlingswesen
und Meisterausbildung.
AMT FÜR LEHRLINGSWESEN
UND MEISTERAUSBILDUNG
Bereich Deutsche Berufsbildung
Dantestraße 11, Bozen
Tel. 0471 416980, Fax 0471 416994
[email protected]
www.provinz.bz.it/berufsbildung/
Mai/Juni 2015
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Service
Sprachlernen im und mit dem Fachunterricht
„Beim Schlucken ist der Deckel zu“
Schülerinnen und Schüler haben das Recht auf gleiche Bildungschancen – die allerdings eng an Sprache gekoppelt
sind. Ein Weg zu mehr Chancengleichheit ist ein „sprachaufmerksamer“ Unterricht, in dem Fach- und Umgangssprache
zusammenwirken. Ein Beitrag von Tanja Tajmel.
Die Schule hat ein Problem, das gelöst werden muss, weil es dem
Grundsatz von Bildungschancengleichheit widerspricht: Eine bestimmte Gruppe von Schülerinnen und Schülern zeigt schlechtere
Leistungen und ist deutlich weniger „bildungserfolgreich“ als andere Lernende. Diese Schülerinnen und Schüler tragen mindestens eines der beiden Merkmale: Sie kommen nicht aus bildungsnahen
Verhältnissen und/oder ihre Familiensprache ist nicht Deutsch. Bei
genauerer Betrachtung sind diese Merkmale eigentlich keine Merkmale, sondern vielmehr die Negation von Merkmalen: nicht
deutschsprachig (Deutsch als Zweitsprache) und nicht bildungsnah.
Dies legt den Schluss nahe, dass Schule als Institution nur für eine
relativ homogene Zielgruppe – deutschsprachig und bildungsnah –
gut funktioniert und andere Gruppen von vornherein schlechtere
Prognosen auf Schulerfolg haben.
Dieses Phänomen ist als „schulische Diskriminierung“ Gegenstand
bildungs- und erziehungswissenschaftlicher Forschung. Als wesentliche Ursachen gelten eine zu frühe Selektion (etwa in mehrgliedrigen Schulsystemen wie in Deutschland oder Österreich), eine
monolinguale oder monokulturelle Schultradition und auf pädagogischer Handlungsebene der Mangel an Konzepten für diversitätsbewussten Unterricht. Dazu zählen auch Konzepte zur angemessenen
Berücksichtigung von Sprache im Fachunterricht.
derem Methoden an, die aus dem DaF-(Deutsch als Fremdsprache)
oder Sprachunterricht bekannt sind. Der Unterschied zwischen einem DaF- oder Sprachunterricht und einem regulär deutschsprachigen Fachunterricht ist jener, dass der DaF-Unterricht von seiner
Ausrichtung her vorrangig am sprachlichen Lernen orientiert ist
und die Inhalte eher Mittel zum Zweck sind, während sich der Fachunterricht vorrangig am fachlichen Lernen orientiert und die Sprache eher die Rolle des Mittels einnimmt. Für nicht-deutschsprachige Schülerinnen und Schüler (oder Schülerinnen und Schüler mit
Deutsch als Zweitsprache) ist die Sprache im Fachunterricht jedoch
Unterrichtsmittel und Unterrichtsziel gleichermaßen. Die Anforderung an die Fachlehrerin oder den Fachlehrer besteht also darin,
auch die Sprache als Lernziel zu erkennen – und zwar nicht nur aus
fachlicher (Fachsprache) sondern auch aus umgangssprachlicher
Perspektive (Umgangs-, Alltagssprache). Eine Kooperation von
Fach- und Sprachlehrkräften bietet in dieser Hinsicht viele Möglichkeiten, die sprachliche Aufmerksamkeit sowohl bei den Lehrkräften
als auch bei den Schülerinnen und Schülern zu erhöhen und unterschiedliche pädagogisch-didaktische Ressourcen sowohl aus der
Fach- als auch aus der Sprachdidaktik synergetisch zu nutzen.
