Festivalzeitung PRINT3 - Badisches Staatstheater

RINT3
WANDELNDES HIRN
TAGEBUCH, PART 3: GOTTSEIDANK IST DER KÖRPER ANGEWACHSEN
Es ist Sommer? Egal! Das Universum kreist
nicht um die PREMIÈRES-Redaktion? Glaube
ich nicht!
Theater ist nicht die Welt? Ist eine Frage der
richtigen Einstellung! Das bin nicht ich, die da
Leonardo da Vinci: Vitruvianischer Mensch
Mein Privatleben habe ich vor der Blasenmembran abgelegt, werde es bei Abreise
wieder auflesen und hoffen, dass ich es dann
noch tragen kann. Dieser Mikrokosmos ist kein
Urlaubsparadies. Ich bin hier zum Arbeiten.
Ich habe hier kein zuhause, keine sozialen Verpflichtungen, es gibt nichts, das mich vom Produzieren abhalten würde. Meine Aufgabe ist,
die Festivalzeitung jeden Tag zu füllen, damit
sie sich wie ein lockeres Püree mit Knusperstückchen liest. Die Grundlage für das Gelingen
dieser Schriftspeise ist Verdrängung. Alles Ausblenden, was etwas bitter schmeckt.
Deswegen funktioniert das mit dem Tagebucheintrag gerade auch nur mäßig gut. Möchte ich
etwa wissen, ob die Bäckerin müde ist, weil sie
um drei Uhr Nachts aufgestanden ist, wenn ich
um zehn Uhr morgens Brötchen kaufe? Nein,
möchte ich nicht. Hauptsache die Brötchen
sind nicht trocken.
Interessiert es irgendjemanden, dass ich die
neuen Falten meiner Augenringe bereits fühlen
kann, eine Allergie gegen Buchstaben entwickle und Theater tief in meinem Herzen nur für
einen sehr kleinen Teil der Welt halte? Dass es
halb zwei Uhr nachts ist und mir immer noch
tausend Zeichen fehlen? Dass alles, was mir
zum heutigen Tag einfällt mit Schweiß verbunden ist? Schätzungsweise nicht. Hauptsache
der Text ist nicht zu trocken.
Wie man sieht, habe ich gute Gründe mein persönliches Morgens, Mittags, Abends aus dem
Spiel zu lassen. Abends und nachts schreibt
man, morgens müssen die Texte da sein und
jeden Mittag hält man die Früchte seiner Arbeit
auf acht DinA4-Seiten in der Hand. Dass dieser
Ablauf funktioniert, ist momentan die einzige
Baustelle. Alle anderen, auf denen man sich im
echten Leben bewegt, warten draußen.
© Pierre Planchenault
Wenn ich könnte, würde ich ihn in den Schrank
hängen, den Leib, und mich darüber freuen, dass
ich damit wenigstens das Problem der Nahrungsaufnahme aus der Welt geschafft hätte.
Nie wieder Filterkaffee, nie wieder Snacks als
Hauptnahrungsmittel, nie wieder mit Toilettengängen wichtige Zeit zum Schreiben verlieren.
Ob ich es nicht brauche, das hautige Zuhause
meiner Gedanken? Schauen wir uns Mal an,
was es tut, das Fleisch und Blut, das meinen
Namen trägt: Es schwitzt, es juckt, es hängt
abwärts meines Halses im Weg rum und rumort
im zentralen Nabelbereich. Alles unwichtig, denn
der Durchlauf der gerade zählt, findet nicht in
meinen Darmwindungen, sondern weiter oben
statt. Dort wo Input in ein verlockendes Output
für LeserInnen verarbeitet werden soll. Alles
andere muss gerade warten.
spricht? Klar, es ist mein Festival-Alter-Ego, mein
Denken in pink-blau, mein Dasein unter dem
PREMIÈRES-Hut, mein Lebensvolumen im
Format der Jutebeutel mit dem leuchtendem P!
Eine der faszinierendsten Eigenschaften von Festivals ist, dass sie Blasen erzeugen, die temporär
einen Mikrokosmos inklusive eigener Mikroorganismen in sich beherbergen. Dann zerplatzen sie
und es scheint, als hätte es diese Welt nie gegeben. Mit ihr zerplatzt auch die eigenartige Person,
zu der man in solchen Blasen werden kann.
© Wikimedia Commons/Luc Viatour (www.lucnix.be)
Ich möchte niemanden langweilen, die Gefahr
besteht aber schon. An dieser Stelle sollte eigentlich ein Schwank aus meinem Festivalleben
für Unterhaltung sorgen. Die Frequenz meiner
persönlichen Schwänke ist in den letzten Tagen
aber eher gering. Im Moment bin ich ein wandelndes Hirn in der Festivalblase. Wäre er nicht
angewachsen, würde ich meinen Körper im Hotelzimmer vergessen. Körperlos durch Festivaltage und -nächte. Das ist mein geheimer Traum.
4. – 7.6.15 KARLSRUHE
Judith Engel
TIMON/TITUS
FESTIVALPROGRAMM 6.6.
