Schwerpunkt Museum

école bernoise
04∙15
Schwerpunkt Museum
Freche Fragen, Fossilien und Fauna
LEBE-Anlass
Elternmitwirkung
Frauen im Schein­
werferlicht
Wie gelingt die Zusam­
menarbeit?
Bildungslandschaften
Was steckt dahinter?
AZB 3001 Bern
berner schule
Ausgabe vom 9. April 2015
Impressum
berner schule
(vormals «Berner Schulblatt»)
148. Jahrgang/148e année
ISSN 1661-2582
Erscheint monatlich
Auflage / Tirage: 10 120 (WEMF/SW-beglaubigt 12-13)
Herausgeber/Editeur
Lehrerinnen und Lehrer Bern LEBE
Enseignantes et enseignants Berne LEBE
Adresse
berner schule
Lehrerinnen und Lehrer Bern LEBE
Monbijoustrasse 36
Postfach 7163
3001 Bern
Fax 031 326 47 48
E-Mail: [email protected]
www.lebe.ch
Redaktion
Beat Wirz (BW)
Tel. 031 326 47 57
AKTUELL
PÄDAGOGIK
Sich selbstbewusst
ins Schein­werferlicht stellen
«Das Zauberwort heisst
professionelle Argumentation»
9
Korrektorat
Renate Kinzl
Anzeigenmarketing
Stämpfli AG
Wölflistrasse 1, Postfach 8326
3001 Bern
Tel. 031 767 83 30
[email protected]
Druck
DZB Druckzentrum Bern AG
2 — BS 2015 AUSGABE 04
Abonnemente/Abonnements
Nichtmitglieder/Non-membres:
Fr. 65.– / Jahr plus MWSt.
Aufgrund einer Leistungsvereinbarung
mit der Vereinigung der Studierenden
der PHBern (VdS) wird die Zeitschrift auch
rund 1500 Studierenden zugeschickt.
Bestellungen und Adressänderungen
LEBE-Geschäftsstelle
Tel. 031 326 47 51
Nächste Ausgabe: 14. Mai
Prochaine édition: 14 mai
Redaktionsschluss: 1. Mai, 7.00 Uhr
Délai rédactionnel: 1er mai, 7.00 h
11
PÄDAGOGIK
GEWERKSCHAFT
Ausverkaufte
Ränge am LEBE-Kinoabend
Entlastungsmassnahmen einleiten
und berufliche Präferenzen stärken
12
15
NEWS VON DER GESCHÄFTSSTELLE
LEBE-BERATUNG / CONSEIL DE LEBE
Gemeinsame Zukunft
von LEBE und SEJB?
Wie gelingt gute Zusammen­
arbeit mit den Eltern?
17
18–21
IN EIGENER SACHE
SCHWERPUNKT MUSEUM
Mit Kunst auf Augenhöhe
—
Die heimliche Liebelei zwischen
Paläon­tologie und harter Rockmusik
Layout / Gestaltung
Fabian Kramer
Tel. 031 326 47 58
Traduction
Pierre Alain Chopard
Rolf Lüthi Übersetzungen AG
Transit TXT AG
8
23–25
26
SCHWERPUNKT MUSEUM
FOKUS
Natur zum Anfassen am
Tat-Ort Museum
—
Komm mit auf Schloss(zeit)reise
Private Stiftung beackert die
städtischen Bildungslandschaften
28
32
FOKUS
FINANZRATGEBER
«2 langues – 1 Ziel» ergänzt
Schulunterricht
Kapital oder Rente?
33
39
GUIDE FINANCIER
DAS LETZTE WORT
Capital ou rente?
Auferstehung
Titelbild: SchülerInnen bringen anderen SchülerInnen in der Kunsthalle Bern
die Welt der Kunst näher.
Von Beat Wirz
Les effets de la participation
S
ie alle können wohl ein Lied von fordern­
den Eltern singen, deren Äpfel, die nicht
weit vom Stamm gefallen sind, Sie unterrich­
ten. Auch ich habe einen Vater in lebhafter
Erinnerung, den ich regelmässig am Telefon
und auch im Schulzimmer begrüssen durfte.
Der Grund: Ein Schüler, südländisches
Temperament, handfesten Argumenten eher
zugetan als Diskussionen, drangsalierte
regelmässig seinen Sohn, stets grundlos,
wie mir der Vater weiszumachen versuch­
te. Dieser Sohn war nicht sehr beliebt und
jederzeit bereit, andere etwas zu provozieren.
Der Vater wurde nicht müde zu predigen,
die ganze Klasse leide unter diesem einen
anderen Mitschüler, er akzeptiere das nicht
mehr und verlange, dass man nun endlich
den Hebel ansetze und handle, konkret:
den Mitschüler von der Schule schmeisse.
Ich hatte dem Vater dokumentieren
können, dass sein Sohn, bevor zum Beispiel
sein Auge sich unter Fremdeinwirkung blau
einfärbte, an die Adresse des Mitschülers je­
weils eine Salve zweifelhafter Sprüche dessen
Herkunft oder Übergewicht betreffend ab­
feuerte, und dass es bezüglich Rausschmiss
des Mitschülers nicht nur keine Stelle gebe,
an der man einfach rasch den Hebel ansetzen
könne, sondern nicht einmal einen Hebel,
wie er ihn sich vorstelle. Trotzdem drohte er
irgendwann damit, die Schulbehörde anzu­
zeigen. Dass ich die Drohung als interessante
Option lobte und sie damit zum Vorschlag
degradierte, irritierte ihn – und in diesem
Moment der Irritation hörte er mir plötzlich
zu. Er hörte, dass ich seinen Ärger verstand
und dass ich selbstverständlich alles mir
Mögliche unternahm zum Schutze und Woh­
le seines Sohnes. Dass wir über ein Problem
redeten, welches sich nicht institutionell aus
der Welt schaffen liess, sondern nur gemein­
sam, mit viel Arbeit an der Situation an sich.
Wir beleuchten in dieser «berner schu­
le» das Thema Elternmitwirkung – unter
anderem im Interview, welches Reto Wiss­
mann mit Schulinspektor Patrik Sager
geführt hat. Der oben erwähnte Vater zeigte
die Schulbehörde übrigens nicht an und
bedankte sich Ende des Schuljahrs mit einer
Flasche Wein für die gute Zusammenarbeit.
D
es parents qui exigent, vous connais­
sez tous la chanson : des géniteurs
dont on peut dire que la pomme n’est pas
tombée loin de l’arbre. Moi aussi je me
souviens d’un père comme si c’était hier, je
l’avais souvent au téléphone, et aussi dans
ma salle de classe. La raison : un élève, de
tempérament méridional, plus amateur
d’arguments violents que de discussions,
harcelait sans arrêt son fils, toujours sans
motif, comme le père tentait de me le faire
croire. Le fils en question n’était pas très
Beat Wirz ist Redaktor
populaire dans la classe et toujours prêt à
provoquer ses camarades. Le père ne cessait der «berner schule».
de seriner que la classe entière souffrait de
cet unique élève, qu’il n’acceptait plus cette
situation et exigeait que l’on prenne enfin
le problème en mains où le bât blessait, en
clair : que l’on expulse l’élève de l’école.
J’avais pu expliquer au père qu’avant de
se retrouver, tel jour, avec un œil coloré de
bleu, son fils avait abreuvé son camarade d’un
chapelet d’injures douteuses s’en prenant
à son origine ou à son embonpoint, et qu’à
propos du renvoi de cet élève, non seulement
on ne savait pas où le bât blessait, mais qu’il
n’y avait pas de bât du tout, … pas moyen
d’agir comme il se l’imaginait. Malgré cela, il
a menacé une fois de saisir l’autorité scolaire.
Il a été déconcerté quand j’ai loué son option
de la menace et l’ai prise comme une propo­
sition intéressante, et dans ce moment de
surprise, il s’est mis subitement à m’écouter.
Il a entendu que je comprenais sa colère et
que bien sûr je faisais tout mon possible pour
la protection et le bien-être de son fils ; et que
nous parlions d’un problème insoluble par la
voie institutionnelle, mais à résoudre concrè­
tement ensemble, en y mettant du sien.
Dans ce numéro de l’école bernoise, nous
éclairons le thème de la participation des
parents – en particulier dans l’interview
de l’inspecteur scolaire Patrik Sager mené
par Reto Wissmann. Quant au papa dont
j’ai parlé, il n’a pas porté plainte auprès de
la commission, mais m’a offert une bou­
teille de vin au terme de l’année scolaire en
remerciement de la bonne collaboration.
3 — BS 2015 AUSGABE 04
5
Eltern mit Wirkung
SANDROS CARTOON
AKTUELL
SICH SELBSTBEWUSST
INS SCHEIN­W ERFERLICHT STELLEN
Text Franziska Egli, Bilder Carmelo Agovino
Um das Ende vorwegzunehmen: «Mir unvergessen ist
Am Schluss des Anlasses wa­
eine charmante Beren die papierenen Tischdecken
vollgekritzelt mit Ideen und gegnung mit Bertrand
Anregungen, die Gesichter der Piccard: Für die Expo02
Teilnehmerinnen über die Gast­
sollte ich den Abenteugeberinnen bis zu den Organi­
satorinnen strahlten, und beim rer interviewen und
finalen Apero wurde rege weiter­ wurde mehrfach abdiskutiert. «Mehr davon!», war
gewimmelt. Ich blieb
auf dem Flipchart zu lesen, der
als Kommentarfunktion diente, beharrlich und fragte
«Bitte ein Tagesseminar!».
immer wieder an, bis er
Nun, es war die erste Veranstal­
bereit war, mich – notatung dieser Art, die die Gleich­
stellungskommission von LEBE bene als einzige Jourorganisierte: Unter dem Motto nalistin – zu treffen. Er
«Frauen im Scheinwerferlicht»
erzählte mir dann, dass
bot sie Frauen die Gelegenheit,
sich mit Frauen aus Politik, Kul­ ihm meine Hartnäckigtur, Bildung und Medienwelt keit imponiert habe. Er
auszutauschen. Denn «so vielen
habe drei Töchter, und
Frauen fällt es nach wie vor nicht
leicht, herausfordernde Positi­ wenn er ihnen etwas im
onen im Beruf oder in der Öf­ Leben wünsche, dann
fentlichkeit wahrzunehmen und
sei es dies.»
sich selbstbewusst ins Schein­
werferlicht zu stellen», betonte Verena Zürcher, Verlegerin,
LEBE-Geschäftsführerin Regula Journalistin, Langnau
A. Bircher, die den Anlass zu­
sammen mit Magdalena Bösiger
und Regula Blatter von der LEBE-­
Gleichstellungskommission auf
die Beine gestellt hatte. Und so
fanden sich an diesem frühen
Freitagabend rund 30 Frauen –
Lehrerinnen und Pädagogin­
nen jeder Altersklasse und aus
Stadt und Agglomeration – in
der «Schmiedstube» in Bern ein,
um den Geschichten und Erfah­
rungen der Theaterpädagogin
Renate Adam, der Grossrätin der
Grünen und Fraktionspräsiden­
tin Bettina Keller, der National­
Verena Zürcher
4 — BS 2015 AUSGABE 04
GLEICHSTELLUNGSKOMMISSION «Frauen im Scheinwerferlicht» lautete das Motto
der Veranstaltung vom 6. März der Gleichstellungskommission von LEBE. Ziel: Frauen
­inspirieren, herausfordernde Positionen in Beruf und Öffentlichkeit zu übernehmen.
Rund 30 Teilnehmerinnen haben sich angeregt und interessiert mit Frauen aus Wirt­
schaft, Kultur und Politik ausgetauscht und von deren Erfahrungen profitiert.
AKTUELL
Renate Adam, Theaterpädagogin,
Hinterkappelen
vor ein Publikum, bringen als
Erstes den immer gleichen Witz
und halten dann unvorbereitet
eine Rede. «Und es funktioniert»,
rief sie, «der Witz fungiert als
Türöffner und bietet dem Redner
gleichzeitig eine Konstante. Wir
sollten uns das auch aneignen.»
Im Laufe der Zeit waren die Pa­
piertischtücher
vollgekritzelt
mit Notizen und Bemerkungen.
«Solidarität?» stand da, «Ehrgeiz
= Erziehung?» oder «Netzwerke
nutzen!!». Am Tisch von Vere­
na Zürcher, die selber auf eine
«mässige bis saumässige» Schul­
karriere zurückblickt und heute
erfolgreich als Verlegerin tätig
ist, war unter anderem der Le­
bensweg ein grosses Thema: Wie
viel ist Zufall, wie viel lässt sich
überhaupt planen? In Franziska
Schwabs Runde unterhielt man
sich über das heutige Rollenver­
Franziska Schwab, Leiterin Pädagogik
LEBE, Sekundarlehrerin, Zollbrück
ständnis – ist es modern oder im
Grunde genommen nach wie vor
traditionell? Und rund um Betti­
na Keller diskutierte man lange
über die Wichtigkeit von berufs­
tätigen Müttern.
Nach Workshops präsentierten
alle Gastgeberinnen ihr Fazit:
Verena Zürcher ein Yin-YangSymbol, das für «unseren An­
trieb steht, das Scheinwerferlicht
aufzusuchen, wie auch für die
Gründe, die uns immer wieder
daran hindern». Die Theaterpä­
dagogin Renate Adam und ihre
Gruppe schrieben sich «Spiel:
Try and error» auf die Fahne,
ergänzt mit einem Smiley. «Wir
überlegen uns meist viel zu viel,
statt dass wir – analog den Män­
nern – mit einem Lächeln auf
den Lippen einfach ins Haifisch­
becken springen und überzeugt
sind: Das kann ich!», so Adam.
Und Regula Rytz doppelte mit
einer Empfehlung nach: Üben,
üben, üben, lautete ihr Credo,
sich einbringen, einmischen, en­
gagieren, netzwerken. Das gelte
nicht nur für die Politik, betont
sie, sondern auch zu Hause, an
der Schule, im Verein. «Denn der
Scheinwerfer», so die Nationalrä­
tin, «der ist überall».
«Als Musikerin war mir das
Scheinwerferlicht nicht
unbekannt. Als ich aber
vor neun Jahren, 2006, in
den Grossen Rat gewählt
wurde, war ich völlig perplex. Heute bin ich überzeugt: Es braucht nicht
nur mehr Frauen, sondern
auch mehr ‹normale› Frauen, also auch Frauen, die
nicht politisiert sind.»
Bettina Keller, Grossrätin Grüne,
Fraktionspräsidentin, Musikerin, Bern
7 — BS 2015 AUSGABE 04
Regula Rytz
Regula Rytz,
Nationalrätin, Bern
rätin Regula Rytz, der Leiterin
Pädagogik von LEBE Franziska
Schwab sowie der Verlegerin und
Journalistin Verena Zürcher zu
lauschen, sich mit ihnen auszu­
tauschen, sich von ihnen inspi­
rieren zu lassen, ja gar von ihren
Erfahrungen zu lernen. Ganz im
Sinne der Workshop-Methode
World Café wanderten die Teil­
nehmerinnen von Tisch zu Tisch,
von Gastgeberin zu Gastgebe­
rin, stellten Fragen und hinter­
fragten, diskutierten und argu­
mentierten, notierten Fragen,
Gedanken und Ideen auf dem
papierenen Tischtuch.
Überhaupt kam alles auf den
Tisch: Es ging um das Frau­
enstimmrecht und die Rede­
gewandtheit der Männer, um
Tagesschulen und fehlende Be­
treuungsmöglichkeiten, um tra­
ditionelle Rollenbilder und frem­
de Kulturen, um kleine Löhne,
fehlende Anerkennung und man­
gelnde Solidarität, um top ausge­
bildete Hausfrauen und zu we­
nige männliche Lehrpersonen.
Aber auch um Fragen wie: Stehen
wir uns selber im Weg? Sind wir
oft nicht auch neidisch aufein­
ander, statt dass wir füreinander
einstehen? Wer sind unsere Vor­
bilder? Und was geben wir den
heutigen jungen Frauen, unseren
Töchtern und Schülerinnen, mit
auf den Weg? Und immer wieder:
das Scheinwerferlicht. Ist es uns
Frauen schlicht weniger gegeben,
ins Licht zu stehen? «Als Lehre­
rin musstet ihr mit 21 Jahren vor
eine Klasse stehen», warf Regula
Rytz irgendwann in ihre Runde,
«das ist kein unkritisches Pub­
likum, im Gegenteil. Gerade ihr
seid doch bestens gerüstet für
das Scheinwerferlicht.» Männer,
brachte sie den Vergleich, stehen
«Ich hatte, als ich etwa
vier Jahre alt war, ein
Schlüsselerlebnis: Ich
war mit meinem Vater
auf Besuch, und ich
sollte ein Vanille-Erdbeer-Eis bekommen. Ich
traute mich aber nicht,
es zu holen. Also bekam
ich keines. Bereits da
wurde mir bewusst:
Wenn ich etwas erreichen will, muss ich mich
wagen, muss ich mich
sichtbar machen, muss
ich mir holen, was ich
mir wünsche.»
«Ich erinnere mich gut
an ein Erlebnis, das wohl
vielen Frauen bekannt vorkommt: Ich wurde aufgefordert, mich auf die Arbeitsstelle zu bewerben, die
ich heute innehabe. Ohne
diese Aufforderung wäre
mir das nie in den Sinn
gekommen, hätte ich mir
das nie zugetraut. Ich habe
dann noch meine Tochter
nach ihrer Meinung gefragt. Sie meinte lediglich:
Hast Du denn Lust dazu?
Na, und ob!»
Bettina Keller
«Während des Studiums haben wir, ein
paar Frauen, uns eine
Aufgabe gestellt: Nach
jeder Vorlesung hatte
eine aufzustehen und
eine Ergänzungs- oder
Klärungsfrage in die
Runde zu werfen. So
schufen wir uns eine
Art Übungsfeld. Wir
überwanden so unsere Angst, vor der
Öffentlichkeit hinzustehen und uns
sichtbar zu machen.
Wir alle haben enorm
davon profitiert.»
