FH Wien_Tagung_Bregenzer

30.03.2015
FORSCHUNGSFRAGEN
IN BA-ARBEITEN UND MASTERTHESEN
MAG. IRENE BREGENZER
FH Wien der WKW
Tagung am 12.03.2015
PROGRAMM
1.
Was ist eine Forschungsfrage?
2.
Wie viele Forschungsfragen soll eine Masterthese enthalten?
3.
Wozu überhaupt Forschungsfragen?
4.
Worin unterscheiden sich Forschungsfragen und Hypothesen?
5.
Vorarbeiten zum Erstellen einer Forschungsfrage
6.
Wie erstelle ich eine Forschungsfrage? – 5 Methoden
7.
Raum für Diskussion
1
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1. WAS IST EINE FORSCHUNGSFRAGE?
?
Unterschiedliche Bezeichnungen:
• (zentrale/leitende/etc.) Forschungsfrage/n (in MA-Arbeiten?) versus
Fragestellung/en (in BA-Arbeiten?)
• Unterschied in BA- und MA-Arbeiten
2. WIE VIELE FORSCHUNGSFRAGEN SOLL EINE
MASTERTHESE ENTHALTEN?
Praxis: unterschiedlich
1 Forschungsfrage (ev. etwa 3 Unterfragen) = 1 These zur Beantwortung =>
?
„Particularly, if you are a novice to qualitative research, I suggest
that you concentrate on one or two such questions in planning a
similar project to the one we did.“ (Flick 2009, p. 103)
Flick, U. (2009): Introduction to Qualitative Research. 4th ed., Sage.
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3. WOZU FORSCHUNGSFRAGE/N?
Forschungsfragen ...
• geben die Zielrichtung der Arbeit vor,
• sind eine Orientierung in der Ausarbeitung des Forschungsdesigns, der Auswahl der
Literatur, etc.,
• helfen, einen Fokus für die weitere Recherche zu finden und ihn beizubehalten,
• begrenzen und zeigen die Grenzen der Arbeit auf,
• sind eine Entscheidungshilfe und Kompass für den fortlaufenden Forschungsprozess –
inkl. dem Schreibprozess,
• sind ein Werkzeug, um den Forschungsprozess leichter handhabbar zu machen.
4. WORIN UNTERSCHEIDEN SICH
FORSCHUNGSFRAGEN UND HYPOTHESEN?
? Forschungsfragen für qualitative Studien und Hypothesen für quantitative Studien?
„Both quantitative and qualitative researchers employ hypotheses, although in different
forms, at different research stages and for different purposes.
While the former see hypotheses as a step towards research, the latter perceive
hypotheses as emerging out of the research.“ (Sarantakos 2005, p. 147)
Sarantakos, S. (2005): Social Research. 3rd ed., Palgrave Macmillan.
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IM QUALITATIVEN ANSATZ
„Was bewirkt die Arbeitslosigkeit im Anschluss an eine erfolgreiche Ausbildung im
Fall von H.R.?“
„Welche psychosozialen Auswirkungen hat Arbeitslosigkeit“?
„Qualitative Verfahren werden meist eingesetzt, um neue Forschungsfragen zu
generieren und neue Themengebiete zu erschließen. Sie sind weniger zum Testen von
Hypothesen geeignet und sind deshalb eng verbunden mit der induktiven
Vorgehensweise.“ (Hussy et al. 2010, S. 9)
Hussy, W., Schreier, M., Echterhoff, G. (2010):
Forschungsmethoden in Psychologie und
Sozialwissenschaften – für Bachelor. Springer.
QUANTITATIVE VORGEHENSWEISEN:
„Sie werden eingesetzt, wenn sich die Forschungsfrage auf Zusammenhänge möglichst
konkreter Variablen bezieht und allgemeingültige Aussagen getroffen werden sollen.
Es geht um Fragen wie
„Gibt es einen Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Schulerfolg?“ oder
„Ist häufiges Fernsehen ursächlich für geringeren Schulerfolg?“ (Hussy et al. 2010, S.