11.00 → 18.00
16.30 → 17.45
18.15 → 19.15
18.15 → 19.15
19.30 → 21.45
20.00 → 21.30
22.00 → 23.00
22.00 → 23.00
ab 22.30
SYMPOSIUM
DIE TROERINNEN
PARALLEL
A THING OF BEAUTY
TIMON / TITUS
IBSEN: GESPENSTER
POURQUOI EVE
A THING OF BEAUTY
PARTY
OUTER SPACE
MALSAAL
STUDIO
PROBEBÜHNE
KLEINES HAUS
HfG
INSEL
PROBEBÜHNE
OUTER SPACE
PARTIES
22h30
23h
1h
8
PRINT3
WARM-UP: DJ OOOHHH
EINER ZU VIEL
SMALL HOUSE SUCKS 1.7
+ SPECIAL GUEST ULI
mainly 50s & 60s
krach zu zweit
DJ KLAUS THE HOUSECAT
Detroit-Techno, 80% vinyl
10. FESTIVAL PREMIÈRES
Coversongs Independent 80’s
IMPRESSUM
PRINT: Kritischer Journalismus –
authentisch dokumentarisch performativ
HERAUSGEBER BADISCHES STAATSTHEATER
KARLSRUHE GENERALINTENDANT Peter Spuhler
SCHAUSPIELDIREKTOR Jan Linders REDAKTION
Camille Chanel, Judith Engel, Marie Gutbub,
Maxi Zahn LEITUNG Jürgen Berger (v.i.S.d.P.)
GESTALTUNG Danica Schlosser ASSISTENZ
Johannes Wiesel FOTOGRAF Alexandre Schlub
VERTRIEB Sarah Mall, Roya Hauck, Laura Maghetiu,
Stella Lehmann, Maria Moritz, Maren Pfeiffer, Maria
Varlamova, Angéline Deborde, Diana Matthess, Aline
Villeneuve, Geoffrey Becker, Gabriel Meier VORBEREITUNG Haivu Doan, Valerie Dörner, Eric
Nikodym, Catharina Waschke
facebook.com/FestivalPremieres
twitter.com/FestPremieres
SCHULDENSCHNITT
DAS KOLLEKTIV OS’O UND DER REGISSEUR DAVID CZESIENSKI WANDERN MIT „TIMON/TITUS“
DURCH VIELE FORMATE UND TEXTE
Brutal. Hier mal einer, da zwei. Sie liegen hingestreckt auf einem Teppich, Blut läuft über
die Schläfen und strömt aus der Stirn, ein abgehackter Kopf dreht sich auf einem Grammophon. Im Hintergrund hängt einer gekreuzigt
und irgendwo liegt jemand neben der geöffneten Hausapotheke. Nebel wabert, düstere
Musik schleicht durch den Raum. Das Licht
schimmert graublau. Hier, in diesem rustikalen
Wohnzimmer mit einer riesigen Hirsch-Trophäe,
hat der Tod gewütet. Hinten, in der Weite der
Bühne, finden sich ein paar Tische. Das ist das
erste Bild der Inszenierung von TIMON/TITUS,
erarbeitet vom deutschen Regisseur David
Czesienski mit dem französischen Kollektiv
OS’O. Ein unglaublich atmosphärischer Start.
Das Bild ist trotz seiner Grausamkeit wunderschön. Alle sind tot, ein Überlebender schleicht
zwischen den Leichen. Der Mörder? Treibende
Bässe setzen ein, er steht an der Rampe: Stille
und „Bonsoir, guten Abend“. Das Chaos hinter ihm lichtet sich, sechs Schauspielerinnen
und Schauspieler setzen sich an ihre Tische,
wischen das Blut ab. Der siebte, Tom Linton,
begrüßt charmant das Publikum, verändert auf
Knopfdruck die Stimmung, plaudert locker. Er
spricht über Schuld und schuldig sein, sagt, das
englische Wort „guilt“ komme vom deutschen
„Geld“. Derjenige, der Geld schuldet, sei auch
schuldig oder sollte sich zumindest schuldig
fühlen. Dass sie, die Schauspieler, den Zuschauern ein Theaterstück schuldig seien, weil
sie, die Zuschauer, ja schließlich dafür bezahlt
hätten. Und dass sie dem Publikum TIMON
VON ATHEN und TITUS ANDRONICUS schulden würden, schließlich verspreche der Titel
des Abends das. Aber wahrscheinlich könnten
sie die Schuld nicht befriedigend tilgen.
Der Text des Abends beruht zu großen Teilen auf dem Sachbuchbestseller „Schulden:
Die ersten 5000 Jahre“, in welchem der Anthropologe und Anarchist David Graeber die
geschichtliche Bedeutung von Schulden analysiert. Seine Hypothesen werden wie mit der
Kalschnikow verschossen, bald schon kann
man nicht mehr folgen. Und schon wieder gibt
es einen Bruch, ab und an verliert man den
Faden. Eine Familie trifft sich nach dem Tod
des patriarchalischen Vaters. Das Testament
soll eröffnet werden, eingeladen sind auch zwei
uneheliche Geschwister. Die Geschichte versucht vor allem in der Figur des Vaters Aspekte
aus TIMON VON ATHEN und TITUS ANDRONICUS zu vereinen. Das Ergebnis allerdings,
ist ein ermüdendes Kammerspiel, das in einer
voraussehbaren Tragödie endet.
Wegen der Erbschaft erdolchen, erwürgen und
vergiften sich sämtliche Familienmitglieder. Das
Blutbad wird in drei Variationen gezeigt. Dazwischen eingestreut: weitere Diskussionsrunden, die beweisen sollen, dass OS’O und David
Czesienski Graebers Buch wirklich verstanden
haben. Eine Antwort auf die Frage, warum die
Gruppe für diesen Texthaufen gleich zwei von
Shakespeares Stücken als Referenz bemüht,
gibt es nicht. Die Verweise auf Shakespeare
kommen nur in ausgewiesener Zitatform, durch
ihre ironische Annäherung an den Text, nehmen die Schauspieler dem Zuschauer die letzte
Möglichkeit, in dieser ganz eigenen Geschichte
anzukommen.
