Liegen. Sitzen. Stehen. Gehen. Springen. Fliegen. Fallen. Was

Kurzbeschreibung der Ordnungsmuster
[email protected] Linz, 1.3.2015
Bericht zur Ausstellung im Künstlerforum Bonn 02.2015 / Version 2
Die aktuelle Ausstellung: 27.2. - 22.3.2015
Liegen. Sitzen. Stehen. Gehen. Springen. Fliegen.
Fallen. Was Menschen tun - und wie.
Die Ausstellung eröffnet einen außergewöhnlichen Blick auf die Kunst der Performance in Verbindung
mit ethnografischen Studien und ist als Projekt des E.P.I. Zentrum Köln in Zusammenarbeit mit dem
Künstlerforum Bonn entstanden. Als Gesamtkunstwerk von Boris Nieslony und Gerhard Dirmoser
konzipiert will sie in über 3000 fotografischen Abbildungen zeigen, was Menschen tun und wie.
International beteiligen sich Performancekünstler mit Dokumentationen an der experimentellen,
diagrammatischen Präsentation. Vervollständigt wird sie durch Videozusammenfassungen von Roland
Bergère.
http://www.kuenstlerforum-bonn.de/aktuell.html
http://thelyingonthefloorabandonedtolie.blogspot.co.at/ Sibylle Ettengruber BLOG
Die Abfolge der Verben
Sieben primäre Verben (Haltungsverben) galt es räumlich zu berücksichtigen.
Die logische Abfolge der 7 Verben sollte im Raum nachvollziehbar bleiben.
(liegen / sitzen / stehen / gehen / springen / fliegen / fallen)
Aus Platzgründen war beim Verb <stehen> eine Abweichung vom Grundkonzept notwendig.
Mittel/Zweck-Relation (Zweckorientierung, Funktion)
Hinter den sieben Haltungsverben verbergen sich hunderte weitere
[handlungsbezogene] Verben (Bsp.: stehend protestieren)
Archiv-Ordnung
Die Ablage-Sequenz der Mappen diente als Ausgangsordnung für die Module.
Eine Erste Zusammenstellung (für diese Ausstellung) erfolgte in digitaler Form. Je Modul
entstand ein Plateau basierend auf kleinformatigen digitalen Einzelbildern. Damit war vorab
eine grobe Einschätzung der Gesamtwirkung (je Modul) möglich. Für die Montage wurden
die Bilder in der Spalten-Ordnung bereit gelegt. Davor erfolgte (je Modul) eine AuflageKontrolle. In diesem Durchgang wurden von Boris Nieslony notwendige Ergänzungsbilder
bereitgestellt und Verbesserungen in der Zusammenstellung vorgenommen.
Für zwei der Verben erfolgte die Erarbeitung der Sequenz unmittelbar vor der Ausstellung.
Die übrigen Verben waren einer Jahre-übergreifenden (Ein)Ordnungsarbeit unterworfen.
Künstler-Beiträge (Sonderformate)
Einige markante Beiträge wurden in die Standard-Module integriert. Für Text-Beiträge und
Sonderformate wurden eigene Wandbereiche reserviert.
Architektur
Zwei Stockwerke waren als geschlossene Einheit aufzufassen.
Um den <Bilder-See> Rechnung zu tragen, galt es den Balkon frei zu spielen.
Raumöffnungen und Durchblick-Situationen
Band-Orientierung (als primäre Gestaltungsgeste)
Foto: Thomas Reul
Senkrecht aus dem Band ausbrechen (fliegen & fallen)
Foto: Thomas Reul
Bilder-See als visuelle Leit-Metapher
Foto: Thomas Reul
Matrix-Ordnung
Wegen der enormen Stückzahl der Bilder konnten (im definierten Raum-Angebot) keine
offenen Cluster-Ansätze (wie in der MAERZ-Ausstellung in Linz) umgesetzt werden.
http://www.valentineverhaeghe.com/wp-content/uploads/2013/01/LINZweb.jpg
http://thelyingonthefloorabandonedtolie.blogspot.co.at/
Großformatige Bilder sorgten in visueller Hinsicht für die virtuelle Modul-Rahmung.
Die Bildposition in der Matrix (Randlage vs. mittige Lage) wird primär durch die Reihe (der
Mappenfolge) bestimmt.
Modul-Gliederung (7x7)
Die Modulgröße ergab sich durch die A4-Formate (7 x 0,3 = 2,1 m und 7 x 0,21 = 1,45 m).
Da Spalten-Satz und Zeilen-Satz zur Anwendung kam, hat sich die Modulgröße von 7x7
Einheiten angeboten.
Höhe Umlauf-Band / Konsumierbarkeit
Mit der Regelhöhe von 2,1 m war die Einsehbarkeit aller Bilder sicher gestellt.
Modulverschmelzung im Eingangsbereich (als Ausnahme von der Regel)
Auflockerung im Eingangsbereich
Nachtbeleuchtung
Decken-Höhe
Abstützung über Architektur-Elemente / Auslassungen bei Traversen
Nicht nutzbare Flächen (Fluchtwege ….)
Nutzung einer Tür-bedingten Freifläche für die Medientechnik der Eröffnungsreden
Platzierung der Monitore
Durch die Lage der Steckdosen waren kaum Freiheitsgrade gegeben. Es wurde der Versuch
unternommen die Monitore vor dem ersten Modul bzw. nach dem letzten Modul eines Verbs
zu montieren.
Ausbrechen aus der Matrix-Ordnung
Für die Präsentation der Bildbeispiele aus dem Feld der performance art wurden eigene
Wandbereiche reserviert. Bedingt durch die bereitgestellten Sonderformate konnte die
Matrix-Ordnung nicht beibehalten werden. Die zeilenartigen und zT. symmetrisch aufgebauten Bildfolgen der Künstlerbeiträge heben sich - als zusätzliches Angebot - klar vom Rest
der Archiv-Ausstellung ab. Erste Platzierungsversuche (als gestreute Clusterung) wurden
wieder rückgebaut, um dem Gesamtkonzept in seiner <ruhigen Strenge> Rechnung zu
tragen.
Ruhige Modul-Blöcke
Die Ruhe (und Musikalität) einzelner Module, aber auch der Tableaus zueinander, ergab sich
im Zueinander der jeweils 49 Bildeinheiten. Nachträgliche Korrekturen wurden (im Rahmen
der Bild-Montage) nur an ca. 15 Stellen vorgenommen.
Über lange Zeiträume kumulierte (Ein)Ordnungsarbeit wird als Qualität- gerade auch in
dieser modulartigen Übersichtspräsentation sichtbar. Die Replazierung einiger weniger Bilder
kann den Charakter eines Tableaus schwerwiegend verändern.
Binnen-Gewichtung
Form-Gewicht, Farb-Gewicht, Bewegungstendenz, ….
Die starken Bewegungsmuster beim Verb <springen> wirken sich auch auf das
Erscheinungsbild der Module aus.
Leichtigkeit
In keinem Bereich der Ausstellung wird man von der Menge der Bilder erdrückt. Die
Tageslichtsituation bietet eine freundliche Grundstimmung. Im Sonnenlicht kommt es
zum Aufleuchten jener Bereiche, die einen hohen Anteil an Farbbildern aufweisen.
Foto: Thomas Reul
Sockel-Nutzung
Im ersten Stock wurden die bis zu 20 mm großen Spalten zwischen Sockel und Wand mit
einem Abdeckband geschlossen.
In allen Bereichen der Ausstellung wurde das graue Sockelband als visuelles
Stützungselement für die Module verwendet. Das funktionierte, obwohl sich die weißen
A4 Trägerblätter praktisch nicht von der Wand abhoben.
Zeilen-Ordnung vs. Spalten-Ordnung
In den Themenbereichen <sitzen>, <springen> und <fliegen/fallen> wurden die Bilder (je
Modul) in der Spalten-Orientierung angeordnet. Für <liegen>, <stehen> und <gehen> war
u.a. aus Bildformat-Gründen die Zeilen-Orientierung anzuwenden. Die ästhetischen
Konsequenzen dieser Grund-Orientierung wurde (per Vertauschung von Zeilen und Spalten)
an einem Modul überprüft.
Die Sammlung als Bild-Stapel und die Mappen-Ordnung forciert ein Denken im
Nebeneinander (und sequentiellem Hintereinander).
Es war sehr spannend zu entdecken, daß die Mappen-Ordnung der jeweils ca. 600 Bilder
(je Modul) bereits in einer Art 7er Gliederung vorlag (Vergleiche dazu den Chunk-Begriff in
der Kognitionspsychologie). Das ordnende Denken von Boris Nieslony führt zu kompakten
Bildgruppen, die auch aus dem Gesichtspunkt der Familienähnlichkeit gefaßt werden können.
