Am Ende des Lebens

dieJohanniter
Das Magazin der Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich
Am Ende des Lebens
Wien 1.2015
Sterbebegleitung statt Sterbehilfe
Jahresbericht 2014
Neuer Leiter Organtransporte
Editorial
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Johanniter!
Die erste Ausgabe des Johanniter-Magazins widmet
sich dem Themenschwerpunkt „Am Ende des Lebens“.
Anlass dafür ist die Parlamentsenquete „Würde am
Ende des Lebens“, die im Herbst des vergangen Jahres
ihre Arbeit startete. Im Rahmen der Enquete ging es um
die Hospiz- und Palliative Care in Österreich und die
Frage, ob das Verbot der Sterbehilfe und das Grundrecht
auf würdevolles Sterben im Verfassungsrecht verankert
werden sollen. Im Rahmen der Sitzungen wurde die
Lage der Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich
ebenso diskutiert wie die rechtlichen Regelungen in
anderen Ländern. Zur Unterstützung wurden Experten
und Expertinnen verschiedener Berufsgruppen, von
Universitäten, der Religionsgemeinschaften und der
Bioethik-Kommission beigezogen. Auch die Johanniter
brachten gemeinsam mit der Diakonie Österreich
ihre Stellungnahme ein. Im Frühjahr 2015 soll die
Kommission ihren Endbericht vorlegen, dieser war bei
Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Lesen Sie mehr
dazu ab Seite 6.
Weiters finden Sie in dieser Ausgabe unseren
Jahresrückblick,
der
die
Höhepunkte
und
Herausforderungen des vergangen Jahres Revue passieren lässt und die Situation der einzelnen Arbeitsbereiche
näher beleuchtet.
Ich wünsche Ihnen eine abwechslungsreiche wie informative Lektüre,
Herzlichst Ihr,
Wo die Johanniter tätig sind
Johanniter-Unfall-Hilfe, Bereich Wien
1210 Wien, Ignaz-Köck-Straße 22
T 01 470 70 30
[email protected]
Spenden: Erste Bank
IBAN: AT60 2011 1000 0494 0555
BIC: GIBAATWWXXX
Johanniter-Unfall-Hilfe, Bereich Tirol
6020 Innsbruck, Josef-Wilberger-Straße 48
T 0512 24 11
[email protected]
Spenden: UniCredit Bank Austria AG
IBAN: AT88 1200 0100 0680 9783
BIC: BKAUATWWXXX
Johanniter-Unfall-Hilfe, Bereich Kärnten
9564 Patergassen, Wiedweg 39
T 04275 634
[email protected]
Spenden: Raiffeisenbank Reichenau
IBAN: AT17 3946 1000 0010 2152
BIC: RZKTAT2K461
Johanniter-Unfall-Hilfe, Bereich Niederösterreich
2403 Orth an der Donau, Kirchenplatz 1
T 02212 30003
[email protected]
Spenden: Raiffeisenkasse Orth/Donau
IBAN: AT13 3261 4000 0002 3648
BIC: RLNWATWWODO
Mobiles Palliativteam
3340 Waidhofen/Ybbs, Eberhardplatz 6
T 07442 90909
[email protected]
Spenden: Erste Bank
IBAN: AT60 2011 1000 0494 0555
BIC: GIBAATWWXXX
Spenden an die Johanniter sind
steuerlich absetzbar!
Mitgliederservice
[email protected]
DI Johannes Bucher
Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich
Leserbriefe:
[email protected]
Weitere Informationen finden Sie unter
www.johanniter.at
2
die Johanniter 1. 2015
Inhalt
5 } Würde am Ende des Lebens
Auf ein Wort
} Am Ende des Lebens
Sterbebegleitung statt Sterbehilfe
Rubriken
4 Kurz & Bündig
1 5 Buchtipp
18 Kärnten
20 Wien
22 Tirol
25 Niederösterreich
27 Termine
Jahresbericht 2014
13 } Good old Daseinsvorsorge
Katharina Meichenitsch
14 } Wiederaufbauhilfe nach Taifun Haiyan
Johanniter International
} 40 Jahre im Zeichen der Hilfe
Sonderbeilage Jahresbericht
16 } Ich bleibe dort, solang ich gebraucht werde
Diakonie Österreich
18
20
Impressum Das Magazin „die Johanniter“ informiert Fördermitglieder der Johanniter-Unfall-Hilfe, Entscheidungsträger und andere Interessenten über Aktivitäten der
­Johanniter sowie über Neuigkeiten, Ereignisse und Hintergründe im christlichen, humanitären, sozial- und gesundheitspolitischen sowie medizinischen Bereich. Heraus­
gegeben von Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich, Herbeckstraße 39, 1180 Wien Bundesgeschäftsführung Dr. Robert Brandstetter Geschäftsführung Tirol Franz Bittersam, MA Geschäftsführung Wien Robert Heindl Geschäftsführung Kärnten Johannes Dörfler Präsidium (Vorstand) Präsident: DI Johannes Bucher, Vizepräsident:
Med.Rat Dr. Siegfried Bulwas, Bundesfinanzreferent & Schriftführer: Dr. iur. Heinrich Weninger, Bundesarzt: Prim. Dr. Christian Emich, Bundespfarrer: O.Univ.-Prof. Dr. DDr. h.c. Ulrich
Körtner, Schriftführer Stv.: Mag. Dr. Bernhard Kadlec, Bereichsbeauftragte: Siegfried Mayerbrugger, Erich Pechlaner, Rudolf Niebler, DI Hansgeorg Schuster
Chefredaktion Mag. a Belinda Schneider, [email protected], Redaktion Brigitta Hochfilzer, Cordula Wadl, Mag. a Belinda Schneider, Mag. a Bettina Klinger Erscheinungsweise mindestens 3x jährlich Auflage 37.000 Stk. Anzeigenverkauf Mag. a Belinda Schneider, T +43 1 4707030-5713 Art Direction Mag. a Julia Kadlec Lektorat Rudolf Niebler
Fotos falls nicht angegeben JUH Titelfoto istockphoto/Mateusz Zagorski Hergestellt von Riedeldruck Mistelbach Verlags- & Herstellungsort Wien; ZVR-Nr. 269856203
Namentlich gekennzeichnete Artikel und Kommentare geben die Meinung des Autors wieder und müssen nicht der Auffassung des Medieninhabers oder der Redaktion entsprechen.
Die Johanniter übernehmen keine Haftung für unverlangte Einsendungen aller Art.
die Johanniter 1. 2015
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Kurz & Bündig
Gertrud Eberharter
in Pension
Gertrud Eberharter trat nach 23 verdienstvollen und ereignisreichen Berufsjahren
Anfang Oktober 2014 in den Ruhestand. Als
Geschäftsführerin und Verantwortliche für den
Bereich Pflege war
sie Impulsgeberin
und treibende Kraft
in der Weiterentwicklung der
mobilen Pflege.
Gertrud Eberharter hat durch
ihren engagierten
Einsatz maßgeblich
zum Wachsen der
Johanniter in Tirol
beigetragen.
Johanna Gierlinger
übernimmt Fundraising
Abschied nahmen die Johanniter auch von
Geschäftsführerin Mag.a (FH) Johanna Gierlinger, die seit Juli 2011 für die Johanniter in
Tirol tätig war und nach ihrer zweijährigen
Assistenz der Geschäftsführung zuletzt auch
die Geschäftsführung des Bereiches Fahrdienst
innehatte. Gierlinger hat in dieser Zeit das
Fundraising in Tirol und Oberösterreich auf
neue Beine gestellt und damit für beachtliche
zusätzliche Spendeneinnahmen für die Johanniter Tirol gesorgt. Sie setzte sich für das
Benefizschwimmen und die Entwicklung des
Schulsanitätsdienstes ein, für den die Johanniter den Bank-Austria-Sozialpreis 2013 bekommen haben.
Ihre Tätigkeit in
Tirol beendete sie
aus privaten Gründen, die gebürtige
Oberösterreicherin
kehrte mit ihrer
Familie in ihre Heimat Oberösterreich
zurück. Sie wird
für die Johanniter weiterhin den
Bereich Fundraising
betreuen.
4
die Johanniter 1. 2015
Neue Geschäftsführung in Tirol
Franz Bittersam übernahm mit Jahresbeginn 2015 die Geschäftsführung der Johanniter Tirol und löste Gertrud Eberharter und Johanna
Gierlinger ab.
Franz Bittersam, MA, trat mit Anfang
Jänner die Nachfolge von Getrud
Eberharter und Johanna Gierlinger
als Geschäftsführer der Johanniter
Tirol an. Bittersam hat den Masterstudiengang Soziale Arbeit an
der FH St. Pölten mit Schwerpunkt
Casemanagement absolviert, ist
Master of Arts in Social Sciences,
zertifizierter Case Manager, Facilitymanager und IT-Prozessmanager.
Darüber hinaus kann Bittersam auf
umfangreiche praktische Erfahrung
als diplomierter Sozialarbeiter verweisen. Zuletzt war Bittersam 20
Jahre in leitenden Funktionen bei
der Lebenshilfe Tirol beschäftigt.
Franz Bittersam: „Die Geschäftsführung der Johanniter Tirol zu übernehmen ist eine schöne Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Es
bedeutet für mich auch einen weiteren Entwicklungsschritt in meiner
beruflichen Laufbahn.“
Die Johanniter Tirol schätzt Bittersam als „sehr kompetente und
anerkannte Einrichtung im Bereich
des Behindertenfahrdienstes und im
Bereich der Hauskrankenpflege. Die
Johanniter Tirol sind eine Organisation, die sehr viele junge Menschen
und Ehrenamtliche beschäftigt. Es
ist bekannt, dass es den Johannitern
sehr gut gelingt, Ehrenamtliche zu
gewinnen, zu halten und intensiv
miteinzubinden und auch Zivildiener
auf diesem Weg weiter zu beschäftigen“.
Spendenoffensive
Die Johanniter-Unfall-Hilfe führt
derzeit eine Spenden-Sammelaktion
in Oberösterreich durch und bittet
um Unterstützung für die Katastrophenhilfe. Die Spendenaktion
wird von März bis Mai vorwiegend
im Raum Linz, Linz Land, Ried im
Innkreis, Grieskirchen und Eferding
durchgeführt, sie ist behördlich an-
gemeldet und vom Amt der Ober­
österreichischen Landesregierung
genehmigt. Die Spendeneinnahmen
dürfen nur für den Ausbau der Katastrophenhilfe und der Rettungshundestaffel eingesetzt werden, die im
Falle von Großschadensereignissen,
Natur- und Umweltkatastrophen in
Oberösterreich eingesetzt werden.
Auf ein Wort
Würde am Ende des Lebens
}
O. Univ.-Prof. Dr. DDr. h.c. Ulrich Körtner
Sterben und Tod gehören zum Leben. Das unveräußerliche Recht auf Leben schließt darum recht verstanden
auch das Recht zu sterben ein. Lebensverlängerung
um jeden Preis missachtet dieses Recht und damit die
Würde des Menschen. Eine Medizin, die unsere Endlichkeit und Sterblichkeit nicht wahrhaben will, ist inhuman.
Palliativmedizin und Palliative Care haben Gott sei Dank
zu einem Umdenken geführt. Doch noch immer ist die
palliativmedizinische Versorgung in Österreich unzureichend. Ob die Enquete-Kommission des Nationalrats substantielle Verbesserungen bewirkt? Es braucht
nicht wohlmeinende Absichtserklärungen, sondern
echte Reformen – und die kosten Geld.
Das Recht auf Leben begründet
keine Pflicht zum Leben.
Das Recht auf Leben begründet keine Pflicht zum Leben. Das berechtigte Anliegen des Lebensschutzes
darf daher nicht als Vorwand dienen, um Menschen in
ihren Entscheidungen am Lebensende zu bevormunden und ihre Freiheitsrechte einzuschränken. Strittig
ist aber, ob das Recht zu sterben auch das Recht einschließt, sich zu töten oder töten zu lassen. Hierzulande
sind Tötung auf Verlangen und Suizidbeihilfe verboten.
Und das ist gut so. Es geht nicht, wie Kritiker der bestehenden Gesetzeslage behaupten, um Bevormundung und Entmündigung, sondern um den Schutz der
Schwachen.
Todkranke und Sterbende gehören zu den Schwächsten. Durch die Liberalisierung der Euthanasie würden jene unter Rechtfertigungsdruck geraten, die trotz
schwerer Krankheit am Leben bleiben möchten, statt
sich vorzeitig für das sozialverträgliche und kostensparende Ableben zu entscheiden. Wo - wie in den Beneluxstaaten - die aktive Sterbehilfe zugelassen wird, ist
es von der freiwilligen zur nicht freiwilligen Euthanasie
– zum Beispiel von Demenzkranken – nur ein kleiner
Schritt.
Allerdings kann es Grenzfälle geben, bei denen sich ein
moralisches oder juristisches Urteil von Außenstehenden verbietet. Die Diakonie Österreich, deren Mitglied
die Johanniter-Unfall-Hilfe ist, hat darum den Vorschlag
ins Spiel gebracht, rechtliche Lösungen für eine Entkriminalisierung der Suizidbeihilfe im Einzelfall zu suchen,
ohne das bestehende Verbot gänzlich aufzuheben.
Dieser Vorschlag verdient Unterstützung. Grenzfälle
müssen aber Grenzfälle bleiben und sollten nicht auf
gesetzlichem Wege zur Normalität erklärt werden.
Auch sollte außer Streit gestellt werden, daß die Beihilfe zur Selbsttötung – von der gezielten Tötung ganz zu
schweigen – grundsätzlich nicht zum ärztlichen Auftrag
gehört.
Das geltende Euthanasieverbot in den Verfassungsrang zu heben, halte ich jedoch für keine gute Idee.
Ein Verfassungsgesetz würde nur die unter Ärzten und
Patienten ohnehin schon bestehende Unsicherheit vergrößern, welches medizinische Tun oder Unterlassen
als Verstoß gegen das Euthanasieverbot oder gegen
das Verbot der Suizidbeihilfe zu beurteilen ist.
Auf diese Weise würde womöglich das seit 2006 geltende Patientenverfügungsgesetz ausgehöhlt werden.
In einer Patientenverfügung kann ein Patient nach ärztlicher und rechtlicher Aufklärung verbindlich festlegen,
dass er unter bestimmten Voraussetzungen auf Therapie und lebensverlängernde Maßnahmen verzichten
möchte. Eine jüngst vom Institut für Ethik und Recht in
der Medizin veröffentlichte Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums zeigt freilich, dass der Informationsstand in der Bevölkerung, aber auch unter Angehörigen der Gesundheitsberufe immer noch zu gering ist.
Hier besteht Handlungsbedarf.
O. Univ.-Prof. Dr. DDr. h.c. Ulrich Körtner ist Bundespfarrer der Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich.
die Johanniter 1. 2015
5
istockphoto/Mateusz Zagorski
Am Ende des Lebens
Sterbebegleitung statt Sterbehilfe
Dass wir sterben ist eine Tatsache, die viele Menschen
gerne verdrängen. Daher setzen wir uns selten mit der Frage
auseinander, wie wir sterben möchten. Dabei bieten Pflege
und Medizin mit Palliative Care eine umfassende Betreuung
und Begleitung und ermöglichen es, zu Hause im Kreise der
Familie Abschied zu nehmen. Und es gibt heute gute
rechtliche Möglichkeiten, um vorzusorgen und selbst zu
bestimmen, wie wir unseren letzten Lebensweg gehen
möchten.
}
Mag. a Belinda Schneider
6
die Johanniter 1. 2015
Schwerpunkt
}„Sterben und Tod gehören zum Leben. Das unveräußerliche Recht
auf Leben schließt auch das Recht zu sterben ein.“
Rasante Entwicklungen in Wissenschaft und Technik haben den
Handlungsspielraum in der Medizin auch am Lebensende enorm
erweitert und einen beachtlichen
Einfluss auf den Prozess des Sterbens. Die Entscheidung für lebensverlängernde Maßnahmen ist dann
oftmals eine schmale Gratwanderung zwischen der Verlängerung
des Lebens und des Sterbens,
worin sich auch der Konflikt zwischen medizinischer Machbarkeit
und medizinischer Notwendigkeit
und der Frage nach dem Nutzen
für den Patienten spiegelt.1
Darin zeigt sich auch die Kontroverse unterschiedlicher „Glaubensrichtungen“: Während die einen das
Recht auf Autonomie und Selbstbestimmung in den Vordergrund
stellen, räumen die anderen dem
„Schutz des Lebens“ einen höheren Stellenwert ein. Doch lässt sich
aus dem Schutz des Lebens auch
die Pflicht zu leben, ableiten?