Am Ende nimmt das ganze noch einmal Fahrt
auf. Die Familientragödie wird zu einer Farce
mit schnellen Auftritten und noch schnelleren Abgängen, versteckten Leichen, Missverständnissen und befreiender Albernheit.
Plötzlich wird wieder so etwas wie ein Idee
erkennbar und die Schauspieler laufen zu
Hochform auf. Zum Schluss kommen sie noch
einmal an die Rampe und gestehen, dass sie
ihre Schuld gegenüber dem Publikum nicht
tilgen konnten, aber auch nicht wollten. Schuldenschnitt also.
Maxi Zahn
VERSION FRANÇAISE:
WWW.FESTIVALPREMIERES.EU
INTEAM – VOL. 3
MAXI Ja, ich glaube auch, dass es den perfekten Text nicht gibt, aber trotzdem hat man
ja vielleicht ein Ideal vor Augen, dem man
nachjagt.
langfristige Vermittlung im Laufe der Zeit, und
auch um Ethik.
JUDITH Ich würde gerne irgendwann Texte schreiben, die unterhaltsam klingen und
komplexe Querverbindungen zwischen verschiedenen Themen ziehen können, während
sich das Ganze liest als wäre es einfach ein
verdammt guter Witz. Am besten einer, über
den man noch länger nachdenken kann.
MARIE Irgendwie schon. Natürlich will ich, dass
mein Text so gut wie möglich wird. Ich weiß
aber, dass ich meistens unter Zeitdruck arbeite. Am wichtigsten ist dann, dass das, was ich
sagen will, den Menschen erreicht. Das kann
schon frustrierend sein, aber ich weiß, dass es
im Journalismus so ist und ich kann damit leben.
MARIE Maxi, ich weiß nicht, ob ich das als
Journalistin so sehe. Natürlich will ich, dass
mein Text gut wird. Aber schlussendlich ist er
morgen gedruckt, übermorgen verschwunden.
Im Journalismus geht es, glaube ich, mehr um
MAXI Was denkt ihr, Camille, Judith, dazu?
MAXI Also ist der Text für dich primär Medium?
CAMILLE Form und Inhalt gehen zusammen.
Beide müssen gut sein. Ich liebe es, Texte zu lesen,
aber bin mir nicht so sicher, ob ich selbst schöne
Texte schreiben könnte, und in welcher Sprache.
Deutsch klingt unendlich besser als Französisch.
Marie, Maxi, Camille und Judith
chatteten am 31. Mai 2015
© Alexandre Schlub
JUDITH Für mich waren Texte lange so was
wie Funparks für meine Gedanken, aber ich
würde inzwischen auch mehr von Maries Sei-
te her argumentieren. Letztendlich finde ich
es inzwischen nicht so tragisch, wenn es ein
bisschen holpert, wenn man was zu sagen hat.
Ich habe ein bisschen gebraucht, um zu verstehen, dass man schon auch eine Stimme und
eine Verantwortung hat, wenn man schreibt,
und das nicht nur ein ästhetischer Vorgang ist.
Manchmal, gebe ich aber ehrlich zu, will ich
einfach gerne mit Wörtern Unsinn produzieren.
WILLKOMMEN IM GRENZBEREICH
ANLÄSSLICH DES JUBILÄUMS VON PREMIÈRES GIBT ES ZUM ERSTEN MAL EIN BEGLEITENDES SYMPOSIUM.
„VOM MANN, DER IN DEN WELTRAUM FLOG“ LÄDT IN IRDISCHE SCHWELLENWELTEN EIN.
Wie schön das wäre. Es dem Symposiumstitel
gleich zu tun und aus der Hitzewüste Karlsruhe in die kühlen Weiten des Universums
zu entschwinden. Immerhin unterstützt die
futuristische Architektur des Foyers solche
Fluchtgedanken. Das Publikum, eine schwitzende Mischung aus Gießener, Karlsruher und
Ludwigsburger Hochschulstudenten, scheint
bereit zum Start in die Tiefen des spannenden Diskurses, der versprochen wurde. Aber
entgegen aller Raumfahrtassoziationen, bezieht sich der Titel der Veranstaltung auf die
irdische Ausstellung TEN CHARACTERS des
Künstlers Illya Kabakov, die 1988 in New York
gezeigt wurde. Sie bestand aus zwei russischen
Kommunalwohnungen. Die Einrichtung und
achtlos platzierte Gegenstände vermittelten
dem Publikum den Eindruck, die Bewohner
wären gerade nicht da, könnten aber theoretisch jederzeit zurückkehren.
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10. FESTIVAL PREMIÈRES
ALLE TEXTE AUCH AUF WWW.FESTIVALPREMIERES.EU
Spannend wird die Theorie, sobald der Aspekt
des Liminalen hinzukommt. Die liminale Phase
ist die Zeit und der Ort zwischen allen Zeiten
und Orten. Ein Schwellenbereich also, in dem
von Rimini Protokoll, MEAT von TBM und SPIEL
DES LEBENS von Prinzip Gonzo. In SITUATION
ROOMS durchquert man als Zuschauer mithilfe
eines iPads ein Labyrinth von Räumen und erschließt sich so eine multiperspektivische Sicht
auf das Thema Waffenhandel. Der abzulaufende
Weg wird vom iPad vorgegeben und führt in
unterschiedliche Zimmer. Jedes ist der autobiografischen Geschichte eines realen „Experten“
zugeteilt. Der Besucher hört dessen Geschichte
über einen Audioguide, folgt dessen Blicken über
das iPad und schlüpft in jedem neuen Raum in
die Gedankenwelt eines anderen Menschen:
in die eines Waffenschleppers, eines mexikanischen Waffenhändlers oder einer Kantinenchefin einer Waffenfabrik.