Leserichtung
Von links nach rechts in der Zeile.
Von oben nach unten in der Spalte.
Beim Verb <Sitzen> wurde in der ersten Auflage der Versuch unternommen, die mittlere
der sieben Zeilen als Klasse aufzufassen und die sechs übrigen Zeilen als Belege für das
jeweils typische (mittig platzierte) Bild. Dieser Ansatz wurde aber wieder verworfen.
Platzierung im Normformat A4
Die Rolle der [weißen] Rahmung
Die Montage der Bilder auf dem A4 Blatt erfolgt in vielen Fällen un-mittig. Dabei werden von
Boris Nieslony Wegstrukturen, architektonische Kerbungen, Blickführungen,
Bewegungstendenzen, … aufgegriffen, weiter geführt, gestützt und auch ausgeglichen.
Die Summe dieser platzierungstechnischen Einzelentscheidungen hat großen Einfluß auf die
ästhetische Wirkung ganzer Module. Der Eindruck der Ruhe, Lebendigkeit und Musikalität
speist sich aus all den dabei getroffenen [formalen] Entscheidungen.
Diese Verschiebungen reagieren auf die strukturelle Ausgangslage innerhalb der Bilder
(also auf Farbgewichte, Helligkeitskontraste, dominante Formen, Bewegungsgesten, …).
Anschneiden von Bildern
In einigen wenigen Fällen wurden zweiseitige Bildangebote als Doppelblätter gestaltet.
Integration von Querformaten
A4-füllende Querformate wurden durch die Nachbarbilder abgedeckt bzw. maskiert.
Auch in den Randspalten konnten (in der Modulordnung mit 10 cm Zwischenraum) keine
Querformate montiert werden. In ca. 20 Fällen mußte innerhalb einer Zeile eine
formatbedingte Repositionierung vorgenommen werden.
Bildgröße im A4 Rahmen
Inhalte u. Quer/Längs-Orientierung
Das Verb <liegen> hat mehr Querformate zu bieten als die Verben <gehen> und <stehen>.
Inhalte u. Bildgröße / Inhalte u. Farbeinsatz
An mehreren Modulen ist klar ablesbar, daß sich Bild-Inhalte signifikant auf die Bildgröße
auswirken. Lebenserhaltende Maschinen (linker Modul) werden eher kleinformatig in S/W
präsentiert, Babybilder oftmals seitenfüllend und in fröhlicher Farbigkeit gestaltet.
Sitzende Kinder (linker Modul) vs. sitzende Frauen (rechter Modul)
Blick & Körperhaltung / Blick-Verläufe / Blickfolgen
Blickbögen und Verläufe von Kopfhaltungen / Blickausrichtungen über Bilder hinweg
Mit der Ausrichtung der Körper (zueinander), der Kopfhaltung und dem kommunikativen
Setting ergeben sich auch Blickrichtungen und Blickbewegungen, die für die inhaltliche
Entschlüsselung sehr bedeutsam sind.
Siehe auch:
Der sprechende Körper – Texte zur Theateranthropologie (1996) Hg. Walter Pfaff, Erika Keil,
Beat Schläpfer
Figurationen – Rhetorik des Körpers in den Autobiographien von Michel Leiris (2012)
Regine Strätling
Herausstechen – Herausfallen
Bilder, die über Module hinweg heraus stachen, wurden in ihrer Platzierung hinterfragt.
In Summe wurden aber nur ca. 15 Bilder re-platziert oder ersetzt.
Mediale Quellen
Über 30 Jahre betreibt Boris Nieslony die konsequente Ausschlachtung diverser
Zeitschriften/Zeitungen inkl. sorgsamer Aufarbeitung. Die gelackten Wochenend-Beilagen
treffen im Modul auf ältere Tiefdrucke und ausgearbeitete Foto-Prints.
Farbbilder vs. S/W Bilder
Hochglanz-Farbbilder (in unterschiedlichen Formaten) sind in der Cluster-Gestaltung eine
Herausforderung. S/W Bilder sind vergleichsweise einfach zu kombinieren.
Zeilen-Bildung
Die von KünstlerInnen bereitgestellten Beiträge wurden je Verb in zeilenartiger Form
zusammengestellt. Jede andere Formation wurde im Kontext der Matrix-Module als formal
zu aufgeregt empfunden.
Foto: Thomas Reul
Inhaltlicher Reichtum oder inhaltliche und mengenmäßige Überforderung?
Im Zuge der Aufarbeitung der Sammelmappen wurde jedes Bild auch digital dokumentiert.
Mit Hilfe dieser Digitalbilder entstand die Grundbelegung je Modul als digitales Tableau.
Dieser Entwurf wurde in einer physischen Modul-Auflage kontrolliert und bei Bedarf von
Boris Nieslony verbessert.
Das Aufsammeln der Bilder erfolgt montagegerecht in einer Spalten-Orientierung.
In einer Zusatzbetrachtung wurden je Bild Verben und Eigenschaftsworte assoziiert.
Vor der Hängung der Bilder wurden 2-4 Spalten auf Vorbereitungstischen aufgelegt.
Von dort erfolgte die Übertragung auf die Wandflächen.
Im ersten Durchgang erfolgt eine Befestigung mit 2 Stiften, danach wurden ca. 60% der Bilder
mit Doppelkleber-Elementen stabilisiert. In einem dritten Durchgang wurden die Bilder noch
mit 1-3 Zusatzstiften befestigt und damit möglichst plan/straff fixiert.
Die beteiligten Kräfte waren also im Laufe der Wochen in 6-8 Arbeitsschritten mit jedem Bild
auch 6-8 mal in Kontakt, wobei in zumindest 3 Schritten auch eine Betrachtung im Kontext
der Nachbarbilder erfolgte.
Foto: Thomas Reul
Auch wenn man es vorerst kaum für möglich halten würde, stellte sich durch die
Bearbeitungsschritte eine so hohe Vertrautheit mit den Bildern ein, daß nachträglich
ausgewechselte Ergänzungsbilder bei befestigungstechnischen Kontrollrundgängen ohne
Anstrengung entdeckt wurden, ja geradezu aus der vertrauten Menge der Ausgangsbestückung heraus sprangen.
Semantische Felder
In der Regel wird der Standpunkt vertreten, daß mit einem einzelnen verbalsprachlichen
Begriff (wie liegen, sitzen, stehen, gehen, ….) zweifelsfrei ein bestimmter Sachverhalt oder
ein bestimmtes Bewegungsmuster ausgedrückt werden kann.
Diese Ausstellung bestätigt einerseits die Mächtigkeit dieser Verbalbegrifflichkeit (für sieben
ausgewählte Verben), andererseits werden visuell hunderte unterschiedliche Anwendungssituationen (je Begriff) erschlossen, was in semantischer Hinsicht eine hoch differenziertes
Feld eröffnet.
Um dieses semantische Feld verbalsprachlich abzutragen, kommen je Verb (wie liegen,
sitzen, stehen, gehen, …) für die Gesamtheit der gezeigten Bilder, hunderte weitere Verben
und zusätzlich hunderte Eigenschaftsworte mit ins Spiel.
Das heißt,
(1) die semantischen Feinheiten werden im Rahmen der gezeigten Alltagssituationen
mit Hilfe der Bilder nonverbal ins Spiel gebracht
(2) wir sind in der Lage in diese sozialen Situationen per Bild einzusteigen und sie im Rahmen
der eigenen Lebenserfahrungen zu verstehen bzw. zu lesen
(3) und wir sind auch in der Lage ohne große Anstrengung weitere Verbal-Begriffe zu
assoziieren, um die Art und Weise (des Tuns), den Habitus, den energetischen Einsatz
näher zu fassen.
Durch die Kontextualisierung mit Bildern ähnlicher lebensweltlicher Situationen, erschließen
sich auch Szenen, die in vereinzelter Darbietung der Bild (vorerst) nicht klar zu verstehen
waren. Es kommt wechselseitig zu einer Öffnung bzw. Erschließung, wobei mit Hilfe von
Bildsequenzen feinste Aspekt-Diskussionen abgehalten werden können.
Zueinander der Bilder
Der unglaubliche Reichtum dieser Ausstellung ergibt sich durch über 3000 bewußt gesetzte
Paarungen, die sich zusätzlich in über 25.000 Bild-Nachbarschaften (im nächsten Umfeld)
niederschlagen (Entfernung der Bilder: Distanz = 1).
Wie anstrengend und zeitraubend die Sichtung einer (noch) ungeordneten Versammlung von
Bildern sein kann, zeigt sich in den ersten Schritten einer ausstellungsgerechten
Aufarbeitung. Über die Jahre wurden zu einzelnen Begriffen (wie liegen, tragen, …) mehr als
tausend Exemplare in Kartons versammelt.