Sterben gehört zum Leben
„Sterben und Tod gehören zum Leben. Das unveräußerliche Recht auf
Leben schließt auch das Recht zu
sterben ein. Lebensverlängerung
um jeden Preis missachtet dieses
Recht und damit die Würde des
Menschen“, meint Theologe und
Ethikexperte Ulrich Körtner, Bundespfarrer der Johanniter.
Und wie verhält es sich umgekehrt: Impliziert das Recht auf
Selbstbestimmung
auch
das
Recht auf Sterbehilfe? „Sterbehilfe“ ist in Ländern wie der Schweiz,
den Niederlanden und Belgien unter bestimmten Voraussetzungen
bereits möglich. Nicht so in Österreich, wo „die Tötung auf Verlangen“ verboten und im Strafrecht
verankert ist.
„Und das ist gut so“, meint Körtner,
„Es geht nicht um Bevormundung
und Entmündigung, sondern um
den Schutz der Schwachen. Todkranke und Sterbende gehören zu
den Schwächsten. Durch die Liberalisierung der Sterbehilfe würden
jene unter Rechtfertigungsdruck
geraten, die trotz schwerer Krankheit am Leben bleiben möchten,
statt sich vorzeitig für das sozialverträgliche und kostensparende
Ableben zu entscheiden.“
Gefahren der aktiven Sterbehilfe
Das belegen auch Erfahrungen aus
dem Ausland. „Wir wissen aus Studien in Belgien und den Niederlanden, dass Menschen auch ohne ihren ausdrücklichen Wunsch aktive
Sterbehilfe erfahren. Im flämischen
Teil Belgiens wurde 2007 eine Umfrage unter Ärzten mit 208 Fällen
von aktiver Sterbehilfe durchgeführt. In 32 Prozent der Fälle erfolgte diese ohne ausdrücklicher
Zustimmung“, erklärt Dr. Rainer
Thell, Anästhesist und Chefarzt der
Johanniter. Hauptgründe dafür sind
unterschiedlich: Patienten konnten
nicht gefragt werden, weil sie im
Koma lagen oder demenzkrank
waren. In manchen Fällen meinten
die Ärzte klar im Interesse der Betroffenen gehandelt zu haben oder
dass die Diskussion den Patienten
geschadet hätte.
}„Durch die Liberalisierung der
Sterbehilfe würden jene unter
Rechtfertigungsdruck geraten,
die trotz schwerer Krankheit
am Leben bleiben möchten.“
O. Univ.-Prof. Dr. DDr. h.c. Ulrich Körtner,
Bundespfarrer der Johanniter
In Belgien wurde im Februar 2014
die Tötung auf Verlangen auch bei
Kindern ermöglicht. „Es ist schon
sehr befremdlich, dass Kinder vor
die schwierige Entscheidung gestellt werden, ob sie ihr Leben beenden möchten“, warnt Dr. Thell
vor aktuellen Entwicklungen.
Sollte also das in Österreich bestehende Gesetz, das aktive Sterbehilfe untersagt, in den Verfassungs-
vgl. Empfehlungen zu Terminologie medizinischer Entscheidungen am Lebensende; Hg.: Bioethikkommission, Wien 2011
1
die Johanniter 1. 2015
7
}„Wir wissen aus Studien in Belgien und den Niederlanden, dass Menschen
auch ohne ihren ausdrücklichen Wunsch aktive Sterbehilfe erfahren.“
Dr. Rainer Thell, Anästhesist und Intensivmediziner, Chefarzt der Johanniter
rang gehoben werden, um ein
„Sterben in Würde“ zu garantieren,
wie dies im Zuge der gleichnamigen parlamentarischen Enquete
diskutiert wurde?
„Das halte ich für keine gute Idee.
Es würde die bestehende Unsicherheit bei Ärzten noch vergrößern,
wann medizinische Maßnahmen
zu ergreifen sind oder unterlassen
werden können. Auf diese Weise
würde womöglich das Patientenverfügungsgesetz ausgehöhlt werden“, so Körtner weiter.
Was heißt Sterben in Würde?
So mannigfach und unterschiedlich
die gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Präferenzen sind, so
umstritten ist wohl auch die Frage,
wie sich würdevolles Sterben gestaltet. Eine Annäherung versucht
Körtner: „Würde am Ende des Lebens heißt, dass die individuellen
Bedürfnisse des Sterbenden so
weit wie möglich berücksichtigt
werden.”
Dies umfasst sowohl die rein körperlichen, medizinischen und pflegerischen Maßnahmen als auch
die sozialen, spirituellen oder religiösen Bedürfnisse. „Wichtig ist,
zu beachten, dass auch die Angehörigen eigene Wünsche und
Vorstellungen vom Sterben haben,
die sich nicht unbedingt mit denen
des Sterbenden decken müssen“,
ergänzt Körtner.
Vorsorgen für ein gutes Ende?
Wie aber kann man Sorge tragen,
dass die eigenen Wünsche am
Lebensende berücksichtigt werden, vor allem dann, wenn man
im Verlauf einer Krankheit womöglich nicht mehr urteilsfähig ist oder
sich nicht mehr artikulieren kann?
Grundsätzlich können Patienten
Heilbehandlungen und lebensverlängernde Maßnahmen ablehnen.
Sie haben sozusagen das Recht,
das Sterben zuzulassen! Juristisch
festhalten kann man den eigenen
Willen in Form einer Patientenverfügung oder einer Vorsorgevollmacht. Auch ein Vorsorgedialog ist
hilfreich.
Erste Antworten auf letzte Fragen
Mit einer schriftlichen Patientenverfügung können nach ärztlicher und rechtlicher Aufklärung
Die Position der Johanniter und der Diakonie Österreich
„Würde am Ende des Lebens“ lautete der Titel der Parlamentsenquete in Österreich, zu der Expertinnen und Experten verschiedenster Professionen wie Medizin, Ethik,
Pflege und Judikatur eingeladen waren. Ausgangspunkt
der Enquete war die Frage, ob das derzeit in Österreich
existierende „Verbot der Tötung auf Verlangen“ und das
„Recht auf ein würdevolles Sterben“ verfassungsrechtlich
verankert werden soll.
Tatsächlich beschäftigte sich der Österreich-Konvent bereits vor 10 Jahren mit dem Verbot der Sterbehilfe. Erzielt
wurde ein Konsens über die Notwendigkeit einer verfassungsrechtlichen Verankerung über Parteigrenzen hinweg.
Umgesetzt wurde dies bislang nicht.
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die Johanniter 1. 2015
Im Dezember brachte Pflegedienstleiterin DGKS Anneliese
Gottwald im Rahmen der Enquete die Anliegen und Forderungen der Johanniter und der Diakonie Österreich ein.
Die wichtigsten Punkte der Stellungnahme:
§Alle Menschen, die eine Palliativversorgung benötigen, sollen diese auch erhalten. Daher sollte ein Rechtsanspruch
auf Palliativversorgung in der Krankenversicherung verankert und die Finanzierung durch die öffentliche Hand gewährleistet werden.
§Da die Palliativversorgung interdisziplinär ausgerichtet ist,
ist eine Finanzierung durch die Ressorts Soziales und Gesundheit und eine gute Kooperation der beiden Ressorts
erforderlich.
Schwerpunkt
medizinische Behandlungen und
lebensverlängernde Maßnahmen
abgelehnt werden. Soll diese verbindlich sein, muss sie von einem
Rechtsanwalt,
Patientenanwalt
oder Notar beglaubigt sein. Mit einer Vorsorgevollmacht kann eine
Vertrauensperson ermächtigt werden, in Behandlungen einzuwilligen und im Unterschied zu einem
Sachwalter darf diese Person auch
lebenserhaltende Maßnahmen ablehnen (mehr dazu im Infokasten
auf Seite 12).
Von diesen Vorsorgemöglichkeiten
machen in Österreich allerdings nur
wenige Menschen Gebrauch. Einer
Umfrage des Instituts für Ethik und
Recht zufolge haben nur 4,1 Prozent der Österreicher eine Patientenverfügung. Im „Österreichischen
Zentralen Vertretungsverzeichnis“
(ÖZVV) sind derzeit weit weniger
registriert. Ob diese Instrumente
zu wenig in Anspruch genommen
werden, weil sie nicht bekannt sind
oder weil sie zu teuer sind, ist leider
unklar.
„Derzeit kostet die Errichtung einer Patientenverfügung oder eine
Vorsorgevollmacht mehrere hundert Euro. Wichtig wäre es daher,
eine Kostenübernahme durch die
Patientenanwaltschaft oder Versicherungsträger oder zumindest
einen kostengünstigen Zugang für
Betroffene zu schaffen“, so Anneliese Gottwald, Pflegedienstleiterin der Johanniter.
Einen neuen und niederschwelligen Weg geht man in der Palliative Care mit dem Vorsorgedialog.
„Dabei geht es um rechtzeitige
vorsorgliche Kommunikation über
die Wünsche und Vorstellungen
eines Patienten, wie das Lebensende gestaltet werden kann. Der
Vorsorgedialog schafft mehr Sicherheit für alle Beteiligten“, erklärt DGKS Gottwald.
}„Dabei geht es um rechtzeitige
vorsorgliche Kommunikation über
die Wünsche und Vorstellungen
eines Patienten, wie das Lebensende
gestaltet werden kann.“
DGKS Anneliese Gottwald,
Pflegedienstleiterin der Johanniter
„Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind Teilinstrumente
eines größeren Kommunikationsprozesses. Und eine Patientenverfügung greift ja nur in dem
Moment, wo ich selber nicht mehr
aussagefähig bin. Jedenfalls müssen wir dieses gesamte Kommunikationsgeschehen in den Blick
nehmen und das ist auch eine
§Hospiz- und Palliativversorgung muss in die Langzeitpflege integriert werden, eine Verbindung ist aus Sicht
der Praxis unumgänglich und wurde in den letzten Jahren in den österreichischen Einrichtungen stark forciert.
§Ausbau der mobilen Versorgung in der Palliative Care:
Die Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich soll flächendeckend verfügbar sein und ausreichend öffentlich
finanziert werden.
§Die Hospiz- und Palliativversorgung soll auch für Kinder,
Jugendliche, junge Erwachsene und Menschen mit Behinderungen eine gute Versorgung ermöglichen. Beim
Ausbau sollte auf diese Gruppen speziell Rücksicht genommen werden.
§Die Kosten für Aus-, Weiter- und Fortbildung für alle in der
Palliative Care tätigen Professionen soll gewährleistet sein.
§Ethikberatung in Alten- und Pflegeeinrichtungen und in
Organisationen, die chronisch unheilbar kranke Menschen betreuen, ist eine wichtige Hilfestellung, sie soll
daher auf- bzw. ausgebaut werden.
§Instrumente zur Unterstützung im Selbstbestimmungsrecht und in der Autonomie des Menschen - wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht - müssen verstärkt bekannt gemacht werden. Derzeit liegt dem Bundesministerium für Gesundheit eine Evaluierung dieser
Instrumente, durchgeführt durch das „Institut für Ethik
und Recht in der Medizin der Universität Wien“, vor. Die
Ergebnisse sollten in die parlamentarische EnqueteKommisssion Eingang finden und weiterführend diskutiert werden.
die Johanniter 1. 2015
9
Sein letzter Wunsch
Herr P. war ein sehr introvertierter
Mensch. Nach seiner Krebsdiagnose und
zahlreichen Chemo- und Strahlentherapien wandte er sich an das Palliativteam
der Johanniter in Waidhofen an der Ybbs.
Dieses hatte bereits seine unheilbar kranke Frau betreut und so hatte Herr P. bereits Vertrauen gefasst und die Möglichkeiten der Palliative Care kennengelernt.
Herr P. wusste, dass seine Erkrankung
bösartig war und befasste sich intensiv
mit seiner Erkrankung und den weiteren
Folgen. Mit seinen Kindern konnte oder
wollte er nicht über seine Gefühle, Ängste
und Wünsche sprechen. Umso stärker
wurde im Laufe der Zeit die Beziehung zu
den Mitarbeiterinnen des Palliativteams.
Sein klarer Wunsch war es, zu Hause zu
sterben. Das Palliativteam unterstützte
Herrn P., seine Angehörigen, die 24-Stunden-Pflegekraft sowie den Hausarzt dabei, diesen letzten Wunsch zu erfüllen.
Bald traten Symptome wie Schmerzen,
Übelkeit, Appetitlosigkeit und Verwirrtheit
auf, die zunächst mit gängigen Schmerzmitteln behandelt wurden.
Als alle Möglichkeiten ausgeschöpft waren, wurde eine Schmerzpumpe empfohlen, mit der das Schmerzmittel langsam
und kontinuierlich zugeführt wird. Die
Angehörigen wurden geschult. In langen
Gesprächen versuchte das Palliativteam
Sicherheit im Umgang mit dem verwirrten
Zustand von Herrn P. und dem Prozess
des „Sterbens“ zu vermitteln.
organisationsethische Frage an
Kliniken oder Einrichtungen der
Altenhilfe und Pflege“, ergänzt Ulrich Körtner.
Im Sterben nicht allein
Um Menschen am Ende ihres Lebens adäquat begleiten zu können,
bedarf es vor allem einer gehörigen
Portion Zeit und einer engmaschigen interdisziplinären Betreuung.
Palliative Care versucht diesem
Anspruch gerecht zu werden.
Ein speziell ausgebildetes interprofessionelles Team aus Ärzten,
diplomiertem Gesundheits- und
Krankenpflegepersonal und einer
diplomierten Sozialarbeiterin versucht möglichst auf alle Aspekte,
die schwere, unheilbare Erkrankungen mit sich bringen, einzugehen. In der Betreuung haben auch
die persönlichen Wertvorstellungen
und Ängste der Klienten Platz.
Hoffnung auf Medizin
Wer an Schmerzen und begleitenden Symptomen einer Krankheit
oder einer Therapie leidet, verliert
schnell den Lebenswillen. Doch
dem kann in der Palliative Care mit
Hilfe einer genau abgestimmten
Schmerztherapie und begleitenden
pflegerischen Maßnahmen begeg­
net werden: „Achtsam durchgeführte Schmerztherapie und
Symp­tomkontrolle zusammen mit
einer vertrauensvollen Beziehung
kann zu einem Gewinn an Lebensqualität und Lebensmut beitragen“,
betont Dr. Elisabeth Voglmayr, Anästhesistin und Palliativmedizinerin
im Johanniter-Palliativteam. „Dabei
werden zu erwartende Nebenwirkungen auch vorsorglich behandelt.“
Schmerztherapie ist auch gut von
palliativer Sedierung abgrenzbar.
„Medikamente zur Schmerztherapie können als Nebenwirkung Müdigkeit und leichte Sedierung zur
Folge haben. Nur bei Überdosierung können diese zu tiefer Sedierung und abgeschwächter Atmung
führen. Mit palliativer Sedierung ist
die Möglichkeit eines zeitlich begrenzten und gut kontrollierten tiefen Schlafzustandes gemeint. Diese
Möglichkeit wird nur dann gewählt,
wenn die Situation für den Patienten andernfalls unerträglich wäre
Herr P. konnte seinem Wunsch entsprechend zu Hause und im Kreise
„Liebe Sr. Regina, lie
seiner Familie in Würde Abschied
be Sr. Claudia
nehmen. Für die Familie war das keine
Wir danken Euch un
d dem gesamten Te
neue Erfahrung und dennoch war es
am für die ganzheitl
zung bei der Begleit
iche Unterstütun
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die ersten Kontakte
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Prozess, der mit dem Tod nicht beit dem mobilen Palli
ativteam geknüpft.
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mit den Mitarbeiterinnen der Johanseren Papa und die
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auch in Momenten
Erlebte verarbeiten. So konnte das
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der Verzweiflung au
fgerichtet. Eure fach
war uns in vielerlei
Palliativteam ein Stück zur Trauerliche Kompetenz
Hinsicht Unterstüt
zu
ng und wertvolle Be
bewältigung beitragen.
wollen uns für Eure
gleitung. Wir
n unermüdlichen Ein
satz bedanken. So
und unseren Eltern
seid Ihr mit uns
viele schöne und au
ch schmerzliche Sc
Mit freundlicher Genehmigung des
Weg mitgegangen.
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itte auf unserem
He
ute haben wir das
Sohnes von Herrn P. dürfen die JoGefühl, dass unsere
Zuhause gefunden
Eltern ihr ewiges
haben und mit vielen
hanniter den Dankesbrief der Faanderen ganz glückli
ch sein dürfen.
Fam. P.“
milie veröffentlichen:
10
die Johanniter 1. 2015
Schwerpunkt
Glossar
und alle sonstigen Versuche einer
Linderung an Grenzen stoßen.“
Lebens- und Sterbebegleitung
„Menschen mit chronischen und
unheilbaren Erkrankungen können
heute individuelle Begleitung, soziale, medizinische, pflegerische
und spirituelle Unterstützung durch
Palliative Care erfahren. Allerdings
müssen Betroffene und Angehörige intensiver und umfassender
über Unterstützungsangebote und
rechtliche Rahmenbedingungen informiert werden. Und das Angebot
an Palliative Care muss flächendeckend ausgebaut werden“, fasst
DGKS Anneliese Gottwald zusammen.