AKTUELL
PÄDAGOGIK
PÄDAGOGIK
Von Reto Wissmann
Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei grundsätzlich anspruchsvoller ge­
worden, stellt Patrik Sager, Schulinspektor im Seeland, fest. Er rät den Lehr­
personen, auch in emotionalen Diskussionen aus ihrem beruflichen Sach­
verstand heraus zu argumentieren – und Elternabende gut vorzubereiten.
Gibt es andere Gründe für die
zunehmenden Schwierigkeiten in
der Elternzusammenarbeit?
Die Diskrepanz zwischen den
Erwartungen der Eltern an ihre
Kinder und deren Möglichkei­
ten ist heute grösser. Auch die
veränderten Familienstrukturen
spielen eine Rolle. Das Kind ist
in der Familie heute häufig etwas
sehr Zentrales. Hinzu kommt,
dass die Schule manchmal ein
ganz anderes Verständnis von
Kindern hat als Eltern.
Wie meinen Sie das?
«Das grösste
Spannungsfeld
ist die Diskrepanz zwischen
Erwartungen und
Möglichkeiten»,
beobachtet
Patrik Sager.
Bild: zvg
Einige Eltern sehen ihre Kinder
als gleichberechtigte Partner.
Für die Schulen sind sie eher
Im aktuellen Kinofilm «Frau Müller Auszubildende und Individuen,
muss weg» verschwören sich Eltern die sich in eine Gemeinschaft
regelrecht gegen eine Lehrerin. Ist
einordnen müssen. Das kann zu
das ein Extrembeispiel oder könnte Konflikten führen.
dies auch in hiesigen Schulen
passieren?
So eine Situation habe ich selbst
noch nie erlebt, sie ist aber
durchaus denkbar. Als Komödie
ist der Film sicher überzeichnet,
er spielt jedoch vor einem realis­
tischen Hintergrund.
Heisst das, die Zusammenarbeit
mit den Eltern ist schwieriger
geworden?
8 — BS 2015 AUSGABE 04
Ja, sie ist heute grundsätzlich
anspruchsvoller.
Warum?
Der Schulerfolg der Kinder hat
enorm an Bedeutung gewonnen.
Wir alle gehen heute davon aus,
dass wir Anspruch auf Erfolg,
auf das Beste haben. Die Schule
gilt quasi als Garant dafür und
kommt entsprechend unter
Druck.
Nicht immer. Elternarbeit ist
Teil des Kerngeschäfts der Lehr­
personen. Niemand sollte Lehrer
werden, nur weil er Kinder
gernhat.
Welches sind die grössten Spannungsfelder?
Das grösste ist wie gesagt die
Diskrepanz zwischen Erwartun­
gen und Möglichkeiten. Dabei
wird dann schon mal die Qualifi­
kation der Lehrperson kritisiert.
Weitere Themen sind Hausauf­
gaben, Beurteilung, Selektion
oder neue Medien.
Welche Rolle spielen kulturelle
Unterschiede?
In Gemeinden mit vielen Auslän­
dern kommt es nicht häufiger zu
schwierigen Situationen als in
Gebieten, wo Ärzte, Lehrer und
Anwälte wohnen. Fremdsprachi­
Man hört immer wieder von Eltern, ge Eltern müssen aber stärker
die Anwälte einschalten. Begegnen in unsere Regeln und Werte
Sie solchen Fällen in der Praxis?
eingeführt werden, was für die
Ja. Die Eltern sind sich aber oft
Lehrpersonen einen grösseren
nicht bewusst, dass man etwas,
Aufwand bedeutet.
das man zusammen aushandeln
muss, nicht mit juristischen Mit­ In welchem Mass belastet die
teln erreichen kann. Dieser Weg Elternzusammenarbeit die Lehrpersonen?
vertieft meist die Gräben.
Ein einzelnes Elternpaar kann
Sind die Lehrpersonen manchmal
die Lehrperson über die Massen
selber zu wenig kritikfähig?
belasten. Hartnäckige, kom­
Das kann ich so nicht bestätigen. promisslose Attacken von oben
Im Lehrberuf braucht es aber si­ herab mit aggressiven Mitteln
cher Leute, die selbstsicher und
sind schwierig zu ertragen. Man
fachlich versiert sind. Wenn man darf aber nicht vergessen, dass
dieses Rüstzeug nicht mitbringt, Elternarbeit auch befruchtend
ist man in einem so exponierten sein kann.
Beruf nicht am richtigen Platz.
Sind sich angehende Lehrpersonen
bewusst, dass es in ihrem Beruf
auch um Erwachsenenarbeit geht?
Sind eher jüngere, unerfahrene
Lehrpersonen betroffen?
Auch gestandene Lehrpersonen
sind heute vor solchen Angriffen
Werden junge Lehrpersonen in
der Ausbildung genügend auf die
Eltern­arbeit vorbereitet?
ich allerdings, dass den Vorbe­
reitungen teilweise zu wenig Be­
achtung geschenkt wird. Wenn
die Eltern – wie selbst erlebt –
zuerst die Stühle von den Pulten
nehmen müssen, vermittelt dies
sicher keinen guten Eindruck.
Heute sicher viel besser als frü­
her. Die Elternarbeit in der Aus­
bildung zu thematisieren, ersetzt
aber die «Live-Sendung» nicht.
Was können Lehrpersonen tun,
damit schwierige Situationen
nicht eskalieren?
nicht mehr gefeit. Sie können
aber in der Regel besser darauf
reagieren.
Erhalten Lehrpersonen in schwierigen Situationen die nötige
Unterstützung?
Ja, die erste Anlaufstelle ist die
Schulleitung und das Kollegium.
Darüber hinaus gibt es gute Be­
ratungs- und Coachingangebote.
Das Problem ist aber: Wenn
man an einem Elterngespräch
angeschrien wird, ist man einen
Moment ganz allein damit. Das
muss man aushalten können.
Offene, kommunikative, positiv
eingestellte Lehrpersonen, die
mit Kritik umgehen können,
haben gute Chancen, auch mit
schwierigen Eltern einen Weg
zu finden. Es gibt aber «Waden­
beisser», gegen die kein Kraut
gewachsen ist.
Wie können Lehrpersonen
gegenüber den Eltern die Balance zwischen Nachgeben
und Durchsetzen finden?
Es geht weniger um Nachgeben
oder Durchsetzen, sondern
mehr um das Argumentieren
aus einem beruflichen Sachver­
stand heraus. Lehrpersonen sind
Der erste Elternabend ist extrem ausgebildete Fachleute, die ihr
wichtig. Wenn die Eltern danach Fachwissen einbringen sollen.
nach Hause gehen und denken,
In den meisten Fällen heisst
diese Lehrkraft ist kompetent
das Zauberwort professionelle
und engagiert und meinem Kind Argumentation.
geht es hier gut, dann hat man
Dürfen Eltern überall mitreden?
viel gewonnen.
Es gibt Grenzen, wobei diese im
Wie gestaltet man einen solchen
pädagogischen Umfeld nicht im­
Elternabend?
mer so scharf sind. Die Broschü­
Darüber könnte man lange spre­
chen. Grundsätzlich beobachte
Fortsetzung auf Seite 10
Gibt es so etwas wie den entscheidenden Moment, in dem die Basis
für das Verhältnis zwischen Lehrperson und Eltern gelegt wird?
as.
werwiewrn
elte
schule MIT
Mitsprache
Mitarbeit
mung
Mitbestim
twortung
Mitveran
Alleinige
Verantwor
tung der
Schule
LEBE-BROSCHÜRE
ZUR ELTERN­­MIT ­W IRKUNG
Die LEBE-Broschüre «werwiewas.
schuleMITeltern» regelt die
Zusammenarbeit von Eltern
und Schule und zeigt klar und
übersichtlich auf, wer welche Rechte
und Pflichten hat. Sie ist für den
täglichen Gebrauch bestimmt. LEBEMitglieder können für Elternabende
Klassensätze von «werwiewas.
schuleMITeltern» zum Selbstkostenpreis
von 45 Rappen (inkl. MWSt.), plus
Porto, bestellen. Nichtmitglieder
bezahlen dafür 85 Rappen.
Bestellen Sie die Broschüre
per Mail an: [email protected]
Ausverkaufte
Ränge am LEBE-Kinoabend
Von Stefan Wittwer
Anfang März hat LEBE wieder
einmal ins Kino eingeladen.
Diesmal zur Schulkomödie «Frau
Müller muss weg». Wie schon bei
der exklusiven Vorpremiere von
«alphabet» vor einem Jahr war
der Kinosaal auch diesmal bis
auf den letzten Platz gefüllt. Die
fast 160 BesucherInnen wurden
durch Urs Gfeller mit einem kur­
zen Inputreferat an die Thematik
erfolgreicher Elternzusammenar­
beit herangeführt. Der Bereichs­
leiter Berufsbiografie, Beratung
und Unterstützung am Institut
für Weiterbildung der PHBern er­
munterte die Lehrpersonen, be­
sonders viel in gute Elternarbeit
zu investieren, ihr Tun professio­
nell zu begründen und sich auf die
Suche nach dem «inneren Gold»
ihrer SchülerInnen zu machen.
«Schaut durch das Verhalten hin­
durch, wenn euch der Schüler ne­
gativ, dunkel vorkommt. Hinter
jedem Verhalten schlägt das Herz
eines Menschen, das einzigartig,
goldig ist.» Nach diesen Worten
konnte über die teils skurrilen
und dennoch sehr treffend dar­
gestellten Szenen des Films umso
herzhafter gelacht werden, na­
türlich auch, weil am Schluss die
Lehrerin von allen Protagonisten
am besten dastand. Frau Müller
musste nicht weg.
9 — BS 2015 AUSGABE 04
«Das Zauberwort heisst
professionelle Argumentation»
PÄDAGOGIK
Für viele Eltern ist es schwierig zu
akzeptieren, dass die Schulen nicht
vor allem in ihrem, sondern im
Auftrag des Staates handeln.
Ja, wobei alle nur das Beste
für das Kind wollen – je nach
Perspektive ist das allerdings
nicht immer dasselbe. Die
Profis haben hier die Aufgabe
zu argumentieren, warum sie
ihre Arbeit so und nicht anders
machen.
Neben Eltern, die zu viel mitreden
wollen, gibt es auch jene, die sich
überhaupt nicht um die Schule
kümmern.
Ja, das ist für die Lehrperso­
nen zwar emotional nicht so
belastend, mit solchen Eltern
zusammenzuarbeiten, ist aber
fast noch schwieriger. Wenn
Eltern nicht auf Anrufe oder
Briefe reagieren und nicht zum
Elterngespräch erscheinen, dann
ist man als Lehrperson ziemlich
hilflos.
Sollte man die Eltern stärker
einbeziehen und so präventiv
mehr Verständnis für die Schule
erreichen?
Die Schulen machen heute
schon sehr viel. Man darf aber
auch nicht zu viel erwarten. Die
Eltern sind oft in ihrem Beruf
stark eingespannt. Wichtiger
wäre, einige wenige, aber «sack­
stark» gestaltete Elternanlässe
zu machen.
10 — BS 2015 AUSGABE 04
Gibt es Situationen, in denen es
tatsächlich besser ist, eine Klasse
abzugeben, wie dies die Eltern im
Film fordern?
Ich kenne keine solchen Situati­
onen. Manchmal ist das Verhält­
nis zwischen Eltern, Lehrperson
und Kindern aber so zerrüttet,
dass auch solche Massnahmen
überlegt werden müssen – aber
sicher nicht als Feuerwehr­
übung.
So machen sie Schule
In der Bildungsdebatte
kommen alle zu Wort
– nur die SchülerIn­
nen fragt keiner. Das
regt Alma (14), Jamila
(15) und Lara-Luna
(16) schon lange auf.
Deshalb haben sie das
neue Quartalsbuch
geschrieben. Nicht
nur für uns, natürlich.
Aber auch für uns.
Das neue Quartalsbuch
In ihrem Buch be­
«Wie wir Schule machen»,
richten die drei
geschrieben von Alma
Schülerinnen, wie sie in
lma de Zárate, Jamila
ihrer Schule fürs Leben
Tressel und Lara-Luna
lernen. Ihre Fächer
Ehrenschneider (Mitarbeit
heissen «Herausforde­
Uli Hauser, Evangelische
rung» und «Verantwor­
Schule Berlin Zentrum
tung», in sogenannten
Margret Rasfeld), ist 2014
Lernbüros teilen sie
erschienen. Normalpreis
sich ihr Pensum selbst
CHF 28.50, als LEBEein, sie melden sich
Quartalsbuch CHF 23.– inkl. selber zu Tests an – alles
MWSt. Der Titel kann zum
innerhalb des Lehr­
vergünstigten Preis bei uns plans. Ein Beispiel des
bestellt werden (nur ein
Gelingens, einfach und
Buch pro Schulhaus): LEBE,
erfrischend. Die drei
Monbijoustrasse 36, PostAutorinnen und ihre
fach 7163, 3001 Bern, oder
MitschülerInnen bilden
per E-Mail: quartalsbuch@
inzwischen Lehrperso­
lebe.ch
nen weiter und machen
Mut, umzudenken.
Die drei Berliner Schü­
lerinnen Alma, Jamila
und Lara-Luna fordern
Mut zur Veränderung
an unseren Schulen:
mehr Selbständigkeit,
mehr Verantwortung,
mehr Erfahrungen fürs
Leben, mehr Gemein­
schaft. Vieles davon
findet an ihrer Schule,
der Evangelischen
Schule Berlin Zentrum,
bereits statt. Im neuen
Quartalsbuch «Wie
wir Schule machen»
berichten sie von ihrem
ungewöhnlichen und
produktiven Lernalltag.
Unkompliziert, mutig
und zum Nachma­
chen empfohlen. Und
übrigens: Am LEBE-Tag
vom ­3. Juni werden
SchülerInnen der Evan­
gelischen Schule Berlin
mit ihrer Schulleiterin
Margret Rasfeld anwe­
send sein und live von
ihrer Schule erzählen.
Wer ihnen zuhört,
vergisst, den Mund
zu schliessen, weil sie
so selbstverständlich
vor einem grossen
Publikum Erwachsener
auftreten. Auf fesseln­
de Art und Weise. Sie
entlassen einem mit
dem Gefühl: Genau. So
will ich Schule machen.
Lassen Sie sich vom
Buch bereits vor der
Tagung inspirieren.
Booklet zum LEBE-Tag
Der LEBE-Tag rückt näher. Er findet am Mittwoch, 6. Juni 2015, in der
BEA-Festhalle statt. Dieser «berner schule» liegt das druckfrische
Programm-Booklet bei. Lassen Sie sich inspirieren.
Das Organisationsteam von LEBE hat ein abwechslungsreiches und
kurzweiliges Programm rund ums Thema Potenziale zusammengestellt.
Freuen Sie sich auf spannende Referate, beste Unterhaltung und kulinarische
Überraschungen. Auf einen geselligen Tag unter Kolleginnen und Kollegen,
auf gute Gespräche, Spass und Impulse zum Nachdenken. Wir hoffen,
das beiliegende Booklet weckt bereits jetzt Vorfreude bei Ihnen.
Entlastungsmassnahmen einleiten und
berufliche Präferenzen stärken
Von Christoph Michel
ARBEITSBELASTUNG Am 4. März haben sich Vertreterinnen und Vertreter
verschiedener Organisationen aus dem schulischen Umfeld am runden
Tisch versammelt, um über die Resultate der LEBE-Umfrage zur Arbeitsbelas­
tung von Lehrpersonen und Schulleitungen zu diskutieren. Erstes Fazit:
Neben Mass­nahmen zur Entlastung sind berufliche Präferenzen zu stärken.
Zugegeben: Der runde Tisch war
viereckig. Dies beeinflusste die
Gesprächskultur jedoch nicht ne­
gativ. Thema am ersten Treffen
war nicht nur die Belastungssi­
tuation der bernischen Lehrper­
sonen und Schulleitungen. Im
Zentrum der Diskussionen stand
auch, welche Aufgaben gemäss
der LEBE-Umfrage besonders
gern wahrgenommen werden. Die
Teilnehmenden waren sich einig,
dass Handlungsbedarf besteht.
Einigkeit herrschte auch darüber,
FOLGENDE
ORGANISATIONEN
VERSAMMELN
SICH AM RUNDEN
TISCH:
• Verband Bernische Gemeinden VBG
• Verband Schulbehörden
­Kanton Bern VSB
• Schule und Elternhaus
Kanton Bern S&E
• Syndicat des Enseignantes et
Enseignants du Jura Bernois SEJB
• Verband der Schulleiterinnen und
Schulleiter des Kantons Bern VSLBE
• Bildungskommission ­
des Grossen Rates Bern BiK
• Erziehungsdirektion
des Kantons Bern ERZ
• Pädagogische Hochschule
­Kanton Bern PHBern
• Schweizer Expertennetzwerk
für Burnout SEB
• vpod Region Bern
dass nicht nur Entlastungsmass­
nahmen eingeleitet werden müs­
sen, sondern gleichzeitig auch die
beruflichen Vorlieben gefördert
werden sollen. Um die vorliegen­
den Resultate besser interpretie­
ren zu können, sind aber noch
einige Detailauswertungen nötig.
Den Hebel richtig ansetzen
Die Gesprächsrunde will sicher­
stellen, dass die Hebel an den
richtigen Stellen angesetzt wer­
den. Am nächsten Treffen wer­
den die Umfrageresultate weiter
analysiert und interpretiert. Zu­
dem soll geklärt werden, wo der
dringendste Handlungsbedarf
besteht und in welcher Form
möglichst effektiv weitergearbei­
tet werden kann.
Alle Teilnehmenden am
runden Tisch waren sich
einig: Dem Thema Entlastung muss Gewicht
gegeben werden.
Bild: shutterstock.com
11 — BS 2015 AUSGABE 04
re «werwiewas.» von LEBE bietet
dazu eine gute Hilfestellung
(siehe Kasten). Grundsätzlich
gilt: Die Schulen handeln im
Auftrag des Staates und genies­
sen innerhalb des Lehrplans
und der gesetzlichen Vorgaben
Schutz und Freiheit.
GEWERKSCHAFT
NEWS VON DER GESCHÄFTSSTELLE
Gemeinsame Zukunft von LEBE und SEJB?