Oder auch nicht. In der Decke einer mit kommunistischen Propagandaplakaten tapezierten
Kammer, klaffte ein Loch. Die einzig logische
Erklärung schien zu sein, dass sie sich mittels
eines Katapults ins All geschossen hatten. Hier
beginnt die Geschichte, die von der etwas sperrigen Überschrift „Vom Mann, der in den Weltraum flog“ eingeleitet werden könnte. Sie wird
entlang der Symposiumsvorträge erzählt und
handelt von der Beziehung zwischen Subjekten
und Objekten. Und davon, ob es überhaupt je
einen Unterschied zwischen Beiden gab. War
es für die Betrachter der Wohnungsinstallation
überhaupt nötig Menschen in der Wohnung vorzufinden? Oder erzählte der Dialog zwischen
ihnen und den Gegenständen genug?
Will man die Geschichte verstehen, hält man
sich am besten an den Eröffnungsvortrag „Liminale Kollektive“ des Theaterwissenschaftlers Benjamin Wihstutz. „Die Objekte, nicht die
Betrachter, müssen im Mittelpunkt bleiben“,
forderte zur Zeit der Minimal Art der Kunstkritiker Michael Fried. Er ging davon aus, dass
ein Objekt nicht erst dann zum ästhetischen
Gegenstand wird, wenn der Betrachter den
Raum mit den Objekten betritt, sondern dass
die Objekte immer schon da sind, bevor man
sie erblickt. Trotzdem, so Fried, werde die
Situation des Objekts erst durch den subjektiven Blick des Betrachters zur ästhetischen
Erfahrung.
Kurz gefasst, was eigentlich nicht kurz gefasst
werden kann: Ein Kollektiv ist nicht länger ein
Zusammenschluss verschiedener Menschen,
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auch Dinge können Mitglieder menschlicher
Kollektive sein. Der Betrachter, das Kunstwerk
und auch der Lichtschalter an der Museumswand bilden ein Netzwerk, das wechselwirkend ästhetische Erfahrung bedingen kann.
Auch der Vortragende hält nicht alleine den
Vortrag. Die Situation des Vortrags entsteht
erst durch die Anwesenheit der Zuschauer,
der Stühle, auf denen sie sitzen, der Präsentationsbildschirme und des Laptop des
Vortragenden.
© Alexandre Schlub
Linton nimmt die Aussagen und Fragen des
Stücks vorweg. Kann man zum Beispiel moralische und finanzielle Schuld voneinander
trennen? Was ist, wenn moralische Schuld nie
ganz beglichen werden kann und sich die Frage stellt, ob das überhaupt sein muss. Schuld
und Schulden bilden schließlich eine wichtige
Grundlage für das soziale Gefüge, kommt es
doch aufgrund der Tatsache, dass Schuld
nicht immer eins zu eins beglichen werden
kann, zu ersatzweisem Tausch. Und dieser
Tausch hat gesellschaftliche Strukturen zur
Folge. Der Generationenvertrag etwa basiert
auf so einem Tausch. Es ist ein Anfang, der
voller Energie steckt, Erwartungen gekonnt
bricht und ständig zwischen Schaudern und
Komik changiert. Das Düstere weicht einer
Leichtigkeit, mit der die SchauspielerInnen
den Plot von Shakespeares TITUS im Schnelldurchlauf in’s Publikum schleudern. Dann diskutieren sie weiter über Schulden, knipsen
ihre Schreibtischleuchten an, sobald sie an
der Reihe sind. Ein furioses Blinken.
Begleitend zum Symposium gibt es
Installationen im Stadtraum
weder die Gesetze des einen noch des anderen Bereichs gelten. Einschlafen markiert so
einen Schwellenbereich zwischen Wachsein
und Traum. Ganz ähnlich der Moment, wenn
im Theater das Licht ausgeht und sich kurz ein
Zustand zwischen der Realität des Zuschauerraumes und dem fiktiven Geschehen auf der
Bühne einstellt. Die Realität ist abgedunkelt
und der fiktive Raum noch nicht erleuchtet.
Wo sind wir?
Wie solche Schwellenbereiche in Theaterarbeiten betont und ausgedehnt werden können,
verdeutlicht Benjamin Wihstutz exemplarisch
an drei neueren Arbeiten: SITUATION ROOMS
Statt Schauspielern findet man Objekte in
filmsetähnlichen Räumen. Die Grundlage der
Arbeit ist eine dokumentarische. Die Simultanität, mit der Geschichten in Räumen nebeneinander existieren, ist allerdings so fiktiv
wie die Möglichkeit der Zuschauer, zu diesen
Experten zu werden. Willkommen im Grenzbereich. Die anderen erwähnten Arbeiten folgen
einem ähnlichen Prinzip. Gedanklich tausche
ich den Besuch im All gegen ein Ticket zu einer
der drei Vorstellungen ein. Wenn schon Flucht,
dann in Schwellenwelten, die mindestestens
so erforschenswert sind wie der Weltraum.