So fordern die Johanniter gemeinsam mit der Diakonie unter
anderem: einen Rechtsanspruch
auf Palliativversorgung, ein klares
Bekenntnis zur Finanzierung, die
Integration von Hospiz- und Palliativversorgung in die Langzeitpflege,
eine eigene Palliativversorgung für
Kinder und Jugendliche, den Aufund Ausbau einer Ethikberatung
an Spitälern und vieles mehr (siehe
auch Infokasten auf den Seiten 8
und 9). Denn „schwerkranke Men-
schen, die medizinisch, pflegerisch
und psychisch gut umsorgt werden, äußern in der Praxis kaum den
Wunsch nach frühzeitiger Sterbehilfe“, weiß Anneliese Gottwald aus
Erfahrung, „umso wichtiger ist es,
dass wir die individuellen Bedürfnisse berücksichtigen und ein menschenwürdiges Sterben zulassen!“
Wir danken für das Gespräch:
O. Univ.-Prof. Dr. DDr. h.c. Ulrich Körtner: Vorstand des Instituts für Systematische Theologie
und Religionswissenschaft der
Evangelisch-Theologischen Fakultät und Vorstand des Instituts für
Ethik und Recht in der Medizin,
Bundespfarrer der Johanniter
Dr. Rainer Thell, Anästhesist und
Intensivmediziner, Chefarzt der Johanniter
DGKS Anneliese Gottwald, Pflegedienstleiterin der Johanniter
Dr. Elisabeth Voglmayr, Anästhesistin und Palliativmedizinerin, Palliativteam der Johanniter in
Waidhofen
Quellen:
Sterbehilfe, Argumentarium Nr.1: Hg.: Institut für öffentliche Theologie und Ethik der Diakonie,
www.diakonie.at/ethik
Rechtliche Rahmenbedingungen und Erfahrungen bei der Umsetzung von Patientenverfügungen.
Folgeprojekt zur Evaluierung des Patientenverfügungsgesetzes (PatVG); Ulrich Körtner, Christian Kopetzki, Maria Kletecka-Pulker, Lukas Kaelin, Stefan Dinges, Katharina Leitner. Unter der Mitarbeit von:
Christine Rebernig, August 2014, http://www.bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Medizin/Patientenverfuegung/Studie_zur_Patientenverfuegung
Empfehlungen zur Terminologie medizinischer Entscheidungen am Lebensende; Hg.: Bioethikkommission, Bundeskanzleramt; Wien 2011. www.bka.gv.at/DocView.axd?CobId=46713
Aktive Sterbehilfe (juristisch: Tötung auf
Verlangen) meint die gezielte Tötung eines
Menschen auf dessen Verlangen bzw. das
zur Verfügung stellen von Mitteln (juristisch: Beihilfe zum Suizid), die zum Suizid
geeignet sind.
Bei der Beihilfe zur Selbsttötung beschaffen dritte einer Person die Mittel
zum Suizid, den finalen Akt setzt der/die
Sterbewillige selbst.
Passive Sterbehilfe bezieht sich auf Situationen, in denen lebenserhaltende medizinische Maßnahmen nicht eingeleitet, nicht
fortgeführt oder abgebrochen werden.
Heute spricht man davon, das Sterben zu
zulassen.
Von indirekter Sterbehilfe ist die Rede,
wenn schmerzstillende Medikamente eingesetzt werden, die als Nebenwirkung die
Lebensdauer verringern können.
Diese oben genannten Bezeichnungen
werden heute kritisch hinterfragt, weil sie
häufig ein moralisches Urteil mittransportieren und den Sachverhalt nicht adäquat beschreiben. Zwei Beispiele: Passive
Sterbehilfe ist nicht unbedingt passiv. Das
Abstellen eines Beatmungsgeräts etwa
ist durchaus eine aktive Handlung. Bei
indirekter Sterbehilfe geht es weniger um
Hilfe zum Sterben als um die Frage, ob es
noch eine medizinische Indikation für weitere Behandlungsmaßnahmen gibt. Auch
wird gefragt, ob der Begriff „Hilfe“ nicht
eine Beschönigung der aktiven Sterbehilfe
darstellt. Schließlich geht es um Handlungen, die den Tod eines Menschen gezielt
herbeiführen.
Daher spricht man heute vom Abbruch
lebensverlängernder Maßnahmen, von
Sterbebegleitung, Therapie am Lebensende
oder davon, das Sterben zu zulassen. Unter
Sterbebegleitung und Therapie am Lebensende versteht man Maßnahmen, wie Pflege, Betreuung und medizinische Behandlung in der letzten Phase des Lebens mit
dem Ziel, die Lebensqualität zu erhalten,
das Leben zu verlängern oder Schmerz zu
lindern. Sterben zulassen, bedeutet, dass
lebensverlängernde Maßnahmen unterlassen werden, wenn eine weitere Behandlung
nicht sinnvoll ist oder dadurch der Sterbeprozess verlängert würde.
die Johanniter 1. 2015
11
Vorsorge:
Rechtliche Grundlagen
Beachtliche Patientenverfügung
Für die beachtliche Patientenverfügung gibt es
keine inhaltlichen oder formalen Vorgaben. Dabei
handelt es sich um eine schriftliche Willenserklärung, mit der im Fall einer zum Tod führenden Erkrankung, Verletzung oder Bewusstlosigkeit auf
künstliche lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet werden kann.
Verbindliche Patientenverfügung
Für eine verbindliche Patientenverfügung gibt es
genaue formale Vorgaben: Die abgelehnten Maßnahmen müssen nach Aufklärung durch einen
Arzt genau beschrieben werden. Der Arzt muss
bestätigen und ausführen, weshalb der Patient
die Folgen seiner Entscheidung zutreffend einschätzen kann. Die Patientenverfügung muss
durch einen Notar, Rechtsanwalt oder Patientenanwalt beglaubigt sein und sie bleibt nur 5 Jahre
gültig. Die Kosten trägt der Patient. Es gibt keine
Zuschüsse durch die Krankenkasse.
Die Patientenverfügung verliert dann nicht nach
Ablauf von 5 Jahren ihre Verbindlichkeit, solange
sie die Patientin/der Patient mangels Einsichts-,
Urteils- oder Äußerungsfähigkeit nicht erneuern
kann, zum Beispiel bei Komapatienten.
Vorsorgevollmacht
Mit einer Vorsorgevollmacht kann ein entscheidungsbefugter Vertreter in medizinischen Angelegenheiten (oder auch wirtschaftlichen oder
finanziellen Angelegenheiten) benannt werden.
Diese Person kann dann Entscheidungen treffen,
wenn man selbst nicht mehr urteilsfähig oder geschäftsfähig ist. Es können auch mehrere Personen benannt werden und es kann genau definiert
werden, für welche Angelegenheiten die Bevollmächtigte/der Bevollmächtigte zuständig werden
soll. Die Vorsorgevollmacht muss von einem Notar, Rechtsanwalt oder Gericht errichtet werden.
Vorsorgedialog
Ein Vorsorgedialog sollte alle Aspekte der eigenen
Vorstellung von einem guten oder gelungenen
letzten Lebensabschnitt umfassen und in schriftlicher Form festhalten. Idealerweise wird ein Vorsorgedialog nicht erst geführt, wenn jemand akut
im Sterben liegt, sondern, wenn die Möglichkeit
des eigenen Todes vielleicht auch noch in etwas
weiterer Ferne liegt. In Dialog tritt die erkrankte
Person selbst, der oder die Hausarzt/Hausärztin,
die Pflegefachkraft sowie Angehörige. So können
im Ernstfall die sehr persönlichen Wünsche des
sterbenden Menschen berücksichtigt werden.
12
die Johanniter 1. 2015
Was ist Palliative Care?
Palliative Care steht jedem chronisch oder unheilbar kranken Menschen ab der Diagnosestellung zur Verfügung. Es geht dabei um
einen multiprofessionellen Betreuungsansatz in enger Absprache
mit Betroffenen und deren Familie. Das umfasst Pflege, Medizin
und soziale wie spirituelle Belange. Herzstück der Palliative Care
ist die Schmerztherapie, um die Lebensqualität möglichst lange
zu gewährleisten.
Ab wann kann man Palliative Care in Anspruch nehmen?
Der richtige Zeitpunkt für das Zuziehen eines Palliativteams ist
ganz verschieden. Der Erkrankte selbst entscheidet, ab wann und
wie intensiv er das Angebot der Palliative Care nutzen möchte.
Wir wissen aus unseren Erfahrungen, dass der Zeitpunkt der Hilfesuche stark vom Leidensdruck und von der Persönlichkeit des
Menschen abhängt. Einerseits werden wir zur Unterstützung ab
der Diagnoseübermittlung angerufen, andererseits manchmal erst
wenige Stunden vor dem Sterben.
Wer kann das mobile Palliativteam anfordern?
Jeder Betroffene, dessen Angehörige oder Betreuende kann uns
telefonisch anfordern, ohne bürokratischen Aufwand. Ein Anruf
genügt und wir vereinbaren einen Termin.
Wie häufig ist man dann in Kontakt?
Es erfordert von Seiten der Palliative Care einen sehr sensiblen
und flexiblen Umgang in den Gesprächen und in der Begleitung.
Wir sind da, wenn der Wunsch besteht und wir ziehen uns wieder
zurück, wenn kein weiterer Bedarf
besteht. Das bestimmt der Klient
selbst.
Welche Kosten entstehen?
Die Begleitung durch das Palliativteam ist für die Betroffenen kostenlos, unsere Arbeit wird durch den
Niederösterreichischen
Gesundheits- und Sozialfonds sowie durch
Spenden finanziert.
Sie sind häufig mit der Endlichkeit
des Lebens konfrontiert. Welchen
Rat möchten Sie Menschen mitgeben?
}
DGKS Evelyn Heymans,
Ich möchte jedem jungen Menschen Leiterin des mobilen Palliaden Rat mitgeben, sein Leben be- tivteams der Johanniter in
wusst zu leben, sich nichts für spä- Waidhofen an der Ybbs
ter aufzuheben und sich auch der
Endlichkeit des Lebens bewusst zu
sein.
Und ich möchte jedem Menschen raten, sich auch darüber Gedanken zu machen, wie man seinen letzten Lebensweg gehen
möchte. Ein rechtzeitiger Dialog darüber, hilft allen Beteiligten.
Das Gespräch führte Mag.a Bettina Klinger.
Gastkommentar
Good old Daseinsvorsorge
Mitte Jän­ner geht ein Rau­nen durch die soziale Szene in Öster­reich – ein bör­sen­no­tier­tes, fran­zö­si­sches
Unter­neh­men namens ORPEA hat den öster­rei­chi­
schen Alten­heim­be­trei­ber Sen­e­cura geschluckt. Damit
gehen die etwa 4.000 Bet­ten, das sind 5 % aller Plätze
in Öster­reich, auf das Konto des Kon­zerns, der knapp
56.000 Bet­ten in ganz West­eu­ropa betreibt.
Schon län­ger, aber spä­tes­tens seit Über­nahme der
schwei­ze­ri­schen Sene­vita und der deut­schen Sil­ver
Care im Vor­jahr, hat man mit einem Ein­stieg eines gro­
ßen Pfle­ge­an­bie­ters in Öster­reich spe­ku­liert. Dass die­
ser nun mit Anfang April auf den Plan tritt, befeu­ert die
Dis­kus­sio­nen um eine gute Ver­sor­gung von Men­schen
im Alter sowie um die Wahl des rich­ti­gen Betrei­bers –
sol­len aus­schließ­lich Non-​​Profi-Orga­ni­sa­tio­nen zum
Zug kommen?
Ein biss­chen kitzeln
Immer wie­der kommt dabei das Argu­ment, ein biss­
chen müsse man die alteingesessenen Anbie­ter schon
kit­zeln, so dass Effi­zi­enz­po­ten­ziale geho­ben wer­den
kön­nen. Ein for­cier­ter Wett­be­werb bringe da mehr, als
er den Men­schen schade. Außer­dem kann mit einer
Ver­gabe an nicht rein-​​gemeinnützige Betrei­ber, so wird
gemun­kelt, den auf­müp­fi­gen NGOs ohne gro­ßes Auf­se­
hen die Rute ins Fens­ter gestellt werden.
Dass Wett­be­werb sti­mu­lie­rend wir­ken kann, mag für
Berei­che der Pro­duk­tion oder Indus­trie gel­ten. Die
Erbrin­gung von sozialen Dienst­leis­tun­gen hin­ge­gen
unter­liegt ande­ren Funk­ti­ons­me­cha­nis­men. Bei sol­
chen so genann­ten Ver­trau­ens­gü­tern, deren Qua­li­tät
nur schwer mess­bar ist, kön­nen unter markt­wirt­schaft­li­
chen Bedin­gun­gen Anreize für den Betrei­ber ent­ste­hen,
die Qua­li­tät zu sen­ken und dar­aus Gewinn zu erwirt­
schaf­ten. Dass die Kli­en­tIn­nen die Qua­li­tät der Leis­tung
nicht beur­tei­len kön­nen, trägt dazu bei, dass Non-​​ProfitOrga­ni­sa­tio­nen über­haupt ent­stan­den sind. Denn hier
liegt das Ver­trauen in die Leis­tung höher, weil Gewinne
nicht aus­ge­schüt­tet son­dern re-​​investiert wer­den. Und
die Empi­rie bestä­tigt, dass die Qua­li­tät bei NPOs höher
liegt als bei For-​​Profit-Anbietern.
Doch hat die Sicht­weise, dass auf­grund der demo­gra­
phi­schen Ent­wick­lung ein volu­mi­nö­ser „Markt“ ent­steht,
bei dem Gewinne mas­siv abge­schöpft wer­den kön­
nen, nichts an ihrer schein­ba­ren Fas­zi­na­tion ver­lo­ren.
Obwohl eigent­lich die anhal­tende Spar­kur, die öffent­
li­chen Haus­hal­ten seit den 1990er Jah­ren auf­er­legt
wurde, the­ma­ti­siert wer­den müsste. Denn die Aus­wir­
kung auf soziale Dienst­leis­tun­gen geht schlei­chend vor
sich, meist in Form von nicht valo­ri­sier­ten Kos­ten­bei­trä­
gen oder unge­deck­ten Lohn­ab­gel­tun­gen, und birgt so
manch Ver­schlech­te­rung in der Versorgung.
}
Mag. a Katharina Meichenitsch,
Sozialexpertin Diakonie Österreich
Vor­bo­ten…?
Offen bleibt mit die­ser Über­nahme die Frage, wie die
ein­zel­nen Gemein­den, wo die Alten­heime ste­hen, rea­
gie­ren wer­den. Auch die Sen­e­cura hat, wie gemein­
nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen, Ver­sor­gungs­auf­träge mit den
Bun­des­län­dern und Gemein­den für ihre Heime abge­
schlos­sen. Diese garan­tie­ren die Kos­ten­über­nahme für
den Betrieb des Alten- oder Pfle­ge­hei­mes. Dass nun
öffent­li­che Gel­der in ein bör­sen­no­tier­tes Unter­neh­men
gepumpt wer­den, das wie­derum mit sei­ner schlag­ar­
tig erreich­ten Markt­größe Spiel­re­geln zu beein­flus­sen
ver­su­chen wird, wird man­chem Bür­ger­meis­ter Sor­gen
bereiten.
Und nicht zuletzt ist frag­lich, wel­che Ände­run­gen der
Arbeits­be­din­gun­gen die hun­der­ten Mit­ar­bei­te­rIn­nen zu
erwar­ten haben, wenn die Inter­es­sen der share­hol­der
stär­ker berück­sich­tigt wer­den als jene der Kli­en­tIn­nen
oder öffent­li­cher Verwaltungen.
Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass diese Über­nahme
kein Ein­zel­fall blei­ben könnte. Mit TiSA, der zur Zeit noch
wenig beach­te­ten „Schwes­ter“ von TTIP, wird zur Zeit
an einem Regel­werk gebas­telt, das genau dies ermög­
li­chen soll: den Markt­ein­tritt von gro­ßen Kon­zer­nen in
Berei­che der öffent­li­chen Daseins­vor­sorge. Zudem hat
die Euro­päi­sche Union in ihrer neuen Ver­ga­be­richt­li­
nie, die in Öster­reich dem­nächst umge­setzt wer­den
muss, bereits eine aus­schließ­li­che Ver­gabe von sozia­len
Dienst­leis­tun­gen an gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tio­nen fast
unmög­lich gemacht. Hier haben sich Befür­wor­te­rIn­nen
der Markt­ori­en­tie­rung durchgesetzt.
