Wie funktioniert eigentlich … HTML & barrierefreie - Medizin-EDV

WIE FUNKTIONIERT EIGENTLICH...
Wie funktioniert eigentlich …
HTML & barrierefreie Webseiten gestalten?
In Deutschland verlangen die „Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung“
BITV sowie die Landesgleichstellungsgesetze, dass die Webseiten von Bund und
Ländern sowie deren Behörden, Anstalten
und Körperschaften barrierefrei zu gestalten sind. Das bedeutet, die Internetangebote müssen für Menschen mit Behinderungen „in der allgemein üblichen Weise,
ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und
nutzbar“ sein. Kommunale Behörden und
privatwirtschaftliche Unternehmen sind
aufgefordert, dem Beispiel zu folgen. Und
das sollte im Besonderen für das Gesundheitswesen gelten. Heute erfahren
Sie mehr über barrierefreie Webseiten.
Haben Sie schon einmal einen Sehbehinderten oder Blinden getroffen, der
im Internet surft? Dabei zugehört, wie
ein Screenreader den Text der Webseiten
in einer (für uns Normalsehende) nicht
verständlichen Geschwindigkeit vorliest?
Leider ist für die Blinden trotz Screenreaders das „Lesen“ vieler Internetseiten
eine frustrierende Erfahrung. Weil Seiteninhalte ausschließlich als Bilder angezeigt werden, bleiben Informationen
und Links unsichtbar. Für die Blinden
stellen sich Webseiten oft als ein unstrukturiertes riesiges Meer aus Text dar. Ein
gezieltes Finden von Informationen ist
für sie zumindest sehr aufwendig. Als absurd erscheint dabei die Tatsache, dass es
einfach wäre, die Webseiten für Sehbehinderte lesbar zu gestalten. Gleichzeitig
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könnten sogar die Autoren und Webentwickler profitieren. Doch mehr dazu später.
HTML
Browser wie der Internet Explorer,
Firefox oder Safari sind Programme, die
HTML-Code, der von einem Webserver zu
Ihrem Computer übertragen wird, als Webseite darstellen. Eine Webseite besteht ähnlich wie Bücher aus einem Inhalt (Fließtext, Bilder), Struktur (bei Büchern z.B. aus
Kapiteln, Absätzen, Sätzen) und dem Layout (Schriftarten, Positionen, Farben usw.).
HTML (Hypertext Markup Language)
zählt zu den Markup-Sprachen, den Auszeichnungssprachen. Möchte man den Text
„Gesundheitswesen“ als Überschrift kenntlich machen (auszeichnen), so nutzt man
so genannte Tags, das sind Kennzeichnungen (hier fett dargestellt): <h1>Gesundheitswesen</h1>. Wie Sie sehen, gibt es
ein so genanntes öffnendes (<h1>) und ein
schließendes Tag (</h1>). Im Sprachumfang von HTML wird definiert, welche Tags
es gibt. Hierzu zählen
● <h1>, <h2>, <h6>: berschriften
( heading ) der Hierarchieebenen 1
bis 6
● <p>: Textabs&auml;tze
(paragraph )
● <li>: Listenelemente
● <table>: Tabellen
Abb.1: Darstellung der Webseite im Browser.
Prof. Dr. Christian
Johner, Institut für
Informationstechnologien im Gesundheitswesen: „Prüfen
Sie Ihre Webseiten
auf Barrierefreiheit!
Sie sind es sich,
Ihrem Geldbeutel
und Ihrer Ethik
schuldig.“
Weiterhin besteht jedes HTMLDokument, also jede Webseite, aus einem Head (<head>)
und einen Body
(<body>). Ein einfaches HTML-Dokument
könnte wie folgt aussehen:
<html>
<head>
...
</head>
<body>
<h1>KH-IT-Journal</h1>
<p>Diese Zeitschrift ist gut,
weil sie<p>
<ul>
<li>praxisnah ist</li>
<li>alles Wichtige enth&auml;lt</li>
</ul>
</body>
</html>
Abbildung 1 zeigt, wie der Browser diesen HTML-Code als Webseite darstellt. Sie
können das selbst nachvollziehen: Legen
Sie mit Notepad eine Textdatei an, fügen
Sie den Text ein, speichern Sie die Datei
soluten Größenangaben für
Schriften. Nutzen Sie also
Einheiten wie „em“ oder Prozent,
aber
nicht
Pixel. Damit erschweren Sie
Sehbehinderten die Anpassung der Schriftgröße.
●
Abbildung 2: Die gleiche Seite, diesmal mit CSS formatiert
mit der Endung html und öffnen Sie dann
die Datei mit dem Browser (Abb.1).
