Die neue Rolle von Kindern im Arzneimittelrecht und ihre

Die neue Rolle von Kindern im Arzneimittelrecht
und ihre praktischen Konsequenzen
Was hat mein Kind von der EU?
Prof. Dr. med. Joachim Boos, Münster
Die in der Folienpräsentation gemachten fachlichen Aussagen geben in erster Linie die Meinung des betreffenden Autors wider.
Die publizierten Therapieempfehlungen stellen die innerhalb der Arbeitsgruppen konsentierte und durch den Vorstand der
Arzneimittelkommission beschlossene (offizielle) Fassung der jeweiligen Therapieempfehlung dar.
Bayer Werbung um 1900: Heroin, das ideale Sedativum
from: Lyons and Petrucelli, Medicine, 1987 p 587
Foto Werbetafel
Heroin/Aspirin um 1900
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Die publizierten Therapieempfehlungen stellen die innerhalb der Arbeitsgruppen konsentierte und durch den Vorstand der
Arzneimittelkommission beschlossene (offizielle) Fassung der jeweiligen Therapieempfehlung dar.
20 – 90 % der Verordnungen off-label - warum?
Früher: Kinder begründeten AM-Recht
-
Unbedenklichkeit
Qualität
Wirksamkeit
Zulassung / Labelling
Foto aus dem
Conterganprozess
Heute: 20-90% d. Verordnungen off-label
-
Indikation nicht zugelassen
Alter nicht zugelassen
Dosierung nicht zugelassen
Applikationsweg nicht zugelassen
Änderung der Darreichungsform
Kontraindikation
Warnhinweise
fehlende Angaben
Foto Frühgeb. 26. SSW
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Die publizierten Therapieempfehlungen stellen die innerhalb der Arbeitsgruppen konsentierte und durch den Vorstand der
Arzneimittelkommission beschlossene (offizielle) Fassung der jeweiligen Therapieempfehlung dar.
Das sollte sich ändern:
- weniger Off-label
- mehr Kinderzulassungen
FDA
- Final Pediatric Rule 1994
- Final Pediatric Rule 1998
- FDA Modernization Act 1997
- Best pharmaceuticals for
children Act: 2002 – 2007
EMEA/FDA:
- paed. Guideline Amendments
- ICH E 11
EU
- EU-Directive 2001/20/EG
- zahlreiche Guidance Documents
- Regulation
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Die publizierten Therapieempfehlungen stellen die innerhalb der Arbeitsgruppen konsentierte und durch den Vorstand der
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1901/2006
………
Fotos Kinder aller Altersklassen
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Die publizierten Therapieempfehlungen stellen die innerhalb der Arbeitsgruppen konsentierte und durch den Vorstand der
Arzneimittelkommission beschlossene (offizielle) Fassung der jeweiligen Therapieempfehlung dar.
EU-Regulation/Verordnung 1901/2006: Zweck
Zweck dieser Verordnung ist es,
- die Entwicklung und die Zugänglichkeit von Arzneimitteln zur Verwendung bei
der pädiatrischen Bevölkerungsgruppe zu erleichtern,
- zu gewährleisten, dass die zur Behandlung der pädiatrischen
Bevölkerungsgruppe verwendeten Arzneimittel im Rahmen
ethisch vertretbarer und qualitativ hochwertiger Forschungsarbeiten
entwickelt und eigens für die pädiatrische Verwendung genehmigt werden,
- sowie die über die Verwendung von Arzneimitteln bei den verschiedenen
pädiatrischen Bevölkerungsgruppen verfügbaren Informationen zu verbessern.
Diese Ziele sollten verwirklicht werden, ohne die pädiatrische Bevölkerungsgruppe
unnötigen klinischen Prüfungen zu unterziehen und ohne die Genehmigung
eines Arzneimittels für andere Altersgruppen zu verzögern.
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Die publizierten Therapieempfehlungen stellen die innerhalb der Arbeitsgruppen konsentierte und durch den Vorstand der
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EU Regulation No 1901/2006
Die Ziele werden erreicht durch
ƒ Anreize und Verpflichtungen
Instrumente:
ƒ Paediatric Committee (PDCO)
ƒ Paediatric Investigation Plan (PIP)
ƒ Rewards- and incentives-system
ƒ For new and on-patent products
ƒ For off-patent products (Paediatric use marketing authorisation - PUMA)
ƒ Paediatric needs & priority lists
ƒ EU Paediatric Networks
ƒ A series of other tools for information, transparency and stimulation of
research
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Definitionen
Paediatric Committee (PDCO)
Paediatric Investigation Plan (PIP)
- Deferral
- Waiver
Paediatric use marketing
authorisation (PUMA)
Pädiatrieausschuss
Pädiatrisches Prüfkonzept
- Zurückstellung
- Freistellung
Genehmigung für die
pädiatrische Verwendung
back
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Mitglieder des Pädiatrieausschusses
- 5 des Ausschusses für Humanarzneimittel
- 22 weitere Vertreter der Mitgliedstaaten
- 3 Vertreter der med. Berufsgruppen
- 3 Vertreter der Patientenverbände
Und jeweils dieselbe Zahl an Vertretern.