Stär­kung der Gemeinnützigkeit
Was dage­gen tun? Eine Stär­kung der Gemein­nüt­zig­
keit. Und hier ist nicht nur die For­cie­rung neuer Schlag­
worte und Modelle, wie etwa soziale Inno­va­tion oder
die Ein­füh­rung einer gemein­nüt­zi­gen Stif­tung gemeint,
son­dern das expli­zite Bekennt­nis und der Aus­bau der
good old Daseins­vor­sorge – den sozia­len, gemein­nüt­zi­
gen Wohn­bau, das non-​​profit geführte Alten­heim oder
die gemein­schaft­lich über Eltern­ver­eine orga­ni­sierte
Kin­der­be­treu­ung. Nur so kann ver­hin­dert wer­den, dass
gewinngeleitete Inter­es­sen unser aller Lebens­qua­li­tät
bestimmen.
die Johanniter 1. 2015
13
Johanniter International
Wiederaufbauhilfe
nach Taifun Haiyan
Johanniter werden mit 50.000 Euro von Stadt Wien unterstützt
Johanniter starten Hilfsprojekt in
San Juan
Die Johanniter schickten damals
ein Einsatzteam auf die Insel Leyte, wo sie vor allem in der Stadt
Ormoc für die erste medizinische
Versorgung sorgten. Zeitgleich
mit der Katastrophenhilfe setzten
auch die Vorbereitungen für den
Wiederaufbau ein. Nun starten die
14
die Johanniter 1. 2015
Johanniter ein großes Hilfsprojekt
auf der Insel Leyte, das durch die
Stadt Wien mit 50.000 Euro finanziert wird.
Wiederaufbau von Schule und
Gemeindeinfrastruktur
Der Wiederaufbau konzentriert
sich vor allem auf die Gemeinde­
infrastruktur und die Schulen im
Barangay San Juan in der Stadt
Ormoc, wo die Grundschule, öffentliche Toiletten, die Gemeindehalle und das Gesundheitszentrum
durch den Taifun Haiyan teilweise
oder vollständig zerstört wurden.
„Wir wollen die Johanniter beim
Wiederaufbau der Infrastruktur
unterstützen. Mit unserer Hilfe soll
die Schule renoviert, Sanitäranlagen errichtet und die Trinkwasserversorgung ermöglicht werden.
Wir wollen vor allem Kindern und
Frauen dadurch den Zugang zu
Bildung und Gesundheitsversorgung ermöglichen“, so Sandra
Frauenberger, Wiener Stadträtin
für Integration, Frauenfragen, KonsumentInnenschutz.
Die Johanniter arbeiten eng mit der
philippinischen Partnerorganisation
Balay Mindanaw Foundation (BMFI)
zusammen und legen größten Wert
auf die Verwendung lokaler Ressourcen und die Förderung lokaler
Kapazitäten, welche die Eigeninitiative der Bevölkerung erfordern und
das Projekt so nachhaltig machen.
Alle Aktivitäten werden sowohl mit
den Behörden als auch mit den
zivilgesellschaftlichen
Organisationen vor Ort abgestimmt. Beim
Wiederaufbau der Gemeindeinfrastruktur soll zudem auf Katastrophenvorsorge geachtet werden.
}
Spendenkonto:
Johanniter-Unfall-Hilfe
Bank Austria, BLZ 12000
BIC/SWIFT: BKAUATWW
IBAN: AT30 1200 0006 8404 7707
Kennwort: Philippinen
Foto: Brigitta Hahn
Im November vor einem Jahr traf
der Taifun „Haiyan“ Südostasien
mit voller Wucht und hinterließ ein
verheerendes Bild der Zerstörung.
Dem letzten Lagebericht des Nationalen Rats für Katastrophenschutz
und
Katastrophenmanagement
der Philippinen zufolge wurden
6.300 Menschen getötet, 28.689
Menschen verletzt und 1.061 Personen werden immer noch vermisst. Insgesamt waren ca. 16
Millionen Menschen von Taifun
Haiyan betroffen, davon haben ca.
4 Millionen Menschen ihr Obdach
verloren. 500.000 Häuser wurden
komplett und weitere 600.000 teilweise zerstört.
Jahresbericht 2014
der Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich
„Helfen macht Freu(n)de“ – lautete lange Zeit das
Motto der Johanniter, die vergangenes Jahr ihr
40jähriges Jubiläum feiern durften. Das Jubiläum
war nicht nur Anlass zu feiern sondern auch eine
gute Möglichkeit, um auf die Dienste der Johanniter aufmerksam zu machen, neue Projekte wie
superhands vorzustellen und durch eine Benefizvorstellung im Theater der Josefstadt um weitere
Unterstützung zu bitten. Ganz besonderer Dank
gilt hier den uns bereits seit Jahren eng verbundenen Freunden und Förderern, der Intendanz des
Theaters in der Josefstadt und unserem Bundesfinanzreferenten Dr. Weninger, der die Benefizgala
initiiert und organisiert hat. Ein herzliches „Danke“
möchte ich an dieser Stelle auch allen Mitarbeitern
und Mitarbeiterinnen sagen, die in den vielen Jahren wesentlich zur Entwicklung und zum Erfolg der
Johanniter beigetragen haben und das Jahr 2014
mit außergewöhnlichem Engagement - neben den
laufenden Aufgaben - zu einem ganz besonderen
Jahr gemacht haben.
Die Johanniter haben sich in den 40 Jahren ihrer Geschichte enorm gewandelt, doch im Kern
ist eines unverändert: die Johanniter sind eine
große Gemeinschaft, die Menschen in Not helfen möchte. Warum wir das tun, beantwortet unser neues Motto „Aus Liebe zum Leben“,
das uns die nächsten 40 Jahre begleiten möge.
DI Johannes Bucher
Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe
Impressum:
Herausgegeben von Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich
Redaktion: Dr. Robert Brandstetter, Mag. a Belinda Schneider
1180 Wien, Herbeckstraße 39
T +43 1 470 70 30 - 5713
Grafik und Layout: Mag. a Julia Kadlec
Druck: Riedeldruck Mistelbach
Verlags- und Herstellungsort: Wien
ZVR: 269856203
2
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
Vorwort
Liebe Johanniterinnen, liebe Johanniter,
Auf einen Blick
Mobilität mit 14.329 Transporten für
Menschen mit Behinderungen
 Mehr
 18.052
Rettungs- und Notarzteinsätze für Kranke
und Menschen in lebensbedrohlichen Situationen
 109.338
Krankentransporte
 14.589
Einsatzstunden im Bereich Soziale Dienste
 21.499
Einsätze in der Hauskrankenpflege
 2.150
Notfalleinsätze durch den Pflegenotdienst
 1.946
Besuche leistete das Palliativteam
 13.479
Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen in
783 Kursen
Knopfdruck zur Stelle mit 2.177 Hausnotrufanschlüssen
zur Sicherheit unserer Kunden und Kundinnen
 Per
40 Jahre im Zeichen der Hilfe
Die Johanniter leisteten vergangenes Jahr 190.000 Einsätze und legten dabei 2,8 Millionen
Kilometer zurück. Das Engagement der Ehrenamtlichen ist ungebrochen und die Hauptgeschäftsfelder haben sich überwiegend positiv entwickelt, vor allem die Ausbildung in
Wien und Tirol wächst.
Vergangenes Jahr feierten die Johanniter ihr 40jähriges Bestehen.
Was mit einem einzigen Rettungsauto und wenigen Ehrenamtlichen
in Wien begann, hat sich zu einer
Hilfsorganisation entwickelt, die
nicht nur in Österreich sondern
auch über Grenzen hinweg tätig ist.
Bundespräsident zu Besuch
Den ehrenvollen Auftakt zum Jubiläum gab Bundespräsident Dr. Heinz
Fischer, der sowohl dem Präsidium
als auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen seine persönlichen
Glückwünsche überbrachte und
gemeinsam mit Johanniter-Präsident Dipl.-Ing. Johannes Bucher
in Wien die Ausstellung mit historischen Meilensteinen der Johanniter und einem Überblick über die
Tätigkeitsbereiche eröffnete.
Benefiztheater
Der 40. Geburtstag war nicht nur
Anlass für einen Festakt mit rund
150 geladenen Ehrengästen und
ein Sommerfest für Mitarbeitende
im Johanniter-Center-Nord, in dessen Rahmen wohlverdiente Ehrenamtliche ausgezeichnet wurden.
Das Jubiläum war zugleich eine
wichtige Gelegenheit, um im Rahmen einer Benefizvorstellung im
Theater in der Josefstadt Spenden
zu sammeln. Dank der Unterstüt-
zung der Intendanz und großzügigen Sponsoren und Wohltätern
konnten die Johanniter rund 15.000
Euro für das Projekt „superhands“
akquirieren.
Gemeinsam mit den Beiträgen
von rund 40.000 Fördermitgliedern
haben die Johanniter im vergangen Jahr etwa 2,2 Millionen Euro
Spenden gewonnen, mit denen
vorwiegend kostenfreie oder nicht
kostendeckende Dienste finanziert werden. Davon werden etwa
Einsätze und Ausstattung des Katastrophenhilfsdienstes oder der
Rettungshunde abgedeckt oder
das Projekt superhands mitfinan-
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
3
Einsätze Tortensegment
Einsätze gesamt 190.013
davon Fahrdienste 145.149
davon Pflege 36.825
190.013
Einsätze
190.013
Einsätze
davon soziale Dienste 8.039
8.039
36.825 8.039
36.825
soziale Dienste
145.149
Pflege
145.149
Einsätze Tortensegment
Fahrdienste
ziert. Doch auch in Bereiche wie
die Fahrdienste oder Pflege werden Gelder zugeschossen.
soziale Dienste
Zwischen Wettbewerb
und
Pflege
Kostendruck
Foto: B. Hochfilzer
Fahrdienste
soziale
Dienste
Die Johanniter agieren
in einem
komplexen sozialwirtschaftlichen
Pflege
Umfeld: Der Wettbewerb nimmt zu,
der KostendruckFahrdienste
erhöht sich. Zudem wird die Arbeit der Johanniter
stark von politischen Rahmenbedingungen bestimmt, dies betrifft
unter anderem den Rettungsdienst:
2009 wurde die bodengebundene
Vergabe des Tiroler Rettungswesens neu regelt und erstmals europaweit ausgeschrieben. Seit 2011
organisiert nun die Rettungsdienst
GmbH die Rettung in Tirol, eine
Bietergemeinschaft
bestehend
aus Rotem Kreuz, Samariterbund,
Johannitern und Maltesern. Die
Ausschreibung des Rettungswesens hat viel Staub aufgewirbelt,
Einsätze Tortensegment
zumal die Rettungsdienste
quali- Krankentransporte sind keine
Einsätze gesamt 190.013
tative Verschlechterungen im Ret- Taxifahrt
Einsätze
gesamt
190.013 In Wien trifft der Kostendruck die
tungswesen,
Rückgang
davoneinen
Fahrdienste
145.149 des
Ehrenamts
und
Probleme
Rettungsdienste auch aufgrund
davon
Pflege
36.825 in der
davon
Fahrdienste 145.149
Organisation der
Katastrophenhilmassiver Sparmaßnahmen seidavondavon
soziale
Dienste
Pflege 8.039
36.825
fe befürchteten.
Die Johanniter
wie tens der Wiener Gebietskrankenauch andere große Hilfsorganisa- kasse. Diese sieht im Bereich der
davon
soziale Dienste
tionen vertraten
die Meinung,
dass 8.039
Krankentransporte ein großes
der Rettungsdienst eine tragende Einsparungspotenzial und richtete
Säule des Zivil- und Katastrophen- 2013 eine eigene Leitstelle ein, die
schutzes in Österreich sei und da- Aufträge an sechs private Fahrtenher nicht als isolierte Dienstleistung dienste vergibt. Geht es nach dem
behandelt werden sollte.
Willen der Krankenkasse, so sollen
kranke oder nicht gehfähige PerDas Europäische Parlament hat sonen zu Arztterminen mit billigen
dies mit seiner Entscheidung be- Fahrtendiensten ohne medizinisch
stätigt und mit der Novellierung qualifizierten Personal befördert
des europäischen Vergaberechts werden, um so bei den teureren
2014 festgehalten, dass das EU- Krankentransporten, bei denen
Vergaberecht nicht auf den Ret- Patienten von zwei ausgebildeten
tungsdienst anzuwenden ist. Es Rettungssanitätern begleitet werbleibt jedoch abzuwarten, ob die den, zu sparen.
Landesregierungen von den neuen Gestaltungsmöglichkeiten Ge- Sparen um jeden Preis?
brauch machen oder ob die Ver- Die Wiener Rettungsorganisatiogabe weiterhin vom Preis bestimmt nen haben wiederholt Bedenken
bleibt, ohne dabei die Qualität der angemeldet haben, dass hier auf
Versorgung ausreichend zu be- medizinische Sicherheit zu Lasten
rücksichtigen.
der Patienten und Patientinnen ver-
Februar
März
Eisregen in Österreich und Slowenien:
Ehrenamtliche der Johanniter halfen
gemeinsam mit der Feuerwehr.
Johanniter Tirol erhalten BACA-Sozialpreis für
Schulsanitätsdienst.
4
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
Rettungshunde bei Lawinentraining
in Osttirol.
13.479 Kursteilnehmer
13.479 Kursteilnehmer
und Kursteilnehmerinnen
und Kursteilnehmerinnen
Kursteilnehmer
Kursteilnehmer 13.479
13.479
Kurse
Kurse 783
783
Davon
Davon
zichtet wird: Zum einen, weil die
Wien
Mitarbeiter der Fahrtendienste
Wien über
keine qualifizierte Sanitäterausbildung verfügen, im besten Fall einen 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurs
9.921
9.921
absolvieren; zum anderen,
weil für
die Fahrtendienste keine Hygiene547
vorschriften gelten, obwohl
547 diese
auch heikle Dialyse- und Chemotherapiepatienten transportieren.
Immer wieder kommt es auch vor,
Tirol
dass heikle Transporte, die
den EinTirol
satz von Tragsessel oder Krankentrage erfordern, von solchen
3.134Taxis
durchgeführt werden. 3.134
Das Bundesministerium für Gesundheit hat
209
209 Eindazu festgestellt, dass solche
sätze Sanitätern und Rettungsorganisationen vorbehalten sind.
„Hier wird auf dem Rücken
von
Kärnten
Kärnten
kranken Menschen gespart,
das
ist unverantwortlich. Gerade Che424
motherapie- und Dialysepatienten
424
können ein geschwächtes Immunsystem haben. Es ist riskant,
ihnen
27
27
eine Fahrt im keimbelasteten
Taxi
zuzumuten. Wenn ein Patient im
9.921
9.921
Wien
Wien
Auto kollabiert, kann er gar nicht
adäquat versorgt werden, weil die
Fahrer weder die entsprechende Ausbildung haben, noch eine
Ausstattung an Bord ist“, warnt Dr.
Brandstetter, Bundesgeschäftsführer der Johanniter. „Es ist auch zu
befürchten, dass das in der Branche viele Jobs kosten wird und
auf diese Weise langfristig der Kollektivvertrag ausgehöhlt wird, um
wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Haunotrufanschlüsse
Haunotrufanschlüsse
Diese Entwicklung
ist bei den Wiener Rettungsdienstanbietern be2007
1520
2007 und
1520hat einen Rückreits spürbar
2008
1765
2008
1765
gang der Krankentransportfahrten
2009
2006
2009
2006verursacht. Hinum fast 5 Prozent
gegen sind die Einsätze im Rettungsdienst um rund 12 Prozent
und im Organtransport um 6 Prozent gestiegen, was auf starke Zuwächse in Wien und Niederösterreich zurückzuführen ist.
Ausbildung ist gefragt
Ausbildung mit Qualität – das ist
das Motto der Johanniter in allen
Ausbildungsbereichen: dazu zählen
3.134
3.134
Tirol
Tirol
424
424
Kärnten
Kärnten
0
0
2500
2500
5000
5000
7500
7500
Erste-Hilfe-Kurse, die Ausbildung
von betrieblichen Helfern, Reanimationsübungen für medizinisches
Fachpersonal und verschiedeHausnotrufanschlüsse
nen Aus-und
Weiterbildungen im
Hausnotrufanschlüsse
Bereich Pflege. „Moderne Unterrichtsmethoden und genügend Zeit
2.006
2009
2009Üben – das unterscheidet 2.006
zum
die
Johanniter von anderen Anbietern“,
erklärt Doris Wundsam, Leiterin
1.765
2008
des
1.765
2008Wiener Ausbildungszentrums
das Erfolgsrezept der Johanniter.
