Deutschland braucht ein Ökosystem für Wachstum - Börsen

Sonderbeilage
Sonnabend, 19. November 2016
Börsen-Zeitung Nr. 224
B1
Eigenkapital
Deutschland braucht ein Ökosystem für Wachstum
Start-up-Finanzierung und Wagniskapital sind die Zukunftsfragen – Beteiligte müssen an einem Strang ziehen
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Der Bedarf an Unternehmensfinanzierungen ist in Deutschland höher
als je zuvor. Die Digitalisierung und
ein anhaltender Start-up-Boom treiben ihn. Für Deutschland stellt sich
die Zukunftsfrage.
Schon Ende 2014 hatte die Beratungsgesellschaft PwC in einer Studie erhoben, dass deutsche Unternehmen bis zum Jahr 2020 rund 40
Mrd. Euro jährlich investieren müssen, um sich auf die Industrie 4.0 vorzubereiten. Mit diesen Investitionen
überführt die etablierte deutsche Industrie ihre Produkte, Dienstleistungen und Abläufe in die Zukunft. Die
Branchen, aus denen die 235 Unternehmen kommen, die befragt wurden, stehen größtenteils für die Realwirtschaft
der
Industrienation
Deutschland: Automobilzulieferer,
Firmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Elektrotechnik
und Elektronik, der Prozessindustrie
und der Informations- und Kommunikationsindustrie.
Die Digitalisierung ist in diesen
Branchen längst zu einer strategischen Zukunftsfrage geworden. Es
gibt zahlreiche Beispiele, wie Unternehmen erfolgreich daran arbeiten,
eine „digitalere“ Wertschöpfungskette aufzubauen, indem sie sich besser
vernetzen, Prozessketten automatisieren und auf neue Technologien
setzen. Sie möchten ihren Kunden
ein innovativeres, moderneres Angebot bieten oder versprechen sich von
der Digitalisierung effizientere Abläufe und niedrigere Kosten. Es geht
für diese Unternehmen um große Investitionen, um zukunftsfähig zu
bleiben, und im Wettbewerb bestehen zu können. Es geht letztlich
auch um die Sicherung von Millionen von Arbeitsplätzen.
„Made in Germany“ ist nach wie
vor ein starkes Gütesiegel, das von
internationalen Investoren geschätzt
wird. Das gilt insbesondere für die
Branchen, in denen Deutschland
über Jahrzehnte seine Glaubwürdigkeit als Top-Industriestandort etabliert hat. Die deutsche Ingenieurs-
vertrauen, speziell von Fintechs. Also einer Branche und einem Markt,
der international hohe Erwartungen
schürt und dem ein enormes Entwicklungspotenzial zugesprochen
wird.
Junge Fintech-Unternehmen, die nach ihrer
Gründung den Bedarf
Von
für eine erste FinanzieHauke Stars
rung haben, können
über Business Angels,
kleinere Wagniskapitalgeber oder die öffentliche Förderung eine reiche Palette an Finanzierungsoptionen
ausschöpfen. Darüber hinaus gewinnen moderne
Vorstandsmitglied
der Deutschen Börse AG Finanzierungsmöglichkeiten wie das Crowdfunding an Popularität,
kunst, die ganz erheblich den die gerade bei kleineren Investitionsdeutschen Mittelstand prägt, genießt summen äußerst erfolgreich sind –
international einen Ruf, der den zumindest in den USA und GroßbriUnternehmen im Wettstreit um In- tannien.
vestitionsmittel, insbesondere aus
In Deutschland müssen sich diese
Asien, eine gute Ausgangslage be- Finanzierungsplattformen noch etaschert. Die deutschen Mittelständler blieren. Sie haben aber auch hier ei– gerade aus dem B2B-Bereich – sind ne Zukunft, da Banken bei Gründunin der Regel nicht stark verschuldet, gen oder in Frühphasen eines Unterhaben einen hohen Cash-flow, ha- nehmens als klassische Kreditgeber
ben sich seit Jahren im Wettbewerb kaum noch auftreten – sie tun sich
behauptet und unter anderem damit mit der Bewertung der Geschäftsmodie Nachhaltigkeit ihrer Geschäfts- delle ohne greifbare Vermögenswermodelle – auch in Krisenzeiten – te schwer. Das Interesse der Banken
unter Beweis gestellt.
an diesen jungen Unternehmen ist
häufig ein anderes: Sie möchten sich
direkt an ihnen beteiligen und setFintech: Investoren zögern
zen auf Wachstum und Rendite;
Der Zugang zu Investitionsmitteln oder sie haben Interesse an einer
unterscheidet sich jedoch für auf- Technologie, die sie zu eigenen Zwestrebende Industrien, deren Ge- cken einsetzen möchten.
Während aufstrebende Unternehschäftsmodell auf neuen Technologien und der Digitalisierung auf- men in der Frühphase noch Investobaut. Insbesondere deutsche Investo- ren für sich gewinnen können, stellt
ren zeigen eine große Zurückhal- sie die Anschlussfinanzierung im
tung, wenn es darum geht, Ge- mittleren zweistelligen Millionenbeschäftsmodellen von Start-ups zu reich vor existenzielle Fragen: Ihnen
Solide Ausstattung mit Eigenkapital
bleibt unverzichtbar
droht das Aus – und allzu häufig ist
der einzige Ausweg der Gang ins Ausland, vor allem in die USA. Das kann
nicht im Interesse Deutschlands
sein: Gute Ideen „made in Germany“
sollten auch der deutschen Volkswirtschaft nutzen. Diese Ideen in
Deutschland zu halten und daraus
nachhaltig profitable Geschäftsmodelle zu entwickeln, liegt in der
Verantwortung einer Reihe von Beteiligten: Banken, Börsen, Investoren, der Politik, Verbänden und
Universitäten. Sie alle müssen dazu
beitragen, dass in Deutschland ein
Ökosystem für Wachstum entsteht,
wie es zum Beispiel im Gründerland
USA seit Jahren vorbildlich etabliert
ist und erfolgreich funktioniert.
Der Beitrag der Börse
Die Deutsche Börse wird ein wesentlicher Bestandteil dieses Ökosystems sein. Wichtig ist, die Visibilität
unserer „Hidden Champions“ zu steigern. Wir leisten unseren Beitrag
seit Jahren, indem wir kleinere und
mittlere Unternehmen bei Veranstaltungen wie dem Deutschen Eigenkapitalforum mit Analysten und Investoren zusammenbringen. Die Digitalisierung, die neue Geschäftsmodelle ermöglicht und zu einem regelrechten Start-up-Boom geführt hat,
verlangt aber nach zusätzlichen
Wegen, vielversprechende Unternehmen, die wir in Deutschland haben,
internationalen Kapitalgebern zu
präsentieren. Daher haben wir im
Juni 2015 das Deutsche Börse Venture Network geschaffen, um in ers-
ter Linie deutsche Wachstumsunternehmen mit internationalen Investoren zusammenzubringen.
Mittlerweile sind mehr als 110
Unternehmen an das Deutsche Börse
Venture Network angebunden, darunter 17 aus dem Ausland, die sich
über 200 Investoren aus ganz Europa, aber auch den USA und Asien,
präsentieren können. Der Kapitalbedarf der Unternehmen im Netzwerk
ist hoch: Bislang sammelten sie in 26
Finanzierungsrunden mehr als 970
Mill. Euro ein. Mit eGym und brillen.de waren darunter zwei größere
Finanzierungsrunden, bei denen Investoren insgesamt jeweils 45 Mill.
Euro investiert haben. Und wenn es
in der Folge um deutlich mehr Kapital geht, dann ist ein Börsengang
über die Deutsche Börse für Unternehmen aus dem Netzwerk eine
Option: Ende September ist mit
va-Q-tec das erste Deutsche Börse
Venture Network-Unternehmen diesen Schritt gegangen.
Aufmerksamkeit zählt
Die Deutsche Börse baut ihren Beitrag zum Ökosystem für Wachstum
konsequent aus. Seit September
bringt zum Beispiel das Angebot
Venture Match Investoren und Startups nach ausgewählten Kriterien
noch zielgerichteter zusammen. Ziel
ist, die Transparenz in diesem Umfeld zu erhöhen, damit noch mehr
Kapital von in- und ausländischen Investoren seinen Weg zu vielversprechenden deutschen Unternehmen
findet. Wer Zugang zu Investitions-
mitteln benötigt, braucht zunächst einmal eines: Aufmerksamkeit. Sosehr
wir in Deutschland zu Recht mit
Stolz von unseren „Hidden Champions“ sprechen, so sehr darf das „Hidden“ nicht zum Hindernis werden.
Es braucht Mittel und Wege, wie
deutsche Top-Unternehmen, von denen wir gerade im Mittelstand unzählige haben, sich über Investorenkonferenzen hinaus regelmäßig und
dauerhaft Investoren präsentieren
können. Auch hier schreitet die Digitalisierung voran: Online-Plattformen bieten die Möglichkeit zum regelmäßigen Austausch von Informationen, vereinfachen Investoren den
Zugang zum Top-Management und
erlauben Unternehmen, bestehende
und neue Investorenkreise auf neuen Wegen und über neue Formate
anzusprechen.
Land der Ideen
Es fehlt in Deutschland nicht an
guten Ideen und Ideengebern. Es
fehlt auch nicht an deutschen und internationalen Investoren, die bereit
sind, in vielversprechende Geschäftsmodelle deutscher Unternehmen zu
investieren. Aber die einzelnen Bausteine müssen zu einem Gesamtbild
zusammengefügt werden. „Deutschland – Land der Ideen“ heißt eine
prominente Standortinitiative der
Bundesregierung mit der deutschen
Wirtschaft, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Industrie. Ein Ökosystem für Wachstum
wird dazu beitragen, dass Deutschland ein Land der Ideen bleibt.
Wir fördern
das Gute in NRW.
Hohe Bedeutung auch in der Niedrigzinsphase – Unabhängigkeit bewahren
– das gilt insbesondere für den Mittelstand – gelernt und ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben die gute
Ertragslage genutzt, um den Anteil
ihres Eigenkapitals beim Gesamtfinanzierungsmix zu erhöhen. Das
zeigt die jährliche Studie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) zur Lage
Von
des deutschen MittelOtto Beierl
stands. Dadurch sind
die Verschuldungsquoten und die Abhängigkeiten von Fremdfinanzierungen
zurückgegangen.
Die Vorteile liegen
Vorstandsvorsitzender
auf der Hand: Bei der
der LfA Förderbank
Refinanzierung von ProBayern
jekten beziehungsweise
Investitionen mit Eigenteresse haben, Eigenkapital aufzu- kapital steht dieses dem Unternehbauen beziehungsweise entspre- men grundsätzlich unbeschränkt
chend einzubringen. Die Bedeutung und ohne unmittelbare Refinanzievon Eigenkapital ist aber nicht zu rungskosten zur Verfügung – abgeseunterschätzen. Aus den Erfahrungen hen natürlich von einer Rendite für
der Finanzkrise haben Unternehmen den Eigenkapitalgeber.
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Fremdkapital ist so günstig wie nie.
Dagegen erscheint Eigenkapital im
gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld
teuer. Man könnte demnach erwarten, dass Unternehmer weniger In-
AUS DEM INHALT
Deutschland braucht
ein Ökosystem für Wachstum
Von Hauke Stars
Umfangreiches Portfolio
B1
Life Sciences bieten Chancen
für neue Geschäftsideen
Von Michael Stölting
B4
B1
IPO ohne öffentliches Angebot
durchaus eine Option
Von Dr. Achim Herfs
und Dr. Anna Schwander
B4
Solide Ausstattung mit
Eigenkapital ist unverzichtbar
Von Dr. Otto Beierl
Der Kapitalmarkt lebt –
Timing entscheidet
Von Nadine Veldung
und Karl Filbert
Unabhängig von der gegenwärtigen Niedrigzinsphase ist eine ausreichende Eigenkapitalausstattung ein
wesentlicher Schlüssel für Unternehmen, um Wachstum und Innovation
zu finanzieren. Mit Eigenkapital
lässt sich die unternehmerische Unabhängigkeit wahren und werden
die Voraussetzungen geschaffen, um
in einer späteren Phase Zugang zu
Fremdkapital zu erhalten. Es hilft also bei der Kreditfähigkeit und ist ein
wichtiger Risikopuffer.
Das gilt gerade für kleine und
mittlere Unternehmen, aber auch
für junge Start-ups, für die Beteiligungskapital die Initialzündung für
den weiteren unternehmerischen
Erfolg sein kann. Hier scheidet eine
Selbstfinanzierung in der Regel aus.
Entscheidend ist daher der Zugang
zu Eigenkapital; dies gilt über die
verschiedenen Lebenszyklen eines
Unternehmens hinweg. Als staatliche Spezialbank sichert die LfA Förderbank Bayern (LfA), neben ihrem
umfassenden Angebot an Förderkrediten und Risikoübernahmen, diesen Zugang.
Gang aufs Parkett
braucht die richtige Strategie
B2
Von Oliver Diehl
B5
Bei Eigenkapital geht kein Weg
an der Bank vorbei
Von Martin Keller
B2
Investor bringt den
Gesellschafterwechsel voran
Von Martin Völker
Mit Börsengängen von
Konzerntöchtern Wert schaffen
Von Dr. Foruhar Madjlessi
und Josef Ritter
B3
Banken forcieren
Distressed-M&A-Transaktionen
Von Oliver Räuscher
und Dr. Hendrik Engelhardt
B6
B6
Mit Hilfe des mittlerweile sehr
umfangreichen Portfolios an Eigenkapitalinstrumenten unterstützen
wir mit den verschiedenen Beteiligungsgesellschaften eine Vielzahl
von Unternehmen auf den unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Im
Vordergrund stehen vor allem innovative und schnell wachsende kleine
und mittlere Unternehmen, die Zugang zu Eigenkapitalfinanzierungsquellen erhalten sollen. Die Beteiligungsgesellschaften innerhalb der
LfA-Gruppe bieten Eigenkapital von
der sehr frühen Seed-Phase bis hin
zur klassischen mittelständischen
Finanzierung bei Sondersituationen,
wie Sprunginvestitionen oder Nachfolgeregelungen, an.