Als vor Jahren aus dem früheren Bernischen Lehrerverband (BLV) der Berufs­
verband Lehrerinnen und Lehrer Bern (LEBE) wurde, trat die Société des
­enseignantes et enseignants du Jura bernois (SEJB) aus dem Kantonalverband
aus und ging ihren eigenen Weg. Aktuell könnte dieser wieder näher zu LEBE
führen: Auf beiden Seiten wird der Ruf nach Annäherung lauter.
Am 5. März 2015 haben sowohl
der SEJB sowie die Région Fran­
cophone von LEBE getagt und
das Thema eingehend bespro­
chen. Auf beiden Seiten ist Inte­
resse an einer intensiveren Zu­
sammenarbeit, an Annäherung
zu verzeichnen – der Vorschlag
zur intensiveren Zusammenar­
beit stiess auf Mehrheiten. Jetzt,
wo LEBE den Verbandsauftritt
erneuert und auch die Verbands­
strukturen entwickelt, ist der
Zeitpunkt ideal, um über Formen
einer gemeinsamen Zukunft
nachzudenken und Gespräche zu
führen.
Gründe und Folgen des Bruchs
Folgende Gründe führten damals
zum Austritt: Die Werte der fran­
zösischsprachigen Minderheit
waren ignoriert worden, die Po­
litik des BLV nicht ausreichend
dezidiert, der SEJB wollte die
pädagogischen Leistungen der
Weiterbildung und der «schul­
praxis» nicht mitfinanzieren. Die
getrennten Wege führten in den
Folgejahren aber für beide Seiten
zu Nachteilen. Doppelspurigkei­
ten binden unnötig Kraft und
Geld, mögliche Synergien kön­
nen zu wenig genutzt werden.
Die beiden Verbände decken also
unter erschwerten Bedingungen
beide Sprachregionen ab.
Chancen eines Neubeginns
LEBE will künftig unterschiedli­
che Personalkategorien aus dem
Bildungsumfeld besser anspre­
chen, die Regionen politischer
ausrichten und insgesamt an
bildungspolitischem Gewicht zu­
legen. Hier kann eine intensivere
Zusammenarbeit für beide Sei­
ten gewinnbringend sein. Denn
der SEJB ist gut mit den Organi­
sationen und Institutionen der
Westschweiz, LEBE mit jenen der
Deutschschweiz vernetzt. Der
Zeitpunkt ist ideal, gemeinsam
etwas Neues zu entwickeln.
Der SEJB könnte nach wie vor
relativ autonom operieren, bekä­
me aber zusätzliche Möglichkei­
ten. LEBE hätte umgekehrt eine
bessere Abdeckung in der ent­
sprechenden Region und durch
den Anstieg der Mitgliederzahl
noch mehr politisches Gewicht.
Definiert werden könnte die
Zusammenarbeit über eine Art
Leistungsvereinbarung, welche
finanzielle Mittel und Kompe­
tenzen ohne Statutenanpassung
regeln würde. In nächster Zeit
wird nun eine mögliche Leis­
tungsvereinbarung erarbeitet.
Von Beat Wirz
Un avenir commun pour LEBE et le SEJB ?
12 — BS 2015 AUSGABE 04
Lorsque l’Association des enseignantes et des enseignants bernois (BLV) devint, il y a
quelques années, Enseignantes et Enseignants Berne (LEBE), le Syndicat des enseignantes
et enseignants du Jura bernois (SEJB) se retira de l’association cantonale et suivit son
propre chemin. Un chemin qui pourrait à nouveau croiser celui de LEBE : les appels en fa­
veur d’un rapprochement se multiplient en effet de part et d’autre.
Le 5 mars 2015, le SEJB ainsi que
la Région Francophone de LEBE
ont tenu séance et ont abordé
cette question en détail. On a pu
constater à cette occasion que les
deux parties sont intéressées à
intensifier leur collaboration et
à opérer un rapprochement, la
proposition d’intensifier la col­
laboration étant approuvée par
la majorité. Et maintenant que
LEBE revoit sa présentation en
tant qu’association et qu’elle dé­
veloppe des structures associa­
tives, le moment est tout indiqué
pour réfléchir à un avenir com­
mun et mener des discussions
dans ce sens.
Raisons et conséquences
de la rupture
Les raisons qui, à l’époque, ont
conduit à la rupture étaient les
suivantes : les valeurs de la mi­
norité francophone n’étaient pas
prises en compte, la politique de
la BLV n’était pas assez résolue,
le SEJB ne voulait pas cofinan­
cer les prestations pédagogiques
de la formation continue et de la
« schulpraxis ». Cette séparation
aura toutefois eu, les années sui­
vantes, des conséquences néga­
tives pour les deux associations :
doublons qui se traduisaient
par un gaspillage d’énergie et
d’argent, peu d’occasion d’exploi­
ter les synergies, etc. Les deux as­
sociations couvraient ainsi les
deux régions linguistiques dans
des conditions plus difficiles.
Les chances d’un nouveau
commencement
LEBE entend mieux répondre
à l’avenir aux besoins des diffé­
rentes catégories de personnel du
domaine de la formation, abor­
der les régions de manière plus
politique et, globalement, mettre
l’accent sur la politique de forma­
tion. Les deux associations pour­
raient tirer profit d’une collabo­
ration plus intense à ce niveau.
Le SEJB est en effet bien intégré
dans le réseau des organisations
et des institutions de Suisse ro­
mande, tout comme LEBE pour
ce qui est de la Suisse aléma­
nique. Le moment est idéal pour
s'engager ensemble dans de nou­
velles perspectives.
Le SEJB pourrait continuer à
opérer de manière relativement
autonome, tout en bénéficiant
de possibilités supplémentaires.
LEBE pourrait en contrepartie
assurer une meilleure couver­
ture de la région correspondante
et disposer d’un poids politique
encore plus important grâce à
l’augmentation de l’effectif de
ses membres. La collaboration
pourrait être définie par le biais
d’une convention de prestations,
qui règlerait les questions des
moyens financiers et des compé­
tences, sans qu’il soit nécessaire
d’adapter les statuts respectifs.
Une telle convention de presta­
tions sera élaborée prochaine­
ment.
Par Beat Wirz
LEBE unterstützt
die Stipendien­­initiative
des VSS
LEBE soutient l’initiative
de l’UNES sur les bourses
d’études
Am 20. Januar 2012 hat der Verband
der Schweizer Studierendenschaft
VSS die «Stipendieninitiative» eingereicht. Am 14. Juni wird das Schweizer
Stimmvolk darüber befinden können.
LEBE unterstützt das Anliegen.
Le 20 janvier 2012, l’Union des étudiant-e-s de Suisse remettait l’« Initiative
sur les bourses d’études » sur laquelle le
peuple suisse sera appelé à voter le 14
juin 2015. LEBE soutient cette initiative.
L’initiative de l’UNES demande la
créa­tion d’un système de bourses
d’études, qui permette à tous les
jeunes Suissesses et Suisses de suivre
une formation ter­tiaire. Aujourd’hui,
les aides cantonales aux études sont
accordées selon des critères dispa­
rates et leur montant peut beau­
coup varier d’un canton à un autre.
Les subventions aux études dé­
pendent donc en premier lieu du can­
ton de domicile et non pas de la si­
tuation financière des candidat-e-s.
Avec un oui à l’initiative, l’octroi de
bourses d’études serait réglé de ma­
nière uniforme au niveau suisse. En
outre, une bourse garantirait aux bé­
néficiaires un niveau de vie minimal,
à côté d’un éventuel soutien des pa­
rents et du revenu d’une activité ré­
munérée. Les chiffres de la Confé­
dération montrent clairement que
les étudiant-e-s doivent disposer
d’un minimum vital de 24 000 francs
par année pour faire face à leurs be­
soins et aux coûts de formation.
L’UNES part de l’idée que les étu­
diant-e-s peuvent pren­dre en charge
la moitié des coûts liés à leurs be­
soins vitaux et à leurs études grâce
au soutien familial et à une activi­
té salariée. Il manque donc envi­
ron 1000 francs par mois à celles et
ceux issu-e-s de milieux socio-éco­
nomiques défavorisés pour accé­
der à une formation supérieure.
L’accès aux études supérieures ne
devrait plus dépendre avant tout
des capacités financières des indivi­
dus ou de leurs familles. L’initiative
sur les bourses d’études augmente
l’égalité des chances et permet à de
larges cercles l’accès à des connais­
sances plus étendues. LEBE soutient
les efforts visant à renforcer la for­
mation. Ce pourquoi nous sommes
Von Christoph Schenk membres du comité régional d’ini­
tiative du canton de Berne. Jusqu’à
la vota­tion sur les bourses d’études,
nous vous tiendrons régulièrement
informés au sujet du travail du co­
mité régional et de l’initiative.
Par Christoph Schenk
Mit der Initiative soll in der Schweiz
ein Stipendiensystem geschaffen
werden, welches allen jungen Bür­
gerinnen und Bürgern eine tertiäre
Ausbildung ermöglicht. Heute wer­
den kantonale Ausbildungsbeihilfen
schweizweit nach uneinheitlichen
Vergabekriterien und mit unter­
schiedlichen Beitragsgrössen verge­
ben. Damit hängen die Unterstüt­
zungsbeiträge in erster Linie vom
Wohnkanton ab und nicht von der
tatsächlichen finanziellen Situation
der Antragstellenden oder von deren
Fähigkeiten.
Mit der Initiative soll die Stipendi­
envergabe schweizweit einheitlich
geregelt und gewährleistet werden,
dass ein Stipendium neben allfälli­
ger elterlicher Unterstützung und
Erwerbstätigkeit den Lebensunter­
halt deckt. Erhebungen des Bundes
zeigen, dass Studierende mit Lebens­
haltungs- und Ausbildungskosten
von Fr. 24 000.– pro Jahr rechnen
müssen. Der VSS nimmt an, dass
mindestens die Hälfte davon über
Finanzbeiträge von Angehörigen und
über studienbegleitende Erwerbs­
tätigkeit gedeckt werden kann. Der
Rest soll als Stipendium denjenigen,
welche nicht auf weitere Unterstüt­
zung zählen können, den Zugang zu
einer tertiären Ausbildung ermögli­
chen. Die Stipendieninitiative erhöht
damit die Chancengerechtigkeit.
LEBE unterstützt Bemühungen, die
Bildung zu stärken. Darum ist LEBE
Mitglied im Regionalkomitee des
Kantons Bern. Bis zur Abstimmung
über die Initiative werden wir Sie
regelmässig über die Arbeit des Regi­
onalkomitees und die Stipendienini­
tiative informieren.
13 — BS 2015 AUSGABE 04
NEWS VON DER GESCHÄFTSSTELLE
LEBE-ANGEBOT
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Lektionen, meine Klassenregeln, meine Beurteilungen
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Bleiben Sie selbstsicher und
hören Sie sich die Forderun­
gen an. Überlegen Sie, welche
Sie als Anregung prüfen kön­
nen und welche für Sie nicht
diskutierbar sind. Sie sind die
ausgebildete Fachperson und
damit dafür verantwortlich,
dass die SchülerInnen die
Ziele erreichen. Klären Sie die
Eltern über ihre Rechte auf,
aber auch über ihre Pflichten.
Stellen Sie jedoch klar, dass
folgende Punkte allein in der
Kompetenz der Schule liegen:
•Pädagogisch-didaktische
Entscheidungen
•Lehrplanumsetzung, Unter­
richtsgestaltung, Wahl der
Unterrichtsthemen
•Stundenplangestaltung
•Wahl von Lehrmitteln
•Anzahl Klassen und Schü­
lerzuteilung (SL / Schulkom­
mission)
Ziehen Sie so rasch als möglich
die Schulleitung bei, falls sich
die Differenzen in Gesprächen
mit den Eltern nicht klären
lassen. Ihre Schulleitung ist
verpflichtet, Sie gegen unbe­
rechtigte Forderungen seitens
der Eltern zu schützen.
Mit «engagierten» Eltern
lohnt es sich, ein Kontaktheft
zu führen. So können ein
hoffentlich guter Kontakt
und gegenseitiges Vertrauen
entstehen. Einige Eltern muss
man in die Schranken weisen,
indem man ihnen, mit Hilfe
der Schulleitung, Grenzen
setzt.
Rechtliche Grundlagen
zum Thema:
•Art. 52.2 LAV: «Die Lehr­
kräfte geniessen bei der
Ausübung ihrer Tätigkeit
Lehrfreiheit im Rahmen der
rechtlichen Vorgaben, des
Leitbildes sowie der Quali­
tätsvorgaben der Schule.»
•Art. 58 LAV: «Die Lehrkräfte
arbeiten mit den Schülerin­
nen und Schülern und den
Lernenden, den Erziehungsberechtigten, den Kolleginnen
und Kollegen, der Schullei­
tung, den Behörden … sowie
weiteren Personen aus dem
Umfeld der Schule zusam­
men.»
•Art. 31.2 Volksschulgesetz:
«Schulkommission, Schul­
leitung, Lehrerschaft und
Eltern sind gegenseitig zur
Zusammenarbeit verpflich­
tet.»
•Art. 31.3 Volksschulgesetz:
«Die Eltern sind von der
Schule regelmässig und in
angemessener Weise über
die schulische Entwicklung
und das Verhalten ihrer
Kinder sowie über wichtige
Geschehnisse und Vorhaben
im Zusammenhang mit dem
Unterricht und dem Schulbe­
trieb zu informieren.»
Wir sind für Sie da
Anne Studer, Beraterin
Tel. 031 326 47 36, [email protected]
Roland Amstutz, Fürsprecher
Tel. 031 326 47 40, [email protected]
Unsere Beratungszeiten
Mo, 9.00–12.00 / 14.00–17.30 Uhr
Di, 9.00–12.00 Uhr
Mi, 9.00–12.00 / 14.00–17.30 Uhr
Do, 9.00–12.00 Uhr
Fr, 9.00–12.00 / 14.00–16.15 Uhr
« La bonne collaboration avec les parents…
une tâche importante »
Par Anne Studer
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Gardez votre assurance et
écoutez les exigences des pa­
rents. Demandez-vous les­
quelles vous conserveriez à
titre de suggestions et sur
quels points vous ne pouvez
entrer en matière. Vous êtes la
personne spécialisée au béné­
fice de la formation voulue et
avez la responsabilité d’aider
les élèves à atteindre leurs ob­
jectifs. Expliquez aux parents
quels sont leurs droits, mais
aussi leurs devoirs. Et ne man­
quez surtout pas de clarifier
que les domaines suivants re­
lèvent de la compétence exclu­
sive de l’école :
•décisions pédagogiques et di­
dactiques
•mise en œuvre du plan
d’étude, organisation de
l’enseignement, choix des
thèmes traités en classe
•organisation de l’horaire
•choix des moyens d’enseigne­
ment
•nombre de classes et attri­
bution des élèves (direction
d’école / commission d’école)
N’hésitez pas à demander
l’aide de votre direction si vous
ne parvenez pas à éliminer
les divergences en discutant
avec les parents. La direction
de l’école doit vous protéger
contre les exigences injusti­
fiées des parents.
Avec des parents positive­
ment engagés, il vaut la peine
de tenir un cahier de contacts.
Il peut permettre de créer de
bonnes relations empreintes
de confiance réciproque. Il
existe d’autres parents qu’il
s’agit de remettre à leur place
en leur imposant des limites,
avec le secours de la direction
d’école.
Bases légales sur le sujet
•Art. 52.2 Ordonnance sur le
statut du corps enseignant
(OSE) : « Dans l’exercice de
leur activité, les membres du
corps enseignant jouissent
d’une liberté conforme aux
prescriptions légales ainsi
qu’au projet de l’école et à ses
prescriptions en matière de
qualité. »
•Art. 58 Ordonnance sur le
statut du corps enseignant
15 — BS 2015 AUSGABE 04
14 — BS 2015 AUSGABE 04
QUESTION J’enseigne dans
une classe de 5e / 6e. Pour la première fois, j’ai le sentiment de
faire l’objet d’un contrôle serré de la part de certains parents. Mes méthodes, les contenus de mes leçons, les règles de
vie dans la classe, mes évaluations et mes interventions, tout
est remis en question. Quels
sont les droits des parents et
comment dois-je réagir ?
IN EIGENER SACHE
Nous sommes
là pour vous
Anne Studer, conseillère
Tél. 031 326 47 36, [email protected]
Roland Amstutz, avocat
Tél. 031 326 47 40, [email protected]
Heures de conseil LEBE
Lundi, 9.00–12.00 / 14.00–17.30 h
Mardi, 9.00–12.00 h
Mercredi, 9.00–12.00 / 14.00–17.30 h
Jeudi, 9.00–12.00 h
Vendredi, 9.00–12.00 / 14.00–16.15 h
LEBE Kontakt
WILLKOMMEN
LEBE begrüsst folgende Neumitglieder.