CSS
Wie Sie sehen, hat der Browser die
Überschrift bereits groß und fett dargestellt. Möchten wir weiteren Einfluss auf
die Formatierung nehmen, beispielsweise
auf Farben und Schriftarten, so geschieht
dies mit Hilfe von Stylesheets. Das sind
(ebenfalls) Textdateien, meist mit der
Dateiendung css. Um dies zu illustrieren,
erstellen wir eine Datei style.css:
body {font-family: Verdana; fontstyle:italic; background-color:red;}
h1 {text-transform:uppercase;}
p {letter-spacing:0.5em;}
li {margin-left:100px;
Binden Sie dieses Stylesheet im Head
der HTML Datei ein. Damit sieht die Seite
wie in Abbildung 2 aus.
Durch Anwendung dieses CSS wird der
Text rot und kursiv, die Überschrift in
Großbuchstaben, der Absatz gesperrt und
die Liste eingerückt dargestellt.
Bitte definieren Sie das Layout
(Schriften, Abstände, Farben, Positionen usw.) ausschließlich in der cssDatei und nicht im HTML-Code selbst.
Für Blinde sind Layout-Informationen
unwichtig. Beachten Sie: Eine Überschrift wird für Blinde dadurch zur
Überschrift, dass Sie sie als solche definieren (mit <h1>) und nicht dadurch,
dass Sie einen Text in einer größeren
Schriftart darstellen.
Checkliste für
barrierefreie Webseiten
Prüfen Sie Ihren Webauftritt anhand der
offiziellen Checkliste, die im Anhang 1 des
BITV zu finden ist. Diese enthält 66 Punkte. Sie erfüllen die meisten dieser Anforderungen, wenn Sie bei der Gestaltung der
Webseite auf Folgendes achten:
● Trennen Sie das Layout von Inhalt und
Struktur der Seite: Zur Struktur zählen
die Überschriften verschiedener Hierarchieebenen, Textabsätze, Tabellen und
Aufzählungen. Zum Layout zählt man
Farben, Schriftarten, Positionen und
Abstände. Nur die CSS-Dateien bestimmen das Layout. Die HTML-Datei enthält lediglich Inhalt und Struktur. Sie
wissen bereits, dass ein Text dadurch
zu einer Überschrift wird, dass man ihn
explizit als Strukturelement „Überschrift“ einschließt (in HTML mit <h1>,
<h2> usw.) und nicht dadurch, dass man
ihn groß und fett darstellt. Das Layout,
die Formatierung der Überschrift, beispielsweise Schriftart und Schriftgröße,
ist Aufgabe des Stylesheets.
● Die Trennung des Layout von Struktur
und Inhalt bedeutet auch, dass Tabellen der Darstellung tabellarisch strukturierter Inhalte dienen und nicht der
Positionierung von Texten und Bildern
dienen sollen.
● Lagern Sie Formatierungsanweisungen in die Stylesheets aus und erliegen Sie nicht der Versuchung, das
Layout direkt in der HTML-Datei zu
manipulieren.
● Für alle multimedialen Inhalte (z.B. Bilder, Imagemaps, Videos) müssen Alternativen in Form von Texten geschaffen sein. Das gleiche gilt für „programmierte Elemente“ wie Skripts und Applets, es sein denn, es sind Möglichkeiten geschaffen, dass sie über „assistive
Technologien“ (z. B. Screenreader) zugänglich sind. Verwenden Sie keine ab-
Schreiben Sie gültigen
HTML-Code und prüfen Sie dies mit Werkzeugen wie HTML Tidy oder dem Validator
der W3C.
Werkzeuge wie die „Web Accessibility Toolbar“ sind hilfreich: Sie erlauben
es, den Text ohne Stylesheet zu lesen, so
wie ein Screenreader dies tut. Sie simulieren die visuellen Eindrücke, die Menschen
von Ihrer Webseite bekommen, welche an
Augenkrankheiten (Grauer Star, Farbenblindheit usw.) leiden. Das vermittelt Ihnen einen Eindruck und macht Ihnen den
Wert Ihres Augenlichts bewusst. Gegen
diese Regeln zu verstoßen, ist aus mehreren Gründen unklug. Denn wer dies tut
● verstößt gegen Gesetze,
● diskriminiert Sehbehinderte und Blinde,
● verweigert es potentiellen Patienten/Kunden, sich über das Angebot zu informieren,
● verschwendet Geld, weil der Webauftritt
nicht durch den simplen Austausch eines
Stylesheets (css-Datei) neu gestaltet werden kann, sondern man auf die Hilfe von
Webprogrammierern angewiesen ist. Die
Seite www.csszengarden.com demonstriert
auf wunderbare Weise, wie vielgestaltig
sich eine Webseite (d.h. identischer HTMLCode) mit CSS-Dateien darstellen lässt.
Prüfen Sie Ihre Webseiten auf Barrierefreiheit! Sie sind es sich, Ihrem Geldbeutel und Ihrer Ethik schuldig.
Quellen im Internet
http://www.gesetze-im-internet.de/bitv/
http://www.barrierefreies-webdesign.de
http://de.selfhtml.org
http://tidy.sourceforge.net/
http://validator.w3.org/
http://www.visionaustralia.org.au/info.aspx?page=614 (Web-Accessibility Toolbar)
www.johner.org
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