Fortsetzung Seite B 3
Digital-Unternehmer Dirk Franke nutzt die
Eigenkapital-Lösungen der NRW.BANK
Auf immer komplexer werdenden Märkten ist Durchblick der Schlüssel zum Erfolg.
Das weiß auch Picavi-Gründer Dirk Franke, der mit seiner Datenbrillensoftware
die Lagerlogistik optimiert. Die NRW.BANK bietet attraktive Fördermittel
für die digitale Wirtschaft. Sprechen Sie uns an!
www.nrwbank.de/durchblick
B 2 Börsen-Zeitung Nr. 224
Sonderbeilage
Sonnabend, 19. November 2016
Der Kapitalmarkt lebt – Timing entscheidet
Vielfältiges Repertoire an Instrumenten gerade zur Finanzierung des Mittelstands – Das gilt insbesondere für Unternehmen aus Deutschland
ausgerichtet werden, um den Anforderungen an die Rendite zu genügen. Das gilt gerade für die großen
institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versorgungswerke, Stiftungen, gilt gleichermaßen aber
auch für private Anleger. Allmählich führt
das zu einem UmdenVon
ken hinsichtlich des Engagements mit EigenkaNadine Veldung . . .
pital.
So hat sich die Lage
für die klassische Eigenkapitalanlageform, die
Aktie, selbst im risikoscheuen
Deutschland
verbessert. Nach AngaGroup Co-Head
ben des Deutschen AktiCorporate Finance
eninstituts vom Frühbei der Oddo Group
jahr 2016 haben die Anleger hierzulande im
bleibendem Kapital scheitert? Drei Jahr 2015 wieder verstärkt VertrauFragen, die zum Kern des Problems en in die Aktie und in Aktienfonds geführen, das nicht wenige Unterneh- fasst. Im Jahresdurchschnitt lag die
men hierzulande umtreibt: die Fi- Zahl der Aktionäre und Aktienfondsnanzierung ihrer Projekte oder die besitzer in Deutschland bei gut 9 Milsinnvolle Ablösung von Verbindlich- lionen und damit auf dem höchsten
keiten. Der Markt für Eigenkapital Stand seit drei Jahren. Das sind rund
hält dafür eine Reihe von Instrumen- 14 % der Bevölkerung im Alter über
ten bereit: die Börsennotierung, hy- 14 Jahren. Im Vergleich zu 2014
bride Formen wie Wandelanleihen wurden damit 560 000 Aktienbesitzer mehr gezählt, was einem Plus
oder Private-Equity-Beteiligungen.
Obwohl die vergangenen Jahre gu- von 6,7 % entspricht.
te Jahre am Aktienmarkt waren, sich
das laufende Jahr zumindest seit FeAllen Unkenrufen zum Trotz
bruar bei aller Volatilität als durchaus stabil erwiesen hat und UnterDiese Zahlen sind nur ein Beleg
nehmensbeteiligungen erheblich an für die These, dass der Markt für EiAttraktivität gewonnen haben, ist genkapitalfinanzierung lebt – allen
Deutschland kein ganz einfacher Unkenrufen zum Trotz. Auch wenn
Markt für Eigenkapitalfinanzierun- die Zahl der spektakulären Neuemisgen. Die Aktie hat gerade erst wie- sionen im Jahr 2016 auf den ersten
der die ersten Etappen auf dem Weg Blick vergleichsweise niedrig erheraus aus dem Nischendasein in scheint, wer sich die Mühe macht, gedeutschen Depots hinter sich ge- nauer hinzuschauen, stellt fest, der
bracht. Daran haben auch die nun Markt für Eigenkapital ist sogar sehr
schon geraume Zeit geltenden niedri- lebendig. Das hat zu Beginn dieses
gen Zinsen ihren Anteil.
Jahres etwa der Börsengang der
Der Druck auf Investorenseite Brain AG im Segment der Weißen
wächst. Anleger halten zunehmend Biotechnologie eindrucksvoll unter
angespannt nach renditestärkeren Beweis gestellt. Unter denkbar unInvestitionsgelegenheiten Ausschau. günstigen Marktbedingungen schaffKlassische Produkte wie ehemals aus- te das Unternehmen aus dem hessikömmlich verzinste Staatsanleihen schen Zwingenberg sehr erfolgreich
laufen aus. Die Depots müssen neu den Sprung aufs Parkett, obwohl
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Was nützt ein noch so ausgereiftes
Konzept? Wozu detaillierte Geschäftsplanung? Welchen Sinn hat
kühne unternehmerische Entschlossenheit, wenn am Ende alles an aus-
nach dem Crash am chinesischen Aktienmarkt zum Jahresauftakt die
Grundstimmung auch an den europäischen Börsen alles andere als
freundlich war.
Brain hat exemplarisch gezeigt,
worauf es bei Eigenkapitalfinanzierungen ankommt, damit sie auch unter widrigen und volatilen Marktbedingungen gelingen. Zwei entscheidende Punkte sind dabei hervorzuheben: eine gute, überzeugende Equity
Story und professionelle, frühzeitige
Vorbereitung. Investoren wollen verstehen, wohin die Reise geht, wollen
wissen, was das Unternehmen plant,
wie es das Kapital einzusetzen gedenkt, und wollen die Chancen und
Risiken ihres finanziellen Engagements einschätzen können. Eine belastbare Equity Story, die plausible
Antworten auf all diese Fragen gibt,
entsteht nicht im stillen Kämmerlein, sondern wird im Dialog mit den
Investoren entwickelt.
Dazu gilt es, Qualitätsinvestoren
zu identifizieren, die auf die langfristige Qualität des Assets achten. Dabei ist es wichtig, den richtigen Mix
aus Spezialisten und Generalisten zu
„Deutschland gilt
im Ausland und verstärkt im Nachbarland Frankreich nicht
ganz zu Unrecht als
das Königreich der
,Hidden Champions‘
und weckt das
Interesse zahlreicher
Investoren.“
finden. Es gilt weiter, diese Investoren frühzeitig anzusprechen, um ein
wohlbegründetes, belastbares Gefühl für den Markt zu entwickeln. Im
sogenannten Pilotfishing, Monate
vor der geplanten Emission, kommt
es darauf an, bereits in einer frühen
Phase Transparenz herzustellen, um
das Interesse der Investoren einschätzen zu können.
Es ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Neuemission, ebenso wie für jede andere
Form der Eigenkapitalaufnahme, genau zuzuhören, wie und
anhand welcher Kriterien Investoren die Equity
Story bewerten und welche Dealstruktur von deren Seite gewünscht
wird. Bei Letzterem
geht es um Fragen der
Liquidität des geplanten
Investments, Fragen der
Transparenz und weitere technische Parameter. Anhand dieser Informationen arbeiten Unternehmen und Bank
dann gemeinsam an der
Verbesserung ihrer Investorenansprache. Der Dialog mit den Investoren sollte von den Unternehmen
nicht als notwendiges Übel angesehen werden, sondern als wertvolle
Quelle von externem Expertenwissen, die mitunter entscheidend dazu
beitragen kann, die Unternehmensstrategie zu verbessern.
Gelungener Auftakt
Die erwähnte Brain AG war ein guter Auftakt, dem im Laufe des Jahres
weitere interessante Kapitalmaßnahmen an den Börsen in Frankfurt und
Paris, jenen beiden Standorten, an
denen die Oddo Seydler Bank Heimvorteil genießt, folgten. Hier seien
nur einige jeweils von der Bank begleitete Transaktionen genannt, die
belegen, dass Platzierungen diesseits und jenseits des Rheins durchaus erfolgreich sein können und keine Frage der Branche sind.
Im Februar etwa konnte die Deutsche Konsum Reit-AG eine Kapitalerhöhung erfolgreich an der Frankfurter Wertpapierbörse platzieren. Management, Konzept und der Reit-Status (Real Estate Investment Trust)
waren wesentliche Faktoren, die Investoren zu überzeugen. Im März gelang Figeac Aéro, einem Zulieferer
für den Flugzeugbau, an der Euronext in Paris das Re-IPO (Initial Public Offering) im Volumen von
knapp 100 Mill. Euro.
Im Juli ging es Schlag auf Schlag.
In diesem Monat folgte in Frankfurt
. . . und
Karl Filbert
Group Co-Head
Corporate Finance
bei der Oddo Group
die Kapitalerhöhung des Providers
von Software und Software-Dienstleistungen SNP, in Paris erhöhte das
Biotech-Unternehmen Gensight das
Kapital für die Firma auf dem Wege
des Börsengangs und auch Poxel,
Entwickler von Wirkstoffen für die
Pharmaindustrie, nahm Kapital in einer beschleunigten Platzierung an
der Pariser Börse auf.
Die genannten Beispiele zeigen:
Der Kapitalmarkt lebt in der Tat und
bietet ein vielfältiges Repertoire an
Instrumenten gerade zur Finanzierung des Mittelstandes. Dies gilt besonders für Unternehmen aus
Deutschland. Denn der Mittelstand
hierzulande genießt auch über die
Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf. Deutschland gilt im
Ausland und verstärkt im Nachbarland Frankreich nicht ganz zu Unrecht als das Königreich der „Hidden
Champions“ und weckt das Interesse
zahlreicher Investoren. Dies gilt es
zu nutzen. Unternehmen, die bei der
Kapitalbeschaffung nicht nur auf den
deutschen Markt angewiesen sind,
sondern durch ihre beratende Bank,
die zu länderübergreifenden Strategien in der Lage ist, Zugang zu ausländischen Investoren und Kapital
zu schaffen, sind aufgrund der breiteren Investorenbasis klar im Vorteil.
Ein großes Thema für Eigenkapitalfinanzierungen könnte in den
kommenden Monaten und Jahren
die Ablösung von Mittelstandsanleihen sein. Obwohl das Segment der
High-Yield-Anleihen von mittelständischen Unternehmen aufgrund einer Reihe von Insolvenzen nicht den
besten Ruf hat, sollten Investoren
nicht in den Fehler verfallen, alle Unternehmen über einen Kamm zu
scheren. Andererseits sollten die Unternehmen vor der Herausforderung
der Ablösung oder Anschlussfinanzierung nicht die Augen verschließen und wertvolle Zeit ungenutzt
verstreichen lassen. Dieses Verhalten verschärft das Problem, obwohl
es Möglichkeiten für viele der betroffenen Unternehmen gibt. Das richtige Timing ist der Schlüssel zur erfolgreichen Finanzierung. Dies gilt gerade auch in volatilen Märkten, wie
wir sie gerade erleben.
Frühzeitig planen
Die Windows of Opportunity, wie
es heute heißt, öffnen und schließen
sich, nicht selten in rascher Folge.
Die Vorbereitung der Finanzierungstransaktion sollte abgeschlossen
sein, wenn eine Gelegenheit sich bietet, und nicht dann erst in Angriff genommen werden. Wessen Anleihe etwa 2017/18 zur Auszahlung ansteht, der sollte heute damit beginnen, sich mit dem Thema intensiver
zu befassen. Der Börsengang ist
nicht das einzige Mittel, sich mit Eigenkapital zu versorgen. Unternehmen, die nicht an die Börse wollen,
stehen andere Möglichkeiten der Eigenkapitalfinanzierung offen. Denkbar ist beispielsweise die Hereinnahme einer Minderheitsbeteiligung. In
jedem Fall aber ist frühzeitige,
gründliche Planung nötig und professioneller Rat.
Wichtiges Kriterium für jeden Investor ist die Rendite, sie ist aber keineswegs das einzige Kriterium. So
haben sich auch infolge der Finanzkrise die durchschnittlichen Renditeerwartungen von Investoren reduFortsetzung Seite B 5
Bei Eigenkapital geht kein Weg an der Bank vorbei
In einem schlanken und transparenten Investitionsprozess werden tragfähige Strukturen für Anleger und kapitalsuchende Unternehmen gewährleistet
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Gesunde und tragfähige Bilanzrelationen bilden die Basis für nachhaltige unternehmerische Entscheidungen und damit die Voraussetzung
für Wachstum und Fortschritt, aber
auch für Krisenfestigkeit und eine
sichere Planungsgrundlage. Vor dem
Hintergrund eines sich intensivierenden internationalen Wettbewerbsumfelds ist die Frage nach der
passenden Bilanzstruktur für das
eigene Geschäftsmodell und der zielgenauen Kapitalallokation aktueller
denn je.
Neben der fortschreitenden Internationalisierung prägen die aktuellen Entwicklungen rund um die Digitalisierung und Industrie 4.0 die
Wahl passgenauer Finanzierungslösungen. Mittelständische Unternehmen sind von diesem Veränderungsprozess in mehrfacher Hinsicht betroffen. Auf der einen Seite treten
neue, innovative Wettbewerber in
etablierten Märkten auf. Auf der anderen Seite verändern sich aber
nicht allein die Wettbewerbsintensität, sondern auch die Parameter und
Marktstrukturen. Im Rahmen dieses
„Nicht nur am Anfang
des Unternehmenszyklus und in Wachstumsphasen ist Eigenkapital ein knappes
Gut.“
Transformationsprozesses werden
Entscheidungen also unter zunehmender Unsicherheit, zum Beispiel
über künftige Standards, getroffen.
In diesem Zuge verändert sich
auch der Wertschöpfungsprozess,
zum Beispiel indem sich Geschäftsmodelle vom reinen Produzenten
zum Anbieter von Services und
Dienstleistungen entlang integrierter Wertschöpfungsketten wandeln
– einhergehend mit den damit verbundenen Auswirkungen auf die Bi-
lanzrelationen, etwa in Form eines
gestiegenen
Umlaufvermögenanteils. Darüber hinaus finden alternative Wege der Zusammenarbeit Einzug in den unternehmerischen Alltag. Nicht jedes Unternehmen muss
alle technologisch hoch anspruchsvollen Tätigkeiten entwickeln und
selbst vorhalten. Kooperationen und
Netzwerke eröffnen neue Chancen,
die den Zugriff und die technologische Infrastruktur für eine unternehmensindividuelle Nutzung ermöglichen. Nicht zuletzt durch die daraus resultierende Veränderung der
Bilanzrelationen wird die Zusammenarbeit von Bank und Unternehmen vor neue Herausforderungen
gestellt.