Projekt „Sprachsensibler Fachunterricht“
Ein Beispiel für ein erfolgreiches Zusammenwirken von Deutsch und Fachlehrkräften stellt das Projekt „Sprachsensibler Fachunterricht“ dar, das seit September 2014 an der Mittelschule „Josef WenDiese einleitende Darstellung der Verwobenheit von mitunter diskri- ter“ und an der Technologischen Fachoberschule in Meran in Koopeminierenden institutionellen Rahmenbedingungen mit eng an Spra- ration mit dem Referat Migration am Bereich Innovation und
che gekoppelten Bildungschancen ist mir deshalb ein Bedürfnis,
Beratung und dem Sprachenzentrum Meran durchgeführt wird. An
weil ich damit jener Annahme entgegentreten möchte, dass die
der Mittelschule wird der Unterricht in Naturwissenschaften einer
mangelnde Bildungsbeteiligung auf ein Problem der Sprache redu- zweiten und einer dritten Klasse von einer Naturwissenschafts- und
ziert werden kann. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich auf
einer Deutschlehrerin gemeinsam geplant und durchgeführt. Auf
jene unterrichtlichen Entscheidungen, die von individuellen LehrBasis der fachlichen Unterrichtsmaterialien, wie etwa Schulbükräften täglich innerhalb der institutionellen Rahmenbedingungen
chern, sowie einer sprachfokussierten Unterrichtsbeobachtung
von Schule getroffen werden können. Eine davon ist etwa jene, wie
durch die Deutschlehrerin werden Arbeitsblätter und Materialien
viel Aufmerksamkeit der Sprache im Unterricht gewidmet wird. Wie zur Sprachbildung sukzessive vorbereitet und in der darauffolgenkann Sprache im Unterricht berücksichtigt werden? Wie können da- den Unterrichtsstunde eingesetzt. Der Prozess der Unterrichtspladurch die Bildungschancen von bislang benachteiligten Schülerinnung wird damit durch ein wöchentliches direktes Feedback aus
nen und Schülern verbessert werden? Was zeichnet einen „sprach- dem Unterricht gesteuert, was kurzfristige Änderungen und Anpasaufmerksamen“ Unterricht aus?
sungen an die Unterrichtssituationen ermöglicht. Der folgende Ausschnitt eines Arbeitsblattes entstammt diesem Projekt und stellt
Sprachlernen im Fachunterricht
ein Beispiel für eine von der Alltagssprache ausgehende VermittZur Vermittlung von Sprache im Fachunterricht bieten sich unter an- lung von Bildungs- und Fachsprache dar.
Wie kann Sprache im Unterricht
berücksichtigt werden?
42
Mai/Juni 2015
Seiten der Wissenschaft
Abb. 1: Arbeitsblatt aus dem Projekt „Sprachsensibler Fachunterricht“, Mittelschule „Josef Wenter“, Autorin: Evi Rita Tscholl
(Deutschlehrerin)
Das übergeordnete Thema dieser Unterrichtseinheit ist das Atmungssystem, Teilthema ist die Atmung und der Rachenraum. Das
fachliche Lernziel dieser Unterrichtssequenz ist es, den Vorgang
der Atmung beschreiben zu können. Das sprachliche Lernziel ist es,
die entsprechenden fachsprachlichen und bildungssprachlichen
Wörter zur Beschreibung dieses Vorgangs zu verwenden. In der
dargestellten Übung stehen Verben im Fokus der Aufmerksamkeit,
und zwar jene, die dazu notwendig sind, den Weg der Luft bei der Atmung zu beschreiben, sowohl umgangssprachlich als auch fachsprachlich. Die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler wird
explizit auf diese Verben gelenkt, indem diese kursiv gedruckt sind
und mit den entsprechenden fachsprachlichen Verben in Verbindung
gebracht werden. Die Umgangssprache soll von den Lernenden,
dem vorgegebenen Beispiel folgend, selbstständig in Fachsprache
übersetzt werden, indem für jeden Satz das umgangssprachliche
Verb durch das fachsprachliche ersetzt wird. In einem weiteren
Schritt werden die entsprechenden Verben nebeneinander in eine
Tabelle eingetragen, wobei die Konjugationsform des Verbs beibehalten werden kann, um die Wiedererkennbarkeit aus dem Text zu
gewährleisten.
Literatur
• Gogolin, Ingrid/Lange, Imke/Michel, Ute/ Reich, Hans H. (Hrsg.) (2013) :
Herausforderung Bildungssprache – und wie man sie meistert.
Förmig-Edition. Münster: Waxmann
• Quehl, Thomas/Trapp, Ulrike: Sprachbildung im Sachunterricht
der Grundschule. Mit dem Scaffolding Konzept unterwegs zur
Bildungssprache. Förmig-Material. Münster: Waxmann
Abb. 2: Umgangs- und Fachsprache im Tandem
Die Semantik und der Wortschatz stehen hier im Vordergrund. Die
Angabe der Verben im Infinitiv (durchgehen anstelle von geht durch)
würde einer zusätzlichen morphosyntaktischen Erläuterung bedürfen (Trennbarkeit von Verben usw.), die hier bewusst ausgespart
bleibt. Diese könnte als nächster Schritt erfolgen und würde zugunsten der metasprachlichen Auseinandersetzung mit Grammatik
vom fachlichen Kontext weiter wegführen. Das sprachliche Lernziel,
für umgangssprachliche Verben einen adäquaten fachsprachlichen
Ausdruck zu finden, ist deutlich erkennbar und damit auch für die
Schülerinnen und Schüler transparent. Die Aufmerksamkeit wird
gezielt und systematisch auf die Sprache gelenkt, und zwar ohne
den fachlichen Kontext zu verlassen. Damit stellt dieses Arbeitsblatt ein gelungenes Beispiel für sprachaufmerksames Fachunterrichtsmaterial dar.