Die Bilanz kann sich sehen lassen,
1.520
2007
hat
doch der Ausbildungsbereich
1.520
2007
seit Jahren einen satten Zugewinn
0
500
1.000
1.500
2.000
zu verzeichnen.
0
500 2014
1.000zählten
1.500 die 2.000
Johanniter insgesamt 13.479 Kursteilnehmer in 783 Kursen. Allein in
Wien konnten fast 12 Prozent mehr
Menschen geschult werden.
Einsätze: Fahrdienste und Pflege
Einsätze: Fahrdienste und Pflege
2.500
2.500
185.737
185.737
2012
2012
183.102
183.102
2011
2011
2010
2010
150000
150000
10000
10000
176.033
176.033
160000
160000
170000
170000
180000
180000
190000
190000
200000
200000
Mai
Schwere Unwetter: 25 Ehrenamtliche helfen bei
Aufräumarbeiten in Wien, Döbling.
Beim superhands-Flashmob in Wien machen die Johanniter auf
die Situation pflegender Teenager aufmerksam.
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
5
Einsätze ges
davon Fahrd
davon Pflege
190.013 Einsätze
190.013 Einsätze
969 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
969 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
36.825
173
238
238
173
558
558
Zivildiener
8.039
36.825
145.149
Hauptberufliche
Ehrenamtliche
Pflege
Im Bereich Pflege war ein leichter
Anstieg der Einsätze
zu verzeichnen,
Zivildiener
was vor allem auf die nach wie vor
Hauptberufliche
starke Nachfrage an HauskrankenEhrenamtliche
pflege in Tirol zurückzuführen
ist. In
Zivildiener
Wien ging hingegen die Nachfrage
Hauptberufliche
nach kurzfristigen Einsätzen durch
Ehrenamtliche
den Pflegenotdienst
zurück.
Forschung
Im Bereich der Forschung konnten
2014 zwei Projekte abgeschlossen
werden: Dazu zählt die Entwicklung der Notfallkarte, mit der im
Rettungswesen medizinische Daten für den Notfall lesbar gemacht
werden, sowie die mobile Photovoltaikanlage REMULES für den
Einsatz im Katastrophenschutz,
deren Prototyp unter anderem bei
den Johannitern und im Rahmen
von Katastrophenschutzübungen
getestet wurde.
davon sozial
8.039
soziale Dienste
Pflege
145.149
Fahrdienste
An den Projekten wie diAALock,
die intelligente Tür mit Zugriffsmanagement für Notfälle, und AHEAD,
die Hörbrille mit Notruf, die diskrete
Unterstützung im Alltag bietet, wurde weiter gearbeitet und die Prototypen entwickelt. Im Rahmen von
SemCare wurde mit der Entwicklung einer digitalen Pflegedokumentation für den Pflegenotdienst
begonnen. Außerdem startete man
vergangenes Jahr mit Public Safety
NET mit dem Ausbau der Kommunikationsmöglichkeiten für Einsatzkräfte im Krisenfall. Weiters wurde
die Projektmanagementsoftware
CanDo hinsichtlich ihres Einsatzes
im Krisen- und Katastrophenfall
geprüft und Adaptionsempfehlungen ausgespochen.
Danke an Spender
Viele Leistungen der Johanniter für
kranke und bedürftige Menschen
werden von der öffentlichen Hand
nicht übernommen. Um diesen
Menschen dennoch entsprechende Hilfe bei der Bewältigung des
Alltags bieten zu können, sind die
Einsätze To
Einsätze ge
40.100 Förderer und
438 Dauerspender
davon Fahr
davon Pfleg
davon sozi
soziale Dienste
Pflege auf Spenden angewieJohanniter
sen. Neben
Zuwendungen
durch
Fahrdienste
soziale Dienste
langjährige fördernde Mitglieder
Pflege 2014 auch
und Spender, konnten
zusätzliche Mittel Fahrdienste
durch Sponsoringbeiträge zur Festschrift und
zum Benefizabend lukriert werden.
Zudem zeigte sich die Bevölkerung
in Tirol und Oberösterreich bei den
Haussammlungen der Johanniter
spendenfreudig.
Johanniter-Präsident DI Johannes
Bucher: „Wir möchten uns für die
zahlreichen Spenden herzlich bedanken und hoffen, dass wir auch
2015 auf entsprechende Unterstützung aus der Bevölkerung zählen
dürfen. Der Bedarf an spendenfinanzierten Leistungen ist ungebrochen groß.“
Juni
Bundespräsident Dr. Heinz Fischer gratulierte zum 40. Geburtstag der Johanniter
und eröffnete die Jubiläums-Ausstellung.
6
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
Johanniter feierten 40-jähriges Bestehen.
Vier Rettungshunde haben erfolgreich die Prüfung der Internationalen-Rettungshunde-Organisation
bestanden.
superhands
Infokampagne, Flashmob und Networking
„Young Carers“, wie in der Fachsprache pflegende Kinder und
Jugendliche genannt werden,
gehören zu einer schwer erreichbaren Zielgruppe, weil sie in der
Anonymität leben und sich selbst
kaum als pflegende Angehörige
sehen. Die Website von superhands eignet sich als Online-Kommunikationsmittel in besonderem
Maße, weil die Zugangsschwelle
vergleichsweise niedrig ist und
die Anonymität gewahrt bleiben
kann.
Daher ist der kontinuierliche Anstieg der Besucherzahl - trotz
geringer Werbemittel - erfreulich:
Im Jahr 2014 besuchten um rund
30 Prozent mehr Menschen superhands, als im Jahr zuvor, was
vor allem auf die Infokampagne in
Schulen und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zurückzuführen
ist. Insgesamt verzeichnete www.
superhands.at 12.570 Besucher.
Seit Projektstart im Oktober 2012
haben insgesamt 24.878 Perso-
nen die superhands-Webseiten
besucht!
Schulmailing
Rund 2.500 Schulen, 400 Familienberatungsstellen und 260
evangelischen
Pfarrgemeinden
erhielten ein superhands-Infopaket, bestehend aus Factsheet,
Poster, Flyer und die Einladung
zur Teilnahme am Flashmob-Ideenwettbewerb.
FM4-Jugendzimmer
Die FM4-Radiosendung „Im Jugendzimmer“ zum Thema „Pflegende Teenager“ erreichte rund
50.000 Hörer. Zu Wort kamen
drei junge Erwachsene, die als
Kind einen Elternteil gepflegt haben. Dank superhands konnten
sie ihre persönlichen Erfahrungen
vermitteln und Betroffenen Mut
machen, Hilfe zu suchen.
Flashmob
ter am Tag der Pflege mit einem
Flashmob auf die Situation von
pflegenden Teenagern aufmerksam und hinterließen als Zeichen
der Solidarität grüne Handabdrücke. Weitere Kampagnen auf
Facebook sind geplant.
Sensibilisieren, Netzwerke bilden
Auch Fachkräfte wurden über
superhands informiert. Pflegeexpertin DGKS Anneliese Gottwald
klärte über die schwierige Situation der betroffenen Jugendlichen
auf und stellte das Hilfsangebot
bei rund 30 Pflege-, Hospiz- und
Palliativ­e inrichtungen in Wien und
Nieder­österreich vor. Ebenso fanden Gastvorträge am AKH und
an der Pflegekrankenschule statt.
Dank der guten Vernetzung mit
der Pflegewissenschaft der Universität Wien und dem Zentrum
Qualität in der Pflege in Berlin fand
ein regelmäßiger Austausch über
aktuelle Entwicklungen statt.
Mit dem Slogan „Chillen statt
Pflegen“ machten die Johanni-
August
September
Geburt bei Verkehrskontrolle in Wien.
Zugunglück in Wien-Kledering: Einsatzübung mit ÖBB und 140 Ehrenamtlichen.
Rettungshundeübung in Ungarn.
Erste-Hilfe-Jugendbewerb: Die Kärntner
Jugend belegt wieder ausgezeichnete
Plätze.
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
7
Wien
Ausbildung hoch im Kurs
Die Johanniter-Unfall-Hilfe in Wien
war vergangenes Jahr vor allem von
starken Einbußen im Krankentransport betroffen, der wie eingangs
erwähnt auf die Sparmaßnahmen
der Wiener Gebietskrankenkasse
zurückführen ist. Erfreulich ist hingegen der starke Anstieg von Rettungseinsätzen von fast 22 Prozent
und der Organtransporte um rund
6 Prozent.
bei dem rund 75 Patienten versorgt
werden mussten. Daneben gab es
weitere Übungen in Zusammenarbeit mit anderen Rettungsorganisationen. Einen realen Einsatz
hatten 25 Ehrenamtliche der Johanniter Ende Mai in Wien-Döbling,
wo sie nach einem Murenabgang
mit technischem Equipment und
bei den Aufräumarbeiten halfen.
Üben für den Ernstfall
Auch die Rettungshunde müssen immer wieder für Such- oder
Katastropheneinsätze trainieren
und sich für den Einsatz qualifizieren. Im vergangen Jahr nahm
die Rettungshundegruppe an
einem Lawinentraining in Osttirol sowie an einer internationalen
Einsatzübung in Ungarn teil. Das
wöchentliche Training gibt den
Hunden die nötige Sicherheit um
bei der Prüfung durch die Internationale
Rettungshundeorganisation gute Figur zu machen.
Vergangenes Jahr haben vier Rettungshunde die Prüfung zur Trümmersuche erfolgreich bestanden.
2014 hat der Katastrophenhilfsdienst dank des engagierten Führungsnachwuchses auf rein ehrenamtlicher Basis zwei hervorragend
geplante und groß angelegte Einsatzübungen durchgeführt:
Im Frühjahr fand eine Einsatzübung
auf militärischem Übungsgelände
in Blumau statt und im September
folgte ein Einsatzübung in Zusammenarbeit mit den ÖBB: Rund 140
Ehrenamtliche übten unter realen
Bedingungen den Einsatz nach
einem Zugunglück am Zentralverschiebebahnhof in Wien-Kledering,
Helfer auf vier Pfoten
Ausbildung am Puls der Zeit
Das Wiener Ausbildungszentrum
hat 2014 in 799 Kursen (inklusive
internen Schulungen) insgesamt
12.056 Personen geschult. Im Vergleich zum Vorjahr wurden um fast
12 Prozent mehr Menschen in Erster Hilfe ausgebildet.
Aufgrund neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen für betriebliche
Ersthelfer wurden vermehrt Auffrischungskurse in Anspruch genommen während bei den ErsteHilfe-Grundkursen ein Rückgang
spürbar war. Auch die Kurse Erste
Hilfe für den Führerschein und Erste Hilfe am Kind wurden weniger
in Anspruch genommen.
Erste Hilfe macht Schule
Ein großer Erfolg war das im vergangenen Jahr gestartete Projekt
„Leben retten macht Schule“, das
in Kooperation mit der Stadt Wien,
dem Verein Puls und den Wiener
Rettungsorganisationen in den dritten Schulstufen der Wiener Volksschulen eingeführt wurde. Dabei
Oktober
„Leben retten macht Schule“ –
Start des Erste-Hilfe-Unterrichts
in Wiener Schulen.
8
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
Neues Einsatzfahrzeug für Orth an
der Donau, danke für die Spenden der
Gemeinden Orth und Mannsdorf!
Erfolgreiche Benefizvorstellung im Theater in
der Josefstadt. 15.000 Euro für superhands.
Danke an alle Unterstützer!
Niederösterreich
Hilfe in schwierigen Zeiten
werden Kinder in Reanimation geschult mit dem positiven Nebeneffekt, dass diese ihr Wissen an die
Eltern weitergeben.
Rasche Hilfe im Pflegenotfall
Im Jahr 2014 hatte der Pflegenotdienst 2.150 Einsätze, davon 1.370
tagsüber und 780 in der Nacht.
Aufgrund der Optimierung des
stationären Entlassungsmanagements kam es zu einer Reduzierung der Einsätze, bei denen keine
diplomierte Krankenpflegekraft des
Pflegenotdienstes, sondern vielmehr eine Heimhilfe benötigt wurde. Zudem begleitete das Team die
Entwicklung einer elektronischen
Pflegedokumentation, die 2015 fertiggestellt werden soll.
Hausnotruf
Wo andere aufgeben, machen wir
weiter - so könnte das Motto der Johanniter in Orth an der Donau lauten, wo mit einer kleinen Rettungsstation und wenigen Mitarbeitern
die rettungsdienstliche Versorgung
der Gemeinden Orth, Mannsdorf
und der umliegenden Region sichergestellt wird. 1.770 Einsätze
absolvierten die Johanniter in Orth,
darunter 1.377 Krankentransporte
und 393 Rettungseinsätze. Dabei
legte das Team von 3 hauptberuflichen Mitarbeitern und derzeit 12
ehrenamtlich Aktiven rund 100.453
Kilometer zurück.
Waidhofen an der Ybbs
In Waidhofen an der Ybbs bieten
die Johanniter eine besondere
Form der Unterstützung an: Das
Palliativteam begleitet Menschen
mit unheilbaren Erkrankungen. 183
Menschen suchten vergangenes
Jahr Unterstützung in einer schwierigen Zeit und wurden im Rahmen
von 1.946 Hausbesuchen durch die
speziell ausgebildeten Mitarbeite-
rinnen begleitet. 101 Patienten und
Patientinnen haben in dieser Zeit
Abschied genommen, 48 konnten
ihren letzten Lebensweg im Kreise
der Familie beschreiten. Neben der
Beratung und Begleitung der Klienten wurde am Auf- und Ausbau
einer elektronischen Datenbank
gearbeitet, in die die Daten aller an
der Betreuung mitwirkenden Disziplinen erfasst werden. Ein hoher
Stellenwert wird zudem der Fortund Weiterbildung sowie dem internen Qualitätsmanagement und der
Teamsupervision beigemessen.
Regelmäßige Vernetzungstreffen
mit Anbietern der Gesundheitsdienste sowie die Teilnahme an Koordinatorentreffen und Ärztetreffen
in NÖ erleichtern die Zusammenarbeit im Sinne der Palliative Care.
Auch die engmaschige Betreuung
als Palliativkonsiliardienst am Landesklinikum und als mobiles Palliativteam im ambulanten Bereich ist
inzwischen bestens etabliert und
ein Vorzeigemodell in der Gesundheitslandschaft.
Foto: Clemens Tiefenthaler i.A. des BMASK
Foto: JBMEIA/Dragan Tatic
2.177 Menschen vertrauen auf den
Hausnotruf der Johanniter. Für 518
Neukunden konnten die Mitarbeiter ein neues Gerät montieren, ergänzend dazu wurde die Montage
von 413 Schlüsselsafes durchgeführt.
Orth an der Donau
Bundesminister Hundstorfer besucht Freiwilligenmesse
Kooperation: Johanniter und LIFEtool starten den Aufbau
Europas größter Testregion für assistive Technologien.
Johanniter leisten Sanitätsdienst am Tag der offenen Tür
im Außenministerium.
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
9
Tirol
Ehrenamt boomt – Ausbildungssektor wächst weiter
8.037 Einsatzstunden haben die
64 ehrenamtlichen Mitarbeiter der
Johanniter Tirol im Jahr 2014 absolviert. Besonders erfreulich: Bei
den freiwilligen Einsatzstunden
wurde im Vergleich zum Vorjahr ein
Anstieg um 50 Prozent verzeichnet
und auch die Zahl der Ehrenamtlichen hat mit 23 Prozent einen
beachtlichen Zuwachs erfahren.
Darunter viele Zivildiener, die den
Johannitern Tirol auch nach Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflicht
als ehrenamtliche Mitarbeiter erhalten blieben.
Ausbildungskompetenz
eindrucksvoll bestätigt
Das vielseitige Ausbildungsangebot der Johanniter Tirol war auch
2014 stark nachgefragt. 202 ErsteHilfe-Kurse (Basis- und Spezialkurse) mit insgesamt 2.881 Teilnehmern wurden durchgeführt. Im
Bereich Pflege wurden insgesamt
68 Heimhelferinnen und Heimhelfer ausgebildet und haben damit
eine gesetzlich anerkannte Berufsausbildung absolviert. „Besonders
stark nachgefragt sind die Fortbildungsangebote im Bereich der Behindertenarbeit. Auf diesem Gebiet
besteht auch in Zukunft noch viel
Ausbildungsbedarf“, weiß Nicole Raslagg, Ausbildungsleiterin im
Bereich Pflege.
87.500 Einsätze,
819.400 gefahrene Kilometer
Der Fuhrpark der Johanniter Tirol
umfasst insgesamt 37 Fahrzeuge.
Dazu zählen: 1 Rettungswagen,
5 Krankentransportwagen, 20
Fahrzeuge für den Behindertentransport sowie 11 PKWs für die
sozialen Dienste und die Hauskrankenpflege.