Bern Nord
Susanne Balsiger
Andrea Battilana
Tanja Bleuler
Nicolas Frautschi
Lela Gautschi Siegrist
Pamela Lejczyk
Arpad Maklari
Rebecca Schmid
Geschäftsführerin
Regula A. Bircher
[email protected]
031 326 47 44
Oberaargau
Barbara Bühler
Susanna Isenring
Gewerkschaft
Christoph Michel
[email protected]
031 326 47 30
Oberland Nord
Flavia Catani
Judith Hofer
Ernst Schenk
Christoph Schenk
[email protected]
031 326 47 49
Pädagogik
Franziska Schwab
[email protected]
031 326 47 45
Oberland Süd
Sabine Aeschlimann
Sabine Fischer
Nicole Hurni
Bern Stadt
Gabriel Baldinger
David Bossard
Tvrtko Brzovic
Irene Johner
Rahel Ruch
Jürg Zürcher
Geschäftsstelle
Monbijoustrasse 36
Postfach 7163, 3001 Bern
[email protected]
031 326 47 47
Stefan Wittwer
[email protected]
031 326 47 46
berner schule
Beat Wirz
[email protected]
031 326 47 57
Seeland
Adrienne Jobin
Layout
Fabian Kramer
[email protected]
031 326 47 58
Bern Süd
Katrin Mühlemann-Lauener
Anja Vázquez
Ruedi Wettstein
Weiterbildung
Saskia Habich-Lorenz
(Administration)
[email protected]
031 326 47 41
Emmental
Erika Meier-Diethelm
Brigitte Römer-Moos
Meral Ruoss
Marco Zosso
Beratung
Roland Amstutz
[email protected]
031 326 47 40
Anne Studer
[email protected]
031 326 47 36
Francophone
Virginie Léchot
Jeannette Mischler
Sekretariat
Iris Kinfe
[email protected]
031 326 47 42
Britta Läderach
[email protected]
031 326 47 42
Theres Schnegg
[email protected]
031 326 47 43
LEBE – auf uns können Sie zählen
Fünf gute Gründe, Mitglied
zu werden
16 — BS 2015 AUSGABE 04
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Mitgliederverwaltung
Susann Gehrig
[email protected]
031 326 47 51
Buchhaltung
Verena Schlüchter
(LEBE Solidaritätsstiftung)
[email protected]
031 326 47 52
Präsidium
Martin Gatti (Präsident)
Hohlestrasse 28, 3123 Belp
[email protected]
031 819 22 52
Bruno Rupp (Vizepräsident)
Parkstrasse 7, 3014 Bern
[email protected]
079 340 90 65
Liebe Leserin, lieber Leser • Chère lectrice, cher lecteur
Ein buddhistisches Sprichwort besagt,
dass die Welt nicht mehr dieselbe
sei wie vorher, nachdem ein einzel­
ner Mensch eine einzige Bewegung
gemacht habe. So ge­
sehen ist permanente
Veränderung die einzige
Konstante im Leben.
Was im Leben gilt, hat
auch für LEBE seine
Bedeutung. In den letzten
Monaten und Jahren
haben wir einige Verän­
derungsprozesse eingelei­
tet. Diese erinnern mich
an das buddhistische
Sprichwort: Man nimmt an einer Stelle
kleine Anpassungen vor und löst damit
grosse Prozesse aus. Lehrpersonen und
Schulleitungen kennen das Phänomen,
wie mir häufig berichtet wird: Eine
scheinbar kleine Veränderung kann
im komplexen System Schule viel in
Bewegung setzen. Deshalb lösen die
Worte «Reform» und «Reorganisation»­
bei vielen ungute Gefühle aus.
Auch personelle Wechsel gehören zum
Thema Veränderung: Angelika Schnee­
berger, welche knapp eineinhalb Jahre
mit einem 50-Prozent-Pensum die
LEBE-Buchhaltung unterstützt hat, hat
auf Anfang März 2015 eine neue Stelle
angetreten. Und auch Fabian Kramer,
der seit 2008 bei LEBE die «berner
schule» und die «schulpraxis» gelayou­
tet und weitere Printprodukte visuell
geprägt hat, beendet mit der vorlie­
genden Ausgabe sein Engagement
bei uns. Dem Thema Bildung bleibt er
treu: Er gestaltet künftig bei der Firma
«ionesoft» digitale Lernmedien. In den
letzten Wochen waren wir damit be­
schäftigt, eine geeignete Nachfolge für
Fabian Kramer zu finden: Wir haben
uns durch rund 80 Dossiers gekämpft,
mehrere Gespräche geführt und in
Frau Anna Katharina Bay-Dübi eine
kompetente Nachfolgerin gefunden.
Sie wird zu 40 Prozent angestellt.
Ich danke Angelika Schneeberger und
Fabian Kramer für ihr Engagement
und wünsche beiden für die Zukunft
nur das Beste. Und Ihnen, liebe Lese­
rinnen, liebe Leser, wünsche ich von
Herzen erholsame Frühlingsferien.
Regula A. Bircher,
Geschäftsführerin LEBE
Selon un proverbe bouddhiste, le
monde a changé du moment où un
seul humain a fait le premier mou­
vement. Dans cet esprit, le change­
ment permanent est la
seule constante de la vie.
C’est valable dans l’exis­
tence, cela l’est aussi pour
LEBE. Au cours des der­
niers mois et années, nous
avons mis en route des
processus de changement.
Ceux-ci me rappellent
le proverbe bouddhiste :
on entreprend de petites
adaptations qui mettent
en branle de vastes processus. Les en­
seignants et les directions d’écoles
connaissent le phénomène, à ce qu’on
me dit souvent : une modification ap­
paremment modeste peut mettre beau­
coup de choses en mouvement dans le
système complexe qu’est l’école. C’est
pourquoi les termes de « réforme »
et de « réorganisation » déclenchent
maintes fois des sentiments mitigés.
Les changements de personnel font
aussi partie de ce thème du mouve­
ment : Angelika Schneeberger, qui du­
rant un an et demi a travaillé à la comp­
tabilité de LEBE dans un poste à 50
pour cent, a commencé un nouvel em­
ploi au début mars 2015. Et Fabian
Kramer également, qui depuis 2008
a assuré la mise en page de l’école bernoise et de la schulpraxis et a apporté sa
marque à d’autres imprimés de la mai­
son, termine avec cette livraison son
engagement chez nous. Il restera fidèle
au domaine de la formation, chargé
qu’il sera de la conception de moyens
d’enseignement numériques dans l’en­
treprise « ionesoft ». Durant les der­
nières semaines, nous avons été occu­
pés à trouver la personne appropriée
pour succéder à Fabian Kramer. Après
l’examen de 80 dossiers et plusieurs
­entrevues, nous avons trouvé une per­
sonne compétente, c’est Madame Anna
Katharina Bay-Dübi qui sera notre nou­
velle collègue, engagée à 40 pour cent.
Je remercie vivement Angelika­
­Schneeberger et Fabian Kramer
de leur engagement et forme tous
mes bons vœux pour leur avenir.
Et à vous, chère lectrice, cher lec­
teur, je souhaite de tout cœur des va­
cances printanières reposantes.
Regula A. Bircher, administratrice LEBE
LEBE_Vorteils_Inserat_181x87_lay3.indd 1
23.03.15 16:44
17 — BS 2015 AUSGABE 04
(OSE) : « Les membres du corps
enseignant collaborent avec les
élèves, les apprenants et les ap­
prenantes, les personnes qui
ont charge d’éducation, les col­
lègues, la direction d’école,
les autorités, … ainsi qu’avec
d’autres personnes faisant par­
tie de l’environnement sco­
laire. »
•Art. 31.2 Loi sur l’école obliga­
toire (LEO) : « La commission
scolaire, la direction d’école, le
corps enseignant et les parents
sont tenus de collaborer. »
•Art. 31.3 Loi sur l’école obliga­
toire (LEO) : « L’école informe­
ra les parents régulièrement
et sous une forme appropriée
des progrès et de la conduite
de leur enfant et des projets ou
manifestations importants or­
ganisés dans le cadre de l’ensei­
gnement ou de l’école. »
SCHWERPUNKT MUSEUM
SCHWERPUNKT MUSEUM
MIT KUNST AUF AUGENHÖHE
Von Christa Pfanner
KUNSTHALLE BERN «Freche Fragen», ein aktuelles Projekt der Kunsthalle Bern, bietet
Klassen ab der Oberstufe Gelegenheit, Kunst hautnah und unmittelbar zu erleben. Kriti­
sche Fragen und die eigene Meinung der Jugendlichen stehen dabei im Vordergrund.
«Der Aspekt, Gleichaltrigen etwas weitergeben
zu können und mit ihnen
über Kunst und ihre Facetten zu diskutieren, wird
in den Rückmeldungen als
einzigartig und besonders
be­friedigend beschrieben.
Gerade dieser Weg vom
ersten Blick hin zur neugierigen und differenzierten Wahrnehmung sowie
zu einer offenen Haltung
scheint mir wertvoll.»
Martina Keller, Lehrperson
18 — BS 2015 AUSGABE 04
Bilder: Carmelo Agovino
Kunstunterricht ist keine einfa­
che Sache, die Balance zu finden
zwischen trockenem Auswen­
diglernen von Künstlern und
Jahreszahlen, eigenem Erleben
oder Ausprobieren hat es in sich.
Kunstvermittlung kann viel mehr
sein. Ausprobieren. Erfahren.
Diskutieren. Kunstinstitutionen
und Museen haben deshalb in
den letzten Jahren immer mehr
Angebote für Schulen ins Leben
gerufen, um Kunst erlebbar zu
machen – Workshops, altersge­
rechte Führungen, Kurse. Die
Kunsthalle Bern schlägt mit dem
aktuellen Projekt «Freche Fragen
– Begegnung mit Gegenwarts­
kunst» ein neues Kapitel auf in
Sachen aktive Kunstvermittlung.
Das Konzept ist einfach, aber
wirkungsvoll. Schulklassen ab
der Oberstufe setzen sich mit der
jeweiligen Ausstellung vertieft
auseinander und erarbeiten ein
Vermittlungsangebot für andere
Klassen. Ganz nach dem Grund­
satz «Peer to Peer».
Die Schülerinnen und Schüler
sind dazu angehalten, kritische
Fragen zu stellen, sich eine eige­
ne Meinung zur Ausstellung zu
bilden. Dazu können sie während
der Vorbereitung tief in die Welt
der Kunsthalle eintauchen. «Sie
sind beim Aufbau dabei, führen
Gespräche mit dem Direktor und
den ausstellenden Künstlerinnen
und Künstlern, lernen das Team
und die Institution Kunsthalle
kennen, machen sich mit den
thematischen
Schwerpunkten
«Obwohl wir die andere
Schülergruppe nicht
kannten, bauten wir
eine Verbindung zu ihr
auf, basierend auf der
Kunst. Ich lernte, dass
Kunst einen verbinden
kann, unwichtig wer,
woher oder wie die
Person ist. Die einzige
Voraussetzung: Interesse an der Kunst.»
Nicole
einen Output einigen, macht
«Freche Fragen» zu einem zeitge­
mässen Instrument der Kunster­
fahrung. Kunst wird unmittelbar
und auf Augenhöhe erlebt, nicht
als etwas Abstraktes, das nur von
einer kleinen Elite verstanden
werden kann. Lehrpersonen und
Jugendliche, die sich bis jetzt im
Projekt engagiert haben, geben
der Kunsthalle und dem Ange­
bot gute Noten. «Der erste spon­
tane Blick auf ein Werk, der oft
gefühlsbetont und wertend ist,
wird durch sorgfältige Begleitung
von Julia Jost ernst genommen,
aber auch relativiert», erklärt
Martina Keller. Mit ihrer Klas­
se des Gymnasiums Kirchenfeld
hat sie die Kunsthalle entdeckt,
erforscht und die Ausstellung
unter anderem für eine Klasse
aus dem Gymnasium Hofwil vor­
bereitet. «Die Untersuchungen
von inhaltlichen und formalen
Aspekten durch die Schülerinnen
werden durch das Fachwissen
von Julia Jost ergänzt und in ei­
nen grösseren Kontext gestellt.
Dadurch werden nachvollzieh­
bare Interpretationen und Wer­
tungen abgeleitet, ausgetauscht
und selbständig in ‹Peer to Peer›Vermittlungsprojekten
umge­
setzt». Bei der Hofwiler Klasse
kam die Führung der Berner Gy­
meler gut an. Obwohl sich einige
Schülerinnen und Schüler ihrer
INFOS ZUM
PROJEKT
Das Projekt «Freche Fragen –
Begegnung mit Gegen­
wartskunst» findet momentan
jeweils im Frühling statt. Das
Angebot richtet sich vor allem
an Schulklassen der Oberstufe,
der Mittelschulen und der
pädagogischen Hochschulen.
Das Projekt eignet sich sowohl
für Themenwochen wie auch für
den regulären Unterricht. Wenn
Sie als Lehrperson Interesse
haben, mit einer Klasse am Projekt
«Freche Fragen – Begegnung mit
Gegenwartskunst» teilzunehmen,
oder Fragen zum Angebot haben,
dann melden Sie sich bitte bei
Julia Jost ([email protected] oder dienstags und
donnerstags unter 031 350 00 43).
«Ich fand es eine einzigartige und wahrscheinlich
auch einmalige Erfahrung.
Es gab mir Selbstsicherheit, dass ich es geschafft
habe, selber eine Führung
durchzuführen.»
Karim
19 — BS 2015 AUSGABE 04
Selber als Kunstvermittelnde
aktiv werden –
«Freche Fragen»
ermöglicht SchülerInnen zeitgemässe Kunsterfahrungen.
und Werken der Ausstellung ver­
traut und erhalten einen Einblick
in Formen und Möglichkeiten
der Vermittlung», umreisst die
Kunsthalle in ihrer Ausschrei­
bung das Angebot. Im zweiten
Teil des Projekts stellt die Klasse
anderen Klassen die Ausstellung
vor – welche Schwerpunkte dabei
gesetzt werden und wie genau das
Angebot aussieht, entscheidet
jede Gruppe individuell. Speziell
an diesem Projekt und ihr per­
sönlich sehr wichtig sei, dass die
Sicht, die Meinung der Schülerin­
nen und Schüler im Vordergrund
stehe, betont Julia Jost, Verant­
wortliche für Vermittlung an der
Kunsthalle Bern. Es gebe nicht
eine Meinung, die zähle. Kein
Richtig oder Falsch. Die Jugendli­
chen sollten das Angebot nach ih­
rem Gusto prägen, ihrer Kreativi­
tät sei dabei keine Grenze gesetzt.
Das Team der Kunsthalle macht
bis jetzt gute Erfahrungen mit
den Klassen, ebenso die Künst­
lerinnen und Künstler. Die Ju­
gendlichen seien immer sehr gut
vorbereitet gewesen, berichtet
Julia Jost, sodass sich spannende
Gespräche mit den Künstlerinnen
und Künstlern ergeben hätten.
Die Idee, die weg von der reinen
Vermittlung hin zum Projekt
führt, welches die Schülerinnen
und Schüler selber organisieren,
wo sie sich austauschen und auf
SCHWERPUNKT MUSEUM
SCHWERPUNKT MUSEUM
Die heimliche Liebelei zwischen Paläon­
tologie und harter Rockmusik
20 — BS 2015 AUSGABE 04
Tamara
Klasse etwas mehr Hintergrund­
wissen zu den Künstlerinnen und
Künstlern und der Ausstellungs­
entstehung gewünscht hätten, ist
Prisca Lüthi, Lehrerin für Bildne­
risches Gestalten am Gymnasium
Hofwil, mit dem Besuch in der
Kunsthalle sehr zufrieden. «Die
Begeisterung bei der Klasse über
den gegenseitigen Austausch
und die Idee der Vermittlung war
gross», beschreibt sie die Stim­
mung bei ihren Schülerinnen und
Schülern nach dem Besuch in der
Kunsthalle.
Es sei schön zu sehen, wie die
Klassen die Ausstellung und das
Projekt zu etwas Eigenem ma­
chen, ihm eine Wichtigkeit bei­
messen und grosse Freude am
Weitergeben an den Tag legen,
freut sich Julia Jost. Und eine
Schülerin spricht aus, was den
Kunstunterricht wohl häufig zu
zähen Lektionen macht: «Zum
Glück steht zwischen uns und
dem Bild kein Lehrer, der uns von
einer bestimmten Ansicht über­
zeugen will.» Eine von vielen posi­
tiven Rückmeldungen, welche die
Projektverantwortliche erhält.
Nachdem das Projekt erst letztes
Jahr angelaufen ist und die Rück­
meldungen durchs Band positiv
ausfallen, werden die Kunsthal­
le und ihre Ausstellungen be­
stimmt noch öfter von Schulklas­
sen durchforscht und unter die
Lupe genommen werden. Immer
unter dem Credo: Freche und kri­
tische Fragen erlaubt.
«Am Anfang dieses
Projektes fand ich
vieles seltsam in der
Ausstellung, die Bildanordnungen konnte
ich manchmal nicht
nachvollziehen. Nach
dem Gespräch mit der
Kuratorin Donatella
Bernard hat sich vieles
für mich geklärt, wenn
auch nicht ganz alles,
was ja aber durchaus
seinen Reiz hat.»
Damaris
SONDERAUSSTELLUNG Mit einem exklusiven Konzert von Eluveitie, der in­
ternational bekanntesten Band der Schweiz, begann im Naturhistorischen
Museum in Bern kürzlich die spektakuläre Ausstellung «Rock Fossils». Die­
se handelt von der Liebe von Naturwissenschaftlern zu harter Rockmusik. 36
Fossilien mit Namen von Rocklegenden werden unter anderem vorgestellt.
Die Ausstellung für kurzentschlossene Lehrpersonen dauert bis 31. Mai.
Es gibt Wissenschaftler, die neu­
en, bislang unbekannten Tier­
arten Namen geben, die einen
Bezug auf den Fundort oder die
Form haben. Und es gibt Wissen­
schaftler, die widmen eine neue
Art ihrem liebsten Rockstar. Und
offenkundig gibt es gerade in der
Paläontologie eine Menge Wis­
senschaftler, die nicht nur Fossili­
en lieben, sondern mit derselben
Leidenschaft der Rockmusik frö­
nen – der harten Rockmusik. Die
Sonderausstellung «Rock Fossils –
Ja, es ist Liebe!» thematisiert die­
se bislang verdeckt gehaltene Lie­
belei der Naturwissenschaften.
Die Sonderausstellung stellt 36
Fossilien vor – und die RockLegenden, die ihnen den Namen
verpasst haben. AC / DC, Lemmy
von Motörhead, Ramones, Bea­
tles, Rolling Stones und die Sex
Pistols haben ihren Platz in der
Erdgeschichte eingenommen.
Die Ausstellung wurde erstmals im
Geomuseum in Faxe (DK) gezeigt.
Dort sorgte sie für weltweites Auf­
sehen, gerade in der Metal-Szene.
Das Naturhistorische Museum der
Burgergemeinde Bern (NMBE) hat
die Ehre, die Ausstellung als erstes
Haus ausserhalb Skandinaviens zu
zeigen – etwa noch vor dem Mu­
seum für Naturkunde in Berlin.
Inzwischen hat die Ausstellung
prominenten Zuwachs erhalten:
Das kürzlich entdeckte Fossil eines
Urahns der Flusspferde, das auf­
grund seiner vollen Lippen nach
Mick Jagger benannt worden ist,
wird zum ersten Mal zu sehen sein.
