150 Jahre RS in Frauenfeld

frauenfeld.ch
21. März 2015
Nr. 56, Frühling 2015
EINWOHNERZEITUNG DER HAUPTSTADT DES KANTONS THURGAU
150 Jahre RS in Frauenfeld
Liebe Leserinnen,
liebe Leser,
vor 150 Jahren, am 10. Mai
1865, wurde mit dem Beginn der ersten Rekrutenschule in Frauenfeld der
erste Artillerie-Waffenplatz
in der Ostschweiz in Betrieb genommen.
Was sich daraus seit damals entwickelt hat,
ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.
Deshalb haben wir unsere Titelgeschichte
der Entstehung des Waffenplatzes Frauenfeld gewidmet, bei der die Bürgergemeinde
Frauenfeld die entscheidende Rolle gespielt
hatte. Seit 1865 hat das Militärwesen einen
grossen Wandel erlebt, und damit verbunden findet heute in Frauenfeld der Grossteil
des militärischen Betriebs nördlich der Autobahn im Auenfeld statt. Dort baut das VBS
nun gar eine zweite Kaserne, und zudem erstellt der Bund ein Verwaltungsrechenzentrum. Das Bauvolumen für beide Projekte beträgt 386 Mio. Franken – wie Sie dem Beitrag
auf Seite 2 entnehmen können.
Sie sehen also, die Geschichte der «Garnisonstadt Frauenfeld» wird um ein bemerkenswertes Kapitel erweitert. In diesem
Zusammenhang möchte ich allen Frauenfelderinnen und Frauenfeldern ein herzliches
Dankeschön aussprechen. Denn neben den
guten räumlichen Voraussetzungen (Grosse
Allmend) haben insbesondere Sie mit Ihrer
«Militärfreundlichkeit» die Entscheidungen
zugunsten des Standorts Frauenfeld immer
wieder beeinflusst. Dies wiederum war
und ist von volkswirtschaflicher Bedeutung
‒ Arbeitplätze, Einkäufe, Konsumationen ‒
und hat dazu beigetragen, unsere Stadt vorwärts zu bringen.
Mit dieser Ausgabe von frauenfeld.ch
bieten wir wiederum eine Fülle von interessanten Beiträgen ‒ vorab zur Stadt und
ihren Betrieben. Wir freuen uns, wenn wir
damit Ihr Interesse wecken.
Ich wünsche Ihnen allen, liebe Frauenfelderinnen und Frauenfelder, viel Vergnügen beim Lesen und einen stimmungsvollen
Frühling!
M
bild bürgergemeinde frauenfeld
Mit dem Artillerie-Waffenplatz
in Frauenfeld wurde vor 150 Jahren, am 10. Mai 1865, der erste
Waffenplatz in der Ostschweiz
eröffnet. Rund 300 Rekruten aus
den Kantonen Zürich, Luzern,
Solothurn und Baselland rückten
damals ein. Bis Frauenfeld zur
Garnisonsstadt wurde, war es
allerdings ein langer Weg.
Andreas Anderegg
itte des 19. Jahrhunderts war es, als sich
auf
Bundesebene
die Suche nach einem Artillerie-Waffenplatz auf
die Ostschweiz konzentrierte.
Dies weil eine zusätzliche Belegung der beiden Hauptplätze
Thun und Bière aus Platzgründen und der hohen Transportkosten wegen nicht in Frage
kam. Damals bewarben sich neben Frauenfeld auch Bischofszell
und Weinfelden als Standort für
den Truppenübungsplatz.
Pulverdampf. Die fotografische Aufnahme aus dem Jahr 1866 zeigt die
Schiessschule auf dem «Mätteli» bei der Kaserne.
nach Norden als Manövrier- und
Zielgelände ideale Rahmenbedingungen.
Nach einem längerem Hin
und Her war es mit dem Spatenstich am 21. März 1863 so
weit – der Grundstein unter
der Schwelle des Hauptportals
der Kaserne in der Stadt konnte
gelegt werden. Etwas mehr als
zwei Jahre später, am Sonntag,
10. Mai 1865, wurde der Waffenplatz in der Thurgauer Kantonshauptstadt mit einer Artillerie-Rekrutenschule in Betrieb
genommen.
(der Schlacht bei Frauenfeld, bei
der General Weber fiel) bis 1847
«ging in diesem Kanton nicht
ein einziger Kanonenschuss».
Ohne Zweifel würden schon am
darauf folgenden Sonntag bei
schöner Witterung zahlreiche
Scharen aus der Umgebung der
Hauptstadt erscheinen «und ihre
Freude über die glückliche Errungenschaft des Thurgaus zur
Schau tragen» – heisst es dazu
in der Schrift. Die Rekruten hatten damals übrigens ein Jahr vor
dem Einrücken auf den kantonalen Exerzierplätzen während
mehreren Tagen Soldatenschule
erhalten.
worben. Die stetig grösser werdenden Schussweiten führten in
den Jahren 1909/10 zu Gebietsankäufen des Bundes westlich des
alten Exerzierplatzes und links
der Murg bis zum Galgenholz.
1930 umfasste das bundeseigene Land 310 Hektaren. Hinzu
kamen über 100 Hektaren Servitutsgebiet auf dem Gemeindegebiet von Pfyn. Anfangs der 80erJahre des letzten Jahrhunderts
wurde im Zuge eines Ausbaus
des Waffenplatzes Frauenfeld
zwischen der Stadt und Thur
eine zweite Kaserne erstellt, die
Kaserne Auenfeld.
Bürgergemeinde ging voran
Wie dem Buch «Die Bürgergemeinde Frauenfeld» aus dem
Jahr 1991 zu entnehmen ist, war
zu jener Zeit vor über 150 Jahren
ein heftiger Streit zwischen den
potenziellen Standortgemeinden
im Thurgau ausgebrochen. Die
Bürgergemeinde Frauenfeld –
bis 1869 waren im Thurgau die
Bürgergemeinden die Träger
des öffentlichen Rechts – machte
damals zügig vorwärts und bot
an, die Kaserne auf eigene Rechnung zu bauen. Dabei bot die
weite Ebene zwischen der Stadt
und der Thur mit dem Hang
Neu für den Thurgau
Wie der Schrift «1865–1965
‒ Hundert Jahre Waffenplatz
Frauenfeld» zu entnehmen ist,
bestand die Mannschaft aus
«Cadres» und Rekruten von
Zürich, Luzern, Solothurn und
Baselland. Man versprach sich
zahlreiche Besuche von nah und
fern, waren Artillerie-Übungen
für den Thurgau doch etwas
ganz Neues – denn von 1799
Verkauf an den Bund
Per 1. Januar 1886 verkaufte
die Bürgergemeinde Frauenfeld
den Waffenplatz inklusive allen
Bauten und über 150 Hektaren
Land an den Bund. Kurz darauf
wurde das Exerziergelände bis
an die Murg verlängert und jenseits der Thur der ganze Hang
mit der bewaldeten Kuppe er-
Neue Ära angebrochen
Während Jahrzehnten erlernten in Frauenfeld unzählige
Artilleristen ihr Handwerk, ehe
die Artillerie aufgrund einer
Armee-Reform im Jahr 2007 den
Waffenplatz Frauenfeld nach 144
Jahren in Richtung Bière verliess.
Viele Frauenfelderinnen und
Frauenfelder sahen damals das
Ende der Garnisonstadt Frauenfeld gekommen. Der grosse
Wandel im Wehrwesen freilich
eröffnete dem Waffenplatz Frauenfeld eine neue Chance – den
Wechsel zu einer ausgesprochen
zukunftsorientierten Truppengattung wie die Führungsunterstützung. Dabei führen die
grosszügigen Verhältnisse im
Auenfeld nun gar zum Bau einer
zweiten Kaserne auf dem Areal
im Norden der Stadt sowie dem
Bau eines Verwaltungsrechenzentrums des Bundes. In der
Stadtkaserne wird der militärische Betrieb in den nächsten Jahren eingestellt.
n
 Weiterer Bericht Seite 2
Genuss und Erlebnis
beim Stählibuck
Hohe Lebensqualität
im Alter
Zwischen Rock
und Filmmusik
Zahl der Hotelbetten
steigt markant an
Buenos Aires liefert
die Inspiration
107 Jahre nach der Eröffnung
rückt der Stählibuckturm wieder
in den Brennpunkt. Dieses Jahr
finden besondere «Turmerlebnisse» statt: ein «MondscheinDiner», «Gschichtä zum Turm»
sowie ein Familienanlass
zu Wald und Wild.
Älter werden in Frauenfeld
heisst, von vielen Dienstleistungen profitieren zu können.
Die Stadt fördert die Koordination der Angebote. Dies betrifft
auch das Alterszentrum Park
unter der Leitung
von Bernhard Liepelt.
Die Frauenfelder Rock-Band
«Franky Four Fingers» bleibt
voller Tatendrang. Demnächst
soll ihre erste Langspielplatte
‒ in Vinyl ‒ mit acht Titeln erscheinen, und in diesem Jahr
streben sie eine Tournee
durch Osteuropa an.