Tanja Tajmel
Fakultät für Kulturwissenschaften, Bereich Deutsch als Zweitsprache
Universität Paderborn, Deutschland
• Tajmel, Tanja: Sprachliche Lernziele des naturwissenschaftlichen
Unterrichts. https://www.uni-due.de/imperia/md/content/prodaz/
sprachliche_lernziele_tajmel.pdf
Mai/Juni 2015
43
Service
Deutsche Sprachinseln in Italien
Minderheitensprachen
im Aussterben
Die fünfzehn deutschen Sprachinselgemeinschaften in Norditalien zählen zu jenen Volksgruppen, die ganz besonders in Gefahr
und vom Aussterben bedroht sind. Ein Beitrag von Luis Thomas Prader.*
In Europa gibt es etwa 350 Minderheitensprachen. Ein Siebtel der Europäischen Bevölkerung gehört einer Minderheit an. Die Unesco
geht davon aus, dass es weltweit etwa 6.000
Sprachen gibt. In den letzten Jahrzehnten hat
allerdings ein massives Sprachensterben eingesetzt. Im Atlas für bedrohte Sprachen wird
angeführt, dass 43 Prozent der Minderheitensprachen vom Aussterben bedroht sind. Bei
den geschätzten 2.500 im Aussterben bedrohten Sprachen sind auch jene enthalten, die
seit 1950 effektiv ausgestorben sind. Der englische Terminus „extinct“ bringt dies noch
klarer zum Ausdruck.
Beim Weltkongress zur Syntax im Jahre 2004
in Leipzig wurde der Prozentsatz der vom
Aussterben bedrohten Sprachen sogar mit
60 Prozent angegeben. Zudem spricht der
Weltkongress von einem „Sprachwechsel“:
Die Menschen passen sich zunehmend den
dominanten Sprachen ihrer Region an.
Zu einem aussagekräftigen Ergebnis über
das Sprachensterben kommt der italienische
Politologe Daniele Bonamore. Er sagt, wenn
„taiap“ eine seltene Vogelart und „ubykh“ ein
Korallenriff auf fremden Inseln wären, wären
„taiap“ und „ubikh“ möglicherweise schon
längst bekannt. Aber weil es sich um Sprachen in Neu Guinea handelt, werden diese in
einem generellen Desinteresse sich selbst
und somit dem Aussterben überlassen.
Schließlich liegt laut einer Studie der Europäischen Kommission die kritische Grenze
der für das Überleben einer Sprache notwendigen Sprecherzahl bei 300.000. Wenn
man das Ergebnis dieser Studie auf die 350
Minderheitensprachen in der Europäischen
Union umsetzt, so sind davon etwa 280 Sprachen betroffen.
Die bunte Vielfalt der deutschen
Sprachinseln in Italien
Wie stehen in diesem Kontext die deutschen
44
Mai/Juni 2015
Sprachinseln in Italien mit den verschwindend
kleinen Sprechergemeinschaften und mit der
weit verstreuten Siedlungsstruktur da?
Sprachinseln sind nach einer Definition von Peter Wiesinger „punktuell oder flächenhaft auftretende, relativ kleine, geschlossene Sprachund Siedlungsgemeinschaften in einem anderssprachigen, relativ größeren Gebiet“.
Das „Einheitskomitee der historischen deutschen Sprachinseln in Italien“ bilden heute
Gressoney und Issime im Aostatal, Carcoforo,
Alagna, Rimella, Formazza und Campello
Monti im Piemont, Lusern und das Fersental
im Trentino, die Dreizehn Gemeinden, die Sieben Gemeinden, Kansilien und Plodn im Veneto sowie Tischlbong, Zahre und Kanaltal im
Friaul und der Sprachinselverein Wien.
Über die Entstehung derselben schreibt Egon
Kühebacher in der Zeitschrift „Der Schlern –
64 Heft 11“, dass die Gründungen im Rahmen der hochmittelalterlichen Binnenkolonisation der südlichen alemannischen und bairischen Gebirgstäler zu sehen sind. Sowohl
im Schweizer Wallis als auch in Tirol und
Kärnten erfolgte die siedlungsmäßige Erschließung vieler noch unbesiedelter Gebiete
seit dem 8. Jahrhundert durch deutsche
Grundherrschaften und deren Eigenleute.