Erst durch die Portionierung nach einfachen Kriterien wie <Einzelperson, Paar, Gruppe,
Menge> und im Detail weiter nach <Erwachsene (männlich, weiblich), Kind> entstehen
Teilcluster, die in einer Boden- oder Tisch-Auflage überschaubar einem Detailvergleich
unterzogen werden können.
Das sinntragende Fundament der gesamten Ausstellung liegt also in diesen Bild-Paarungen.
Diese Paarungen können nach unterschiedlichsten Kriterien erfolgen und es können in
Teilbereichen (der Sequenzen) unterschiedlichste Strategien zur Anwendung kommen.
Ähnlichkeit / Gegenbeispiel / Konfrontation / Ergänzungsstück / Spezialisierung /
Konkretisierung / Aspekt-Diskussion / Aufschlüsselung / …
weiteres Fundstück / weiterer Beleg / …
Historischer Vergleich / kultureller Vergleich / ästhetischer Vergleich / …
Oftmals erfolgt die Bearbeitung nicht im Vorfeld einer Präsentation, sondern laufend bei der
Einarbeitung aktueller Funde. Dabei kann ein Einzelbild einen neuen Blick eröffnen und somit
einige bereits eingeordnete Bilder aus der bestehenden Sequenz heraus ziehen, um einen
neuen Teilbereich zu begründen.
In vielen Fällen findet sich sehr schnell ein ideales Nachbarbild und das neue Bild zwängt sich
damit an einer Stelle in die bereits bestehende Sequenz.
Im Rahmen der Mappen-Ordnung kann im Prinzip nur die Sequenz festgehalten werden.
Durch Trennblätter können auch Subthemen als Kapitel abgegrenzt werden.
Andere (komplexere) Zuordnungsbeziehungen sind nur über gezeichnete Diagramme,
digitale Auflagepläne oder Datenbank-Relationen zu fassen. Für die Ausstellung in Bonn
wurde das zweite der hier genannten Verfahren angewendet.
Bei der Übertragung der Basis-Sequenz in die Matrix (der Ausstellung) können die
zusätzlichen zeilenbezogenen Nachbarschaften mit bedacht werden, was auch zu
Veränderungen in der Sequenz zur Folge hat.
Siehe dazu auch: Interpiktorialität – Theorie und Geschichte der Bild-Bild-Bezüge (2013)
Hg. Guido Isekenmeier
Zwischen-Bilder / Übergangsbilder
Im Zuge der Einordnung wird jedes Bild im Rahmen der Sequenz (aber zumindest in
Reichweite eines kognitiven Chunks) zum Zwischen-Bild.
Im Rahmen der wahrgenommenen Ähnlichkeit könnten sich die Bilder schrittweise von einer
Ausgangssituation entfernen, aber auch schrittweise einer anderen Situation annähern.
Im Zuge dieser schrittweisen Transformationen wären die beteiligten Bilder (in der Kette) als
Übergangsbilder zu fassen.
Dieser Ansatz hat sich in der Klassifikation hybrider Ordnungsbilder (meiner DiagrammSammlung) bewehrt und wird auch mit Hilfe der Software SemaSpace (Dietmar Offenhuber)
unterstützt.
Diese schrittweisen Übergänge (einer Serie oder Reihe) können auch mit den Methoden von
George Kubler gefaßt werden. Auch der Begriff der Familienähnlichkeit (Wittgenstein) kann
für diese Fragestellungen fruchtbar gemacht werden.
Siehe dazu:
The shape of time – Remarks on the history of things (1962) George Kubler
The Life of Forms in Art (1934/1992) Henri Focillon
Narration / Überblick vs. Narration
In dieser Ausstellung werden die Bildsequenzen in der Regel nicht explizit für kleine
Erzählungen genutzt. Was aber nicht ausschließt, einzelne Paarungen oder kurze Bildketten
in der Wahrnehmung/Lesung als Narrativ aufzufassen. So können bewußt erstellte
Konfrontationen auch zeitlich als vorher/nachher (bzw. als Verben-Ketten) interpretiert
werden.
Siehe dazu:
Diagramm und Narration (2014) LiLi Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik –
Dezember 2014 / Heft 176 / Jahrgang 44 (mit Beiträgen von Matthias Bauer, Hartmut
Bleumer, Udo Friedrich, Gert Hübner, Sybille Krämer, Henrike Manuwald, Christine Putzo,
Hans Jürgen Scheuer)
Kulturelles Gedächtnis
Diese Ausstellung macht auch klar, daß es sich hier um eine qualitativ hochwertige Auswahl
von Bildern handelt. Per TV, Kino, Tageszeitung, Fachzeitschrift, WWW sind wir täglich einer
wahren Bilderflut ausgesetzt. Letztlich bleiben aber nur wenige Bilder dauerhaft in unseren
Köpfen hängen.
Die von Boris Nieslony kuratierte Sammlung ist ein kultureller/anthropologischer Schatz, der
in Papierform deutlich macht, was es als <kulturelles Gedächtnis> über Generationen hinweg
zu pflegen gilt. Siehe dazu: Jan Assmann & Aleida Assmann
Wie wenig befriedigend dabei die Bild-Treffer der Internet-Suchmaschinen sind, läßt sich
anhand der sieben Verben sehr schnell überprüfen, wobei zu bedenken ist, daß Verben und
Eigenschaftsworte auch bei der Textsuche im WWW nur zu wenig relevanten Treffern führen.
Auch die Sammlung von Roland Bergère – die sich aus Treffern der TV-Kanäle speist – beruht
auf einer unglaublich zeitraubenden Selektions- und Ordnungsarbeit. Es lohnt sich die ca.
2500 Bildpaarungen und Bildcluster der elektronischen Buchseiten (in der Doppelprojektion)
zu betrachten und auch im Kontrast zur Ordnungsarbeit von Boris Nieslony zu diskutieren.
Auch in der Aufarbeitung und Präsentation von Roland Bergère spielen Bildpaare eine
tragende Rolle.
Rolle des Kurators
Das Archiv (die Sammlung) ist der Kurator. Die Personen, die in die Ordnungserstellung
involviert sind, betätigen sich im Sinne der Archiv-Ausstellung auch als Kurator.
Anfangsmodul je Verb
Für fünf Verben konnte eine räumliche Ecksituation zur Markierung des Anfangsmoduls
genutzt werden.
Der Ordnungsansatz von Boris Nieslony führt in der Regel zu markanten Anfangsmodulen.
In den Anfangssequenzen finden sich besonders Themen-typische und auch ästhetisch
markante Exemplare. Beim Verb <gehen> zeichnen sich gleich die ersten 3 Module durch
eine konzentrierte Ruhe aus.
Abschließende Gesten je Verb
WAS vs. WIE
Im Untertitel der Ausstellung „Was Menschen tun – und wie“ ist diese für Bildbetrachtung so
wichtige WIE/WAS-Frageperspektive klar angesprochen. Das WAS spricht u.a. die
Sinndimensionen an und das WIE die Form der Umsetzung, welche sich in Körperhaltungen
und Bewegungstendenzen - im Zueinander der beteiligten Subjekte und Objekte - ablesen
läßt. Gerade durch die Vorgabe dieser sieben Verben, ist das WIE der Körperhaltung und das
WIE der Grundbewegung <mit: gehen, springen, fliegen, fallen> klar vorgegeben. Im Rahmen
dieser strikten Einschränkung treten Varianten der WIE-Grundhaltung (zB. als Gangart oder
Sprungart) gut faßbar in Erscheinung.
Die klare Zuordnung des WAS benötigt im Vergleich dazu mehr kulturelles Vorwissen bzgl.
angemessener Kleidung, nützlicher Gegenstände, sozialer Kontexte, verbreiteter
Alltagsrituale und kodierter Gesten. Bei der Aufschlüsselung des WAS helfen in der Regel
weitere Bildbeispiele zu ähnlichen Szenen.
Das WAS läßt sich in einer Mittel/Zweck-Relation als zusätzliches Verb fassen.
So kann man stehend <zuhören> <aufhorchen> <abwarten> <beten> <protestieren> etc.