In Frauenfeld steigt die Zahl der
Hotelbetten bis Mitte Jahr auf
gegen 400 an. Zusammen mit
jenen der Region Frauenfeld ist
man damit auch für Grossanlässe besser gerüstet. Stadtamman
Carlo Parolari: «Das ist ein
Gewinn für alle.»
Die Frauenfelder Kunstmalerin
Carole Isler (24) arbeitet derzeit
in Buenos Aires, wo sie ihrer
Kreativität im Rahmen eines
Künstlerateliers freien Lauf lassen kann. Sie ist begeistert
von der unerhörten Vielfalt der Eindrücke.
Carlo Parolari
Stadtammann
IN DIESEM FRÜHLING
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frauenfeld aktuell
2
Waffenplatz gewinnt an Bedeutung
D
bild michael anderegg
Der Waffenplatz Frauenfeld erfährt in den
nächsten Jahren eine weitere Aufwertung. Für
250 Millionen Franken wird die Anlage im Auenfeld ausgebaut. Darin enthalten sind Renovationen und Neubauten. Zudem wird der Bund
für 136 Mio. Franken ein Rechenzentrum für
die Bundesverwaltung erstellen.
Michael Anderegg
er Standort Frauenfeld
gewinnt für Militär
und Bund zusätzlich
an Bedeutung. Die Armee baut den Waffenplatz Frauenfeld im grossen Stil aus. Für
250 Millionen Franken sollen in
mehreren Etappen neue Unterkünfte und Infrastrukturbauten
entstehen. Unter anderem eine
neue Kaserne, die diejenige in
der Stadt ersetzen wird. Mit
dieser wird die Bettenzahl um
900 auf 1650 erhöht, wie einem
Bericht der Militärzeitschrift
Schweizer Soldat zu entnehmen
ist. Daneben werden diverse
Gebäude umgebaut, und es entstehen neue Ausbildungsräume,
ein Verpflegungszentrum, ein
medizinisches Zentrum sowie
Büros. «Das ganze Projekt zeigt,
dass der Standort Frauenfeld
Zukunft und auch Potenzial
hat», sagt Oberst i Gst und Waffenplatz-Kommandant Thomas
Wirz. Geplant ist, dass die Bauarbeiten 2017 beginnen. 2020 soll
die Stadtkaserne nach Abschluss
der ersten Etappe vollkommen
Haben das Sagen: Waffenplatz-Kommandant Oberst Thomas Wirz (l.) und
Oberst Markus Schmid (r.), Kommandant der Uem/FUSchule 61.
geräumt werden. Abgeschlossen
werden die Erweiterungen dann
in den Folgejahren.
Es wird weiterhin geschossen
Die Aufwertung des militärischen Standortes Frauenfeld
garantiert nach dem Abgang
der Artillerie im Jahr 2007, dass
auf den Kurzdistanzanlagen des
Waffenplatzes Frauenfeld weiterhin geschossen wird. «Es kann
auch vorkommen, dass hin
und wieder eine Artillerieabteilung auf unserem Waffenplatz
Schiessübungen durchführt», so
Wirz. Dies sei zuletzt im letzten
Dezember der Fall gewesen.
Der 250 Millionen Franken
teure Ausbau wird aber nicht
nur der Armee viele Vorteile
bringen. Auch der Wirtschaftsstandort Frauenfeld wird davon profitieren. Unter anderem
werden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Zudem müssen
mehr Personen verköstigt werden: «Wir werden, was das Essen betrifft, wie bisher, regionale
Lieferanten berücksichtigen», so
Baubeginn für Rechenzentrum ab 2017
MRA. Der Bund wird auf dem
Militärgelände im Auenfeld
für 136 Mio. Franken ein departementsübergreifendes
Rechenzentrum für die Bundesverwaltung erstellen. Im
Juli letzten Jahres hat der
Bundesrat das Konzept für
einen Rechenzentren-Verbund
genehmigt. Es sieht vor, die
Rechenzentren-Landschaft
der Bundesverwaltung durch
einen Verbund von Zentren
zu ersetzen.
Neben Rechenzentren für
rein militärische beziehungsweise rein zivile Zwecke ist
ein weiteres geplant, das sowohl das Eidgenössische Departement für Verteidigung,
Kommandant Thomas Wirz. Die
Aufstockung der Betten begünstigt, dass künftig mehr Rekruten
und WK-Soldaten in Frauenfeld
stationiert werden können, was
«für die Gastro-Betriebe der
Stadt sicher von Vorteil ist», so
Wirz.
Technische Truppen
Der Waffenplatz Frauenfeld
wird auch funktional aufgewertet. Er wird zum Kompetenzzentrum für die Führungsunterstützung (FU). Heute in Frauenfeld
Bevölkerungsschutz
und
Sport (VBS) wie auch die zivilen Departemente gemeinsam
nutzen werden. Die Thurgauer Kantonshauptstadt hat sich
im umfangreichen Evaluationsverfahren als wirtschaftlich vorteilhaftester Standort
herausgestellt. Dies unter
anderem, weil sich das Areal
im Auenfeld bereits im Eigentum der Eidgenossenschaft
befindet. Zudem besteht die
Option, dass die entstehende
Abwärme sowohl durch den
Waffenplatz als auch durch
weitere Wärmebezüger genutzt werden kann. Mit dem
Bau der ersten Etappe kann ab
2017 gerechnet werden.
ansässig ist die Übermittlungsund FührungsunterstützungsSchule 61 unter dem Kommando von Oberst Markus Schmid.
Ausgebildet werden Kader und
Rekruten im Bereich der Funkund Informatiksysteme sowie
im Kanzleidienst. Mit der Weiterentwicklung der Armee sieht
das Stationierungskonzept vor,
zusätzlich die FU UOS/RS63, das
Kommando des Lehrverbands
FU/Flab, das Kdo der FU Br
41 und das Kommando SKS in
Frauenfeld zu stationieren.
n
Mitglieder des Kinderrats führen Interviews
Pary Nuri und Anida Nuhiji
Johanna und Gabriela Bruno
«Bin gerne auf
dem Pausenplatz»
«Stadt überschaubar «Einkaufsort mit
und zentral»
Freizeitangeboten»
«Kleinstadt-Flair
erhalten»
Warum wohnst du hier?
Anida Nuhiji: Weil es mir in Frauenfeld gefällt.
Warum wohnst du in Frauenfeld?
Gabriela Bruno: Weil ich nach der
Lehre in Frauenfeld eine Stelle
fand, bin ich damals vom Untersee hierher gezogen.
Warum wohnen Sie in Frauenfeld?
Patricia Camenzind: Weil ich hier
aufgewachsen bin und es mich
wieder nach Frauenfeld zurückgezogen hat.
Wie lange wohnen Sie hier?
cLAIRE mEIER: Seit dem Herbst
1975, also genau 39 Jahre.
Was würdest du hier ändern?
Ich würde ein riesiges Einkaufszentrum errichten, so wie
das Glattzentrum.
Was gefällt dir besonders gut
in Frauenfeld?
Mir gefällt, dass ich alles Notwendige hier in der Nähe habe.
Ausserdem ist die Stadt überschaubar und ist sehr gut gelegen.
Was gefällt Ihnen besonders
gut in Frauenfeld?
Es gibt viele Einkaufsmöglichkeiten und sehr viele Freizeitaktivitäten.
Was findest du am schönsten
in Frauenfeld?
Mir gefällt, dass es ein kleines,
aber schönes Städtchen ist.
Pary Nuri, 12 Jahre
Hast du einen Lieblingsplatz
in der Stadt?
Der Mühletobelwald ist in jeder Jahreszeit schön.
Johanna Bruno, 11 Jahre
Hast du einen Lieblingsort in
der Stadt?
Ja, das habe ich. Ich bin in meiner Freizeit gerne auf dem Pausenplatz im Kurzdorf.
Patricia Camenzind
Wo ist Ihr Lieblingsplatz in
der Stadt?
Das Einkaufszentrum Passage
gefällt mir gut und auch der
Sportplatz Kleine Allmend ist
sehr schön.
Alessandro Hofmann, 10 Jahre
Salomé Käsemodel und Claire Meier
Was gefällt Ihnen gut?
Am besten gefällt mir, dass
Frauenfeld das Kleinstadt-Flair
behalten hat. Man grüsst sich
beim Vorbeigehen und man
kennt die Leute. Das Kurzdorf
gefällt mir sehr gut. Auch sehr
schön finde ich das viele Grün,
die Parks und Wälder und natürlich die Allmend.
Was stört Sie in Frauenfeld?
Mir fällt gerade nichts ein. Früher gab es fast keine Einkaufsmöglichkeiten und Busse. Aber
das hat sich nun geändert.
Was halten Sie vom Kinderrat?
Ich finde es sehr gut, dass die
Kinder mitreden und auch
etwas bewirken können. Das
macht die Stadt noch kinderfreundlicher.
Was unterscheidet Frauenfeld
von anderen Städten?