Judith Engel
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10. FESTIVAL PREMIÈRES
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GRAAL THÉÂTRAL
DER FETISCH DES NEUEN
PROMENADE DANS L’INCONNU : CHAMPS D’APPEL CHERCHE DES RÉPONSES DANS L’EXPÉRIMENTATION
WIE DAS THEATER MIT DEM POTENTIAL JUNGER KÜNSTLERINNEN SPEKULIERT
Une recherche fragile parce que réfutable,
à renouveler ou même à abandonner : c’est
l’expérimentation qui compte, l’espoir de trouver
qu’elle contient en creux. Dans une sorte de
délire, un des comédiens tentera de créer sur
un tableau noir des liens entre divers éléments,
à l’aide de traits tirés à la craie.
CHAMPS D’APPEL
L’ACCORD SENSIBLE
Une recherche qui réside autant dans
l’expérimentation sur le plateau que dans
le travail fait en amont. CHAMPS D’APPEL
est une sorte de mise en abîme du travail de
création de la pièce, une expérimentation.
Pour créer, il faut comme l’écrivit Baudelaire,
« plonger [...] au fond de l’inconnu pour
trouver du nouveau ». Pour les membres de
la compagnie l’Accord Sensible, il s’agit de faire
appel à ses souvenirs, ses obsessions et ses
inspirations pour tenter, par une dramaturgie
commune, de définir le champ d’appel.
Car des champs d’appel, il y en a autant que
d’êtres humains. Il n’est pas pour autant
question d’additionner les réponses de tous
pour aboutir à une somme qui ferait office de
solution artificielle . Il s’agit plutôt de tenter
de trouver l’unité dans les échos, dans les
interactions entre les membres. La joie et
le chaos semblent être des réponses pour
chacun, ils seront des objets de jeu pour les
comédiens.
Le théâtre, promenade dans l’inconnu, fuite
momentanée vers un autre monde, moment
de joie, chaos scénique, possibilité de rêve,
peut-il faire office de champ d’appel pour le
spectateur ?
Camille Chanel
© Danica Schlosser
DES FÊTES INCROYABLES
Depuis 2007, Alexandre Schlub n’a pas
manqué une seule édition de PREMIÈRES.
Année après année, le photographe a
documenté le festival. À l’occasion de la
dixième édition, il propose une rétrospective
de ses meilleurs clichés. Entretien.
Bonjour Alexandre, cela fait maintenant
neuf ans que tu photographies le théâtre
pour PREMIÈRES. En quoi est-ce un
genre de photographie à part ?
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PRINT3
10. FESTIVAL PREMIÈRES
© Flickr, TedsBlog, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0
CHAMPS D’APPEL est un voyage mené dans
l’espace fini de la scène, mais infini par les possibilités
qu’elle offre. C’est une réflexion sur la vie et sur
la création théâtrale, matérialisée par des objets
rencontrés sur le parcours. Appui par excellence
du jeu du comédien, chaque objet est prétexte à
une question plus large, tremplin vers l’extérieur.
Un extérieur qui n’est pas un hors du monde, loin
de la vie et des responsabilités qui l’accompagnent,
ni une fuite vers un monde utopique. Cet extérieur
est une recherche de l’étranger, de l’inconnu voire
de l’impossible. Si elle n’aboutit à rien, elle aura au
moins eu le mérite d’avoir été entreprise : elle est
l’expression de notre liberté et devient la raison de
vivre des protagonistes.
© Jean-Pierre Estournet
Le champ d’appel est un ailleurs qui attire.
Fantasmé, il n’a pas forcément d’existence, ni de
réelle importance. Tel une quête du Graal, c’est
le chemin parcouru qui fait son intérêt. David et
Léo, sortes de Don Quichotte et Sancho Panza
des temps modernes, tentent l’expérience. Quel
est cet endroit fantasmé et quelle forme-a-t-il ?
La grande difficulté, c’est de saisir l’intention
du metteur en scène et de réussir à la reproduire sans être influencé par ce qui se passe
graphiquement. Il faut essayer de trouver ce
qui correspond au point de vue du metteur en
scène. Ça nécessiterait de voir la pièce en entier et de connaître un peu l’équipe. Ici, c’est un
peu différent, souvent je ne vois que des bouts
de répétitions, je dois faire le tri a posteriori.
À l’occasion des dix ans du festival, tu
exposes tes meilleurs clichés. Peux-tu
parler de celui que tu préfères ?
À droite, il y a un cliché d’une femme en
train de faire des vocalises avec la bouche
grande ouverte. Je l’ai fait à l’époque où je
photographiais en noir et blanc, c’est un négatif
que j’ai scanné. C’était une compagnie suisse,
je n’avais pas pu les suivre en répétition. Je les
ai donc photographiés un quart d’heure avant
leur entrée en scène, alors qu’ils se chauffaient,
faisaient des vocalises, se serraient dans les bras.
J’ai partagé un moment très intime avec eux.
Quel est ton meilleur souvenir du festival ?
Des fêtes, des stress, des soulagements, des
collaborations. C’est surtout se laisser prendre
par l’atmosphère du festival, à la fois dans le
boulot, dans l’émotion artistique d’une pièce,
dans le partage et puis dans les fêtes. Je
dois dire qu’il y a quand même eu des fêtes
incroyables.
Et le pire ?
Des petits problèmes techniques de photographe, rien de dramatique. Le pire, ce serait
que ça s’arrête. Ce serait ça le pire.
Propos recueillis par Marie Gutbub
ALLE TEXTE AUCH AUF WWW.FESTIVALPREMIERES.EU
Die Werbung verspricht uns fortwährend
neue Revolutionen. Das nächste große Ding
wird kommen und verändert alles bisher Dagewesene. Gerade Apple steht dafür. Jedes
neue IPhone ist wie aus einer anderen Galaxie.