Ohne Schwierigkeiten lassen sich je Verb-Komplex ca. 200 weitere zweckbezogene TUNWörter assoziieren.
stehen …………… abblocken / abdecken / abgrenzen / abriegeln / abschatten / absichern / absperren / abspringen / abstützen /
abwarten / abwehren / abweisen / amtieren / anbeten / angeln / anhimmeln / anklagen / anlehnen / anprobieren / anstellen /
antreten / anzeigen / anziehen / aufhalten / aufmerken / auftauchen / auftreten / aufweisen / aufzeigen / balancieren /
bedienen / bedrohen / begeistern / begrenzen / begrüßen / begutachten / beherrschen / behindern / behüten / belächeln /
beraten / bereithalten / beschützen / besprechen / beten / betteln / bewachen / beweinen / blockieren / darstellen / decken /
deklamieren / demonstrieren / dirigieren / diskutieren / durchatmen / ehren / einbeziehen / einladen / empfangen / eröffnen /
feiern / festhalten / flankieren / formieren / frisieren / funken / gedenken / genießen / grüßen / halten / hantieren /
herausfordern / herausstechen / hinrichten / hinweisen / huldigen / hüten / kommunizieren / küssen / lesen / lieben /
markieren / musizieren / nachahmen / nachdenken / nachstellen / offenlegen / pausieren / posieren / präsentieren / predigen /
protestieren / protzen / provozieren / rasten / regeln / repräsentieren / richten / ruhen / salutieren / schminken / schmusen /
schützen / segnen / singen / sinnieren / spielen / stützen / rufen / teilnehmen / telefonieren / töten / tragen / trauern / trinken /
triumphieren / trotzen / turnen / üben / umarmen / umfassen / umgeben / umringen / unterwerfen / verdecken / verführen /
vergleichen / verhören / versammeln / versperren / verteidigen / verweilen / vorbeugen / vorführen / vorlesen / vorschieben /
vorweisen / vorwerfen / walten / warten / werben / widerstehen / zeigen / zielen / zuhören / zujubeln / zurückhalten / zusagen
anstarren / anhimmeln / anstrahlen / aufblicken / aufmerken / beaufsichtigen / beäugen / begutachten / beobachten /
betrachten / fixieren / gaffen / herabblicken / herunterblicken / horchen / lauschen / lesen / mustern / nachblicken /
observieren / schauen / studieren / taxieren / überblicken / zuhören / zuschauen
Diese Begriffe könnten zusammen mit den Bildbeispielen zu hybriden semantischen
Netzen verknüpft werden (Vergl. dazu SemaSpace).
Sinn vs. Bedeutung
Durch das Angebot der Verben wird eine Brücke geschlagen, vom sinnhaften Zueinander
(dem visuell wahrnehmbaren Sinn) zur verbalisierten, begrifflich ausgedrückten Bedeutung.
Das WIE hat neben der Körperhaltung (der Gliedmaßen und des Kopfes) und der
Blickausrichtung auch noch vielschichtige Ausdrucksdimensionen zu bieten.
Auch wenn es sich um eingefrorene Bewegungsmuster handelt, ist unser Gehirn in der Lage
Bewegungstendenzen, Kraftanstrengungen, Energieeinsatz, physiognomische Verläufe
abzuschätzen und somit Ausdrucksgesten wahrzunehmen.
Siehe auch: Wie Bilder Sinn erzeugen – Die Macht des Zeigens (2007) Gottfried Boehm
Ausdruck vs. Darstellung
In der Studie <Ästhetik als emotionale Wirksamkeit> konnte gezeigt werden, daß die
Ausdrucksdimension sehr gut über Eigenschaftsworte gefaßt werden kann.
Es wurde daher auch für die sieben Verben-Gruppen der Versuch unternommen, relevante
Eigenschaftsworte zu versammeln. Ähnlich wie bei den Zweckbezogenen Verben konnten
auch hier bis zu 200 Eigenschaftsworte je Haltungsverb erarbeitet werden.
Energie / Affizierung / Emotion / Ausdruckspotentiale
Eine Analyse der Ausdrucksdimension (mit Hilfe von Eigenschaftsworten) zeigt, daß
zu vielen Bildern - ganz ohne Anstrengung - ein passendes Adjektiv zugeordnet werden kann.
Dabei werden Stimmungen beschrieben, Bewegungsmuster und Körperhaltungen
kommentiert.
Als Beispiel: Sammlung von Eigenschaftsworten zum Verb <stehen>
abgesichert / abgestützt / abgewandt / abschätzig / abseits / abwartend / andächtig / andachtsvoll / angeberisch / angelehnt /
angespannt / angewurzelt / anklagend / anmutig / auffällig / auffordernd / aufmerksam / aufrecht / aufreizend / bandagiert /
barbusig / bedroht / beeindruckt / bestürzt / dicht / dichtauf / einsam / entblößt / entkräftet / entspannt / erschaudernd /
erschöpft / erschreckt / erstarrt / exponiert / frech / freizügig / frierend / gebeugt / gedrängt /geduldig / gefesselt / gelangweilt
/ geschützt / gespreizt / gestreckt / herausfordernd / hilflos / horchend / isoliert / jubelnd / kämpferisch / krumm / kunstgerecht
/ labil / lässig / leger / leidend / locker / machtbewußt / malerisch / martialisch / maskiert / melancholisch / miteinander /
nachdenklich / nackt / neugierig / offenherzig / provokant / ratlos / ruhig / schief / schüchtern / selbstbewußt / sexy / skeptisch
/ sprungbereit / stabil / starr / steif / still / stolz / stramm / tatkräftig / taxierend / triumphierend / trotzig / übermüdet /
umschlungen / unbedeckt / ungezwungen / unsicher / unruhig / unzüchtig / verblüfft / vereinzelt / verlegen / verliebt /
verspannt / verzagt / verzweifelt / vorführend / zeichnend / züchtig / zusammen / zweifelnd
aufgefächert / aufgefädelt / aufgereiht / ausgerichtet / aussortiert / formiert / formiert / frontal / geordnet / gestaffelt / mittig /
sortiert / symmetrisch
Diese Begriffe könnten zusammen mit den Bildbeispielen zu hybriden semantischen
Netzen verknüpft werden (Vergl. dazu SemaSpace).
Situation – Situationssinn
In Anlehnung an die sieben Ausgangsverben können wir räumliche Grundangebote
formulieren, die für zentrale Alltagsverrichtungen bestimmend sind.
liegen:
Ruhestelle (Schlafstelle, Schutzstelle, Wärmestelle, Sammelstelle)
sitzen:
Stützstelle, Abtritt-Stelle
Arbeitsstelle (Ablagestelle, Lagerstelle, Feuerstelle, Kochstelle)
stehen:
Sichtstelle, Arbeitsstelle
gehen:
Wegstelle
springen:
Bruchstelle, Grenzstelle
fliegen:
Auftriebsstelle (Wasserstelle, Auffangstelle)
fallen:
Freistelle
Als konkrete Ausformungen wären nun für jede Stelle unterschiedlichste Alltagsgegenstände,
Möblierungen, Werkzeugfamilien und jeweils angemessene Bekleidungen und
Verhaltensweisen zu benennen.
Bestimmte Leitgegenstände aktivieren in uns ein handlungsrelevantes Skript-Wissen.
Das WIE der Körperhaltungen und Werkzeughandhabungen wird so mit dem WAS
situationsrelevant in Verbindung gebracht.
Das Zueinander der beteiligten Subjekte und Objekte vermittelt den Sinn.
Vergl. dazu:
Schlaflos - Das Bett in der Geschichte und Gegenwartskunst (2015) Hg.
Mario Codognato, Agnes Husslein-Arco
Inhaltliche Grundordnung
Abzählbare Einheiten (1,2,3 Personen ,,, Menge)
Soziale Ordnung (Paar, Reihe, Formation, Ornament der Masse, …)
Geschlechtliche Trennung und Alterslage (Frauen, Männer, Kinder)
Inhaltliche Aufschlüsselung (Schlaf, Ruhepause, Erschöpfung, Ohnmacht, ….)
Die Sammlung bietet auch ausreichend differenziertes Material für eine Gender-Analyse.
Vergl. dazu:
<Weibliche> und <männliche> Körpersprache als Folge patriarchalischer Machtverhältnisse
(1980) Marianne Wex
Ein Bild öffnen (Sinn)
Die erste Öffnung der Bilder erfolgt im Rahmen der Sequenz (der Mappen-Ordnung).
Im Rahmen der Einordnung werden einzufügende Bilder auf die bereits vorhandenen Bilder
bezogen. Das neue Bild drängt sich an relevanter Stelle zwischen zwei Exemplare.
Fernbeziehungen (über die unmittelbare Nachbarschaft hinaus) können beim Blättern mit
entdeckt werden, auch wenn sie nicht explizit visualisiert werden.
Bei einer flächigen Auflage kann ein Bild durch 1 bis 8 Bilder kontextualisiert werden.
Nach der ersten zeilen- bzw. spaltenweisen Grundbefüllung der Matrix-Module, können
sinnstiftende Verfeinerungen je Matrix-Position vorgenommen werden.
Durch diese Konfrontationen werden einzelne Aspekte forciert bzw. ausdifferenziert.