Bewertbarkeit im Fokus
Der Investitionsschwerpunkt verschiebt sich zudem verstärkt von materiellen hin zu immateriellen Investitionsgütern und wirft damit zum
Beispiel die Frage nach deren Bewertbarkeit auf. Im Ergebnis verändert dies nicht nur die Bilanzstatik,
sondern definiert auch die Anforderungen und Ansprüche an Sicherheiten und Haftkapital durch die Finanzierungspartner neu. Eine stabile
und tragfähige Eigenkapitalbasis auf
Basis einer zukunftsorientierten Bilanzanalyse ist daher die Grundlage
für nachhaltiges unternehmerisches
Wachstum und die Voraussetzung
für den Einstieg alternativer Finanzierungspartner.
Als „Benchmark“ für innovative
Gründungen und technologisches
Know-how dient im internationalen
Vergleich oft das Silicon Valley. Neben einem kreativen Umfeld wird
die hohe Verfügbarkeit von Finanzierungsquellen als zentraler Erfolgsfaktor gepriesen – doch auch hier muss
sich der Standort Deutschland nicht
verstecken. Verschiedene Anbieter
haben diesen Markt hierzulande
längst entlang aller Unternehmensphasen für sich erschlossen. Das
passgenaue Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital ist dabei kein
statisches Konstrukt, sondern immer
am unternehmerischen Zielbild und
gesellschafter einhergehen, und
gleichzeitig sollen weitere Wachstumsszenarien nicht durch laufende
Kapitalkosten belastet werden. An
dieser Stelle können Direktinvestitionen beziehungsweise Beteiligungskapital eine zielführende Lösung sein.
Auch für kleinere und
mittlere Unternehmen
Von
stehen Lösungen ohne
Martin Keller
vordefinierte Laufzeitbegrenzungen für Mehrund Minderheitsbeteiligungen zur Verfügung.
In Verbindung mit öffentlichen FördermitLeiter Product Manage- teln können durch diese
ment Mittelstandsbank eigenkapitalnahen Finanzierungslösungen
der Commerzbank AG
die Voraussetzungen für
weiteres Wachstum und
verfügen, ist eine tragfähige Finan- ergänzende (Senior-)Finanzierungszierungspartnerschaft und langfris- bausteine geschaffen werden. Dies
tig angelegte Zusammenarbeit von spiegelt sich auch in der Liquiditätsbesonderer Bedeutung. Ziel der Zu- planung und -steuerung für den Insammenarbeit ist neben konkreten vestitionszeitraum wider, da diese
Finanzierungslösungen der Zugang Bausteine in der Regel endfällig verzu fachspezifischem Know-how, Netz- geben werden und somit liquiditätsschonendes Wachstum ermöglichen.
werken und Beratungsleistungen.
Fehlende finanzielle Spielräume
Banken haben daher sukzessive ihre klassischen Finanzierungskompe- können Unternehmen in ihrem
tenzen erweitert und schaffen durch Wachstumskurs beschneiden. Dies
Vermittlungsdienstleistungen den gilt insbesondere für den unternehZugang zu öffentlichen Förderpro- merischen Entscheidungsspielraum:
grammen und Zuschüssen, aber Je schwächer die Eigenkapitalbasis
auch zu Netzwerken von Kapitalge- ist, desto stärker wird dieser durch
bern und Know-how-Trägern. Ne- Dritte bestimmt. Der Einschätzung
ben der reinen Vermittlung von Ei- und Bewertung entscheidender Zugenmitteln durch externe Dritte ha- kunftsfaktoren, wie zum Beispiel
ben Banken schrittweise auch eige- Trends und Treibern in Markt und
ne Finanzierungsvehikel, wie zum Branche, sowie der Modellierung
Beispiel Tochtergesellschaften, die und Validierung von Businessplänen
als Venture-Capital-Geber auftreten, kommt daher eine besondere Rolle
am Markt etabliert. Darüber hinaus zu. Dies gilt auch für Unternehmen
sind sie durch die Gründung eigener mit bewährten Geschäftsmodellen
Inkubatoren in diesem Marktseg- in etablierten Märkten. Geplante Akquisitionen, Wachstum und Sprungment aktiv.
Nach der initialen Wachstumspha- investitionen lassen sich nicht imse stehen Unternehmen oft vor der mer rein aus eigenen Mitteln und
Herausforderung, die Investoren der klassischer Fremdfinanzierung stemersten Stunde abzulösen, die das men.
Vor diesem Hintergrund kann eiUnternehmen in der Frühphase mit
einem festen Zeithorizont und Exit- ne Eigenmittelfinanzierung, etwa in
vorstellungen begleitet haben. Mit Form von Mezzaninekapital, Abhilfe
diesem Schritt soll aber nach Mög- schaffen. Neben der Optimierung
lichkeit keine Verwässerung der Alt- der Bilanzstruktur bietet diese Form
der konkreten Investitions- und
Wachstumsplanung orientiert.
Insbesondere für junge Unternehmen, die noch über keine umfassenden drittverwendungsfähigen Sicherheiten oder thesaurierten Gewinne
der Finanzierung durch die Schaffung eines zusätzlichen Verlustpuffers auch eine Art Geschäftsmodellversicherung, – ohne dass der unternehmerische
Entscheidungsspielraum in den oftmals familiengeführten Unternehmen beschränkt wird.
Durch den eigenkapitalnahen Charakter erzeugen diese Vehikel zudem eine Bonitätsverbesserung – ohne die bestehenden Sicherheitenund Covenantstrukturen zu verschlechtern.
Doch nicht nur am Anfang des Unternehmenszyklus und in Wachstumsphasen ist Eigenkapital ein
knappes Gut. Im Zuge der anstehenden Nachfolgewelle im deutschen
Mittelstand kommt es vermehrt zu
Unternehmensübergaben. Durch stille Beteiligungen oder Genussrechtskapital erfolgt eine Stärkung der Eigenmittel, ohne Sicherheiten zu binden. Bei Eigentümerstrukturen mit
einem breit aufgestellten Gesellschafterkreis hat diese Lösung darüber hinaus den Charme, dass bestehende Gesellschafteranteile nicht
verwässert und in der Regel keine gesellschaftsrechtlichen Mitspracherechte gewährt werden.
Auch IPO denkbar
Für den Eintritt in eine neue Unternehmensphase kann auch direkt an
den Kapitalmärkten Eigenkapital eingeworben und die Eigenkapitalbasis,
zum Beispiel im Rahmen eines Initial Public Offering (IPO) oder einer
Kapitalerhöhung, gestärkt werden.
In diesem Fall stehen dem Unternehmen die Mittel ohne operative
Zweckbindung zur Verfügung, und
die Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern wird verringert. Als Nebeneffekt schafft diese Variante die Grundlage für weitere Kapitalmarktemissionen und greift durch die öffentliche
Aufbereitung der eigenen Bonität
möglichen
Informationsasymmetrien vor. Dies kann beispielsweise
geschäftsfördernde Signale an Zulieferer und Kunden zur Folge haben.
Insbesondere mittelständisch geprägte Unternehmen sollten jedoch die
gesetzlichen Transparenz- und Publi-
kationspflichten und damit verbundene einmalige sowie laufende Kosten und das unternehmerische Mitspracherecht der Aktionäre berücksichtigen.
Die Digitalisierung hat die Rahmenbedingungen für die Finanzintermediation nachhaltig verändert. Während klassische Eigen- und Fremdkapitalbausteine dem veränderten
Wettbewerbsumfeld nicht immer
vollumfänglich gerecht werden können, haben Banken durch umfangreiche Vermittlungsdienstleistungen und
die Verbindung von bewährtem Risiko- und Markt-Know-how mit innovativen Formen der Kapitalausreichung ihre Angebotspalette ausgebaut. Sukzessive finden alternative
„Im Zuge der anstehenden Nachfolgewelle im deutschen
Mittelstand kommt
es vermehrt zu Unternehmensübergaben.
Durch stille Beteiligungen oder Genussrechtskapital erfolgt
eine Stärkung der
Eigenmittel, ohne
Sicherheiten zu
binden.“
Formen der Finanzintermediation,
zum Beispiel in Form von Peer-toPeer-Lending-Plattformen, Einzug in
die Unternehmensfinanzierung. Dabei werden durch bankeigene Lösungen die hohen Anforderungen an die
Kreditgewährung sowie etablierte
und aufsichtsrechtlich geprüfte Mechanismen der Ratingbestimmung
beibehalten. In einem schlanken
und transparenten Investitionsprozess werden so tragfähige Strukturen für Investoren und kapitalsuchende Unternehmen gewährleistet.
Sonderbeilage
Sonnabend, 19. November 2016
Börsen-Zeitung Nr. 224
B3
Mit Börsengängen von Konzerntöchtern Wert schaffen
In vielen Fällen verbessert eine solche Maßnahme die Wettbewerbsposition und erhöht die finanzielle und strategische Flexibilität
Roger Rüdisüli (2005) zeigt in einer empirischen Untersuchung eine
deutliche langfristige Outperformance für Spin-offs sowohl in den
USA als auch in Europa. Dies gilt für
die abspaltende Gesellschaft ebenso
wie für die abgespaltene Gesellschaft.
Für IPO von Konzerntöchtern lässt
sich demnach eine langfristige Outperformance
so nicht feststellen. Es
gibt der Studie zufolge jeVon
doch zum Zeitpunkt der
Foruhar Madjlessi . . .
Ankündigung des IPO eines Geschäftsbereichs eine relevante Outperformance der Mutter.
Zu den jüngeren euroKo-Leiter des Aktienpäischen Beispielen eremissionsgeschäfts
folgreicher Reorganisatider Deutschen Bank
onen im Wege eines IPO
in Deutschland, Östergehören Philips Lighting
reich und der Schweiz
in den Niederlanden
oder die tschechische
In der überwiegenden Zahl der Fälle GE-Tochter Moneta Money Bank.
geschieht dies durch Mergers & Ac- Namhafte weitere Fälle sind Ferrari
quisitions-(M & A)-Verkäufe an stra- (Fiat), NN Group (ING), Worldline
tegische Käufer oder Finanzinvesto- (Atos) oder Telefónica Deutschland
ren. Dabei eröffnet der Weg über die (Telefónica). Insgesamt beläuft sich
Börse oftmals eine attraktive Alter- das IPO-Emissionsvolumen aus Konzernunternehmen börsennotierter
native.
Mütter in Europa in den vergangenen 20 Jahren auf rund 87 Mrd. EuSpin-offs oder IPOs
ro. Dazu kommen Abspaltungen, ob
In Europa nutzen Unternehmen ganz oder teilweise, börsennotierter
tatsächlich regelmäßig den Kapital- europäischer Konzerne einschließmarkt, um Portfolioveränderungen lich etwa World Duty Free oder Buumzusetzen. Grundsätzlich kann ein wog im Volumen von insgesamt
Börsengang dabei auf zweierlei Wei- über 270 Mrd. Euro im genannten
se erfolgen. Erstens im Wege eines Zeitraum. Das Gesamtvolumen sol„Spin-offs“ (Abspaltung) von Ge- cher Börsengänge in Höhe von insgeschäftsbereichen, vergleichbar einer samt über 350 Mrd. Euro belegt die
Dividende an die Investoren der be- Bedeutung dieses Instruments.
reits börsennotierten Mutter. Oder
zweitens durch IPO (Initial Public OfMaßgeschneiderte Konzepte
fering), also den Verkauf an institutionelle Kapitalmarktinvestoren. Der
Reorganisationen von UnternehSpin-off wird dabei oft zu Unrecht men durch Börsengänge von Tochals „Schenkung“ eines Unternehmens- terunternehmen können dabei so
teils begriffen. Aus der maßgeblichen umfangreich ausfallen, dass man
Perspektive des Aktionärs handelt es von einer „Unternehmenstransforsich keineswegs um eine Schenkung, mation“ spricht. In Deutschland hasondern lediglich um die getrennte ben Siemens, Bayer, RWE und Eon
Verbriefung eines bereits zuvor be- jüngst mit den Börseneinführungen
stehenden Eigentumsanspruchs. Der von Osram, Covestro, Innogy und
Erfolg eines Börsengangs kann zum Uniper die Relevanz einer AusgliedeBeispiel anhand der Aktienkurs-Out- rung über den Kapitalmarkt unterperformance der betreffenden Ge- mauert. Metro und United Internet
sellschaften gemessen werden.
haben Vergleichbares angekündigt
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Unternehmen haben permanent strategische Entscheidungen im Hinblick auf die Optimierung ihres Geschäftsportfolios oder die Konzernreorganisation zu treffen. Dies umfasst
auch die Veräußerung von Geschäftsbereichen oder Tochterunternehmen.
oder als mögliche Maßnahme in Aussicht gestellt.
Strukturierungsvarianten für ein
IPO von Konzernteilen gibt es viele.
Deshalb können Konzepte auf die
verschiedenen Finanz- und Kapitalanforderungen, aber auch auf die
strategischen Erwägungen der jeweiligen Emittenten maßgeschneidert
werden. Die Abspaltung oder das
IPO eines Minderheitsanteils eines
Unternehmens kann ein erster
Schritt mit Blick auf eine künftige
Veräußerung sein; alternativ kann
das Management sich bewusst für eine dauerhafte Mehrheitsbeteiligung
entscheiden.
Siemens und Eon haben beispielsweise den Weg einer Abspaltung in
Höhe von rund 80 % beziehungsweise rund 53 % der jeweiligen Tochter
gewählt. Damit fließen den Unternehmen im ersten Schritt keine Mittel zu. Über einen späteren Verkauf
zunächst bei der Mutter verbliebener Altaktien besteht aber sehr wohl
die Möglichkeit, zukünftig Veräußerungserlöse zu erzielen. Frühere
Abspaltungen etwa von Lanxess
(durch Bayer) oder Takkt (durch
Gehe) haben unmittelbar zu einer
vollständigen Abgabe der jeweiligen
Beteiligung geführt.