Zwischen die neuen Modelle werden allerdings
aktualisierte Versionen des letzten Modells
geschoben und Apple preist auch diese Versionen als das „beste iPhone aller Zeiten“ an.
Es herrscht ein regelrechter Fetisch des Neuen, obwohl schon weitgehend alles erfunden
wurde und es keinen Platz mehr für die ganz
großen Sprünge gibt. „Revolution“ ist ein Wort
für marginale Verbesserungen geworden.
Der Fetisch des Neuen regiert nicht nur in
der Welt der Technik, sondern und auch die
Kunst. Dort zeigte sich das Phänomen der
ausbleibenden Revolution aber schon früher.
Seit den Avantgardebewegungen zu Beginn
des 20. Jahrhunderts hat die Malerei nichts
anderes gemacht, als offene Türen zu öffnen. Kasimir Sewerinowitch Malewitsch stellte
sein schwarzes Quadrat bereits 1915 vor. Bis
heute gelang der Kunst kein zweites Mal diese Reduktion. Aber auch jetzt gibt es noch
avantgardistische Strömungen, die Kunst neu
erfinden wollen.
Das Streben nach Neuem will vor allem eine
Revolution, die so radikal ist, dass alle Innovation ein Ende findet. „In der Kunst hielt sich
jede moderne Strömung von der abstrakten
Kunst bis zum Surrealismus für den letztmöglichen künstlerischen Gestus“, stellte der
Philosoph Boris Groys fest. Erstaunlich, dass
das Theater in diesem Umfeld ziemlich resistent gegenüber jeglicher Revolution war und
ist. Kennt es diesen Drang nach Innovation
etwa nicht? Oder begnügt es sich mit kleinen
Eruptionen neuer Formate und Strömungen?
Begriffe wie das Performative und Partizipation, wie Dokumentartheater und Installation
haben das Theater verändert. Diese Ideen
prallten aber lange an den Mauern des Theaters ab, bevor der Apparat sich die neuen
Strömungen einverleibte. Ist das Theater mit
seinen spezifischen Hierarchien, Strukturen
und Prozessen etwa zu langsam, um Schritt
zu halten? Und wandert auch deswegen ein
Teil der jungen darstellenden Kunst ab?
Ganz entziehen kann sich das Theater der
Logik des immer Neuen aber nicht völlig. Will
es dann einmal wieder nachhaltig innovativ
sein, huldigt es aber nicht dem Fetisch des
Neuen, sondern dem Jugendwahn. Es gibt
Festivals für junge RegisseurInnen, junge
DramatikerInnen, junge DramaturgInnen und
junge KritikerInnen. Dort erwartet man aber
nicht unbedingt Neues, es geht eher darum,
linientreuen Nachwuchs zu generieren. Mit
Luft nach oben. Man castet die Jungen in
eigene Festivals. Sie sollen sich erst einmal
ausprobieren.
Diese „Luft nach oben“, das Potential der
KünstlerInnen, steht im Zentrum. Künstlerisches Potential ist ein Spekulationsobjekt,
eine Erwartung, eine Hoffnung. In der japanischen Automobilindustrie hat sich nach dem
zweiten Weltkrieg ein Wort dafür etabliert:
„Kaizen“, die Veränderung zum Besseren.
Kaizen beschreibt einen Produktionsprozess, der nicht mehr ergebnis- sondern
prozessorientiert ist. Es ist eine Veränderung zum Besseren, nicht zum Guten. Alfons
Schubecks Spruch, „Es gibt nix besser’s als
was Guads!“, hat ausgedient. Die Qualität
eines Produkts soll sich in kleinen Schritten relativ verbessern. Wie hoch sie absolut
ist, spielt eine untergeordnete Rolle. Sonst
könnte man ja irgendwann aufhören. Das
spiegelt sich auch in der Wichtigkeit von
Wachstumsprognosen wider.
Der Jugendwahn, wie er sich am Theater in
all den Nachwuchsformaten zeigt, soll genau
diese Veränderung zum Besseren bewirken.
Präsentiert werden KünstlerInnen, aus denen
vielleicht was werden könnte, mit Formaten,
die vielleicht Erfolg haben könnten. Dazwischen testet man Neuerungen, die kompatibel
zum Spielplan erscheinen. Natürlich steht das
Theater nicht allein für diese Entwicklung. Und
natürlich zielt die Kritik am Jugendwahn nicht
darauf ab, Nachwuchsfestivals abzuschaffen.
„Jung und vielversprechend“ sollte aber nicht
ein Prädikat sein, auf dem sich das Theater
ausruht. Es sollte Mut zur echten Revolution
haben und gleichzeitig davon ausgehen, dass
jede Revolution auch schon wieder von der
nächsten eingeholt wird.
Maxi Zahn
PRINT3
10. FESTIVAL PREMIÈRES
3
DÉCONSTUIRE LE GENRE : PARALLEL INVITE LE SPECTATEUR À REMETTRE EN QUESTION SON IMAGE
DE LA FEMME.
POURQUOI EVE VIENT-ELLE CHEZ ADAM CE SOIR ? :
UN SPECTACLE AUX LIMITES DU RÉEL
Sois belle et tais-toi. Ou plutôt : sois belle,
charmante, élégante, patiente, polie, distinguée,
soignée, mince, blonde, bronzée, bonne
cuisinière, bonne ménagère, bonne mère, et
tais-toi. La liste n’est bien sûr pas exhaustive
: voilà ce que, trop souvent encore, la société
attend d’une femme. Sois inutile et tais-toi. Un
cliché? Oui. Mais d’une espèce toute particulière.