Typisch für Frauenfeld ist sicherlich der Zuckerrübengeruch, der jeden Herbst wieder
in der Luft hängt. Ausserdem
das Schloss und der Stählibuckturm. Frauenfeld ist eine sehr
attraktive Stadt im Grünen!
Herzlichen Dank, dass Sie sich
Zeit genommen haben.
Bitte sehr, hat mich sehr gefreut.
Salomé Käsemodel, 14 Jahre
frauenfeld und seine sehenswürdigkeiten
3
Genuss und Erlebnis beim Stählibuck
M
bild armin menzi
107 Jahre nach der Eröffnung und 13 Jahre nach
einer umfassenden Renovation rückt der
Stählibuckturm oberhalb von Frauenfeld
wieder in den Brennpunkt. Dieses Jahr finden
drei Anlässe statt, die ein besonderes «Turmerlebnis» ermöglichen: «Gschichtä zum Turm»,
ein «Mondschein-Diner» sowie ein kostenloser
Familienanlass zu Wald und Wild.
Andreas Anderegg
it den drei Veranstaltungen auf und
beim
Stählibuckturm,
organisiert
von Tourismus Regio Frauenfeld, wird der 27 Meter hohen
Stahlkonstruktion neuer Glanz
und neues Leben verliehen.
Denn der 1908 errichtete Turm
ist ein wunderbares Ausflugsziel
und ermöglicht einen fantastischen Panoramarundblick. Die
bevorstehende, wärmere Jahreszeit ist Grund genug, dieses Vergnügen wieder einmal in Erinnerung zu rufen.
Veranstaltungen um den Turm
Die erste Veranstaltung am
Donnerstag, 9. April 2015, trägt
den Titel «Gschichtä zum Turm».
Stadtführerin Andrea Hofmann
und Marianne Sax vom gleichnamigen Bücherladen werden
auf dem Turm in luftiger Höhe
Interessantes zum Turm und
zu weiteren Türmen erzählen
und lesen. Weil im April oftmals
noch frostige Temperaturen
herrschen, können Körper und
Genuss und erlebnis. Der Stählibuckturm als anmutige Kulisse.
Geist nicht nur mit Treppensteigen, sondern auch mit Glühmost
und Alphornklängen erwärmt
werden.
Die zweite Veranstaltung auf
dem Stählibuck ist am Samstag,
4. Juli 2015, ein MondscheinDiner. Geplant ist ein elegantes
Abendessen in festlicher Atmosphäre am Fusse des Stählibuck-
turms, das vom Buchemer Winzer Hans-Peter Wägeli mit feinen
Tropfen aus der Region begleitet
wird. Eine jazzige Untermalung
wird für einen stimmungsvollen Rahmen sorgen. Darüber
hinaus – und das im wahrsten
Sinne des Wortes – wird's an diesem Abend auf dem Turm eine
Mondscheinbar geben, in der
Apfelschaum- und Dessertwein
ausgeschenkt werden.
Die dritte Stählibuck-Veranstaltung heisst «Wald und Wild»
und ist ein Familienanlass zu
Wildtieren und Wald auf dem
Stählibuck. Förster und Jäger
werden allerhand Interessantes
erzählen, und die Pfadi Frauenfeld lädt zu einem Parcours ein,
bei dem Natur entdeckt und
erlebt werden kann. Das jüngere Publikum erwartet auch ein
Wettbewerb, und Kinder können
Schlangenbrot braten.
Im Jahr 1908 eröffnet
Der Stählibuckturm wurde
einst auf Initiative des Verkehrsvereins Frauenfeld (heute: Tourismus Regio Frauenfeld) gebaut
und im Jahr 1908 erstellt und
eröffnet. Er gehört somit zu den
ältesten Stahlfachwerktürmen in
der Schweiz. Der Turm wurde
nicht direkt vor Ort aufgebaut,
sondern zunächst auf dem Fabrikhof der Eisenwerk-Aktiengesellschaft Bosshard & Co. in
Näfels erstellt und anschliessend für den Bahntransport
nach Frauenfeld in acht bis zehn
Meter lange Stücke zerlegt.
Durch die Hilfe von Dingenharter Pferdebesitzern wurde der
Turm gemäss Überlieferung in
Fronarbeit vom Bahnhof auf den
Stählibuck hoch transportiert.
Im Oktober 1908 erfolgte die
Endmontage.
Im Jahre 1935 wurde dem
Turm eine erste Generalrevision
Auf einen Blick
«Gschichtä zum Turm»
Donnerstag, 9. April 2015,
18.30 Uhr; Anmeldung bei
Tourist Service Regio Frauenfeld, bis 8. April, 16 Uhr.
Mondschein-Diner
Samstag, 4. Juli 2015, 18.30
Uhr; Anmeldung bei
Tourist Service Regio Frauenfeld, bis 25. Juni.
Wald und Wild
Samstag, 12. September
2015, 14.30 Uhr; die Teilnahme ist kostenlos, keine
Anmeldung nötig.
Tourist Service Regio
Frauenfeld
Bahnhofplatz 75
8500 Frauenfeld
Tel. 052 721 31 28
verpasst, im Zweiten Weltkrieg
diente er der Schweizer Armee
als Fliegerbeobachtungsposten.
Während dieser Zeit blieb er für
das zivile Publikum gesperrt.
Anschliessend wurde er saniert
und wieder zugänglich gemacht.
Weitere Sanierungen fanden in
den Jahren 1958 und 1978 statt.
2002 wurde der Stählibuckturm
totalsaniert. Seither tragen die
Treppenstufen die Namen der
Sponsoren, die zur Sanierung
n
beigetragen haben.
Das muss man in Stadt und Region gesehen haben
1
Schloss Frauenfeld
mit Historischem Museum
Ansehnlich thront das
Schloss auf dem Sandsteinfelsen über der Murg inmitten von
Frauenfeld. Dieses markante Gebäude beherbergt seit 1960 die
Ausstellungen des Historischen
Museums Thurgau. Kunstgegenstände, Möbel, Waffen, Spielzeug, Bilder, Geschirr und vieles
mehr vermitteln in der Dauerausstellung einen Eindruck von
ritterlichen Lebensweisen in
früheren Zeiten. Ein Rundgang
bietet die Gelegenheit zur Begegnung mit Originalobjekten
aus fast 800 Jahren Thurgauer
Geschichte.
2
Altstadt mit Natur- und
Archäologie-Museum
Die verkehrsberuhigte Altstadt mit den prächtigen Gesandtschaftshäusern aus dem
18. Jahrhundert befindet sich
oberhalb des Bahnhofs. Die im
barocken Stil erbaute Stadtkirche St. Nikolaus beherbergt ein
Meisterwerk der Orgelbaufirma
Metzler. Im Luzernerhaus war
einst das Kantonalgefängnis untergebracht. Heute befindet sich
dort das Naturmuseum und das
Museum für Archäologie Thurgau. Dazu gibt es bei Tourist Service Regio Frauenfeld und am
Infoschalter der Stadt die Broschüre «Altstadtrundgang».
3
Kartause Ittingen mit Ittinger- und Kunstmuseum
Die Kartause Ittingen, das
ehemalige Kloster, liegt eingebettet in die idyllische Thurlandschaft. Rund 700 Jahre lebten
hier Mönche. Heute wird die
Kartause als lebendiges Kulturund Seminarzentrum mit vielseitigen Angeboten betrieben.
Die Anlage zählt zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern des
Bodenseeraums. Ein Hochgenuss für Auge und Herz sind
die Gartenanlagen. Im Zentrum
der Kartause laden zwei Museen
zu einer spannenden Auseinandersetzung mit klösterlicher Lebensweise und Kunst ein.
4
Greuterhof Islikon
mit Telefonmuseum
Der Greuterhof war eine
der ersten Fabriken der Schweiz.
Bernhard Greuter, von Beruf
Stofffärber und -drucker, richtete hier ab dem Jahre 1777 eine
Indigo-Färberei ein. Was als eine
der ersten Fabriken im 18. Jahrhundert entstand, ist heute ein
Ort der Bildung und Begegnung.
Im Telefonmuseum «Telephonica» ist die vielfältige Geschichte der Telefonie mit ihren rauschenden Triumphen, tragischen
Niederlagen, grotesken Fehlentwicklungen und umwälzenden
Erfindungen auf unterhaltsame
und greifbare Weise dargestellt.
5
Iselisberg mit Rebbergen
am Panoramaweg
Mit über 90 Herktaren ist
das Weingebiet Iselisberg-Neunforn die grösste, zusammenhängende Rebfläche im Kanton
Thurgau. Das Rebgebiet lädt
zum Wandern oder Velofahren
ein. In zahlreichen Gaststuben
und Gasthöfen kann verweilt
und der örtliche Rebsaft genossen werden. Der Panoramaweg
«Oberneunforn ‒ Frauenfeld»
führt auf einem Höhenweg mit
einzigartigem Ausblick auf das
Thurtal und die fernen Alpen
durch die Rebberge.