Beispiele aus der Praxis
Osram und Uniper sind Beispiele
für Teilabspaltungen, denen weitere
Veräußerungsschritte folgen dürften. Dagegen haben Bayer und RWE
sich im Falle von Covestro und Innogy für ein IPO entschieden und auf
diese Weise Mittel für die Mutter
und/oder die Tochter erlösen können. Siemens hat in der Vergangenheit sein Engagement in aktiven und
passiven elektronischen Bauteilen
durch die IPOs von Infineon und
Epcos und darauf folgende weitere
Aktienplatzierungen sukzessive aufgegeben.
In der Abwägung zwischen den
verfügbaren Grundvarianten spielt
die Beurteilung von Marktrisiken
und Aufnahmefähigkeit des Kapitalmarkts zu einem gegebenen Zeitpunkt ebenso eine Rolle wie die
ganz unterschiedlichen finanziellen
und bilanziellen Auswirkungen der
Solide Ausstattung mit Eigenkapital
Fortsetzung von Seite B 1
Auf die sehr frühe und frühe Phase ist unsere Venture-Capital-Tochter Bayern Kapital spezialisiert, die
vor über 20 Jahren gegründet wurde. Mit der damaligen Gründung
war Bayern, was das Thema Venture
Capital in Deutschland betrifft, Vorreiter unter den Ländern und die LfA
Vorreiter unter den Landesförderinstituten. Anspruch ist es, Finanzierungen zu realisieren, die für private
Beteiligungsgesellschaften oder Business Angels allein oft nicht möglich
wären.
Als Spezialanbieter für technologieorientierte Start-ups ist Bayern
Kapital als öffentlicher Finanzierer
dabei immer zusammen mit privaten Lead-Investoren aktiv und verwaltet derzeit elf Beteiligungsfonds
mit einem Beteiligungsvolumen von
rund 340 Mill. Euro. Der Fokus liegt
auf der Finanzierung von Gründern,
bayerischen Hightech-Unternehmen
und jungen, innovativen Technologieunternehmen, um diesen den Zugang zu Venture Capital für die Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte zu erleichtern. Das Netzwerk rund um Bayern Kapital verschafft den Beteiligungsnehmern neben frischem Kapital zusätzliches unternehmerisches Know-how und gezielte Marktkontakte.
Verschiedenste Branchen
Die innovativen, technologieorientierten Unternehmen stammen dabei aus verschiedensten Branchen
wie beispielsweise Biotechnologie
und Life Science, Software und IT,
Medizintechnik, Werkstoffe und
neue Materialien, Nanotechnologie
und Umwelttechnologie. Durch den
in 2015 hinzugekommenen Wachstumsfonds Bayern ist es Bayern Kapital möglich, nun für die gesamte Early-Stage-Phase als Eigenkapitalpartner die Unternehmen in der Entwicklung zu begleiten. Allein durch den
Wachstumsfonds Bayern, der mit
100 Mill. Euro ausgestattet ist, werden voraussichtlich 250 Mill. Euro
an Wachstumsinvestitionen für bayerische innovative Unternehmen mo-
bilisiert. Der Start des Fonds verläuft
vielversprechend.
Universalanbieter für die Finanzierungsbedürfnisse des Mittelstands
im Eigenkapitalbereich ist die Bayerische Beteiligungsgesellschaft BayBG
– ebenfalls ein Unternehmen der LfAGruppe. Schwerpunkt ist hier das Engagement für den heimischen Mittelstand mit Kapital in Form von stillen
und offenen Beteiligungen sowie
Venture Capital. Der überwiegende
Anteil der Finanzierungen liegt im
klassischen Bereich der Wachstumsfinanzierung; die Spezialbereiche
Turnaround, Venture Capital sowie
Unternehmensnachfolge sind aber
ebenfalls gefragt.
Wertschöpfung am Standort
Mit einem Volumen von mehr als
310 Mill. Euro ist die BayBG derzeit
bei etwa 500 mittelständischen Unternehmen aus unterschiedlichen
Branchen engagiert. Diese Partnerunternehmen realisieren mit rund
50 000 Mitarbeitern einen jährlichen
Umsatz von gut 9,5 Mrd. Euro. Das
schafft Wertschöpfung am Standort.
Speziell auch bei Existenzgründern
im Handel, Handwerk, in der Industrie oder im Dienstleistungsbereich
hilft die LfA in Kooperation mit der
Beteiligungsgesellschaft.
Um den Bedürfnissen von schnell
wachsenden jungen Start-ups oder
von jungen Unternehmen in besonderen Finanzierungssituationen, wie
Sprunginvestitionen, ein Angebot
zur Verfügung zu stellen, arbeitet
die LfA auch mit dem Europäischen
Investitionsfonds (EIF) zusammen.
Bereits im Jahr 2009 haben wir gemeinsam mit dem EIF die sogenannte LfA-EIF-Fazilität ins Leben gerufen. Ziel der Fazilität ist es, neben
den infrastrukturellen Voraussetzungen, die vor allem durch die Start-upInitiative des Bayerischen Wirtschaftsministeriums optimiert wurden, auch das entsprechende Finanzierungsökosystem für bayerische
Unternehmen auszubauen. Hierbei
soll die Fazilität als Ankerinvestor in
einer frühen Phase des Fundraising
Fonds unterstützen und durch das Investment aus der Fazilität ein positi-
ves Signal für private Investoren setzen: beste Standards bei Fondsstrukturen und Governance liegen hier zugrunde.
Ebenso soll durch den intensiven
Due-Diligence-Prozess ein Katalysatoreffekt für privates Kapital geschaffen werden. Das Volumen der Fazilität beläuft sich derzeit auf 150 Mill.
Euro. Inzwischen sind Investments
in ca. 20 Fonds erfolgt, die alle einen
Sitz oder ein Büro in Bayern haben.
LfA und EIF investieren nur in
Fonds, die mehrheitlich privat finanziert sind. Die mitfinanzierten privaten Venture-Capital-Fonds haben daher in Summe Investitionsmittel von
ca. 2,6 Mrd. Euro zur Verfügung. Dadurch sind Investitionen in eine Vielzahl von Unternehmen, davon mehr
als 40 bayerische Unternehmen,
möglich geworden, die zum Teil bereits die großen Entwicklungserwartungen erfüllt haben.
Neben der LfA-EIF-Fazilität sind
wir gemeinsam mit den Partnern
vom EIF, vom Bund und von der
NRW.Bank im Rahmen des Mezzanin-Dachfonds für Deutschland aktiv. Auch hier ist das Ziel, mittelständischen Unternehmen ein alternatives Finanzierungsmodell anzubieten
und private Investoren als Finanzierungspartner zu gewinnen.
Alternativen. Letzteres insbesondere
mit Blick auf die Eigenkapitalposition des Emittenten, die in korrespondierender Höhe zum Eigenkapital
der abgespaltenen Anteile an der
Tochter abnimmt.
Der Spin-off lässt sich als eher
technischer Weg an die Börse verstehen. Die Gesellschaft
gibt Aktien der Tochter
verhältniswahrend an ihre bestehenden Aktionäre. Die Abspaltung ist in
der Folge vergleichsweise unabhängiger vom Kapitalmarktumfeld
als
der IPO, bei dem eine
Kombination von Altaktien aus dem Bestand
der Mutter und/oder
neue Aktien der Tochter
an institutionelle Investoren verkauft werden.
Dennoch unterscheiden sich Aufwand und Prozess der
Vermarktung in beiden Fällen nur
unwesentlich. Während die Vermarktung im Falle eines IPO unmittelbar
auf den Vertrieb der Aktien an relevante Investoren gerichtet ist, geht
es bei einer Abspaltung um das Management des sogenannten „Flowbacks“. Das bedeutet, es sind frühzeitig auch solche Investoren anzusprechen und mit den Zukunftsplänen
und -aussichten der neuen Gesellschaft – der „Equity Story“ – vertraut
zu machen, die nicht automatisch
Aktien erhalten.
So lassen sich Verkaufsaufträge derjenigen Investoren, denen die Aktien
der Tochter zunächst mechanisch
„eingebucht“ werden, die aber in vielen Fällen nicht die natürlichen Eigentümer sind oder die Aktien aus technischen Gründen nicht halten dürfen, durch entsprechende Nachfrage
anderer institutioneller Investoren
auffangen. Ziel ist es dabei, einen allzu großen technisch bedingten Kursdruck auf die Aktien unmittelbar
nach der Abspaltung zu vermeiden.
Gründe und Motivation der Börseneinführung einer Tochtergesellschaft sind äußerst vielfältig. Wertaufhellung, Reduzierung von Komplexität,
Wachstumsfinanzierung
der Mutter oder Tochter sowie Schaffung einer „Akquisitionswährung“
spielen regelmäßig eine Rolle. Stark
. . . und
Josef Ritter
Finanzabschlüsse (in der Regel sogenannte „Kombinierte Finanzzahlen“), die Definition relevanter Kennzahlen für den Kapitalmarkt, die Sicherstellung einer von der Mutter unabhängigen Finanzierung, gegebenenfalls die Loslösung aus einem gemeinsamen Cash-Pool sowie die
Duplikation relevanter Stabstellen
oder die Einrichtung einer eigenständigen Vertriebsorganisation sind
einige der hier gegebenenfalls relevanten Themen.
Schritte rechtzeitig prüfen
Ko-Leiter des Aktienemissionsgeschäfts
der Deutschen Bank
in Europa, dem Nahen
Osten und Afrika
(EMEA)
unterschiedliche Bewertungen verschiedener Geschäftsbereiche können ebenso den Börsengang einer
Tochter motivieren wie die Notwendigkeit, in einem sich konsolidierenden Markt ein höheres Maß an finanzieller und strategischer Unabhängigkeit zu erlangen. Letztlich kann
auch die strategische Entscheidung,
sich zu fokussieren und somit bestimmte (Rand-)Geschäftsbereiche
aufzugeben, ausschlaggebend für eine Veräußerungsentscheidung sein.
Relevante Themen
Unabhängig von der Struktur und
der Motivation des Börsengangs ist
die Umsetzung in der Regel komplex
und erfordert, dass sich interne Experten und externe Berater eng abstimmen. Die organisatorische „Verselbständigung“ einer oftmals aus
Betriebsteilen neu zu schaffenden
Tochter, die entsprechenden gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierungen und deren steuerliche Auswirkungen, das Aufstellen historischer
Für einen erfolgreichen Börsengang muss jeder dieser Schritte aus
Kapitalmarktsicht frühzeitig geprüft
werden. Dies schließt weitere Themen mit ein, etwa Corporate Governance im weiteren Sinne, die Vergütung des Managements oder etwaige
vertragliche Vereinbarungen zwischen Mutter und Tochter zur Regelung der fortgesetzten Bereitstellung
von Dienstleistungen. Die Maßnahmen müssen geplant und in einen
Kommunikations- und Vermarktungsplan für die neue Gesellschaft
eingebettet werden. Die Erfahrung
zeigt: Der frühzeitige Dialog mit den
neuen Zielinvestoren – insbesondere
im Falle eines IPO – und ein umfassender Vermarktungsplan sind entscheidende Erfolgsfaktoren.
Bei aller Komplexität in Vorbereitung und Umsetzung untermauern
die zahlreichen erfolgreichen Börsengänge von Konzernunternehmen in
Deutschland und Europa die Relevanz dieses Instruments auch und gerade als Mittel der strategischen Portfolio-Optimierung oder der Konzernreorganisation. In vielen Fällen führt
eine solche Maßnahme zu einer Verbesserung der Wettbewerbsposition
von Mutter und/oder Tochterunternehmen, erhöhter finanzieller und
strategischer Flexibilität und nicht
zuletzt messbarer Wertschaffung für
Eigentümer und Stakeholder.
Dt. Beteiligungs AG
ISARIA Wohnbau AG
MPC Capital AG
Sole Bookrunner
EUR 38,6 Mio.
Kapitalerhöhung
Exchange Agent
Übernahmeangebot
von Lone Star
Sole Bookrunner
EUR 12,6 Mio.
Kapitalerhöhung
September 2016
September 2016
März 2016
publity AG
SIXT LEASING AG
Sole Bookrunner
EUR 30,6 Mio.
Kapitalerhöhung,
Umplatzierung
Joint Bookrunner
EUR 239,3 Mio.
Börsengang
März 2016
Mai 2015
www.baaderbank.de
Ihr Experte für Capital Markets
Die Baader Bank ist führend im börslichen und außerbörslichen Handel von Finanzinstrumenten, ausgezeichnet als Corporate Broker und Trading-Partner für institutionelle Investoren,
Berater von Unternehmen bei Kapitalmarkttransaktionen sowie der Erarbeitung von Finan-
Optimale Bedingungen
Für den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg jedes Unternehmens ist
eine solide Ausstattung mit Eigenkapital eine unverzichtbare Voraussetzung. Das gilt für den Mittelstand genauso wie für junge Wachstumsunternehmen, und zwar unabhängig
vom Zinsumfeld. Die Bereitstellung
von Eigenkapital oder eigenkapitalähnlichen Mitteln hat daher auch in
der Niedrigzinsphase eine hohe Bedeutung. Als Förderbank und damit
als Partner der mittelständischen
Wirtschaft unterstützen wir gemeinsam mit den privaten Finanzierern
Unternehmen mit einem attraktiven
Angebot für die jeweilige Phase. Das
ist ein wichtiger Standortfaktor,
denn innovative Unternehmen lassen sich dort nieder, wo sie die optimalen Rahmenbedingungen finden.
zierungsstrategien mit Fokus auf die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz).
Ihr Vorteil als Unternehmen: Internationales Investorennetzwerk über die Bankstandorte in
Frankfurt, München, Zürich, London, New York, Boston und Montreal.
Unser Versprechen: Kompetenz, Erfahrung und exzellenter Service bei allen Fragen rund um den
Kapitalmarkt. Professionelle und erfolgsorientierte Begleitung von Kapitalmarkttransaktionen.
Die Baader Bank bietet ein breites Leistungsspektrum und individuelle Beratung –
unabhängig, lösungsorientiert und auf Augenhöhe.
Kontaktieren Sie uns: [email protected]
Die Bank zum Kapitalmarkt.