Eine substanzielle Erweiterung
erfährt die Ausstellung aber
durch das Naturhistorische Mu­
seum Bern selber: Die Paläonto­
logen des Hauses widmen eine
bislang unbekannte Seeigel-Art
der Band Eluveitie. Bei Paracida­
ris eluveitie handelt es sich um
einen 160 Millionen Jahre alten,
kürzlich im schweizerischen Jura
(Auenstein, AG) entdeckten Sta­
chelhäuter, der mit den Orna­
menten seines Gehäuses an die
Verzierung keltischer Schmuck­
gegenstände erinnert. Beim
Bandnamen Eluveitie handelt
es sich um die etruskische Form
des keltischen Wortes Helveti­
os («Der Helvetier»). Zum Dank
eröffnete die international er­
folgreichste Schweizer Band der
Gegenwart die Ausstellung am
18. März mit einem exklusiven
Akustik-Konzert.
Plattenladen und Führungen
Das Rahmenprogramm stellt ei­
nen wichtigen Teil der Sonderaus­
stellung dar. Neben den Konzer­
ten wird samstags und sonntags
ein Plattenladen in der Ausstel­
lung geöffnet sein – unterhalten
wird er von Rathouse Records
aus Bern. Die Besucherinnen und
Besucher können sich in der Aus­
stellung mit authentischem Mer­
chandising eindecken – wie es sich
in der Heavy-Metal-Szene gehört.
Verkauft werden etwa T-Shirts,
Schallplatten und Posters.
Zudem wartet das Rahmenpro­
gramm mit unkonventionellen
Führungen auf: Die Besucherinnen und Besucher können in einen
wissenschaftlichen Aspekt des
Themas eintauchen und sich dabei
die passende Musik anhören.
Weitere Infos: www.rockfossils.ch
Rockstar oder
prähistorisches
Gerippe? Beides.
Bild: Lisa Schäublin/
NMBE 2015
21 — BS 2015 AUSGABE 04
«Ich fand das Projekt
«Freche Fragen» eine
sehr spannende Erfahrung. Es war interessant, wie die Schüler
unterschiedlich auf
eine Frage geantwortet
haben, und so entstanden auch viele kleinere
sowie grössere und
lebhafte Diskussionen
mit vielen verschiedenen Meinungen
und neuen Fragen.»
Einfach tolle Schulreisen ins
Berner Oberland und ins Oberwallis.
SCHWERPUNKT MUSEUM
Natur zum Anfassen am Tat-Ort Museum
Von Joya Müller
NATURMUSEUM SOLOTHURN Der Berner Bärengraben-Bär «Urs» steht
im Eingang des Naturmuseums Solothurn und begrüsst die Besucher –
und man darf ihn streicheln. Wie er dorthin kam? Diese und andere Geschich­
ten erfahren Schulklassen im unlängst umgebauten Naturmuseum.
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praktische Einblicke in das System der
Alpwirtschaft und entdecken wichtige
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Austausch zwischen der Stadt- und der
Landbevölkerung, das vernetzte Denken
und schaut hinter die Kulissen.
Schule auf der Alp wurde im Januar 2015
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die Museumspädagogin Joya Müller
unter der Telefonnummer Tel.
032 622 70 21 oder unter der E-MailAdresse [email protected]
Naturmuseum Solothurn
Klosterplatz 2
4500 Solothurn
Tel. 032 622 70 21
[email protected]
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oder mit ihrem Lebensraum:
Fuchs und Dachs benutzen die
gleiche Höhle, Mäuse sind wich­
tigste Nahrungsquelle für Fuchs
und Waldkauz, das Eichhörn­
chen trägt zur Verbreitung der
Baumsamen bei, gewisse Insek­
ten sind von einer spezifischen
Wirtspflanze wie der Buche ab­
hängig. Dies kann unter ande­
rem in einer Vertiefungsschub­
lade entdeckt werden. Und dass
alle Säugetiere gleich aufgebaut
sind, also der Hirsch als grösstes
einheimisches Wildtier genau
gleich viele Halswirbel aufweist
wie unser kleinstes Säugetier, die
Zwergspitzmaus, wird in einer
Vitrine anschaulich erläutert.
Wer nach Stadttieren Solothurns
Ausschau halten möchte, ist bei
der Kugelbahn genau richtig: Da
ist ein Igel zu sehen, der plötzlich
in einem Loch verschwindet. Die
Besucher müssen dabei ganz ge­
nau beobachten, wohin sich das
Tier bewegt – ähnlich wie in der
Natur. Im Übrigen dürfen die
Präparate von Igel, Wildschwein,
Fuchs und noch weiteren Tieren
berührt werden – ein Highlight,
nicht nur für Kinder.
Erdgeschichte – eine trockene
Materie?
Das zweite Obergeschoss zur
Erdgeschichte wurde soeben neu
eröffnet. Für diejenigen, die ger­
ne einmal die wichtigsten Ereig­
nisse in der Weltgeschichte zeit­
lich geordnet hätten, bietet das
Zeitband mit rund 50 Objekten,
diversen Animationen und me­
dialen Umsetzungen Hand dazu.
Einige 3-D-Viewer vermitteln ei­
nen Eindruck der Landschaften
in verschiedenen Zeitepochen –
natürlich mit der entsprechen­
den Fauna und Flora.
Ein weiterer Ausstellungsteil
versetzt den Besucher in die Zeit
vor rund 150 Mio. Jahren, als
Solothurn am Meer lag und sich
am Strand die Dinosaurier tum­
melten. Dieser Teil lebt von den
in der Region gefundenen Fossi­
lien wie Ammoniten, Seesternen,
Schildkrötenpanzern oder gar
einem Krokodil. Die Ausstellung
gibt auch einen Einblick in die
Eiszeit, als die Stadt unter ei­
ner meterhohen Eisschicht lag.
Findlinge verraten dem Besucher
an einer interaktiven Station
etwas über ihre Geschichte, die
Ausdehnung und Mächtigkeit
der Gletscher oder über deren
«Wander­routen». Auch die Stein­
zeit wird dabei kurz thematisiert.
Das Landschaftsrelief katapul­
tiert den Besucher wieder in die
Gegenwart und zeigt an einer
Hörstation, welche Einflüsse auf
unsere Landschaft einwirken
und eingewirkt haben. Und was
das Zähneputzen mit Geologie
zu tun hat, erfährt man im «Geo­
logie erleben»-Teil, jenem Teil,
der anhand von diversen interak­
tiven Stationen zum Erforschen
und Erkunden der Steine und
Kristalle einlädt.
«Fuchs, du hast
den Schuh gestohlen», aus der
Dauerausstellung
Bild: Naturmuseum
Solothurn
23 — BS 2015 AUSGABE 04
Seit dem Umbau des Erdgeschos­
ses werden die Säugetiere neu
in ihrem Lebensraum gezeigt:
im Wald etwa oder in der Stadt.
Verschiedene Lebensräume und
die zugehörigen Lebensgemein­
schaften zeigen die Vernetzun­
gen in der Natur auf. Die Aus­
stellungstexte fokussieren dabei
auf die Wechselbeziehungen der
gezeigten Arten untereinander
SCHWERPUNKT MUSEUM
SCHWERPUNKT MUSEUM
Komm mit auf Schloss(zeit)reise
Von Murielle Schlup
Federkiel und Richtschwert
Schloss Jegenstorf ist um ein Bildungs- und Vermittlungsangebot
für Kindergarten- und Schulklassen reicher: eine Schloss(zeit)reise
mit Entdeckungskarte und Kofferstationen.
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Das barocke Schloss Jegenstorf
beherbergt das Museum für ber­
nische Wohnkultur des 17. bis
19. Jahrhunderts. Dort, wo ge­
schichtsträchtige Interieurs und
Gemäuer «Schätze» und Trouvail­
len des Berner Kunsthandwerks
konservieren, wird heuer ein neu­
es Bildungs- und Vermittlungs­
angebot lanciert: eine spannende
Schloss(zeit)reise zurück in die
vergangenen Jahrhunderte.
Über Etagen durch
die Epochen
Der kurzweilige Streifzug führt
über drei Etagen bis ganz zu­
oberst in den Burgturm und zum
Abschluss in den weitläufigen
Schlosspark. Anhand der Ent­
deckungskarte gilt es, die «Ge­
päckstationen» von A bis Z auf­
zuspüren. Dort sind Koffer mit
spannenden, überraschenden In­
halten zum Erforschen und Entde­
cken untergebracht. Sie enthalten
Objekte zum Anfassen, Fühlen
und Riechen, Hintergrundinfor­
mationen in Text und Bild, Spiele,
Rätsel, Aufgaben sowie Hörda­
teien. Auf niederschwellige Weise
wird so ein spielerischer, kreativer
Zugang zum Schloss, zu der Bauund Besitzergeschichte sowie der
Faszinationen hinter den Bildern,
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Die Schloss(zeit)reise kann wäh­
rend der Öffnungszeiten des Mu­
seums ohne Voranmeldung mit
einer Kindergarten- oder Schul­
klasse, in Anwesenheit mindes­
tens einer Lehrperson, gestartet
werden. Das Tempo und die Auf­
enthaltsdauer sind beliebig wähl­
bar. Auch für Kurzentschlossene
und Spontanbesuche geeignet.
Weitere Informationen zu die­
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Bildungs- und Vermittlungsan­
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C
M
CM
MY
CY
CMY
K
Gratis ins Museum
Seit April 2009 arbeiten LEBE und der Verein der Museen im Kanton Bern mmBE zusammen.
Der LEBE-Ausweis gilt neu als Eintrittsticket in rund 100 bernische Museen.
Die aktuelle Museumliste finden Sie auf www.lebe.ch / vergünstigungen
25 — BS 2015 AUSGABE 04
24 — BS 2015 AUSGABE 04
Y
FOKUS
Private Stiftung beackert die
städtischen Bildungslandschaften
Von Reto Wissmann
In Bern, Biel und Thun entstehen sogenannte Bildungslandschaften.
Um die Chancengleichheit zu verbessern, sollen Schulen, Vereine,
Quartier­organisationen und andere Institutionen besser zusammen­­ar­beiten. Doch warum braucht es dazu eine private Stiftung?
26 — BS 2015 AUSGABE 04
Für Chancengleichheit zu sor­
gen, ist eine der wichtigsten Auf­
gaben der Volksschule. In einer
zunehmend heterogenen und
individualisierten Gesellschaft
mit sich schnell wandelnden Fa­
milienstrukturen ist sie damit
aber zunehmend überfordert.
Mit dem Aufbau sogenannter
lokaler
Bildungslandschaften
wollen die Städte Bern, Biel und
Thun nun alle Akteure, die mit
Kleinkindern und deren Eltern
zu tun haben, ins Boot holen
und die Förderung der Chan­
cengleichheit stärker zu einer
gesamtgesellschaftlichen Aufga­
be machen. Ganz nach dem af­
rikanischen Sprichwort: Um ein
Kind zu erziehen, braucht es ein
ganzes Dorf.
Hinter der Idee steckt die ge­
meinnützige Stiftung des Kaffee­
imperiums Jacobs, die sich für
die Bildung und Entwicklung jun­
ger Menschen einsetzt. Sie hat in
Deutschland bereits viel Erfah­
rung mit Bildungslandschaften
gesammelt und ist 2012 in der
Schweiz mit neun Pilotprojekten
in den Kantonen Basel-Stadt,
Zürich und Freiburg gestartet. In
diesem Jahr wird das Projekt aus­
geweitet, neu nehmen auch die
drei grössten Berner Städte teil.
Ganzheitlicher Bildungsbegriff
Bildungslandschaften
basie­
ren auf einem ganzheitlichen
Bildungsbegriff und umfassen
neben der formalen Bildung
(Schule), die nonformale (Ver­
eine, Musikschulen etc.) und
die informelle Bildung (Familie,
Peer Group etc.). Damit sich die
verschiedenen Lernfelder op­
timal ergänzen, sei ein stetiger
Austausch erforderlich, so die
Jacobs-Stiftung. Die instituti­
onellen Voraussetzungen dafür
fehlten heute aber oft.
Die Stiftung stellt den drei Städ­
ten bis 2018 pro Jahr je 20 000
Franken zur Verfügung. Den glei­
chen Betrag müssen die Gemein­
den selbst aufbringen oder ent­
sprechende Arbeitsleistungen
beisteuern. Am Anfang des Pro­
jekts steht die Vernetzung. Ver­
treterinnen und Vertreter von
Schulen,
Kindertagesstätten,
Elternberatungen, Freizeitverei­
nen, Kirchen und Quartierorga­
nisationen sollen an einen Tisch
gebracht werden und gemeinsam
nach Lücken im Förderangebot
für Kinder und deren Eltern su­
chen. In Arbeitsgruppen werden
danach konkrete Projekte ausge­
arbeitet.
In der Stadt Bern will man im
Gebiet Stöckacker / Untermatt
bis im Sommer systematisch
ein solches Netzwerk aufbau­
en. «Die verschiedenen Akteure
sollen besser und zielgerichteter
zusammenarbeiten», sagt Bil­
dungsdirektorin Franziska Teu­
scher. Das Ziel, das sie mit der
«Bildungslandschaft Bern-West»
anstrengt, ist klar: die Chancen­
gleichheit im sozial belasteten
Quartier verbessern. «Die Kin­
der sollen, unabhängig von ihrer
Herkunft, einen harmonischen
Übergang von der Vorschule in
die Schule erleben und einen gu­
ten Zugang zu den Bildungsange­
boten haben», schreibt die Stadt
in einer Mitteilung.
In Biel ist das Projekt in Bözin­
gen angesiedelt, ebenfalls ein
Quartier mit vielen Ausländern
und hoher sozialer Belastung.
Zen­
trales Ziel auch hier: die
Start­voraussetzungen der Kin­
der beim Eintritt in den Kin­
dergarten ausgleichen. «Was
konkret dabei herauskommt,
ist uns auch noch nicht klar»,
sagt Isabel Althaus, Leiterin
von Jugend und Freizeit in Biel.
Die Beteiligten sollen aus ihren
unterschiedlichen Blickwinkeln
heraus Massnahmen definieren.
Möglich sei zum Beispiel, dass
künftig Sprachkurse für Eltern
und Kinder angeboten oder zu­
sätzliche Freizeitangebote ein­
gerichtet würden. Das Interesse
der Schule sowie der anderen
Institutionen sei sehr gross, be­
tont sie.
In Thun steht der Aufbau der
Bildungslandschaft noch ganz
am Anfang. Den Schwerpunkt
legt man hier auf die Integra­
tion und baut auf dem bereits
bestehenden Projekt «Sukses»
auf. Dabei arbeiten sogenannte
Integrationsbegleiterinnen an
der Schnittstelle zwischen Kin­
dergarten und Elternhaus und
versuchen so, Konflikten und
Missverständnissen entgegenzu­
wirken. Laut Fred Hodel, Leiter
der Fachstelle Integration, will
man dieses Projekt nun inhalt­
lich und geografisch ausdehnen.
Am selben Strick
ziehen sollte
auch heissen, mit
vereinten Kräften
in dieselbe Richtung ziehen –
so die Idee
privat initiierter
Bildungslandschaften.
Bild: shutterstock.com
Künftig soll das Programm alle
Altersgruppen vom Frühbereich
bis zur 6. Klasse und die ganze
Region abdecken. Zudem sollen
alle Institutionen, die in diesem
Bereich arbeiten, besser vernetzt
werden. «Bisher haben wir ziem­
lich isoliert gearbeitet», so Hodel.
Nutzen noch ungewiss
Welchen Nutzen die Anstren­
gungen bringen werden, ist der­
zeit noch völlig offen. Das Ins­
titut für Bildungsmanagement
und Bildungsökonomie der PH
Zug hat für die Jacobs-Stiftung
zwar die ersten zwei Jahre der
Pilotprojekte in Zürich, Basel
und Freiburg evaluiert. Es sei
aber noch zu früh, um bereits
Auswirkungen auf Kinder und
Jugendliche messen zu können.
Die Beteiligten hätten sich bisher
grossmehrheitlich positiv über
das Projekt geäussert. Bereits
seien neue Kontakte entstanden.
Viele stellten aber auch einen be­
trächtlichen Zeitaufwand für die
Netzwerkarbeit fest.
In den bereits funktionierenden
Bildungslandschaften wird viel
Arbeit ehrenamtlich geleistet.
Möglich wäre auch, dass Akteure
– wie zum Beispiel die Lehrper­
sonen – wegen ihres Zusatzauf­
wands entlastet würden. In Bern,
Biel und Thun ist das allerdings
nicht vorgesehen. «Man muss
Feuer fangen für diese Idee»,
sagt Isabel Althaus. Mit einer be­
zahlten Projektleitung, die viele
Arbeiten übernehmen könne,
versuche man, den Aufwand für
die Freiwilligen möglichst erträg­
lich zu halten. Auch in Bern soll
eine professionelle Koordinati­
onsstelle den Beteiligten Arbeit
abnehmen. Franziska Teuscher
ist sich bewusst: «Man kann den
Lehrpersonen nicht immer neue
Aufgaben aufbürden.» Sie hofft,
dass die Kinder und die Eltern
besser auf die Schule vorbereitet
werden und sich die Arbeit an der
Bildungslandschaft so auszahlt.
Gegen eine bessere Vernetzung
ist niemand. Es stellt sich jedoch
die Frage, warum es eine pri­
vate Stiftung braucht, um eine
Kernaufgabe des Gemeinwesens
zu erfüllen. «Die Gemeinde ver­
sucht, so gut wie möglich Chan­
cengleichheit herzustellen», sagt
Isabel Althaus. In Quartieren mit
so grossen sozialen und kulturel­
len Unterschieden sei man aber
auf jede Hilfe angewiesen. Auch
Franziska Teuscher hat keine
Berührungsängste mit privaten
Institutionen: «Die öffentliche
Hand muss nicht alles selber ma­
chen», sagt sie. Ihr gefalle der Ge­
danke, dass sich öffentliche und
private Institutionen vor Ort
gemeinsam engagierten. Auch
die Möglichkeit, innerhalb der
Bildungslandschaften von den
Erfahrungen anderer Städte zu
profitieren, schätzt Teuscher.