Die Besiedlungen der abgelegenen Täler
und der einsamen Hochebenen war mit Beginn des 14. Jahrhunderts mehr oder weniger abgeschlossen. In der territorialen Abgeschiedenheit hatten sich Gemeinschaften
gebildet, fernab von den Verkehrs-und Handelswegen, auf sich allein gestellt und für
sich allein verantwortlich. Die Sprachen waren keinem Sprachwechsel in die sie umgebende Mehrheitssprache ausgesetzt. Die
Gemeinschaften machten auch nicht den
Sprachwandel mit, wie ihn unser heutiges
Deutsch seit dem Mittelalter mitgemacht
hat. Auch wurden die Sprachformen nicht
verschriftlicht.
Archaische Sprachformen
So finden wir heute bei diesen SprachinselGemeinschaften Sprachformen aus dem Mittelalter, die man als archaisch bezeichnen
kann. Ich werde oft gefragt, ob man bei den
Sprachinseln noch „Deutsch“ spricht. Aus
Südtiroler Sicht eine durchaus verständliche
Frage. Da versuche ich dann immer zu erklären, dass Sprachinseldeutsch ein ganz anderes Deutsch ist als unser Standarddeutsch,
und dass das Sprachinseldeutsch sehr treffend und aussagekräftig sein kann.
Germanisten kennen aus der Literaturgeschichte das „kume kum geselle min“. Der
„geselle“ ist der Freund. Bei den Zimbern bezeichnen wir einander als „Khsell“. Daraus
hat sich das Wort „khsellekhot“, Geselligkeit,
entwickelt.
Aus der Zeit des Mittelalters kennen wir auch
Begriffe wie „frouwe“ und „wib“. Folgerichtig
stoßen wir beim Sprachinseldeutsch somit
auf „frou“, wib“, aber auch auf „baip“. Und
dass der Pfarrer im Sprachinseldeutsch
„pfaff“ genannt wird, ist doch sehr ehrerbietig: Pastor Fidelis Animarum Fidelium – also
Seelenhirte. Das sind nur einige kleine Beispiele aus dem Sprachinseldeutsch.
Die Literatur in und über Sprachinseldeutsch
ist sehr reichhaltig, allerdings ist sie meistens erst zu entdecken. Der Sprachwissenschaftler Anthony Rowley sagt von den verschiedenen Formen des Sprachinseldeutsch
sehr einprägsam: „sie klingen sehr exotisch,
aber nicht sehr deutsch“.
Wer anfänglich mit solchen exotischen
Deutschformen in Kontakt kommt, stellt sich
vielleicht die Frage, ob solche Sprachformen
überhaupt überlebensfähig sind und ob es
Sinn macht, sich mit solchen Sprachformen
abzugeben? Auch Südtirolerinnen und Südtiroler stellen immer wieder diese und ähnliche Fragen.
Als Antwort dazu kann die Gegenfrage ge-
stellt werden, ob es sich bei Sprachen um
Kultur handelt, unabhängig von der
Sprecherzahl? Auch dürfen wir nicht vergessen, dass eine Sprache mit dem Tode des
letzten Sprechers oder der letzten Sprecherin
unwiderruflich verschwunden ist und nicht
mehr revitalisiert werden kann. Das hat seit
ein paar Jahrzehnten auch Europa erkannt.
So erklären sich die verschiedenen europäischen Initiativen zugunsten des Erhalts von
Kulturen und Sprachen.
Die positive europäische Haltung zur Vielfalt
der Sprachen und Kulturen hat sich auch
auf die Kleinstsprachen übertragen und
neue Wege für einen neuen Minderheitenschutz aufgezeigt, auch bei den Sprachinseln. Bei diesen ist ein neues Selbstbewusstsein gewachsen, denn schließlich
müssen die Gemeinschaften selbst die Kraft
haben und finden, kulturell und sprachlich
überleben zu wollen.
Europäisches Jahr der Sprachen
und Sprachinseln
Aus Anlass des Europäischen Jahres der
Sprachen und Sprachinseln im Jahr 2001
versammelten sich Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Sprachinseln in Italien
in Neumarkt, um über die Zukunft des
Sprachinseldaseins zu diskutieren. Das Ergebnis waren ein klares Bekenntnis zur eigenen Identität und Sprache. In der Folge
wurde eine Arbeitsgemeinschaft, kurz
„Sprachinselkomitee“ genannt, gegründet
und eine Satzung ausgearbeitet. Aufgabe
des Komitees ist es, „die Sprache und Kultur
der historischen deutschen Gemeinschaften
mit den als geeignet erachteten Mitteln und
auch in Zusammenarbeit mit anderen Körperschaften, Vereinigungen und Personen
in Italien und in Europa zu schützen und
zu fördern“.