B 4 Börsen-Zeitung Nr. 224
Sonderbeilage
Sonnabend, 19. November 2016
Life Sciences bieten Chancen für neue Geschäftsideen
Förderbanken schieben private Investitionen an – Gute Vorschläge sollten nicht an der Finanzierung scheitern
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Die Lebenswissenschaften sind ein
Wachstums- und Innovationsmotor
für Deutschland. Sie bieten nicht nur
Chancen für Investoren, sondern
auch für neue Geschäftsideen. Denn
sie schaffen Lösungsansätze für
globale Herausforderungen wie die
medizinische Versorgung, Umweltschutz oder die Sicherung der weltweiten Ernährung. Um Ideen rund
um das Thema Life Sciences zur
Marktreife zu führen, schieben Förderbanken private Investitionen an
und unterstützen mit ihrem Netzwerk.
Innovationsmotor
Life Sciences zählen zu den wachstumsträchtigsten Technologiefeldern
und sind ein Innovationsmotor für
Deutschland. Nicht umsonst wird
die Branche als einer der acht Leitmärkte für Nordrhein-Westfalen
(NRW) definiert – weist sie doch ein
hohes Innovationspotenzial für Gesellschaft und Wirtschaft auf. Die
Lebenswissenschaften umfassen ein
breites Spektrum – von der Krebstherapie über moderne Diagnostik und
Analysemethoden bis hin zu innovativen Enzymen, die Bioabfall in Kraftstoff verwandeln.
Im Zuge der demografischen
Entwicklung kommt medizinischen
Innovationen eine wachsende Bedeutung zu. Denn für eine älter werdende Gesellschaft spielen Medizintechnik, Wirkstoffentwicklung, Home
Care und der Bereich der digitalen
Gesundheit eine immer größere Rolle. Zudem suchen die Lebenswissenschaften für globale Herausforderungen wie die Bekämpfung von Epidemien, den Schutz der Umwelt und
die Sicherung der weltweiten Ernährung nach neuen Antworten.
Unternehmen aus diesem Bereich
machen Ergebnisse der Grundlagenforschung anwendbar und tragen
dazu bei, die Lebensqualität der
Menschen zu verbessern
und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu
stärken.
Umgekehrt
prägt
Nordrhein-Westfalen
diese Branche nachhaltig: Gerade NRW, das
mit seinen 70 Hochschulen, zwölf Max-PlanckInstituten, elf Fraunhofer-Instituten, zehn Leibniz-Instituten und dem
Forschungszentrum Jülich zu den größten Forschungslandschaften
Europas zählt, bietet jungen Unternehmen aus dem Biotechnologieund Medizinbereich ein ideales Umfeld. Da NRW gleichzeitig Sitz vieler
bekannter Unternehmen aus dem
Gesundheitsbereich ist, verzahnen
sich in diesem Ballungsraum Wissenschaft und Wirtschaft eng miteinander und befruchten sich gegenseitig.
Geprägt wird die Branche von jungen und etablierten Unternehmen
gleichermaßen: Neben
einigen
großen, international agierenden
Unternehmen wie Qiagen, Miltenyi
Biotec, Bayer Health Care, UCB, Henkel, Lanxess und Evonik Industries
haben gerade auch einige sehr junge
Unternehmen bewusst NRW als
ihren Unternehmenssitz gewählt.
Das wirkt sich auch auf die Anzahl
der Beschäftigten in dieser Branche
aus. Laut Cluster Biotechnologie
Nordrhein-Westfalen BIO.NRW waren im Jahr 2015 in NRW im Bereich
der besonders innovativen Biotechnologien mit knapp 4 000 Angestellten die meisten Mitarbeiter im Bundesvergleich beschäftigt. Insgesamt
erzielten die Biotechnologie-Unternehmen in Nordrhein-Westfalen
Von
Michael Stölting
Vorstandsmitglied
der NRW.Bank
44 % der Umsätze der gesamten
Branche in Deutschland.
Neue Industriezweige
In den Life Sciences entstehen
neue Industriezweige, in denen Produkte mit hohem Kommerzialisierungspotenzial entwickelt werden.
Entsprechend hat sich diese Branche
in den USA zu einer Boombranche
entwickelt, die zahlreiche private Investoren anzieht. Doch zwischen
den USA und Deutschland bestehen
deutliche Unterschiede. Obwohl die
Branche auch hierzulande ein hohes
Wachstumspotenzial hat und damit
interessant für Investoren ist, halten
sich potenzielle Kapitalgeber in
Deutschland immer noch zurück.
Das gilt für Branchenkenner ebenso
wie für fachfremde Investoren. Dabei sind insbesondere Investitionen
in Forschung und Entwicklung so-
wie die Vermarktung der Produkte
notwendig. Nur durch sie können
Start-ups den Markteintritt überhaupt schaffen und etablierte deutsche Life-Science-Unternehmen international mithalten.
Um die Finanzierungslücke zu
schließen, kommt der Eigenkapitalfinanzierung eine wichtige Rolle zu.
Hier spielen Förderbanken wie die
NRW.Bank eine wesentliche Rolle.
Sie unterstützen den Markt mit günstigen Förder- und Finanzierungsangeboten und beleben ihn mit Eigenkapitalangeboten. Auf diese Weise
schieben sie private Investitionen
mit an.
Mit seiner Gründungsexpertise ist
das Beteiligungsteam der NRW.Bank
in der Lage, Branchen angemessen
zu verstehen und die Aussichten auf
den Erfolg von Geschäftsmodellen
richtig einzuschätzen. Es unterstützt
früh bei unternehmerischen Fragen
und berät beim Erstellen von Businessplänen ebenso wie beim Planen
von Vermarktungsstrategien sowie
bei deren Ausführung. Zudem begleiten Förderbanken aktiv durch die
Übernahme von Beirats- oder Aufsichtsratsmandaten. Diese Expertise
bietet sowohl Gründern als auch
Investoren einen Mehrwert.
Zugang zu Netzwerken ebnen
Technologieorientierte Existenzgründer benötigen neben Kapital
und Beratung aber auch einen Zugang zu guten Netzwerken, insbesondere zu internationalen Industriepartnern, markterfahrenen Kapitalgebern und innovativen Mittelständlern. Damit stellen Start-ups sicher,
dass sie Technologien, Produkte und
Dienstleistungen entwickeln, die
sich an den Bedürfnissen des Marktes orientieren. Für diese Gründer
gibt es in NRW eine bundesweit
einmalige
Anlaufstelle:
das
NRW.Bank.Venture Center. Es berät
Interessierte aus Forschungseinrichtungen und Hochschulen, identifiziert vielversprechende Ideen mit
Vermarktungsperspektive und unterstützt bis in die Gründungsphase.
Erfolgreiche Ausgründungen
Gründer brauchen zudem Raum
zur Entwicklung. In Gründerzentren
und den Life-Science-Inkubatoren in
NRW finden Forscher, Wissenschaftler und junge Start-ups ein optimales Umfeld. Wie fruchtbar sich dort
Start-ups entwickeln, zeigen erste
Ausgründungen wie zum Beispiel
aus dem Life-Science-Inkubator in
Bonn, an dem auch die NRW.Bank
mit Kapital aus dem Pre-Seed-Fonds
beteiligt ist. Aus diesem gründete
sich im April 2014 als erster Spin-off
die Neuway Pharma GmbH aus.
Nach einer mehrjährigen Phase der
Grundlagenforschung erhielt das
Start-up 2,7 Mill. Euro Erstrundenfinanzierung von einem Investorensyndikat. Neuway beschäftigt sich
mit der präklinischen und klinischen
Entwicklung von innovativen Therapeutika für die Behandlung von seltenen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, beispielsweise Gehirntumoren.
Ein Boomfeld ist die personalisierte Medizin. Eine individualisierte Behandlung erhöht vor allem in der Onkologie, bei Autoimmunerkrankungen und Diabetes nicht nur die Versorgungs- und Lebensqualität der Erkrankten. Weil unwirksame Therapien vermieden werden, steigt auch
die Kosteneffizienz im Gesundheitswesen. Eine Erfolgsgeschichte ist die
NEO New Oncology AG aus Köln mit
ihrem molekulargenetischen Test
für Krebszellen. Dessen Ergebnisse
ermöglichen dem behandelnden
Arzt die Auswahl personalisierter Behandlungsstrategien. Dieser völlig
neuartige Gentest wurde an der Universität zu Köln entwickelt und mit
Unterstützung des NRW.Bank.Venture Fonds zur Marktreife gebracht. Im
Frühjahr 2016 erfolgte der Verkauf
an die inzwischen umbenannte Siemens Healthcare GmbH.
Den Life Sciences geht es jedoch
nicht nur um das Erkennen und Heilen von Krankheiten. Digitale Prozesse und die Auswertung großer Datenmengen im Sinne von „Big Data“ helfen auch gesunden Menschen. Smartphones, Wearables und tragbare
Mini-Computer erheben heute bereits Gesundheitsinformationen. Erste Krankenkassen wollen so ihre Mitglieder im Rahmen der Gesundheitsvorsorge zu mehr Bewegung animieren. Auch hier bieten sich Chancen
für neue Geschäftsmodelle.
Gemeinsam agieren
Dass diese guten Geschäftsideen
nicht an der Finanzierung scheitern,
ist eine der wichtigsten Aufgaben von
Förderbanken wie der NRW.Bank.
Sie stellen nicht nur Kredite und Eigenkapital zur Verfügung, sondern
unterstützen auch durch vielschichtige Beratung und ihr breites Netzwerk. So sorgen sie dafür, dass jede
erfolgversprechende Gründeridee die
passende Finanzierung erhält, damit
gesamtgesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam erfolgreich bewältigt werden.
IPO ohne öffentliches Angebot durchaus eine Option
Weniger Preis- und Erfolgsdruck – Abzuwägen bleibt, ob eine ausreichende Anzahl von Investoren erreicht werden kann
nannten Private Placement platziert
und anschließend zugelassen.
Die letzten prominenten Börsengänge ohne öffentliches Angebot waren Schaeffler, Hella und Evonik.
Die Schaeffler AG hat es geschafft,
unmittelbar zu Beginn
der VW-Krise im Herbst
2015 in einem schwierigen Umfeld an die Börse
Von
zu gehen und das Risiko
Achim Herfs . . .
etwaiger negativer Publizität im Falle eines
Abbruchs des Börsengangs bis zum Schluss
gering zu halten. Sogenannte „Wallcrossed“-Investoren wurden vorab
Partner
angesprochen, um debei Kirkland & Ellis,
ren InvestitionsbereitMünchen
schaft zu sondieren.
Nach Bekanntgabe der
Börsengang ab. Es wäre nach der Preisspanne wurden innerhalb einer
Innogy SE das zweitgrößte IPO (Initi- Woche die Roadshow des Manageal Public Offering) in diesem Jahr ments durchgeführt, der finale Preis
gewesen. Als Grund wurde angege- je neuer Aktie festgelegt und der
ben, dass Investoren nicht bereit wa- Wertpapierprospekt für die Börsenzuren, den geforderten Preis zu zah- lassung gebilligt und veröffentlicht.
Im Fall des Börsengangs der Hella
len. Tatsächlich waren während der
ersten Angebotswoche die Aktienkur- KGaA Hueck & Co im Jahr 2014 wurse der „Peer Group“ um bis zu 10 % de die Privatplatzierung von 10 %
der Aktien mit einem zweitägigen öfgefallen.
fentlichen Angebot von weiteren 5 %
der Aktien kombiniert. Bei der EvoNachdenklich gestimmt
nik Industries AG, die im Jahr 2012
Dass ein Börsengang eines Unter- als erster Emittent nach mehrfachen
nehmens mit einem stabilen Ge- vergeblichen Versuchen den Weg an
schäftsmodell und attraktiver Divi- die Börse ohne das übliche öffentlidendenrendite in einem grundsätz- che Angebot gesucht hatte, folgte
lich positiven Börsenumfeld abge- auf das Private Placement ebenfalls
sagt werden muss, wird viele poten- ein kurzes öffentliches Angebot.
zielle Emittenten und Finanzinvestoren, die einen Exit über die Börse erAblauf und Vermarktung
wägen, nachdenklich stimmen. Wie
das Beispiel OfficeFirst zeigt, setzt
Im herkömmlichen IPO-Prozess
sich der Emittent aber während der verläuft die Vermarktung in zwei
Dauer des öffentlichen Angebots ei- Schritten: einem nicht öffentlichen
ner öffentlichen Preisdiskussion und Pre-Marketing-Prozess und dem öfMarktrisiken aus.
fentlichen Angebot, das meistens
Die Absage eines Börsengangs zwei Wochen dauert. In der Pre-Markann für ein Unternehmen sehr nach- keting-Phase werden bei ausgewählteilig sein. Sie verunsichert Mitarbei- ten Investoren das Interesse an dem
ter und Eigentümer und wird die Be- Emittenten und die Bewertung sonwertung bei einem erneuten Anlauf diert. Aufgrund des Feedback weroder einem alternativen Trade Sale den die finale „Go/No Go“-Entscheinachteilig beeinflussen. Diese Risi- dung für den Börsengang getroffen
ken können minimiert und der Repu- und die Preisspanne festgelegt.
tationsschaden durch die Absage ei- Dann beginnt die zweite Phase: das
nes bereits öffentlich angekündigten öffentliche Angebot auf der GrundlaIPO kann vermieden werden, wenn ge des von der Bundesanstalt für Fiein Börsengang ohne öffentliches An- nanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
gebot durchgeführt wird. Die Preis- gebilligten Prospekts und der Roadfindung spielt sich dann unter Aus- show des Managements. Schließlich
schluss der Öffentlichkeit ab. Es wer- folgt die Preisfestsetzung.
den nur potenzielle institutionelle InAuch bei einem Börsengang ohne
vestoren angesprochen und die Ak- öffentliches Angebot wird im ersten
tien im Rahmen eines größeren soge- Schritt eine Gruppe von potenziellen
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Am 11. Oktober dieses Jahres sagte
das Immobilienunternehmen OfficeFirst, ein Tochterunternehmen der
IVG, eine Woche nach Beginn des öffentlichen Angebots den geplanten
Investoren identifiziert und werden
Sondierungsgespräche geführt. Idealerweise sollte die potenzielle Nachfrage dieser Gruppe einen wesentlichen Teil (30 bis 50 %) des geplanten Emissionsvolumens abdecken.