819.400 Kilometer wurden bei
insgesamt 87.500 Einsätzen zurückgelegt. Die meisten Einsätze
entfallen auf den Krankentransport
(9.460), die Hauskrankenpflege
und sozialen Dienste (41.030), den
Behindertentransport (33.020) sowie Ambulanzdienste mit 140 Einsätzen.
Ambulante Betreuung voll ausgelastet
„Unsere Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter sind voll ausgelastet“,
zieht Pflegedienstleiterin Carina
Floiss Bilanz im Bereich der ambulanten Betreuung und verweist
auf mehr als 40.760 Einsätze von
Hauskrankenpflege, Heimhelfern
und Haushaltshilfen. Das sind
knapp 1.100 Einsätze mehr als ein
Jahr zuvor.
SchulSani-Projekt läuft erfolgreich
Das 2012 an der HAK/HASCHWörgl begonnene Projekt Schulsanitätsdienst wurde aufgrund des
großen Interesses inzwischen auf
weitere Schulen ausgeweitet. Dem
Bedarf entsprechend werden kontinuierlich Ausbildungen angeboten.
November
Rudolf Niebler übergibt die Leitung des Organtransportes
an Martin Müller.
10
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
Tiroler Johanniter-Café feiert
20-jähriges Jubiläum.
Stadt Wien spendet 50.000 Euro für
Wiederaufbau in San Juan auf der
Insel Leyte, Philippinen.
Kärnten
Stolz auf Nachwuchs
Die Johanniter-Unfall-Hilfe Kärnten feierte 2014 ihr 30-jähriges
Bestehen in Patergassen. Die
gemeinnützige Organisation wurde 1983 auf Betreiben von Ehrenamtlichen ins Leben gerufen
und ist seither rund um die Uhr
für die rettungsdienstliche Versorgung von Notfällen in den Gemeinden Reichenau, Gnesau und
Bad Kleinkirchheim zuständig. In
30 Jahren waren 180 Freiwillige
74.300 Mal im Einsatz!
Auf Ehrenamtliche ist Verlass
net in 40-Stunden-Wochen ergibt
sich eine Anzahl von 577 Wochen!
Neben der Aufrechterhaltung des
„Normalbetriebes“ wurden zusätzlich 23 Ambulanzdienste geleistet, bei denen insgesamt 80
Sanitäter im Einsatz waren.
Insgesamt leisteten die Johanniter
Kärnten 2.670 Einsätze und transportierten 2.943 Patienten. Dabei
wurden rund 167.000 Kilometer
zurückgelegt.
Unter realen Bedingungen üben
und sich im mit den Besten messen – das ist die Idee des jährlich
stattfindenden Erste-Hilfe-Jugendbewerbs in Kärnten. In Feldkirchen
traten Jugendliche der Rettungsorganisationen gegeneinander an,
um in theoretischen und praktischen Prüfungen ihr Können und
Wissen in Erster Hilfe unter Beweis
zu stellen. Die erfolgreiche Bilanz:
Platz 1, 4 und 8 im Silberbewerb,
Platz 6 im Bronzebewerb. Auch in
der Einzelwertung schafften alle
Anwärter das Erste-Hilfe-Abzeichen in Gold!
„Diese unglaubliche Zahl kommt
zustande, weil wir uns in einem
Gebiet befinden, von wo aus die
nächsten Krankenhäuser und
Heilanstalten relativ weit entfernt
sind“, erläutert Bereichsbeauftragter Siegfried Mayerbrugger.
23.000 Einsatzstunden
Die Johanniter Kärnten leisteten
2014 insgesamt mehr als 23.000
Bereitschaftsstunden, umgerech-
Jugend ist top
Foto: Thomas Struck
Ohne die vielen ehrenamtlichen
Helfer der Johanniter wäre die
Region Reichenau, Gnesau, Bad
Kleinkirchheim nur unzureichend
rettungsdienstlich versorgt. Die
Johanniter haben sich vor rund 30
Jahren ganz bewusst dafür entschieden, in diesem Einzugsgebiet
mit einer Rettungsstation in Patergassen Fuß zu fassen, um im Notfall die medizinische Versorgung
der Bevölkerung zu gewährleisten.
In den vergangen Jahren konnte
die Versorgung tagsüber nicht
mehr auf rein ehrenamtlicher Basis gedeckt werden, daher sind
derzeit neben 47 Ehrenamtlichen
auch drei hauptberufliche Mitarbeiter und zwei Zivildiener in
Kärnten tätig.
Dezember
Raiffeisenkasse und Johanniter spenden Defibrillator für Orth.
Parlamentsenquete „Sterben in Würde“: DGKS Gottwald
bringt Stellungnahme der Johanniter und der Diakonie ein.
Sonderbeilage Jahresbericht 2014
11
Über die Johanniter
Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist seit über 40 Jahren in
der Tradition des evangelischen Johanniterordens in
Österreich tätig. Seit ihrer Gründung am 21. Juni 1974
entwickelten sich die Johanniter mit heute rund 1.000
Beschäftigten, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern
sowie Zivildienern und 40.000 Fördermitgliedern zu einer
Hilfsorganisation mit einem breiten Angebot an sozialen
Dienstleistungen.
Zu ihren Aufgaben zählen heute unter anderem Rettungsdienst und Krankentransport, Organtransport und
Behindertenfahrdienst, Sanitätsdienst und Katastrophenschutz, Ausbildung in Erster Hilfe und Pflege. Mobile Hauskrankenpflege, Pflege im Notfall, Palliative Care
als Beratung und Begleitung am letzten Lebensweg aber
auch die Arbeit mit Jugendlichen sind ebenso Bestandteil
der Tätigkeit der Johanniter wie superhands, Netzwerk
und Anlaufstelle für pflegende Kinder und Jugendliche.
Die Johanniter sind Teil eines internationalen Netzwerkes
und helfen in Österreich und weltweit.
Jugend
Buchtipp
Wundervoll!
Die beste Zeit hatte August, als er
zwei Jahre lang mit einem Astronautenhelm herumlief. Er fühlte sich
wie Major Tom, der einsame Held im
Weltall, ohne Kontakt zur Außenwelt.
Doch dann wurde es Zeit, den Helm
abzunehmen und sein Gesicht zu zeigen. Und alle haute es um!
Ab diesem Zeitpunkt ändert sich
im Leben des Teenagers und dem
seiner Familie alles. Dieser mutige
Schritt, sich alleine der Außenwelt
zu stellen, ist nicht nur ein Meilenstein für den Protagonisten selbst,
sondern gleichzeitig auch der Beginn einer unglaublichen Sogwirkung, die der Roman erzeugt.
„Ich heiße übrigens August. Ich
werde nicht beschreiben, wie ich
aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer!“ 27 Operationen am Gesicht waren notwendig, um Auggie, wie ihn seine Eltern
und seine Schwester liebevoll nennen, ein halbwegs selbstständiges Leben zu ermöglichen. Eine
seltene genetische Krankheit hat
das Gesicht des Buben entstellt.
Nach vielen Jahren Privatunterricht
durch seine Mutter im geschützten
Zuhause entscheidet sich die Familie schließlich für den Wechsel in
eine öffentliche Schule, eine Middle
School, das im Österreichischen
Bildungssystem der ersten Unterstufe entsprechen würde.
Darin erzählen unterschiedliche
Personen ihre persönlichen Beziehungen zu August. Das Spannende
daran ist, dass man dadurch neue
Sichtweisen kennenlernt und besser versteht, wie und warum August – trotz seines auffallenden Äußeren – immer mehr neue Freunde
für sich gewinnen kann.
Besonders berührend fand ich das
Kapitel aus Sicht seiner um fünf Jahre älteren Schwester Via, die sich
Zeit ihres Lebens um August sorgt,
ihn tröstet und ihn beschützt. Doch
als auch sie die Schule wechselt,
erzählt sie zunächst niemanden von
ihrem erkrankten Bruder, aus dem
tiefen inneren Wunsch heraus, einmal als unbelastete Persönlichkeit
wahrgenommen zu werden. Als die
Eltern die Einladung zur Theateraufführung mit Via in der Hauptrolle
erhalten, droht ihre künstliche Fassade einzubrechen.
Auf einfühlsame, unterhaltsame
und spannende Art schildert die
Autorin das Leben des jungen August, der durch seinen Mut, die
eigene Perspektive zu wechseln,
sich selbst am meisten beweist.
„Wunder“ von Raquel J. Palacio
wurde 2014 mit dem deutschen
Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und ist das Romandebüt der in
New York lebenden Autorin. (bk)
Wunder von Raquel J. Palacio; Carl
}
Hanser Verlag; 381 S.;17,40 EUR;
ab 10 Jahren
Rätselspaß für Kids
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Buchstabensalat!
Unser Pflegenotdienst hat auf
der Fahrt alle Buchstaben durcheinandergebracht. Kannst du
Ordnung in das Chaos bringen?
Superhands,
Pflege, Masern,
Mumps, Fieber,
Husten, Halsweh,
Rollstuhl, Rollator,
Gehhilfe, Bauchschmerzen
Die Auflösung findest Du auf Seite 27!
die Johanniter 1. 2015
15
„Unglücklich verwirrte Menschen fühlen sich in ihrer Realität
sehr unverstanden und alleine. Mich an ihre Seite zu stellen ist
meine Aufgabe.“ Heidrun Jannach begleitet ehrenamtlich Menschen mit Demenz in Altenhilfe-Einrichtungen der Diakonie.
„Ich höre und schaue, was es Neues gibt… denn wer nicht neugierig ist, stirbt blöd, das hat schon mein Großvater gesagt.“ Waltraud
Heinschink wohnt in einer Hausgemeinschaft der Diakonie für Menschen mit Pflegebedarf.
„Ich bleibe dort, solang Was verbindet eine ehrenamtliche Helferin, eine Mitarbeiterin im Flüchtlingsbereich und
eine Pflegeheim-Bewohnerin? Alle drei sind Hoffnungsträgerinnen der Diakonie und
erzählen, wie sie Hoffnung suchen, Hoffnung finden und anderen Hoffnung geben.
Fotos: Christian Stemper
Heidrun Jannach ist seit vielen
Jahren in der evangelischen Kirche
engagiert und betreut Menschen
mit Demenz. Die Diakonie hat Frau
Jannach im Herbst 2014 um ihre
Geschichte gebeten, weil sie eine
„Hoffnungsträgerin“ für Menschen
mit Demenz ist.
16
„Das Bild der unglücklich verwirrten
Menschen war mir seit Kindheit
vertraut. Damals bei meiner Großmama kannte man diese Krankheit
noch nicht. Aber ich musste keine
großen Schwellen überwinden, um
mich diesen Menschen zu nähern“,
erzählt Frau Jannach aus ihrer eigenen Lebensgeschichte. Seit 2011
ist Heidrun Jannach als Begleiterin
tätig. „Diese Menschen fühlen sich
in ihrer Realität sehr unverstanden
und alleine. Da mit ihnen zu gehen,
sich ihnen an die Seite zu stellen,
die Johanniter 1. 2015
ist meine Aufgabe“, betont Heidrun
Jannach.
Mit fortschreitendem Alter können kognitive Fähigkeiten verloren gehen. Das Emotionale bleibt
den Menschen vollkommen erhalten. Also muss man sich ihnen auf der emotionalen Ebene
nähern. „Letztens habe ich versucht, für eine alte Dame zu singen. Sie ist 94 Jahre alt und hat
ihr Sprechvermögen weitgehend
verloren. Die Dame hat mit mir
mitgesunden, und danach hat
sie folgenden Satz gesagt: „Gell
du hilfst mir, dass ich noch ein
bissl dableiben kann…“. Solche
Momente sind sehr bewegend.
„Da weiß ich dann, wofür ich dort
sitze. Weil sich die Menschen
sonst völlig verloren fühlen“, betont Frau Jannach.
Sie ist eine Hoffnungsträgerin,
denn Hoffnungsträger erkennen
die Bedürfnisse und Nöte von Menschen und stellen sich an deren
Seite. „Und ich bleibe dort, solang
ich gebraucht werde“, betont sie.
„Hoffnung geben kann ich nur über
meine Nähe zu anderen Menschen.
Hoffnung ist ein Lebensmittel. Hoffnung macht das Leben möglich.
Und Hoffnungsträgerinnen dürfen
diese Lebensgrundlage vermitteln.“
Den grauen Hof begrünen
Veronika Handl, ebenfalls Hoffnungsträgerin der Diakonie, erzählt: „Ich versuche die Menschen
über ihre eigenen Ziele zu motivieren. Irgendwann fingen die Leute
in diesem grauen Flüchtlingsheim
an, ihre Zimmer auszumalen. Und
die Möbel bunt anzumalen. Die
Kinder haben dann auch versteckt
Diakonie
„Ich versuche, die Menschen über ihre eigenen Ziele zu motivieren.“
Veronika Handl betreut Flüchtlinge in der Diakonie
ich gebraucht werde“
}
Roberta Rastl-Kircher, Diakonie Österreich
die Farben genommen und gemalt.
Wir haben begonnen den grauen
Hof zu begrünen. Die Farbe hat die
Traurigkeit vertrieben.“
Menschen, die in einer schlimmen
Situation sind, brauchen Motivation,
um nicht in die Traurigkeit zu fallen.
„Ich kann sie festhalten, damit sie
nicht umfallen. Es geht um tiefe Gespräche. Wer ein Hoffnungsträger
ist, kann das mit anderen Leuten
teilen. Ich habe die Gabe, an der
Haltung der Menschen zu sehen,
wenn es ihnen nicht gut geht. Und
dann kann ich auf die Person zugehen. Und dann gebe ich so viel
ich kann. Das ist meine Lebensaufgabe. Nicht nur im Bereich der
Flüchtlinge. Überhaupt.“
„Ich bin ein Stehaufmännchen“
Waltraud
Heinschink
lebt
in
einem Pflegeheim der Diakonie
in Wien. „Die Schwester im Heim
sagt zu mir, ich bin ein Stehaufmännchen. Weil ich mich immer
wieder zusammenrappel. Ich freu
mich jedes Mal, wenn ich wieder
aufsteh´ und wieder weiter mache“, erzählt sie. „Und ich höre
und schaue, was es Neues gibt.
Meine Sitznachbarin hat gesagt,
ich bin neugierig. Aber ich hab
gesagt, wer nicht neugierig ist,
stirbt blöd.“ Frau Heinschink hofft
immer, dass in ihrer Familie Frieden und Gesundheit kommt oder
bleibt. Und manchmal hält sie
sich an Dingen fest wie Blumen
und Topfpflanzen. „So stell ich mir
einen Halt auf einem Klettersteig
am Berg vor. Da halt ich mich so
fest, dass ich´s in den Händen
spür. Sonst fall ich hinunter. Und
das will ich nicht. Ich will noch da
bleiben. Ich will gern noch sehen,
was aus meinen Enkelkindern
wird.“
Mit diesen Hoffnungsträger-Bildern
will die Diakonie zeigen: Hoffnung
hat viele Gesichter. Suchen und finden, geben und nehmen, zutrauen
und ermöglichen. Das alles macht
Hoffnung. Denn Hoffnungsträger
sind wir alle!
So können auch Sie Hoffnungsträger/in werden:
Spenden: www.diakonie.at/ich-moechte-helfen/geldspenden
Ehrenamtlich Mitarbeiten: www.diakonie.at/ich-moechte-helfen/mitarbeiten
Mehr Infos zur Hoffnungsträger-Kampagne: www.diakonie.at/kampagnen
die Johanniter 1. 2015
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Stürmische Einsätze
Stürmisch ging es heuer bei den Ambulanzdiensten der
Johanniter in Bad Kleinkirchheim und St. Oswald zu – im
wahrsten Sinne des Wortes.
Die vorgesehenen Weltcuprennen der Damen, Anfang Jänner in Bad
Kleinkirchheim, mussten aufgrund eines Sturms ganz, beziehungsweise
nach einigen Läuferinnen, abgebrochen werden. Aufgrund der gefährlichen Wetterverhältnisse wurden seitens der Johanniter Patergassen
zu den geplanten 20 Mitarbeitern zusätzliche Kräfte in Bereitschaft
versetzt. Unterstützung erhielten die Kärntner von Kollegen aus Wien.
Ein bisschen weniger „stürmisch“, aber dafür umso lauter und begeisterter waren die hunderten Besucher beim alljährlichen MusiOpen-Air in St. Oswald. Auch hier sorgten die Johanniter für den Ambulanzdienst. Insgesamt neun Ehrenamtliche waren sowohl Freitag als
auch Samstag vor Ort.
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die Johanniter 1. 2015
Johanniter Kärnten
Sinnvolles machen
Die Johanniter in Kärnten sind, wie viele andere Rettungsorganisationen, nicht nur auf den Einsatz ihrer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen angewiesen, sondern auch auf die große Unterstützung von Zivildienern. David
Rusterholz (19) ist einer dieser „guten Geister“ und seit Anfang
Jänner der neue Zivildiener bei den Johannitern in Kärnten.