9)
=> dabei werden die beiden fraglichen Variablen miteinander in Verbindung
gesetzt (vgl. Hussy et al. 2010, S. 9).
Hussy, W., Schreier, M., Echterhoff, G. (2010):
Forschungsmethoden in Psychologie und
Sozialwissenschaften – für Bachelor. Springer.
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5. VORARBEITEN
WANN FORSCHUNGSFRAGEN ERSTELLEN?
Im Anfangsstadium (= in der Vorbereitungsphase) der Forschung.
 veränderbar! Forschungsfragen werden während des
Forschungsprozesses meist noch modifiziert, konkretisiert,
eingegrenzt oder revidiert und völlig neu gebildet.
 Praxis?
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WER WÄHLT DIE FORSCHUNGSFRAGE AUS?
• Der/Die ForscherIn selbst
• FördergeberIn, Unternehmen
• BetreuerIn
FRAGESTELLUNG ALS TEIL DES
FORSCHUNGSDESIGNS
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Maxwell, J. (2012): Qualitative Research
Design. An interactive approach. Sage, p. 6.
ESSENTIELLE FRAGEN
Wer?
 Fragen zur Auswahl der Population bzw. Interviewpartner
Wo?
 Fragen zum Forschungsfeld
Wann?
 Fragen zur Zeit: zeitlicher Ausschnitt eines Phänomens, wie ist mein eigener Zeitplan.
Wie?
 Fragen zur Datenerhebung und -auswertung
Was?
 Fragen zum Forschungsinteresse
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5. FORSCHUNGSTHEMA FINDEN (TEILWEISE O‘LEARY 2010)
 Neugierde und Leidenschaft: Was verwundert dich? Was bringt
dich zum Nachdenken? Wo gibt es ein „Aha!“?
 Bereits vorhandenes Wissen sichten:
 Literatur zum Thema:
 Defizite/Lücke/Diskrepanz in der Literatur (im Diskussionskapitel)
 welche Vorstellungen herrschen vor, welche Sprache wird verwendet, mit
welchen Methoden und Theorien wurde das Phänomen bislang betrachtet,
wo (in welchem Forschungsfeld), etc.
 => die Schlüsselkonzepte und Themen herausarbeiten und im Detail
nachgehen
5. ...







persönliche Einsichten und Erfahrungen
eine Beobachtung aus dem Alltag
aktuelle Phänomene (Zeitung, TV)
übliche Auffassungen und Definitionen infrage stellen
Fachkonferenzen, Networking mit anderen ForscherInnen
Eine Theorie mit der realen Welt vergleichen
Forschungsinteressen der BetreuerIn
 alles in Zusammenhang bringen – ev. auf eine neue Art!
=> Tipp: Erstellen einer Mind Map/eines Clusters.
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6. WIE ERSTELLE ICH EINE FORSCHUNGSFRAGE?
Wie?
I
Jennifer Mason (2002):
Forschung = Lösen eines intellektuellen Puzzles
Developmental
puzzle
Mechanical
puzzle
Comparative
puzzle
Causal/
Predictive
puzzle
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„INTELLEKTUELLES PUZZLE“
Welches Puzzleteil will ich lösen in meiner Forschungsarbeit?
Developmental puzzle: Bin ich an der Entwicklung von etwas interessiert?
Mechanical puzzle: Bin ich daran interessiert, wie etwas funktioniert oder
konstituiert ist?
Comparative puzzle: Will ich etwas miteinander vergleichen?
Causal/predictive puzzle: Will ich über Einflüsse oder Ergebnisse/Konsequenzen
von etwas forschen?
=> Danach zu jeder Art von intellektuellem Puzzle eine dazugehörige Frage passend
zum eigenen Forschungsinteresse stellen. Die für sich interessanteste aussuchen.
Mason, J. (2002): Qualitative Researching. 2nd ed., Sage, p. 18.
Zina O‘Leary (2010)
Wie?