Keine Angst vor Beeinflussung
Auch bezüglich Unabhängigkeit
halten die Beteiligten das Projekt
für unproblematisch. Die regiona­
len Bildungslandschaften würden
zwar von der privaten Stiftung fi­
nanziell unterstützt und von der
PHBern methodisch begleitet,
ansonsten seien sie jedoch auto­
nom, sagt Isabel Althaus. Der Stif­
tung sei es wichtig, dass etwas aus
den Gemeinden heraus entstehe
und nicht von oben aufgedrückt
werde. «Natürlich darf man sich
nicht vereinnahmen lassen», sagt
Franziska Teuscher. Beim Projekt
Bildungslandschaften
bestehe
diese Gefahr jedoch nicht. Teu­
scher lobt die Arbeit der Stiftung
ausdrücklich als «kreativ, innova­
tiv und erfolgreich». Gute Erfah­
rungen hat die Stadt bereits mit
dem Frühförderprojekt «Prima­
no» gesammelt, das ebenfalls von
der Jacobs-Stiftung unterstützt
worden ist.
Die Finanzierung für die Bil­
dungslandschaften in Bern, Biel
und Thun ist lediglich für vier
Jahre gesichert. Alle Befragten
betonen jedoch, dass es nicht
bloss ein Strohfeuer geben soll.
Dank der Unterstützung der Stif­
tung könne man jetzt zunächst
Erfahrungen sammeln, um das
Projekt dann später auf andere
Quartiere ausdehnen zu können,
sagt Franziska Teuscher. Durch
bessere Vernetzung erreiche man
ohne grossen finanziellen Auf­
wand viel. Auch in Biel will man
später in weiteren Quartieren
Bildungslandschaften aufbauen.
Zunächst muss sich nun aber zei­
gen, was Bildungslandschaften
tatsächlich bringen.
27 — BS 2015 AUSGABE 04
FOKUS
FOKUS
FOKUS
Von Thomas Raaflaub
SPRACHAUSTAUSCH Rahel aus Feutersoey und Jann Dhel aus Gsteig nehmen
am Austauschprogramm «2 langues – 1 Ziel» der Kantone Wallis und Bern teil.
Am Samstag, 31. Januar 2015, fuhren sie mit ihren Eltern nach Sierre, um vor
dem eigentlichen Austausch ihre Partnerfamilie zu treffen. Mit Rahel und Jann
Dhel haben weitere 1700 Jugendliche und ihre Angehörigen einen interessanten
Tag in Sierre erlebt. Die beiden lassen ihre Eindrücke Revue passieren.
28 — BS 2015 AUSGABE 04
Rahel: Mich hat das Schulhaus
in Sierre sehr beeindruckt. Es
ist sehr auffällig. Man sieht es
sofort, weil es so gross ist. Die
Farbe ist rot-orange und es hat
viel Glas. Es sieht ganz anders
aus als unser Schulhaus in Feu­
tersoey.
Jann Dhel: Ich habe mein
Zimmer gut gefunden – trotz
der Grösse des Schulhauses. Es
war im dritten Stock. Vor der
Zimmertür warteten schon
andere Jugendliche. Sie kamen
aus Monthey im Wallis und
aus Orpund bei Biel. Ich war
der einzige Schüler von GsteigFeutersoey. Wir sind ja auch nur
zwei Siebtklässler.
Rahel: Wir brauchten fast zwei
Stunden von Feutersoey nach
Sierre. Bis Aigle war die Strasse
schneebedeckt, und auf der
Rückfahrt schneite es stark. Mir
hat das Wallis sehr gefallen. Es
hat viele Reben und viel weniger
Schnee als bei uns. Vor Sion
habe ich die Tour Saint Martin
gesehen. Dort oben auf dem
Tsanfleuron-Gletscher bin ich
oft mit den Ski. Sion und Gsteig
sind ja fast Nachbarn. In Sierre
hat es viele Geschäfte. Mutter
und ich gingen in Sierre Mittag
essen und danach einkaufen.
Jann Dhel: Wir hatten eine
gemütliche Fahrt. Ich schlief bis
Aigle, wo ich dann aufgewacht
bin. Wir haben auch in Sierre
gegessen, bevor wir wieder nach
Hause fuhren. Ich ass Lamm­
fleisch und Pommes Frites. Ich
habe das selber auf französisch
bestellt.
Rahel: Am Abend vor dem
Treffen habe ich meiner Part­
nerin ein SMS geschickt und
darum haben wir uns schon vor
dem Schulhaus mit ihren Eltern
getroffen. Meine Mutter ging
dann mit Lines Eltern in die Aula
für die Informationsveranstal­
tung der Eltern und Line und ich
in den vierten Stock ins Zimmer
402. Im Zimmer bekamen wir
ein Blatt mit Fragen, die wir den
anderen Jugendlichen stellten.
Die Fragen waren französisch
und deutsch. Ich fragte zum
Beispiel eine französische Schü­
lerin auf deutsch, ob sie gerne
aufräumt. Sie antwortete mit ja.
Dann spielte ich mit Line «Stadt,
Land, Fluss». Ich gewann. Dann
gingen wir hinunter zur Aula
und zu unseren Eltern.
Jann Dhel: Vor dem Klassen­
zimmer sprach ich mit den
Deutschschweizern. Mein Part­
ner war auch bei seinen Kolle­
gen. Bei mir wurden dann auch
Fragen gestellt, und je nach Ant­
wort stellte ich mich an einen
Ort im Zimmer. Bei diesem Spiel
war ich mit meinem Partner
Jakes zusammen. Bei der Frage,
wer hat gerne Sport und wer
hat gerne Sprachen, war ich der
Einzige, der lieber Sprachen als
Sport hat. Wir haben dann noch
ein Quiz gemacht. Ein Quiz über
Bern und Wallis.
Rahel: Line wohnt in der Nähe
von Sion in einem schönen
Häuschen. Wir haben die Familie
nach dem Treffen besucht und
ich weiss jetzt schon, wo ich
wohnen werde. Sie haben ein
Katze, die heisst Filou. Der Vater
heisst Frédéric und die Mutter
Marianne. Die Schwester von
Line heisst Lucille und ist vier
Jahre alt. Line liebt Autos. Ihr
Zimmer ist voll davon. Sie hat
keine Puppen. Nur ferngesteu­
erte Autos. Lucille ist sehr lustig
und verspielt. Line ist sehr nett.
Wenn sie ein Wort auf Deutsch
nicht weiss, dann regt sie sich
furchtbar auf und will es unbe­
dingt wissen.
Jann Dhel: Ich traf nur Jakes’
Mutter. Der Vater ist Franzose.
Meine Mutter hat mit Jakes’
Mutter Informationen ausge­
tauscht – Telefonnummern,
Adressen und so. Meine Mutter
kann Französisch, also haben
sie französisch gesprochen. Ich
glaube, Jakes hat eine erwach­
sene Schwester, die nicht mehr
zu Hause wohnt. Jakes hat fast
nichts gesagt. Ich auch nicht.
Nur seine und meine Mutter
haben viel gesprochen. Ich habe
mich noch nicht so getraut zu
sprechen.
Fortsetzung auf der nächsten Seite
INFORMATIONEN
ZUM SPRACHAUSTAUSCH
Ablauf:
Der Austausch beginnt mit
einem gemeinsamen Eltern- und
Schülerabend im Wallis oder
im Kanton Bern. Die Hälfte der
Schülerinnen und Schüler der Berner
Schule begeben sich ins Wallis, wo
sie von ihren Austauschpartnern und
Austauschpartnerinnen empfangen
werden. Von Samstag bis Mittwoch
nehmen sie am alltäglichen Leben
ihres Austauschpartners teil und
besuchen die örtliche Schule.
Sie wohnen in der Familie ihres
Austauschpartners. Im zweiten
Zyklus (Mittwoch bis Sonntag)
nehmen sie ihren Austauschpartner
bei sich zu Hause auf. Die zweite
Schülergruppe nimmt von
Samstag bis Mittwoch ihre
Austauschpartner bei sich im
Kanton Bern auf und begibt sich von
Mittwoch bis Sonntag ins Wallis.
Modalitäten:
Reise: Am Samstag respektive
Sonntag ist die Reise ins Wallis
Sache der Eltern. Dadurch entsteht
die Möglichkeit, die andere
Familie kennen zu lernen. Am
Mittwoch wird die Reise durch
die Schule organisiert, welche
die Partnerschüler ins Wallis oder
zurück in den Kanton Bern bringt.
Termine: Lehrpersonen und
Schulleitung können sich
laufend durch die Koordination
informieren lassen. Die Planung
der Austausche beginnt im
Herbst. Wenn Sie mitmachen
möchten, sollten Sie vor Ende
September Kontakt aufnehmen.
Informationen: www.2l1z.
weebly.com
Kontakt: Thomas Raaflaub,
Austauschkoordinator des Kantons
Bern, Chalet Gandalf,
3784 Feutersoey,
033 755 13 12, 078 885 40 40,
[email protected]
LP und Schulleitungen können sich
laufend durch die Koordinatoren
informieren lassen. Ich gehe
persönlich in die Schulen und
stelle die Austauschprogramme
an Lehrerkonferenzen und /oder
an Elternabenden vor. Kontakt
unter: www.bernechanges.ch.
Google – austausch bern
(damit kommt man auf den
Austauschauftritt der ERZ)
Die Planung der Austausche
beginnt im Herbst. Bis Ende
September sollten wir wissen,
wer mitmachen will.
Kosten: Die Kosten für Kost und
Logis werden von den Gastfamilien
übernommen. Die Kosten für
den Transport und Ausflüge
können vom Kanton Bern und Pro
Patria übernommen werden.
Kontakt im Vorfeld: Die Vor­
bereitungsphase (Briefwechsel,
telefonischer Kontakt, …) wird
in der Klasse organisiert.
Teilnahme: Grundsätzlich nimmt die
ganze Klasse an diesem Schulprojekt
teil. Falls jemand (aus persönlichen
Gründen) nicht teilnehmen kann,
muss die Klassenlehrperson oder die
für den Austausch verantwortliche
Lehrperson kontaktiert werden.
29 — BS 2015 AUSGABE 04
«2 langues – 1 Ziel» ergänzt
Schulunterricht
FOKUS
Vor der Schule, in der Schule, nach der Schule
Wege finden, sich bei Kräften zu halten
und die Freude nicht zu verlieren!
A T M E N, A U F A T M E N,
DURCHATM EN
Atemarbeit nach Prof. Ilse Middendorf, Berlin
Ab Donnerstag, den 30. April 2015; Letzter Kurstag ist am
25. Juni 2015, 8 Mal, jeweils von 18.45 bis 19.45 Uhr,
Bern, Thunstrasse 24, Fr. 230.–
Informationen und Anmeldungen: M. Gfeller-Liechti,
dipl. Atem­lehrerin, Tel. 062 961 44 29, [email protected]
MUSISCH-PÄDAGOGISCHE WEITERBILDUNG
Seit 1978
Für LehrerInnen, KindergärtnerInnen, SpielgruppenleiterInnen, Gymnastik-,
Tanz- und SportlehrerInnen, MusiklehrerInnen, SozialpädagogInnen
Ausbildungsinhalte: Theater und Theaterpädagogik, Improvisation,
Rhythmik, Bewegung, Tanz, Musik und Gesang, Abschluss-Zertifikat
Daten: 28. August 2015 bis 09. Juli 2016, Freitags 14.45 bis 21.15 Uhr + 5 Wochenend-Workshops
Tel: 079 773 45 72 / Mail: [email protected] / www.metzenthin.ch / Freiestr. 58, 8032 Zürich
Jann Dhel: Auch ich freue mich
sehr auf den Austausch. In
Monthey hat es ein Labor, wo
man Frösche sezieren kann. Das
habe ich auf der Homepage der
Schule gesehen. Das Sezieren
würde ich sehr gerne machen.
Ich würde auch zuerst gerne
nach Monthey gehen und in der
zweiten Hälfte des Austauschs
mit Jakes in Gsteig sein.
Rahel: Im Austausch lernt man
besser französisch, es ist sehr
interessant und ich kann eine
andere Schule kennen lernen
und erlebe, wie dort unterrichtet
wird.
30 — BS 2015 AUSGABE 04
Jann Dhel: Ich kann diesen Aus­
tausch nur empfehlen, weil man
gut Französisch lernt und neue
Freunde kennen lernen kann.
Von Samira Borner
Für LehrerInnen, die gerne ihre Füsse spüren und sich ihres Standpunktes sicher sein wollen.
Jann Dhel: Ich glaube, dass
­Jakes’ Mutter aus Afrika
stammt. Das finde ich gut,
denn sie ist sehr nett.
Rahel: Im Austausch gehe ich
zuerst ins Wallis und dann
kommt Line zu mir nach Feu­
tersoey. Ich freue mich auf den
Austausch. Ich bin neugierig
auf Lines Schule und freue mich
auf ein Wiedersehen mit der
Familie.
Ein neuer Fachbereich ist geboren – Wirtschaft,
Arbeit, Haushalt
Frische Luft aus
den Freibergen
für Ihre Schulreise!
Bieten Sie Ihren Schulklassen
spannende und informative
Ausflüge mitten in der Natur.
•
Trotti-Bike-Fahrt in die Tabeillon-Schlucht
(für Motorfahrzeuge gesperrt)!
•
Neu: Führung und Unterhaltungsprogramm zum
Thema «Historische Züge» im Eisenbahndepot
La Traction in Pré-Petitjean.
•
Exkursion zum Naturzentrum «Les Cerlatez»,
geführter Rundgang im Naturschutzgebiet
des Weihers La Gruère.
Profitieren Sie von unseren Rabatten
für Schülertransporte!
les-cj.ch
Chemins de fer du Jura
Marketing
Rue de la Gare 11
CH-2350 Saignelégier
Tel. 032 952 42 90
[email protected]
Nebst den Fächern Natur und
Technik und Deutsch studiere
ich im neuen Studienfach Wirt­
schaft, Arbeit, Haushalt. Bis
anhin kannte man dieses Un­
terrichtsfach unter dem Namen
Hauswirtschaft und inhaltlich
war das Kochen der Hauptbe­
standteil. Mittlerweile, nach
Studienplan 13, richtet sich
dieses Unterrichtsfach auf drei
Teilbereiche aus: Der Teil der
Wirtschaft soll den Schülerinnen
und Schülern unsere Wirtschaft
und deren Funktionieren näher­
bringen und ihnen ein Bild davon
vermitteln, was mit unserem
Geld wie geschieht.
Im Bereich Arbeit geht es unter
anderem darum, den Jugendli­
chen die verschiedenen anfallen­
den Arbeiten im Haushalt aufzu­
zeigen und Wertschätzung und
Respekt gegenüber denjenigen
zu vermitteln, welche diese oft
zeitintensiven Aufgaben erledi­
gen. Häufig ist es für die Jugend­
lichen nämlich selbstverständ­
lich, dass die Mutter putzt, kocht
und einkauft. Dass all diese Tä­
tigkeiten aber mit Zeit und somit
auch mit Geld verbunden sind, ist
ihnen gar nicht bewusst, denn es
ist ja immer alles schon erledigt.
Zu diesem Thema werden auch
sogenannte Zeitbudgetstudien
erstellt, damit den Schülerinnen
und Schülern aufgezeigt werden
kann, wie viel Arbeit eigentlich
tagtäglich völlig unentgeltlich
geleistet wird.
Im Teilbereich Haushalt wer­
den vor allem die Tätigkeiten im
Haushalt betrachtet und gemein­
sam Kompetenzen erarbeitet.
Das Kochen gehört auch in die­
sen Bereich. Im Vergleich zum
alten Studienplan nimmt das Ko­
chen und allgemein das prakti­
sche Arbeiten im Haushalt einen
viel kleineren Platz ein.
Persönlich finde ich es sehr
wertvoll, wird neu auch das The­
ma Wirtschaft behandelt. Die
Schülerinnen und Schüler sollen
lernen, wie unser Wirtschafts­
kreislauf funktioniert und was
in der Betriebswirtschaft sowie
in der Volkswirtschaft passiert.
Auch der Teilbereich der Arbeit
hat meiner Meinung nach seine
Berechtigung. Schliesslich wird
im Alltag zu Hause überwiegend
unentgeltliche Arbeit geleistet.
Häufig ist auch genau deshalb
die Wertschätzung diesbezüg­
lich eher gering. Die Jugendli­
chen sollen also sensibilisiert
werden und ihre Verantwortung
in der Familie wahrnehmen. Da
der Fachbereich Wirtschaft, Ar­
beit, Haushalt aber nun ein viel
breiteres Themengebiet umfasst
als bis anhin, kommt leider das
praktische Arbeiten in der Küche
für meinen Geschmack etwas zu
kurz. Anstelle von ganzen Menus
werden neu wohl eher Snacks
oder einfache Gerichte zuberei­
tet und in Form eines Buffets an­
gerichtet.
Weiter ist auch zu nennen, dass
alle Fächer nach dem neuen Lehr­
plan, somit auch der Fachbereich
WAH, kompetenzorientiert sind.
Ziel ist es nicht mehr primär,
einfach Wissen zu erlernen, son­
dern sich Fähigkeiten und Fer­
tigkeiten anzueignen, die für die
Zukunft relevant sind. Dies ist
sicherlich eine Herausforderung,
aber ich denke, der Aufwand
lohnt sich, denn die Veränderung
hat für die Jugendlichen einen
grossen Mehrwert.
Des einen Freud ist des anderen
Leid. So ist es wahrscheinlich
auch beim neuen Fachbereich
WAH. Aber meines Erachtens
ist der Mehrwert durch die zwei
zusätzlichen Teilbereiche grösser
als der Verlust durch die Verklei­
nerung des Bereichs Kochen.
Und womöglich wird sich durch
diese Anpassung auch das Bild
des Hauswirtschaftsunterrichts
verändern, denn bis heute ha­
ben viele Vorurteile gegenüber
diesem Fach. Ich würde es mir
jedenfalls wünschen, schliesslich
ist es ein sehr abwechslungs­
reiches und spannendes Unter­
richtsfach.