Michael Anderegg
www.regiofrauenfeld.ch/tourismus
n
frauenfeld im alter
4
Die Lebensqualität im Alter fördern
Z
bild rolf müller
Älter werden in Frauenfeld heisst, von einer
reichen Palette an Dienstleistungen zu profitieren, die ein selbstständiges und sozial
reiches Leben bis ins hohe Alter ermöglichen.
Die Stadt unterstützt die Koordination und
Vernetzung der Angebote und fördert diese im
Rahmen ihrer Möglichkeiten.
Rolf Müller
ufrieden älter werden in
Frauenfeld», titelt das
im Dezember 2013 verabschiedete städtische
Alterskonzept. Tatsächlich sind
dafür in der Stadt die Bedingungen ausgezeichnet. Das Konzept
reagiert auf mehreren Ebenen
auf die demografischen Entwicklungen, die überall gleich sind:
Die Menschen werden älter. Im
Schnitt dürfen Frauen und Männer nach der Pensionierung von
20 bis 25 behinderungsfreien
Jahren ausgehen.
Einbezug aller Generationen
Das ist erfreulich, stellt eine
Kommune aber auch vor Herausforderungen, die nur unter
Einbezug der Bevölkerung lösbar sind. Das Alterskonzept baut
denn auch auf ein solidarisches
Miteinander aller Generationen
– im Gegenzug dürfen auch ältere Einwohnerinnen und Einwohner darauf vertrauen, dass
ihre Bedürfnisse, Anliegen und
Wünsche laufend in die Entscheidungsprozesse des Stadtlebens miteinbezogen werden.
«Frauenfeld beschreitet mit
dem Alterskonzept einen Weg,
der es den Bewohnerinnen und
Bewohnern ermöglichen soll,
über Jahrzehnte im vertrauten
Das Senioren-Angebot auf einen Blick
Alterszentrum Park
Pflegezentrum Stadtgarten
Zürcherstrasse 84, 052 728 71 71
www.alterszentrumpark.ch
Stadtgartenweg 1, 052 723 24 80
www.stadtgarten.ch
Das Alterszentrum Park verfügt über 160 Plätze und
7 Plätze in einer betreuten
Wohngemeinschaft.
Weiter
werden eine Wohngruppe
und ein Tageszentrum für
Menschen mit Demenz sowie
Ferien-, Tages- und Nachtaufenthalte angeboten. Zudem
stehen in der Parksiedlung
Talacker 70 Alterswohnungen
zur Verfügung, wo die Dienstleistungen des Alterszentrums genutzt werden können.
Das Pflegezentrum Stadtgarten bietet 72 1-Zimmer- und
11 2-Zimmer-Wohnungen für
90 Bewohnerinnen und Bewohner an. Ausserdem wird
rund um die Uhr eine individuelle Pflege und Betreuung
angeboten. Ab Frühling 2017
sind zusätzlich 40 Plätze mit
einer Demenzabteilung bezugsbereit.
Alterssiedlung
Franz Staubli, 079 237 24 93
www.alterssiedlung-frauenfeld.ch
FREUNDLICHE AMBIANCE: Im Alterszentrum Park geniessen Senioren eine feine
Küche in geschmackvoller Umgebung. Da lässt sich auch Zentrumsleiter
Bernhard Liepelt von Hildegard Frei gerne einen Kaffee servieren.
Umfeld zu leben», betont Stadträtin Elsbeth Aepli Stettler, Vorsteherin des Departements für
Alter und Gesundheit. Das auf
die kommenden 10 bis 15 Jahre
auslegte Konzept fokussiert entsprechend auf das Thema «Älter
werden zu Hause». Für die Mitgestaltung erwartet die Stadträtin von den Seniorinnen und
Senioren umgekehrt ein hohes
Mass an Engagement. «Nur so
entsteht ein bedürfnisorientiertes Angebot.»
Eine aus dem Alterskonzept
bereits umgesetzte Massnahme
ist eine Internetseite. Hier gibt′s
eine Fülle von Kontaktdaten und
Angeboten regionaler Dienstleister im Altersbereich. Von Spitex-Organisationen, Wohn- und
Weiterbildungsmöglichkeiten
über administrative Hilfe, Kultur und Vereinen bis hin zu Fragen über Demenz oder Entlastungsdiensten für Angehörige.
Aktuell sind es über 80 Angebote
in diversen Kategorien.
Frühzeitig planen
Die vielfältigen Angebote
sind nicht nur auf Senioren aus-
In den Liegenschaften Kesselstrasse, Reutenen und
Zielacker der Genossenschaft
Alterssiedlung werden 1- bis
2,5-Zimmer-Wohnungen angeboten. Angebote wie die
Pflege und Betreuung durch
die Spitex Region Frauenfeld
und den Mahlzeitendienst
des Gemeinnützigen Frauenvereins können genutzt werden, um die Selbstständigkeit
zu wahren. Mit dem Neubau
Reutenen gibt′s ab Herbst
2016 weitere 45 Wohnungen.
gelegt, sie richten sich auch an
Menschen mittleren Alters. Sie
sollen dazu anregen, sich früh-
Perlavita Friedau
St. Gallerstr. 30, 052 724 78 78
www.perlavita.ch
Drei Pflegewohnbereiche stehen zur Verfügung. Der geschützte Demenzwohnbereich
verfügt über 11 Plätze, der
offene über 14. In der geriatrischen Langzeitpflege gibt es
25 Plätze (19 Einzel-, 3 Doppelzimmer), in der neurologischen Langzeitpflege für jüngere Menschen mit Parkinson,
MS oder Hirnverletzungen 25
(21 Einzel-, 2 Doppelzimmer).
Darüber gibt es 14 Wohnungen mit integrierten Leistungen sowie das Wohnen mit
Service (18). Zudem gibt′s einen 24-Stunden-Notruf sowie
Spitex-Pflege.
zeitig mit Fragen des Älterwerdens auseinanderzusetzen.
n
www.altersfreundliches-frauenfeld.ch
Dreh- und Angelpunkt für die Senioren
S
Michael Anderegg
eit Mitte letzten Jahres
führt Verena Rieser-Santo,
direkt links beim Eingang
zum Rathaus, die Anlaufstelle
für Alters- und Generationenfragen. Diese wurde als Teil des
vor gut einem Jahr verabschiedeten Alterskonzepts ins Leben
gerufen. «Ich bin vertraut mit
den Angeboten verschiedener
Dienstleister im Bereich Alter,
vermittle Adressen und übernehme erste Abklärungen», erklärt Verena Rieser-Santo ihre
Aufgabe. Sie berät Hilfesuchende individuell und unterstützt
sie bei der Einleitung nächster
Schritte. Die Leistungen der Anlaufstelle sind kostenlos.
Hilfeleistungen sind gefragt
Häufige Anliegen, mit denen
sich die Leiterin beschäftigt, drehen sich um Wohnmöglichkeiten
und -formen, institutionelle Angebote oder schlicht, wo Hilfe in
einer Notsituation geboten werden kann. «Ich ermittle, wie das
Problem der Person genau aussieht und wer dabei am besten
helfen kann», so Rieser-Santo.
Vor allem in diesen Gesprächen
kommt ihr ihre bisherige berufliche Erfahrung als Pflegefachfrau
und Ausbildungsbeauftragte in
diesem Fachbereich zugute.
«Vertrauen ist in diesen Gesprächen sehr wichtig», sagt sie.
auch ein Flyer mit den wichtigsten Informationen sowie eine
Internetseite. Diese geben Auskunft über Öffnungszeiten und
Angebot. Im Bereich der Werbung hofft Verena Rieser-Santo
aber noch auf etwas anderes:
«Mund-zu-Mund-Propaganda
ist extrem wichtig. Sie ist immer
noch das beste Werbemittel»,
ist sie sich sicher. Die Leute, die
kämen, seien sehr offen. «Sie suchen die Hilfe ja bereits aktiv.»
Das grösste Problem, sprich der
schwerste Auftrag, sei, die Personen zu erreichen, die Probleme haben, sich aber nicht trauen
sich Hilfe zu holen. «Oft wissen
die Leute gar nicht, wo sie Hilfe
herbekommen. Genau da helfe
ich weiter.»
Vielfältige Werbemittel
In den letzten Monaten entstand neben der Anlaufstelle
Eine Auswahl bieten
Verena Rieser-Santo versucht, den Leuten immer mehr
als nur eine Möglichkeit aufzuzeigen und anzubieten. «Für die
meisten Anfragen oder Probleme
gibt es häufig nicht nur eine Lösung», erklärt sie. Um die Angebote und Dienstleistungen auch
für die zukünftigen Herausforderungen weiterzuentwickeln,
fand Anfang März ein erstes Koordinationstreffen mit Vertretern
verschiedener
professioneller
Dienstleister Frauenfelds statt.