Alors que le cliché est en général ce que l’on
tente d’éviter d’être à tout prix, sous peine d’être
ridicule, le cliché féminin, loin d’être moqué,
est désiré et mis sur un piédestal. En témoigne
l’image de la femme qui, malheureusement, reste
encore et toujours véhiculée par la plupart des
produits culturels diffusés à grande échelle.
« Voulez-vous du café ? », demande Adam
Krassovki. Derrière les vitres de son salon,
il joue avec sa tasse de café, courbé sur
les objets qui jonchent son bureau. La
frontière entre la scène et la salle est rendue
matérielle par une vitre sans tain dans
laquelle le spectateur pourra s’observer à
plusieurs reprises. Quant aux autres murs
de sa maison, ils sont couverts d’articles de
journaux découpés, de photos de Kennedy,
Staline et Lénine, d’affiches de films et
d’échantillons de vie conservés dans des
sachets plastiques : une collection de
souvenirs, un concentré de mémoire.
n’est pas pour elle, par lesquels on lui assigne
clairement le rôle qu’elle a à remplir. S’ensuit,
au plus tard à l’adolescence, une farandole de
chansons, films, vidéoclips, séries, publicités,
magazines pour adolescentes, dont tous ou
presque s’appliquent à véhiculer l’image d’une
femme correspondant, plus ou moins, à la
poupée Barbie de leur enfance.
Le problème n’est pas nouveau. Il est toutefois
bon de rappeler son existence, car la situation
ne s’améliore pas. Depuis bien trop longtemps,
il est temps pour un changement en profondeur
de l’image de la femme dans la société. Le
monde culturel, producteur d’icônes féminines
en masse, se doit d’être un modèle dans ce
domaine. Partant de cette problématique,
les actrices Lucia M˘
arneanu et kata bodokihalmen, qui ont écrit le texte de PARALLEL
elles-mêmes, proposent au public une réflexion
très personnelle sur le sujet. N’ayant peur
ni des confidences, ni des mots crus, elles
offrent l’image de femmes vraies : remettant
en question la relation binaire homme/femme,
autant sur le plan intellectuel que physique,
elles admettent cependant être elles-mêmes
conditionnées par la société, pour mieux
s’en libérer. Et ainsi aider à déconstruire les
stéréotypes.
Marie Gutbub
PROXIMITÉ FORCÉE
AVEC A THING OF BEAUTY, ØYSTEIN JOHANSEN PROPOSE UNE RENCONTRE INTIME ET
DÉRANGEANTE AVEC UN PERSONNAGE ET SES FANTASMES
Ça commence par le silence. Deux rangées de
chaises se font face. Au milieu, un jeune homme,
un peu hésitant, qui ne semble pas savoir
comment commencer. Il finit par lâcher un mot :
« bienvenue ». Puis se tait à nouveau, et attend
juste assez pour que le silence se fasse étrange,
lourd et pesant. Il montre au public sa maison, celle
dans laquelle il a grandi. L’allée construite par son
père, l’entrée, le salon, le tapis rouge qui cache un
trou dans le parquet, et le cadre avec un oiseau
tropical : un portrait d’une enfance presque normale.
Peu à peu, le jeune homme ponctue son
histoire d’éléments gênants. Avec bien trop
de détails, il raconte la trouvaille et l’examen de
corps d’animaux morts ou encore ses accès de
violence. Il parle d’une présence dans la pièce
voisine, d’une personne qui serait endormie, et
sourit à l’évocation de son frigidaire dont les
bruits le font, dit-il, se sentir moins seul.
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10. FESTIVAL PREMIÈRES
Et toujours, entre deux phrases, ce silence à
couper au couteau. Un silence ponctué de
regards, que l’acteur, proche au point que cela
en devient inconfortable, adresse droit dans les
yeux des spectateurs quand il ne les interpelle
pas directement, par exemple pour leur proposer
de se faire photographier. Il se saisit alors d’un
appareil Polaroid, fait un cliché et l’enferme dans
une boîte sans même le montrer au sujet dont il
vient de faire le portrait. « Êtes-vous perturbé?
», demande-t-il. La tension dans la salle est
palpable, et le public, mal à l’aise.
Ce jeune homme, c’est Jeffrey Dahmer.
Surnommé « le Cannibale de Milwaukee », il
a tué dix-sept jeunes hommes dans les années
1980, pérpétrant sur ses victimes des viols,
démembrements et des actes de nécrophilie
et de cannibalisme. Passionné par les cadavres,
il éprouva dès son enfance une fascination pour
Tom Leary, l’inventeur du LSD, enregistra
sa vie sur des bandes magnétiques pour
la retrouver dans son garage le jour où il se
réveillerait de la mort. Adam Krassovki (Sylvain
Daï), qui pour sa part oublie tout, extériorise
sa mémoire « pour ne pas être oublié, pour,
assuré de ne pas mourir, [pouvoir] enfin [se]
reposer ». Tout comme les mouvements du
protagoniste, la lumière, élégante et soignée,
transforme cette œuvre scénographique en
un théâtre d’images oniriques.
Le spectateur est plongé dans le cerveau
d’Adam, qui vit hors du temps. Coupé de la
vie par son obsession pour l’introspection,
ses pensées sortent des hauts-parleurs.