31 — BS 2015 AUSGABE 04
Rahel: Ich habe mit Line hoch­
deutsch gesprochen, und wenn
sie es nicht verstanden hat, habe
ich es auf Französisch wieder­
holt. Ich hatte das Gefühl, dass
mich Line verstand, und ich habe
verstanden, was sie mir sagen
wollte. Die Mutter von Lines
Vater kommt aus dem Simmen­
tal. Er kann deshalb Schweizer­
deutsch und mit meiner Mutter
sprach er Dialekt. Lines Gross­
vater kommt aus dem Kanton
Freiburg. Die Eltern von Lines
Mutter kommen aus Italien.
EINE PH-STUDENTIN ERZÄHLT
FINANZRATGEBER
GUIDE FINANCIER
KAPITAL ODER RENTE?
CAPITAL OU RENTE ?
Von Oliver Grob
Par Oliver Grob
Ein Dauerbrenner in der Beratungspraxis des LEBE-Finanzplaners: Soll die Altersleistung
der BLVK vollständig als Rente oder teilweise in Kapitalform bezogen werden?
C’est un sujet omniprésent dans la pratique du conseiller financier de LEBE :
Convient-il de retirer les prestations de vieillesse de la CACEB uniquement sous
forme de rente ou aussi par un versement partiel en capital ?
32 — BS 2015 AUSGABE 04
KAPITALBEZUG –
GUT ZU WISSEN:
• Der Ehepartner muss
mitunterzeichnen
• Teilpensionierung: gestaffelter
Bezug bringt Steuervorteile
• Achtung! Steuerliche Folgen,
sofern ein Einkauf in den
letzten drei Jahren vor dem
Teilkapitalbezug erfolgt ist
• Alle Vor- / Nachteile: siehe
unsere Seminarbroschüre
auf www.glauserpartner.ch
• Ehe- und erbrechtliche
Aspekte einbeziehen
• Bezogenes Kapital flexibel
und steuergünstig
anlegen: Alternativen wie
Leibrenten, Zeitrenten,
Wertschriftenlösungen
vergleichen
spruch auf Alterskinderrenten
besteht. Kinderrenten gibt es bis
Alter 18 und, sofern das Kind in
Ausbildung ist, bis maximal zum
25. Altersjahr. Bei einem Teilka­
pitalbezug fallen diese Renten
entsprechend tiefer aus. Bei ei­
nem Ehepaar mit zwei Pensions­
kassen stellt sich zudem die Fra­
ge, bei wem der beiden der Bezug
erfolgen soll.
Gibt es Anzeichen dafür, dass die
Lebenserwartung stark einge­
schränkt ist? Da die Altersrente
von der durchschnittlichen Le­
benserwartung ausgeht, wäre dies
ein Grund für einen Kapitalbezug.
Allerdings ist dieses Kriterium
nur in Ausnahmefällen eine Ent­
scheidungshilfe. Wer kann (oder
will) schon abschätzen, wann die
letzte Stunde schlagen könnte.
Natürlich spielt auch die finan­
zielle Gesamtsituation eine we­
sentliche Rolle. Versicherte in
knappen wirtschaftlichen Ver­
hältnissen tendieren zur sichers­
ten Variante. Das ist zweifelsoh­
ne die Rente. Wer im Ruhestand
noch auf andere finanzielle Mittel
zurückgreifen kann und damit
sogenannt «risikofähiger» ist,
kommt für einen Kapitalbezug
eher in Frage. Dies gilt auch für
jene, die mit einer hohen Steuer­
progression zu kämpfen haben.
Der steuerliche Vorteil des Kapi­
talbezuges liegt darin, dass dieser
zu einem reduzierten Satz (Vor­
sorgetarif) und getrennt vom
übrigen Einkommen besteuert
wird. Die Rente hingegen wird
ein Leben lang zu 100 Prozent als
Einkommen versteuert.
Nebst den objektiven, rechne­
rischen Kriterien ist auch das
«Bauchgefühl» wichtig. Men­
schen, die in finanziellen Belan­
gen möglichst einfache Lösungen
suchen, sind tendenziell mit der
Pensionskassenrente gut bedient.
Wem viel an einer lebensläng­
lichen
Einkommenssicherheit
liegt, ebenfalls. Die Erfahrung
zeigt, dass ein sicheres Sockel­
einkommen aus der Pensionskas­
se im Alter zunehmend geschätzt
wird. Wir empfehlen, die Einnah­
men den Ausgaben gegenüberzu­
stellen. Anhand dieses Verhält­
nisses lässt sich entscheiden, wie
viel das «sichere» Einkommen
betragen soll und auf wie viel Ren­
te zugunsten eines Kapitalbezugs
verzichtet werden kann.
Für alle, die sich mit dem Ent­
scheid schwertun, kann der
pragmatische Mittelweg eine
sinnvolle Lösung sein: ein Teil­
kapitalbezug von zum Beispiel
25 Prozent. Damit lassen sich die
Vorteile eines lebenslänglichen
Renteneinkommens mit dem
Reiz eines frei verfügbaren Ka­
pitals kombinieren. Sicherheit,
Planbarkeit, Flexibilität und
Steuervorteile: Mit einer fun­
dierten und cleveren Planung ist
dies alles möglich.
Oliver Grob, eidg.
dipl. Finanzplanungsexperte
und Kaufmann HKG, ist
Partner bei der
Glauser+Partner
Vorsorge
AG in Bern.
Glauser+Partner
ist offizieller
Finanzratgeber
von LEBE und
berät Lehrerinnen und Lehrer
in Vorsorge-,
Steuer- und
Vermögens­
fragen.
Bild: zvg
Oliver Grob, expert en planification financière
dipl. féd. et employé de commerce diplômé ECCA, est
partenaire de
Glauser+Partner
Vorsorge
AG, à Berne.
Glauser+Partner
est le conseiller financier officiel de LEBE et
conseille les enseignantes et les
enseignants pour
les questions de
prévoyance, de
fiscalité et de fortune.
Le règlement de la CACEB auto­
rise le prélèvement de la moitié
au maximum du capital-épargne.
La requête pour toucher ce capi­
tal doit être faite par écrit au plus
tard trois mois avant la retraite.
Si l’on souhaite maintenir le capi­
tal d’épargne à l’intérieur de la fa­
mille et qu’on trouve gênant que
l’intégralité du capital reste à la
caisse de pension en cas de dé­
cès prématuré, il est préférable
d’opter pour le versement du ca­
pital. La même remarque est va­
lable pour toutes les personnes
qui recherchent l’indépendance,
la liberté de planification ou les
avantages fiscaux.
Les assurés dont le conjoint ou
le partenaire, notablement plus
jeune, pourrait profiter encore
très longtemps d’une rente de
conjoint doivent tenir compte
de cet aspect. Il en va de même
pour les retraités ayant droit à
une rente pour enfant. Une telle
rente est accordée pour chaque
enfant plus jeune que 18 ans ou,
en cas de formation en cours,
jusqu’à 25 ans. Lors d’un prélè­
vement partiel du capital, ces
rentes s’en trouvent réduites.
Pour les couples avec deux caisses
de pension se pose aussi la ques­
tion de savoir qui va demander le
versement de capital.
Et doit-on craindre une nette li­
mitation de l’espérance de vie ?
Ce serait alors une raison pour
choisir le retrait de capital,
puisque la rente viagère se fonde
sur l’espérance de vie moyenne.
Il n’en demeure pas moins que
ce critère n’aide que rarement à
prendre une décision. Qui peut
(ou veut) supputer quand sa der­
nière heure pourrait survenir ?
Bien entendu, la situation finan­
cière d’ensemble joue aussi un
rôle important. Les assurés en si­
tuation de précarité préféreront
la variante la plus sûre. Et c’est
sans aucun doute la rente. Le re­
traité qui peut puiser à d’autres
ressources, ayant une plus
grande capacité de risques, déci­
dera plutôt de retirer le capital.
Il en va de même pour les contri­
buables confrontés à une forte
progression d’impôts. En effet –
c’est là l’avantage fiscal – le ca­
pital est imposé séparément des
autres revenus selon le barème
plus avantageux applicable à la
prévoyance. A l’inverse, la rente
sera une vie durant toujours im­
posée à 100 pour cent, comme un
revenu.
A côté des critères objectifs fon­
dés sur les calculs, la décision
a aussi une importante dimen­
sion intuitive. Les personnes
qui recherchent les solutions les
plus simples possible dans le do­
maine financier sont en géné­
ral bien servies avec une rente
de caisse de pension. Des gens
qui accordent une grande impor­
tance à la sécurité viagère, égale­
ment. L’expérience montre qu’un
revenu minimal garanti issu de
la caisse de pension est toujours
plus apprécié quand l’âge avance.
Nous conseillons d’établir une
balance des recettes et des dé­
penses. Sur la base de ce rapport,
on décidera du montant du reve­
nu « sûr » nécessaire et à quelle
proportion de la rente il est pos­
sible de renoncer en faveur d’un
prélèvement de capital.
Toutes les personnes qui ont de
la peine à se décider feront bien
de choisir la voie pragmatique du
juste milieu avec, par exemple,
un prélèvement de capital de 25
pour cent. Une telle solution as­
socie les avantages d’un reve­
nu sous forme de rente viagère
avec l’attrait d’un capital libre­
ment disponible. Sécurité, plani­
fication, flexibilité et avantages
fiscaux : voilà ce qu’un plan bien
fondé et intelligent permet de
concilier.
PRÉLÈVEMENT
DU CAPITAL –
CE QU’IL FAUT
SAVOIR :
• Le consentement écrit du
conjoint est nécessaire
• Retraite partielle : les prestations
échelonnées présentent
des avantages fiscaux
• Attention aux répercussions
sur les impôts dans le cas
où un apport volontaire (un
rachat) a eu lieu dans les
trois années précédant le
prélèvement partiel du capital
• Tous les avantages et
désavantages : consultez notre
brochure du séminaire (en
allemand) sur le site Internet
www.glauserpartner.ch
• Intégrer les aspects de
droit matrimonial et
successoral à la réflexion
• Placer le capital anticipé
retiré à des conditions fiscales
favorables : comparer plusieurs
alternatives comme rentes
viagères, rentes temporaires,
solutions de prévoyance-titres
33 — BS 2015 AUSGABE 04
Das BLVK-Reglement erlaubt ei­
nen Teilkapitalbezug von maxi­
mal 50 Prozent des Altersgutha­
bens. Der entsprechende Antrag
muss bis spätestens drei Monate
vor dem Altersrücktritt einge­
reicht werden.
Wer das BLVK-Altersguthaben
gerne innerhalb der Familie si­
chern möchte und sich daran
stört, dass bei einem vorzeitigen
Todesfall das ganze Kapital an die
Pensionskasse geht, ist mit dem
Kapitalbezug besser bedient. Für
all jene, die Unabhängigkeit und
Planungsfreiraum oder Steuer­
vorteile suchen, gilt dasselbe.
Versicherte mit einem wesent­
lich jüngeren Ehe- / Lebenspart­
ner, welcher im Todesfall möglicherweise noch sehr lange von
der Ehegattenrente profitieren
kann, sollten dies beim Ent­
scheid berücksichtigen. Dassel­
be gilt, wenn im Ruhestand An­
KURZ UND BÜNDIG
KURZ UND BÜNDIG
Mit dem Velo in die Schule
Seit einigen Jahren gibt es ein Gesicht für die Förderung des wissenschaftlichen Unterrichts auf allen Schulstufen:
Urs Gfeller hat sich mit «Magic Science» der Aufgabe verschrieben, die Naturwissenschaften von der schönen Seite
zu zeigen. Unter dem Motto «Wissenschaft macht Spass» soll die Neugierde der Schüler geweckt werden.
Wer neugierig ist, stellt Fragen. Wer Fragen stellt, entwickelt Interesse. Und wer Interesse hat, lernt besser.
Als Chemiker hat Urs Gfeller
über 30 Jahre in der Kunst­
stoff- und Medizinaltechnikin­
dustrie in leitenden Positionen
gearbeitet. Vor zwei Jahren
hat er sich entschieden, sich in
Zukunft hauptsächlich mit der
Förderung des naturwissen­
schaftlichen Unterrichts an den
Schulen zu beschäftigen. Mit
der Plattform «Magic Science»
konnte er diesen Traum rea­
lisieren und damit im Bereich
MINT ein willkommenes Un­
terstützungsangebot schaffen.
Das Angebot
Urs Gfeller bietet chemische
und physikalische Experimen­
te mit einem gewissen ShowCharakter. Sie enthalten Stof­
fe und Materialien, die in den
Schulen oft nicht vorhanden
sind. Lehrpersonen, die wis­
senschaftlichen Unterricht er­
teilen, wissen, wie aufwändig
die Vorbereitung von Schul­
versuchen ist. Magic Science
bietet Experimente deshalb als
fixfertige Sets über einen On­
line-Shop an. Daneben führt
Urs Gfeller sogenannte Science
Shows für ganze Schulen an.
Bis zu 400 Kinder und Lehr­
personen erfreuen sich jeweils
an den mysteriösen und magi­
schen Showexperimenten. Im
Rahmen der grossen Messen in
Basel (MUBA), Bern (BEA), St.
Gallen (OFFA) und in andern
Städten gibt es ausserdem die
tunAnlässe, an welchen Kinder
und Schulklassen interaktiv
Naturwissenschaften erleben
können. Auch an diesen wirkt
Urs Gfeller aktiv mit.
Die Kosten
Die Auftritte und Produkte wer­
den von zwei grosse Stiftungen
in der Schweiz, deren Zweck
die Förderung der Naturwis­
senschaften ist, finanziell un­
terstützt. Dank dieser Institu­
tionen können alle Produkte
und Auftritte den Schulen zu
günstigen Preisen angeboten
werden. Konkret: Ein Auftritt
kostet eine Schule zirka 950
statt 2000 Franken. bs
Weitere Informationen:
www.magicscience.ch
Lehrpersonen übernachten in den Schweizer
Jugendherbergen neu kostenlos
34 — BS 2015 AUSGABE 04
Ab sofort offerieren die Schweizer Jugendherbergen kostenlose Logis und Frühstück für Lehrpersonen, die mit ihren Schü­
lern oder Studenten in einem der Häuser des schweizweiten Netzwerks übernachten. Mit dieser Neuerung unterstützt die
Non-Profit-Organisation Schulen und Universitäten bei der Durchführung von Klassenlagern und Studienreisen.
Die Schweizer Jugendher­
bergen bieten an zahlreichen
Standorten in der Schweiz spe­
zielle und abwechslungsreiche
Unterkünfte für Klassenlager
an. Nun sind die Jugendher­
bergen für Schulen und Uni­
versitäten noch attraktiver
geworden, denn Lehr- und
Begleitpersonen übernachten
neu während ihres Lagers kos­
tenlos. Bei einer Gruppe bis 20
Schüler offerieren die Schwei­
zer Jugendherbergen den
Aufenthalt für zwei Lehr- oder
Begleitpersonen; pro weitere
zehn Schüler ist eine zusätzli­
che Begleitperson gratis. «Es
ist uns ein Anliegen, Schulen
und Universitäten Lager- und
Projektwochen zu ermögli­
chen», sagt Fredi Gmür, CEO
der Schweizer Jugendherber­
gen. Er begründet: «Schüle­
rinnen und Schüler lernen da­
bei unser Land besser kennen
und können ausserhalb des
klassischen Unterrichts wert­
volle soziale Erfahrungen sam­
meln.» Das neue Angebot gilt
in 46 Jugendherbergen. Aus­
genommen sind die Jugend­
herbergen Bellinzona, Engel­
berg, Fiesch, Gersau, Lugano
und Romanshorn.
Weitere Informationen:
www.youthhostel.ch / gruppen
Mit dem Frühling kommt
auch die Velosaison wieder.
bike2school motiviert Klas­
sen aus der ganzen Schweiz
zum Velofahren. Schülerinnen
und Schüler ab der vierten
Primarschulstufe fahren so
oft wie möglich mit dem Velo
zur Schule und sammeln da­
bei Punkte und Kilometer im
Wettbewerb um attraktive
Klassen- und Einzelpreise.
Jetzt für die Frühlingsaktion
anmelden.
Weitere Informationen: www.
bike2school.ch
Die neuen Schweizer Meister sind gekürt
JUGEND DEBATTIERT 84 Jugendliche haben sich für den Final von «Jugend debattiert» qualifiziert.
Die vier besten pro Kategorie schafften es bis in die Endrunde und lieferten sich am 21. März 2015
im Kursaal Bern brillante Debatten. Unter ihnen: die 16-jährige Eva Angehrn aus Mittelhäusern, wel­
che die «berner schule» in der letzten Ausgabe vorgestellt hat. Zum Schluss konnten sich im Deutsch­
schweizer Final andere mit noch schlagkräftigeren Argumenten durchsetzen.
In der Schweiz wird politische
Bildung gelebt – dies bewie­
sen die Teilnehmenden am
Final von «Jugend debattiert»
in rhetorisch hochstehenden
Wortwechseln. Das Projekt un­
ter dem Patronat der Stiftung
Dialog hat zum Ziel, Jugendli­
chen Kompetenzen zu vermit­
teln, die sie dazu befähigen,
gestärkt an politischen Pro­
zessen teilzunehmen. Für die
Deutschschweiz zuoberst aufs
Treppchen schafften es Justin
Paljuh, Luzern (2000), und
Till Haechler, Luzern (1996).
Sie debattierten zusammen
mit 82 weiteren Jugendlichen
um den Schweizer-MeisterTitel. Am 21. / 22. März 2015
im «Campus Muristalden» in
den Finalvorrunden und an­
schliessend im Kursaal Bern in
den Finaldebatten. Dem Final
gingen insgesamt 30 regiona­
le Vorausscheidungen in allen
Landesteilen voraus.
Dieses Jahr stand der Final von
«Jugend debattiert» in einem
besonderen Kontext. Im Bei­
sein von Bundespräsidentin
Simonetta Sommaruga wurde
am Vormittag des 21. März
2015 im Kursaal Bern der
«Campus für Demokratie» lan­
ciert. Die Bundespräsidentin
unterstrich die Bedeutung der
politischen Bildung und Parti­
zipation, speziell auch von Ju­
gendlichen. In der direkten De­
mokratie der Schweiz, in dem
die Bürgerinnen und Bürger
so viel Verantwortung über­
nehmen, brauche es die Bevöl­
kerung, die sich zu komplexen
Vorlagen eine Meinung bilde,
die mitrede und engagiert an
demokratischen
Prozessen
teilnehme, sagte Sommaruga
in ihrem Grusswort.