Die Aktivitäten des Sprachinselkomitees sind
sehr umfangreich und vielfältig geworden.
Erwähnt seien Veröffentlichungen von Büchern, besonders auch für Kinder und Jugendliche, denn schließlich sind es diese, die
die Sprachen auch noch morgen weitertragen
sollen. Eine Landkarte mit kurzen Informationen zu den einzelnen Sprachinseln zeigt, wo
diese in Norditalien zu finden sind.
Im Herbst 2014 wurden zwei wichtige Dinge
auf den Weg gebracht:
• ein wissenschaftliches Werk, in welchem
der „Wortschatz aus den deutschen Sprachinseln in Italien“ sprachvergleichend dargestellt wird. Es handelt sich dabei in erster
Linie um eine Sammlung von Begriffen und
Sätzen in zwölf unterschiedlichen Sprachformen, die der italienischen und der deutschen Standardsprache gegenübergestellt
werden. Von der Fachwelt ist das Buch bereits als Fundgrube für Sprachwissenschaftler, Germanisten, Romanisten und
Sprachinselinteressierte bezeichnet worden
(siehe Seite 46).
• Schließlich hat das Komitee eine zweisprachige Homepage entwickeln lassen. Dort
findet man eine Vielzahl von Informationen
über die Sprachinseln, über deren Publikationen sowie die normativen Texte zum Minderheitenschutz:
• www.isolelinguistiche.it
• www.sprachinseln.it
• www.deutschesprachinseln.de
Das Sprachinselkomitee freut sich zudem,
wenn möglichst viele Menschen die Sprachinseln, ihre Gemeinschaften und deren Menschen besuchen und die archaischen Sprachformen weitere Freunde finden.
* Luis Thomas Prader ist Sekretär des Sprachinselkomi-
Die deutschen Sprachinseln
in Norditalien
• Walser im Aosta-Tal in Gressoney/
Greschony (Greschóneytitsch) und Issime/
Eischeme (Éischemtöit-schu) sowie
Walser in Piemont (Provinz Vercelli) in
Campello Monti/Kampel und in Rimella/
Remallju (Remmaljertittschu), in
Carcoforo/Chalchoufe, in Alagna Valsesia/
Im Lande (Titzschu) und in Formazza/
Pomatt (Pomattertitsch). Besteht seit dem
12. Jahrhundert; die Zahl der Sprecher
wird mit 2.950 angegeben.
• Val Fersina bzw. Fersental/Bersntol,
genannt Mòcheni (Bersntolerisch) und
Luserna/Lusern (Azpe biar ); seit dem13.
Jahrhundert, ca. 1.000 bzw. 370 Sprecher.
• Zimbern bzw. Cimbri aus den Dreizehn
Gemeinden / XIII Comaun (Tauc´, Provinz
Verona) und den Sieben Gemeinden / Siben
Komoine (Tzimbris, Hochebene von
Asiago, Provinz Vicenza) sowie Cansiglio/
Kansilien (Tzimbris). Die ersten
Siedlungen entstanden um 1100, die
Zahl der Sprecher ist nicht bekannt; am
längsten hat sich der Dialekt von Giazza/
Ljetzan (Tauc´) gehalten.
• Sappada bzw. Pladen/Plodn (Plodarisch,
Provinz Belluno); seit dem 13.
Jahrhundert, ca. 1.400 Sprecher.
• Sauris / Zahre (Zahrar sproche, Provinz
Udine); seit dem 13. Jahrhundert, ca. 300400 Sprecher.
• Timau bzw. Tischelwang/Tischlbong
(Taitsch va Tischlbong, unter dem
Plöckenpaß, Provinz Udine); seit dem 14.
Jahrhundert, rund 400 Sprecher.
• Val Canale bzw. Kanaltal, entstanden ab
dem 11. Jahrhundert, rund 800 Sprecher.
(Nach dem Schrägstrich folgt der deutschmundartliche Name der Ortschaft bzw. des
Gebietes; in Klammern steht die jeweils
eigene Sprachbezeichnung)
(aus: Heinz-Dieter Pohl, Wiener
Sprachblätter, Jg. 64, Heft 4,
Dezember 2014)
tees der historischen deutschen Sprachinseln in Italien.
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Service
Aus der Pädagogischen Fachbibliothek
Lesen hilft, Grenzen zu überwinden
Lernen bedeutet, Grenzen zu überschreiten, Neues zu entdecken, neu in Beziehung zu treten. Lernen findet immer dann statt,
wenn die Herausforderung angenommen wird, sich mit anderen und anderem auseinanderzusetzen. Dies zeigen auch die
vorgestellten Bücher, die von den Themen her nicht unterschiedlicher sein könnten.