«Wir wollen ein enges Netzwerk
schaffen, das die Einwohnerinnen und Einwohner in ihren Anliegen ideal unterstützt», so Rieser-Santo. Dies ganz nach dem
Motto: «Zufrieden älter werden
in Frauenfeld.»
n
Öffnungszeiten:
Dienstag – Donnerstag:
8.30 – 11.30 Uhr , 13.30 – 17 Uhr
Termine nach Vereinbarung:
052 724 53 00
bild michael anderegg
Seit Sommer 2014 gibt es im Rathaus die
Anlaufstelle für Alters- und Generationenfragen. Sie ist für die Bevölkerung neu Drehund Angelpunkt für alle Fragen zum Alter.
Geleitet wird sie von Verena Rieser-Santo.
Für Sie da. Verena Rieser-Santo leitet
seit Sommer 2014 die Anlaufstelle
für Alters- und Generationenfragen
im Rathaus.
frauenfeld für junge
5
Zwischen Rock und Filmmusik
N
bild franky four fingers
Die Frauenfelder Rock-Band «Franky Four
Fingers» bleibt voller Tatendrang. Demnächst
soll ihre erste Langspielplatte erscheinen, und
dieses Jahr streben sie eine Tournee durch Osteuropa an. Die sechs Bandmitglieder kennen
sich teilweise seit zehn Jahren. «Also schon das
halbe Leben lang», wie sie lakonisch feststellen.
Armin Menzi
osferatu scheidet keine Geister. Seit mehr
als 90 Jahren ist man
sich einig, dass der
Stummfilm von Friedrich Wilhelm Murnau eine «Symphonie
des Grauens» ist ‒ der erste Horrorstreifen in der Filmgeschichte
überhaupt. Mir rollenden Augen und grässlichen Grimassen
verbreiteten die Darsteller 1922
Angst und Schrecken, obschon
die Musik als Schockverstärker fehlte: «Nosferatu» ist ein
Stummfilm.
Jetzt nicht mehr: Die Frauenfelder Rockgruppe «Franky Four
Fingers» hauchte dem Werk
Musik ein ‒ genauer: Filmmusik. Im Cinema Luna begleiteten
die sechs jungen Musiker aus
Frauenfeld die Filmvorführung
«live». Ein Experiment, das ihnen viel Applaus eintrug. «Es
war das erste Mal, dass wir uns
an eine solche Aufgabe wagten», bekennt Severin Beerli,
in der Band zuständig für die
Schwere, also für den Bass. In
unzähligen Stunden mussten
die Künstler bei der Entstehung
der Filmmusik mindestens zwei
Dimensionen im Blickfeld behal-
franky four fingers. Von links: Johannes Eiholzer (Gesang), Dominik Inauen (Orgel, Perkussion), Simon Grässli
(Schlagzeug), Hannes Bissegger (Gitarre), David Nägeli (Gitarre) und Severin Beerli (Bass).
ten: das Thema und das bewegte
Bild. «Da wurden wir klar in die
Schranken gewiesen. Die Aufgabe verlangte viel Gespür und
Disziplin» erinnert sich auch der
Gitarrist David Nägeli. Das ist
offensichtlich gelungen. So gut,
dass diese Grenzüberschreitung
in eine DVD mit Film und Musik
münden soll.
Beginn in der Jugendmusikschule
«Franky Four Fingers» entstand in der Jugendmusikschule Frauenfeld. Dort lernten sich
Hannes Bissegger, Simon Grässli
und David Nägeli kennen und
beschlossen, eine Band zu gründen. Im Lauf der Zeit gesellten
sich Johannes Eiholzer, Dominik
Inauen und Severin Beerli hinzu.
Gitarrist David Nägeli erinnert
sich: «Wir traten damals aus der
‹geschützten Werkstatt› der Jugendmusikschule aus und spielten fortan einen ziemlich punkigen, vielleicht sogar obszönen
Rock.» So schlimm kann's aller-
dings nicht gewesen sein, denn
die munter drauflos rockenden
Jungs waren damals noch nicht
einmal volljährig. «Okay, dann
war es halt pubertär», meint
Severin Beerli vielsagend und
schmunzelt.
20 Minuten Frauenfelder Rock
AM. «Metamorphosis» ist die
jüngste Produktion von «Franky
Four Fingers»: zwanzig Minuten
kraftvoller junger Rock.
Das Cover stammt vom Frauenfelder Künstler Fredi Bissegger,
das Mastering oblag Rolf Stauffacher.
www.frankyfourfingers.ch
Am Anfang steht bei «Franky Four Fingers» stets die Musik. Im Probenlokal raufen sich
die Künstler auf ein gemeinsames Stück zusammen. «Alles
kommt aus der Situation heraus.
So entsteht aus sechs Richtungen
ein gemeinsames Werk», erklärt
Severin Beerli. Dabei haben die
sechs Musiker deutlich unterschiedliche Herkünfte: ein künftiger Lehrer, ein angehender
Journalist, ein Volkswirtschaftler, Mathematiker und Buchhändler. Alle sind sich bewusst,
dass es schwierig würde, von
der Musik leben zu können.
Demnächst LP auf Vinyl
Dessen ungeachtet greifen
sie in die Saiten und Tasten: Derzeit steht die erste echte Langspielplatte auf dem Programm,
«so richtig schön, mit vielleicht
acht Titeln drauf», sagt David
Nägeli. Und als kleine Reverenz
an gute alte Zeiten soll die Platte
auf Vinyl herauskommen ‒ also
gepresst werden.
Tournee durch Osteuropa
Für dieses Jahr planen die rockigen Zeitgenossen eine Tournee durch Osteuropa. «Auftritte
sind mindestens so wichtig wie
Tonträger», ist Beerli überzeugt.
Hier setzt denn auch das Anliegen der Band an: «Jugendkultur
fördert man am besten, indem
man Möglichkeiten für Auftritte
schafft», sagt Nägeli. «Nosferatu» war so ein Auftritt, Cinéma
Luna mit Klturförderer Christof
n
Stillhard sei Dank.
Das Querflötenspiel ist Deboras Leidenschaft
L
Armin Menzi
ampenfieber? «Nach den
ersten drei Tönen ist es
weg», sagt Debora Wettstein. Die 13-jährige Sekundarschülerin aus Gerlikon spielt mit
ihrer Querflöte schon mal vor
300 Zuhörern in der Kirche. Dort
fing die Liebe zum Instrument
auch an: «Im Gemeindegottesdienst spielte jemand wunderschön Querflöte. Für mich war
klar: Das möchte ich auch können», erinnert sich Debora. Und
tauschte ihre Blockflöte gegen
eine Querflöte ein. Seitdem besucht sie einmal pro Woche die
Jugendmusikschule Frauenfeld
und übt fleissig mit dem schwie-
rigen Instrument ‒ in der Schule
und auch zu Hause. Zumal sie im
Schoss einer sehr musikalischen
Familie aufwächst: Ihre Mutter
Sara und ihre Schwester Ladina
spielen Klavier, Flöte und Cornet
und die beiden Brüder Joël und
Elia E-Gitarre und Schlagzeug.
Die Musikalität der Familie
Wettstein hat Geschichte: «Schon
mein Vater war sehr musikalisch. Er spielte in der BlaukreuzMusik», erzählt ihre Mutter.
Zuerst einen Beruf erlernen
«Meine Lehrerin wollte mich
motivieren, mit der Musik vorwärts zu machen», erzählt Debora. Aber ihr Herz schlage stärker
für Tiere, und beruflich möchte
sie Fachfrau für Kita-Betreuung
werden. Wenn sie erst einmal einen Beruf erlernt habe, könne sie
ja immer noch überlegen, wie es
mit der Musik weitergeht.
Derweil bekommt ihr Flötenspiel gute Noten: Am Mu-
sikwettbewerb der Thurgauer
Jugenmusikschulen erhielt sie
in der Kategorie «Ensemble»
prompt den 2. Preis ‒ sehr zum
Stolz der Familie. Also doch weitermachen? «Ja, ich übe natürlich
weiter!» bekräftigt das Mädchen.
Stadt übt wenig Reiz aus
Debora radelt jeden Tag von
Gerlikon in die Stadt, wo sie
die Sekundarschule im Reutenen besucht. Gleichwohl reize
sie das Städtische weniger: «Bei
uns haben wir die schönste Gegend, viel Sonne und viele Tiere.
Meine Mitschüler kennen das
eigentlich kaum», sagt sie und
ergänzt: «Die wissen ja nicht
einmal, was ein Gepard ist.» In
ihrem Leben sei das Wichtigste, «Freundschaften zu pflegen,
etwa auf dem Schulweg. Dazu
ist ein Smartphone nicht geeignet», fügt sie an. Sie habe zwar
seit einem Jahr ebenfalls ein Mobile, «aber nur, weil ich einen
bild armin menzi
Debora Wettstein spielt Querflöte. Die 13-jährige Sekundarschülerin aus Gerlikon tritt mit ihrem Instrument schon mal im Gottesdienst auf.
Doch Karriere machen will sie nicht mit Musik.
Für sie ist ein interessanter Beruf wichtiger.