Arbeitspause, Mittagspause, Ruhepause, Mittagsschlaf (Siesta), Rast
Ruhestelle, Ruhefläche
ruhen, ausruhen, pausieren
Werkstatt, Arbeitstisch, Arbeitskleidung
Öffnen = Im Zueinander die Bilder zum Sprechen zu bringen, bzw. bestimmte
Aspekte heraus zu streichen.
Bild hinter dem Bild
Im Sinne der Interpiktorialität wäre es bei Kunstwerken sinnvoll, Bildzitate weiter zu
verfolgen. Für Alltagsszenen ist diese Form der (historischen) Bezugnahme aber wenig
wahrscheinlich. Im Rahmen der Reihenerstellung (bzw. Bildketten-Erstellung) könnte aber
von erinnerten Bildern ausgegangen werden.
In verfügbaren Bildern der Sammlung könnten Exemplare der erinnerten Bilder gesehen
werden. Vergleiche auch: Kulturelles Gedächtnis
(HS/S.244) Bildketten und Bildgedächtnis
Heike Schlie: „Genau genommen gibt es das Bild im Singular nicht, zumindest nicht als
Gegenstand der Bildwahrnehmung oder Bildrezeption. <Ein Bild steht nie für sich allein>,
lautet ein häufig zitiertes Diktum Bruno Latours … .“
„Für viele materielle Bilder gilt, dass der Betrachter sie durch die Schichten zahlreicher
anderer Bilder sieht, die seiner Bilderinnerung immanent sind.“ Siehe dazu:
Wandlungen eines sakramentalen Bildverbundes in der Reformation (2010) Heike Schlie
(in: Das Bild im Plural (2010) Hg. David Ganz, Felix Thürlemann (HS)
Bilder im Kontext
Zueinander der Bilder
Eye catcher / Leitbilder
Plurale Bildlichkeit / Hyperbilder
Im Rahmen der Studien der Bildwissenschaften scheint das Konzept des <hyperimage>
von Felix Thürlemann die geeignete Methode zu sein, um über die Bild-Module dieser
Ausstellung als Diagramm zu sprechen. Siehe dazu:
Mehr als ein Bild – Für eine Kunstgeschichte des hyperimage (2013) Felix Thürlemann (FT)
Das Bild im Plural (2010) David Ganz, Felix Thürlemann
Strukturalsemantische Bildanalyse (2014) Doris Mosbach (in: Bild und Methode (2014)
Hg. Netzwerk Bildphilosophie)
(FT/S.314) Felix Thürlemann: „Die zentrale These meines Ansatzes lautet: Ein hyperimage,
wie ich die Gruppierung mehrerer grundsätzlich autonomer Bildwerke zu einem größeren
Ganzen nenne (…), ist selbst eine bedeutungstragende Einheit, die grundsätzlich nach den
gleichen Regeln analysiert werden kann wie ihre Konstituenten, die Bilder, aus denen sich das
hyperimage zusammengesetzt ist.
Wer ein bestimmtes, in ein hyperimage eingebettetes Werk betrachtet, ist nicht mehr mit
einem in sich abgeschlossenen visuellen Text konfrontiert, dessen Bedeutung er mit Bezug
auf diesen allein zu rekonstruieren hat. Die übrigen Werke dienen jetzt als Kontext und
bieten dem Betrachter einen Wahrnehmungsrahmen des Vergleichs an, der die für die
Rezeption relevanten Kategorien festlegt.
Im hyperimage liefern die Partnerwerke für das jeweilige Werk, auf das sich der Betrachter
konzentriert, einen kategorialen Rahmen, mit dessen Hilfe die Sinnkonstitution gelenkt
verläuft. Im Bezug auf einen jeweiligen Konstituenten nimmt das hyperimage – genauer:
nehmen die übrigen Bilder, die diesem angehören – die Rolle eines interpretativen
Metadiskurses ein. Jedes Werk wird in wechselnden hyperimage-Kontexten immer wieder
neu gedeutet.“
(FT/S.17) „ Die Untersuchung der Bilder unter dem Aspekt des hyperimage hat keine
Verflachung des Bildbegriffs zur Folge. Geht der Rezipient den im Bildgefüge indizierten
Bezügen nach, wird das hyperimage – dies zeigen die neun hier versammelten Analysen –
zum Korrelat eines emphatischen Bildbegriffs. Durch die vergleichende Wahrnehmung
schärft sich die Individualität des Einzelwerkes; es werden Eigenheiten sichtbar, die bei einer
isolierten Präsentation des Werkes nicht sichtbar geworden wären.
Die Rezeption eines hyperimage ist notwendigerweise ein dynamischer Prozeß, weil er vom
Betrachter einen beständigen Wechsel zwischen Einzelwahrnehmung und vergleichender
Wahrnehmung fordert.
Dieser Wechsel der Einstellung ist in einem zweifachen Sinne produktiv. Zum einen gilt: Wer
von der vergleichenden Wahrnehmung auf das Einzelbild zurückkehrt, macht die im Vergleich
erkannten Gemeinsamkeiten und Differenzen als neue Kategorie der Sinnstiftung fruchtbar;
er sieht im Einzelwerk ‚Dinge‘ – formale Einheiten, Gesten, Objekte, Bezüge zwischen den
dargestellten Objekten und Akteure -, die er zuvor nicht gesehen hat.
Dieses im Einzelbild Neu-Erkannte kann bei der Rückkehr zum großen Ganzen wiederum als
Vorgabe für neue Verknüpfungen dienen.
Dieser erste, für die Rezeption des hyperimage charakteristische Aspekt kann als ‚Prinzip der
wechselseitigen Schärfung‘ bezeichnet werden.“ (Vergl. <Öffnung> des Bildes)
Warburg der Diagrammatiker
Angesichts der in der Ausstellung gezeigten Bild-Tableaus kann man nicht umhin, Aby
Warburgs Ansätze im <Mnemosyne Atlas> anzusprechen. Umso mehr, als Warburg sein
Studium der Kunstgeschichte in Bonn begann.
(FT/S.100) Felix Thürlemann: „Mit den beiden Tätigkeitswörtern ‚übersehen‘ und ‚kritisieren‘
werden zwei unterschiedliche Reaktionsweisen angesprochen, die bei der Rezeption der
Atlas-Tafeln zusammenspielen müssen, um ihre Wirkung zu entfalten: ein synoptischer
Zugang, der das Gegebene als Ganzes wahrnimmt, und ein fokussierender Zugang, der sich
für das Einzelne interessiert, um dessen Stellenwert innerhalb des Ganzen zu beurteilen.
Dieses Zusammenspiel zweier komplementärer Blickeinstellungen ist charakteristisch für die
Rezeption jeder Art von Diagrammen und Karten, so auch von diagrammatisch konzipierten
Bildern und Bildzusammenstellungen. Eine diagrammatische Funktion haben beide, die
Grundrisszeichnung des Zimmers und die Tafel des geplanten Mnemosyne-Atlasses, bzw.
deren fotografischen Dokumentationen, die uns überliefert sind.“
(FT/S.106) „Die diagrammatisch konzipierten Tafeln in einem kommentierenden Diskurs
adäquat auszudeuten, ist jedoch aus systematischen Gründen unmöglich. Wenn unser
Verständnis der Warburg’schen Mnemosyne-Tafeln als diagrammatisch konzipierte
Bilderordnung zutrifft, kann es den einen adäquaten Kommentar nicht geben. Die Tafeln sind
Diagramme, die einen Überblick über eine Bildersumme geben, die über die
Wiederaufnahme einer beschränkten Zahl von Pathosformeln in einem Verwandtschaftsverhältnis zueinander stehen.
Mit ihrer Hilfe lässt sich eine grundsätzlich offene Anzahl von Verbindungen realisieren.
Mit diskursiven Mitteln können diese nicht eingefangen werden. Eine Analyse des
Warburg’schen Tafelwerks muss sich deshalb im Wesentlichen damit begnügen, das
kategoriale semantische Netz und die topologische Ordnung der Tafeln zu beschreiben, die
syntagmatische Struktur, von denen sie ihre bedeutungsgenerierende Kraft beziehen.“
Aby Warburg – Mnemosyne Atlas
In den Ausstellungen der letzten Jahre wurden einige Display-Formate für die
Warburg’schen Mnemosyne-Tableaus entwickelt.
http://kunstraum-muenchen.de/2014/
http://www.deichtorhallen.de/index.php?id=214
Foto: Henning Rogge
Siehe dazu: Der Bilderatlas im Wechsel der Künste und Medien (2005) Hg. Sabine Flach, Inge
Münz-Koenen, Marianne Streisand
Serie von Serien / Tableau / Zwischenraum
Didi-Huberman: “Doch vor allem ist Warburgs Atlas ein >Tableau< im kombinatorischen
Sinne – eine >Serie von Serien<, wie Michel Foucault das Tableau so treffend definiert hat.
Denn er schafft ein Ensemble von Bildern, die er dann in Beziehung zueinander setzt.”