Hat der Emittent Anleihen ausgegeben oder werden etwaige Schuldinstrumente im Kreditmarkt gehandelt
(was bei größeren syndizierten
Finanzierungen der Fall sein wird),
erfordert die erste Ansprache ein sogenanntes „Wallcrossing“ der Investoren. Sie erhalten die vertrauliche
und für die gehandelten Schuldinstrumente potenziell preissensitive
Information, dass der Emittent
einen Börsengang erwägt.
Für das „Wallcrossing“ müssen die
Vorgaben für eine Marktsondierung
nach der neuen Marktmissbrauchsverordnung (Ziffer 11 MAR) eingehalten werden. Wichtig ist dabei das
anschließende sogenannte Cleansing, da die Investoren nur über einen möglichst kurzen Zeitraum „restricted“ bleiben wollen, um nicht am
Handel in den Schuldinstrumenten
gehindert zu sein.
Nach dem Pre-Marketing wird die
Preisspanne festgelegt. Auf dieser
Grundlage kann eine größere Gruppe von Investoren angesprochen werden, um das geplante Emissionsvolumen abzudecken. Es müssen mindestens 100 Aktionäre investieren, um
eine breite Streuung der Aktien zu
schaffen, die neben einem Streubesitzanteil von 25 % des Grundkapi-
„Auch bei einem
Börsengang ohne
öffentliches Angebot
wird im ersten Schritt
eine Gruppe von potenziellen Investoren
identifiziert und
werden Sondierungsgespräche geführt.“
tals (bei großen Emissionsvolumina
reichen auch 10 bis 15 %) Voraussetzung für die Börsenzulassung ist.
Diese Phase dauert in der Regel eine
Woche.
Für die Vermarktung kann ein Offering Memorandum verwendet werden, das mit dem späteren Zulassungsprospekt identisch sein sollte.
Das gilt auch für das Pre-Marketing,
in dessen Rahmen ein Offering Memorandum ohne Preisspanne verwendet werden kann (sog. Pink Herring). Weicht das Offering Memorandum von dem später gebilligten
Zulassungsprospekt ab,
müssen die Investoren,
die aufgrund des Offering Memorandum ihren Zeichnungsauftrag
abgegeben haben, über
die Veränderungen informiert werden.
Unklar ist, ob im Fall
der Zeichnung aufgrund
des Offering Memorandum und vor Billigung
des Zulassungsprospekts
die
Prospekthaftung
nach
Wertpapierprospektgesetz (WpPG) Anwendung finden würde, da diese
rein formal auf einen nach § 3 Abs. 1
Satz 1 WpPG veröffentlichten Angebotsprospekt abstellt. Eben der liegt
in dieser Transaktionsstruktur jedoch nicht vor. Es können dann die
Grundsätze der allgemeinen zivilrechtlichen Prospekthaftung nach
dem Recht des Landes, in dem die
Zeichnung erfolgte, zur Anwendung
kommen. Die Haftungsmaßstäbe
können dabei unterschiedlich sein.
Kein Risiko mehr
Nach einer gesicherten Privatplatzierung kann noch ein kurzes öffentliches Angebot durchgeführt werden, um das Emissionsvolumen und
die Anzahl der Investoren zu erhöhen. Ist die Platzierung bereits gesichert, ist mit dem öffentlichen Angebot kein Risiko mehr verbunden.
Eine Abweichung in der Vermarktung kann sich durch das sogenannte Deal Related Research ergeben.
Bei regulären IPOs in Europa ist es
üblich, bei der Vermarktung Research Reports zu verwenden, die
von Analysten der begleitenden Banken auf der Grundlage einer Analystenpräsentation des Emittenten erstellt werden. Dies ist von Vorteil für
die Investoren, da sie ein Modell für
die Bewertung des Emittenten geliefert bekommen, einschließlich der
Einschätzung des Analysten, welche
Unternehmen zu der für Bewertungszwecke relevanten Peer Group des
Emittenten gehören. Obwohl die Verwendung von Research Reports der
begleitenden Banken in den USA verboten ist, akzeptieren internationale
Banken die Praxis in Europa, da die
Research Reports erst nach Bekannt-
gabe des IPO verteilt werden und
mit Veröffentlichung des Prospekts
und somit vor der eigentlichen Investitionsentscheidung ein sogenanntes
Level Playing Field für alle Investoren hergestellt wird.
. . . und
Anna Schwander
Partner
bei Kirkland & Ellis,
München
Bei einem Platzierungsverfahren
ohne öffentliches Angebot fehlt es
an dem Level Playing Field vor der
Investitionsentscheidung, weshalb
manche Banken bei der Verwendung von Research Reports aus Compliance-Gründen zurückhaltend sein
werden. Ohne Research ist die Prüfung der Investition für den einzelnen Investor aufwendiger, was nachteilig für die Platzierung sein kann.
Es ist daher im Einzelfall mit den begleitenden Banken zu diskutieren, in
welcher Form Research verwendet
werden kann. Die Zusage des Investors, Aktien zu übernehmen, kann
durch ein Investment Agreement dokumentiert werden. Ansonsten kann
eine kurze Vereinbarung zum Zeitpunkt der Order abgegeben werden,
die Regelungen zur Vertraulichkeit,
Haftungsbegrenzung, Geltung des
deutschen Prospektrechts, zum Listing als aufschiebende Bedingung
etc. enthält. Dies kann jedoch zu
inhaltlichen Diskussionen führen,
die den Prozess verkomplizieren
und Investoren abschrecken. Will
man das vermeiden, kann auch die
Unterzeichnung einer Order lediglich unter der aufschiebenden Bedingung der Zulassung der Aktien ausreichen.
Fazit – Im Ergebnis bleibt abzuwägen, ob ausreichend interessierte
Investoren bekannt und Informationen am Kapitalmarkt verfügbar sind,
um ein IPO ohne öffentliches Angebot durchführen zu können. Dem öffentlichen Preis- und Erfolgsdruck
kann man dadurch sicherlich besser
entgehen, als wenn man ein – oftmals auch ressourcenintensiveres –
IPO mit öffentlichem Angebot durchführt. Vor dem Hintergrund des
jüngst abgesagten Börsengangs von
OfficeFirst sollten Unternehmen und
Gesellschafter ein IPO ohne öffentliches Angebot daher durchaus in
Erwägung ziehen.
Impressum
Börsen-Zeitung
Sonderbeilage
Eigenkapital
Am 19. November 2016
Redaktion: Claudia Weippert-Stemmer
Anzeigen: Bernd Bernhardt (verantwortlich)
Technik: Tom Maier
Typografische Umsetzung: Klaus Jung
Verlag der Börsen-Zeitung in der Herausgebergemeinschaft
WERTPAPIER-MITTEILUNGEN Keppler, Lehmann GmbH & Co. KG,
Düsseldorfer Straße 16, 60329 Frankfurt am Main, Tel.: 069/2732-0,
(Anzeigen) Tel.: 069/2732-115, Fax: 069/233702,
(Vertrieb) 069/234173.
Geschäftsführung: Ernst Padberg (Vorsitzender),
Torsten Ulrich, Dr. Jens Zinke
Druck: Westdeutsche Verlags- und Druckerei GmbH;
Kurhessenstraße 4–6, 64546 Mörfelden-Walldorf
Sonderbeilage
Sonnabend, 19. November 2016
Börsen-Zeitung Nr. 224
B5
Gang aufs Parkett braucht die richtige Strategie
Nachhaltig besserer Zugang zu Eigen- und Fremdkapital – Aber auch Ressourcenbindung sowie Folgepflichten
Die Börsenreife des Unternehmens
ist die Fähigkeit, sämtliche gesetzlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen, die mit
einem Börsengang verbunden sind,
zu erfüllen. Hierzu gehören sowohl
Mindestanforderungen
an die Unternehmensgröße, die Qualität der
Finanzberichterstattung
Von
als auch an die interne
Oliver Diehl
Organisation im Hinblick auf Transparenz
und
Kommunikation.
Weitere Voraussetzungen eines Börsenganges
sind sowohl der realisierte Geschäftserfolg mit eiLeiter
ner attraktiven ErgebnisEquity Capital Markets
entwicklung in der Verbei Berenberg
gangenheit als auch ein
umfassender Businessterschiedlich. Im Vordergrund ste- plan für die künftigen Jahre.
Investoren achten auf solide Finanhen meist die Möglichkeit einer kostengünstigen Finanzierung des Un- zen und eine überzeugende Equity
ternehmenswachstums und der Story. Die jeweilige Markt- und BranWunsch nach einer Stärkung der Ei- chenpositionierung des Unternehgenkapitalbasis sowie die Handelbar- mens beeinflusst ebenfalls den Grad
keit und tägliche Bewertung der Un- der Börsenreife. Hierbei sollte sich das
Geschäftsmodell im Hinblick auf verternehmensanteile.
gleichbare Unternehmen klar unterscheiden. Welches WachstumspotenSorgfältig abwägen
zial hat die jeweilige Branche? Wie
Die Vor- und Nachteile eines Bör- sieht die Wettbewerbsintensität im
senganges sind vielseitig und von Markt aus? Der Börsenkandidat sollweitreichender Bedeutung für das te bezüglich der Wachstumsrate, Umzukünftige Wachstum. Eine richtige satzentwicklung und des MarktanKapitalmarktstrategie, die auf das teils eine überdurchschnittliche
Geschäftsmodell und die Finanzie- Performance abbilden und sichtbare
widerrungsbedürfnisse eines Unterneh- Wachstumsmöglichkeiten
mens abgestimmt ist, vermag es, die spiegeln.
Darüber hinaus ist eine glaubwürWachstumsstrategie der Gesellschaft wirksam zu unterstützen. Ein dige Darstellung der Verwendung
Börsengang ist allerdings mehr als der Emissionserlöse für die Realisiedie reine Kapitalbeschaffung, er ist rung der vorgestellten Wachstumsauch mit bedeutenden Kosten und strategie von großer Bedeutung.
weiterem Folgeaufwand verbunden. Letztlich spielt die Qualität des MaDaher sollte nur nach sorgfältiger Ab- nagements eine wichtige Rolle. Hierwägung die Entscheidung getroffen bei stehen die fachliche und persönliwerden, ob sich der Schritt an die che Reife, eine umfangreiche Industrieerfahrung sowie idealerweise eiBörse lohnt.
Vor jedem Börsengang muss zu- ne langjährige Unternehmenszugenächst geprüft werden, ob das Unter- hörigkeit im Vordergrund. All diese
nehmen reif für den Aktienmarkt ist. Faktoren spielen bei der Beurteilung
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Der Weg an die Börse ist ein Meilenstein und bedeutender Schritt für
die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens. Die Gründe für einen
Gang auf das Börsenparkett sind un-
Der Kapitalmarkt lebt
Fortsetzung von Seite B 2
ziert, und Verlässlichkeit und Sicherheit eines Investments haben an Wertschätzung zugelegt. Das Phänomen
negativer Zinsen ist hierfür offensichtlicher Beleg: Nicht wenige Investoren
sind in bestimmten Marktphasen bereit, für den bloßen Werterhalt ihres
Investments sogar zu bezahlen. Aber
für die Unternehmen bleibt es dabei:
Von ihnen wird bei der Kapitalaufnahme weiterhin eine auskömmliche,
den eingegangenen Risiken angemessene Rendite verlangt – beim Aktieninvestor beispielsweise aus der Wertsteigerung des erworbenen Papiers.
Je nach Branche kommt die Forderung nach Gewinnbeteiligung in
Form von Dividenden hinzu.
Dividendenpolitik vermitteln
Für Gesellschaften ist hier aber
Maßhalten angesagt, denn wenn
Ausschüttungen nicht voll operativ
verdient werden, schmälert das langfristig die Substanz und damit das
Kapital des Investors. Und auch
Wachstumsunternehmen bieten aus
guten unternehmerischen Gründen
keine hohen Dividendenrenditen,
wenn überhaupt. Familiendominierte Gesellschaften neigen bei Dividenden gerne zur Zurückhaltung, um
auf lange Sicht die Substanz des Unternehmens für schwierige Marktphasen zu stärken. Die Dividendenpolitik eines Unternehmens muss Investoren vermittelt werden. Dies ist
Aufgabe der Bank als Bindeglied zwischen Investor und Unternehmen.
Unternehmen ohne Kapitalmarkterfahrung sind auf professionelle Unterstützung einer Bank, die sich mit
den Erwartungen der Kapitalgeber
auskennt, angewiesen.
Gerade deutsche Eigenkapitalinvestoren erwarten von Unternehmen Verlässlichkeit. Sie wollen klar
formulierte, erreichbare, nachvollziehbare Unternehmensziele und bevorzugen konservative und langfristige Planungen. „Underpromise – overdeliver“ bleibt die beste Richtschnur
unternehmerischer Kommunikation.
Lieber weniger versprechen und das
Versprochene übererfüllen, das ist
im Kern, was Eigenkapitalinvestoren
von Unternehmen erwarten. Das gilt
gerade im risikoaversen Deutschland. Wem es als Unternehmen gelingt, über Jahre seine Prognosen zu
erfüllen, der gewinnt das Vertrauen
des Marktes – ein hohes, aber scheues Gut. Ein verlässlicher Track Record ist für Investoren wichtige
Kenngröße bei der Beurteilung einer
Firma und ihres Managements.
Darüber hinaus zählen ein starkes
Management und eine überzeugende Equity Story möglichst innerhalb
einer schnell wachsenden und attraktiven Branche. Im Falle von Brain
war dies alles gegeben. Die hohe Retailnachfrage unterstreicht das Interesse. In Kombination mit der Nachfrage institutioneller Investoren ergibt das einen stabilen, diversifizierten Investorenmix.