Bei den Debatten von «Jugend
debattiert» werden die Themen
vorgegeben, die Sprechzeiten
beschränkt und die Pro- bzw.
Kontra-Positionen erst kurz
vor Beginn ausgelost. In der
Finaldebatte der Kategorie I
(Jahrgänge 1999–2002) debat­
tierten die Jugendlichen über
eine zweite Gotthardröhre für
den Strassenverkehr. In der
Kategorie II (Jahrgänge 1995–
1998) lautete das Thema: «Soll
der Bundesrat auf neun Mit­
glieder erweitert werden?» bs
Reden über Liebe, Sex und solche Sachen
Sind Sie momentan an der Planung des sexualkundlichen Unterrichts? Möchten Sie Ihr Angebot
ergänzen und den Jugendlichen die Möglichkeit geben, bei einer sexualpädagogischen Fach­
person Fragen zu stellen? Ab August 2015 gibt es bei der Berner Gesundheit freie Termine für
sexualpädagogische Gruppengespräche.
Bereits in der ersten Ausgabe
2015 der «berner schule» wur­
de das sexualpädagogische An­
gebot der Berner Gesundheit
vorgestellt. Die sexualpäda­
gogischen Gruppengespräche
sind eine geeignete Ergänzung
zur schulischen Sexualkunde
und ab der 6. Schulklasse mög­
lich. Zum Thema Sexualität ha­
ben Jugendliche viele Fragen
und Unsicherheiten – oft auch
durch die Medien hervorge­
rufen. Die Fachpersonen der
Berner Gesundheit orientieren
sich an den Fragen und An­
liegen der Jugendlichen und
fördern den selbstbestimmten
Umgang mit Sexualität. Sie ori­
entieren auch über weiterfüh­
rende Angebote, Fachstellen
und Internetseiten.
Lehrpersonen können sich bei
der Berner Gesundheit auch
über geeignetes Unterrichts­
material informieren oder bei
konkreten Anliegen und Fra­
gen eine Fachberatung oder
ein Coaching in Anspruch
nehmen. Für das Schuljahr
2015 / 2016 können Termine
für die sexualpädagogischen
Gruppengespräche online oder
telefonisch gebucht werden.
Kontakt: Berner Gesundheit,
sexuelle Gesundheit,
Eiger­strasse 80, 3007 Bern,
Tel. 031 370 70 95,
[email protected],
www.bernergesundheit.ch
35 — BS 2015 AUSGABE 04
Wissenschaft macht Spass
AGENDA
Weiterbildung für Gestaltungs­
lehrpersonen
Industriestrasse 37,
3178 Bösingen
Telefon 031 740 97 83
www.lernwerkbern.ch
15.110 Comics und Cartoons
zeichnen – Basiskurs
Es ist immer spannend, schnell etwas zu visualisieren. In diesem Kurs
lernst du, mit einfachen Formen und
Elementen eine Figur zu entwickeln
und zum Leben zu erwecken.
Kiesen, ab 16.10.2015
Kursleitung: Sandro Fiscalini
Materialgeld: Fr. 40.–, Kursgeld:
für bernische Lehrpersonen kostenlos (Nichtmitglieder bezahlen
Adminis­trationsgebühr)
Anmeldeschluss: 14.9.2015
15.214 König, Bauer, Kuh …
welche Figur baust du?
Figuren sind innere Bilder. Hand-,
Finger- und Stabfiguren sind dank
ihrer einfachen Spieltechnik ideal.
Mit vorwiegend textilen Materialien
gestaltest du eine Persönlichkeit
nach deiner Vorstellung.
Bern, ab 4.9.2015
Kursleitung: Kathrin Fröhlin
Materialgeld: Fr. 55.–, Kursgeld:
für bernische Lehrpersonen kostenlos (Nichtmitglieder bezahlen
Adminis­trationsgebühr)
Anmeldeschluss: 1.7.2015
15.311 Abenteuer Ton: neue
Ideen für reizvolle Objekte
Mit Wachs, Gips, Pflanzen und Fotos
gestalten wir Keramikobjekte. Der
persönliche Bezug ist roter Faden
im Kurs: Meine Hand gibt die Form,
meine Lieblingsblume ist mein
Werkzeug.
Münsingen, ab 16.9.2015
Kursleitung: Brigitta Briner King
Materialgeld: Fr. 70.–, Kursgeld:
für bernische Lehrpersonen kostenlos (Nichtmitglieder bezahlen
Adminis­trationsgebühr)
Anmeldeschluss: 16.8.2015
15.400 Faszination Papierschnitt
Ausschneiden und stehen lassen:
Angeregt durch viele Inputs in meinem Papierschneide-Atelier lernen
wir den Umgang mit dem Schneidestift und erkunden Möglichkeiten für
den gestalterischen Ausdruck.
Vordemwald (AG), 19.9.2015
Kursleitung: Bruno Weber
Materialgeld: Fr. 10.–, Kursgeld
für Mitglieder: Fr. 148.–, Kursgeld
für Nichtmitglieder: Fr. 178.–
Anmeldeschluss: 14.8.2015
pirierend und das Produkt bekommt
einen speziellen Charakter.
Kaufdorf, 12.9.2015
Kursleitung:
Gabriela Grossniklaus Berli
Materialgeld: Fr. 45.–, Kursgeld
für Mitglieder: Fr. 133.–, Kursgeld
für Nichtmitglieder: Fr. 163.–
Anmeldeschluss: 3.7.2015
15.416 What the hell is Urban Art?
Urban Art ist eine angesagte Kunstform im öffentlichen Stadtraum,
oft an der Grenze zur Illegalität. Du
lernst im Kurs verschiedene Möglichkeiten kennen, wie diese Kunstform
in der Schule eingesetzt werden
kann.
Kaufdorf, 30.5.2015
Kursleitung:
Gabriela Grossniklaus Berli
Materialgeld: Fr. 35.–, Kursgeld
für Mitglieder: Fr. 133.–, Kursgeld
für Nichtmitglieder: Fr. 163.–
Anmeldeschluss: 24.4.2015
15.409 Trickfilme mit dem
Handy herstellen
Trickfilme herstellen ohne Technikschlacht? Das Handy macht es
möglich! Wir erzeugen in diesem
Kurs auf einfache Weise Trickfilme
und schauen uns Unterrichtsbeispiele an.
Bern, 5.9.2015
Kursleitung:
Yvonne Eckert-Morgenthaler
Materialgeld: Fr. 20.–, Kursgeld
für Mitglieder: Fr. 67.–, Kursgeld
für Nichtmitglieder: Fr. 82.–
Anmeldeschluss: 3.7.2015
15.500 Hand made –
Kreatives­ Sticken
Ob Kreuzstich, Vor- oder Festonstich, wir sticken (wieder)! Der freie
Umgang mit dem traditionellen
Textilhandwerk macht auf allen
Stufen Spass und lässt sich leicht im
Unterricht umsetzen.
Bern, ab 29.8.2015
Kursleitung: Doris Berner
Materialgeld: Fr. 60.–, Kursgeld
für Mitglieder: Fr. 245.–, Kursgeld
für Nichtmitglieder: Fr. 305.–
Anmeldeschluss: 3.7.2015
15.415 Von Eitempera bis Acryl
Nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht
macht es Sinn, Farben selber herzustellen. Das Anmischen ist sehr ins-
15.5062 Mach mal blau: Was aus
ausgedienten Jeans werden kann
Aus gebrauchten Jeans gestalten wir
neue Objekte: Trendiges für die Woh-
nung, praktische Taschen, bezaubernde Täschchen, Accessoires, Spiele.
Urtenen-Schönbühl, 16.9.2015
Kursleitung: Sabin Rüegg-Hubacher
Materialgeld: Fr. 35.–, Kursgeld
für Mitglieder: Fr. 133.–, Kursgeld
für Nichtmitglieder: Fr. 163.–
Anmeldeschluss: 1.7.2015
PHBern, Institut für
Weiterbildung und
Medienbildung
Weltistrasse 40, 3006 Bern
Tel. 031 309 27 11,
[email protected],
www.phbern.ch
Mit Licht gestalten
Räume und Figuren werden durch
den bewussten Einsatz des Lichts
verändert und modelliert; der Kurs
führt in die Grundlagen des Lichts
ein und zeigt mögliche Transfers in
den eigenen Unterricht unter Einbezug von Schülerinnen und Schülern.
Samstag / Sonntag, 9. / 10. Mai 2015,
8.30–16.30 Uhr, Burgdorf.
Mehr: www.phbern.ch / 15.185.401
Konflikte und Emotionen
Die eigenen Emotionen wahrnehmen und ausdrücken und
die emotionale Befindlichkeit
anderer erfassen und angemessen
darauf reagieren, daran arbeiten die
Schulleitenden in diesem Kurs. Sie
lernen zudem, ihre Einfühlungs- und
Abgrenzungsfähigkeit in Konfliktgesprächen zu stärken. Der Kurs gilt
als Wahlangebot im MAS Bildungsmanagement. Freitag, 29. Mai 2015,
9.00–17.00 Uhr, Bern.
Mehr: www.phbern.ch / 15.434.001
36 — BS 2015 AUSGABE 04
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CsBe
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Ab August 2015 in Bern:
Informatiker/-in EFZ
für Schulabgänger (4j) + Berufsumsteiger (2j)
Mediamatiker/-in EFZ
für Schulabgänger (4j; Möglichkeit zur Berufsmaturität)
ICT Ausbildungszentrum Bern – 031 398 98 00 – www.csbe.ch
Computer-Grundlagen –
ECDL-Modul Base
Der Kurs bietet Sicherheit beim
Arbeiten am Computer und hilft
dabei, die ICT-Grundlagen von Computern, Mobilgeräten, Software und
Zubehör zu verstehen. Am Ende des
Kurses kann die ECDL-Modulprüfung
abgelegt werden. Mittwoch, 20. / 27.
Mai 2015, 13.30–17.00 Uhr, Bern.
Mehr: www.phbern.ch / 15.634.005
an Lehrpersonen des Kindergartens,
der Unter- und Mittelstufe. Mittwoch, 22. April 2015, 14.00–17.00
Uhr, Bern.
Mehr: https: / /www.phbern.
ch / schule-und-weiterbildung /
mediothek-und-medienbildung /
veranstaltungen / impuls-und-infoveranstaltungen.html
WICHTIGE
TERMINE
3. Juni 2015
LEBE-Tag 2015 unter dem
Motto «Potenziale»
Das herausfordernde Mitarbeitendengespräch
Wie gelingt es, den Prozess der Zielvereinbarung auch im schwierigen
Mitarbeitendengespräch optimal zu
gestalten? Der Kurs informiert die
Schulleitenden über entsprechende
hilfreiche Techniken und betrachtet
das Mitarbeitendengespräch als Teil
der ganzheitlichen Personalführung.
Freitag, 22. Mai 2015, 13.30–17.00
Uhr, Bern.
Mehr: www.phbern.ch / 15.436.001
Informationsveranstaltung­
Passepartout Sek I
Kennen Sie die Weiterbildungsangebote für Englisch und Französisch im
Schuljahr 2015 / 16? Die Informationsveranstaltung stellt diese vor
und bietet Gelegenheit, offene
Fragen zu klären. Mittwoch, 20. Mai
2015, 14.00–15.30 Uhr, Bern.
Mehr: www.phbern.ch / 15.321.010
Lernen von Musterbrechern –
Führung neu leben
Eigene Führungsmuster reflektieren,
mit neuen Mustern experimentieren
und einen Blick hinter die Kulissen
vermeintlich professionellen Managements werfen – dazu erhalten
Schulleitende Gelegenheit und
gewinnen so Impulse für den eigenen Führungsalltag. Der Kurs gilt als
Wahlangebot im MAS Bildungsmanagement. Samstag, 25. April 2015,
9.00–17.00 Uhr, Bern.
Mehr: www.phbern.ch / 15.412.008
Gestalten – aktiv!
Die Fachgruppe Schultheater und
die Fachgruppe Gestalten geben
Ideen zum Einsatz des Objekttheaters im Schulalltag: Figuren
entstehen aus Gegenständen des
Schulalltags und werden im Spiel
belebt. Zudem werden Einsatzmöglichkeiten mit den angefertigten
Objekten vorgestellt und ausprobiert. Die Veranstaltung richtet sich
SCHLOSS SPIEZ
Geschichte am Originalschauplatz erleben
Mittelalter Workshops für die Mittelstufe
NEU: Ernährung und Familie Einst & Heute
Gratis Download didaktische Materialien
Infos und Anmeldung: Schloss Spiez,
Schlossstrasse 16, 3700 Spiez
Tel. 033 654 15 06, [email protected]
Täglich offen, Saisonende: 18. Oktober 2015
www.schloss-spiez.ch
37 — BS 2015 AUSGABE 04
lernwerk bern
AGENDA
RUBRIKTITEL
BEZUGSQUELLEN
Erlebnisunterricht
Schulmuseum Bern in Köniz
Muhlernstr. 9, Haberhuus, Schloss Köniz, 3098 Köniz
Museum 031 971 04 07 | Kontakt K. Hofer 031 971 20 40
• Historisches Schulzimmer um 1940 mit Audioguide
• Sonderausstellung 14.08.2014 bis 23.12.2015: Daheim im Schloss
• Historische Schreib- und Mathematiklektionen, Führungen
• Ausleihe: historische Lehrmittel, altes Schulmobiliar usw.
• Öffnungszeiten: Mi und Sa 14-17 Uhr / So 13-16 Uhr, Eintritt 5.-
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Unter Rubrik : « Planung und Einrichtung von Schulraum »
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[email protected]; www.digidrum.ch
Ich war nämlich kürzlich bei Küsu. Küsu
betreibt im Nachbardorf ein Fachgeschäft für
Kaffeemaschinen, eins, das weit über die Region
hinaus bekannt ist, weil Küsu ein grundehrlicher
und grundanständiger Kerl ist, der niemandem
eine 2000-fränkige «Jura» aufschwatzt, wenns eine
günstige «Saeco» auch tut, und weil unsere hoch­
geschätzte «Quick Mill Retrò», die wir vor einigen
Jahren bei ihm erstanden hatten, eines Morgens
aus allen Fugen spritzte, brachte ich sie ihm zur
Reparatur. Küsu, ein Endvierziger mit hoher Stirn,
modischem Bärtchen und schwerem Ohrring, den
alle Küsu nennen, weil er sich allen so vorstellt,
schaute sich die Maschine kurz an, sagte, da sei bloss
die Kolbendichtung kaputt, ich solle doch schnell
nach hinten in die Werkstatt kommen, es sei ja eh
nicht viel los, dann könne er die Maschine gleich
auch noch putzen und entkalken. Er ging voran,
stellte das Gerät auf die Werkbank, begann mit
Schraubenzieher und Ringschlüssel zu hantieren,
und erst jetzt fiel mir auf, dass er anders aussah
als zwei Jahre zuvor, als ich ihn zum letzten Mal
gesehen hatte, er hatte abgenommen und mach­
te – wie soll ich sagen? – einen durchsichtigeren
Eindruck, zudem war mir aufgefallen, dass er ganz
leicht hinkte. Auf meine zaghafte Nachfrage begann
er zu erzählen: wie er und seine sieben Töffkollegen
im Mai 2013 auf der Rückfahrt von einem Motor­
radtreffen im Osten Tschechiens in einen schweren
Unfall verwickelt worden seien. Ein entgegenkom­
mender Autofahrer war am Steuer sekundenkurz
eingeschlafen und frontal in die Töffgruppe gerast.
Küsus Kumpel E., der an der Spitze gefahren war,
starb noch an der Unfallstelle, zwei Kollegen, die
auf Position drei und vier unterwegs waren, wur­
den leicht verletzt, die hintersten vier konnten
ausweichen und kamen mit dem Schrecken davon.
Küsu war der zweitvorderste. Er kollidierte
mit dem Auto, erlitt schwere innere Verletzun­
gen, wurde im nahen Spital notoperiert und
wenig später in die Schweiz geflogen. Aortariss,
zig-fache Beckenfraktur, ein beinahe zerfetzter
Darm – heisst: vier Monate Spital, anderthalb
Jahre Rehabilitation, dreizehn Operationen mit
Vollnarkose, während Wochen künstliche Ernäh­
rung, noch jetzt hat er kein Gefühl im rechten
Bein – darum das leichte Hinken –, und in seinem
Laden steht er erst wieder seit wenigen Monaten.
Soweit Küsus Geschichte. Es ist eine Geschich­
te, wie man sie immer mal wieder hört: Einer hat
Pech, einer hat Glück, und der, der Glück hat, wird
meist religiös oder stellt sein Leben sonstwie auf
den Kopf. Küsu aber trat weder in eine Freikirche
ein, noch schwor er dem Töfffahren ab, und ohne­
hin war es weniger die Geschichte an sich, die mich
an- und berührte, als vielmehr die Art und Weise,
wie Küsu sie mir erzählte: nämlich – obwohl er
sie bestimmt schon hundertmal geschildert hat­
te – mit sehr viel Aufmerksamkeit, Bewusstheit
und Zugewandtheit. Er redete mit mir und zu mir,
wollte, dass ich verstand, liess mich Anteil nehmen
an seinem Leben – kurz: Er war ganz bei der Sache.
Fast eine Stunde lang stand ich schliesslich
in Küsus Werkstatt. Ganz am Schluss, als unsere
«Quick Mill» wieder zusammengesetzt war und
sauber geputzt auf dem Tisch stand, fragte ich
ihn unnötigerweise: «Und jetzt, Küsu, lebst du
anders als vor dem Unfall?» Und er sagte, was
ich längst wusste: «Ich nehme mir heute ein­
fach mehr Zeit – für mich und die anderen.»
Martin Lehmann
Martin Lehmann ist Redaktor bei Radio SRF 2 Kultur
und Vater dreier Töchter. Kontakt: [email protected]
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