Didi-Huberman: “Jedes >Detail< des Mnemosyne-Atlas ließe sich zweifellos als ein durch die
Wahl des Ausschnitts erzeugtes Netz von >Zwischenräumen< analysieren.”
Didi-Huberman: “Wie der Mnemosyne-Atlas mit dem Zwischenraum der Felder spielt
(arbeitet), so auch mit dem Zwischenraum der Bedeutungen.”
Siehe dazu: Das Nachleben der Bilder (2010) Georges Didi-Huberman
Doppelprojektion
Roland Bergère hat ebenfalls ca. 3000 Bildbeispiele in elektronischer Buchform aufbereitet.
Die Zusammenstellung der Bilder kann als bewußt gesetzte Doppelprojektion gelesen
werden.
Familien-Ähnlichkeit
Die Vorgabe der sieben Verben und die damit verbundenen Körperhaltungen garantieren
schon auf der Ebene der involvierten Menschkörper (und der im Rahmen der Grundhaltung
denkbaren Bewegungsmuster) einen hohes Maß an Familien-Ähnlichkeit.
Umso mehr hat mich der kognitive Drang überrascht, die jeweils über 600 Beispiele noch
immer weiter anreichern zu wollen. Jedes Bild ruft also weitere kulturelle Varianten auf
und regt uns an (zB. das Tragen von Umhängen beim Gehen, …. oder das gehende <Tragen> )
gedanklich weiter zu spinnen.
Aspekt-Sehen
Die von Boris Nieslony entwickelten Reihen, lassen bestimmte Aspekte je Bild hervortreten.
So fallen in der (unter Familienähnlichkeit) gezeigten Reihe, Formen der Stoff-Umhänge auf und über das dazwischengesetzte Kind fällt der Blick auf 3 rote Kleidungstücke - und über den
Kopf-Balanceakt wird der Begriff des Tragens mit dem Gehen in Verbindung gebracht - und
Varianten des Tragens werden damit in den angrenzenden Bildern augenfällig.
Strengere Zusammenstellungen mit mehrfacher Übereinstimmung bringen genau diese
(gemeinsamen) Aspekte verstärkt (bzw. durch die Reihe bewußt bestätigt) in den Fokus der
Aufmerksamkeit.
Abgewendet gehen – ältere Menschen mit Mantel und Kopfbedeckung – alleine in
gepflegten urbanen Strukturen ….Dämmerung, kalte Jahreszeit, Regenwetter – Bedächtigkeit
– gepflegte Einsamkeit
Zugewendet liegen – selbstbewußter Blick (in Richtung potentieller Betrachter) –
gestaltete Pose – erotisch aufgeladen – leicht bekleidet – aufwändig hergerichtet
Durch sich selbst sprechend Bilder ?
Natürlich können uns (metaphorisch gesprochen) auch vereinzelte Bilder vielsagend
ansprechen, so ferne wir mit den je relevanten kulturellen Codes vertraut sind.
WIE bzw. mit welchen Mitteln sie das tun, kann durch Bild-Reihen durchaus explizit (und nonverbal) diagrammatisch gezeigt werden.
Das WIE der Darstellung und auch das WIE des Ausdrucks kann in der Serie klar vor Augen
geführt werden. Im Zueinander sprechen die Bilder selektiver als auf sich selbst gestellt.
Menschen & Bilder
Leseansätze (siehe Konzept)
Haltung, Habitus, Tonus, Blick, Geste, Gegenstände, Kleidung, Umfeld, ….
Bildgestützte Wissensrepräsentation
Mit dieser Ausstellung zu sieben ausgesuchten Verben, sollte nachvollziehbar sein, welches
semantische Potential in ausgesuchten Bild-Reihen steckt.
Aspekte aufschlüsseln
Kulturelle Unterschiede
Historische Vergleiche
Siehe dazu: Wenn die Bilder Position beziehen (2011) Georges Didi-Huberman
Ausstellung als Diagramm
Siehe: Ordnungsmuster
Siehe: Cluster, Matrix, Sequenz, Reihe
Siehe: Felix Thürlemann – Kunstgeschichte des hyperimage
Siehe: Bildmodule als Diagramm
Tableau-Bildung durch Kante an Kante gesetzte Blätter.
Diagrammatik der Ausstellungskunst
Die Überlegungen zum hyperimage lassen sich für jede Form der Ausstellungsgestaltung
fruchtbar machen.
Beiträge dzu siehe unter: http://gerhard_dirmoser.public1.linz.at/FU/
http://gerhard_dirmoser.public1.linz.at/FU/NOTATION_Ausstellung.pdf
ATLAS – Konzepte
Da es den Rahmen dieser Kurzbeschreibung sprengen würde, soll hier nur ein kurzer Hinweis
auf relevante Literatur angeboten werden.
Atlas – How to Carry the World on One’s Back? (2010) Georges Didi-Huberman
Kultur des Diagramms (2014) John Bender, Michael Marrinan
Atmosphärische Gestaltung
Siehe: Bilder-See
Beruhigung aller Sichtachsen im Hauptraum
Grundsatzentscheidung: Balkon nicht für Bildbestückung nutzen
Keine Bilder oberhalb der breitbandigen Grundbestückung (im Hauptraum)
Maximale Genauigkeit bei der Montage und absolut plane Befestigung der Bilder
Auflageflächen (Boden/Tische) / Hintergrund-Farbe der Auflageflächen
Für die Matrix-Ordnung spielte die Art der Auflageflächen keine Rolle (durch die A4 Blätter
kommt es zu einer vollständigen Abdeckung der Wandflächen).
Beim Aufbau einer Clusterordnung (mit viel Zwischenraum) ist es wichtig die Einfärbung der
Erarbeitungsflächen auf die Wandfarbe bzw. Montageflächen abzustimmen.
Die Einschätzung der Farb-Gewichte fällt bei einem schwarzen Tuch (als Hintergrund) anders
aus, als bei einer weißen (Wand)Fläche.
Flächenbedarf – Mengenkriterium
Rein rechnerisch standen für jedes Verb ca. 11 Laufmeter Wandfläche zur Verfügung.
Die schwierige Materiallage bei <fliegen/fallen> kam den Verben <gehen> und <liegen>
zugute; letztendlich konnten jeweils 16m Wandfläche genutzt werden.
Raumnutzungskonzept / Hängung
Im Hauptraum kam es in der Umsetzung (vor Ort) zu einer Verschiebung. Gehen I II III
wurden jeweils um 6 m im Uhrzeigersinn verschoben. <Liegen> nutzt nun im Vorraum auch
die zentrale Wand. So wurde Platz für 2 Module zum Verb <Sitzen> verfügbar.