MECHTHILD DEHN, INGELORE OOMENWELKE, CLAUDIA OSBURG
Kinder & Sprache(n). Was Erwachsene
wissen sollten.
Kallmeyer 2011,
144 S.
Namhafte Sprachdidaktikerinnen
beschreiben, wie
Kinder in den ersten zehn Lebensjahren eine oder mehrere Sprachen lernen.
Das Buch richtet sich vor allem an Eltern,
Großeltern und Erzieherinnen, die Kinder
beim Erlernen der Sprache(n) unterstützen.
Die Sprachentwicklung beginnt an sich
schon vor der Geburt. Bis zur Einschulung
sind die wichtigsten Grundlagen des Spracherwerbs gelegt. Die Autorinnen zeigen
auf, wie Störungen im Spracherwerb überwunden werden können. Breiter Raum wird
dem Erlernen einer zweiten Sprache gewidmet: dem frühen Erwerb einer zweiten
Sprache in der Ursprungsfamilie, dem Erwerb der deutschen Sprache bei Kindern mit
Migrationshintergrund und dem frühen Erlernen einer Fremdsprache. Kinder können
in jeder Situation eine zweite Sprache erlernen, sie müssen allerdings gezielt gefördert
werden.
Hartungen war ein Historiker, dem die Überwindung von Grenzen stets ein Anliegen war,
egal ob es um die verschiedenen Bereiche
der Geschichtswissenschaften oder um die
Überwindung der Grenzen zwischen den
Sprachgruppen in Südtirol ging. Der Band
enthält auch eine bisher unveröffentlichte
Arbeit über die Geschichte des
k.u.k.-Staatsgymnasiums in Bozen 1872–
1888, eine Fundgrube für all jene, die sich
für die Schulgeschichte interessieren. Ebenso findet man eine ausführliche Liste seiner
Publikationen.
KADER ADBOLAH
Die Krähe. Novelle
Arche Verlag 2015, 128 S.
Der Autor beschreibt in seiner
autobiografischen
Novelle das Schicksal eines Iraners:
sein Aufwachsen,
seinen Traum, wie
sein Großvater ein
großer Schriftsteller zu werden, die
Zeit der Revolution
im Iran, die Flucht und das Leben als Asylant
INGEBORG GEYER, MARCO ANGSTER,
MARCELLA BENEDETTI
in den Niederlanden. Der Schriftsteller Refiq
Il tesoro linguistico delle isole germaniche
Foad erkennt, dass er die niederländische
in Italia – WortSprache lernen muss, wenn er Erfolg haben
schatz aus den
will. Er beginnt wie besessen, die Sprache zu
deutschen Sprach- lernen, die Werke der niederländischen Autoinseln in Italien.
ren zu lesen und in der Sprache des Landes
Athesia 2014,
zu schreiben, das ihn aufgenommen hat. Sei191 S.
nen Lebensunterhalt verdient er mit dem
Die zweisprachige Veröffentlichung führt in
Kaffeehandel. Krähen beobachten die wichdie Welt der deutschen Sprachinseln in Itali- tigsten Etappen seines Lebens, auch jene
en. Herausgegeben wurde das Buch vom
Krähe, die im Kastanienbaum in der Nähe des
„Einheitskomitee der historischen deutAnne-Frank-Hauses lebt.
schen Sprachinseln in Italien“, das 2002 gegründet wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, Mathilde Aspmair, Pädagogische Fachbibliothek
Sprache und Kultur dieser Gemeinden zu
fördern. Es wird dargestellt, wie die Sprachinseln durch Zuwanderung vorwiegend aus
CHRISTOPH HARTUNG VON HARTUNGEN
PÄDAGOGISCHE
dem alemannischen und südbairischen
Der weite Blick Il
FACHBIBLIOTHEK
Raum im Mittelalter und in der Neuzeit entpensiero libero
Deutsches Bildungsressort
standen sind. Zahlreiche Wörter und Sätze
Edition Raetia
Amba-Alagi-Straße 10
werden, nach Wortfeldern geordnet, darge2015, 512 S.
39100 Bozen
stellt. Wir erfahren zum Beispiel, wie beDieser Band entÖffnungszeiten
hält viele Aufsätze stimmte Speisen in den einzelnen SprachinVormittag: 9.00 bis 12.30 Uhr
und Abhandlungen, seln des Alpenraums heißen. Viele der AusNachmittag: 14.00 bis 17.00 Uhr
Donnerstag: bis 17.30 Uhr
die der verstorbe- drücke sind auch in unserem Dialekt noch
ne Autor in verlebendig. Das Buch zeigt, welche ÜberleTel. 0471 417228/417638
schiedenen
benskraft eine Sprache hat, und ist für jene,
www.schule.suedtirol.it
[email protected]
deutsch- und italienischsprachigen Zeitdie sich für die Entwicklung von Sprachen
schriften veröffentlicht hat. Christoph von
interessieren, eine wahre Fundgrube.