Börsengänge bleiben im aktuellen
Markt eine Herausforderung. Brain
aber hat gezeigt, dass auch in schwierigen Marktlagen der Weg auf das
Parkett nicht grundsätzlich verstellt
ist. Es bedarf jedoch eines Unternehmens mit hoher Qualität sowie einer
guten Vorbereitung mit einem passenden Platzierungskonzept. Generell haben Investoren über die vergangenen bewegten Börsenjahre gelernt, auch mit volatilen Märkten
umzugehen. Den Kandidaten ist zu
raten, sich frühzeitig vorzubereiten,
um günstige Marktphasen zu nutzen. Neben der frühen Ansprache
der Schlüsselinvestoren haben wir
den Börsengang über etliche Monate
schon vor dem eigentlichen IPO zusammen mit dem Management vorbereitet.
eines Börsenaspiranten durch den
Kapitalmarkt im Zuge eines Börsenganges eine herausgehobene Rolle.
Der Gang an die Börse ist mit einer Reihe von Vorteilen verbunden.
Zunächst eröffnet die Kapitalmarktpräsenz besseren Zugang zu Eigenund Fremdkapital für die Deckung
des unternehmenseigenen Finanzierungsbedarfs. Mit der Ausgabe von
neuen Aktien stärken Unternehmen
ihre Eigenkapitalquote und erzielen
eine höhere Flexibilität und Unabhängigkeit in der Unternehmensfinanzierung. Auch die Bonität gegenüber Fremdkapitalgebern wie Banken und Lieferanten verbessert sich
dadurch erheblich. Zusätzlich bietet
die tägliche Handelbarkeit mit Unternehmensanteilen höhere Flexibilität, sowohl für Altaktionäre im Bezug auf die Diversifizierung ihres
Vermögens als auch für Neuinvestoren auf der Suche nach attraktiven
Investitionsopportunitäten.
Ein Börsengang bietet neben einer
möglichen Kapitalerhöhung auch Altaktionären die Möglichkeit, bestehende Aktien am Kapitalmarkt zu
verkaufen und somit ihren Anteil am
gelisteten Unternehmen zu reduzieren. Es gilt allerdings zu beachten,
dass ein kontinuierlicher Abverkauf
von Unternehmensanteilen durch
Altaktionäre möglicherweise durch
den Kapitalmarkt als Signal interpretiert wird in Bezug auf die zukünftigen Geschäftsaussichten der Gesellschaft. Allgemein erzielen börsengelistete Unternehmen eine höhere
Bewertung als Unternehmen, deren
Anteile nicht an der Börse handelbar
sind.
Weiterhin schafft ein Börsengang
mit der Ausgabe von handelbaren
Aktien nicht nur eine attraktive Ak-
quisitionswährung, sondern auch
die Grundlage für eine ergänzende
aktienbasierte Mitarbeitervergütung
in der Zukunft. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist, dass die durch die
Pressebegleitung des Börsenganges
geschaffene zusätzliche mediale Aufmerksamkeit die Bekanntheit der
Marken und Produkte des Unternehmens weiter steigert.
Auf der anderen Seite stehen die
Kosten und Pflichten eines Börsenganges. Hierzu gehören umfangreiche Transparenz- und Publizitäts-
„Entscheidend für
den Erfolg eines Börsengangs sind neben
der Ausarbeitung einer für die Investoren
überzeugenden Equity Story des Unternehmens die konsequente Adressierung
dieser Vorbehalte unter Berücksichtigung
der unternehmensspezifischen Anforderungen des Börsenkandidaten.“
pflichten, Anforderungen an die Corporate Governance sowie andere organisatorische und zeitliche Anforderungen. Die Pflege der Beziehung zu
Kapitalgebern kostet Zeit und bindet
Ressourcen. Der Umfang der Anforderungen an die periodische Berichterstattung und an die Einhaltung
von Corporate-Governance-Vorgaben hängt von dem jeweiligen Listingsegment ab, in dem das Unternehmen an der Börse gehandelt
wird. Diese Anforderungen bestimmen auch die Höhe der Kosten für
periodische Berichterstattung und Investorenbetreuung.
Darüber hinaus ist ein Börsengang
allgemein mit stärkerer Mitsprache
bei der Unternehmensstrategie verbunden, insbesondere getrieben
durch die mit der zunehmenden
Transparenz einhergehenden Leistungserwartungen der Kapitalmarktöffentlichkeit. Eigen- und Fremdkapitalgeber, Analysten, Geschäftspartner und Wettbewerber haben zudem
nun direkten Zugang zu Finanzdaten und verfolgen die Unternehmensentwicklung aufmerksam.
Mit dem Börsengang verfolgen Unternehmen meist das Ziel, die Internationalisierungs- oder Wachstumsstrategie sowie Innovationsvorhaben konsequenter zu verfolgen. Um
den Kapitalbedarf für diese Vorhaben zu decken, stehen einem Unternehmen neben einem Börsengang eine Reihe von weiteren Alternativen
zur Verfügung. Hierzu gehört die
Aufnahme von Fremdkapital, beispielsweise durch die Emission einer
Unternehmensanleihe. Oft bietet
sich eine Anleiheemission als eine attraktive Möglichkeit für Unternehmen an, um erste Kapitalmarkterfahrungen zu sammeln, bevor ein Börsengang angestrebt wird, zumal die
Anforderungen für die Begebung einer Unternehmensanleihe weniger
restriktiv sind als die Anforderungen
an einen Börsengang.
Über den Erfolg eines Börsenganges entscheidet auch das aktuelle Kapitalmarktumfeld. Die Schwankungen am Kapitalmarkt in der letzten
Zeit verstärken oft bestehende Vorbehalte gegen einen möglichen Börsengang. Hinzu kommen neben den
einmaligen Kosten die Sorge vor
dem allgemeinen Regulierungsniveau oder einer zu niedrigen Bewertung des Unternehmens durch den
Kapitalmarkt sowie ein nicht ausreichendes Verständnis des Geschäftsmodells durch die Kapitalmarktöffentlichkeit.
Entsprechende Reife nötig
Entscheidend für den Erfolg eines
Börsenganges sind daher neben der
Ausarbeitung einer für die Investoren überzeugenden Equity Story des
Unternehmens die konsequente
Adressierung dieser Vorbehalte unter Berücksichtigung der unternehmensspezifischen
Anforderungen
des Börsenkandidaten. Hierfür ist
die Auswahl der richtigen begleitenden Banken von entscheidender Bedeutung. Neben der Fähigkeit, die
beschriebenen Angaben zu erfüllen,
steht
die
Platzierungsfähigkeit
durch die begleitenden Banken am
Kapitalmarkt im Vordergrund.
In Summe bieten die strukturellen
Rahmenbedingungen im heutigen
Kapitalmarkt eine attraktive Möglichkeit für Unternehmen mit der entsprechenden Reife, mittels eines
Börsenganges nachhaltig besseren
Zugang zu Eigen- und Fremdkapital
zu erhalten, das Unternehmenswachstum zu beschleunigen sowie
durch erhöhte Publizität die Bekanntheit des Unternehmens weiter
zu steigern.
Deutsche Börse Venture Network
Perfektes Matching für
Wachstumsunternehmen
und Investoren
Eigenheiten beachten
Bei Healthcare haben wir in allen
drei relevanten Bereichen Corporate
Finance, Research und Distribution
die in Europa führende Plattform
und verfügen durch unseren länderübergreifenden deutsch-französischen
Schwerpunkt über erhebliche Platzierungskraft. Nicht zuletzt konnten
wir die BHF-Bank als Selling Agent
in die Transaktion einbinden, was
dazu beigetragen hat, die Transaktion zum Erfolg zu führen.
Allerdings – und das gilt es zu beachten – durchlebt der Markt eine
Phase, deren Eigenheiten es zu berücksichtigen gilt. Finanzierungen
durch Eigenkapital haben für Unternehmen wie Investoren viele grundsätzliche Vorteile. In Frankreich gibt
es mittlerweile eine ganze Reihe
Fonds, die sich auf Deutschland
fokussieren.
Deutsche Börse Venture Network führt als neutrale Plattform wachstumsstarke
Unternehmen mit nationalen und internationalen Investoren gezielt zusammen.
Dabei berücksichtigt die Deutsche Börse den besonderen Finanzierungsbedarf
der Unternehmen und die Anlagepräferenzen der Investoren. Als Unternehmen
kommen Sie schneller an Wachstumskapital. Als Investor erhalten Sie Zugang
zu den vielversprechendsten Unternehmen von morgen.
Seien Sie dabei:
venture-network.com
Your place for growth
B 6 Börsen-Zeitung Nr. 224
Sonderbeilage
Sonnabend, 19. November 2016
Investor bringt den Gesellschafterwechsel voran
Gute Beteiligungsgesellschaften halten von maßgeschneidertem Mezzaninekapital bis hin zur individuellen Direktbeteiligung passende Finanzierungen bereit
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Für die meisten Mittelständler ist es
eine besondere Situation, wenn es
darum geht, scheidende Gesellschafter auszuzahlen oder neue aufzunehmen. Wenn Eigner sich zur Ruhe setzen, ein Investor seine Beteiligung
veräußern möchte oder Konflikte
über die Unternehmensführung nur
mit einer Trennung von Gesellschaftern zu lösen sind, bedeutet das für
jedes mittelständische Unternehmen
einen organisatorischen und häufig
auch finanziellen Kraftakt. Das Engagement eines Eigenkapitalinvestors
kann in diesen Fällen viele Probleme
lösen und zu einem sicheren Gelingen beitragen.
Sicherheiten erforderlich
Die Hausbank wird die Auszahlung eines Altgesellschafters in der
Regel nicht vollständig finanzieren.
Sie benötigt Sicherheiten. Die sind
beim Gesellschafterwechsel selten in
ausreichender Höhe vorhanden oder
können von Mittelständlern oft nicht
erbracht werden. Bei einvernehmlichen Trennungen wird oftmals eine
Ratenzahlung vereinbart. Der scheidende Gesellschafter erhält dann
den Kaufpreis über die nächsten drei
bis fünf Jahre, zum Beispiel durch
disquotale Gewinnverteilungen. Diese Liquidität fehlt jedoch dem Unternehmen für Investitionen und bilanziell als Eigenkapitalpuffer, falls Umsätze und Gewinne aufgrund externer Einflüsse kurzfristig nachlassen
sollten. Mit einer solchen Verpflichtung könnte sich ein Gesellschafterwechsel unter Umständen sogar als
existenzgefährdend für das Unternehmen erweisen.
Das droht auch bei dem Gesellschafterwechsel, den jeder Unternehmer am Ende seines beruflichen Wirkens vor sich hat: dem Ausstieg aus
dem eigenen Betrieb, mit der Übergabe der operativen Verantwortung
und des wirtschaftlichen Eigentums
an hoffentlich geeignete Nachfolger.
Jeder Unternehmer strebt hier selbstverständlich eine Lösung an, die den
Fortbestand seines Lebenswerks
nicht gefährdet, seinem Nachfolger
die nötige unternehmerische Frei-
ne wertsteigernde Zukunftsperspektive für das Unternehmen entwickeln. Soweit eine Rückkaufmöglichkeit vereinbart wurde, sollten die Altgesellschafter bei planmäßiger Entwicklung den Investor nach den darauffolgenden vier bis sieben Jahren
auszahlen können. Alternativ ist auch möglich,
dass alle Gesellschafter
Von
das nun wertvollere UnMartin Völker
ternehmen gemeinsam
an einen Dritten veräußern.
Für viele Mittelständler ist die Beteiligung eines Investors bei einem
anstehenden
Gesellschafterwechsel eine attraktive Lösung. Die
Geschäftsführer der
VR Equitypartner GmbH Weiterentwicklung des
eigenen Unternehmens
steht für sie ohnehin im
heit bietet, seiner Verantwortung für Fokus ihrer täglichen Arbeit. Wenn
die Mitarbeiter und die Region ge- sie diese umsetzen können, ohne zurecht wird und mit der er seine Fami- sätzliche finanzielle Abhängigkeiten
lie und sich selbst ohne Risiko finan- hinnehmen zu müssen, spricht viel
für eine zeitlich begrenzte Partnerziell absichern kann.
schaft mit einem geeigneten externen Investor.
Zukunft nicht belasten
Gute Beteiligungsgesellschaften
Eine wichtige Leistung des Inves- halten von maßgeschneidertem Meztors ist die Bereitstellung der finanzi- zaninekapital bis zur individuell geellen Mittel für den Ausstieg des aus- stalteten Direktbeteiligung als Minscheidenden Gesellschafters, ohne derheits- oder Mehrheitsgesellschafdie Zukunftsmöglichkeiten des ter die passenden FinanzierungsinUnternehmens durch hohe Verbind- strumente mit unterschiedlich abgelichkeiten zu belasten. Mittelständ- stuften Abstimmungserfordernissen
ler, bei denen ein Gesellschafter- und Berichtspflichten bereit. Investowechsel ansteht, können so den ren, die vor allem mittelständische
Wechsel an der Spitze des Unterneh- Familienunternehmen unterstützen,
mens mit der nötigen Ruhe umset- achten zudem darauf, dass sie die Inzen, ohne Einbußen in der finan- teressen des Unternehmers versteziellen Handlungsfähigkeit und un- hen und beachten und Maßnahmen
ter Beibehaltung geordneter Bilanz- zur Wertsteigerung vorab gemeinsam abstimmen. Sie werden zudem
relationen.
Ein Eigenkapitalinvestor wird sein ihr Engagement nicht strikt zeitlich
Engagement jedoch zeitlich begren- befristen, sondern können sich flexizen und – im Idealfall bereits vor Ein- bel nach den Anforderungen des Untritt in den Gesellschafterkreis – mit ternehmers und der Lage des Unterden verbliebenen Gesellschaftern ei- nehmens richten. Damit sind dann
auch Vorhaben wie der Ausbau von
Produktionskapazitäten oder das Erschließen neuer Märkte im Ausland
möglich, die ein Unternehmen in der
Regel mehr als vier oder fünf Jahre
stark in Anspruch nehmen.
Doch ein guter Investor kann noch
mehr, nämlich den Unternehmer
auch bei der mitunter schwierigen
personellen und organisatorischen
Umsetzung des Gesellschafterwechsels wirkungsvoll unterstützen. Diese Leistung kommt Mittelständlern
vor allem bei der Nachfolge zugute.