WWW Angebot Künstlerforum Bonn http://www.kuenstlerforum-bonn.de/aktuell.html
stehend …
abblocken / abdecken / abgrenzen / abriegeln / abschatten / absichern / absperren / abspringen /
abstützen / abwarten / abwehren / abweisen / amtieren / anbeten / angeln / anhimmeln / anklagen
/ anlehnen / anprobieren / anstellen / antreten / anzeigen / anziehen / aufhalten / aufmerken /
auftauchen / auftreten / aufweisen / aufzeigen / balancieren / bedienen / bedrohen / begeistern /
begrenzen / begrüßen / begutachten / beherrschen / behindern / behüten / belächeln / beraten /
bereithalten / beschützen / besprechen / beten / betteln / bewachen / beweinen / blockieren /
darstellen / decken / deklamieren / demonstrieren / dirigieren / diskutieren / durchatmen / ehren /
einbeziehen / einladen / empfangen / eröffnen / feiern / festhalten / flankieren / formieren /
frisieren / funken / gedenken / genießen / grüßen / halten / hantieren / herausfordern /
herausstechen / hinrichten / hinweisen / huldigen / hüten / kommunizieren / küssen / lesen / lieben
/ markieren / musizieren / nachahmen / nachdenken / nachstellen / offenlegen / pausieren /
posieren / präsentieren / predigen / protestieren / protzen / provozieren / rasten / regeln /
repräsentieren / richten / ruhen / salutieren / schminken / schmusen / schützen / segnen / singen /
sinnieren / spielen / stützen / rufen / teilnehmen / telefonieren / töten / tragen / trauern / trinken /
triumphieren / trotzen / turnen / üben / umarmen / umfassen / umgeben / umringen / unterwerfen
/ verdecken / verführen / vergleichen / verhören / versammeln / versperren / verteidigen / verweilen
/ vorbeugen / vorführen / vorlesen / vorschieben / vorweisen / vorwerfen / walten / warten /
werben / widerstehen / zeigen / zielen / zuhören / zujubeln / zurückhalten / zusagen
anstarren / anhimmeln / anstrahlen / aufblicken / aufmerken / beaufsichtigen / beäugen /
begutachten / beobachten / betrachten / fixieren / gaffen / herabblicken / herunterblicken / horchen
/ lauschen / lesen / mustern / nachblicken / observieren / schauen / studieren / taxieren /
überblicken / zuhören / zuschauen
++++
abgesichert / abgestützt / abgewandt / abschätzig / abseits / abwartend / andächtig / andachtsvoll /
angeberisch / angelehnt / angespannt / angewurzelt / anklagend / anmutig / auffällig / auffordernd /
aufmerksam / aufrecht / aufreizend / bandagiert / barbusig / bedroht / beeindruckt / bestürzt / dicht
/ dichtauf / einsam / entblößt / entkräftet / entspannt / erschaudernd / erschöpft / erschreckt /
erstarrt / exponiert / frech / freizügig / frierend / gebeugt / gedrängt /geduldig / gefesselt /
gelangweilt / geschützt / gespreizt / gestreckt / herausfordernd / hilflos / horchend / isoliert /
jubelnd / kämpferisch / krumm / kunstgerecht / labil / lässig / leger / leidend / locker / machtbewußt
/ malerisch / martialisch / maskiert / melancholisch / miteinander / nachdenklich / nackt / neugierig /
offenherzig / provokant / ratlos / ruhig / schief / schüchtern / selbstbewußt / sexy / skeptisch /
sprungbereit / stabil / starr / steif / still / stolz / stramm / tatkräftig / taxierend / triumphierend /
trotzig / übermüdet / umschlungen / unbedeckt / ungezwungen / unsicher / unruhig / unzüchtig /
verblüfft / vereinzelt / verlegen / verliebt / verspannt / verzagt / verzweifelt / vorführend / zeichnend
/ züchtig / zusammen / zweifelnd
aufgefächert / aufgefädelt / aufgereiht / ausgerichtet / aussortiert / formiert / formiert / frontal /
geordnet / gestaffelt / mittig / sortiert / symmetrisch
… stehen
liegend …
abhorchen / abtasten / abwarten / abzielen / angreifen / anschließen / anschmachten / anwinkeln /
anzielen / aufbahren / auflauern / aufmerken / aufrichten / ausbreiten / ausrasten / ausruhen /
ausschlafen / ausspähen / baden / balancieren / behandeln / behüten / beruhigen / beschießen /
beschnitten / besinnen / bestrahlen / beten / betteln / blättern / blockieren / braten /
dahindämmern / decken / demonstrieren / dokumentieren / durchleuchten / empfangen /
entbinden / entspannen / erholen / ernten / formieren / gebähren / genießen / hadern / heben /
heiraten / hoffen / huldigen / hypnotisieren / kämpfen / konsumieren / kriechen / lächeln /
langweilen / lesen / meditieren / nachdenken / nachgeben / pausieren / pflücken / phantasieren /
präsentieren / protestieren / provozieren / rasten / rauchen / reiten / rollen / ruhen / rutschen /
säugen / scannen / schaukeln / schießen / schlafen / schlummern / schmachten / schützen /
schwimmen / sinnieren / sonnen / speisen / spielen / spionieren / stabilisieren / sterben / stillen /
stimulieren / telefonieren / therapieren / tragen / trainieren / transportieren / träumen / treiben /
trinken / üben / überleben / übernachten / umhüllen / umsehen / umsorgen / unterwerfen /
verbluten / verführen / vermessen / versinken / versorgen / versperren / verstecken / verzweifeln /
warten / wenden / werben / zuhören / zuwenden
aufblicken / aufhorchen / beobachten / betrachten / hochblicken / nachblicken / studieren
++++
abgedeckt / abgelegt / abgeschottet / abgesichert / abgestützt / abgetrennt / abgezehrt / abwesend
/ amputiert / angegurtet / angehockt / angekettet / angelehnt / angeschlagen / angeschlossen /
angeschnallt / angeschossen / aufgebahrt / aufgebettet / aufgebahrt / aufgebockt / aufgestützt /
aufgetürmt / aufreizend / ausgebrannt / ausgestreckt / barbusig / bedeckt / begraben / behütet /
bekleidet / beschützt / beschwert / betörend / betreut / betrunken / chaotisch / dichtauf / drapiert /
durcheinander / eingegraben / eingerollt / eingekapselt / eingenickt / eingerollt / eingesargt /
eingetaucht / eingewickelt / einsatzbereit / eng / entblößt / enthemmt / entkräftet / entspannt /
ermattet / erschlagen / erschöpft / erschossen / erstarrt / erstickt / fixiert / friedlich / gefesselt /
geknickt / gekühlt / gemeinsam / gemütlich / geöffnet / gepolstert / gequält / geschlichtet /
geschminkt / geschützt / gespreizt / gestapelt / gestreckt / gestützt / getarnt / getroffen / gewickelt /
grübelnd / haltlos / hilflos / hingegossen / hingestreckt / hingestreut / keck / klammernd / kopfüber /
kunstvoll / lächelnd / lässig / liebreizend / malerisch / nachdenklich / nackt / niedergeschlagen /
niedergestreckt / obenauf / öffentlich / ohnmächtig / platzsparend / präsentierend / provokant /
rituelles / schamlos / schwanger / schwebend / selbstmörderisch / selig / seltsam / separiert /
sonnend / souverän / steif / sterbend / stolz / strampelnd / umgefallen / umgesunken / umkleidet /
umschlungen / umsorgt / umspült / unbeachtet / unbekleidet / unfreiwillig / ungehemmt /
ungemütlich / ungeniert / ungeschützt / unnatürlich / unterworfen / unterwürfig / verängstigt /
verarztet / verdeckt / verdreht / verführerisch / vergiftet / verkabelt / verkrampft / verkrümmt /
verletzt / verschachtelt / verschlafen / versperrbar / verstümmelt / verschüttet / verspannt /
versteckt / verträumt / verzaubert / zufrieden / zugedeckt
aufeinander / aufgereiht / formiert / gestaffelt / kreiskonzentrisch /miteinander / nebeneinander /
obenauf / übereinander / unten / unterhalb
… liegen
sitzend …
abfeiern / absägen / absprechen / abstimmen / abtesten / abwarten / amtieren / anfeuern /
anhimmeln / anklagen / anstoßen / antworten / arbeiten / aufführen / aufblicken / aufspielen /
ausrichten / ausruhen / austauschen / befragen / beherrschen / behüten / beobachten / beraten /
beratschlagen / besprechen / bestätigen / beten / betteln / bewachen / bewirten / blödeln /
darbieten / durchatmen / einstimmen / empfangen / entscheiden / entspannen / erholen / erinnern
/ erleichtern / erwarten / essen / fahren / fasten / gedenken / genießen / hadern / halten /
herausfordern / herrschen / hochlagern / huldigen / hüten / innehalten / jausnen / klagen /
kommentieren / konzentrieren / lächeln / langweilen / leben / lehren / leiden / leiten / lernen /
lesen / lüften / offenbaren / pausieren / präsentieren / predigen / protestieren / massieren /
meditieren / mitfahren / musizieren / nachblicken / nachdenken / rahmen / rasten / rauchen /
regieren / reisen / reiten / richten / ruhen / schaukeln / schlafen / schmauchen / schminken /
schmökern / schreiben / schwelgen / signieren / sinnieren / sonnen / speisen / spenden / spielen /
spinnen / steuern / stillen / stricken / studieren / trainieren / trauern / trinken / triumphieren /
trommeln / überblicken / umarmen / umfassen / umsorgen / unterhalten / urinieren /verbrüdern /