Etwa als Fachfrau für Kita-Betreuung.
kein lampenfieber. Debora Wettstein mit ihrer Querflöte.
weiten Schulweg habe, und es
dafür praktisch ist». Insgesamt
hält sie nicht viel von Modetrends. Weder Make-up noch
der letzte modische Schrei holen
sie hinter dem Ofen hervor. «Mir
gefällt mein Leben so, wie es ist.»
Und sie freut sich schon auf die
nächsten Auftritte vor Publikum.
Aber auch auf ihren einzigen
kleinen Luxus: Ein- bis zweimal
pro Woche geht sie nach Weckingen zum Reiten. Auch hier hat
sie kein Lampenfieber.
n
frauenfeld im wandel
6
Sonnenstrom im Keller speichern
Wer seinen selber erzeugten Solarstrom im
eigenen Haus nutzen will, muss ihn speichern.
Hierfür dienen Batteriespeicher im Keller. An
die Investitionen leisten der Kanton und die
Stadt Beiträge.
E
sche Stromnetz eingespeist, und
der Strombezug für die eigenen
vier Wände erfolgt aus dem selben Netz, weil sich der häusliche
Solarstrom nur schwer speichern
lässt.
Armin Menzi
s ist unwahrscheinlich,
dass ein Einkaufszentrum, eine Bank oder ein
Industriebetrieb frühmorgens mit Solarstrom startet.
Erstens scheint dann noch keine Sonne, und zweitens existieren noch keine Strombatterien
mit der nötigen Leistung. Ganz
anders bei privaten Hausbesitzern: Sie benötigen frühmorgens
vielleicht 2 Kilowatt Leistung
für Kaffeemaschine, Haarföhn,
Radio und Beleuchtung. Also so
viel, wie ein moderner Batteriespeicher im Keller liefern kann.
Solaranlagen-Besitzer sollen nun
darin unterstützt werden, den
selber produzierten Strom nicht
mehr nur ans öffentliche Stromnetz abzugeben, sondern im eigenen Haus zu speichern und
nach Bedarf abzurufen.
solarstrom speichern. Kanton und Stadt Frauenfeld subventionieren Batteriespeicher für Solarstrom mit bis zu 7500 Franken pro Anlage.
Ende letzten Jahres waren
auf Frauenfelder Dächern 130
Solarstrom-Anlagen in Betrieb.
Bei voller Sonneneinstrahlung
haben diese eine maximale Leistung von knapp 2700 Kilowatt
ins öffentliche Netz eingespeist.
Das ergibt pro Jahr die Menge
von rund 2,4 Mio. Kilowattstun-
den, was dem Verbrauch von
rund 540 Einfamilienhäusern
entspricht. Bis jetzt treibt der selber erzeugte Solarstrom aber weder die eigene Waschmaschine
an, noch leistet er einen direkten
Beitrag ans Kühlen und Gefrieren im Haushalt. Grund: Der Solarstrom wird direkt ins städti-
Kilowattstunden abdeckt. Er
reicht aus, um einen Vierpersonen-Haushalt mit Strom zu versorgen.
Bis 7500 Franken pro Speicher
Die Speicherbatterien haben ihren Preis. Sie kosten je
nach Grösse zwischen 10 000
und 25 000 Franken. Darum
unterstützen Stadt und Kanton
den Kauf solcher Anlagen. Der
Kanton bezahlt maximal 5000
Franken und die Stadt Frauenfeld legt aus dem Energieförderfonds nochmals die Hälfte des
Kantonsbetrags obendrauf. Das
kann total bis zu 7500 Franken
pro Batteriespeicher ausmachen.
Daniel Moos, Leiter der
Energiefachstelle
Frauenfeld,
begrüsst diese Subventionen.
Diese Förderung von Solarstrom
entspreche den Forderungen des
Energierichtplans. «Es ist unbestreitbar, dass bei der Photovoltaik das grösste Potenzial für den
Ersatz von Atomstrom liegt», erklärt er. Genau dies sei ja die Absicht der bundesrätlichen «Energiestrategie 2050».
n
Fortschritt bei den Batterien
Das hat sich inzwischen geändert: Die Industrie hat effiziente Batteriespeicher entwickelt
und erfolgreich im Markt getestet. Sie basieren auf der von
Akkus von Laptop- und Smartphones her bekannten LitiumIonen-Technologie. Damit steht
den Solaranlagen-Besitzern eine
bunte Palette von Batteriespeichern zur Verfügung. Sie bestehen entweder aus klassischen
«Blei-Batterien» oder modernen
«Lithium-Ionen»-Zellen. Letztere sind zwar deutlich teurer, dafür können sie öfter aufgeladen
werden, und die Lebensdauer
liegt bei bis zu 20 Jahren.
Herzstück eines SolarstromSpeichers ist ein Batterieschrank,
der im Keller steht und eine Kapazität anbietet, die letztlich den
Jahresstrom-Verbrauch von 5000
Noch nicht lange her, doch schon so fern
Die Wiege der Industrie stand auf der Bleiche
I
Stadt im Wandel (3)
AA. Das Stadtbild von Frauenfeld hat sich in den letzten
Jahrzehnten stark gewandelt. Mit einer Serie erinnert
Stadtarchivar Stephan Heuscher in «frauenfeld.ch» mit
Fotos aus dem Stadtarchiv
und Texten an vergangene
Zeiten.
bild stadtarchiv
Stephan Heuscher*
n Frauenfeld standen bis vor
wenigen Jahrzehnten verschiedene Industriebrachen,
verlassene Fabrikgebäude, die
inzwischen einer neue Nutzung
zugeführt oder überbaut worden sind. Eine dieser Brachen
war die Bleiche gegenüber des
Schlosses. Wie der Name schon
sagt, bildete das Areal um 1850
eine Wiese, auf der rohe Baumwolltücher zum Bleichen ausgelegt wurden. Nachdem die
Naturbleiche durch chemische
Prozesse abgelöst worden war,
kaufte Michael Maggi das Gelände 1856. Schon 1867 zog er
indes nach Kemptthal weiter,
wo sein Sohn Julius Maggi die
nachmals weltbekannte Nahrungsmittelfirma gründete. Der
Hauptteil der Bleiche ging in den
bewegte geschichte. Von Maggi über Martini bis Nestlé: Die Wiege der Frauenfelder Industrie steht auf dem Bleicheareal. Heute
befindet sich dort das Coop Super-Center Schlosspark.
Besitz der Maschinenbaufirma
von Friedrich Martini über, die
1859 in der Walzmühle gegründet worden war.
Martini erfolgreich
Die Firma Martini hatte
während Jahrzehnten über die
Landesgrenzen hinaus einen guten Ruf. Buchbindemaschinen,
Eisenwaren, Gewehre, Stickmaschinen und Automobile gehörten zur weit gespannten Palette
ihrer Produkte. Trotzdem geriet
das Unternehmen nach der Jahr-
hundertwende in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde nach und nach zerlegt. Die
Eisenwarenfabrikation kam ins
Eisenwerk im Kurzdorf (1907),
die Autoproduktion zog in die
Westschweiz nach St. Blaise
(1916) und die Herstellung von
Buchbindemaschinen nach Felben (1922).
Bleiche-Areal 1983: Die Industriebrache wurde von der
Schloss-Garage – eine Autowerkstätte ‒ genutzt. Die Fabrikgebäude von Friedrich Martini
und der Gebrüder Tuchschmid
verschwanden mit dem Bau der
Coop-Einkaufscenter
Bleiche
und Schlosspark.
Nestlé in Frauenfeld
Für wenige Jahre fasste darauf eine andere Firma, die Weltruf erlangen sollte, in Frauenfeld
Fuss: die Nestlé & Anglo-Swiss
Condensed Milk Co. Sie stellte
auf der Bleiche Konservenbüchsen für ihre Kondensmilch-Fabrikation her. Dies blieb jedoch
nur ein Intermezzo. 1927 über-
nahm die Metallbaufirma Tuchschmid einen Teil der Gebäude.
Sie etablierte sich in jener Zeit
als führende Unternehmung
im Bereich der Konstruktion
von Schaufensterfassaden und
Glasüberdachungen. Von ihr
stammen beispielsweise die
Glasdächer der 1929 erstellten
Perronhalle im Zürcher Hauptbahnhof und die Aufsehen erregenden Schaufensterfronten
im damals neuen Zürcher Geschäftszentrum Sihlporte.
1951 verlegten die Gebrüder
Tuchschmid ihr Unternehmen
ins Langdorf hinaus. Zurück
blieb die Schloss-Garage, eine
Autowerkstätte, die sich 1925
auf der Bleiche eingerichtet hatte. Die Schloss-Garage nutzte
allerdings bei weitem nicht alle
industriellen Gebäulichkeiten
auf dem Gelände. Viele standen
halbleer oder dienten nur als Abstellräume. 1976 wurde ein Teil
davon abgebrochen, um dem
Coop-Center Bleiche Platz zu
machen, das im folgenden Jahr
die Türen öffnete. Die restliche
Industriebrache
verschwand
1997/98 bei der Erstellung des
Coop Super-Centers Schlossn
park.