Hier ist sie auch dringend nötig.
Alarmierende Zahlen
Die Zahlen sind alarmierend. Der
Deutsche Industrie- und Handelskammertag stellt jedes Jahr ein neues Rekordhoch bei übergabewilligen
Unternehmern fest. Zugleich nimmt
aber die Zahl der potenziellen Nachfolger, die sich für eine Betriebsübernahme interessieren, stetig ab. 43 %
der Senior-Unternehmer fanden laut
Umfrage im vergangenen Jahr nicht
den passenden Nachfolger – so viele
wie nie seit Beginn der Statistik im
Jahr 2007. In der Industrie kommen
sogar fast fünf Altinhaber auf einen
Übernahmeinteressenten. Hoher Kapital- und Modernisierungsbedarf
und die schwierige Suche nach qualifizierten Übernehmern erschweren
die Nachfolgersuche. Aber auch das
„Nicht-loslassen-Können“ vieler Altinhaber schreckt etliche potenzielle
Nachfolger ab.
Die letztlich mögliche Lösung, den
Betrieb an einen Wettbewerber zu
veräußern, können sich Umfragen
zufolge zwar immer mehr Senior-Unternehmer vorstellen. Wünschenswert ist das aber für viele nicht.
Schließlich soll das Unternehmen im
Idealfall eigenständig bestehen bleiben. Ein solcher Schritt entspricht zudem oftmals nicht der sozialen und
regionalen Verantwortung, die gera-
de mittelständischen Familienunternehmen wichtig ist. Es ist auch dann
keine Alternative, wenn derjenige
mit dem besten Angebot ausgerechnet der Wettbewerber ist, mit dem
der Betriebsinhaber eine jahrzehntelange scharfe Konkurrenz pflegte.
In dieser Situation bietet es sich
für Unternehmer an, frühzeitig die
Unterstützung eines Eigenkapitalinvestors zu suchen. Der kann ihnen
den Weg zu einer erfolgreichen
Nachfolge ein Stück weit ebnen. Die
Leistung des Investors besteht darin,
den Unternehmer beim Aufbau professioneller Entscheidungs- und Berichtsstrukturen im Betrieb zu begleiten und gemeinsam mit ihm einen
geeigneten Nachfolger zu finden.
Dieser kann aus der Familie oder aus
„Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag stellt
jedes Jahr ein neues
Rekordhoch bei übergabewilligen Unternehmern fest. Zugleich nimmt aber
die Zahl der potenziellen Nachfolger, die
sich für eine Betriebsübernahme interessieren, stetig ab.“
der Führungsebene des Unternehmens in die neue Aufgabe hineinwachsen oder extern gesucht werden, etwa im Netzwerk des Investors
bei anderen vergleichbaren Unternehmen.
Der Investor kann auch bei weiteren notwendigen Schritten begleiten. Dazu gehört etwa der konkrete
zeitliche Ablauf der Nachfolge, die
Ausgestaltung des organisatorischen
Übergangs und der Übergabe der
Anteile bis hin zu einer möglichen
Rückbeteiligung des bisherigen Betriebsinhabers, die ihm einen schrittweisen Rückzug ermöglicht. Möglich ist auch eine Beteiligung des
Managements oder sogar ein Beteiligungsmodell für eine größere Anzahl von Mitarbeitern.
Unternehmer hat letztes Wort
Das letzte Wort bei diesen Entscheidungen hat selbstverständlich
der Unternehmer. Er findet jedoch
im ausgewählten Investor einen
Sparringspartner, der ihm im Unternehmen sonst häufig fehlt. Der Investor unterstützt den Betriebsinhaber dabei, die erforderlichen
Schritte professionell vorzubereiten
und umzusetzen. Sollte sich eine
wichtige Entscheidung, etwa die Auswahl des Nachfolgers, als Fehlgriff
erweisen, wird der Unternehmer gemeinsam mit dem Investor schneller
zu einer Alternativlösung finden als
allein.
Im Regelfall allerdings erweist
sich eine Unternehmensübergabe,
die vom Investor begleitet wird, als
erfolgreich – auch für den Nachfolger. Sofern der Kapitalgeber in seinem Engagement nicht zeitlich strikt
begrenzt ist, kann der Übernehmer
den Betrieb in Ruhe auf sich ausrichten und zugleich von den Erfahrungen des Übergebers profitieren. Zudem kann der Investor als Moderator bei eventuellen Konflikten vermitteln und so dazu beitragen, die
Nachfolgelösung reibungslos zu gestalten. Schon allein diese Option
macht die Übernahme eines Betriebs
für qualifizierte Interessenten oftmals attraktiver.
Banken forcieren Distressed-M&A-Transaktionen
Verbesserte Risikoinstrumente identifizieren Restrukturierungsfälle rechtzeitig – Mit externer Unterstützung professionellen Verkaufsprozess sicherstellen
den Restrukturierungsfälle mittlerweile rechtzeitig identifiziert und
Distressed-M & A-Deals forciert.
Für externe Investoren gibt es
grundsätzlich zwei Optionen des Erwerbs: eine Investition im Rahmen
eines Insolvenzplanes
beziehungsweise ein Asset-Deal im Rahmen eiVon
ner übertragenden SaOliver Räuscher . . .
nierung. Externe Investoren haben im Zuge eines Distressed-M & ADeals eine geringe Bereitschaft, in Insolvenzplanlösungen zu investieren, da sie ÜbertraPartner Corporate
gungslösungen wegen
Restructuring
eines größeren Hebels
bei Deloitte
zur Wertsteigerung und
besseren Sanierungsmöglichkeiten präferieren.
Gleichzeitig lässt sich ein steigenist der frühzeitige Verkauf von Tochterunternehmen oder Vermögensge- der Anteil an ausländischen und stragenständen eine mögliche Strategie. tegischen Investoren bei größeren
Die zusätzlichen liquiden Mittel kön- Transaktionen beobachten, was zu
nen zur Stabilisierung der operati- einer erhöhten Komplexität bei der
ven Geschäftstätigkeit eingesetzt Investorensuche führt. Insbesondere
asiatische Unternehmen nutzen
werden.
Darüber hinaus kann man durch häufig die Chance, durch einen Diseine erfolgreiche Transaktion das tressed-M & A-Deal schnell Zugang
Verschuldungsniveau signifikant re- zum deutschen Markt zu finden.
duzieren und die Eigenkapitalausstattung verbessern. Zu beachten ist
Weltweite Bieter
hierbei, dass die Veräußerung in diesen Situationen oft unter hohem zeitEin Beispiel für eine solche Translichem Druck erfolgt. Außerdem gibt aktion ist der Erwerb des deutschen
es neben wirtschaftlichen Risiken Fotovoltaik-Unternehmens Q-Cells SE
(angemessener Kaufpreis bei Notver- durch die südkoreanische Hanwhakäufen) auch rechtliche Risiken, die Gruppe. Nachdem die angestrebte
zur Rückabwicklung der Transakti- Restrukturierung am Widerstand
on insbesondere bei Verkäufen im der Anleger gescheitert war, musste
Zeitraum kurz vor einer Insolvenz das sächsische Unternehmen im
des Verkäufers führen können. Risi- April 2013 Insolvenz anmelden.
ken können sich auch für einen „sol- Dies wurde primär mit dem steigenventen“ Verkäufer bei einer späteren den Preisdruck durch asiatische
Insolvenz des verkauften Unterneh- Wettbewerber begründet. Der Insolmens ergeben.
venzverwalter plante, Q-Cells über
den Verkauf zu sanieren, und beauftragte Deloitte mit der InvestorensuStabiles Marktsegment
che. Deloitte organisierte ein global
Die Anzahl und das Volumen von aufgelegtes Auktionsverfahren mit
Transaktionen auf dem deutschen Bietern aus Europa, Asien und NordM e r g e r s - & - A c q u i s i t i o n s - M a r k t amerika. Die Hanwha-Gruppe, einer
(M & A) liegen momentan auf einem der zehn größten südkoreanischen
hohen Niveau, und Distressed-M & A- Konzerne, setzte sich als langfristiTransaktionen sind dabei ein stabi- ger, strategischer Investor durch.
les Marktsegment. Dies liegt nicht zu- Die Übernahme ermöglicht der Hanletzt daran, dass Banken häufig Not- wha-Gruppe die weitere Expansion
verkäufe zur Abwendung einer Insol- ihres Europageschäfts.
Im Gegensatz dazu zeigt der Fall
venz anstoßen. Durch verbesserte Risikoinstrumente der Geldhäuser wer- der Praktika AG, dass nicht immer
Börsen-Zeitung, 19.11.2016
Im Jahr 2015 haben rund 23 000
Unternehmen Insolvenz angemeldet. Um die Zahlungsfähigkeit zu
erhalten und die Grundlage für eine
erfolgreiche Sanierung zu schaffen,
eine Rettung durch eine Distressed-M & A-Transaktion möglich
ist. Das fehlende Kapital für die
Umsetzung des Sanierungskonzeptes belief sich auf rund 30 Mill. Euro.
Die Konsequenz war die Liquidation
und der Verlust von Tausenden
Arbeitsplätzen.
Kritische Erfolgsfaktoren
Aus der Vielzahl der von Deloitte
geführten Distressed-M & A-Transaktionen lassen sich sieben kritische
Erfolgsfaktoren identifizieren. Zunächst ist die Sicherstellung der
Liquidität von hoher Bedeutung. So
kann der für den Verkaufsprozess
notwendige zeitliche Spielraum
durch temporäre Verlängerung von
Zahlungszielen und Zahlungsvereinbarungen mit Lieferanten, Fokussierung von Einkauf und Produktion
auf das Kernsortiment beziehungsweise Schnelldreher sowie Beiträge
von Gesellschafter- und Bankenseite
gewährleistet werden.
Außerdem ist es wichtig, einen
schlanken Verkaufsprozess aufzusetzen. Der Verkauf eines Unternehmens in einer Krisensituation ist in
der Regel äußerst zeitkritisch, da in
der Krise ein möglicher Vertrauensverlust bei Kunden, Zulieferern und
Mitarbeitern negative Auswirkungen auf das operative Geschäft
haben kann. Es ist daher entscheidend, den Prozess strukturiert und
ohne Reibungsverluste umzusetzen.
Dies bedeutet, dass jeder einzelne
Prozessschritt eng verzahnt und detailliert mit
allen involvierten Stakeholdern abgestimmt sowie umgesetzt werden
muss.
Distressed-M & A-Projekte in der Krise benötigen personelle Ressourcen kurzfristig und in hohem Umfang. Die Geschäftsführung des zu
veräußernden Unternehmens muss sich auf den
reibungslosen Ablauf im
operativen Geschäft und
die Restrukturierung konzentrieren
können. Eine Abwicklung einer solchen Transaktion stellt außerdem
hohe Anforderungen inhaltlicher
und zeitlicher Natur an das Projektteam, welches die Transaktion vorbereitet und durchführt. Aus diesem
Grund wird auch externe Unterstützung bei einem solchen Transaktionsprozess benötigt, um kurzfristig
starten zu können. Auch seitens der
finanzierenden Banken wird oftmals
eine externe Unterstützung gefordert, um einen professionellen Verkaufsprozess sicherzustellen.
Darüber hinaus sollten alle Stakeholder möglichst frühzeitig in den
Prozess eingebunden werden. Bei
. . . und
Hendrik Engelhardt
Director Corporate
Restructuring
bei Deloitte
Distressed-M & A-Projekten gibt es
eine Vielzahl verschiedener Parteien
(Kreditgeber, andere Gläubiger, besicherte und unbesicherte Gläubiger,
potenzielle Investoren, Mitarbeiter
etc.), die teils gegensätzliche Ziele
verfolgen. Ein umfangreiches Verständnis der jeweiligen Interessenlagen ist essenziell für eine schnelle
und erfolgreiche Abwicklung der
Transaktion. Wesentliche Erfolgsfaktoren stellen dabei auch eine umfas-
sende Branchenexpertise und Restrukturierungskompetenz dar. Eine
schnelle Identifikation von potenziellen strategischen Investoren und spezialisierten Finanzinvestoren muss
gewährleistet werden. Des Weiteren
ist es von hoher Bedeutung, dass Restrukturierungsansätze kompetent
und mit Erfahrung mit möglichen
Kapitalgebern diskutiert werden.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist ein
belastbares Investorennetzwerk. Die
Chancen auf einen angemessenen
Verkaufserlös bei der Transaktion
werden oft durch eine breit gefächerte Investorensuche, insbesondere in
Bezug auf strategische Investoren,
substanziell erhöht. Dabei spielt
zunehmend auch die erfolgreiche
Identifikation und Ansprache internationaler Investoren in einem
großen Netzwerk eine bedeutende
Rolle.
Kürzerer Zeitrahmen
Zuletzt ist die Integration von Insolvenzrechtsexperten zu nennen.
Bei Distressed-M & A-Transaktionen
sind fundierte Kenntnisse über die
besonderen insolvenzrechtlichen Anforderungen erforderlich. Dies gilt
insbesondere im Hinblick auf die Vermeidung möglicher Aufhebungsrisiken oder der Rückabwicklung einer
bereits erfolgten Transaktion.
Im Vergleich zu normalen M & ATransaktionen liegt der Fokus der
Verhandlungen häufig auf den Vermögensgegenständen und Sanierungsrisiken, da diese einen erheblichen Einfluss auf die Bewertung haben. Die Struktur und der Zeitpunkt
der Transaktion werden daher stark
von der Käuferseite getrieben. Charakteristisch für Distressed-M & AProjekte ist auch der Zeitrahmen,
welcher zum Teil zwischen einem
bis drei Monaten liegt. Im Vergleich
dazu erfolgt bei regulären M & ADeals ein Closing nach rund sechs
bis zwölf Monaten.
Für eine erfolgreiche Transaktion
ist es entscheidend, dass externe
Unterstützung in Anspruch genommen wird und die Gesellschafter,
Gläubiger, Berater und gegebenenfalls Insolvenzverwalter von Anfang
an in den Prozess eingebunden werden. Dies ermöglicht einen schnellen
und effizienten Abschluss der Transaktion.