II
4 Schritte-Methode:
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Schritt 1: Antworten zu den folgenden Fragen finden
What is your topic? [TOPIC]
recycling
 What is the context for your research? [CONTEXT]
households
What do you want to achieve? [GOAL]
to discover, to describe, to change, to explore, to develop, to understand…
What is the nature of your question? [NATURE OF QUESTION]
What, who, where, how, when, or why
Are there any potential relationships you want to explore?
[RELATIONSHIP ]
impacts, increases, decreases, relationships, correlations, causes…
2. Schritt: Füge alle Antworten in eine Frage zusammen
Beginne nun mit der Antwort auf die Frage
„What is the nature of your question?“
alle Antworten, die du in Schritt 1 bekommen hast, in 1-2 Fragen sinnvoll
aneinanderzufügen:
Beispiel:
TOPIC: recycling
CONTEXT: domestic/community
GOAL: to explore why there is a lack of efficiency
NATURE OF QUESTION: Who and why
RELATIONSHIP: correlation between demographic characteristics and
inefficient recycling.
=> Eine mögliche Frage:
„Is there a relationship between household recycling behaviours and
demographic characteristics?“
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3. Schritt:
Wenn man mehrere Fragen entwickelt hat:
Für eine entscheiden!
4. Schritt:
Diese eine Frage weiter präzisieren,
besser ausformulieren,
ev. eingrenzen,
deren Machbarkeit überprüfen.
O‘Leary, Z. (2010): The essential Guide to
doing your Research Project. Sage, p. 52f.
Wie?
III
CLUSTERING
Rico, G. (1984): Garantiert schreiben lernen. Reinbek.
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Wie?
IV
LISTE SCHREIBEN:
„WAS MÖCHTE ICH DENN WISSEN?“
Zum Konkretisieren der Forschungsfrage, zum Eingrenzen, zum
Herausfinden, was man wirklich herausfinden möchte – oft geht
es nur um einzelne Wörter, die umformuliert werden müssen, um
die passende Forschungsfrage zu finden oder zu präzisieren.
10 mal den Satz beenden:
Ich möchte eigentlich wissen, ...
Ich möchte eigentlich wissen, ...
Ich möchte eigentlich wissen, ...
....
Wie?
V
PICO/T, PESICO, SPICE, ETC.TECHNIKEN DER EVIDENZBASIERTEN PRAXIS
(EBP)
PICO/T: Population (I), Intervention (I), Kontrolle (C), Endpunkte/Resultate (O),
Zeitrahmen (T). (Thabene et al. 2009)
PESICO: Person/Problem (P), Umwelt/Umgebung (E), Stakeholder (S), Interventionen (I),
Vergleich (C), Endpunkte/ Resultate (O). (Schlosser, Koul & Costello 2007)
SPICE: Umfeld (S), Population (P), Intervention (I), Vergleich (C), Evaluation (E).
=> Keywords sind zentral für die Suche, daher auch schon in der Fragestellung
enthalten!
Davies, K. S. (2011): “Formulating the Evidence Based Practice Question: A
Review of the Frameworks”, Evidence Based Library and Information
Practice, 6.2., pp. 75-80.
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TIPP: GESPRÄCH MIT EINER ANDEREN PERSON
Aufgabenstellung an eine/n FachkollegIn: Er/Sie soll zu meiner Forschungsfrage
Forschung betreiben: Wie würde sie bei der Forschung vorgehen? Was versteht sie
konkret unter meiner Forschungsfrage?
Forschungsfrage/n aufschreiben, die andere Person soll den/der Studierenden alles
sagen, was ihr in den Sinn kommt bzw. dies in Frageform formulieren:
„Meinst du damit zz?“
„Das bedeutet, du möchtest aa und bb herausfinden?“
„Das heißt, du bearbeitest xx, aber nicht yy?“
=> damit kann man klären, ob die Idee bereits eine konkrete/präzise sprachliche
Ausformulierung gefunden hat.
TIPP:
Dem Prozess und den Vorarbeiten genügend Zeit geben – oft wird diese erste Phase
zu schnell bearbeitet, da man sich schon auf die Forschung bzw. auf das Schreiben
stürzen möchte.
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HERZLICHEN DANK!
www.arbeitschreiben.at
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