Kindernotfallkurs
Kindernotfallkurs der JUH trifft auf großes Interesse: 22 Teilnehmer erfuhren vor Kurzem im Johanniterzentrum Patergassen, wie
sie in Notfallsituationen richtig und schnell reagieren können.
Schwerpunkte waren die Reanimation bei Säuglingen und Kindern sowie der Umgang mit Kinderkrankheiten. Dr. Helge Harmina
stand Rede und Antwort.
Erste Hilfe kann Leben retten! Das gilt insbesondere dann, wenn
es sich um unmittelbare Notfälle handelt, bei denen sich der Allgemeinzustand des Patienten rasch verschlechtert. Das ist gerade
bei Säuglingen und Kindern der Fall. Atemwegserkrankungen, diverse Kinderkrankheiten oder auch Sturzgeschehen können für die
Kleinen – schneller als für Erwachsene – zu akuten Gefahren werden. Aus diesem Grund bot die Johanniter-Unfall-Hilfe den ersten
Kindernotfallkurs in Patergassen an.
David, du bist jetzt seit rund einem Monat der neue Zivi.
Wie schwierig ist es, sich in ein bestehendes Team zu integrieren und sich als Neuling zu behaupten?
Überhaupt nicht! Bei meinen bisherigen Besuchen in der Station wurde ich schon total herzlich aufgenommen. Ich habe
meine theoretische Ausbildung bereits absolviert und beginne
jetzt mit dem Praktikum als Sanitäter. Ein bisschen nervös bin
ich vor dem ersten Dienst schon, aber ich freue mich auch
über die neuen Herausforderungen.
Warum hast du dich für den Zivildienst entschieden?
Wie viele meiner Kollegen glaube ich, dass ich damit einen
wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leiste und etwas „Sinnvolles“ mache. Die Nähe zur JUH Patergassen hat mich in meiner Entscheidung nur noch bestärkt.
Auch wenn du dadurch drei Monate mehr „ableisten“
musst?
Ja, das war für mich nie ein Thema. Außerdem denke ich, dass
es eine tolle Zeit wird, denn viele Johanniter kenne ich persönlich und mit einigen bin ich sogar sehr gut befreundet.
Wie schaut dein Plan für die nächsten Monate aus?
Ich lasse das jetzt alles auf mich zukommen und bin gespannt,
wie ich die Theorie in der Praxis umsetzen kann. Da ich mir
sehr sicher bin, dass mir die Arbeit gefallen wird, werde ich
auch nach meinem Zivildienst als Ehrenamtlicher bei der JUH
bleiben.
„Wir wollen Eltern und Verwandten, die Kinder beaufsichtigen,
Sicherheit bieten, sollte es zu unvorhersehbaren Notfall- oder
Krankheitsgeschehen kommen“, betont Ausbildungsleiter Siegfried Mayerbrugger, der für den theoretischen und praktischen
Aufbau der Schulung verantwortlich ist. „Wer sich gut auskennt,
kann auch richtig und schnell reagieren – denn die ersten Minuten
sind entscheidend.“ Schwerpunkte des Kurses waren die richtige
Reanimation von Säuglingen und Kindern sowie der (oft akute)
Verlauf von Kinderkrankheiten, wie Atemwegserkrankungen, Masern oder Röteln.
„Das Interesse ist selbstverständlich sehr groß“, sagt auch Dr. Helge Harmina, der sich zur Verfügung stellte, um den 22 Teilnehmern
im Anschluss Rede und Antwort zu stehen. „Wer als Ersthelfer
zu einem Kindernotfall kommt, steht vor einer besonders großen
Herausforderung.“
die Johanniter 1. 2015
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27 Jahre sind genug: Rudolf Niebler
übergibt die Leitung des Bereichs
Organtransporte an Martin Müller.
Neuer Leiter für Organtransporte
Der ehrenamtliche Johanniter-Mitarbeiter, Rudolf Niebler, übergibt
nach 27 Jahren die Leitung des
Bereichs Organtransporte an seinen
Nachfolger Martin Müller.
Rudolf Niebler (68) legt nach 27 Jahren seine Funktion als Leiter der Organtransporte in Wien zurück. Der
mittlerweile pensionierte Schriftsetzer
ist seit 1984 ehrenamtlich bei den Johannitern tätig und leitete seit 1987
den Bereich Organtransporte. In dieser
Zeit legte er eine Vielzahl an Transporten selbst zurück.
Foto: Clemens Tiefenthaler i.A. des BMASK
Doch an ein Ereignis kann er sich
heute noch erinnern: „Einmal wurden
wir an einem 24. Dezember zu einer
Organentnahme in ein niederösterreichisches Krankenhaus gerufen. Die
Spenderperson war 24 Jahre alt und
die Eltern waren schwer verzweifelt.
Dieser Heilige Abend war ein sehr trau-
riges und einschneidendes Erlebnis für
mich, weil Verzweiflung und Hoffnung
häufig sehr nah beieinanderliegen“, erzählt Rudolf Niebler.
ehrenamtlich engagieren!“, so Martin
Müller.
Seinem Nachfolger Martin Müller und
dem rund 20-köpfigen ehrenamtlichen
Team wünscht er: „…dass alle trotz
Zeitdruck konzentriert und vorsichtig
fahren und wieder sicher und wohlbehalten von den Einsätzen zurückkommen!“
Spenderorgane sind für viele schwerkranke Menschen die letzte Hoffnung. Wenn es soweit ist, dann ist ein
fachkundiger und schneller Transport
notwendig. Für den Transport eines
Spenderherzens müssen gerade mal
3 Stunden reichen. Organe werden
europaweit von der Stiftung „Eurotransplant“ vermittelt. Die Johanniter
arbeiten seit 1987 eng mit dem Transplantationszentrum am Wiener AKH
zusammen und führen bodengebundene Blut- und Organtransporte durch.
Ein Bereitschaftsdienst von rund 20
ehrenamtlichen Mitarbeitern ist dafür
Tag und Nacht einsatzbereit: sie führen
mehr als 3.000 Organtransporte jährlich durch.
Martin Müller (27) hat 2006 bei den
Johannitern seinen Zivildienst absolviert und ist seither regelmäßig
ehrenamtlich im Organtransport im
Einsatz. „Wir transportieren häufig
auch die Organempfänger zu Nachuntersuchungen. Dabei ist es immer wieder schön zu sehen, wie die
Menschen durch das Spenderorgan
an Lebensqualität gewinnen. Das ist
auch der Grund, weshalb wir uns alle
Johanniter-Kompetenz:
Organtransport
Sozialminister bei Freiwilligenmesse
Über 7.000 Besucher und Besucherinnen besuchten heuer die Wiener Freiwilligenmesse, darunter auch Sozialminister Hundstorfer, der sein Know-How beim
Erste-Hilfe-Quiz der Johanniter testete.
Die Johanniter bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Ehrenamtliche: vom
Rettungsdienst und Krankentransport über den Sanitätsdienst oder Organtransport bis hin zur Katastrophenhilfe und der Rettungshundegruppe. In der Eventund Präsentationsgruppe sind ebenso Ehrenamtliche willkommen. Sie bringen
Zeit und Interesse mit, wir sorgen für die entsprechende Ausbildung.
Weitere Informationen: www.johanniter.at/ehrenamt
BM Hundstorfer beim Erste-Hilfe-Quiz der Johanniter
auf der Wiener Freiwilligenmesse.
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die Johanniter 1. 2015
Foto: JBMEIA/Dragan Tatic
Ambulanzdienst bei
Außenminister
Johanniter Wien
Zum Nationalfeiertag öffnete das Bundesministerium für Europa,
Integration und Äußeres seine Tore: Zahlreiche Besucher und
Besucherinnen nahmen die Gelegenheit wahr, um sich selbst ein
Bild über die vielfältigen Aufgabenbereiche zu machen und Außenminister Sebastian Kurz persönlich kennen zu lernen. So auch
die vier ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der
Johanniter, die am Tag der offenen Tür Ambulanzdienst leisteten!
Zu den Feierlichkeiten rund um den Nationalfeiertag in Wien
waren insgesamt 72 Ehrenamtliche der Johanniter mit 27 Einsatzfahrzeugen am Heldenplatz und beim Sicherheitsfest tätig, um
für die medizinische Versorgung der Besucher und Besucherinnen
zu sorgen. Sie leisteten insgesamt etwa 900 Einsatzstunden!
Die Johanniter beim Ambulanzdienst im Außenministerium, im
Bild mit Bundesminister Sebastian Kurz.
Kinder-Sanitätertag:
Rollenwechsel auf der Rettungsstation
Einen Tag lang konnten Kinder bei
den Johannitern Rettungssanitäter
spielen und „echte“ Einsätze erleben.
Einmal Rettungssanitäter oder Rettungssanitäterin sein! Das wünscht
sich so manches Kind und für einige
ging dieser Traum bei den Johannitern
in Erfüllung. In der Rettungsstation im
Wiener Johanniter-Center-Nord konnten rund 20 Kinder im Alter von 10 bis
14 Jahren einen Tag lang in die Rolle
eines Rettungssanitäters und einer
Notfallsanitäterin schlüpfen.
Am Vormittag lernten die Mädchen und
Burschen die wichtigsten Erste-HilfeTricks: Sie übten einen Armverband
und einen Kopfverband anzulegen und
schienten sogar ein Bein. Dabei lernten
sie auch einiges über Hygiene und die
wichtigsten Materialien. „Mullbinden,
ein Dreieckstuch, eine sterile Wundauflage und Heftpflaster sollte man
immer dabei haben“, erklärt der 10jährige Michael.
„Und wenn meine Oma plötzlich zusammenbricht, wie erkenne ich, ob sie
noch lebt“, fragt Robert Beißmann,
ehrenamtlicher Leiter der JohanniterJugend. „Du musst sie ansprechen
und leicht an der Schulter schütteln“,
ruft Linda, „Wenn sie sich nicht rührt,
machst du den Notfallcheck: Du musst
sehen, hören und fühlen, ob sie noch
atmet“, weiß die 12jährige. „Wenn du
merkst, dass sie atmet, legst du sie in
die stabile Seitenlage“, ergänzt Timor,
„Wenn sie nicht mehr atmet, musst du
sie reanimieren.“
werden sie Papa und Mama mit dem
neu erworbenen Wissen beeindrucken.
Und vermutlichen wissen die „Kleinen“
bereits mehr als ihre Eltern. Denn wer
weiß, wie lange deren letzter ErsteHilfe-Kurs zurückliegt?
30 mal Herzdruck-Massage und 2 mal
beatmen: Wie die Wiederbelebung
funktioniert, wissen die Kinder ganz
genau und sie machen das wie die Profis. Auch den Defibrillator verwenden
sie dazu und dass man so ein Gerät in
vielen öffentlichen Einrichtungen, wie
Banken oder in U-Bahn-Stationen findet, ist ihnen bekannt. „Das sieht man
auch oft in den amerikanischen Serien“, meint Linda, „Das ist echt cool,
dass ich das auch kann.“
Nachmittags durften die Kinder in
Teams Patienten behandeln. Die frisch
gebackenen „Sanis“ sorgten bei den realistisch dargestellten Unfallszenarien
für die fachkundige Versorgung. Sicher
die Johanniter 1. 2015
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Beruf Pflege
Neue Aus- und Weiterbildungen in der Pflege
Foto: B. Hochfilzer
„Wir möchten Empathie nicht nur unterrichten sondern sie in den Ausbildungen gemeinsam mit unseren Kursteilnehmern auch leben“, nennt Nicole
Raslagg, Ausbildungsleiterin für den
Bereich Pflege, eines der wichtigsten
Anliegen bei allen Johanniter-Kursen.
„Die Kursteilnehmer stehen bei uns
im Vordergrund. Das persönliche Gespräch ist uns wichtig. Wir wollen un-
sere Kursteilnehmer kennenlernen, uns
gemeinsam mit ihnen weiterentwickeln
und bei Bedarf auch zusätzliche Unterstützung bieten oder organisieren. Das
unterscheidet uns in vielen Punkten
von anderen Ausbildungseinrichtungen
und entspricht unserer Vorstellung von
höchster Qualität bei allen Schulungen
und Kursen.“
Als Anbieter von mobiler Hauskrankenpflege sind die Johanniter der ideale
Partner in der Pflegeausbildung. Die
Kursleiter können nicht nur auf die
fachliche Kompetenz sondern auch auf
die entsprechende praktische Erfahrung
verweisen, die es ihnen ermöglicht, auf
individuelle Anforderungen einzugehen. Unterrichtet wird ausschließlich in
kleinen Gruppen mit durchschnittlich
16 bis maximal 20 Teilnehmern.
„Wir halten uns selbstverständlich
ganz klar an die gesetzlichen Vorgaben
im Ausbildungswesen, die für alle Ausbildungseinrichtungen gleichermaßen
verpflichtend sind. Unsere Lehrinhalte
werden jedoch vorwiegend auf den
Bedarf im extramuralen Bereich abgestimmt, das heißt z.B. auf Mitarbeiter
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die Johanniter 1. 2015
von Altenheimen, in der Hauskrankenpflege oder in der Behindertenbetreuung. Diese Bereiche unterscheiden sich
sowohl in der Personalsituation als auch
in der Arbeitsstruktur wesentlich vom
klinischen Bereich. Auch bei den zu betreuenden Klienten muss man eher von
Langzeitpflegebedarf sprechen“, erklärt
Raslagg die Schwerpunktsetzung der
Johanniter-Angebote.
Praxisnähe von Anfang an
Neben einem „Ausbildungs-Kernteam“
können die Johanniter Tirol auf einen sehr großen Pool erfahrener Referenten zugreifen. Alles Referenten
mit direktem Praxisbezug aus dem
Pflegebereich und spezialisiert auf die
Bedürfnisse der verschiedenen Berufsgruppen, von führenden und leitenden Mitarbeitern über diplomiertes
Pflegepersonal bis hin zu Pflegehilfen,
Heimhilfen und Behindertenpädagogen. „Authentischer, praxisbezogener
Unterricht. Ein weiterer Qualitätsanspruch“, so Raslagg. Kooperationen mit
Altenheimen fördern den Praxisbezug
in der Ausbildung zusätzlich. „Die theoretische Ausbildung wird von Anfang
an eng mit der Praxis verknüpft. Be-
Gabriele Neumann: „Der Praxisbezug im Unterricht ist
mir sehr wichtig!“
Johanniter Tirol
Großes Interesse für
Erste Hilfe
Auf der Berufsinformationsmesse BeSt3 vom
22. bis 24. Oktober in der Innsbrucker Messehalle informierten die Johanniter Tirol über ihr
umfassendes Ausbildungs- und Berufsangebot.
„Besonders erfreulich war das große Interesse
der Jugendlichen an Erste-Hilfe-Kursen“, zeigten
sich die Johanniter-Mitarbeiter am Info-Stand
begeistert, denn „so macht das Vermitteln von
Erste-Hilfe-Kenntnissen besonders viel Spaß.“
sonders bei der Heimhelfer-Ausbildung
ist das eine wertvolle Bereicherung.
Schon beim Betreten des Hauses entstehen erste Kontakte zu den Bewohnern. Die Kursteilnehmer können erste
Eindrücke sammeln und für die Heimbewohner stellen diese Besuche eine
willkommene Abwechslung im Alltag
dar.“ Aktuell bestehen Kooperationen
mit den Altenheimen Kirchbichl, Wörgl
und St. Josef in Grins.
200 Stunden Theorie und 200 Stunden
Praxis müssen angehende Heimhilfen
absolvieren. Die Kursinhalte umfassen vorwiegend unterstützende Maßnahmen in der Basisversorgung sowie
hauswirtschaftliche und sozialpädagogische Inhalte. Die Ausbildung wird mit
einer kommissionellen Prüfung abgeschlossen. Der Bedarf an gut ausgebildeten Heimhilfen ist groß.
Fotos: B. Hochfilzer
Zusatzqualifikation für Behindertenbetreuer
Die Schulungen „Unterstützung in der
Basisversorgung“ für Mitarbeiter aus
dem behindertenpädagogischen Bereich bilden einen weiteren zentralen
Ausbildungsschwerpunkt. Mit dieser
Zusatzausbildung dürfen Behindertenbetreuer ihre Klienten z.B. bei der
Körperpflege unterstützen. „Weiters
werden die Betreuer dahingehend qualifiziert, Veränderungen, die Gesundheitsbeeinträchtigungen nach sich
ziehen könnten, frühzeitig zu erkennen
und diese Informationen an das medizinische oder pflegerische Personal,
das nicht permanent vor Ort ist, weiterzuleiten.“
Qualitätssicherung in der Pflege
Bei Personen in Führungspositionen
stark nachgefragt ist das Fortbildungs­
Nicole Raslagg, Ausbildungsleiterin
Bereich Pflege
angebot „Basales und mittleres Pflegemanagement“. Qualitätssichernde
Maßnahmen in der Pflege, wie Pflegeplanung, das Erstellen der Pflegeanam­
nese und noch vieles mehr zählen zu
den Unterrichtsschwerpunkten.