Eva (Anja Tillberg) apparaît et disparaît
entre deux clignements d’œil. Ensemble à
chaque fois comme pour la première fois, les
deux personnages se retrouvent éveillés ou
comme dans un rêve. Ils rejouent alors des
scènes du SEPTIÈME SCEAU de Bergman,
ou pépite du spectacle, se mettent à danser
sur la musique d’un film bollywoodien.
Si la pièce joue sur la frontière entre le rêve
et la réalité, les sens du spectateur sont bien
en éveil, mis à l’épreuve. Il est invité à fouiller
dans sa mémoire pour tenter de retrouver les
nombreuses références cinématographiques
dont la pièce est truffée. Richard Linklater,
Jim Jarmusch ou encore David Lynch : tout
y passe.
Plus qu’un simple plaisir pour les sens,
POURQUOI EVE met en exergue les
lieux communs et les automatismes de la
langue quotidienne, des phrases comme
« vous avez du sel ? », vidées de leur
sens, devenues instinctives à force d’être
répétées. La pièce critique également une
introspection psychologique polluante et
vaine qui empêche de vivre et coupe du
monde. Eve, dans ses apparitions, symbolise
cette vie possible à côté de laquelle Adam
est passé. À vouloir vivre dans son musée de
souvenirs, à chasser ainsi l’immortalité, il met
en scène l’inutilité de sa vie fictive. La réalité
n’est pas de son côté du miroir.
Camille Chanel
la mort, jouant avec des cadavres d’animaux
trouvés dans la forêt proche. C’est sur cet
aspect de sa personnalité et non sur les
meurtres eux-mêmes que se concentre Øystein
Johansen dans A THING OF BEAUTY.
Et c’est là la force de sa performance : il réussit,
par son jeu d’acteur, à presque faire oublier que
son personnage est un meutrier. Si le jeune
homme auquel on fait face perturbe, ce n’est
pas par sa violence, pas à cause des effusions
de sang que l’on associe en général aux tueurs
en série. Ce qui met mal à l’aise, c’est de se voir
imposer une proximité subite, forcée, inhabituelle
et extrême avec l’intimité d’un inconnu et ses
fantasmes. On aimerait partir en courant, mais
on reste, tétanisé et fasciné par l’étrangeté du
personnage. Une intimité qui dérange.
Marie Gutbub
ALLE TEXTE AUCH AUF WWW.FESTIVALPREMIERES.EU
VORGESTELLT
HAIVU, STAGIAIRE DE LA
PRODUCTION
PREMIÈRES n’ouvre pas seulement des
portes aux jeunes metteurs en scène : il y
a deux ans, Haivu était bénévole pour le
festival. Motivé, il a su s’intégrer à l’équipe
et a séduit par son investissement. Depuis
presque un an maintenant et à seulement
19 ans, il fait un stage pratique au bureau
de production du STAATSTHEATER
KARLSRUHE pour valider son baccalauréat.
Une fois qu’il est lancé, on ne peut plus
l’arrêter. En deux ans, il a effectué un stage
à la mise en scène pour une pièce de Timo
Krstin, qu’il a justement rencontré pour la
première fois à PREMIÈRES, ainsi qu’un
stage dans le domaine de la pédagogie du
théâtre. Avant, du théâtre, il n’en avait fait
qu’à l’école. À présent, quand on lui demande
ce qu’il aimerait faire dans un avenir proche, il
hésite entre faire des études, une formation,
ou commencer à travailler. Tant que c’est en
rapport avec le théâtre, cela lui convient.
DEUTSCHE VERSION:
WWW.FESTIVALPREMIERES.EU
© Alexandre Schlub
Atteindre la féminité parfaite telle qu’elle est
dictée par la société est un but en soi pour
celle qui n’a pas déjà atteint cette prétendue
perfection. C’est une condition de base pour
réussir sa vie en tant que femme, la base pour
rencontrer un homme, construire un couple
et avoir des enfants – du moins selon les
magazines féminins. Dès son plus jeune âge,
la petite fille est conditionnée : par le doudou
rose qu’elle reçoit à sa naissance, puis par
sa première poupée Barbie, puis par encore
plus de jouets roses par lesquels on lui fait
comprendre que ce qui est pour les garçons
PARALLEL
GROUNDFLOOR GROUP, COLEKTIVA, CLUJ
© Alexandre Schlub
CAFÉ EN SACHETS
© Roland Vaczi
LA POUPÉE BARBIE
Les représentations de théâtre, de ballet et
d’opéra, pour lesquels il a un appétit insatiable,
il a dû les mettre de côté depuis qu’il s’est
lancé dans les préparatifs du festival. Il
n’aura pas l’occasion de voir les dix pièces au
programme, mais l’expérience des coulisses
et des longues journées de travail est pour
lui tout aussi enrichissante. Si on le cherche
pendant le festival, on le trouvera soit dans
son bureau en face du théâtre, soit auprès
des équipes artistiques des pièces invitées,
soit avec ses nombreux bénévoles pour la
plupart plus âgés que lui.
A partir du septembre, Haivu fera une petite
infidélité au théâtre. Il a postulé pour un stage
d’assistant de projet à l’institut Goethe au
Viêt Nam. Ayant reçu une réponse positive, il
n’a pas réfléchi une minute avant d’accepter
l’offre et de se préparer à s’envoler.
POURQUOI EVE VIENT-ELLE CHEZ ADAM CE SOIR ?
SHANTI SHANTI ASBL, L’L, THÉÂTRE DE LIÈGE, ACTORAL, MARSEILLE
Camille Chanel
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