46
Mai/Juni 2015
begrenzt, die Skalierung nach
oben frei.
8
1
Farbe
Anwendungsgrößen
9
DEUTSCHES
BILDUNGSRESSORT
0
RUNDSCHREIBEN
10
• Nr. 14/2015 vom 10.3.2015
Staatliche Abschlussprüfung der Oberstufe Schuljahr 2014/2015
• Nr. 15/2015 vom
8 11.3.2015
Wahlen des Obersten Schulrates
(Consiglio Superiore della Pubblica Istruzione) am 28. April 2015
• Nr. 16/2015 vom 23.3.2015
Verwendungen und provisorische Zuweisungen für das Lehrpersonal mit
unbefristetem Arbeitsvertrag an den Grund-, Mittel- u. Oberschulen –
Schuljahr 2015/2016
2
5
3
DEUTSCHES BILDUNGSRESSORT
MITTEILUNGEN
4
10.3.2015
• Zusätzlicher Stellenbedarf an der Grund- und Mittelschule für die Erstellung
des tatsächlichen Plansolls im Schuljahr 2015/2016
11.3.2015
• Erhebung der Schülerzahlen an den Oberschulen für das Schuljahr 2015/2016
• Begabtenförderung 2015_Erlebnisschule Langtaufers_Fit in Naturkunde
12.3.2015
• Projekt „Der Weg nach Europa” – für Oberschulklassen der Autonomen
Provinz Bozen mit Bildungsreise nach Brüssel
13.3.2015
• Versetzungen der Zweitsprachlehrpersonen an den deutschsprachigen
Grundschulen für das Schuljahr 2015/2016 – Richtigstellung
16.3.2015
6
7
8
• Bildungsnachweise – Schuljahr 2014/2015
• Feier zum Europatag am 12. Mai 2015
18.3.2015
• Un anno in L2/Zweitsprachjahr
• Schulbuch „Ambarabà“ – Arbeitshefte, Begleitmaterialien
• Materialien für Schülerinnen und Schüler mit Entwicklungsstörungen
19.3.2015
• Initiativen und Materialien zum Thema „Finanzielle Bildung“
• Verteilung der Broschüre „Landesplan der Fortbildung für Kindergarten
und Schule 2015/2016“
20.3.2015
• Rechtlicher Stellenplan der Mittelschulen– Schuljahr 2015/2016
• Rechtlicher Stellenplan der Oberschulen – Schuljahr 2015/2016
23.3.2015
• Besetzung von Stellen mit besonderem Unterrichtsverfahren oder
besonderen schulischen Angeboten – Schuljahr 2015/2016
24.3.2015
• Termine der Konferenzen und Tagungen im Kindergartenund Schuljahr 2015/2016
• Wahlen des Obersten Schulrates (Consiglio Superiore della Pubblica
Istruzione)
25.3.2015
• Erstellung des funktionalen Plansolls der Integrationslehrpersonen: Hinweise
für Anträge um zusätzliche Ressourcen
• Vereinbarungsprotokoll zur Früherkennung, Unterstützung und Abklärung
von Kindern, Schülerinnen und Schülern mit möglichen spezifischen
Lernstörungen
31.3.2015
• Freie Universität Bozen: Neues Sprachlernmodell und neue Bewerbungsund Immatrikulationsfristen
1
Landeswappen im Größenverhältnis
4 : 5, nach oben beliebig vergrößerbar.
2
30 x 37,5 mm
3 26 x 32,5 mm
1.4.2015
• Lehrbuch: Grundlagen4
der Buchhaltung
und Bilanzierung
24 x 30 mm
2.4.2014
• Verschiebung der Postfächer der Lehrpersonen auf das neue Mailsystem
5 20 x 25 mm
7.4.2015
• Angebote der Aktionstage Politische Bildung 2015
8.4.2015
6 16 x 20 mm
• Antrag um Zuweisung von Fremdsprachenassistentinnen und
Fremdsprachen­assistenten für
x 17,5 mm – Schuljahr 2015/2016
7 14Oberschulen
• Ausstellung von Schülerausweisen
17.4.2015
12–xEin
15Angebot
mm für die Lehrpersonen
• „Klasse sein – Gruppe8
werden“
bzw. Klassenräte der ersten Klassen
• Kursfolge 45.fg „Fit im9
Religionsunterricht“
10 x 12,5 mm
• Ansuchen um Sonderfinanzierung – Lesen. Das Training
(für die 2. Klasse Grundschule)
0 8 x 10 mm
22.4.2015
(kleinste Anwendungsgröße)
• Anerkennung Ehrenamtsnachweis
• Staatliche Abschlussprüfung der Oberschule 2013/2014 –
Mitteilung der „lokalen Referenten“
Das(Consiglio
Logo steht
in verschiedenen
• Wahlen des Obersten Schulrates
Superiore
della
Größen zur Verfügung.