Individuell
dungen
gestaltete
Fortbil-
Anfragen von Heimen, Gesundheitssprengeln oder Behindertenorganisationen zu speziellen Fortbildungs­
angeboten werden mit Hilfe des
großen Referentenpools, bestehend
aus ausgebildeten Lehrpersonen für
Gesundheits- und Krankenpflege sowie
versierten Praktikern, individuell organisiert.
Pflegepreis für
ehrenamtliche Tätigkeit
Roswitha Kogler und Elisabeth Höpperger,
die Organisatorinnen des Johanniter-Cafés,
erhielten den diesjährigen Pflege- und Betreuungspreis „Die LUISE“. Die Auszeichnung wurde
von Sozialminister Rudolf Hundstorfer und
Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger im
Marmorsaal des Sozialministeriums übergeben.
Mit der Auszeichnung wurde das jahrelange
ehrenamtliche Engagement der beiden Tirolerinnen für die Betreuung und Organisation des
Johanniter-Cafés gewürdigt.
Kurse für pflegende Angehörige
Kurse für Personen ohne medizinische
Vorkenntnisse sind bei Hilfspersonal
aus Pflegeheimen mehr nachgefragt,
als von pflegenden Angehörigen. „Das
Hauptproblem bildet hier die Frage,
wie kommen die Leute von zu Hause
weg?“, weiß Raslagg. Daher empfiehlt
sie auch pflegenden Angehörigen, die
zweitägigen Pflegekurse für Laien in
Anspruch zu nehmen.
v.l.: Elisabeth Höpperger, Roswitha Kogler
die Johanniter 1. 2015
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Johanniter Tirol
Die beiden Darsteller der Rote-Nasen-Clowns
begeisterten bei der 20-Jahr-Feier.
20 Jahre Johanniter-Café
Roswitha Kogler übergibt Leitung an Elisabeth Höpperger
Vor 20 Jahren wurde von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Johanniter
Tirol das „Johanniter-Café“ ins Leben
gerufen um für betagte, kranke und
einsame Menschen einen Treffpunkt
zu schaffen, der geselliges Beisammensein ermöglicht und ein bisschen
Abwechslung in den Alltag bringt.
Noch heute treffen sich die Freunde
des Johanniter-Cafés alle 14 Tage im
Innsbrucker Hotel Charlotte. Ein Dank
an dieser Stelle an die Hausherren,
die ihre barrierefreien Räumlichkeiten
schon seit sehr vielen Jahren für ­diese
Treffen kostenfrei zur Verfügung stellen. Im Johanniter-Café werden die
wichtigsten Feste im Jahreslauf gefeiert, der jährliche Sommerausflug gehört zu den Programm-Highlights.
Pflegende Angehörige sind im Johanniter-Café ebenfalls willkommen und
schätzen die Möglichkeit, gemeinsam
mit ihren mobilitätseingeschränkten
Partnern oder Angehörigen an diesen
Treffen teilzunehmen. Für die Beförderung der Gäste zeichnet der Fahrdienst
der Johanniter mit seinem modernen
Fuhrpark verantwortlich.
Die Teilnahme an den Ausflugsfahrten
des Johanniter-Café ist kostenlos und
wird durch Spenden finanziert. So
kommt etwa der Reinerlös aus dem
Verkauf durch den Weihnachtsstand
am Christkindlmarkt dem Johanniter-
Café zugute. Eine Woche lang wurde
in der Innsbrucker Altstadt ein bunter
Mix aus handgefertigten Produkten
am Johanniter-Stand angeboten.
Alle Waren wurden von ehrenamtlichen
Mitarbeitern der Johanniter sowie von
Spendern zur Verfügung gestellt, die
das ganze Jahr über fleißig gestrickt,
gehäkelt, gebastelt und gewerkt haben. Der Reinerlös aus dem Verkauf
kommt wie jedes Jahr dem Johanniter-Café zugute. Damit können auch
im neuen Jahr 2015 Ausflugsfahrten
und gemeinsame Feiern für betagte
und einsame Menschen organisiert
und finanziert werden. Der Dank gilt
daher allen, die beim Johanniter-Stand
eingekauft und damit ein wichtiges
soziales Projekt unterstützt haben.
}
Das Johanniter-Café freut sich
Elisabeth Höpperger freute sich über viele
Kaufinteressenten.
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die Johanniter 1. 2015
jederzeit über neue Gäste. Der
Besuch ist kostenfrei. Nähere
Informationen unter 0512/2411-0.
Fotos: B. Hochfilzer
Heuer feierte das Johanniter-Café sein
20-jähriges Jubiläum, das die Gäste
mit einem lachenden und einem weinendem Auge begingen. Denn es hieß
Abschied nehmen von Roswitha Kogler, die die Treffen jahrelang ehrenamtlich organisierte. Sie übergab die
Leitung in die bewährten Hände von
Elisabeth Höpperger. Für Heiterkeit
und Unterhaltung sorgten die RoteNasen-Clowns, die als Festgäste geladen waren.
Johanniter Niederösterreich
Defibrillator für Orth
Die Raiffeisenkasse in Orth an der Donau verfügt ab sofort über einen Defibrillator, der im Foyer
öffentlich zugängig ist. Finanziert wurde das Gerät von der Raiffeisenkasse und den Johannitern.
Im ersten Quartal 2015 finden Gratisschulungen statt.
Kostenlose Einschulung
Im März führen die Johanniter kostenlose Einschulungen für Mitarbeiter der
Raiffeisenkasse und Interessierte aus
Orth an der Donau durch. In der zweistündigen Fortbildung wird gelehrt,
wie man einen Herzstillstand feststellt
und die Wiederbelebung mit Hilfe
eines Defibrillators erfolgt.
gänglichen Gebäuden wie Bahnhöfen,
Flughäfen oder Geldinstituten angebracht, damit sie im Falle eines Kreislaufstillstandes auch von Ersthelfern
umgehend eingesetzt werden können.
Sobald der Defibrillator eingeschaltet
wird, gibt das Gerät einfache Sprachanweisungen, was zu tun ist. Daher
können die Geräte auch von Laien ohne
Vorkenntnissen verwendet werden.
Foto: Thomas Struck
Im Foyer der Raiffeisenkasse in Orth an
der Donau ist seit Jänner ein Defibrillator öffentlich zugängig, der im Notfall
von jedem Ersthelfer verwendet werden
kann.
Johanniter-Dienststellenleiter
Andreas Zajicek übergab den Defibrillator „Lifepack CR+“ Ende Dezember
an die Direktoren Johannes Böck und
Georg Pregesbauer sowie an Bankstellenleiter Wolfgang Berghold. Finanziert
wurde das Gerät im Wert von 1.400
Euro von der Raiffeisenkasse und der
Johanniter-Unfall-Hilfe.
Defibrillatoren werden seit den 90er
Jahren zunehmend in öffentlich zu-
„Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, dass im Notfall auch für Laien
und Ersthelfer ein Defibrillator verfügbar ist, um Leben zu retten. So ist
unser Beitrag sicher optimal investiert.
Alle unsere Mitarbeiter wurden darauf
eingeschult um im Notfall rasch Hilfe
leisten zu können“, so die beiden Geschäftsleiter der Raiffeisenkasse Orth
an der Donau.
Zweidrittel der plötzlichen Herztode
sind auf ein sogenanntes Kammerflimmern zurückzuführen. Mit Hilfe des
Defibrillators kann der normale Herzrhythmus wiederhergestellt werden.
„Pro Minute Kammerflimmern sinkt
die Überlebenschance eines Menschen
um etwa 10 Prozent. Daher ist es so
wichtig, dass bei einem Herzversagen
schnell mit der Reanimation begonnen
wird und dabei ein Defibrillator eingesetzt wird. Studien aus den USA zufolge
steigt durch Einsatz eines Defibrillators
die Überlebenschance um 40 Prozent“,
erklärt Johanniter-Notfallsanitäter Andreas Zajicek.
Im Bild v.l.n.r.: Bankstellenleiter Wolfgang Berghold, Dir. Johannes Böck,
Bereichsbeauftragter Rudolf Niebler, Dienststellenleiter Andreas Zajicek,
Dir. Georg Pregesbauer
die Johanniter 1. 2015
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Johanniter Niederösterreich
Dr. Steininger, Vorsitzende des Hospizfördervereins; Monika Pausch von KI-JU-PALL,
Rita Sperr, Kassiererin, Rita Steinlesberger
von Rainbows, Maria Bichl, Vorstand,
Evelyn Heymans vom mobilen Palliativteam
der Johaniter, Christine Winklmayr,
stv. Vorsitzende
Spende für Palliativteam
Hospizförderverein
Amstetten
übergab Spende an das Palliativteam der Johanniter.
Am 23. Jänner 2015 erhielt das mobile Palliativteam der Johanniter eine
Spende von 1.000 Euro vom Hospizförderverein Amstetten. DGKS Evelyn
Heymans und DGKS Anneliese Gottwald nahmen im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Vereins den
Spendenscheck von Dr. Esther Stei-
ninger, Vorsitzende des Hospizfördervereins Amstetten, entgegen.
„Wir bedanken uns sehr für die Spende, mit der wir Supervisionsstunden
für die Mitarbeiterinnen des Palliativteams in Waidhofen an der Ybbs
finanzieren werden“, bedankt sich
DGKS Anneliese Gottwald, Pflegedienstleiterin der Johanniter. „Mit der
Supervision können unsere Mitarbeiterinnen besondere, auch belasten-
de, Ereignisse ihres Berufsalltags mit
Hilfe eines Therapeuten nachbesprechen. Das ist für die Zusammenarbeit
im Team aber auch für das Wohlbefinden und die Stabilität jeder einzelnen Mitarbeiterin bedeutsam und
sehr hilfreich.“
Auch das Kinder- und Jugend-Palliativ-Team von MOKI NÖ und Rainbows
wurden mit einer Spende für Supervision unterstützt.
Neue Ärztin im Palliativteam
Das Palliativteam der Johanniter in
Waidhofen an der Ybbs hat mit Dr.
Martina Reingruber Verstärkung erhalten. Dr. Reingruber unterstützt
den Palliativkonsiliardienst, der im
Landesklinikum verankert ist.
Seit Anfang Februar ist Dr. Martina
Reingruber für das Palliativteam der
Johanniter in Waidhofen an der Ybbs
tätig. Die ausgebildete Palliativmedizinerin bildet gemeinsam mit DGKS Anna
Krendl den Palliativkonsiliardienst, der
im Landesklinikum Waidhofen an der
Ybbs verankert ist. Die beiden Expertinnen in Palliative Care unterstützen
Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige
bei der Betreuung von Patienten mit
unheilbaren und fortgeschrittenen
Erkrankungen. Sie sind Ansprechpartnerinnen für Personal des Landesklinikums und beraten in Fragen der
Schmerztherapie, Symptomkontrolle,
ganzheitlichen Pflege und psychosozialen Begleitung.
Neu im Team: Dr. Martina Reingruber
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die Johanniter 1. 2015
Der Palliativkonsiliardienst regelt darüber hinaus die Entlassung von Klienten
und die weitere ambulante Betreuung,
etwa zu Hause durch das mobile Palliativteam der Johanniter, Hospizdienste
und andere Professionen. Ziel ist, dass
Klienten sowohl im Spital als auch später zu Hause möglichst von einem Team
betreut werden und eine reibungslose
Informationsweitergabe und Organisation gewährleistet ist.
Dr. Reingruber hat im Sommer 2013
die Ausbildung zur Palliativmedizinerin an der Salzburger Akademie für
Palliative Care abgeschlossen und ist
derzeit Assistenzärztin der Internen
Abteilung im Landesklinikum.
Mitarbeiter im Profil
Termine
Das kommt
Jeder Tag ist ein Geschenk!
Sie ist eine der ersten Mitarbeiterinnen im mobilen Palliativteam
der Johanniter, das 2010 seine Dienstleistungen in Waidhofen an
der Ybbs anbot. Dass sie heute als Koordinatorin des Palliativkonsiliardienstes im Landesklinikum tätig ist, war zunächst nicht
vorhersehbar.
Um den Anforderungen im Palliativkonsiliardienst gewachsen zu sein,
absolvierte Anna Krendl den Vertiefungslehrgang an der Paracelsus-Privatuniversität in St. Virgil, Salzburg.
Der Lehrgang Psychosozial-spirituelle
Palliative Care dient der Vermittlung
palliativen Fachwissens und der fachspezifischen Rolle im multiprofessionellen Team. Der positive Abschluss
erfolgte im November 2014.
„Lebe jeden Tag so, als sei es dein
letzter! Bleib niemanden etwas schuldig, schon gar nicht dir selbst! Daran
Johanniter und Kinderpolizei
7. März 2015, 10:00 – 17:00 Uhr
Fun for Kids Wien
1100 Wien, Himberger Straße 2
Gedenkfeier des Mobilen Palliativteams
19. März 2015
3340 Waidhofen/Ybbs, Eberhardplatz 6
„Nachdem ich 26 Jahre auf der Internen
im Schwerpunktkrankenhaus St. Pölten
gearbeitet hatte, stellte ich immer wieder fest, dass etwas ganz Wichtiges
fehlt. Und zwar Zeit. Sobald Menschen
mit einer schweren Krankheit konfrontiert waren, hätten sie jemanden
gebraucht, der sie in der Situation unterstützt, der für sie da ist. Im Akutkrankenhaus war und ist das notwenige
Ausmaß nicht zu erbringen“, erzählt
DGKS Anna Krendl.
Anfangs wusste sie selbst nicht, was
genau Palliative Care ist. Doch als ihr
eigener Vater an Pankreaskarzinom
erkrankte, durfte sie ihn bis zum Tod
begleiten und lernte dabei alle Schwierigkeiten dieser Lebensphase kennen.
Anna Krendl: „Damals wusste ich, ich
will jedem in einer ähnlichen Situation
durch mein erlangtes Wissen helfen, der
dieses Angebot annehmen will. Durch
die langjährige Tätigkeit im Palliativbereich ändert sich zwar die Einstellung
der eigenen Person, aber die persönliche Haltung zum Leben und Sterben
ist ausschlaggebend, um in diesem Bereich langjährig tätig sein zu können.“
Präsentation:
Neues Johanniter Wohnprojekt
14. – 15. März 2015, 10:00 – 17:00 Uhr
Wiener Immobilien Messe, ÖVW Stand
Reed Messen
Erste Hilfe am Kind
21. – 22. März 2015, 9:00 – 18:00 Uhr
1180 Wien, Thimiggasse 57
14. und 21. April 2015, 18.00-21.00 Uhr
6020 Innsbruck, Josef-Wilberger-Str. 48
Erste Hilfe am Hund
21. März 2015, 9.00 - 13.00 Uhr
6020 Innsbruck, Josef-Wilberger-Str. 48
Anna Krendl
muss ich viel arbeiten, das gelingt ganz
schwer!“, erklärt die seit 30 Jahren verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. „Ich genieße und schätze
mein Leben in vollen Zügen. Ich reise
gerne oder ich begehe einen Weitwanderweg, wo ich tagelang nachdenken
oder meditieren kann. Was mein Leben
bereichert, sind Freunde und Familie.
Meine beiden Töchter sind ein Beweis,
dass mein eigenes Leben und die Haltung in meinem Leben gut passen, da
die gegenseitige Wertschätzung sehr
bereichernd ist.“
Auf die Frage, ob ihr Beruf gut mit dem
Privatleben zu vereinen ist, meint Anna
Krendl: „Grundsätzlich ja, aber ich muss
mich schon bemühen, nicht zu viele
Sorgen mit nach Hause zu nehmen.
Gleichzeitig machen mich die Probleme
anderer demütiger und zufriedener. Ich
habe gelernt, das Leben zu schätzen, es
jeden Tag als Geschenk zu sehen und
gelassener zu leben.“
11. April 2015, 9:00 – 13:00 Uhr oder
7. Mai 2015, 18:00 – 22:00 Uhr
1210 Wien, Ignaz-Köck-Str. 22
Freiwilligen Messe Tirol
8. Mai 2015, 9.00 - 17.00 Uhr
Congress Innsbruck, Rennweg 3
5 Jahresfeier des Mobilen Palliativteams
14. Juni 2015
3340 Waidhofen/Ybbs, Eberhardplatz 6
Auflösung des Rätsels von Seite 15
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die Johanniter 1. 2015
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Krankentransport und Fahrdienste
Rücksendungen bitte an:
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Sicher und bestens umsorgt