* Stephan Heuscher ist
Stadtarchivar von Frauenfeld
frauenfeld im wandel
7
Zahl der Hotelbetten steigt markant
I
bild rolf müller
In der prosperierenden Stadt Frauenfeld steigt
die Zahl der Hotelbetten bis Mitte Jahr auf
gegen 400 an. Zusammen mit jenen der Region
Frauenfeld ist man damit auch für Grossanlässe besser gerüstet. Stadtamman Carlo Parolari
sagt: «Das ist ein Gewinn für alle.»
Rolf Müller
m Jahr 2013 verzeichnete
die Thurgauer Hotellerie
mit 421 000 Übernachtungen in rund 130 Betrieben
den höchsten Stand seit zwanzig Jahren. Dieser positive Trend
setzte sich inzwischen fort. Auch
in Frauenfeld war die Nachfrage
gegeben: 2013 wurden in den
Hotels auf Stadtgebiet wiederum
gegen 30 000 Übernachtungen
bei etwas über 15 000 Ankünften
registriert. Das heisst: Ein Gast
verweilte bei Aufenthalten in der
Kantonshauptstadt jeweils rund
zwei Nächte.
Gute Auslastung
Daniela Spring, Leiterin des
Info-Büros Tourist Service Regio
Frauenfeld am Bahnhof, beurteilt die heutige Auslastung der
Frauenfelder Hotels insgesamt
als gut. Sehr knapp werde es jeweils bei Grossanlässen wie dem
Openair oder einem Eidgenössischen Tambouren- und Pfeiferfest 2014.
Picknick & Genuss
in der Regio Frauenfeld
AA. Am Sonntag, 3. Mai 2015, führt die Regio
Frauenfeld bereits zum dritten Mal den «Picknick-&-Genusstag» durch. In diesem Jahr empfängt die Familie Büchi auf ihrem Hof Osterhalden im Norden von Frauenfeld die Gäste.
Angeboten werden ein Picknick-Markt mit regionalen Produkten, Picknickplätze, Feuerstellen und eine Festwirtschaft mit musikalischer
Unterhaltung. Ein Fest also für Gaumen und
Gemüt. Zudem darf man einen Blick hinter die
Stalltüren werfen.
Das Angebot setzt die wunderschöne
Landschaft unserer Region auf eine sanfte
Art und Weise in Szene. Man kann die herrliche Landschaft mit ihren Wäldern und
Seen, verbunden mit einer Wanderung oder
Velotour, geniessen. Feine Produkte direkt
vom Hof machen den Ausflug zu einem kulinarischen Erlebnis. Weitere Informationen
zum Angebot gibt′s bei Tourist Service Regio
Frauenfeld am Bahnhof Frauenfeld oder unter
www.picknickundgenuss.ch
picknick & genuss: Ein kulinarisches Naturerlebnis.
NEUE ADRESSE: Im Westen der Stadt wird im April das neue «Hotel Frauenfeld» mit 142 Betten eröffnet. Derzeit laufen die
Abschlussarbeiten auf Hochtouren.
«Für Veranstaltungen in diesen Grössenordnungen verfügt
Frauenfeld über zu wenig Betten. Auch die der ganzen Regio
Frauenfeld sind dann jeweils
praktisch ausgebucht, sodass öfters auf umliegende Hotels ausgewichen werden muss.» Alle
Betriebe, die Mitglied beim Tourismusverein Regio Frauenfeld
sind, bieten heute zusammen
gegen 500 Betten an.
Weil erfreulicherweise Industrie und Gewerbe in Frauenfeld weiter wachsen, sei der
Markt für zusätzliche Betten
aber auch ungeachtet der Grossanlässe gegeben, sagt Spring,
gerade im Business- und Seminarbereich. Hier habe die Regio
Nachholbedarf.
Diese Meinung vertritt auch
Heinz Egli, Leiter Raumplanung
bei der Stadtverwaltung von
Frauenfeld. Er geht davon aus,
dass mit geplanten Bauvorhaben
die Nachfrage nach Hotelbetten
anhält.
Hotel im «Greuterhof»
Da kommt das im Januar
2015 eröffnete und auf Seminare
ausgerichtete «Boutique-Hotel
Greuterhof» in Islikon mit 76
zusätzlichen Betten gerade zur
rechten Zeit. Der Betrieb ist eine
willkommene Ergänzung zur
Hotellerie der Kartause Ittingen
in Warth (111 Betten). Und Geschäftsreisenden stehen neben
dem Hotel Domicil (92) im Osten der Stadt ab April zudem
im neuen «Hotel Frauenfeld» im
Westen insgesamt 142 Betten zur
Verfügung.
Gemeinsam mit den bestehenden Hotels ‒ Goldenes
Kreuz, Blumenstein und Rhyhof
in Frauenfeld – verfügt die Region insgesamt über rund 700 Betten. Darüber hinaus sind weitere
Hotels in Planung.
Freude beim Stadtammann
Diese Entwicklung begrüsst
Stadtammann Carlo Parolari,
im Vorstand der Regio Frauenfeld unter anderem zuständig
für Tourismus und Standortentwicklung. «Dass Unternehmer
in unsere Region mehrere Millionen Franken in Hotelbetriebe
investieren, zeigt deutlich das
Potenzial der Region und freut
uns. Zusätzliche Betten sind uns
angesichts der Zentrumsfunktion natürlich sehr willkommen.
Damit sind wir in der Lage, Gästen in verschiedenen Segmenten
und Preisklassen attraktive Angebote zu machen», freut sich
der Stadtammann. «Und das ist
ein Gewinn für alle.»
n
Genfer Jubiläumsbesuch in Frauenfeld
Der Kanton Genf feiert dieses
Jahr den 200. Geburtstag. Anstatt
die Welt nach Genf einzuladen,
besuchen die Genfer mit einem
«Tour-Bus» die Schweiz. Am
27. Mai macht er in Frauenfeld
Station.
AM. Genf ist die internationalste Stadt der Schweiz. Das rührt
nicht nur von ihrer Grenzlage
her ‒ Genf wird zu vier Fünfteln
von Frankreich umschlossen ‒,
sondern auch von der Funktion
der Stadt als Sitz wichtiger internationaler Organisationen, allen
Auf einen Blick
Der Tour-Bus steht am
27. Mai 2015 zwischen
10 und 19 Uhr auf dem
Marktplatz Frauenfeld
bei der Wasserinstallation
«Himmelstreppe».
Der offizielle Empfang der
Delegation aus Genf durch
die Vertreter des Kantons
Thurgau und der Stadt
Frauenfeld findet um
12 Uhr statt.
voran der UNO. Zugleich ist die
Calvinstadt eine globale Drehscheibe für den Rohstoffhandel
und internationale Finanzgeschäfte.
Genf besser verstehen
«An unserem 200-Jahr-Jubiläum wollen wir zeigen, dass
Genf die Schweiz liebt und stolz
darauf ist, ein Teil der Eidgenossenschaft zu sein», sagt Ivan Picet, Präsident der durchführenden «Fondation pour Genève».
Mit einem Tour-Bus und verschiedenen Installationen will
man die Beziehungen zur übrigen Schweiz stärken: «Unser Ziel
ist es, dass die Menschen unseren Kanton besser verstehen und
wahrnehmen, und dies vor allem
auch vor dem Hintergrund, dass
Genf für den nationalen Wohlstand und den internationalen
Auftritt der Schweiz eine wichtige Rolle spielt», so Picet.
Weltoffenheit bringt Nutzen
Die Weltoffenheit der Genfer
unterstreicht auch Regierungsrat
Pierre Maudet: «Sie bringt der
Schweiz einen hohen Nutzen»,
ist er überzeugt. Die Schweizer
Tournee biete nun die Gelegen-
genf besucht frauenfeld. Zum 200. Geburtstag wird der Stadtkanton Genf am 27.
Mai auf dem Marktplatz Frauenfeld mit einem «Tour-Bus» Station machen.
heit, die Beziehungen zur übrigen Schweiz zu festigen.
Am Rand der Ausstellung
findet auch ein Treffen zwischen
den Behörden des Kantons
Thurgau, der Stadt Frauenfeld
und der Delegation aus Genf
statt. «Schliesslich ist auch ein
Austauschprogramm zwischen
Genfer und Frauenfelder Schulen vorgesehen», erklärt Luzius
Wasescha, ehemaliger Botschafter der Schweiz und Mitglied der
«Fondation pour Genève».
Der Kanton Thurgau und die
Stadt Frauenfeld freuen sich auf
die Geburtstagsvisite der Genfer. «Wir leisten gerne unseren
Beitrag an eine bessere Verständigung zwischen unseren Städten», bekräftigt auch Stadtammann Carlo Parolari.
n
menschen in frauenfeld
8
Buenos Aires liefert Inspirationen
AA. Das Künstleratelier in Buenos Aires ist eines von drei
in der argentinischen Haupt-
Andreas Anderegg
igentlich wäre der sechsmonatige Atelier-Aufenthalt von Carole Isler
Ende Dezember beendet
gewesen, ein Unfall sorgte aber
für einen längeren Unterbruch.