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Anreize für kindbezogene Entwicklung
ƒ Kostenbefreiung für wiss. Beratung
ƒ Neues Arzneimittel (verpflichtend)
- 6 Monate Verlängerung d. Marktexklusivität/Patentschutz
ƒ Zugelassenes geschütztes Arzneimittel, jedoch neue (Kinder)-Indikation:
- 6 Monate Verlängerung d. Exklusivität/Patentschutz
ƒ Arzneimittel ohne Patentschutz (Generikum)
„zur Verwendung bei Kindern“ (PUMA)
- 10 Jahre neue Schutzrechte
ƒ Arzneimittel für seltene Erkrankungen für zusätzliche Daten zu Kindern:
- Weitere 2 Jahre Schutz
Voraussetzung:
Vermarktung in allen EU-Staaten
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Aufgaben des Pädiatrieausschusses
ƒ Substanzbezogen:
- Beurteilung des PIP
- Beurteilung von Frei-/Zurückstellungen von Substanzen
- Bewertung der Umsetzung des PIP
- Bewertung der erhobenen Daten
- Stellungnahme zu Qualität, Sicherheit, Wirksamkeit
ƒ übergeordnet:
- Unterstützung bei Errichtung des eur. Pädiatrie-Netzwerkes
- Inventar des besonderen Kinderarzneimittelbedarfs (NEEDS)
- Stellungnahmen zu Prioritäten für künftige Studien (Priorities)
- ……..
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PIP ist ein KONZEPT und dynamischer Prozess
PIP ist bindend, keine gültige Zulassung ohne
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Freistellung (Waiver) und Rückstellungen (deferral)
Freistellung für alle oder einzelne Altersgruppen möglich wenn:
- wahrscheinlich unwirksam oder bedenklich
!!!!!!
- Krankheit lediglich bei Erwachsenen
???
-kein signifikanten therapeutischen Zusatznutzen
!!!!!!
Aktuell 17
class waivers:
Brustkrebs,
Darmkrebs…..
-Waiver = keine PIP = Erlass aber keine Belohnung
Rückstellung für alle oder einzelne Altersgruppen möglich wenn:
- wissenschaftliche, technische oder gesundheitsrelvante Gründe
- Studien an Erwachsenen erst abzuschließen?
- Bestimmte Altersgruppen erst später?
- Langdauernde Studien bei Kindern
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Maßnahmen zur Transparenz
ƒ
Register aller Kinderstudien, in Teilen öffentlich
ƒ
Alle Studienergebnisse öffentlich
ƒ
Offenlegung von Freistellungen mit Gründen
ƒ
Inventar des Therapiebedarfs (needs-Liste) öffentlich
ƒ
Ermittlung prioritärer Forschungsbereiche
ƒ
Aufbau des Europäischen Netzwerkes
ƒ
Ansprechbarkeit des Pädiatrieausschusses
…
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Strategische Aufgaben
ƒ List of paediatric needs
ƒ Liste von generischen Substanzen mit Angaben des Zulassungsstatus
und wichtiger offener Fragen und Benennung des Entwicklungsbedarfs
ƒ Paediatric off-label priority list
ƒ Liste wichtiger Studienfragen als Empfehlung an die EURahmenprogramme
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Neue Rollen – neue Fragen
Ressourcen und Zeitrahmen?
Was, wenn viele neue Substanzen um kleine Patientengruppen konkurrieren?
Grenzen des machbaren?
Wie intensiv muss bei Kindern untersucht werden? Phase I, II oder III?
Zielgruppenprobleme von Kindern bleiben freiwillig!
Pflicht nur bei Erwachsenenindikationen – wer wird das Angebot annehmen?
Funktionalisierung?
Kinder als Voraussetzung für Umsätze bei Erwachsenen ?
Versorgungskosten?
Werden teurere PUMA-Kinderarzneimittel wirklich verordnet und finanziert ??
Oder blockiert das Sozialrecht mittelfristig die Entwicklungen?
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Die publizierten Therapieempfehlungen stellen die innerhalb der Arbeitsgruppen konsentierte und durch den Vorstand der
Arzneimittelkommission beschlossene (offizielle) Fassung der jeweiligen Therapieempfehlung dar.
Neue Rollen – neue Chancen
ƒ Kinderarzneimittelentwicklung wird wirtschaftlich interessant
ƒ Spezielle Präparate für Kinderbedürfnisse werden gefördert
ƒ Weniger off-label realistisch
ƒ Geschäftsfelder für kleine und mittelständische Firmen entstehen
ƒ Offene Kommunikation über Needs, Prioritäten, Frei- und Rückstellungen
ƒ Keine “klammheimlichen” Marktrücknahmen mehr
ƒ Arzneimittelrisiken werden besser erfasst
ƒ Arzneimittelinformationen werden transparenter
ƒ Kinder in ganz Europa bekommen gleiche Rechte
Fotoserie Kinder EU-Kommission
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Wenn alle,
Behörden, Unternehmen, Ärzte, Eltern…..
kritisch verfolgen und konstruktiv mitgestalten!
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Arzneimittelkommission beschlossene (offizielle) Fassung der jeweiligen Therapieempfehlung dar.