verbüßen / verführen / verhandeln / verhören / verkaufen / verköstigen / verkünden / verlesen /
verteilen / vorbesprechen / vorlesen / vortragen / wahrsagen / walten / wärmen / warten / zeichnen
/ zuhören / zusehen / zweifeln
+++++
abgestumpft / abgewandt / abgezehrt / abreisebereit / abwartend / abweisend / abwesend / alleine
/ angelehnt / angespannt / anklagend / armselig / aufgebockt / aufgefädelt / aufgeputzt / aufgereiht
/ aufmerksam / aufrecht / aufreizend / bandagiert / barbusig / behindert / bequem / besorgt /
betroffen / dandyhaft / drapiert / eingenickt / eingerollt / eingeschüchtert / einsam / entblößt /
entkräftet / entspannt / erschöpft / erschüttert / erstarrt / erwartungsvoll / frech / freizügig /
freundschaftlich / geborgen / gedrängt / gekrümmt / gelangweilt / gemeinsam / gesellig / gezwungen
/ hockend / isoliert / inszeniert / keck / kokett / konzentriert / kultiviert / lässig / leger / lümmelhaft /
machtbewußt / machtgeil / nachdenklich / natürlich / öffentlich / schmunzelnd / schräg / schwelgend
/ selbstbewußt / selbstsicher / selbstzufrieden / sicher / skeptisch / sprungbereit / staatstragend /
startbereit / steif / stellungsbewußt / stolz / tapfer / umklammernd / unbequem / ungeniert /
unkonventionell / unsicher / verbittert / verdreht / verlegen / verloren / versammelt / verschlossen /
verschränkt / verschreckt / verstümmelt / versunken / vertraut / verzweifelt /vorgebeugt /
würdevoll / zufrieden / zugedeckt / zugedröhnt / zurückgelehnt / zurückgezogen / zusammen
… sitzen
springend …
abfangen / abfedern / abheben / abklatschen / ablegen / absetzen / abstoßen / abstürzen /
abstützen / abwehren / anfallen / angehen / angreifen / anlocken / anprallen / anstoßen /
aufschlagen / aufschreien / aufwärmen / ausflippen / ausrasten / ausweichen / befreien / begrüßen /
bejubeln / blocken / boxen / demonstrieren / durchbrechen / eindringen / eingreifen / eintauchen /
einwerfen / entern / entkommen / ergreifen / erklimmen / erreichen / fangen / feiern / fliehen /
flüchten / grätschen / heben / hinausrasen / hochreißen / hochschnellen / jubeln / kämpfen / kicken
/ köpfeln / landen / lesen / mitreißen / nachschnellen / niederreißen / platzieren / protestieren /
queren / rangeln / retten / rudern / schlagen / schleudern / schweben / segeln / siegen / skaten /
spielen / stürmen / stürzen / tanzen / treffen / treten / triumphieren / üben / überqueren /
überrennen / überschlagen / übersetzen / überwinden / umreißen / umarmen / umrennen /
verfehlen / verfolgen / verlassen / verteidigen / werfen / wetteifern / zielen / zurückblicken /
zusammenstoßen
+++++
abgeschirmt / abgesichert / abgestimmt / abgestützt / affenartig / angehockt / angeseilt /
angestrengt / anmutig / artistisch / athletisch / aufgereiht / ausgebreitet / ausgeflippt / beaufsichtigt
/ befreit / begeistert / beherzt / behutsam / bestürzt / blödelnd / bockig / durchgestreckt /
dynamisch / ehrgeizig / ekstatisch / elegant / energisch / entgeistert / enthemmt / entschlossen /
entspannt / erwartungsvoll / federnd / formiert / freudig / fröhlich / geduckt / gegengleich / gehockt
/ gemeinsam / gespreizt / gestreckt / grazil / herein / hinaus / hintereinander / hoch /
hochgeschleudert / jubelnd / kampfmäßig / konzentriert / koordiniert / köpfelnd / kopfüber /
kraftgeladen / kraftvoll / kunstvoll / locker / mädchenhaft / motorisiert / mutig / nackig / nackt /
paarweise / perfekt / purzelnd / regelgerecht / rituell / rotierend / schräg / schreiend / schwerelos /
seitwärts / selbstbewußt / sicher / siegesbewußt / souverän / sportlich / stabgestützt / stylisch /
symmetrisch / synchron / tanzend / taumelnd / todesmutig / tollkühn / trickreich / triumphierend /
rücklings / überkopf / überkreuzt / übermütig / überschlagend / umarmt / umklammert / unbeholfen
/ unbekleidet / unbekümmert / ungeduldig / unsicher / unterstützt / verbissen / verdreht /
verkrampft / verrückt / versiert / verspielt / vertäut / verwegen / verzückt / verzweifelt / virtuos /
vorgebeugt / vorsichtig / vorwärts / wagemutig / weit / zaghaft / zappelnd / zurück / zusammen
… springen
fliegend …
abdriften / abfahren / abheben / abschmieren / abstürzen / abwehren / anecken / anführen /
anleiten / aufsteigen / ausgesetzt / begleiten / beobachten / durchschlagen / entfernen / entziehen /
erreichen / flüchten / forttragen / gleiten / justieren / kurven / landen / mitreißen / mittragen /
nachblicken / notlanden / reisen / reiten / schweben / segeln / sinken / transportieren / treffen /
trudeln / überbrücken / überqueren / überschauen / überspringen / überwinden / umlenken /
umreißen / verfehlen / vermitteln / warten / wassern / wenden
+++++
abgesichert /abgestützt / antriebslos / aufgetakelt / ausgebreitet / begeistert / entfesselt / flatternd /
frei / haltlos / hängend / hektisch / kalkuliert / kampfmäßig / kopfüber / kühn / liegend / motorisiert
/ mutig / parallel / radelnd / rasend / rücklings / rudernd / schnell / schwebend / schwerelos /
selbstmörderisch / steuernd / souverän / synchron / tollkühn / unbehindert / unbeholfen /
unberechenbar / unbeschwert / ungesichert / unterstützt / verbissen / verwegen / vorwärts /
wagemutig / waghalsig
… fliegen
fallend …
aufschlagen / durchbrechen / durchschlagen / eintauchen / gegensteuern / kollidieren / mitreißen /
purzeln / rotieren / rudern / schreien / steuern / überschlagen / umreißen / zappeln
+++++
abgesichert / angespannt / auseinander / benommen / bewußt / entgeistert / entsetzt / erstarrt /
frei / haltlos / hilflos / kontrolliert / kopfüber / kunstfertig / lässig / perfekt / rücklings / rudernd /
schmerzhaft / seitlich / stolpernd / taumelnd / trickreich / überrascht / unaufhaltsam / ungebremst /
ungelenk / ungesichert / unkontrolliert / verblüfft / verdattert / verzweifelt / vornüber / zappelnd
… fallen
gehend …
abführen / abmessen / abschleppen / abschreiten / absteigen / absuchen / anführen / anhalten /
anhimmeln / ankommen / anstellen / ansteuern / antreten / aufblicken / aufmerken / aufspielen /
aufsteigen / aufsuchen / auftreten / ausführen / ausreißen / aussähen / auswandern / beaufsichtigen
/ begleiten / beraten / besichtigen / besuchen / beten / bewachen / bewegen / beruhigen /
demonstrieren / denken / diskutieren / durchforsten / durchstreifen / durchwaten / eindringen /
entfernen / entspannen / erforschen / erholen / erklimmen / erreichen / ersteigen / ertüchtigen /
feiern / fliehen / flüchten / frieren / führen / grüßen / herausströmen / herumirren / hüten /
inspizieren / jagen / kontrollieren / lesen / liefern / nachdenken / nähern / passieren / pilgern /
präsentieren / promenieren / protestieren / rauchen / reisen / sammeln / shoppen / singen / suchen
/ tragen / transportieren / treiben / überqueren / überschreiten / überwachen / überwinden /
umblicken / umsehen / unterhalten / verfolgen / verlassen / vermessen / vorbereiten /
zurückblicken / zustellen
+++++
abgestimmt / abgestumpft / abgestützt / abgewendet / aufgereiht / aufgetakelt / aufmerksam /
aufrecht / ausschreitend / balancierend / barbusig / bedeckt / bedrückt / begleitet / behindert /
beschirmt / beschützt / beschwingt / betroffen / betrunken / bewacht / bewaffnet / eilig / entblößt /
entgeistert / entkräftet / entlang / erleichtert / ermüdet / erschöpft / feierlich / flott / formiert /
geführt / gemeinsam / gemessen / gleichförmig / gepanzert / geschmückt / geschützt / gestützt /
getaktet / hinkend / hintereinander / hüpfend / kleinschrittig / kostümiert / kraftvoll / langsam /
miteinander / nachdenklich / nackt / nebeneinander / paarweise / rituell / rutschend / schlendernd /
schlurfend / schnell / schwankend / selbstbewußt / singend/ spielend / steif / stetig / stolpernd /
stramm / strauchelnd / synchron / tanzend / tänzelnd / tastend / trippelnd / trittsicher / umarmt /
ummantelt / umschlungen / unbeholfen / unterstützt / verängstigt / verbissen / verkleidet /
verschränkt / versunken / vertraut / verzweifelt / vorgebeugt / vorsichtig / wankend / wippend /
würdevoll / zappelig / zeppelnd / zielstrebig / zügig / zuversichtlich
… gehen
SOZIALER SINN
Erregung / Affizierung
Ausdrucksbewegung
AUSDRUCK
Augen/Blick
Energie
Physiognomie
Tonus
Haltung
Stellung
Habitus
KRAFT
BEWEGUNG
FORM
Kleidung
Körper als
Medium
Code
Funktion
Geste
Werkzeuge
Dinge
Zueinander
Ordnungsmuster
des Sozialen
Skript/Ablauf
Situation/Kontext
Situative Anwendung
Mittel/Zweck-Relation
RAHMEN
Narration / Verben-Ketten