Kurz nach der Aufnahme ihrer
künstlerischen Tätigkeit in Argentinien erlitt die Frauenfelderin am 22. Juli als Passagierin bei
einem Unfall in einem öffentlichen Bus erhebliche Verletzungen. Daraufhin wurde sie in die
Schweiz gebracht, von wo aus
sie nach ihrer Genesung wieder
nach Südamerika flog und die
Arbeit im Atelier fortsetzte. Dieses dauert nach dem Unterbruch
nun bis Ende März.
stadt, die von der Städtekonferenz Kultur (SKK) im
Form und Raum. Carole Isler lässt sich in Buenos Aires inspirieren.
Kunst und Design
Carole Isler hatte an der
Kunsthochschule Luzern ein
Bachelor-Studium in «Vermittlung von Kunst und Design mit
Vertiefung in Bildender Kunst»
erfolgreich abgeschlossen. Zuletzt absolvierte sie in New York
ein Praktikum beim «Museum
of Modern Art». In Buenos Aires
nun konzentriert sie sich auf Visualisierungen und Porträts. So
sucht sie Theater auf, fotografiert
die Räumlichkeiten und bringt
sie im Atelier mit Acryl auf die
Leinwand. Dabei interessiert
FÜR SIE DA
Kontakte:
Rathaus, Zentrale
Einwohnerdienste
Steueramt
Werkbetriebe
052 724 51 11
052 724 51 11
052 724 51 11
052 724 53 45
Öffnungszeiten Rathaus
Mo. - Mi.: 8.30 - 11.30
Do.:
8.30 - 11.30
Fr.: 8.30 - 11.30
13.30 - 17.00
13.30 - 18.00
13.30 - 16.00
IMPRESSUM
frauenfeld.ch
sie vorwiegend die Perspektive
von der Bühne in den Zuschauerraum. Neben dem «Teatro Colón», das zu den berühmtesten
Opernhäusern der Welt gehört,
faszinieren sie auch die kleineren Theater ‒ die unscheinbaren,
gar verlassenen oder das «El
Ateneo»: ein Theater, das nun
den Zweck eines Bücherladens
erfüllt.
Quartier als Ort der Inspiration
Daneben malt die Frauenfelderin Porträts von Menschen, mit
denen sie zu tun hat. Das Viertel
La Boca, in dem die Künstlerresidenz liegt, rufe geradezu
nach einer künstlerischen Auseinandersetzung. Den Touristen
sei das Viertel vor allem wegen
seinen bunten Häuser, dem «El
Caminito», dem Tango sowie
dem Fussballstadion bekannt.
La Boca sei aber viel mehr. «Es
ist Arbeiterviertel, Hafenquartier und anspruchsvolles Terrain,
das zuweilen an manchen Ecken
auch heruntergekommen ist»,
so Isler. Von den Einheimischen
werde man oft zur Vorsicht ermahnt, man soll sein Hab und
Gut hüten – entsprechend oft sei
von Entreiss-Diebstählen zu hören. Das Quartier biete aber sehr
viel Inspiration.
Carole Isler wird Anfang April nach Frauenfeld zurückkehren und im Gepäck ihre Arbeiten
mitbringen. Diese werden in absehbarer Zeit auch in der Stadtgalerie Baliere zu sehen sein. Auf
den Hauch von argentinischem
Feeling darf man sich schon heun
te freuen.
letzten Jahr eröffnet wurden
(daneben betreibt sie drei
Wohnateliers in Kairo und
zwei in Genua). Der Stadt
Frauenfeld stehen diese Ateliers als Mitglied der SKK
regelmässig zu Verfügung.
Der Aufenthalt der Kulturschaffenden in den Ateliers
wird von der Stadt Frauenfeld und der SKK jeweils mit
einem Stipendium unterstützt.
Für das nächste Künstleratelier in Genua hat die
städtische Kulturkommission Christian Wüthrich ausgewählt. Er wird sich in der
ligurischen Hafenstadt vom
2.September bis 29.November 2015 in seiner künstlerischen Tätigkeit mit antiken Skulpturen und deren
abstrahierten Darstellungstechniken in Acryl auseinandersetzen.
Das Künstleratelier in
Kairo steht einer/einem
Frauenfelder
Kunstschaffenden vom 2.August 2016
bis 30.Januar 2017 zur Verfügung. Die Ausschreibung
erfolgt Ende 2015.
n
Fabian ist es pudelwohl im Sägemehl
Am Eidgenössischen Schwingfest 2010 in Frauenfeld fing Fabio
Kaufmann Feuer: Vier Wochen
später war der damals Siebenjährige beim Schwingerverband
Unterthurgau eingeschrieben.
Heute gilt er als Nachwuchshoffnung.
A
Rolf Müller
m liebsten ginge Fabio
Einwohnerzeitung der
nicht nur zwei-, sondern
Armin Menzi, Michael
dreimal wöchentlich ins
Hauptstadt des Kantons
Anderegg, Rolf Müller
Training»,
sagt seine Mutter
Thurgau
Layout: consulenza
Brigitte
Kaufmann
lachend in
Ausgabe 56, Frühling 2015
Druck: Genius Media AG
der
Schwinghalle
des
Verbands
Auflage 15 000 Exemplare
neben
der
Turnfabrik
in
FrauenErscheint vierteljährlich
Redaktionsanschrift:
feld.
Fabio
nickt
eifrig
dazu:
«Es
Herausgeberin:
Stadt Frauenfeld
ist
einfach
lässig,
zusammen
mit
Stadt Frauenfeld
Einwohnerzeitung
den
Kollegen
so
richtig
Dampf
Verantwortlich:
8501 Frauenfeld
abzulassen», sagt der JungAndreas Anderegg
schwinger. Im Sägemehl ist er so
Redaktion:
E-Mail:
richtig in seinem Element, liebt
Andreas Anderegg (Leitung),
[email protected]
es, seine Kräfte mit anderen zu
Internet www.frauenfeld.ch messen. Ebenso wichtig wie der
Service-Plattform
www.stadtportal-frauenfeld.ch
Kampf ist die Fairness und Kameradschaft.
EINWOHNERZEITUNG DER HAUPTSTADT DES KANTONS THURGAU
Künstlerateliers
in drei Städten
«Fabio ist einer der motiviertesten und somit auch der
erfolgreichsten Jungschwinger
unseres Verbands», beschreibt
Trainingsleiter Ivo Schwager den
Frauenfelder. Die richtige Statur
für eine Schwingerkarriere hat
er bereits: Kräftig gebaut, breite
Schultern und mit beiden Füssen fest auf dem Boden. Seit fünf
Jahren hat er noch kein Training
ausgelassen, an die zwölf Ostschweizer Wettkämpfe, die an
Ostern beginnen und mit dem
Wega-Schwingen enden, fährt er
begeistert.
Start mit Fussball
Sport interessierte ihn schon
früh. Im Kindergarten und der
ersten Klasse spielte er Fussball
im FC, probierte dann Judo aus.
Das war alles gut, aber Fabio
wollte lieber etwas, das seine
Kräfte noch mehr fordert. Darum wurde die Mutter hellhörig,
als der Eidgenössische Schwingerverband nach dem Schwing-
fest 2010 Probetrainings anbot.
Das Schwingen und Fabio fanden sich sofort.
Um im Sägemehl erfolgreich
zu sein, braucht es mehr als Training und Talent – es braucht
Köpfchen. Fabio ist ein wacher,
gescheiter und höflicher Junge. Er hört aufmerksam zu und
überlegt gut, bevor er etwas sagt.
Diese Eigenschaften zeichnen
ihn auch im Wettkampf aus. Er
agiert eher defensiv, bietet zwar
dem Gegner Paroli, nutzt aber
geschickt auch Schwächen. Der
«Bärendruck» ist seine Spezialität. Dafür braucht es Kraft, und
die hat er … und zack liegt der
Gegner auf dem Rücken.
Schon heute freut sich der
Fünftklässler darauf, mit 16 Jahren von den Jungschwingern zu
den Aktiven wechseln zu dürfen. «Dann bekomme ich einen
Schlüssel zur Schwinghalle»,
sagt er und strahlt. Seit kurzem
macht Fabio auch bei der Frauenfelder Jugendfeuerwehr mit.
bild rolf müller
E
bild künstleratelier
Die Frauenfelder Kunstmalerin Carole Isler (24)
arbeitet derzeit in Buenos Aires, wo sie ihrer
Kreativität im Rahmen eines Künstlerateliers
freien Lauf lassen kann. Sie ist begeistert von
der unerhörten Vielfalt der Eindrücke.
Erfolg im Visier. Fabio Kaufmann
(rechts) im Wettkampf mit einem
Kollegen.
Bei allen Aktivitäten aber ist
klar: «Die Schule geht vor», sagt
die Mutter. «Gell, Fabio!» ‒ «Jaha», erwidert dieser lachend. n