Pubblica Istruzione)
Je nach Verwendungszweck
23.4.2015
• „Erfinderinnen und Erfinder“,sind
Unterrichtsmaterial
für die 4. und 5. Klassen
diese vorgeschrieben,
der Grundschulen
dies gilt für die farbige ebenso wie
24.4.2015
für die Schwarzweiß-Anwendung.
• Platon Jugendforum 2015 Die Skalierung nach unten ist
• Neues Schulbuch „Mathematikbuch
für Südtiroler
Mittelschulen“
begrenzt,
die Skalierung
nach – Band 3
und Fortbildung zu dessen Einführung
oben frei.
27.4.2015
• Erhebung der Daten zur Teilzeit, zu den Freistellungen aus Erziehungsgründen, zu den Teilzeitwarteständen und den anderen ganzjährigen Abwesenheiten (1.9. bis mindestens 30. April) an Grund-, Mittel- und Oberschulen
9
SÜDTIROLER LANDESREGIERUNG
BESCHLÜSSE
0
3.3.2015
• Nr. 243: Selbstübernahme
von Ausgaben für den Schulbetrieb durch die
10
Landesverwaltung/Steuerdienst der Schulen mit deutscher Unterrichtssprache staatlicher Art
17.3.2015
8
• Nr. 305: Jahresplan für den Schulsport für das Jahr 2015
31.3.2015
• Nr. 385: Vergütungen für externe Referenten und Referentinnen, Moderatoren und Moderatorinnen, Kursleiter und Kursleiterinnen, Tutoren und
Tutorinnen, Supervisoren und Supervisorinnen bei Lehrgängen, Tagungen,
Vorträge und Bildungsveranstaltungen
14.4.2015
• Nr. 443: Ernennung des Mitgliedes des Landesjugendbeirates für die deutsche Sprachgruppe, das vom Landesschulrat vorgeschlagen wurde, im
Sinne des L.G. Nr. 13 vom 1.6.1983
21.04.2015
• Nr. 470: Landesgesetz vom 24.09.2010, Artikel 7, Absatz 4: Kriterien für die
Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungswegen der deutschsprachigen Oberstufe
Mai/Juni 2015
47
Die INFO-Redaktion wünscht allen Leserinnen und Lesern
einen guten Abschluss des Kindergarten- und Schuljahres
sowie schöne Sommerferien mit viel Zeit zum Erholen
und Auftanken.
Informationsschrift für Kindergarten und Schule in Südtirol
Mai/Juni 2015
Herausgeber: Deutsches Bildungsressort
Verantwortlicher Direktor: Peter Höllrigl
Cover: Manuela Tessaro & Alberto
Franceschi, Digital Photo Image
Redaktion: Verena Hilber (VH), Elisabeth
Mairhofer (EM), Walter Pichler (WP),
Thomas Summerer (TS), Herbert Taschler (ht)
Korrektorat: Michaela von Wohlgemuth
Anschrift und Sitz der Redaktion:
Deutsches Bildungsressort,
Amba-Alagi-Straße 10, 39100 Bozen,
Tel. 0471 417511, Fax 0471 417519,
[email protected]
www.provinz.bz.it/schulamt
Fotos: Archiv Deutsches Bildungsressort,
Fachoberschule für Tourismus und Biotechnologie
Meran (S. 20), Fachschule Laimburg (S. 26/27),
Landesberufsschule für das Gastgewerbe
Savoy (S. 28), Realgymnasium Meran (S. 25),
Technologische Fachoberschule Bruneck (S. 23),
Wirtschaftsfachoberschule Innichen (S. 30),
foto-dpi.com (S. 40), Brigitte Alber (S. 18/19),
Elena Maria Leida (S. 37), Massimo Fagotto (S. 38),
Verena Hilber (S. 11/35), Elisabeth Mairhofer (S. 10/31),
Hannah Peer (S. 22), Michaela Schlomm (S. 39),
Sabine Tamanini (S. 21), Herbert Taschler (S. 32/33/34),
Sabine Weissenegger (S. 36)
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unter Nr. 18 vom 26.09.2002.
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